Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Lumley, Brian – Necroscope 3 – Kreaturen der Nacht (Lesung)

Lückenbüßer mit ironisch-erotischen Seitenhieben

Zu glauben, der Kampf gegen die Untoten sei entschieden, war ein tragischer Irrtum. Yulian Bodescu wurde schon vor seiner Geburt mit den Fähigkeiten der Vampire ausgestattet. Und langsam fängt das verdorbene Erbgut an zu brodeln und zu arbeiten. Der Schrecken kennt kein Ende.

Die Russen beseitigen noch die Schäden, die Harry Keogh in seiner Endschlacht verursacht hat. Harry erscheint währenddessen in der britischen Zentrale des geheimsten aller Geheimdienste. Er erzählt dort die Geschichte des vernichteten Vampirs Thibor Ferenczy. Doch in England selbst lebt der neue König der Vampire und schmiedet finstere Pläne. (Verlagsinfo)

Der Autor

Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er seine Militär-Karriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga »Necroscope« eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt.

Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über 2 Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon, England. (Verlagsinfo)

Bände (gemäß Wikipedia)

Für die Veröffentlichung im Festa Verlag wurde stets ein englisches Originalbuch auf mehrere deutsche Bände verteilt: Im Jahr 2009 erscheinen die Originalausgaben ungeteilt, als Taschenbücher bei Heyne und gebundene Bücher bei Festa.

1 Das Erwachen ISBN 3-935822-05-7
2 Vampirblut ISBN 3-935822-34-0
Erschienen auch als Sammelband Auferstehung ISBN 3453533070
entsprechen dem englischen Original: Necroscope (1986)
3 Kreaturen der Nacht ISBN 3-935822-35-9
4 Untot ISBN 3-935822-33-2
5 Totenwache ISBN 3-935822-00-6
Erschienen auch als Sammelband Vampirbrut ISBN 3453533089
entsprechen dem englischen Original: Necroscope II: Wamphyri! (1988)
6 Das Dämonentor ISBN 3-935822-10-3
7 Blutlust ISBN 3-935822-37-5
8 Höllenbrut ISBN 3-935822-46-4
Erschienen auch als Sammelband Blutmesse ISBN 3453533232
entsprechen dem englischen Original: Necroscope III: The Source (1989)
9 Wechselbalg ISBN 3-935822-49-9
10 Duell der Vampire ISBN 3-935822-62-6
Erschienen auch als Sammelband Entseelt ISBN 3453533240
entsprechen dem englischen Original: Necroscope IV: Deadspeak (1990)
11 Totenhorcher ISBN 3-935822-65-0
12 Blutkuss ISBN 3-935822-72-3
Erschienen auch als Sammelband Todessaat ISBN 3865521053
entsprechen dem englischen Original: Necroscope V: Deadspawn (1991)
13 Konzil der Vampire ISBN 3-935822-86-3
14 Grabgesang ISBN 3-935822-91-X
15 Blutsbrüder ISBN 3-935822-92-8
Erschienen auch als Sammelband Dämonenhass ISBN 3865521061
entsprechen dem englischen Original: Vampire World I: Blood Brothers (1992)
16 Vampirwelt ISBN 3-86552-016-2
17 Nestors Rache ISBN 3-86552-019-7
18 Metamorphose ISBN 3-86552-020-0
Erschienen auch als Sammelband Totenbeschwörung ISBN 386552107X
entsprechen dem englischen Original: Vampire World II: The Last Aerie (1993)
19 Vormulac ISBN 3-86552-041-3
20 Schlacht der Vampire ISBN 3-86552-042-1
21 Blutkrieg ISBN 3-86552-043-X
Erschienen auch als Sammelband Blutfürsten ISBN 3865521088
entsprechen dem englischen Original: Vampire World III: Bloodwars (1994)
22 Vampire schlafen nie ISBN 978-3-86552-084-5
23 Hund der Nacht ISBN 978-3-86552-085-2
24 Verfluchtes Blut ISBN 978-3-86552-086-9
Erschienen auch als Sammelband Werwolfsjagd ISBN 3865521096
entsprechen dem englischen Original: Necroscope: The Lost Years Volume One (1995).
Die folgenden Werke erschienen gemäß dem Original in einem Buch:

Sammelband 10 Vampirzorn ISBN 386552110X
entspricht dem Original: Necroscope: The Lost Years Volume Two (1996)
Sammelband 11 Nachtgesang ISBN 3865521118
entspricht dem Original: E-Branch: Invaders (1998)
Sammelband 12 Entweiht ISBN 3865521126
entspricht dem Original: Necroscope: Defilers (1999)
Folgende englische Bände sind bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden:

Necroscope: Avengers (2000)
Harry Keogh: Necroscope and Other Weird Heros (2003)
Necroscope: The Touch (2006)
Necroscope: Harry and the Pirates (2009)

Der Sprecher

Lutz Riedel ist ein hochkarätiger Synchron-Regisseur und die deutsche Stimme von Timothy Dalton. Er zeigt hier seine herausragenden Sprecher-Qualitäten, die den Hörer mit schauriger Gänsehaut verzaubern. Er war auch »Jan Tenner« in der gleichnamigen Hörspiel-Serie.

Der Berliner Schauspieler hat u. a. Timothy Dalton (James Bond) und Richard Hatch (Kampfstern Galactica) synchronisiert. Auch Richard Gere, Samuel L. Jackson und Christopher Walken hat er schon gesprochen.

Lutz Riedel ist mit seiner Kollegin Marianne Groß verheiratet.

Der Text wurde bearbeitet und gekürzt von Frank Festa. Regie, Produktion und Grafik lagen in den Händen von Lars Peter Lueg. Die Musik und Tontechnik steuerte Andy Matern bei.

Der Regisseur Lars Peter Lueg

In den Worten des Verlags: „Nach zehn erfolgreichen Jahren in der Musik- und Medienbranche als Musikproduzent, Künstlermanager, Leiter von Multimediaprojekten und Tontechniker in verschiedenen Tonstudios war es an der Zeit, die vorhandenen Kontakte und Erfahrungen zu nutzen, um eine vollkommen neue und andersartige Firma zu gründen.

Ein kompetentes Netzwerk von ca. 20 spezialisierten Unternehmen lässt LPL sehr effektiv und unabhängig arbeiten. Durch eine Passion für Filme, (Hör)Bücher und (Hör)Spiele, die sich dem Thema Horror verschrieben haben, sind Lars Peter Lueg und seine Partner mit viel Herzblut dabei. LPL stellt ausschließlich Produkte her, hinter denen der Verlagsleiter auch zu 100 % steht.“

Der Komponist

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu-Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

Handlung

Nach der Schlacht ist vor der Schlacht … Im Januar 1977 finden die Aufräumarbeiten auf Schloss Bronitzi in der Nähe von Moskau statt. Hier hat die Schlacht der von Harry Keogh geführten Tatarenzombies gegen die Zentrale der Psitruppen der Partei stattgefunden, die von Dragosani, dem Nekromanten, unterstützt und von Boronitz geleitet worden waren. Borowitz ist tot und bei Dragosani sieht es auch nicht gut aus. Keogh ist definitiv hinüber. Oder?

Felix Krakowitsch hat jetzt das Kommando. Als Parteichef Leonid Breschnew anruft, nimmt er Habachtstellung ein. Breschnew gibt klare Anweisungen, was zu geschehen hat – mit den Zombies (verbrennen!) und mit Dragosani (sehr sorgfältig verbrennen!). Wie sich herausstellt, erweist sich die Entsorgung des Nekromanten als höchst kompliziert und gefährlich. In seinem Innern lebt etwas – ein Ding wie ein großer Wurm, ein Parasit … Auch damit macht Krakowitsch kurzen Prozess. Dass er aber mit Keoghs Vorgesetzten in England Kontakt aufnehmen soll, bereitet ihm weitaus mehr Kopfzerbrechen. Schließlich herrscht Kalter Krieg.

Ende August 1977, London, unweit Whitehall, in einem Hotel mit einem Geheimtrakt. Hier ist die Zenrale des englischen Psi-Geheimdienstes untergebracht, geleitet von Alec Kyle, einem Telepathen. Plötzlich wird es in Kyles Büro dunkel und kalt, eine neonblaue Aura formt sich: Es ist die von Harry Keogh, dem Nekroskopen! Kyle erstarrt: In der Mitte der Aura schwebt der Umriss eines Fötus – Keoghs Sohn, gerade mal einen Monat alt.

Keogh hat Neuigkeiten für Kyle. Es gibt noch weitere Wesen wie den Wamphyr Dragosani. Denn Tibor Ferenczy, der Dragosani zu einem Wamphyr gemacht hat, wurde selbst vor rund tausend Jahren zu einer solchen Kreatur der Nacht gemacht. Damals herrschte in Transsylvanien auf einer hohen Burg ein Mann namens Fetor Ferenzig, den die Zigeuner der Gegend Ferengi oder Ferenczy nannten. Dieses 200 Jahre alte Wesen pflanzte Tibor, einem zuvor rechtschaffenen Soldaten des Fürsten Vlad von Kiew, sein einziges Ei ein, um ihn zu seinem Nachfolger zu machen.

Nun, Tibor wurde bekanntlich (siehe Bände 1 und 2) in den kreuzförmigen Hügeln in einem Mausoleum begraben, das mittlerweile eingestürzt ist. Doch um 1960 herum geriet ein Ehepaar, die Bodescus, beim Skifahren in diese Falle. Der Mann starb, nachdem er sich das Bein gebrochen und Tibors Protoplasmatentakel ihm das Blut ausgesaugt hatte. Der jungen, vor Schreck ohnmächtigen Frau, Georgina, fügte Tibors Essenz irreparablen, aber unsichtbaren Schaden zu. Denn sie war schwanger …

Ihr Kind Julian treibe bereits sein Unwesen in Südengland und wenn man ihn nicht stoppe, könne er ganz England mit dem Wamphyri-Unwesen überziehen, warnt Keogh. Doch um ihn aufzuhalten, müsse Kyle unbedingt Erfahrungen mit dem Russen Krakowitsch austauschen. Das bereitet nun seinerseits Kyle Kopfschmerzen. Eine heikle Operation beginnt …

Mein Eindruck

Dies ist ein Band in der Nekroskopen-Saga, der vor allem dem Aufräumen dient. Das hat Vor- und Nachteile. Zum einen muss der Leser bzw. Hörer natürlich Bescheid wissen, was in den Bänden 1 und 2 passiert ist. Sonst weiß er mit den Figuren und dem Anfang der Haupthandlung wenig anzufangen. Doch wenn sich der eifrige Leser bisher gefragt hat, wie es denn nun mit Harry Keogh und seinen Widersachern weitergehen soll, so findet er hier Aufklärung: Keogh lebt als eine Art Geist in seinem Kind weiter, reist dabei durch den „Möbius-Raum“ und bereitet seinen vormaligen Boss auf das Auftreten weiterer Vampire und Halbvampire wie Julian Bodescu vor. Dragosani hingegen hat offenbar für immer von der Bühne abzutreten.

Zwei Binnenhandlungen

So weit die ziemlich magere Rahmenhandlung. Viel interessanter sind hingegen die zwei Binnenhandlungen. Würde man eine Zeitlinie zwischen beiden eingebetteten Storys, die Keogh zum Besten gibt, ziehen, so würde sie sich über eintausend Jahre erstrecken: vom Ende des 10. Jahrhunderts über das Jahr 1960, als Tibor Ferencz dem Ehepaar Bodescu erheblich Schaden zufügt, bis zum Jahr 1977, als Julian Bodescus großer Auftritt vier Opfer fordert – in welcher Form auch immer.

1) Tibor der Abenteurer

Wenn Tibor, der ziemlich selbstbewusste Walache, am Dnjestr die Petschenegen bekriegt und dafür von seinem hinterhältigen Fürsten zum Vampir auf dem Berg geschickt wird, so wird aus dem historischen Abenteuerroman plötzlich eine Horror-Fantasy, die sich gewaschen hat. In den Vorgängebänden war des Öfteren von einem gewissen Fetor Ferenczy die Rede, doch nun steht diese halbmythische Figur plötzlich im Mittelpunkt.

Fetor ist ein Gestaltwandler, Telepath und womöglich sogar Telekinet – ein wahrer Übermensch also. Dass er schon 200 Jahre alt ist, überrascht uns nicht mehr, wissen wir doch bereits, wie lange Tibor in seinem Mausoleum überdauert hat: mehrere hundert Jahre. Die Frage, die (vorerst) unbeantwortet bleibt: Wenn die Wamphyri-Parasiten ihren Wirt mit solchen tollen Fähigkeiten ausstatten, woher stammen sie dann? Als Arbeitshypothese können wir annehmen, dass sie nicht von unserer Welt stammen.

2) Julian, der Charmeur

Julian Bodescu weist einige Merkmale eines Teufelssprösslings à la „Damien“ auf: Er ist verschlossen, neugierig, respektiert weder Regeln noch Tabus und muss zu Hause von seiner alleinstehenden Mutter aufgezogen und ausgebildet werden. Als Julian 17 ist, hat er bereits den gesamten Haushalt unter Kontrolle und in „Vlad“ einen schwarzen Schäferhund, der ihm aufs Wort gehorcht, genau wie seinerzeit die Wölfe dem unausgesprochenen Befehl Fetor Ferenczys. Dass er bereits jede Menge Experimente im Keller anstellt, versteht sich von selbst.

Die völlig ahnungslose Familie von Georginas spießiger Schwester Anne gerät in Julians Falle, was natürlich verhängnisvolle Folgen hat. Nur Annes Mann George hat eine instinktive Abneigung gegen den Jungen gefasst. Er starrt fassungslos durch sein Fernglas, als er Julian dabei ertappt, wie er es mit – je, mit wem nun eigentlich?- treibt: mit Georges 16-jähriger Tochter Helen, Julians Jugendfreundin, oder mit Anne selbst?!

Wie auch immer: Man kann sich leicht Georges heftig auflodernden Hass gegen den unheimlichen Jungen vorstellen, der über eine so große erotische Macht verfügt, dass er alle drei Frauen in seine psychische Gewalt gebracht hat. George geht auf Julian los, hat aber gegen ihn und den Hund Vlad keine Chance. Vielmehr sieht er sich alsbald jenem tentakelbewehrten Wesen gegenüber, das sich in Julians Badewanne um Anne und Helen kümmert …

Wie man sieht, kann Lumley in mehreren Tonarten spielen. Sei es die erotische Fantasy oder das historische Abenteuer, der psychologische Horror oder krasse Horrorfantasy – Lumley ist in allen Genres zu Hause. Übrigens entbehrt auch die Begegnung zwischen Fetor und Tibor nicht einer erotischen Komponente. Der Wamphyr-Parasit – Fetors einziges Ei – wird auf einem besonders dafür reservierten Weg übertragen: durch einen Kuss …

Der Sprecher

Doch diese Vielfalt im erzählerischen Tonfall fordert auch vom Sprecher entsprechende Fähigkeiten hinsichtlich der Flexibilität seiner Stimme und seines Vortrags. Wenn Leonid Breschnew anruft, so hören wir seine unheimlich tiefe Stimme. Und dass Felix Krakowitsch vor dem KP-Chef katzbuckelt, hören wir in seiner devoten Antwort.

Eher schwierig wird es für Lutz Riedel, wenn der selbstbewusste Tibor Ferencz auf den ebenso großmächtigen Vlad von Kiew trifft. Sie sind dementsprechend schwer zu unterscheiden. Deshalb ist es hilfreich, jeder der beiden Figuren deutlich ihre Sätze zuzuweisen. Der Erzähler bedient sich dazu einer neutralen, zurückhaltenden Ausdrucksweise.

