Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Arthur Conan Doyle – Sherlock Holmes 8: Der Patient (Hörspiel)

Sherlock Holmes wird von Dr. Tevelyan um Hilfe gebeten, weil sein Förderer und gleichzeitiger Patient Mr. Blessington, der unter Paranoia leidet, der unumstößlichen Ansicht ist, dass bei ihm eingebrochen wurde, obwohl augenscheinlich nichts entwendet wurde. Dr. Trevelyan ist allerdings der Ansicht, dass die Meinung seines Patienten die Folge seiner Erkrankung ist. Doch eine erste Begehung des Tatortes überzeugt Sherlock Holmes schnell, dass sein neuer Klient Recht hat und bei Mr. Blessington tatsächlich eingebrochen wurde. Hintergründe und Motive der Tat bleiben aber auch dem Meisterdetektiv verborgen, da sich Mr. Blessington standhaft weigert, Holmes die volle Wahrheit zu erzählen.

Dann kehren die Einbrecher zurück und es kommt zu einem grauenvollen Mord …
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Ellmer, Arndt / Effenberger, S. A. / Hagitte, Chr. / Bertling, S. / Sieper, M. – Femesängerin, Die (Perry Rhodan – Sternenozean 12)

Zu den Sternen! Navigatorinnen der Raumschiffe

|Lübbe Audio| vertont die Abenteuer des Kadetten Kantiran und des Sternenadminstrators Perry Rhodan, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind zwölf Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren. Dies ist die zweite Staffel.

Folge 12, Fortsetzung von Folge 10 und 11: Zephyda ist bereit, für ihr Volk den Kampf gegen die Unterdrücker aufzunehmen: Sie wird in das Geheimnis der verfemten Gesänge eingeweiht. Währenddessen dringen Perry Rhodan und Atlan ins Crythumo ein, die Festung der Krybb-Cranar. Doch sie geraten in einen Hinterhalt … (Verlagsinfo)

Die Reihe

„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.

Es gab vor der aktuellen |Lübbe Audio|-Reihe schon Vertonungen der PR-Silberbände, doch nicht in der stilvollen Inszenierung des |STIL|-Tonstudios. Die Romanvorlage für das vorliegende Abenteuerhörspiel stammt von Arndt Ellmer („Die Femesängerin“).

Die ersten Staffel:

1) [Der Sternenbastard
2) [Die Mascantin
3) [Der Hyperschock
4) [Planet der Mythen
5) [Havarie auf Hayok
6) Das Blut der Veronis

Die 2. Staffel:

7. [Der Gesang der Motana
8. [Sonderkommando Kantiran
9. [Tau Carama
10. [Überfahrt nach Curhafe
11. [Entscheidung in Vhalaum
12. [Die Femesängerin

Die 3. Staffel:

13. [Der Flug der Epha-Motana
14. [Terraner als Faustpfand
15. [Die Sekte erwacht
16. [Der Todbringer
17. [Kampf um den Speicher
18. [Die mediale Schildwache

Die 4. Staffel:

19. [Operation Kristallsturm
20. [Das Land unter dem Teich
21. [Attentat auf Hayok
22. [Kybb-Jäger
23. Auf dem Weg nach Magellan
24. Jenseits der Hoffnung

Die Sprecher/Die Inszenierung

Erzähler: Joachim Höppner (Stimme von Sir Ian „Gandalf“ McKellen)
Perry Rhodan: Volker Lechtenbrink (Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher)
Atlan: Volker Brandt (Stimme von Michael Douglas)
Zephyda: Claudia Urbschat-Mingues (Stimme von Angelina Jolie, Maria Bello)
Rorkhete: Charles Rettinghaus (Stimme von Jean-Claude van Damme und Robert Downey jr.)
Garombe: Carmen-Maja Antoni (Schauspielerin)
Anthloza: Luise Lunow (Liz „Helen Seinfeld“ Sheridan)
Kybb-Cranar: Markus Krane und Thomas Schmuckert (J. LaRose/Troy in „Saw 3“)
Und weitere.

Volker Lechtenbrink wurde 1944 in Cranz/Ostpreußen geboren. Bereits als Achtjähriger sprach er im Kinderfunk und stand zwei Jahre später auch schon auf der Bühne. 1959 wurde er durch den Antikriegsfilm „Die Brücke“ (Regie: Bernhard Wicki) bundesweit bekannt. Er besuchte die Schauspielschule in Hamburg und ist heute in zahlreichen TV-Serien zu sehen. Darüber hinaus ist er am Theater tätig, geht auf Tourneen oder wirkt als Intendant. (Verlagsinfo)

Die Hörspieladaption stammt von S. A. Effenberger. Regie, Musik, Ton und Programmierung lagen in den Händen von Christian Hagitte und Simon Bertling vom Ton-Studio |STIL|. „Die Musik wurde exklusiv für die Perry-Rhodan-Hörspiele komponiert und vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte live eingespielt. Die elektronischen Klänge und Effekte wurden speziell für die Hörspiele vom |STIL|-Team durch den Einsatz von Computertechnik generiert“, heißt es im Booklet. Executive Producer der Reihe ist Marc Sieper.

Am Schluss erklingt der Song „How do you feel? Perry Rhodan Mix“ von der Band |Camouflage|. Der Originaltitel stammt von der LP „Relocated“ (SPV 2006).

Vorgeschichte

Perry Rhodan und sein arkonidischer Freund Atlan sind auf einem Minenplaneten der bösartigen Kybb Cranar in deren Gefangenschaft geraten. Die igelförmigen Aliens verpassten ihnen metallene Halsringe, die mit einem Giftstachel bewehrt sind: die Krynn Varid. Bei Widerstand kann das Gift per Fernsteuerung injiziert werden. Nur aufgrund ihrer persönlichen Zellaktivatoren können die beiden Gefährten das Gift neutralisieren, doch jedes Mal kostet es sie mehr Kraft.

Sie schaffen es zu den einheimischen Motana, wo sich Atlan in die adlige Wegweiserin Zephyda verliebt. Sie führt sie zur Planetaren Majestät, die sie willkommen heißt. Doch als die Kybb Cranar auch die Residenz der Majestät angreifen, gelingt Rhodan, Atlan und Zephyda nur mit knapper Not die Flucht, als ein Nomade namens Rorkhete sie in seinem Schweber mitnimmt.

Das Quartett flieht, bis sie schließlich vor acht Wesen stoppen müssen, die vor ihnen über dem Boden schweben. Rorkhet bezeichnet sie als „Orakel“, und sie wollen helfen. Die Wesen teleportieren die vier auf eine andere Welt, wo sie erst einmal mitten im Ozean landen. Es dauert eine ganze Weile, die riesigen Wellen zu verlassen und zum Strand der Vulkaninsel Ore zu finden. Perry und Rorkhete sind zwar verletzt und erschöpft, können aber das unbekannte Land erkunden.

Unterdessen gelangen Atlan und seine Freundin Zephyda woanders an den Strand. Eine Gruppe Motanakrieger, angeführt von der Amazone Halkorate, nimmt sie in ihre Mitte und teilt Atlan mit, sie seien auf der Welt Ash-ir-tumo gelandet, auf der Insel Ore, und sie werde sie nun nach Oreshme bringen, wo ihre Lokale Majestät über sie richten werde. Atlan bittet um schnelle Behandlung der Wunden, die Zephyda erlitten hat. Die Heilerin Phylatoke nimmt sich Zephydas an und bringt sie in ihre Hütte, die auf einem 20 Meter hoch über die Ebene emporragenden Plateau liegt.

Nachdem Atlan auch Perry und Rorkhete gefunden hat, beschließen die Gefährten, mit einem Schiff über den Ozean zu dem Kontinent Curhafe segeln zu wollen. Vom dort gelegenen Raumhafen aus wollen sie zurück in den Weltraum, um die anstehenden Angelegenheiten zu regeln. Er überredet die Motana, mit ihm zusammen ein zehn Meter langes Boot zu bauen, das in einer geschützten Montagehalle entstehen soll.

Zehn Tage später ist Zephyda wieder auf den Beinen, wenn auch noch etwas wackelig. Da spürt sie in ihrem Geist, dass eine Riesenwelle auf die Insel zurollt, noch bevor sie sie sehen kann. Sie warnt die Motana, die sich sehr über diese Frau wundern. Denn um die anrollende Tau Carama spüren zu können, muss man eine Irtumo-Lauscherin sein, eine wie Intake, die Lokale Majestät. Der Alarm, den Zephyda ausgelöst hat, rettet eine Menge Leben. Dennoch donnert der Tsunami über das Land und droht sogar die Inselstadt Oreshme unter sich zu begraben …

Zephyda lehnt die Einladung, die Position von Intake auf Ore einzunehmen, freundlich ab, doch sie möchte lieber ihre Rache an den Kybb-Cranar für den Mord an ihrem Bruder verfolgen, und dies kann sie nur auf dem Kontinent Curhafe mit etwas Aussicht auf Erfolg. Die uralte Seherin Intake hatte einen Traum und weiß schon Bescheid: Zephyda, die mächtiger ist als sie, muss den Raum befahren, um das ganze Volk der Motana zu befreien. Einst bewegten die Motana ihre Raumschiffe nur mit der Kraft ihres Geistes. Die Navigatorinnen wurden Eva-Motana genannt, erklärt Rorkhete. Könnte Zephyda so eine Navigatorin sein? Er glaubt es zumindest. Doch diese Kräfte sind mittlerweile alle verboten worden.

Sie setzen die Segel des Bootes „Terra Incognita“ (= Unbekanntes Land). Curhafe liegt rund 800 km entfernt. Nach vielen Gefahren wie einem Sturm und einem Riesenraubfisch, den Rorkhete tötet, gelangen sie an die Küste Curhafes. Von hier können sie bereits ein großes Gebilde am Horizont erkennen. Es handelt sich um das Krytomo, die große Festung der Kybb-Cranar. Seltsamerweise sind keinerlei Raumschiffe der Unterdrücker zu sehen. Perry erklärt dies damit, dass sich die physikalischen Bedingungen für den Raumschschiffflug geändert haben.

Nach einer Nacht im Wald bemerkt Zephyda, dass Motana nahe sind, und drängt zum Aufbruch. Sie gelangen in die Flussebene um das Krytomo und bemerken zu ihrer Verwunderung, dass eine Bahnstrecke zur Festung führt. Aber wo ist der Zug? Da hetzt eine junge Motanafrau vorüber, doch sie hält nicht an, sondern wird verfolgt und läuft weiter. Ihre Verfolger sind ebenfalls Motana. Sie packen Zephyda, müssen aber schnell erkennen, dass sie die Falsche ist und laufen weiter. Schließlich fangen sie die Fliehende ein und fesseln sie. Auf Anfrage erklären sie nur, die Frau wolle die Quote nicht erfüllen. Rorkhete mahnt zu Zurückhaltung. An der Bahnlinie wartet die Gruppe mit der Gefangenen auf den Zug. Als dieser hält, steigen alle ein, und auch die vier Gefährten beeilen sich, an Bord zu gelangen.

Als der Zug eine Station vor dem Krytomo wieder hält, steigen sie aus, werden aber sofort als mögliche Spionklone der Kybb-Cranar verhaftet. Von der Planetaren Majestät Garombe, die hier in Billient residiert, erfahren sie, was unter der rätselhaften „Quote“ zu verstehen ist. Alle schwangeren Frauen müssen, wenn ihr Fötus drei Monate alt ist, ins Krytomo, damit ihnen dort der Fötus abgesaugt wird.

Zephyda ist empört und schwört den Kybb-Cranar abermals Rache und Vernichtung. Garombe warnt sie, dass der Preis für ihre Rache sehr wohl in der Vernichtung aller Motana im Sternenozean von Yamondi bestehen könnte. Perry bietet Zephyda seine Unterstützung beim Angriff auf das Krytomo an, die sie gerne annimmt.

Während ein weiterer Zug mit weiblichen Opfern zum Krytomo rollt, verstecken sich Perry, Atlan und Rorkhete in den Radkästen, um so in die Festung eindringen zu können. Unterdessen zeigt Garombe der jungen Motana das „größte Geheimnis auf Ash-ir-tumo“ …

_Handlung von Episode 12_

Perry, Atlan und Rorkhete, der Nomade mit den roten Augen, dringen unbemerkt in die Festung der Kybb-Cranar ein. Es sind überraschend wenige Soldaten anwesend. Die Wachen führen die im Zug angelieferten Frauen ins Innere der Festung, wahrscheinlich in Verliese, von wo die Opfer für die „Quote“ ausgewählt werden. Die Gefährten folgen ihnen, obwohl nur Rokhete über eine Waffe verfügt, und errichten eine Operationsbasis in einem Versteck auf der vierten Ebene …

Unterdessen bringt die Planetare Majestät Garombe ihren Gast Zephyda in die Wüste zu einer verborgenen Siedlung der Motana und stellt sie der lokalen Anführerin Anthloza vor. Verborgen ist die Siedlung deshalb, weil hier Riten ausgeführt werden, welche die Hybb-Cranar streng verboten haben: magische Choräle. Anthloza ist sauer auf Garombe, weil sie eine Fremde gebracht und ihr Versteck verraten hat. Doch sie beugt sich Garombes Autorität und tut wie gebeten. Sie zeigt Zephyda, worum es sich bei den verbotenen Riten handelt.

Im Krytomo finden die Gefährten heraus, was es mit dem Vorgang auf sich hat, welcher der Erfüllung der „Quote“ dient. Eine junge, betäubte Motana wird ihres Fötus beraubt, der sofort eingefroren wird. Perry wird stinkesauer und will möglichst bald kämpfen. Aber womit?

Anthloza hat Zephyda in den Zirkel von 20 Sängerinnen gesetzt, der sich auf einer Felsplattform eingefunden hat. Bei dieser Prüfung wird sich zeigen, was Zephyda zu bieten hat – oder ob sie eine Spionin der Besatzer ist. Der verbotene „Choral an den Flügelschlag“ wird angestimmt, und die Wirkung der Psikräfte der Sängerinnen ist schon bald zu bemerken. Zephyda schreit vor psychischen Schmerzen auf. Anthloza sieht verwundert, wie sich die Felsen des Sängerplatzes langsam in die Höhe heben. Immer höher und höher. Bis sie in den Weltraum verschwinden. Zephyda bricht zusammen.

In der Festung beginnen die Gefährten auf getrennten Wegen mit der Befreiung der Gefangenen. Dabei setzen Atlan und Perry nur ihre Kampfsportfähigkeiten ein, und Rorkhete feuert mit seinem Strahler. Leider bleibt es nicht aus, dass Perry und Atlan einer Übermacht der Angreifer unterliegen und gefangen genommen werden. Woher kommen sie, was wollen sie hier, wer hat sie geschickt? Die Elektrofolter wird ihre Zungen schon lockern …

Die ehrfürchtige Anthloza bittet Zephyda, ihre enormen Kräfte zu kontrollieren. Ihre Mitsängerinnen sind von dem letzten Ereignis noch völlig orientierungslos, geradezu psychisch ausgebrannt. Sobald sich Zephyda erholt hat, darf sie sich in die Mitte des Zirkels setzen und Anthlozas Platz einnehmen. Nun ist sie Fokus und Katalysator für die freiwerdenden Psikräfte. Sie stimmt den Choral an den Flügelschlag an. Die Felsen beginnen bald zu schweben …

_Mein Eindruck_

Wenn die Szene in der Festung Krytomo an Matrix (Hauptquartier der Agenten), Mordor (Sauron), Isengard (Saruman) und andere Burgen der unterdrückenden Perversion erinnert, so kommt dies nicht von ungefähr. An solchen Gegenbildern können die Gefährten ihre Menschlichkeit, ihren Einsatz und ihre Fähigkeiten im Kampf unter Beweis stellen. Da aber Rhodan und Atlan nicht bewaffnet sind, muss ein anderer sie wieder aus der Patsche holen: Rorkhete hat einen Ballermann und darf ihn im Falle einer Nothilfe einsetzen, um Wesen zu erschießen. Wie man sieht, ist „Perry Rhodan“ eine Actionserie für Pazifisten.

