Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Dean Lorey – Das Portal des Barakkas (Monsterjäger-Akademie 1)

Dämonen durchstreifen die Finsterwelt: kleine Gremlins im ersten Kreis, Drachen im vierten Kreis und die Dämonenfürsten im inneren Kreis. Portaler bewachen diese Welt und schützen die Menschen davor, wenn einer von ihnen durch ein Portal hinüberschlüpfen will. Dumm nur, wenn ein kleiner Junge unwissentlich Tore in diese Welt öffnet – keine Tore in die äußeren Kreise, sondern gleich direkt ins Innere, wo Riesenspinnen und ausgewachsene Dämonen die Einladung in die Menschenwelt dankenswert annehmen.

Inhalt

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Bruce Coville – Mr Morleys Monster

Ein altes Gemäuer, ein gute bewahrtes Geheimnis und zwei neugierige Kinder auf der Suche nach Abenteuern: Aus diesem Stoff bastelt Bruce Coville eine Gruselgeschichte für Kinder. Der Name ist Programm: „Mr Morleys Monster“ warten darauf, endlich losgelassen zu werden.

Inhalt

Fox Hill, eine Kleinstadt irgendwo in Nebraska, wie es sie in ganz Amerika gibt. Viel Interessantes passiert nicht, und wenn doch, dann ist die ganze Stadt in Aufruhr. So auch beim Tod von Mr Morley, den alle nur Mumie Morley nennen. Weniger bedeutsam ist dabei Mr Morleys Tod, viel eher ist es sein Haus, das er hinterlässt. Denn mit seinen hohen Türmen, der maroden Fassade und den unheimlichen Geschichten, die jedes Kind in Fox Hill kennt, steht es im Zentrum des Interesses.

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Chris Mould – Geist von Sleepy Hollow, Der

Gruseln können sich schon die Kleinsten. Davon zumindest ist der Autor und Illustrator Chris Mould überzeugt, der in dem Band „Der Geist von Sleepy Hollow“ zehn Schauergeschichten zusammengestellt, zum Teil selbst geschrieben und mit passenden Zeichnungen kindgerecht aufbereitet hat.

Der großformatige Band, erschienen in der Jugendbuchsparte des |Ravensburger Buchverlags|, richtet sich explizit an junge Leser. Die zehn enthaltenen Geschichten sind kurz, selten mehr als ein paar Seiten lang und in großer, gut lesbarer Schrift abgedruckt. Eingerahmt werden sie von zumeist bunten Bildern, welche die Geschichte miterzählen. Da ist von dem kopflosen Reiter aus Sleepy Hollow die Rede, von Ritterrüstungen, die des Nachts zu Leben erwachen, oder von morbiden Geisterfahrern, die die Straße unsicher machen – im wahrsten Sinne des Wortes. Blutig geht es nicht zu Sache, unheimlich sind die Kurzgeschichten aber schon. Auch die Abbildungen sind harmlos, zeigen aber überwiegend finstere Gesellen und dunkle Gemäuer, nichts also für die ganz schwach Besaiteten.

Wer sich auf angenehme Weise einen Schauder über den Rücken laufen lassen möchte, dürfte mit dem Buch gut beraten sein, vor allem in den anbrechenden kalten Herbsttagen: Ein gemütlicher Leseabend vor dem Kamin statt Dauerberieselung vor dem Fernseher. Wer nicht selbst lesen möchte, findet vielleicht auch einen geeigneten Vorleser (da müssen wohl wieder die Eltern oder Großeltern ran), denn die Erzählungen sind einfach gestrickt, leicht verständlich und kommen am Ende mit einer vorhersehbaren, für junge Leser aber vielleicht doch überraschenden Wendung daher. Gut erzählt, sind den Kurzgeschichten auf diese Woche noch einige weitere Facetten abzugewinnen.

Die Hälfte der Geschichten stammt direkt aus der Feder von Chris Mould. Er versteht es, die Ängste der Kinder in prägnanter, durchweg liebevoller Art umzusetzen. In der „Gutenachtgeschichte“ sind es die nächtlichen Geräusche, welche die Zeit kurz vor dem Einschlafen so unheimlich machen. Sie könnten das Werk eines Mister Mitternacht sein, der sich im Dunkeln auf das Bett setzt und nur darauf wartet, dass der Träumende die Augen aufmacht, um seine grässliche Fratze zu erblicken. Nicht weniger angenehm erscheint der Autoraser, der Nacht für Nacht lebensmüde über die Straße düst. Wehe dem, der sich als Anhalter von ihm mitnehmen lässt, wie es Mould in „Der Fremde“ erzählt. Denn in dem Wagen geht es nicht mit rechten Dingen zu.

Die andere Hälfte der enthaltenen Geschichten basiert auf Erzählungen, unter anderem von Edgar Allan Poe, Washington Irving und Charles Dickens. Entnommen hat Mould aber nur wenige Motive, die er für Nacherzählungen umsetzt und neben seine eigenen Geschichten stellt. Sie dienen eher dazu, auf die großen Namen zu verweisen als wirklich den Charme der Klassiker zu erhalten. Als Kurzgeschichten reichen sie aber allemal.

An Leser ab zehn Jahren richtet sich der Sammelband „Der Geist von Sleepy Hollow“. Der Band ist hübsch aufgemacht, wenngleich mit 96 Seiten schnell durchgelesen. Für ein paar schaurig-schöne Herbstabende am Kamin – selbst gelesen oder vorgelesen – aber genau das Richtige. Nebenwirkungen beim Einschlafen sind allerdings nicht ausgeschlossen, denn Mister Mitternacht oder die lebenden Ritterrüstungen könnten ja gerade an diesem Abend neben dem Bett stehen.

|Originaltitel: Dust ’n‘ Bones
96 Seiten, farbig illustriert|
http://www.ravensburger.de

Jones, Frewin – Elfennacht. Die verlorene Königin (Band 2)

Band 1: „Die siebte Tochter“

Wenn man der Buchwelt Glauben schenken darf, gibt es in London unzählige Fantasy-Parallelwelten, allen voran natürlich die Zauberwelt von Harry Potter. Frewin Jones‘ Buch „Elfennacht. Die verlorene Königin“ beinhaltet zwar auch Magie, ist aber mit den Bestsellern von Joanne K. Rowling nicht zu vergleichen. Erstens ist die entsprechende Parallelwelt das Elfenreich und zweitens gehört zu einem Bestseller ein bisschen mehr als das, was die Autorin im zweiten Band ihrer Reihe „Elfennacht“ bietet.

Die sechzehnjährige Anita Palmer hat an ihrem Geburtstag etwas schier Unglaubliches erfahren. Ihr eigentlicher Name ist Tania und sie ist die Tochter des Elfenkönigs Oberon. Lange Zeit galt sie als verschollen, weil sie auf der Erde nie alt genug wurde, um ihre magische Gabe – das Wandeln zwischen den Welten – zu entwickeln und so ins Elfenreich zurückzukehren. Im ersten Band der Reihe hat Tania genau dies gemacht: Sie ist gemeinsam mit ihrem Freund Evan, der in Wirklichkeit ein Elf namens Edric ist, ins Elfenreich zurückgekehrt.

Im zweiten Band „Die verlorene Königin“ hat Tania es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Elfenmutter Titania zu suchen. Diese ist vor vielen Jahrhunderten in die Menschenwelt gereist und nicht mehr zurückgekehrt. Ihre Suche wird dadurch erschwert, dass ihre besorgten Menscheneltern ihr den Umgang mit Evan alias Edric verbieten. In ihren Augen ist der Junge schuld daran, dass Tania im ersten Band weggelaufen ist. Trotzdem finden die beiden eine Spur, die sie zu einer Anwaltskanzlei nach Richmond führt. Titania befindet sich allerdings momentan auf Geschäftsreise in Peking.

Doch nicht nur das behindert die Mission von Tania und Edric. Eines Abends platzen Tanias fünf Elfenschwestern in ihr Zimmer und bringen schlechte Nachrichten. Ihre sechste Schwester Rathina, eine bösartige Verräterin, hat den König von Lyonesse aus dem Gefängnis befreit. Dessen Ziel ist es, sowohl die Welt der Elfen als auch die der Menschen zu beherrschen, und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Er schickt seine grauen Ritter nach London, um Tania und ihre Schwestern zu töten. Wird es den Elfen gelingen, den Feind zu besiegen?

Im direkten Vergleich mit Harry Potter zieht das Buch von Frewin Jones eindeutig den Kürzeren. Das liegt vor allem daran, dass es der Geschichte an Atmosphäre mangelt. Sowohl die Handlung als auch die Personen wirken oberflächlich und beliebig. Es mangelt an Tiefe und Originalität. Elfen sind beileibe nicht selten in der Fantasyliteratur, und Jones kann ihnen nur wenig Neues hinzufügen. Ihr Roman wirkt bei der Einfachheit der Handlung wie der hundertste Aufguss der „Das Gute gegen das Böse“-Geschichte. Einzig Tanias Reinkarnationen auf der Erde wirken frisch, alles andere scheint bereits dagewesen zu sein, einschließlich des Elfenreichs. Die Handlung schreitet zwar flott voran, aber es entsteht kaum Spannung. Die Erlebnisse der Elfenschwestern reißen den Leser trotz ein paar netter Ideen nicht vom Hocker, da hier erneut der Mangel an Originalität hineinspielt.

Die Charaktere sind ebenfalls sehr oberflächlich. Sie offenbaren durchschnittliches Jugendbuchniveau und es fehlt schwer, sie auseinanderzuhalten. Abgesehen von einer sehr deutlichen Schwarz-Weiß-Zeichnung sind es die Nebenfiguren, denen es gelingt herauszustechen. Tanias freche Freundin Jade und ihr Widersacher, der boshafte Lord Drake, bleiben dem Leser wesentlich besser im Gedächtnis als die Schwestern, Edric oder gar Tania selbst.

Die Geschichte wird aus Tanias Perspektive in der dritten Person erzählt, aber die geschilderten Gefühle und Gedanken ermöglichen keine Identifikation mit dem jungen Mädchen. Dafür ist das Buch zu unpersönlich geschrieben, was seine Ursache sicherlich auch in dem durchschnittlichen Schreibstil hat. Dieser lässt sich zwar flüssig lesen, ist aber nicht besonders individuell und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

Schlussendlich ist „Elfennacht. Die verlorene Königin“ ein Fantasybuch, das sich vornehmlich an junge Mädchen richtet und keinen generationsübergreifenden Effekt wie Harry Potter hat. Die Geschichte von Frewin Jones kann leider weder mit ihrer Handlung noch mit den Personen hervorstechen. Alles wirkt sehr beliebig und es fällt schwer, so etwas wie Originalität auszumachen.

|Originaltitel: The Lost Queen
Aus dem Englischen von Janka Panskus
349 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3-473-35289-0|
http://www.ravensburger.de

Wallner, Michael – Zeit des Skorpions, Die

Unser Lebensraum auf dem blauen Planeten ist, wie sich zunehmend zeigt, recht begrenzt, und es zeichnet sich ab, dass auch unsere Erde keineswegs unerschöpfliche natürliche Stoffe und Ressourcen für uns bereithält. Das Erdöl wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt weniger; auch wenn man das eine oder andere Reservoir noch findet, so wird es in nicht einmal hundert Jahren zum letzten Mal gefördert werden.

