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Raymond Khoury – Scriptum (Lesung)

Das „Geheimnis“ der Templer: Religionen, versöhnt euch!

Eine Ausstellungseröffnung in New York City gerät zu einem grausigen Blutbad. Vier Reiter – gekleidet in die Roben der Tempelritter – entwenden neben Kostbarkeiten des Vatikans auch ein unscheinbares, verwittertes Holzkästchen. Ein Fall für FBI-Agent Sean Reilly. Zusammen mit der jungen Archäologin Tess taucht er ein in die geheimnisvolle Geschichte des Templerordens. Eine dramatische Jagd nach einem sagenumwobenen Schatz beginnt – voll Neid, Verrat und Tempo. (abgewandelte Verlagsinfo)

Hinweis

Das lateinische Wort „scriptum“, abgeleitet von „scribere“, bedeutet übrigens lediglich „das Geschriebene“ und meint nicht nur ein gebundenes Buch oder ein Pergament, sondern alle Dokumente, die das geschriebene Wort bewahren, also auch Grabinschriften (Epitaphe) und dergleichen.

Der Autor

Raymond Khoury war zunächst Architekt, bevor er sich als Drehbuchautor international einen Namen erwarb. „Scriptum“ ist sein Debütroman und wurde ein Bestseller. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in London und schreibt an seinem zweiten Buch.

Der Sprecher

Heikko Deutschmann, geboren 1962 in Innsbruck, war nach seinem Schauspielstudium Ensemblemitglied an der Berliner Schaubühne, am Hamburger Thalia Theater, im Schauspiel Köln und Schauspielhaus Zürich. Mittlerweile ist er in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen gewesen, so etwa „Der Laden“, „Operation Rubikon“, „Der Aufstand“ oder „Die Affäre Kaminski“.

Der Text wurde von Moritz Wulf Lange gekürzt und bearbeitet. Regie führte Torsten Feuerstein, für Ton und Schnitt waren Jean Szymczak und Thorsten Weigelt vom Tonstudio P4 zuständig.

Handlung

Anno 1291 geht in der Schlacht um die Festung Akkon das Königreich der Kreuzfahrer unter. Akkon ist die letzte Burg, die den anstürmenden Sarazenen unter Saladin trotzen konnte, doch nun ist das äußere Tor gefallen und das Ende ist nur eine Frage von Stunden. Templer und Johanniter befinden sich auf dem Rückzug in die innere Burg. Martin de Carmot wird mit Aymard de Villiers Zeuge, wie es mit Großmeister Beaujeux zu Ende geht: Ein Pfeil steckt in seiner Seite. Er erteilt ihnen einen wichtigen Auftrag. Der Marschall de Servais übergibt ihnen ein unscheinbares Holzkästchen, und sie eilen damit zum letzten Schiff, das den Hafen verlassen soll: die „Faulcon du Temple“.

Doch die Fahrt der beiden Geheimniswahrer steht unter einem Unstern. In einem schweren Sturm droht das Schiff zu sinken. Martin weiß inzwischen, dass sich in dem Kästchen noch etwas anderes befindet. Die kleine Schatulle verstecken der Kapitän und Aymard in der Galionsfigur. Nachdem Martin und die Männer ins Beiboot gestiegen sind, versinkt das Schiff in den Fluten.

Sie landen glücklich an der kleinasiatischen Küste und gelangen in ein verlassenes Dorf. Nur eine einzelne Weide steht an dem verlassenen Brunnen und neben der zerstörten Kirche. In einem Grab mit der Inschrift „ROMITI“ verbirgt der verletzte Aymard dort einen zweiten Teil des geretteten Schatzes der Templer. Bevor er stirbt, übergibt er Martin de Carmot einen Brief, der ihn nach Frankreich bringen soll. Doch dort wird bereits die Zerschlagung des allzu mächtig gewordenen Ordens betrieben.

Am Freitag, den 13. Oktober 1307, dringen überall in Frankreich Truppen des Königs in die Burgen des Ordens ein, mit dem Segen des Papstes. Doch weder Gold noch Juwelen werden gefunden und so bleibt der König weiterhin tief verschuldet – wo ist der Schatz? Im März 1314 wird Martin de Carmot Zeuge der Hinrichtung des letzten Großmeisters auf dem Scheiterhaufen. Die letzten Worte des mächtigen Mannes verfluchen den König und den Papst. Nun weiß Martin, dass er eine Mission hat, um diese Worte wahr werden zu lassen und das Geheimnis des Ordens für die Nachwelt zu sichern …

Die Gegenwart

Es ist ein großer Abend für die Stadt New York City: Das Metropolitan Museum hat eine Ausstellung wertvoller Stücke aus den Archiven des Vatikan organisiert und die Spitzen der Gesellschaft eingeladen. Selbstredend ist auch der Bürgermeister den roten Teppich hinaufgegangen, unter dem Blitzlichter der Fotografen und den neugierigen Kameras der Fernsehleute. Seine Frau sieht heute besonders betörend aus. Die Archäologin Tess Chaykin kommt sich neben diesem Glanz wie eine graue Maus vor. Sie will die Ausstellung mit ihrer Tochter Kim und Mutter Eileen besuchen, da sagt Kim, sie müsse mal. Tess’ Mutter bringt Kim zu den Toiletten.

Da wird der Ablauf der Eröffnungsfeier erheblich gestört. Vier Reiter in Gewandungen der Tempelritter tauchen aus dem Central Park auf. Zunächst meint man, es handle sich um einen Teil der Show. Wow, gar prächtige Ritter sind sie in ihren Kettenpanzern, polierten Helmen, den weißen Mänteln mit dem roten Kreuz darauf, und die Pferde haben sie ausgezeichnet in der Gewalt, obwohl die Menge jeden normalen Gaul durchgehen lassen würden.

Nur ein Sicherheitsmann bekommt Bedenken, als die Ritter die Treppe hochtraben. Sein Stoppsignal wird abrupt beendet, als einer der Ritter sein Schwert zieht, es hoch empor reckt – und ihm dann mit einem einzigen Hieb den Kopf abschlägt. Geschockter Stille folgt ohrenbetäubende Panik. Das Durcheinander nutzen die Ritter, um den Haupteingang zu erstürmen, bevor die Polizei anrückt. Mehr Chaos, mehr Tote.

