Wiener Burgtheater. Die Aufführung von Shakespeares Richard III ist gerade in vollem Gange. In dem Stück wird alles andere als mit Theaterblut gegeizt, kein Wunder also, dass sowohl die Akteure als auch das Publikum die echte Leiche nicht sofort wahrnimmt. Bei dem Opfer handelt es sich um jemanden aus den eigenen Reihen – Ulrich Schreiber. Langjähriger und allseits beliebter Garderobier, ohne Feinde. Anders als das zweite Opfer, dessen Tod nicht lange auf sich warten lässt.
Die Kopenhagener Polizei muss sich gleich mit einer Vielzahl von Fällen beschäftigen. Ein irrer Autofahrer hat es auf junge Frauen abgesehen und überfährt innerhalb weniger Tage gleich mehrere Opfer, die an ihren Verletzungen sterben. Eine alte Frau wurde ermordet im Park aufgefunden und eine Kollegin aus dem Sonderdezernat Q wird immer wieder von mysteriösen Geistern heimgesucht.
Über den Autor
Jussi Adler-Olsen veröffentlicht seit 1997 Romane, seit 2007 die erfolgreiche Serie um Carl Mørck vom Sonderdezernat Q. Mit den Thrillern ›Erbarmen‹, ›Schändung‹, ›Erlösung‹, ›Verachtung‹, ›Erwartung‹ und ›Verheißung‹ sowie mit seinen Romanen ›Das Alphabethaus‹, ›Das Washington Dekret‹ und ›TAKEOVER. Und sie dankte den Göttern‹ stürmt er die internationalen Bestsellerlisten. Seine vielfach preisgekrönten Bücher erscheinen in über 40 Ländern und werden mehrfach verfilmt. (Verlagsinfo)
Jo Nesbø gehört neben Henning Mankell zu den großen Namen der skandinavischen Kriminalliteratur. Sein Ermittler, der knurrige Einzelgänger Harry Hole mit einer Vorliebe für Rockmusik und Alkohol, hat in „Schneemann“ seinen siebten Auftritt. Mitten im Winter muss der Osloer einen Serienmörder jagen, der auch ihm gefährlich werden könnte …
Vier Frauen verschwinden. Ihnen ist gemeinsam, dass sie verheiratet und Mutter sind – und dass in ihren Gärten Schneemänner stehen. Harry Hole glaubt sofort an einen Serienmörder, und als er die Vermisstenfälle der letzten Jahre durchcheckt, stellt er fest, dass weitere vorliegen, die in dieses Schema passen.
Gemeinsam mit seiner neuen Kollegin, der etwas raubeinigen Katrine Bratt, beginnt er mit den Ermittlungen und findet bald eine Spur. Zwei der vier Frauen hatten Kontakt zum gleichen Arzt, dem zwielichtigen plastischen Chirurgen Idar Vetlesen. Welche Rolle er gespielt hat, wird nicht so ganz klar, denn er hält mit den Informationen hinter dem Berg. Wenig später wird er tot auf einer Curlingbahn gefunden, doch Harry findet Indizien dafür, dass es eben kein Selbstmord war. Seine Vorgesetzten wollen ihm nicht glauben. Sie haben bereits die Information an die Presse gegeben, dass der Schneemann, wie der kranke Mörder genannt wird, gefasst sei. Ohne Rückendeckung von oben sucht Harry weiter, nichtsahnend, dass auch er sich im Visier des Killers befindet …
Die größte Stärke von „Schneemann“ ist der wendungsreiche, immer wieder überraschende Plot. Jo Nesbø versteht es, das Buch von der ersten Zeile an spannend zu gestalten – keine einfache Aufgabe bei fast 500 Seiten. Harry Holes unermüdliches Ermittlungsgeschick, das allmähliche Aufdecken wichtiger Fakten und das Auslegen falscher Spuren tragen dazu bei, dass der Leser mitfiebert, aber nie weiß, wie es weitergeht.
Harry Holes Suche nach dem Täter grenzt manchmal an Versessenheit. Mehr als einmal gibt es falschen Alarm und der Hauptverdächtige stellt sich als unschuldig heraus. Bis es allerdings so weit kommt, weiß der Autor die Spannung zu steigern und dem Leser einzureden, dass der Arzt oder sogar Holes neue Kollegin die Morde begangen haben könnten. Die Verdächtigungen werden immer stichhaltiger, bis es schließlich zum großen Countdown kommt. Auch hier weiß der Autor zu überraschen, indem er relevante Details zurückbehält. Harrys Gedankengänge werden nicht sofort erklärt, sondern erst im Nachhinein, so dass mehr als einmal unvorhergesehene, aber schlüssige Dinge geschehen und für Action sorgen.
Harry Hole trägt viel dazu bei, dass das Buch ein Pageturner wird. Er ist zwar nicht unbedingt sympathisch, aber ein echtes Original mit Ecken und Kanten. Allerdings begeht Nesbø nicht den Fehler, Harry allzu sehr an das Klischee des beinharten Rockers anzulehnen. Der Protagonist muss es sich zwar gefallen lassen, in diese Ecke gedrängt zu werden, ist aber eigenständig und unabhängig genug, um in einem Atemzug mit Kurt Wallander genannt zu werden. Ähnliches gilt für die anderen Figuren, die sehr menschlich gezeichnet sind und die man sich gut vorstellen kann. Da es sehr viele Charaktere gibt, sind einige nur sehr schemenhaft gezeichnet, aber das sei dem Autor verziehen. Er konzentriert sich auf die Personen, die im Mittelpunkt stehen und ihm sehr gut gelingen.
Der Schreibstil Nesbøs verbindet Personen und Handlung sehr gut. Der Autor schreibt unaufgeregt, aber sehr sicher. Er versteift sich nicht darauf, möglichst witzig oder originell zu sein, sondern versucht, die Inhalte störungsfrei und spannend zu transportieren. Dabei kommt ein einfach zu lesender, anspruchsvoller und intelligenter Krimi heraus.
„Schneemann“ hat alles, was ein guter Krimi braucht: Spannung, Wendungen und einen originellen Ermittler. Wem Wallander zu schwermütig ist, der ist mit Hole gut beraten. Der ist zwar nicht unbedingt kein Kind von Traurigkeit, aber dafür kerniger und in seiner Rolle als Ermittler vielleicht sogar fesselnder.
|Originaltitel: Snømannen
Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob
489 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3-550-08757-8|
http://www.ullstein.de
Als der Journalist Joe Oakes eine zurückgezogen lebende Sekte auf einer abgelegenen schottischen Insel besucht, will er eigentlich nur das Rätsel um ein Touristenvideo lüften. Es zeigt zwei Sekunden lang ein großes Wesen, das auf zwei Beinen geht, aber einen langen Schwanz trägt. Sind die Sektenmitglieder Satanisten? Oakes kennt den Sektenführer Malachi Dove schon seit langen Jahren.
Doch Oakes Erwartungen werden enttäuscht. Dove ist verschwunden. Warum will absolut niemand in der Sekte etwas über die satanische Erscheinung auf dem Video sagen? Und was verbirgt sich hinter dem hohen Elektrozaun jenseits der zentralen Schlucht? Es kommt zu einer gewalttätigen und blutigen Auseinandersetzung. Und Oakes muss sich fragen, ob es nicht seine Einmischung war, die erst zu dieser Katastrophe geführt hat.
_Die Autorin_
Mo Hayder wurde in Essex geboren, verließ mit fünfzehn ihr Zuhause, um in London das Abenteuer zu suchen, und hat später viele Jahre im Ausland verbracht. Dabei lebte sie u. a. in Japan, wo sie als Hostess in einem Tokioter Nachtclub arbeitete. Mit ihrem Romandebüt, dem Psychothriller „Der Vogelmann“, wurde sie zur Bestsellerautorin.
Diesem Buch folgte „Die Behandlung“, ebenfalls ein Psychothriller mit Detective Inspector Jack Caffery. Diesen Erfolg unterstrich sie mit dem fulminanten Thriller [„Tokio“. 2194 Sie hat Creative Writing studiert und unterrichtet gelegentlich auch an ihrer alten Uni, der Bath Spa University. Hayder lebt als freie Schriftstellerin mit Lebensgefährte und Tochter in London. „Pig Island“ ist ihr vierter Roman.
_Handlung_
Joe Oakes ist schon seit vielen Jahren ein investigativer Journalist für die Regenbogenpresse. Er stammt aus der Liverpooler Arbeiterklasse, und das merkt man seiner ruppigen Ausdrucksweise deutlich, in der das F-Wort eine prominente Stellung einnimmt. Er hat einen Bruder, Finn. Mit dem besuchte er vor über 20 Jahren den Mann, bei dem ihre krebskranke Mutter Geistheilung erhofft und nicht gefunden hatte: der selbsternannte Reverend Malachi Dove. Der leitet eine Sekte von Leuten, die der modernen Medizin abgeschworen hat und wie die Wiedergeborenen Christen nur auf Gottes Hilfe vertraut: die PHM oder Psychogenic Healing Ministries.
Als seine Mutter unter Qualen starb – sie verweigerte Morphium – lernte Joe, Malachi Dove bis aufs Blut zu hassen und drohte ihm den Tod an, sollte er jemals seinen Weg kreuzen. Nun jedoch ist es soweit.
Auf der Flucht vor dem US-Finanzamt IRS hat sich Dove eine kleine schottische Insel gekauft, die man allgemein Pig Island nennt, im Gälischen aber Cuigeach Eilean oder Hinkende Insel. Der Grund, warum Joe mit seiner Frau Lexie hinfährt, ist ein Touristenvideo, auf dem zwei Sekunden lang ein großes schwarzes Wesen mit einem langen Schwanz zu sehen ist, das aufrecht geht. Haben sich die PHM-Leute mit dem Teufel eingelassen?