Es gibt noch brisanteren vom Menschen betriebenen Raubbau. Die Regenwälder in Südamerika werden – ganz gleich, welche Mahnungen von Wissenschaftlern aus aller Welt uns deshalb auch erreichen mögen – weiter abgeholzt. Der Lebensraum für hunderte von Tierarten wird eingeschränkt und vernichtet. Dass die globale Erderwärmung von Jahr zu Jahr ansteigt und die Luftverschmutzung eine der Ursachen hierfür ist, wird gleichsam gerne ignoriert.

Die Europäische Gemeinschaft macht sich indes Gedanken und es werden auch Alternativen gefunden. Solar- und Windenergie bieten vielleicht die Möglichkeit, Strom- und Wasseraufbereitung zu kompensieren, so dass natürliche Ressourcen längerfristig genutzt werden können bzw. die Zeit bekommen, sich wieder zu regenerieren.

Doch wenn die internationale Gemeinschaft nicht zusammenarbeitet, so tickt die biologische Uhr mit dramatischer Beharrlichkeit gegen uns. Schon jetzt gibt es Kriege wegen des Erdöls, und die Eskalationsspirale dreht sich weiter. Welches werden die nächsten Bodenschätze und Lebenselemente sein, um die Staaten gegeneinander kämpfen?

Der Autor Michael Wallner hat mit seinem Roman „Die Zeit des Skorpions“ einen Ökothriller um das Thema der letzten Wasserreservoirs unseres Planeten verfasst:

_Inhalt_

Europa in einer nahen Zukunft. Durch die globale Erwärmung hat sich der Kontinent fast gänzlich in eine Wüste verwandelt. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts hatte sich das Erdklima erschreckend verändert, und es war für den Menschen zu spät, die katastrophalen Folgen abzuwenden. Die Pole schmolzen auf dem erhitzten Planeten und der Wasserspiegel des Meeres stieg immer weiter gewaltsam an. Ganze Städte wurden überflutet und versanken im Meer.

Noch katastrophaler allerdings verhielt sich eine andere Naturerscheinung. Die Wüste Sahara breitete sich unerbittlich aus. Sie kroch wie ein Geschwür über das Land und begrub ohne Gnade zwei Drittel des Festlands unter sich. Über Spanien, Griechenland und Süditalien bewegte sich die Wüste unaufhaltsam weiter, erst am Südrand der Alpen wurde sie von dem Gebirge aufgehalten, doch die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Die gerade erst vierzehnjährige Tonia lebt zusammen mit ihrer kleinen Familie in einem Dorf im südlichen Italien. Gerne erinnert sich Tonias Vater an vergangene Zeiten, die sein Großvater selbst noch erlebt hat. Die Region war grün und fruchtbar, die Weinhänge trugen volle Trauben, das Gemüse war schmackhaft und es gab alles in verschwenderische Fülle. Kühe, Ziegen und Schafe wurden gehalten, die Natur meinte es gut und die Menschen genossen ihr Leben in der Bergwelt, es glich einem Paradies.

Eines Tages kommt ein Sandsturm auf und Tonias Vater fällt ihm zum Opfer, als dieser ihr kleines Haus zerstört und alles unter sich begräbt. Für Tonia, ein vaterloses Mädchen, ist in dem von Dürre gebeutelten Dorf kein Platz mehr, und sie weiß, dass sie nun an auf sich allein gestellt ist.

Mit der Wüste hat sich das Verständnis der Religion der kritischen Situation und Wasserknappheit angepasst. Die „Heilige Rückgewinnung“ sieht vor, dass der tote Körper dehydriert wird, also quasi ausgepresst. Die Nüchternheit der Prozedur hat mit Gottes Gnade und Segen nicht viel zu tun. Tonia will ihren eigenen Weg gehen, und als zwei Tuareg die kleine Ortschaft besuchen, wendet sich die junge Frau voller Hoffnung an die Wüstennomaden. Als Mädchen hat sie aber in den Augen der beiden Krieger wenig Respekt und Akzeptanz zu erwarten, und so gibt sie sich als Mann aus und versteckt sich bei den beiden Männern, die, wie sie vermutet, eine gefährliche Mission vor sich haben. Sie wird entdeckt und notgedrungen bleibt den Reisenden nichts anders übrig als die junge Frau in ihrer Gesellschaft aufzunehmen. DSabei erfährt sie, dass Dula und Muganabe auf dem Weg nach Rom sind, im Auftrag und auf Bitte des Vatikans.

Die beiden Wüstenkrieger fühlen sich in der Wüste in ihrem Element. Sie wissen, wie man überlebt, sich ernährt und versteckt. Doch es gibt Parteien, welche die beiden Männer stoppen wollen: Der junge dänische General Noradt Finsokker, der fast ganz Europa militärisch mit allen Mitteln wie ein Diktator in seinem Griff hält, ist nicht gewillt, seine Machtstellung aufzugeben. Er kontrolliert die Wasserverteilung in den von Sand eingeschlossenen Gebieten, und sollten neue Wasserreservoirs gefunden werden, so könnte er in Gefahr laufen, seine Vormachtstellung zu verlieren. Auch die anderen ‚freien‘ Menschen, die „Schützentrachtler“, welche die neuen Grenzen nicht akzeptieren und sich nicht als Wüstenbewohner sehen wollen, haben ihre eigenen Interessen, und diese sind sie auch gewillt mit Waffengewalt zu durchzusetzen.

Als ein Anschlag auf die Reisenden vorgenommen wird und diese in Notwehr die Tochter des Anführers der Schützentrachtler töten, wird die Schicksalsgemeinschaft zu Gejagten und steht zwischen allen Fronten. Es bleibt ihnen nur die Flucht nach vorne, durch die Weiten der erbarmungslosen Wüste.

_Kritik_

Michael Wallner erzählt in „Die Zeit des Skorpions“ von einer düsteren Zukunft, die vielleicht gar nicht so abwegig ist. Schon jetzt werden die Rohstoffe unverhältnismäßig teuer und fragt sich der eine oder andere, wohin dieser Weg noch führen kann. Der Autor schildert mit dramatischen Emotionen in Rückblenden, wie es zu den Naturkatastrophen kam und wie sich einzelne Staaten hinsichtlich der Krise verhielten.

Die Tuareg auf geheimer Mission nehmen in der Handlung eher die Rolle des Richters und Lehrers ein. Leider erfährt man nicht viel über ihre Vergangenheit und ihre Motivation zu helfen. Trotzdem sind sie der Schlüssel zur Geschichte, die Kreuzung, an der alle einzelnen Erzählstränge zusammenlaufen. Neben ihrer Ritterlichkeit und Weisheit sind sie auch mystisch mit der Wüste verbunden und retten sich und ihre Verbündeten dadurch immer wieder.

Die Schützentrachtler, besessen von alten, längst schon überholten Traditionen, übernehmen den Gegenpart. Sie verachten alles Fremde und sehen sich immer als benachteiligt an, leider ohne darüber nachzudenken, vielleicht etwas toleranter zu sein und sich wirklich der Wüste mit den neuen Lebensbedingungen anzupassen. Ihre Wut macht sie blind dafür, richtige Entscheidungen zu treffen.

Europa befindet sich im Krieg, und die beiden Gegner sind die nordischen Länder unter General Noradt Finsokker und die mitteleuropäische Fraktion unter Erich Rexeisen. Die beiden charismatischen Männer kämpfen um die fruchtbaren Länder in Europa, jeder kriegerische Schlagabtausch endet mit tausenden von Toten. Das Kräfteverhältnis scheint im Gleichgewicht zu sein, doch beide Staaten sind nicht gewillt, miteinander zu verhandeln.

Der Vatikan spielt seine Sonderposition aus und ist zusammen mit den beiden Tuareg der neutrale Spieler in diesem Kampf um die letzten Wasserreservoirs in Mitteleuropa. Sollte sein Plan gelingen, so kann die Wüste zwar nicht besiegt, aber aufgehalten werden.

Zwischen diesen ganzen Gruppen sieht es eher so aus, als spielte das junge Mädchen Tonia eher eine Neben- als eine Hauptrolle, und das ist auch fast der Fall. Sie koordiniert ungewollt diese Interessengruppen, kann sie aber nicht kontrollieren oder lenken. Sie war einfach am falschen Platz zur falschen Zeit, und ihr jugendliches Alter macht alles noch komplizierter, als sie sich in einen der Tuareg verliebt. Diese Liebesgeschichte wirkt manchmal leicht deplatziert, findet aber doch ein positives Ende. Zu viel Romantik hätte dieser ernsten und spannenden Geschichte auch nicht gutgetan.

Gut durchdacht und mit zunehmender Spannung schildert Michael Wallner seine Geschichte. Besonders den Rückblenden und Erklärungen zur Vergangenheit, aber auch dem aktuellen Kriegsverlauf widmet der Autor besondere Zuwendung. „Die Zeit des Skorpions“ erinnert ein wenig an den Film „Waterworld“ und einige Passagen wie die Verwertung der toten Körpern weisen Ähnlichkeiten auf. Der Roman ist im Grunde ein Jugendroman, aber auch junge Erwachsene werden ihren Lesespaß daran haben. Neben einer spannenden Handlung und einer seichten Priese Romantik kommt auch die Action nicht zu kurz – die Tuareg verstehen zu kämpfen, und sogar der Vatikan hat die Vokabel „Pazifismus“ faktisch über Bord gehen lassen.

_Fazit_

„Die Zeit des Skorpions“ ist ein sehr spannender Jugendroman mit einer beklemmenden Geschichte, die zum Nachdenken, vielleicht zum Umdenken anregt. Der Kampf um die wahren Bodenschätze wie Energie und Wasser hat schon längst begonnen; noch ist daraus kein Orkan entstanden, aber sollte dieser in den nächsten Jahrzehnten entfacht werden, so könnte er sich als globaler Killer in mehrerlei Hinsicht erweisen.

Detailreich und mit einem faszinierenden, erzählerisch dichten Stil dargeboten, hat mich der Öko-Thriller „Die Zeit des Skorpions“ sehr positiv überrascht. Es ist ein Roman, der zur Diskussion anregen wird, über den gesprochen und nachgedacht werden wird; hoffentlich nicht nur in der noch jungen Generation, die ihren Einfluss auf die Zukunft richten kann.

_Der Autor_

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er hat als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Theatern gearbeitet und lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor in Berlin, Italien und dem Schwarzwald. Sein |Luchterhand|-Bestseller „April in Paris“ wurde in mehr als 20 Länder verkauft.

|320 Seiten, gebunden
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-16001-5|
http://www.cbj-verlag.de

Beatrix Gurian – Prinzentod

Dass verbotene Liebe unschöne Konsequenzen haben kann, weiß man spätestens seit Shakespeares „Romeo und Julia“. Diese Erfahrung muss auch Lissie machen, die Heldin in Beatrix Gurians Thriller „Prinzentod“.

Lissie lebt in München und soll nun zu ihrer Freundin Bernadette ziehen, da ihr Vater, ein Koch, für längere Zeit mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Bernadette hat eine eigene Wohnung im Haus ihrer Eltern, so dass die beiden Mädchen ihre Ruhe vor den Erwachsenen haben. Oder besser gesagt: haben sollten. Bereits bei ihrem Einzug läuft Lissie Kai, Bernadettes Stiefvater, über den Weg und es kommt zu einem verhängnisvollen Kuss zwischen Umzugskartons. Obwohl Kai deutlich älter als Lissie ist, verlieben sich die beiden ineinander, und bald wird mehr aus den romantischen E-Mails, die er ihr schreibt.