Tess hat sich gerade über eine der Vitrinen gebeugt, als der Aufruhr sie aufsehen lässt. Vor den schwertschwingenden Rittern geht sie in Deckung, zumal diese nun auch noch Pistolen und Uzis ziehen und abfeuern. Die Vitrinen werden systematisch geplündert, Figuren gehen zu Bruch. Der vierte Ritter scheint das Kommando zu haben, denn er schießt nicht, sondern hat es nur auf eine einzige Vitrine abgesehen: die mit einem unscheinbaren Holzkästchen, aus dem kleine Tasten und Hebel herausragen. Es ist auf das 16. Jahrhundert datiert. Das findet Tess als Archäologin seltsam: Warum sollte sich ein Ordensritter aus dem 13. Jahrhundert für ein Artefakt des 16. Jahrhunderts interessieren? Und warum sagt er den lateinischen Leitspruch der Templer auf: „Veritas vos liberabit“ (die Wahrheit wird euch frei machen)?

Mit der Frau des Bürgermeisters als Geisel gelingt es den Raubrittern, der Polizei zu trotzen und unerkannt in den Central Park zu entkommen. Tess ist überglücklich, dass während des ganzen Aufruhrs ihre Tochter und ihre Mutter nicht zu Schaden gekommen sind. Kaum hat sie dem FBI ihre Zeugenaussage gegeben, darf sie verschwinden.

Die Jagd beginnt

Special Agent Sean Reilly, 38, arbeitet mit der New Yorker Polizei zusammen, um die Raubritter ausfindig zu machen. Am besten geht dies natürlich dergestalt, dass man die Ausstellungsstücke verfolgt, die sicher schon bald auftauchen werden. Und in der Tat taucht schon bald ein Mann mit hohen Spielschulden auf, der bei einem Antiquitätenhändler ein goldenes und juwelenbesetztes Kreuz loschlagen will. Der Händler alarmiert die Polizei, welche wiederum Reilly und sein Team einbezieht. Am nächsten Tag wartet auf den Dieb eine Falle. Leider stellt sich heraus, dass die Falle sehr schlecht getarnt ist …

Tess treibt das Rätsel des Kästchens um. Sie befragt ihren beim Überfall verwundeten Kollegen Clive und erhält den Hinweis, dass es sich offenbar um eine Rollenchiffriermaschine handelt, sozusagen die „Enigma“ des 16. Jahrhunderts. Wow, cool! Kryptografie – Tess ist fasziniert. Und verwirrt, denn angeblich sollen solche Maschinen erst um 1940 erfunden worden sein. Sie muss einen Experten befragen.

Unterdessen beugt sich ein alter Mann in einem schlecht beleuchteten Keller über das Kästchen und beginnt mit der schwierigen Arbeit, einen Brief aus dem 13. Jahrhundert zu dechiffrieren. Es werden sechs dicht beschriebene Seiten. Als Tess sie endlich – bei dem gesuchten Experten – zu Gesicht bekommt, weiß sie zunächst nicht, was sie davon halten soll. Doch die Umstände lassen ihr keine Zeit für Fragen. Schüsse fallen, und sie muss in den New Yorker Untergrund flüchten.

In Rom eilt Kardinal Mauro Brugnone heimlich in eines der zahllosen Archive des Vatikans und findet heraus, worum es sich bei der Rollenchiffriermaschine in Wahrheit handelt. 1291, der Fall von Akkon, die vermaledeiten Templer – nun tauchen sie wieder auf. Sie dürfen das Gerät auf keinen Fall einsetzen!

Der Kardinal schickt den Jesuiten Monsignore de Angelis nach New York, der sich der Ermittlergruppe um Sean Reilly anschließt. Dort wird sein fachlicher Rat sehr begrüßt. Doch wenn der richtige Moment gekommen ist, wird de Angelis sein wahres Gesicht zeigen …

Mein Eindruck

An der Struktur des Thrillers fällt der symmetrische und fein ausgetüftelte Aufbau auf. Der oben skizzierte Handlungsstrang, der aus dem Blickwinkel Martin de Carmots erzählt wird, wird nämlich keineswegs an einem Stück wiedergegeben, sondern lediglich häppchenweise. Je mehr Tess, die eigentliche Heldin des Buches, sich dem zentralen Geheimnis nähert, desto mehr erfahren wir über die schicksalhafte Reise Martins. Die Bewegung verläuft parallel. Sie deutet an, dass es solche Reisen zu allen Zeiten gegeben hat – das Vergangene ist lebendig. Der O-Titel besagt nicht, ob der „last templar“, der letzte Templer, ein Mann oder eine Frau ist …

Gen Osten

Schließlich reichen Tess ihre Entdeckungen, die sie in New York City gemacht hat, nicht mehr aus und sie muss nach Kleinasien reisen. Doch natürlich nicht nach Jerusalem oder Akkon, sondern dorthin, wo Martins Reise endete: in der heutigen Westtürkei, an der kleinasiatischen Küste. Es gab nämlich einen mittelalterlichen Geografen am Hofe des Königs von Sizilien, einen Araber namens al-Idrisi (der die Hauptfigur in einem weiteren kürzlich veröffentlichen Mystikthriller bildet). Er beschrieb die Reisewege der Kreuzfahrer sowie etliche Ortschaften in Kleinasien, z. B. jenes Dorf mit der Weide am Brunnen: Bir Safsaf.

Unter die Oberfläche

An jenen Ort also, wo das Grab von ROMITI liegt, führt Tess ihre Reise, allerdings in Begleitung von Reilly, den sie einfach nicht abschütteln kann. An dieser Station ihrer gemeinsamen Suche hält der Autor einige Überraschungen bereit, meistens ziemlich übler Art. Warum sollte das Geheimnis schließlich nur einem der insgesamt drei Sucher in die Hände fallen? Die nächste Station ist noch wesentlich gefährlicher: Bekanntlich liegt die Galionsfigur auf dem Grund des Meeres …

Der philosophische Kern

Doch wesentlich wichtiger als die gewohnten und routiniert ausgeführten dramaturgischen Tricks eines Thrillers à la „Sakrileg“ scheint mir die philosophische Tiefe des Romans zu sein. Es wird schon im Vorfeld des Finales mehrfach angedeutet, worin der „Schatz“ der Templer besteht. Es handelt sich weder um Gold noch Geschmeide, sondern um etwas viel Gefährlicheres: ein Buch.

Dieses Buch hatte der Mission der Templer im 13. Jahrhundert zu dienen, jener Mission, mit der sie scheiterten. Sie wollten die Weltreligionen der Christen, Juden und Muslime miteinander versöhnen. Und wäre es ihnen gelungen, so würde die Welt heute ganz anders aussehen – und wesentlich friedlicher, dürfte man annehmen. Es hätte keinen 11. September 2001 gegeben, keine Terroanschläge, keinen Irak- und keinen Afghanistankrieg.

