
_Zur Story_

_Zur Story_

Adara ist ein Winterkind. Nur sie kann auf dem Eisdrachen reiten, der die Kälte bringt. Als der Krieg näherkommt und die Drachen des Königs einer nach dem anderen vom Feind besiegt werden, scheint es keine Rettung zu geben. Da träumt Adara von ihrem einzigen Freund, dem Eisdrachen. Zusammen reiten sie. Doch kann Eis auch Drachenfeuer standhalten?
Der Autor
Die Eltern der dreizehnjährigen Kendra und des zehnjährigen Seth gehen für knapp drei Wochen auf Kreuzfahrt. In dieser Zeit sollen die Geschwister bei ihren Großeltern in Connecticut wohnen, die sie bisher nur von kurzen Besuchen kennen. Während Oma Ruth verreist ist, empfängt Großvater Stan Sorensen die Kinder sehr freundlich. Sie bekommen ein großes Dachbodenzimmer voller altmodischer, aber origineller Spielsachen und in dem riesigen Garten gibt es einen Swimmingpool.
Allerdings verbietet ihnen ihr Opa, den angrenzenden Wald zu besuchen, da dort Zeckengefahr herrsche. Seth hält sich nicht daran und entdeckt nicht nur einen wunderschönen Garten mit See und Pavillons im Innern, sondern auch eine Hütte mit einer seltsamen alten Frau. Kendra wiederum wundert sich über die vielen Kolibris und Schmetterlinge, die stets den Garten umschweben und denen Milch bereitgestellt wird.
Schließlich weiht ihr Großvater sie in sein Geheimnis ein: Der Wald ist ein geheimer Ort namens „Fabelheim“, seit Jahrhunderten eine der wenigen Zufluchtsstätten für aussterbende magische Geschöpfe wie Elfen, Satyrn und Nixen. Ihr Opa ist der Verwalter, der sie versorgt und sich darum kümmert, dass weder die gefährlichen Wesen hinaus- noch unbefugte Besucher hineinkommen.
Außerdem erfahren sie von der Organisation „Gesellschaft des Abendsterns“, die seit vielen Jahren den Ort finden will, um die Wesen für ihre bösen Zwecke zu benutzen. Kendra und Seth versprechen, niemandem etwas zu erzählen. Doch in der gefährlichen Mittsommernacht, in der alle Geschöpfe Freigang haben, bricht der neugierige Seth eine der Regeln – und am nächsten Morgen ist ihr Opa verschwunden …
Kaum hat sich die Harry-Potter-Welle ein wenig gelegt, wurde die Kinderfantasy durch die Biss-zum-Reihe aufs Neue entfacht. Phantastik für Kinder und Jugendliche genießt Hochkonjunktur, und mit „Fabelheim“ ist der Startschuss zu einer sehr vielversprechenden neuen Buchreihe gefallen, die sowohl Kinder als auch junggebliebenen Erwachsene beste Unterhaltung bringen dürfte.
|Spannende und phantasievolle Handlung|
Alles beginnt wie ein typischer Kinderroman mit zwei Geschwistern, die recht unwillig ihrem Ferienaufenthalt entgegensehen. Ihre kürzlich verstorbenen Großeltern väterlicherseits haben testamentarisch als letzten Wunsch allen erwachsenen Angehörigen eine Kreuzfahrt durch ihre Heimat Skandinavien spendiert, und für diese Zeit sind Opa und Oma Sorensen die einzig infrage kommenden Babysitter. Das beeindruckende Grundstück bietet den Geschwistern allerlei Abwechslung mit einem Baumhaus, einem Swimmingpool, einem geräumigen Dachboden mit einem zahmen Haushuhn und faszinierendem Spielzeug. Trotzdem reizt sie der verbotene Wald, und der abenteuerlustige Seth will schließlich hinter das Geheimnis kommen. Die Wahrheit ist beeindruckender, als sie es sich je hätten erträumen lassen.
Ihr Opa ist einer der Verwalter, die Generation für Generation über Fabelheim wachen. Die Milch einer Riesenkuh lässt Sterbliche die Fabelwesen erkennen, die für normale Augen ohne dieses Hilfsmittel wie gewöhnliche Schmetterlinge oder andere Tiere aussehen. Natürlich wird es jetzt erst richtig spannend, denn ihr Opa weiht die Geschwister längst nicht in alle Geheimnisse über Fabelheim ein, besonders die grausamen oder unheimlichen Details sollen sie nicht erfahren – das kommt alles später, denn unter Umständen werden sie selbst einmal die Verwaltung des Reiches übernehmen. Besonders aufregend wird es in der Mittsommernacht, in der alle Wesen frei ums Haus herumtoben und mit allen möglichen Tricks versuchen, Einlass zu erhalten, und so grauenvolle Dinge anstellen, dass jedem angeraten ist, nicht aus dem Fenster zu schauen.
Nach dem beschaulichen Beginn gibt es eine Menge dramatischer Verwicklungen – sei es, dass Seth sich gegen die Elfen versündigt, indem er einen Leichtsinnsfehler begeht, sei es, dass ihr Opa nach der Mittsommernacht verschwunden ist, oder die Frage, was es mit ihrer Oma auf sich hat, hinter deren Abwesenheit sich offenbar ein weiteres Geheimnis verbirgt. Ein großer Pluspunkt des Buches ist seine Eigenständigkeit. Obwohl es als Start für eine Reihe gedacht ist, bleiben am Ende keine wichtigen offenen Fragen und man ist nicht gezwungen, den nächsten Band zu lesen. Andererseits gibt es dezente Andeutungen dazu, was in den nächsten Bänden stärker thematisiert werden könnte, allem voran die „Gesellschaft des Abendsterns“, die ein Komplott plant, das hier nur am Rande eine Rolle spielt, sowie das geheimnisvolle, mächtige Artefakt, das irgendwo in Fabelheim verborgen liegt.
Die Bewohner Fabelheims sind gängige Wesen aus der Mythologie, aber dennoch originell aufbereitet. Interessant ist vor allem Großvaters Aussage, dass sich ihre Moral stark von derer der Menschen unterscheidet und keines der Wesen „gut“ im menschlichen Sinne ist – vielmehr seien die besten unter ihnen lediglich nicht böse. So wie die meisten Menschen gedankenlos Insekten töten, so denken sich die unsterblichen Fabelwesen nichts dabei, menschliches Leben auszulöschen, das aus ihrer Perspektive quasi wertlos ist. Die hübschen Elfen, die Kendra und Seth in der Literatur als liebevolle Wesen kennen, sind hier vor allem eitel und selbstsüchtig, immer darauf bedacht, sich in einem Spiegel zu betrachten. Die Wichtel helfen zwar tatsächlich wie in der verbreiteten Vorstellung, Ordnung im Haus zu schaffen – aber nie, um den Menschen zu helfen, sondern einfach, weil sie die Ordnung an sich lieben.
Wirklich gefährlich wird es mit den Najaden, den schönen Wasserfrauen, die sich einen Spaß daraus machen, Unschuldige zu sich hinabzuziehen, und der bösen Hexe, die in einer Hütte sitzt und nur darauf lauert, dass jemand vorbeikommt, der ihre magischen Kräfte braucht und ihr als Gegenleistung den Knoten löst, der sie dort gefangen hält. Die Regeln in Fabelheim sind nicht ganz leicht zu durchschauen – so kann man gewöhnlich nicht mit Magie bekämpft werden, solange man keinem Wesen geschadet hat, Hilfe aber kann man wiederum nicht erwarten, denn das Verhalten der Fabelwesen gleicht einer Herde, die dem Tod eines Artgenossen mehr oder weniger gleichgültig gegenübersteht. Das unberechenbare Verhalten, das Kendra und Seth verwirrt, sorgt beim Leser für Spannung, weil es ihn im Ungewissen belässt.
|Gelungene Charaktere|
Kendra und Seth sind zwar nicht besonders originell, aber als Hauptfiguren für einen in erster Linie für Kinder gedachten Roman dennoch gelungen. Seth ist ein kleiner Wildfang, immer auf Entdeckungstour und gerne mal frech und ungehorsam. Kendra übernimmt als ältere Schwester viel Verantwortung, ohne dabei ein langweiliges Mustermädchen zu sein. Ihr Großvater ist zunächst geheimnisvoll und recht schweigsam, dabei aber immer sympathisch.
Ein reizvoller und komplexer Nebencharakter ist Lena, die weit gereiste, ältere Haushälterin, deren Vergangenheit eng mit Fabelheim verbunden ist und deren weiteres Schicksal Potenzial birgt, in einem der folgenden Bände noch einmal aufgegriffen zu werden. Opas Gehilfe, der schweigsame Dale, ist ein bisschen blass geraten, interessanter ist aber sein seit seiner Verzauberung autistisch agierender Bruder, für den er auf eine Erlösung hofft, was sicher ebenfalls noch ausführlich thematisiert wird. Oma Sorensen tritt zwar erst spät in Erscheinung, ist dann aber eine sehr liebenswerte, patente Person mit Sinn für Humor. Überhaupt gibt es etliche lustige Szenen und scharfzüngige Dialoge zwischen den Geschwistern, und die ersten Erfahrungen mit den ungewohnten Wesen sorgen auch für amüsante Momente.
|Nur kleine Schwächen|
Zumindest der erste |Fabelheim|-Roman ist nicht so detailverliebt wie zum Beispiel die Harry-Potter-Bände, in denen die Dichte an wunderbaren Charakteren und immer neuen Entdeckungen kaum ein Ende nimmt. Manche der Kreaturen werden nur kurz gestreift, über ihre Hintergründe erfährt man nicht so viel, wie man es sich wünscht. Ein bisschen nervtötend ist mit der Zeit auch Seth‘ Ungehorsam. Seinen Ausflug in den Wald kann man noch nachvollziehen, die Elfen-Katastrophe vielleicht auch noch, aber sein Verhalten in der Mittsommernacht ist recht unverständlich, vor allem, da er inzwischen am eigenen Leib bereits die Gefahren Fabelheims erlebt hat und gewarnt sein müsste – selbst ein besonders neugieriger Junge dürfte nicht so naiv handeln, daher wirkt sein Verhalten stellenweise eher unrealistisch und konstruiert. Ein bisschen enttäuschend dürfte auch sein, dass man früh über den Geheimbund „Gesellschaft des Abendsterns“ informiert wird, der dann aber doch keine besondere Rolle mehr spielt, sondern erst in den nächsten Bänden ins Geschehen einsteigt.
_Als Fazit_ bleibt ein gelungener Auftakt einer mehrbändigen Fantasyreihe für Kinder und Jugendliche, der vor allem durch eine abwechslungsreiche, spannende Handlung und eine interessante Grundidee besticht. Das Buch lässt sich flüssig lesen, bietet eine ausgewogene Balance zwischen ernsten und lustigen Momenten, sympathische Charaktere und genug Potenzial für die nachfolgenden Bände, die hoffentlich bald auf Deutsch erscheinen. Abgesehen von nur kleinen Mankos ein lesenswertes Buch für Kinder ab etwa zehn Jahren.
_Der Autor_ Brandon Mull stammt aus Connecticut und lebt heute mit seiner Familie in Utah. Schon zu Schulzeiten träumte er davon, eines Tages als Schriftsteller leben zu können. Nach seinem Universitätsabschluss veröffentlichte er den ersten |Fabelheim|-Roman, der ein Bestseller wurde. In den USA sind bereits vier Bände erschienen.
|Originaltitel: Fablehaven
Originalverlag: Aladdin
Aus dem Amerikanischen von Hans Link
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten
ISBN-13: 978-3-7645-3022-8|
http://www.penhaligon.de
Schon von Kindesbeinen an werden dem Mädchen Ashlyn, das bei seiner Großmutter wohnt und von klein auf Wesenheiten sehen kann, welche für andere Menschen unsichtbar sind, drei Regeln eingetrichtert. Erstens: Schau unsichtbare Elfen nicht an. Zweitens: Antworte niemals unsichtbaren Elfen. Und Drittens: Errege niemals die Aufmerksamkeit von Elfen.
Lange Zeit konnte Ash dadurch ein ganz normales Leben führen, bis sich von einem Augenblick zum nächsten für sie alles verändern soll. Denn unbewusst erregt sie die Aufmerksamkeit zweier Elfen, von denen einer ein Elfenkönig zu sein scheint. Dieser beginnt nun, sie zu umgarnen und dazu zu bringen, sich in ihn zu verlieben. Ashlyn, die nur zu gut über die Bosheit solcher Kreaturen Bescheid weiß, versucht mit allen Mitteln, sich dem Elfen, der Keenan heißt, zu entziehen.
Bald schon vertraut sich Ash ihrem besten Freund Seth an, der ihr helfen will, doch je mehr Ashlyn versucht, mehr über die Absichten des Elfen zu erfahren, desto tiefer wird sie unfreiwillig in die Welt der Elfen hineingezogen … und schon bald scheint es für sie kein Zurück mehr zu geben.
_Eindrücke:_
Die Geschichte in „Gegen das Sommerlicht“ hat auf jeden Fall etwas Interessantes an sich. Sie spielt in unserer Welt und unserer Zeit, wird aber von Elfen und anderen Wesenheiten bevölkert, die sich vor dem Auge der Menschen verbergen. Im Gegensatz zu vielen anderen Fantasy-Geschichten, die von Elfen und Feen handeln, ist „Gegen das Sommerlicht“ allerdings keine, die von der Schönheit und Güte der Elfen erzählt. In dieser Erzählung sind die Elfen bösartig und gefährlich und erinnern in jeder Hinsicht an die Sagen und Mythen aus der Feenwelt aus Irland. Sie spielen den Menschen böse Streiche, blenden sie, wenn sie unerlaubt von ihrer Existenz erfahren, und locken sie mit Musik, Speisen und Getränken in ihre Märchenwelt, aus der es kein Zurück mehr in die reale Welt gibt. Natürlich gibt es Mittel und Wege, um sich vor den Elfen zu schützen, wie zum Beispiel Eisen, von dem sich Elfen fernhalten müssen, oder bestimmte Kräuter und Tees, aber so richtig helfen tun selbst diese Dinge nicht, wenn man einmal die Aufmerksamkeit eines Elfen erregt hat.
Genau das passiert Ashlyn. Und als wäre diese Tatsache an sich nicht schon schlimm genug: Es ist kein normaler Elf, der es auf die junge Frau abgesehen hat. Bei ihrem Verfolger handelt es sich um den Sommerkönig Keenan, einen sehr mächtigen Elfen, der Ashlyn zu seiner Sommerkönigin machen will. Schon seit mehreren Jahrhunderten sucht er die Richtige, die mit ihm über das Elfenvolk regieren kann und die Macht seiner Mutter, der bösen Winterkönigin, bricht. Doch Ashlyn ist ganz und gar nicht so willig, wie es alle Mädchen bei Keenans Anblick vor ihr waren. Denn sie weiß, dass er ein gefährlicher Elf ist, und versucht sich so gut wie möglich von ihm fern zu halten. Außerdem ist da auch noch ihr bester Freund Seth, zu dem sie alsbald ein wesentlich engeres Verhältnis aufbaut als ihre Freundschaft.
An sich gefällt mir die Idee des Buches recht gut. Zwar kann man wohl schlecht sagen, dass es sich um eine neuwertige und innovative handelt, aber das muss es ja auch nicht unbedingt. Allerdings hat es an der Umsetzung der Geschichte meiner Meinung nach etwas gehapert, sodass das Buch letztlich nicht ganz so gut war, wie ich mir erhofft hatte.
Das größte Problem in „Gegen das Sommerlicht“ sind die Charaktere. Egal ob es um die Protagonisten oder um die Nebencharaktere geht, keiner kann in der Geschichte so wirklich überzeugen. Die meiste Zeit wirken die Charaktere sehr flach und es fällt recht schwer, sich von ihnen ein tiefer gehendes Bild zu machen, geschweige denn mit ihnen mitzufühlen. Der Charakter von Ashlyn geht anfangs noch, doch später werden ihre Reaktionen immer unrealistischer und ihre Sprache pubertärer, unter anderem, wenn sie bezüglich des Daseins der Sommerkönigin von einem „Job“ spricht. Seth, ihr bester Freund, ist da schon ein wenig besser gelungen, aber auch bei ihm gibt es einige Dinge, die mich gestört haben. Beispielsweise fand ich die Tatsache, dass er Ashlyns Geständnis, sie könne Elfen sehen, welche für die normalen Menschen unsichtbar sind, ohne Weiteres aufgenommen und geglaubt hat. Ich meine, wer würde so etwas schon (und vor allem: ohne Beweise) sofort glauben?