Dieser eher sattsam bekannten Szenerie steht das exotische Ambiente gegenüber, das wir bereits aus Frank Herberts „Wüstenplanet“ kennen, und zwar aus den verborgenen Sietches der Fremen. Hier werden okkulte und selbstverständlich verbotene Fähigkeiten gezüchtet und ausgebildet. Ebenso geschieht es in dem kleinen Dorf, in dem Anthloza die Anführerin ist.

Wieder einmal kommt es zu einer Offenbarung. Die Heldin, gemeint ist Zephyda, hat bislang nicht an sich selbst geglaubt, wird aber nun unter Anleitung eines Besseren belehrt. Sie muss anerkennen, dass sie über eine mächtige psychische Kraft verfügt, die Felsen – ach was! Berge zu versetzen vermag. Sonderbarerweise scheint dies die junge Motanafrau überhaupt nicht aufzuregen. Sie will bloß ihre Rache an den Unterdrückern. Selbstzweifel fechten sie nicht an, wie es Frank Herbert bei Paul Atreides so seitenlang geschildert hat. Dass sie eines Tages ein Sternenschiff mit ihrem Geist lenken wird, steht für sie außer Frage – als sei es ihre prophezeite Bestimmung. Auch dies wird nicht erklärt. Es ist halt so.

Im Rahmen einer guten Radiostunde erlebt der Hörer hier ein mal mehr, mal weniger actiongeladenes Drama, das es in puncto Produktionsqualität mit einer Star-Wars-Episode aufnehmen kann. Die SF-Handlung, kombiniert mit Fantasyelementen – immer wieder sind Psikräfte am Werk -, weiß für flotte Unterhaltung zu sorgen. Die Guten kämpfen gegen die eindeutig als böse und fremdartig gekennzeichneten Bösen, die igelförmigen Kybb Cranar. Ob sie den Sieg erringen, bleibt abzuwarten. Vorerst wirken Perry und Atlan wie Aragorn und Legolas und müssen die kostbare Zephyda in Sicherheit bringen. Sie spielt inzwischen eine wichtige Rolle. Leider kommt ihre Liebe zu Atlan überhaupt nicht zum Ausdruck.

Natürlich bieten die beiden Gutmenschen Atlan und Rhodan ihre Hilfe an – das ist bereits ein Standardspruch in diesen Hörspielen und so vorhersehbar wie Feuerwerk an Silvester. Aber es gibt noch einen zweiten Standardspruch Rhodans, und der besteht darin, Rorkhete, der sich zu einem verlässlichen Gefährten entwickelt, in allen seinen Vorschlägen kritiklos und ohne zu zögern zuzustimmen. Dadurch erscheint der Sternenadministrator eher wie ein rückgratloses Weichei statt als Herrscher mit eigenem Willen. Ich würde mir von ihm mehr Eigenständigkeit wünschen.

Nur ein Pedant würde daran herummäkeln, dass Perry und Atlan auf allen Welten, auf die sie geraten, keine Probleme mit dem Sauerstoffgehalt der Luft, den Mikroben oder gar der Schwerkraft der Welt haben. Daran ist zu merken, dass alle Planeten im Grunde nur alternative Versionen der Erde sind. Und wenn die Motana mitten im Wald in Baumhäusern leben, so erinnert uns dies entweder an Robin Hood oder an die gute alte Mittelerde. So gesehen, wirken die fremden Welten der Motana, sei es Baikalkejn oder Ashirtumo, fast schon wieder heimelig.

|Die Inszenierung|

So fangen Sternenopern an: mit einer schmissigen Titelmelodie und raunenden Stimmen, die Schicksalhaftes verkünden. Ein Erzähler wie Achim Höppner hat eine recht hohe Autorität und wir glauben ihm seine Geschichte nur allzu gern, wenn er von der Flucht Perrys und Atlans erzählt. Atlan klingt wie Michael Douglas. Ihm und Volker Lechtenbrink als Perry Rhodan nehme ich die Actionhelden ab.

Ihnen stehen zwei gleichwertige Frauengestalten gegenüber: Zephyda, die kämpferische Amazone, und die weise Alte, die Stimme der Vergangenheit. Zwischen diesen steht der zwielichtige Nomade Rorkhete, von dem ich mir einige Überraschungen erwarte. Charles Rettinghaus, die deutsche Stimmbandvertretung von Jean-Claude van Damme, spielt ihn energisch und zupackend.

Insgesamt ist die Musik und die Geräuschkulisse (s. u.) eine ganze Menge Aufwand für eine simple Sternenoper, aber es lohnt sich: Das Hörspiel klingt höchst professionell produziert. Ich könnte Gegenbeispiele nennen, in denen die Musikbegleitung in die Hose ging, aber sie stammen alle nicht von |STIL|.

Die Geräusche können in Sachen Professionalität absolut mit Kinoproduktionen mithalten. Eine große Bandbreite an Sounds charakterisiert die verschiedenen fremdartigen Wesen und Maschinen, die die Helden auf seinen Streifzügen antreffen. Da sausen die Gleiter, da zischen die Strahler. Vielerlei Viehzeugs zwitschert, knurrt und fiept in Wald und Steppe rings um Perry und Atlan. Wenn sie sich auf ihren Folterliegen unter Stromschlägen krümmen, so knistert und prasselt es aus den Boxen.

Die größte akustische Leinwand bemalen jedoch die tausend elektronisch erzeugten Sounds, die der ganzen Handlung erst das kosmische Science-Fiction-Feeling verleihen. Ohne sie könnte es sich ebenso gut um Fantasy auf einem fernen Planeten handeln, wie sie z. B. Jack Vance fabriziert hätte.

Der Abschlusssong von |Camouflage| klingt nach solider deutscher Wertarbeit: mit einem fetzigen Bassriff und einem Sänger, der sich die Feinheiten der englischen Aussprache noch antrainieren muss („head“ klingt wie „hat“). Der Song dauert vier Minuten und ist wenig bemerkenswert. PR-Fans werden ihn sicherlich begrüßen. Mehrere Zitate aus der aktuellen Episode wurden eingeflochten.

_Unterm Strich_

Insgesamt bildet „Die Femesängerin“ einen befriedigenden Abschluss zur zweiten Staffel der Hörspielserie „Perry Rhodan: Sternenozean“. Sie wird offenkundig von Profis produziert, von mancher bekannten Hollywoodstimme gesprochen und liefert einen soliden Gegenwert für den Preis von rund zehn Euronen.

Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 14 und 17 Jahren dürften sich rasch mit den Helden identifizieren und das ist eine der besten Voraussetzungen, ein treues Publikum aufzubauen. Auch Zephyda ist eine solche Identifikationsfigur, und ich hoffe, dass sie möglichst lange Teil des Serienpersonals bleibt.

Was die Qualität des Inhalts angeht, so darf man wohl kaum tiefschürfende und daher langweilige Monologe erwarten. Vielmehr ist kämpferische Action und romantische Exotik angesagt – das ist genau die Mischung, die auch „Star Wars“ so erfolgreich gemacht hat.

|67 Minuten auf 1 CD|
http://www.perryrhodan.org
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29

Leigh Bardugo – Das neunte Haus (Alex Stern, Band 1)

Inhalt

Acht mächtige Studenten-Verbindungen beherrschen nicht nur den Campus der Elite-Universität Yale, sondern nehmen seit Generationen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA – das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie: So können die Mitglieder der »Skull & Bones« die Börsenkurse aus den Eingeweiden lebender Opfer vorhersagen, während Haus Aurelian durch Blutmagie Einfluss auf das geschriebene Wort nehmen kann – ebenso hilfreich für Juristen wie für Bestseller-Autoren …

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TKKG junior – Abrechnung in der Westernstadt (Folge 27)

Die Handlung:

Tim hat bei einem Gewinnspiel ein Wochenende für vier Personen in einer Westernstadt gewonnen. Klar, dass Karl, Klößchen, Gaby und Oskar mitfahren, verstärkt durch Herrn Sauerlich. Beim Goldwaschen, Zielschießen und Bullenreiten haben die Juniordetektive den Spaß ihres Lebens – bis eine Gruppe Banditen in die Stadt reitet und beginnt, ihr Unwesen zu treiben. TKKG heften sich an die Fersen der Bösewichte und geraten schon bald in höchste Gefahr… (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das Setting klingt laut Klappentext schon mal richtig cool, da wär ich gern dabei. Na ja, bei dem Teil, der vor den Banditen spielt. Dann hören wir doch mal, was Willi the Kid so alles erlebt. Also, Hut auf und Abenteuer ab.

Die Anreise haben wir nämlich zu Beginn des Hörspiels schon hinter uns und können uns direkt den Attraktionen vor Ort widmen. Gold Waschen zum Beispiel oder Banküberfälle. Die sollten aber eigentlich vom Betriebspersonal durchgeführt werden und der Belustigung der Westernstadtgäste gelten. Und am Ende sollten eigentlich auch alle Überfallenen ihre Wertgegenstände wieder zurückbekommen.

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Die drei ??? Kids – Spuk im Leuchtturm (Folge 92)

Die Handlung:

Die drei ??? Kids auf Geisterjagd im alten Leuchtturm. Ein Lichtstrahl zeichnet gruselige Fratzen in den nebligen Himmel über dem Meer. Nach dem ersten Schrecken wollen Justus, Peter und Bob der Sache auf den Grund gehen. Treiben hier wirklich Geister ihr Unwesen?  (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, erster Gedanke: Da hält jemand ausgeschnittene Papierfiguren vor die Lampe vom Leuchtturm. Fall gelöst? Na hoffentlich nicht, das wäre zu einfach.

Los gehts am Strand. Bei einem Tag in den Wellen, auf und neben dem Surfbrett von Peter, hatten die Jungs Spaß. Als sie es sich aber mit ihrem Stockbrot am Lagerfeuer gemütlich machen wollen, sehen sie die Leuchtgruselfratze vom Cover.

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Juris Jurjevics – Der Trudeau-Vektor (Lesung)

Eiskalter Thriller: Showdown unterm Nordlicht

In der Eiswüste der Arktis kommen in der Nähe ihrer Forschungsstation „Trudeau“ vier Wissenschaftler unter rätselhaften Umständen ums Leben. Völlig unklar ist die Todesursache – es scheint, als habe etwas die Lungen und Augen in kürzester Zeit zerstört. Die Augen der Toten haben keine Pupille mehr.

Doch woher kam in derlebensfeindlichen Umwelt dieser todbringende Stoff? Jessie Hanley, eine weltweit anerkannte Wissenschaftlerin, wird zur Station in die Arktis eingeflogen, um vor Ort die Untersuchung zu leiten. Was sie am meisten interessiert: Was weiß die kurz vor den Todesfällen abgereiste russische Wissenschaftlerin über die Vorkommnisse in Trudeau? Dummerweise ist das Atom-U-Boot, in dem die Russin abreiste, seitdem verschollen.
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Indriðason, Arnaldur / Kattanek, Claudia / Zylka, Martin – Kältezone. Hörspiel

Verhängnisvoll: Isländer in Leipzig

Ein Toter wird im Kleifarsee bei der isländischen Hauptstadt Reykjavik entdeckt. Nach einem Erdbeben hatte sich der Wasserspiegel gesenkt und ein menschliches Skelett sichtbar werden lassen. Es ist an ein russisches Sendegerät aus dem Jahr 1961 angekettet. Dass es Mord war, belegt ein Loch in der Schläfe des Schädels. Wer ist der Mann, wer war sein Mörder?

Kommissar Erlendur Sveinssons Ermittlungen führen ihn in die fünfziger Jahre, als der Kalte Krieg herrschte. Isländer, die von einer gerechteren und besseren, sprich: sozialistischen Welt träumten, gingen in den fünfziger Jahren oft zum Studium in die DDR. Einer von ihnen gerät unter Verdacht.

Der Autor

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman „Nordermoor“ hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell!

Weitere Romane von Indriðason:

[Engelsstimme
[Todeshauch
[Frostnacht
[Gletschergrab
[Nordermoor
[Tödliche Intrige
[Menschensöhne

Die Inszenierung

Die Regie bei dieser Hörspielfassung, die Claudia Kattanek erstellte, führte Martin Zylka, der für den Westdeutschen Rundfunk WDR arbeitet.

Die wichtigsten Sprecher und ihre Rollen:

Bernhardt Schütz: Erlendur Sveinsson, Kommissar
Sandra Borgmann: Elínborg, Polizistin
Michele Cucuiffo: Sigurdur Oli, Polizist
Michael Ewers spricht den Erzähler Thomas
Rita Lengyel spricht Ilona, die ungarische Studentin, die Thomas liebte
Claus-Dieter Clausnitzer spricht den alten Hannes
Daniel Berger spricht den jungen Hannes
Thomas Arnold spricht Lothar
Martin Bross spricht Emil
Und viele andere.
(Alle Angaben sind dem Booklet entnommen.)

Handlung

Es ist Mai, als nach einem Erdbeben der Kleifarvatn-See trockenfällt und eine Spaziergängerin darin ein Skelett findet. Die Knochen sind an ein altes russisches Sendegerät aus dem Kalten Krieg gekettet. Ein klarer Hinweis auf Mord. Kommissar Erlendur Sveinsson und sein Assistent Sigurdur Oli werden eingeschaltet. Erlendur lässt Vermisste aus dem Zeitraum zwischen 1965 und 1975 suchen.

Oli findet heraus, dass in jenem See mehrmals Abhörsender aus Russland gefunden worden waren. Sie hatten eine Reichweite, mit der Spione den Funkverkehr des amerikanischen Luftwaffenstützpunktes in Keflavik nahe der Hauptstadt Reykjavik belauschen konnten. Da meldet eine siebzigjährige Frau, dass ihr Verlobter vor 30 Jahren verschwand. Er nannte sich Leopold, war Vertreter für Baumaschinen und kam daher ganz schön was rum. Die Maschinen stammten allesamt aus der DDR und der Sowjetunion. Eines Tages erschien er nicht mehr bei einem Kunden und verschwand spurlos.

Dieser Hinweis führt zu den Russen. Der Sekretär der Botschaft jedoch gibt sich freundlich, aber völlig ahnungslos. Dabei war Island ein lohnendes Ziel für sowjetische Agenten: Überall auf der Insel hielten sich Amerikaner auf. Endlich meldet sich auch die amerikanische Botschaft: Etwa 1967 kam ein DDR-Vertreter nach Island, verließ es aber nicht wieder, sondern verschwand im Herbst 1968 spurlos. Der Mann nannte sich Lothar Weiser, geboren in Bonn, lange Zeit wohnhaft in Leipzig, DDR.