Fetor Ferenczy zu erkennen, ist hingegen ein Kinderspiel. Der uralte Wamphyr bedient sich einer hohen, krächzenden Stimme, die gut zu einem solchen Nosferatu passt. Doch wenn Fetor lacht, beispielsweise über Tibors ungebrochene Impertinenz ihm gegenüber, so läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken.

Die einzige Stimmlage, die höher ist als die für Fetor, ist jene, die Lutz Riedel für Georgina aufbringen kann. Als die arme, frischgebackene Witwe den ausgesaugten Leichnam ihres Gatten daliegen sieht, bricht sie verständlicherweise in ein hohes Wimmern aus. Es ist schon erstaunlich, zu welchen Tiefen und Höhen Riedels Stimme in der Lage ist. Dass er sich aber wie ein begeisterter Schauspieler für diese körperliche Leistung auch mental derartig ins Zeug legt, ist seinem besonderen Engagement für diese Geschichte zu verdanken.

Die Musik

Geräusche gibt es keine, aber dafür eine Menge Musik. Diese ist nicht in den Hintergrund verbannt, sondern dient (außer als Intro und Extro) der Abgrenzung der einzelnen Kapitel wie auch deren Unterabschnitte. Diese Abschnitte sind aufgrund der nichtlinearen Erzählstruktur oftmals mit Rückblenden durchsetzen. Man kann ja auch die beiden Binnenhandlungen als sehr umfangreiche Rückblenden auffassen.

In meinen Notizen habe ich überall das Auftreten von Pausenmusik eingetragen, und dabei stellt sich ein deutliches Muster heraus. Sobald eine Szene ihren Höhepunkt erreicht hat, wird sie oftmals abgebrochen, damit sie sich in der Vorstellung des Lesers bzw. Hörers fortspinnen lässt. Sofort setzt Musik ein, die diesen Vorgang auf emotionaler Ebene steuert und stützt. Auf einer geistigen Ebene tritt hier allerdings eine kleine Verschnaufpause ein …

Man sollte auch bedenken, dass wir es diesmal mit einer stark gekürzten Fassung zu tun haben. Statt der vorherigen sechs CDs sind es diesmal nur noch vier. Abgebrochene Szenen sind zwar mitunter sehr wirkungsvoll, aber wer weiß, was dabei alles verschwiegen wird.

Unterm Strich

Weder Harry Keogh noch Dragosani spielen mehr mit, jedenfalls nur noch als Randfiguren der Rahmenhandlung. Das ist eigentlich recht schade, denn dadurch wird das Buch bzw. Hörbuch zu einem Lückenbüßer. Immerhin: Handlungsfäden werden zu Ende geführt und die Entstehungsgeschichte des Wamphyrs Tibor Ferenczy nachgeliefert. Am interessantesten – und erotischsten – ist daher die kleine Binnenhandlung um die Entstehung des Halbwamphyrs Julian Bodescu.

Die Art und Weise, wie der Spießbürger George und Julians „normale“ Tante Anne auf diesen unheimlichen Sprößling Tibors stoßen, entbehrt nicht vieler ironischer Seitenhiebe auf die Wohlanständigkeit und Engstirnigkeit der englischen Mittelklasse. Erst als sich Julian an Anne und Helen sexuell vergeht, streift George den Lack der Zivilisation ab und wird zu einem reißenden Tier, von unverhohlenem Hass auf Julian erfüllt. Leider hat er gegen den Halbvampir keine Chance. Diese kleine Story könnte man als feines Stück Gesellschaftskritik auffassen.

Der Sprecher Lutz Riedel stellt wieder einmal seine Engagiertheit für die Horrorliteratur unter Beweis, ebenso wie die Flexibilität seines Sprechorgans und seiner Darstellungskraft. Dies trägt dem Hörbuch einen dicken Pluspunkt ein.

Hinweis:

„Necroscope 4 – Untot“ erscheint im August 2006. Den Programmhinweis spricht David Nathan. „Necroscope 5 – Totenwache“ soll im Oktober 2006 erscheinen.

1988; zuerst auf Deutsch bei Festa, 2001
Aus dem Englischen übersetzt von Hans Gerwien
310 Minuten auf 4 CDs

Der LPL-Records-Verlag wurde aufgelöst.

Robert E. Howard – Tauben aus der Hölle (Gruselkabinett 52) (Hörspiel)

Rache für Gettysburg? Voodoo-Horror in den Südstaaten

Amerika 1935: Griswell und John, zwei Freunde, bereisen gemeinsam die Südstaaten der USA. Sie entdecken ein verlassenes Herrenhaus am Rande eines Sumpfgebietes und beschließen, dort die Nacht zu verbringen. Wie sich herausstellt, eine Entscheidung mit fatalen Folgen … (Verlagsinfo)

Der Autor
Robert E. Howard – Tauben aus der Hölle (Gruselkabinett 52) (Hörspiel) weiterlesen

Lovecraft, H. P. – Berge des Wahnsinns (Hörbuch)

_Warnung an die Welt: Horror in der Antarktis_

In Form eines Tagebuchs und in Dialogen mit seinem Professor zeichnet der Geologe William Dyer den Verlauf seiner letzten, unglückseligen Expedition in die Antarktis anno 1930/31 nach. Zunächst suchten er und sein Team, darunter ein Anthropologe, nach ungewöhnlichen Gesteinsarten. Doch dann türmt sich vor ihren Augen ein Gebirge von gewaltigen Ausmaßen auf, das seltsamerweise quaderförmige Auswüchse und eckige Höhlen aufweist.

In einer solchen Höhle macht der Anthropologe eine beunruhigende Entdeckung: vierzehn tonnenförmige Gebilde. Als der Funkkontakt zu dessen Lager abbricht, muss sich Dyer mit einem Suchtrupp dorthin begeben. Was sie vorfinden, lässt Dyers Studenten Danforth wahnsinnig werden …

Mit diesem Hörbuch liegt erstmals die ungekürzte Originalfassung in moderner deutscher Übersetzung als Lesung vor. Bislang gab es alte Übersetzungen und ein Hörspiel zu belauschen.

_Der Autor_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen.

Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne sind nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman [„Der Flüsterer im Dunkeln“. 1961

Mehr zu Lovecraft kann man in unserer [Rezension 345 seiner Biographie von Lyon Sprague de Camp nachlesen.

_Inszenierung_

David Nathan gilt als einer der besten Synchron-Sprecher Deutschlands. Seine herausragende Erzählkunst erweckt den Horror zum Leben. Im deutschsprachigen Kino erlebt man ihn als Stimmband-Vertretung von Johnny Depp und Christian Bale.

David Nathan leiht u. a. folgenden Schauspielern seine Stimme:

Johnny Depp (Stammsprecher)
Christian Bale (Stammsprecher)
Joaquin Phoenix („To Die For“, 1995 & „Für das Leben eines Fremden“, 1998 & „Quills – Macht der Besessenheit“, 2000)
Kevin Bacon („24 Stunden Angst“, 2002)
Jude Law („Gattaca“, 1997)
Matt Dillon („In & Out“, 1997)
Chris O’Donnell („Die Kammer“ & „In Love and War“, 1996)
Leonardo DiCaprio („Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“, 1993 & „Total Eclipse“, 1995)

Nathan liest die ungekürzte Fassung.

Regie, Produktion und Grafik lagen in den Händen von Lars Peter Lueg. Die Musik und Tontechnik steuerte Andy Matern bei.

|Der Komponist|

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu-Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

_Handlung_

Was geschah auf der Expedition in jenes Bergtal in der Antarktis, dass der Student Danforth dem Wahnsinn verfiel? Als der Expeditionsleiter William Dyer Danforth in der Nervenheilanstalt besucht, berichtet Danforth wieder von den Alten Wesen, die in Wahrheit seit jeher über die Erde geherrscht hätten. Dyer widerspricht ihm nicht, denn er hat sie ja selbst gesehen.

Genau deshalb besucht er einen Professor in Boston, um ihn zu bitten, dass die neuerliche Expedition, die Starkweather und Moore 1932 organisiert haben, in die Antarktis aufbricht. Er warnt ihn eindringlich vor den Gefahren, nicht zuletzt vor dem schier unaussprechlichen Horror, auf den er und Danforth dort gestoßen sind. Dyer warnt ebenso vor dem Versuch, die Eismassen abzuschmelzen oder gar Bohrungen vorzunehmen, waren diese doch seiner eigenen Expedition zum Verhängnis geworden. Da der Professor mehr und vor allem deutlichere Begründungen fordert, muss Dyer genauer berichten, was sich vor zwei Jahren, anno 1930, zugetragen hat …

|Dyers Expeditionsbericht|

Prof. William Dyer ist Geologe an der Miskatonic University von Arkham, unweit Boston. Da Prof. Frank Pabodie neuartige Bohrer hergestellt hat, sieht sich Dyer in der Lage, auch in der Antarktis nach ungewöhnlichen Gesteinen zu suchen. Er lädt den von ihm bewunderten Anthropologen Prof. Lake ein mitzukommen, und dieser sagt freundlich zu. Außerdem werden die drei Profs von ihren jeweiligen Assistenten begleitet, darunter Danforth, Moulton und Gedney. Lake hält Danforth für einen „Backfisch“, aber immerhin haben beiden das verfluchte Buch „Necronomicon“ des verrückten Arabers Abdul Alkazred gelesen, ein zweifelhaftes Vergnügen, das nicht jedem Menschen vergönnt ist, denn das Buch ist in einem verschlossenen Raum der Bibliothek der Miskatonic-Uni weggesperrt.

Die zwei Schiffe „Miskatonic“ und „Arkham“ gelangen schließlich unter dem Kommando von Kapitän Douglas ins Zielgebiet, dem Rossmeer. Hier ragt der immer noch aktive Vulkan Erebus empor, und der Rossschelfeisgletscher bricht hier ins Meer ab. Die Gegend gemahnt Danforth an die kalten Ebenen von Leng, über die er bei Alhazred gelesen hat. Er vermeint ein sonderbares Pfeifen zu hören, das sich mit dem Wind vermischt, der von den Perry-Bergen herunterbläst. Eine Luftspiegelung gaukelt ihm emporragende Burgen auf diesen steilen Höhen vor.

Am Monte Nansen weiter landeinwärts schlägt die Expedition ihr Basiscamp auf, und mit den vier Flugzeugen erkunden sie das Terrain ebenso wie mit Hundeschlitten. Schon bei den ersten Grabungen stößt Prof. Lake auf höchst ungewöhnliche Fossilien, die es hier gar nicht geben dürfte. Zwar ist bekannt, dass vor 50 Mio. Jahren die Erde sehr viel wärmer war und Dinosaurier auch Antarktika bewohnten, doch all dies endete vor spätestens 500.000 Jahren mit der ersten Eiszeit, der weitere folgten. Lake, dessen Funde bis ins Präkambrium zurückdatieren, setzt seinen Willen durch, noch weitere Stellen zu suchen. Auf einer weiteren Schlittenexkursion findet er mehr solche Fossilien, die es nicht geben dürfte.

|Lakes Expedition|

Am 24. Januar, mitten im Hochsommer der Südhalbkugel, startet Lake, um ein Camp 300 Kilometer entfernt auf einem Plateau zu errichten. Dem Expeditionsleiter berichtet er mit Hilfe des Funkgeräts. Seine Stimme ist gut zu verstehen. Sie mussten notlanden, und das Camp ist von quaderförmigen Strukturen und Höhlen umgeben. Eine Bohrung führt dazu, dass ihr Bohrer in eine Höhlung unter dem Eis fällt. Beim Eindringen in diese Höhle stoßen Lake und Moulton auf Specksteine, die fünf Zacken ausweisen, also eindeutig bearbeitet wurden – mitten zwischen Saurierknochen und Abdrücken von Palmblättern. Außerdem stoßen sie auf große tonnenförmige Gebilde, von denen sie vierzehn Stück bergen und aufs Plateau schaffen, um den Inhalt zu untersuchen.

Die Hunde reagieren sehr aggressiv auf diese Gebilde, und als Lake sie seziert, erinnern sie ihn an die Cthulhu-Wesen, die Alhazred beschrieb: ein fünfeckiger Kopf mit einem Kranz seitlich angebrachter Wimpern usw. Und es hat fünf Hirnareale. Lake erinnert sich: „Das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.“ In seiner letzten Nachricht berichtet Lake, die Köpfe seien von der Sonne aufgetaut worden. Dann meldet er sich nicht mehr.

|Die Rettungsexpedition|

Mit dem zurückgehaltenen fünften Flugzeug fliegt Dyer mit Danforth und Pabodie zu Lakes Camp. Sie finden entsetzliche Verwüstung vor. Alle Hunde wurden zerfleischt, von den Männern ist zunächst keiner zu sehen, obwohl überall Blut ist – und Gestank. Sie stoßen auf sechs Gräber, die sternförmig angelegt sind, aber wo sind die restlichen acht Wesen? Die Leichen von elf Männern sind zum Teil seziert, doch von einem Mann fehlt jede Spur: Gedney. Er hat auch einen Hund mitgenommen. Können sie ihn noch retten?

Dyer und Danforth machen sich auf den Weg, um die ausgedehnte fremde Stadt, die sich beim Anflug entdeckt haben, zu erkunden und vielleicht eine Spur von Gedney zu finden. Welches Wesen mag das Camp derartig verwüstet haben? Sie werden es herausfinden und wenn es sie den Verstand kostet …

_Mein Eindruck_

Lovecraft setzte mit diesem Kurzroman das Romanfragment [„Der Bericht des Arthur Gordon Pym“ 781 von Edgar Allan Poe fort. Wo Poes Romanfragment abbricht, greift er die Szenerie, wenn auch nicht die Figuren, wieder auf, insbesondere den unheimlichen Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ Diesen Ruf stoßen zwar bei Poe weiße Vögel aus, doch bei Lovecraft wird der Ruf einem weitaus gefährlichen Wesen zugewiesen. Um was es sich dabei handelt, wird nie hundertprozentig klar, denn es ist protoplasmisch und somit formlos.

Innerhalb des umfangreichen Cthulhu-Mythos über die Großen Alten nimmt „Berge des Wahnsinns“ eine nicht allzu herausragende Rolle ein, denn der Geschichtsentwurf, den Lovecraft hier präsentiert, unterscheidet sich nur in geringem Maße von dem in [„Schatten aus der Zeit“, 2358 „Der Flüsterer im Dunkeln“ und anderen Erzählungen. Aber die Geschichte an sich bietet dem Leser mehr spannende Unterhaltung als andere Storys und vor allem einen weitgespannten Hintergrund, der im Vordergrund der Aktionen zum Tragen kommt.

Durch ihre Necronomicon-Lektüre wissen Lake und Danforth schon, womit sie es zu tun haben: mit den Großen Alten und ihren Vorgängern, den Alten Wesen. Die Stadt ist die der Alten Wesen, die vor Jahrmillionen zuerst landeten und ihre Kultur auf der Erde errichteten. Seltsamerweise ist Dyer nur mäßig darüber erstaunt, dass er nun über ausgedehnte Überreste einer versunkenen, prähistorischen Zivilisation stolpert. In der ersten großen Halle sind jedoch so etwas wie Wandmalereien und Hieroglyphen, die ihm die Geschichte der Vorzeit erzählen. Diese ist so komplex, dass ich empfehle, sie selbst nachzulesen.

Für Dyer und Danforth wird die Lage jedoch brenzlig, als sie auf die enthaupteten Überreste der entkommenen Alten Wesen stoßen, die Professor Lake aus der Höhle unter dem Eis geholt hatte. Was hat die Wesen getötet? Gibt es einen Wächter in der Tiefe, ähnlich einem Balrog in den Tiefen der Minen von Moria? Na, und ob! Die spannende Frage ist nun, wie dieses Wesen aussieht und ob sie es vielleicht besiegen können. Der Anblick des Wesens lässt Danforth wahnsinnig werden und von einem Sieg kann keine Rede mehr sein. Was wiederum den Schluss aufzwingt, dass die Starkweather-Moore-Expedition dem Tod geweiht ist, sollte sie im gleichen Gebiet forschen.