Doch die Krönung des Ganzen bildet dabei noch Keenan. Dieser wird zu Anfang als unglaublich schön und unwiderstehlich beschrieben und strahlt noch eine gewisse Stärke aus. Später aber, als er merkt, dass er bei Ashlyn nicht landen kann, wird er immer zimperlicher und erinnert eher an ein unsicheres Weichei als einen mächtigen Elfenkönig. Dabei fällt es dem Leser letztendlich auch immer schwerer, die einzelnen Charaktere, insbesondere Keenan und Ashlyn, wirklich ernst zu nehmen.
Was den Schreibstil von Melissa Marr angeht, bin ich mit meiner Meinung etwas zwiegespalten. Einerseits gefällt mir ihre Art, die Geschichte zu erzählen, ganz gut, doch einige Aspekte trüben dieses Bild etwas. Sie umschreibt das Aussehen und das Verhalten der Elfen stets malerisch und sehr passend. Keenan stellt sie beispielsweise mit Worten dar, die an den Sommer erinnern, und seine Mutter, die Winterkönigin, beschreibt sie gefühlskalt. Das ist ihr ganz gut gelungen. Andererseits wechselt sie, insbesondere dann, wenn sie Ashlyn oder ihre Freunde sprechen lässt, immer wieder zwischenzeitlich in einen aufgesetzten Jugendjargon, der einfach nicht so recht in die Geschichte hineinpassen will. Zwar kann man nun sagen, dass es nicht unrealistisch ist, wenn Jugendliche wie Ashlyn in einer leichten Jugendsprache sprechen, aber es wirkt in diesem Fall einfach nicht authentisch. Da das aber nicht allzu oft der Fall gewesen ist, lässt sich über diesen kleinen Schönheitsmakel noch einmal hinwegsehen.
Auch über das Ende der Geschichte habe ich mich etwas gewundert. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie Melissa Marr das Problem wohl lösen wird. Ashlyn liebt Seth und umgekehrt, aber auch Keenan hat ein Auge auf Ashlyn geworfen, und von ihrer Vereinigung hängt ein großer Teil des Elfenvolks ab. An sich ein interessantes Dilemma, dessen Ausgang für die meisten Leser nicht gerade vorhersehbar ist und aus dem man sicherlich ein gutes Ende hätte machen können. Allerdings hat es sich die Autorin meiner Meinung nach etwas zu einfach gemacht. Das Problem wird auf eine ziemlich simple Art und Weise gelöst und plötzlich ist alles wieder gut, obwohl es kurz davor noch eine unüberwindbare Katastrophe zu sein schien. Ich hätte mir hier eindeutig ein etwas innovativeres und ruhig auch dramatischeres Ende für die Geschichte gewünscht.
_Fazit:_
Letztendlich kann das Buch nicht wirklich überzeugen, aber ein kompletter Reinfall ist es auch nicht. Die Idee an sich ist ganz nett, aber leider wurde sie nicht ganz so gut umgesetzt, wie man es sich gewünscht hätte.
_Melissa Marr:_
Die Autorin Melissa Marr studierte Literatur und unterrichtet an verschiedenen Colleges. Sie arbeitet gerne in seltsamen Bars, reist viel herum und interessiert sich für Tattoos. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Virginia. Vor kurzem erschien der zweite Band ihrer Geschichte, „Gegen die Finsternis“.
|Wicked Lovely|:
Band 1: Gegen das Sommerlicht (Wicked Lovely)
Band 2: Gegen die Finsternis (Ink Exchange)
Band 3: Fragile Eternity
|Originaltitel: Wicked Lovely
Aus dem Englischen von Birgit Schmitz
347 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3-551-58168-8|
http://www.carlsen.de
http://www.melissa-marr.com
Band 1: [„Der letzte Paladin“]
|“So wie du es bei der Aufnahme in den Orden geschworen hast, wirst du dem Schrecken, der Astaria droht, standhaft die Stirn bieten (…)
Erhebe dich, Paladin vom Orden der Morgenröte. Du bist jetzt ein Ritter.“|
Fabio hat es endlich vollbracht: seine Paladinausbildung zum Ritter beendet. Von keinem Geringeren als dem Großmeister Silvestro persönlich erhält er den Ritterschlag. In ausgelassene Feierlaune kann er allerdings nicht verfallen. Dunkle Zeiten sind es, in denen Fabio sich unter Beweis stellen muss, denn das Reich Astarias ist in Gefahr und wird von innen wie von außen angegriffen.
Vermeintliche Freunde entpuppen sich als Verräter, die den Paladinorden infiltrieren, während sich riesige Goblinheere an den Grenzen sammeln und nur darauf warten, in das geschwächte Reich einzufallen. Der verderbliche Einfluss Astronos, des gefallenen Erzstellars, bringt das Gefüge durcheinander.
Nur gut, dass Fabio immerhin treue Freunde an seiner Seite weiß. Da sind Celeste, eine überaus talentierte Sternenmysterikerin, Sylvana, eine bedrohlich wirkende, aber im Herzen gutmütige Werwölfin, und Meister Acrimboldo, ein technisch visierter Himmelsmechaniker. Zusammen stellen sie sich den Bedrohungen, um Astaria vor dem Untergang zu bewahren.
_Originelles Jugendbuch_
„Die flüsternde Stadt“ bildet den zweiten Teil der Trilogie |Die Wächter von Astaria|. Thomas Finn bedient das Genre des in den letzten Jahren unermüdlichen angewachsenen Jugendbuchsektors mit einem originellen Roman abseits des üblichen Einheitsbreis. Das hat er bereits mit der ebenfalls im |Ravensburger Buchverlag| erschienenen Trilogie |Die Chroniken der Nebelkriege| unter Beweis gestellt.
Zwar steht auch in |Die Wächter von Astaria| mit Fabio eine wenig kantige, sondern eher klassische Hauptfigur im Mittelpunkt, mit der sich der Leser bei deren Abenteuern und der charakterlichen Entwicklung problemlos identifizieren kann. Finn überzeugt aber durch seine mehrschichtigen Nebenfiguren, bei denen bis zum Ende nie sicher ist, auf welcher Seite sie wirklich stehen. Finns Roman überzeugt ebenso durch einen gut durchdachten Plot, dessen Handlungsstränge harmonisch ineinander übergehen, ohne aufgesetzt zu wirken. Und er überzeugt durch eine farbenfrohe Welt, die an die schillernden Metropolen des spätmittelalterlichen Italiens erinnern, kombiniert mit Magie- und Steampunk-Elementen.
_Nahtlose Fortsetzung_
Nach Einführung der Charaktere, der Schauplätze und der nahenden Bedrohung in „Der letzte Paladin“ steigt „Die flüsternde Stadt“ direkt in die Handlung ein. Fabio befindet sich im Castello di Arborea, auf der Ordensburg der Paladine. Abgeschieden auf einer Insel, 150 Meilen vom Festland entfernt, ist die heraufziehende Dunkelheit hier nur vage wahrzunehmen. Die wenigen noch stationierten Paladine sind angespannt, aber die Gefahr scheint weit entfernt.
Als Fabio vom Seneschall Ernesto eine Nachricht erhält, dass der Großmeister Silvestro ihn in Stella Tiberia sprechen will, haben die Warterei und das quälende Nichtstun endlich ein Ende. Sofort setzt Fabio auf das Festland über und sucht den Großmeister der Paladine in der Sternenburg auf. Der will von ihm vor allem persönlich wissen, was sich in den letzten Wochen abgespielt hat. Dass Fabio es mit Astronos Schergen in Gestalt von Sternenvampiren aufgenommen hat, die bereits im Geheimen viele wichtige Ämter in Politik und Militär und im Adel bekleiden, stieß vielerorts auf taube Ohren. Im Gegensatz zu vielen hochrangigen Paladinen glaubt der Großmeister Silvestro aber die Geschichte und belohnt Fabio nicht zuletzt für seinen Mut durch den Ritterschlag.
Vor den Toren der Stadt und an den Reichen des Landes spitzt sich die Lage in der Zwischenzeit weiter zu. Nach Venezia ist nun auch Verona gefallen und in der Hand der Feinde. Tausende von Goblins ziehen durch die Lande und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Auch Stella Tiberia ist in Alarmbereitschaft. Ein Meer von Zelten und Soldaten prägt das Straßenbild. Doch die militärische Präsenz täuscht die vermeintliche Sicherheit nur vor und kann schließlich nicht verhindern, dass ein Angriff von innen heraus erfolgt.
Während einer Versammlung von Paladinen und Sternenmysterikerinnen, um die nächsten Schritte gemeinsam abzustimmen, entpuppt sich ein früherer Freund Fabios als Anhänger Astronos und aktiviert im Tagungsraum eine ganze Schar arkanomechanischer Skorpione. Der hinterhältige Angriff fordert das Leben des Großmeisters Silvestro.
Die Zeit drängt nun umso mehr und verlangt außergewöhnliche Bündnisse, die es seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben hat. So wird der alte Pakt von Sonne und Mond reaktiviert, der je einen Paladin an eine Sternenmysterikerin bindet, um gegenseitigen Schutz und ein Maximum an Handlungsspielraum zu bieten: je ein kampferprobter Beschützer an der Seite einer magiebegabten Sternenmysterikerin. Fabio gerät dadurch ausrechnet an die mürrische Denebola, die Fabios Freundschaft zu Himmelsmechanikern und Werwölfen kritisch gegenüber steht. Nicht unbedingt das beste Zweierbündnis. Doch immerhin untersteht die hübsche Celeste Denebola als Novizin, auf die Fabio schon während seiner Zeit als Knappe ein Auge geworfen hat.
Gemeinsam macht sich die kleine Gruppe in die Stadt Firenze auf, um dort einen drohenden Angriff der Goblins abzuwehren. Gerade in dieser schwierigen Situation behaken sich die Herrschaftshäuser der Stadt und streiten darum, wer die Verteidigung anführen soll. Ein Ritterturnier, an dem auch Fabio teilnimmt, soll den Sieger schließlich ermitteln. Ausgerechnet der Hauptgewinn, ein magischer Schild unbekannter Herkunft, der dem Gewinner neben dem Führungsanspruch über die Armeen zusteht, entpuppt sich als Instrument, das den Krieg entscheiden könnte. Dabei stellt sich heraus, dass nicht nur hochnäsige Adelsgecken, sondern auch Sternenvampire an dem Turnier teilnehmen und auf den Schild aus sind. Fabio muss die Hilfe alter Freunde in Anspruch nehmen und ungewöhnliche Bündnisse schmieden, um den Schild zu ergattern, Astronos Schergen zu enttarnen und die Heere der Goblins zurückzuschlagen.
_Spannung bis zur letzten Seite_
Bis zur letzten Seite bleibt Thomas Finns zweiter Roman um |Die Wächter von Astaria| spannend. Keine langatmigen Handlungspassagen, keine unnötigen Ausschweifungen trüben den Lesespaß. Das ist auf dem deutschen Buchsektor keineswegs üblich und zeugt von einer hohen Qualität, die vor allem durch ihre Konstanz besticht. Finn formuliert klar und plastisch. Seine Sprache ist eher einfach als anspruchsvoll, hält aber gerade durch die einfache Struktur den Leser gefangen. Hier wird nicht aufgebauscht und eine Erwartung geschürt, die der Autor später enttäuschen muss. Vielmehr ist das klare Grundgerüst sichtbar, seine Eckpfeiler sind ein mit seinen Aufgaben wachsenden Helden, eine romantischen Liebesbeziehung, Geheimnisse wie das der Eisernen Bibliothek oder des magischen Schildes und verabscheuungswürdige Bösewichte. Ummantelt von kreativen Einfällen, die sich vor allem in den Erfindungen der Himmelsmechaniker widerspiegeln – Erfindungen, die Finn beim Schreiben spürbar Spaß gemacht haben müssen -, und bunten Schauplätzen von einer untergegangenen Stadt bis hin zu einem spannend wie authentisch inszenierten Ritterturnier, ergibt das einen Lesestoff, von dem man so schnell nicht wegkommt.
|512 Seiten, gebunden
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-473-35295-1|
http://www.thomas-finn.de
http://www.ravensburger.de
_Thomas Finn auf |Buchwurm.info|:_
[Interview mit Thomas Finn vom Dezember 2007]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=85
[Interview mit Thomas Finn vom Februar 2006]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=59
[„Der Funke des Chronos“ 2239
[„Das unendliche Licht“ 2646 (Die Chroniken der Nebelkriege 1)
[„Der eisige Schatten“ 3610 (Die Chroniken der Nebelkriege 2)
[„Die letzte Flamme“ 4382 (Die Chroniken der Nebelkriege 3)
[„Das Greifenopfer“ 1849 (Das schwarze Auge)
[„Das Greifenopfer“ 2844 (Das Schwarze Auge, Hörbuch 3)
[„Der Hexer von Salem“ 2660 (Grundregelwerk)
Band 1: [„Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ 1992
Band 2: [„Charlie Bone und die magische Zeitkugel“ 2448
Band 3: [„Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange“ 3308
Band 4: [„Charlie Bone und das Schloss der tausend Spiegel“ 3464
Band 5: [„Charlie Bone und der rote König“ 3468
Band 6: [„Charlie Bone und das magische Schwert“ 4685
Eigentlich sollte Charlie es wirklich besser wissen. Aber natürlich ist seine Neugierde stärker als die Vernunft; und so kommt es, dass Charlie sich in den Keller schleicht, wo seine Großmutter und seine Großtanten ein ungewöhnliches Gemälde abgestellt haben – ein Gemälde mit Eigenleben sozusagen, denn obwohl darauf niemand zu sehen ist, auf den Charlie sich konzentrieren und zu dem er ins Bild steigen könnte, findet er sich ungewöhnlich schnell mitten in der dargestellten Landschaft wieder. Und die gehört zu keinem geringeren Ort als dem Schloss des Schattenlords, den Charlie und seine Freunde vor kurzem erst unter großen Anstrengungen losgeworden sind. Vor allem aber ist Charlie auf Dauer nicht der Einzige, der sich in dieses schaurige Bild verirrt. Bald darauf erwischt es auch – Billy Raven.
_Der Schattenlord_ selbst taucht erstaunlich wenig auf. Dafür werden zwei andere Figuren wichtig:
Otus Darkwood stammt aus einer längst vergangenen Zeit und wird vom Schattenlord gefangen gehalten. Dem Namen ist unschwer zu entnehmen, dass er einer von Charlies Vorfahren ist. Und er ist ziemlich groß, denn er hat Riesenblut in den Adern. Allerdings kann er Charlie nur kurze Zeit beschützen.
Mathilda ist die Enkelin des Schattenlords. Und sie bildet einen erstaunlichen Kontrast zu den übrigen Bewohnern des Schlosses. Sie lächelt und ist freundlich, ja, sogar hilfsbereit, während alle anderen – ihre Großmutter, ihr Großvater und ihr Bruder – von kühl über unfreundlich bis abweisend wirken, obwohl sie nur am Rande auftauchen. Zu ihren Großeltern scheint sie keine besonders enge Beziehung zu haben; an einer Stelle fällt sogar eine Bemerkung, die klingt, als gehörte Mathilda gar nicht wirklich zur Familie. Offenbar hat sie sich bisher ziemlich allein gefühlt, denn ihr Bruder scheint auch nicht besonders umgänglich zu sein. Billy dagegen, der trotz Charlies Freundschaft selbst sehr einsam ist, weil er keine eigene Familie hat, gefällt ihr sofort. Er gefällt ihr so gut, dass sie ihn gar nicht mehr hergeben will …
Mathilda ist im Grunde der einzig wirklich interessante Neuzugang. Otus ist zwar ein netter Kerl, gibt als Charakter aber nicht allzu viel her. Er taucht nur zweimal kurz auf, einmal, um Charlie zu retten, und dann, um von Charlie gerettet zu werden. Mathilda aber fasziniert durch den Kontrast zu ihrer Familie und ihr zwiespältiges Verhalten, denn obwohl sie freundlich und hilfsbereit wirkt und offenbar niemandem etwas Böses will, unterstützt sie doch – ob mit oder ohne Absicht – den Zauber ihres Großvaters, den dieser auf Billy gelegt hat.
_Was die Handlung angeht_, so macht natürlich nicht nur das ungewöhnliche Gemälde Scherereien.