Bei der deutschen Botschaft erfahren Erlendur und Oli, dass Weiser ein Stasi-Mann war, der 1953 bis 1958 in Leipzig zwecks Observierung der Ausländer arbeitete. Dazu gehörten auch Isländer. Und „Leopolds“ ehemaliger Chef erklärt, die Baumaschinenhersteller aus der DDR hätten ihn praktisch erpresst, den Mann schwarz einzustellen. Dieser „Leopold“ rekrutierte Leute für die Stasi auf Island, damit sie die Amis abhörten. War Lothar Weiser also „Leopold“? Das ist nicht sicher.

Jetzt sieht Erlendur einigermaßen klar. Aber wer ist der Mörder Lothar Weisers – falls dieser das Skelett im See ist? War es ein Mann aus seiner Vergangenheit oder jemand aus Island?

Die Geschichte von Thomas

Die andere Hälfte des Hörspiels besteht aus einem Handlungsstrang, der 45 Jahre vorher einsetzt, im Jahr 1953. Damals geht der isländische Jungsozialist Thomas nach Leipzig, um dort Ingenieurswissenschaften in einem aufstrebenden sozialistischen Staat zu studieren. Aber als er 1956 zurückkehrt, ist er total verändert und verkriecht sich als gebrochener Mann ohne Hoffnung in seinem Haus. Erst 1998, als der Tote im See gefunden worden ist, beginnt er mit der Niederschrift seiner Erlebnisse in Leipzig.

Thomas, der Ausländer, verliebt sich in eine andere Ausländerin, Ilona aus Ungarn. Obwohl sich das Misstrauen gegen die aufmüpfigen Ungarn, deren Aufstand ja 1956 blutig niedergewalzt wurde, auch in Leipzig bemerkbar macht, verschließt der verliebte Thomas die Augen vor der Realität. Er vertraut den falschen Leuten. Und selbst dann noch, als die Stasi zuschlägt und Ilona spurlos verschwinden lässt, kann er nicht glauben, dass ein „sozialistisches Bruderland“ zu so etwas fähig sein könnte.

Man sollte meinen, dass 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Stasi-Archive Ilonas Spur verfolgbar sein müsste. Dem ist nicht so, wie Thomas bitter feststellen muss. Die Geheimdienste haben 1956 zu gründliche Arbeit geleistet. Wahrscheinlich wurde sie, gebrochen von Folter und Misshandlung, irgendwo in einem Internierungslager zwischen der DDR und der Sowjetunion verscharrt.

Aber wer waren die Verräter? Thomas muss es unbedingt wissen, bevor seine Seele Ruhe finden kann. Und er folgt dem Weg bis zum bitteren Ende. Dort erkennt er, dass er nie einen Freund in Leipzig hatte. Als die Kripo 1998 in sein Haus eindringt, ist er froh, denn das Manuskript seiner Geschichte fertig. Er spannt den Hahn des Revolvers …

Die Inszenierung

Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Isländern, die ihr Glück im Ostblock suchten. In der Schilderung der Erlebnisse, die Thomas in Leipzig hat, legt der Autor eine große Detailkenntnis an den Tag. In der Porträtierung der einzelnen Vertreter der verschiedenen Interessensgruppen an der Universität Leipzig lassen sich die sorgfältige Recherche und der Realitätssinn des Autors ablesen. Man sieht also, dass der reinen Krimihandlung eine ergreifende Geschichte zugrunde liegt, ja, dass der Krimi im Grunde nur eine Fußnote darstellt, in der die losen Fäden zusammengeführt werden.

Die Inszenierung des Hörspiels trägt diesen Voraussetzungen in mehrfacher Hinsicht Rechnung. Zunächst einmal sind die Kripo-Ermittlungen Erlendurs auf Island den Erlebnissen Thomas‘ in Leipzig direkt gegenübergestellt. Während sich die Ermittlung schrittweise der Lösung des Rätsels nähert, verläuft Thomas‘ Geschichte in einer dramatischen Abwärtskurve: Liebe und Verlust Ilonas, der Anwerbungsversuch durch die Stasi, der allgemeine Verrat, die Ausweisung. Das Ende vom Traum eines „sozialistischen Bruderstaates“.

ACHTUNG, SPOILER

Dann das Nachspiel auf Island. Thomas lässt nicht locker in seinem Bemühen, Ilonas Schicksal aufzuklären. Und hier wird das Hörspiel etwas verwirrend. Thomas stößt auf zwei Männer, die er aus Leipzig kennt. Erstens wird nicht klar, wann das war – vermutlich 1961, dann stimmt der Ablauf der Ereignisse. Ich dachte, er würde Hannes wiedersehen, doch es ist stattdessen Emil, der Mann, der sich „Leopold“ nennt.

Das Drama spitzt sich zu, bis es zu einer fatalen Kurzschlusshandlung kommt. Das Ergebnis ist bekannt. Ein weiterer Mann kommt hinzu – wie heißt er? Ist es Lothar Weiser? Nein, anscheinend handelt es sich um Hannes, und der ist bereit, Thomas aus der Patsche zu helfen. Eine gewisse Wiedergutmachung dafür, dass er Thomas in Leipzig fünf Jahre zuvor im Stich ließ (Hannes wurde ebenfalls ausgewiesen). Auf einmal heißt es, Lothar Weiser sei in Gefahr. Wat denn nu? Um im vernünftigen Rahmen der Logik zu bleiben, ist anzunehmen, dass der Tote im See dennoch nicht Lothar, sondern Emil ist.

SPOILER ENDE

Musik und Geräusche

Der Zweiteilung der Handlung in Vergangenheit und Gegenwart entspricht die Musik. Im Hintergrund der Ermittlung Erlendurs erklingt eigentlich nur Konservenmusik, z. B. aus dem Radio oder aus einer Musikbox. Das ist keine Hintergrundmusik im eigentlichen Sinne, sondern nur Teil der Geräuschkulisse, wie sie in jedem Fernsehkrimi zu hören ist.

Das Klappern der Tastatur der Schreibmaschine (er hat keinen PC), auf welcher der alte Thomas tippt, bildet eine Zäsur und die Brücke in die Vergangenheit. Die Szenen in Leipzig sind mit richtig schöner Hintergrundmusik unterlegt: Hier spielt sich das menschliche Drama ab, zumal eine Romanze. Piano, Violine, Flöte, Cello und Oboe bzw. Klarinette sind die vorherrschenden Instrumente, die eine bittersüße Stimmung schaffen, die immer wieder heraufbeschworen wird. Das fand ich sehr gelungen.

Natürlich gibt es auch hier wieder Hintergrundgeräusche, so fährt beispielsweise eine Straßenbahn vorbei. Am Schluss kreischen die Möwen über dem Kleifarvatn wie eh und je, als Erlendur die Hydrologin wiedersieht, die den Toten am Anfang gemeldet hat – der Kreis schließt sich. Bevor die Absage beginnt, erklingt wieder das traurige Piano.

Die Sprecher

Die Sprecher haben die Aufgabe, sowohl Realismus zu vermitteln als auch Emotionalität, um glaubwürdig zu wirken. Zum Realismus gehört, dass der Mitarbeiter der russischen Botschaft einen russischen und der Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft einen amerikanischen Akzent aufweist, der Stasimann verrät einen sächsischen Akzent.

Zur Emotionalität gehört, dass Thomas, die Hauptfigur des zweiten Handlungsstrangs, zunehmend Gefühle zeigt, wenn es um Ilona geht, und aufgeregter wird, je mehr er einsehen muss, dass er sie nicht nur verloren hat, sondern er und sie von denen verraten wurden, die er bisher für seine Freunde gehalten hat. Seine Verzweiflung schlägt in Wut und umgekehrt um, was dann schließlich 1961 in einer Kurzschlusshandlung gipfelt.

Es lohnt sich bestimmt, dieses Hörspiel, das auf nur 54 Minuten eingedampft wurde und somit alles sehr verdichtet darstellt, mehrmals zu hören. Man wird feststellen, dass es nichts von seiner Wirkung verliert, sondern immer weitere Fassetten an Bedeutung preisgibt.

Unterm Strich

Dass Island ein Brennpunkt des Kalten Krieges war, hätte ich nicht erwartet, obwohl es doch die Logik nahelegt: Hier ein Luftwaffenstützpunkt der Amis, dort, nur wenige Kilometer entfernt, die Russen in Murmansk in der Arktis. Es war eine Atmosphäre der gegenseitigen Bespitzelung und des Misstrauens. Dies ist die negative Seite des Sozialismus, den die Isländer kennenlernten.

Dabei gab es offenbar 1953 allen Anlass, den Sozialismus von seiner positiven Seite kennenzulernen: offene Universitäten, preisgünstige Agrarmaschinen, Knowhow-Transfer. Diese Seite wollte Thomas, die Hauptfigur des zweiten Erzählstrangs, kennenlernen und nutzen. Doch der Traum wurde zum Albtraum, der nie zu enden schien. Dann aber bekam er Hinweise auf DDR-Spione auf Island – eine neue Chance, mit den alten Geschichten reinen Tisch zu machen.

Hier findet die Handlung zu einem abschließenden Finale voller Spannung und unerwarteter Enthüllungen. Kommissar Sveinsson wird quasi zum Nachlassverwalter dieses Dramas, das aus dem Kalten Krieg erwuchs und etliche Opfer forderte. Der Traum vom sozialistischen Weltbruderstaat wurde zum Albtraum, und zwar nicht unter Feinden, sondern unter sozialistischen „Brüdern“. Die sowjetischen Invasionen in den sozialistischen Satellitenstaaten DDR (1953), Ungarn (1956) und Tschechoslowakei (1968) werden ausdrücklich in diesem Zusammenhang erwähnt. Dass sich die Amis in Island keinen Deut besser verhielten, ist die Aussage von Indriðasons Thriller „Gletschergrab“.

Das Hörspiel

… verdichtet die doppelte Handlung, die in Vergangenheit und Gegenwart spielt, auf angemessene, aber möglicherweise auch verwirrende Weise. Daher ist es nicht nur angemessen, sondern auch notwendig, das Stück mehrmals anzuhören. Über die Musik, die Geräusche und vor allem die Sprecher kann ich mich nicht beklagen. Beeindruckt hat mich vor allem die Figur des Ich-Erzählers Thomas.

Das Hörspiel kann als Einstieg in die ausführlichere Lesung dienen, doch ich würde sogar noch eher dazu raten, gleich das Buch zu lesen, das schließlich sämtliche Informationen enthält, die der Autor hineingepackt hat, die er für notwendig erachtete, um die Figuren und ihr Handeln zu verstehen. Wer aber mit der Form des Hörspiels als dramatischer Darstellung vertraut ist, dürfte mit der nun vorliegenden Hörspielfassung wenig Schwierigkeiten haben. Dass ich sie dennoch hatte, ist ein Kritikpunkt. Ein weiterer ist der unverhältnismäßig hohe Preis von knapp 15 Euro.

54 Minuten auf 1 CD
Originaltitel: Kleifarvatn, 2004
Aus dem Isländischen übersetzt von Coletta Bürling
ISBN-13: 9783785733998

http://www.luebbe.de/luebbe-audio

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Suzanne Collins – Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem 1) (Lesung)

Fesselnd: Die jungen Gladiatoren in der grünen Arena

Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden. Die sechzehnjährige Katniss meldet sich freiwillig für die tödlichen Spiele, um ihre kleine Schwester zu retten. In der Arena trifft sie auf Peeta und der Kampf um Liebe und Überleben beginnt. (Verlagsinfo)
Suzanne Collins – Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem 1) (Lesung) weiterlesen

James, Peter – Stirb schön (Lesung)

_Mord live: Schau mal in die Kamera, Kleines!_

Der Marketingmitarbeiter und Familienvater Tom Bryce legt eine CD, die er im Zug fand, in seinen PC ein und wird sofort mit einer Website verbunden. Er ahnt nicht, was auf ihn zukommt. Als er durch eine Webcam beobachtet, wie eine schöne junge Frau bestialisch ermordet wird, glaubt er noch an einen Erotikthriller. Doch dann muss er feststellen, dass auf seinem Mac-Laptop alle seine Daten gelöscht wurden. Und wenige Tage später erhält er eine E-Mail, die ihn davor warnt, zur Polizei zu gehen. Oder seiner geliebten Familie werde das Gleiche zustoßen wie der jungen Frau im Web-Film.

_Der Autor_

Peter James ist Schriftsteller und Filmproduzent, liebt schnelle Autos und hat ein Faible für das Übersinnliche. Er lebte lange Jahre in den USA und war dort als Drehbuchautor und Filmproduzent tätig. Mittlerweile leitet er seine eigene Filmproduktionsfirma in England. Er lebt in Sussex und in London. Mehr Info: http://www.peterjames.com (ohne Gewähr). (Verlagsinfo)

Buchrezensionen zu Peter James bei |Buchwurm.info|:

[„Mein bis in den Tod“ 2493
[„Stirb schön“ 3154
[„Stirb ewig“ 3268

_Der Sprecher_

Hans Jürgen Stockerl studierte Schauspiel an der Neuen Münchner Schauspielschule Ali Wunsch-König. Neben seiner Theater- und Fernsehkarriere ist Stockerl als gefragter Hörbuch- und Hörfunksprecher tätig, dessen markante Stimme u. a. im Bayerischen Rundfunk, ZDF, WDR und DeutschlandRadio zu hören ist.

Vera Teichmann kürzte den Text und führte Regie. Als Tonmeister fungierte Christoph Tampe im Studio Plan 1 Media, München.

_Handlung_

Tom Bryce ist ein verschuldeter Familienvater, der in seiner Londoner Firma das Marketing leitet. Er ist so mit Arbeit eingedeckt, dass er sogar noch im Pendelzug nach Brighton seine E-Mails abruft und beantwortet. Im Zug vergisst ein Passagier, eine CD-Rom mitzunehmen. Tom nimmt sie mit, um sie auf dem Fundbüro abzugeben. Hätte er das nur getan!

Unterdessen bereitet sich die Jurareferendarin Janey Stratton, die abends noch als Prostituierte arbeitet, auf einen Kunden vor. Er hat alles genau vorgeschrieben, doch obwohl er ein Kontrollfreak ist, fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Sie zieht sich gemäß seinen Vorschriften um. Da öffnet sich unbemerkt die Tür ihres Schlafzimmers …

Tom Bryce hat mit seiner geliebten Familie zu Abend gegessen und begutachtet in seinem Arbeitszimmer die unbekannte CD aus dem Zug. Das Antivirenprogramm beanstandet sie nicht, doch die Software auf der CD übernimmt sofort den gesamten Rechner und stellt eine Internetverbindung her: zu Scarab Productions. Tom bestätigt alle User-Abfragen und starrt schließlich durch das Objektiv einer Webcam in das Zimmer einer jungen Frau, die gerade aus dem Badezimmer tritt, um sich umzuziehen. Sie weiß offenkundig nicht, dass sie beobachtet wird. Und auch den kleinen kräftigen Mann, der aus ihrem Schlafzimmer tritt, bemerkt sie nicht, so beschäftigt ist sie mit Makeup und Ankleiden. Der vermummte Mann packt sie und stößt ihr ein Stilett in Brust und Unterleib. Der brutale Mord verfehlt seine Wirkung auf Tom nicht. Unglauben weicht Schock.