Dieses Gefühl des Verhängnisses überschattet den gesamten Text und suggeriert dem Leser bzw. Hörer, dass er allein schon durch die Kenntnis dieses geheimen Wissens, das ihm Dyer mitteilt, vielleicht in Gefahr sein könnte. Zweifellos wusste Lovecraft aus Zeitschriften nicht nur über Einsteins Forschungsarbeiten Bescheid, sondern auch über das Bestreben der Physiker, dem Atom seine Geheimnisse zu entlocken. Die Experimente von Rutherford und Nils Bohr waren ihm vielleicht bekannt, aber dürfte kaum gewusst haben, dass Enrico Fermi an einem Atomreaktor baute und die deutschen Physiker von Hitler für eine ganz besondere Aufgabe engagiert wurden: den Bau der ersten Atombombe. Verbotenes Wissen – möglicherweise hat Lovecraft ganz konkret solche Kenntnisse und Experimente darunter verstanden.

Das erzählerische Brimborum, dessen er sich im Original bedient, kommt uns heute überladen und bis zur Grenze des Lächerlichen überzogen vor. Der von Poe erfundene Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ wird x-mal wiederholt, und im Buch bildet er sogar den Schluss des letzten Satzes. Das verleiht ihm eine schaurige Bedeutungsschwere, die ich nicht nachzuvollziehen mag. Aber bei genauerem Nachdenken ist der Ruf eben jenem Wächter in der Tiefe zuzuordnen, und dann wird erklärlich, warum Danforth diesen Ruf nicht vergessen kann. Denn er weiß, dass wenn dieser Ruf erneut ertönt, es für die Menschheit zu spät sein wird. „Das ist nicht tot, was ewig liegt …“

|Die Übersetzung|

A. F. Fischer besorgte diese neue Übersetzung, die die alten ablöst, die der |Suhrkamp|-Verlag bislang feilbot. Allein diese Ablösung ist bereits dankenswert. Die Diktion ist jetzt mehr dem modernen Sprachgebrauch angepasst, ohne an vielseitigem Vokabular und der HPL eigentümlichen Stilvielfalt einzubüßen.

|Der Sprecher|

David Nathan stellt wieder einmal seine Meisterschaft beim Vortragen unheimlicher Texte unter Beweis. Es ist nicht nur seine Flexibilität in Tonhöhe und Lautstärke: Er flüstert und krächzt, dass für Abwechslung gesorgt ist. Aber sein eigentlich effektvoller Kniff ist die winzige Verzögerungspause vor einem wichtigen Wort. Der Eindruck entsteht, als gebe es einen Zweifel an diesem Wort und als zöge dieser Zweifel ein gewisses Grauen nach sich oder leite sich daraus ab.

Es ist der Unglaube angesichts des Schreckens, der sich dem jeweiligen Betrachter bietet, welcher den Zuhörer in den Bann von Nathans Vortrag zieht. Es ist die hintergründig mitschwingende Frage: Kann das wirklich wahr sein? Und wenn es wahr ist, dann ist es grauenhaft! Es ist dieses Grauen, das die Figuren angesichts des unbeschreiblich Bösen erfasst, das wir über Nathans Vermittlung mit ihnen spüren können. Tolle Leistung.

Die Funksprüche Lakes trägt Nathan im verkürzenden Telegramm- und Berichtsstil vor. Dabei darf es sich Nathan erlauben, immer aufgeregter zu klingen, denn Lake berichtet ja schließlich von unglaublichen Entdeckungen: Fossilien und künstliche Objekte, die vor 500 Millionen Jahren auf der Erde entstanden, weit früher, als sich irgendjemand bislang vorzustellen wagte! Je aufgeregter Lake wirken soll, desto höher lässt Nathan seine Stimme steigen. Die elektrisierende Wirkung auf den Hörer kann nicht ausbleiben.

Zwischen den Kapiteln des Buches macht Nathan eine deutliche Pause, um zu signalisieren, dass jetzt ein Abschnitt beendet ist und ein neuer folgt – eine klare Zäsur. In der Pause ist leise auch Musik zu hören.

|Musik und Geräusche|

Es gibt zwar keine Geräusche, aber doch ein wenig Musik. Diese wird als Intro und Extro sowie in den Pausen zwischen den Kapiteln hörbar. Wie es sich gehört, stimmt sie den Hörer auf die unheimlich-angespannte Atmosphäre der Geschichte ein. Diesmal hat sich Matern dafür entschieden, unterschwellige, düstere Sounds und Harmonien einzusetzen, die mitunter mit Hall unterlegt sind.

Auch eine E-Gitarre meine ich gehört zu haben, als einer dieser düster-bedrohlichen Akkorde erklingt. Insgesamt verbinden die Harmonien, die besonders an ’spannenden‘ Stellen zu hören sind, das Bedrohliche mit dem Geheimnisvollen, mit dem Unnennbaren, das jenseits der Grenzen unseres Begriffsvermögens lauert, um dereinst – vielleicht – über uns herzufallen.

_Unterm Strich_

„Berge des Wahnsinns“ ist einer der bedeutenden Kurzromane, die Lovecraft am Ende seines Lebens – er starb ein Jahr nach der Veröffentlichung – innerhalb seiner Privatmythologie schrieb. Die Antarktis-Expedition des Geologen Dyer stößt auf eine uralte Stadt, die von einer außerirdischen, vormenschlichen Zivilisation errichtet wurde. Und Andeutungen legen nahe, dass auf dem Meeresgrund noch viele weitere solche Städte auf ihre Entdeckung warten. Ob das für die heutige Menschheit so gut wäre, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. In der Stadt unter dem Eis vertreibt ein unheimlicher Wächter die neugierigen Forscher, und solche könnte es auch in weiteren Ruinen geben. Dyers Assistent Danforth hat den Wächter und dessen Brut gesehen und ist darüber verrückt geworden …

Ähnlich wie in „Schatten aus der Zeit“ und „Der Flüsterer im Dunkeln“ entwirft Lovecraft die Grundzüge seiner Mythologie, wonach erst die Alten Wesen von den Sternen kamen und die Stadt unterm Eis bauten, bevor die Cthulhu-Wesen anlangten und mit ihnen einen Krieg führten, an dessen Ende Wasser und Land zwischen den Rassen aufgeteilt wurden. Überreste beider Zivilisationen sind für Expeditionen wie die Dyers noch aufzuspüren, natürlich nur an sehr verborgenen Orten.

Das Motiv der „Lost Race“, das Lovecraft in nicht weniger als 18 Erzählungen verwendet, war schon 1936 nicht mehr neu und vielfach erprobt worden. Am kommerziell erfolgreichsten waren dabei wohl Edgar Rice Burroughs, der Schöpfer des Tarzan, und Henry Rider Haggard, der mit „König Salomons Minen“, „Allan Quatermain“ und „Sie“ einen sagenhaften Erfolg unter den Spätviktorianern verbuchte.

Ob Edgar Allan Poe mit seinem Romanfragment „Arthur Gordon Pym“ diese Mode schuf, als er seinen Titelhelden in der Antarktis eine unbekannte Zivilisation finden ließ, sei dahingestellt, aber sowohl Jules Verne mit „Eissphinx“ als auch Lovecraft mit „Berge des Wahnsinns“ folgten diesem Vorbild in den eisigen Süden. In letzter Zeit knüpfte auch Michael Marrak mit seinem Roman [„Imagon“ 480 erfolgreich an dieses Vorbild an.

Bei Lovecraft wird die Expedition zu einem Initiationsritus. Der moderne Mensch ist sowohl mit dem sehr Alten als auch mit dem Ungeheuerlichen konfrontiert, und beides scheint seinen Verstand zu übersteigen (siehe Danforths Wahnsinn). Unterschwellig vermittelt Lovecraft seinen Kulturpessimismus dadurch, dass er Dyer erkennen lässt, dass die Menschheit weder die erste Zivilisation auf diesem Planeten war, noch auch die letzte sein wird. Das wiederum könnte dem einen oder anderen Leser Schauer über den Rücken jagen. „Das ist nicht tot, was ewig liegt“ (oder „lügt“, denn das Verb „to lie“ ist doppeldeutig), wird immer wieder zitiert. Ein Menetekel, an das immer wieder mit dem Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ gemahnt wird.

|Das Hörbuch|

Das Hörbuch ist eine saubere Arbeit, wie ich sie von |LPL records| inzwischen erwarte. Der Titel passt ausgezeichnet in die bisherige Lovecraft-Reihe, ist aber hinsichtlich der wissenschaftlichen Terminologie, mit welcher der Autor um sich wirft, ganz schön anspruchsvoll. Wer weiß schon, was Gastropoden oder Cephalopoden sind?

David Nathan fesselt mit seinem nuancenreichen Vortrag den Hörer, aber an seine Aussprache von Prof. Pabodies Namen musste ich mich erst gewöhnen. Sie ist aber völlig korrekt, auch wenn der Hörer stets mit einem „Prof. Peabody“ rechnet.

|Originaltitel: At the mountains of madness, 1936 (gekürzt), 1939 ungekürzt
Aus dem US-Englischen übersetzt von A. F. Fischer
346 Minuten auf 5 CDs|
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Wendy Orr – Wie versteckt man eine Insel? (Lesung)

Auf der Insel der Abenteuer: Helden und Freunde

Nim und ihr Vater leben auf einer tropischen Insel mitten im weiten blauen Ozean. Nim liebt die Insel und möchte nirgendwo anders sein. Außer an der Seite von Alex Rover. Doch der abgebrühte Abenteuerheld existiert leider nur in Büchern – und natürlich in Nims Fantasie. Als Nims Vater auf einer Exkursion verschwindet, benötigt das Mädchen, das sich verletzt hat, dringend Hilfe. Und wer meldet sich per E-Mail? Alex Rover! Dass sich hinter dem Pseudonym die neurotische Schriftstellerin Alexandra verbirgt, ahnt Nim nicht. Als Alexandra zu Nims Insel reist, hält das Zusammentreffen zahlreiche Überraschungen bereit.

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab sieben Jahren. Das Buch wurde unter dem Titel „Die Insel der Abenteuer“ verfilmt und der Film kam im Juni 2008 in unsere Kinos.

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John Sinclair – Skylla, die Menschenschlange (Folge 159)

Die Handlung:

Natürlich gönnten wir Glenda ihren Urlaub! Bei ihrem ersten Anruf nach der Ankunft am Golf von Neapel äußerte sie sich dann auch geradezu euphorisch: So hatte die liebenswürdige italienische Gräfin Eleonora Frascetti Glenda auf ihrem Schloss aufgenommen und umsorgte sie fürsorglich. Nur kurze Zeit später erreichte uns die Nachricht von einem Seeungeheuer, das fünf Frauen verschlungen haben sollte – und zwar im Golf von Neapel! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 384 gemacht, das erstmalig am 11. November 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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John Grisham – Feinde (Lesung)

Die Verlagsinfo:

Biloxi, Mississippi: Die Einwanderersöhne Keith und Hugh wachsen in den Sechzigerjahren gemeinsam auf, verbunden durch eine scheinbar unverbrüchliche Freundschaft. Bis sie sich auf den verschiedenen Seiten des Gesetzes wiederfinden: Keith hat Jura studiert und ist Staatsanwalt geworden. Hugh dagegen arbeitet für seinen Vater, den Boss der Dixie-Mafia. Eine tödliche Feindschaft entsteht, die vor Gericht ein dramatisches Finale findet.

Mein Eindruck:

Wer die Feinde in diesem Roman sind, das wird schnell klar. Gemeinsam als Freunde in den 1960ern aufgewachsen, eint Keith Rudy und Hugh Malco ihre Liebe und ihr Talent für Baseball und die Herkunft ihrer kroatischen Einwanderfamilien, die sich schon seit Jahrzehnten kennen.

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Hodgson, William Hope / Newman, Kim / Busson, Paul / Lovecraft, H. P. / Somtow, S. P. / Lueg, Lars P – Necrophobia 2

Symphonie des Grauens: Scherzo und Finale furioso

Wieder mal hat Lars Peter Lueg als Regisseur, Produzent und Dramaturg ein Fest für Horrorfans vorbereitet. Sein Adlatus Andy Matern steuerte die Musik, den Schnitt und die Tontechnik bei. Zu den Autoren der neuen Storys gehören die bekanntesten Vertreter des Genres, darunter der unsterbliche Magier aus Providence, H. P. Lovecraft, dann aber auch einige Neutöner wie etwa S. P. Somtow, dessen Story „Summertime“ den Hörer einfach umhaut.

Erzählung #1: William Hope Hodgson: Die Stimme aus dem Nichts

Der Autor

William Hope Hodgson (1877-1918) war ein englischer Autor, der von 1891-99 bei der Handelsmarine arbeitete. Viele seiner Storiys stützen sich daher auf seine Seefahrer-Erlebnisse, beziehen das Unheimliche oder Übernatürliche ein, seine Romane „Das Haus an der Grenze“ (1908) und „Das Nachtland“ (1912) sind herausragende Beispiele für unheimliche Visionen in eine erschreckende Zukunft der Erde. „Die Stimme aus dem Nichts“ erschien zuerst 1907 unter dem Titel „The Voice in the Night“.

Der Sprecher

Der Synchronsprecher Helmut Krauss schenkt seine sonore und imposante Stimme u. a. Marlon Brando und Samuel L. Jackson. Krauss wurde am 11. Juni 1941 in Augsburg geboren. Nach seiner Schauspielausbildung machte er an diversen Theatern erste Bühnenschritte, studierte nebenher Pädagogik. 1963 übersiedelte er nach Berlin und arbeitete beim Rundfunk. Es folgten Engagements bei Fernsehen, Theater, Musical, Kabarett, Film und Synchron. Seit 1980 hört und sieht man Krauss als Nachbar Paschulke in Peter Lustigs ZDF-Kinderserie „Löwenzahn“.

Handlung

Ein Segler ist im Pazifik in eine Flaute geraten. Die Langeweile an Bord wird durch penetranten Nebel noch verstärkt. Während sein Freund Will schläft, hört der Ich-Erzähler eine Stimme aus der Nacht erschallen: „Schiff ahoi!“ Doch der Besitzer der Stimme, offenbar ein alter Mann, will sich nicht zeigen, schon gar nicht im Lampenlicht, sondern bittet lediglich für sich und seine kranke Frau um Proviant.

Der wird ihm selbstverständlich gewährt, und so kehrt er in der nächsten Nacht zurück, um seine Geschichte zu erzählen. Und um diese geht es im Grunde. John erlitt mit dem Passagiersegler „Albatros“, der von Newcastle nach San Francisco unterwegs war, Schiffbruch. Nach vielen Strapazen und Fährnissen strandeten er und seine Verlobte an einer seltsamen Insel unweit der südamerikanischen Küste.

Deren Boden ist von einem merkwürdigen, grauweißen Pilz bedeckt: Dieser Pilz kann sich bewegen und menschlichen Formen wie etwa Arme bilden. Nach vier Monaten der Bekämpfung zeigt sich der erste Übergriff des Pilzes auf menschliches Gewebe. John ertappt seine Frau dabei, wie sie von dem Pilz isst, als ob er ihr wirklich schmecken würde. Nicht lange, und ihm geht es genauso. Eine Umwandlung beginnt …

Mein Eindruck

Die Atmosphäre ist von Anfang an etwas unheimlich, doch als der Unbekannte aus der Nacht mit seiner Geschichte auftaucht, nimmt die Stimmung eine eindeutig bedrohliche Note an. Pilze, die wie Menschen aussehen und sie übernehmen? Klingt nicht sehr lustig, und die allerletzte Zeile – die „punch-line“ – verpasst dem Leser denn auch einen ordentlichen Tiefschlag, eben einen „punch“.