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Larbalestier, Justine – Magische Spuren (Cansino-Trilogie, Band 2)

_Wahnsinn oder Burnout – eine schreckliche Wahl_

Die 15-jährige Reason Cansino wurde von ihrer Mutter Sarafina im australischen Hinterland aufgezogen, stets in dem Glauben, ihre Großmutter Esmeralda sei eine böse Hexe. Reason dürfe niemals Magie ausüben. Doch es kam zu Unfällen. Wenn Reason gereizt wurde und in Wut geriet, litt das Opfer, manchmal starb es sogar – Mitschüler etwa. Dann floh sie mit ihrer Mutter, zuletzt sogar nach Sydney, wo Sarafina in die Nervenheilanstalt Kalder eingewiesen wurde. Folglich steckten die Behörden ihre Tochter Reason zu ihrer nächsten Verwandten: Esmeralda.

Esmeraldas Haus hat eine Verbindung nach New York. Per Zufall gerät Reason so auf die winterliche Erdhalbkugel, lernt dort die magische Jay-Tee kennen, deren Bruder Danny und leider auch ihren Großvater Jason Blake. Als der ihr die Magie rauben will, flieht Reason zurück nach Sydney.

Nun ist sie maßlos überrascht durch die Entdeckung, wie groß ihre magischen Kräfte sind. Esmeralda erteilt ihr und Jay-Tee, die Reason gefolgt ist, Unterricht in Magie. Den brauchen sie auch, um sich einer Belagerung erwehren zu können, bei der ihre Hintertür von einer unheimlichen Macht verformt wird. Als Reason nicht aufpasst, beult sich die Tür aus und reißt sie hindurch in die jenseitige Dimension: ins winterliche New York. Hier lauert ein alter magischer Mann vor Esmeraldas Tür, und Jason Blake dürfte ebenfalls nach ihr suchen. Reasons einzige Hoffnung besteht darin, Danny zu finden.

_Die Autorin_

Justine Larbalestier ist im australischen Sydney geboren, wo sie bis heute lebt. Mit ihren Eltern, zwei Anthropologen, zog sie mehrfach für einige Zeit in andere Gegenden Australiens, u. a. zu den Aborigines in den nördlichen Territorien (also bei der Stadt Darwin). Mit ihrem Mann, dem amerikanischen Sciencefiction-Autor Scott Westerfeld („Weltensturm“, „Midnighters“, „Uglies – Pretties – Specials – Extras“), reist sie gern und häufig nach New York City.

Die Cansino-Trilogie:

1) [Magische Töchter 4753 (Magic or Madness, 2005; dt. Mai 2008)
2) Magische Spuren (Magic Lessons, 2006; dt. Juli 2008)
3) Magische Verwandlung (Magic’s Child, 2007; dt. September 2008)

_Handlung_

Großmutter Esmeralda ist gar nicht so übel, aber auch nicht gerade ein Engel, findet Reason. Ihre Mutter hat ihr erzählt, Esmeralda esse Babys und habe eine Katze getötet und und im Keller vergraben. Das hat sich als Märchen herausgestellt, um Reason abzuschrecken, aber dennoch ist Reason auf der Hut. Die Frauen der Cansino-Sippe, die seit dem 19. Jahrhundert in Sydney gelebt haben, sind alle vor ihrem 18. Lebensjahr gestorben. Die Magie hat sie getötet. Und wenn sie nicht starben, dann wurden sie verrückt – so wie Sarafina. Wie also ist es Esmeralda gelungen, 48 Jahre alt zu werden?

Im Unterricht, den die Großmutter Reason, Jay-Tee Galeano und dem Nachbarsjungen Tom Yarbro gibt, muss sie zugeben, dass ein Magiebegabter sehr mit seiner Magie haushalten muss, oder es nimmt ein frühes Ende mit ihm oder ihr. Jay-Tee schaut schuldbewusst. Sie hat alle Ratschläge ihres Vaters in den Wind geschlagen und ihre Magie verschwendet. Jetzt ist sie dem Tode nahe – mit fünfzehn Jahren.

Auch Esmeralda wäre fast einmal an Erschöpfung gestorben. Sie hat ohne Toms Erlaubnis einzuholen von seiner Magiequelle „getrunken“. Diesen Verrat kann er ihr nur sehr schwer verzeihen. Nur Reason scheint vor Kraft zu strotzen. Genau deshalb ist ja ihr Großvater so scharf auf sie. Ausgerechnet Esmeraldas Ex-Mann Jason Blake! Vor ihm musste Reason aus New York City fliehen. Um ihre Kraft zu verstärken, gibt ihre Lehrerin allen drei Schülern magische Gegenstände, die sie am Körper tragen sollen, z. B. Knochen, Zähne, Ammoniten usw.

Diese Kraft brauchen sie auch, um sich der Macht erwehren zu können, die sich anschickt, die Verbindungstür nach New York City einzureißen. Trotz Gegenzaubers beult sich die Tür aus und verformt sich, als wäre sie flüssig. Einmal schickt sie sogar einen Ableger auf die Kinder los, und der Golem – so nennt Reason das verformbare Ding – bohrt sich in Reasons Arm. Sie spürt, dass es ein Cansino-Ding ist und stößt es kraftvoll wieder ab. Aber in einem unachtsamen Augenblick schickt die Tür einen weiteren Pseudo-Arm aus, greift sich Reason und zerrt sie hindurch nach New York City.

Doch herrscht eisiger Winter, und Reason hat nur ihren Schlafanzug an, aber keine Schuhe. Ein alter Mann steht vor ihr, der ihren magischen Angriff mühelos pariert und sie wegschickt. Reason findet schnell Hilfe bei Danny, Jay-Tees (Julietas) Bruder, und er bringt sie in seine Penthouse-Wohnung. Sie verliebt sich in Danny und schläft mit ihm, gerade noch rechtzeitig, bevor Jason Blake sie ausfindig macht und angreift. Danny und Reason können fliehen, denn Reasons Kräfte sind gewachsen, doch wohin können sie Jason Blake entwischen?

Es gibt nur einen Weg: zurück zu Oma Esmeraldas Haustür. Der alte Mann dort versucht immer noch, ins Haus einzudringen. Wird er Reason an der Flucht hindern? Doch nein, er meint es gut mit ihr: ein alter Verwandter. Und er hat ihr ein großes Geschenk zu machen: seine eigene Art von Magie.

_Mein Eindruck_

Diesmal fängt die Geschichte ganz langsam an, um dem Leser deutlich zu machen, dass es eine Reihe von Problemen für die drei jugendlichen Helden zu bewältigen gilt. Alle drei sehen sich der schrecklichen Möglichkeit gegenüber, entweder verrückt zu werden wie Reasons und Toms Mütter oder eines frühen Todes zu sterben, wahrscheinlich noch vor Vollendung des 18. Lebensjahres.

Besonders Jay-Tee hat Raubbau getrieben mit ihren magischen Kräften, und schon ein kleiner Dauerlauf bringt sie an den Rand des Abgrunds. Tom gewährt ihr sozusagen eine kleine Notration, die sie wieder auf die Beine bringt. Sie sind wie Autos, die mit dem letzten Rest Benzin laufen und damit haushalten müssen. Esmeralda geht es nicht anders. Die Lösung zwischen Wahnsinn und Tod liegt in Reason, dem „Verstand“ der Gruppe.

Nicht so Reason. Sie hat genug Kraft, doch man ist hinter ihr her, ganz besonders seitens Jason Blakes. Und vielleicht will sogar der alte Mann vor der Tür etwas von ihr. Es würde sie nicht wundern, und schon bald leidet sie unter Verfolgungswahn. Deshalb wendet sie sich mit heftigem Vertrauen an Danny, Jay-Tees Bruder. Er verwöhnt sie mit Klamotten, in denen sie selbst im kalten New York City nicht auffällt, sondern sich wohlfühlt. Sie verführt ihn nach Strich und Faden, und er kann ihrem Charme (= Zauber) nicht widerstehen. Aber wie soll sie es dann Jay-Tee beibringen? Am besten gar nicht, oder? Leider lässt sich eine Schwangerschaft nicht für immer verstecken.

Die Sache mit der Magie wird in diesem Band weiter differenziert. Demnach gibt es zwei Sorten davon: sozusagen „Magic light“ – das ist das, was Reason bislang praktiziert hat, was aber schon ausreicht, um einen Menschen zu töten. Sie müssen die richtige Dosis finden, um damit nur eine Kerze anzuzünden. Und dann gibt es die richtig heftige, transformierende Magie. Das ist die Magie, die der alte Mann ihr zeigt und injiziert. Sie ist nämlich auch materiell übertragbar. Diese Magie lässt sich zielgerichtet einsetzen, um sich selbst und andere Körper zu verformen. Reason hat schon immer in andere Körper blicken können, so wie Tom stets Formen sieht und Jay-Tee sehen kann, ob jemand lügt oder die Wahrheit sagt.

Die neue Art der Magie, die der alte Mann, ihr Ururgroßvater, ihr zeigt, erweitert Reasons Horizont auf einen Schlag. An nichts erinnert ihr Blick nun so sehr wie an den von Neo im dritten Teil von „MATRIX: Revolutions“: Die Welt erstrahlt in ihren Bestandteilen und Atomen, doch was so strahlt, ist die Magie in den Begabten. Es gibt noch genügend Nichtbegabte in der Welt, weiß Gott. Was, wenn Reason alle Magiebegabten zu einem gemeinsamen Werk zusammenbringen könnte? Die Folgen wäre im Guten wie Schlechten kaum vorstellbar.

So wie Neo zum Erlöser der Maschinenwelt, der MATRIX, geworden ist, so betrachten nun auch ihre Freunde Reason als ihre Retterin aus der schrecklichen Wahl, vor welche die Magie sie stellt: Wahnsinn oder früher Tod. Transformation könnte die Antwort sein. Aber hat Reason die sittliche Reife, um beurteilen zu können, ob die Umwandlung beispielsweise ihrer Großmutter helfen wird? Eine offene Frage, die der dritte Band beantworten muss.

|Die Übersetzung|

Die Übersetzerin hat sich bemüht, den Jugendjargon ins Deutsche zu übertragen. Zusätzlich musste sie die Unterschiede zwischen amerikanischem und australischem Englisch deutlich machen. Meistens ist ihr dies gut gelungen. Allerdings dürfte sich der deutsche Leser fragen, was denn der große Unterschied zwischen „Slip“ und „Undies“ sein soll. Es ist vielleicht eine Bemerkung wert, dass sich keinerlei Druckfehler finden ließen.

Es gibt aber auch wunderbare Stilblüten. So findet sich auf Seite 71 der Satz: „Er ließ das Wasser über seine Hand strömen, bis es abgekühlt war.“ Natürlich wird nicht das Wasser abgekühlt, sondern die Hand! Korrekt müsste es heißen: „… bis sie abgekühlt war.“ Das kommt davon, wenn man das Wörtchen „it“ eins-zu-eins übersetzt.

Beispiel zwei: „Ich glaube, das hat was mit ihrem Mathe zu tun.“ (Seite 244) Es ist ja schön und passend, wenn die Jugendlichen reden, wie ihnen der flapsige Schnabel gewachsen ist, aber man sollte ihnen in der Übersetzung durchaus den korrekten Umgang mit den Geschlechtern der Begriffe zutrauen. Es müsste also nicht „mit ihrem Mathe“, sondern „mit ihrer Mathe“ heißen. Gemeint ist nämlich |die| Mathematik.

_Unterm Strich_

Ich habe für diesen unterhaltsamen Jugendroman etwas länger gebraucht als für den ersten Band. Die Schrift ist groß, die Sätze sind einfach gehalten, die Handlung ist leicht verständlich und am Schluss auch relativ spannend. Leider jedoch braucht die Story diesmal eine Weile, bis sie in die Gänge kommt, und die Langeweile wird nicht wie im ersten Band durch Ironie, Komik und Kulturkonflikte aufgelockert.