Als die Tür zu seinem Zimmer klickt, klappt Tom sofort den Deckel seines Laptops zu. Seine Frau Kelly will ihn ins Bett holen. Als sie wieder weg ist, ist die Verbindung ins Web abgebrochen worden. Toms Herz hämmert. Was für ein irrer Erotikthriller! Oder war das etwa echt? Kann doch nicht sein, oder? Als er am nächsten Morgen seinen Laptop aufklappt, um seine E-Mails zu lesen, sind alle seine Daten weg …

|Am nächsten Tag|

Detective Sergeant Roy Grace von der Mordkommission Sussex in Brighton wird von der Polizei Peacehaven zu einem Fall hinzugezogen. Eine Spaziergängerin bzw. ihr Hund hat in einem Rapsfeld eine Frauenhand gefunden. Nach und nach finden sich auch die anderen Körperglieder, die zum völlig zerstochenen Torso einer jungen Frau zwischen 20 und 35 Jahren gehören, doch der Kopf bleibt verschwunden. Roy Grace ahnt, dass dieser Fall seine nächsten Tage völlig beanspruchen wird. Sein Kollege Glen Branson tippt auf die vermisst gemeldete Janey Stratton, Jurareferendarin. Sie erinnert Grace an seine eigene Frau Sandy, die vor zehn Jahren spurlos verschwand.

Als Tom Bryce nach der Reparatur seines Mac-Laptops wieder seine Mails lesen kann, klickt er zweimal eine Website an, die ihm den Zugriff verwehrt. Wenig später bekommt er eine Mail ohne Absender. Der Text warnt ihn, Tom Bryce höchstpersönlich, irgendetwas von dem, was er verbotenerweise gesehen hat, an die Polizei weiterzuleiten. Oder seiner geliebten Familie könnte das Gleiche zustoßen wie dem Opfer der Tat, die er live mitangesehen hat. Für Tom beginnt ein Albtraum.

_Mein Eindruck_

Der Titel „Stirb schön“ ist bereits Programm. Es geht ums Sterben und darum, dabei gut auszusehen – vor einer Kamera, versteht sich. Nur dass die Kamera ebenso gut versteckt ist wie der Mörder, der für beides sorgt: sterben und gut dabei aussehen. Jemand hat ihn dafür bezahlt und der Auftraggeber wird wiederum von den Käufern des Snuff-Videos bezahlt, das er vom Mord vor laufender Kamera anfertigt. Das Internet macht’s möglich: Mord vor laufender Kamera, angeschaut durch zahlreiche Kanäle, die die Webcams anzapfen. Der Haken ist die Einschaltzeit: Man muss pünktlich sein oder man verpasst die „Show“. Doch die CD-Software stellt sowohl die Verbindung zum „Tatort“ her als auch die zum Zuschauer und sorgt so fürs rechtzeitige „Einschalten“.

In dieses verbotene und verborgene Märchenland perverser Aktivitäten und Phantasien tappt nun ein unbescholtener Familienvater. Das Ergebnis ist natürlich ein Albtraum, und der Autor tut alles, um ihn weidlich auszuspielen. Da der Familienvater ein unwillkommener Zeuge ist und dann auch noch zur Polizei geht, ist er mitsamt Gattin Star der nächsten Mords-Show. Unser Geschäft ist Mord – besser könnte man es nicht zusammenfassen.

Höchste Zeit, dass die Hüter von Gesetz und Ordnung auf die Plan treten. Doch Kommissar Roy Grace scheint mehr mit seiner neuen Flamme beschäftigt zu sein als mit der Verfolgung von Hacker und Snuff-Videoten. Auch ein nächtlicher Unfall bei einer Verfolgungsjagd kann ihn nicht aus Cleos Armen reißen. Er hat soeben einen göttlichen Orgasmus gehabt – was für eine Frau, diese Gerichtsmedizinerin Cleo Murray! Schade, dass Roy bald herausfinden muss, dass sie einen Verlobten hat.

Dieses kleine Hindernis in seinem dunklen Drange verleiht ihm jedoch den Freiraum, um mal wieder in seiner kleinen Mord-Ermittlung nach dem Rechten zu sehen. Zwei Zeugen entführt – so, so, gleich mal hinterherdüsen, Leute! Bei der Verfolgung von Verdächtigen lässt er auch schon mal die Tiefgarage eines Supermarktes absperren – und wenn sich die Leute auf den Kopf stellen, was sein muss, muss sein. Einer Geschäftsführerin eines „Hostessen“-Vermittlungsdienstes droht er schon mal damit, ihr Büro auf den Kopf zu stellen – was die Dame denn auch schnell kooperativ werden lässt. Nur eines kriegt er nicht auf die Reihe: dass sein Polizeihauptquartier in seinen Reihen einen Verräter beschäftigt.

Der Showdown ist für jeden Actionfan vom Feinsten. Dass der Oberböse abhauen will, wenn’s brenzlig wird, versteht sich von selbst, aber da hat Kommissar Grace auch noch ein Wörtchen mitzureden – und greift rechtzeitig zu. Was ihm erst recht das Händchen seiner Angebeteten einbringen dürfte, Verlobter hin oder her (sie wollte den Typen sowieso nicht, ist ja klar).

|Der Sprecher|

Hans Jürgen Stockerl kann zwar nicht so sehr die Tonlage variieren, aber dieses Manko macht er leicht wieder wett, indem er a) die Lautstärke wechselt und/oder b) das Tempo variiert. Beispiel: Carl Venner, der böse Bube im Hintergrund. Er brüllt seinen Helfershelfer, einen gehemmten Hacker, an, bis der andere fast in die Hose macht. Der Hacker weiß aber etwas, was ihm wertvoll erscheint. Dennoch spricht er leise, zögernd und langsam, so dass man gleich Bescheid weiß: Der wird nicht lange vor Carl Venner bestehen. Auf diese Weise charakterisiert der Sprecher seine Figuren.

Gegenbeispiel: Cleo Murray. Sie wird die Geliebte des Helden Roy Grace von der Mordkommission. Sie spricht zwar ebenfalls langsam und leise, als sie ihn vor ihrer Haustür willkommen heißt, aber dann macht sie auf verführerischste Weise einen netten Vorschlag, den Roy nicht ablehnen kann. Der Sprecher findet genau die richtige Tonlage, um sie echt klingen zu lassen. Man muss nur genau hinhören, um solche feinen Untertöne herauszuhören. Denn der Sprecher weiß, dass die Kunst in der Beschränkung liegt, nicht im Übertreiben.

|Das Booklet|

Das mehrseitige Booklet, das dem Klappkarton beiliegt, liefert Informationen über den Autor, den Sprecher, den Inhalt der Story, die Mitwirkenden. Schließlich gibt es noch ein Verzeichnis der Tracks auf den sechs CDs. Den Umschlag ziert das Bild eines blauen Skarabäus – wie passend.

_Unterm Strich_

An Grips und Raffinesse hat der Thriller von Mystery-Fachmann Peter James wenig zu bieten, aber dafür umso mehr an zielstrebiger Lösung eines Mordfalls, der durch den Grad seiner Perversität nur das Schlimmste für die Zukunft des Internets ahnen lässt. Auftragsmord vor laufendem Web-Publikum? Das ist sicher schon heute machbar, genauso wie Live-Sex – nur eine weitere Variante der Beglückung durchs Schlüsselloch. Peter James bietet spannende Unterhaltung unter einer aufregend erscheinenden Prämisse, aber mehr auch nicht. Der O-Titel „Looking Good Dead“ ist von echt britischem schwarzen Humor.

Das Hörbuch wird von Hans Jürgen Stockerl kompetent gestaltet, aber auch er muss sich nicht der Sprachakrobatik eines Rufus Beck bedienen, um sein Soll zu erfüllen. Mir ist es viel lieber, wenn sich der Sprecher zurückhält und nur andeutet, wie die Figuren sich ausdrücken. Den Rest besorgt meine Phantasie und Vorstellungskraft.

|Originaltitel: Looking Good Dead, 2006
Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg
429 Minuten auf 6 CDs|
http://www.argon-verlag.de

Lester Powell – Die Dame mit den grauen Löckchen (Hörspiel)

Ein Detektiv zwischen Engel und Teufel

Dies ist der dritte Fall der legendären „Damen-Krimi“-Reihe aus den 1950er Jahren. Philip Odell, Privatschnüffler und ehemaliger Mitarbeiter des Secret Service und des FBI, sitzt im Büro, als es zaghaft an seine Tür klopft. Eine kleine ältere Dame schluchzt: „Meine Tochter ist verschwunden. Finden Sie sie!“ Und schon ist der weichherzige Odell in einen Fall verwickelt, der viel Aufregung, aber wenig Bares verspricht. Und wie immer hat seine scharfsinnige Freundin Heather bei einem Glas in der Mondscheinbar eine rettende Idee …

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Doyle, Arthur Conan / Gruppe, Marc – Sherlock Holmes – Das Zeichen der Vier (Krimi-Klassiker 2)

London 1888: In Mary Morstans Leben ereignet sich Merkwürdiges. Alljährlich erhält sie anonym ein wertvolle Perle zugesandt. Nun hat ein Unbekannter sie auch noch zu einem Treffpunkt bestellt. Besteht ein Zusammenhang mit ihrem vor zehn Jahren spurlos verschwundenen Vater?

Sherlock Holmes und Dr. Watson tun ihr Bestes, den mysteriösen Fall ihrer jungen Klientin aufzuklären. Dabei geraten sie in ein gefährliches Abenteuer um einen märchenhaften Schatz. Schon bald gibt es den ersten Toten. Die Tatwaffe: ein vergifteter Dorn. Wer benutzt denn sowas?!

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um seinen Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich als enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Bereits 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als „Im Giftstrom“, 1924) folgen.

_Die Sprecher_

Sherlock Holmes, Privatdetektiv: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson, Militärarzt: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u.a.)
Mrs. Smith, Bootsvermietersgattin: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman)
Thaddeus Sholto, Privatier: Peer Augustinski (dt. Stimme von Robin Williams)
Mrs. Hudson, Holmes‘ Haushälterin: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Inspektor Jones: Christian Rode (dt. Stimme von Christopher Lee)
u. v. a.

Die orchestrale Musik stammt von Manuel Rösler, Ko-Produktion, Buch & Regie steuerte Marc Gruppe bei, Aufnahme und Abmischung erfolgten durch Bionic Beats.

_Handlung_

Die Chronologie der Ereignisse wird in der berühmten Erzählung bzw. im Hörspiel ziemlich verschachtelt und häppchenweise vorgelegt. Daher versuche ich, ein wenig Licht in diesen Dschungel zu bringen, ohne das Meiste zu verraten.

Es waren einmal zwei dicke Freunde, die als Gefängnisaufseher auf den anglo-indischen Andamanen-Inseln arbeiteten: Sholto und Morstan. Durch glückliche Umstände gelangten sie in den Besitz eines großen Schatzes, den sie sich brüderlich teilen wollten. Doch es kam alles ganz anders …

Am 18. April 1882 kehrt Bartholomew Sholto vom Studium in sein Elternhaus Pondycherry Lodge in der Nähe von London zurück. Sein Zwillingsbruder Thaddeus ist froh, ihn wiederzusehen, denn in letzter Zeit leidet ihr Vater an einem beunruhigenden Verfolgungswahn. Er hat zwei Preisboxer als Leibwächter eingestellt, nachdem er Eindringlinge am Fenster gesehen habe. Insbesondere Einbeinige lasse er verfolgen. Da bringt der Butler einen Brief aus Indien, der Major Sholto in Angst und Schrecken versetzt: Eine Gruppe, die sich „Das Zeichen der Vier“ nennt, hat darin gedroht, sich das, was er geraubt habe, zurückzuholen und ihn für seinen Verrat zu bestrafen. Er erleidet einen Schwächeanfall, flüstert noch ein paar letzte Worte von einem „Schatz“ und einer Mary Morstan – und gibt den Löffel ab.

1888, sechs Jahre später.

Eben jene Mary Morstan besucht Sherlock Holmes und Dr. John Watson, einen jungen mittellosen Militärarzt, in Holmes‘ Büro in London, Baker Street 221B. Holmes hat sich mal wieder eine seiner, wie Watson sagen würde, „entsetzlichen“ Kokainspritzen gesetzt und ist folglich bester Laune. Diese hebt sich noch viel mehr angesichts des wunderschönen Geschöpfes, das durch seine Tür tritt. Denn im Gegensatz zu manchen Darstellungen in gewissen Filmen ist Holmes kein Griesgram, sondern ein weltzugewandter Genießer, dem nichts lieber ist als eine Herausforderung seiner formidablen geisten Fähigkeiten. Nach Zeiten mentalen Hungers bietet Mary Morstan ihm nun eine leckere Geistes-Mahlzeit: ein Rätsel!

Die Ärmste schlägt sich seit dem Verschwinden ihres Vaters im Jahre 1878 als Gesellschafterin bei Mrs. Cecil Forrester durch, doch seit 1882 erhält sie von einem unbekannten Gönner alljährlich eine wunderschöne Perle geschickt, so dass sich ihr Lebensstandard ein wenig gehoben hat.

Watson und Holmes, die ihre daraus gefertigte Halskette in Augenschein nehmen dürfen, sind völlig von den Socken: edelste Ware, no doubt! Aber deswegen ist Miss Mary nicht hier. Sie hat eine Einladung zu einem geheimen Treffen erhalten. Sie dürfe zwei Freunde, aber keinerlei Polizeibeamte mitbringen. Ob die beiden Herren wohl so nett wären?

Und ob sie wären! Vorsichtshalber nimmt Holmes aber seinen zuverlässigen Revolver mit. Ein Kutscher sammelt sie am Treffpunkt auf und fährt sie in die schlechteren Viertel Süd-Londons. Als ein Inder sie in das Haus einlässt, staunen alle Bauklötze: ein veritabler Palast wie aus dem Orient. Wem gehört die noble Hütte? Es ist Thaddeus Sholto und er hat eine lange Geschichte zu erzählen.

Doch als sie in Pondicherry Lodge eintreffen, um Mary den ihr rechtmäßig zustehenden Schatz zu zeigen, kommen sie zu spät. Jemand ist ihnen zuvorgekommen, was dem armen Bartholomew gar nicht gut bekommen ist: In seinem Hals steckt ein Dorn mit einem tödlichen Gift …

Doch wie konnte der Täter in einen komplett abgeschlossenen Raum eindringen und – vor allem – wieder entkommen? Holmes stellt sich endlich das ersehnte Rätsel: ein klassisches |locked room mystery|!

_Mein Eindruck_

Natürlich ist es von diesem bis zur Ergreifung der Täter noch ein weiter Weg. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich auch das Anhören der restlichen Handlung lohnt. Die Gehörgänge kommen voll auf ihre Kosten – siehe meine Abschnitte „Musik“ und „Geräusche“. Endlich erfahren wir am Schluss auch, wie alles begann, irgendwo am anderen Ende des Empires, als ein unvorsichtiger Kaufmann seinem Kollegen etwas von einem Schatz zuflüsterte.

Natürlich ist eine Schatzjagd immer ein netter Aufhänger für eine flotte Story, und umso mehr für das viktorianische Publikum, das das angesehene „Strand Magazine“ las, in dem Doyle seine Storys veröffentlichen konnte. Abenteuer, Gefahr, ein waschechter Kannibale – beim Jupiter! Es gibt genügend Unterhaltsames in der Story, um einen Roman daraus zu spinnen.