Alle diese Schrecken werden im Roman angesprochen. Tess und Reilly diskutieren darüber, auch mit De Angelis und Vance. Diese beiden jedoch sind unversöhnliche Gegner: Vance bekämpft den Vatikan, u. a. mit dem Geheimnis der Templer, de Angelis will seine Herren mit allen Mitteln verteidigen – der Hass macht beide konservative Seiten unversöhnlich.

Die Bombe in der Hand

Unverhofft hält Tess, unsere selbständig denkende und handelnde Heldin, den Schlüssel in den Händen, der sowohl die Versöhnung der Weltreligionen als auch den Untergang der römisch-katholischen und griechisch- bzw. russisch-orthodoxen Kirchen zur Folge hätte. Was soll sie wählen? Wie soll sie mit einer solchen Verantwortung, ja, mit einer solchen Waffe umgehen? Sie ist lediglich Archäologin, keine Philosophin. Und kein Plato oder Sokrates in Sicht.

Was die männlichen Leser bzw. Hörer beruhigen dürfte: Sie fragt den wackeren Reilly, der knapp dem Tode entronnen ist. Es ist ein höchst interessanter Dialog. Sie wissen von Vance, dass es nicht bloß vier Evangelien gibt, sondern noch viele weitere, die man u. a. in Nag Hammadi fand: das von Thomas, von Philippus und schließlich sogar das von Judas. Sie alle belegen die Berechtigung der Gnosis, die besagt, dass man die Erkenntnis Gottes in sich selbst und ohne Vermittlung einer Kirche finden könne. Die Gnostiker wurden 323 n. Chr. durch das Konzil von Nizäa zu Häretikern erklärt, ihre Schriften weitgehend vernichtet. Also gibt es keine Augenzeugenberichte aus der Zeit des Jehoschua von Nazareth mehr. Oder vielleicht doch? Was wäre, wenn der Mann, den man später Jesus nannte, selbst ein Tagebuch geführt hätte?!

Warten oder Handeln?

Schon ein Fitzelchen dieses Jesus-Evangeliums könnte Reiche ins Wanken bringen. Das wird den beiden klar. Sie können nicht warten, bis Experten die Echtheit des Dokuments bestätigt haben. Es würde sofort unterdrückt werden. Denn jede der Weltreligionen würde alles daran setzen, diese Bedrohung ihres Fundaments zu beseitigen. Womöglich sogar die Mitwisser: Sean und Tess!

Zum Glück wird den beiden ihre schwere Entscheidung von den Kräften des Konservativismus abgenommen. Das könnte natürlich als eine bequeme Lösung für das Problem sowohl der beiden Helden als auch des Autors aufgefasst werden. Aber es ist die einzige Lösung, die die Welt bei dem belässt, was sie ist: ein Schauplatz für den „Kampf der Kulturen“.

Der Clou

Am Schluss steht die Verbrennung des Pariser Großmeisters der Templer. Martin de Carmot wird wie gesagt Zeuge des grausigen Geschehens. Doch mit einem der letzten Sätze deutet der Autors etwas Ungeheures an. Was machten die neun Gründungsritter des Templerordens neun Jahre lang in den Ruinen des Tempelberges zu Jerusalem? Es gab keine Feinde, die sie zu verjagen hatten und noch kaum Pilger, die sie zu beschützen hatten.

Der Autor deutet an, dass sie an einem Buch schrieben, welches die Welt in ihrem Sinne vereinen würde … Und wenn es einfache Ritter tun können, so können es die vier orthodoxen Evangelisten gleich zweimal, die ihre Storys zum Teil Jahrhunderte nach Jesu Tod verfassten – nicht auf Aramäisch, der Sprache des Jehoschua, sondern auf Griechisch! Ist die Geschichte also eine Fälschung?

Die Übersetzung

Die Übersetzung, die von nicht weniger als drei Fachkräften angefertigt wurde, kann ich als kompetent bezeichnen. Nur an einer Stelle stutzte ich. Wieso sollten die „Monitore“ in einem Krankenzimmer piepsen? Doch wenn es sich nicht um Fernseh-Monitore handelt, was könnte es denn sonst sein? Wenn man aber weiß, dass ein englischer „monitor“ auch ein beliebiges Überwachungsgerät, ja, sogar ein Mensch sein kann, so ergibt sich die Lösung des Rätsels: Es piepsen nicht Bildschirme, sondern die Geräte, die Clive Edmundsens Lebensfunktionen (Clive ist Tess’ verletzter Kollege, s.o.) überwachen. Hier – und nur hier – haben die Übersetzer nicht sauber gearbeitet.

Der Sprecher

Heikko Deutschmann hat schon mehrfach die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme unter Beweis gestellt, so etwa in „Reise im Mondlicht“ und [„Die Pendragon-Legende“ 2135 von Antal Szerb. Mit dieser Flexibilität fällt es ihm leicht, die einzelnen Figuren zu charakterisieren und unverwechselbar zu machen. Für die weiblichen Rollen hat er natürlich eine höhere Tonlage reserviert als für die männlichen. Erstaunlich ist es immer wieder, wie hoch seine Stimme dabei kommt. Dadurch fällt es dem Zuhörer leicht, Tess unter dem Haufen sie umgebender Männer auszumachen.

Und jede Menge männlicher Rollen gibt es durchaus. Das fängt schon damit an, dass die Tempelritter in der Eröffnungsszene unter sich sind. Der Großmeister röchelt, während er in den letzten Zügen liegt. Eine weiterer alter Mann hat eine ähnliche raue und heisere Stimme: Es ist William Vance, ebenfalls ein Archäologe, ein Experte für die Phönizier – und ein Mann, für den Tess einmal etwas empfunden hat, obwohl er wesentlich älter ist als sie.

Die maskulinste Stimme gehört selbstredend Tess’ „love interest“ Sean Reilly, dem fähigen FBI-Agenten, der ihr durch Dick und Dünn folgt und sie verteidigt. Seine Gegenspieler sind eindeutig sowohl Vance als auch de Angelis, der sich als Wolf im Schafspelz entpuppt. Aus de Angelis’ sanfter Redeweise wird die Stimme eines skrupellosen Mörders, eines Soldaten der Kirche.

Eine Stimme hat mir besonderen Spaß gemacht: die Reporterin, die am Anfang der ersten New-York-Szene von der Ausstellungseröffnung berichtet. Deutlich kommt ihr schnöseliges Getue zum Ausdruck, mit dem sie empathisch den Einzug des Bürgermeisters und seiner wunderschönen Gattin kommentiert, als handle es sich um den Einzug der Gladiatoren.

Über Musik und Geräusche verfügt diese Lesung nicht, so dass ich sie nicht weiter zu erwähnen brauche.