Als sein Kontaktmann Blake ihn an der Küste abholt, befürchtet Joe bereits das Schlimmste, doch der Empfang der kleinen PHM-Gemeinde auf der Insel ist freundlich. Sie wollen etwas Wichtiges von Joe. Malachi Dove lebt noch, auf der anderen Hälfte der Insel, jenseits einer tiefen von Giftmüll verseuchten Schlucht. Und ihm gehört der meiste Grund und Boden hier. Den wollen sie haben. Und weil Joes Story über Eigg Island bereits zu einem ähnlichen Ergebnis geführt hat, soll er ihnen helfen, diesen Grund und Boden zu erhalten, um ihn gewinnbringend zu verkaufen. Alles klar?
Ist Joe völlig klar und recht. Doch deshalb ist er nicht hergekommen. Und außerdem gibt es Widerstand gegen diesen Plan. Die Familie Garrick fordert, dass Dove in Ruhe gelassen werde, weil er mit dem Satan im Bunde steht. Nach einem beeindruckten Blick in die aus dem gewachsenen Fels geschlagene Kapelle der Gemeinde sucht Joe einen Weg, der ihn auf das Land von Dove führt. Die 17-jährige Sovereign Garrick hilft ihm dabei.
Die erste der drei Expeditionen endet am Drahtzaun. Dort wachen Videokameras über jede Bewegung. Dass Pig Island seinen Namen nicht umsonst trägt, wird aus den alle drei Meter auf die Zaunpfähle gespießten Schweinsköpfen ersichtlich, die wie Teufelsfratzen Besucher abschrecken. Der Erfolg dieser Maskerade ist durchschlagend. Man steckt Joe in Arrest. Doch an einen Sprung aus dem Fenster haben seine Wächter offenbar nicht gedacht.
Seine zweite Expedition endet dramatischer. Joe hat eine Drahtschere mitgebracht. Leider hat er nicht bedacht, dass der Elektrozaun enorm geladen ist und interpretiert das statische Summen um eine Millisekunde zu spät als das, was es andeutet: einen derart gewaltigen Stromschlag, dass Joe für Stunden wie gelähmt auf der Erde liegt. Als Malachi Dove gemächlich erscheint, kann er Joe in aller Ruhe mit der Axt ein Ding verpassen, von dem sich Joe erst nach zwei Wochen erholt hat. Lexie ist entsprechend entsetzt.
Joe ist hartnäckig. Ein Boot bringt ihn zur Doves Domizil. Es ist leer, scheint aber bewohnt zu sein. Doch wo ist der Erzfeind? Es gibt nur eine logische Erklärung: Dove ist in der PHM-Gemeinde. Als Joe dort endlich eintrifft, glaubt er, in seinen schlimmsten Albtraum geraten zu sein. Denn hier ist keine Menschenseele mehr am Leben. Nur die Schweine. Sie fressen …
_Mein Eindruck_
Dies ist nicht einmal das erste Drittel dieses an Überraschungen reichen Thrillers. Joe findet auf der Insel nicht nur Malachi Dove, sondern auch dessen Tochter Angeline. Diese junge Frau von knapp 19 Jahren weist einige Besonderheiten auf, von denen die sichtbarste sicherlich ihr Schweif ist. Offenbar ist sie es, die auf dem Touristenvideo kurz in Sicht kommt. Was es mit dieser Deformierung auf sich hat – damit muss nicht nur Joe, sondern auch dessen Frau Lexie zurechtkommen. Bei Joe löst sie einen erotischen Schub aus, bei Lexie, die Angeline zunächst halb fürsorglich, halb egoistisch aufgenommen hat, einen Schub blanker Eifersucht.
Überhaupt, Lexie. Sie stammt im Gegensatz zu dem Arbeitersohn aus der oberen Mittelklasse. Nicht nur verrät ihr Wortschatz, den sie in ihren Briefen an ihren Psychotherapeuten schreibt, eine viel bessere Bildung, sondern auch völlig andere Werte, als Joe sie an den Tag legt. Das zeigt sich deutlich an der Reaktion der beiden auf den Arzt, der Angeline als erster untersuchen darf. Der richtig edel gekleidete Mann ist genau Lexies Kragenweite bei der Partnerwahl, doch für Joe ist er nur ein Kleiderständer, der sich doch eigentlich selbst lächerlich vorkommen müsste. Angelines Reaktion auf die unterschiedlichen beiden Menschen Joe und Lexie fällt dementsprechend aus. Sie sucht Schutz, aber nur bei Joe.
Doch Joe hat dafür kaum einen Blick, ist er doch nur von einem besessen: von dem spurlos verschwundenen Malachi Dove. Zusammen mit den führenden Beamten der Polizei der Grafschaft Strathclyde Strujters und Danso jagt er einem Mann nach, der sich letzten Endes als Phantom erweist. Die Folgen sind nichts weniger als tragisch zu nennen. Statt nachzudenken, verrennt sich Joe in einen Albtraum. Bis es zu spät ist.
|Das dicke Ende|
„Pig Island“ scheint nach dem zweiten Drittel so dahinzuplätschern, aber der Schein trügt. Hätte nämlich der Leser etwas länger nachgedacht als Joe Oakes, dann wäre er auf die Lösung des Rätsels gekommen: Warum wurden in der Kapelle Spuren von 31 Menschen gefunden, obwohl doch in der Sekte nur 30 gelebt haben? Dass Malachi Dove den Tod gefunden haben könnte, will Joe einfach nicht in den Schädel. Lieber jagt er einem Phantom hinterher. Oder schreibt an seinem Buch über das, was er auf Pig Island erlebte.
Doch Angeline ist keine Puppe, die man in die Ecke stellen könnte, sondern ein lebendiges Wesen, das zwar anders gebaut ist, aber dennoch unbestreitbar weibliche Attribute aufweist: Er verliebt sich in sie. Sein Bruder Finn ist erst abgestoßen, dann fasziniert – das Buch, das Joe schreibt und er als Literaturagent verkauft, wird garantiert ein Bestseller. Und die Fotosession mit einer glamourös auftretenden Angeline wird bestimmt der Hammer.
Doch wie so oft hat auch diese Geschichte ein dickes Ende. Joe sieht es nicht kommen und der Leser, der aus seinem Blickwinkel die Entwicklung betrachten muss, ebenso wenig. Die Überraschung, die Struthers und Danso auf Lager haben, stellt die bisher erzählte Geschichte auf den Kopf. Joe kann kaum so schnell denken, dass er gleich begreift, was hier nicht stimmt. Man hält ihn für den Schuldigen, dabei muss es doch jemand anderes gewesen sein! Können das die sturen Bullen denn nicht kapieren?
Mit Joe verstehen wir uns nur allzu gut. Und das zwingt den Leser, entweder die letzten Seiten mehrmals zu lesen oder den Roman nochmals von vorne anzufangen. Denn nun haben alle Beobachtungen und Deutungen, die Joe uns liefert, eine völlig andere Bedeutung, und zwar nicht nur am Anfang auf Pig Island, sondern auch später im Fall Lexie.
Diese Umkehrung aller Annahmen im Licht neuer Erkenntnisse und Folgerungen kann nur der Leser selbst leisten. Das erweist sich als Geniestreich der Autorin. Denn nun ist es der Leser selbst, der das Grauen erzeugt und schier am eigenen Verstand zweifelt. Wie konnte dieser oder jener Hinweis nur übersehen werden? Wie ist ist es möglich, dass man so leichtgläubig auf die Annahmen des braven Joe Oakes hereinfiel?
|Der Skeptiker wird bekehrt|
Joe ist ein abgebrühter Erforscher des so genannten Übernatürlichen. Geistheilungen, weinende oder blutende Statuen, verkleidete Riesenaffen oder Urmenschen – er entlarvt alles als Scherz und Betrug. Er ist der geborene Skeptiker und sein Geschäft als Enthüllungsjournalist für die Sensationsblätter besteht genau darin, mit Mitteln der Vernunft den Betrug durch religiösen Wahn oder Aberglauben aufzudecken. Er würde sich für den Weißen Ritter der Vernunft halten, wenn dieses Bild nicht so abgeschmackt wäre.
Aber Joe ist es am Schluss, der heulend und schreiend an der Straße steht und einer wegfahrenden Frau nachbrüllt: „You evil witch!“ Wie konnte es so weit kommen, dass er einen religiösen Begriff – „evil“ – und einen des Aberglaubens – „witch“ – in einem Atemzug nennt und zwar voll irrationalem Hass? Es ist das Kunststück der Autorin, den Weg, der an diesen Endpunkt führt, geradezu unmerklich zu pflastern und dann noch einen draufzusetzen. Es sieht für die Polizei so aus, als sei es Joe, der am Massaker auf Pig Island schuldig sei. Durch seine eigene Blödheit, seine Verblendung durch Dove, hat er zugelassen, dass er nicht mehr klar denkt, und das Unheil quasi eingeladen, das nun schließlich über ihn hereinbricht.
|Hexenjagd|
Mehrere Aspekte machen die Geschichte dieses Romans aktuell relevant, besonders für Briten. Es geht um Ausgrenzung einer anders orientierten religiösen Gemeinschaft. Dass Christen inzwischen auch mit muslimischen Glaubensangehörigen ein Problem haben, dürfte bekannt sein. Das Problem wurde verschärft, als Muslime im Namen Allahs Bombenanschläge auf Unschuldige verübten (Juli 2005). Eine wahre Hexenjagd begann, in deren Verlauf die Täter und deren Familien gesucht und teilweise verhaftet wurden. Für rechtsgerichtete Kreise ein gefundenes Fressen, um gegen alle Andersartigen zu hetzen.