Doch Doyle lässt auch eine gewisse Kritik an den erschreckenden Zuständen auf den Gefängnisinseln eben dieses British Empires einfließen. Die Schlussrede des Täters ist voller Anklagen, die offenbar allesamt gerechtfertigt sind. Er stellt sich natürlich selbst als Opfer hin, aber es war sicher nicht ungewöhnlich, dass britische Aufseher wie Sholto und Morstan den ihnen ausgelieferten Häftlingen sämtliche Habseligkeiten abnahmen, die sie besaßen. Und dazu gehörte eben auch die Information über den Schatz in der Stadt Agra, wo das Tadsch Mahal steht.

Die Gier nach dem Gold ist das ausschlaggebende Thema hinter der ganzen Schatzsuche. Und bevor die Truhe geöffnet wird, fragt sich vielleicht der eine oder andere Zuhörer, ob der Schatz nicht besser drin bleiben sollte als noch mehr Menschen ins Unglück zu stürzen, beispielsweise die liebliche Miss Morstan …

|Die Sprecher & Rollen|

Es gibt vier Hauptfiguren, die auch stimmlich herausragen. Am besten gefällt mir Joachim Tennstedt als Sherlock, denn was er in diese Figur hineinlegt, ist sehr sympathisch und humorvoll – so als würde ein strahlender John Malkovich völlig entspannt aufspielen (liegt’s am Koks?). Holmes‘ einziger Fehler ist seine Ablehnung des weiblichen Geschlechts oder vielmehr des Umgangs mit dessen Vertretern. Das soll aber weniger an latenter Homosexualität liegen, als vielmehr an seiner Abneigung gegen jede Art von emotionaler Sentimentalität. Lang lebe der reine Geist.

Dr. John Watson, 36, ist das genaue Gegenteil seines Freundes: jovial, freundlich, frauenfreundlich und durchweg emotional. Leider sind seine logischen Schlüsse von dementsprechend unzulänglicher Qualität. Das war zu erwarten. Seine wachsende Liebe gilt Miss Mary Morstan, die selbst ein patentes Frauenzimmer zu sein scheint, denn sie besteht darauf, auf die Verfolgungsjagd nach den Verbrechern mitzukommen.

Der größte Humorfaktor ist indes die eines Peter Ustinov würdige Figur des Inspektor Jones von der Londoner Kripo. Nicht nur sind Jones‘ logische Schlüsse noch wesentlich schlechter als die Watsons, obendrein hat er auch noch die sprachliche Eigenart, sich vor jedem Schlusswort eines Satzes auf merkwürdigste Weise zu räuspern – ein nach innen gewandtes Räuspern, das höchst lachhaft klingt. Ich könnte mich wegschmeißen, wenn ich den Typ höre.

Aber auch Peer Augustinski soll nicht unterschlagen werden. Er spielt in der Rolle des Thaddeus Sholto keine unerhebliche Rolle bei der Beschaffung des Schatzes für die arme Miss Morstan. Wer sich die Stimme von Robin Williams vergegenwärtigt, bekommt eine Ahnung von den vielfältigen Möglichkeiten, einen herzkranken reichen Mann von gut dreißig Jahren zu spielen, der an einer Wasserpfeife schmaucht und eine Räuberpistole aus Indien erzählt. Als Inspektor Jones ihn verhaftet, hat Sholto/Augustinski die Möglichkeit, den entsetzten Unschuldigen zu spielen – aber ist er wirklich unschuldig?

|Die Musik|

Nach einem Intro, das der Titelsequenz eines Spielfilms entspricht, hören wir die Musik laufend im Hintergrund, wenn nicht gerade Geräusche sinnvoller sind, etwa beim Abendessen oder bei einer Verfolgungsjagd im Hafen. Deshalb erklingt die Musik mit voller Kraft erst wieder im „Abspann“, quasi als Rausschmeißer. Es ist Musik, die einem kleinen Spielfilm angemessen ist: niemals aufdringlich, sondern stets unterstützend. Kein Wunder, dass viele Motive aus einem Fundus von Samples genommen wurden – siehe den Vermerk im Booklet.

|Die Geräusche|

Eine schier unglaubliche Vielfalt von Geräuschen verwöhnt das Ohr des Zuhörers. Der Eindruck einer real erlebten Szene entsteht oft, aber nicht immer. Es ist natürlich etwas schwierig, jene Wasserpfeife klanglich umzusetzen, die Thaddeus Sholto schmaucht, als er Watson, Holmes und Miss Morstan empfängt. Zum Ausgleich gibt es jedoch eine groß inszenierte Verfolgungsjagd auf der Themse, in der der Toningenieur sämtliche Register ziehen kann: vom Dampfzischen, Maschinenstampfen, Wasserplätschern und Möwengeschrei bis hin zu den Revolver-Schüssen Holmes‘ und dem Zischen eines Giftpfeils – das volle Programm. Dazu stelle man sich noch die entsprechende Schreie und Rufe der beteiligten Figuren vor, und man hat eine komplette Krimiszene.

_Unterm Strich_

„Das Zeichen der Vier“ ist eine durchweg gelungene Hörspiel-Umsetzung der klassischen Holmes-Erzählung. Die Story ist, wie nicht anders zu erwarten, durchweg spannend, witzig und bis zum Schluss tempo- und actionreich inszeniert. Hinzu kommen ein Schuss Romantik (Watson & Morstan – ob das klappt?) und erfrischende Ironie. Holmes‘ Auftritt in täuschender Verkleidung ist sicher ein Highlight der verblüffenden Effekte, und humorvolle Szenen halten das Zwerchfell auf Trab.

Wenn alle Hörspiele der Holmes-Reihe so gut inszeniert sind, kann ich sie uneingeschränkt empfehlen.

|The sign of four, ca. 1888
128 Minuten auf 2 CDs|

Lukas, Leo / Effenberger, S. A. / Hagitte, Chr. / Bertling, S. / Sieper, M. – Entscheidung in Vhalaum (Perry Rhodan – Sternenozean 11)

Banzai, Mausbiber! Action mit Humoreinlage

|Lübbe Audio| vertont die Abenteuer des Kadetten Kantiran und des Sternenadminstrators Perry Rhodan, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind zwölf Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren. Dies ist die zweite Staffel.

Folge 11, Fortsetzung von Folge 8: Der Hypersturm ist vollends ausgebrochen. Der Gefangenentransport mit Kantiran und Mal Deltair ist über der Stadt Vhalaum abgestürzt. Können sich die beiden aus den Fängen Shallowains befreien? (Verlagsinfo)

_Die Reihe_

„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.

Es gab vor der aktuellen |Lübbe Audio|-Reihe schon Vertonungen der PR-Silberbände, doch nicht in der stilvollen Inszenierung des |STIL|-Tonstudios. Die Romanvorlage für das vorliegende Abenteuerhörspiel stammt von Leo Lukas („Der Ilt und der Maulwurf“).

Die ersten Staffel:

1) [Der Sternenbastard
2) [Die Mascantin
3) [Der Hyperschock
4) [Planet der Mythen
5) [Havarie auf Hayok
6) Das Blut der Veronis

Die 2. Staffel:

7. [Der Gesang der Motana
8. [Sonderkommando Kantiran
9. [Tau Carama
10. [Überfahrt nach Curhafe
11. [Entscheidung in Vhalaum
12. [Die Femesängerin

Die 3. Staffel:

13. [Der Flug der Epha-Motana
14. [Terraner als Faustpfand
15. [Die Sekte erwacht
16. [Der Todbringer
17. [Kampf um den Speicher
18. [Die mediale Schildwache

Die 4. Staffel:

19. [Operation Kristallsturm
20. [Das Land unter dem Teich
21. [Attentat auf Hayok
22. [Kybb-Jäger
23. Auf dem Weg nach Magellan
24. Jenseits der Hoffnung

Die Sprecher / Die Inszenierung

Erzähler: Joachim Höppner (Stimme von „Gandalf“)
Kantiran: Christian Stark
Maykie Molinas: Oliver Rohrbeck (Stimme von Ben Stiller und Michael Rappaport)
Dario da Eshmale: Kaspar Eichel (Stimme von Richard Dreyfuss)
Shallowain: Manfred Lehmann (Stimme von Bruce Willis, Gérard Depardieu, Kurt Russell …)
Icho Tolot: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan)
Gucky: Stefan Krause (Billy „Pippin“ Boyd)
Mal Deltair: Jürgen Kluckert (Morgan Freeman, Chuck Norris)
Eiklpalin: Stefan Fredrich (Jim Carrey, John Turturro)
Und weitere.

Volker Lechtenbrink wurde 1944 in Cranz/Ostpreußen geboren. Bereits als Achtjähriger sprach er im Kinderfunk und stand zwei Jahre später auch schon auf der Bühne. 1959 wurde er durch den Antikriegsfilm „Die Brücke“ (Regie: Bernhard Wicki) bundesweit bekannt. Er besuchte die Schauspielschule in Hamburg und ist heute in zahlreichen TV-Serien zu sehen. Darüber hinaus ist er am Theater tätig, geht auf Tourneen oder wirkt als Intendant. (Verlagsinfo)

Die Hörspieladaption stammt von S. A. Effenberger. Regie, Musik, Ton und Programmierung lagen in den Händen von Christian Hagitte und Simon Bertling vom Ton-Studio |STIL|. „Die Musik wurde exklusiv für die Perry-Rhodan-Hörspiele komponiert und vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte live eingespielt. Die elektronischen Klänge und Effekte wurden speziell für die Hörspiele vom |STIL|-Team durch den Einsatz von Computertechnik generiert“, heißt es im Booklet. Executive Producer der Reihe ist Marc Sieper.

Am Schluss erklingt der Song „How do you feel? Perry Rhodan Mix“ von der Band |Camouflage|. Der Originaltitel stammt von der LP „Relocated“ (SPV 2006).

Vorgeschichte

Der 14-jährige Junge Kantiran lebt als Sohn eines Terraners und einer Arkonidin als Untertan des Kristallimperiums auf einem friedlichen Agrarplaneten. Nach dem Verlust seiner Eltern, die auf einer Schürfexpedition verschollen, wächst er bei seinen Pflegeeltern Weigel und Arachya auf. Er lernt, dass er die Gabe besitzt, Tiere telepathisch zu lenken und mit ihnen zu kommunizieren.

Ein Sternenkreuzer landet. Der riesigen Kugel entsteigen ein Riese und eine Frau. Es sind die Flottenführerin Ascari da Vivo und ihr Leibwächter Shallowain. Die Admiralin nimmt Kant auf einen kurzen Flug mit, um ihm etwas zu geben: ein Erbstück von seinem Vater. Es sieht zwar aus wie eine terranische Uhr, ist aber ein intelligenter persönlicher Assistent. Er tauft ihn Tonto. Außerdem lädt sie ihn zur imperialen Kadettenschule ein, der Parageta.

Nach drei Jahren ist seine Ausbildung zum Flottenoffizier fast beendet. In vielen Kämpfen hat er sich zum besten Dagorista der Parageta emporgearbeitet. Seit einem Jahr liebt er eine schöne Schneiderin mit dem klangvollen Namen Thereme. Sie arbeitet im Haushalt des Geheimdienstchefs Kilor. Eine Woche vor der Prüfung beehrt ihn sogar der feindliche terranische Resident Perry Rhodan höchstpersönlich mit einem Besuch der Kadettenschule, denn Kantiran bewundert ihn sehr. Er ahnt nicht, dass Rhodan sein Vater ist!

Eines Tages findet Kantiran die Geliebte tot auf. Ein heimtückischer Anschlag mit dem Gift der Trivipern, vermutet Kantirans Freund, der Tierheiler Mal Detair. Da der Geheimdienst, in dessen Haus Thereme wohnte, die Ermittlungen übernimmt, macht Mal Detair seinem neuen Freund Kant keine Hoffnung, dass der Täter je gefunden wird. Also müssen sie ihn auf eigene Faust aufspüren. In der Tierarztpraxis Mals entdeckt er seine telepathische Gabe wieder, die er schon gegenüber den Tieren seiner Heimatwelt angewandt hat.

Die Mascantin Ascari da Vivo, die ihn von seiner abgeschiedenen Heimaltwelt im Hayok-Sektor geholt hat, ist ein wenig besorgt um die geistige Gesundheit ihres Schützlings, als er sich der Abschlussprüfung auf der Welt Iprasa unterzieht. Und tatsächlich muss dort etwas Furchtbares mit ihm geschehen sein, denn er erwacht erst drei Monate nach der Prüfung wieder aus dem Koma.

Bei Mal Detair findet er ein neues Schoßtier, mit dem er telepathisch kommunizieren kann. Kemi ist ein aggressiver Tarox-Marder und hört nur auf seinen Befehl. Er trägt das Tier, das Mal ihm schenkt, wie einen Pelz um den Hals. Und ein Besuch bei der Mascantin eröffnet ihm auch den Weg, wie er an Ascaris vertrauliche Daten über sich selbst herankommt. Und wer weiß, was er dabei auch über den Mord an Thereme entdecken könnte. Der Verdacht, den er schon vor seinem Koma gegen die Admiralin, die direkt dem Imperator unterstellt ist, hegte, muss überprüft werden.

Doch Kantiran findet mehr über seine Identität heraus, als ihm lieb ist: Er ist der Sohn der Mascantin und Perry Rhodans! Sofort bereitet er sich darauf vor, sich an der Mascantin für den Mord an Thereme zu rächen. Leider geht alles schief, und Kantiran und Mal Detair werden gefangen genommen …

In Episode 8 versucht das Sonderkommando der „Liga der terranischen Welten“, Kantiran aus Shallowains Gefangenschaft zu befreien. Doch in der Luftschlacht, die während eines Hypersturms stattfindet, verschlägt es den Gleiter, in dem sich Kantiran und Mal Detair befinden, in eine versteckte Dimension des Raum-Zeit-Kontinuums. Sind sie gerettet? Leider ist auch Shallowain der Weg hierher geglückt, und er versucht, die beiden Entflohenen wieder einzufangen. Doch das Terrain bietet Kantiran unerwartete Möglichkeiten …

_Handlung_

Crash! Aus vier Kilometern Höhe stürzt Icho Tolots Geliter auf die Erde – wo immer das sein mag. Doch da der riesige Haluter über die Fähigkeit verfügt, seine Haut zu einem Panzer zu verdicken, macht ihm der Sturz nichts aus. In seinen Armen überlebt auch der Mausbiber Gucky und erwacht. Zu seinem Verdruss muss er feststellen, dass seine Parasinne gedämpft sind. Und erstaunt stellt er fest, dass jenseits eines Umkreises von acht Kilometern das Nichts beginnt … Wo sind Valhaum, Kantiran, Maykie Molinas?