Der Sprecher

Helmut Krauss bringt mit seiner tiefen Stimme das Grauen dieser Begebenheit zur vollen Wirkung. Es fängt ganz langsam an, wird aber dann immer bedrohlicher, bis der Schrecken mit der letzten Zeile unvermittelt zuschlägt.

Erzählung #2: Kim Newman: Der Mann, der Clive Barker sammelte

Der Autor

Kim Newman, geboren 1959, ist ein britischer Schriftsteller, Kritiker und Radiosprecher, der früher mal im Kabarett auftrat. Zum einen verfügt Newman über ein umfassendes Wissen über phantastische (Horror etc.) Filme, zum anderen über einen bissigen Humor. Und selbstverständlich kennt er alle wichtigen Genre-Autoren in seinem Land, von Clive Barker über Neil Gaiman bis hin zu Paul McAuley. „The Man Who Collected Clive Barker“ erschien 1990.

Die Sprecherin

Bekannt wurde Marianne Groß als die deutsche Stimme von Anjelica Huston und Cher. Außerdem ist sie laut Verlag eine herausragende Synchronregisseurin und Dialogbuch-Autorin. 2004 wurde sie zweifach mit dem Deutschen Synchronpreis ausgezeichnet.

Handlung

Salley Rhodes, eine von den Serienhelden des Autors, ist eine Privatdetektivin, die sich gerne mit unheimlichen und okkulten Dingen befasst. Im Auftrag des „Australiers“ besucht sie den Buchsammler David Ringham in seinen Geschäftsräumen. Diese sind hypermodern eingerichtet, was Sally reichlich verblüfft: Dave sammelt nämlich die alten Schwarten und Hefte, die man als „Pulp“ bezeichnet, also wirklich unterste Schublade. Wie kann er sich diese moderne Einrichtung bloß leisten?

Dave ist Sammler mit Leib und Seele, er kennt alle seine Autoren und behandelt selbst Pulphefte wie Heiligtümer. Das Herzstück seiner Sammlung bildet Clive Barker. Er hat einfach alles von ihm. Aber nicht nur die normalen Ausgaben, die Hinz und Kunz im Laden kaufen können, sondern die wirklich wertvollen Sonder-Sonderausgaben, Sie wissen schon: mit Widmung, Spezialausstattung und so. Da wäre beispielsweise jene Ausgabe der „Bücher des Blutes“, die ganz in Menschenhaut gebunden ist und – nebst einer Widmung des Autors – mit dessen Blut gekennzeichnet ist. Doch es ist nicht die Haut irgendeines x-beliebigen Menschen, nein, meine Lady, sondern die mexikanischen Spender der Haut haben sich vor ihrem Ableben die Titelseite in ihren Rücken eintätowieren lassen – das nennt man Hingabe, was! Leider ist die Buchbinderin seitdem spurlos verschwunden …

Sally Rhodes interveniert und zückt ihren Ausweis als Detektivin: „Wissen Sie, wo Clive Barker ist?“ fragt sie streng. Dave lässt sich jedoch nicht beirren. „Schauen Sie mal, was ich hier als Krönung meiner Sammlung habe …“

Mein Eindruck

David Ringham, der Sammler, ist der lebende Beweis dafür, dass Passion, also Leidenschaft, in Obsession, in Besessenheit, umschlagen kann, ohne dass es der Betroffene überhaupt merkt. Das Fiese an der Story ist ja, dass der Leser / Hörer schon eine Weile vor dem Ende merkt, wie der Hase läuft, aber einfach nicht glauben kann, dass es wirklich so ist: Wo ist Clive Barker? Mit Daves stolzem Blick schauen wir genau darauf … Die Story ist ein schlagendes Beispiel dafür, dass auch das Makabre bestens funktioniert, wenn nämlich der wider besseres Wissen ungläubige Leser / Hörer gnadenlos über die Kante des Abgrunds gezerrt wird.

Die Sprecherin

Marianne Groß vermittelt in gleichem Maße die wachsende Begeisterung des Sammlers für das Herz-Stück (sic?) seiner Sammlung, die einhergeht mit einer wachsenden Ungläubigkeit seitens Sally Rhodes‘, die schließlich in Entsetzen umschlägt. Genau so muss die Story gelesen werden. Da hilft es nicht, zimperlich zu sein und ins Stocken zu geraten, sondern der Hörer müssen volle Kanne mit auf die Fahrt in den Abgrund des Grauens mitgenommen werden. Bravourös!

Erzählung #3: Paul Busson: Rettungslos

Der Autor

Paul Busson (* 9. Juli 1873 in Innsbruck; † 5. Juli 1924 in Wien) war ein österreichischer Journalist und Schriftsteller. Diese Geschichte erschien zuerst im Jahr 1903.

Der Sprecher

Lutz Riedel ist die deutsche Stimme von Timothy Dalton (James Bond u.a.). Er zeigt auf diesem Hörbuch seine „herausragenden Sprecherqualitäten, die den Hörer mit schauriger Gänsehaut verzaubern“. Er war auch „Jan Tenner“ in der gleichnamigen Hörspielserie.

Handlung

Schon zwei Tage liegt der Scheintote bei vollem Bewusstsein in diesem Sarg, kann sich aber weder rühren noch verständlich machen, wenn seine Gattin um ihn weint oder der Priester die letzte Ölung vornimmt. Dann wird der Sarg ins kühle, dunkle, stille Grab hinabgelassen und Erde daraufgeworfen. Endlich gelingt es dem Bestatteten, zwei Finger seiner rechten Hand zu bewegen. Ein ganz klein wenig zu spät.

Mein Eindruck

Tja, was würde ich tun, wenn ich scheintot, aber bei vollem Bewusstsein im Sarg läge? Ich würde wahrscheinlich (vergeblich) versuchen, mich in den Hintern zu treten, dass ich so blöd war, mich überhaupt in diese Lage zu bringen. Als ob das irgendwie helfen würde! Die Story hat mich nicht beeindruckt, vielleicht auch deswegen, weil sie so kurz ist. Sie passt genau an den Schluss der ersten CD, weswegen sie wohl ausgewählt wurde: als Füllsel.

Der Sprecher

Dennoch legt der Sprecher Lutz Riedel all seine beträchtliche Ausdruckskraft in den Vortrag der Geschichte. Wider Willen ist der Hörer fasziniert von der absonderlichen Situation des Lebendigbegrabenseins des Ich-Erzählers und ein leises Grauen beschleicht ihn. Über die Schlusspointe kann man entweder zusammenzucken oder laut auflachen, je nach Mentalität des Hörers.

Erzählung #4: H. P. Lovecraft: Der Außenseiter

Der Autor

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin. „The Outsider“ wurde 1926 veröffentlicht.

Der Sprecher

David Nathan gilt als einer der besten Synchronsprecher hierzulande. Seine Erzählkunst erweckt den Horror zum Leben. Im Kino erlebt man ihn als Stimmbandvertretung von Johnny Depp und Christian Bale.

Handlung

Der Story ist ein Motto von John Keats, einem englischen Dichter der Romantik, vorangestellt. – Ein unbekannter Ich-Erzähler berichtet uns, dass er sein bisheriges Leben tief unter der Erde in den Gewölben eines uralten Schlosses, ohne Kontakt mit der Außenwelt, verbracht hat.

„Ich weiß nicht, wo ich geboren wurde, außer dass das Schloss unendlich alt und unendlich grauenvoll war, voller dunkler Gänge und mit hohen Decken, an denen das Auge nur Spinnweben und Schatten wahrnehmen konnte. Die Steine in den verfallenden Korridoren schienen immer schrecklich feucht, und überall war ein widerwärtiger Geruch wie von den übereinander gestapelten Leichen toter Generationen. Nie war es hell, so dass ich manchmal Kerzen anzündete und sie still betrachtete, um mich zu trösten; auch schien draußen niemals die Sonne, denn die schrecklichen Bäume wuchsen weit über den höchsten zugänglichen Turm hinaus. Es gab einen einzigen schwarzen Turm, der über die Bäume hinaus in den unbekannten äußeren Himmel ragte, aber dieser war teilweise eine Ruine, und man konnte ihn nicht ersteigen, es sei denn, man hätte das schier Unmögliche vollbracht, Stein für Stein die senkrechten Wände emporzuklimmen.“

Letztlich beschließt der Außenseiter doch, seine Behausung zu verlassen und den finsteren Turm zu ersteigen. Er gelangt auf den festen Erdboden und befindet sich auf einem verlassenen Friedhof. Nach einer nächtlichen Wanderung erreicht er ein anderes Schloss, das ihm irgendwie bekannt vorkommt. Aus den offenen, erleuchteten Fenstern dringt ihm der fröhliche Lärm eines Festes entgegen.

Die plötzliche Erscheinung des Fremden versetzt die Festgesellschaft in panischen Schrecken, und sie ergreift in wilder Hast die Flucht. In einem Rahmen erblickt der Fremde ein dunkles Ungeheuer, das wie ein Kadaver aussieht, und erschrickt. Er taumelt und berührt das Monster an seiner Klaue, denn er hat noch nie in seinem Leben einen Spiegel gesehen …

Mein Eindruck

Bei keinem Zuhörer wird diese grausige Story ihre Wirkung verfehlen. Allein schon der Moment der Erkenntnis für den Fremden ist einfach purer Horror. Anfang und Stil der Geschichte erinnern an Edgar Allan Poe, bei dem ebenfalls Figuren und Erzähler vorkommen, die aus einem „uralten und dekadenten Geschlechte“ stammen. Sehr wirkungsvoll ist natürlich der Kunstgriff, die Geschichte aus der Perspektive des Phantoms – anscheinend ein auferstandener Leichnam oder ein Ghoul – zu erzählen.

Das Erscheinen des unheimlichen Gastes auf dem Fest ruft Assoziationen zu Poes klassischer Erzählung „Die Maske des roten Todes“ hervor. Bekanntlich bewunderte HPL Poe als Meister des Unheimlichen ohne Ende und eiferte ihm anfangs fleißig nach. Diese Story stammt aus dem Jahr 1926, also vom Ende der ersten zehnjährigen Schaffenszeit HPLs (die zweite dauerte von 1927 bis zu seinem Tod 1937).

Die albtraumhafte Erzählung lässt sich psychoanalytisch interpretieren, und Prof. Dirk Mosig hat dies im Sinne C. G. Jungs erfolgreich unternommen („The Four Faces of the Outsider“, in „Nyctalops“, Vol. II, 1974, S. 3-10); unter anderem regt er eine autobiografische Deutung an.

Wie auch immer man die Story auffasst: Sie gehört zu den wirkungsvollsten und am häufigsten abgedruckten Geschichten des Meisters aus Providence.

Der Sprecher

Zum Glück liegt der Lesung nicht die alte Übersetzung von H. C. Artmann zugrunde, sondern die moderne von Andreas Diesel und Frank Festa. So kann es gelingen, dass die unzähligen Adjektive wie unheilvoll, grausig, finster, düster, modrig usw. usf. nicht völlig veraltet daherkommen, sondern halbwegs modern. (Zudem hat Artmann nicht immer hundertprozentig werkgetreu übersetzt.)

Wie auch immer, jedenfalls klingt David Nathan an keiner Stelle wie Johnny Depp. Statt dessen relativ heller und sanfter Synchronstimme hat Nathan eine recht dunkle, tiefe Stimmlage gewählt, die besser zur der albtraumartigen Geschichte passt. Aufgrund der Struktur der Story dauert es aber eine ganze Weile, bis das Grauen ordentlich zuschlägt.

Erzählung #5: S. P. Somtow: Summertime

Der Autor

S. P. Somtow ist das Pseudonym des 1952 geborenen Thai-Schriftstellers, Komponisten und Filmemachers Somtow Papinian Sucharitkul. Unter diesem Namen schrieb er zunächst in den 1980ern Science-Fiction, danach schwenkte er zu Fantasy um, die von der „Encyclopedia of Fantasy“ als „originell“ bezeichnet wird. 1984 veröffentlichte er seinen ersten Horrorroman: „Vampire Junction“, der angeblich die Splatterpunk-Bewegung vorweggenommen hat. (Fortgesetzt in „Valentine“, 1992, und „Vanitas“, 1995.) Die Story erschien unter dem Titel „Fish are Jumping, and the Cotton is High“ (vgl. George Gershwin) erstmals 1996. Andreas Diesel hat sie in Deutsche übertragen.

Der Sprecher

Torsten Michaelis ist der Synchronsprecher von Wesley Snipes. Durch sein Spektrum an verschiedenen Klangfarben wird er für die unterschiedlichsten Rollen eingesetzt. Er kann auf über 400 synchronisierte Filme zurückblicken.

Handlung

Der zwölfjährige Jody und sein Dad sind wie jeden Sommer unterwegs, um Fische zu fangen. Diese besondere Spezies der Fische jedoch ist weiblich und geht auf zwei Beinen, trägt meist einen Minirock und ein winziges Handtäschchen. Man kann diese Fischart ziemlich leicht erspähen, und so ist die Jagd meist erfolgreich. Jody und Dad sind Menschenfischer, zwei moderne Apostel. Im Kofferraum begleitet sie Großmutter. Ihre Gebeine liegen in einem Koffer, so dass sie es stets schön warm hat.

In dem Städtchen Sweetwater werfen Jody und Dad den Köder aus, denn die Fische sind manchmal misstrauisch und hüpfen nicht gleich an den Haken. Sobald sich der Fisch über den scheinbar verwundeten Jody beugt, braust Dad mit seinem Wagen heran und fängt die Frau mit einem Lasso ein. Sie wird verschnürt und geknebelt, in der Scheune eines verlassenen Bauernhofes findet dann das Gericht statt.

Dabei liest Jody zunächst passende Stellen aus der heiligen Schrift vor, um der Sünderin klarzumachen, worum es überhaupt geht. Durch verschiedene handgreifliche Maßnahmen bringt sein Dad dann die Sünderin dazu, Gott um Vergebung anzuflehen. Dann erlöst er sie von ihrem Dasein und führt ihren Körper seiner natürlichen Bestimmung zu. Und wieder einmal erzählt er seinem Sohn, warum sie das Menschenfischen jeden Sommer unternehmen müssten und wie alles damit anfing, dass Dad seine Mutter beim Sündigen ertappte.

Leider klappt ihre Jagdmethode immer weniger gut, je weiter Jody und Dad ihr Jagdrevier durchstreifen und je mehr Aufsehen ihr Treiben erregt. Und so stoßen sie eines Tages auf einen sehr hübschen Fisch, der leider selbst ein Köder ist …

Mein Eindruck

Dass das Grauen auch furchtbar viel Spaß machen kann, beweist diese herrlich makabre Geschichte, bei der einem glatt das Lachen im Halse stecken bleibt, wenn man nicht die richtige Art von schwarzem Humor mitbringt. Außerdem sollte man ordentlich abgebrüht sein, was die Darstellung sinnlicher Details anbelangt, und wissen, was wohl mit der „Milch der Gnade“ gemeint ist, wenn zwei Männer davon reden …

Natürlich ist „Summertime“ – der Titel verweist auf Gershwins Idylle vom amerikanischen Süden – eine waschechte Satire. Ihr Ziel ist die frömmelnde Bigotterie, mit der fundamentalistische Christen gegen die Vertreter der Sünder, hier als „Hure von Babel“ bezeichnet, zu Felde ziehen. Der Autor spielt lediglich durch, wie es wäre, wenn es nicht mehr bei Hetzreden bliebe, sondern sich einer dieser Männer nach einem einschneidenden Erlebnis (à la Ödipus mit seiner Mutter) dazu berufen fühlte, selbst zur Tat zu schreiten.