Unterm Strich

Das ganze – durchaus spannende und actionreiche – Brimborium der Thrillerhandlung à la „Sakrileg“ sollte den Leser bzw. Hörer nicht über die eigentliche Botschaft des Autors hinwegtäuschen. Er legt den Verdacht nahe, dass alle Evangelien Fälschungen sein könnten, die den Interessen der jeweiligen Kirche dienen. Und dass es obendrein jederzeit möglich sei, ein neues Evangelium zu schreiben oder „auszugraben“, das dem Glauben eine neue Richtung geben könnte.

Diese „neue“ Richtung haben laut Autor die Templer im 13. Jahrhundert vorgehabt: die Versöhnung der drei Weltreligionen des Christentums, des Judentums und des Islam. Dies ist der Kern des Buches, der heutzutage umso aktueller ist, je schärfer der „Kampf der Kulturen“ ausgetragen wird – überall auf der Welt, wo die drei Weltreligionen aufeinander treffen, sei es im Irak oder in Berlin-Kreuzberg.

Diese sehr begrüßenswerte Botschaft scheint mir jedoch durch eine Reihe von Lücken in der Abfolge der Ereignisse in Misskredit gebracht zu werden. Diese Lücken können jedoch sowohl auf das Konto der Kürzung des Hörbuchs gehen als auch auf meine Unaufmerksamkeit. Deshalb empfehle ich, die Buchvorlage genau und aufmerksam zu lesen, falls man an diesem philosophischen Kern des Buches interessiert ist. Alle anderen können sich an Spannung und Action gleichermaßen erfreuen, wenn sie das Buch lesen oder das Hörbuch hören.

Originaltitel: The Last Templar, 2005
Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg, Anja Schünemann und Ulrike Thiesmeyer
388 Minuten auf 5 CDs

Siehe auch unsere [Rezension 2138 zur Buchfassung|

http://www.der-audio-verlag.de/

Bram Stoker / Oliver Rohrbeck – Dracula (Hörspiel)

Blutsaugergrusel: Ideal als Geschenk zu Halloween

Im Jahr 1891 befindet sich das britische Weltreich auf dem Höhepunkt seiner Blüte. Doch Graf Dracula, der Fürst der Dunkelheit, verlegt seinen Wohnsitz nach London, um seine unstillbare Gier nach Blut zu befriedigen. Wird er das Imperium mit seiner untoten Brut zu Fall bringen? Doch nein. In einer dramatischen Jagd verfolgen der junge Dr. Seward und sein Lehrmeister Prof. van Helsing gemeinsam mit dem Anwalt Jonathan Harker und dessen Frau Mina den „Jäger der Nacht“ bis nach Transsylvanien, um seinem unheiligen Leben ein Ende zu bereiten.

Der Autor
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Fünf Freunde und die verdächtige Fahrradbotin (Folge 146)

Die Handlung:

Eigentlich wollten die Fünf Freunde nur eine große Porzellanvase transportieren! Bei einem Überholmanöver wird George von einer anderen Radfahrerin umgestoßen, die Vase zerschellt und die Schuldige entflieht. Grund genug sie zu suchen! Doch warum wird diese Radfahrerin am nächsten Tag bestohlen? Und wieso flieht sie auch jetzt? Trotz aller Schwierigkeiten bleiben die Freunde ihr beharrlich auf der Spur und stoßen dabei auf einen höchst gefährlichen Betrug. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Klappentext lässt schon wundern, warum die Freunde (mit Hund) eine Vase nicht so sichern und polstern, dass sie gesichert und gepolstert auch vom Gepäckträger fallen kann und nicht zerstört wird. Wie wird das denn wohl erklärt werden?

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Francis Marion Crawford – Das Lächeln des Toten (Gruselkabinett Folge 176)

Teuflisches Spiel mit der Liebe

England, 1911: Auf dem Totenbett verwehrt der alte Sir Hugh Ockram seinem Sohn Gabriel und seiner Nichte Evelyn den Segen für ihre Heiratsabsichten, verweigert aber mit einem diabolischen Lächeln auf den Lippen die Begründung. Gabriel befürchtet eine alte Erblast auf der Familie, die mit merkwürdigen Bestattungsriten und grinsenden Totenschädeln einhergeht. Eines Nachts schwebt eine blasse, seltsam lächelnde Frau vor dem Fenster, die Evelyn zum Verwechseln ähnlich sieht … (Verlagsinfo)

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Hermann Hesse – Siddharta (Lesung)

Heute hängen Millionen Menschen der Religion des Buddhismus an. Sie glauben an die Lehre des Buddha, des Erleuchteten. Doch den Menschen, den man den Buddha nennt, hat es einmal wirklich gegeben: den Brahmanensohn Siddharta. Dies ist seine fiktive Lebensgeschichte.

Das Buch

Siddharta“ entstand in den Jahren nach Hesses Indienreise 1911, die vier Monate dauerte, und erschien erstmals im „Ulysses“-Jahr 1922. Es hatte bis 2005 eine weltweite Auflage von 2,5 Mio. Exemplaren in 42 Sprachen erreicht – eines der erfolgreichsten deutschen Bücher überhaupt. Das Hörbuch gibt das Buch komplett, also ungekürzt wieder.

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E.A. Poe & Marc Gruppe – Der Rabe (Gruselkabinett Folge 139)

Poe-Klassiker: Feindliche Seelen-Übernahme

1843 am Rhein: Auf einer Reise lernt ein Engländer in einer alten Stadt am Rhein die äußerst faszinierende Dichterin Lady Ligeia kennen und lieben. Sie arbeitet gerade an einem Werk, welchem sie den Titel „Der Rabe“ gegeben hat… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren. Die Reihe wurde mit dem HörKules ausgezeichnet.

Der Autor

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John Sinclair – Eisherz (Folge 150)

Die Handlung:

Jane Collins bekommt ein neues Herz eingepflanzt! Das war eine großartige Nachricht, aber auch der Auftakt zu einem Albtraum. Denn in der Stunde, als Jane und ich am verwundbarsten waren, hetzten die Dämonen uns ihre mörderischsten Helfer auf den Hals – darunter den Gnom mit den sieben Leben! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Da die 150 eine Jubiläumsnummer ist, gibts diesmal vom Verlag die Verhörspielung von gleich drei Heftromanen. „Satans Trucker“ (Nr. 361, 03.06.1985), „Der Zombie-Apache“ (Nr. 362, 10.06.1985) und „Der Gnom mit den sieben Leben“ (Nr. 363, 17.06.1985), die allesamt damals am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen waren.

