Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Marklund, Liza – Weißer Tod

_|Annika Bengtzon| (chronologisch nach Handlungsfortschritt):_

Band 1: [„Studio 6“ 904
Band 2: [„Der Holzdieb“ 2519
Band 3: [„Paradies“ 1197
Band 4: [„Prime Time“ 385
Band 5: „Olympisches Feuer“
Band 6: [„Der rote Wolf“ 573
Band 7: „Nobels Testament“
Band 8: [„Lebenslänglich“ 6255
Band 9: „Silvesternacht“
Band 10: „Kalter Süden“
Band 11: _“Weißer Tod“_

Bei Liza Marklund heißt es „Hopp oder Topp“! Entweder begeistert sie mich mit ihren Büchern vollauf, fesselt mich für Stunden an ein und dasselbe Buch, oder eben ich langweile mich ganz schrecklich und muss mich von Seite zu Seite quälen. Dazwischen gab es bislang für mich nichts. Mit großen Erwartungen habe ich ihr neuestes Werk aus der „Annika Bengtzon“-Reihe „Weißer Tod“ aufgeschlagen, denn die beiden letzten Bücher, die ich von ihr gelesen habe, waren einfach nur spannend. So aber leider nicht mit ihrem aktuellsten Werk …

_In Afrika entführt_

Im Schnee liegt eine tote Frau – in direkter Nähe zu einer Kindertagesstätte. Wie ist die Frau ums Leben gekommen? Wurde sie ermordet? Und wenn ja, von wem? Alles Fragen, die Annika Bentzon stark beschäftigen. Sie ist ins Mark getroffen und will diesem Fall sofort auf den Grund gehen. Doch dann platzt eine neue Schreckensnachricht in ihr Leben: Ihr Mann Thomas, der sich zurzeit mit einer Delegation in Afrika aufhält, wurde von Rebellen entführt! 40 Millionen Dollar fordern die Geiselnehmer. Völlig ausgeschlossen, dass Annika eine solche Summe aufbringt, auch wenn sie einige Millionen Kronen aus der Versicherungssumme für ihr abgebranntes Häuschen auf dem Konto hat.

Thomas‘ Kollege Jimmy Halenius übernimmt den Kontakt mit den Entführern, er verhandelt mit ihnen und zieht praktisch bei Annika ein, um immer in Reichweite zu sein, wenn ein Anruf aus Afrika kommt. Dabei kommen Annika und Jimmy sich allmählich näher.

Der Fall um die ermordete Frau ist für Annika vergessen, zu groß ist die Sorge, dass Thomas nicht wiederkommen könnte und die Frage, was dann aus den Kindern wird. Um mit Jimmy Halenius in Afrika die Geldübergabe zu machen, muss Annika sich um eine geeignete Betreuung kümmern: Ihre Mutter und ihre Schwester lehnen ab, auch wenn Annika bei ihnen zu Kreuze kriecht. Schweren Herzens fragt sie bei der Frau an, mit der Thomas sie betrogen hat und zu der er zeitweise gezogen war.

Doch in Afrika droht die Geldübergabe zu scheitern, was nun?

_Kuddelmuddel_

Zunächst beginnt das Buch wie ein ganz normaler Kriminalfall, nämlich mit dem Fund einer Frauenleiche. Annikas journalistisches Gespür ist geweckt, gibt es vergleichbare Fälle in Schweden? Haben sie es gar mit einem Serientäter zu tun? Oder handelt es sich schlicht und einfach um häusliche Gewalt? Bevor Annika diese Fragen klären kann, erreicht sie die Nachricht, dass ihr Mann Thomas entführt worden ist. Ihre Welt bricht zusammen, was soll nun aus ihr werden? Und vor allem aus den Kindern?

Annika kratzt alles Geld zusammen, um eine vernünftige Lösegeldsumme zusammen zu bekommen. Gleichzeitig verhandelt Jimmy Halenius mit den Rebellen, um ihnen klar zu machen, dass ihre Forderungen völlig überzogen sind. Dann jedoch wird eine Geisel ermordet – für Thomas wird die Situation immer brenzliger, immer gefährlicher, Annika muss sich beeilen.

Obwohl sie sich schrecklich um Thomas sorgt, nagen die ersten Zweifel an ihr: Wieso ist er eigentlich mit dieser Delegation nach Afrika geflogen? Hat es mit der jungen, gutaussehenden Frau zu tun, die dabei war? Betrügt Thomas sie gar wieder? Immer mehr fühlt sie sich zu Thomas‘ Kollegen hingezogen – was ist hier bloß los?

In einem anderen Handlungsstrang begleiten wir Anders Schyman, Annikas Chef beim Abendblatt, der die Lösegeldsumme aus Zeitungsgeldern erheblich aufstockt, wenn Annika verspricht, ihm eine Exklusivgeschichte zu liefern. Zeitgleich versucht er, die Auflage durch die Berichterstattung über die toten Frauen in die Höhe zu pushen, merkt aber, dass er gar nicht mehr der Richtige ist für den Job und reicht kurzerhand seine Kündigung ein.

Spätestens jetzt wird klar, dass Liza Marklund sich offensichtlich nicht entscheiden konnte, worüber sie überhaupt schreiben will – sollte es ein Buch über einen Entführungsfall werden? Oder über die Sensationsgier der Journalisten? Oder über einen vermeintlichen Serienmörder, der in Schweden Frauen tötet? Die Geschichte franst total aus, mal liefert uns Marklund neue Infos zu den toten Frauen, dann aber geht es über weite Strecken wieder um Thomas‘ Entführung. Als sie schließlich noch beginnt, Anders Schymans Zwiespalt zu thematisieren, reichte es mir komplett. Aus meiner Sicht hätte sie sich mal für ein Thema entscheiden und sich darauf konzentrieren sollen. Dadurch, dass die Serienmorde nur nebenbei abgehandelt werden, bleibt diese Geschichte völlig nebulös, und gleichzeitig bremst sie den eigentlichen Handlungsstrang rund um Thomas‘ Entführung komplett aus.

Sehr wirr fand ich auch die Handlungen der einzelnen Charaktere – man muss schon sehr gut in der Geschichte um Annika Bengtzon drinstecken, um Liza Marklund folgen zu können, denn sie selbst praktisch alles aus Annikas Vergangenheit voraus, wiederholt lediglich mehrfach, dass ihr Exfreund Sven einst ihr kleines Kätzchen ermordet hat, aber alles andere wird vorausgesetzt. Kennt man andere Bücher aus der Reihe, wird einiges klarer, aber wer direkt mit diesem Buch einsteigt, dürfte komplett verwirrt sein: Welche Kämpfe ficht Annika mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus? Was ist da in ihrer Ehe mit Thomas los? Und was ist das für ein Häuschen, das abgebrannt ist? Nichts davon klärt Liza Marklund auf, dieses Wissen muss man aus früheren Romanen mitbringen. Vor dem Hintergrund von Annikas Vorgeschichte wird vielleicht halbwegs verständlich, wie merkwürdig sie manchmal reagiert, dass sie plötzlich mit Jimmy Halenius in die Kiste springt und vor allem, wie sie am Ende des Buches reagiert. Ich fand das alles nicht sonderlich glaubwürdig. Besonders lächerlich fand ich Annikas Verhalten in Afrika. Anders Schyman hat ihr unter anderem aufgetragen, ein Videotagebuch zu drehen. In Afrika allerdings bringt Annika sich und ihre Begleitung zweimal in eine sehr brenzlige Lage, weil sie in den dämlichsten Situationen ihre Videokamera rauskramt. Hier benimmt sie sich dermaßen dämlich, dass ich das nicht mehr nachvollziehbar fand-

Auch Anders Schymans Verhalten fand ich schwer zu durchschauen, für mich kam seine Kündigung aus heiterem Himmel, irgendwie passte der Handlungsstrang rund um seine Karriere, sein Tun und Wirken beim Abendblatt überhaupt nicht hierher.

_Was für ein Flopp_

Es bleibt dabei: Entweder ich versinke komplett in Liza Marklunds Büchern oder sie langweilt mich mit ihren Geschichten halb zu Tode. Letzteres war leider bei ihrem neuesten Werk der Fall. Hätte sie sich auf den Entführungsfall, der wirklich über weite Strecken auch spannend und ergreifend ist, in den Mittelpunkt gestellt und alles Drumherum weggelassen, hätte ein spannendes Buch draus werden können. So aber zerfasert die Handlung komplett, mir ist bis zum Schluss nicht klar geworden, was der Fall um den Serienmörder hier zu suchen hatte und auch diese ganze Diskussion rund um die Auflage der Zeitung, fand ich einfach nur überflüssig. Sehr schade, dieses Buch hatte definitiv Potenzial, aber aus meiner Sicht verschenkt Liza Marklund das komplett!

|Gebunden mit Schutzumschlag, 384 Seiten
Originaltitel: Du Gamla, du fria
Aus dem Schwedischen von Anne Bubenzer, Dagmar Lendt
ISBN-13: 9783550087523|
http://www.ullsteinbuchverlage.de

McDermid, Val – Alle Rache will Ewigkeit

_Story:_

Für Magda Newsam soll mit der Eheschließung endlich ein neuer, unabhängiger Lebensabschnitt beginnen. Doch noch vor der Hochzeitsnacht wird ihr Bräutigam Philip während der Feierlichkeiten ermordet und hinterlässt die junge Witwe ratlos. Die Spur führt direkt zu Philips Geschäftspartnern Paul Barker und Joanna Sanderson, die in der gleichen Nacht bei einer wilden Orgie ertappt werden und offenbar vertuschen wollten, dass sie im Hintergrund zwielichtige Geschäfte geführt haben, um in die eigene Tasche zu wirtschaften – und der Ermordete soll dies gewusst und mit Verrat gedroht haben.

Die Sache scheint auch den Richtern klar, die Joanna und Paul nun den Prozess machen. Doch ausgerechnet Magdas Mutter Corinna will nicht glauben, dass sich die Ereignisse so zugetragen haben. Schließlich beauftragt sie ihre ehemalige Studentin Charlotte Flint, die als Profilerin jüngst großen Schaden davongetragen hat. Mit einem Gutachten boxte sie einen offenkundig unschuldig angeklagten Mordverdächtigen aus der Patsche, musste später jedoch miterleben, wie der Klient vier Frauen umbrachte. Eine Rehabilitation wäre dringend vonnöten, um ihren Ruf wiederherzustellen – und gerade deshalb kommt Corinna Newsams Angebot auch zur richtigen Zeit.

Doch die Spurensuche erweist sich als äußerst schwierig, da Corinna bereits den Verdacht hegt, Magdas neue Liebhaberin Jay sei in die Sache verstrickt. Anhand eines mündlichen Dossiers erläutert sie ihrer einstigen Studentin am Oxford-College, dass die neue Partnerin eine Blutspur hinter sich herzieht und bereits mehrere Leichen auf ihre Kosten gehen. Charlie sieht die logischen Parallelen, will sich davon jedoch nicht blenden lassen und begibt sich schließlich auf die Suche.

Derweil nutzt sie die Gelegenheit, um ihre aufregende Internetbekanntschaft Lisa Kent aufzusuchen und zu sehen, inwiefern ihre Gefühle für Dr. Flint echt sind und ob es erstrebenswert ist, ihre treuherzige Partnerin Maria zu verlassen, um sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Oft genug wird sie von diesen Gedanken angespornt, doch gleichzeitig kümmert sie sich um die heimlichen Ermittlungen, die immer weitere Skandale ans Licht bringen und die Autorin Jay Stewart zur einzig möglichen Verdächtigen für gleich mehrere Mordfälle machen.

Doch je weiter sich Flint in die Sache hineindenkt, desto widersprüchlicher scheinen die Argumente. Also muss sie ganz weit in die Vergangenheit reisen, auf ihr Glück vertrauen und schließlich mit absurden Mitteln den Fall lösen – allerdings wird genau dies zur größten Gefahr, der sich die Psychologin bis dato ausgesetzt hat …

_Persönlicher Eindruck:_

Standalone-Roman von Val McDermid sind immer eine recht eigenwillige Sache. Zu sehr hat man sich inzwischen an ihren Protagonisten Tony Hill gewöhnt, als dass man sich von dem Gedanken lösen könnte, der inzwischen Erfolg garantierende Hauptdarsteller könnte mit seiner Abstinenz genügend Spielraum für eine wirklich starke, unabhängige Story schaffen. In „Alle Rache will Ewigkeit“ hat die Bestseller-Autorin tatsächlich große Mühe, einen Spannungsbogen zu kreieren und ihre Figuren insofern sympathisch für den Leser zu machen, dass dieser hier auch ein paar Identifikationswerte erkennt, die ihn schließlich an die Story binden.