Besonders makaber: Nur wenn das Opfer um Vergebung seiner Sünden fleht, kann ihm Erlösung gewährt werden. Alles andere ist hingegen Mord. So hat es Dad seinem Sohn beigebracht. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als Jody quasi vom Glauben abfällt. Aber erst, nachdem Dad selbst den seinen schon verloren hat. Man sollte nun hoffen, dass Jody später geheilt werden kann. Aber alles, was weiblich ist und nach Fisch riecht, so beharrt seine Erinnerung, muss eine verkappte „Hure von Babel“ sein. Dieses Detail liefert denn auch noch einmal eine Pointe, die den Leser umhaut.

Wäre eigentlich nur noch die Frage zu klären, wie es kommt, dass Jody Dads leiblicher Sohn ist, wenn Dad doch alle Frauen als des Teufels betrachtet hat. Ob wohl die Gebeine von Großmutter in ihrem „Koffer“ die Antwort kennen? Ein Grund, den „Summertime Blues“ zu kriegen.

Der Sprecher

Torsten Michaelis vermag es ausgezeichnet, die enervierend makabre Geschichte mit völliger Aufrichtigkeit vorzutragen. Denn es ist der gläubige Jody, der sie uns erzählt. Dessen naive Einstellung spiegelt sich in seiner hellen Kinderstimme wider.

Dagegen nimmt sich die Stimme seines Dads, der schon lange auf der Fischjagd ist, viel dunkler, schleppender, unheilvoller aus. Wenn einmal ein „Fisch“ angebissen hat, so klingt auch die reichlich aus dem Häuschen geratene Lady entsprechend hoch und kreischend. (Nicht so jedoch der weibliche Köder.) Will heißen, dass der Hörer jederzeit klar unterscheiden kann, wer gerade spricht.

Unterm Strich

Eine „Symphonie des Grauens“ könnte man mit F. W. Murnau diese Sammlung von Horrorstorys nennen. Sie fängt ganz leise, verhalten und vielfältig (Scherzo inklusive) an, um dann auf der zweiten CD mit zwei Glanzstücken zu prunken, die in einem höchst makabren und actionreichen Finale enden. Man kann dem Hörer nur einen robusten Magen wünschen!

Besonders die zweite CD macht deshalb richtig Laune, und man möchte gleich wieder von vorne anfangen, um sich die Schmuckstückchen noch einmal in allen Details zu Gemüte zu führen. Wer jetzt noch kein Freund von Horror gewesen ist, wird es spätestens mit dieser schönen, vielseitigen Kollektion werden.

146 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13: 9783785714836

www.lpl-records.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Canavan, Trudi – Rebellin, Die (Die Gilde der schwarzen Magier 1)

_Preisgünstiger Ausflug in die Welt der Magier und Diebe_

In der jungen Sonea schlummern Fähigkeiten, von denen sie nie auch nur geträumt hatte: Sie, das unbedeutende Straßenkind, hat magische Kräfte – so wie sonst nur die Mitglieder der gefürchteten und reichen Gilde der Magier. Doch sie und ihr wildes Talent werden entdeckt. Mit einem Mal ist sie zu einer wichtigen Schlüsselfigur im Mächtespiel ihrer Welt geworden. Sonea muss sich entscheiden, für wen beziehungsweise gegen wen sie ihre Kräfte einsetzt. Alle Welt schaut auf diese junge Frau aus der Gosse – und ist hinter ihr her …

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

_Die Autorin_

Trudi Canavan wurde 1969 im australischen Melbourne geboren. Sie arbeitete als Grafikerin und Designerin für verschiedene Verlage und begann nebenher zu schreiben. 1999 gewann sie den |Aurealis Award| für die beste Fantasy-Kurzgeschichte. Ihr Debütroman, der erste Band der Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier“, erschien 2001 in Australien. Die Trilogie wurde nicht nur in Australien ein spektakulärer Erfolg, sondern entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller. Canavan arbeitet an einer weiteren Fantasy-Trilogie, die im Original bereits komplett erschienen ist.

_Die Sprecherin_

Martina Rester, geboren 1972 in Köln, arbeitet als Sprecherin für Hörspiele, Rundfunk- und Fernsehfeatures im Auftrag von Sendern der ARD. Eine ihrer großen Leidenschaften sind Live-Lesungen, vor allem literarischer Texte und von Kinderbüchern. Sie lebt in der Nähe von Aachen.

Der Text wurde von Katharina Tilemann gekürzt, bei der Aufnahme im Tonstudio Köln führte Astrid Roth Regie.

_Handlung_

Sonea ist ein junges Mädchen unbestimmten Alters, als sich ihr Leben in Imardin radikal ändert. In Imardin, der Königsstadt am Fluss Tarali, haben die Reichen und die Magier das Sagen. Jedes Jahr führt die Gilde der Magier eine Säuberung in den Armenvierteln der außerhalb der Stadtmauer liegenden Hüttenstadt durch. Dies erregt natürlich den Unmut der „Hüttenleute“, die sich um ihr Heim gebracht sehen. Als Sonea ihre früheren Jugendfreunde Harrin und Cery wiedersieht, schließt sie sich ihnen an, um auf dem Nordplatz zu protestieren.

Wie so oft sind die Magier von einem magischen Schutzschild umgeben, der sie vor den Wurfgeschossen schützt, mit denen die Menge der Protestierer sie bewirft. Auch Soneas erstes Geschoss prallt davon ab, doch ihr zweiter Stein, den sie mit besonderer Inbrunst wirft, durchdringt den Schild und trifft einen der Magier an der Schläfe. Er geht zu Boden. Die Überraschung ist groß, denn dies ist das erste Mal in hunderten von Jahren, dass ein Magier verletzt wurde. Und das geht eigentlich nur, wenn man selbst Magie einsetzt.

Sonea ist selbst am meisten erschrocken über ihre Tat. Sie wendet sich zur Flucht, als sie merkt, dass die Magier sich umdrehen und die Arme heben. Ein Junge neben ihr wird von Magie zu Asche verbrannt. Cery und Harrin verstecken Sonea in den Armenvierteln und sogar in den Tunneln der Diebesorganisation, um sie vor dem Zorn der Magier zu schützen. Warum hat Sonea ihnen nicht gesagt, dass sie über magische Kräfte verfügt? Sie wusste es selbst nicht. Aber sie kann Magie erneut wirken, wenn sie die richtige emotionale Quelle anzapft. Und das ist nun für die Diebe recht interessant.

Nach einer Ratsversammlung der Magiergilde beginnt Lord Rothen, der die Steinewerferin als Einziger richtig gesehen hat, mit der Suche nach ihr und setzt eine beträchtliche Belohnung auf ihre Ergreifung aus. Der von dem Stein getroffene Lord Fergun stellt jedoch eigene Ermittlungen an, in deren Verlauf er den Verstecken, die die wilde Magierin benutzt, immer näher kommt. Die Magier können Soneas Wirken von Magie feststellen, und Soneas Aura verrät ihre Anwesenheit, wenn sich ein Magier in ihrer Nähe befindet.

Nur Cery hält nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit anderen Dieben noch zu Sonea, doch er sieht nur noch einen Ausweg. Sie muss um den Schutz der Diebesorganisation bitten. Der Chef Faren hat in der Tat Interesse an Soneas Magie, aber auch an Cerys Diensten. Auf diese Weise lernt Sonea erstens Lesen und zweitens das Heraufbeschwören von Magie. Doch es gibt ein wachsendes Problem: Die Kraftquelle in ihr wird immer stärker, doch sie kann sie einfach nicht kontrollieren. Ständig zerbrechen Dinge in ihrer Nähe oder gehen plötzlich in Flammen auf. Zwar will sie nicht zu den Magiern gehen, weil sie fürchtet, die würden sie töten, doch andererseits droht die Magie, sie zu zerstören. Von ihrer Umgebung ganz zu schweigen.

Eines Tages ist es dann so weit: Die Magier haben sie, wieder einmal, umzingelt. Soneas Angst vor ihnen setzt ihre Kräfte frei, und schon beginnt eine Ziegelmauer hinter ihr einzustürzen …

_Mein Eindruck_

Der spannende und anschaulich geschriebene Fantasyroman lässt sich in kurzer Zeit genießen. Die Sätze sind leicht verständlich, und auch die Handlung ist keineswegs kompliziert. Ganz im Gegenteil: Die Autorin versteht es, die Probleme, denen sich Sonea, ihr Freund Cery und die Magier gegenübersehen, stets auf den Punkt zu bringen. Deshalb gibt es nie langes Drumherumreden, sondern stets eine zielgerichtete Diskussion, die jeweils zu neuen Erkenntnissen führt.

Eine große Hilfe ist dabei die Methode der indirekten Charakterisierung. Am Anfang ist Sonea noch ein sehr passives und hilfsbedürftiges Mädchen, das ich zunächst auf zwölf Jahre geschätzt hätte. Doch am Ende des Buches, nach nur wenigen Monaten, erscheint sie dem Leser wie eine 16- bis 18-jährige, so als habe sie ihre Jugend im Eiltempo durchlaufen. Offensichtlich befindet sie sich in einem raschen Reifungsprozess, der sie in die Lage versetzt, nicht nur den Magiern zu entgehen, sondern sich auch vor Gefahren zu schützen.

Nur die Tatsache, dass sie nicht in der Lage ist, die nunmehr angezapfte Quelle der Magie unter ihre Kontrolle zu bringen, wird ihr beinahe zum Verhängnis. Und sie kann noch von Glück sagen, dass sie bei ihren Ausbrüchen nicht die gesamte Stadt einäschert. Ihre Kraft ist in der Tat sehr groß – und deshalb will (fast) jeder Magier sie unter seine Kontrolle bringen.

In der zweiten Hälfte der Geschichte geht es genau darum, doch Sonea hat gar nicht vor, bei der Gilde zu bleiben, wie man sich nach ihren Erlebnissen leicht vorstellen kann. Kaum ist sie wieder genesen, will sie wieder abhauen. Doch dazu kommt es nicht, denn sie wird erpresst. Dieser Konflikt wird erst in einem spannenden Finale aufgelöst. Nur um sogleich von einem noch größeren Konflikt überdeckt und abgelöst zu werden. Dessen Auflösung erwartet der Leser mit Spannung im nächsten Teil: „Die Novizin“.

|Die Sprecherin|

Martina Resters Stimme ist ein sehr angenehmes, geradezu samtweiches Timbre zueigen, das sehr sympathisch ist. Damit kann sie Gefühle sehr gut ausdrücken, insbesondere jene der Heldin, Sonea. Man sollte erwarten, dass sie nicht in der Lage sei, ein einziges lautes oder strenges Wort zu formen, doch genau das Gegenteil ist der Fall. In der Szene vor der verborgenen Gefängniszelle, wo Soneas Freund schmachtet, ist eine sehr strenge Stimme zu hören, die den suchenden Zauberer Daniel verwarnt.

Dass sich die Sprecherin nicht scheut, auch mal laut zu rufen, gehört zu ihrer gefühlsbetonten Vortragsweise. Sonea und ihre Gefährten keuchen, rufen und schimpfen in nicht geringer Lautstärke. Aber die Mikros haben damit kein Problem, sondern erfüllen klaglos ihre Aufgabe, was durchaus nicht selbstverständlich ist. Ich habe schon Aufnahmen gehört, bei denen große Lautstärke zu Knistern und anderen Unsauberkeiten führte.

Darüber hinaus variiert die Sprecherin ihr Sprechtempo, so etwa dann, wenn es um ein rasches und spannendes Geschehen wie etwa eine Flucht geht. Langsames Sprechtempo signalisiert Überlegen und Nachdenken. Auf diese Weise lässt sich der Gegensatz Action vs. Denken leicht ausdrücken.

Es gibt nur einen Spezialeffekt, und zwar ist das Hall. Er kommt des Öfteren zum Einsatz, weil sich die Magier untereinander, wenn sie vorsichtig und unbeobachtet sind, per Telepathie verständigen können. Auch Sonea ist in der Lage, telepathische Botschaften zu empfangen. Die besondere Eigenart solcher Botschaften wird für den Hörer sofort dadurch erkennbar, dass sie durch einen milden Hall verstärkt sind. Der Hall hebt sie aus der normalen Verständigungsebene heraus und überführt sie in eine geheimnisvolle Sphäre, wo nur Magie herrscht. Der Effekt passt also, und da er nicht übertrieben ist, kann man ihn auch öfters hören, ohne genervt zu werden.

|Die Übersetzung|

… ist sehr gut gelungen und am Stil, der ja schon im Original recht einfach gehalten ist, kann ich nichts aussetzen. Das Buch eignet sich meines Erachtens für 14- bis 16-Jährige recht gut. Für Zwölfjährige enthält es doch ein wenig zu viel Gewalt. Sex kommt jedoch überhaupt nicht vor, wohl aber romantische Liebe. Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

Im Booklet, d. h. in den Einsteckseiten für die CDs sind statt Namen- und Personenlisten nur ein Textauszug sowie Angaben zur Autorin und zur Sprecherin zu finden. Die Hilfestellungen für den Hörer fallen also weg und werden schmerzlich vermisst – es sei denn natürlich, man hat schon das Buch gelesen.

_Unterm Strich_

Der Werdegang der Heldin Sonea beschreibt den klassischen Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, nur dass diesmal das Aschenputtel verborgene Kräfte in sich entdeckt und diese von wohlmeinenden Zauberern gefördert und gebildet werden. Die Magiergilde betreibt eine regelrechte Universität, um die Novizen zu unterrichten. Diese Novizen kommt in der Regel von den Häusern der reichen Familien, die genetisch zur Magie veranlagt sind.

Als nun das Straßenbalg Sonea auftaucht, bricht natürlich in der Gilde eine Art Klassenkampf aus, mit Sonea als Zankapfel. Dass dieser Kampf gut für sie ausgeht, ist nicht so sehr Soneas Verdienst als vielmehr der von tüchtigen, rechtschaffenen Magiern, die es ja offenbar auch geben kann. Bis es so weit ist, verläuft der Kampf relativ spannend, aber es könnte noch eine Prise mehr Action sein. In der ersten Hälfte des Romans ist wesentlich mehr los.

Und ihren Traumprinzen wird Sonea hier wohl nicht finden, was ganz gut ist, denn sie hat ja schon einen Freund. Das Problem, das er darstellt, ist natürlich, dass er zur Gilde der Diebe gehört und somit keineswegs standesgemäß ist. In den folgenden zwei Bänden dürfte der Klassenkampf deshalb härter werden, je höher Sonea in der Hierarchie der Magier aufsteigt. Ich freue mich schon darauf.

Das Hörbuch wird von einer kompetenten Sprecherin gestaltet, die stets als Herrin des Textes erscheint, denn mit Variation des Tempos, der Lautstärke und des Timbres kann sie zahlreiche Gefühle ausdrücken und Szenen charakterisieren. Mit dem Einsatz des Hall-Effekts ist es ihr zudem möglich, die telepathische von der gesprochenen Verständigung auf sinnfällige Weise zu unterscheiden. Das Hörbuch ist schon gestaltet, und zwar ganz im Design des Buches. Das Einzige, was ich daran vermisse, sind die Namens- und Personenregister. Wer aber schon das Buch kennt, kann auch darauf verzichten. Als Ersatz gibt es eine Leseprobe.