Es ist kein Zufall, dass Antiterroreinheiten bei der Aufklärung des Massakers auf Pig Island eingesetzt werden. Diese Leute sind eben am besten für die Spurensuche und das Aufspüren Verschwundener gerüstet. Für Joe sieht es aus wie auf einem Filmschauplatz, als die Cops ihr Lager aufschlagen. (Eine sehr gut geschilderte Szene.) Sie stellen die Normalität auf den Kopf. Und wenn sich Joe ein wenig mehr für ihre Ergebnisse interessiert hätte statt für ihr schräges Outfit, wäre ihm manches Ungemach erspart geblieben.
Das ungewöhnlich Ironische an der Handlung von „Pig Island“ resultiert daraus, dass die Hexenjagd dem völlig falschen Ziel gilt. Mit Joe werden wir dazu verleitet, Malachi Dove für das Ziel zu halten und andere Möglichkeiten auszublenden, als hätten wir Scheuklappen. Wie sehr sich dieses Denken an seinem Urheber rächt, stellt sich erst ganz am Schluss, auf den letzten zehn Seiten, heraus: Er fängt sich in seiner eigenen Falle. Der wahre Schuldige spaziert in die Freiheit. Da nützt Joe all sein Toben und Wüten nichts mehr. Und man darf darauf wetten, dass er einen Sündenbock finden wird.
Dieses Verhalten gemahnt an das mancher Politiker, zum Beispiel an den nicht besonders schmeichelhaft erwähnten Tony Blair. Er zeigte mit dem Finger auf Saddam Hussein, weil der angeblich „Massenvernichtungswaffen“ herstellte. Dass diese nur in den Papieren der CIA existierten, scheint seiner Politikerlaufbahn nicht geschadet zu haben. Er fand genügend Sündenböcke, beispielsweise einen Wissenschaftler, der solche „Todesfabriken“ im Auftrag der UNO untersucht hatte. Ob der britische Geheimdienst schuld an dessen Freitod war, ist nicht ganz geklärt.
|Die Sprache|
Ich habe das Buch im Original gelesen. Das war nicht ganz einfach. Oh nein, die Sprache, derer sich Lexie als gebildete Frau bedient, stellte kein Problem dar. Höchstens dann, wenn sie mal einen ausgefallenen Mode- oder Gourmetausdruck verwendete, der mir nicht geläufig war.
Joes Ausdrucksweise ist ein ganz anderes Kaliber. Er ist ein Scouser, also ein Eingeborener der Region Liverpool (Die aus Newcastle heißen „Geordies“.), und spricht und denkt wie ein Eingeborener der Arbeiterklasse. Wenn ich nicht schon mal ein Jahr in England gelebt hätte, dann hätte ich meine liebe Not mit diesem Dialekt gehabt. Aber ich lebte in einer Mietergemeinschaft, zu der auch einige Angehörige der Arbeiterklassse gehörten, unter anderem ein Geordie. So brauchte ich nicht jedes zweite Wort nachschlagen. Das Buch konnte ich daher in nur drei Tagen lesen.
Das ist noch nicht alles. Hinzu kommen noch die Schotten in Dumbarton und Glasgow. Die Autorin bedankt sich ausdrücklich bei einer Schottin, dass sie ihr die Urgründe des Glasgower Dialekts erschlossen habe. Wer noch nie über Ausdrücke wie „bairn“ (Junge), „wee“ (klein) oder „burn“ (Bach, wie in Bannockburn) gestolpert ist und weiß, was sie bedeuten, der braucht ein schottisches Wörterbuch. Das gibt es sicher auch online, z. B. als Touristeninformation.
Ulkig fand ich die Ausdrücke „pet“ und „hen“, die die beiden genannten Polizisten für Frauen reserviert haben. Frauen als Schoßtiere oder Hennen zu bezeichnen, finde ich überhaupt nicht angebracht. Aber man sollte das nicht zu eng sehen. Wahrscheinlich werden diese Ausdrücke eher neckisch gebraucht.
_Unterm Strich_
„Pig Island“ ist ein selten fies erzählter Thriller. Wer meint, er hätte, wie Joe Oakes, die Lösung des Rätsels schon nach 125 Seiten, der irrt sich gewaltig. Das dicke Ende kommt noch. Sobald man den Schluss gelesen hat, muss man entweder von vorne anfangen oder schwer darüber nachgrübeln, welche Folgen diese Informationen für den Rest der Handlung haben. Das Grauen entsteht erst im Hirn des Lesers, nachdem das Buch geschlossen ist. Dabei tauchen auch etliche Fragen und Widersprüche auf, aber die lassen sich durch genauere Lektüre klären.
Somit steht „Pig Island“ in einer Reihe mit der Klasse besonders fieser Thriller, deren Schluss den ganzen Rest des Buches umdeutet. Nur in seltenen Glücksfällen ahnt der gewitzte Leser nicht, was da auf ihn zukommt. „Pig Island“ ist ein solcher Fall. Und das mit etlichen aktuellen Aspekten, die ich oben aufgeführt habe.
Es ist im Original kein Buch für Englischanfänger, sondern erfordert vielmehr eine Bekanntschaft mit den englischen Dialekten, die sich wohl kaum in der Schule oder auch nur an der Uni erwerben lässt. Man muss schon vor Ort praktische Erfahrungen mit den Dialekten und ihren Sprechern gesammelt haben, um die Wörter und ihre Bedeutungsaspekte einigermaßen zutreffend einzuordnen. Ein Wörterbuch der Scouser und Geordies dürfte man wohl lange suchen dürfen, nehme ich mal an.
Weder Sprache noch Erzählstil sind herausragend, aber die Story haute mich um.
Während einer heiligen Kachina-Zeremonie im Tano-Pueblo erfüllen die Kapriolen der tanzenden heiligen Clowns, der koshare, die Zuschauer mit Spannung. Nur wenige Minuten später wird einer dieser Clowns erschlagen aufgefunden. Es ist die gleiche Todesart wie bei einem Lehrer in der Navajo-Reservation ein paar Tage zuvor. Könnte der weggelaufene Junge Delmar Kanitewa, dessen Onkel der Clown war, die Verbindung sein? Doch Kanitewa ist unauffindbar.
Die Polizeibeamten Jim Chee und Lieutenant Joe Leaphorn glauben, dass die Antwort auf die Rätsel der Verbrechen in der letzten verschlüsselten Botschaft des heiligen Clowns an das Tano-Volk liegt. Aber um die Botschaft zu entschlüsseln, müssen die zwei Navajo-Polizisten sich mit den streng gehüteten Geheimnissen des Stammes befassen…
Der Roman erschien bei uns unter dem irreführenden Titel „Geistertänzer“.
Ein Kletterer findet auf einem heiligen Berg der Navajo ein menschliches Skelett. Wurde der Mann, ebenfalls ein Bergsteiger, hinuntergestoßen oder fiel er? Das fragen sich Joe Leaphorn und Jim Chee von der Navajo-Stammespolizei, die sich mal offiziell, mal inoffiziell mit dem Fall befassen. Sie ahnen nicht, dass der Fund des Skeletts Grund genug ist, sie und andere Zeugen noch elf Jahre nach der Tat zu bedrohen… (Verlagsinfo)
Der Krimi erschien unter dem deutschen Titel “Tod am heiligen Berg”.
Der Autor
Tony Hillerman (27.5.1925 bis 26.10.2008) war ein vielfach ausgezeichneter amerikanischer Kriminalschriftsteller und Autor von Sachbüchern über das Indianerland im Südwesten. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Krimis um die Stammespolizei der Navajos. Sie wurden regelmäßig verfilmt.
Dieses Buch könnte durchaus von Stephen King stammen – wenn dieser sich um einen besseren Stil und interessantere Charakterisierung bemühen würde. So aber ist es ein Carroll geworden, mit dessen ureigener Stimme und einer Figur, die sein Markenzeichen geworden ist: die Chaos-Frau. Dies und ein spannender Mordfall, der aufzuklären ist, machen das Buch zu einem Mystery-Thriller erster Güte.
_Der Autor_
Jonathan Carroll wurde 1949 in New York City geboren. Sein Vater war Drehbuchautor, seine Mutter Schauspielerin. Seit knapp zwanzig Jahren lebt er in Wien und unterrichtet an der American International School. Als Amerikaner in Wien hat er die Mythen und Märchen dieses städtischen Mikrokosmos erkundet und für seine fantasievollen Werke genutzt. Er ist einer meiner Lieblingsschriftsteller.
Wichtige Werke:
Das Land des Lachens
Ein Kind am Himmel
Schlaf in den Flammen
Die Stimme unseres Schattens
Die panische Hand (Erzählungen)
Vor dem Hundemuseum
Fieberglas
A Marriage of Sticks
The Wooden Sea
The Bones of the Moon
_Handlung_
„Bienenkorb“ (beehive) ist der Spitzname von Pauline Ostrowa, einer zwanzigjährigen Frau, die in den Fünfzigern viel zu intelligent ist, um in dieser restriktiven Zeit in dem kleinen Nest Crane’s View überleben zu können. Der Erzähler, Sam Bayer, hatte damals, vor dreißig Jahren, Paulines Leiche aus dem Hudson River gezogen. Ein einschneidendes Erlebnis: der Tod der Meerjungfrau, das Ende der Kindheit.
Als er dreizig Jahre später zwar ein erfolgreicher Bestsellerautor ist, aber auch eine Schreibblockade hat, fällt es ihm ein, doch mal wieder in seinem alten Heimatstädtchen vorbeizuschauen, um auf andere Gedanken zu kommen. Er beschließt, ein Buch über Pauline Ostrowa zu schreiben. Wie sich herausstellt, ist dies ein lebensgefährliches Unterfangen. Denn es gibt ja auch einen Mörder: Erward Durant junior. Der ist zwar schon lange im Gefängnis gestorben, doch sein Vater, Durant senior, erweist sich als sehr interessiert an der Entstehung des Buches über Pauline: Er will seinen Sohn posthum entlasten, „erlösen“.