Gerade im ersten Drittel des Romans schleppt sich die Handlung zu uninspiriert vorwärts und enttäuscht mit einigen Längen, die zwar zu einem späteren Zeitpunkt eine logische Erklärung erfahren, den Genuss jedoch merklich trüben, weil man nie so recht sehen kann, was McDermid im Schilde führt und wie aus den geschaffenen Voraussetzungen eine wirklich gute Kriminalgeschichte entwachsen soll. Erst im Schlussabschnitt nimmt die Sache Fahrt auf, wirkt aber phasenweise wie ein alibimäßiges Plädoyer, um die teilweise übermäßig ausgedehnten Teilstränge als notwendig zu rechtfertigen. Doch gerade im Hinblick auf die eigentlich überflüssigen Beziehungsgeflechte der hauptsächlich lesbischen Hauptfiguren wäre eine Beschränkung auf die wesentlichen Punkte oftmals von Vorteil gewesen.

Zunächst versucht die Autorin jedoch, ihre Charaktere mit viel Liebe zum Detail aufzubauen. Im Fokus ist dabei Charlotte ‚Charlie‘ Flint, die seit einiger Zeit Mail-Kontakt zu einer Frau hat, von deren Art sie sich magisch angezogen fühlt. Der Zwiespalt, ob sie an ihrer treuen Beziehung festhalten oder doch lieber das riskante Abenteuer wagen soll, frisst sie auf. Gleichzeitig leidet sie sehr an ihrer jüngsten beruflichen Vergangenheit, da sie indirekt dazu beigetragen hat, dass ein unberechenbarer Psychopath vier Frauen um die Ecke bringen konnte.

All diese Gedanken spielen auch weiterhin eine Rolle, als sie eine verschlüsselte Nachricht enthält, die sie zu ihrer früheren Dozentin Corinna Newsam führt – und ihr in allerlei Hinsicht eine neue Chance bereitet. Nun kann sie offiziell die Nähe zu Lisa suchen, kann ihren Fauxpas ausgleichen, kann etwas Distanz zu Maria aufbauen, um sich ihrer Gefühle klar zu werden, gleichzeitig aber auch ihre persönlichen Interessen ausleben, da es ihr verlockend scheint, die polarisierende Jay Stewart ins Abseits zu drängen. All diese Motive kulminieren bei den Ermittlungen und sind grundsätzlich eine ausreichende Basis, um einen sehr emotionalen, spannenden Thriller zu kreieren.

Doch allzu oft vermasselt McDermid diese Gelegenheit, indem sie sich zu sehr in vermeintlich wichtige, aber schlussendlich fast belanglose Entwicklungen innerhalb der Story hineinsteigert. Die Techtelmechtel zwischen Charlie und Lisa verleihen der Erzählung keine Impulse, die Spannung, die zwischen beiden besteht, ist recht bald ein lästiger Nebeneffekt. Aber auch die übrigen homosexuellen Liebschaften vertiefen sich zu sehr in Klischees und scheinen zumeist lediglich dazu verwendet worden zu sein, die gleichgeschlechtliche Emanzipation voranzubringen. Doch dazu ist schon etwas mehr nötig, als hier und dort ein paar Pro-Statements abzugeben und sie einfach so stehenzulassen.

Die nächste interessante, später aber nicht mehr so gut umgesetzte Alternative, die McDermid für „Alle Rache will Ewigkeit“ gewählt hat, ist der Text im Text. Im steten Wechsel erfährt man aus der Autobiografie von Jay Stewart, welche Gedanken die Tatverdächtige plagen, wie sie ihre Kindheit verbracht hat, was sie aus ihrer Sicht während der Phasen der Mordkomplotte getan hat, usw. Dieses Element weckt zu Beginn noch Interesse, da die Geschichte auf zwei Ebenen gut funktioniert. Doch auch hier verliert die Autorin irgendwann den Pfaden und setzt nicht mehr die nötigen Akzente.

Die Rettung für Val McDermid besteht am Ende darin, dass sie mit der Kraft ihrer Worte noch eine Menge herausreißen kann und sich daher auch auf ihre stilistische Raffinesse verlassen darf. Trotz der inhaltlichen Schwächen ist der Roman sehr intelligent und einfach gut geschrieben, weshalb man auch problemlos bei der Stange bleibt und keine gezielte Abneigung entwickelt. Doch man hat an eine solch namhafte Schreiberin natürlich auch eine etwas höhere Erwartung, was die Story und vor allem die kriminalistischen Passagen betrifft. Und diesbezüglich ist „Alle Rache will Ewigkeit“ nicht auf dem Niveau angesiedelt wie so manch anderer Roman aus der Feder von Val McDermid!

|576 Seiten, broschiert
Originaltitel: Trick of the Dark
Übersetzung: Doris Styron
ISBN-13: 978-3426509937|
http://www.droemer-knaur.de
http://www.val-mcdermid.de

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_Val McDermid auf |Buchwurm.info|:_
[„Echo einer Winternacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=703
[„Das Lied der Sirenen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1498
[„Schleichendes Gift“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5727
[„Nacht unter Tag“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6201
[„Das Moor des Vergessens“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6607
[„Die Erfinder des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6608
[„Schlussblende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6609
[„Ein kalter Strom“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6662
[„Tödliche Worte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7781

Agatha Christie – Das Eulenhaus

Ein Wochenende auf dem englischen Land endet für einen der Teilnehmer tödlich. Ebenfalls eingeladen ist Detektiv Hercule Poirot, der wieder einmal vor dem Problem steht, dass eigentlich sämtlichen Anwesenden ein Motiv und eine Gelegenheit unterstellt werden kann … – Der 22. Poirot-Krimi präsentiert nicht nur ein raffiniertes Mord-Rätsel, sondern ist auch ein dichter, erstaunlich modern wirkender Psycho-Thriller, der spannend verdeutlicht, wieso Agatha Christie weiterhin lesenswert ist & gelesen wird.
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Dan Waddell – Das Erbe des Blutes

Das geschieht:

Als auf dem Gelände der St. John’s Church im Londoner Stadtteil Kensington der Broker James Darbyshire erstochen und ohne seine Hände gefunden wird, geht der Fall an die Metropolitan Police und dort an Chief Inspektor Grant Foster von der Mordkommission West-London. Mit seinen Kollegen Inspektor Andy Drinkwater und Sergeant Heather Jenkins nimmt er die Ermittlungen auf, die aufgrund mangelhafter Indizien ins Leere zu laufen drohen, bis Foster auf der Brust der Leiche eine eingeritzte Botschaft entdeckt.

Was „1A137“ bedeutet, weiß Sergeant Jenkins, die sich für Familiengeschichte interessiert: Es ist der Verweis auf eine alte Sterbeurkunde. Um sich die Arbeit zu erleichtern, heuert das Team den Ahnenforscher Nigel Barnes an, dessen Job es ist, in uralten Akten und Büchern zu fahnden.

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Koppel, Hans – Entführt

Skandinavische Spannungsliteratur sprießt schon fast wie Unkraut aus dem Boden – glücklicherweise finden sich in diesem Dschungel an Neuerscheinungen auch immer wieder einige sehr bemerkenswerte Blumen. Ob wohl Hans Koppels Debütwerk „Entführt“ auch dazu gehört?

_Nebulöse Nachbarschaft_

An einem ganz normalen Tag verabschiedet sich Ylva von ihren Kollegen, um schnell zurück nach Hause zu ihrem Mann Mike und ihrer Tochter Sanna zu kommen. Mit dem Bus möchte sie nach Hause fahren, doch dann hält plötzlich ein Auto neben ihr. Vermeintlich alte Bekannte sprechen Ylva an und überreden diese, sie nach Hause zu bringen. Ylva willigt ein und wird diese Entscheidung bitter bereuen, denn sie ist in das Auto ihrer Entführer gestiegen. Ein Ehepaar sperrt sie in einen schalldicht isolierten Keller ein, in direkter Nachbarschaft von Ylvas Familie. Über einen kleinen Monitor kann sie auf der Straße die Bewegungen ihres Mannes und ihrer Tochter verfolgen, sie beobachtet, wie diese das Haus verlassen, wieder zurückkehren, abends Licht machen und sich durchs Haus bewegen. Mike und Sanna sind so nah und doch kann Ylva sie nicht verständigen, nicht um Hilfe rufen und sich nicht wehren. Das Ehepaar will Ylva büßen lassen für ein Ereignis, das viele Jahre zurückliegt und das Ylva nur vergessen wollte. Über Monate hinweg wird sie gefangen gehalten, ausgebeutet und vergewaltigt.

Nur wenige Häuser weiter bangt Mike um das Leben seiner Frau. Am Abend von Ylvas Verschwinden macht er sich noch keine Sorgen, hatte seine Frau doch angekündigt, nach Feierabend eventuell mit ihren Kollegen noch etwas trinken zu gehen. Als sie am nächsten Morgen allerdings noch nicht zuhause ist, fürchtet Mike zunächst, sie habe wieder eine Affäre. Erst nach und nach dringt der Gedanke zu ihm durch, ihr könne etwas passiert sein. Er meldet Ylvas Verschwinden der Polizei, als betrogener Ehemann steht er aber schnell als Hauptverdächtiger da. So kämpft Mike nicht nur darum, sein Leben mit Sanna neu zu organisieren und um seine Frau zu trauern, sondern auch darum, sich der Polizei und der Öffentlichkeit gegenüber zu verteidigen. Mit der Zeit glaubt er nicht mehr daran, dass seine Frau je zurückkommen könnte.

Doch ein ehemaliger Mitschüler Ylvas – Calle – verfolgt in den Medien die Berichte um die ehemals berüchtigte Viererbande, zu der auch Ylva gehörte: Nach und nach kommen die drei jungen Männer, die einst zu der Viererbande zählten, ums Leben. Besteht ein Zusammenhang?

_So nah und doch so fern_

Hans Koppel steigt direkt ein, ohne viele Umwege. Schnell schildert er den Mord an einem Mann, der eigentlich eine Internetbekanntschaft treffen wollte. Kurz darauf folgt Ylvas Entführung – die Situation scheint aussichtslos. Die junge Frau ist in einem schalldichten Keller weggesperrt und den Launen eines Ehepaars ausgeliefert, ohne dass eine Chance zur Flucht besteht. Gleich zu Beginn eröffnet Koppel weitere Handlungsstränge, neben dem um Ylva und ihren Mann auch den sehr entscheidenden Handlungsstrang um Ylvas ehemaligen Mitschüler Calle, der aufzuhorchen beginnt, als er vom ersten Tod innerhalb der Viererbande liest. Durch den schnellen Wechsel zwischen den Handlungssträngen baut Hans Koppel schnell Spannung auf und auch dadurch, dass man als Leser natürlich wissen möchte, welches Motiv das Ehepaar verfolgt, wird man an den Thriller gefesselt. Etwas aufatmen kann man in den Passagen, die sich um Mike und Sanna drehen, denn die beiden versuchen, sich ohne Ylva zu arrangieren und sich ein neues Leben aufzubauen. Bald kommt eine neue Frau ins Spiel und das Leben nimmt seinen Lauf. Der Gegensatz zwischen der scheinbaren Familienidylle und der harten Realität im Keller könnte größer kaum sein. Während Mike beginnt, seine Trauer abzulegen, verzweifelt Ylva immer mehr, denn sie merkt, dass ihren Entführern, und damit auch ihr, die Zeit davon rennt.

Über weite Strecken ist „Entführt“ unglaublich spannend und durch die kurzen Kapitel, die nur spärlich bedruckten Seiten und die große Schrift fliegt man nur so durch das Buch beim Lesen. Doch ganz ehrlich: Der Mittelteil schleppt sich ziemlich dahin. Ylva ist entführt, Mike wird als Mörder verdächtigt, aber auch nur so gerüchteweise, denn es gibt keine offiziellen Ermittlungen gegen ihn (ohne Leiche gibt es ja auch keinen wirklichen Fall), an die Vergewaltigungen und das Psychospiel der Entführer hat man sich fast schon gewöhnt und dann passiert nichts weiter. Koppel schaltet zwischen Mike und Ylva hin und her, erzählt einmal von Mikes Alltag und auf der anderen Seite von Ylvas Leben im Keller, in dem es strikte Regeln zu befolgen gilt. Aber es passiert nichts Neues. Weder steigern die Entführer ihre Grausamkeiten, noch streut Koppel Informationen ein, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, das Motiv zu entschlüsseln.