Titania Tilpin, Joshuas Mutter, versucht angestrengt, Amorets zerbrochenen Spiegel wiederherzustellen, um den Schattenlord erneut in Charlies Welt zu holen. Bisher war sie nicht sehr erfolgreich, doch sie lässt nichts unversucht, um Unterstützung zu erhalten, sei es von den Kindern des roten Königs, die zur dunklen Seite gehören, sei es von anderen Magiern oder Sonderbegabten, die sich über Jahrzehnte hinweg in der Piminy Street verkrochen und bedeckt gehalten haben.
Und Manfred Bloor hat Dagbert dazu angestiftet, Charlie Bones magische Zauberstab-Motte zu stehlen. Das führt insofern zu Verwicklungen, als Dagbert – obwohl er die Motte an Manfred weitergeben musste – versucht, einen Tauschhandel mit Tancred abzuschließen. Er will seinen Seeigel aus Meergold wiederhaben, denn so lange dieser in seiner Sammlung aus magischen Talismanen fehlt, kann Dagbert seine Macht nicht voll entfalten. Der Ausgang dieses Duells findet allerdings nicht gerade Manfreds Zustimmung …
Von dem mondabhängigen Wankelmut, der Dagbert im vorigen Band so interessant machte, ist diesmal nicht viel zu spüren. Titania Tilpins Bemühungen, was den Spiegel angeht, betrachtet Dagbert mit arroganter Gleichgültigkeit. Aber mit Manfred Bloor scheint er sich prächtig zu verstehen. Offenbar spielt dieser Teil der Geschichte von einer Woche vor bis eine Woche nach Neumond. Was andererseits bedeuten würde, dass sich Dagberts Charakter demnächst wieder wandeln müsste …
_Was diesen Band jedoch_ am stärksten von allen anderen unterscheidet, ist, dass er nicht so in sich abgeschlossen wirkt wie seine Vorgänger. Das liegt daran, dass der rote Faden, der inzwischen von dem Rätsel um Billy Ravens Eltern und deren Erbe gebildet wird, diesmal so stark im Vordergrund steht. Während zum Beispiel in Band zwei der rote Faden – das Rätsel um Charlie Bones Vater – im Vergleich zu den Turbulenzen um Henry und die Zeitkugel nur eine Randerscheinung ist, bildet er durch Billys Eintritt in das Gemälde diesmal den Mittelpunkt des Geschehens. Und obwohl Charlie wieder einmal die obligatorische Rettungsaktion hinter sich gebracht und Otus aus dem Gemälde herausgeholt hat, steckt Billy immer noch drin.
Auch von den Nebensträngen kann nur einer ein Ergebnis vorweisen, und das ist der um Dagbert und Tancred. Die Sache mit Amorets Spiegel ist ebenfalls offen geblieben. Dies und einige andere Kleinigkeiten wie die Schwierigkeiten der Onimouses oder die Aktivitäten von Tante Venezias Stiefsohn Eric erwecken den Eindruck, als bahnte sich da etwas Größeres an. Eine solche langfristige Entwicklung außerhalb des roten Fadens war dieser Reihe bisher eher fremd.
Am ungewöhnlichsten empfand ich allerdings die Tatsache, dass immer wieder ein bevorstehender Angriff auf Charlies Eltern angedeutet wird. Das geht jetzt schon zwei Bände lang so, aber bisher ist nichts passiert. Dabei würde eine gezielte Attacke auf die beiden sämtliche Aktivitäten im Zusammenhang mit Billy Raven überflüssig machen. Allmählich frage ich mich, worauf die Bloors denn eigentlich warten …
_Letztlich_ kann ich über diesen Band dasselbe sagen wie über seinen direkten Vorgänger: Wirklich langweilig war er nicht, was diesmal vor allem der interessanten Idee mit dem besonderen Gemälde und Mathilda, sowie auch ein wenig dem Duell zwischen Dagbert und Tancred zu verdanken war. Allerdings hat diesmal wieder ein wenig die Geschmeidigkeit gefehlt, die einzelnen Handlungsstränge ergaben keine so nahtloses und glattes Gesamtbild wie in Band V. Vielleicht werden die bisher so lose nebeneinander herlaufenden Stränge im nächsten Band etwas enger miteinander verknüpft, sodass dieser Eindruck sich etwas abschwächt. Dieser achte Band mit dem Titel „Charlie Bone and the Red Knight“ soll im September 2009 erscheinen und endgültig der letzte der Serie sein.
_Jenny Nimmo_ arbeitete unter anderem als Schauspielerin, Lehrerin und im Kinderprogramm der |BBC|. Geschichten erzählte sie schon als Kind, Bücher schreibt sie seit Mitte der Siebziger. Unter anderem stammt der Zyklus |Snow Spider| aus ihrer Feder, sowie „Im Garten der Gespenster“, „Der Ring der Rinaldi“ und „Das Gewächshaus des Schreckens“. „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ ist der erste Band des Zyklus |Die Kinder des roten Königs| und hat sie auch in Deutschland bekannt gemacht.
http://www.jennynimmo.me.uk
http://www.ravensburger.de
Die Serie nährte sich zu Beginn der Neunzigerjahre dem Ende ihrer amerikanischen Wurzeln, bald schon sollten nur noch deutsche Autoren weitere ???-Geschichten verfassen. „Das Gold der Wikinger“ gehört jedoch noch zu jenen Klassikern, in denen immer noch Alfred Hitchcock ein Wörtchen mitzureden hat. Fiktiv, versteht sich. Der große Regisseur hatte der Serie damals seinen guten, zugkräftigen Namen verliehen oder besser gesagt: verkauft. In Deutschland erschien die vorliegende Story 1989 und bekam – obwohl die Buchveröffentlichungen anderen Gesetzen gehorchen – als |EUROPA|-Hörspiel die 45 verpasst. Das allerdings nur zu rein informativen Zwecken, um sie halbwegs zeitlich einordnen zu können, denn die Romane besitzen keinerlei Nummerierung.
_Zur Story_
Im Auftrag von Bobs Vater sind die drei Jungs mit ihrem Angelboot unterwegs, um Fotos einer lokalen Festivität zu schießen. Das soll etwas Geld in die derzeit klamme Kasse des Detektivbüros spülen. Alle fünf Jahre trifft sich die angesehene Familie Ragnarson auf der noch ihr benamsten Felseninsel „Ragnarson Rock“, um ein Spektakel zu veranstalten – dabei geht’s um die Ankunft des aus Norwegen stammenden Familiengründers, welcher 1849 auf jener Insel nach einem Schiffsunglück strandete. Mit Hilfe eines dort gefundenen Indianerkanus gelang ihm die Überfahrt zum Festland, wo ein großer Teil der Familie auch heute noch in Rocky Beach wohnt. Zwar hat er sich damals nicht wirklich mit den ortsansässigen Indianern angelegt, doch Legendenbildung fußt bekanntlich nur selten auf Tatsachen.
So hat sich die Tradition entwickelt, dass sich bei dem Fest Angehörige und Freunde teils als Wikinger, teils als Chumasch-Indianer verkleiden und einen symbolischen Kampf ums Eiland führen. Hernach bleibt man auf der Insel und feiert eine Woche lang feucht-fröhlich. Doch diese Jahr läuft einiges schief. Nicht nur, dass die drei Jungs nahe der Insel auf ein herrenloses Anglerboot stoßen, wobei die vorliegenden Spuren auf einen blutigen Zwischenfall schließen lassen. Nein, auch an Land gibt es keine Atempause. Einer der Ragnarsons fordert erst mit finanziellem Anreiz, dann unverhohlen drohend die Herausgabe der Filme mit den Bildern, muss aber mit leeren Händen abziehen, als Hauptkommissar Reynolds auftaucht.
Am nächsten Tag wird Bob von einem mysteriösen Pick-up verfolgt und letztendlich in den Straßengraben abdrängt. Die beiden Insassen können die Negative zwar in ihre Finger bekommen, doch Justus hatte im Labor der drei ??? bereits Abzüge erstellt, sodass die Juniordetektive wenigstens nicht mit leeren Händen dastehen. Bei ihren Ermittlungen stoßen die drei auf einige interessante Details der Familienvergangenheit, auf einen vermeintlichen Geist und werden von den Ragnarsons offiziell engagiert, um weitere seltsame Begebenheiten auf der Insel zu untersuchen. Dort verschwinden Gegenstände, gespenstische Gestalten taumeln durch den nächtlichen Nebel und schauriges Wolfsgeheul sowie irres Gelächter haben bereits viele Partygäste zermürbt und ihnen das Fest verleidet.
_Eindrücke_
William Arden war in der Vergangenheit immer für eine interessante Geschichte gut und auch der im amerikanischen Original „[…] Wrecker’s Rock“ (sinngemäß: Schiffbruchfelsen) treffender betitelte, doch in Deutschland in „Gold der Wikinger“ umbenannte Fall ist einer der komplexeren Art, was sich auch schon in der leicht überdurchschnittlichen Seitenzahl von 142 widerspiegelt. Für gewöhnlich hat das typische Drei-Fragezeichen-Buch davon exakt 128. Es sind eine Menge unterschiedlicher Fäden gegen Ende zusammenzuweben, was auch befriedigend schlüssig gelingt. Der Plot teilt sich in mehrere Schauplätze und Stränge auf, was grundsätzlich zu begrüßen ist, und anders als im Hörspiel tragen auch Peter und Bob ihr nicht geringes Scherflein zum Gelingen bei.
Allerdings merkt man der Serie zu diesem Zeitpunkt bereits eine leichte Ideenarmut an; es finden sich eine ganze Reihe Elemente aus früheren Fällen wieder. Ganz besonders stark fühlt man sich an „Phantomsee“, „Geisterinsel“ und „Roter Pirat“ erinnert. Ganz ohne wiederkehrende Klischees aus der eigenen Serie kommt man natürlich nicht aus, damit ist auch nicht die berühmte Karte der drei ??? gemeint, welche als absolut unvermeidlicher Running Gag in jeder Geschichte vorkommt. Es sind vielmehr das Herumreiten auf Justus‘ Leibesfülle, Peters Überängstlichkeit und die fast schon legendäre Skepsis der Erwachsenen dem Trio gegenüber – diesmal ausgerechnet von Bobs ansonsten so aufgeschlossenem Vater. Das alles ist aber weniger störend. Etwas anderes nervt aber schon länger, und das sogar immer stärker, je weiter die Reihe voranschreitet.
Die Rede ist von „Alfred Hitchcock“ und „seinen“ mehr oder minder hilfreichen Zwischenkommentaren. Waren diese früher feinsinnig und -humorig, haben sie sich im Laufe der Zeit stetig zu dösigem und im Prinzip unnötigem BlaBla entwickelt. Glücklicherweise war diese Ära alsbald vorüber. Bleibt zu erwähnen, dass die Übersetzung und Bearbeitung von Urgestein Leonore Puschert für die deutsche Ausgabe, trotz der rasch heran nahenden Neunziger, solch verbreitete Begriffe wie „Trittbrettfahrer“ lieber mit dem absolut ungebräuchlichen „Hintendransteher“ übersetzt. Auch die „Seejungfrau“ dürfte mit der Titulierung „Meerjungfrau“ lieber angesprochen werden – auch wenn es sich hier lediglich um eine tätowierte Vertreterin dieser Spezies handelt. Und die Coverillustrationen von Rasch waren auch schon mal besser.
_Fazit_
Wenn man durch das eher schludrig anmutende Hörspiel vorbelastet an das Buch herangeht, erlebt man die positive Überraschung, dass die Geschichte hier wesentlich besser aufgeht – mal abgesehen davon, dass sie um einiges detailreicher und ausgeklügelter daherkommt. Das macht unterm Strich durchaus verdaulichen und unterhaltsamen Lesestoff nicht nur für Fans der Serie. Die schamlos aus anderen Episoden zusammengeborgten Versatzstücke sorgen aber bei Letztgenannten dafür, dass das „Gold der Wikinger“ sicher nicht auf höhere Ränge in der Hall of Fame der Drei-Fragezeichen-Fälle aufsteigen wird.
_Die Buchdaten auf einen Blick:_
OT:“The three Investigators in the Mystery of the Wrecker’s Rock“
William Arden nach der Idee von Robert Arthur
Ersterscheinung: 1986, Random House
Deutsche Ausgabe: Franckh-Kosmos, 1989
Übersetzung und Bearbeitung: Leonore Puschert
ISBN: 3-440-05930-8 (Erstauflage)
142 Seiten Hardcover
Cover-Illustration: Aiga Rasch
aktuelle Ausgabe:
omnibus/cbj
160 Seiten Broschur
ISBN-13: 978-3-570-21177-9
http://www.omnibus-verlag.de
http://www.dreifragezeichen.de
http://www.rocky-beach.com
Erhältlich auch in anderen Formaten und Bindungen.
_Immer auf dem Sprung_
Gwendolyn Sheperd ist 16 Jahre alt und lebt in einem palastähnlichen Haus voller Geheimgänge und Verstecke. Ihre Familie ist nicht weniger geheimnisvoll, hat doch Cousine Charlotte angeblich ein Zeitreisegen vererbt bekommen, welches sie unkontrollierte Zeitsprünge in die Vergangenheit machen lassen wird. Auf das zukünftige Dasein als Zeitreisende wurde Charlotte ihr bisheriges Leben lang mit Tanz- und Fechtunterricht sowie dem Pauken von diversen Sprachen, Geschichte und Benimmregeln in den verschiedenen Jahrhunderten gründlich vorbereitet. Über diese bornierte und ehrgeizige Cousine hinaus gehören Gwens Geschwister, Gwens liebevolle aber undurchsichtige Mutter, die leicht durchgeknallte Tante „Mad“-Maddy, die aristokratisch hochnäsige Lady Arista, Charlottes Mutter (Tante Glenda) und als einziger Mann ein undurchschaubarer Butler zum Familienhaushalt.
Bereits auf den ersten Seiten wird dem Leser klar, was Gwendolyn erst nach dem ersten Viertel des Buches zu glauben bereit ist: tatsächlich ist sie es, welche das Zeitreise-Gen geerbt hat und nun völlig unvorbereitet zwischen den Zeiten hin- und herwechselt. Ihre Fähigkeit, Geister zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren, weist schon bei ihrem ersten Gespräch mit dem Schulgeist James Pimplebottom darauf hin, dass sie entgegen ihrer Selbstwahrnehmung etwas Besonderes sein muss. Und so beginnt mit ihrem Initiationssprung eine aufregende Zeit für Gwen.
Plötzlich findet sie sich inmitten einer Organisation wieder, welche seit Jahrhunderten daran arbeitet, das Blut einer bestimmten Anzahl von Genträgern zusammenzutragen. Alle Genträger sind in ihrer Bedeutung einem Edelstein zugeordnet. Demnach steht Gwendolyn für den Rubin. Leider wird der vermutlich esoterische Hintergrund dieser Edelsteintheorie nicht erklärt. Doch mit Hilfe eines edelsteinbesetzten Chronografen kann die Zeit angewählt werden, in welche die Genträger springen sollen. Das bietet zum einen eine gewisse Kontrolle über das sonst unvorhersehbare Timing der Zeitsprünge sowie Sicherheit für Leib und Leben, aber zugleich auch die Möglichkeit für den im 18. Jahrhundert lebenden mysteriösen [Grafen von Saint Germain,]http://de.wikipedia.org/wiki/Graf__von__Saint__Germain eine in diesem Band noch undefinierte Macht zu erlangen, wenn alle Blutproben gesammelt sein werden. Einmal wurde dieses Vorhaben bereits verhindert, als die Genträger Lucy und Paul sich mit Hilfe von Gwendolyns Mutter mit dem ersten Chronografen in die Vergangenheit absetzten.
Während Gwen nun von Charlotte und deren enttäuschter Familie angefeindet wird, muss sie sich außerdem mit dem schnöseligen Gideon arrangieren, der ebenfalls das Zeitreise-Gen in sich trägt und durch seinen Altersvorsprung von einem Jahr bereits zahlreiche Zeitsprünge auf der Suche nach weiteren Genträgern absolviert hat. Die Autorin versucht es vergeblich so aussehen zu lassen, als wären Charlotte und Gideon ein Paar, und auch die anfängliche Abneigung Gwens, die von Gideons blendendem Aussehen und seiner weniger freundlichen Art ihr gegenüber angezogen und gleichzeitig abgestoßen wird, nimmt man der Autorin nicht ab. Zu offensichtlich wird von Anfang an darauf hingearbeitet, dass sich Gwen und Gideon ineinander verlieben.
