Ob es Zufall ist, dass der Serienheld von Lynn Brittney Fox – zu deutsch ‚Fuchs‘ – mit Nachnamen heißt? Schließlich sagt man dem Fuchs List und Schläue nach. Diese Eigenschaften kann Nathan Fox gebrauchen, denn er arbeitet als Spion für Königin Elisabeth I.
Eigentlich ist der Dreizehnjährige Mitglied einer Schauspieltruppe, doch eines Tages bekommt er Besuch von zwei hohen Herren: Sir Francis Walsingham, dem Leiter des englischen Geheimdienstes, und John Pearce, seinem wichtigsten Mann. Die beiden haben das Talent des Schauspielers, der auch einige artistische Kunststücke beherrscht, entdeckt und wollen ihn nun zu ihresgleichen machen, einem Spion.
Nathan, der ohne Eltern aufgewachsen ist, ist zunächst skeptisch, doch dann stimmt er zu. Dieses Abenteuer will er sich nicht entgehen lassen! Nach aufreibenden Übungsstunden geht es auch schon auf die erste Mission: Zusammen mit John Pearce soll Nathan nach Venedig segeln, um den Dogen davon zu überzeugen, mit England gegen Spanien zu kämpfen. Doch der Doge lässt sich nicht so einfach überreden. Seine Bedingung ist, dass John Pearce und Nathan Fox vorher das umkämpfte Zypern für ihn einnehmen. Doch das erweist sich als problematisch. Als John Pearce anstelle des zwielichtigen Jagos einen hohen Posten erhält, setzt dieser alles daran, um den Spion in Schwierigkeiten zu bringen. Nathan muss all seine Fähigkeiten darauf verwenden, Jago auf die Schliche zu kommen und großes Unglück abzuwenden …
„Nathan Fox – Im Auftrag des Königs“ ist ein anschaulich geschriebenes, spannendes Jugendbuch, das im elisabethanischen Zeitalter spielt. Dieser historische Hintergrund ist sehr interessant und wird anschaulich und vor allem sehr verständlich dargestellt. Ein Glossar am Ende des Buches erläutert wichtige Begriffe, während auch innerhalb der eigentlichen Geschichte immer wieder bestimmte historische Gegebenheiten des Alltags erklärt werden. Die Autorin hat gut recherchiert und ihre Ergebnisse jugendgerecht aufgearbeitet, sie aber zusätzlich so gestaltet, dass auch ein Erwachsener Freude daran hat und Neues entdecken kann.
Die Handlung erweist sich als sauber konstruiert, auch wenn sie am Anfang ein kleines Wagnis eingeht. Brittney erzählt in mehreren Kapiteln, wie Nathan bei Meister Robey zum Spion ausgebildet wird. Das ist insofern mutig, da es die eigentliche Geschichte hinauszögert. Brittney rafft Nathans Lehrzeit aber stark und berichtet von ihr mit interessanten Details, so dass sie nicht langweilig wird und genug Raum für die eigentliche Geschichte bleibt. Dennoch erweist sich die Handlung an einigen Stellen als etwas zu lang. Die Ränke und Intrigen, denen John und Nathan ausgesetzt sind, sind manchmal ein wenig zu verzwickt und nicht actionreich genug, um spannend zu bleiben. Das zögert die Handlung ein wenig hinaus, aber aufgrund der liebevollen und detailreichen Erzählweise sieht man darüber gern hinweg.
Die Hauptfigur Nathan Fox ist wie geschaffen für den Job des Spions. Er ist ein einfacher Junge mit großer Intelligenz und Mut. Jugendliche können sich sicherlich gut mit ihm identifizieren und bei seinen Abenteuern mitfiebern. Bei den anderen Charakteren verhält es sich ähnlich. Sie sind interessant und originell und passen in die historische Zeit, in welcher der Roman spielt. Negativ anzumerken ist höchstens die leichte Schwarz-Weiß-Zeichnung des Ensembles: Die Bösen werden als böse und die Guten als gut dargestellt. Nun leben die Bücher für jüngere Leser ja häufig gerade davon, dass sich einfache Identifikationsbilder festmachen lassen, aber es wäre doch schön gewesen, wenn Brittney dies umgangen hätte.
Der Schreibstil kann sich dafür sehen lassen. Einfach, wortreich und mit vielen Einzelheiten angereichert, erzählt Lynn Brittney die Abenteuer von Nathan Fox. Sie legt ein flottes Erzähltempo vor und hält sich nicht mit ellenlangen Beschreibungen auf. Wenn sie etwas erklären möchte, tut sie dies in wenigen und knappen, aber dennoch verständlichen Sätzen.
„Nathan Fox – Im Auftrag Ihrer Majestät“ ist ein interessantes, sehr klug erzähltes Jugendbuch aus dem elisabethanischen Zeitalter. Die Handlung kann zwar nicht immer überzeugen, aber die sympathische Hauptfigur und der Hintergrund der Reihe – nämlich Nathans Job als Spion – versprechen weitere, vielleicht spannendere Bücher.
|Aus dem Englischen von Frank Böhmert
304 Seiten, gebunden
Empfohlen ab 12 Jahren|
http://www.oetinger.de
Vielleicht liegt es ja wirklich in der Familie, das Schriftstellerdasein. Johanna Driest ist die Tochter von Burkhard Driest, der unter anderem auch Romane und Drehbücher geschrieben hat. Ihre ersten Schreibversuche veröffentlichte die damals Fünfzehnjährige mit „Crazy for Love“ im Jahr 2005. Drei Jahre später ist die damalige Protagonistin Mona immer noch aktuell. Mittlerweile sechzehn Jahre alt, lernt Mona in „Das Blaue vom Himmel“ weitere Hoch- und Tiefpunkte des Teenagerdaseins kennen.
In der bereits 2006 gestarteten Bilderbuchreihe „… im Einsatz“ begleiten Zeichner Stefan Seidel und Texterin Susan Niessen die verschiedensten Kinderidole während ihrer alltäglichen Arbeit. Vom Feuerwehrmann bis hin zum Piloten reicht die nunmehr bereits achtteilige Edition, die über den |Coppenrath|-Verlag vertrieben wird und in jeweils sechs doppelseitigen Illustrationen den Tagesablauf im Berufsleben der jeweiligen Person nachzeichnet.
Im Rahmen der zweiten Auflage wird nun auch der vielseitige Beruf des Landwirts in einer kleinen Geschichte beleuchtet, die vielleicht sogar die detailreichste der gesamten Serie ist. Der gute Mann, der hier durch den Alltag begleitet wird, hört auf den Namen Bernd und gewährt den kleinsten Leuten unter den Lesern einen Einblick in sein vielseitiges, allerdings auch anstrengendes Leben als Bauer. Dies beginnt bereits mit der ersten doppelseitigen Zeichnung, die das bekannte Gesicht – hier bedient sich Stefan Seidel munter bei den Skizzen aus der vorangegangenen Ausgabe – vor seinem ganzen Stolz, einem recht modernen Traktor, zeigt. Mit seinem wichtigsten Arbeitsgerät führt er im weiteren Verlauf einen Pflug, um das Getreide auszusäen, nutzt ihn aber später auch als Zuggerät für den Getreideanhänger, der auf dem Feld von einem Mähdrescher beladen wird.
Natürlich gestalten Niessen und Seidel die Geschichte des Bauern auch mit allerhand Tieren. Die Schweinezucht wird begutachtet, und auch ein kleiner Blick auf den Melkprozess im Kuhstall sei erlaubt. Und obwohl der fleißige Bernd während seines langen Arbeitstages stets lächelnd bei der Sache ist, so gebührt auch ihm ein Feierabend, jedoch zumeist erst in der Dunkelheit, nachdem er die Bestallungen allesamt noch einmal geprüft hat. Schön, dass hier auch berücksichtigt wurde, dass dieser Beruf einerseits eine Menge Spaß bringen kann, andererseits aber auch knüppelhart ist. Mit den steten Vorurteilen, die ja leider immer noch die hiesige Landwirtschaft belasten, räumt Seidel jedenfalls auf und stellt den Protagonisten stattdessen als vorbildlichen Sympathisanten vor, der sich auch von den schwersten Aufgaben nicht beeindrucken lässt – wobei alles andere im Rahmen dieses Bilderbuchs natürlich auch unpassend gewesen wäre.
Das Bauer-Buch ist aber gerade daher so wertvoll, weil es so viele kleine Details zu entdecken gibt. Die Bilder sind nicht nur farbenfroh dekoriert, sondern auch mit vielen Einzelheiten bestückt, die nicht dringend auf den ersten Blick ins Auge stechen, daher aber immer wieder einen weiteren Durchgang anregen. Außerdem sind Tiere natürlich immer ein nettes Motiv, wenn es darum geht, das Erzählpublikum bzw. die eigenen Kinder aus der Reserve zu locken. Und genau dies gelingt mit dem facettenreichen Buch um Bernd den sympathischen Bauern wirklich unheimlich gut.
Aus den genannten Gründen würde ich „Der kleine Bauer im Einsatz“ auch als Einstieg in die Reihe empfehlen. Der kleine Bilderband zeigt sehr anschaulich, was so alles auf dem Bauernhof geschieht, ohne dabei mit Informationen oder grafischen Reizen zu überfordern. Nicht zuletzt wegen der liebevollen Detailzeichnungen ist es als Vorlesewerk für das ganz kleine Publikum sogar fast schon ein Muss.
In der bereits 2006 gestarteten Bilderbuchreihe „… im Einsatz“ begleiten Zeichner Stefan Seidel und Texterin Susan Niessen die verschiedensten Kinderidole während ihrer alltäglichen Arbeit. Vom Feuerwehrmann bis hin zum Piloten reicht die nunmehr bereits achtteilige Edition, die über den |Coppenrath|-Verlag vertrieben wird und in jeweils sechs doppelseitigen Illustrationen den Tagesablauf im Berufsleben der jeweiligen Person nachzeichnet.
Das jüngste Buch dieser Auflage beschäftigt sich mit dem Beruf des Lokführers, der ja aufgrund der ständigen Streiks in den vergangenen Monaten arg an Popularität eingebüßt hat. Derartige Inhalte sollen aber natürlich in diesem kleinen Bilderbuch nicht aufgegriffen werden. Stattdessen dürfen die jungen Leser bzw. Zuhörer hier den Bahnbeamten bei seiner alltäglichen Arbeit begleiten. Wie für diese zweite Auflage üblich, hat man dem Zugführer auch einen Namen gegönnt; er heißt Ludwig und gleicht in seinem Äußeren recht deutlich den Figuren, die Seidel und Niessen in der gesamten Reihe bereits in die Rolle des Protagonisten gehoben haben – was aber natürlich legitim und als Orientierung äußerst hilfreich ist. Indes sind Parallelen zur beliebten TV-Serie „Es war einmal …“ in diesem Zusammenhang sicherlich nicht zu übersehen. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls verblüffend, was man angesichts der freundlichen Ausstrahlung der Figuren aber sicherlich nicht negativ auslegen darf.
Das Berufsleben des Lokführers wird unterdessen recht lebendig vorgestellt. Auf den sechs Doppelseiten erfährt man von der morgendlichen Außenpflege der Lokomotive, bekommt einen kleinen Einblick in das rege Treiben an den Bahnhöfen und darf auch einmal hinter die Armaturen des Fahrzeugs blicken. Weiterhin wird die Funktion eines Bahnübergangs erklärt und mit der doppelseitigen Panorama-Illustration einer Brückenlandschaft ein Ausblick darauf gegeben, was der Lokführer an einem Tag so alles zu sehen bekommt. Zwar hätte man sich an dieser Stelle vielleicht noch eine Seite über die Bedeutung einer Weiche oder vielleicht auch eine Zeichnung des Lokschuppens gewünscht (und dafür ggf. eines der drei Anfangsbilder vom Bahnhof eingespart), jedoch ist dies natürlich Geschmackssache und auch schon wieder irrelevant, da der Aufbau des Büchleins auch in dieser Form keine Makel aufweist.
Sehr positiv empfinde ich persönlich auch den fortlaufenden Strang der Erzählung. Die jüngsten Betrachter sollten dem Geschehen recht gut folgen können und sich anhand der wirklich simpel strukturierten Lektüre alsbald mit dem Geschehen innerhalb der Lok vertraut machen. Hierzu trägt auch der erneut witzige Erzählstil bei, der den ziemlich lockeren Rahmen der Geschichte liebevoll untermalt und somit das Seinige zum Gelingen beiträgt.
Selbiges gilt auch für das zeichnerische Gesamtbild. Erneut hat Stefan Seidel recht viele Details auf den einzelnen Seiten versteckt, die es dem Publikum erlauben, ständig Neues zu entdecken.
All diese Umstände machen „Der kleine Lokführer im Einsatz“ zu einem weiteren wertvollen Beitrag dieser Serie, von der zu hoffen bleibt, dass sie auch im neuen Jahr mit weiteren Exemplaren aufwarten wird. Derart homogene, sympathische Reihen findet man nämlich selbst bei den größeren Kinderbuchverlagen äußerst selten.
Band 1: [„Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ 1992
Band 2: [„Charlie Bone und die magische Zeitkugel“ 2448
Band 3: [„Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange“ 3308
Band 4: [„Charlie Bone und das Schloss der tausend Spiegel“ 3464
Band 5: [„Charlie Bone und der rote König“ 3468
Ein Schüler, der aufs Bloor geht, hat wahrhaftig kein ruhiges Leben, zumindest nicht, wenn er sonderbegabt ist. Zwar hat Charlie seinen Vater wiedergefunden, aber deswegen geben die Bloors sich noch lange nicht geschlagen. Und so kommt es, dass Charlie plötzlich einen sogenannten Patenschüler hat! Sein Name ist Dagbert, ein sonderbegabter Junge aus dem hohen Norden. Und er scheint es darauf abgesehen zu haben, Charlie und seine sämtlichen Freunde zu entzweien.