Man könnte sagen, die drei Jugendlichen hätten ihre Unschuld verloren, aus dem Spiel sei Ernst geworden. Das kennt man ja aus TV-Mysteryserien wie „Charmed“ oder „Buffy“. Nun ja, auch Peter Parker musste seine Lektion lernen, bevor er Spider-Man werden konnte. Und weil es immer einen Schurken geben muss, an dem die Guten wachsen können, tritt diesmal der Teufel in Gestalt von Jason Blake und – irrtümlich, wie sich zeigt – des Alten Mannes auf. Das verleiht der Geschichte erst die richtige Spannung und Action.

Fünfzehnjährige dürften die Abenteuer Reasons besonders interessieren, schlägt sie sich doch mit allen Problemen herum, die mit der Pubertät einhergehen, so etwa das Begehren eines Mannes, der Sex und die Komplikationen, die darauf folgen. Diese Vorgänge erzeuge innere Spannungen, die für weibliche Leser wesentlich interessanter sein dürften als für männliche. Am interessantesten war deshalb der Schlussteil, der etwas wirklich Neues in die Geschichte einbrachte. Das macht neugierig auf die Fortsetzung.

|Originaltitel: Magic Lessons, 2006
317 Seiten
Aus dem Australischen Englisch von Kattrin Stier
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30370-2|
http://www.cbj-verlag.de

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Schweikert, Ulrike – Nosferas. Die Erben der Nacht 1

Da denkt man als naiver Mensch doch, Vampir zu sein sei einfach: Man wird gebissen (nun ja, das ist eventuell etwas schmerzhaft), man stirbt (auch da gibt es Angenehmeres) und dann wird man unsterblich, unglaublich stark, fürs andere Geschlecht unwiderstehlich und auf mysteriöse Art meistens auch reich. In der Vampirwelt von Ulrike Schweikerts „Nosferas“ jedoch haben es Vampire alles andere als leicht. Sie pflanzen sich ganz klassisch fort, was naturgemäß dazu führt, dass sie kleine Vampirbälger bekommen. Theoretisch zumindest, denn schon seit einiger Zeit ist in keinem der sechs europäischen Vampirclans ein Kind geboren worden. Auf einer Zusammenkunft vermuten die sechs Familienoberhäupter, dass das Blut der Familien schwach geworden ist und es ein Fehler war, dass die Familien jeweils für sich blieben. Um die Vampire wieder stark zu machen, rufen sie eine Akademie ins Leben, die jedes Jahr bei einer anderen Familie stattfinden soll. Dort sollen die jungen Vampire lernen, was man fürs erfolgreiche Vampirdasein so braucht.

Zum Auftakt dürfen die Nosferas aus Rom die jungen Vampire der anderen Familien unterrichten. Alisa, die zu den Vamalia aus Hamburg gehört, ist von der Reise in die ewige Stadt ganz begeistert und kann es kaum erwarten, die anderen Vampire kennenzulernen und Rom zu erkunden. Schnell freundet sie sich mit Luciano an, einem Spross der römischen Nosferas. Auch mit Ivy-Maíre von den Lycana aus Irland versteht sich Alisa gut, schließlich ist Ivy smart, herzensgut, wunderhübsch und wird ständig von ihrem beeindruckenden Wolf Seymor begleitet. Nur mit den Dracas kommt Alisa nicht klar. Die Wiener Vampire sind arrogant und eingebildet und lieben es, andere in peinliche Situationen zu bringen. Leider sind sie auch alle ungemein gutaussehend, und das macht die ganze Angelegenheit nur noch schlimmer, wenn man sich gerade mitten in der Vampirpubertät befindet!

Die Sprösslinge der sechs Familien richten sich also im Hauptquartier der Nosferas, der Domus Aurea, häuslich ein und werden fortan von verschiedenen Lehrern unterrichtet. Die Nosferas haben nämlich eine wirksame Vorgehensweise entwickelt, um sich vor christlichen Symbolen zu schützen, und diese Geheimnisse wollen sie nun an ihre Schützlinge weitergeben. Klar, dass es da einige verbrannte Fingerkuppen geben wird …

Gleichzeitig verschwinden in Rom immer wieder Vampire und es geht das Gerücht, dass ein Vampirjäger sein Unwesen treibt. Was werden die Nosferas also gegen diese Gefahr unternehmen? Und wird sich der Vampirjäger ausschalten lassen, bevor die jungen Vampire in dessen Falle tappen?

Ulrike Schweikert schreibt hauptsächlich historische Romane und Fantasy. Mit „Nosferas“, dem Auftakt zu ihrer neuen Jugendbuchreihe, dürfte sie einen ziemlichen Glücksgriff gelandet haben. Der Roman liest sich wie eine Mischung aus „Harry Potter“, „Trotzkopf“ und [„Der kleine Vampir“ 3125, was ihm fraglos eine große Fangemeinde bescheren wird. Die Grundidee ist so genial wie einfach: Schweikert ruft eine wandernde Vampirakademie ins Leben und kann so sechs Bände mit jeweils wechselnden Schauplätzen (Rom, Wien, Paris, Hamburg, London, Irland), aber den gleichen Hauptcharakteren bieten. Dazu kommt die Internatsatmosphäre aus „Harry Potter“, die sie aber anstatt mit Magiern mit Vampiren bevölkert. Man füge noch ein paar Abenteuer, Mutproben und echte Gefahren hinzu, und schon hat man ein spannendes wie auch überzeugendes Universum geschaffen.

Dabei steht sich Schweikert anfangs zunächst selbst etwas im Wege, da sie es sich nicht nehmen lässt, ihr überdurchschnittlich umfangreiches Personal praktisch in einem Rutsch vorzustellen, sodass dem armen Leser vor Namen, Orten und Verwandschaftsbeziehungen schnell der Kopf schwirrt. Immerhin geht es hier um sechs Familien mit jeweils ein bis drei Kindern, die gleichzeitig um die Aufmerksamkeit des Lesers buhlen. Es dauert eine Weile, bis man durchblickt und die einzelnen Charaktere wirklich sicher identifizieren kann, aber dann steht dem Spaß nichts mehr im Wege.

Geradezu spielerisch führt Ulrike Schweikert ihre Leser durch das Rom des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Man schlendert mit Alisa und Luciano durch das Colosseum, besucht die Katakomben vor den Stadttoren, nimmt an einem Wettrennen zur Engelsburg teil und streift über den protestantischen Friedhof. All diese „Sehenswürdigkeiten“ werden mit viel Liebe und Begeisterung beschrieben, sodass der Leser unweigerlich Lust bekommt, die ewige Stadt zu besuchen und all die Orte mit eigenen Augen zu sehen. Gleichzeitig freut man sich schon an dieser Stelle auf die weiteren Bände – schließlich wollen auch die anderen fünf Schauplätze der Serie touristisch erkundet werden!

Außerdem gibt Ulrike Schweikert ganz elegant und unaufdringlich weitere Lektüretipps. Einerseits befindet sich in der Domus Aurea eine große Bibliothek, in der sich die Leseratte Alisa gern herumtreibt. Andererseits hat einer der Servienten – ein vampirischer Diener – eine große Sammlung zum Thema Vampire angehäuft und gibt Alisa und ihren Freunden gern Lesetipps. Da werden „Frankenstein“ und „Varney“ genannt, genauso wie „Sturmhöhe“ und [„Melmoth der Wanderer“ 496 – alles Romane, die keinesfalls in der Klassikerabteilung der Bibliothek versauern sollten!

Als kleinen literarischen Scherz lässt sie ihre vampirischen Protagonisten auf dem protestantischen Friedhof (auf dem beispielsweise Percy Shelley begraben ist, einer der bekanntesten englischen Romantiker und Ehemann der „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley) auf Bram Stoker, Henry Irving und Oscar Wilde treffen, die sich dort für ihre literarischen Ergüsse inspirieren lassen. Die Szene ist pfiffig und einfach passend – ein echtes Schmankerl!

Über solchen wirklich gelungenen Passagen vergisst man gern, dass Schweikerts Vampirmythologie notgedrungen etwas seltsam anmutet. Schließlich benötigt sie jugendliche Protagonisten – „Nosferas“ erscheint bei |cbt|, der Jugendbuchschiene von Bertelsmann –, und so kann man in Schweikerts Vampirwelt auf zweierlei Art zum Vampir werden: Entweder man wird als Vampir geboren – dann durchwächst man ganz normal Kindheit und Jugendalter, bis sich der Alterungsprozess schließlich extrem verlangsamt – oder man wird gebissen. Das führt zwangsläufig zu einer Zweiklassengesellschaft. Die geborenen Vampire stehen über den „gemachten“ und halten sich diese als Diener. In manchen Familien haben auch diese Diener praktisch den Status von Familienmitgliedern, in anderen dagegen sind sie nichts weiter als untote Fußabtreter.

Ulrike Schweikert ist zwar keine begnadete, jedoch eine durchaus fähige Erzählerin, der man sich ohne Weiteres für die Dauer von 400 fantastischen Seiten anvertrauen kann. Sie vermittelt sowohl die Begeisterung für die Literatur und Musik des 19. Jahrhunderts als auch für die schönen Ecken von Rom. Gleichzeitig hat sie einen Plot und ein gutes Dutzend Charaktere geschaffen, mit denen sich junge Leser problemlos identifizieren können. Langweilig jedenfalls wird es bei der Lektüre von „Nosferas“ nie, und zweifelsohne hat Schweikert für die folgenden Bände noch einige Asse im Ärmel. Man darf also gespannt sein, wie es im Folgeband „Lycana“ weitergehen wird. Eines ist jedenfalls klar – dann wird Irland erobert!

|446 Seiten
empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30478-5|
http://www.cbj-verlag.de

Liebe Besucher meiner Internetseite,

Sonnleitner, Marco – Die drei ??? – Der tote Mönch

Justus, Peter und Bob genießen einen sonnigen Tag am Strand. Als sich ein Gewitter ankündigt, machen sie sich auf ihren Rädern schnell auf den Heimweg. Unterwegs hören sie von Highway her ein lautstarkes Quietschen sowie einen Schrei: Ein riesiger Truck hätte um ein Haar einen alten Mann überfahren, der ihm urplötzlich vor die Räder lief. Die drei ??? beruhigen den aufgebrachten Truckerfahrer und kümmern sich um den Mann, der mit einem Schock davongekommen ist.

Der chinesische Mann heißt Lo Wang und ist seit vielen Jahren Gärtner bei Christine Harkinson, einer wohlhabenden Bildhauerin. Die alte Dame ist sehr bestürzt, als die drei Jungs Herrn Wang bei ihr abliefern. Sie erzählt ihnen, dass sie sich schon seit längerer Zeit um den Gärtner sorgt. Häufig wirkt er geistesabwesend und vernachlässigt neuerdings seine Arbeit. Mrs. Harkinson ist davon überzeugt, dass er ein dunkles Geheimnis verbirgt, weiß aber nicht, wie sie ihm helfen kann.