Spannend wird es erst wieder, als Mike zufällig auf Ylvas Entführer trifft und Vertrauen zu ihm fasst. Hier zieht Koppel wieder das Tempo an. Wie er am Ende aber alles auflöst, wirkt wie in einem recht gewöhnlichen Actionfilm – das Motiv hinter der Tat schildert er uns im Nachklapp des Buches, entschieden hatte sich aber vorher schon alles. Das konnte mich nicht so sehr überzeugen.

Auch die Charaktere konnten mich nicht wirklich begeistern. Auf der einen Seite haben wir die gutaussehende Ylva, die ihren Mann nachgewiesenermaßen bereits einmal betrogen hat und die es wohl mit der Treue nicht so ernst zu nehmen scheint. Und auf der anderen steht Mike, der seine Frau liebt und zu ihr steht, der aber nach ihrem Verschwinden allzu schnell alle Hoffnung aufgibt, seine Frau je wiederzusehen. Mir ging das alles zu schnell. Nach den vielen gemeinsamen Jahren kann ich mir nicht vorstellen, dass man schon nach wenigen Wochen zum Alltag übergehen und die Hoffnung aufgeben kann. Würde ein Ehemann nicht insgeheim immer darauf hoffen, seine Frau könne noch am Leben sein und eines Tages zurückkehren? Mir persönlich war Mike etwas zu schwach, Ylva dagegen zu eiskalt. Wie sie sich mit der Situation im Keller arrangiert und wie sie ihrem Entführer zu Diensten ist, war irgendwie übertrieben und wenig glaubwürdig.

_Blume oder Unkraut?_

„Entführt“ ist beides nicht so recht: Was am Anfang wie eine strahlende Blume wirkte, die meine Aufmerksamkeit völlig gefangen nahm, wandelte sich streckenweise zu eher lästigem Unkraut. Insgesamt dürfte das Buch im Dschungel der Neuerscheinungen wohl untergehen, zu wenig hebt es sich vom Einheitsbrei ab. Die Charaktere wirken lieblos und wenig authentisch, die Spannung lässt im Mittelteil sehr zu wünschen übrig und auch die Idee hinter dem Ganzen ist alles andere als neu. Hans Koppels Debütwerk unterhält für einige wenige Stunden (auch wenn es rund 350 Seiten hat, so ist das Buch aufgrund des luftigen Layouts in drei bis vier Stunden durchgelesen), wird aber eher nicht im Gedächtnis bleiben. Schade, der Beginn war vielversprechend, da hätte mehr draus werden können.

|Klappenbroschur: 352 Seiten
Originaltitel: Kommer adrig mer igen
Telegram Bokförlag
Aus dem Schwedischen von Holger Wolandt
ISBN-13: 978-3-453-26760-2|
http://www.heyne.de

Haynes, Elizabeth – Wohin du auch fliehst

_Inhalt_

Cathy lernt in jungen Jahren den charmanten und gutaussehenden Türsteher Lee kennen. Er ist zuvorkommend und liebevoll, doch irgendwann wendet sich das Blatt und er mischt sich immer mehr und mehr in ihre Angelegenheiten ein, er ist eifersüchtig und schreibt ihr vor, was sie zu tun und zu lassen hat. Er entpuppt sich als aggressiver Schläger. Bis es eines Tages zum Eklat kommt.

Jahre später beherrscht die Vergangenheit immer noch Cathys Leben und sie leidet unter verschiedenen Zwängen, die sie um wertvolle Stunden ihres Lebens bringen. Sie muss immer alles kontrollieren, sie fühlt sich beobachtet und verfolgt. Als sie eines Tages Bescheid bekommt, dass Lee aus dem Gefängnis entlassen wurde, weiß sie, dass er sie suchen und auch finden wird ..

_Kritik_

„Wohin du auch fliehst“ von Elizabeth Haynes hat mich nicht von Anfang an überzeugt. Die ersten Kapitel werden lang gezogen durch die detaillierte Beschreibung von Cathys Zwangshandlungen. Sie kontrolliert stundenlang die Haustür, die Fenster und sogar das Besteck in der Küche. Es passiert nichts wirklich Aufregendes. Zwar ist diese Erkrankung von Cathy ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte, aber so weit ausschmücken hätte die Autorin es zu Beginn des Buches nicht müssen. Es ist ziemlich mühsam, am Ball zu bleiben und weiter zu lesen. Nach ein paar Kapiteln wird das Buch etwas interessanter. Es werden weitere Charaktere eingebunden und es finden zwischenmenschliche Handlungen statt.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Cathy dargestellt. Die Sätze lesen sich flüssig und das Buch ist in einer einfachen Sprache geschrieben. Die Kapitel sind nicht besonders lang, so dass einem auch mal eine Pause gegönnt ist. Die Charaktere und die Örtlichkeiten sind detailliert beschrieben, so kann man sich vieles bildlich vorstellen. Die Geschehnisse werden abwechselnd aus dem Jahr 2003 und 2007 beschrieben. Man bekommt einen tieferen Einblick in die Erlebnisse, die Cathy damals hatte und die sie zu dem Menschen hat werden lassen, der sie nun ist.

Die Protagonistin Cathy wird zuerst als schwach und etwas durchgeknallt dargestellt. Als sie aber mit ihrem Nachbarn Stuart langsam anbändelt, fasst sie wieder etwas Vertrauen in andere Personen und versucht ihre Zwänge mit Hilfe eines Therapeuten in den Griff zu bekommen.

Nach dem, was man erfährt, kann man nach und nach mehr verstehen, warum Cathy immer Angst hat und sie alles kontrollieren muss. Ihr Ex-Freund Lee war ein äußerst intriganter und brutaler Kerl, der die Frauen einfach besitzen wollte. Er ließ sie nicht aus den Augen und wusste immer, was sie tat. Kein Wunder, dass Cathy sich immer noch beobachtet fühlt. Und als sie erfährt, dass Lee aus dem Gefängnis entlassen wurde, wird sie das Gefühl nicht mehr los, dass er sie besuchen wird.

_Autorin_

Elizabeth Haynes wuchs in Seaford, Sussex auf und studierte an der Leicester University Englisch. Deutsch und Kunstgeschichte. Sie arbeitet als Fallanalytikerin bei der Polizei und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Kent. „Wohin du auch fliehst“ ist ihr erster Roman. (Verlagsinfo)

_Fazit_

„Wohin du auch fliehst“ von Elizabeth Haynes ist meines Erachtens ein eher durchschnittlicher Psychothriller. Er ist weist einige spannende Stellen auf, aber durchweg gefesselt hat mich die Lektüre nicht. Da es sich aber um einen Debütroman handelt, kann man eigentlich nicht viel meckern.

|Taschenbuch: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3453355859
Originaltitel: Into the Darkest Corner
Übersetzt aus dem Englischen von Christiane Winkler|
[www.diana-verlag.de]http://www.diana-verlag.de

John Dickson Carr – Das Skelett

Carr Skelett Cover kleinDas geschieht:

Eigentlich ist die Tragödie von Fleet House längst in Vergessenheit geraten. Dort in der englischen Grafschaft Berkshire stürzte von zwanzig Jahren unter nie wirklich geklärten Umständen Hausherr Sir George Fleet vom Dach und in den Tod, als er nach einer Jagdgesellschaft Ausschau hielt. Jetzt erreichten drei anonyme Briefe Scotland Yard, die einen raffinierten Mord als Ursache andeuten.

Unwillig muss Chefinspektor Masters den längst ‚kalten‘ Fall wieder aufrollen. Leider kleidete der Briefschreiber seine Worte in Rätselform. Zwecks Deutung bittet Masters seinen alten Freund Sir Henri Merrivale um Unterstützung, der sich als Privatermittler der unkonventionellen aber erfolgreichen Art einen Namen gemacht hat. Eines der Rätsel rankt sich um ein bizarres Objekt: eine alte Standuhr, deren Gehäuse kein Uhrwerk, sondern ein sorgfältig fixiertes Skelett beherbergt. Merrivale hat es ersteigert und dabei erfahren, dass seine Mitbieterin Sophie, Gräfin von Brayle, eine enge Freundin von Lady Cicely, Fleets Witwe, ist. Die seltsame ‚Uhr‘ sollte an den Hausarzt Dr. Laurier gehen, dessen Vater sie einst baute. John Dickson Carr – Das Skelett weiterlesen

Holt, Anne – Gotteszahl

_Story:_

Der Mord an der renommierten, aber aufgrund ihrer teils radikalen Meinungen umstrittenen Bischöfin Eva Karin Lysgaard beschäftigt Presse und Medien gleichermaßen. Yngvar Stubø vom Osloer Kriminaldezernat wird nach Bergen berufen, um dem Mann und dem gemeinsamen Sohn der Verstorbenen auf den Zahn zu fühlen – doch beide hüllen sich in Schweigen. Fast parallel zum rätselhaften Verbrechen wird im Osloer Hafenbecken ein homosexueller Asylant tot aufgefunden. Und auch der Tod des drogensüchtigen Künstlers Niclas Winter scheint nicht suizidaler Natur zu sein. Insgesamt beschäftigen immerhin sechs rätselhafte Todesfälle die norwegischen Kriminalisten, jedoch besteht keine einzige Spur zu Tätern, Verdächtigen oder grundlegenden Motiven. Ausgerechnet Yngvar Stubøs Ehefrau Inger Johanne Vik, die ebenfalls als Beraterin mit den Ermittlern zusammenarbeitet, stößt schließlich auf eine Paralelle: Alle Opfer haben eine homosexuelle Vergangenheit. Doch was ist mit der ermordeten Bischöfin? Wie passt sie in dieses Raster? Und warum hüllt sich ihr Witwer Erik Lysgaard in konsequentes Schweigen?

_Persönlicher Eindruck:_

Anne Holt und ihre Charaktere: Nachdem sie Hanne Wilhelmsen verletzungsbedingt in Rente geschickt hat, konnte die norwegische Bestseller-Autorin mit Yngvar Stubø und seiner Frau Inger Johanne Vik relativ schnell zwei neue Serienfiguren etablieren, die sowohl in ihren literarischen Ermittlungsarbeiten, als auch auf privater Ebene von vornherein eine richtig gute Figur abgegeben haben. In ihrem vierten gemeinsamen Abenteuer stoßen die beiden jedoch erstmals auf Widerstand. Denn rein inhaltlich verrennt sich ihre Schreiberin viel zu häufig in verwirrenden Entwicklungen, die auch durch den rasanten Schlussteil nicht mehr angemessen aufgearbeitet werden können.

Bereits in den ersten Kapiteln tauchen reichlich Fragen auf: Warum zum Beispiel beschreibt Holt derart viele Charaktere, nimmt sich aber nie einmal die Zeit, ihnen auch Raum und Zeit zu gönnen, Zutritt in die Story zu bekommen? Und wie soll man überhaupt folgen können, wenn so viele düstere Szenarien aneinandergereiht werden, die (zumindest anfangs) in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen. Da erfährt man vom reichen Erben Marcus Kroll, der irgendein Geheimnis mit sich trägt. Man lernt den schweigsamen Erik Lysgaard un seinen hilflos anmutenden Sohn Lukas kennen, die auch mehr zu sagen hätten, als sie Yngvar Stubø gegenüber preisgeben. Man erfährt von einer komischen Anwaltskanzlei, die nicht wirklich in die Gänge kommt. Überdies wird die Familie der Protagonisten immer mal wieder beleuchtet, vor allem ihre autistische Tochter Kristina, die schließlich auch noch eine besondere Position im Plot zugeschoben bekommt. Aber irgendwie läuft alles nebenher, findet nicht zueinander. Selbst wenn die Übergänge zwischen den einzelnen Sinnabschnitten immer wieder gekonnt entworfen werden, steht man oft vor einer riesigen, schier unüberwindlichen Logik-Mauer. Was hat das alles miteinander zu tun?