Aber das ist nicht das einzige Problem: Asa ist verschwunden, seltsame Leute mit gelben Augen verfolgen Charlie, und seine Tante Venetia hat es sich in den Kopf gesetzt zu heiraten. Denn der kleine Sohn ihres Zielobjektes hat offenbar eine mächtige Sonderbegabung, und schon bald vergöttert er seine Stiefmutter …
_Das sind wieder mal eine Menge Neuzugänge._ Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Dagbert. Ein Junge mit kalten blaugrünen Augen, der, wenn ihn die Bosheit überkommt, penetrant nach Fisch stinkt. Seine Sonderbegabung besteht darin, dass er Leute ertränken kann, selbst an Orten, wo überhaupt kein Wasser in der Nähe ist. Allerdings scheint Dagbert eine recht wankelmütige Natur zu sein, gelegentlich ist er regelrecht freundlich. Der kleine Eric, Stiefsohn von Charlies Tante Venetia, dagegen ist nur eine Randfigur ohne eigenes Profil, zumindest bisher. Mrs. Kettle gibt auch nicht viel mehr her. Die große, stämmige Verkäuferin von Kesseln aller Art ist eine Freundin der Köchin und stellt sich schon bald als Schmiedin und Nachfahrin eines mächtigen Zauberers heraus. Das ist allerdings auch schon alles.
So wäre die Charakterzeichnung reichlich dünn geraten, wäre da nicht die seltsame Wankelmütigkeit in Dagberts Charakter, die der ganzen Sache ein wenig Pfiff verleiht. Dagbert könnte auch für die folgenden Bände noch eine Menge interessanter Verwicklungen bereithalten. Allerdings konnte man das bereits von einigen Figuren sagen, die im Laufe der fünf Vorgängerbände aufgetaucht sind, und die meisten davon verschwanden einfach wieder in der Versenkung oder waren für die künftige Handlung kaum noch von Belang.
Andererseits ist Dagbert der Sohn von Lord Grimwald, der bereits in den Erzählungen der Köchin vorkam und dessen Auftauchen im Bloor die gute Frau völlig aus der Fassung bringt. Vor allem aber wurde Lord Grimwald dafür, dass das Bloor seinen Sohn Dagbert aufnimmt, eine Aufgabe übertragen: Er soll Charlies Eltern ertränken, die in ihren zweiten Flitterwochen aufs Meer hinausgefahren sind, um Wale zu beobachten! Am Ende des Buches scheint aber noch alles in Ordnung zu sein, denn Charlie erhält Post von seinen Eltern. Vielleicht werden also Dagbert und sein Vater im kommenden Band doch noch eine Rolle spielen.
Abgesehen davon ist dieser Auftrag der Bloors an Grimwald mehr als ein einfacher Racheakt. Charlies Vater Lyell hat offenbar von Billys Vater Rufus ein Kästchen zur Aufbewahrung erhalten, das ein Dokument mit einem brisanten Geheimnis enthält. Weil Lyell den Bloors das Versteck dieses Dokuments damals nicht verraten wollte, wurde er von Manfred hypnotisiert und seines Gedächtnisses beraubt. Jetzt, da Lyell wieder aufgewacht ist, fürchten sie, dass er sich erinnern und dem Geheimnis des Kästchens auf den Grund gehen könnte.
Jenny Nimmo liefert hier nicht nur ein weiteres Puzzleteil der Vorgeschichte um den Tod von Billys Eltern und Lyells Entführung, sondern auch die Basis für eine neue Hintergrundgeschichte, um die der Suche nach Charlies Vater zu ersetzen. Gleichzeitig bildet dieser Aspekt die Verbindung zum Erzählstrang um Asas Verschwinden. Dem Leser ist natürlich klar, dass Asa deshalb verschwunden ist, weil er im Band „… der rote König“ zu Charlie und seinen Freunden übergelaufen ist. Und natürlich ist Charlie fest entschlossen, Asa jetzt nicht im Stich zu lassen. Wieder mal ist also eine Rettungsaktion angesagt, welche die vordergründige Handlung liefert.
_Vom Erzählfluss her_ ist Jenny Nimmo die Mischung aus Vorder- und Hintergrund gut gelungen. Allerdings muss ich sagen, dass dem Vordergrund diesmal ein wenig der Pep fehlte. Trotz der etwas dramatischeren Szene auf der Eisenbrücke über dem Fluss blieben die Aktivitäten insgesamt ein spürbares Stück hinter den Turbulenzen des letzten Bandes zurück. Dabei ist nicht unbedingt etwas dagegen einzuwenden, wenn der Handlungsverlauf mal etwas ruhiger daherkommt, nur wäre es in diesem Fall vielleicht gut gewesen, die Autorin hätte zum Ausgleich ihre neu eingebrachte Ideen etwas deutlicher ausgebaut. So werden die Leute, bei denen Dagbert am Wochenende wohnt, nur ein einziges Mal erwähnt, ohne jemals selber aufzutauchen, nicht mal bei Dagberts Konfrontation mit Mrs. Kettle, und ich fragte mich allmählich, ob Dagbert nicht womöglich allein dort wohnt!
Diese Straße, in der Mrs. Kettle und auch Dagbert wohnen, stellt sich mit der Zeit als eine Art Zauberergasse heraus, in der wohl die gleichen Rivalitäten herrschen sollen wie im Bloor. Davon ist aber zu keiner Zeit wirklich etwas zu spüren. Die Sache mit dem geheimnisvollen Roten Ritter hat die Autorin wohl absichtlich so vage gelassen, um auf diese Weise die Spannung ein wenig zu steigern, erstaunlich war aber doch, dass der kleine Eric offenbar einfach so eine der Steinstatuen aus einem Geschäft in der „Zauberergasse“ zum Leben erwecken konnte, ohne dass der Besitzer des Ladens auftaucht und zumindest Fragen stellt. Und nirgendwo wird ein Wort darüber verloren, was genau für ein Volk die Merolinge sind.
_So war dieser Teil des Zyklus_ zwar nicht wirklich langweilig, dank Dagbert. Ich hoffe trotzdem, dass es im nächsten Band wieder etwas lebhafter zugeht. Das Gerangel um das brisante Dokument bietet da weit mehr Möglichkeiten als die Suche nach Charlies Vater, und zu retten gibt es dank der Bosheit der Bloors ja immer jemanden. Um das Potenzial der losen Fäden, die Jenny Nimmo nach jedem Band ungenutzt im Sande verlaufen lässt, ist es zwar einerseits schade; andererseits erhält sie sich dadurch genügend Raum für neue Ideen und verhindert, dass ihre Geschichte sich mit der Zeit zu einem unübersichtlichen Koloss aufbläht, was den jüngsten unter den Lesern zugute kommt. Jenny Nimmo bleibt ihrem Publikum treu, und das ist auch was wert.
_Jenny Nimmo_ arbeitete unter anderem als Schauspielerin, Lehrerin und im Kinderprogramm der |BBC|. Geschichten erzählte sie schon als Kind, Bücher schreibt sie seit Mitte der Siebziger. Unter anderem stammt der Zyklus |Snow Spider| aus ihrer Feder, sowie „Im Garten der Gespenster“, „Der Ring der Rinaldi“ und „Das Gewächshaus des Schreckens“. „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ ist der erste Band des Zyklus |Die Kinder des roten Königs| und hat sie auch in Deutschland bekannt gemacht. Der neueste Band der Charlie-Bone-Reihe mit dem Titel „Charlie Bone and Enchanter of Badlock“ soll im Juni dieses Jahres in England erscheinen.
Band 1: [„Ugly – Verlier nicht dein Gesicht“ 4650 (April 2007)
Band 2: „Pretty – Erkenne dein Gesicht“ (September 2007)
Band 3: „Special – Zeig dein wahres Gesicht“ (Mai 2008)
Band 4: „Extras“ (noch kein dt. Titel, Originalausgabe Oktober 2007)
Der Schönheitswahn geht weiter: Nachdem Tally Youngblood aus [„Ugly“, 4650 dem ersten Band der mittlerweile zur Quadrologie ausgewachsenen Science-Fiction-Geschichte von Scott Westerfeld, sich dazu entschieden hat, sich der Schönheitsoperation zu unterziehen, lebt sie nun in New Pretty Town, wo die meiste Zeit gefeiert und getrunken wird. Alltagssorgen kennt man hier nicht. Solche Probleme haben die Jugendlichen zusammen mit ihrer ehemals hässlichen Hülle zurückgelassen. Das Leben als Pretty könnte so einfach sein, doch Tally hat das Gefühl, dass sie verfolgt wird – von ihrer Vergangenheit.
Auf einer Kostümparty verfestigt sich dieses Gefühl. Tally versucht, die Pretties mit ihrer ‚kriminellen‘ Vergangenheit zu beeindrucken und dadurch Zutritt zu den Krims, einer elitären Pretty-Clique, zu erhalten. Ihre Chancen stehen gut, immerhin hat sie einen Ruf als Ausbrecherin, der sie sogar mit den gefährlichen Specials, der im Verborgenen arbeitenden Polizei von New Pretty Town, in Kontakt gebracht hat. Nicht viele haben von diesem Vorfall erfahren, doch der mysteriöse Junge auf der Party, der sich als Special verkleidet hat und ständig in Tallys Blickfeld gerät, scheint es zu wissen. Tally fühlt sich verfolgt und beschließt, den Jungen zu stellen.
Als er seine Maske entfernt, erkennt sie Croy, einen Ugly aus ihrem früheren Leben, der sich der Operation entzogen hat und nun mit einer Gruppe weiterer Abtrünniger versteckt außerhalb der Stadt lebt. Die beiden werden von einem Kommando der Specials gestört, doch später lässt Croy Tally eine Nachricht zukommen, und als sie den Hinweisen darin folgt, findet sie heraus, dass die Schönheitsoperationen nicht nur die Körper der Menschen verändern, sondern auch ihr Gehirn. Dies alles hatte sie während ihrer Zeit bei den Abtrünnigen herausgefunden, nach der Operation aber vergessen. Allerdings gibt es ein Heilmittel gegen die Gehirnveränderungen, das Croy ihr zukommen lässt. Nun ist es an Tally, New Pretty Town zu verlassen und sich den Abtrünnigen erneut anzuschließen. Doch die Specials sind wachsam. Sie haben Tally im Auge. Gut, dass ihr Freund Zane, der Anführer der Krims, der ein waches Interesse an ihrer rebellischen Vergangenheit zeigt, ihr zur Seite steht …
„Pretty – Erkenne dein Gesicht“ setzt genau da an, wo der Vorgängerband aufgehört hat. Ohne großartige Erklärungen steigt der Autor Scott Westerfeld in die Geschichte ein. Eines hat sich allerdings geändert: Tally ist nun eine Pretty. Das bedeutet nicht nur ein Leben voller Spaß und Nichtstun, sondern auch eine andere Persönlichkeit. Dies drückt der Autor dadurch aus, dass er Tally und ihren schönen Freunden besonderes Vokabular in den Mund legt. In New Pretty Town dreht sich dementsprechend alles darum, ob etwas „Pfusch“, also schlecht ist oder „prickelnd“. Für die Pretties gibt es nichts Besseres, als prickelnd zu sein, was man am besten durch Feiern und das gegenseitige Übertrumpfen bei der Kostümierung erreichen kann.
Die Oberflächlichkeit dieser Welt weiß Westerfeld sehr plastisch darzustellen. Dank Tally, die das Ganze auf eine leise Art und Weise in Frage stellt – so weit ihre Pretty-Persönlichkeit es zulässt -, kann der Leser einen Blick hinter die Kulissen werfen, so dass New Pretty Town eben nicht nur aus der schönen Perspektive geschildert wird. Während man im ersten Band kritisieren konnte, dass die Schauplätze teilweise etwas unscharf dargestellt waren, so scheint Westerfeld in New Pretty Town etwas sicherer zu sein. Als Tally die Stadt allerdings verlässt, verlässt sie auch das sichere Gebiet. Nicht alles, was sie in der Wildnis erlebt, wirkt plausibel. Manches ist zu sehr auf Kritik an den Zuständen ausgerichtet, anderes passt einfach nicht in die Geschichte, da es zu abwegig wirkt. Insgesamt hat diese Reise auch nicht wirklich viel mit dem eigentlichen Kern der Handlung zu tun. Diese Abschweifungen kosten die Geschichte einiges an Spannung.
Dabei zieht die Handlung am Ende noch einmal richtig an, wenn Tally erneut auf die Abtrünnigen trifft. Hier kommen Spannung, Abenteuer, zwischenmenschliche Reibereien und eine Menge offene Fragen zu einem grandiosen Finale zusammen. Den ersten Teil von Tallys Reise kann man inhaltlich mehr oder weniger unbeschadet überspringen, weshalb es schade ist, dass er überhaupt in dieser Länge Eingang in die Geschichte gefunden hat.
Tally Youngblood bleibt trotz ihrer Operation eine Sympathieträgerin. Obwohl sich ihre Persönlichkeit eigentlich verändert haben sollte, merkt sie, dass das Leben in New Pretty Town nicht alles sein kann, und wehrt sich dagegen. Sie wird dabei als Rebellin aus Verzweiflung gezeichnet, da sie nie offen gegen das System vorgeht. Dadurch hat sie aber nicht unbedingt weniger Biss, sondern wirkt sehr menschlich. Sie besitzt Schwächen und Fehler, nicht jeder mag sie, sie wirkt authentisch, und obwohl die Geschichte in einer nicht näher datierten Zukunft spielt, kann man sich auch aus heutiger Sicht mit ihr identifizieren.