Fazit: Das Hörbuch ist eine gelungene Entsprechung zum Buch, bei der der Hörer kaum Einbußen an Informationen hinnehmen muss. Es kann durch den Vortrag sogar lebhafter erscheinen als die Handlung im Buch. Die Stimme der Sprecherin dürfte in erster Linie Frauen ansprechen. Nur wegen der klischeehaften Handlung geht die Wertung insgesamt etwas nach unten.

|Originaltitel: The Magician’s Guild, 2004
Aus dem Englischen von Michaela Link
450 Minuten auf 6 CDs|
http://www.randomhouse.de

TKKG junior – Achtung, Fahrraddiebe! (Folge 26)

Die Handlung:

Es scheint ein gewöhnlicher Morgen zu sein, als Gaby gut gelaunt das Haus ihrer Eltern verlässt, um gemeinsam mit Karl zur Schule zu radeln. Doch entsetzt stellt sie fest: Ihr Fahrrad wurde gestohlen! Über Kommissar Glockner erfahren TKKG, dass aktuell eine Bande ausgefuchster Fahrraddiebe die Millionenstadt unsicher macht, die von der Polizei nur „Die fiesen drei“ genannt wird. Tim, Karl, Klößchen und Gaby wollen die Fahrraddiebe in eine Falle locken, aber leider durchschauen diese TKKGs Plan und somit ist auch Klößchens Fahrrad weg! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wer meint, schlauer als ein Krimineller zu sein (der das Ganze ja „berufsmäßig“ macht), neigt dazu, sich zu überschätzen. Denn, wären die Diebe doof, wären sie längst nicht mehr aktiv. Da wunderts jetzt nicht wirklich, dass im Klappentext auch Klößchens Rad geklaut wird.

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Mary W. Shelley – Die Verwandlung (Lesung)

Schwarze Romantik: der teuflische Zwerg

Ein ausgestoßener junger Mann wird Zeuge eines Schiffsunglücks. Aus dem Wrack rettet sich nur ein missgestalteter Zwerg mit einer Seekiste. Der junge Mann klagt ihm sein Leid und der Zwerg bietet ihm einen seltsamen Tausch an: Wenn er für drei Tage die schöne Gestalt des jungen Mannes annehmen darf, so bekommt dieser zur Belohnung den Schatz, der sich in der Seekiste befindet. Nach langem Hin und Her willigt der junge Mann ein, doch nach drei Tagen ist der Zwerg noch nicht zurückgekehrt. Als Zwerg folgt er ihm auf seiner Spur und stößt auf alle Vorzeichen einer nahen Katastrophe …
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Jack London- Südseegeschichten: Die Perle & Der Walzahn (Lesungen)

Nicht so idyllischer Ausflug in die Südsee

In seinen bekannten Südseegeschichten aus dem Jahr 1911 stellt Jack London den weißen Mann den Eingeborenen gegenüber. Zunächst geht es um eine Perle von außergewöhnlicher Schönheit und von hohem Wert, doch im Mittelpunkt steht das Wüten der Urgewalt eines Hurrikans. In der zweiten Geschichte will ein weißer Missionar die Bergstämme der Hauptinsel des Fidschi-Archipels bekehren. Allerdings missachtet er ein paar Vorsichtsmaßnahmen. Ob ihm sein Gottvertrauen da helfen kann?

Der Autor

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Menge, Wolfgang / Roland, Jürgen – Stahlnetz 3: Verbrannte Spuren

_Rätselhaft: die Leiche in der Scheune_

Die Rendsburger Mordkommission ermittelt: In der niedergebrannten Scheune des Bauern Cohrs liegt die Leiche einer Frau. War es ein Unfall, Brandstiftung oder gar Mord? Kommissar Strobel geht der Sache auf der Grund und löst den Fall auf jeden Fall.

Die TV-Serie „Stahlnetz“, die der NDR produzierte, ist vom Design her eine Übernahme der US-Krimiserie „Dragnet“, von der auch die markante Titelmelodie stammt. Doch die Inhalte sind quasi urdeutsch und entstammen deutschen Kriminalakten. Besonderes Kennzeichen von „Dragnet“: nur die Fakten zählen! – Die Tonspur wurde fürs Hörspiel bearbeitet und digitalisiert.

_Die Autoren_

Jürgen Roland (Regie), bekannt u. a. für seine TV-Serie „Großstadtrevier“ und mehrere Kriminalspielfilme, die ihn zu einem Pionier und Mentor der deutschen TV-Krimilandschaft gemacht haben.

Wolfgang Menge (Buch) verarbeitete echte Unterlagen der Kripo und schrieb sie Schauspielern auf den Leib. Er ist besonders bekannt für die Comedy-Serie „Ein Herz und eine Seele“ (mit Heinz Schubert).

Zusammen legten die beiden Pioniere den Grundstein für die Endlosserie „Tatort“ der Fernsehanstalten der ARD. In jeder Folge ermittelt ein neues Kommissarengespann in einer anderen Region Deutschlands, insbesondere in Großstädten.

_Die Mitwirkenden_

Kommissar Strobel: Karl-Georg Saebisch
Kommissar Ahrberg: Peter Lehmbrock
Obersekretär Eismann: Eddi Arent
Herr von Altmann: Robert Meyn
Beate von Altmann: Herta Fahrenkrog
Peter Holtzmann: Klaus Kindler
Frau Poppe: Hela Gruel
Nancy: Susanne von Ratony

In weiteren Rollen:
Egon Mohr, Günter Lüdke, Hans Gosslar, Adolf Hansen, Kurt Klopsch, Friedrich Schütter.

Die Produktionsleitung lag in den Händen von Erich Holder, den Ton steuerte Werner Stumpf, die Aufnahmeleitung hatten Edgar Paeper und Wolfgang Rau inne. Die Hintergrundmusik stammt von Ricardo Zandonai und Pérez Prado, die Titelmusik von Walter Schumann und Ray Anthony – sie ist der amerikanischen TV-Krimiserie „Dragnet“ entnommen.

_Handlung_

„Feuer!“ Eine Scheune brennt, und die Feuerwehr rückt mit Sirenengeheul an, doch es bleibt nicht mehr allzu viel zu löschen. Das Gebäude ist bereits zu stark niedergebrannt. Aber in den verkohlten Resten findet man eine völlig unkenntliche Leiche. Das ruft die Mordkommission Rendsburg auf den Plan. War es ein Unfall oder war das Opfer schon vor dem Brand tot? Das gilt es nun herauszufinden.

Die wichtigste Frage, welche die Kommissare Strobel und Ahrberg sowie ihr eifriger Obersekretät Eismann (Eddi Arent in einer nur halb ernsten Rolle) zu klären haben, lautet: Wer ist das Opfer? Dass es sich bei dem Brand um einen Unfall handelte, scheidet aus, denn es mangels Gewitter gab es auch keinen Blitz. Es war also Brandstiftung. Versicherungsbetrug? Nein, denn dann hätte der Täter keinen Mord riskiert.

Obwohl die Leiche bereits am Abend des 7. März gefunden wurde, braucht die Kripo geschlagene sechs Wochen, um die Identität der weiblichen Toten herauszufinden. In dieser Zeit gibt sich Eismann sogar als Pferdemaler aus, um bei dem Pferdezüchter von Altmann undercover zu ermitteln. Leider haben ihn die Damen des Gestüts schnell durchschaut, denn sein „Pferdeverstand“ tendiert gegen Null.

Während nach der Exhumierung der Leiche, die der Staatsanwalt angeordnet hat, diese nochmals von einem Spezialisten untersucht wird, begutachtet ein weiterer Helfer die in den Trümmern der Scheune gefundenen Sachen. Darunter ist ein Buch von Gustav Freytag: Doch „Soll und Haben“ besteht aus zwei dicken Bänden, es liegt nur der zweite Band vor. Warum sollte jemand zwei solche Schwarten auf einen Kurztrip mitnehmen? Das ergibt keinen Sinn.

Der Sinn ergibt sich jedoch sofort, als der Kieler Spezialist das Opfer genauer identifiziert und eine Vermisstenmeldung aus Hamburg eingeht. Die junge Dame wollte nicht aufs grüne Land fahren, das nicht mal eine Stunde entfernt liegt. Nein, sie wollte nach Zurüch, zu ihrem Verlobten, und dafür brauchte sie die zwei Bücher. Leider sollte die Schwangere dort nie ankommen.

Der Name führt zum Arbeitsplatz, und dort findet sich ein Mann, der die Tote sehr gut kannte. Aber: War es wirklich Mord – oder doch etwas ganz anderes?

_Mein Eindruck_

|Bones|

„Verbrannte Spuren“ ist kein Fall aus dem damaligen Lehrbuch des Jahres 1960: Erst muss in mühsamer Arbeit das verkohlte Opfer halb identifiziert werden. Das wäre eine hübsche Aufgabe für jedes CSI-Team gewesen, und Kathy Reichs hätte sicher einen erfolgreichen Bestseller plus einen TV-Krimi darüber schreiben können. Doch die eigentliche Identität wird erst durch die Vermisstenmeldung aus Hamburg feststellbar. Natürlich müssen die Spuren, die beim Opfer gefunden wurden, noch identifiziert werden – kennt man ja.

|Kontrastprogramm|

Doch diese harte kriminalistische Praxis stellt der Drehbuchautor dem scheinbar so friedlichen Landleben gegenüber: Pferdegestüt, Ackerbauern, reetgedeckte Häuser und Scheunen. Doch die Idylle trügt: Hier wurden in drei Monaten sieben Menschen als verschwunden gemeldet. Und wie sieht es mit Brandstiftung und Versicherungsbetrug aus? Der Besitzer der Scheune, Bauer Cohrs, wird halb im Scherz als „Brandstifter“ bezeichnet, was diesen sicher nicht gerade freut. Davon könnte ja was hängen bleiben.

|Charme|

Ein netter dramaturgischer Einfall ist die Undercover-Ermittlung des Polizeiobersekretärs (seltsamer Titel) Eismann. Er tritt als völlig ahnungsloser Pferdemaler auf, natürlich auf dem Gestüt eines gewissen Herrn von Altmann. Wieso der Kommissar aber ausgerechnet Altmann verdächtigt, leuchtete mir nicht ein. Altmann hat sich nur angelegentlich nach dem Scheunenbrand und dem Opfer erkundigt, das ist alles. Das macht ihn doch nicht verdächtig. Aber es passt gut in die Dramaturgie, dass Altman eine hübsche Tochter und diese eine noch hübschere Freundin namens Nancy hat. Da kann Eismann – nomen non est omen – seinen Charme spielen lassen.

|Kritischer Ansatz|

Der Grund für das Zutodekommen der jungen Frau aus Hamburg ist das damals geltende Verbot einer Abtreibung. Sie hätte das uneheliche Kind – sie verlobt, er verheiratet – wegmachen müssen. Das wollten oder konnten beide Elternteile nicht, und so wollten sie sich umbringen. Das klappte nicht so ganz. Mehr sei nicht verraten. – Aber dass die Abtreibung verboten war, kritisieren der Drehbuchautor und sein Film implizit: Das Verbot fordert Opfer, die bei einer Legalisierung der Abtreibung hätten vermieden werden können.

|Sprecher & Inszenierung|

Die Geräusche sind wie aus dem richtigen Leben und so, wie man sie aus einem normalen Fernsehkrimi kennt. Allerdings hört man solche Klänge wie hier nicht mehr allzu häufig. Denn die Handlung beginnt draußen auf dem Lande. Hier zwitschern die Vögel und klappern die Pferdehufe, und stetig weht eine sanfte Brise übers platte Land. Einen Übergang bilden bereits die Bahnhofsgeräusche: eine Dampflokomotive fährt im Hintergrund vorüber.

Das ändert sich natürlich, wenn das Polizeirevier mit seinem Schreibmaschinengeklapper die Szene stellt, oder auch mal eine Kneipe mit ihren Skat klopfenden Kartenspielern. Schließlich landen unsere Kriminaler sogar im geschäftigen Hamburg, und hier ist im Hintergrund quasi die Hölle los. Doch sobald sie ihren Kandidaten gefunden haben, führt die Handlung wieder zurück an den Ausgangspunkt: Es wird eine Rekonstruktion des Tathergangs ausgeführt. Ein Hund heult gar schaurig im Hintergrund, dass man glauben möchte, die Götter hätten den Weltuntergang beschlossen. Nun, für den Täter ist das Gefühl seiner Niederlage nicht viel anders.

Die Sprecher der zwei Kommissare – wieso brauchen die überhaupt zwei? – konnte ich überhaupt nicht auseinanderhalten, obwohl sogar einer der beiden als Erzähler fungiert. Ahrberg hielt ich für Strobel und umgekehrt – ihre Stimmen sind sich einfach viel zu ähnlich. Hingegen gelang es mir nach einer Weile, die wesentlich hellere Stimme von Eddi Arent herauszuhören. Arent war danach regelmäßig in den deutschen Edgar-Wallace- und Winnetou-Verfilmungen zu sehen und trug dabei stets das humorvolle, komische Element bei. In „Stahlnetz“ muss er sich jedenfalls sehr anstrengen, keine Lachnummer abzugeben, aber dass er einen ironischen, ja sogar sinnlichen Aspekt – er wird von zwei hübschen Damen umschwärmt – beiträgt, verleiht der Handlung ein entspannendes Element.

Die übrigen Sprecher sind mir kaum in Erinnerung geblieben, aber es gibt zwei bekannte Stimmen, die wir aus in den sechziger Jahren synchronisierten Fernsehserien kennen. Die eine Stimme gehört Klaus Kindler, der den Peter Holtzmann, den heimlichen Freund der Toten, spielt. Die andere gehört jenem Schauspieler, der den Rechtsmediziner in Kiel spricht, dem aber im Booklet kein Name zugeordnet wird. Er hat eine markante, tiefe Stimme, die später in Fernsehwestern zu hören war.

_Unterm Strich_

Auf dem Lande, da gibt es durchaus Sünden. Und eine der damals schlimmsten Sünden war eine Abtreibung. Ein junges Liebespaar, beide schon gebunden, muss den Preis für die rigiden Gesetze der damaligen Zeit zahlen – sie sehen keinen anderen Ausweg als den Freitod.

Mit dieser Episode der erfolgreichen TV-Krimiserie greift das Erfolgsteam aus Jürgen Roland (Regie) und Wolfgang Menge (Autor) ein für uns heute unvorstellbares Tabu an: das Abtreibungsverbot. Es gab ja damals noch nicht einmal die Pille für die Frau – und alles davor kommt uns wie finsterstes Mittelalter vor. Roland und Menge wollten zumindest den Finger in die Wunde legen und das tabuisierte Problem ins Bewusstsein heben. Ob danach etwas an den Gesetzen geändert wurde, wäre Gegenstand einer politologischen oder juristischen Recherche.

Wer sich also zunächst an der heiteren Landidylle erfreut, die am Anfang und in der Mitte aufscheint – mit Eddi Arent im Mittelpunkt -, der wird am Schluss mit einer ganz anderen Wirklichkeit konfrontiert. Eine, die unsichtbar ist und sich nicht für Postkartenbilder eignet, aber dennoch regelmäßig ihre Opfer gefordert haben muss.

|Die Serie|

Die Serie lieferte den deutschen TV-Zuschauern sowohl Unterhaltung als auch Dokumentation. Diese Kombination stieß ab 1958 auf ein enormes Echo und verschaffte dem Rezept eine lange Lebensdauer.

Die Tonqualität kann sich durchaus hören lassen. Stellenweise ist zwar bei großer Lautstärke noch das berüchtigte Knistern zu hören und die ganze Chose erklingt in Mono- statt Stereoton, aber im Großen und Ganzen erweist sich die digitale Überarbeitung als wahrer Segen für die Rettung solcher Schätzchen – ein Beleg dafür, dass schon damals das deutsche Fernsehen zu guten Leistungen in der Lage und nicht mehr unbedingt auf den Import ausländischer Krimikost wie „Dragnet“ oder „Kommissar Maigret“ angewiesen war.

|64 Minuten auf 1 CD|
http://www.audioverlag.de
Stahlnetz 1: [„Das 12. Messer“ 3394
Stahlnetz 2: [„Das Haus an der Stör“ 3430
Stahlnetz 4: [„Saison“ 3434

Terry Pratchett – Kleine freie Männer (Lesung)

Disney-mäßig: Rettungs-Expedition ins Feenland

Nachdem ein Wasserdämon um ein Haar fast seinen kleinen Bruder Willwoll entführt hat, wendet sich das Milchmädchen Tiffany Weh an eine professionelle Hexe. Miss Tick gibt ihr nach vielen neugierigen Fragen einen wertvollen Ratgeber: eine sprechende Kröte. Als ihr Bruder aber wirklich von der Feenkönigin entführt wird, braucht Tiffany mächtigere Verbündete.