Die drei ??? übernehmen den Fall. Es stellt sich heraus, dass Lo Wang davon überzeugt ist, dass Mrs. Harkinson in großer Gefahr schwebt. Ein Geist in Gestalt eines Mönches gehe angeblich im Garten um und bedrohe das Leben aller Bewohner des Hauses. Ein finsterer Mann gibt sich als Medium aus und erteilt Mr. Wang Aufgaben zur Besänftigung des Geistes. Die drei ??? glauben natürlich nicht daran und ermitteln …

Es ist wieder einmal typisch; da wollen die drei Jungs aus Rocky Beach einfach mal einen entspannten Tag am Meer verbringen, schon geraten sie prompt wieder an einen neuen Fall.

|Spannende Ermittlungen|

Mysteriöse Vorkommnisse mit scheinbar übernatürlichen Phänomenen gehören seit jeher zu ihrem Spezialgebiet. In diesen Bereich fällt auch dieser neue Auftrag. Der Schauplatz ist eine geräumige Villa mit einem riesigen Garten, der an einen Wald grenzt und unter dessen Grundstück sich einst ein Friedhof befand. Ein herunterstürzender Ast, der beinah auf Justus landet, deutet schon früh darauf hin, dass jemand die drei Detektive vertreiben will.

Doch wer steckt dahinter? Mrs. Harkinson ist überzeugt davon, dass ihr treuer Lo Wang unschuldig sein muss, aber das gilt es für die drei Fragezeichen erst zu beweisen. Der Gärtner wird beschattet, ein undurchsichtiger Mann, der sich als Medium ausgibt, taucht auf und sogar mit einer geisterhaften Gestalt in Kutte müssen sich die Jungs auseinandersetzen. Gefahrenszenen gibt es mehrere, die Atmosphäre auf dem nächtlichen Grundstück ist teilweise schön gruselig und erinnert somit an die klassischen Fälle der drei Fragezeichen, in denen unheimliche Ortschaften häufig eine Rolle spielen. Bei ihren Recherchen und Ermittlungen gehen die drei Jungs sorgfältig und planmäßig vor. Die Auflösung ist schlüssig, ohne dass man den Zufall dafür bemühen muss. Am Ende gibt es sogar mal eine äußerst brenzlige Situation, die einem Actionfilm zur Ehre gereichen würde.

|Gelungene Charaktere|

In dem schmalen Band ist für große Charaktertiefe natürlich kein Platz. Dennoch erscheint die Auftraggeberin Mrs. Harkinson als sympathische alte Dame mit einer Menge Temperament und trotz ihres Reichtums gänzlich unpreziös. Zwar zögert sie zunächst, ob sie die drei Jungs mit dem Fall beauftragen soll, vor allem, weil ihr unwohl ist bei dem Gedanken, ihren treuen Gärtner beschatten zu lassen – doch um Lo Wangs Ängste zu klären, willigt sie ein.

Lo Wang ist anfangs die große Unbekannte, denn anders als Mrs. Harkinson sind Justus, Peter und Bob noch nicht davon überzeugt, dass er nichts Böses im Schilde führt. Auf den ersten Blick ist Lo Wang ein kleiner dünner Mann, in dessen Geist der chinesische Aberglaube tief verwurzelt ist. Allerdings ist noch nicht bewiesen, ob er sein ängstliches Verhalten nicht vorspielt. Für einen witzigen Zwischenfall sorgt Mrs. Paton, die die Jungs und Lo Wang nach dem Unfall zu Mrs. Harkinson fährt und sich als ihre Nachbarin und angeblich enge Freundin vorstellt. Auf dem Anwesen von Mrs. Hatkinson stellt sich jedoch zum Amüsement der Jungs heraus, dass Mrs. Paton nicht mehr als eine aufdringliche Bekannte ist, die von ihrer ach so guten „Freundin“ rasch abgewimmelt wird.

Im Verhalten von Justus, Peter und Bob gibt es keine Überraschungen. Justus erfährt die Geistesblitze und trägt den größten Teil zur Lösung des Falls bei; außerdem wird er von seinen Freunden wie üblich wegen seiner Verfressenheit geneckt und trauert einem Stück Kirschkuchen hinterher, das ihm entgangen ist. Peters Angst vor Geistern kommt auf dem Friedhof zum Vorschein; ihm ist der Fall ganz offensichtlich wieder einmal viel zu gruselig und er hält den Aberglauben des Gärtners für nicht ganz abwegig. Inspector Cotta bekommt zum Schluss auch noch einen Auftritt, spielt aber eine untergeordnete Rolle.

|Kleine Schwächen|

Auch wenn das Buch insgesamt gelungen ist, gehört dieser Fall nicht zu den besten der drei Fragezeichen. Zum einen gibt es recht wenige Verdächtige, überhaupt spielen im Gegensatz zu anderen Bänden sehr wenige Personen mit. Das ist schade, denn es entsteht ja gerade dadurch eine Extra-Portion Spannung, dass man rätselt, wer der in Frage kommenden Personen der Täter sein könnte. Man vermisst auch charismatische Gegner, wie man ihnen in Bänden wie „Der seltsame Wecker“ oder „Stimmen aus dem Nichts“ begegnete.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Titelfigur erst in der zweiten Hälfte des Buches auftaucht und nicht so dominant ist, wie man nach Lesen des Klappentextes vermuten dürfte. Überhaupt wird es erst im zweiten Teil so richtig unheimlich, vorher beschränkt sich die Handlung eher auf Verfolgungen und Recherchen der drei Detektive; dabei böte der Schauplatz durchaus an, die gruselige Atmosphäre noch stärker in Szene zu setzen. Schade ist zudem, dass der Leser im Finale außen vor gelassen wird, da die letzten Erkenntnisse der Drei ihm als Pointe vorgehalten werden. Am Ende des vorletzten Kapitels machen die drei ??? die entscheidende Entdeckung; was sie genau entdeckt haben, erfährt der Leser jedoch erst einige Seiten später und wird mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt.

_Als Fazit_ bleibt ein sehr solider Band aus der Reihe, der zwar nicht zu den besten gehört, aber alle Fans zufriedenstellen dürfte. Die Handlung reiht sich ein in die eher mysteriösen und gruseligen Fälle der Drei Fragezeichen, ist spannend aufbereitet und unterhält mit humorvollen Einlagen. Trotz kleiner Mankos auf alle Fälle empfehlens- und lesenswert.

_Der Autor_ Marco Sonnleitner wurde 1965 in München geboren. Nach einem begonnenen Medizinstudium sattelte er auf Lehramt um und unterrichtet an einem Gymnasium. Mittlerweile ist er einer der Stammautoren der „Drei Fragezeichen“-Reihe. Von ihm stammen unter anderem die Bände „Codename: Cobra“, „Fels der Dämonen“, „Der schwarze Skorpion“ und „Panik im Park“. Außerdem ist er Autor der Jugend-Fantasy-Reihe um Tom O’Donnell.

Madeleine L’Engle – Die Zeitfalte

Klassiker: Suche nach dem geraubten Vater

Meg Murry kann nicht schlafen: Sie macht sich Sorgen um ihren Vater, einen Wissenschaftler, denn er ist seit einem Jahr spurlos verschwunden. Als die merkwürdige Frau Wasdenn auftaucht und behauptet, dass es die Zeitfalte gibt, nach der Megs Vater geforscht hat, brechen Meg und ihr fünfjähriger Bruder Charles Wallace zu einer magischen Reise durch Zeit und Raum auf.

_Die Autorin_

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Joyce Carol Oates – Mit offenen Augen

Eigentlich führt die fünfzehnjährige Francesca ein glückliches Leben in Seattle mit ihrem älteren Bruder Todd und der kleinen Schwester Samantha. Ihr Vater Reid Pierson ist ein ehemaliger Football-Star, der inzwischen als Sportkommentator Karriere gemacht hat. Doch die Idylle zerbricht in einem Sommer: Auf einer Party will ein älterer Junge Franka zum Sex zwingen. Nur mit Mühe kann sie sich befreien und fliehen. In diesem Moment wird „Freaky Green Eyes“, ihr Alter Ego geboren, ihre starke, kämpferische Seite, die sich von niemandem schikanieren lässt.

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Martina Dierks – Zauber der Johannisnacht

Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Auf dem Landgut Fünf Eichen von Baron und Baronin von Steckel in der Mark Brandenburg wachsen zwei ungleiche Schwestern auf. Die dreizehnjährige Tessa ist ein rothaariger Wildfang. Sie liebt es, in den Wäldern umherzustreifen und Abenteuer zu erleben. Die kleine Florentine dagegen ist ein sanftes blondes Mädchen, das von den Eltern behütet wird. Seit Jahren leidet Tessa darunter, dass ihre Schwester bevorzugt wird, obwohl Florentine nichts für die Zurücksetzung kann.

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Sanderson, Brandon – Alcatraz und die dunkle Bibliothek

Alcatraz ist schon ein wirklich merkwürdiger Name für einen Jungen. Andererseits ist Alcatraz Smedry auch ein ziemlich seltsamer Junge. Immerhin geht nahezu alles zu Bruch, was er in die Hand nimmt, von komplizierter Technik bis hin zu einfachsten Dingen wie Kochtöpfen und Türklinken. Und als würde ihm diese absonderliche Tatsache im alltäglichen Leben nicht schon genug zu schaffen machen, steht eines Tages auch noch ein alter Mann vor der Tür und behauptet, sein Großvater zu sein. Innerhalb von Minuten verwandelt sich Alcatraz‘ Leben in völliges Chaos, gerade so, als hätte er es selbst in die Hand genommen …

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist schlicht nur schräg!

Alcatraz scheint im Grunde ja ein recht normaler Teenager zu sein. Seine Kindheit bestand darin, ständig von einer Pflegefamilie zur nächsten abgeschoben zu werden, und die daraus resultierenden Verlustängste haben dazu geführt, dass er sich gegenüber seiner Umwelt komplett abgeschottet hat. Was natürlich nicht heißen soll, dass er sich nicht immer noch ein intaktes, stabiles Zuhause wünscht, nur scheint dieser Wunsch angesichts der Schäden, die Alcatraz bei jeder Gelegenheit anrichtet, völlig unerfüllbar.

Sein Großvater ist da schon ein wenig abgedrehter. Der wuselige und stets gutgelaunte kleine Mann mit dem weißen Haarkranz und Schnauzbart trägt nicht nur einen Frack und ständig wechselnde Brillen mit bunten Gläsern, er fährt auch einen Oldtimer, der gerade mal Schrittgeschwindigkeit schafft, und hält das Wort „schön“ für einen Fluch.

Außerdem wäre da noch Sing Sing erwähnenswert, ein Hüne von einem Mann, der in einem blauen Kimono herumläuft, aber statt eines Samuraischwertes ein Gewehr auf dem Rücken mit sich herumträgt, zusätzlich zu einer ganzen Anzahl großkalibriger Hand- und Schnellfeuerwaffen, die er in diversen Halftern an Arme und Beine geschnallt hat.

Das mürrische, junge Mädchen in Alcatraz‘ Alter dagegen hat außer seiner scharfen Zunge nur eine kleine Handtasche dabei, die sie, wenn sie sich ärgert, den Leuten um die Ohren haut.

Ihr Gegenspieler wirkt in seinem eleganten schwarzen Anzug und mit seinem verbindlichen Lächeln neben dieser seltsamen Gruppe geradezu gewöhnlich. So lange er vor sein verbliebenes Auge nicht ein Monokel hält, dessen Glas farbig ist …

Und das ist erst der Anfang. Denn mit den bereits mehrfach erwähnten bunten Brillengläsern hat es eine Bewandtnis. Sie sind das Werkzeug der Okulatoren. Und je nachdem, woraus diese unterschiedlichen Linsen hergestellt wurden, kann der Okulator sie für das Verfolgen von Spuren, das Auffinden von Auren, aber auch als Waffe benutzen. Überhaupt scheint Glas der Rohstoff schlechthin zu sein, denn aus ihm werden nicht nur Linsen, sondern auch dehnbare Wände, unzerstörbare Gefängnisgitter und einbruchsichere Tresore hergestellt. In Anbetracht dessen wundert es den Leser kaum noch, dass man die Fahrzeuge, die Großvater Smedry und seine Truppe benutzen, weder betanken noch lenken muss.