Sam Bayer erhält bei seinen Nachforschungen zwei Dinge: eine Freund in Form des Polizisten Frannie McCabe – und als Gefährtin die Chaos-Frau, die ihn glühend verehrt: Veronica Lake. Das ist zwar der Name einer Schauspielerin aus den Dreißigern, und sie ist ebenso blond, aber das macht nichts. Zuerst verliebt sich Sam rasend in sie, dann versucht sie die Regie beim Buchschreiben zu übernehmen, und das wird denn doch zu viel. Aber sie lässt nicht locker: Sie geht sogar so weit, seine Tochter Cassandra zu entführen, um wieder mit Sam sprechen zu können. Es kommt zu einem horrormäßigen Showdown in einer verlassenen Villa, die voller Erinnerungen an Pauline ist – die Parallelen zwischen Veronica und der Toten sind offensichtlich.
_Mein Eindruck_
Nach der Lektüre fühlte ich mich, als habe ich in der Haut von Sam Bayer gesteckt. Ich fühlte mich von Veronicas liebevoll-zudringlichem Verhalten bedroht, aber auch verfolgt von jenem Unbekannten, der wollte, dass das Buch fertig wird – und der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Die schönsten Szenen wie die mit Sams Tochter oder Paulines Mutter sind unterlegt mit diesem unterschwelligen Horror, der schließlich in rasende Wut umzuschlagen droht.
„Kissing the Beehive“ macht die verhängnisvolle Situation klar, in der sich Pauline – und heute Veronica – befand. Beide schlafen zunächst mit vielen Männern, verlieben sich dann aber heftigst und scheitern an dieser Beziehung. Veronica findet ebenso den Tod wie Pauline. Hier liefert Carroll einen beißenden Kommentar auf den Zustand ab, in dem sich die männlich dominierte westliche Kultur befindet: Paranoia vor der starken Frau. „Wenn ein Mann mit vielen Frauen schläft, gilt er als toller Hengst. Wenn eine Frau mit vielen Männern schläft, gilt sie als Schlampe.“ Carroll bringt es auf den Punkt.
Begleitet von zahlreichen Personen- und Familienhintergründen, lässt Carroll auf nur 300 Seiten ein Panorama der letzten dreizig Jahre entstehen, das menschlich packender und interessanter kaum zu denken ist. Dass das Buch zu mindestens siebzig Prozent aus Dialog besteht, macht die Lektüre umso einfacher: Ich habe es in zwei Tagen gelesen. Doch die Einfachheit ist trügerisch: Zu leicht kann sich der Autor an schwierigen Fragen vorbeimogeln, ohne dass es der Leser merkt: Fragen zur Motivation, zur Handlungsfolge usw. Wer also zweifelt, sollte das Buch nochmals lesen.
|Originaltitel: Kissing the Beehive, 1998
Aus dem US-Englischen übertragen von Charlotte Breuer|
Privatdetektivin Sunny Randall erhält einen Anruf von ihrem schwulen Freund Spike: Er wurde in seinem Restaurant zusammengeschlagen. Offenbar sind die Schläger von jenem Hedgefonds-Manager geschickt worden, der ihm einen Kredit vermittelt hat. Sunny heftet sich an die Fersen dieses miesen Typen.
Kurz darauf wendet sich der Polizist Lee Farrell um Hilfe an sie. Seine Nichte sollte eigentlich am College studieren, doch nachdem sie das Konto ihrer Mutter abgeräumt hat, ist sie untergetaucht. Nicht ohne sich zuvor als Opfer eines Überfalls hinzustellen. Als Sunny die junge Frau ausfindig macht, wird sie brüsk zurückgewiesen. Als Sunny bei ihr einbricht, macht sie eine interessante Entdeckung: gezinkte Spielkarten mit unsichtbarer Tinte.
Was zwei verschiedene Fälle gewesen sind, entpuppt sich als ein einziger, sobald der gemeinsame Faktor gefunden ist: als Leiche vor einem Hoteleingang…
Jemand hat es auf Stammespolizist Jim Chee abgesehen, doch sein Motiv ist irrational: Er hält Jim für einen Hexer, einen Skinwalker, der seine Gestalt wechseln kann. Jim Chee muss sich mit Lt. Joe Leaphorn zusammentun, um dieser Gefahr zu begegnen und drei Morde aufzuklären. Doch Leaphorn glaubt nicht an Hexerei …
_Der Autor_
Tony Hillerman (27.5.1925 bis 26.10.2008) war ein vielfach ausgezeichneter amerikanischer Kriminalschriftsteller und Autor von Sachbüchern über das Indianerland im Südwesten. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Krimis um die Stammespolizei der Navajos. Sie wurden regelmäßig verfilmt.
|Die Leaphorn-und-Chee-Reihe:|
1) The Blessing Way (1970) ISBN 0-06-011896-2
2) Dance Hall of the Dead (1973) ISBN 0-06-011898-9
3) Listening Woman (1978) ISBN 0-06-011901-2
4) [People of Darkness (1980)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8119 ISBN 0-06-011907-1
5) The Dark Wind (1982) ISBN 0-06-014936-1
6) The Ghostway (1984) ISBN 0-06-015396-2
7) Skinwalkers (1986) ISBN 0-06-015695-3
8) A Thief of Time (1988) ISBN 0-06-015938-3
9) Talking God (1989) ISBN 0-06-016118-3
10) [Coyote Waits (1990)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8120 ISBN 0-06-016370-4
11) Sacred Clowns (1993) ISBN 0-06-016767-X
12) The Fallen Man (1996) ISBN 0-06-017773-X
13) [The First Eagle (1998)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8141 ISBN 0-06-017581-8
14) Hunting Badger (1999) ISBN 0-06-019289-5
15) The Wailing Wind (2002) ISBN 0-06-019444-8
16) The Sinister Pig (2003) ISBN 0-06-019443-X
17) Skeleton Man (2004) ISBN 0-06-056344-3
18) The Shape Shifter (2006) ISBN 978-0-06-056345-5
|Filmographie:|
1) The Dark Wind (1991)
2) Skinwalkers (2002)
3) Coyote Waits (2003)
4) A Thief of Time (2004)
5) Skinning the Night: American Mystery (DVD)
Die Übersetzungen der Krimis erscheinen bei Rowohlt.
_Handlung_
Etwa um Mitternacht weckt ein ungewohnter Laut Stammespolizist Jim Chee aus unruhigem Schlaf. Es war die Klappe in der Wand seines Wohnwagens, die er für eine Katze, die er aufgenommen hat, einbaute. Was hat sie wohl hereingetrieben? Da er eh nicht mehr schlafen kann, wäscht er sich erst einmal am Becken neben dem Bett. Da blendet ihn ein greller Lichtblitz, dem gleich darauf ein lauter Donnerschlag folgt – und ein Einschlag in die Alu-Wand des Wohnwagens. Chee wirft sich auf den Boden, halb blind und vollständig taub.
Zwei weitere Einschläge zerfetzen das Bett, in dem er noch vor zehn Sekunden geschlafen hat. Schüsse aus einer Schrotflinte, wird ihm benommen klar. Sie stanzen faustgroße Löcher in die dünne Alu-Wand seines Trailers. Als er sein Gehör wiedergefunden hat und den Schaden betrachtet, erkennt er, dass ihn jemand ins Jenseits befördern wollte. Aber warum?
Das hätte auch gerne sein Chef Captain Largo gewusst. Gewöhnlich, so Largos Ansicht, liege die Schuld beim Objekt solcher Gewaltakte, um Vergeltung zu üben – oder aus Eifersucht. Chee ist sich derlei Schuld nicht bewusst. Das sagt er auch dem FBI-Agenten Al Kennedy, mit dem er einen Verdächtigen sucht. Kennedy ist der gleichen Ansicht wie Largo: Chee sei selbst schuld, wenn man es auf ihn abgesehen hat. Das findet Chee wenig hilfreich.
Der Verdächtige, den die beiden suchen, ist einer der Leute, die für die drei mysteriösen Morde im Reservat infrage kommen, deren Aufklärung sich Lt. Joe Leaphorn verschrieben hat. Binnen zwei Monaten sind eine indianische Bürokratin aus der Stadt, ein älterer Schafhirte und ein noch älterer Schafhirte umgebracht worden. Die Indianerin starb durch einen wohlgezielten Schuss ins Gesicht, als sie gerade Auto fuhr. Der uralte Dugai Endocheeney wurde mit einem großen Messer geradezu abgestochen und Nr. 3 mit einem Spaten brutal erschlagen. Nichts scheint die drei Opfer zu verbinden. Auf den ersten Blick.
Aber im Fall Endocheeney ist der schwer alkoholkranke Navajo Roosevelt Bistie in der Nähe des Tatortes gesehen worden. Was hatte er doch zu suchen, wollen Chee und Kennedy wissen, als er endlich auftaucht. Er bekennt ohne Umschweife den Mord an Endocheeney. Dummerweise will er ihn erschossen haben, mit seiner 30-30er-Flinte. Endocheeney wurde aber erstochen. Also, was soll dieses Geständnis?
Unterdessen plant der Mörder seinen nächsten Anschlag. Jim Chee ist ganz klar ein Hexer, ein Skinwalker. Er wird schwer zu töten sein, so viel ist klar. Denn Skinwalker können bekanntlich die Gestalt wechseln und so schnell wie der Wind fliegen. Sobald der Hexer tot ist, wird es dem kleinen Jungen besser gehen, hofft der Attentäter. Dem Jungen fehlt ein Großteil des Gehirns, hat eine Frau im Krankenhaus gesagt. Aber das stimmt nicht, ist er sicher. Sobald der Hexer tot ist, wird der Junge leben. Und der Wind trägt ihm nun auch die Idee zu, wie Jim Chee auf todsichere Weise zur Strecke gebracht werden kann. Denn es gibt etwas, dass Jim Chee unbedingt haben will …
_Mein Eindruck_
Rätsel über Rätsel, die der Autor uns hier auftischt. Deshalb führt die einzige Spur, die sich als hilfreich erweist, über seltsame kleine Körner, die sich in drei Fällen von Anschlägen finden. Doch diese winzigen Körner haben es in sich: Sie sind aus Knochen. Auch wenn der Rationalist leaphorn diese Vorstellung weit von sich weist, so steht doch für den Traditionalisten Jim Chee eindeutig fest, um was es geht: Hexenglauben.