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Perry Rhodan – Der Kartanin-Konflikt (Silber Edition 155)

Die Handlung:

Die Raumschiffe der Kosmischen Hanse sind nicht nur in der Milchstraße unterwegs, sondern auch in benachbarten Sterneninseln. In der fernen Galaxis Fornax ernten sie Paratau; diesen mysteriösen Stoff findet man sonst nirgends. Die katzenartigen Kartanin haben in Fornax ebenfalls Interesse am Paratau, und es entwickelt sich ein Konflikt. Dann mischt sich Stalker ein, der Bote einer sogenannten Superintelligenz – wieder einmal erweist er sich als Meister der Intrige … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wir sind zwar schon länger nicht mehr im Zyklus der „Kosmischen Hanse“, dennoch gehts mit galaktischem Handel los. Für das eine Universum ist es das „Spice“, hier heißt das Zeug, das jeder will, „Paratau“ und wird in Tropfen verkauft. Oder getauscht, gegen coole Teleportationstechnik, denn die wird grad angeboten und soll auf Arkon zum Einsatz kommen.

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Die drei !!! – #Falscher Ruhm (Folge 76)

Die Handlung:

Es beginnt mit gemeinen Kommentaren unter den Videos der erfolgreichen Video-Bloggerin ‚Supergirl‘ – und dann reißen die Angriffe auf Lena, wie sie im wirklichen Leben heißt, nicht ab. Wer gönnt ihr den Erfolg nicht? Zum Glück findet Lena in ihrer Community Rückhalt – und die Zahl der Klicks und Follower steigt stetig an. Die drei !!! wollen herausfinden, wer hinter den gemeinen Angriffen steckt. Aber irgendetwas stimmt hier nicht … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nach dem Lesen des Klappentexts hatte ich als Erstes den Gedanken, dass „Supergirl“ das Ganze auch aufgezogen haben kann, um mehr Subs, Likes und Spenden zu generieren. Aber, wenn sie schon berühmt ist, dann hätte sie das ja eigentlich nicht nötig. Zumal, wenns auffliegt, kann sie sich eine andere Geldquelle suchen.

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Charles Dickens – Der Streckenwärter (Gruselkabinett 128)

Der Geist am Eingang des Tunnels

Das Leben eines Streckenwärters im viktorianischen England war hart, entbehrungsreich und einsam. Die Verantwortung, die diesen Männern übertragen wurde, war jedoch sehr groß. Aber erklärt das wirklich, warum sich der Streckenwärter dieser Geschichte von einer grauenhaften Erscheinung heimgesucht fühlt…? (Verlagsinfo)
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Manfred Weinland / Simon X. Rost / Florian Fickel – Vampira: Die Blutbibel (Folge 6)

Vampira als Indy: Abenteuer in Nepals Tempeln

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

„Lilith starrt in die Augen der Wesen, Augen, die sie hypnotisieren. Die beiden Hybriden erheben sich in die Luft und stoßen dann auf sie herab. Sie kann nicht verhindern, dass eines der Mischwesen sich mit spitzen Krallen in sie bohrt …“ (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Autor
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Die drei ??? Kids – Falscher Alarm (Folge 85)

Die Handlung:

Kommissar Reynolds wird mit falschen Funksprüchen zu angeblichen Tatorten gerufen. Sogar der Schrottplatz soll überfallen worden sein. Die drei Detektive begeben sich auf eine abenteuerliche Spurensuche. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der arme Kommissar Reynolds. Steht seit gefühlt 42 Jahren „kurz vor der Pensionierung“ und jetzt jagt ihn jemand durch die Gegend … und das auch noch ohne Erfolgserlebnis für den Officer. Ob das wohl ein Ganove ist, den der Kommissar mal hinter Gittern gebracht hat und der sich jetzt rächen will? Na, ich glaube nicht, denn die würden sich bestimmt ganz andere Sachen ausdenken.

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Manfred Weinland / Simon X. Rost / Florian Fickel – Vampira: Niemandes Freund (Folge 5)

Nicht die Anna-Nicole-Smith-Gedächtnis-Episode!

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

„Anne Smith liegt mit aufgerissenen Augen in einer verlassenen Seitengasse, als Landru ihre Adern öffnet. Er braucht sie nicht einmal zu berühren, um Zugriff auf ihren kostbaren Saft zu erlangen. Wie schon einmal, erschafft er mittels Magie das Replikat eines lilienförmigen Kelchs, in welchen Annes Blut pulst. Bis ihre Gefäße leer sind …“ (abgewandelte Verlagsinfo) Ob die Ähnlichkeit zum Namen von Anna Nicole Smith gewollt ist, sei jedem zur Spekulation überlassen. Immerhin heißt die Episode Nr. 5 nicht „Anna-Nicole-Smith-Gedächtnis-Episode“ …

Der Autor
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Wolfsmehl – Königshaut (Hörspiel)

Das musikreiche Hörspiel „Königshaut“ ist ein Gegenstück zum „Jedermann“, in dem die Zeit, und nicht der Tod, die Hauptrolle spielt. Es ist aber auch eine phantastische Zeitreise in die umgekehrte Richtung – ein Märchen für Erwachsene.

Der Autor

Wolfsmehl, geboren 1960, wuchs auf Schloss Fronberg im Oberpfälzischen auf und schrieb Lyrik, Romane, Satire und Theaterstücke. 2004 wurde ihm der Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbundes für Dichtung zuerkannt. Zusammen mit Sabine Goller führte er auch Regie bei diesem Hörspiel.

Die Sprecher und ihre Rollen

Walter Schmidinger: König, Königshaut
Klaus Maria Brandauer: Die ZEIT
Isabella Grothe: die Königin
Konrad Halver: Erzähler
Rolf Jülich: Bauer, Vater von Allegra
Uli Krohm: Hauptmann
Miriam Maertens: Allegra
Helmut Markwort: Räuber
Dietmar Mues: Narr
Ursula Pages: Wahrsagerin
Jan Hendrik Richter: Prinz, Allegras & Königshauts Sohn

Hier sind also einige namhafte Schauspieler versammelt. Etwas erstaunlich ist der Auftritt von Helmut Markwort, einem Journalisten.

Musik und Lieder

Die Musik sowie die zahlreichen Songs komponierte Hans Kraus-Hübner. Sechs Musiker setzten sie um. Den Gesang zu dem Lied „Ein Stern“ steuerte Bhawani Moennsad bei.

Handlung

Die ZEIT tritt auf: „Im Osten bin ich losgegangen. Nach Westen treibt mich mein Verlagen. Norden und Süden durchquerte ich, verpasse der Welt ein zeitliches Gerüst. Und niemals bleib‘ ich dabei stehn, doch ist es hier und heut‘ geschehn.“

Die ZEIT besucht den jungen König, der sich zu einem Despoten entwickelt hat. Der ZEIT hält er Macht und Stärke entgegen, doch die ZEIT zeigt ihm, dass Alter und Gram Furcht erregende Gegner sein können. Ein Blick über die Mauer zeigt dem König lediglich Gräber. Um ihre Macht zu demonstrieren, belegt die ZEIT den König mit einem Bann. Worin dieser besteht, wird erst allmählich klar.