Spätestens hier wird klar, dass der Leser es mit Magie zu tun hat. Und natürlich stürzt Alcatraz, der in einer völlig nichtmagischen Welt aufgewachsen ist, erst mal in ziemliche Verwirrung, als er erfährt, dass das ständige Demolieren von allem Möglichen seine magische Gabe ist, so wie es die Gabe seines Großvaters ist, stets zu spät zu kommen, oder die seines Vetters Sing Sing zu stolpern.

Schließlich, als wäre das alles noch nicht skurril genug, stellt sich heraus, dass Alcatraz‘ wohlbekannte, nichtmagische Welt nur deshalb so ist, weil die Bibliothekare dabei sind, die Welt zu erobern, indem sie Wissen unterdrücken. Die Ausmaße dieser Verschwörung nehmen mit fortschreitender Enthüllung immer aberwitzigere Züge an und stellen bald sämtliche Verschwörungstheorien, die je auf dieser Welt in Umlauf waren, völlig in den Schatten.

Nicht minder aberwitzig als die Verschwörung sind die Versuche des Autors, den Leser davon zu überzeugen, dass er nicht nur kein Held, sondern sogar ein ziemlich schlechter Mensch ist, was er hauptsächlich dadurch zu beweisen sucht, dass er der Autor eines Buches ist. Die regelmäßig eingestreuten Kommentare des Erzählers dienen zum einen dazu, dem Leser klarzumachen, was für linke Tricks Autoren anwenden, wenn sie ihre Geschichten erzählen, aber auch dazu, ihn von der geschilderten Verschwörung zu überzeugen.

Das Schräge an der Sache ist, dass Brandon Sanderson dabei so ziemlich alles verdreht und ins Gegenteil verkehrt. Nicht nur, dass Alcatraz sich ständig mit der bissigen Bastille darüber streitet, ob nun Schwerter oder Schusswaffen, Feuer oder elektrisches Licht, Treppen oder Aufzüge moderner und fortschrittlicher sind. Auch die Bezeichnung von Büchern, die in der wirklichen Welt spielen, als Fantasy und umgekehrt gehört dazu. Diverse Absurditäten wie die mit den Dinosauriern (selber lesen!) runden die ganze Sache ab.

Um ehrlich zu sein: Ich würde das Buch nicht als spannend bezeichnen. Aber es ist so verrückt und gleichzeitig so trocken erzählt, so voller Überraschungen und voller ironischer Anspielungen – sei es nun auf den Boom der Verschwörungstheorien, den |american way of thinking| oder die Literatur im Allgemeinen und ihre Produzenten im Besonderen – dass ich mich jederzeit köstlich amüsiert habe und gelegentlich laut lachen musste. Das Lesen dieses Buches hat wirklich Spaß gemacht.

Brandon Sanderson gehört zu denjenigen, die bereits als Kinder phantastische Geschichten schrieben. Sein Debütroman „Elantris“ erschien 2005, seither hat er weitere Romane geschrieben. „The final Empire“ und „The Well of Ascension“ sind Teile seiner Trilogie Mistborn. Außerdem arbeitet der Autor an zwei weiteren Serien, Warbraker und Dragonsteel. „Alcatraz und die dunkle Bibliothek“ ist der erste Band einer Jugendbuchserie, deren Fortsetzung unter dem Titel „Alcatraz und das Pergament des Todes“ im November dieses Jahres erscheint.

Originaltitel: Alcatraz Versus the Evil Librarians
Übersetzt von Charlotte Lungstrass
 Paperback, 304 Seiten

ISBN-13: 978-3-453-52414-9

www.brandonsanderson.com
http://www.heyne.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (7 Stimmen, Durchschnitt: 1,86 von 5)

 

Berkeley, Jon – 212 Könige, Die (Die unglaublichen Abenteuer von Miles und Little 2)

Band 1: [„Das gestohlene Lachen“ 3839

Nach ihrem haarsträubenden Abenteuer in der Hauptstadt leben Miles und Little nun zusammen mit den anderen Kindern bei Lady Partridge in deren Landhaus – zumindest bis der Zirkus der Brüder Bolsillo nach Larding kommt.

Die drei Clowns, die Miles und Little im Palast des Lachens gegen den Großen Cortado beigestanden haben, wollen Little für eine Saison mit auf Tournee nehmen. Sie hoffen, dass Littles Musik dabei hilft, den Menschen ihr gestohlenes Lachen zurückzugeben. Also begleiten Miles und Little die drei Brüder. Aber wie sie nur zu bald erfahren, ist der Große Cortado aus der Psychiatrie ausgerissen und nun auf der Suche nach dem Jungen, der ihm so gründlich die Tour vermasselt hat …

_Die Charaktere_ sind größtenteils dieselben wie im ersten Band. Dadurch, dass Miles und Little die Bolsillos begleiten, verschiebt sich die Gewichtung ein wenig von Lady Partrigde und Bolzenglas weg hin zu den drei Clowns, aber wirklich neu ist nur Doktor Tau-Tau. Doktor Tau-Tau ist Wahrsager und ausgesprochen überzeugt von sich selbst, obwohl er meistens ziemlich danebenliegt. Abgesehen davon ist er ein wenig konfus und ziemlich ängstlich. Und er hütet offensichtlich ein Geheimnis.

Wie die übrigen Charaktere ist auch Doktor Tau-Tau sehr gut dargestellt und passt hervorragend in das Sammelsurium aus kuriosen, etwas schrägen Typen, die Jon Berkeleys Roman bevölkern. Aber obwohl die Charakterzeichnung problemlos mit dem Vorgängerband mithalten kann, gelingt es ihr diesmal nicht, ihren vollen Charme zu entfalten, vielleicht deshalb, weil Doktor Tau-Tau diese Aufgabe diesmal fast allein erfüllen muss. Erst als gegen Ende des Buches der Zirkus wieder nach Larding zurückkehrt und auch die anderen Figuren wie Lady Partridge und die örtlichen Polizisten, allen voran Sergeant Brumley, wieder auftauchen, wird dieser Aspekt wieder etwas lebendiger und spritziger.

_Neu sind_ auch die Firbolk, ein Völkchen wilder, kleiner, behaarter Leutchen, die unter der Erde wohnen und einst ein magisches Artefakt verliehen haben, das sie nun zurückhaben wollen. Dummerweise ist die Frau, die sich das Artefakt geliehen hat, inzwischen verstorben, und dummerweise hat ihr Sohn – Miles – keine Ahnung davon, worum es bei dieser ganzen Sache geht. Aber natürlich wäre er nicht Miles, wenn er nicht unbeirrt versuchen würde, etwas darüber herauszufinden. Leider sind alle Leute, die seine Mutter kannten, in dieser Angelegenheit äußerst zugeknöpft!

Da das Rätsel, das Miles diesmal zu knacken hat, mit seiner Mutter zusammenhing, bedeutet die Auflösung gleichzeitig eine Rekonstruktion seiner Familiengeschichte. Und schon bald zeigt sich, dass alles irgendwie miteinander zusammenhängt: der Große Cortado, Miles‘ Mutter, der Tiger, ja sogar das Zero sind Teil der ganzen Geschichte; und offenbar war es kein Zufall, dass ausgerechnet Miles mitten in dieses Abenteuer hineingestolpert ist.

Und während der Leser damit beschäftigt ist, häppchenweise die Informationen zusammenzusetzen, dreht der Zirkus seine Runde und kehrt zum Ausgangspunkt zurück. Viel passiert auf dieser Reise folglich nicht; die Handlung ist wesentlich ruhiger als im ersten Band. Die Vergangenheit steht diesmal im Vordergrund, und selbst die kurze Turbulenz, die Miles‘ und Tau-Taus Ausflug zu den Firbolg auslöst, dient nicht nur der Belebung der Handlung, sondern gleichzeitig der Weitergabe zusätzlicher Informationen. Richtig aufregend wird es diesmal erst gegen Ende, als der Zirkus schon fast wieder Larding erreicht hat. Das Ausbüchsen des Zero und die letzte Zirkusvorstellung in Larding bringen noch einmal kräftig frischen Wind in die Ereignisse.

_Bleibt zu sagen_, dass trotz vieler netter Ideen wie jene mit den Uhren und den Ratten und auch Bolzenglas‘ Zusammentreffen mit Doktor Tau-Tau dieser zweite Band ein wenig hinter dem ersten zurückgeblieben ist. Natürlich ist die Rätselei um Miles‘ Eltern und das Tigerei durchaus interessant, und die Szene am Höllenschlund ist wirklich drollig. Insgesamt fehlt dem roten Faden, den hier die Suche nach der Vergangenheit stellt, aber ein wenig der Sog, die Dringlichkeit, die der Rettungsaktion von Miles‘ Bärchen Mandarine innewohnte.

Für Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren, für die manche Zusammenhänge wahrscheinlich noch nicht so offensichtlich sind wie für Erwachsene, stellt diese Fortsetzung aber immer noch eine nette und liebenswerte Lektüre dar.

_Jon Berkeley_ stammt aus Dublin und lebt in Katalonien. Nach zwanzigjähriger Tätigkeit als Illustrator begann er mit „Das gestohlene Lachen“ die Trilogie um Miles und Little. Wann der dritte Band erscheint, ist allerdings noch offen.

http://www.ravensburger.de

Erhardt, Stefan (Autor) / Görtler, Carolin (Illustratorin) – Tim will zum Fußball

Kurz vor Beginn der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz ist Fußball in aller Munde. Und wer immer noch nicht weiß, worauf es beim Fußball ankommt und welche Positionen es für die Spieler auf dem Platz gibt, der kann sich dies nun auf unterhaltsame Weise erzählen lassen.

Inspiriert von der |Sportschau|, die sein Papa nie verpasst, peilt der kleine Tim eine Karriere als Fußballstar an. Doch so richtig weiß er noch gar nicht, auf welcher Position er eigentlich spielen will. Also versuchen Vater und Sohn gemeinsam herauszufinden, welche Talente Tim hat und wo er diese am besten einsetzen könnte. Allerdings klappt die Kommunikation nicht so ganz, denn Tim versteht seinen Papa oftmals falsch und glaubt zum Beispiel, dass die Mausefalle aus dem heimischen Keller ihm bei der Abseitsfalle behilflich sein könnte oder dass er nun täglich Bananen essen muss, um bessere Bananenflanken schießen zu können. Am Ende weiß Tim aber, was er werden will, denn er hat auf jeder Position seine Talente entdeckt und kann somit vom Abwehrspieler über den Stürmer bis hin zum Trainer alle Rollen einnehmen.

„Tim will zum Fußball“ ist eine liebevoll illustrierte Geschichte für Kinder, die sich kurz vor der Europameisterschaft noch genauer über Fußball informieren möchten. Stefan Erhardt erzählt die Geschichte eines Gesprächs zwischen Vater und Sohn, das den Fußball und die notwendigen Talente der einzelnen Spieler zum Inhalt hat. Im Grunde genommen ist die Geschichte sehr simpel gestrickt, denn Tims Vater erzählt seinem Sohn, welche Möglichkeiten es im Fußball gibt und welche Kenntnisse und Talente für die jeweilige Rolle erforderlich sind. Ihren Reiz gewinnt die Erzählung dadurch, dass Tim seinen Vater ganz allerliebst missversteht. Wenn sein Vater ihm sagt, dass der Ball einem Stürmer am Fuß kleben muss, holt Tim schon die große Tube Klebstoff aus seinem Zimmer, um dem Ganzen nachzuhelfen. Und dieses Muster setzt sich auch fort, bis schließlich alle Positionen durchgespielt sind und Tim den Eindruck gewinnt, er könne eigentlich alles machen.