Das Problem mit dem Hexenglauben liegt nicht bei den Navajo, sondern bei den Weißen: Wer auch nur das Wort „Hexe“ beim FBI erwähnt, braucht sich um seine berufliche Laufbahn keine Sorgen mehr zu machen – er landet postwendend in der Mitte von Nirgendwo. Und die weiße Anwältin Janet Pete, die hier erstmals auftritt und Bistie verteidigen soll, weiß nicht mal, wovon die Rede ist. Deshalb sehen sich Chee und Leaphorn weitgehend auf sich gestellt. Beide geben sich in tödliche Gefahr.
Dass Hexenglauben unter den Navajo bis heute existiert, gibt Leaphorn nur widerwillig zu. Aber auch nur deshalb, weil er durch seinen Unglauben dazu beigetragen hat, dass vier Menschen starben. Drei von ihnen wurden vom Vierten für Hexer bzw. Skinwalker gehalten. Nachdem er alle getötet hatte, richtete er sich selbst. Ein solcher blutiger Vorfall ist geeignet, selbst einen Ungläubigen zumindest zu einem Skeptiker zu bekehren.
Jim Chee hat solche Probleme nicht. Als praktizierender Schamane oder yataalii gehört der Glaube an Skinwalker zu seinem Glaubensspektrum. Denn wo es im Osten Schönheit und Harmonie gibt, so muss es zum Ausgleich im Westen das Chaos, das Böse und Hässlichkeit geben – eben Skinwalker. Der Witz bei der Sache: Wer glaubt, er oder einer seiner Lieben verhext worden, hat die Chance, den Fluch des Hexers umzudrehen. Dafür gibt es verschiedene Methoden …
Worauf es nun ankommt, ist die Suche nach der Quelle des Hexerglaubens in diesem rätselhaften Fall. In Fitzelarbeit tragen Leaphorn und Chee winzigste Informationsdetails über die drei Ermordeten zusammen. Die zwei alten Männer waren ebenso krank wie Bistie, doch die Städterin, eine Sozialarbeiterin, befasste sich mit ihnen, weil sie die unlizenzierte Klinik eines Kristallsehers besucht hatten. Doch warum musste auch sie sterben? Hatte sie zuviel herausgefunden?
Wie auch immer: Jim Chee erhält eine Einladung, eine Heilgesangszeremonie auszuführen. Zwar liegt der Ort mitten in der Wüstenei, doch die Aussicht, einmal im Ernst seine Kunst praktizieren zu können und eine Kundenreferenz zu erwerben, stimmt ihn froh und lässt ihn Einwände beiseite wischen. Als er endlich nachts am bezeichneten Ort eintrifft, kommt ihm die Sache allerdings sehr sonderbar vor. Sein inneres Alarmsystem springt an, doch nicht rechtzeitig genug, um den ersten Schuss kommen zu sehen …
|Schwächen|
Der Text enthält im Druck des Originals mehrere Fehler. So ist die Rede von „Pagago“-Indianern. Es gibt aber nur Papagos. Auf S. 215 muss es statt „Now even …“ korrekt „Not even …“ heißen. Auf S. 195 heißt es: „the arm arched from wrist to elbow.“ Das ergibt keinen Sinn, vor allem dann nicht, wenn man weiß, dass Leaphorns Arm in einem Gips steckt. Korrekt muss es also heißen: „the arm ached from wrist to elbow“.
Es kommt nicht oft vor, dass Originalausgaben solche Druckfehler enthalten. Es ist daher umso verwirrender, bedauerlicher und ärgerlicher.
_Unterm Strich_
Einer der stärksten Hillerman-Krimis, die ich bis jetzt gelesen habe! Am Anfang Action, in der Mitte jede Menge rätselhafte Recherchen, die von einem unheimlichen Leichenfund unterbrochen werden. Leaphorn wird angeschossen und landet im Krankenhaus. Chee tappt in die Falle und wird um ein Haar gekillt. Doch das ist noch längst nicht alles. Das Schlimmste kommt erst noch.
Keine Angst, es geht nicht bloß um Hexerglauben! Dieser Aberglaube unter gutgläubigen Navajos ist sozusagen der missbrauchte Transmissionsriemen, um bestimmte Leute dazu zu bringen, ungesetzliche Taten auszuführen. Klingt vertraut? Der Hexenglauben und die Judenverfolgung im mittelalterlichen Europa waren kaum etwas anderes. Der Hintergrund für diese Manipulation: handfeste wirtschaftliche Interessen. Es gibt also eine – für uns Weiße – „vernünftige“ Erklärung. Da sind wir aber froh.
Innerhalb der Navajo-Krimiserie nimmt dieser Reihe eine besondere Stellung ein. Wie gesagt, hat hier Janet Pete ihren ersten Auftritt, die bis zu Band 13 („The First Eagle“) – also sieben Romane lang – Jim Chees Leben begleitet. Außerdem arbeiten in diesem Band die Polizisten Leaphorn und Chee erstmals Seite an Seite zusammen und retten einander das Leben. Das wird wirklich überzeugend und eindrucksvoll geschildert. Nur so wirken sie wie ein richtiges Gespann von Partnern. Und man kann verstehen, dass sie noch in Band 13 zusammenarbeiten wollen. Dann ist Leaphorn nämlich in Pension.
Auf einer Gezeiteninsel nahe der britischen Küste findet die 3-tägige Eröffnungsfeier von Island Home statt. Das himmelschreiend luxuriöse Resort gehört zur elitären Home-Flotte: Glamouröse Unterkünfte, zu denen nur handverlesene, berühmte Menschen Zugang haben.
Alle Homes sind für ihre absolute Privatsphäre berühmt: Hier können die Schönen und Reichen geschützt exzessiv feiern, sich gehen lassen…
Doch am dritten Tag bietet sich den Gästen, die es sich in dem atemberaubenden Unterwasser-Restaurant gut gehen lassen wollen, ein schauriger Anblick: Ein Auto schwimmt unter Wasser vor sich hin und es nicht leer…
Mein Eindruck:
“Der Club – Dabeisein ist tödlich” erzählt auf unterhaltsame Art, mit viel schwarzem Humor, von Narzissten, Pechvögeln, Glückspilzen sowie nützlichen Idioten.
Nachdem mich Tony Hillerman mit „Das Labyrinth der Geister“ ausgesprochen begeistert hat, hat mich mein Interesse für den „Meister des Ethno-Thrillers“ dazu geführt, mir mehr Lektüre dieses Autors zu besorgen.
Das nächste Buch in meiner persönlichen Reihe hieß „Das goldene Kalb“ und spielt rein zeitlich eine ganze Weile später als der oben angeführte Thriller. Der Hauptdarsteller Joe Leaphorn ist mittlerweile schon berentet und hat seinen Posten dem ehemaligen Kollegen Jim Chee überlassen. Trotzdem hat Leaphorn das Interesse für spannende Kriminalfälle nicht losgelassen, so dass er hin und wieder doch wieder ins Geschehn eingreift und die Navajo-Polizei unterstützt. So zum Beispiel in der Geschichte um die Golden-Calf-Mine … Tony Hillerman – Das goldene Kalb (Navajo Tribal Police 15) weiterlesen →
Navajo-Stammespolizist Jim Chee verhaftet einen Hopi-Indianer wegen des Verdachts der Adler-Wilderei. Zudem ist Jano über den bewusstlosen Stammespolizisten Kinsman gebeugt, was für Chee zuerst wie ein Mordfall aussieht. Ausgerechnet Chees Freundin Janet Pete verteidigt Jano. Unterdessen wird eine Biologin vermisst, die das Wiederauftreten des Schwarzen Todes im Reservat der Navajo untersucht hat: Die Pest ist zurück …
_Der Autor_
Tony Hillerman (27.5.1925 bis 26.10.2008) war ein vielfach ausgezeichneter amerikanischer Kriminalschriftsteller und Autor von Sachbüchern über das Indianerland im Südwesten. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Krimis um die Stammespolizei der Navajos. Sie wurden regelmäßig verfilmt.
|Die Leaphorn-und-Chee-Reihe:|
1) The Blessing Way (1970) ISBN 0-06-011896-2
2) Dance Hall of the Dead (1973) ISBN 0-06-011898-9
3) Listening Woman (1978) ISBN 0-06-011901-2
4) [People of Darkness (1980)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8119 ISBN 0-06-011907-1
5) The Dark Wind (1982) ISBN 0-06-014936-1
6) The Ghostway (1984) ISBN 0-06-015396-2
7) Skinwalkers (1986) ISBN 0-06-015695-3
8) A Thief of Time (1988) ISBN 0-06-015938-3
9) Talking God (1989) ISBN 0-06-016118-3
10) [Coyote Waits (1990)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8120 ISBN 0-06-016370-4
11) Sacred Clowns (1993) ISBN 0-06-016767-X
12) The Fallen Man (1996) ISBN 0-06-017773-X
13) The First Eagle (1998) ISBN 0-06-017581-8
14) Hunting Badger (1999) ISBN 0-06-019289-5
15) The Wailing Wind (2002) ISBN 0-06-019444-8
16) The Sinister Pig (2003) ISBN 0-06-019443-X
17) Skeleton Man (2004) ISBN 0-06-056344-3
18) The Shape Shifter (2006) ISBN 978-0-06-056345-5
|Filmographie:|
1) The Dark Wind (1991)
2) Skinwalkers (2002)
3) Coyote Waits (2003)
4) A Thief of Time (2004)
5) Skinning the Night: American Mystery (DVD)
Die Übersetzungen der Krimis erscheinen bei Rowohlt.