Ein großes Plus sind jedoch die liebevoll ausgearbeiteten Nebencharaktere wie der erwähnte Schulgeist oder Tante Maddy. Hinzu kommen eine französische Kostümdesignerin, die unter unablässiger Plauderei die entsprechende Bekleidung für die einzelnen Jahrhunderte schneidert, und Gwens beste Freundin Leslie, die plötzlich jede Menge Zeit damit verbringt, Historisches und Geheimnisvolles für Gwen im Internet zu recherchieren, während Gwen selbst versucht, ein wenig mehr Einsicht in die Geheimgesellschaft und ihre Ziele zu erhalten. Diese Charaktere tragen maßgeblich zum Witz bei, der den Roman konstant durchzieht und das Lesen trotz inhaltlicher Defizite recht vergnüglich gestaltet.
Gerade als die Handlung etwas mehr Tempo aufnimmt und der spannende Teil des Abenteuers beginnt, ist der Roman auch schon an seinem Ende angelangt. Der Leser bleibt in der Luft hängen. Warum hat Gwens Mutter sie eindringlich davor gewarnt, irgendjemandem zu vertrauen? Warum hat der Graf Gwendolyn bedroht? Wer steckt hinter dem Mordanschlag auf Gideon und Gwen? Und was steckt tatsächlich hinter Pauls und Lucys Flucht mit dem zweiten Chronografen? Der Roman wirft eine Vielzahl von Fragen auf, deren Beantwortung auf den kommenden Band verschoben wird. Solchermaßen bleibt das unbefriedigende Gefühl zurück, dass man nur eine längere Einleitung und den Beginn der eigentlichen Geschichte gelesen hat.
Die bisher vor allem durch Frauen- und Liebesromane bekannt gewordene deutsche Autorin Kerstin Gier hat mit „Rubinrot. Liebe geht durch alle Zeiten“ ein als „All-Age-Roman“ deklariertes Buch vorgelegt, das durch die originelle Idee des Plots zwar reifere Leser anzieht, bisher für diese aber nur wenig Überraschendes bietet. Lesevergnügen entsteht eher durch die lustige Schilderung der typischen Probleme eines pubertierenden Mädchens, das unter komplizierten Bedingungen die ersten Erfahrungen mit der Liebe macht.
Hingewiesen werden muss jedoch auf die liebevolle Aufmachung des Buches. Der |Arena|-Verlag hat sich für einen Schutzumschlag in der Farbe Altrosa entschieden, der zusammen mit dem erhabenen schwarzen Aufdruck von Ranken, Fledermäusen und Drachenköpfen, einem Schattenriss von Gideon und Gwendolyn und der teilweise rubinroten Aufschrift nicht nur den hochwertigen Eindruck des Hardcovers unterstützt, sondern auch optisch auf vergangene Zeiten verweist, während er zugleich haptisch sehr ansprechend ist. Das rote Lesebändchen hingegen ist beinahe nutzlos, da sich der Roman in kürzester Zeit flüssig lesen und den Wunsch nach einer baldigen Lektüre der Fortsetzung [„Saphirblau“ 6266 entstehen lässt.
|352 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3401063348|
http://www.arena-verlag.de
_Kerstin Gier auf |Buchwurm.info|:_
[„Die Mütter-Mafia“ 4328
[„Die Patin“ 4344
[„Für jede Lösung ein Problem“ 4374
Band 1: [„Paule das kleine Stinktier“ 4931
Paule ist zurück! Nachdem wir ihn schweren Herzens kurz nach seiner allerersten Schneeballschlacht verlassen mussten, weil er sich hundemüde zum Winterschlaf hingelegt hat, treffen wir ihn nun wieder. Und Jennifer Feldkirchner hat sich neue spannende Abenteuer für Paule und seine Freunde ausgedacht, die zudem liebevoll bebildert sind.
_Aus dem Winterschlaf erwacht_
Nach monatelangem Schlaf erwacht Paule im beginnenden Frühling. Doch der Rest von Müffelsdorf ist noch nicht so auf den Beinen. So stromert er los und sucht zunächst natürlich seine Freunde. Die taffe Bella ist bereits erwacht und bald stößt auch Lisa zu den beiden. Einer der ersten Wege führt die drei zu ihrer geheimen Höhle. Dort hat sich über den Winter der Staub eingenistet, sodass sie zunächst einen gründlichen Frühlingsputz machen müssen, bevor sie es sich auf ihrem Kuschelteppich gemütlich machen können.
In der Schule warten gute Neuigkeiten auf die kleinen Stinktiere: Die Lehrerin, Frau Stinki, unternimmt einen Ausflug mit ihren Schülern. Vor einem mysteriösen Hügel bleiben die Stinktiere stehen und wundern sich, was das Besondere daran sein soll. Noch haben sie nicht bemerkt, dass es sich um einen riesigen Termitenhügel handelt, aber schnell pieken die kleinen Biester den vorlauten Fritzi, und Frau Stinki erzählt ihren Schülern viel Lehrreiches über die kleinen Tierchen. Im Traum suchen Paule in der kommenden Nacht riesige Termiten auf, aber da er im Unterricht gut aufgepasst hat, kann er vor den übergroßen Termiten fliehen.
Opa Rosenbusch weiß wieder einmal einige spannende Geschichten zu erzählen, und hier erfahren wir auch, wie er seine geliebte Frau kennengelernt hat. Besonders lustig sind aber seine Ausflüge in eine Bierbrauerei und in einen Vergnügungspark; so wird selbst Opa Rosenbusch in der Achterbahn ganz blass um die Nase, und die Geisterbahn lehrt ihn schließlich das Fürchten, sodass Opa beschließt, nie wieder in einen Vergnügungspark zu gehen
Paule und seine Freunde erleben noch viel mehr spannende, lustige und gruselige Abenteuer. So lädt der Besuch auf dem Friedhof zum Fürchten ein, und auch die Rabenplage, die Müffelsdorf heimsucht, erinnert ein kleines bisschen an Hitchcocks „Vögel“, immerhin fressen die bösen Raben den Müffelsdorfer Stinktieren alle Vorräte weg! Am Ende wird natürlich alles gut, und wir verlassen Paule dieses Mal glücklich und zufrieden – mit einem wunderschönen neuen Spielplatz in der Schule.
_Das stinkt mir nicht_
Unser kleiner stinkender Romanheld Paule erlebt wieder einmal große Abenteuer – einige erlebt er in den Erzählungen seines Opas nach und andere wiederum geschehen nur im Traum. Die Geschichten sind in diesem zweiten Buch noch turbulenter als im Einstiegsband. Da ist nicht nur der gruselige Ausflug auf den Friedhof, bei dem die kleinen Stinktiere sich furchtbar erschrecken und sich auch in Paules Stimme ein Zittern einschleicht, sondern da tauchen auch noch die bedrohlichen Raben auf, die den Stinktieren das Haar vom Kopf wegfressen und sich nur mit einer List vertreiben lassen. Auch im Traum bekommt Paule einiges auf den Deckel und muss so manch brenzlige Situation überstehen – sei es der Kampf gegen eine fiese Wucherpflanze, die Flucht vor Riesentermiten oder sein tollpatschiges Auftreten in einer völlig gläsernen Welt, die er mit seinem Buschelschwanz ganz schön aus der Bahn bringt.
Paule ist ein herrlich unperfekter Held, mit dem sich sicherlich viele junge Leser wunderbar identifizieren können. Paule hat zwei nette Freundinnen, einen großartigen Opa und eine liebe Oma, die ihm stets Kekse vorsetzt, wenn er zu Besuch kommt. Außerdem erlebt er so einiges in seinem Leben, sodass ihm sicher nie langweilig wird. Aber er hebt dabei nie ab, sondern denkt immer auch an seine Freunde. Im einen Traum macht er gar ein trauriges Gespenst glücklich, in einer anderen Geschichte rettet er ein freundliches Stachelschwein. Perfekt ist Paule dennoch nicht, immerhin hat er diese kleine sympathische Schwäche, dass ihm ab und an – wenn er ganz schrecklich aufgeregt ist – eine grüne Stinkwolke entweicht.
Die anderen Figuren stehen dem natürlich in nichts nach, auch wenn man in diesem Buch nicht mehr ganz so viel über Lisa erfährt. Bella dagegen mausert sich zu einer ebenbürtigen Partnerin, die im sportlichen Wettkampf brilliert, als Monster verkleidet für Furore sorgt und es gar schafft, für ihre beiden besten Freunde einen Kinoabend auf die Stinktierbeine zu stellen. Lisa ist zwar immer mit dabei, doch bleibt sie inzwischen etwas im Hintergrund, was mich aber gar nicht störte, da mir Bella ohnehin viel besser gefällt mit ihrer ganz eigenen Art.
_Lustig, lehrreich, liebenswert_
Die Paulegeschichten richten sich natürlich vordergründig an Kinder und eignen sich auch hervorragend zum Vorlesen, aber dennoch haben auch jung gebliebene und etwas in die Jahre gekommene Leser ihre helle Freude an den lustigen Geschichten. Für Kinder findet sich einiges Lehrreiches, so lernen sie beispielsweise gemeinsam mit Paule und seinen Mitschülern einiges über das Leben von Termiten. Aus Paules Verhalten lässt sich aber noch mehr lernen; so ist er stets hilfsbereit und freundlich. Als ihm ein Stachelschwein begegnet, das sich verlaufen hat, bietet er gleich seine Hilfe an und sorgt dafür, dass das Stachelschwein wieder den rechten Weg findet. Besonders liebenswert fand ich aber, wie Paule versucht hat, im Traum das traurige Gespenst aufzumuntern, indem er ihm klar gemacht hat, dass es nun fliegen und sich unsichtbar machen kann. Auf solche Ideen muss man erstmal kommen – herrlich!
Sehr gut gefallen haben mir auch die Vorbereitungen zur Kostümparty, die alle Stinktierkinder engagiert in Angriff genommen haben, um unterstützt von ihren Eltern und Großeltern sensationelle Kostüme zu entwerfen. Aber auch den Bau eines Spielplatzes gehen die Stinktiere gemeinsam an, so planen die Kinder zunächst mit Frau Stinki zusammen, was alles gebaut werden soll und was man dafür braucht, und anschließend veranstalten sie einen Papa-Kind-Tag, um auch alles zu realisieren. Und wie so häufig, so ziehen alle Stinktiere in Müffelsdorf an einem Strang, sodass der Spielplatz erfolgreich entstehen kann.
_Die bunte Welt der Stinktiere_
So niedlich die Geschichten auch sind, so gut mir die Charaktere gefallen, so wären sie doch nichts (oder zumindest nicht viel) ohne die fantastischen Zeichnungen, die Jennifer Feldkirchner passend zu den meisten Szenen angefertigt hat. Auf manchen Seiten finden sich gleich mehrere Zeichnungen in Schwarzweiß, aber die Highlights sind natürlich die ganzseitigen Farbzeichnungen, die uns zeigen, wie farbenfroh es in der Welt der Stinktiere wirklich zugeht. In allen Bildern gibt es wieder einmal eine Menge zu entdecken, denn mitunter hat Jennifer Feldkirchner dort Details versteckt, die nicht immer zu der Geschichte gehören, das ganze Geschehen aber auflockern. So streckt ein freches Stinktierkind hinter Frau Stinkis Rücken die Zunge raus, in einem Bild seilt sich ganz unauffällig eine Spinne ab und auf einem anderen hat sich eine kleine Maus eingeschlichen.
Die Schwarzweiß-Zeichnungen kommen wie schon im ersten Band oft mit wenigen Strichen aus, und doch verleiht Jennifer Feldkirchner ihren Figuren immer den passenden Gesichtsausdruck und die passende Geste. Besonders lustig fand ich den betrunkenen Opa Rosenbusch, um den herum die Welt sich dreht, aber auch Paules oftmals stark schielende Augen sind einfach allerliebst.
Auch die neuen Abenteuer vom Stinktier Paule lassen sich immer wieder in die Hand nehmen und durchblättern, denn an den Zeichnungen kann man sich so schnell nicht sattsehen und auch in den Geschichten kann man durchaus häufiger stöbern. Und so warte ich jetzt schon darauf, dass ich das Buch irgendwann einmal einem lieben Patenkind schenken und vorlesen kann!
http://www.stinktier-paule.de
_2005 begann Stephenie Meyer_ ihren Siegeszug als Jugendbuchautorin mit Hang zur Blutsaugerei. Bislang hat ihre [Reihe 5508 um Teenager Bella und ihre Vampirliebe Edward vier Bestseller und einen nicht minder erfolgreichen Kinofilm hervorgebracht. Kein Wunder, dass Geschichten mit ähnlichen Inhalten plötzlich aus dem Boden sprießen. Melissa Marr springt in ihrem Debütroman „Gegen das Sommerlicht“ zwar nicht auf den Vampir-Zug auf, aber die Geschichte, die sie erzählt, weist einige Parallelen zu denen ihrer amerikanischen Kollegin auf.
_Ashlyn besitzt ein Geheimnis_, das niemand erfahren darf, wenn es nach ihrer Großmutter geht: Sie kann seit ihrer Geburt Elfen sehen. Wer glaubt, dass es sich dabei um zarte, beflügelte Wesen handelt, der liegt allerdings falsch. Elfen sind menschengroß und es gibt sie in allen möglichen Variationen. Als Tiere, Hexen, Waldwesen oder eben als Menschenähnliche. Sie gehören nicht unbedingt zu den friedlichsten Zeitgenossen: Sie quälen sich nicht nur gegenseitig, sondern erlauben sich auch ihre Späße mit den Leuten, die sie natürlich nicht sehen können.
Ashlyn gibt nicht zu erkennen, dass sie von der Existenz der anderen weiß. Doch eines Tages wird es schwer für sie, dies zu verbergen. In einem Comicladen wird sie von Keenan, dem Sommerkönig der Elfen, angesprochen. Er versucht mit ihr zu flirten, doch Ashlyn kann hinter seinen Menschenzauber sehen. Und sie weiß, dass man Elfen nicht trauen sollte. Tatsächlich hat Keenan nicht ganz uneigennützige Hintergedanken. Das Machtgleichgewicht in seiner Welt ist aus dem Lot geraten, seit Beira, die Winterkönigin, seinen Vater getötet hat. Nun regiert sie selbst und sie ist keine besonders freundliche Monarchin. Die einzige Möglichkeit für Keenan, die Macht an sich zu reißen und damit die Welt vor der Kälte zu retten, ist das Auffinden der Sommerkönigin. Jahrhunderte verbringt er schon damit, nach der Richtigen zu suchen, aber viele haben Angst vor der letzten Prüfung oder bestehen sie nicht.
Doch bei Ashlyn glaubt er, dass sie die Richtige ist. Sie kann nicht nur die Elfen sehen, sondern widersteht auch seinem betörenden Charme. So glaubt er jedenfalls. Ashlyn hingegen klammert sich an ihr letztes bisschen Trotz, um nicht in Keenans Fänge zu geraten. Sie erhält dabei wertvolle Hilfe von Seth, ihrem besten Freund. Oder ist er sogar mehr als nur ein Freund? Eines Tages vertraut sie sich ihm an und gemeinsam versuchen sie, vor Keenan und seinen Plänen zu entfliehen. Doch ein Elf gibt nicht so schnell auf …
_Ähnlich wie bei Meyers Büchern_ fällt es auch bei „Gegen das Sommerlicht“ schwer, es in ein Genre einzuordnen. Die Elemente aus der Fantasy sind allgegenwärtig, aber die Liebesgeschichte, sie sich zwischen den Buchdeckeln findet, könnte auch in einem Kitschroman stehen. Ashlyn und der ewig geduldige Seth sind ein legitimes Pendant zu Bella und Edward. Obwohl jung an Jahren, geht es ihnen weniger um Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll, sondern vielmehr um wahre, romantische Liebe. Das mag man nun authentisch finden oder nicht – Tatsache ist, dass Marr die Geschichte recht schön erzählt, aber nur wenig Neues hinzufügen kann. Teilweise wirkt gerade der Teil der Handlung, der sich um Ashlyn und Seth dreht, ziemlich abgenutzt.