Gelesen ist die Geschichte recht schnell, aber durchgeblättert auf keinen Fall, denn jede Doppelseite ist liebevoll und farbig gestaltet. Carolin Görtler haucht Erhardts Figuren Leben ein und lässt uns dadurch an ihren Emotionen und Handlungen teilhaben. Alle Zeichnungen stimmen bis ins letzte Detail und verbergen viele niedliche Feinheiten, die unbedingt entdeckt werden wollen. Tim und seinen Vater werden so zum Beispiel von zwei lustige Gefährten bei ihrem Gespräch begleitet, und zwar einem Teddybär und einer kleinen Maus. Diese beiden süßen Gesellen werden während des Gesprächs ebenfalls aktiv. Auf dem einen Bild sieht man den Teddybär in voller Fußballfanmontur mit einem Wimpel in der Pfote, auf einem anderen spielen sich Teddy und Maus einen kleinen gestreiften Ball zu, in der nächsten Szene sucht der Bär verzweifelt nach der Maus und kurz darauf trainiert der Teddy seine Sportler-Beine, indem er drei Bücher mitsamt der Maus in die Höhe stemmt. Diese hübschen Details sorgen dafür, dass man jedes Bild minutenlang anschaut, jeden Winkel betrachtet, um auch bloß nichts zu verpassen.

Text und Bild gehen in diesem wunderschönen Buch Hand in Hand; besonders angetan hat es mir die vorletzte Doppelseite, auf der Tim noch einmal rekapituliert, was er eigentlich alles kann und welche Möglichkeiten im Fußball ihm dies eröffnet. Und natürlich setzt es sich hier wieder fort: Er nimmt die Aussagen seines Vaters wörtlich und will dem Gegner mit einer Schere den Weg abschneiden bzw. das Spiel ankurbeln, indem er an einer Kurbel dreht, die am Rande eines Miniaturstadions befestigt ist. Jedes Bild passt wunderbar zu der hübschen Geschichte, doch ohne diese liebevollen Zeichnungen, die Tims Missverstehen noch einmal verdeutlichen, würde die ganze Erzählung nicht funktionieren.

„Tim will zum Fußball“ ist eine allerliebst illustrierte Geschichte für Fußballfans jeden Alters, die irgendwie Kind (geblieben) sind und Spaß daran haben, etwas Neues zu entdecken. Dieses Buch kann man nach dem ersten Lesen gleich noch einmal von vorne beginnen, um den Zeichnungen noch mehr Aufmerksamkeit widmen zu können. Dann nämlich entdeckt man auf einigen Seiten tatsächlich noch etwas Neues.

http://www.titania-verlag.de

Rhiannon Lassiter – Böses Blut

Mary Hoffman und Rhiannon Lassiter beweisen, dass Schreibtalent vererbbar ist. Hoffman, die Mutter von Lassiter, ist vor allem durch ihre Kinderbuchreihe „Stravaganza“ bekannt, während ihre Tochter in Deutschland bislang noch nicht so viel Beachtung gefunden hat. Mit „Böses Blut“, das als Hardcover bei der |Fischer Schatzinsel| veröffentlicht wurde, soll sich das nun ändern.

Verrückter könnte eine Familie nicht sein: Seit Peter und Harriet geheiratet haben, gibt es ständig Streit in der sechsköpfigen Patchworkfamilie. Schuld daran sind die Teenager Katherine und Catriona, während John und der ältere Roley sich gegenseitig ignorieren. Beide Mädchen lassen sich „Cat“ bzw. „Kat“ nennen, doch wem gehört der Spitzname nun? Dieser Streit sorgt für eine gespannte Atmosphäre, auch als die sechs im Urlaub zu dem verwinkelten Haus fahren, in dem Katherines und Johns verstorbene Mutter aufgewachsen ist. Die beiden waren noch nie dort und sie wünschen sich auch schnell, dass es dabei geblieben wäre. Das Haus ist unheimlich, scheint ein Geheimnis zu verbergen. Schließlich passieren seltsame Dinge. Katherine findet eine Geheimkammer mit vielen alten Büchern, in denen die Namen einiger Charaktere herausgestrichen sind, Catriona wird von einer mysteriösen Puppe verfolgt, und dann ist da auch noch Alice, das unscheinbare Mädchen aus dem Dorf, das es Roley angetan hat …

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John Flanagan – Der eiserne Ritter (Die Chroniken von Araluen 3)

Enttäuschender Übergangsband

Sein ganzes Leben hat der 15-jährige Waisenjunge Will davon geträumt, ein Ritter zu werden wie sein Vater. Weil er aber zu klein und schmächtig ist, wird er dem geheimnisvollen Waldläufer Walt als Lehrling zugeteilt. Als das Königreich Araluen von einem altem Feind und dessen ungeheuerlichen Kreaturen angegriffen wird, muss Will sich bewähren und stellt fest, dass das Leben eines Waldläufers viele Herausforderungen, aber auch besondere Möglichkeiten birgt …

Band 2: Der Angriff Morgaraths geht weiter, doch die Waldläufer wissen nicht, wo. Will ist bereits einige Zeit bei den Waldläufern König Duncans, die sowohl Krieger als auch Späher und Agenten sind. Da schickt sein Lehrmeister Walt den jungen Bogenschützen auf eine Mission in das entlegene Nachbarland Celtica. Aber Celticas Dörfer und Kupferminen liegen ausgestorben da. Doch mitten in der Wildnis erhebt sich eine gigantische neue Brücke über einer Schlucht, die das Land Morgaraths begrenzt. Sie wurde offensichtlich erbaut, um heimlich in Araluen einfallen zu können. Wenn Will nicht schnell handelt, ist das Königreich, das Morgarath woanders erwartet, in höchster Gefahr.

Band 3: Der Waldläuferlehrling Will ist mit der Prinzessin Cassandra, die sich Evanlyn nennt, in die Gefangenschaft von nordischen Söldnern Morgaraths geraten. Auf einer stürmischen Insel in Skandia hofft Evanlyn darauf, dass sie freigekauft wird, doch dann erfährt Will, dass Jarl Ragnak ihrem Vater einen Racheschwur geleistet hat. Erführe er, wer Evanlyn in Wahrheit ist, wäre das ihr Ende – und wohl auch das von Will. Unterdessen reitet Walt zusammen mit Wills Freund Horace los, um Will zu suchen und zu befreien.

Der Autor
John Flanagan – Der eiserne Ritter (Die Chroniken von Araluen 3) weiterlesen

Feldkirchner, Jennifer – Paule das kleine Stinktier

Literarisch wurden Stinktiere bislang arg vernachlässigt, und wenn sie doch einmal in Büchern oder Filmen auftauchten, so nur als stinkende Wesen, die keine Sympathiepunkte sammeln konnten. Diesen Missstand will Jennifer Feldkirchner mit ihrem ersten Kinderbuch, in dem ein kleines Stinktier die Hauptrolle spielt, nun beheben.

Bevor wir aber das kleine Stinktier Paule kennenlernen, erfahren wir zunächst einiges über die Gewohnheiten und Eigenarten von Stinktieren – und das sogar farbig bebildert. Doch schon auf Seite zwölf treffen wir endlich Paule und erfahren sein großes Geheimnis: Paule hat nämlich eine wunderschöne Höhle entdeckt, die er nun seiner besten Freundin Lisa zeigt. In der Höhle, die sich hinter dichtem Gestrüpp versteckt, leuchten viele bunte Lichter, die den Ort zu etwas ganz Besonderem machen, und so wird aus Paules großem Geheimnis auch Lisas Geheimnis. Doch die Höhle ist nicht immer so beschaulich wie bei Lisas erstem Besuch, denn bald sucht ein wildes Tier die beiden in ihrem Versteck heim. Nur mit Glück und einem stinkenden Pups kann Paule das gefährliche Tier verscheuchen.

Gemeinsam erleben Paule und Lisa noch viele weitere Abenteuer: So geht ein mysteriöser Dieb in Müffelsdorf um, der sich komischerweise nur die wollenen Unterhosen der weiblichen Dorfbewohner schnappt. Wer hinter diesen Diebstählen steckt, finden Paule und Lisa schließlich mit einer kleinen List heraus, doch am Ende haben sie sogar großes Mitleid mit dem Dieb und lassen ihn laufen … Kurz darauf bekommen die beiden kleinen Stinktiere eine neue Mitschülerin, die aufgrund ihres Aussehens schnell zur Außenseiterin abgestempelt wird, doch so etwas duldet Paule nicht und beschließt daher, auf Bella zuzugehen. Fortan haben Lisa und Paule eine neue Weggefährtin, die auch bald in das Geheimnis der Höhle eingeweiht wird.

Unterbrochen wird diese Rahmengeschichte durch Paules wilde und kuriose Träume und durch seine Abstecher zu seinem Großvater, der in seinem Leben schon unglaublich viel erlebt hat und nur zu gerne von all seinen Abenteuern berichtet.

Schon auf dem Titelbild winkt uns ein fröhlicher Paule entgegen und auch Bella und Lisa können wir gleich erblicken, und diese drei sind es auch, die wir bei ihren Abenteuern begleiten. Paule hat eine kleine liebenswürdige Eigenschaft, die ihm ausgesprochen peinlich ist, die ihm und Lisa allerdings auch das Leben rettet. Denn Paule kann nicht immer kontrollieren, wann er seinen übel riechenden Pups ab“feuert“; so passiert es mitunter ganz ungewollt, dass Paule sich und seine Gefährten in eine Stinkwolke einhüllt. Alleine diese Eigenart macht ihn mir schon sympathisch, weil sie zeigt, dass unser kleiner Held alles andere als perfekt ist.

Jennifer Feldkircher zeichnet – und das ist hier wörtlich gemeint – liebevoll einige sehr sympathische und tierische Charaktere. Auf nahezu jeder Doppelseite findet sich passend zur jeweiligen Situation eine Zeichnung, manche auch in Farbe. Manchmal sind es nur einfache Strichzeichnungen in schwarzweiß, die aber dennoch im Detail sehr viel Aussagekraft besitzen. Denn auch wenn die Stinktiere aus nur wenigen Strichen bestehen, so haben sie doch immer einen zur Situation passenden Gesichtsausdruck – seien es Lisas strahlende Augen, als sie das erste Mal die Höhle betritt, oder sei es die Todesangst in Paules Blick, als er vor einem riesigen Kraken flüchtet. Immer kann man den Gesichtern ablesen, in welcher Gemütsverfassung sich die kleinen Stinktiere gerade befinden! Besonders ins Auge fallen natürlich die Farbzeichnungen, die in satten Farben gehalten sind und allen Kindern und Junggebliebenen ausgesprochen gut gefallen dürften. Alle Bilder wirken dadurch fröhlich, und die Stinktiere strahlen sehr viel Lebensfreude aus. Durch die vielen liebevollen und aussagekräftigen Zeichnungen wird das Buch zu einem optischen Hochgenuss, der einem die beschriebenen Szenen noch deutlicher vor Augen führt.