Erst zu einem sehr späten Zeitpunkt lässt Kollegin Holt den Zufall entscheiden und sorgt dafür, dass die Puzzlestücke langsam Verwendung finden. Doch die Art und Weise, wie die offenkundige Mordserie aufgeklärt wird, ist sehr stark konstruiert und erschließt sich nicht auf glaubwürdigen Wegen. Eher zufällig nimmt Inger Johanne wieder Kontakt zu einer alten amerikanischen Freundin auf, die ihr von einer religiösen, radikalen Vereinigung berichtet, den 25ers. Und auch wenn biss dahin nie ein Wort über rassistische Motive gefallen ist, nimmt genau diese Tatsache den Roman mit einem Mal in Beschlag, somit auch die weibliche Hauptakteurin, und führt schließlich zur Lösung vieler inhaltlichen Ungereimtheiten. Nicht der smarte Way, Frau Holt, zumindest nicht, wenn man sich vorab bereits durch zwei Drittel des Buches gekämpft hat und viele Ereignisse mit einem Mal bedeutungslos erscheinen.

Doch genau so künstlich sind leider viele Passagen des Romans aufgebaut, vor allem in der Mitte von „Gotteszahl“. Immer wieder kommen urplötzlich neue Fakten zum Vorschein, die eine enorme Tragweite haben, aber ziemlich ruckartig in die Story eingeflochten werden. Nahezu alle entscheidenden Tatsachen schleichen sich aus dem Hinteerhalt an und müssen nicht, wie es der Krimi-Leser ja eigentlich bevorzugt, langsam erarbeitet werden – und das ist schließlich auch das große Manko dieser Erzählung.

Dabei könnte es sich die Autorin so einfach machen. Die Detailliebe könnte weniger verworren an den Leser herangetragen werden, die Charaktere könnten bei einem etwas stringenteren Abriss wesentlich zugänglicher gemacht werden, und auch die sicher gut durchdachten Verstrickungen unter den zahlreichen Personen würden mehr Spaß machen, wenn sie verständlicher dargestellt wären. Doch diese Chancen verbaut sich Anne Holt alleine dadurch, dass sie alle Fakten immerzu in den Vordergrund rücken möchte, dabei aber übersieht, dass man irgendwann nicht mehr wirklich folgen kann.

Insofern ist „Gotteszahl“ nicht der verdiente Bestseller-Kandidat, den man von der renommierten Erfolgsautorin erwarten würde. Eher ist es ein anständiger Krimi, der sich jedoch in vielen Passagen in sich selbst verliert und sich inhaltlich das Leben viel zu schwer macht!

|Taschenbuch: 464 Seiten
Originaltitel: Pengemannen
ISBN-13: 978-3492273619|
http://www.piper-verlag.de

_Anne Holt bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Wahrheit dahinter“ 1523
[„Was niemals geschah“ 1971
[„Der norwegische Gast“ 5168
[„Der norwegische Gast“ (Lesung) 5923

Agatha Christie – Der Tod wartet

Der scheinbare Herztod einer alten, bösen Frau erweist sich als geschickter Mord; es bedarf des Meisterdetektivs Hercule Poirot, um eine bunte Schar von Verdächtigen zu vernehmen und dann eine unerwartete Lösung zu präsentieren … – In morgenländisch exotischer Kulisse aber strikt den klassischen Regeln des „Whodunit“ gehorchend, löst Poirot seinen 18. Fall: zeitlos spannendes Krimi-Handwerk der Oberklasse.
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Michael Crichton / Richard Preston – Micro

_Die Handlung:_

Eine Gruppe von Studenten wird von einem Unternehmen für den Einsatz an der Front der Mikrobiologie rekrutiert. Die streng geheime Arbeit führt die Forschungstalente nach Hawaii. Hier sehen sie sich nicht nur einer erbarmungslosen Natur, sondern auch einer radikalen neuen Technik gegenüber, die die Gruppe schnell beherrschen lernen muss, will sie nicht für immer in den undurchdringlichen Wäldern Oahus verschwinden … (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

Das ist es nun, das wirklich letzte Buch, an dem Michael Crichton bis zu seinem Tod im Jahr 2008 gearbeitet hat. Gut ein Drittel hatte er zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt. Sein Verlag engagierte Richard Preston, um aus den restlichen Aufzeichnungen und Notizen einen kompletten Roman zu fertigen.

Aber, hatte Michael Crichton nicht schon mal einen Roman über winzige Naniten geschrieben, die im Rudel gejagt haben? Hat er und das Ergebnis hieß BEUTE. Nun wollte Crichton aber nach eigenen Angaben mal wieder eine Geschichte erzählen, die in Richtung JURASSIC PARK geht und deshalb wurden seine sieben Helden auch in einen Urwald verfrachtet, in dem sie ums Überleben kämpfen müssen. Von großen Uraltmonstern also hin zu winzigen neumodernen Monstern. Die Größenverhältnisse aber bleiben dennoch, denn im Laufe der Geschichte werden die Protagonisten geschrumpft und jedes Insekt wird zur Bestie.

Ob sich Crichton bei seinem Teil von MICRO von „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ hat inspirieren lassen oder von Klassikern des SciFi-Films wie „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, wir werden es nie erfahren. Parallelen sind aber schon zu erkennen. Zumindest bei den Teilen mit dem Schrumpfen und den Kämpfen gegen die Insekten. Denn das beschert der Bösewicht des Romans, der irre und machtbesessene Chef einer Hightech-Firma, denen, die nicht so spuren, wie er das gern hätte. Er schrumpft sie einfach und überlässt sie ihrem Schicksal.

Und so darf man hier keine epischen Charakterentwicklungen oder Beziehungsgeschichten erwarten, sondern ein „Dschungelabenteuer“ auf Oahu, einen durchgedrehten Wissenschaftler und jede Menge Spannung. Gewürzt mit den üblichen schulmeisterlichen Kurzvorträgen über das recherchierte Fachwissen des Autors, trauert der Leser im Anschluss dem Tod von Michael Crichton noch einmal nach. Denn er konnte wirklich kurzweilig unterhalten, was er hier (wenn auch nur zu einem Drittel) posthum wieder unter Beweis stellt. Die wirklich vielen und kurzen Kapitel helfen dabei auch und halten die Handlung spannend und knackig.

_Die Autoren_

|Michael Crichton| wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin; seine Romane, die in über 36 Sprachen übersetzt werden, verkauften sich mehr als 200 Millionen Mal, dreizehn davon wurden verfilmt. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Next“, „Welt in Angst“, „Timeline“, „Jurassic Park“ und „Andromeda“. Crichton, Schöpfer der Serie Emergency Room, ist bis heute der einzige Künstler, der es schaffte, mit Film, Fernsehserie und Roman gleichzeitig die ersten Plätze der Charts zu belegen. Crichton, der seit Mitte der Sechzigerjahre Romane schrieb, griff immer wieder gekonnt neueste naturwissenschaftliche und technische Forschungen auf. Im November 2008 starb Michael Crichton im Alter von 66 Jahren. Bis zuletzt hat er an seinem neuen Wissenschaftsthriller „Micro“ geschrieben. (Verlagsinfo)

|Richard Preston| studierte am Pomona College in Claremont, Kalifornien und graduierte summa cum laude in Englisch. Anschließend studierte Preston an der Princeton University, wo er 1983 seinen Doctor of Philosophy machte. Während des Studiums nahm er an dem Kurs The Literature of Fact teil, welcher von dem amerikanischen Schriftsteller John McPhee gehalten wurde. Dieser Kurs über das Schreiben nichtfiktiver Bücher ebnete Prestons Weg zu seiner späteren Schriftsteller-Karriere. Für sein erstes Buch „First Light“ erhielt er 1988 vom American Institute of Physics den Science Writing Award. Der Asteroid Preston ist nach ihm benannt. Richard Preston ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein jüngerer Bruder Douglas ist ebenfalls Schriftsteller. (Wikipedia)

_Mein Fazit:_

Geschrumpfte Studenten kämpfen gegen die Probleme, die man als reiskorngroßer Mensch so hat. Wer JURASSIC PARK mochte, der wird auch hier seinen Spaß haben.

|Gebunden: 550 Seiten
Originaltitel: Micro
Aus dem Englischen von Michael Bayer
ISBN: 978-3896674296|
[www.randomhouse.de/blessing]http://www.randomhouse.de/blessing/index.jsp

_Michael Crichton bei |Buchwurm.info|:_
[„Next“ 3300
[„Welt in Angst“ 880
[„Sphere – Die Gedanken des Bösen“ 698
[„Timeline“ 360
[„Gold – Pirates Latitudes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6108

Ellery Queen – Die Zange

Queen Zange Cover kleinAls die Polizei von New York in einem bizarren Mordfall, der in einer fahrenden Straßenbahn begangen wurde, nicht mehr weiterweiß, schaltet sie den ehemaligen Schauspieler und Privatermittler Drury Lane ein, der einen noch längst nicht beendeten Rachefeldzug aufdeckt … – Der erste Band der Drury-Lane-Serie bietet Rätselkrimi-Klassik vom Feinsten, auch wenn sich der Verfasser zwecks finaler Auflösung arg nach der Decke strecken muss: für Genre-Fans ein Fest, doch dieses Buch ist selten!
Ellery Queen – Die Zange weiterlesen

Strand, Jeff – Grabräuber gesucht – Keine besonderen Kenntnisse erforderlich

_“|Andrew Mayhem|“-Serie_

(2000/03) Grabräuber gesucht (Keine besonderen Kenntnisse erforderlich) |(Graverobbers Wanted [No Experience Necessary])|
(2001/03) Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte |(Single White Psychopath Seeks Same)|
(2004) |Casket for Sale [Only Used Once])|
(2009) |Suckers| (mit J. A. Konrath; Storys)
(2011) |Lost Homicidal Maniac [Answers to „Shirley”])|

_Das geschieht:_

Andrew Mayhem versucht sich als Privatdetektiv. Eine Lizenz besitzt er nicht und hat kaum Ahnung von seinem Traumjob, weshalb es immer wieder zu unerwarteten Zwischenfällen und hässlichen Zusammenstößen mit observierten Ehebrechern kommt. Chambers, eine Kleinstadt im US-Staat Florida, ist zudem kein einträgliches Pflaster für Detektive. Mayhem hat genug Zeit, seine beiden Kinder zu hüten, während Gattin Helen als Krankenschwester den Lebensunterhalt der Familie sichert.

Um endlich den Versager- und Schmarotzerstatus abzuschütteln, nimmt Mayhem einen bizarren und eindeutig illegalen Auftrag an: Klientin Jennifer Ashcroft bietet ihm 20.000 Dollar, um ihren in der Wildnis begrabenen Ehemann Michael auszubuddeln. Er wurde dummerweise mit einem Schlüssel bestattet, den sie dringend benötigt. Mayhem stellt lieber keine Fragen, sondern macht sich mit seinem widerwilligen Assistenten und Busenfreund Roger an die Arbeit.

Der Job nimmt ein spektakuläres Ende: Michael schießt aus dem Sarg auf die Grabschänder und stirbt anschließend an einem Herzschlag. Ein unsichtbarer Dritter schlägt Mayhem zusammen, schießt Roger zwei Pfeile in den Leib und zerstückelt Jennifer. Mayhem schickt er Videos, auf denen Menschen grausam gefoltert und getötet werden. Der Detektiv soll ihn suchen und finden. Weigert er sich oder informiert er die Polizei, werden fünf weitere Menschen sterben.

Mayhems Ermittlungen führen ihn zur obskuren Firma „Makabre Freuden“, der Michael Ashcroft als Geschäftsführer vorstand. Wie Mayhem herausfindet, werden hier nicht nur Horrorfilmchen gedreht. Einer der Mitarbeiter muss der Killer sein, doch leider kommt ihm Mayhem zu spät auf die Schliche und sorgt durch sein notorisches Ungeschick für eine dramatische Zuspitzung des Falls …

|Horror & Humor als bedingt erfolgreiche Mischung|

Man nehme einen simplen Krimi-Plot und polstere ihn durch möglichst schwarzen Humor sowie makabre Splatter-Effekte auf: So funktioniert „Grabräuber gesucht“ – oder auch nicht, denn noch mehr als üblich obliegt dem Leser die Entscheidung, ob ihm gefällt, was Jeff Strand da versucht. Der Autor hat sich auf ein gefährlich schmales Brett gewagt, denn man sollte sein schriftstellerisches Handwerk sehr gut beherrschen, um angesichts der genannten Mischung nicht ins Rutschen zu geraten. Strand hat nur phasenweise Erfolg und schliddert vor allem im großen Finale gefährlich ins Abseits, als er – plötzlich gar nicht mehr komisch – den Detektiv und den Killer um das Leben zweier Kinder schachern lässt, die in einer infamen Todesfalle stecken.