Lob verdient Marr für ihre Darstellung der Elfenwelt. Sie hat einen Kosmos geschaffen, der von einer Vielzahl unterschiedlichster Wesen erfüllt ist und viele Überraschungen bereithält. Manchmal hätte sie beinahe noch mehr ins Detail gehen können, obwohl ihre Darstellungen sehr bildhaft und teilweise humorvoll sind. Der Handlungsstrang, der sich mit Keenans Suche nach seiner Sommerkönigin beschäftigt, überzeugt wesentlich mehr als die Liebesgeschichte. Die Ereignisse sind nicht vorhersehbar, und immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen. Gerade bei der Frage, ob Ashlyn auf Keenan hereinfallen wird oder nicht und ob sie den Elfen helfen wird, kann die Autorin punkten. Sie erschafft eine quälende Ungewissheit, die dazu führt, dass man das Buch nicht mehr zuschlagen kann.
Daran ist ihr Schreibstil allerdings nicht ganz schuldlos. Mit sehr einfachen, aber wirkungsvollen Worten schmückt sie ihre Geschichte aus und zieht den Leser in ihren Bann. Leichtfüßig und sehr nah an ihrer Hauptperson schildert sie nicht nur die Handlung, sondern auch die Gedanken- und Gefühlswelt von Ash. Kursiv gedruckte Überlegungen sorgen dafür, dass man sich gut mit Ashlyn und ihren Sorgen identifizieren kann, auch wenn das Sujet der Geschichte eher ein jüngeres Publikum anspricht. Obwohl nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, erzeugt die Autorin dabei eine ähnliche Beziehung zwischen Leser und Protagonistin, wie dies auch Meyer in ihren Büchern gelingt.
Die Parallelen sind vielleicht nicht beabsichtigt, aber sie sind da. Eine Liebesgeschichte mit Happy End, eine jugendliche Erzählerin mit Sympathiefaktor und ein Hauch Kitsch sind die Zutaten, die „Gegen das Sommerlicht“ mit den Büchern Stephenie Meyers gemeinsam hat. Was die Geschichte angenehm von den Bestsellern abhebt, ist zum einen die überraschend bunte Welt voller magischer Wesen, zum anderen ist die Geschichte düsterer und wesentlich näher an der heutigen Jugend. Ashlyns Freundinnen sind normale, pubertäre Gören, während Seth alles andere als der perfekte Lover ist. Er wohnt in einem Wohnwagen, zusammen mit einer Boa Constrictor, und ist gepierct und tätowiert. Dieser Hauch von Subkultur ist ungewöhnlich für ein Jugendbuch mit dieser Thematik und hätte gerne mehr ausgearbeitet werden können.
_Wem die „Bis(s)“-Bücher_ dementsprechend zu harmlos sind, der kann sich vielleicht mit Melissa Marr anfreunden. „Gegen das Sommerlicht“ ist zwar kein Überwerk, aber durchaus genießbar und macht Appetit auf mehr. Und wer weiß: Vielleicht wird Marr ja eines Tages nicht mehr Meyer, sondern mit „richtigen“ Dark-Fantasy-Autorinnen verglichen …
|Originaltitel: Wicked Lovely
Aus dem Englischen von Birgit Schmitz
347 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3-551-58168-8|
http://www.carlsen.de
http://www.melissa-marr.com
_Eigentlich ist es eine trostlose Welt_, in welcher der junge Melkin Womper lebt. Die Gilden kontrollieren im Land Nem so ziemlich alles, was irgendwie von Wert ist, und so muss der Sohn einer einfachen Weberfamilie in der Provinz sich damit begnügen, sich aus Ruß und Wasser selbst Tusche zu mixen, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können: dem Zeichnen. Mel ist äußerst talentiert, und weil das auch sein Mentor Fra Theum erkannt hat, bekommt Mels Familie eines Tages Besuch von einem Boten aus der fernen Hauptstadt, der Mel gerne als Lehrling für die berühmte Künstlerwerkstatt von Ambrosius Blenk anwerben möchte.
Mel kann sein Glück kaum fassen, und ehe er sich versieht, tritt er im Hause Blenk auch schon seine Lehrstelle an. Als jüngster Lehrling und Provinzler hat er es nicht leicht. Er bekommt immer die unangenehmsten Arbeiten zugeschoben und wird von Oberlehrling Groot pausenlos schikaniert. Die einzigen Freunde, die er findet, sind sein Lehrlingskollege Ludo und das Küchenmädchen Wren.
Zu dritt erkunden sie häufig die verborgenen Dienstbotengänge der alten Schule und beobachten dabei eines Tages, wie ihr Meister Ambrosius Blenk in einem Gemälde verschwindet. Offenbar sind die Bilder Portale in eine andere Welt. Ludo, Wren und Mel sind höchst fasziniert und machen sich daran, die Welt hinter den Leinwänden auf eigene Faust zu erkunden. Das entpuppt sich schon bald als gefährliches Unterfangen, denn sie begegnen dort den unheimlichsten Kreaturen.
Auch die Schergen der machtgierigen Gilden scheinen ihre Finger schon bis nach Mirrorscape, die Welt hinter den Bildern, auszustrecken. Als sie eines Tages Ambrosius Blenk entführen, um Mirrorscape in ihre Gewalt zu bringen, liegt es an Mel, Ludo und Wren, ihrem Meister zur Seite zu stehen. Doch alleine sind auch sie machtlos. Sie können nur auf die Hilfe der Rebellen hoffen, die sich tief unter der Stadt vor den Häschern der Gilde versteckt halten. Mel, Ludo und Wren stehen vor dem größten und gefährlichsten Abenteuer ihres Lebens …
_Es ist eine höchst eigenwillige Welt_, die Autor und Illustrator Mike Wilks mit „Mirrorscape – Gefangen im Reich der Bilder“ entworfen hat. Man kann ein Gemälde betreten und die komplexe Welt, die sich hinter der Leinwand verbirgt, erkunden. Was den Protagonisten dort alles begegnet, zeugt von der unbändigen Fantasie des Autors. Die seltsamsten Kreaturen tummeln sich dort und die eigenartigsten Dinge passieren. Es gibt schaurige Ungeheuer, monströse Welten, in denen einem die Zeit Streiche spielt, lebende Häuser und noch vieles mehr.
Mike Wilks hat sich in seinem künstlerischen Schaffen durchaus schon einen Namen als Illustrator surrealer Traumwelten gemacht. Seine Bilder haben es unter anderem schon bis ins |Museum of Modern Art| in New York und ins |Victoria and Albert Museum| in London geschafft.
Diesem Anspruch wird er auch mit seinem bislang ersten Roman gerecht. „Mirrorscape“ ist ein Ort, der vor Fantasie nur so strotzt, und Wilks zeigt dabei, dass er seine fantastischen Ideen eben nicht nur mittels Bildern greifbar machen kann, sondern auch mit Worten. Das ist einerseits ganz schön, denn so bleibt es dem Leser überlassen, sich ein eigenes Bild von „Mirrorscape“ zu machen, andererseits wären Illustrationen sicherlich eine sehr schöne Ergänzung der Geschichte gewesen. So muss sich der Leser mit einigen wenigen Zeichnungen am Anfang des Buches begnügen. Schade eigentlich.
Wilks schafft es aber nicht nur, die Welt hinter den Bildern sehr fantasievoll anzulegen, auch das Land Nem, die reale Welt, braucht sich nicht hinter den Fantasiewelten zu verstecken. Jede Gilde kontrolliert in Nem einen der fünf Sinne. Farbpigmente sind dabei das Kostbarste, was es gibt, und so kontrolliert die fünfte Gilde dieses wertvolle Gut und hat sich damit zur mächtigsten Institution im Land aufgeschwungen. Farben verwenden darf nur, wer sich die entsprechenden Pläsiere leisten kann und dadurch eine Legitimation erwirbt. Und so sind Kunst und bunte Kleider eben ein purer Luxus, von dem Mel in seinem bisherigen Leben in der Provinz nur träumen konnte. Auch die reale Welt von Nem bringt einige skurrile Eigenarten mit sich, wie die von Menschenkraft betriebenen Straßenbahnen und die Sklaven auf der Insel Kig, die vom Abbau der kostbaren Farbpigmente mit der Zeit eine farbige Haut bekommen. Nem ist für den Leser ein ähnlich skurriler Ort wie Mirrorscape.
Klingt also nach den Zutaten eines lesenswerten fantastischen Romans, dennoch muss man der Geschichte eine nicht geringe Schwäche ankreiden. Wilks Fantasie zeichnet den Roman aus, erzählerisch weist er aber so einige Schwachpunkte auf. Dass die Figurenskizzierung eher oberflächlich bleibt, ist sicherlich nicht verwunderlich, da es sich schließlich um ein Jugendbuch handelt. Dass man aber mit der Zeit mit Mel nicht mehr so richtig mitfiebert, weil er einfach zu souverän jedes eigentlich lebensgefährliche Abenteuer in Mirrorscape besteht, ist dann doch ein wirklicher Makel.
Als Mel zusammen mit Ludo durch eine Leinwand tritt, sieht es erst noch ganz vielversprechend aus. Die beiden werden von sonderbaren Kreaturen bedroht – eine Begegnung, die Ludo beinahe das Leben kostet. Mel schafft es nur mit Mühe und Not, seinen Freund zu retten. Doch schon beim nächsten Besuch in Mirrorscape mutiert Mel dann zum Überflieger. Er stellt sich jeder Herausforderung, und nichts kann ihn aufhalten. Kein Bösewicht ist zu mächtig, keine Gefahr zu groß. Das drückt im Laufe des Romans, der sich ab etwa der Hälfte größtenteils in Mirrorscape abspielt, dann doch ziemlich die Spannung.
Sprachlich ist das Ganze recht einfach und kindgerecht gehalten. Für die jüngeren Leser dürften manche Stellen des Buches aber ziemlich harter Tobak sein. Wie schon Wilks Illustrationen, die oft einen beunruhigenden, düsteren Einschlag haben, so ist auch der Roman teils düster und sogar gruselig. Für all zu zartbesaitete Gemüter also vielleicht nicht ganz die passende Lektüre.
_Bleiben unterm Strich_ gemischte Gefühle zurück. Zwar fasziniert Wilks mit seinen fantastischen Ideen und seiner bizarren Welt, dennoch offenbart er aber vor allem mit Blick auf den Spannungsbogen erzählerische Schwächen. Zwar strebt der Spannungsbogen kontinuierlich aufwärts, aber er wird durch die Souveränität, mit der Protagonist Mel von einem brenzligen Abenteuer zum nächsten wandert, ziemlich untergraben. So geht leider einiges an Potenzial verloren, aber wer weiß, vielleicht gelingt es Wilks ja schon mit dem nächsten Band, wieder einiges an Boden gut zu machen – schließlich ist „Mirrorscape“ als Trilogie angelegt.
|Originaltitel: Mirrorscape
446 Seiten, gebunden
Einbandgestaltung von David B. Hauptmann
Mit Vignetten von Mike Wilks
Aus dem Englischen von Bettina Münch
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-7891-5125-5|
http://www.oetinger.de

Als ihr Hof von Artus‘ Kampftruppe geplündert und niedergebrannt wird, rettet sich die junge Gwyna („Maus“) mit einem Sprung in den kalten Fluss. Sie ist eine exzellente Schwimmerin und Taucherin. Artus‘ Barde Myrddin (= Merlin) findet die Halberfrorene am Ufer und nimmt sich ihrer an, denn er weiß sich ihre Tauchfähigkeit zunutze zu machen. Er ist schließlich auch Artus‘ Propagandaminister und will seinen Herrn zum Herrscher über ganz England machen.
In seinem Auftrag schlüpft Gwyna, die er als Junge verkleidet, in verschiedenste Rollen, darunter als Knappe und als Spionin am Hof der Königin. Doch dann wird die Königin Opfer eines Verrats – und Gwyna schwebt als deren Vertraute unvermittelt in Lebensgefahr …
Die Geschichte beginnt wie schon andere zuvor: Titus Jonas sitzt mit seinem Neffen bei einer Auktion, um neuen Trödel zu ersteigern. Dieses Mal geht es um den Nachlass des reichen Horace Vanderbilt. Und tatsächlich kann Titus einige Schnäppchen machen, auch wenn er sich von dem 150 Dollar teuren silbernen Klopapierhalter fernhält. Neben Stühlen findet sich in seiner Ausbeute eine Kiste mit Büchern, die bei der Auktion verramscht wurde. Als Justus seinem Onkel nach der Auktion dabei hilft, das Zeug in den Lieferwagen zu bringen, muss er zu seinem Leidwesen erkennen, dass der Wagen einen Platten hat und er sich nun nicht nur mit dem schweren Trödel abplagen muss, sondern auch noch mit einem nervigen Reifenwechsel.
Die drei ??? – Zwillinge der Finsternis (Band 141) weiterlesen
_Es waren zwei Königskinder …_
Als der jugendliche Reiter Michael den verlassenen Pfad entlangreitet, trifft er am Flussufer Annie. Annie, die mit den vielen Piercings so viel anders ist als er selbst. Eine Leidenschaft teilen sie: Beide lieben Pferde. Michael erklärt sich bereit, Annie Reitstunden zu geben, und mit der Zeit verlieben sie sich. Doch Annie umgibt ein düsteres Geheimnis, welches sie trotz ihrer Liebe nicht preisgeben kann. Er muss den tückischen Fluss durchqueren, um sie für sich zu gewinnen…
Die Geschichte basiert nach Angaben der Autorin auf dem Volkslied „Annan Water“ aus dem 17. Jahrhundert, das 1890 erstmals in schriftlicher Form veröffentlicht wurde.
_Die Autorin_
Kate Thompson, 1956 geboren, wuchs in England auf, trainierte Rennpferde in USA, studierte Jura in London und machte ausgedehnte Reisen durch Indien, bevor sie sich in Kinvara im irischen County Galway niederließ. Dort entwickelte sie ihre Leidenschaft für das Fiddlespiel. Sie hat eines ihrer Zimmer in eine Werkstatt umgewandelt, in der sie alte Instrumente restauriert.
Sie schreibt Lyrik, Drehbücher, Romane und Kinder- und Jugendbücher, für die sie bereits zweimal den |Irish Children’s Book of the Year Award| gewonnen hat. Ihr Roman [„Zwischen den Zeiten“ 3668 wurde laut Verlag mehrfach ausgezeichnet.
_Handlung_
Der etwa 14 Jahre alte Michael lebt mit seinen Eltern Jean und Frank auf einer Pferdefarm. Ursprünglich stammt die Familie aus Yorkshire, doch nach dem Tod der kleinen Tochter zogen die Eltern ins schottische Dumfries, von wo Jeans Familie stammt. Hier schuftet Michael von frühmorgens bis spätabends für eine Gewinnbeteiligung am Pferdehandel. Die Schule leidet natürlich darunter, aber Michael gelingt es, seine Eltern darüber zu täuschen, wie mies seine Leistungen in Wahrheit sind. Das wird sich bald ändern …
Bei einem Ausritt mit der lebhaften silbergrauen Stute (des deutschen Titels) und einem Wallach auf einem vergessenen Pfad gelangt Michael an einen Fluss, vor dem die Stute zurückschreckt. Angesichts des Wassers geht ihm ein Vers eines Liedes durch den Sinn, das ihm seine Großmutter in Dumfries immer vorgesungen hat: „Annan Water“. Das Wasser verkündet einem jungen Mann, der zu seiner liebsten Annie will, Unglück.
Zwei Erwachsene und ein Teenager-Mädchen begrüßen ihn. Mike wundert sich über die vielen Piercings, die das Mädchen im Gesicht trägt. Sie stellt sich als Annie vor und würde sehr gerne reiten lernen. Sie wohnt am anderen Flussufer mit ihrer Mutter, die an Multipler Sklerose leidet. Ein Nachbar namens Jimmy Souter, den Mikes Mutter noch als Nachbarn kennt, unterstützt die beiden.
Aus den Reitstunden für Annie wird schnell mehr, als sie sich begeistert und mit Schwung an den Arbeiten auf dem Pferdehof beteiligt. Auch Jean und Frank sind von ihr begeistert, weil sie ihnen so viel Arbeit abnimmt. Doch Michael ist von ihr mehr als nur beflügelt: Er verliebt sich unversehens in sie. Doch während er sie küsst, vergisst er seine Pflichten. Seine Mutter Jean stürzt mit ihrem Pferd auf regennassem Boden. Beim Parken am Krankenhaus verursacht er einen Verkehrsunfall, den er seinen Eltern verschweigt.