In der Summe hat Scott Westerfeld ein zugängliches Jugendbuch mit einer ansprechenden Hauptfigur und einer nicht immer spannenden Handlung geschrieben. Seine Kritik am gängigen Schönheitswahn fällt angenehm differenziert aus und wird nicht übertrieben, ist aber trotzdem klar erkennbar. Dass das Buch letztendlich nicht überdurchschnittlich gut geworden ist, hängt mit den Längen in der Handlung zusammen und damit, dass es zwar junge Leser anspricht, aber, anders als beispielsweise ein Harry Potter, kaum Eindruck auf ältere Leser macht.
|Übersetzt von Gabriele Haefs
Empfohlen ab 12 Jahren
396 Seiten, Klappenbroschur|
http://www.carlsen.de
[Verlagsseite zur Serie]http://www.carlsen.de/web/jugendbuch/ugly__pretty__special
http://scottwesterfeld.com/
|Siehe ergänzend dazu auch unsere [Rezension 3307 zu Westerfelds Science-Fiction-Epos „Weltensturm“.|
Wenn man den Autor Eoin Colfer mit einem seiner Werke verbindet, dann ist es zwangsläufig seine „Artemis Fowl“-Reihe, die den irischen Schriftsteller über Nacht zum Bestsellerautor gemacht hat. Wer über den Rand des „Artemis Fowl“-Universums hinausblickt, wird darüber hinaus aber noch andere Romanserien und Einzeltitel aus der Feder des Iren finden, die unbegründeterweise in dessen Schatten stehen. Denn sie kopieren „Artemis Fowl“ nicht, sondern gehen in eine ganz andere Richtung: mal mehr zur Kriminalgeschichte, mal zur Science-Fiction. Dem letzteren Genre ist „Cosmo Hill“ zuzuordnen, der 2004 im Original als „The Supernaturalist“ erschienen ist. Weltraumschlachten oder Außerirdische finden sich im Buch allerdings nicht. Vielmehr geht es um eine düstere Zukunftsvision, in der Anleihen beim Cyberpunk mit einem jugendlichen Abenteuerroman gekoppelt werden.
_Inhalt_
Die Handlung spielt in der Millionenmetropole Satellite City. Der Name ist Programm, denn ein Satellit, von den Straßen aus nicht zu erkennen, steuert einen Großteil des alltäglichen Lebens. Darüber hinaus bestimmen Wolkenkratzer und flimmernde Werbetafeln das Stadtbild. Doch das ist mehr Schein als Sein. Das wird umso deutlicher, je weiter man sich vom Stadtzentrum entfernt und in die heruntergekommenen Außenbezirke gelangt. Hier kontrollieren Jugendbanden die heruntergekommenen Viertel, und wer sich nicht in die Gangs einfügt, darf kaum darauf hoffen, bei einem Überfall oder Angriff auf offener Straße Unterstützung zu erhalten.
Das Leben ist hart und unpersönlich. Wer nicht egoistisch denkt, kommt nicht weit, doch ist es immer gut, auf ein paar wahre Freunde zählen zu können. Nur diese sind rar gesät. Cosmo Hill muss diese soziale Kälte am eigenen Leib erfahren. Er ist ein Sponsorloser, ein Waisenkind, dessen Eltern ihn in einer Kiste in Satellite City zurückgelassen haben, bevor sie die Stadt verließen. Bei ihrem Wunsch nach einem neuen Leben hatte Cosmo keinen Platz. So wächst der Junge im Clarissa-Frayne-Heim auf, einem Heim für Waisenkinder. Von Fürsorge und Erziehung kann aber keine Rede sein. Das Heim finanziert sich nämlich durch Produkttests und verdient nicht schlecht daran, die Kinder als Versuchskaninchen zu missbrauchen. Wer sich gegen den Missbrauch nicht auflehnt, bekommt immerhin geregelte Mahlzeiten und hat ein Dach über dem Kopf. Das reicht den meisten Waisen, um stillzuhalten. Cosmo hat, mittlerweile 14 Jahre alt, allerdings genug von auf der Haut ätzenden Kosmetikprodukten und Nahrungsmitteln, die innere Blutungen hervorrufen. Um noch seinen nächsten Geburtstag mitzuerleben, fasst er den Plan, bei der nächsten Gelegenheit die Flucht zu ergreifen. Und er hat Glück, denn diese ergibt sich schon bald.
Bei einem routinemäßigen Transport mehrerer Sponsorlosen durch Satellite City versagt plötzlich die automatische Steuerung des Wagens. Die Verbindung zum Satellit ist unterbrochen, das Chaos vorprogrammiert. Der Bus mit den Kindern kommt von der Straße ab und kracht mitten in einen Häuserblock. Obwohl durch den Unfall verletzt, zögert Cosmo nicht lange und sucht zusammen mit seinem Freund Ziplock das Weite. Dicht auf ihren Fersen ist jedoch der Aufseher Redwood, der sich die Flucht zweier Kinder nicht erlauben kann. Mittels elektronischer Sensoren, die in der Haut der Sponsorlosen stecken, verfolgt er die Kinder. Doch eine waghalsige Aktion über den Dächern der Stadt und ein damit verbundener Kurzschluss der Peilsender bringt die ersehnte Freiheit. Allerdings nur für Cosmo, denn sein Freund stirbt bei der waghalsigen Aktion.
Viel Zeit zum Trauern bleibt Cosmo nicht. Während er, erschöpft und mittlerweile noch stärker verletzt, ein eigenartiges blaues Wesen auf seinen Körper erscheinen sieht, das an seinen Wunden zu saugen beginnt, taucht eine Gruppe Jugendlicher auf, die das Wesen vertreibt und, während Cosmo verwirrt von dem blauen Wesen spricht, sich seiner annimmt. Wenig später stellen sich seine Retter vor: Stefan, der achtzehnjährige Anführer, die südländische Mona und der kleinwüchsige Dito, der mit den Folgen eines misslungenen Experiments leben muss. Die drei nennen sich die Supernaturalisten, und was sie verbindet, ist die Gabe des Sehens, denn nur sie können die blauen Wesen wahrnehmen – für alle anderen Menschen sind diese unsichtbar. In jeder Nacht streifen diese Parasiten durch die Straßen und saugen Verletzten oder Kranken ihre Lebensenergie aus. Die Supernaturalisten konnten Cosmo vor diesen Parasiten mit Elektroschockern retten, und da Cosmo das Wesen auch sehen konnte, darf er sich von nun an zu dem kleinen Kreis der Auserwählten zählen.
So sieht sich Cosmo jeden Abend mit heiklen Aufträgen konfrontiert, bei denen die Supernaturalisten zum Wohle der Bürger die Parasiten jagen. Leider dankt es ihnen keiner; vielmehr werden sie als wahnsinnige Jugendliche tituliert, die sinnlos durch die Gegend ballern. Und eine weitere Tatsache schmälert die Motivation ihrer aufopferungsvollen Taten: Egal, wie viele sie von den Parasiten auch vernichten, es kommen immer mehr. Bei einem fast routinemäßigen Einsatz eskaliert die Situation schließlich. Die Supernaturalisten geraten in die Fänge der |Myishi Corporation|, eines skrupellosen Unternehmens, das seine eigene Spezialpolizei unterhält. Cosmo und Stefan können mit Ellen Faustino, der Leiterin einer Unterabteilung, verhandeln und Wissenswertes über die Parasiten in Erfahrung bringen. Doch sie bemerken erst zu spät, dass ihnen Ellen Faustino keineswegs nur aus Nächstenliebe hilft, sondern auf ihren eigenen Vorteil pocht. Und dieser sieht keinen Fortbestand der Supernaturalisten vor.
_Bewertung_
Obwohl, vor allem ausgelöst durch eine Besprechung in der |Times|, „Cosmo Hill“ als Mischung zwischen [„Blade Runner“ 1663 und „Oliver Twist“ bezeichnet wird, ist eine literarische Kategorisierung zu eng gefasst. Zu wenig wird dabei nämlich bedacht, mit welch grandiosen Ideen Eoin Colfer hier vorgegangen ist. Ohne Frage findet sich eine Vielzahl von Verweisen auf die erwähnten Referenzen, vor allem die düsteren Cyberpunk-Elementen lassen Ridley Scotts filmisches Meisterwerk während der Lektüre vor den Augen entstehen. Doch Colfer geht keineswegs so vor, die besten Szenen zu kopieren und neu zu verwerten. Vielmehr liefert er einen eigenständigen, beachtenswerten Beitrag, indem er mit Satellite City eine moderne Form der stilisierten Mega-Großstadt erschaffen hat, eine Stadt, wie sie aus heutiger Sicht und unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen theoretisch denkbar wäre. Facetten des Überwachungsstaats, Umweltprobleme, die Macht riesiger Konzerne und Schwierigkeiten einer generell gefühlslosen und kalten Gesellschaft kommen im Roman immer wieder zum Vorschein. Das vermittelt ein schauerliches, aber plastisches Bild der Welt von „Cosmo Hill“.
Trotz allem ist der Roman aber ein Jugendbuch, weil er sich eine leichte Sprache bewahrt und auch für die junge Generation flüssig zu lesen ist. Zudem vermeidet Eoin Colfer den moralischen Zeigefinger und überlässt es dem Leser zu entscheiden, welche Schlüsse er ziehen will. In Nebensätzen gibt er zwar seine Ansichten zu verstehen, wer möchte, kann den Roman aber problemlos als spannende Unterhaltungslektüre lesen. Denn die leichte Sprache und die äußerst sympathisch und glaubhaft dargestellten Hauptfiguren, die trotz ihrer nicht immer ganz sauberen Methoden liebenswert rüberkommen, bieten eine hervorragende Identifikationsbasis. Das ergibt unterm Strich ein kurzweiliges Lesevergnügen in einer grandios umgesetzten düsteren Zukunft, über die jeder selbst urteilen kann.
_Eoin Colfers „Cosmo Hill“_ hat alles, was ein guter Roman benötigt: Eine durchdachte Handlung, überraschende Wendungen, plastische Charaktere und einen Hintergrund, der zum Denken anregt, die Geschichte aber nicht überlagert. Ein Roman für Jung und Alt, der mit gut 300 Seiten lediglich etwas zu kurz geraten ist. Bleibt zu hoffen, dass der Nachfolgeband etwas dicker wird. Dass Eoin Colfer nach Satellite City zurückkehren wird, hat er nämlich bereits verlauten lassen.
|Originaltitel: The Supernaturalist
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet
352 Seiten, gebunden|
http://www.cosmo-hill.de
http://www.ullsteinbuchverlage.de
_Eoin Colfer auf |Buchwurm.info|:_
[„Artemis Fowl“ 172
[„Artemis Fowl – Die Verschwörung“ 180
[„Artemis Fowl – Der Geheimcode“ 569
[„Artemis Fowl – Die Rache“ 1279
[„Artemis Fowl – Die verlorene Kolonie“ 4025
[„Artemis Fowl – Die Akte“ 3135
[„Fletcher Moon, Privatdetektiv“ 4463
[„Meg Finn und die Liste der vier Wünsche“ 742
Lucien ist schwer krank. Er hat einen Gehirntumor und liegt deshalb im Krankenhaus. Da er durch die Chemotherapie sehr geschwächt ist und ihn das Sprechen zu sehr anstrengt, bringt ihm sein Vater eines Tages ein altes Notizbuch mit, damit er alles, was er gerne sagen möchte, hineinschreiben kann.
Als er vor Erschöpfung mit dem Buch in den Armen einschläft, wacht er plötzlich in einer anderen, wunderschönen Welt auf, die Venedig sehr ähnelt. Und nicht nur das: Er fühlt sich topfit, und die Haare, die er bei seiner Chemotherapie verloren hat, sind wieder da.
Lucien ist in „Bellezza“ gelandet, einer schillernden Wasserstadt im 16. Jahrhundert unserer Parallelwirklichkeit. Doch schon bald erfährt er, dass er gar nicht hier sein dürfte: Es ist ein bellezzanischer Feiertag, an dem es jedem Nicht-Bellezzaner untersagt ist, die Stadt zu betreten. Wer sich nicht an diese Regelung hält, dem droht sogar der Tod. Doch es ist noch jemand illegal in der Stadt – Arianna, ein junges Mädchen, das sich in der Stadt versteckt und als Junge verkleidet hat, um Mandolier zu werden.
Durch Luciens Auftauchen gerät Ariannas Plan durcheinander. Sie fühlt sich verpflichtet, ihm zu helfen, da er offensichtlich nicht aus Bellezza ist, und gibt ihm ihre Jungenkleider, was ihr eigenes Vorhaben zunichte macht. Zusammen mit ihm geht sie zu der Auswahl der Mandolier, wo die Duchessa, die Herrscherin von Bellezza, die neuen Mandolier auswählt. Ihr Blick fällt auf Lucien und sie erwählt ihn tatsächlich. Er wird von Arianna fort und auf ein neues Zimmer geführt.
Es dauert nicht lange, bis Rodolfo, Ratsherr und Geliebter der Duchessa, nach Lucien schicken lässt. Er hat Lucien durch einen Zauberspiegel beobachtet und erklärt ihm, dass dieser ein Stravagante sei – was heißt, dass Lucien mithilfe seines Notizbuches zwischen seiner Welt und Bellezza hin- und herreisen kann. Rodolfo ist ebenfalls ein Stravagante und hat das Notizbuch, das es Lucien ermöglicht, nach Bellezza zu kommen, in Luciens Welt versteckt, damit bald Hilfe nach Bellezza kommt, denn der Stadt droht Gefahr. Der Botschafter von Remora versucht Bellezza, die einzig freie Stadt in Talia, in einen Städtebund zu drängen, der von der mächtigen Familie di Chimici beherrscht wird, die nicht einmal vor Mord zurückscheut, um zu erreichen, was sie will.
Schon bald werden die Spitzel des Botschafters auf Lucien aufmerksam und merken, dass er nicht aus Talia kommt. Sie wollen um jeden Preis an das Notizbuch gelangen. Die Besuche in Bellezza werden für Lucien immer gefährlicher, denn ohne das Notizbuch kann er nicht wieder in seine Welt zurückkehren …
Hoffmans Geschichte ist zwar nicht gerade eine besondere Leseerfahrung, hat jedoch das gewisse Etwas, das eine Geschichte zu etwas Eigenständigem macht. Obwohl es heutzutage in der Fantasy nichts Neues mehr ist, wenn ein Junge oder ein Mädchen aus der normalen Welt in eine Traumwelt oder eine Parallelwelt reist, war das Buch nicht zu sehr nach dem typischen Muster gestrickt, das man gemäß der Inhaltsangabe vielleicht erahnen könnte.
Es geht um den krebskranken Lucien, der mithilfe eines Notizbuches in die Parallelwelt Talia gelangt. Anfangs geht es noch nicht so sehr zur Sache, denn etwa bis zur Mitte des Buches geht es hauptsächlich darum, wie Lucien die neue Welt mit seiner neu gewonnenen Freundin Arianna entdeckt. Er lernt Bellezza besser kennen und merkt, dass die Stadt, bis auf einige Kleinigkeiten, Venedig ziemlich ähnlich ist. Obwohl er in seiner Welt todkrank und geschwächt im Bett liegt, fühlt er sich in Talia pudelwohl und hat sogar die Haare, die er bei der Chemotherapie verloren hat, zurück.