Da trifft es sich gut, dass die Wir-sind-die-Größten, kleine blauhäutige, saufende, stehlende und kämpfende Gnomen, eine Hexe suchen. Durch ihre Heldentat gegenüber dem Wasserunhold hat sich Tiffany eindeutig als solche qualifiziert und kriegt den Job. Zusammen nehmen sie es mit der grausamen Feenkönigin auf, deren Welt dabei ist, in unsere einzudringen, um Träume zu stehlen.

Doch die Rettungsaktion erweist sich als schwieriger als gedacht: Das Reich der Märchen ist längst nicht so schön, wie es uns die Geschichten immer weisgemacht haben, sondern kalt und voller Gefahren. Tiffany und ihre Truppe „kleiner freier Männer“ geraten von einer heiklen Situation in die nächste.
Terry Pratchett – Kleine freie Männer (Lesung) weiterlesen

Menge, Wolfgang / Roland, Jürgen – Stahlnetz 4: Saison

_Feinfühlig: Expedition in ein Mordhaus_

Wintersaison in einem Harzer Kurort. Die 25-jährige Helga Zeller wird erdrosselt in ihrer Wohnung aufgefunden. Im Haus sagt man der Toten Bösartigkeit und Falschheit nach. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter dem Gerede?

Die TV-Serie „Stahlnetz“, die der NDR produzierte, ist vom Design her eine Übernahme der US-Krimiserie „Dragnet“, von der auch die markante Titelmelodie stammt. Doch die Inhalte sind quasi urdeutsch und entstammen deutschen Kriminalakten. Besonderes Kennzeichen von „Dragnet“: nur die Fakten zählen! – Die Tonspur wurde fürs Hörspiel bearbeitet und digitalisiert.

_Die Autoren_

Jürgen Roland (Regie), bekannt u. a. für seine TV-Serie „Großstadtrevier“ und mehrere Kriminalspielfilme, die ihn zu einem Pionier und Mentor der deutschen TV-Krimilandschaft gemacht haben.

Wolfgang Menge (Buch) verarbeitete echte Unterlagen der Kripo und schrieb sie Schauspielern auf den Leib. Er ist besonders bekannt für die Comedy-Serie „Ein Herz und eine Seele“ (mit Heinz Schubert).

Zusammen legten die beiden Pioniere den Grundstein für die Endlosserie „Tatort“ der Fernsehanstalten der ARD. In jeder Folge ermittelt ein neues Kommissarengespann in einer anderen Region Deutschlands, insbesondere in Großstädten.

_Die Mitwirkenden_

Wer welche Rolle spielt, muss sich jeder Hörer zusammenreimen, denn die CD macht dazu keine Angaben:

Grit Boettcher
Hans Hessling
Richard Lauffen
Dieter Eppler
Klaus Kindler
Tilly Lauenstein
Werner Buttler
Thomas Braut
Marina Ried
Vasa Hochmann
Otto Lüthje

Über Produktionsleitung und Aufnahmeleitung macht die CD keinerlei Angaben, was ich schade finde. Die Titelmusik stammt wie stets von Walter Schumann und Ray Anthony – sie ist der amerikanischen TV-Krimiserie „Dragnet“ entnommen.

_Handlung_

In dem kleinen Harzer Kurort ist gerade Misswahl, als zwei der Besucher eine merkwürdige Meldung erhalten: Aus dem Haus der Familie Schinzel, wo einige der Skiortbesucher wohnen, stinkt es gewaltig. Ob man wohl die Polizei benachrichtigen soll? Na, klar doch.

Vor Ort bricht ein Helfer für den Dorfpolizisten Henry Wohlers die Tür zum Zimmer von Helga Zeller auf. Leichengestank schägt den Eintretenden entgegen, eine Scheibe wird eingeschlagen, um frische Luft einzulassen. Sieht so aus, als habe man Zeller den Schädel eingeschlagen, aber Wohlers‘ erster Eindruck ist ein Irrtum. Die Frau wurde erdrosselt. Auf ihrem Nachttisch findet sich ein Abschiedsbrief, aber nicht von ihr …

Nach Wohlers‘ Meldung rücken Kriminalkommissar Hauck und ein Staatsanwalt aus Goslar und Braunschweig an, um die Hintergründe des Mordes aufzuklären. Die Zeller muss schon fast sechs Wochen tot sein, denn sie wollte am 3.1. zurück nach Flensburg reisen. Tags zuvor wurde sie zum letzten Mal lebend gesehen. Schon bald schält sich aufgrund der Zeugenaussagen der Hausbewohner ein wenig schmeichelhaftes Bild von ihr heraus.

Die 25-Jährige hatte offenbar viele Männerbekanntschaften, die sie seit Mitte des vorhergehenden Jahres pflegte. Darunter war nicht nur ein Schrotthändler namens Dieberitz, der im Dezember heiratete, sondern auch Herbert Schinzel, der Sohn der Hauswirtin Clara Schinzel. Er hatte mit Zeller ein Verhältnis, bevor er vor drei Monaten seine jetzige Frau Gisela heiratete. Er wohnte neben Zellers Zimmer, und sofort fällt der Verdacht auf ihn.

Belastend wirkt sich beispielsweise ein mysteriöser Zettel aus, der neben einem 50-Mark-Schein lag, als er am Morgen des 3. Januar vor Frau Schinzels Tür gefunden wurde. Die 50 Mark sollten wohl die Miete der Zeller für den Februar sein, nimmt Hauck an. Der Zettel war jedoch in Sütterlinschrift geschrieben, wie man sie im Dritten Reich lernte und wie sie im Haus nur noch Herbert Schinzel beherrscht … Der Zettel aber sei verschwunden, behauptet seine Mutter. Genau wie der Koffer der Zeller.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Schlüssel. Der Küchenschlüssel passt eigenartigerweise auch zum Zimmer der Zeller. Für den Kommissar ist die Sache klar wie Kloßbrühe, und er lässt Herbert Schinzel festnehmen, aber noch nicht in Haft nehmen. Denn erstens gibt ihm dessen Frau ein Alibi und zweitens müssen noch die diversen Männerbekanntschaften der Zeller überprüft werden. Und da ist immer noch die Frage offen, an die zunächst keiner der Beamten zu denken scheint: Wusste Gisela vom Verhältnis ihres Mannes mit der Zeller? Falls ja, dann …

_Mein Eindruck_

Man sieht also, dass es die Hauptaufgabe der Ermittler in diesem authentischen Fall ist, das soziale Umfeld des Mordopfers auszuloten. Bei diesem kniffligen Vorgehen sind die Beamten auf Fingerspitzengefühl angewiesen, und so wendet sich Wohlers nicht nur einmal an seine Frau, die etwas mehr Einfühlungsvermögen besitzt als er, zumal in Frauendingen. Ihre Meinung trägt zur Aufklärung des Falls bei.

Doch Empathie in allen Ehren – die Beamten müssen auch Durchsetzungskraft und Objektivität aufbringen. Sollen sie vielleicht nur einen Mann als Täter in Frage kommen lassen? Das wäre wohl ein Fall von Parteilichkeit, wenn nicht sogar von Sexismus. Warum sollte nicht auch eine Frau in der Lage sein, eine andere Frau zu erdrosseln, zumal im Affekt? Dem Krimiexperten kommt gleich zu Beginn der Vernehmungen die kühl-nüchterne Unbeteiligtheit von Gisela Schinzel bemerkenswert vor. Sie gibt sogar unumwunden zu, dass sie die Zeller nicht mochte – beim häuslichen Hintergrund nur zu verständlich. Aber kann man sie eines Mordes für fähig halten? Das wird sich noch herausstellen.

Wieder stellt dieser Fall die Grundprinzipien der ordnungsgemäßen Polizeiarbeit vor. Und er tut dies mit solcher Akribie, dass der Drehbuchautor den Polizisten Suhrbier einführt, der die Regeln sogar aus dem Lehrbuch herunterbetet. Dies ist das einzige Aufblitzen von ironischem Humor im ganzen Handlungsverlauf.

Denn das, was Helga Zeller unter Humor verstand und in einer Rückblende an den Tag legt, ist alles andere als lustig: Sie freut sich, dass ihre Nachbarin, Frau Pfeifer, offenbar zu betrunken ist, um unbeschadet die Treppe hinterzugehen. Nicht genug damit, tratscht sie dies auch noch im ganzen Haus herum – wie soll man da nicht wütend werden? Die Diffamierungen, auch von anderen, hören überhaupt nicht mehr auf. Mörderkandidaten gibt es also einige. Merke: Ein Mord kann auch im bestgeführten Haus(halt) vorkommen. Niemand ist sicher.

|Der Sprecher/Die Inszenierung|

Die Geräusche sind wie aus dem richtigen Leben und so, wie man sie aus einem Fernsehfilm kennt. Allerdings erscheinen sie sehr zurückgenommen – kein Vergleich mit dem aufdringlichen und überlagernden Bahnhofsambiente aus „Das Haus an der Stör“. Hier geht alles recht dezent zu, und den lautesten Hintergrund liefert sicherlich die Misswahl und die abschließende Aufführung der „Heiligen Johanna“ (siehe Titelbild). Irgendwo in der Mitte gehen zwei Herren durch den Schnee des Harzes, und ein gemischtes Paar tritt eine Erzhalde hinunter – denn es gibt einen Anachronismus am Ort: eine Erzgrube. Hier lässt so manches zutage fördern …

Da das Booklet keine Rollenzuweisungen ausweist, kann eine Einschätzung der Schauspieler- und Sprecherleistungen nur durch Vermutungen, gestützt auf berechtigte Annahmen, ausgeführt werden. Ich nehme an, dass Grit Boettcher die Rolle der Gisela Schinzel spricht. Sie tut dies auf eine eindringliche und recht ernst zu nehmende Weise, die ihrem späteren Image als Komödiantin ziemlich widerspricht. Am Schluss hat auch Polizeimeister Henry Wohlers, vermutlich gespielt von Hans Hessling, Mitgefühl für sie. Ich glaube nicht, dass ihre Rolle sich mit dem Thema des Stückes der „Heiligen Johanna“ deckt (dessen Auswahl durch den Autor sicherlich kein Zufall ist). Für Gisela wäre wohl schon eher die wütende Amazone „Penthesilea“ oder eine andere Figur von Kleist infrage gekommen gewesen. Aber sie hätte schlecht ins Kurprogramm gepasst.

In der Mitte tritt der obligatorische sorgenerfüllte Kurdirektor auf. Natürlich ist der Tod schlecht für den Tourismus, aber muss man dann gleich so ein Aufhebens darum machen? Das Argument kommt uns bekommt vor und erinnert an selige Zeiten, als Spielbergs Schocker „Der weiße Hai“ die Leute in Scharen vom Strand ins Kino lockte.

_Unterm Strich_

Diese Folge von „Stahlnetz“ ist solide Handwerksarbeit. Der Hörer kann dem Verlauf der Ermittlung ohne weiteres folgen, denn es wird einerseits die Einheit von Ort und Zeit eingehalten (was bei Rückblendentechnik selten der Fall ist), andererseits werden alle Anwesenden stets mit Name identifiziert, so dass man auch ohne Bild stets auf dem Laufenden gehalten wird, wer anwesend ist. Natürlich muss man bei den häufigen Szenenwechseln aufpassen, aber dafür sind die Szenen relativ lang und steuern stets auf eine nützliche, wertvolle Information zu.

Auf diese Weise baut sich ein Gebäude aus Hinweisen auf, sodass der gewiefte Hörer schon nach kurzer Zeit mit dem Finger auf den Täter oder die Täterin weisen könnte. Dieses Wissen entwertet aber nicht den Schluss, vielmehr trägt das Indiziengebäude dazu bei, ein soziales und emotionales Umfeld hervortreten zu lassen, das teilweise zur Erklärung der Mordtat beitragen kann. Dies ist der eigentliche Lerneffekt, den diese Episode, ganz im Sinne der beiden Stahlnetz-Designer Menge und Roland, vermitteln will. Und dabei beachten sie stets auch die Regeln der Spannungserzeugung.

Die Serie lieferte den deutschen TV-Zuschauern damit sowohl Unterhaltung als auch Dokumentation. Diese Kombination stieß ab 1958 auf ein enormes Echo und verschaffte dem Rezept eine lange Lebensdauer.

Die Tonqualität kann sich durchaus hören lassen. Stellenweise ist zwar bei großer Lautstärke noch das berüchtigte Knistern zu hören und die ganze Chose erklingt in Mono- statt Stereoton, aber im Großen und Ganzen erweist sich die digitale Überarbeitung als wahrer Segen für die Rettung solcher Schätzchen – ein Beleg dafür, dass schon damals das deutsche Fernsehen zu guten Leistungen in der Lage und nicht mehr unbedingt auf den Import ausländischer Krimikost wie „Dragnet“ oder „Kommissar Maigret“ angewiesen war.

Ganz am Schluss erklingt die Titelmelodie in voller Länge. PAMM-PA-RAMM-PAM! Mir schlackerten die Ohren, als das Bass-Saxophon durch die Lautsprecher dröhnte. Wer kann, sollte sich eine gehörige Dosis Krimi-Nostalgie verabreichen und die eine oder andere Episode der Stahlnetz-Serie reinziehen.

|74 Minuten auf 1 CD|
http://www.audioverlag.de
Folge 1: [„Das 12. Messer“ 3394
Folge 2: [„Das Haus an der Stör“ 3430
Folge 3: [„Verbrannte Spuren“ 3469

Perry Rhodan – Die Spur der Kartanin (Silber Edition 160)

Die Handlung:

Vor fünfzehn Jahren haben Truppen aus den Galaxien der Mächtigkeitsballung Estartu die Welten der Milchstraße besetzt. Sie wollen ihren Bewohnern die Philosophie des Permanenten Konflikts vermitteln – nötigenfalls mit Gewalt. Die Gegenwehr der Menschen und ihrer Verbündeten ist aber stark.
Beispielsweise hat Julian Tifflor die Group Organic Independence ins Leben gerufen. Mit Mut und Entschlossenheit sowie neu entwickelten Technologien macht die Organisation den Eroberern das Leben schwer.
Zugleich setzen sich Galaktiker auf die Spur der mysteriösen Kartanin. Woher kommen diese katzenartigen Wesen, was sind ihre Pläne? Es zeigen sich Zusammenhänge zwischen den Aktivitäten der Kartanin in Estartu und in der Milchstraße … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dramatisch gehts los, wenn wir erleben, was der Besatzung des Virenraumschiffs AVIGNON passiert. Zum Glück ist Julian Tifflors GOI da, um zu helfen.

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Die drei ??? – Manuskript des Satans (Folge 221)

Die Handlung:

Ein Manuskript des leibhaftigen Satans und teuflische Lärmattacken – dieser Fall hat es in sich! Begeben die drei ??? sich in höllische Gefahr? Wer steckt hinter dem entsetzlichen Lärmangriff auf das Haus von Professor Bancroft? Während der Wissenschaftler versucht, eine geheimnisvolle alte Handschrift zu übersetzen, machen sich Justus, Peter und Bob auf die Suche nach der Lärmquelle. Haben die Attacken etwas mit dem Manuskript des Satans zu tun, an dem der Professor gerade arbeitet? Die drei Detektive werden es herausfinden. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Die Satanisten unter den Hörern wissen, dass es in der Vergangenheit bereits einen Teufelsberg, einen tanzenden Teufel, Pistenteufel, einen Feuerteufel, Fußball-Teufel, ein Dorf der Teufel, die Musik des Teufels und ein teuflisches Foul gegeben hat. Streiche „Teufel“, setze „Satan“ … und weiter gehts?