Obwohl er mit Annies Motivation eine Pferdeschau nach der anderen gewinnt und sie selbst ebenfalls einen Sieg nach Hause holt, ist das dicke Ende doch unausweichlich. Und als Annies Vater aus dem Knast entlassen wird und mit Annie wegziehen will, dreht Michael vor Angst und Frust vollends durch. Darauf hat der tückische Fluss vor Annies Haus nur gewartet …
_Mein Eindruck_
Der Leser fragt sich unwillkürlich, was denn an diesem recht prosaischen Plot bitteschön „phantastisch“ sein soll. Tatsache ist jedoch, dass nirgends auf dem Umschlag das verräterische Etikett „Fantasy“ steht und es sich daher einfach um eine recht poetisch aufgemotzte Romanze handeln darf. Vielleicht sind deswegen allenthalben weiße Blümchen auf dem Umschlag zu finden.
Wer also wie ich von Kate Thompsons phantastischen Romanen wie [„Zwischen den Zeiten“ 3668 begeistert war, dürfte sich relativ enttäuscht sehen. Aufhänger der Story ist besagtes altes Volkslied „Annan Water“, das unsere zwei Königskinder trennt, so dass sie nicht ordentlich zueinander kommen können.
Wer jedoch genauer hinschaut, der entdeckt, dass die beiden Hauptfiguren Michael und Annie aus ihren jeweiliges familiären Gefängnissen ausbrechen wollen und müssen, um ihrer inneren Bestimmung folgen zu können. Michael möchte eigentlich ein Tierarzt sein, doch der Pferdehandel in der Drei-Mann-Familie nimmt ihn derartig in Beschlag, dass er sogar für die Hausaufgaben zu müde ist. In Annie steckt eine verhinderte Künstlerin oder Innenarchitektin. Sie ist jedoch durch Frust und Schuldgefühle in ihrem Unterbewusstsein so sehr gegen sich selbst gerichtet, dass sie sich pierct und ritzt, um sich spüren zu können (Borderline-Persönlichkeitsstörung).
Der dunkle Fluss stellt die Barriere dar, die die beiden sowohl buchstäblich als auch psychologisch und sozial voneinander trennt. Folglich muss einer von beiden irgendeinen Weg finden, die Barriere zu finden und so sie beide zu befreien. Der Haken dabei ist die große Gefahr, die den Versuch der Überquerung mit dem Tode bedroht.
Letzten Endes ist es, wie sich zeigt, eine Frage des Vehikels: Die quecksilbrige Stute („the bonny grey mare“ des Liedes) verweigert den Dienst, doch der brave Wallach trägt Michael gerne in das tosende Wasser, auch um den Preis des eigenen Lebens. Wie das Lied es ausdrückt: Wahre Liebe baut eine Brücke, und Treue ermöglicht das Fundament.
Bange Wochen vergehen, in denen die Familien nichts von dem verschwundenen Liebespaar hören. Haben sie es geschafft, zueinander zu gelangen, oder treiben sie mit dem Fluss dem Meer entgegen? Das soll hier nicht verraten werden. Im Lied geht der Überquerungsversuch unglücklich aus.
|Realismus|
Was mich jedoch besonders für das Buch eingenommen hat, ist nicht die recht konventionelle Liebesromanze, sondern der beeindruckend realistisch geschilderte Alltag eines Pferdehändlerhofes. Hier wird nicht gezüchtet oder aufgezogen, sondern nur gehandelt. Allerdings müssen die Ponys und Pferde zugeritten werden, um einen Mehrwert damit erzielen zu können. Die sichersten und gehorsamsten Tiere erzielen auf Pferdeschauen nicht nur Auszeichnungen, sondern in den nachfolgenden Verhandlungen auch bessere Preise.
Es gibt eine gute Episode, in der die Autorin, vertreten durch Jean und Michael, nichtsnutzige, schlechte Reiter kritisiert. Eine dünkelhafte Mittelklassemami will für ihren ebenso hochnäsigen, aber schweigsamen Sohnemann ein passendes Pony kaufen. Das Pony ist brav und gut ausgebildet, doch der junge Reiter ist viel zu ängstlich und nimmt das Tier viel zu stark an die Kandare, so dass es völlig durcheinander gerät. Die ganze Partie endet schließlich, wie es Michael hat kommen sehen: in einem Sturz. Selbstredend gibt Supermami dem Ponybesitzer die Schuld statt ihrem inkompetenten Sohn. Dass Michael Recht hat, zeigt er später bei einem Schaurennen.
_Unterm Strich_
Solche Szenen kann man sich sehr plastisch wie einen Film vorstellen. Das Buch besteht fast nur aus solchen Szenen und lässt sich daher ohne Mühe verstehen und lesen. Die Schrift ist groß gehalten, die Kapitel sind kurz wie bei James Patterson.
In Irland käme so ein Buch wahrscheinlich nur in einer winzigen Auflage als Liebhaberausgabe auf den Markt, aber die Autorin hat bei uns dank der guten Presse- und Marketing-Arbeit des Verlags ein größeres Publikum.
Dieses Publikum besteht vor allem aus weiblichen Fans, und sie dürften sich für die Romanze auf dem Pferdehof besonders begeistern. Mich selbst hat mehr die realistische Darstellung von Michaels Umwelt überzeugt. Von Annie hingegen erfahren wir nur sehr wenig, weil intensivere psychologische Szenen kaum vorhanden sind, in denen sie das Ritzen und Piercen näher erklären kann.
Für ein Buch, das die realistische und in die Gegenwart verlegte Umsetzung eines alten Volksliedes darstellt, vermag „Das silberne Pferd“ dennoch sehr gut zu unterhalten. Man darf jedoch keine höheren Erwartungen hegen. Weder Krimi- noch Fantasyliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Und der Liedtext ist auch nicht ins Deutsche übertragen worden.
|Originaltitel: Annan Water, 2004
Aus dem Englischen von Kattrin Stier
219 Seiten
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30447-1|
http://www.cbj-verlag.de
_Mittlerweile_ liegt zur „Spook“-Reihe von Joseph Delaney schon der vierte Band vor. Mit den ersten drei Teilen hat Delaney die Geschichte um den jungen Geisterjäger-Azubi Tom Ward kontinuierlich in Punkto Spannung steigern können. Stellt sich also die Frage, ob ihm das auch mit dem vorliegenden vierten Band „Der Kampf des Geisterjägers“ so gut gelingt …
_Tom Ward_ ist nun schon seit geraumer Zeit der Lehrling des alternden Geisterjägers Mr. Gregory. Zusammen mit der jungen Hexe Alice, mit der Tom Freundschaft geschlossen hat, lebt er bei dem alten Meister in Chipenden und bereist von dort das Land, wann immer die Dienste des Spooks gebraucht werden.
Mittlerweile hat Tom schon so manchen finsteren Mächten gegenübertreten müssen, doch nun stellt sich ihm und seinem Meister ein neues Problem: die Hexen von Pendle. Viel zu lange hat der alte Spook die Probleme in Pendle ignoriert, doch als er Besuch von Pater Stocks erhält, einem alten Freund und Vertrauten aus der Umgebung des Pendle Hill, wird ihm klar, dass er dem Treiben der dunklen Mächten dort schon viel zu lange tatenlos zugesehen hat.
Während der Spook beschließt, möglichst bald nach Pendle aufzubrechen, ist Tom zusammen mit Alice unterwegs zum Bauernhof von Toms Bruder Jack. Dort stehen noch immer die drei Truhen, die seine Mutter ihm anvertraut hat. Doch als die beiden am Hof ankommen, sind sie entsetzt: Die Truhen sind gestohlen und Toms Bruder mit Frau und Tochter entführt worden. Die Spur führt in Richtung Pendle und so hat der alte Spook nach der Rückkehr von Tom nach Chipenden gleich zwei gute Gründe, das Hexenproblem in Pendle nicht länger aufzuschieben. Sie machen sich unverzüglich auf den Weg.
Kaum sind sie dort angekommen und haben bei Pater Stocks Quartier bezogen, überschlagen sich auch schon die Ereignisse. Alice wird entführt und schon wenig später steckt auch Tom in ernsthaften Schwierigkeiten, als man ihn eines Schwerverbrechens bezichtigt. Währenddessen treffen die drei ursprünglich verfeindeten Hexenclans von Pendle letzte Vorbereitungen, sich zu vereinigen, um in einem gemeinsamen Ritual am Hexensabbat den Teufel heraufzubeschwören. Ob Tom und sein Meister das verhindern können?
_Der vierte Band_ der „Spook“-Reihe macht schon auf den ersten Blick einen etwas anderen Eindruck als die Vorgängerbände. Ungewöhnlich dick ist das Buch, und entsprechend komplex legt Delaney diesmal auch die Geschichte an. In keinem bisherigen „Spook“-Band sind so viele Figuren aufgetaucht und wurden so viel Erzählstränge angelegt wie in diesem Band. Immer wieder verzweigt sich die Handlung, die Wege der Protagonisten trennen sich, um sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu kreuzen.
Für Spannung ist dabei auch diesmal wieder reichlich gesorgt. Die Entführung von Toms Familie, die Geschehnisse in Pendle, in deren Folge Tom verhaftet wird, die Rolle der rätselhaften Truhen unbekannten Inhalts – all das sorgt für eine zügige Spannungssteigerung. Delaney versteht sich darauf, den Leser durch eine spannende Erzählweise bei der Stange zu halten. Das gelingt ihm in diesem Band ähnlich gut wie in den vorangegangenen.
Trotzdem hat man ein wenig das Gefühl, dass Delaney diesmal zu viel wollte. Er baut so viele Figuren auf und lässt so viel gleichzeitig passieren, dass ihm dabei die Figurenentwicklung immer mal wieder ein wenig entgleitet. Der alte Spook kommt in diesem Band definitiv zu kurz. Immer wieder verschwindet er von der Bildfläche und taucht dann nur kurz auf, wie zu einer Stippvisite. Dafür, dass Tom ja eigentlich immer noch der Lehrling ist, muss er erstaunlich viel im Alleingang bewältigen.
Wird mit Beginn der Handlung in Pendle noch Mistress Wurmalde, die Haushälterin des Magistrats, als die große Böse aufgebaut, die Erz-Feindin von Toms Mutter aus alten Zeiten, die noch eine offene Rechnung begleichen will und deshalb die Hexenclans von Pendle um sich schart, so geht sie am Ende ziemlich jämmerlich unter. Für die große Übeltäterin des Romans ist das ein wenig zu unspektakulär. Und so fehlt dem Roman immer wieder die Balance. Fast bekommt man das Gefühl, Delaney würde sich mit all den vielen auftauchenden Figuren ein wenig verzetteln.
Zum Ende hin baut Delaney dann noch ein großes Finale auf, pünktlich zum Hexensabbat. Es kommt zur großen Schlacht am Pendel Hill, die gleichzeitig einen entscheidenden Wendepunkt für die gesamte „Spook“-Reihe markiert. Einige Eckpfeiler der Geschichte werden manifestiert, die auch für den weiteren Verlauf der Handlung nicht unbedeutend sein dürften. Toms Rolle in der Geschichte bekommt eine neue Bedeutung, die der wachsame Leser aber schon vorausahnen kann.
Und so wird auf diesen „Spook“-Band sicherlich ein weiterer folgen und Delaney die Reihe munter weiter aufbauen. Wie er allerdings weiterhin die Spannung mit jedem Band hochhalten und Tom mit einem stets neuen und stärkeren Bösewicht konfrontieren will, ist mir im Augenblick noch schleierhaft. Ewig wird sich die Spannungsschraube nicht weiterdrehen lassen. und irgendwann kommt sicherlich der Punkt, an dem auch aus der bis dato so unterhaltsamen „Spook“-Reihe die Luft raus ist. Hoffen wir aber, dass das noch einige Bände dauern wird …
_Bleibt unterm Strich_ zwar ein positiver, aber auch leicht angeschlagener Eindruck zurück. Stellten die ersten drei Bände jeweils eine Steigerung in Spannung, Größe von Toms Gegner und Unterhaltungswert dar, so zeigen sich mit dem vorliegenden vierten Band erstmals einige Schwächen. Plot- und Figurenentwicklung wirken nicht immer gut ausbalanciert und man hat ein wenig das Gefühl, dass Delaney diesmal etwas zu viel des Guten wollte. „Spook“ ist zwar immer noch ein unterhaltsames Lesevergnügen, aber dennoch offenbart der vierte Teil der Reihe Schwächen, die die Vorgängerbände nicht hatten. Bleibt zu hoffen, dass dies nur eine kurze Phase ist, die Delaney mit dem nächsten Band wieder überwinden kann.
|Originaltitel: The Wardstone Chronicles – The Spook’s Battle, 2007
Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen
Illustriert von Patrick Arrasmith
416 Seiten, gebunden in Lederoptik mit Gold- und Reliefprägung
Empfohlen ab 10 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-13399-6|
http://www.cbj-verlag.de
_Die „Spook“-Serie in chronologischer Reihenfolge:_
[„Spook: Der Schüler des Geisterjägers“ 2303
[„Spook: Der Fluch des Geisterjägers“ 3535
[„Spook: Das Geheimnis des Geisterjägers“ 4184
[„Spook: Der Kampf des Geisterjägers“ 5314
Band 1: [„Nosferas. Die Erben der Nacht“ 5084
Neben den Vampiren gibt es noch andere Wiedergänger, die sich vom Blut oder Fleisch der Lebenden ernähren. In fast jeder Mythologie der Welt gibt es jene Legenden, in denen Vampire und Werwesen ihr Unwesen treiben und Letztere besondere bei Vollmond eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen.
Warum ist der Wolf dem Menschen so nahe und wieso begegnet man ihm mit solch großem Respekt und einer gewissen Faszination? Erinnern wir uns nur an Romulus und Remus, die beiden mythischen Begründer Roms, die von einer Wölfin aufgezogen wurden, doch es gibt noch unzählige andere Legenden, die Wolf und Mensch zum Kernpunkt der Handlung machen.
Auch Vampire können sich, glaubt man alten Legenden und Mythen, in einen Nebel oder ein Tier ihrer Wahl verwandeln, auch in einem Wolf. Beide Arten, Vampire und Werwölfe, sind sich in den Legenden nicht unbedingt sympathisch, und meistens agieren die Vampire, die ja in menschlicher Gestalt auftreten, sehr abfällig und arrogant, während die Werwölfe auch „Bestien“ genannt werden, vielleicht, weil ihr ganzes Wesen zweifelsfrei mehr einem Raubtier ähnelt als einem Menschen. Doch sind sie über einige ‚Ecken‘ doch verwandt, viele Eigenschaften und Charakterzüge weisen beide Wesen auf. In vielen Filmen und Büchern gib es eine umkämpfte Erbfeindschaft zwischen Vampiren und Werwölfen und blutige Opfer auf beiden Seiten.
Die Vampire stellen sich gerne als Aristokraten dar und sehen die Werwölfe als hemmungslos wilde Bestien, die sinn- und wahllos töten. Nach „Nosferas. Die Erben der Nacht“ von Ulrike Schweikert ist bei |cbt Fantasy| nun der zweite Teil „Lycana. Die Erben der Nacht“ erschienen. Schauplatz dieser Handlung ist diesmal Irland, die grüne Insel voller Legenden, Mythen und dunkler Geheimnisse, aber auch voller Geschichte und Dramatik. Irland besitzt neben seiner rauen und gefahrvollen Küste auch andere faszinierende Orte wie Festungen und Burgen, die seit Jahrhunderten die tragischen und dramatischen Geschichten von Menschen zu erzählen wissen, deren Leben ein immerwährender Freiheitskampf war.
_Inhalt_
Nach dem Jahr in Rom sind die „Erben der Nacht“ an Reife gewachsen. Aber auch ihre Fähigkeiten haben sich weiterentwickelt. Viel wichtiger ist aber, und das war natürlich von den altehrwürdigen Vampiren geplant und erwartet, dass die jungen Erben Freundschaften zwischen den einstmals verfeindeten Clans geschlossen haben. Zarte Bande, die aber hoffentlich von Jahr zu Jahr stärker werden, um den Fortbestand der Vampire auch für die nächsten Jahrhunderte sichern zu können.
Alisa, eine junge Vampiren aus dem Clan der Vamila, die eher modern und immer neugierig ist; Luciano, ein Nosferas aus Rom, klein und gedungen, aber mit einem wachen Verstand; Franz Leopold de Draca aus Wien, ein schöner, attraktiver Vampir, der alle anderen als unter seiner Würde betrachtet, sich aber trotzdem, wenn es hart auf hart geht, loyal verhält; und zu guter Letzt Ivy, eine junge und schöne Vampirin aus Irland vom Clan der Lycaner, die immer einen weißen, geheimnisvollen Wolf zu ihrem Schutz als Begleiter führt. Dieses Quartett, inzwischen befreundet, aber doch vorsichtig und ein wenig empfindlich gegenüber den fremden Clans, reist über das Meer nach Irland.