Nur langsam und anfangs mehr im Hintergrund bahnt sich das Unglück über Bellezza an. Doch nicht nur in Bellezza droht Gefahr. In Luciens Welt muss er bald erfahren, dass sein Gehirntumor wächst und dies natürlich kein gutes Zeichen für ihn und seine Eltern ist.
In „Stadt der Masken“ geht es eher zweitrangig um vordergründige Spannung, weil die meiste Zeit über nichts Aufregendes passiert. Auch wenn dies mal etwas anderes ist als in den üblichen Fantasybüchern, in denen sich die Abenteuer und die Spannung nur so aufreihen, war die Lektüre stellenweise doch wenig fesselnd. Es ist interessant, einiges über Bellezza zu erfahren, doch ein wirklicher Spannungsbogen hat mir schon ziemlich gefehlt.
Bei Talia handelt es sich eigentlich um ein perfektes Abbild unseres italienischen Mittelmeerraumes im 16. Jahrhundert. Bellezza ist dabei ein klares Ebenbild von Venedig, das sich aber dadurch unterscheidet, dass alles noch viel prachtvoller und reichlich mit Silber statt des sonst verbreiteten Blattgoldes ausgekleidet ist. Alle Frauen über 16, die nicht verheiratet sind, tragen Masken – auf Befehl der Duchessa. Ebenfalls durch eine Regelung der Duchessa dürfen ausschließlich junge, gut aussehende Männer Mandolier werden, was Arianna gehörig gegen den Strich geht.
Der Schreibstil von Mary Hoffman passt sich gut der Geschichte an. Es handelt sich hier eher um ein Jugendbuch, was heißt, dass die Sprache, die Mary Hoffman benutzt, nicht allzu schwer zu verstehen und recht flüssig zu lesen ist. Sie schreibt sehr detailreich und beschreibt alles genau, wenn auch nicht zu genau, damit der Leser noch genug eigene Fantasie einbringen kann. Mary Hoffman hat in „Stravaganza – Stadt der Masken“ nicht nur aus verschiedenen Sichten erzählt, sondern auch abwechselnd aus Luciens Welt und Bellezza. Dafür hat der Verlag einen Schrifttypenwechsel verwendet, sodass man die Erzählungen aus Luciens Welt und aus Bellezza gut auseinanderhalten kann.
Ich kann nicht behaupten, dass man die Charaktere großartig an verschiedenen Sprachstilen wiedererkennen könnte, aber bei einem Stravaganten, der ebenfalls von England aus nach Bellezza gekommen ist, der allerdings noch zu der Zeit der Hexenverbrennungen dort lebte und nun nicht mehr zurück in seine Welt gelangen kann, gibt sie sich große Mühe, ihn in altertümelnder Weise reden zu lassen.
Was ich allerdings am gelungensten finde, ist, dass das Ende nicht so kommt, wie man es erwartet hätte. Ich möchte auf keinen Fall zu viel verraten, allerdings habe ich mich über das Finale wirklich gewundert, und das zeigt, dass es auch mal eine nette Abwechslung ist, wenn ein Jugendbuch nicht zwangsläufig in einem Happy-End mündet.
_Fazit:_ Auch wenn „Stadt der Masken“ an manchen Stellen ein wenig die Spannungselemente gefehlt haben, habe ich es gerne gelesen. Der Schreibstil ist sehr passend und leicht verständlich, die Geschichte verwendet zwar ein typisches Gerüst, ist aber trotzdem etwas Eigenständiges und weist auch viele eigene Ideen der Autorin auf.
_Mary Hoffman_ wurde 1945 in England geboren und lebt heute zusammen mit ihrem Mann zusammen in West Oxfordshire. In England ist sie eine sehr bekannte und erfolgreiche Jugendbuchautorin, die bereits 80 Werke herausgebracht hat. Sie ist überdies eine begeisterte Italien-Liebhaberin und verbringt ihre Freizeit so oft wie möglich dort. Ihre Liebe zu Italien führte auch dazu, dass sie sich für die |Stravaganza|-Trilogie von Italien, insbesondere von Venedig im 16. Jahrhundert, inspirieren ließ.
Die |Stravaganza|-Trilogie:
1. Band: Stravaganza – Stadt der Masken
2. Band: Stravaganza – Stadt der Sterne
3. Band: Stravaganza – Stadt der Blumen
Um Geld für sich und seine Mutter zu verdienen, will Sebastian Dark in die Fußstapfen seines Vaters treten, der ein begnadeter Narr war. Nur hat Sebastian von seinem Vater diese Kunst leider nicht geerbt – niemand lacht über seine Witze. Trotzdem macht er sich zusammen mit dem sprechenden Büffelop Max hoffnungsvoll auf den Weg nach Keladon, wo er Hofnarr am Königshof von König Septimus werden will.
Auf dem Weg dorthin trifft er auf Cornelius, der zwar sehr klein ist, aber sehr gut kämpfen kann. Da dieser ebenfalls nach Keladon will, um dort in die Armee des Königs einzutreten, reisen sie zu dritt weiter. Auf dem Weg durch die Prärie werden sie Zeugen, wie eine Kutsche von einer Horde wilder Briganten überfallen wird. Ohne lange zu überlegen, greifen die beiden ein und jagen die Räuber in die Flucht. Erst als sie einen Blick in die Kutsche werfen, wird ihnen klar, wen sie da gerettet haben: Prinzessin Kerin von Keladon, die Nichte von König Septimus!
Obwohl Kerin anfangs sehr zickig reagiert, erklären sich Cornelius und Sebastian bereit, sie zurück nach Keladon zu bringen. In Keladon angekommen, wird die freudige Nachricht sofort König Septimus überbracht, der sehr erleichtert zu sein scheint, seine Nichte heil wiederzubekommen. Doch obwohl König Septimus Kerins Rettern gegenüber so zuvorkommend ist, traut Sebastian ihm nicht, und bald schon wird sein Verdacht, dass der König die Prinzessin eigentlich aus dem Weg schaffen will, bestätigt …
Obwohl Philip Caveney mit „Sebastian Dark – Der falsche König“ die Jugend-Fantasy sicherlich nicht neu erfindet, ist die Story doch interessant und weiß von Anfang an zu fesseln. Die Geschichte ist nicht besonders anspruchsvoll, sodass man während der Lektüre auch als jüngerer Leser nicht allzu viel nachdenken muss und sich entspannen kann.
Die Charaktere sind nicht besonders tiefgründig ausgearbeitet, aber trotzdem kann man mit dem Protagonisten wunderbar mitfiebern, und auch die restlichen Charaktere wirken sympathisch. Obwohl Prinzessin Kerin anfangs wie eine verzogene Göre beschrieben wird, ändert sich das immer mehr, je weiter die Lektüre voranschreitet und sich die Prinzessin mit ihren Gefährten anfreundet. Sehr gut hat mir auch der Charakter des sprechenden Büffelops gefallen (erklärt, was genau ein Büffelop ist, wird in dem Buch nicht, aber ich schätze mal, dass es irgendeine Art Fabelbüffel oder Minotaurus ist). Er redet am laufenden Band, und die Dialoge zwischen ihm und Sebastian haben mich häufiger zum Lachen gebracht. Der einzige Charakter, der mir nicht allzu gut gefallen hat, war König Septimus. Zwar wird erklärt, weshalb er böse ist und Prinzessin Kerin aus dem Weg schaffen will, aber einige Charakterzüge sind dann doch irgendwie unpassend. Außerdem wird der König an einigen Stellen ins Lächerliche gezogen, was mir für einen Bösewicht auch nicht gerade zugesagt hat.
Wie schon erwähnt, hat das Buch einige sehr amüsante und witzige Stellen vorzuweisen, vor allem wenn sich Sebastian und Max unterhalten. Die beiden mögen sich zwar, streiten und diskutieren aber beständig miteinander. Eine sehr lustige Unterhaltung, an der aber Cornelius auch beteiligt ist, spielt sich beispielsweise ab, als es um die Frage geht, was für eine Form die Welt hat. Dabei kamen Theorien auf wie: Die Welt ist ein großes Schild, das von einem mächtigen Krieger gehalten wird, der auf einem Teppich durch das All fliegt. Irgendwann wird er keine Lust mehr haben, den Schild zu halten, und wird ihn wegwerfen, was das Ende der Welt bedeuten wird. Eine andere Theorie ist, dass die Welt ein großer Ring ist, der durch die Nase eines riesigen Büffelops führt. Solche amüsanten Stellen finden sich des Öfteren.
Der Schreibstil weist keine Besonderheiten auf, so wie man es von den meisten Jugendbüchern eben gewohnt ist. Er ist nicht sehr kompliziert gehalten und die Schrift ist auch relativ groß, sodass das Buch sehr flüssig und schnell lesbar ist. Wie schon bei dem Büffelop, gibt es zu unbekannten Daseinsformen allerdings kaum Erklärungen, was aber nicht wirklich der Rede wert ist. Wie bei dem Büffelop kann man sich eigentlich sehr gut vorstellen, worum es sich dabei handelt. Philip Caveney lässt, was derlei angeht, Freiraum für die eigene Fantasie.
Was sich kritisieren lässt, ist, dass „Der falsche König“ einfach ein wenig kurz geraten ist und man aus der Geschichte ein wenig mehr hätte machen können. Wäre das Buch ein wenig länger gewesen und gäbe es mehr Umwege und Abenteuer zu bestehen, wäre der Gesamteindruck ein besserer gewesen. So hatte man eher das Gefühl, dass den Protagonisten nie irgendein Stein in den Weg gelegt wird und sie alles mit Links erreichen.
_Fazit:_ Auch wenn das Buch jetzt nicht zu den Besten seiner Art gehört, hat es mir doch überraschend gut gefallen. Es ist sehr humorvoll und interessant geraten. Lustig finde ich auch die Idee mit dem Spiel im Schutzumschlag. Außerdem kann man das Spielfeld noch als Karte verwenden, um sich in der Gegend, in der sich die Protagonisten gerade befinden, zu orientieren.
_Der Autor_ dieses Buches ist Philip Caveney. Er wurde 1951 in Nord-Wales geboren und lebt heute mit seiner Frau und seiner Tochter in Manchester. In seiner Kindheit reiste er viel herum, und das nicht nur in Großbritannien und Nordirland, sondern auch Malaysia und Singapur. Er schreib zahlreiche, erfolgreiche Romane für Erwachsene, „Sebastian Dark – Der falsche König“ ist sein erstes Jugendbuch und Fortsetzungen sind in Planung.
|Originaltitel: Sebastian Darke – Prince of Fools
Originalverlag: Random House UK
Aus dem Englischen von Mareike Weber
Ab 10 Jahren
Gebundenes Buch, 352 Seiten|
http://www.randomhouse.de/specialskids/caveney__sebastiandark/
Band 1: „Ugly – Verlier nicht dein Gesicht“ (April 2007)
Band 2: „Pretty – Erkenne dein Gesicht“ (September 2007)
Band 3: „Special – Zeig dein wahres Gesicht“ (Mai 2008)
Band 4: „Extras“ (noch kein dt. Titel, Originalausgabe Oktober 2007)
Die Pubertät ist keine einfache Phase. Es verändert sich nicht nur der Körper an und für sich, sondern auch das Selbstbild. Man findet sich zu hässlich, zu dick, zu dünn … Die Palette der pubertären Selbstvorwürfe ist endlos. Der amerikanische Autor Scott Westerfeld hat eine Jugendbuchserie geschrieben, die genau diese Problematik aufgreift. Allerdings benutzt er an keiner Stelle den Begriff „Pubertät“. Stattdessen hat er eine Science-Fiction-Welt erschaffen, die den radikalen Weg wählt: Zum sechzehnten Geburtstag sorgt eine obligatorische, rundumerneuernde Schönheitsoperation dafür, dass sämtliche Probleme mit dem eigenen Aussehen von einem Tag auf den anderen verschwinden.
Doch bevor es so weit kommt, leben die Menschen in dieser Welt als Uglies, also „Hässliche“, in einem separaten Stadtteil. Erst nach der Operation, die sie an den geltenden Schönheitsstandard angleichen soll, dürfen die jungen Menschen in New Pretty Town leben, wo die ganze Zeit nur gefeiert und getrunken wird. Tally Youngblood steht kurz vor ihrem langersehnten sechzehnten Geburtstag, doch die Zeit bis dahin möchte nicht so recht vergehen. Ihr bester Freund Peris wurde bereits operiert und lebt nun auf der anderen Seite des Flusses, bei den Schönen.
Tally langweilt sich, doch eines Tages trifft sie Shay, die es, genau wie Tally, liebt, nachts verbotenerweise durch die Gegend zu streifen. Gemeinsam verlassen sie immer öfter die Stadt und fliegen auf ihren Hubbrettern in die Wildnis, vor der man Tally immer gewarnt hat. Dort gibt es nichts außer ein paar Industrieruinen der Rusties, wie man die heutige Menschheit in Tallys Welt nennt. Das dachte Tally jedenfalls, denn Shay erzählt ihr von Menschen, genauer gesagt von Uglies, die in dieser Wildnis versteckt leben, weil sie sich bewusst gegen eine Schönheitsoperation entschieden haben.
Tally kann das gar nicht glauben, doch kurz bevor Shay und Tally operiert werden sollen, ist Shay verschwunden. Sie hat nur einen Zettel mit einer chiffrierten Wegbeschreibung dagelassen, der ihr zum Verhängnis wird. Die Specials – das Ordnungskommando der Stadt, eine eiskalte Elitetruppe – wollen, dass Tally Shay folgt und die Specials damit zu den Abtrünnigen führt. Tally möchte ihre Freundin nicht verraten, aber man stellt ihr ein Ultimatum: Entweder folgt sie Shays Anweisungen oder sie wird für immer eine Ugly bleiben. Tally muss sich entscheiden …
Westerfelds Idee, dass in weiter Zukunft nur noch die schönen als „richtige“ Menschen gelten, ist nicht neu, sondern häufiger Stoff für Science-Fiction-Bücher. Konsequent setzt er diese Idee auf einer jugendfreundlichen Ebene um, geht dabei aber leider nicht besonders in die Tiefe. Alles wirkt ein bisschen steril, obwohl gut erdacht und sauber konstruiert. Die Idee mit den Schönheitsoperationen und wie dieses Ereignis die Uglies beeinflusst, ist sehr interessant, doch manchmal fühlt man sich als erwachsener Leser ein bisschen unterfordert. Es wäre schön gewesen, wenn der Autor die Abgründe dieser Welt noch etwas deutlicher dargestellt hätte, denn letztendlich bekommt man nur einen sehr oberflächlichen Einblick in New Pretty Town oder Smoke, die Stadt der Ausreißer.