Mole hängt in einem Baum 15 Meter über dem Boden und wird von hungrigen Geiern angegriffen. Plötzlich zerrt ihn ein Traktorstrahl in eine kleine verborgene Kammer hinter einer Felswand. Dort redet eine Blechkiste, die wie eine hypermoderne Waschmaschine aussieht, mit ihm. Er soll wegen Belästigung der Tierwelt bestraft werden. Mole macht der Blechkiste, die eine Art Zoowärter zu sein scheint, klar, wer hier das Sagen hat: er nämlich! Der Zoowärter willigt ein, Mole zum Energiezaun zu führen, der das ganze Zooareal schützend umgibt. Die Energiequelle des Zauns befindet sich in einem kleinen Häuschen. Dort findet Mole elektronische Anlagen vor! Juppidu, er ist wieder in seinem Element – und beginnt sofort, die Kontrolle zu übernehmen …

Kantiran hat mit seinem Psitalent ein Rudel Hyänen gefunden und die Kontrolle von dessen Leittier übernommen. Er führt sie gegen die nun angreifenden Soldaten Shallowains ins Feld. Doch im entscheidenden Moment stellt sich heraus, dass es für den Erfolg dieses Angriff ein kleines Hindernis gibt: den Energiezaun. Zum Glück schaltet Mole zufällig genau im richtigen Moment den Zaun aus, so dass die Hyänen ihre Attacke fortsetzen können. Shallowains Leute bekommen alle Hände voll zu tun …

Unterdessen befinden sich Icho Tolot und Guicky auf der Flucht über die Steppe. Sie werden von einem Rudel Dinosaurier verfolgt. Genauer gesagt, handelt es sich um Tyrannosaurus Rex! Diese Viecher sind sauschnell und holen die beiden Gefährten rasch ein. Da greift der riesige Haluter zu einer Notmaßnahme. Er wirft Gucky ins Uferschilf eines nahen Sees und stellt sich den hungrigen Angreifern …

_Mein Eindruck_

Das Ambiente des Kristallimperiums hat mich mehr als einmal an das böse Imperium in „Krieg der Sterne“ erinnert: Alles ist auf Unterdrückung, Hass und Zerstörung ausgerichtet. Die Zerstörung ihres Gesichts, die die Mascantin erlitten hat – wunderbar gehässig: Daniela Hoffmann – will sie à la Darth Vader ihrem Sohn heimzahlen. Ihr fehlt nur noch das berühmte Röcheln des imperialen Kommandanten. Diese Rolle hat aber momentan „Shallowain der Hund“ inne, und er zeigt sich als bissiger, aber treuer Kettenhund seines Frauchens.

Auf Seiten der Guten scheint Mole – er hat die deutsche Stimme von Ben Stiller – der Inbegriff der Inkompetenz zu sein, aber dieser erste Eindruck täuscht, denn er führt die Wende herbei, als schon alles verloren zu sein scheint – natürlich mit einem wahnwitzigen Plan. Gucky hat die erstaunliche Fähigkeit der Teleportation und versetzt sich per Willenskraft an jeden beliebigen Ort. Icho Tolot, der riesige Halut, verbirgt in seinem Riesenkörper ein zweites Gehirn, das Plangehirn. Damit verwandelt er sich in einen Mentaten wie in „Dune“ und gelangt zu Berechnungen wie ein Computer.

Gucky, der Kleine, Icho Tolot, der Riese, und Mole, der verkopfte Hacker, bilden ein vielseitig einsetzbares Heroic Trio, wie man es in Eastern-Action-Filmen häufig sieht. Sie würden sehr gut in eine Star-Wars-Episode passen, denn wenn Icho Tolot à la Chewbacca zuschlägt, so agiert Gucky meistens wie sein kleiner, aber agilerer Freund. Mole ersetzt dabei das Duo R2-D2 (als Computerspezialist) und C3-PO (redet mit Maschinen und steuert sie).

Der Zoo in der Valhaum-Minidimension erinnert stark an „Jurassic Park“ und gerät ebenso schnell außer Kontrolle. Dann sind mal wieder die Tyrannosaurier los, was dem heroischen Trio Gelegenheit gibt, seine Kräfte unter Beweis zu stellen. Zu retten gibt es zwar keine Frauen und Kinder, aber Kantiran und Mal Detair sind kein schlechter Ersatz. Jedenfalls ist für Action mit Humoreinlage genügend gesorgt.

|Die Inszenierung|

So fangen Sternenopern an: mit einer schmissigen Titelmelodie und raunenden Stimmen, die Schicksalhaftes verkünden. Ein Erzähler wie Achim Höppner hat eine recht hohe Autorität und wir glauben ihm seine Geschichte nur allzu gern, wenn er von der Flucht Perrys und Atlans erzählt. Atlan klingt wie Michael Douglas. Ihm und Volker Lechtenbrink als Perry Rhodan nehme ich die Actionhelden ab.

Ihnen stehen zwei gleichwertige Frauengestalten gegenüber: Zephyda, die kämpferische Amazone, und die weise Alte, die Stimme der Vergangenheit. Zwischen diesen steht der zwielichtige Nomade Rorkhete, der für einige Überraschungen sorgt, und sei es nur deshalb, weil er der einzige Bewaffnete ist. Charles Rettinghaus, die deutsche Stimmbandvertretung von Jean-Claude van Damme, spielt ihn energisch und zupackend.

Der Mausbiber Gucky, den Stefan Krause, die deutsche Stimme von Billy „Pippin“ Boyd spricht, klingt wirklich nicht größer als eine Maus. Besonders gefiel mir die tiefe Stimme von Tilo Schmitz als Icho Tolot. Man kennt ihn als deutsche Stimme von Ving Rhames und anderen Afroamerikanern. Auch in der Hörspielserie „Offenbarung 23“ ist er als solcher aufgetreten. Sein rauer Bass ist unverkennbar. Und verleiht dem Riesen Icho Tolot auch akustisch eine beeindruckende Statur.

|Musik und Geräusche|

Insgesamt ist die Musik und die Geräuschkulisse (s. u.) eine ganze Menge Aufwand für eine simple Sternenoper, aber es lohnt sich: Das Hörspiel klingt höchst professionell produziert. Ich könnte Gegenbeispiele nennen, in denen die Musikbegleitung in die Hose ging, aber sie stammen alle nicht von |STIL|.

Die Geräusche können in Sachen Professionalität absolut mit Kinoproduktionen mithalten. Eine große Bandbreite an Sounds charakterisiert die verschiedenen fremdartigen Wesen und Maschinen, die die Helden auf ihren Streifzügen antreffen. Da sausen die Gleiter, da zischen die Strahler. Vielerlei Viehzeugs zwitschert, knurrt und fiept in Wald und Steppe rings um Perry und Atlan. Insbesondere die angreifenden Hyänen und Tyrannosaurus-Rexe tragen mit ihren urzeitlichen Lauten viel zum Gefühl der Bedrohung bei.

Sie werden konterkariert von zwei anderen Effekten: die brechenden Zähne eben dieser T-Rexe, für die Icho Tolot verantwortlich zeichnet, und die Stimme der sprechenden Waschmaschine, die ähnlich verfremdet wurde wie die Stimme von C3-PO in „Star Wars“. Wenigstens fiept sie nicht wie R2-D2.

Die größte akustische Leinwand bemalen jedoch die tausend elektronisch erzeugten Sounds, die der ganzen Handlung erst das kosmische Science-Fiction-Feeling verleihen. Ohne sie könnte es sich ebenso gut um Fantasy auf einem fernen Planeten handeln, wie sie z. B. Jack Vance fabriziert hätte.

Der Abschlusssong von |Camouflage| klingt nach solider deutscher Wertarbeit: mit einem fetzigen Bassriff und einem Sänger, der sich die Feinheiten der englischen Aussprache noch antrainieren muss („head“ klingt wie „hat“). Der Song dauert vier Minuten und ist wenig bemerkenswert. PR-Fans werden ihn sicherlich begrüßen. Mehrere Zitate aus der aktuellen Episode wurden eingeflochten.

_Unterm Strich_

Insgesamt bildet „Entscheidung in Valhaum“ eine vielversprechende Fortsetzung zum Auftakt der zweiten Staffel der Hörspielserie „Perry Rhodan: Sternenozean“. Sie wird offenkundig von Profis produziert, von mancher bekannten Hollywoodstimme gesprochen und liefert einen soliden Gegenwert für den Preis von rund zehn Euronen.

Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 14 und 17 Jahren dürften sich rasch mit den Helden identifizieren und das ist eine der besten Voraussetzungen, ein treues Publikum aufzubauen. Auch Zephyda ist eine solche Identifikationsfigur, und ich hoffe, dass sie möglichst lange Teil des Serienpersonals bleibt. Gucky, Mole und Icho Tolot bilden ein heroisches Trio, das sowohl für Action als auch für Humoreinlagen sorgt und so diese Episode über die anderen heraushebt.

Was die Qualität des Inhalts angeht, so darf man wohl kaum tiefschürfende und daher langweilige Monologe erwarten. Vielmehr ist kämpferische Action und romantische Exotik angesagt – das ist genau die Mischung, die auch „Star Wars“ so erfolgreich gemacht hat. In der Abwechslung liegt das Geheimnis des Erfolgs für solche Unterhaltung, und in der folgenden Episode „Die Femesängerin“ wechselt die Szene wieder mal, denn nun sind wieder Perry und Atlan am Zuge.

|65 Minuten auf 1 CD|
http://www.perryrhodan.org
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[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29

Montanari, Richard – Mefisto (Lesung)

_Hitchcock reloaded: der Badezimmermörder_

Sommer in Philadelphia. Doch die Ruhe trügt. Kevin Byrne, Detective der Mordkommission, und seine Partnerin Jessica Balzano werden zu einem bizarren Fall gerufen. Eine Frau ist ermordet worden, und ihr Todeskampf wurde von dem Mörder auf Video aufgenommen, hineingeschnitten in die berühmte Badezimmer-Szene aus Alfred Hitchcocks „Psycho“. Doch diesmal ist das Blut rot und das Messer real.

Bald tauchen weitere Filmklassiker auf, in denen Mordszenen nachgestellt und nachträglich eingefügt wurden. Ist ein Verrückter am Werk, der die Filmgeschichte zum Hintergrund seiner perversen Phantasien macht?

_Der Autor_

Richard Montanari, geboren in Cleveland, Ohio, wuchs in einer traditionellen italienisch-amerikanischen Familie auf. Er ist als Autor, Drehbuchschreiber und Essayist tätig. Seine Werke erscheinen nach Verlagsangaben in über zwanzig Ländern.

_Der Sprecher_

Matthias Koeberlin, geboren 1974, absolvierte die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam. Im Jahr 2000 erhielt er den Günter-Strack-Fernsehpreis. Er spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers „Das Jesus-Video“. Für seine Interpretation der [Hörbuchfassung 267 von Eschbachs Bestseller wurde er für den Deutschen Hörbuchpreis des WDR (2003) nominiert.

Koeberlin liest eine von Guido Huß gekürzte Textfassung. Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahme in den dc-Studios, NRW-Berlin, verantworteten Fabian Frischkorn und Christian Päschk, die Musik lieferten Dennis Kassel und Horst-Günther Hank.

_Handlung_

Kommissar Kevin Byrne hat schon bessere Tage gesehen. Es ist Sommer in der Stadt der brüderlichen Liebe, doch er hat Schmerzen. Von der Konfrontation mit dem Rosenkranzkiller an Ostern (vgl. [„Crucifix“) 2818 hat er einer Verletzung am Ischiasnerv zurückbehalten. Wenigstens konnten ihm die Ärzte die Kugel des Killers aus dem Schädel operieren, sonst wär’s aus gewesen. Die Schatten der Vergangenheit sollen Detective Sergeant Byrne jedoch weiterhin plagen.

Als er von seinem Kommissariat benachrichtigt wird, dass Julian Matisse wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weiß er, dass es bald Ärger geben wird. Diesen Gewaltverbrecher und Sadisten hat er vor zwei Jahren hinter Gitter gebracht, doch nun wurde ein wichtiger Zeuge, sein Kollege Jimmy Purify, belastet. Bevor es zur Berufungsverhandlung kommt, ist Matisse auf freiem Fuß. Sofort wendet sich Byrne an eines von Matisses Opfern, Vikki Lindström. Zusammen machen sie nicht nur Liebe, sondern setzen sich auch auf die Fährte des Mannes, der ihr das Gesicht zerschnitt …

|Unterdessen …|

… bekommt die Mordkommission ein merkwürdiges Videoband zugestellt, dessen sich Kommissarin Jessica Bolzano, seit acht Jahren bei der Kripo, anzunehmen hat. Sie lässt es von der Audio-/Video-Abteilung fachmännisch untersuchen. Kollege Mateo Fuentes ist ein Schlaufuchs und arbeitet mit seinem Computer äußerst trickreich. Es gibt praktisch nichts, was er nicht findet. Und auf diesem Video gibt es jede Menge zu entdecken. Jessica schaut es sich mit Byrne und ihrem Chef Ike Buchanan an.

Vordergründig handelt es sich um ein Kopie von Alfred Hitchcocks Thrillerklassiker „Psycho“ aus dem Jahr 1960. Die berühmteste Szene daraus ist bekanntlich die Duschszene, in der Janet Leigh alias Marion von einer Gestalt in Frauenkleider mit einem Schlachtermesser attackiert und getötet wird. Das Original ist ein Meisterwerk der, ähem, Schnitttechnik. Doch diese Version ist anders: Als die Duschszene beginnt, tritt eine Störung ein und das Bild wechselt nach einer kurzen Schwarzblende zur körnigen Schwarzweißaufnahme eines Duschvorhangs, hinter dem eine weibliche Stimme ein Lied von Norah Jones trällert. Jedoch nicht lange, denn ein Mann betritt das Badezimmer, reißt den Vorhang beiseite und beginnt auf die nackte junge Frau dahinter einzustechen …

Jessica würgt und wendet sich ab. Sie hat ja schon viel Grauenvolles gesehen, war aber noch nie „live“ bei einem Mord dabei. Nach dieser nachgestellten Mordszene, an deren Echtheit ob des Blutes kein Zweifel bestehen kann, kehrt der Film wieder zu Hitchcocks „Psycho“ zurück. Norman Bates ruft nach seiner Mutter. Aber wer ist die reale Ermordete?

Weil die Spur des Videobands zu nichts führt, muss Mateo Fuentes seine Kunst zeigen: Auf der Duschstange befindet sich ein Fleck. Der Fleck entpuppt sich durch seine Magie als Herstelleretikett. Diesen Hersteller machen Jessica und Byrne ausfindig, und er nennt ihnen die belieferten Hotels. Unter diesen befindet sich das Rivercrest-Hotel, eine schäbige Absteige unweit des Flusses, der Philadelphia durchströmt. Hier stoßen sie auf ein Zimmer, das als Tatort in Frage kommt. Die Spurensicherung macht die Vergangenheit sichtbar: Blutspuren überall! Aber von einer Leiche keine Spur. Erst Tage später kommt Jessica die rettende Idee: Vielleicht hat der „Filmemacher“ es ja genau wie Norman Bates gemacht und die Leiche in den Kofferraum eines Autos gelegt, welches er dann versenkte.

Jessicas Eingebung stellt sich als Durchbruch heraus. Das gefundene Auto mit der Leiche der Frau ist der Beginn einer Aufholjagd. Der Killer – Julian Matisse? – hat eine Woche Vorsprung. Und er hat ihnen bereits sein zweites „Meisterwerk“ zukommen lassen. Diesmal eine Szene aus dem Michael-Douglas-Film „Eine verhängnisvolle Affäre“. Darin spielen wieder Schlachtermesser und Badezimmer eine Hauptrolle. Nur ist diesmal alles in Farbe. In Blutrot …

_Mein Eindruck_

Diesmal präsentiert der Autor Montanari, der uns schon mit [„Crucifix“ 2818 aufs Hinterhältigste unterhielt, ein ganzes Trio von Hauptverdächtigen. Es ist wie ein Hütchenspiel: Finden Sie den wahren Täter! Welcher von den dreien mag es wohl sein: Ist es Julian Matisse, Seth Goldman oder gar ein Mister X, den Sie gar nicht auf Ihrer Rechnung haben? Man kann sich also darauf verlassen, dass es mindestens zwei falsche Fährten gibt, und es ist nicht einmal sicher, dass es Mister X ist.