Seine Gattin, die noch ziemlich knackig sein muss, zeigt sich besorgt über den körperlichen Zustand ihres Mannes, der plötzlich zum Greis geworden ist, und will ihm die Ärzte schicken. Doch ihm steht der Sinn nach handfesteren Dingen: Er weiß, dass sie ihn mit dem Narren betrogen hat. Die Königin fürchtet um ihr Leben und das ihres Geliebten und verleumdet ihn bei seinen Männern. Diese verkennen den alt gewordenen König und verhaften den „Thronräuber“. Obwohl er beteuert, dass die Königin lüge, lassen sie ihn ans Kreuz schlagen. Dort hängt er neben seinem Nebenbuhler, dem Narren.

Die neue Herrscherin ruft zum Krieg auf. Sie hat ihre Rache dafür vollendet, dass er ihren Geliebten ans Kreuz hat schlagen lassen. Als Gnadenbezeigung lässt sie den Alten in die Gosse werfen, während sie ihren Geliebten zu heiraten gedenkt.

Die ZEIT mahnt den Alten, nicht aufzugeben. Auch eine Wahrsagerin prophezeit ihm eine Zukunft. „Nur Mut! Krieche weiter!“ Ein Räuber singt über das sprichwörtliche letzte Hemd und verflucht den Alten als erbärmlichen Bettler, der doch glatt die Frechheit besitzt zu behaupten, der König zu sein. Offenbar ist er auf einmal jünger geworden! Jahre vergehen, bis er in der Mitte des Lebens angelangt ist.

Hälfte des Lebens: Sonnenschein

Das Bauernmädchen Allegra singt von Liebessehnsucht, als ein Mann auftaucht und auf dem Hof ihres Vaters Arbeit als Knecht sucht. Er stellt sich mit einem ellenlangen Namen vor, den sich kein normaler Mensch merken kann, daher nennt ihn Allegra kurzerhand „Königshaut“. Er und Allegra werden zunächst Freunde, dann ein Liebespaar und sie schenkt ihm einen Knaben, den sie einfach „Prinz“ nennen. Man hört, wie ein Kleinkind eine Uhr aufzieht. Jahre vergehen, und die Familie ist glücklich, nachdem Königshaut den Hof geerbt hat.

Doch eines Tages wird ein Spion der grausamen Königin auf die Familie aufmerksam. In einem Streit sterben sowohl der Spion als auch Allegra, und der Bauernhof geht verloren. Er muss mit Prinz auf die Straße und sich dort als Tagelöhner durchschlagen. Während Prinz abenteuerlustiger wird, empört sich Königshaut immer mehr über die Zustände in seinem früheren Königreich, das sie nun betreten haben. Prinz will das Reich der „Großen Spinne“ brennen sehen, sobald er die Wahrheit darüber erfahren hat, wie seine Mutter ermordet wurde. Diese Worte jedoch vernimmt ein weiterer Spion, der die beiden Männer verhaften und in den Kerker werfen lässt.

Ironischerweise trifft Königshaut hier seinen früheren und wirklich alt gewordenen Nebenbuhler wieder, den Narren. Er liegt in Ketten, genau wie seine neuen Gefährten, und beklagt, dass er zwar König geworden war, aber quasi nur für einen Tag. Denn er zeugte der Königin keinen Thronfolger, und so wandte sie sich nach ein paar Jahren einem Jüngeren zu. Sie ließ den Narren blenden und einsperren. Dass Königshaut der frühere König gewesen sei, kann er angesichts der jünglingshaften Stimme nicht glauben.

Da erscheint eines Tages die Königin zu Besuch im Kerker. Da das Volk aufrührerisch geworden sei, seit der sehr beliebte Narr fehle, wolle sie ihn zurückhaben. Dumme Sache: Der besagte Herr hat bereits den Löffel abgegeben. Na schön, kriegt er eben ein Staatsbegräbnis, was soll’s. Sie bietet Königshaut und Prinz die Freiheit, wenn er, Königshaut, bereit sei, die Rolle des Narren zu spielen, um das Volk zu beruhigen. Also macht sie ein „Angebot, das er nicht ablehnen kann“: Sie droht, Prinz zu kreuzigen. Okay, überredet.

Später bittet sie Königshaut, ihr Gemahl zu werden und bereitet die Krönung vor. Prinz, der Thronfolger werden soll, wünscht jedoch etwas ganz anderes: die Freiheit nämlich. Sein Vater zeigt ihm einen Geheimgang, durch den er entkommt. Danach zählt Königshaut die Stunden, bis die Königin ihn holen kommt, um ihn zu krönen. Wird er den Fluch von Hass und Verrat durchbrechen?

Da tritt die ZEIT wieder auf. Diesmal nennt sie sich anders: TOD.

Mein Eindruck

Bei diesem besonders musikorientierten Hörspiel möchte ich mich vor allem auf die Sprecher und die Musik konzentrieren. Deshalb wird dieser Abschnitt hier vergleichsweise kurz ausfallen.

Instant Karma

Der Aufbau der Handlung gleicht einem Kreis, ist aber in Wahrheit eine Spirale. Denn wenn der König wieder in seinen Palast, aus dem er verstoßen worden war, zurückkehrt, dann nicht in den Thronsaal, sondern in den Kerker. Und es handelt sich keineswegs um den gleichen König, was seine Weisheit anbelangt. Anfangs war er ein unwissender Despot, nun ist er ein weiser alter Mann in einem jungen Körper. Würde die ZEIT ihm einen weiteren Zyklus, ein weiteres Karma sozusagen, gönnen, so würde dabei wieder nur eine Spirale daraus. Doch all dies gehört zum „Rad der Zeit“, das des Öfteren beschworen wird.

Leben im Rückwärtsgang

Der Fluch der ZEIT, mit dem sie des Königs Schicksal aus sämtlichen Bahnen wirft, erweist sich nicht als so deprimierend, wie der Zuhörer anfangs befürchtet. Es sieht zwar lange so aus, als ob dieser zweite King Lear alsbald den Löffel abgeben würde, doch so wie der rückwärts in der Zeit lebende Zauberer Merlin (bei T. H. White) auch eine Geliebte (je nach Legende heißt sie Viviane oder Nimue) findet, so wird auch dem jung gewordenen Königshaut die Gnade der Liebe zuteil, in Gestalt der Allegra.