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Arthur Conan Doyle & Herman Cyril McNeile – Tod eines Giftforschers (Sherlock Holmes Folge 54)

Rätselhafter Gifttod, nichts für Tierfreunde

Würde sich ein erfahrener Toxikologe aus Versehen selbst vergiften? Rechtsanwalt Alfred Humber, der einen Selbstmord seines Klienten kategorisch ausschließt, hat hier seine Zweifel und bittet Sherlock Holmes, sich im Laboratorium des Toten einmal genauer umzuschauen… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft und dem HÖRKULES ausgezeichnet.
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Ascan von Bargen – Annwyn – Die Tore der Anderwelt (Folge 2)

Halloween: Die Monster kommen aus dem Spiegel!

Auf den Grundfesten eines Jahrtausende alten keltischen Heiligtums erbaut, erhebt sich am Rande der irischen Steilküste das trutzige Gemäuer von Ringwood Manor. Doch niemand ahnt etwas vom mörderischen Vermächtnis der heidnischen Druiden und der tödlichen Gefahr Annwyns, die im Höhlenlabyrinth unter der Burg lauert – und sich aus der Anderwelt unbeirrbar ihren Weg in die Welt der Leben bahnt.

Zwei Jahrhunderte nach den Geschehnissen in „Annwyn 1“ fordert das Tor zur Anderwelt weiterhin Opfer: unter irischen Ortsansässigen, aber auch unter allzu neugierigen Archäologen. Kann das Tor wieder verschlossen werden?

Hinweis: Es handelt sich wie schon beim [ersten Teil 1825 um ein Hörspiel, also um eine dramatische Inszenierung, keineswegs um eine ruhige Lesung. Man könnte also von einem Film ohne Bild sprechen: Kino für die Ohren.

|Der Autor|

Über Ascan von Bargen informiert das Hörbuch nicht und über ihn ist mir nichts bekannt.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Stimme des Erzählers gehört eindeutig Joachim Kerzel, die dt. Stimme von Jack Nicholson und Dustin Hoffman. Zu den bekannteren Sprechern zählen der Schauspieler Gerd Baltus sowie die bekannten Synchronsprecher Frank Glaubrecht (dt. Stimme von Al Pacino und Pierce Brosnan) und Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts und „Ally McBeal“). Die Namen der restlichen Sprecher sagen mir nichts. Es wäre müßig, sie alle aufzuzählen.

Die Regie führte irgendjemand im „Maritim-Studio“, die Frontillustration stammt von Timo Wuerz. Damit erschöpfen sich die Angaben des Verlags auch schon. Die filmische Musik steuerte vermutlich wieder, wie beim 1. Teil, Terry Devine-King bei.

Der „Genuss“ dieses Hörbuchs wird vom Verlag erst ab 16 Jahren empfohlen. Sobald man die Furcht erregenden Stimmen und Geräusche gehört hat, kann man dem nur beipflichten.

_Vorgeschichte_

Am 25. September 1782 brachte ein Mann namens Meadows eine uralte Handschrift nach Ringwood Manor, das auf hohen Klippen thront, die von Schmuggler- und Piratenhöhlen durchzogen sind. Lord Kilvert, Herr auf Ringwood Manor, hat die Handschrift gefunden und gelesen, doch das Manuskript entzündet sich selbst und verbrennt zu Asche. Fünf Tage später verschwindet seine Tochter Julie spurlos. Eine geisterhafte Stimme warnt Kilvert, dass die Tore zu Annwyn geöffnet wurden …

_Handlung_

Am 25. März des Jahres 1960 vermissen irische Bauarbeiter den Ingenieur Andrew Archer in der Umgebung des mittlerweile verfallenen Gutshauses Ringwood Manor. Der Bauherr John Hamilton Neville wollte hier eigentlich eine Luxushotelanlage errichten, aber offenbar gibt es Fälle von Sabotage. Wie sonst wären die mysteriösen Zwischenfälle zu erklären? Dass es hier spukt, wie die Einheimischen behaupten, glaubt Neville keine Sekunde lang. Sein Vorarbeiter Jackson wird indes in den Höhlen eines Besseren belehrt: Ein Vogelmonster will seine Augen …

Am 16. Mai 1960 in der friedlichen Pension von Mrs. McAdams im irischen Fischerdörfchen Evanbaille nimmt Jenny, die Freundin von James Owens, gerade eine Dusche, als der Strom ausfällt. Sie hört das Grollen eines Monsters, dann ertönt ein Splittern, ein Schrei verhallt … Als Owens, der amerikanische Fotograf, aus einem Gewitter in die heimelige Pension zurückkehrt, fällt ihm zunächst ein angenehmer Duft auf. Dann jedoch öffnet sich eine Tür von alleine, eine Vase fällt … Ein weiblicher Geist erscheint im Dunkeln. Sie klagt, verschwindet – eine irische Todesfee? Owens sucht vergeblich nach seiner Freundin.

Am 31.10.1999 – Halloween – im Cambridge Institute of Sciences and Technology, England. Dr. Beverly Howell ist völlig happy: Die Archäologin hat mehrere Artefakte gefunden, aber was noch mehr ist: Es gibt auch die dazugehörigen Leichen! Diese zeigt sie ihrem Kollegen, dem Keltologen Dr. Parker Craven, nur zu gern, denn schließlich stammen sie aus der Zeit der Kelten, für die er Experte ist. Offenbar handelt es sich um einen irischen Stammesfürsten, nach dem goldenen Torque bzw. Halsring zu urteilen. Und das zweite Artefakt ist das verschollen geglaubte Buch von Lirvaen. Craven ist völlig aus dem Häuschen. Das Buch soll von wahnsinnigen Mönchen mit Menschenblut auf der gegerbten Haut von Jungfrauen geschrieben worden sein. Dann verschwand es im Jahre 1692 mit einem Schiff antibritischer Verschwörer. Klar, dass darauf ein Fluch liegt.

Howell bittet Craven, das Buch zu übersetzen. Und wenn es den dazugehörigen Schatz gibt, soll er ihn in Irland suchen. Tatsächlich findet Craven im Buch eine Karte, auf der Ringwood Manor als die Ringfestung Dun Fein eingetragen ist. Da ruft seine Mitarbeiterin Camilla aus Irland an: An jedem 16. Mai erscheint dort ein Geist, die „leidende Frau von Evanbaille“ genannt. Das erklärt das Erlebnis, das James Owens im Jahr 1960 hatte.

Kurz vor Mittag betritt Craven das Höhlenlabyrinth, das sich unterhalb des Gutshauses entlang der Steilküste erstreckt. Er betritt es und markiert seinen Weg. In einer Grotte stößt er auf Höhlenzeichnungen und Schriftzeichen. Wie ein blutiger Anfänger hämmert er auf eines der Zeichen ein und zerstört es. Dummerweise war es ein Siegel des Schutzes gegen die Schrecken von Annwyn: Die Tore der Anderwelt öffnen sich und eines seiner Wesen verschlingt den Unvorsichtigen.

Es ist Samhain, die Nacht, in der die Welt der Toten und die Welt der Lebenden einander durchdringen. Doch wie kann es gelingen, die Tore wieder zu verschließen?

_Mein Eindruck_

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die vorliegende Hörspiel-Produktion gehört leider nicht zum Gold. Dies ist pure Horror-Mystery-Exploitation, die sich in den allzu großen Fußstapfen von Hohlbeins Hexer-Romanen und H.P. Lovecraft abmüht, ein Mischmasch aus keltischer und walisischer Mythologie dazu zu verwenden, um eine Horrorstory zu kolportieren, die doch reichlich dünn und zudem verworren ist.

|Augenwischerei|

Mehrere Flüche und Geister werden kombiniert, um der Story den Anstrich eines horrormäßigen Mysteriums zu verleihen. Dabei haben weder das Buch von Lirvaen noch die „Leidende Frau von Evanbaille“ etwas mit der Anderwelt zu tun. Sie sind nur Augenwischerei. Lediglich die Todesfälle in und unter Ringwood Manor sind relevant. Hier kommt der Ingenieur um, aber auch ein paar allzu neugierige Kinder, und schließlich traut sich sogar ein unerschrockener Reporter hinein. Dr. Craven verhält sich keineswegs wie ein vernünftiger Mann vom Fach, sondern zerstört mutwillig Zeichen an der Wand – welcher Archäologe würde so etwas Verbrecherisches tun, das allen Regeln der Wissenschaft hohnspricht?

|Gelobt sei Gandalf|

Die kleine Julie Kilvert aus dem ersten Teil fungiert nun als eine Art Wächtergeist am Tor zu Annwyn. Sie warnt die drei Kinder mit den klassischen Worten: „Flieht, ihr Narren!“ Preisfrage: Wer sprach diese berühmten drei Worte? Na, wer wohl? Gandalf in der deutschen Fassung von „Herr der Ringe: Die Gefährten“. Gleich danach rauschte er mit dem Balrog in den Abgrund von Khazad-dûm. Man sieht also, dass der Autor seinen Tolkien in- und auswendig kennt.

|Filmreifes Finale|

Kurz vor dem Finale treffen der Reporter Joey Heard und die Einheimische Carrie-Ann O’Banion in Ringwood Manor ein, um die zwei hier verschwundenen Jungen zu suchen – nur die Aussage des überlebenden, aber völlig traumatisierten Mädchens leitet sie. Doch sie stoßen auf einen bewaffneten Mann: Tristan Casterly sucht ein Artefakt, um das geöffnete Tor zu Annwyn zu schließen. Zu spät: Die Dämonenbrut bricht bereits über sie herein. Darunter ist auch jemand, der eigentlich tot sein sollte: Dr. Parker Craven.

Dieser Showdown entschädigt für das ganze vorhergehende Drumherumgerede. Es geht beinhart zur Sache, und wer den Überblick nicht verliert, kommt in puncto Action voll auf seine Kosten. Natürlich auch soundtechnisch: Schüsse fallen, Dämonen grollen und fauchen, Feuert prasselt, Carrie-Ann schreit wie eine preiswürdige Scream Queen – endlich weiß auch der letzte Zuhörer, warum Frauen im Horrorgenre unerlässlich sind.

_Die Sprecher/ Die Inszenierung_

Weder über die Macher verrät das magere Booklet Näheres noch über die beachtliche Riege der Sprecher und Sprecherinnen. Als Regie firmiert das „Maritim-Studio“, und das ist lediglich eine Maske, hinter der sich sonstwer verbergen könnte. Diese Informationspolitik flößt mir keinerlei Vertrauen ein. Haben die Macher ein düsteres Geheimnis zu verbergen, das für einen Exorzismus in Frage käme?

Wie bereits gesagt, hat der Star der Produktion, Joachim Kerzel, ziemlich wenig zu tun. Im Verlaufe der Handlung ergibt sich eine Szene aus der vorhergehenden, und so ist immer weniger Hintergrund nachzuliefern. Das macht den Erzähler allerdings nur scheinbar überflüssig. Denn im Finale geht es wieder einmal – wie schon im 1. Teil – drunter und drüber. Um den Überblick zu behalten, muss man auf die Regieanweisungen des Erzählers lauschen.

Im Finale spielen denn auch die bekannten Synchronsprecher Frank Glaubrecht – als Tristan Casterly – und Daniela Hofmann – als Carrie-Ann – ihren Stärken voll aus. Es klingt, als würden Al Pacino (Glaubrecht) und Julia Roberts (Hofmann) einen Schreiwettbewerb bestreiten. Drama muss eben sein. Am besten gefiel mir hingegen Franz-Josef Steffens als Prof. Hendricks vom „Institut für Geodäsie“. Sehr sympathisch, dass er als „Der Schrecken von Windsor Castle“ bezeichnet wird. Noch sympathischer, dass der schon recht betagte Prof sozusagen von echtem Schrot und Korn ist. Steffens bringt dies sehr schön zum Ausdruck.

|Musik & Geräusche|

Die Musik von Terry Devine-King genügt filmischen Ansprüchen, allerdings wiederholt sie ihre Standardmotive allzu häufig. Am Anfang wirkt das poppige Intro doch recht überraschend, danach geht es mit klassischer Sinfonik aber weiter wie gewohnt.

Da lobe ich mir schon die Geräuschkulisse: Vom Sturm über Bestien bis zu Flammen, Schüssen und Explosionen – der Tonmeister bietet alles auf, was das Arsenal an Soundsamples hergibt, um seiner horrormäßigen Mystik-Show das nötige Flair zu verleihen. Eigentlich fehlt nur noch eine saftige Romanze, um den Rest an gefühlvollen Szenen, Musikmotiven und Toneffekten aus dem Arsenal zu kitzeln. Aber vielleicht kommt das ja noch in der Fortsetzung. Eine Seifenoper wie diese braucht das einfach.

_Unterm Strich_

Erstaunlich, was man mit einem niedrigen Budget, einem halbgaren Drehbuch, einer Riege von bekannten Sprechern und einigen Gigabyte an Soundsamples heute doch alles erreichen kann. Der Zuhörer fühlt sich prächtig von der horrormäßigen Seifenoper mit dem Mystik-Touch unterhalten. Doch der Kenner wird bemerken, dass so manche Figur im Nirgendwo verschwindet, ganz besonders in diesem Teil, der vor allem aus Episoden besteht. Erst das letzte Drittel stellt eine kontinuierliche Handlung dar, die mit einem actionreichen Finale gekrönt wird.

Aufgrund der allenthalben inszenierten Gewalt empfiehlt der Verlag sein Produkt erst Jugendlichen ab 16 Jahren. Dem kann ich nur beipflichten. Aber echte Horrorfreunde wird dies keinesfalls abschrecken. Und wer mit der walisischen Mythologie vertraut ist, den zieht das Wort „Annwyn“, ursprünglich der Name für den Herrscher über das Totenreich bzw. die Geisterwelt, natürlich wie magisch an. Allerdings lautet der Name im Walisischen korrekt „Annwn“, wobei das W wie ein U ausgesprochen wird. Macht nix: Im Hörspiel ist trotzdem von „Ännwin“ die Rede. Hauptsache, die Figuren glauben wenigstens daran.

107 Minuten auf 2 CDs
http://www.maritim-produktionen.de

John Sinclair Classics – Die Rache des Kreuzritters (Folge 49)

Die Handlung:

Einst war der Kreuzritter Alexander von Rochas aus Jerusalem zurückgekehrt und hatte seine untreue Frau Elisabeth mit dem Tod bestraft. Seitdem verschwanden immer wieder Frauen in der Umgebung von Burg Rochas. Will Mallmann und ich begaben uns auf die Spur des Kreuzritters – und erlebten das pure Grauen! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 215 gemacht, der erstmalig am 25. Oktober 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Roman-Cover wurde hier nicht verwendet. Das Titelbild des Hörspielcovers ist nicht vom Romanheft übernommen worden, auch wenn der Ritter selbst hier recht ähnlich aussieht.

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Arnaldur Indriðason – Gletschergrab (Lesung)

Ein Isländer in Dan Browns Fußstapfen

Die Eiskappe des Vatnajökull-Gletschers auf Island schmilzt. Die Streitkräfte der US-Basis Keflavík sind in Alarmbereitschaft, denn der Gletscher hütet ein Geheimnis: Ein abgestürztes Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg mit brisanter Fracht. Vor der grandiosen Kulisse des ewigen Eises gerät eine junge Isländerin in Lebensgefahr. Sie weiß nur wenig, aber das ist schon zu viel für die Drahtzieher der »Operation Napoleon« … Der Thriller ist 2023 verfilmt worden.

Der Autor
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