Der Showdown am sechsten „Drehort“ des „Filmemachers“ ist nicht nur äußerst fies eingefädelt und hergerichtet, sondern hinterlässt bei Leser bzw. Hörer eine gute Portion Verwirrung. Nanu, wo kam denn nun Mister Y her? Und wie kommt es, dass er und Seth Goldman die gleichen Filme angesehen haben? Wie auch immer: Für Byrne führt nicht nur die Spur in seine Vergangenheit, wo er ständig mit Mordopfern oder Drogentoten, die sich den Goldenen Schuss gesetzt hatten, zu tun hatte. Mag sein, dass er dabei nicht immer das gebotene Mitgefühl an den Tag gelegt hat, aber herrje – welcher Cop kann das schon in einer Stadt, die eine der höchsten Kriminalitätsraten in den USA hat?

Auch Jessica ist wie Byrne stets nach einem langen Arbeitstag wie ausgepumpt. Und weil der „Filmemacher“ (den nur der Autor selbst als „Mefisto“ bezeichnet) sie mächtig auf Trab hält, muss sie einmal sogar einen 26-Stunden-Tag einlegen. Das würde sogar ein Pferd umbringen. Geschweige denn einen normalen Menschen, der nur versucht, seine Pflicht zu tun und seine Mitbürger vor dem nächsten Anschlag zu schützen.

Weder Jessica Bolzano noch Kevin Byrne sind Übermenschen oder gar Superhelden wie Spider-Man und Konsorten. Sie haben Familie, jeweils eine Tochter, um die sie sich sorgen. Es ist diese Eigenschaft als Eltern, die sie in die Lage versetzt, mit den jungen Frauen zu fühlen, die in den Badezimmerszenen des „Filmemachers“ unversehens zu dessen Opfern werden. Was erhofften sich die jungen Frauen? Wurden sie mit Chancen auf eine größere Filmrolle gelockt? Manche von ihnen haben schon in Sadomasopornos mitgespielt, findet Jessica heraus, und diese Erfahrung hat sie so fertiggemacht, dass sie Heroin nahmen, um darüber hinwegzukommen.

Vikki Lindström, die junge Frau mit dem von Matisse zerschnittenen Gesicht, kam mit 17 voller Hoffnungen vom platten Land in die große Stadt, um hier ihre Chance zu suchen. Natürlich als Model oder Schauspielerin. Stattdessen landete sie im Rotlichtbezierk in einem Massagesalon. Ihren Schicksalsgenossinnen erging es wesentlich schlechter, wenn sich Jessica die Werke des „Filmemachers“ oder einige Pornostreifen ansieht. Manchen flohen aber nicht vor der Armut, sondern wurden von ihren Eltern, die hohe Erwartungen hatten, dazu getrieben. In beiden Fällen wurden die Frauen um alles betrogen, was ihnen irgendetwas bedeutete. Und manchmal auch um ihr Leben.

Der mitunter tödliche Missbrauch für das Filmgeschäft, den der Autor in seinem Thriller auf verschiedenen Ebenen anprangert, ist für die Cops Anlass, ihrer Pflicht des Bürgerschutzes nachzukommen. Film als genehmigte und sogar glamouröse Form der Ausbeutung, aber wo ist die Grenze zur Realität? Der „Filmemacher“-Killer überschreitet sie vorsätzlich und immer brutaler. Das prangert den Zuschauer solcher Filme selbst an. Warum genießen wir Horrorfilme wie „Psycho“? Wo hat diese Lust am Horror-Sehen ihre legitime Grenze? Ist es die gleiche Grenze wie bei Killerspielen?

Der O-Titel lautet „The skin gods“ – die Könige der Haut, und gemeint sind Regisseure, die nackte Haut zeigen. „The skin trade“ heißt von jeher die Prostituition, und offenbar gehören für Amerikaner diese beiden Gewerbe ganz eng zusammen. Die Schnittmenge beider Gewerbe ist als Pornoindustrie bekannt, und sie setzte im Jahr 2006 weltweit rund 55 Milliarden Dollar um. Wo kommt das Geld her, wenn nicht von den Konsumenten? Gemeint sind damit nicht nur erwachsene Männer, die erwachsenen Frauen zusehen, sondern Personen jeden Alters, Berufs und Geschlechts, die sich bereits Bilder von missbrauchten Babys ansehen. (In einer Szene wird tatsächlich ein Baby entführt – und in einem Sarg vor laufender Kamera begraben.) Das ist der wahre Horror des „skin trade“.

Dass aus dem Filmgeschäft ganz schnell bitterer Ernst werden kann, muss Kevin Byrne am eigenen Leib erfahren. Seine geliebte Tochter Colleen wurde entführt, und er sieht sie erst in einem improvisierten Filmstudio wieder. Was wird Byrne tun, wozu ist er fähig?

|Der Sprecher|

Als ausgebildeter Schauspieler weiß Koeberlin seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Ihm gelingen ausgezeichnete Charakterisierungen, allerdings vor allem in den eher unwichtigen Nebenrollen. Während Byrne und Jessica ganz normal klingen und den Maßstab für Normalität setzen, dürfen Nebenfiguren schon mal ziemlich schräg und zwielichtig klingen. Da ist der Junkie, der sich als Grunge-Jünger aufführt und total heiser und geistesabwesend klingt. Da ist der Videothekenbesitzer, der einen auf harten Macho macht, aber damit bei den Cops gar nicht gut ankommt. Und schließlich ist da noch Detective Mateo Fuentes, dessen spanischen Akzent Koeberlin wundervoll charmant nachahmt, ohne es dabei mit der Machotour zu übertreiben.

Die Damen kommen allesamt sehr gut weg. Ihre Stimmen klingen durchweg weicher, sanfter, manchmal sogar verführerisch. Nur die Chefin eines weiblichen Opfers wird ein wenig übertrieben. Der Sprecher wird sehr emotional, und „ihre“ Stimme zittert tränenerstickt. Ansonsten wird dem Hörer jede Lautstärke zwischen Flüstern, Keuchen und Rufen bzw. Brüllen geboten. Eine der stärksten Szenen ist zweifellos Byrnes Folterung von Julian Matisse (merke: Byrne ist einer der ganz Harten). Hier darf Koeberlin seine ganze Schauspielkunst aufbieten.

_Unterm Strich_

„Mefisto“ dürfte in gleichem Maße wie schon „Crucifix“ die Freunde von blutigen und bizarren Thrillern wie „Sieben“ und [„Das Schweigen der Lämmer“ 354 ansprechen. Trotz der etwas aufgesetzt wirkenden Tötungsszenen und der verwirrenden Vielfalt an Hauptverdächtigen ist das Buch ein gut funktionierender und straff erzählter Copthriller, der allerdings einige falsche Fährten bereithält. Also nicht zu früh freuen!

Die Story zeichnet sich durch zwei plausibel und mit Tiefe gezeichnete Hauptfiguren aus, denen man gerne eine gemeinsame Zukunft wünschen würde, wenn, ja, wenn da nicht der böse Schurke wäre, den es in einem packenden Showdown zu bezwingen gilt. So kommt es zwar zu einem – mühsam erkämpften – Happyend, aber nicht zwischen Jessica und Byrne.

Das Hauptthema dieses Thrillers scheint mir Grenzübereitung, Transgression zu sein. Der „Filmemacher“ überschreitet die feine Linie zwischen Fiktion und Realität, wobei er blutige Szenen dreht. Und Kevin Byrne schreitet selbst zur Tat, um Julian Matisse das Handwerk zu legen. Dabei überschreitet er eindeutig die ihm als Polizisten auferlegten Beschränkungen, und am Schluss steht er dicht davor, den Haupttäter eigenhändig hinzurichten. Damit will der Autor belegen, wie wichtig Regeln und Grenzziehungen sind. Ohne sie brechen Amoral und Anarchie aus. Das wäre seiner Meinung nach das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen.

Der Sprecher gestaltet den Text zu einer spannenden, abwechslungsreichen und unterhaltsamen Lesung, indem er die vielfältigen darin auftretenden Figuren einigermaßen gut mit seinen stimmlichen Mitteln zu charakterisieren versteht.

|Originaltitel: The skin gods, 2006
Aus dem US-Englischen übersetzt von Karin Meddekis
390 Minuten auf 6 CDs|
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Ian Rankin – So soll er sterben (Lesung)

Heikle Ermittlungen im Schamdreieck

In einer Edinburgher Sozialsiedlung wird ein illegaler Einwanderer ermordet aufgefunden – ein Mord mit rassistischem Hintergrund? Die Spuren führen Inspector Rebus in die Tiefen der Edinburgher Unterwelt. Unterdessen kümmert sich Siobhan Clarke um den Fall eines verschwundenen Mädchens, und auch sie taucht bei ihren Ermittlungen in die dunkelsten Ecken der Stadt ein. In den zwielichtigen Kneipen und Bars des so genannten „Schamdreiecks“ trifft sie auf Männer, zu deren Geschäften auch Menschenhandel im großen Stil zählt. Und die sehen es gar nicht gern, wenn ihre Kreise durch Schnüffler gestört werden. (abgewandelte Verlagsinfo)
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Indriðason, Arnaldur – Menschensöhne (Lesung)

_Erlendurs erster Fall: „Alien 4“ lässt grüßen_

Island, eine friedliche Insel im Nordatlantik? Mitnichten. Ein pensionierter Lehrer wird in der Innenstadt der Hauptstadt Reykjavik brutal ermordet. Zur gleichen Zeit begeht einer seiner ehemaligen Schüler in der psychiatrischen Klinik Selbstmord. Dass ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen besteht, findet als Erster der jüngere Bruder des Selbstmörders heraus. Erlendur Sveinsson und seine Kollegen von der Kripo Reykjavik schalten sich in den Fall ein. Das Ermittlungsergebnis ist haarsträubend: Von der Klasse des Selbstmörders leben nur noch zwei Schüler.

_Der Autor_

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung |Morgunblaðið|. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman [„Nordermoor“ 402 hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell! Trotz seines Erfolgs sollte man nicht meinen, dass Island von einer Verbrechenswelle heimgesucht wird. Laut Verlag gibt es dort nur drei Morde pro Jahr.

Bisher ins Deutsche übersetzte Romane (alle bei |Lübbe|):

[Nordermoor 402
[Engelsstimme 721
Gletschergrab
[Todeshauch 856
Menschensöhne

_Der Sprecher_

Frank Glaubrecht ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht beispielsweise so bekannten Filmstars wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere seine markante Stimme. Er hat u. a. Indriðasons Hörbücher „Nordermoor“ und „Engelsstimme“ gelesen.

Die Bearbeitung der gekürzten Textfassung erfolgte durch Sabine Bode, Regie führte Marc Sieper. Die akustischen Motive (= Musik etc.) steuerte Michael Marianetti bei.

_Handlung_

Als Palmi diesmal seinen älteren Bruder Daniel in der psychiatrischen Klinik, einem kalten grauen Gebäude an der Küste, besucht, stutzt er: keine Raucher auf dem Korridor, und Daniels Zimmer ist verwüstet. Ein Aufseher sagt ihm, dass Daniel sich oben im fünften Stock umbringen wolle. Palmi ist schockiert, aber nicht verwundert. Schon zweimal hat Daniel in seiner Jugend versucht, sich umzubringen, und zweimal hatte er Palmi und seine Mutter angegriffen. Aber das war vor 25 Jahren, und die Mutter starb vor sieben Jahren. Der Vater, ein Matrose, ist auf See geblieben, die Brüder haben ihn kaum gekannt.

Daniel steht auf dem Fenstersims im fünften Stock und droht, sich in die Tiefe zu stürzen. „Sie haben mir Gift eingetrichtert!“ schreit er. „Wo sind die Anderen?“ Als Palmi darauf keine Antwort weiß, stürzt sich Daniel, gerade erst 40 geworden, in die Tiefe. Er ist sofort tot. Wer war Daniels letzter Besucher, von dem die Krankenschwester Palmi berichtet? Was hat er Daniel erzählt?

Unterdessen in der Innenstadt von Reykjavik. In dem über hundert Jahre alten Holzhaus, das völlig verwahrlost ist, stinkt es nach Benzin, alles ist davon durchtränkt. Selbst die Kleidung des alten Mannes, der gefesselt auf einem Stuhl am Schreibtisch sitzt und sich nicht wehrt. Jemand zündet ein Streichholz an und steckt es dem Alten in die Finger. Als es herunterbrennt und das Benzin erreicht, steht sofort das ganze Haus in Flammen. An den Wänden hängen zahlreiche Fotos von Schülern und Lehrern, die aus mehreren Jahrzehnten stammen müssen, denn die Kleidung der Schüler hat sich ebenso verändert wie ihre Haltung gegenüber der Kamera. Der abgebildete Lehrer ist immer der gleiche: das Mordopfer.

Als Kommissar Erlendur Sveinsson mit seinem Kollegen Sigurdur Oli den Tatort in Augenschein nimmt, ist der Tote bereits anhand von Zahnarztunterlagen identifiziert: Halldór Svavarsson, ein ehemaliger Lehrer einer Volksschule. Als sie Halldórs Schwester befragen, erzählt sie, man habe sich einmal an ihrem Bruder vergangen, damals in seiner Kindheit. Doch er habe sie tags zuvor angerufen: Er sagte, es sei vollbracht. Was hat er bloß gemeint?

Am Tag nach den beiden Toden erhält Palmi drei Microcassetten mit den Aufnahmen der Gespräche zwischen seinem Bruder Daniel und Halldór Svavarsson, seinem ehemaligen Lehrer an der Volksschule. Halldór bedauert zutiefst, was er Daniel und den anderen Jungs seiner Klasse im Winter 1967/68 angetan habe. Weil er erpresst wurde, hat er ihnen im Rahmen eines medizinischen Experiments „Lebertranpillen“ verabreicht, in denen sich offenbar kein Lebertran befand. Aber was war es dann?

Die Leistungsfähigkeit der Jungs steigerte sich in auffälligem Maße, und zwei Krankenschwestern nahmen ihnen Blutproben ab, um die Veränderungen zu protokollieren. Doch als Halldór die Pillen absetzen musste, traten sehr hässliche Entzugserscheinungen auf. Viele der Jungs wurden drogenabhängig (auch Daniel), manche begingen Selbstmord, andere fielen Unfällen zum Opfer, Daniel wurde schizophren.

Palmi erkennt verbittert, dass von all den Jungs jener Klasse nur noch ein einziger am Leben sein könnte, jener, den sie den Pechvogel „Kiddi Kolk“ nannten, Christian Einarssson. Er sieht keine Chance, Kiddi zu finden, denn die Hintermänner jenes teuflischen Experiments dürften immer noch hinter Kiddi her sein.