Generell passt ein Plot, der sich um Snuff-Filme dreht, bei denen Menschen vor laufender Kamera ermordet werden, nicht zum leichten Grundton dieses Romans. Der Humor konterkariert nicht das Grauen, sondern hinterlässt in solchen Passagen einen schlechten Nachgeschmack.

Ein Roman wie „Grabräuber“ stellt nicht nur den Leser, sondern auch die moderne Buchindustrie vor ein Problem. Wie vermarkte ich einen Roman, der nicht in eine bestimmte Schublade passt? Hier wird der komödiantische Faktor in den Vordergrund gestellt. Allerdings ist Strand nicht so geistreich wie er meint. Oder hat die Übersetzung dem ursprünglich grandiosen Witz den Garaus gemacht. Da sich die deutsche Fassung sehr flüssig liest, dürfte wohl die erste Vermutung ins Schwarze treffen.

|Humor ist … komplex|

Strand liegt im Prinzip richtig: Sein keinesfalls durch Originalität glänzendes Kriminalstück benötigt dringend ein wenig Pep. Erzählt wird nicht nur die allseits bekannte Geschichte vom ebenso irren wie genialen Killer, der ständig Rätselraten spielen will und trotzdem die Zeit findet, abenteuerliche Mordpläne in die Tat umzusetzen – erzählt wird außerdem sehr schlicht.

Über den Plot sollte man lieber nicht nachdenken, was Strand deshalb durch eingeschobene Skurrilitäten die manchmal besser – Michael Ashcrofts kurzfristige ‚Auferstehung‘ hat auf jeden Fall eine einprägsame Wirkung! -, manchmal schlechter und – immerhin selten – gar nicht gelungen sind.

Vor allem misslingt Strand die Schaffung einer Hauptfigur, die als Führer durch diese Welt der konstruierten Seltsamkeiten taugt. Schon der Name ist kein Wink, sondern ein Hieb mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl: „Mayhem“ bedeutetet Chaos, und das ist es, was unser Held entweder verbreitet oder in das er gerät. Leider kann sich Strand nicht entscheiden: Ist Mayhem das bevorzugte Opfer der Tücke des Objekts, oder steckt in ihm doch ein Kämpfer, der zum Vorschein kommt, wenn es richtig ernst wird? Doch wie erklärt sich dann, dass dieser Kämpfer immer wieder verschwindet und dem Trottel Platz macht?

|Chaot mit Familienanhang|

Mayhem zur Seite steht Kumpel Roger, der ebenfalls nicht durch Alltagstauglichkeit glänzen kann. Für einen zweiten Kampf-Trottel besteht in dieser Geschichte ohnehin kein Bedarf, weshalb Strand Roger durch einen Pfeilschuss so außer Gefecht setzt, dass er anschließend vor allem dann auftritt, wenn Mayhem seine Kinder irgendwo zwischenlagern muss.

Denn er ist ein Privatdetektiv mit Familie, die er in seine Arbeit einbezieht. Offenbar soll es witzig wirken, dass Mayhem beispielsweise zur Observation eines Friedhofes mit zwei altklugen, naseweisen Gören vorfährt. Daheim lauert selbstverständlich eine liebevolle aber strenge Gattin, die einerseits mit kurzem Geduldsfaden und andererseits unerklärlich nachsichtig Mayhems Eskapaden registriert. Auch für sie hat Strand keine Verwendung über diese Witzfunktion hinaus, weshalb er sie bald durch einen Beinbruch aus der Handlung nimmt.

|Aller Anfang ist schwer|

„Grabräuber gesucht“ zeigt Jeff Strand in der Frühzeit seiner Schriftsteller-Laufbahn. Die zur Sprache gebrachten Unbeholfenheiten mögen ihre Erklärung in dieser Tatsache finden. Zumindest im englischsprachigen Raum hat Strand in den vergangenen Jahren eine Produktivität an den Tag gelegt, die auf Publikumserfolg deuten lässt. Die „Andrew Mayhem“-Serie setzt er weiterhin fort.

Auf dem deutschen Buchmarkt ist ein erster Landeversuch anscheinend gescheitert. Nur die ersten beiden Romane erschienen; ein dritter Band wurde angekündigt; er hatte schon einen Titel („Sarg zu verkaufen – Nur einmal benutzt“), wurde aber aus dem Verlagsprogramm gestrichen. Wie es scheint, sind den Lesern die erwähnten Schwächen ebenfalls ungünstig aufgefallen.

Nun geht Jeff Strand in Deutschland in die zweite Runde. Vom Verkaufserfolg wird es abhängen, ob die Reihe dieses Mal über die volle Distanz Veröffentlichung findet. Schwächen lassen sich überwinden, und die unterhaltsamen Stellen in „Grabräuber gesucht“ sind zu zahlreich, um Zufall zu sein: Strand kann schreiben. Hier muss er noch lernen, dies ökonomisch einzusetzen und dem Gag nicht die Story zu opfern. Womöglich ist ihm dies inzwischen gelungen.

_Autor _

Geboren am 4. Dezember 1970 in Baltimore, US-Staat Maryland, zog Jeff Strand als Säugling mit seinen Eltern nach Fairbanks in Alaska. Nach deren Trennung siedelten er und seine inzwischen geborene Schwester mit der Mutter nach Kent in Ohio um. 1989 schrieb Strand sich an der „Bowling Green State University“ ein. Seinen Abschluss machte Strand im Fach Kreatives Schreiben.

Schon in seiner Studienzeit schrieb Strand Theaterstücke und Drehbücher. Ab Mitte der 1990er Jahre versuchte er sich auch an Romanen, wobei er die Genres Phantastik und Krimi gleichermaßen bediente bzw. gern mischte und sie mit schrägem Humor abschmeckte. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Manuskripte, von denen nur wenige vollendet wurden. Auch eine Veröffentlichung gelang Strand lange nicht; Seine Drehbücher wurden nie verfilmt, seine Storys und Romane abgelehnt.

Inzwischen in Tucson, Arizona, lebend und seinen Lebensunterhalt in der Erwachsenenbildung verdienend, arbeitete Strand weiter an sich und seiner Schriftstellerei. Auch diese Texte wurden nicht veröffentlicht, sodass Strand 1998 zunächst aufgab und Drehbücher für Filmkomödien schrieb, die ebenfalls keine Abnehmer fanden. Ratlos schickte er das Manuskript seines Romans „How to Rescue a Dead Princess“ an einen der zu diesem Zeitpunkt noch jungen Verlage, die sich darauf spezialisierten, Bücher nicht gedruckt, sondern als eBooks auf den Markt zu bringen.

Hier fand Strand endlich seine Nische. Seit 2000 war er gut im Geschäft. Seine Romane erschienen bei verschiedenen eBook-Verlagen. Weil er ‚vorgeschrieben‘ hatte, lagen genug druckfertige Manuskripte in seiner Schublade, sodass Strand in schneller Folge ’neue‘ Romane vorlegen konnte. Jeff Strand lebt und arbeitet in Tampa, Florida.

|Taschenbuch: 270 Seiten
Originaltitel: Graverobbers Wanted (No Experience Necessary) (Cincinnati/Ohio : Mundania Press 2003)
Übersetzung: Michael Krug
ISBN-13: 978-3-404-164196-7|
[jeffstrand.wordpress.com]http://jeffstrand.wordpress.com
[www.luebbe.de ]http://www.luebbe.de

McDermid, Val – Tödliche Worte

_Die STIMME und die VIPER: Verbrechen im Doppelpack_

Auf einer blutgetränkten Matratze wird in grotesk verrenkter Haltung die Leiche einer Prostituierten gefunden. Die Szene erinnert bis ins Detail an eine Mordserie, die zwei Jahre zurückliegt und mit einem Schlag aufhörte, als Derek Tyler gefasst wurde. Aber Tyler kann das neue Opfer eigentlich nicht getötet haben. Er sitzt hinter Gittern im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Haftanstalt und spricht mit niemandem ein Wort. Doch seine jahrelange Erfahrung als Profiler sagt Tony Hill, dass es nur Tyler gewesen sein kann. Detective Chief Inspector Carol Jordan glaubt das nicht. Ihr Team startet eine gewagte Undercover-Action, um den Killer zu stellen. Und das wird Carol noch bereuen … (Verlagsinfo)

Fall Nr. 4 für das Ermittlerduo Tony Hill und Carol Jordan.

_Die Autorin_

Die 1955 geborene Val McDermid wuchs in Kirkcaldy, einem schottischen Bergbaugebiet nahe St. Andrews, auf und studierte dann Englisch in Oxford. Nach Jahren als Literaturdozentin und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen lebt sie heute als freie Schriftstellerin in Manchester und an der Nordseeküste. Sie gilt als eine der interessantesten neuen britischen Autorinnen im Spannungsgenre – und ist außerdem Krimikritikerin. Ihre Bücher erscheinen weltweit in 20 Sprachen. Für „Das Lied der Sirenen“ erhielt sie 1995 den Gold Dagger Award der britischen Crime Writers‘ Association. (Verlagsinfo)

_Handlung_

DCI Carol Jordan ist wieder aus Berlin zurück, doch seitdem sie in Deutschland vergewaltigt worden ist, muss sie sich erst einmal wieder zurechtfinden. Auch in ihrer eigenen Polizeiorganisation, denn diese war es, die sie erst als Lockvogel benutzte und dann ins offene Messer laufen ließ. Als ihr ehemaliger Chef John Brandon von der Bradfielder Polizei sie in London besucht, ist sie daher erst nicht bereit, seinem Wunsch, sie möge zurückkehren, um eine Eliteeinheit zu leiten, nachzukommen. Doch die Aussicht, bei der Arbeit wieder auf andere Gedanken zu kommen und Tony Hill wiederzusehen, stimmt sie um.

Zehn Wochen später begrüßt sie ihr Team, das jede Menge ungelöste Fälle aufzuklären hat. Zwei Mordserien brennen Inspector Don Merrick, Sergeant Paula McIntyre und den anderen auf den Fingern. Da sind zum einen die verschwundenen Jungen Tim Golding und Guy Lefevre, von denen sich nur ein Foto auf dem PC eines Pädophilen findet; und da ist eine neue Mordserie an Prostituierten, bei der der Mörder genauso vorgeht, wie vor zwei Jahren der verurteilte und in der Psychiatrie sitzende Mörder Derek Tyler. Seine Opfer verbluten, weil sie mit einem Gegenstand schrecklich verletzt worden sind.

„Wahrscheinlich hat er sie dabei auch noch auf Video aufgenommen“, vermutet Tony Hill, der inzwischen eine Halbtagsstelle in der Bradfielder Psychiatrie angenommen hat. Carol zieht ihn zu ihren Fällen hinzu; im Gegenzug bietet er ihr ein Quartier in seinem Souterrain an, das sie nach Gusto ausbauen kann. So muss sie nicht mehr bei ihrem Bruder Michael Unterschlupf suchen. Und ja, es gibt eine Tür zwischen ihrem und Tonys Stockwerk, die man verschließen kann.

Monate lang kann Carol keine Resultate vorweisen, so dass die Medien Druck auf Chef Brandon ausüben und er seinerseits Carol nahelegt, die gute alte Lockvogelmethode wieder zu nutzen, also genau jene Methode, die ihr schon einmal zum Verhängnis geworden ist. Da Paula McIntyre (deren Homosexualität nur der Kollegin Jan Shields von der „Sitte“ bekannt ist) dem Opferschema entspricht, hat sie die zweifelhafte Ehre, sich als Nutte auftakeln zu dürfen. Natürlich wird sie entsprechend verkabelt, bevor man sie als Köder auf die Straße schickt.

Zur gleichen Zeit machen sich zwei ihrer Kollegen auf den Weg in die Berge von Derbyshire, um die Gräber von Tim Golding und Guy Lefevre zu suchen – ein forensischer Geologe vermutet sie dort. Und Dr. Tony Hill macht sich auf den Weg in den Rotlichtbezirk, um ein Auge auf die Entwicklung der Dinge zu haben.