_Handlung_
|Prolog|
In der Klinik von Flagstaff, Arizona, liegt die Leiche des Indianers Anderson Nez auf der Intensivstation. Der Navajo ist vor wenigen Stunden gestorben, wie Dr. Delano dem Mann berichtet, der Nez aus dem Reservat hergebracht hat, Dr. Woody. Krankenschwester Shirley Ahkeah fragt sich, was dieser Dr. Woody hier überhaupt will. Kommt hier reingeschneit und verlangt eine intensive Autopsie von Nez – Verdacht auf eine Pestinfektion.
Dr. Howe erklärt ihr, dass Woody überhaupt kein praktizierender Arzt sein, sondern vielmehr so eine Art Mikrobiologe. Das wird ja immer rätselhafter, findet Schwester Shirley. Doch als Dr. Howe sagt, Nez sei praktisch innerhalb eines einzigen Tages infiziert worden und der Pest erlegen, beginnt sie sich ernsthaft Sorgen zu machen: Die Antibiotika beginnen zu versagen …
|Jim Chee|
Es ist der 8. Juli, der ein denkwürdiger Tag im Navajo-Reservat werden soll. Stammespolizist Jim Chee will seinen Kollegen Benny Kinsman sprechen, doch auf der Polizeiwache, wo er ihn erwartet, bekommt er nur die Info, dass Kinsman einem Adlerwilderer auf der Spur und hinaus zum Yells Back Butte gefahren sei. Als Jim Chee an der angegebenen Position eintrifft, findet er allerdings Officer Kinsman vor: leblos, auf dem Bauch liegend und mit blutgetränktem Hemd. Ein Hopi-Indianer, an dem sich ebenfalls Blut befindet, beugt sich über ihn. Na, wenn das nicht nach einem Mord auf frischer Tat aussieht!
Kaum hat Chee den Indianer mit Handschellen gefesselt und als einen gewissen Robert Jano aus dem Hopi-Reservat Second Mesa identifiziert, als ein schriller Schrei zu hören ist. Er kommt aus einem Vogelkäfig. Darin ist ein Adler gefangen. Als Chee den Käfig aufrecht stellt und vor dem einsetzenden Hagelschauer in Sicherheit bringt, kratzt auch ihn der wütende Adler. Jano bemerkt nur hämisch, dass Chee genau das passiert sei, was der Vogel auch mit ihm gemacht habe. Im Übrigen lebe Officer Kinsman noch. Chee kann bestätigen, dass Kinsman trotz eingeschlagenem Schädel noch atme. Sie warten unter einem Überhang, bis der Hagelschauer nachgelassen hat, dann bringt Chee alle Beteiligten und die Beweise zur nächsten Polizeiwache.
|Joe Leaphorn|
Unterdessen ist sein Exkollege Joe Leaphorn in einer luxuriösen Limousine unterwegs ins nördliche Santa Fé. Leaphorn hat ein Jahr als Rentner hinter sich und langweilt sich unsäglich. Die alte Frau, zu der ihn die Limo bringt, ist die reiche Millicent Vanders, deren Schwester gestorben ist. Die Tochter dieser Schwester ist Catherine Anne Pollard, eine 33-jährige „Flohfängerin“, wie sie sich selbst nannte – eine Mikrobiologin und Seuchenbekämpferin. Seit wenigen Tagen wird sie im Navajo-Reservat vermisst, und auch ihr Wagen lässt sich nicht finden.
Sie war mit einem ostdeutschen Biologen namens Victor Hammar unterwegs, sagt Mrs. Vanders, und er habe Catherine seit der Uni praktisch verfolgt – ein „Stalker“, sagt sie erbittert. Catherine habe ihn zwar nie als Bedrohung angesehen, aber Mrs. Vanders ist da ganz anderer Ansicht. Catherine wollte ihren Beruf aufgegeben, an dem sie hing, und das müsse einen Grund gehabt haben. Sie war mit ihrem arroganten Chef namens Krause nicht einverstanden.
Der Grund, warum Leaphorn schließlich den Auftrag annimmt, ist jedoch der Ort, an dem Catherine Pollard und Victor Hammar verschwanden: Yells Back Butte, eine Felsformation an der Grenze zum Hopi-Reservat. Es ist der gleiche Ort und sogar der gleiche Tag (der 8. Juli), an dem Benny Kinsman mit eingeschlagenem Schädel von Jim Chee aufgefunden wurde. Joe Leaphorn glaubt nicht an Zufälle. Es muss einen Zusammenhang geben. Aber welchen?
|Jim Chee|
Benny Kinsman ist nicht mehr aufgewacht, seit er im Koma in die Klinik gebracht worden ist. Jim Chee macht sich große Sorgen. Er befindet sich in der Klinik, um wie verlangt anwesend zu sein, wenn die lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet werden. Eine traurige Pflicht, die Bundesstaatsanwalt Mickey da verlangt. Außerdem, so wurde ihm mitgeteilt, müsse ein Bundesverteidiger des Beschuldigten Robert Jano zugegen sein. Für den Fall, dass Kinsman noch letzte Worte sage. Ausgerechnet Chees Freundin Janet Pete verteidigt Jano. Sie berichtet, seine Familie halte Jano nicht für eines Mordes fähig, auch wenn er mit Kinsman ein Hühnchen zu rupfen gehabt habe.
Dann taucht auch noch Jims „Legendary Lieutenant“ Joe Leaphorn auf, mit einer Bitte um die Suche nach dem Jeep der Pollard-Frau. Das Auto ist ebenfalls verschwunden. Aber wie Jim bald erkennt, hängen die beiden Fälle Kinsman und Pollard tatsächlich zusammen. Und wie so häufig ist wieder mal ein unglücklicher Zufall schuld.
_Mein Eindruck_
In gemächlichem Tempo beginnen die beiden „Cops“ in den beiden separaten Fällen getrennt zu ermitteln, aber aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Während Leaphorn zunächst die Langeweile vertreiben will, stellt er doch mit zunehmender Beteiligung seiner Begleiterin Louisa Bourebonette (aus „Coyote Waits“) fest, dass ihm die Sache zunehmend Freude bereitet.
Mit Louisa an seiner Seite gelingt es ihm, sich vom Traum des Krebstodes seiner Frau Emma zu lösen und die Schuldgefühle loszuwerden, die ihn plagen. Außerdem stellt Louisa eine wertvolle Verbindung zu den Universitäten von Arizona dar. So erhält Joe Leaphorn Einblick in die Problematik der Mikrobologen: Die ausgerottet geglaubten Seuchen kehren zurück.
|Ein eifriger Flohjäger|
Hantavirus und Beulenpest wüten immer wieder unter den Populationen der Nagetiere im vereinten Navajo- und Hopi-Reservat. Aber während Millionen der kleinen Tiere draufgehen, überleben immer wieder kleine Sippen. Diesem Rätsel geht Dr. Albert Woody nach, der Anderson Nez, seinen Assistenten, im Prolog in die Klinik einlieferte. Al Woody wird von einem Mikrobiologen, den Leaphorn spricht, sogar als Nobelpreiskandidat angesehen.
Jim Chee begegnet Dr. Woody in der Nähe des Tatortes am Yells Back Butte. Allein diese Tatsache findet er schon bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist in seinen Augen, dass zwar Anderson Nez und Catherine Pollard (Benny Kinsman will Woody nie gesehen haben) möglicherweise an den Seuchen gestorben sind, dass aber ein kleiner Prätiehund, den Woody „Charley“ tauft, die von Flöhen übertragene Pest überlebt hat. „Tapferer kleiner Kerl“, sagt Woody bewundernd. In Jims Augen hat Woody seine Prioritäten ganz anders gesetzt als der Rest der Menschheit. Aber ist Woody deshalb auch ein potenzieller Mörder?
|Adlerfang|
Eine der besten Szenen ergibt sich aus der Frage, ob der von Robert Jano gefangene Adler das Blut von Jano oder Kinsman an seinen Krallen trägt. Dieser Adler stellt ja praktisch Janos Alibi dar. „Das ist der zweite Adler“, sagt Jano zu Jims und Janets Verblüffung. „Den ersten Adler habe ich wieder freigelassen, nachdem ich seine Schwanzfeder genommen hatte.“ Diese Feder brauchte er für eine Hopi-Zeremonie. Jim Chee weiß genau, wo dieser erste Adler sein Jagdrevier hat. Er legt sich, wie zuvor Jano, auf die Lauer und fängt das Tier mit Janos bewährter Methode ein. Nicht ohne sich einen tiefen Schnabelhieb einzufangen.
|Der Liebestest|
Jim Chee weiß nun aus Leaphorns Informationen und den Details über den mittlerweile gefundenen Jeep Catherine Pollards, dass der Adler und das getrocknete Blut an dessen Krallen ein entscheidendes Beweismittel darstellt. Als echter Jäger stellt er nun eine Falle auf, die es in sich hat. Sie gilt sowohl dem FBI und dem Bundesanwalt, die Jano zum Tode verurteilen wollen, damit der Staatsanwalt in den Kongress gewählt wird. Chee nimmt die FBI-Reaktion verbotenerweise auf Tonband auf.