In diesem Studienjahr soll den Erben beigebracht werden, wie man über die Tierwelt gebietet und sich beispielsweise in einen Wolf, eine Fledermaus oder gar in einen Adler verwandeln kann. Die Lycana beherrschen dies schon perfekt und ihre jungen Schüler tun sich schwer, da es hohe Konzentration erfordert, tierische Formen anzunehmen. Talentiert ist in jedem Fall Franz Leopold, der schon in Rom bewiesen hat, welche herauszuragenden mentalen Fähigkeiten er besitzt.
Doch auch in Irland, der grünen und wilden Insel, herrscht Unruhe. Die alte Fehde zwischen Werwölfen und Vampiren kann jederzeit wieder ausbrechen, der brüchige Frieden, der schon jahrelang mehr oder weniger aufrechterhalten wird, ist instabil. Eine neue Fehde könnte für jede Art die totale Vernichtung bedeuten, das wissen auch der Werwolf Peregrine und die Vampirin Àine, die ineinander verliebt sind und sich heimlich treffen.
Die Druidin Tara versucht das schwächelnde Bündnis zu stärken, doch innerhalb des Werwolfsclans regt sich Widerstand in den eigenen Reihen. Als wenig später ein Werwolf und eine Vampirin ermordet aufgefunden werden, geraten die „Erben der Nacht“ in eine mörderische Eskalation der Ereignisse …
_Kritik_
Wie schon in „Nosferas“ erschafft Ulrike Schweikert eine spannende und mystische Welt, die von Vampiren, Menschen und diesmal Werwölfen belebt wird. Schauplatz ist diesmal Irland, und diese Insel bildet für düsterromantische Vampire und die wilden Werwölfe eine fabelhafte Bühne, auf der sich beide Arten austoben können.
Die Ausbildung der Vampire wurde diesmal etwas wenig beleuchtet, stattdessen lernen sie das Verwandeln gezwungenermaßen zügig in praktischer Anwendung; etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, denn die Handlung spielt öfters in der Natur, in dunklen Höhlen und finsteren Ruinen und lässt den Erben nicht viel Deckung.
Ein großes Lob gilt dabei nicht nur der spannenden Erzählung, sondern auch der gut recherchierten Geschichte Irlands, den Sagen, Mythen und Legenden, welche die Autorin immer wieder mit der Handlung verwebt. Auch die magischen Orte, die alten Ruinen, in denen frühere Adelsgeschlechter regierten, sind vortrefflich eingesetzt, so dass man als Leser die Schauplätze fast schon vor Augen hat. Irland vereint die Schönheit und Aristokratie der Vampire ebenso wie die Wildheit der Werwölfe – eine Symbolik, die hier spiegelbildlich wirkt. Irland aber ist nicht nur eine raue Kulisse; es gibt auch romantische Begegnungen zwischen den jugendlichen Vampiren, ebenso Enttäuschungen und Verletzlichkeiten, die die Vampire nur menschlicher erscheinen lassen.
Ulrike Schweikert beschreibt im zweiten Teil der Vampirsaga geschickt die Entwicklung ihrer „Erben“. Mit dem Alter kommt die Weisheit, sagt der Volksmund, und mit Sicherheit steckt darin auch ein Fünkchen Wahrheit, aber noch lernen die jungen Vampire und zahlen ihr Lehrgeld auch in „Lycana“ mit persönlichem Schrecken, der aber für die weitere Handlung maßgeblich wichtig ist. Es gibt Überraschungen und Wendungen, die man so nicht erwartet hat; einige wirkten im Nachhinein betrachtet logisch in die Handlung eingebunden, und wenn man die eine oder andere Szene in „Nosferas“ nachliest, so bildet sich ein anschauliches Gesamtbild, das immer um weitere Puzzleteile vervollständigt wird. Man darf gespannt darauf sein, wie die Geschichte sich weiterentwickelt und was vielleicht noch kommen mag. Gewisse Theorien dazu entwickelt man bei der Lektüre automatisch, was zeigt, wie intensiv der Leser in die Erzählung eingebunden wird.
Auch wenn „Lycana“ im Genre der Fantasy zu finden ist, so gibt es historische Ereignisse und Personen, die mit ihrer ganzen Charakterisierung kleine, aber interessante Nebenschauplätze präsentieren. Oscar Wilde, Anne Devlin und auch Bram Stoker, der „Urvater“ aller Vampire, kommen in dieser Geschichte zu Wort.
„Lycana“ ist actionreicher als sein Vorgänger, und auch die Erben müssen kämpfen, nicht mit spitzen Zähnen, sondern mit Schwert und Degen, natürlich auch mit schlagfertigen Kommentaren. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz; besonders dann, wenn sich Alisa und Franz Leopold so richtig ‚gerne haben‘, hagelt es ironische Bemerkungen. Überrascht hat mich in der Charakterentwicklung vor allem Luciano vom Clan der Nosferas, der zuvor eher am Rande auftrat und nun an Selbstbewusstsein und Stärke gewinnt.
Einziger Kritikpunkt in der Charakterdarstellung ist der geheimnisvolle Marionettenspieler im Hintergrund, der immer nur kurz erwähnt wird und kaum aus seiner dunklen Ecke hervortritt; er intrigiert, plant und stört, aber was seine eigentliche Motivation für das Ränkespiel ist, bleibt im Nebel verborgen. Vielleicht wäre es gut gewesen, diesen Strippenzieher allmählich stärker einzubinden, aber vielleicht erfüllt sich meine Hoffnung im dritten Teil, der wohl offensichtlich in der französischen Hauptstadt Paris spielen wird.
_Fazit_
„Lycana“ von Ulrike Schweikert hat mich nicht nur als Jugendroman aus der Sparte Fantasy mehr begeistert als der Erstling „Nosferas“, sondern wirkt auch deutlich routinierter und strukturierter. Die Autorin wirft dabei viele Genres in einen literarischen Eintopf; das Rezept besteht aus Spannung, Historie, Dramatik, Fantasy, etwas Romantik und einer Prise Ironie. Für alle Liebhaber fantastischer Vampirromane ist „Lycana“ ein Leckerbissen, den man nicht nur Jugendlichen empfehlen kann – auch die junggebliebenen Eltern werden von Alisa, Franz Leopold, Luciano und Ivy begeistert sein.
_Die Autorin_
Ulrike Schweikert, Jahrgang 1966, beherrscht sowohl das historische als auch fantastische Genre meisterhaft. Ihre historischen Erwachsenen-Romane sind Bestseller und ihr „Drachenkrone“-Zyklus Fantasy-Pflichtlektüre. Nach ihren beiden großen Jugendbuch-Erfolgen „Das Jahr der Verschwörer“ und „Die Maske der Verräter“ hat die vielseitige Autorin nun ihren ersten fantastischen Roman für Jugendliche verfasst: „Die Erben der Nacht“.
|542 Seiten, kartoniert
empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30479-2|
http://www.cbj-verlag.de
Mehr von Ulrike Schweikert auf |Buchwurm.info|:
[„Nosferas. Die Erben der Nacht“ 5084
[„Der Duft des Blutes“ 4858
[„Die Seele der Nacht“ 1232 (Die Legenden von Phantásien)
Sammy ist ein kleiner Kater, der irgendwie mit seinem Zuhause nicht so richtig zufrieden ist. Ständig träumt er vom Wald, von der Jagd auf Mäuse, und sein Lieblingsplatz ist der Zaunpfosten am Rande der Menschensiedlung, wo es so verführerisch nach Laub und Beute duftet. So kommt es, dass er eines Tages sein Revier verlässt, trotz der Warnungen seines Freundes Wulle, der glaubt, dass die wilden Katzen im Wald jede andere Katze töten.
Tatsächlich wird Sammy nicht viel später von einer solchen wilden Katze angefallen. Mit überraschenden Folgen …
„In die Wildnis“ ist der Auftakt zu einer mehrteiligen Reihe. Hauptfigur ist Sammy, der orangerote kleine Kater. Er ist neugierig, intelligent und anpassungsfähig. Er besitzt Beobachtungsgabe und vor allem Mitgefühl, und er neigt dazu, auf diese innere Stimme zu hören, selbst wenn er damit mit dem Clangesetz in Konflikt gerät.
Seine besten Freunde sind Graupfote und Rabenpfote. Sie werden gerade zu Kriegern ausgebildet, wobei Rabenpfote sich damit wesentlich schwerer tut als Graupfote. Das liegt nicht unbedingt daran, dass er ungeschickt oder feige wäre. Aber er fürchtet seinen Lehrer Tigerkralle, und das aus gutem Grund.
Tigerkralle ist ein starker, ehrgeiziger Kater, der nach dem Tod des stellvertretenden Clanführers selbst Stellvertreter geworden ist. Er geht ausgesprochen hart mit Rabenpfote um, setzt ihn massiv unter Druck. Außerdem nimmt er es mit der Wahrheit nicht so genau, wie Sammy feststellt. Aber warum lügt er?
Blaustern, die Clanführerin, weiß davon nichts. Sie ist eine sehr besonnene Katze, die ihre Urteile niemals allein aufgrund von Gerüchten oder Verdächtigungen fällt.
Natürlich kommen noch eine ganze Menge anderer Katzen vor, zum Beispiel der gütige Löwenherz, der freundliche Weißpelz, die Heilerin Tüpfelblatt, in die Sammy sich verliebt, und Gelbzahn, die Katze vom verfeindeten SchattenClan. Die meisten von ihnen sind jedoch nur Nebenfiguren, und die Charakterzeichnung ist insgesamt nicht besonders tiefschürfend.
Auch der Plot haut einen nicht gerade vom Hocker. Blaustern macht sich Sorgen um das Überleben ihres Clans, denn im Jahr zuvor gab es zu wenig Futter, und der Clan hat zu wenig Krieger. Trotzdem weigert sie sich, den Forderungen des SchattenClan-Anführers Braunstern nach Jagdrechten in ihrem eigenen Territorium kampflos nachzugeben. Es kommt zum Krieg zwischen den beiden Clans. Dieser Krieg ist allerdings am Ende des Bandes bereits abgehakt; zumindest der offene Krieg gegen den SchattenClan insgesamt.
Den roten Faden des Zyklus scheint eher Tigerkralle zu bilden. Dass dieser Kater ein falscher Fünfziger ist, der unbedingt Clanführer werden will und weder vor Erpressung noch vor Mord oder Verrat zurückschreckt, dürfte allerdings selbst jugendlichen Leser recht bald klar sein. Da fragt man sich, ob es wirklich mehrere Bände dauern kann, bis ihn jemand überführt.
Was mir gut gefallen hat, war die Darstellung der Katzenwelt. Nicht, dass die Idee, vermenschlichte Tiere zu Protagonisten einer Geschichte zu machen, neu wäre. Aber immerhin wurde sie hier stimmungsvoll umgesetzt. Die Autorinnen haben den Clans ein soziales Gefüge, Rituale, ja sogar eine regelrechte Religion gegeben. Das Verhalten der Katzen untereinander wirkt – abgesehen davon, dass Wildkatzen von Natur aus eigentlich Einzelgänger sind – sehr echt und authentisch; offenbar haben die Autorinnen ihre eigenen Katzen genau beobachtet. Das gilt sogar für die Kampfszenen.
Spannung war allerdings trotz der diversen Kämpfe nicht allzu viel zu spüren. Erst gegen Ende, als Sammy sich aufmacht, um Gelbzahn zu folgen, zieht der Spannungsbogen ein wenig an. Der Kampf, in den die Ereignisse schließlich münden, ist aber ebenso rasch vorbei wie alle anderen Kämpfe, der Konflikt löst sich erstaunlich leicht, wenn man von Braunstern einmal absieht. Aber für die Folgebände musste ja schließlich auch noch etwas übrig bleiben.
Insgesamt ist dieser Band eine recht nette Lektüre, wirklich mitreißen oder fesseln kann er den Leser jedoch nicht. Zu linear, zu leicht verläuft die Handlung, zu offensichtlich und gleichzeitig langwierig zieht sich die Offenbarung von Tigerkralles Absichten hin. Das kann auch der stimmungsvolle Hintergrund nicht mehr ausgleichen. Fast möchte man das Lesealter von zwölf auf zehn Jahre absenken. Davon halten allein die vielen Kämpfe ab, bei denen durchaus Blut und Fetzen fliegen und einige Todesfälle zu beklagen sind.
Erin Hunter ist, wie oben bereits angeklungen, ein Team aus mehreren Autorinnen. Victoria Holmes, Cherith Baldry und Cate Cary sind Katzenliebhaberinnen und haben inzwischen drei Staffeln mit je sechs Bänden über die Erlebnisse der Warrior Cats geschrieben. Dabei liefert Victoria Holmes die Ideen, die ihre beiden Kolleginnen dann zu Papier bringen. Auf Deutsch erschienen sind bisher die beiden ersten Bände „In die Wildnis“ und „Feuer und Eis“.
Originaltitel: Warrior Cats. Into the Wild
299 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-407-81041-0
http://www.warriorcats.com
http://www.beltz.de
Der Autor vergibt: 




Der 13-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher zum Geisterjäger qualifiziert. Der Spook nimmt ihn in die Lehre und zeigt ihm, was Tom über Hexen, Boggarts und Poltergeister wissen muss. Mehrere schwere Kämpfe muss Tom bestehen. Zum Glück kann sich Tom auf die Hilfe von Alice stützen. Dummerweise ist sie ebenfalls eine Hexe …
Toms Bruder Jack und dessen Familie sind von den Hexen aus Pendle verschleppt worden, mitsamt den Truhen von Toms magiebegabter Mutter, die sein Erbe sind. Während Alice sich auf die Spur der Hexen setzt, bereitet Tom mit seinem Lehrmeister Gregory und dem Priester Stocks den Angriff auf die Hexenstadt vor – nicht nur um Jacks Familie zu befreien und Alice zu helfen, sondern um dem Unwesen der drei Hexenklans von Pendle ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod.
Joseph Delaney – Der Kampf des Geisterjägers (Spook 4) weiterlesen
_Wer knackt die Nuss?_
Justus ist krank – ist sich zumindest Mathilda Jonas sicher, denn Justus reagiert nicht auf ihre Rufe zum Essen, obwohl er sonst schon auf der Matte steht, wenn das Essen noch nicht einmal fertig ist. Doch sie kann natürlich nicht ahnen, dass Justus sehnlichst auf Post wartet, die dann schließlich an diesem Tag auch eintrifft. Denn Justus hat ein kompliziertes Kreuzworträtsel gelöst und hofft nun, als Kandidat bei „Wer knackt die Nuss?“ auftreten zu können – einer Quizshow, bei der es eine Menge Geld zu gewinnen gibt. Und tatsächlich: Obwohl mehrere Leute das schwere Rätsel gelöst haben, wurde Justus ausgewählt.
Zur Feier des Tages lässt Justus sich gemeinsam mit seinen Begleitern Bob und Peter von Morton in der Limousine in das Studio von KTV fahren, wo die Sendung abgedreht wird. Dort herrscht bereits Hektik, und Justus wird zunächst in die Maske geschickt. Später erscheint dann auch der Moderator Nick Nobel, doch dieser verhält sich ausgesprochen merkwürdig und möchte Justus unbedingt persönlich erklären, wie die Sendung ablaufen soll. Dafür sucht er händeringend ein stilles Örtchen, wo er dann zusammenbricht und Justus erklärt, dass die Sendung an diesem Tag anders ablaufen wird als üblich, denn seine Tochter wurde entführt, und nun verlangt man von ihm, neue Fragen zuzulassen, die sein Kandidat, also Justus, unbedingt lösen müsse, damit seine Tochter am Leben bliebe! Justus ist entsetzt und schrecklich aufgeregt.
Als die Sendung beginnt, bekommt Justus daher kaum ein Wort raus, selbst zu schlauen Reden ist er nicht mehr aufgelegt (und das will etwas heißen!), denn das Leben von Nobels Tochter liegt in seinen Händen. Die ersten Rätsel sind glücklicherweise einfach, und Justus kann sie schnell lösen, nur an dem letzten beißt er sich die Zähne aus. Schließlich muss er raten, womit er natürlich alles andere als zufrieden ist.