Nach mehreren vergeblichen Anläufen Paulas ergibt sich eine denkwürdige Nacht, an die sich die Bradfielder Polizei noch lange erinnern soll …

_Mein Eindruck_

Hätte ich bloß nicht die Verfilmung zuerst angesehen! So war ich der ganzen Vorfreude auf die Enthüllung des eigentlichen Drahtziehers beraubt – und die ist mindestens die halbe Miete für die Spannung des gesamten Romans. Es gibt zwar zwei Fälle, in denen Carol Jordan ermittelt, aber im Grunde interessiert uns nur der Nuttenmörder. Folgerichtig ignoriert die TV-Verfilmung den zweiten Fall mit den getöteten zwei Jungs völlig, wenn ich mich richtig erinnere. Das ist wirklich schade, denn die Ermittlung in diesen zwei Todesfällen wird Detective Inspector Don Merrick zum Verhängnis …

Die Identität des Drahtziehers im Rotlichtbezirk von Bradfield darf von mir natürlich nicht enthüllt werden. Im Grunde handelt es sich um einen Strippenzieher und Marionettenspieler, dem es letzten Endes um die Verdoppelung seines Machtgenusses geht. Er hat nicht nur Macht über das Opfer, sondern auch über den Täter: Er ist DIE STIMME. Er lenkt und steuert, tadelt und lobt, er ist allmächtig, und sein Erfüllungsgehilfe ist für ihn lediglich „der Affe“.

Für Tony Hill ist klar, dass ein solches Täterprofil auf schwere psychologische Defizite hinweist. Dieser Hunger nach Macht muss etwas anderes wettmachen, nämlich Vertrauens- und Liebesfähigkeit. Wahrscheinlich übt dieser Täter tagtäglich Macht aus, wird gefürchtet, weil er mit Vergeltung droht. Folglich traut sich keine der Prostituierten auch nur einen Piep zu sagen, wer die VIPER ist, von der Tony Hill von Derek Tyler erfährt. Die VIPER stößt zu, wann es ihr passt, und nimmt sich, was sie will. Nur ganz am Schluss traut sich die jüngste Prostituierte, Sam Evans, einem schwarzen Polizisten, der wie sie ein Außenseiter ist, einen Tipp zu geben. Wie sie erwartet hat, traut er seinen Ohren kaum …

DIE STIMME und DIE VIPER sind zwei wichtige Symbole, die sich leicht in den christlich-jüdischen Mythologiekontext einordnen lassen. DIE STIMME ist die Gottes und perverserweise ist DIE VIPER, die Schlange im Paradies, identisch mit DER STIMME. Es gibt also für die Opfer beider Kategorien keinerlei Entrinnen.

Bis Tony Hill dies verstanden hat, vergehen über 500 Seiten, was eine Menge ist. Und da gilt es etliche Längen zu überwinden – ganz besonders dann, wenn man, wie ich, die Lösung des Rätsels bereits kennt. Aber ich kämpfte mich durch und wurde mit einem Doppel-Finale belohnt, das in der Verfilmung überhaupt nicht bzw. ganz anders realisiert wurde. DIE STIMME weigert sich bis zuletzt, irgendeine Schuld anzuerkennen. Hill und Jordan haben größte Mühe, irgendwelche Beweise zusammenzutragen.

Es erscheint daher wie ein Gnadenerweis der Autorin persönlich, dass Derek Tyler als sein letztes Vermächtnis einen Hinweis auf ein Versteck gibt, in dem sich belastendes Material gegen DIE STIMME findet. Dieses Trumpf-As sticht denn auch endlich. Denn der Pfiff am ganzen Plot besteht ja darin, dass sich der Gegner stets im engsten Kreis der Ermittler befindet und sich somit perfekt schützen kann …

Ein zweiter Schwerpunkt ist der Aspekt der Ausgrenzung. Viele von uns und viele der Romanfiguren sind Außenseiter und suchen eine Möglichkeit, dieses – reale oder vermeintliche – Manko wettzumachen. Stacey Chen ist Chinesin und tut sich als EDV-Expertin hervor. Sam Evans ist Schwarzer und schnüffelt in den Schreibtischen seiner Kollegen nach belastendem Material – nicht fein, aber effektiv. Paula McIntyre ist lesbisch und will sich gegenüber Carol Jordan hervortun. Und dann ist da noch X, der für sein Außenseitertum einen ganz besonders teuflischen Ausgleich gefunden hat …

_Die Übersetzung _

Die Übersetzerin Doris Styron ist fest auf die Romane von Val McDermid abonniert; einzige Ausnahme ist die „Kate Brannigan“-Reihe. Styron pflegt die Umgangssprache und beherrscht sie aus dem Effeff. Das macht ihren Text ungemein lesbar. Und weil es keinen einzigen Druckfehler gibt (den ich gefunden hätte), bereitet der Text pures Vergnügen.

_Unterm Strich_

Wenn man die Lösung des Rätsels eines solch spannenden Romans schon kennt, muss man das Beste daraus machen. Ich widerstand der Versuchung, das Buch beiseite zu legen oder bei der Lektüre einzuschlafen – und wurde dafür mit einem völlig anderen Doppelfinale als in der TV-Verfilmung belohnt. Das war zugleich zufriedenstellend als auch aufschlussreich. Denn der „Puppenspieler“ lehnt jegliche Schuld ab und versucht die Cops, mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Ganz schön frech.

Und um ein Haar erfolgreich, wenn die Autorin nicht ein Einsehen gehabt hätte: Sie gewährt den Ermittlern ein posthumes Geschenk des verblichenen Derek Tyler. Das fand ich wenig plausibel, aber um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen, wünschte ich mir diesen Beweis auch.

Ansonsten ist der Roman ein routiniert abgespultes Spannungsgarn, das sich um die Konfigurationen der macht ebenso dreht wie um die Rettungsversuche der Opfer solcher Macht. Carol Jordan ist das Paradebeispiel für einen solchen Versuch. Sie findet den forensischen Geologen attraktiv, steigt mit ihm ins die Kiste und siehe da: Die seelische Heilung vollzieht sich auf wundersame Weise. Hätte ihr dies irgendein Mann empfohlen, wäre sie ihm natürlich ins Gesicht gesprungen und hätten ihn einen Chauvi gescholten. Sigmund Freud aber wusste Bescheid.

Apropos Psychoanalyse: Unser Oberheld Tony Hill erstellt zwar tolle Täterprofile, kommt aber bei seiner Lieblingspolizistin nicht zum Streich. Was für ein Kerl ist er überhaupt, fragt sich der enttäuschte Leser. Nun, er ist impotent, aber das bedeutet nicht, dass er seinen Charme oder seine Hinterlist eingebüßt hätte. So ist er es, der dem „Puppenspieler“ auf die Schliche kommt und ihn stellt. Einen Helden muss es mindestens in einem McDermid-Krimi geben, und Dr. Hill ist einer der schrägsten Helden, die man sich vorstellen kann. Deshalb war ja die 24-teilige Fernsehserie um ihn so erfolgreich.

Kurzum: Wer des Rätsels Lösung noch nicht kennt, wird auch mit „Tödliche Worte“ gut unterhalten. Wer die Pointe schon kennt, muss sich – wie immer in diesem Fall – auf eine Enttäuschung gefasst machen.

|Taschenbuch: 525 Seiten
Originaltitel: The Torment of Others (2004)
Aus dem Englischen von Doris Styron
ISBN-13: 978-3426629123|
http://www.droemer-knaur.de

_Val McDermit bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Lied der Sirenen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1498
[„Echo einer Winternacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=703
[„Die Erfinder des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2602
[„Das Moor des Vergessens“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6607
[„Nacht unter Tag“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6201
[„Schlussblende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6609
[„Ein kalter Strom“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6662

Sharon Bolton – Dunkle Gebete

Inhalt

Lacey Flint ist eine junge Ermittlerin in London. Eines Tages findet sie vor ihrem Auto eine schwer verletzte Frau, die daraufhin in ihren Armen stirbt. Später wird Lacey von DI Tulloch und deren Kollegen DI Joesbury als Zeugin vernommen. Sie kann vorerst nicht wirklich viel dazu sagen, aber als noch ein Mord geschieht und rätselhafte Briefsendungen auftauchen, die unter anderem auch an Lacey adressiert sind, wird sie selbst zur Verdächtigen …

Sharon Bolton – Dunkle Gebete weiterlesen

Frost, Scott – Pray – Du kannst nicht entkommen

_|Alex-Delillo-Serie:|_

(2004) |Run the Risk| [(Risk – Du sollst mich fürchten)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3924
(2006) |Never Fear| (Fear – Angst hat einen Namen)
(2008) |Point of No Return| (kein dt. Titel)
(2009) |Don’t Look Back| (Pray – Du kannst nicht entkommen)
(2010) |Wait for Dark| (kein dt. Titel)

_Das geschieht:_

Ein neuer Fall bringt die Mordkommission der Polizei im kalifornischen Pasadena und ihre Leiterin, Lieutenant Alex Delillo, rasch unter Druck. Ein irrer aber sehr bedacht vorgehender Killer meldet sich mit einem Paukenschlag: Ausgerechnet in einem großen Sportstadium deponiert er die Leiche der vor drei Jahren spurlos verschwundenen Kari Bishop – tief gefroren und in einen Schlafsack gesteckt.

Dylan Harrison, Delillos Partner und derzeitiger Lebensgefährte, hatte den Fall damals vergeblich bearbeitet. Nun macht er sich Vorwürfe, zumal der Täter Folgemorde ankündigt: Unweit der Leiche findet die Polizei die Kopie einer Radierung des spanischen Künstlers Francisco de Goya (1746-1828), der in seinem Spätwerk politische und soziale Missstände seiner Zeit aufgriff, anprangerte und dabei die Kirche nicht ausklammerte.

Die Polizei vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Mord und einer Klage, die drei Jahre zuvor gegen die Erzdiözese von Los Angeles geführt wurde. Ihr wurde die Duldung und Vertuschung von Kindesmissbrauch durch Geistliche vorgeworfen. Kari Bishops Vater, ein Anwalt, vertrat damals die Anklage, doch der Prozess wurde durch einen Vergleich vermieden, bei dem die Kirche viel Geld fließen ließ.

Offensichtlich will sich eines der Opfer nicht mit dem erkauften Schweigen abfinden. Nächstes Mordopfer wird ein TV-Reporter. Weitere Goya-Kopien werden gefunden. Die Ermittlungen hat der Mörder in seinen Racheplan einkalkuliert, denn auch Delillos Chef und verehrter Mentor ist in den Missbrauchs-Skandal verwickelt und wird kurz darauf von Goya entführt. Nun wird die Fahndung erst recht zum Wettlauf mit der Zeit, zumal der Papst nach Pasadena kommen wird – die ideale Zielperson für einen wütenden Killer mit einer Mission …

|Der Mensch als Schachfigur|

Kritik an der Kirche ist beileibe kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Missstände gibt es bekanntlich weiterhin in deprimierender Zahl fest- und abzustellen. Heutzutage müssen diejenigen, die dies versuchen, immerhin nicht mehr fürchten, von einem Rollkommando der Inquisition verschleppt zu werden – es sei denn, man gehört zu denen, die davon ausgehen, dass der Vatikan eine Art Geheimorden betreibt, dessen Mitglieder genannte Kritiker heimlich, still & leise aus dem Verkehr ziehen. Auch diese Theorie ist alt, aber seit Dan Brown solche kirchlichen Munkeleien auf ein globales und multimediales Niveau erhob, hat sie sowohl Befürworter als auch Trittbrettfahrer in erstaunlicher Kopfstärke bekommen.

Die (Beinahe-) Gewissheit, vor Killern des Vatikans in relativer Sicherheit zu leben, schürt den angenehmen Schauder angesichts immerhin möglicher Geheimnistuereien einer Kirche, die seit zwei Jahrtausenden existiert und deren Repräsentanten zur Verschwiegenheit neigen, wenn es darum geht, Außenstehenden Einblicke in eine Geschichte (oder Gegenwart) zu gewähren, die nie frei von dunklen Flecken war (und ist). Hinzu kommt das durchaus erschreckende Selbstverständnis einer angeblich für Gott sprechenden Institution, die ihre Existenz höher gewichtet als das sterbliche Individuum.