Aber Chees Falle gilt auch seiner Freundin Janet Pete. Was wird sie mit seiner Aussage, dem Adler und der illegalen FBI-Tonbandaufnahme machen? Sie hat drei Wahlmöglichkeiten. Zwei davon erlauben ihr und Jim die Straffreiheit und eine gute Karriere. Doch die Dritte führt zwar zu höchstem Ungemach für sie beide, befreit aber ihren Klienten Jano. Es ist ein Liebestest und einer der Fiesesten, von dem ich je gelesen habe. Kein Wunder, dass Janet „Damn you, Jim!“ ruft, als sie das herausfindet …
_Unterm Strich_
Mikroben, Adler und ein verschwundener Jeep – eine unwahrscheinliche Kombination, wie sie typisch ist für Tony Hillerman. Der Leser muss sich in indianischer Geduld üben und den Hintergrundinformationen viel Aufmerksamkeit widmen. Denn diese Informationen sind keineswegs Ablenkung, sondern sozusagen das Mordmotiv: Wem es gelingt die wieder vordringenden Seuchen zu stoppen, der bekommt nicht nur Forschungsgelder und einen Lebensunterhalt, sondern auch den Nobelpreis und somit Unsterblichkeit. Dafür könnte es sich durchaus lohnen zu töten.
|Zwielicht|
Sobald man dies begriffen hat, erweitert sich der Kreis der Verdächtigen schlagartig. Und auch Catherine Pollard sieht auf einmal nicht mehr wie die unschuldige Entführte aus, als die Mrs. Vanders sie hinstellt, als sie Joe Leaphorn anheuert. Und der Verdacht kommt auf, dass Mrs. Vanders einen bestimmten Verdacht durch diesen Auftrag ablenken will. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Privatdetektiv für finstere Zwecke missbraucht würde.
|Marsmenschen|
Da stiefeln sie nun in ihren Schutzanzügen durch die mikrobenverseuchte Pampa, die Herrschaften Flohjäger. Kein Wunder, dass sie einer alten Navajo-Frau wie Hexer und Skinwalker vorkommen. Sie existieren auf einer Ebene wie jene Legenden- und Schatzjäger, die ich in „Coyote Waits“ kennengelernt habe. Wieder einmal treffen indianische und weiße Kultur aufeinander.
|Stümper|
Dieser Konflikt zeigt sich nicht nur in der Mikrobenbekämpfung, sondern auch in der Ermittlung und in der Justiz. Wie schon in „Coyote Waits“ heimst das „Federal Bureau of Ineptitude“ (Bundespolizei für Stümperhaftigkeit) keine Lorbeeren ein, als es den Mörder von Benny Kinsman schon von vornherein verurteilt. Wozu weitersuchen, wenn ein in flagranti verhafteter Indianer schon im Knast sitzt? Allerdings wäre Jano der erste jemals in einem Reservat zum Tode verurteilte Indianer überhaupt. Daher steht für alle Seiten sehr viel auf dem Spiel.
|Die Liebesfalle|
Sobald man diese Interessenlage verstanden hat, wird aus Jim Chee illegaler Eigeninitiative ein regelrechtes Politikum. Ein Adlerfang ist schon mal ein schlechter Start, denn Adler sind geschützt. Dann nimmt er auch noch das FBI auf Band auf – noch illegaler. Und er stellt einer Bundesverteidigerin eine Falle, die es in sich hat. Kann man noch weiter gehen?
Jim Chee weiß genau, dass er seine Zukunft aufs Spiel setzt. Aber Washington, D.C., hat er bereits abgehakt: Alle Menschen dort leben eine Lüge. Und auch eine gemeinsame dort angesiedelte Zukunft an Janets Seite erscheint ihm nun unmöglich. Sie ist eine adrette, mit weißen Wertvorstellungen aufgewachsene Stadtfrau. Er ist im Vergleich dazu ein Landei, noch dazu ein angehender Schamane bei irgendwelchen „Wilden“ in der Wüste. Auch uns kommt diese Kombination ziemlich unwahrscheinlich vor. Aber die Art und Weise, wie Jim sie zu Ende bringt, ist schon phänomenal eingefädelt und ausgeführt. „Damn you, Jim!“ Ganz genau.
Im New York des Jahres 1980 prallen zwei Kontinente und Kulturen aufeinander, als auf Long Island ein Ninja, ein japanischer Auftragskiller, eine Spur von Leichen zurücklässt. Nur Nicholas Linnear kann ihn aufhalten: Er ist aufgewachsen in Japan und in die Kunst und Kampfmethoden eines Samurai wie auch in die eines Ninja eingeführt. Er hat soeben in Justine Tomkin die Liebe seines Lebens gefunden. Als er dem Ninja in die Quere kommt, gerät Justine in Lebensgefahr …
Der Horrorautor versucht sich an einer Familiensaga, die mit einer makabren Farce kontrastiert wird: eine gewöhnungsbedürftige Mischung für alle, die von Dean Koontz kurze, knackige Horrorkost gewöhnt sind. Nie war der Unterschied zu Stephen King deutlicher zu sehen als an diesem Buch.
Handlung
Bevor Bartholomew Lampion am 6. Januar 1965 geboren wird, stirbt sein Vater Joe bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg zum Krankenhaus, in dem seine Frau Agnes ihr Baby zur Welt bringen will: Barty. Agnes Lampion überlebt knapp.
Die 17-jährige Carly Tyler erwacht ohne Gedächtnis aus dem Koma. Sie hat zahlreiche Wunden erhalten, und die Ärzte müssen ihr Gesicht neu zusammensetzen. Wer ist sie in Wahrheit? In dem Winzer James McGuane meint sie nach 15 Jahren den Mann wiederzuerkennen, welcher der Schlüssel zu ihrer Vergangenheit ist. Sie lässt sich als Köchin anstellen und spioniert ihm nach. Doch er hat Gelüste, die ziemlich ausgefallen sind. Carly steht jedoch auf Lust durch Schmerz und findet in James einen unbarmherzigen Lehrmeister. Aber ist er auch ihr Beinahemörder?
Der Kampf gegen die Chimära: spannend & actionreich
Greg Whitman arbeitet als Söldner in dem Black-Ops-Team RED ROVER. Bei seinem jüngsten Einsatz in Pakistan gerät er mit seinem Team in einen Hinterhalt. Ein Mann stirbt, ein zweiter wird schwer verwundet. Wer hat RED ROVER verraten? War es sein Auftraggeber oder dessen Auftraggeber, die NSA, oder noch jemand?
Whitman rekrutiert eine Ersatzfrau, die Waffenexpertin Charlize Daou, die sich drei Jahre zuvor von ihm getrennt hatte. Auch der verwundete, Felix, stößt wieder zum Team, doch ist er seltsam verändert. Was haben die Typen von der NSA mit ihm gemacht? Beim nächsten Einsatz, der entgegen den Instruktionen erneut in Pakistan stattfindet, sollen es Whitman und Charlize auf die harte Tour herausfinden… Eric Van Lustbader – Any Minute Now. Action-Thriller weiterlesen →
Der Ich-Erzähler, ein erfolgloser Schriftsteller und Lyriker, hat eine Leiche beim Spazieren im Park gefunden. Helmut Schröder, so hieß der Ermordete (ob die Ähnlichkeit mit Politikernamen Zufall oder Absicht ist, bleibt offen), hatte ein beneidenswertes Leben als „gemachter Mann“ geführt, bevor ihn der Tod ereilte. Der Schriftsteller berichtet dem Polizeiinspektor genau, welche Gedanken ihn bei der Entdeckung des toten Schröder bewegten. Und diese Gedanken sind überhaupt nicht nett, wie sich generell der Schriftsteller beim Leser durch abfälligen Zynismus unbeliebt macht.
Es könnte so idyllisch sein: ein entlegenes Tal, ein einsames Forsthaus, sympathische Aussteiger und viel, viel Wald. Doch dann liegt die Leiche eines Mannes in einem Hochsitz, und Kommissarin Judith Krieger, kettenrauchend und chronisch müde, beginnt zu ermitteln. Nach einer Reihe von Fehlern wird sie beurlaubt, aber ihr Kampfgeist erwacht, als eine zweite Leiche im Wald gefunden wird – in einem Bombenkrater. (abgewandelte Verlagsinfo)
Erst wird in Greve bei Florenz ein Schreibwarenhändler auf blutige Weise ermordet, dann in Florenz selbst der Gehilfe eines Antiquitätenhändlers. Commissario Ferrara vom Morddezernat erkennt allmählich, dass er es mit einem kaltblütigen Rachefeldzug zu tun hat. Er selbst hat schon zwei anonyme Drohbriefe erhalten, die seine deutsche Frau Petra beunruhigen. Spuren im Hintergrund des Antiquitätenhändlers scheinen zunächst nach Kalabrien und Sizilien zur Mafia zu führen, doch auf einmal verlieren sie sich im Nichts …
Unterdessen beschließt die Kunststudentin Vantina Preti, ihre lesbische Affäre mit ihrer Jugendfreundin abzubrechen und von Bologna nach Florenz zu Mike zu ziehen. Doch der gutaussehende, betuchte junge Mann, der sich als der amerikanische Journalist Mike Ross ausgibt, ist keineswegs der harmlose Reporter, sondern ein Mittelsmann, der der Mafia nahesteht. Mit Valentina hat er besondere Pläne …
_Der Autor_
Michele Giuttari, 1950 in Sizilien geboren, arbeitete für mehrere Mordkommissionen, bevor er 1995 die Leitung der Squadra Mobile in Florenz übernahm. Seine Romane um Kommissar Michele Ferrara wurden Bestseller, z. B. „Die Signatur“. Er lebt mit seiner deutschen Frau in Florenz.
_Handlung_
Der erste Mord, zu dem Commissario Ferrara vom Morddezernat Florenz gerufen wird, hat am 1. Oktober 1999 in Greve stattgefunden, einem beliebten Ausländerwohnort mitten im Chiantigebiet. Der Verkäufer eines Schreibwarenhändlers wurde mit zahlreichen Messerstichen regelrecht niedergemetzelt. Da das Opfer homosexuelle Neigungen auslebte, glaubt der Commissario an ein Verbrechen aus Leidenschaft, aus Rache vielleicht. Dass der gutaussehende junge Priester Sergio Rotondi etwas mit der Sache zu tun haben könnte, lässt sich leider nicht belegen, denn er bekommt ein Alibi von seinem Kollegen.