An der Geschichte selbst gibt es allerdings nichts zu meckern. Sie ist fesselnd erzählt und aufgebaut. Obwohl manchmal etwas unscharf umrissen, sind die Schauplätze interessant, und neben einer gehörigen Portion Abenteuer bieten auch die zwischenmenschlichen Beziehungen Spannendes. Routiniert webt Westerfeld Krisen und Konflikte ein, die immer wieder für Aufhänger sorgen. Neben einer Dreiecksgeschichte ist es vor allem Tallys Status als Spionin der Specials, der immer wieder für Gewissenskonflikte und Probleme sorgt.
Überhaupt ist Tally eine wunderbar ausgearbeitete Hauptperson. Sie erzählt aus der dritten Person, ist sehr zugänglich und lässt den Leser an ihrem Gefühlsleben und ihrer Gedankenwelt teilhaben. Obwohl das Buch in einer anderen Zeit spielt, können sich Jugendliche sicherlich mit Tally identifizieren, da ihre Probleme trotz ihres anderen Lebensstils den heutigen doch sehr ähnlich sind, allein schon ihre Klagen über ihr Ugly-Aussehen oder eben das Hin- und Hergerissensein zwischen Verrat, Freundschaft und Liebe. Diese Themen sind jugendbuchtypisch und werden angenehm kitschfrei und authentisch aufbereitet.
„Ugly – Verlier nicht dein Gesicht“ von Scott Westerfeld ist ein sauberer Auftakt seiner Serie um Tally Youngblood. An der einen oder anderen Stelle ist die Welt, die er entworfen hat, vielleicht ein wenig zu seicht geraten, aber die abenteuerliche Handlung in Verbindung mit der sympathischen und schicksalsgebeutelten Heldin sorgt für gute Unterhaltung, die allerdings stark auf Jugendliche zugeschnitten ist und nicht, wie derzeit andere phantastische Bücher für junge Leser, auch Erwachsene wirklich anspricht.
|Übersetzt von Gabriele Haefs
Empfohlen ab 12 Jahren
432 Seiten Klappenbroschur|
http://www.carlsen.de
[Verlagsspezial zur Serie]http://www.carlsen.de/web/jugendbuch/ugly__pretty__special
http://scottwesterfeld.com/
|Siehe ergänzend dazu auch unsere [Rezension 3307 zu Westerfelds Science-Fiction-Epos „Weltensturm“.
Anmerkung: Die „Trilogie“ ist mittlerweile zur Quadrologie geworden. Eine deutsche Veröffentlichung des vierten Bandes „Extras“ ist noch nicht angekündigt.|
Zwei Gestalten – eine davon zieht eine schwere Truhe durch den Schnee – erscheinen in einer Winternacht in Mainz. Einer der beiden stellt sich als Johann Fust heraus, der andere als sein Gehilfe. Die beiden sind auf dem Weg zu Johannes Gutenberg, der in seiner kleinen Werkstatt erste Druckversuche der Bibel anfertigt. Johann Fust unterbreitet ihm einen Vorschlag: Er finanziert Johannes Gutenbergs Druckerei, wenn er die Druckerei anschließend ebenfalls benutzen darf.
Als Charlie mit ihrem Freund Max eine Radtour an den Mühlteich unternimmt, geschieht etwas Schreckliches: Max, der auf einen Baum über dem Mühlteich geklettert ist, fällt ins Wasser und wird von Wesen mit grünen Haaren, die wie Wassernixen, in die Tiefe gezogen. Charlie versucht, ihren Freund zu retten, bekommt aber bald keine Luft mehr und muss aufgeben.
Wegen eines Lungenschadens kommt Charlie ins Krankenhaus. Dort versucht sie ihrer Mutter, ihrem Bruder James und den Ärzten zu erklären, was vorgefallen ist. Da diese ihr ihre Geschichte aber nicht glauben und denken, Charlie hätte wegen des Todes ihres Freundes und des traumatischen Erlebnisses, selbst beinahe zu ertrinken, Halluzinationen, hüllt sich Charlie fortan in Schweigen. Die anderen glauben, Max wäre in dem Mühlteich ertrunken, doch Charlie weiß es besser: Die seltsamen Wassernixen mit den grünen Haaren haben ihren Freund Max in eine andere Welt, ins Schattenland, entführt, und nur Charlie vermag es, ihren Freund zu retten und wieder in die ‚richtige‘ Welt zurückzuholen.
Als sie wieder zu Hause ist, besucht sie nachts in ihren Träumen einen Ort, von dem sie glaubt, dass sich Max dort aufhält. Jede Nacht sucht sie ihn dort, bis sie auf einen jungen Mann namens Kit trifft, der ihr einiges erklärt: Max habe großes Glück, hier sein zu dürfen, und er befinde sich auf einer langen Wanderschaft. Auf der Wanderschaft zur Großen Kirmes, wo er sich dem Großen Tanz anschließen möchte und dadurch komplett in die Welt des Schattenlandes abtauchen und seine ganze Vergangenheit damit vergessen wird.
Doch Charlie gibt nicht auf. Sie versucht, Max zu folgen, was beinahe unmöglich ist, da Max einen immer größeren Vorsprung gewinnt, da er auch tagsüber weiterläuft. Kit versucht ihr auf ihrer Suche zu helfen und gibt ihr den Tipp, auch tagsüber Orte zu besuchen, die Max früher gerne aufgesucht hat. Und tatsächlich: An bestimmten Orten fühlt sie sich Max nahe und kommt ihm immer näher. Doch sie muss sich beeilen, denn die Große Kirmes findet schon bald statt …
Während Charlie verbissen versucht, Max zu finden, machen sich ihre Mutter und ihr Bruder James immer mehr Sorgen um sie. Sie verstehen ihr Verhalten nicht und glauben, dass Charlie nicht wahrhaben will, dass Max tot ist. Als James, der sich besonders um seine kleine Schwester kümmert, dann Charlies Traumtagebuch liest und diese ein immer seltsameres Verhalten an den Tag legt, merkt er, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und bis er erkennt, was los ist, ist es schon beinahe zu spät …
_In „Die Spur ins Schattenland“_ vermischen sich Realität und Fantasie zusehends. Anfangs wird beides noch stark getrennt und der Leser glaubt, dass Charlie Recht hat und Max wirklich in ein anderes Reich entführt wurde, doch je weiter die Geschichte voranschreitet und sich dem Ende zuneigt, desto mehr beginnt man daran zu zweifeln und glaubt, Charlie hätte sich das aufgrund ihres Traumas vielleicht doch alles nur eingebildet. Sie versucht immer verbissener, Max zu finden und wieder in die richtige Welt zu führen, und dadurch wird dem Leser klar, wie sehr Charlie an ihrem Freund Max doch hängt. Bildet sie sich das also alles nur ein, weil sie die Tatsache, dass ihr Freund Max tot ist, nicht verkraften kann, oder hat Charlie Recht und es gibt wirklich ein Reich namens Schattenland, wohin Max entführt wurde?
Realität und Fantasie verschwimmen nicht nur indirekt, denn während des Verlaufes der Geschichte gelingt es Wesen aus der anderen Welt, in die reale Welt hinüberzusteigen, und zum Ende hin verschwimmen die beiden Wirklichkeiten ganz und gar, sodass Charlie beide Existenzen zugleich durchläuft. Sie sieht beide Ebenen gleichzeitig, für sie sind die beiden eins. Sie wird immer mehr vom Schattenland beeinflusst und wandelt irgendwann nur noch somnambul durch die Gegend.
Ganz verbissen versucht sie, Max zu finden, und gibt nicht auf. Dabei bemüht sie sich anfangs noch, auf ihre Familie und ihr Umfeld einen normalen Eindruck zu machen, was ihr allerdings bald nicht mehr gelingt. Vor allem ihrem Bruder kann sie nichts vormachen, und er versucht, hinter Charlies Geheimnis zu gelangen. Er merkt, wie Charlie immer seltsamer wird, und macht sich zunehmend Sorgen um sie.
Das Buch scheint auf den ersten Blick nichts allzu Besonderes zu erzählen und hat auch von der Handlung her nicht wirklich etwas Spannendes oder Neues zu bieten. Die ganze Geschichte lebt eigentlich ausschließlich von den Charakteren und der Frage, ob Max wirklich in eine andere Welt entführt wurde oder ob Charlie sich das bloß einbildet. Vor allem am Schluss spitzt sich diese Situation zu und der Leser kann nicht mehr genau sagen, wer jetzt gut oder böse, was richtig oder falsch ist.
Die Charaktere sind allesamt sehr glaubwürdig und tiefgründig geraten, vor allem Charlie, die in James‘ Augen seit dem „Tod“ von Max in einer völlig anderen Welt zu leben scheint und sich immer noch seltsamer verhält. Charlies Mutter hingegen scheint nicht recht zu wissen, wie sie mit ihr umgehen soll. Sie hatte schon vor Max‘ Tod kein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter und pendelt zwischen Sorge und dem Glauben, dass mit ihrer Tochter alles wieder in Ordnung ist. Eigentlich hat sie ihr eigenes Leben, das sie nicht vernachlässigen will, aber man merkt, dass sie dennoch versucht, für ihre Tochter da zu sein. Zu guter Letzt wäre da noch Kit. Er wirkt sehr freundlich und scheint Charlie helfen zu wollen. Dennoch hat man immer wieder das Gefühl, dass Kit auch irgendetwas im Schilde führt …
Ein paar Handlungsstränge werden angedeutet, jedoch nicht so recht zu einem Ende geführt. Einmal bietet Kit Charlie eine Beere im Schattenland an, die angeblich ihr tiefstes Begehren erfüllen soll. Jedoch wird Charlie kurz davor geweckt und damit aus der Schattenwelt in die Realität gerissen. Die Beere wird danach nie wieder erwähnt. Man erfährt nicht wirklich, warum Kit ihr die Beere anbietet, und fragt sich im Nachhinein, warum die Passage in dem Buch überhaupt vorhanden ist …
Der Schreibstil ist stets in Ich-Form gehalten, und zwar immer abwechselnd aus Charlies Sicht und aus der ihres Bruders James. Man erfährt immer, wie Charlie und andererseits James ein und dieselbe Situation erleben. Das passt sehr gut zur Erzählung, da es sehr wichtig ist, die Situation aus verschiedenen Sichten wahrzunehmen. Erst dadurch verschwimmen die beiden Welten zum Ende hin komplett ineinander und man ist sich nicht sicher, was nun Fantasie und was Wirklichkeit ist. Die ganze Zeit über wird dabei, wie zumeist üblich, in der Vergangenheit erzählt, nur die Tagebucheinträge von Charlie sind im Präsens gehalten.
_Fazit:_ „Die Spur ins Schattenland“ von Jonathan Stroud ist ein gelungenes und angenehm zu lesendes Buch. Es ist tiefgründig und ein wenig nachdenklich. Allerdings hat das Buch mich nicht wirklich zu fesseln vermocht und bietet, was die Story angeht, nicht wirklich viel Bemerkenswertes.
_Jonathan Stroud_ wurde 1970 in Bedford, England geboren. Jetzt wohnt er mit seiner Frau Gina, die Grafikerin und Illustratorin für Kinderbücher ist, und der gemeinsamen Tochter Isabelle in St. Albans. Seid er sieben Jahre alt war, schrieb er eigene Geschichten. Es war schon immer sein Wunsch, Jugend- und Fantasybücher zu verfassen. Nach einem Studium machte er Karriere in einem Verlag und war dort Herausgeber von Sach- und Spielbüchern für Kinder. Danach hat er sich das Schreiben von eigenen Romanen zu seinem Beruf gemacht. Seinen großen Durchbruch schaffte er mit der „Bartimäus“-Trilogie, die von einem sarkastischen, oft schlecht gelaunten Dämon handelt. Danach folgten die Romane „Die Eisfestung“ und „Drachenglut“, die allerdings nicht ganz an den Erfolg von „Bartimäus“ anknüpfen konnten.
|Originaltitel: The Leap
Originalverlag: Random House UK
Aus dem Amerikanischen von Bernadette Ott
Taschenbuch, 320 Seiten
Empfohlen ab 11 Jahren|
http://www.omnisbus-verlag.de
_Jonathan Stroud auf |Buchwurm.info|:_
[„Bartimäus – Das Amulett von Samarkand“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=353
[„Bartimäus – Das Auge des Golem“ 1861 (Lesung)
[„Drachenglut“ 3381
[„Die Eisfestung“ 3513
In der bereits 2006 gestarteten Bilderbuchreihe „… im Einsatz“ begleiten Zeichner Stefan Seidel und Texterin Susan Niessen die verschiedensten Kinderidole während ihrer alltäglichen Arbeit. Vom Feuerwehrmann bis hin zum Piloten reicht die nunmehr bereits achtteilige Edition, die über den |Coppenrath|-Verlag vertrieben wird und in jeweils sechs doppelseitigen Illustrationen den Tagesablauf im Berufsleben der jeweiligen Person nachzeichnet.
Den Auftakt macht das Buch um den Baggerfahrer, der an dieser Stelle jedoch namenlos bleiben soll. Dies sei gesondert erwähnt, da das Gros der Serie ihren kleinen Helden einen leicht nachvollziehbaren Namen gibt, mit dem sich die Kinder schließlich auch identifizieren können bzw. der einfach nur als weitere Orientierungshilfe dienen soll. So zum Beispiel Bauer Bernd oder Lokführer Ludwig. Aber natürlich ist hier auch die Kreativität des Lektors gefragt, wobei man sich zum Beispiel nach einem bekannten Mike-Krüger-Hit richten könnte.