Aber auch inhaltlich überzeugt „Paule, das kleine Stinktier“, denn die Geschichten sind lustig, kindgerecht und unterhalten sogar ältere Leser. Mit Paule, Lisa und Bella hat Jennifer Feldkirchner drei (stink)tierische Charaktere geschaffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, denn Bella mit ihrem extravaganten Aussehen ist eine ganz andere Persönlichkeit als die kleine Lisa mit ihren blonden Zöpfen. Besonders gut hat mir gefallen, wie Paule und Lisa ganz selbstverständlich Bella in ihrem Freundeskreis aufnehmen, sie in ihr Geheimnis einweihen und gleich zu Weggefährten werden, obwohl die anderen Stinktiere Bella schneiden. Freundschaft ist somit ein ganz wichtiger Aspekt, der natürlich in einem Kinderbuch auch nicht fehlen sollte. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass die meisten Erwachsenen noch viel lernen könnten von Paule und Lisa.

Die Autorin beweist eine blühende Fantasie mit ihren Geschichten, und das sei hier durchaus positiv gemeint. Denn gerade die Abenteuer, die Paule in seinen Träumen erlebt (und die ihn meist vor seinem Bett aufwachen lassen), und auch die Erlebnisse aus Großvaters reichhaltigem Erfahrungsschatz sind dermaßen lustig und spannend, dass ich gerne noch viel mehr darüber erfahren möchte. Zu bemängeln ist eigentlich nur eines, und das ist die etwas zu sparsame Verwendung diverser Satzzeichen, denn so manch ein fehlendes Komma hätte die Sätze leichter lesbar gemacht.

„Paule das kleine Stinktier“ ist eine rundum gelungene Geschichte. Jennifer Feldkirchner beweist mit ihrem Erstlingswerk ihr hervorragendes Zeichentalent, mit dem sie auch in auf den ersten Blick ganz simplen Zeichnungen viele Details unterbringt und die Szenen lebendig werden lässt. So werden uns die handelnden Stinktiere nicht nur durch die geschriebenen Geschichten sympathisch, sondern auch durch die zum Teil sehr farbenfrohen Bilder. Damit kann ich nur hoffen, dass es möglichst bald eine Fortsetzung geben wird, in der wir weitere Geschichten von Paule und seinen Freunden zu lesen bekommen werden.

Atwater-Rhodes, Amelia – Vampirjägerin, Die

Turquoise ist Mitglied einer Organisation von Auftragskillern, die sich auf das Übernatürliche spezialisiert hat. Der Einfachheit halber gibt es in den Räumen dieser Organisation ein schwarzes Brett, an dem ganz praktisch ausgehängt ist, welches schlimme Übel gerade zur Strecke gebracht werden muss. Turqouise hat jedoch zunächst andere Sorgen, denn mit Ravyn kämpft sie – buchstäblich bis aufs Blut – um den Führungsposten bei Bruja, so der Name des elitären Grüppchens. Die beiden sind allerdings relativ gleichstark, sodass der Kampf ergebnislos auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird.

Turquoise und Ravyn können sich zwar nicht ausstehen, doch als sie Bruja verlassen, bekommen sie beide denselben Job angeboten: In Midnight einzudringen und die Vampirin Jeshickah zu töten. Da der Auftraggeber bei Erfüllung des Jobs ein nettes Sümmchen in Aussicht stellt, beschließen Turquoise und Ravyn, sich als Sklavinnen nach Midnight verkaufen zu lassen, um dort an ihr Zielobjekt zu kommen.

Midnight ist der Traum eines jeden Vampirs: Ein hübsches Anwesen, geschmackvoll eingerichtet und mit reichlich menschlichen Snacks zu jeder Tages- und Nachtzeit bestückt. Einmal dort angekommen, müssen Turquoise und Ravyn jedoch feststellen, dass ein paar Überraschungen aus der Vergangenheit dort auf sie warten. Turquoise trifft dort Daryl wieder, den Vampir, der einst ihre Familie tötete und sie als Sklavin verkaufte. Von Rachegedanken besessen, vergisst sie allerdings ihren eigentlichen Auftrag.

Amelia Atwater-Rhodes ist eine junge amerikanische Autorin (Jahrgang 1984), die mit dreizehn Jahren ihren ersten Roman schrieb und seither stetig Jugendbücher für Leser veröffentlicht, die sich für Dark Fantasy begeistern können. „Die Vampirjägerin“ ist nach „In den Wäldern tiefer Nacht“ (2000) und „Die Nacht der Dämonen“ (2002) Atwater-Rhodes‘ dritter auf deutsch erschienener Roman. Es fällt schwer, nicht der Versuchung zu erliegen und das zarte Alter der Autorin zu thematisieren – schließlich war sie bei der Erstveröffentlichung von „Die Vampirjägerin“ erst achtzehn Jahre alt. Sicher ist es zu bewundern, wenn jemand schon in so jungen Jahren vom Erzählfieber gepackt ist und Geschichten zu Papier bringt. Doch sollte eine Geschichte nicht nach dem Alter des Autors bewertet werden, sondern von sich aus überzeugen. Und das schafft „Die Vampirjägerin“ leider nicht. Atwater-Rhodes hat zwar durchaus Fantasie (das beweist nicht zuletzt ihr bereits sehr umfangreiches Œuvre), nur hapert es an der Übersetzung ihrer Ideen in wirklich lesenswerte Prosa. Dieses Problem jedoch lässt sich wohl nur durch Übung und Reife überwinden.

Schon den Inhalt von „Die Vampirjägerin“ zusammenzufassen, ist keine leichte Aufgabe. Denn eigentlich beginnt Atwater-Rhodes mit einer Geschichte – nämlich dem Auftrag, Jeshickah zu töten -, um dann nach der Hälfte des Romans eine Kehrtwende zu machen und eine zweite Geschichte zu erzählen. Plötzlich geht es nämlich um Turquoises persönliche Vendetta an Daryl. Dieser hatte, das erfährt der Leser nur aus sporadisch gesähten Rückblenden, Turquoises Familie ermordet. Turquoise selbst, die damals noch Cathy hieß, wurde zu seiner Sklavin und konnte sich erst viel später aus seinen Fängen befreien, um daraufhin zur Vampirjägerin zu werden.

Daryls Eingreifen in Cathys behütetes Familienleben ist also der Knackpunkt in Turquoises Psyche. Aus diesem Grund ist sie Vampirjägerin geworden und hat sich sozusagen aus der „normalen“ Gesellschaft ausgeklinkt. Mehr und mehr spürt sie nun aber die Einsamkeit, die das mit sich bringt. Als sie einen ehemaligen Schulfreund trifft, wird ihr klar, wie wenig die heutige Turquoise noch mit der kleinen Cathy gemein hat. Das alles erinnert ganz stark an ein Dilemma, das eine viel bekanntere Vampirjägerin auch schon hatte. Auch Joss Whedons |Buffy| musste immer wieder feststellen, dass nur eins geht: Vampire jagen oder Cheerleader sein. Doch im Gegensatz zu Buffy glaubt Turquoise, die Lösung für das Problem gefunden zu haben. Wenn sie schon nicht mehr in die menschliche Welt passt, kann sie sich doch den Untoten anschließen! Und prompt offeriert ihr auch ein Vampir das ewige Leben. Na, wenn das keine Alternative ist! Da muss man sich schon fragen, aus welchem Grund Turquoise eigentlich Vampire jagt, wenn sie so wenig Skrupel hat, selbst einer zu werden.

Dieses Beispiel legt den Finger an die Wunde: Atwater-Rhodes‘ Charaktere sind blass, oberflächlich und schablonenhaft. Dabei ist Turquoise als Protagonistin noch die Figur, auf die Atwater-Rhodes die meiste Zeit verwendet. Aber auch ihre Geschichte mag den Leser kaum zu berühren, wird das ganze Ausmaß von Turquoises Vergangenheit doch immer nur schüchtern angedeutet, aber nie wirklich ausgeleuchtet. Selbst dieses zweifelhafte Glück bleibt den anderen Figuren, und sie sind durchaus zahlreich, im Roman verwehrt. Ravyn ist als Charakter vollkommen entbehrlich. Die Obervampirin Jeshickah hat kaum mehr als zwei Szenen und auch der Vampir Jaguar, auf den Turquoise natürlich sofort nach ihrem Eintreffen in Midnight ein Auge wirft, ist nichts weiter als ein untoter Posterboy – gutaussehend, aber ansonsten ohne Tiefe.

Am sympathischsten hätte da noch Nathaniel werden können. Er ist für Turquoise offensichtlich so etwas wie der Vampir für alle Notlagen. Er war derjenige, der sie damals aus Daryls Fängen befreit hat und auch jetzt hilft er ihr wieder aus etlichen Gefahrensituationen. Turquoise dagegen hat nichts als Verachtung für Nathaniel übrig. Für sie ist er nur ein Sklavenhändler, der nichts umsonst macht. Nur fragt sich der Leser, wo Turquoise diese tiefgreifende Erkenntnis her hat. Der Text jedenfalls stützt sie nicht. Immer, wenn Nathaniel auftaucht, handelt er aus Freundschaft und Loyalität. Womit Turquoise diese jedoch verdient haben mag, wird nicht geklärt.

Nicht nur ihre Charaktere behandelt Atwater-Rhodes stiefmütterlich. Ihr ganzer Plot hat unter diesem Defizit zu leiden. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Handlung in einem Vakuum spielt, so wenig gibt sich Atwater-Rhodes mit Exposition und Beschreibung ab. Viele Fragen werden viel zu spät oder gar nicht geklärt: Wie alt ist Turquoise? Was ist diese Bruja-Organisation und wie ist sie aufgebaut? Leben Vampire offen als Teil der menschlichen Gesellschaft? Hat Turquoise noch einen normalen Job? Hat sie überhaupt irgendwelche normalen Sozialkontakte (Freundschaften)? Und vor allem: Wozu brauchen Vampire Sklaven? Atwater-Rhodes versäumt es, diese zentrale Frage hinreichend zu klären. Zwar schreibt sie einen Roman über menschliche Sklaven in einer vampirischen Parallelgesellschaft, doch gleichzeitig schreckt sie davor zurück, was das in seiner Konsequenz wohl bedeuten mag. Da rächt sich dann auch, dass es sich bei „Die Vampirjägerin“ so offensichtlich um ein Jugendbuch handelt. Sie lässt zwei Dutzend Sklaven in Midnight wohnen, gibt ihnen aber nichts zu tun. Dass einen Vampir in der Regel nur drei Dinge interessieren – nämlich Blut, Gewalt und Sex – kann sie wohl kaum so drastisch sagen. Daher zieht sie es vor, ihre Sklaven in einer Grauzone agieren zu lassen, die nicht weiter hinterfragt wird.

Vielleicht sollte man für den Roman eine Empfehlung nach dem Motto „eine einfache Geschichte für junge Leser“ aussprechen. Doch haben auch Jugendliche gute und überzeugende Geschichten verdient. „Die Vampirjägerin“ ist höchstens eine knappe Vorlage, die dem jugendlichen Leser eine Fläche bietet, um seine eigene Fantasie spielen zu lassen und die Handlung weiterzuspinnen. Die schablonenhaften Charaktere eignen sich dafür jedenfalls hervorragend. Über den Roman als solchen lässt sich leider nur sagen: ausgelesen und sofort wieder vergessen.

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John Marsden – Ein endloser Albtraum

Der Australier John Marsden konstruiert in dem Buch „Ein endloser Albtraum“ ein ‚Was wäre wenn?‘-Szenario. Er konfrontiert eine Gruppe von Jugendlichen damit, dass in ihrem Land plötzlich ein Krieg ausbricht und sie lernen müssen, damit umzugehen. Das Besondere dabei ist, dass es sich nicht um irgendein Land in der dritten Welt handelt, sondern um Australien, also nicht unbedingt eine Krisenregion.

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