Nur leider bleibt die erlösende Nachricht aus – die Entführer konnten mit den Antworten nichts anfangen und verlangen nun, dass Nobel das Rätsel innerhalb von 24 Stunden selbst lösen müsse. Aber hier kommen natürlich die drei Fragezeichen ins Spiel, die sofort ihre Hilfe anbieten. Mit kurzer Internetrecherche kommt Bob auch sogleich auf eine heiße Spur, denn offensichtlich sind die Entführer hinter einem Schatz her, den ein sagenumwobener Pirat, der seinen Opfern gerne schwierige Rätsel aufgetragen hat, irgendwo versteckt hat. Nur wo …?
_Schnitzeljagd_
Der vorliegende Fall nimmt auf dem Schrottplatz der Familie Jonas seinen Lauf. Mathilda ist ganz die besorgte Tante, die sich ja eigentlich auch freuen könnte, dass ihr Ziehsohn eventuell eine Diät machen möchte, doch nein, sie hat sofort erkannt: Hier stimmt etwas nicht. Und irgendwo hat sie ja auch Recht. Doch die Neuigkeit ist eigentlich eine erfreuliche, denn Justus bekommt die Möglichkeit, sehr viel Geld zu gewinnen.
Nur läuft dann praktisch alles schief. Beim Fernsehsender ist nichts so, wie Justus es sich vorgestellt hatte, doch glücklicherweise kann er die ersten Rätsel zu seiner Zufriedenheit lösen, nur am letzten beißt er sich die Zähne aus. So wundert es nicht, dass die Entführer mit seinen Antworten nicht zufrieden sind und Nobels Tochter weiter gefangen halten. Aber immerhin haben die drei Fragezeichen nach der Sendung einen neuen Fall – und hier haben schließlich auch Bob und Peter ihre Auftritte. Das dritte Rätsel nämlich kann Justus nicht lösen und beantwortet es in der Sendung gar falsch. Bob dagegen tippt kurz einige Suchbegriffe in eine Internetsuchmaschine ein und findet gleich den entscheidenden Hinweis: Der berüchtigte Pirat Jack the Riddler hat all diese Rätsel gestellt und wer sie richtig zu lösen weiß, findet seinen Schatz! Und genau den möchten die Entführer offensichtlich in ihre schmierigen Hände kriegen. Justus ist natürlich gleich verschnupft, dass er einen ganzen Morgen am Rechner verbracht hat, ohne auf die richtige Spur zu kommen, während es für Bob offensichtlich ein Leichtes war, das letzte Rätsel korrekt zu lösen. Im späteren Verlauf der Geschichte kommt sogar Peter zum Zuge, er ist es nämlich, der den entscheidenden Hinweis auf die Stelle geben kann, an der der Schatz vergraben liegt. Auf einer Fahrradtour nämlich hat er eine Halbinsel kennen gelernt, die ganz bestimmt des Rätsels Lösung ist. Nur Bob steht in dieser Szene dumm da, als er sich outen muss, weil er Rumpelstilzchen nicht kennt – das fand ich dann doch arg übertrieben, denn so dumm ist Bob nun wirklich nicht.
Nachdem die drei Fragezeichen das Rätsel um die Halbinsel gelöst haben, begeben sie sich in Begleitung Nick Nobels auf Schatzsuche im tiefsten Nebel. Sie können nur wenige Meter weit schauen, aber hören können sie dafür umso besser, und zwar merkwürdige Geräusche, als wären sie nicht allein. Und tatsächlich taucht dann auch der Geist Jack the Riddlers auf, der Nick Nobel nichts Gutes will! Die Szene im Nebel ist wirklich spannend geraten, zumal auf der Flucht vor dem Geist dann auch der Wagen der drei Fragezeichen nicht anspringen will.
Spannung und Rätsel gibt es in diesem Buch genug! Prima fand ich auch, dass tatsächlich einmal alle drei Detektive zur Lösung des Rätsels beitragen konnten, das passiert leider selten genug! Nur am Ende hat natürlich Justus wieder seinen großen Auftritt, aber das trübt den Gesamteindruck nur wenig. Das einzige, das mich nicht vollkommen überzeugen konnte, war wieder einmal die Auflösung. Wer hinter der Entführung steckt, entdecken Justus, Peter und Bob fast schon zu spät, doch der Leser hat bereits lange zuvor eine ganz genaue Ahnung, was hier Sache ist, und man liegt mit diesem Verdacht dann schließlich auch richtig. Aber immerhin war die Auflösung nicht dermaßen hanebüchen, dass man im Leben nicht drauf gekommen wäre. Etwas komisch war natürlich die Tatsache, dass jemand zufällig eine Schatzkarte aufspürt und dann auf die merkwürdige Idee kommt, einen Quizshowkandidaten die Rätsel lösen zu lassen – vor laufender Kamera. Das hätte natürlich auch schief gehen können, zumal die Hinweise so kryptisch waren, dass man selbst mit den vier gelösten Rätseln noch längst nicht den Schatz gefunden hat. Insgesamt aber immerhin noch eine überdurchschnittlich gute Folge!
_Des Rätsels Lösung!_
„Gefährliches Quiz“ gefiel mir ausgesprochen gut. Der Fall ist spannend, außerdem haben die drei Detektive so manches Rätsel zu knacken, diese Art Schnitzeljagd gefiel mir ausgesprochen gut, auch wenn ich nicht an Piraten und Geister glaube, aber immerhin. Der Rest war doch halbwegs realistisch und mir gefiel auch die Charakterzeichnung gut. Jeder der drei Detektive konnte hier seine Stärken und Schwächen unter Beweis stellen, die Mischung war hier recht ausgewogen. Mit kleinen Abstrichen dennoch sehr empfehlenswert!
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Die Geschöpfe der Nacht erleben derzeit im Bereich der romantischen Urban Fantasy eine wahre literarische Auferstehung. Bram Stoker schuf mit seinem Fürst der Finsternis, „Dracula“, den Urvater des heute in Buch- und Filmform verbreiteten vampirischen Charakters.
Viele Eigenschaften und für Vampire ‚typische‘ Charaktermerkmale übernimmt der Autor moderner Phantastik gerne, und es gibt kaum neue Ideen oder Interpretationen dieses Themas. Obwohl die Aura des Bösen die „Erben der Nacht“ immer begleitet, sind wir sterblichen Menschen immer wieder aufs Neue fasziniert von der geheimnisvollen, mystischen Welt, in der diese Schattengestalten untot wandeln. Ihre Welt ist die Dunkelheit, die auch ihre Verbündete ist, sie fürchten das Licht als Sinnbild für das Reine und Gute in der Welt.
Interessant wird es erst dann, wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend werden, wenn man den Protagonisten so viel Zeit und Raum lässt, um sich zwischen diesen Welten zu bewegen. Wie interpretiert man, ob eine Handlung gut oder böse ist, aus welcher Perspektive und vor allem welcher Motivation entsprechend ver- und beurteilt man das mutmaßliche Monster? Die meisten Vampire sind im Kern grenzenlos böse und nur auf das Blut unschuldiger Menschen aus, so die allgemeine Ansicht. Gefühle und Hoffnungen, Gemütszustände – außer einem bestialischen Hunger natürlich – und die Suche nach Liebe und Geborgenheit sind ihnen fremd. Sie sind, was sie sind – unmenschlich.
Ulrike Schweikert hat mit ihrem Jugendroman „Nosferas. Die Erben der Nacht“ eine Welt erschaffen, in der Vampire nicht mehr oder minder böse sind als wir Menschen:
_Inhalt_
1877. Seit Jahrhunderten liegen die Vampirfamilien in einem stetigen Streit miteinander. Aus ganz Europa kommen die mächtigen und alten Oberhäupter zusammen, um miteinander den Ernst der dramatischen Lage zu besprechen. Da die wahren Vampire einem Alterungsprozess unterliegen und auch Nachkommen zeugen können, liegt genau im letzteren Umstand das besondere Problem. Es ist neun Jahre her, seit das letzte Kind geboren wurde und langsam aber stetig nimmt die Zahl der Greise zu. Die Clans waren verfeindet, es wurden Kriege gegeneinander geführt, und auch jetzt noch fühlt sich jeder Clan den anderen überlegen und verkehrt deswegen nicht mit clanfremden Angehörigen.
Eine alte menschliche Druidin, die diese Versammlung einberufen hat, konfrontiert die Oberhäupter mit der Gefahr auszusterben, wenn sie nicht gewillt sind zusammenzuarbeiten und dadurch zu überleben. So wird der Entschluss gefasst, dass die heranwachsenden Kinder zusammen ausgebildet werden. Endlich sollen die Clans die Größe und die Macht vergangener Zeiten zurückerlangen.
Die Altehrwürdigen schicken die jungen Vampire nach Rom. In der Ewigen Stadt beim Clan der Nosferas soll der Nachwuchs unterwiesen werden, z. B. in der Immunisierung gegen Reliquien und Zeichen der Kirche. Doch auch alte, längst schon überholte Vorurteile sollen abgebaut werden, Wissen soll vermittelt werden, an dem jeder Clan profitieren kann. Jeder Clan wird die jugendlichen Vampire seine ganz speziellen Fähigkeiten beibringen.
In Rom angekommen, merken die jungen Vampire recht schnell, dass sie unterschiedlicher nicht sein können. Alisa vom Clan der Vamila aus Hamburg ist recht modern und offen, sie interessiert sich für Bücher, für die Wissenschaft und schaut interessiert und zugleich neidisch auf die Welt der Lebenden. Ivy vom Clan der Lycaner, die als Beschützer den weißen Wolf „Seymour“ an ihrer Seite hat, ist merkwürdig introvertiert. Und der junge Vampir Franz Leopold aus der Familie der Dracas aus Österreich, ein Schönling, könnte arroganter nicht sein.
Aber nicht nur Rivalitäten untereinander machen dieser kleinen Schulklasse das Leben schwer. In den Ruinen rund um die Domus Auria, den Sitz der Nosferas, treibt ein Vampirjäger sein Unwesen und vernichtet mit Hilfe eines Lockvogels mehrere der Untoten.
Papst Pius IX., dass Oberhaupt der katholischen Kirche, schlägt sich derweil mit innerpolitischen Problemen herum. Der Vatikan befindet sich derzeit in einer geschwächten Situation und wird außenpolitisch nicht als souveräner Staat anerkannt; auch das Papsttum selbst macht eine Krise in der Anerkennung der Völker durch. Pius IX. fühlt sich in seinem kleinen vatikanischen Palast inmitten Roms wie ein Gefangener, und ein ehrgeiziger Kardinal, der um das Geheimnis der Vampire weiß, nutzt diese Situation aus, um die Kirche wieder in eine weltpolitischen bedeutsame Position zu bringen.
Als unterdessen auch die anderen Clans von dem Vampirjäger erfahren und die Bedrohung auch die jungen Vampire erreicht, müssen diese zusammenarbeiten, um die Gefahr auszuschalten …
_Kritik_
„Nosferas. Die Erben der Nacht“ ist ein spannender Jugendroman, der wie so viele seiner Genrekollegen eine magische Komponente bereithält. Diesmal sind es keine Zauberer oder Hexen, auch kein Internat von Schülern, nein – diesmal spielen junge Vampire die Hauptrolle. Das Gerüst des Plots ist damit bekannt, aber Ulrike Schweikert hat in der Umsetzung dieser Grundidee erfreulicherweise ihre kreative Individualität beibehalten.
Der Schauplatz der Geschichte, die ewige Stadt Rom, ist vortrefflich ausgesucht für das Debüt der jungen Vampire. Vor 130 Jahren war Rom zwar bereits eine moderne Metropole, jedoch strömen die historischen Stätten wie das Forum Romanum, das Kolosseum oder die Engelsburg seit jeher eine mystische und geheimnisvolle, zeitlose Aura aus. Wer Rom und die alten Ruinen und Plätze bei Nacht durchstreift hat, weiß um die besondere Stimmung, in der man förmlich Geschichte und vergossenes Blut erspüren kann, in jedem Stein, in jeder Säule.
„Nosferas. Die Erben der Nacht“ ist zwar im phantastischen Genre anzusiedeln, macht aber durch seine Genre-Vermischung und das Zusammenspiel verschiedener historischer Persönlichkeiten viel an Authentizität wett. Nicht nur die Spannung der erzählten Handlung wirkt auf dem Leser begeisternd, sondern auch die Geschichte Roms birgt viel Interessantes und Wissenswertes. Insgesamt hat die Autorin intensiv recherchieren müssen, um ihre Erzählwelt derartig fundiert präsentieren zu können, und auch dieser Punkt ist für einen Roman, der historische Fakten aufgreift und dessen Handlung sich in der Historie abspielt, unabdingbar.
Die Protagonisten, wie untot sie auch sein mögen, sind erfrischend lebendig und menschlich beschrieben. Weder sind sie klischeehaft grausam noch besonders schön von Gestalt, auch sind sie keine verzweifelten, melancholischen Schatten ihrer selbst. Nein, die Fürsten der Finsternis sind mit allen menschlichen Eigenarten gesegnet und geschlagen. Gerade die jungen Vampire ergänzen sich innerhalb der Gruppe gleichmäßig und wirken sehr sympathisch und – menschlich.
Auch wenn sich Ulrike Schweikert die hier zu erwartenden und typischen erzählerischen Elemente bedient, so weiß sie doch durch den Spannungsaufbau zu überzeugen. Ihr sprachlicher Stil ist dem Thema und dem Genre eines Jugendromans angemessen, und nicht zuletzt durch die verschiedenen Schauplätze, die in späteren Bänden noch auftauchen werden, ist für Abwechslung und dauerhaftes Leserinteresse gesorgt.
Etwas ungewöhnlich, aber deswegen nicht weniger unterhaltsam, sind die Geschichten der Vampire und ihre typischen, besonderen Kräfte. Dass Vampire bei Schweikert altern, auch wenn der Alterungsprozess sich verlangsamt, ist durchaus unüblich; ebenso, dass infizierte Vampire, die früher Menschen waren, als zweitklassige Vampire ihr Leben als Sklave oder Diener ihrer aristokratischen Herren ableisten. Daran wird sich jedoch im Verlauf der nächsten Bände etwas verändern, wie es scheint.
_Fazit_
Ulrike Schweikert erschafft mit „Nosferas. Die Erben der Nacht“ eine ganz eigene Welt mit Vampiren, die in den nächsten Romanen zeigen werden, aus welchen Holz sie letztlich geschnitzt sind.
Konzipiert sind die Charaktere zunächst recht einfach, aber mit dem Alter und ihrer Ausbildung kommt auch die Reifeprüfung ihrer Persönlichkeit. Der Schwerpunkt der Handlung ist auch noch lange nicht erreicht; zwar endet der Roman recht schlüssig, doch gleich einem Marionettenspieler zieht ein großer Unbekannter die Fäden. Welche Motivation ihn antreibt, ob er nun Mensch oder Vampir ist oder welcher Sinn hinter seinen Aktivitäten steckt, wird dem Leser noch nicht klar.
Da die jungen Vampire ihre Elternhäuser in vielen Metropolen Europas haben, kann der Leser mit Spannung darauf warten, was in Irland, Österreich oder Deutschland gelehrt werden wird, und auch hier besteht die Hoffnung, dass die Autorin ebenso viel Wert auf Authentizität legt, wie sie es hier und auch in ihren bisherigen historischen Romanen bewiesen hat. Es gibt viele Geheimnisse, die in dem ersten Band angedeutet werden; sicherlich ein bewusstes Mittel, um den Leser in den zweiten Band zu locken, aber dieser Kniff ist gekonnt ausgeführt und gern willkommen.
_Die Autorin_
Ulrike Schweikert, Jahrgang 1966, beherrscht sowohl das historische als auch fantastische Genre meisterhaft. Ihre historischen Erwachsenen-Romane sind Bestseller und ihr „Drachenkrone“-Zyklus Fantasy-Pflichtlektüre. Nach ihren beiden großen Jugendbuch-Erfolgen „Das Jahr der Verschwörer“ und „Die Maske der Verräter“ hat die vielseitige Autorin nun ihren ersten fantastischen Roman für Jugendliche verfasst: „Die Erben der Nacht“.
|446 Seiten
empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30478-5|
http://www.cbj-verlag.de
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[„Der Duft des Blutes“ 4858
[„Die Seele der Nacht“ 1232 (Die Legenden von Phantásien)