Wie auch immer, in „Der kleine Baggerfahrer im Einsatz“ beschreiben Seidel und Niessen zunächst einmal die beiden Protagonisten, sprich den Titelhelden und sein Arbeitsgerät, und zeigen einige der Einsatzorte, an denen das Zweigespann beschäftigt ist. Ein Teich wird ausgehoben, ein Lastwagen beladen und natürlich auch die typische Mittagspause im Bauwagen aufgezeigt. In der Nachmittagsschicht werden noch einige Steine aufgeladen, bevor der Bagger dann samt Tieflader an seinen Einsatzort für den nächsten Ort gebracht wird.
Der Aufbau des Buches ist wirklich toll, die Geschichte sowie der Ablauf an den einzelnen Stationen absolut leicht nachvollziehbar. Dabei achtet Seidel in seinen Illustrationen ständig darauf, viele wiedererkennbare Elemente einzufügen, die sich in späteren Lesungen dann immer deutlicher festigen und für das kleine Publikum prägnant haften bleiben. Des Weiteren ist gerade die Bagger-Edition ein sehr gutes Beispiel für die optimale Übersichtlichkeit eines solchen Projekts; die Bilder werden nicht mit Gegenständen überwuchert, die Farbgebung bleibt basisch und avanciert in keinem Teil der Geschichte zur Überforderung für die Kleinsten. Letzteres lässt sich in diesem Fall auch für die Verbindung aus Bild und Text sagen; die Aktionen werden in leichter Sprache wiedergegeben und sind auf Anhieb verständlich, wenngleich man in dieser Reihe auf kein Reimschema zurückgreift. Diesbezüglich waren zwar zunächst Befürchtungen ob der Einprägsamkeit der Story vorhanden, jedoch konnten diese „im Einsatz“ recht bald wieder ausgeräumt werden.
Insgesamt hinterlässt der erste Titel der Serie daher auch einen rundum überzeugenden Eindruck. Sprache, Illustrationen und die vielen netten Ideen wurden harmonisch zusammengefügt, die Darstellungen sind sympathisch und für die ersten Leseerfahrungen im Kleinkindalter bestens geeignet. Da „Der kleine Baggerfahrer im Einsatz“ zudem recht erschwinglich ist, kann man den Titel wirklich uneingeschränkt empfehlen!
|Alica reist zum Rittergut ihrer Großeltern und damit mitten hinein in ein Fantasy-Märchen der etwas anderen Art: In dem Gemäuer treibt ein Geisterfalke sein Unwesen und Alica verliebt sich bald in einen jungen Husaren, der ihr im Spiegel erscheint. Und dann taucht auch noch der Heinzelmann Wallerich auf, von Köln in die Eifel strafversetzt, um den Falken mit Magie, modernster Technik und Alicas Hilfe nach ‚Nebenan‘ zu bringen – der Welt der Fabelwesen. Auf dem Rücken der Möwe Schnapper stürzen sich die beiden ins Abenteuer und rufen damit die Dunkle Königin hinter den Spiegeln auf den Plan.|
Bernhard Hennen ist den Fantasy- und Phantastiklesern längst ein Begriff. Nun hatte ich bisher nur Texte für Erwachsene von ihm gelesen und „Alica und die Dunkle Königin“ war mein erstes |Jugend|fantasybuch des Autors. Die Atmosphäre, die den Seiten entströmt, ist märchenhaft, oftmals mit einer gehörigen Prise Humor gewürzt und merklich auf die Zielgruppe ausgerichtet. Besonders jugendliche Leser|innen| werden sicher ihre wahre Freude an dem Titel haben.
Angesiedelt ist die Rahmenhandlung in der Eifel: ein Spuk, der sich um das Herrenhaus Greifenstein rankt, das Alica Bäuers Großeltern gehört und auf das sie geschickt wird. Der Beginn des Romans liest sich beschaulich, eher herkömmlich und mit einer gewissen Antriebsschwäche – aber schon bald entwickelt sich die Handlung in eine spannend-romantische Richtung und nimmt an Tempo zu, denn Alica gerät in eine wahre Welt der Fabelwesen.
Da ist Wallerich, der Heinzelmann, der Alica, die wegen familiärer Probleme bei ihren Großeltern weilt, einen Ring gibt, der es ihr ermöglicht, Märchenfiguren wie Feen und andere Geschöpfe zu sehen. Von Wallerich erfährt sie auch, dass diese für alle unsichtbar sind, die den Glauben an das Wunderbare verloren haben.
Und eben jene Wesen und deren besondere Welt und Eigenarten, die Bernhard Hennen liebevoll in Szene setzt, machen den Reiz dieses Buches aus, seien es Wallerichs „Spionagetechnik“ – natürlich ist wie er sein Computerraum ebenfalls in Heinzelmanngröße (seit Wallerichs Auftauchen steckt Alica mitten in einer „Heinzelmännergeheimdienstoperation“) – oder Schnappers Flugkünste. Jene Möwe, auf deren Rücken sich Wallerich und Alica, die dank des Zauberrings ihre Größe verändern kann und dann ebenfalls auf Wallerich-Maße schrumpft, durch die Lüfte bewegen – hinein in eine Wirklichkeit gewordene Märchenwelt. Alica erfährt von Trollsöldnern, die nicht so leicht in Großstädten wie Köln einzusetzen sind, weil sie dann immer „die halbe Zeit vor dem Fernseher hocken und sich Actionfilme ansehen, weil sie auf Prügeleien und Autocrashs stehen“, begegnet einer waschechten Hexe und hört mit Erstaunen, dass selbst Zauber ein Verfallsdatum haben, weil „normale Gebrauchszauberei“ irgendwann nicht mehr wirksam ist, sich Saucenbinder besser als anderes zum Binden von verschiedenen Zaubern eignet, man die Sprache aller Tier versteht, wenn man die Schwanzspitze einer weißen Schlange isst … und vieles mehr.
Doch richtig phantastisch wird es, als Alica den Zauberspiegel im Bad entdeckt, durch den man nach „Nebenan“ gelangt – was sie dann auch mutig vollbringt. Dort hört sie von der Dunklen Königin, Arduinna Silva, der Göttin der dunklen Wälder und der Jagd – geheimnisvoll und unbarmherzig -, die im Laufe der Jahre zur Dunklen Königin wurde und um die sich die Sage rankt, dass „wer sie erblickt, des Todes ist“.
Alica begegnet „General Lollejan“, dem Oberbefehlshaber aller Kobolde, Soldat „Knochenheiß“, „Buddel“, dem Reithasen, „Kleereißer“, dem Feigling, der, sobald er einen Schuss hört, auf und davon hoppelt und darüber hinaus zu blöd ist, um Erbsen und Hasenköttel zu unterscheiden, Kobolden, die Nussschalen als Sturzhelme tragen und vielen weiteren wundersamen Gestalten. So auch dem Geist der Freifrau Magdalena von Greifenstein, die nicht eher ruhen kann, bis sie Gewissheit darüber hat, warum ihr Verlobter Johannes Reisigendorf von einer Reise nach Cöln nie zu ihr zurückkehrte, und die Alica davor warnt, sich zu sehr zu verlieben, weil es das Leben zerstören kann. Doch genau dieses allumfassende Gefühl befällt Alica, als sie einem „Reiter in stürmischer Nacht“ begegnet – dem Husarenjungen Francois Ibrahim de la Croix, der sich ebenso in sie verliebt, wie sie sich in ihn … Mehr sei an dieser Stelle nicht über den weiteren Verlauf der Handlung verraten!
Die Mixtur von „Alica und die Dunkle Königin“ ist eine geschickte Verknüpfung historischer Ereignisse und Fantasyelemente – selbst die erste Liebe wird hier einmal anders eingebettet – und entführt den Leser auch in eine Handlung im Jahre 1812. Und genau diese Mischung macht den Reiz aus. Es sind die liebevollen ‚Kleinigkeiten‘, die in die Story einfließen und die sie letztendlich zu Leben erwecken; sei es der „Orden der Goldenen Haselnuss“ oder das „Altenheim für irregeleitete Kobolde“, um nur zwei zu nennen.
So viel zum Text des Buches, komme ich zur Aufmachung, die wie immer bei |Ueberreuter| souverän und ansprechend ist, das Papier bestens, Layout und Schriftgröße sehr augenfreundlich sind – einzig das Lektorat ist nicht optimal und hätte etwas sorgfältiger sein dürfen. Besonders negativ ins Auge stachen die „ganz“-Kombinationen, die sich durch den gesamten Text ziehen und auf die ein guter Romantext im Gros verzichten sollte: ganz unverhohlen, ganz verzweifelt, ganz kalte Hände, ganz zufrieden, ganz offensichtlich, ganz übel, ganz frisch … etc pp. Aber auch stilistische Stolpersteine wie „Sie wirkten wirklich ergriffen“, die aber eher die Seltenheit waren.
Das ist aber auch das einzige (kleine) Manko dieses Bandes, der jedem empfohlen werden kann, der Jugendliche zu beschenken hat oder sich selbst ein märchenhaftes Lesevergnügen bereiten will – ein humorvolles, märchenhaftes Fantasyabenteuer für Jung und Alt.
|Titelillustration Jill Baumann
Titelgestaltung von Nele Schütz Design, München
323 Seiten, Hardcover|
Liebe hat viele Gesichter. Zum Beispiel das von Titus Oates, den die vierzehnjährige Symone anhimmelt. Einziger Haken dabei ist, dass Titus Oates schon seit neunzig Jahren tot ist. Das hindert ihn aber nicht daran, Symone in ihrer Fantasie zu begleiten, und er erweist sich als sehr hilfreich, als Symones Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird …
Symone lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und Onkel Victor, der eigentlich gar kein Onkel ist, zusammen. Ihr Vater ist gestorben, weshalb Onkel Victor der Familie nicht nur finanziell zur Hand geht, denn es steht nicht besonders gut ums Geld. Ihr Vater hatte Schulden, und diese müssen abgezahlt werden. Umso verwunderlicher ist es, als Victor Symone und ihre Mutter eines Tages mitten in der Schulzeit zu einem Trip nach Paris einlädt.
Ihre Mutter müssen sie leider in England zurücklassen, da diese ihren Pass nicht finden kann, doch Symone ist sich sicher, dass sie auch alleine mit Onkel Victor eine Menge Spaß haben wird. Victor allerdings hat ganz andere Pläne. Er möchte nicht nach Paris, er möchte zum Südpol. Symone ist seit frühester Kindheit Fan von allem, was mit Eis und Schnee zu tun hat. Sie hat Bücher und Filme zu diesem Thema – und ihren unsichtbaren Freund Titus Oates, der einst als Polarforscher die Südpol-Expedition von Robert Scott begleitete.
Titus ist ihr folglich eine große Hilfe, als sie plötzlich mit einer bunt zusammengewürfelten Reisetruppe im ewigen Eis landet, denn Onkel Victor hat diese Reise nicht zu Sightseeingzwecken unternommen. Im Gegenteil wird immer deutlicher, dass er bestimmte Pläne verfolgt. Pläne, die nicht nur Symone in Lebensgefahr bringen …
Geraldine McCaughrean [(„Peter Pan und der rote Pirat“), 3301 die unter anderem schon den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat, legt in „Weiße Finsternis“ einen sehr ungewöhnlichen Plot vor. Der Anfang wirkt noch recht banal. Ein Mädchen ist in ihrer Schule eine Außenseiterin, weil sie sich in ihrer Freizeit mit anderen Themen beschäftigt als ihre pubertierenden Freundinnen. Hinzu kommt die familiäre Tragödie, der Tod des Vaters. Erst als Symone und Victor sich in Paris befinden und Victor einige seltsame Verhaltensweisen an den Tag legt, wird klar, dass es hier um mehr geht als eine weitere Teenager-Außenseiter-Geschichte. Dieses Motiv spielt zwar an einigen Stellen mit hinein, mit der Zeit erschließt sich dem Leser aber, worum es wirklich geht in diesem Buch und was Victor plant. Dabei hat der Leser den Vorteil, dass er einige Dinge schneller erkennt als Symone. Diese hat eine sehr gutgläubige Einstellung gegenüber dem väterlichen Freund Victor, was den Zeitpunkt, als sie ihn durchschaut, umso dramatischer werden lässt.
Die Handlung ist spannend und sehr gut ausgedacht. McCaughrean strickt aus originellen Ereignissen eine abenteuerliche, aber trotzdem authentische Geschichte. Diese spielt sich zum Großteil in der Antarktis ab und der Autorin gelingt es auf wunderbare Art und Weise, diesen Schauplatz lebendig werden zu lassen. Mit einfachen Worten lässt sie Schnee und Eis vor dem inneren Auge des Lesers entstehen und schildert die Atmosphäre und die Besonderheiten des Südpols so verständlich und detailliert, dass man sich tatsächlich an Symones Seite wähnt, wenn sie sich durch den Schneesturm kämpft. Gerade die Beschreibungen und die Recherchen beweisen, dass McCaughrean nicht umsonst Preise gewonnen hat.
Daneben präsentiert sie eine sehr ansprechende Hauptperson beziehungsweise eine Hauptperson und die Stimme in ihrem Kopf, die einem seit neunzig Jahren toten Polarforscher gehört. Alleine diese Idee gefällt, die Ausarbeitung verdient richtig viel Lob. Die Schlagabtäusche zwischen Symone und Titus sind wunderbar humorvoll und lockern die Geschichte immer wieder auf. Hinzu kommt, dass Symone ein sympathischer und sehr realistischer Charakter ist. Sie erzählt aus der Ich-Perspektive, und dabei gibt sie sehr viele ihrer Gedanken preis. Dadurch erfährt man sehr viel über sie; beispielhaft seien an dieser Stelle die alterstypischen Gedanken genannt, die sich stets darum drehen, wie sie sich selbst sieht – und das ist nicht besonders positiv. Sie hält sich für tollpatschig & schüchtern, und die Autorin weiß diese Unsicherheit perfekt auszudrücken.
Die Sprache, die Geraldine McCaughrean dabei verwendet, ist jugendgerecht, also ziemlich einfach. Gehobene Ausdrücke kommen höchstens in Anführungszeichen vor, aber trotzdem schreibt die Engländerin unglaublich intensiv, treffsicher und bildhaft. Ihre Metaphern und Vergleiche bezieht sie zumeist auf die Antarktis, doch auch wenn nicht, sind ihre Stilmittel gut verständlich, anschaulich und von seltener Originalität. Nicht umsonst sind die Beschreibungen und die Hauptfigur so sympathisch – bei diesem Schreibstil kein Wunder!