Am 31. Dezember wird Ferrara aus dem Urlaub zurückgerufen, den er mit Gattin Petra in Wien verbringt. Der junge Angestellte eines Florentiner Antiquitätenhändler wurde auf ähnliche Weise niedergemetzelt wie der Mann in Greve, allerdings wurde er zuvor mit einer Pistole erschossen. Eine Zeugin hat einen hochgewachsenen Mann mit blondem gewelltem Haar gesehen, wie er das Geschäft zur Tatzeit betrat. Ob es ein Priester war, kann sie allerdings nicht sagen.
Wenig später bekommt Ferraras Mitarbeiter Ricci von einem Informanten, der gerade aus der Haft entlassen wurde, gesteckt, dass dieser Antiqutätenhändler Verbindungen zu Hehlerkreisen der kalabresischen Mafia hat, besonders zu einem gewissen Salvatore Dieni. Diesen Hehler quetscht Ferrara so lange aus, bis er weiß, dass es nur um ein gestohlenes Gemälde des spanischen Malers Velasquez geht. Aber wo ist der Zusammenhang mit dem blutigen Mord?
|Nebenschauplatz|
Am 1. Januar 2000 zieht die schöne Kunststudentin Valentina Preti, 22, für ihre Examensarbeit von Bologna, wo sie mit ihrer lesbischen Freundin Cinzia eine Wohnung teilte, nach Florenz, zu einem Mann, den sie nur durch Telefon, SMS und Chat kennt. Doch der gutaussehende, betuchte junge Mann, der sich ihr gegenüber als der amerikanische Journalist Mike Ross ausgibt, ist keineswegs der harmlose Reporter, als der er erscheinen will. Mit Valentina hat er besondere Pläne …
|Der Schlüssel|
Noch zwei weitere Morde an jungen Männern geschehen, und alle Opfer waren Homosexuelle. Hat Ferrara es mit einem homophoben Serienmörder zu tun? Das glauben jedenfalls die Staatsanwaltschaft und der Polizeipräsident. Doch Ferrara zweifelt an einer so einfachen Lösung, denn auch in seinem Fall des [„Monsters von Florenz“ 3686 entpuppte sich die Serien- und Einzeltätertheorie als Holzweg. Ferrara hat die Komplizen hinter Gitter gebracht.
In verbissener Kleinarbeit gelingt es ihm, Indizien und Spuren zusammenzutragen. Er ahnt: Die Opfer sind der Schlüssel. Eines späten Abends sieht er es dann: Die Stichwunden der vier Opfer ergeben Buchstaben. Und diese Buchstaben ergeben seinen Namen: F-E-R-R-A-R-A. Es handelt sich um einen Rachefeldzug, an dessen Ende das Hauptopfer steht. Der Mörder hat seine Taten signiert.
|Nebenschauplatz|
Im März macht der Serienmörder den entscheidenden Fehler, der Ferrara auf seine Spur bringt.
_Mein Eindruck_
Dass es sich bei Commissario Ferrara um das Alter Ego des Autors selbst handelt, ist spätestens dann klar, als die Rede vom „Monster von Florenz“ ist. Diesen Fall bearbeitete und löste Giuttari selbst, wie man seinem Polizeiberichtsroman [„Das Monster von Florenz“ 3686 entnehmen kann. Dieses Wissen ist von Bedeutung, denn einerseits verleiht dieser reale Hintergrund dem fiktiven Geschehen in „Die Signatur“ eine erhöhte Glaubwürdigkeit und hohen Realismus. Die Begegnungen zwischen Polizei, Staatsanwälten und Kriminellen sind realistisch gestaltet. Der Commissario selbst ist als Sizilianer gezeichnet, dem immer wieder ein Ausdruck der heimischen Muttersprache rausrutscht.
Aber ein Held wie der Kommissar kann sich nur dann wahrlich als solcher erweisen, wenn er einen Gegner hat, der ihm zumindest ebenbürtig ist. Leichte Beute interessiert den Meisterjäger nicht, sondern ist für Untergebene vorgesehen. Zum Glück macht ihm der Mörder der Schwulen von Florenz das Leben alles andere als leicht. Nicht nur ist der Killer sehr gut verkleidet, er kennt sogar das Standardvorgehen der Kripo für Serienmörder aus dem Effeff.
Die italienische Kripo geht in ihre eigene Falle, denn sie hat lediglich die Lehrbücher des FBI abgeschrieben, statt sich mal eigene Gedanken zu machen. Selbst graduierte Kriminologen beten bloß FBI-Propaganda nach, und so fällt es dem Commissario schwer, seine berechtigten Zweifel anzumelden. Nicht genug damit: Er wird wegen Erfolglosigkeit sogar unter Kuratel gestellt! Eine Staatsanwältin schaut ihm bei einer Tataufnahme über die Schulter, ob seine Leute auch alles nach Lehrbuch machen. Diese Entmündigung ist einfach demütigend. Sie ist ein Indiz dafür, dass der Polizeipräsident und der Oberstaatsanwalt ihren kollektiven Hintern retten wollen, um die Presse bzw. öffentliche Meinung zu besänftigen – durch ein Bauernopfer, das da „Ferrara“ heißen könnte.
Der Mörder ist ebenso intelligent wie wahnsinnig. Das macht ihn so gefährlich und für Ferrara so unberechenbar. Aber er hat eine schwache Seite: Er ist Vollwaise und vermisst seine Mutter. Sie sucht er in zahlreichen Frauen, allesamt Madonnengestalten. Als er glaubt, in Valentina Preti eine solche Madonna gefunden zu haben, verliebt er sich. Als sie jedoch zu neugierig wird und hinter seine Geheimnis kommt, muss auch sie ihren Preis zahlen. Und nicht nur sie, sondern auch ihre Liebhaberin Cinzia.
Den Schlüssel zur Lösung des Falles findet Ferrara natürlich in der Vergangenheit des Täters. Dabei zeigt sich eine weitere Schwäche des Polizeisystems. Gesucht wird in der Regel nur im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld des Täters, nur in den seltensten Ausnahmen aber auch in dessen Kindheit und Jugend. Deshalb muss Ferrara in jene entlegene Vergangenheit zurückgehen, um die Kette zu finden, die den Täter mit seinen Opfern verbindet.
Eine weitere Ironie der italienischen Verhältnisse: Der Ort, der für diese Vergangenheit von entscheidender Bedeutung ist, liegt für die Polizei off limits – dies ist die sakrosankte Domäne der römisch-katholischen Kirche. Doch wie bekommt man als Bulle einen Durchsuchungsbefehl für ein Kloster? Man macht es wie jeder Italiener: Man lässt seine Beziehungen spielen.
|Die Übersetzung …|
… ist in der Regel sehr gut gelungen. Doch auch die Übersetzerin sollte wissen, dass bei uns die Bedienung eines Computers neben der Maus auch die „Tastatur“ erfordert und keineswegs die „Konsole“, wie sie auf Seite 28 behauptet. Auf Seite 105 wurde in dem Satz: „Klar, da bist bei mir genau an der richtigen Adresse“ das Wörtchen „du“ vergessen. Diese zwei Fehler sind die einzigen, die ich finden konnte.
_Unterm Strich_
„Die Signatur“ hat mich zu keiner Zeit gelangweilt oder durch Spitzfindigkeit verwundert. Ferraras Art sind das Grübeln und die Nabelschau nicht, und so geht die Handlung geht flott und relativ geradlinig voran. Doch die verhältnismäßig sachlichen und trockenen Ermittlungsszenen werden immer wieder durch recht emotionale Szene unterbrochen, in denen die zwei Beziehungen geschildert werden, zwischen denen Valentina Preti auf verhängnisvolle Weise gefangen ist.
In der Schilderung sexueller Praktiken erweist sich der Autor dabei als keineswegs zimperlich. Da kann durchaus mal erzwungener Analverkehr vorkommen. Die Einstellung des Autors zu den Praktiken der Homosexuellen zeugt von Unvoreingenommenheit und detaillierter Sachkenntnis – hier wird niemand verurteilt, sondern sachlich mit Praxiskenntnis geschildert. Homosexualität ist keine Krankheit für ihn, sondern eine Neigung, mitunter eine von einem Pädophilen erschlichene oder gar erzwungene Neigung.
Dass es Pädophile auch unter Kirchenleuten gibt, gibt ja nicht gerade eine weltbewegende Neuigkeit, wie man aus den Skandalen in Österreich und den USA weiß. Aber vielleicht ist sie für Italiener immer noch so ein empörender Aufreger, dass sie dem Autor vielleicht Drohungen einbrachte. Jedenfalls tat dieser Umstand den Verkaufszahlen des Buches gut – es verkaufte sich bestens. Wahrscheinlich vor allem in der Stadt, die als doppelbödiger Schauplatz der Ermittlungen Ferraras dient: die Arno-Metropole Florenz.
|Originaltitel: Scarabeo, 2004
397 Seiten, aus dem Italienischen von Karin Diemerling|
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Vor sechs Jahren quittierte Jack Reacher, damals Spitzenermittler der US-Militärpolizei, den Dienst. Er tauchte unter – unerreichbar, unauffindbar. Doch dieses eine Mal kommt der rastlose Einzelgänger freiwillig aus der Deckung. Durch puren Zufall ist er einem Mann begegnet, den er seit zehn Jahren für tot gehalten hat. Die Narben auf dessen Stirn erinnern Reacher an sein furchtbarstes Erlebnis, und er weiß: Noch immer geht von dem Janusmann eine tödliche Gefahr aus … (Verlagsinfo)