Gnade der Liebe

Sie ist keineswegs eine „Buhle“ wie im „Jedermann“, sondern eine reine Seele, die sich gerne mit Königshaut zusammentut. Allerdings wird nicht thematisiert, wenn ich mich recht entsinne, dass sie sich über seine fortschreitende Verjüngung wundert. Immerhin sind sie ein paar Jährchen zusammen, bis der junge „Prinz“ groß genug ist, um mit seinem Vater auf Wanderschaft zu gehen. Auch der Tod Allegras wird viel zu kurz zur Sprache gebracht, finde ich, gerade so, als ob eine lästige Wendung der Handlung schnell bewältigt werden müsse. Dabei hatte Allegra doch mit ihrem hoffnungsvollen Stern-Lied sämtliche Sympathien des Hörers auf sich ziehen können. Ein ziemlich schnödes Abservieren seitens des Autors.

Die Rache des Narren

Sehr ironisch ist dann jedoch wieder die Begegnung mit seinem Nebenbuhler, dem Narren. Dieser abgelegte Lover der Queen fristet nun im Kerker seine letzten Tage, und da er von ihr buchstäblich und metaphorisch geblendet wurde, kann er auch nicht erkennen, wen ihm nun das Schicksal wieder in seine Zelle geworfen hat: seinen einstigen Rivalen nämlich. Sie haben einander einiges zu sagen über die Gunst von Königinnen und die Vergänglichkeit der Liebe.

Geradezu zynisch wird die Angelegenheit, als der einstige Lover im Interesse der Macht noch einmal wiederauferstehen soll, um das Volk zu beruhigen, das unter den Kriegen der Königin Hunger leidet. Das erinnert an das Finale von „El Cid“, als die Spanier dessen Leiche aufs Pferd binden, damit er die Truppen gegen die Mauren anführe. Allerdings macht der Narr eben keine heroische Figur dabei, sondern eben eine närrische – wie könnte es anders sein. Aber dazu kommt es ja nicht, denn der Narr hat seine Schuldigkeit getan und gibt den Löffel vorzeitig ab, sicher zum Verdruss der Königin – seine letzte posthume Rache sozusagen für die Behandlung, die sie ihm zuteil werden ließ. Es gibt also poetische Gerechtigkeit.

|Märchen oder Fantasy?|

Warum wird eigentlich nicht die Königin eines Besseren belehrt? Nun ja, das wäre doch etwas abgedroschen gewesen. Schließlich haben das ja schon die alten Griechen zur Genüge besorgt. Arachne wurde in eine Spinne verwandelt, Niobe wurde mitsamt ihren Kindern gestraft und viele weitere Frauen bekamen von diversen Göttinen (meistens von Jupiters Göttergattin Hera/Juno) eins aufs Haupt. Diese Variante wäre also gezwungen, eine der alten Sagen zu wiederholen, was doch etwas witzlos wäre.

Stattdessen bekommen wir mit „Königshaut“ die Story von Shakespeares King Lear und T. H. Whites Merlin im Doppelpack, angereichert mit einem ganz eigenen Schluss. Dies ist übrigens keine Fantasy, denn in der Fantasy – jedenfalls nach Tolkien – treten keine Allegorien auf: Verkörperungen abstrakter Begriffe wie Zeit. Eine Ausnahme bildet jedoch TOD. Er hat eine wichtige und nicht mehr wegzudenkende Hauptrolle in vielen der parodistischen Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett – und spricht stets in GROSSBUCHSTABEN. Außer Pratchett traut sich niemand, Allegorien auftreten zu lassen. Das macht „Königshaut“ zu einem modernen Kunstmärchen.

Die Sprecher & die Inszenierung

Ich muss zugeben, dass ich große Probleme hatte, Walter Schmidingers tiefe, alte, raue Stimme zunächst mit einem jungen König zu verbinden. Das hat mich völlig aus dem Konzept gebracht und ich musste diese Passage noch einmal hören, um schlau daraus zu werden. Aber auch die Königin ist keine junge Hüpferin, sondern klingt schon etwas reifer, sagen wir mal, um die vierzig. Das haut aber ebenfalls nicht hin, denn vom Konzept her ist ihre Figur zwischen 20 und 25 Jahren alt. Das passt auch besser zum Rest der Entwicklung ihrer Figur.

Die ZEIT wird von Klaus Maria Brandauer gewohnt ironisch gesprochen und fand bei mir sehr viel Anklang, selbst dann, wenn Brandauer mal singt. Dann wieder tiefste Verwirrung, als Helmut Markwort, der ehemalige Chefredakteur des Nachrichtenmagazins FOCUS, anfängt, ein Lied zu schmettern und ich ihn deshalb für einen Bänkelsänger halte. Ist er aber mitnichten, sondern er stellt einen Räuber dar.

Alle anderen Darsteller passen gut zu den jeweiligen Figuren, sei es nun die junge Allegra, der junge Prinz oder der alte Bauer Sepp, Allegras Vater. Gewöhnungsbedürftig dann wieder die Figur des Narren: Wenn er (am Anfang) jung ist und neben dem König am Kreuz hängt, hat er dieselbe Stimme wie im Kerker, an seinem Lebensende nach etlichen Jahren. Natürlich wäre es etwas schwierig gewesen, seinen Sprecher Dietmar Mues mal ruckzuck auszutauschen, denn das hätte den Hörer vielleicht noch mehr verwirrt.

Musik und Songs

Sehr gut fand ich hingegen, dass zumindest eine Figur eine Erkennungsmelodie vorweisen kann: Das ist die Königin. Stets verblüffte mich das Tempo ihrer Erkennungsmelodie, die mindestens aus Achtel- und Sechzehntelnoten besteht und ganz schön flott daherkommt.

Der Großteil der Songs beschäftigt sich auf nachdenkliche oder auch ironische Weise mit aktuellen Themen, wie etwa den verschiedenen Aspekten der Zeit. Bei den Songs handelt es sich nicht um Moritaten, denn diese würden jeweils eine moralisch lehrreiche Erzählung beinhalten. Doch hier sind es einfach sehr schön komponierte Lieder, deren Herkunft man eher aus der Ecke Brecht/Weill („Dreigroschenoper“) vermuten würde.

Einzige Ausnahme davon ist die sehnsüchtige Liebesballade der Allegra. Sie singt von „einem Stern“, dem all ihre Träume und Wünsche gelten. Diese Ballade würde in jedes Musical passen.