In der Summe ist „Weiße Finsternis“ ein sehr empfehlenswertes Jugendbuch, das auch Erwachsene unterhalten kann. Bei diesem Roman stimmt einfach alles: Hauptperson, Handlung, Schreibstil – alles ist auf die Zielgruppe zugeschnitten, unterfordert diese aber auch nicht. Geraldine McCaughrean sollte auch für dieses Buch mit Preisen überschüttet werden.
Womit beschäftigen sich Erdmännchen eigentlich den lieben langen Tag? Mit Fußballspielen natürlich – jedenfalls im Hannoveraner Zoo! Dort trainieren Gustav und seine beiden Freunde Pauline und Rocky fleißig Fußball. Platz und Zeit haben sie ja, denn der Zoo ist groß und der Erdmännchen-Tag nicht allzu ausgefüllt. Während des Trainings, zu dem auch Max der Marabu und Zora das Flusspferd hinzustoßen, dichten die Tiere sich ihre Fußballlieder und Schlachtrufe, um sich selbst anzufeuern und gute Aktionen zu feiern. Doch plötzlich taucht Kurt der Maulwurf auf und kommentiert das Spiel. Die Tiere sind verwirrt – was versteht ein Maulwurf schon vom Fußball? Mehr als man denkt, denn Kurt und seine Artgenossen buddeln sich gerne ihren Weg in die AWD-Arena, wo sie den Profis zuschauen können – Hannover 96!
Neugierig wie sie sind, begleiten die drei Erdmännchen die Maulwürfe auf ihrem nächsten Ausflug und finden sich zu ihrem Erstaunen plötzlich in einem riesigen Stadion wieder, wo ganz viele Menschen auf den Tribünen sitzen, um dem Spiel zu folgen. Schnell ist die Idee geboren, einmal gegen diese Profis zu spielen. Zur Ehrenrettung behauptet Rocky, dass die Zoo-Tiere viel besser spielten als 96, woraufhin eine Wette abgeschlossen wird. So wetten die Maulwürfe, dass die Tiere nicht ein einziges Tor gegen die Profis schießen. Da es um die Ehre geht, ist der Ehrgeiz der Tiere sogleich geweckt.
Da ihnen zur Zoo-Elf noch ein paar Mitstreiter fehlen, schreiben die Tiere flugs einen Rundbrief an ihre Zoo-Gefährten. Schon am nächsten Tag melden sich der Marabu, das Flusspferd, die Giraffe, der Orang-Utan, der Strauß, die Schildkröte und das Faultier zum Duell an. Doch noch immer fehlt ein Mitspieler, weswegen die Erdmännchen zum Dschungelpalast laufen und mit der Elefantendame Califa sprechen. Eigentlich war die Elefantendame ja fürs Tor angedacht, doch Califa will lieber Stürmerin sein, worauf die Erdmännchen aber auch gerne eingehen, als sie Califa das erste Mal spielen sehen. Fortan ist der Zooalltag streng durchgeplant, die Tiere machen Ausdauertraining und üben sich in Pässen und Torschüssen, um sich auf den großen Tag vorzubereiten, der dann auch schneller da ist, als die Erdmännchen vorher gedacht hätten …
Der Autor und Zeichner Ingo Siegner wurde in Hannover geboren, wuchs in Großburgwedel auf, lebt und arbeitet heutzutage aber in der niedersächsischen Hauptstadt, wo offensichtlich der regelmäßige Zoobesuch zu seinen liebsten Hobbys zählt. So tragen seine Romanfiguren dann auch die gleichen Namen wie die tatsächlichen Tiere im Hannoveraner Zoo. Elefantendame Califa beispielsweise gehört zu den Jungelefanten, die nach 30-jähriger Wartezeit im Zoo Hannover geboren wurden. Auch die Schauplätze, an denen die Tiere ihre Technik und Ausdauer optimieren, kennt der kundige Zoobesucher, sodass man sich wieder an diesen zauberhaften Ort versetzt fühlt. Für Hannoveraner also ein echter Lesegenuss.
Aber auch die Geschichte überzeugt: Schon auf der ersten Seite schließt man Freundschaft mit den sportlichen drei Erdmännchen, die den mutigen Plan fassen, gegen echte Fußball-Profis zu spielen. Jedes Tier hat seine Eigenarten, die wir im Laufe der Geschichte immer besser kennen lernen; so beliebt das Faultier selbstverständlich zwischendurch einzuschlafen, während Califa ganz undamenhaft den Fußballrasen als Toilette missbraucht, weil das eigentliche Klo für ihren Umfang zu winzig ist. Dass der Orang-Utan mit seinen langen Armen und seinen guten Reaktionen später das Tor hüten muss, wundert dann nicht mehr weiter. Und die Tiere lassen sich nicht unterkriegen, auch wenn die erste Ausdauereinheit mehr schmerzt als vorher angenommen. Doch die Tiere erhalten kompetente Hilfe in Kurt dem Maulwurf, der durch seine regelmäßigen Besuche in der Arena ein echter Fußballkenner ist und den Tieren folglich ihre Strategie unterbreitet und sie in der Spielpause coacht. Das Wichtigste ist und bleibt den Tieren aber immer noch der Spaß an der Freud, weswegen sie sich oft genug lieber damit vergnügen, neue Fußballlieder zu erdichten.
„Gustav vor, noch ein Tor“ ist vor allem optisch eine Pracht, denn jede Seite wird dominiert von hübschen Farbzeichnungen der Tiere in ihren Spielsituationen; da sehen wir das Faultier gemütlich auf dem Fußball schlummern, während das Flusspferd den Ball lieber mit der Schnauze fängt als mit den Beinen, der Maulwurf legt sich an einer Tafel die Taktik für das Spiel zurecht und der Orang-Utan beißt kräftig beim Dauerlauf in seine Wegzehrung, die selbstverständlich in einer leckeren Banane besteht. Auch das Layout ist positiv hervorzuheben; neben der kindgerecht großen Schrift wird es durch die Bilder immer wieder aufgelockert, so sind die Textblöcke oftmals durch kleinere Bilder unterbrochen, sodass meist nicht allzu viel durchgehender Text zu lesen ist.
Das Buch ist wirklich allerliebst und für jeden Hannover-Fan – ob jung oder alt – ein absolutes Muss. Wer sich dann noch für den Zoo oder für Fußball interessiert, sollte die knapp 13 € für dieses hübsche Buch investieren und sich von Ingo Siegner in den Hannoveraner Zoo entführen lassen, um dort Bekanntschaft zu machen mit den Erdmännchen und ihren sportiven Mitstreitern.
Der erste Pumuckl-Band umfasst folgende Geschichten:
„Spuk in der Wekstatt“:
Der Meister Eder ist ein freundlicher älterer Herr, der seit vielen Jahren eine Schreinerwerkstatt führt. Bei den Kunden ist er für seine sorgfältige Arbeit und seine Gutmütigkeit beliebt. Ab und zu trifft er sich mit befreundeten Handwerkskollegen auf einen Stammtisch, ansonsten lebt er zurückgezogen und recht einsam. Eines Tages fällt Meister Eder auf, dass ständig Gegenstände verschwinden oder herunterfallen, obwohl er sich nicht erinnern kann, dass er sie auch nur berührt hätte. Er schiebt die Vorfälle auf seine Vergesslichkeit – bis er an einem Leimtopf einen Kobold entdeckt. Der kleine Kerl mit dem roten Wuschelkopf heißt Pumuckl und spukt seit einiger Zeit in der Werkstatt herum. Bisher war er unsichtbar, doch wenn ein Kobold an etwas hängen- oder klebenbleibt, wird er zwangsläufig sichtbar. Außerdem muss er bei dem Menschen bleiben, der ihn gesehen hat. Für Meister Eder beginnt eine aufregende Zeit mit seinem neuen Gefährten, der natürlich jede Menge Unsinn anstellt …
Rosamund ist ein Waisenjunge, ein Findling, und lebt in „Madam Operas außerordentlicher Marineanstalt für Findelkinder“ in der Stadt Brandenbrass. Dort wird er zwar wegen seines Mädchennamens oft gehänselt, aber eigentlich fühlt er sich im Findlingsheim ganz wohl. Doch er hat einen großen Traum: Er möchte ein Monsterjäger werden, denn die Monster bedrohen die Menschen überall. Am liebsten wäre er ein Essigfahrer auf einem großen Kriegsschiff. Ab und an kommen Anwerber in die Marineanstalt, um sich Jugendliche für verschiedene Arbeiten auszusuchen. Doch Rosamund wird nicht vom Anwerber der Marina ausgesucht. Er soll Laternenanzünder werden! Dies gefällt ihm natürlich gar nicht, doch als er auf der Reise zu seinem Arbeitsplatz von einem ruchlosen Flussschiffer entführt wird und kurz danach im Gefolge der Monsterjägerin Europa reist, merkt er, dass Monster zu töten doch nicht so prima ist, wie er es sich vorgestellt hat.
Band 1: „Der Goldene Kompass“
Band 2: „Das Magische Messer“
Fast doppelt so dick wie der zweite Teil kommt Philip Pullmans „Das Bernstein-Teleskop“ daher, das die Trilogie „His Dark Materials“ um das Mädchen Lyra und den Jungen Will abschließt. Am Ende von „Das Magische Messer“ wird Lyra entführt, Will begegnet währenddessen seinem Vater kurz vor dessen Tod, den er die ganze Zeit über gesucht hat. Immerhin kann dieser ihm noch einiges über das Messer, das durch alle Welten hindurchschneiden kann, berichten, denn Will, der nun der offizielle Träger dieses Messers ist, hat jetzt eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, die über die Zukunft aller Welten bestimmen wird.
Will und Lyra sind nur zwei Figuren im Spiel der Mächte, doch zwei bedeutsame, um die sich beide Seiten in dem bevorstehenden Kampf reißen. Es ist ein Kampf zwischen der Kirche und allen Abtrünnigen, die sich gegen die Intrigen und Machenschaften der Oberhäupter auflehnen. Und neben Will und Lyra, die sich bereits für den Kampf gegen die Kirche entschieden haben, müssen sich auch alle anderen Bewohner der zahlreichen Welten entscheiden, wo sie sich positionieren. Die Gypter, Bären, Hexen und Engel, die sich schließlich um die Kinder versammeln, wählen die Seite des Widerstands, müssen sich jedoch einem starken Feind stellen, denn ihnen steht kein Geringerer als der Allmächtige selbst gegenüber – bedrohend auf einem schwebenden Wolkenberg, der einer mobilen Festung gleicht und scheinbar durch nichts aufgehalten werden kann.
_Inhalt_
Während Will den Tod seines Vaters noch zu verarbeiten versucht, bekommt er unerwarteten Besuch. Mit Balthamos und Baruch erscheinen ihm zwei Engel, die ihn davon zu überzeugen versuchen, Lord Asriel aufzusuchen. Denn als Träger des Magischen Messers, eines Werkzeugs und einer Waffe, der kein Gegner gewappnet ist, könnte er über Sieg und Niederlage im bevorstehenden Krieg entscheiden. Doch Will ist nicht bereit, alles hinter sich zu lassen. Seine Reise durch die Welten hat ihn eng mit Lyra verbunden, und als er bemerkt, dass sie spurlos verschwunden ist, kann ihn niemand davon abbringen, sie als Erstes zu suchen.
Da die Engel ihm trotz ihrer Erfahrung und Weisheit unterlegen sind – schließlich haben sie keinerlei physischen Körper mehr -, willigen sie ein, als er ihnen einen Vorschlag unterbreitet: Will ist bereit, sich zu Lord Asriels Festung zu begeben, wenn die beiden Engel ihm dafür zuvor dabei helfen, Lyra zu finden und sie wieder in Sicherheit zu bringen. Sofort erkunden die Engel die Umgebung und können das Mädchen nach einiger Zeit tatsächlich ausmachen. Mrs. Coulter, Lyras eigene Mutter, hat das Mädchen entführt und hält es mit einem Schlaftrank in einer verlassenen Höhle fest. Richtig, keinem schmucken Palast oder einer gepanzerten Festung, denn die einst so starke und mächtige Frau versteckt sich und ihre Tochter nicht nur vor Lyras Freunden, sondern auch der Kirche, welche die Prophezeiung, Lyra könnte die nächste Eva sein, verhindern und das Mädchen töten will. Dafür sprechen sie sogar einen von ihnen von allen Sünden frei, die er auf sich laden wird, denn er soll in ihrem Namen das Mädchen ermorden. Will muss sich also beeilen, will er Lyra rechtzeitig aus den Fängen Mrs. Coulters befreien, bevor es möglicherweise andere vor ihm tun, die hinter ihr her sind.
Was in Lyra derweil vorgeht, erfährt der Leser am Ende eines jeden Kapitels in kurzen Abschnitten, welche die Gedankenwelt des Mädchens beschreiben. Über ihre Träume gelingt es Lyra, Kontakt zu ihrem alten Freund Roger aufzunehmen, der, da er bereits in „Der Goldene Kompass“ starb, im Reich der Toten anzutreffen ist. Ihre geistige Verbindung ist jedoch so stark, dass sie sich über diese Schranken hinaus miteinander verständigen können und sowohl Lyra als auch Roger einiges über den jeweils anderen erfähren. Nicht zuletzt wird durch dieses mentale Gespräch auch der Grundstein für einen neuen Handlungsstrang gelegt, da nach Lyras Befreiung aus ihrem ungewollten Schlaf der Kontakt zu Roger zwar abbricht, sie aber weiß, wo sie ihn finden kann.