Er ahnt nicht, wie Recht er hat. In der Nacht hat Palmi schwere Albträume von Daniel und Halldór, und die Hand eines Unbekannten würgt ihn, der ihn anschreit: „Wo sind die Cassetten? Wo sind die Cassetten?“ Der Traum ist gar keiner, erkennt Palmi. Dies ist grausame Realität …

_Mein Eindruck_

In seinem ersten Roman über Kommissar Erlendur Sveinsson greift der Autor wie später in dem eindrucksvollen „Nordermoor“ einen alarmierenden Misstand in der isländischen Gesellschaft auf. Zunächst sieht es nach einem Einzelfall aus, was die Pharmaindustrie an unschuldigen Schülern verbrochen hat: ein skrupelloses medizinisches Experiment.

|Die Verstrickung der Politik|

Doch als Erlendur mit seinem Vorgesetzten spricht, erfährt er, dass sich der Premierminister über diesen Fall auf dem Laufenden halten lässt. Und so wundert es Erlendur nur wenig, dass es nach der Lösung des Falls die Behörden mühelos schaffen, alle Angaben über den Hauptverantwortlichen zu unterdrücken. Nur der Handlanger und eine jener Krankenschwestern werden belangt. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Der Autor klagt keine Einzelschuld ein, sondern eine Gesamtschuld.

~ SPOILER! ~

Dieser Drahtzieher ist Chef des größten isländischen Pharmakonzerns, das zufällig auch das größte ansässige Unternehmen ist – und somit ein wichtiger und mächtiger Steuerzahler. Allerdings lebt der Drahtzieher mehr in Deutschland, woher seine Familie stammt. Und für die dortige Entwicklung von Amphetamin-Präparaten testete er einen Stoff an isländischen Schülern. Das Aufputschmittel wird auch ‚Speed‘ genannt, und es macht definitiv süchtig. Was die ahnungslosen Testpersonen schon bald nach Absetzen der Droge bitter zu spüren bekamen.

Doch dies war nicht das einzige Verbrechen des Pharmabesitzers. Das abgezapfte Blut diente als Grundlage für genetische Versuche, um den heiligen Gral der Genetik zu erlangen: das Klonen von Menschen. Als Palmi und sein Freund in das unterirdische Genlabor eindringen, stoßen sie auf Gespenster der Vergangenheit …

~ ENDE des SPOILERS ~

|Doppelt hält besser|

In klassischer Weise führen die Ermittlungsergebnisse der beiden Teams Erlendur/Sigurdur und Palmi/Freund X zu den Drahtziehern der Verbrechen an den Schülern und ihrem Lehrer. Dabei müssen beide Teams weit in die Vergangenheit zurück, bis zum Zweiten Weltkrieg und davor. Die Methoden sind natürlich völlig unterschiedlich, doch das Erfreuliche dabei ist, dass, trotz der Kooperation Palmis mit den Behörden, die Privatpersonen in ihrem Bemühen, das letzte und größte Geheimnis zu lüften, wesentlich weiter kommen als die beiden Polizisten. Die Teams lassen sich also als gleichberechtigt betrachten, und es ist spannend zu beobachten, wie sie sich allmählich vorarbeiten und dem Kern des Geheimnis immer näher kommen. Doch dies ist keine Ermittlung um ihrer selbst willen – sie wollen den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen, aber auch den Schuldigen.

|Die Rolle des Schurken|

Natürlich ist es von wesentlicher Bedeutung, die Figur des obersten Schurken richtig zu besetzen und zu zeichnen. Willkommen in der strahlend weißen Welt der global agierenden Genetikwirtschaft! Als Palmi und sein Freund – es dürfte klar sein, um wen es sich handelt – in die Villa des Pharmachefs eindringen, landen sie in einem Wunderland der Biomedizin, das gerade durch seinen klinisch reinen Charakter so bizarr wirkt (wie schön, dass es nicht von Isländern gebaut wurde!).

Der Herrschers dieses Wunderlands, ein Mann mit einem deutschen Namen, hält sich nur zu bedeutsamen Anlässen hier auf, beispielsweise für eine wichtige Transaktion. Er ist ein Mann mit ebenso viel Kunstverstand (hier hängt Islands einziger Cézanne) wie Geschäftssinn (er lässt einen der Top-50-Männer der Welt anreisen, um zu investieren), doch mit seiner Moral scheint etwas nicht zu stimmen. Was er herstellt und womit er handelt, das sind menschliche Wesen. Doch kann man diese titelgebenden „Menschensöhne“ wirklich so nennen? Palmi und Co. werden es herausfinden. Ein klassischer „Alien 4“-Moment wartet auf sie.

|Gefallene Engel?|

Eine Bedeutungsebene fehlt noch, die dem Unternehmen Kloning eine bittere ironische Note verleiht. Folgendes Bibelzitat ist dem Roman als Motto vorangestellt: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren ist, sondern das ewige Leben hat.“ Der Klonhersteller nimmt diesen Spruch ein wenig zu wörtlich. Wenn er den reichen Koreaner klont, um ihm so das „ewige Leben“ zu verschaffen, so bezieht sich seine Errungenschaft auf den rein körperlichen Aspekt. Der Geist des Klons ist davon nicht betroffen – dieser wird sowieso nur als Produkt der Umwelt betrachtet.

Als wäre dieses Verbrechen nicht genug, missbraucht der Klonhersteller auch noch die auf natürliche Weise entstandenen Menschen-Söhne, um seine künstlichen Menschen zu erzeugen. Eine zynischere Haltung gegenüber dem menschlichen Leben ist kaum vorstellbar. Es ist die totale Umkehrung des Sinnes, der mit dem Bibelspruch ausgedrückt werden soll.

Und die Opfer selbst? Ganz konkret wird die Auswirkung dieses Verhaltens an Daniels geistigem Zustand. Nach dem Motto seines Lehrers Halldór wollte er „ad astra“, zu den Sternen streben. Und tatsächlich schien die Wunderdroge sozusagen eine Abkürzung dorthin bereitzustellen: einen geistigen Höhenflug sondergleichen. Doch der Absturz dieses Ikarus folgt unausweichlich, als die Droge entzogen wird: Daniel phantasiert von einer „Vertreibung aus dem Paradies“, vom Sturz eines Meteors, der auf die Erde fiel. Er fesselt in seiner Wut seinen Bruder Palmi ans Bett und zündet dieses an – ein deutlicher Vorgriff auf die Art und Weise, wie Halldór umkommt. Das Unglück der Opfer hat eine tragische Dimension. Das kann man für pathetisch halten oder auch nicht; hieran scheiden sich die Geister.

|Hello, Dolly!|

Natürlich nimmt der Autor den Kloning-Erfolg am Schaf „Dolly“ zum Aufhänger für seine horrible Kriminalstory, und mittlerweile weiß man, wie enorm schwierig dieses Unterfangen ist – von der Fragwürdigkeit mal ganz abgesehen. Doch auch ohne den Klonaspekt bleibt das Thema des verbotenen medizinischen Experiments an ahnungslosen Opfern brisant. Die einzelnen Mitglieder von Daniels Clique erwachen in der Rückblende zu erstaunlich deutlichem Leben, als der Autor eine blutige Szene schildert, die in einem Kellerversteck der Bande stattfindet. Die folgenden Ereignisse erklären, warum Kiddi Kolk nur noch ein Auge hat … Die Szene ist so anschaulich erzählt, dass man meinen könnte, der Autor hätte dies oder Ähnliches selbst erlebt. Er kennt sich in den „sozial unterprivilegierten“ Gegenden der Hauptstadt offensichtlich bestens aus. Und er scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen.

|Ein Erstling? Kaum zu glauben|

Es ist wenig davon zu spüren, dass dies Indriðasons erster Krimi war. Ein Hinweis darauf, dass wir es nicht mit der Urfassung zu tun haben, liefert eine winzig gedruckte Zeile im Impressum des Buches, das mir ebenfalls zur Besprechung vorlag. (Gut, dass wir verglichen haben, nicht?) „Die Übersetzung wurde von einer überarbeiteten Fassung des isländischen Originals vorgenommen.“

|Der Sprecher|

Thrillerkenner wissen, dass Frank Glaubrecht die deutsche Stimmbandvertretung von Al Pacino ist. Wer jemals Pacino in Michael Manns „Heat“ gesehen und vor allem gehört hat, ahnt schon, mit welcher Autorität Glaubrecht die Geschichte von Halldor, Palmi, Daniel und Erlendur vortragen kann. Dies habe ich schon bei den anderen Indriðason-Hörbüchern festgestellt: Die Geschichte, wenn Glaubrecht sie vorträgt, kann niemanden kalt lassen.

Das ist ganz besonders wichtig in jenen Szenen und Sätzen, die über die normale Alltagserfahrung und -ausdrucksweise hinausgehen. Wenn Erlendur und Palmi von Abscheu angesichts bestimmter Phänomene wie Kloning erfasst werden, so muss man ihnen das abnehmen. Ganz besonders kritisch wird es, wenn der Moment des Grauens so bizarr wird, dass die Vorstellungskraft kaum noch ausreicht, ihn zu visualisieren. Das ist im Zentrum des Genlabors, dem Herz der Finsternis, der Fall.

Die Hörbuchdramaturgie ist löblicherweise darauf ausgerichtet gewesen, Spannung zu erzeugen. Daher verwundert es nicht, dass viele Szenen mit einer neuen Erkenntnis enden, die zugleich wie ein Cliffhanger funktioniert. Der Zuhörer ist begierig darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Natürlich wird die gleiche Szene selten fortgesetzt, sondern die Story wechselt zum parallelen Handlungsstrang B. Umso größer ist dann die Spannung, wenn die Sprache wieder auf Handlung A kommt.

Nach klassischem Krimimuster steigert sich die Spannung wie auch die Ebene, auf der Erkenntis und Täter zu finden sind, mit jedem weiteren Ermittlungsergebnis. Das Finale sieht dann den Showdown vor. Doch der verläuft bei Indriðason niemals in der Weise, wie ihn sich ein Drehbuchautor aus Hollywood vorstellen würde. Und doch, so viel lässt sich verraten, gibt es ein so genanntes Happyend.

Musikalische Motive bilden ein Intro für die Geschichte und begleiten quasi den Abspann. Sie beschwören eine Stimmung aus Spannung und Drama. Ich fand sie recht passend.

_Unterm Strich_

Man merkt zwar, dass Indriðasons Erstling noch stark an klassischen Mustern für Krimis orientiert ist, aber das Thema ist bereits ebenso brisant wie das seiner späteren Romane. Ich fand die Geschichte sowohl spannend erzählt als auch sehr bewegend in ihrer Aussage und Darstellung.

Und je mehr die Welt jene Visionen, die die Science-Fiction noch vor 30 Jahren zeichnete, in die Realität umsetzt, umso dringender müssen wir uns als Zeitgenossen fragen, ob der Mensch schon bereit ist, sein Ebenbild – ob als Klon, Roboter oder KI – zu erschaffen und wie eine Ware zu verschachern. Von den Opfern, die auf diesem Weg zu bringen sind, und ihrer moralischen Rechtfertigung ganz zu schweigen.

|Originaltitel: Synir Duftsins, 1997
265 Minuten auf 4 CDs|

Eric Stenbock – Die andere Seite (Gruselkabinett Folge 183)

Eine Initiation durch die Königin des Waldes

Frankreich, in der Bretagne, 1837: Was ist das Geheimnis des verbotenen Flussufers, dessen Bäume nie grüne Blätter tragen und das selbst am Mittag im Schatten liegt? Magisch angezogen von der Schönheit einer geheimnisvollen Blume traut sich der junge Gabriel, das Gewässer zu überqueren, und wagt sich in die dunklen Schatten, aus denen allabendlich die Wölfe heulen… (Verlagsinfo)

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Die drei ??? und die Gesetzlosen (Folge 222)

Die Handlung:

Peter wird in der Rocky Beach Highschool unfreiwillig Zeuge eines dubiosen Telefonats. Hat seine Lehrerin Amanda Blunt ein dunkles Geheimnis? Als die unscheinbare Frau dann auch noch verdächtige Utensilien in ihr Auto packt und losfährt, nimmt Peter die Verfolgung auf. Natürlich nicht ohne seine beiden Freunde zu informieren. Die drei ??? begeben sich auf einen gefährlichen Roadtrip durch die verlassene Prärie. Hoffentlich wird ihnen diese Fahrt nicht zum Verhängnis… (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Klappentext verrät so gar nicht, worum es in dieser Geschichte gehen könnte. Ein sich aufbäumendes Pferd vor einer heruntergekommenen Ranch bei Sonnenauf- oder -untergang auf dem Cover hilft da auch nicht wirklich. Keine Mathelehrer und auch keine Gesetzlosen in Sicht. Wo auch immer uns und die Jungs der angekündigte Roadtrip hinführen wird, eine harmlose Hippiekommune erwartet uns am Ende offenbar nicht.

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Rolf & Alexandra Becker / Peter M. Preissler – Gestatten, mein Name ist Cox: Mord ist strafbar (Hörspiel)

Na, fein: Verbrecherjagd mit Verwirrspiel

Rechtsanwalt Herbert Wallings liegt sehr tot in seinem Büro, und diesmal sitzt Detektiv Paul Cox tief in der Patsche: Erstens steht er zufällig in der Duschkabine des Toten, und zweitens gehört ihm auch noch das Messer, das aus Wallings‘ Rücken ragt. Und da könnte doch der eine oder andere Polizist auf den dummen Gedanken kommen, er habe etwas mit dem Mord zu tun … Was natürlich mitnichten der Fall ist!

Dies ist Paul Cox‘ erster Fall. Die Fortsetzung trägt den Titel „Eben war die Leiche noch da„.
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A. Conan Doyle & Herman Cyril McNeile – Geheimsache Styles Court (Sherlock Holmes Folge 55)

Ein Bauer als Maulwurf

Gibt es wirklich einen „Maulwurf“ unter den Delegierten, die sich regelmäßig für politische Konferenzen im alten Haus Styles Court zusammenfinden? Sir James Lillybrook sucht den Meisterdetektiv auf, weil vertrauliche Informationen trotz lückenloser Bewachung auf mysteriöse Weise nach außen gedrungen sind. Holmes begibt sich unverzüglich auf Spurensuche … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
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M. R. James – Zimmer 13 (Gruselkabinett 92)

Bürgerschreck im Parkhotel: Hohngelächter, Schattenspiele

An einem Sommertag des Jahres 1929 erzählt Victor Anderson seinem Cousin John von einem unheimlichen Erlebnis, welcher er in der dänischen Stadt Viborg im historischen Hotel „Goldener Löwe“ während eines Forschungsaufenthaltes hatte… (abgewandelte Verlagsinfo)
Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

Montague Rhodes James (1862-1936) war ein englischer Altertumsforscher und Autor von Geistergeschichten. Außerdem war er Provost von Cambridge University und Eton College. Der Öffentlichkeit bekannt wurde James ab 1894 durch seine Geistergeschichten, wobei er sich auf zahlreichen Reisen auf dem europäischen Kontinent Anregungen holte. Seine profunden historischen Kenntnisse, die er in seine Erzählungen einfließen ließ, geben diesen einen Anstrich von Authentizität.

James bediente sich häufig der Elemente von „klassischen“ Geistergeschichten und perfektioniert diese: Der Schauplatz ist oft eine ländliche Gegend, Kleinstadt oder eine ehrenwerte Universität mit einem verschrobenen Gelehrten als Protagonisten. Die Entdeckung eines alten Buches oder einer anderen Antiquität beschwört das Unheil oder eine dunkle Bedrohung herauf. Dabei wird das Böse eher angedeutet und der Vorstellung des Lesers überlassen, wogegen die Charaktere und der Schauplatz detailliert beschrieben werden. (Quelle: Wikipedia)

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