Apropos Musical: Für ein modernes Musical fehlt „Königshaut“ erstens die richtige Thematik und zweitens der Glamour. Zeit / Lebenszeit – das ist eine wohl zu abstrakte Materie, um sie in ein Musical zu packen. Und der Glamour stellt sich schon deswegen nicht ein, weil Story und Musik dem entgegenstehen. Brecht/Weill haben ja auch kein Liebeslied für Mäckie Messer geschrieben, sondern stattdessen von einem „Haifisch“ erzählt. Dennoch fehlt am Schluss auch der obligatorische Rausschmeißer nicht, ein fetziger Song für das gesamte Ensemble, bei dem jeder Zuhörer mitsingen darf.

Will also „Königshaut“ unterhalten oder belehren? Es will beides: unterhaltende Belehrung – oder zumindest Erkenntnis. Schließlich handelt es sich um ein Märchen, und der Zweck von Märchen ist, so unterhaltsam sie auch daherkommen mögen, stets auch etwas belehrend. Mal warnen sie, mal loben sie Tugenden. Und Königshaut zeigt, was passieren könnte, wenn …

Unterm Strich

Die Vorlage für das Hörspiel ist eine durchdachte Kombination verschiedener Vorbilder, die eine große Wirkung auf den Leser/Hörer auszuüben vermag. Die Umsetzung im Hörspiel jedoch weist mehrere Ecken und Kanten auf, die das Stück nicht einfach aufzunehmen machen. In erster Linie sind dafür die Stimmen der Sprecher verantwortlich. Ich finde, hier hätte man subtiler und verständnisorientiert besetzen müssen.

Die Songs haben mir gut gefallen, obwohl sie zur Handlung nichts beitragen, sondern lediglich eine Metaebene des Verständnisses bilden: Was eben die Figuren über das Thema Zeit usw. denken und empfinden. Es gibt mehrere Motive wie die Erkennungsmelodie der Königin, und Songs wie den von Allegra, die mir sehr gut gefallen haben. Die meisten Lieder stehen in der Tradition von Brecht/Weill und vielleicht Georg Kreisler („Gehma Tauben vergiften im Park“). Auf einer Bühne dürften sie ihre volle Wirkung entfalten.

„Königshaut“ ist ein Märchen für Erwachsene. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder und Jugendliche mit den harten Realitäten, die hier verhandelt werden (Ehebruch, Krieg, Kreuzigung, Raub und Mord) etwas anfangen können. Spaß bereitet das Zuhören wohl erst nach mehrmaligem Anhören.

|84 Minuten auf 2 CDs
Hörbuch Hamburg|

Manfred Weinland / Florian Fickel – Vampira: Landrus Ankunft (Folge 04)

Vampira als Freundin und Moralpolizei

Vampire! Sie hatten hier gewartet. Sie hatten Duncan hierher gelockt und schnell reagiert, verflucht schnell. Duncan hatte ihnen mit dem Anruf bei seinen Eltern einen Gefallen getan. Genau wie Lilith hatte er das wahre Ausmaß der Gefahr unterschätzt. Wie naiv von ihm … (abgewandelte Verlagsinfo) Sexy Vampira erprobt ihre Kräfte, erfährt alles über ihre Herkunft und zeigt den Vampiren, wo der Hammer hängt. Das Mystery-Hörspiel wird vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen.

Der Autor
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Manfred Weinland / Florian Fickel – Vampira: Besessen (Folge 3)

Sozialdarwinismus auf sexy Beinen

Pater Lorrimer hat Angst. Denn das Böse kann ihn schwankend in seinem Glauben werden lassen. Und Pater Lorrimer ist noch nie einer Frau mit dieser Ausstrahlung begegnet … (abgewandelte Verlagsinfo) Sexy Vampira erprobt ihre Kräfte, erfährt alles über ihre Herkunft und zeigt den Vampiren, wo der Hammer hängt. Das Mystery-Hörspiel wird vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen.

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TKKG junior – Verschollen im Stollen (Folge 19)

Die Handlung:

Ein Flugzeug wirft eines Nachts hinter dem Internat eine mysteriöse Kiste ab. Gleich am nächsten Tag untersuchen TKKG die Abwurfstelle, doch von der Kiste ist nur noch ein ziemlicher großer Abdruck zurückgeblieben. Eine heiße Spur führt TKKG ins Salamander-Tal. In einer Höhle im dortigen Steinbruch scheint des Rätsels Lösung zu liegen. Tief im Stollen kommt es zu einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd und plötzlich bebt auch noch die Erde … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, der Titel ist reimtechnisch echt der Brüller .. da fällt mir noch eine Abwandlung ein. Wie wäre es mit: „Verschollen mit Stollen – Alarm, Klößchen ist verschwunden!“?

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Die drei ??? – Der Fluch der Medusa (Folge 213)

Die Handlung:

Ein Brief mit einer unverständlichen Abfolge von Buchstaben und Zahlen – Jojo weiß mit dieser kryptischen Botschaft nichts anzufangen. Dabei möchte er doch unbedingt herausfinden, wo sein Vater ist. Der bekannte Enthüllungsjournalist ist auf einer Recherchereise verschwunden. Die drei ??? geraten in eine verzwickte Rätseljagd. War der Journalist einem Politskandal auf der Spur? Und werden die drei Detektive ihn finden, bevor seine Gegner es tun? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ein Polit-Skandal? Na, da bin ich ja mal gespannt, wie der Autor das für die jüngsten unter den Fans aufbereitet hat. Politik finde ich ja schon extrem öde. Aber, die Aussicht auf eine „Rätseljagd“ … bei der man offenbar Rätsel jagen und nicht lösen muss, sonst würde es ja „Lösungsjagd“ heißen, hat mich schon interessiert.

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Perry Rhodan – Nostalgiebox (Folgen 1-12)

Die Handlung:

Nachdem der Astronaut Perry Rhodan mit seiner Stardust auf Außerirdische gestoßen ist, schließen sich die zerstrittenen Staaten der Erde zusammen. Die Menschen – oder Terraner, wie sie sich nennen – erkennen, dass sie nur ein Volk unter vielen im vor Leben überquellenden Universum sind. Sie folgen der Vision Perry Rhodans von einer geeinten Menschheit, der der Kosmos offensteht. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Die Heftromanserie PERRY RHODAN feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. So alt sind die Vertonungen der Abenteuer des (relativ) Unsterblichen zwar noch nicht, aber das Label der ersten Rhodan-Hörspielreihe haut dennoch einen raus.

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Manfred Weinland / Florian Fickel – Vampira. Der Moloch (Folge 2)

Zieht Vampiren die Zähne: Supergirl mit Superkleid

Sexy Vampira erprobt ihre Kräfte, erfährt alles über ihre Herkunft und zeigt den Vampiren, wo der Hammer hängt. Derweil tappt die Polizei im Dunkeln, und einen Parapsychologen wird das Gruseln gelehrt. Das Mystery-Hörspiel wird vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen.

Der Autor

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