Durch Kursivschrift vom üblichen Text abgegrenzt, verlaufen Lyras Gedanken über mehrere Abschnitte, aber jeweils nur für wenige Zeilen. Mitten im Satz wird der Text unterbrochen und dann am Ende des nächsten Kapitels wieder aufgenommen. Neben der rein erzähltechnischen Besonderheit, ein Kapitel gewissermaßen über mehrere andere zu verteilen und dadurch einen zweiten Spannungsbogen aufzubauen, wird durch diese Anordnung der zeitliche Ablauf der einzelnen Handlungen nachvollziehbarer. Denn während die Realzeit normal verläuft, sprechen Lyra und Roger innerhalb ihrer Traum- bzw. Todeswelt nur einige Sätze. Schließlich geht dieses Gespräch etwa zu dem Zeitpunkt zu Ende, als Lyra (in der Realwelt) aus ihrem Schlaf befreit und dadurch in die Wirklichkeit zurückgeholt wird. Jetzt heißt es handeln, denn durch die Befreiungsaktion ist kostbare Zeit verloren gegangen, die Wills und Lyras Feinde genutzt haben, um den Schlag gegen Lord Asriel vorzubereiten. Der Allmächtige hat bereits seine besten Kämpfer ausgesandt, nun will er selbst eingreifen.
_Bewertung_
Philip Pullman bleibt seinem Stil treu. Statt auf altbewährte Fantasy-Klischees zu setzen, präsentiert er auch in „Das Bernstein-Teleskop“ ein Universum, das fremdartig und faszinierend, aber doch zugleich vertraut wirkt. Neben den bereits aus den ersten Büchern bekannten Welten gesellen sich neue hinzu, lassen sich jedoch, da immer öfter von der einen in die andere Welt gewechselt wird, nur noch schwer voneinander unterscheiden. Gut, wenn sich der Leser in solchen Momenten zumindest an die lieb gewonnen Charaktere klammern kann, die allesamt ihre Rolle in dem weltenumspannenden Komplott zu finden versuchen. Da begegnet man dem Panzerbären Iorek, der Wissenschaftlerin Mary Malone und der Hexe Serafina Pekkala. Und natürlich einer Vielzahl neuer Figuren, etwa den beiden Engelsgestalten Balthamos und Baruch, die Will auf seiner Reise treue und wichtige Gefährten werden. Etwas später stoßen die Gallivespier Chevalier Tialys und Lady Salmakia hinzu, kleinen Wesen, die dank ihrer geringen Größe Verwirrung bei den Feinden stiften können, oder auch die fremdartig wirkenden Mulefa, die sich ihre Krallen zunutze machen und große, runden Samen als fahrbare Räder benutzen. Zudem sind sie etwas ganz Besonderes, denn sie haben sich mit dem Staub, einer Substanz, deren Geheimnis bisher noch nicht gelüftet werden konnte, arrangiert und leben gewissermaßen mit diesem in Symbiose.
So bunt und farbenfroh, so originell und einfallsreich Pullman auch in „Das Bernstein-Teleskop“ erneut mit seiner Geschichte und den Lebewesen zu überzeugen weiß, der ganz große Wurf gelingt dem Autor in seinem Abschlussband leider nicht. Denn allein schon die Dicke des Buches (im Vergleich zu den ersten beiden Bänden) zeigt: Pullman braucht viel Platz, um die Handlung in die gewünschte Bahn zu lenken und zu einem würdigen Ende zu bringen, so dass die Leichtigkeit der früheren Bände darunter leidet. Die vielen Nebenereignisse, die noch untergebracht werden sollen, die vielen Charaktere, die bereits eingeführt wurden, ihre Geschichte aber noch nicht beenden konnten, und vor allem der komplette Rahmen um die kirchlichen Machenschaften, der dem Autor als Zielscheibe für seine gesellschaftspolitische Kritik dient, überfrachten den Roman dermaßen, dass er die Qualität seiner Vorgänger nicht mehr erreichen kann. Der Autor hat sich trotz aller literarischen Qualitäten übernommen.
Bot „Der Goldene Kompass“ vor allem eine homogene Abenteuergeschichte und weitete „Das Magische Messer“ diese zu einer spannenden Verknüpfung mehrerer Welten aus, die sich gegenseitig beeinflussten, so fährt Pullman nun alle Geschütze auf und verstrickt sich in noch mehr Welten, noch mehr schicksalhaften Begegnungen und einem überbordenden Kirchen-Konflikt, der die Handlung entscheidend prägt, sich jedoch zugleich als ihr schwächstes Glied herausstellt.
Weniger wäre hier mehr gewesen, doch muss man Pullman zugestehen, dass sich diese Entwicklung bereits ins „Das Magische Messer“ abgezeichnet hatte und danach kaum mehr umzukehren war. So versucht er die losen Fäden zusammenzuführen, schafft dies jedoch nicht in der erhofften und den ersten beiden Bänden angemessenen Weise. Sieht man über die Komplexität, die vor allem jugendliche Leser überfordern könnte, und die Darstellung der Kirche, die hier nicht mehr nur im Hintergrund agiert, sondern offen zutage tritt, ab, ist und bleibt der Roman ein Werk, das so manch anderes in den Schatten stellt. Sich an neuen Wegen zu probieren und keine 08/15-Geschichte zu schreiben, muss dem Autor hoch angerechnet werden, auch wenn dies bisweilen zu einigen erzähltechnischen Problemen führt.
Lesenswert ist „Das Bernstein-Teleskop“ aber allemal, nicht zuletzt, weil „His Dark Materials“ hier sein Finale findet, das dann doch wieder zufriedenstellen kann. Obwohl am Ende die richtige Seite gewinnt, gibt es aber kein richtiges Happy End, so viel sei verraten. Was bei Harry Potter (etwa im Tod des Zaubererlehrlings) schlichtweg fehl am Platz wäre, macht in dieser Trilogie jedoch durchaus Sinn und verleiht dem Roman zum Schluss, aller Längen und schwer verdaulichen Passagen zum Trotz, eine würdige Note, die dem Buch allerdings schon früher gutgetan hätte.
Mit „Physic“ legt Angie Sage den mittlerweile dritten Band ihrer „Septimus Heap“-Reihe vor. Septimus Heap, der als siebter Sohn eines siebten Sohnes ein ganz besonderes magisches Potenzial aufweist, hat in den beiden vorangegangenen Bänden [„Magyk“ 1856 und „Flyte“ bereits so manches haarsträubende Abenteuer bestehen müssen. In „Physic“ muss er sich einer ganz neuen Gefahr stellen, die ihn tief in die Vergangenheit der Burg befördert.
Alles beginnt damit, dass Silas Heap, der Vater von Septimus, ohne es zu ahnen den versiegelten Geist der grausamen Königin Etheldredda befreit. Etheldredda regierte die Burg vor 500 Jahren und sie ist besessen davon, die Macht in der Burg wieder an sich zu reißen und dann, dank der Wunder der Alchemie, ewig zu leben und zu regieren. Ehe Septimus sich versieht, wird er auch schon Teil der finsteren Pläne Etheldreddas. Durch einen Spiegel wird Septimus 500 Jahre in die Vergangenheit befördert, um dem Alchemisten Marcellus Pye als Lehrling zur Hand zu gehen – beim Brauen eines Tranks, der ewiges Leben verheißt.
Septimus ist gleichermaßen verstört wie fasziniert. Die Alchemie hält spannende Aufgaben für ihn bereit, wenngleich ihm vieles sonderbar erscheint. Die Verwandlung von Metall in Gold, die Formel für ewiges Leben, all das übersteigt seinen Horizont. Sein Interesse ist eher von pragmatischerem Denken geleitet. Ihn interessieren vor allem das Herstellen von Gegengiften und das Brauen von Heiltränken. Das wäre ihm auch in seinem alten Leben von Nutzen, wo eine eigenartige Seuche die Burgbewohner dahinrafft.
Trotz all der nützlichen Dinge, die Septimus bei Marcellus Pye lernt, will er eigentlich nur eines: zurück in sein altes Leben, zurück in die Gegenwart. Doch Marcellus hält den jungen Lehrling in der Vergangenheit gefangen. Nur der Weg durch die Türen der Zeit könnte Septimus zurückbringen, aber den Schlüssel dazu trägt Marcellus stets an einer Kette um den Hals.
Derweil lassen auch Septimus‘ Freunde in der Gegenwart nichts unversucht, um Septimus zurückzuholen. Prinzessin Jenna, Septimus‘ Bruder Nicko und der Drache Feuerspei suchen nach einem Weg, durch den Spiegel zu Septimus zu gelangen. Sie schaffen es schließlich, doch wie soll es weitergehen? Wie sollen sie gemeinsam wieder heimkehren? Dazu bräuchten sie immer noch den Schlüssel für die Türen der Zeit …
Der Plot an sich klingt zunächst vielversprechend. Statt mit simpler Magie darf Septimus hier mit Alchemie hantieren. Er beschäftigt sich mit der Heilkunst, und so erhält seine Arbeit als Lehrling einen etwas wissenschaftlicheren Anstrich, der dennoch seine Schattenseite hat: die dunklen Geheimnisse der Alchemie.
Das klingt eigentlich sehr spannungsverheißend, bleibt dann aber doch etwas unspektakulär. Bei Marcellus muss Septimus dessen sagenumwobenen Almanach mit fertigstellen und geht ihm beim Brauen verschiedener Tränke zur Hand. Obwohl Septimus ja im Grunde das Opfer einer Entführung ist, wird er von Marcellus nicht schlecht behandelt. Im Grunde geht es ihm gut und er lernt eine Menge Dinge, die er bei seiner eigentlichen Lehrmeisterin, der außergewöhnlichen Zauberin Marcia Overstrand, niemals lernen könnte.
Und so verlaufen der Ereignisse nach Septimus‘ Entführung in die Vergangenheit auch eher unspektakulär. Septimus arbeitet für Marcellus, während Jenna mit ihren Freunden einen Weg sucht, Septimus zu befreien. Dazu bedient sie sich des Drachens Feuerspei, den sie auf Septimus‘ Fährte ansetzt. Auch dieses Unterfangen verläuft an sich nicht sonderlich aufregend, und so kommt der Spannungsbogen erst richtig in Fahrt, als Jenna durch einen anderen Spiegel ebenfalls 500 Jahre in die Vergangenheit reist und dort auf Septimus trifft.
Für Jenna bedeutet die Reise in die Vergangenheit eine wirkliche Gefahr. Etheldredda, die bereits ihre eigenen Kinder ermordet hat, schickt sich an, auch die junge Prinzessin zu meucheln, denn schließlich könnte eine Thronfolgerin ihrem Streben nach ewiger Macht im Wege stehen. Doch um an diesen spannenden Punkt der Handlung zu gelangen, muss man erst einmal 300 Seiten hinter sich bringen, die höchstens eine Handvoll kleinerer Spannungsmomente bereithalten. Erst auf den letzten gut 150 Seiten kommt der Spannungsbogen richtig auf Touren und die Geschichte beginnt, den Leser zu fesseln.
Die Flucht der Kinder vor der bösen Königin Etheldredda und ihre Versuche, zurück in die Gegenwart zu gelangen, sind der interessanteste Aspekt der Geschichte. Die übrigen Momente bleiben oft etwas farblos dagegen. Gerade mit Blick auf die Figuren leistet Angie Sage sich auch einige Schwächen, die vor allem auch dadurch zutage treten, dass der Plot diesmal insgesamt etwas spannungsärmer verläuft. Septimus wirkt in seiner Rolle als Entführungsopfer etwas blass. Er wurde zwar in eine Zeit gebracht, in der er sich nicht wohlfühlt, und er vermisst seine Freunde, aber emotional ist das auch schon so ziemlich alles, was sein Charakter offenbart.
Ähnlich sieht es mit den übrigen Figuren aus. Sonderlich weiterentwickelt haben sie sich seit dem letzten Band [„Flyte“ 3057 nicht, und ihr Seelenleben bleibt etwas zu eindimensional, als dass man wirklich mit ihnen fiebern könnte. Die einzige interessante neue Figur ist das junge Händlermädchen Snorri Snorrelssen, das mit einer Katze umherreist, die sich des Nachts in einen Panther verwandelt, und eher zufällig in das Abenteuer von Jenna, Nicko und Feuerspei hineingezogen wird. Ihre Rolle am Ende ist eine ganz seltsam diffuse, die dazu beiträgt, dass das Finale etwas eigenartig konstruiert wirkt. Wie schon im letzten Band, bleibt auch hier so manches offen. Sage hält sich also potenziellen Erzählstoff für einen vierten Band warm.
Was die ersten beiden Bände der Reihe so sympathisch macht, ist die Vielzahl fantasievoller Einfälle, mit denen Sage ihren Plot garniert. Sie entwirft interessante Kreaturen und würzt die Geschichte mit einer humorvollen Note. Mit dem dritten Band beginnen diese Stilmittel sich allmählich etwas abzunutzen. Die Gags wiederholen sich im Grunde – man kann halt nicht endlos schmunzeln über die Gefräßigkeit des Drachen und die Größe seiner „Häufchen“.
Neue interessante Kreaturen gibt es auch kaum. Die interessanteste wäre schon Snorris Katze/Panther, ansonsten hat Sage in dieser Beziehung nicht mehr viel zu bieten. Das sind wiederum zwei Aspekte, die den Unterhaltungswert des Romans schmälern. Man merkt, dass der Geschichte mit dem dritten Band so langsam die Puste auszugehen droht.
Der Plot verliert an Dynamik und die Figuren bleiben blass – das ist der Eindruck, der sich mit zunehmender Seitenzahl aufdrängt. Waren „Magyk“ und „Flyte“ noch angenehm fantasievoll, farbenprächtig und unterhaltsam erzählt, so bleibt „Physic“ doch recht deutlich hinter den Qualitäten der ersten beiden „Septimus Heap“-Romane zurück.
Bleiben unterm Strich also vor allem enttäuschte Erwartungen zurück, eine Geschichte, die viel Potenzial verschenkt und deren Figuren mit der Zeit zunehmend verblassen. „Septimus Heap“ ist nicht mehr das schöne, unterhaltsame Lesevergnügen für Jung und Alt, das die ersten beiden Bände versprochen haben. Die Geschichte ist abgeflacht und spannungsarm und die Figuren werden zunehmend uninteressant. Schade eigentlich, denn der Beginn der Reihe war Sage noch wirklich gut gelungen.
[Website zum Buch]http://www.septimus-heap.de/
[Hanser-Verlag]http://www.hanser-verlag.de/
[Reihe Hanser im dtv]http://www.dtvjunior.de/dtvjunior.cfm?bereich=RH
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