Diese Realitäten werden mit Spekulation aufgeladen zur unterhaltsamen Fiktion, die wie gesagt ein zahlenreiches und vor allem zahlungskräftiges Publikum findet. Dan Brown wurde inzwischen quasi geklont, die Zahl seiner Epigonen nimmt weiterhin zu. Dem steht eine Palette von Situationen, Schauplätzen und Figuren entgegen, die zumindest im ‚reinen‘ Kirchen-Thriller bei nüchterner Betrachtung eine geringe Variationsbreite aufweist. Dieser wird deshalb gern mit anderen Genres verschnitten.

|Der serienkillende Genius|

Scott Frost kombiniert ihn mit dem klassischen Cop-Krimi. Die daraus erwachsende Herausforderung besitzt doppeltes Gewicht, weil der Verfasser dabei auf einen Plot zurückgreift, der seinerseits zum Klischee geronnen ist: Zu Dan Brown gesellt sich Thomas Harris, dem wir nicht nur Hannibal Lecter, sondern eine Heerschar notorisch genialer aber chronisch irrsinniger Serienkiller verdanken, die seit zwei Jahrzehnten über die Buchhandlungen dieser Welt herfallen; ein Ende ist keineswegs in Sicht.

Dieses Mal nennt sich der fromme Unhold „Goya“, denn er orientiert sich bei seinen Taten an den düsteren Grafiken und Gemälden des gleichnamigen Künstlers. Man könnte vermuten, dass moderne Serienkiller wie Goya vor allem deshalb so sorgfältig planen, weil sie um Publicity und Unterhaltungsgehalt ihres Wirkens wissen. Sie investieren jedenfalls so viel Zeit darin, sich mehrdeutige Sprüche auszudenken und mysteriöse Zeichen auszulegen, dass man sich außerdem fragt, wie sie die eigentlichen Übeltaten zwischen solche Rätselspielchen einschieben können. Trotz mehrjähriger Vorbereitungsphase kann Goya nicht überall gleichzeitig sein; darüber hinaus müsste ihm das Schicksal mehr als ein Quäntchen Glück gewähren, um die auf vielen Ebenen gleichzeitig ablaufenden Aktivitäten unter Kontrolle zu halten.

|Die Ermittlung ist das Ziel|

Da „Pray“ jedoch ungeachtet aller Klischees (und trotz eines denkbar bescheuerten deutschen Titels) erstaunlich gut funktioniert, muss Verfasser Frost etwas anders machen als der übliche Brown/Harris-Imitator – anders bzw. richtig. Hat der Leser das erste, etwas zäh anlaufende Viertel dieses Romans hinter sich gebracht, weiß er, worin die Unterschiede liegen.

Frost ist kein Künstler, sondern ein Handwerker. Diese Bezeichnung kommt hier mit Respekt und Anerkennung zur Verwendung, denn Frost weiß dies offensichtlich gut. Er hat nie den Ehrgeiz, das Rad neu zu erfinden. Nicht einmal durch das zwanghafte Ausdenken neuer, noch nie beschriebener Folter- und Mordmethoden macht er sich lächerlich. „Pray“ ist drastisch genug, wo es der Handlung dient, denn diese steht jederzeit im Vordergrund.

Was selbstverständlich sein sollte, ist es auch oder gerade im modernen Thriller leider keineswegs. Dieser begräbt seine Plots gern förmlich unter plakativer Gewalt, übt sich in aufgesetzter Gesellschaftskritik und schlägt Unmengen von Seifenoper-Schaum. „Pray“ ist keineswegs frei von diesen Übeln. Gerade deshalb fällt Frosts allgemeine Zurückhaltung angenehm auf. Er hätte sich in persönlichen Schicksalen förmlich suhlen können. Seine Hauptfigur ist weiblich und mit beruflichen wie privaten Schwierigkeiten reichlich geschlagen. Im dritten Band der Serie – die uns in Deutschland aus unerfindlichen Gründen bisher vorenthalten wurde, weshalb sich der Leser zahlreiche Andeutungen, die auf Band 3 zielen, zusammenreimen muss – wurde Alex Delillo u. a. vergewaltigt und leidet unter den Folgen.

|Wider den Strich gebürstet|

Sie leidet – aber dies wird nicht zur Handlung, sondern fließt ein und bleibt später unerwähnt, weil es nicht von Relevanz ist. Die Jagd auf den Killer, das Entdecken und Entschlüsseln von Spuren tritt in den Vordergrund. Hier kennt sich Frost, der als Drehbuchautor bekannt wurde, eindeutig aus, hier gelingt ihm eine an Irrungen & Wirrungen reiche und trotz bekannter Elemente spannende Geschichte, die vor dem inneren Auge des Lesers in der Tat wie ein Film abläuft.

Dieser verläuft außerdem nicht so stringent wie erwartet. Goya ist nicht der verbitterte Rächer, den seine Verfolger lange auf ihn projizieren. Auch andere Spuren werden zunächst falsch interpretiert, was das Geschehen fatal beeinflusst. Frost gelingt das Kunststück, die daraus resultierende Unsicherheit zu wahren.

Das Finale offenbart abermals die Dominanz der Handlung. Endlich zeigt sich der geniale Goya – und entpuppt sich als beinahe unwichtige Nebenfigur. Frost geht sehr richtig von der Prämisse aus, dass der ‚reale‘ Goya mit der überlebensgroßen Gestalt, die seine Verfolger aus ihm gemacht haben, nicht mithalten kann. Folgerichtig findet das eigentliche Finale ohne ihn statt.

Scott Frost gelingt ein ungewöhnlicher Spagat: Obwohl eindeutig als „Bestseller des Monats“ für die Abverkaufs-Tische moderner Buch-Supermärkte geschrieben, ist „Pray“ ein Pageturner im positiven Sinn, und obwohl Originalität nirgendwo durchschimmert und auch gar nicht versucht wird, schlägt man diesen Thriller nicht mit dem dumpfen Gefühl zu, um viele Stunden Lese- und Lebenszeit betrogen worden zu sein. Man wurde einfach gut unterhalten, und manchmal ist es genau das, was eine gelungene Lektüre ausmacht.

|Taschenbuch: 412 Seiten
Originaltitel: Don’t Look Back (London : Headline Publishing Group 2009)
Übersetzung: Karl-Heinz Ebnet
ISBN-13: 978-3-426-50769-8

Als eBook:
ISBN-13: 978-3-426-41031-8|
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Ellery Queen – Die verräterische Flasche

_Das geschieht:_

Der Alltag des Privatdetektivs Ellery Queen wird in Kurzgeschichten nachgezeichnet. Beileibe nicht immer steht Mord im Mittelpunkt; stattdessen gilt es, ausgeklügelte Schurkentaten aufzuklären:

– Die verräterische Flasche (|The Telltale Bottle|, 1946): Statt seiner Begleiterin stolz den Hergang eines Verbrechens zu erläutern, hätte Ellery Queen darauf achten sollen, wer ihm außerdem zuhört.

– Der Sturz des Engels (|The Fallen Angel|, 1951): Nicht immer geschieht ein Mord, wenn der tödliche Schuss fällt, wie Ellery Queen durch intensive Indizien-Deutung nachweist und einen gar zu geschickten Täter entlarvt.

– Das Nadelöhr (|The Needle’s Eye|, 1951): Die Schatzsuche auf einer ehemaligen Pirateninsel wird für Ellery Queen zur Fahndung nach einem sehr gegenwärtigen Mörder.

– Die drei Buchstaben (|The Three R’s|, 1946): Die Klärung der Frage, warum der exzentrische Professor verschwand, als er an seinem ersten Kriminalroman schrieb, wird für Ellery Queen auf mehreren Ebenen zur Herausforderung.

– Der tote Kater (|The Dead Cat|, 1946): Nur Ellery Queen findet heraus, wie es dem Mörder gelang, im Dunkeln unbemerkt durch ein Zimmer voller Menschen zum Tatort zu schleichen.

– Die Puppe des Dauphin (|The Dauphin’s Doll|, 1948): Ausgerechnet zu Weihnachten misst sich Ellery Queen mit einem Juwelendieb, der ihn öffentlich herausgefordert hat.

|Ein Detektiv geht auf Sendung|

Die Vettern Frederic Dannay und Manfred Bennington Lee, verbargen sich höchstens in ihren ersten Schriftstellerjahren hinter dem Pseudonym „Ellery Queen“, das später eher als Markenzeichen diente. Dem entsprach die Geschäftstüchtigkeit des Autorenduos, das von Anfang an interessiert war, die Beliebtheit des Detektivs und die Einkünfte zu steigern. Deshalb waren Dannay & Lee gern bereit, Ellery Queen für die beiden Massenmedien Radio und Kino zu rekrutieren.

Berühmte Detektive tauchten dort seit den 1930er Jahren verstärkt auf. Während ihre Verfasser jedoch höchstens den lukrativen Namen verkauften, behielten die Vettern ihre Figur fest in der Hand. Sie beschäftigten sich intensiv mit den Formaten Hörspiel und Drehbuch und wurden schließlich selbst aktiv. Auf diese Weise konnten sie Qualität und Integrität der Romane bewahren.

Die Hörspiele der Serie „The Adventures of Ellery Queen“, die zwischen 1939 und 1948 ausgestrahlt wurden, schrieben ebenfalls Dannay & Lee. Der Titel kam nicht von ungefähr. Das Radio war kein Ort für allzu kunstvoll verrätselte Fälle. Ellery Queen musste stärker in den Mittelpunkt gestellt und als Figur deutlicher herausgearbeitet werden. Behutsam betonten Dannay & Lee eine durchaus bereits in den Romanen durchschimmernde Abenteuerlust. Dieser Ellery Queen war dynamisch und legte bei seinen Ermittlungen ein höheres Tempo vor, ohne dabei gegen die Regeln des Kriminalromans zu verstoßen.

Dem Radio verdanken wir auch eine Frau an Ellerys Seite. Nikki Porter ist seine Sekretärin, sein Watson und womöglich seine Bettgenossin; der moralisierende Zeitgeist gestattete dem Detektiv, der unverheiratet und dadurch ‚begehrenswerter‘ bleiben musste, jedoch keine Lebensgefährtin. So wurde auch weibliches Publikum durch eine Identifikationsfigur an das Programm gebunden.

|Aus dem Ohr zurück auf das Papier|

Dannay & Lee waren ökonomisch arbeitende Autoren. Nachdem ihre Hörspiele gesendet waren, griffen sie gern auf die Vorlagen zurück und schrieben sie zu Kurzgeschichten um. Diese erschienen zunächst in dem 1941 gegründeten „Ellery Queen Mystery Magazine“, dem Dannay vier Jahrzehnte als Herausgeber vorstand (und das noch heute erscheint). In einer weiteren Inkarnation wurden die Storys gesammelt und in Buchform herausgegeben.

Zwölf dieser Geschichten bildeten 1952 den „Calendar of Crime“: Ein typisches Jahr im Leben des Privatdetektivs Ellery Queen wurde episodisch nachgezeichnet – ein geschickter Trick, der den Recycling-Faktor dieser Neuveröffentlichung abschwächte. (Womöglich ließen sich Dannay & Lee dabei von ihrer Kollegin Agatha Christie inspirieren, die 1947 zwölf Storys mit ihrem Detektiv Hercule Poirot unter dem Titel „Die zwölf Arbeiten des Herkules“ neu herausgegeben hatte.)

Die Storys nahmen die Verkürzung des Hörspiels auf – und sie bekam ihnen gut: Während die Ellery-Queen-Romanen nach 1940 oft unter einem Zuviel an emotionalem Seifenschaum litten, mussten entsprechende Love-Story-Herz/Schmerz-Exzesse in den Kurzgeschichten unterbleiben. Zwar überlebte Nikki Porter auch in den gedruckten Storys, aber sie blieb nur Beiwerk. Im Mittelpunkt stand der jeweilige Kriminalfall.

|Geniale Fälle im Schnelldurchgang|

Die Kalender-Storys zeigen Dannay & Lee auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Höchstens „Die verräterische Flasche“ fällt aus dem Rahmen, weil es hier nicht um die Lösung eines Falls geht, sondern ein Fall von Künstlerpech aufgedeckt wird, gegen das auch ein Ellery Queen nicht gefeit ist. Diese Geschichte ist auf ein zwar spannendes aber vor allem überraschendes bzw. humorvolles Finale getrimmt – und beweist dabei, dass Dannay & Lee auf diesem Gebiet keine Meister waren. Das bestätigt auch „Die drei Buchstaben“. Diese Geschichte funktioniert dort, wo sie Queen dabei folgt, wie er Indizien sucht, findet und zu einer so vom Leser nicht erwarteten Wahrheit zusammensetzt. Leider soll auch hier die Auflösung witzig sein, was anno 1946 möglicherweise tatsächlich so empfunden wurde.

In seinem Element ist Ellery Queen, sobald er ‚richtige‘ Ganoven jagt. „Der Sturz des Engels“ fasziniert nicht nur durch eine fundierte Spurensuche, sondern wird noch interessanter durch die Tatsache, dass die von Queen entdeckten Indizien einfallsreich manipuliert wurden. Erst weitere, vom Täter übersehene Spuren lassen Queen den Braten riechen.

Einem ähnlichen Konzept folgt „Das Nadelöhr“. Hier steigern Dannay & Lee den Unterhaltungswert, indem sie die Handlung auf eine Insel verlegen. Zu allem Überfluss trieb hier einst der legendäre Piratenkapitän Kidd sein Unwesen und vergrub womöglich einen Schatz. Diese von den Autoren kurz aber präzise geschilderte Vorgeschichte bereitet den Boden für eine erste Überraschung: Sehr gegenwärtige Strolche gehen auf der Insel um, die Ellery Queen zwecks Vertuschung ihrer Taten instrumentalisieren wollen.

|Faszination der Vergangenheit|

Auch in „Die Puppe des Dauphin“ greifen Dannay & Lee ein historisches Rätsel auf. Genannte Puppe ist das tragische Relikt einer gruseligen Vergangenheit. Da sie zudem einen hohen Wert besitzt, erregt sie das Interesse eines Meisterdiebes, der Ellery Queen, der die Puppe bewachen soll, herausfordert. Schon dieser ironische Verweis auf die 1948 eigentlich längst vergangene Ära genialer, an Planung und Tatumsetzung mehr als an der Beute interessierter „Gentleman-Verbrecher“ deutet an, dass diese Geschichte nicht gar zu ernst genommen werden sollte. In der Tat ist „Die Puppe des Dauphin“ eine Weihnachtsgeschichte mit allen entsprechenden Elementen bzw. Klischees, die von den Autoren genüsslich und gelungen beschworen werden und in der niemand zu Schaden kommt.

Dagegen ist „Der tote Kater“ ein ‚ernstes‘ Miniatur-Psycho-Drama. Der Kriminalfall als solcher ist reizvoll – ein „locked-door-mystery“, bei dem sich nicht nur das Opfer, sondern auch die potenziellen Täter und der Detektiv in ein und demselben Raum befinden. Leider bedienen Dannay & Lee zur Begründung der Tat ein Frauenbild, das zeitgenössisch sein mag, aus heutiger Sicht jedoch zu stark auf Hysterie und weibliche Gefühlsduseligkeit setzt.

Nichtsdestotrotz zeigen diese sechs Storys, dass und wieso Ellery Queen auch in der kurzen Geschichte seine Leser fesseln kann. In Deutschland wurde der „Calendar“ nur einmal und in zwei Teilen (s. u.) veröffentlicht. Dies ist schon sehr lang her, was zumindest die gröbsten Kuriositäten einer in die Jahre gekommenen Übersetzung erklärt und entschuldigt, die des Lesers Geduld auf manche harte Probe stellt.

|Krimineller Kalender in zwei Teilen|

Wie viel zu üblich in Deutschland, wurde die Originalausgabe gekürzt, um sie in ein Verlagsschema zu pressen, das höchstens 160 Seiten pro Blau-Gelb-Kriminalroman gestattete. Wenigstens ging diese Praxis dieses Mal nicht an die Substanz der Texte. Stattdessen wurden sechs der ursprünglich zwölf Storys unterschlagen. Es fehlen:

– |The Inner Circle| (1947)
– |The President’s Half Disme| (1947)
– |The Ides of Michael Magoon| (1947)
– |The Emperor’s Dice| (1951)
– |The Gettysburg Bugle| (1951)
– |The Medical Finger| (1951)

Der zweite Teil des „Calendar of Crime“ wurde vier Jahre später übersetzt und veröffentlicht. Diese Sammlung erschien 1963 unter dem Titel „Der verhängnisvolle Ring“ im Sigbert-Mohn-Verlag als Signum-Kriminalroman Nr. 189.

_Autoren_

Mehr als vier Jahrzehnte umspannt die Karriere der Vettern Frederic Dannay (alias Daniel Nathan, 1905-1982) und Manfred Bennington Lee (alias Manford Lepofsky, 1905-1971), die 1928 im Rahmen eines Wettbewerbs mit „The Roman Hat Mystery“ als Kriminalroman-Autoren debütierten. Dieses war auch das erste Abenteuer des Gentleman-Ermittlers Ellery Queen, dem noch 25 weitere folgen sollten.

Dabei half natürlich die Fähigkeit, die Leserschaft mit den damals so beliebten, möglichst vertrackten Kriminalplots angenehm zu verwirren. Ein Schlüssel zum Erfolg war aber auch das Pseudonym. Ursprünglich hatten es Dannay und Lee erfunden, weil dies eine Bedingung des besagten Wettbewerbs war. Ohne Absicht hatten sie damit den Stein der Weisen gefunden: Das Publikum verinnerlichte sogleich die scheinbare Identität des ‚realen‘ Schriftstellers Ellery Queen mit dem Amateur-Detektiv Ellery Queen, der sich wiederum seinen Lebensunterhalt als Autor von Kriminalromanen verdient!

In den späteren Jahren verbarg das Markenzeichen Queen zudem, dass hinter den Kulissen zunehmend andere Verfasser tätig wurden. Lee wurde Anfang der 60er Jahre schwer krank und litt an einer Schreibblockade, Dannay gingen allmählich die Ideen aus, während die Leser nach neuen Abenteuern verlangten. Daher wurden viele der neuen Romane unter der mehr oder weniger straffen Anleitung der Cousins von Ghostwritern geschrieben.

|Taschenbuch: 160 Seiten
Originaltitel: Calendar of Crime (Boston : Little, Brown & Co. 1952)
Übersetzung: Heinz F. Kliem|
[Autorenhomepage]http://neptune.spaceports.com/~queen

_Ellery Queen bei |Buchwurm.info|:_
[„Chinesische Mandarinen“ 222
[„Der nackte Tod“ 362
[„Drachenzähne“ 833
[„Das Geheimnis der weißen Schuhe“ 1921
[„Die siamesischen Zwillinge“ 3352
[„Der verschwundene Revolver“ 4712
[„Der Giftbecher“ 4888
[„Das Haus auf halber Straße“ 5899
[„Und raus bist du!“ 6335
[„Schatten über Wrightsville“ 6362
[„Spiel mit dem Feuer“ 6459
[„Die trennende Tür“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7138
[„Sherlock Holmes und Jack the Ripper“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7343

Bill Knox – Spanische Dukaten

Der Giftmord an einem Vogelschutzwart an der schottischen Atlantikküste ruft die Polizei auf den Plan, die unter Fischern, Wilderern und Touristen dem Täter beinahe zu spät auf die Schliche kommt … – In kundig dargestellter maritimer Kulisse spielt dieser spannende, sauber geplottete und mit einprägsamen Figuren besetzte Kriminalroman: eine erfreuliche Wiederentdeckung!
Bill Knox – Spanische Dukaten weiterlesen

Bill Knox – Der Mann in der Flasche

knox-bill-mann-flasche-cover-tb-kleinDer Unfall eines Wilderers entpuppt sich als Schwachstelle eines genial eingefädelten Mordplans, mit dem sich ein Ostblock-Flüchtling an seinem Peiniger rächen will; schottische Polizisten bemühen sich, dies und einen diplomatischen Zwischenfall zu verhindern … – Im Milieu des zeitgenössischen Kalten Krieges aber auch im idyllischen schottischen Hochland spielt dieser sechste Band der Colin-Thane/Phil-Moss-Serie: gelungene Mischung aus Politthriller und Krimi.
Bill Knox – Der Mann in der Flasche weiterlesen

Busch, Petra – Mein wirst du bleiben

_Inhalt_

Miriam pflegt ihre Mutter Thea, seit diese ihr Gedächtnis verloren hat. Sie geht lediglich arbeiten, um das Leben der beiden zu finanzieren, ansonsten opfert sie sich voll und ganz ihrer Mutter auf und betüddelt diese den ganzen Tag. Sie kapselt sich ab, hat keine Freunde oder großartige Freizeitaktivitäten. Als in dem Haus, in dem sie wohnen ein Mord geschieht, kommt das ganze Leben von Miriam und Thea komplett durcheinander. Hauptkommissar Ehrlinspiel beginnt nämlich zu ermitteln und es kommt nach und nach so einiges ans Licht …

_Kritik_

„Mein wirst du bleiben“ von Petra Busch habe ich in ein paar Tagen durchgelesen. Es ist von Beginn an packend und zieht den Leser in seinen Bann. Die Geschichte ist aus der Sicht eines Beobachters geschrieben. Es werden die Eindrücke und Ereignisse von verschiedenen Personen dargestellt. Die Kapitel sind angenehm lang. Es ist in einfacher Sprache geschrieben und die Sätze lesen sich flüssig.

Die lebendigen Schilderungen lassen den Leser schnell in der Handlung versinken und selbst fast zum Ermittler werden. Auch in dieser Geschichte zieht sich der Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende durch, so dass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen mag.

Die Story an sich ist nicht ganz so gewöhnlich wie andere und meiner Meinung nach sehr einfallsreich. Bis zum Schluss kann man kaum erahnen, wer der Mörder der Opfer ist, trotzdem spekuliert man immer wieder zwischendurch, um vielleicht selber zum Ergebnis zu kommen. Aber diesen Gefallen tut die Autorin einem nicht. Sie versteht es, die Überraschungseffekte und Aha-Erlebnisse einfließen zu lassen, ohne zu viel zu verraten.

Im Fokus liegt die auf den ersten Blick einfach nur zurückhaltende und schüchterne Miriam, die sich aufopfernd um ihre Mutter Thea kümmert, da diese nach einem Unfall das Gedächtnis verloren hat. Sie unterstützt diese in allen Lebenslagen, nimmt ihr vieles ab und versucht sie von der Außenwelt abzuschotten. Aber es steckt mehr dahinter. Kommissar Ehrlinspiel wundert sich über die schroffe Art von Miriam, sie will kaum Auskünfte geben, als der Mord geschehen ist und versucht ihre Mutter komplett rauszuhalten. Ehrlinspiel vermutet, dass Miriam ein psychisches Problem hat. Aber was wirklich dahinter steckt, bekommt er erst zum Schluss heraus.

Dem Leser selbst ist Miriam von Anfang an nicht sehr sympathisch und die Mutter Thea tut einem aufgrund der Beschreibungen der Autorin recht leid, da diese quasi in der Wohnung gefangen gehalten wird und nur vor die Tür kommt, wenn ihre Tochter arbeiten ist. Thea erhält jeden Abend einen Tee von ihrer Tochter, mit Schlafmittel. Die ältere Dame ist aber nicht dumm und trinkt diesen schon seit einer Weile nicht mehr. Man erkennt sofort, dass etwas faul an der Sache ist, man kommt nur nicht so schnell dahinter, was …

_Autorin_

Petra Busch, geboren 1967 in Meersburg, arbeitet als freie Texterin und Journalistin für internationale Kunden aus Wissenschaft, Technik und Kultur. Sie studierte Mathematik, Informatik, Literaturgeschichte und Musikwissenschaften und promovierte in Mediävistik. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt im Nordschwarzwald. „Schweig still, mein Kind“, ihr Krimidebüt, wurde mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. (Verlagsinfo)

_Fazit_

„Mein wirst du bleiben“ von Petra Busch ist ein äußerst gelungener Kriminalroman, der den Leser bei Laune hält. Ein tolles Lesevergnügen. Ich werde mir auf jeden Fall noch den Debütroman „Schweig still, mein Kind“ gönnen, denn das Buch „Mein wirst du bleiben“ macht Lust, mehr von der Autorin zu lesen.

|Taschenbuch: 448 Seiten
ISBN-13: 978-3426507926|
[www.knaur.de]http://www.knaur.de

Charlotte Link – Der Beobachter

Inhalt

Samson lebt bei seinem Bruder und dessen Frau mit im Haus. Er hat bislang noch nie eine Beziehung zu einer Frau gehabt, ist aber fasziniert von der Damenwelt. Er beobachtet des Längeren schon viele Frauen aus seiner Straße. Er nimmt aus der Ferne Anteil an ihrem Leben und bekommt so vieles mit. Am allermeisten interessiert er sich für die schöne Gillian, die auch in seiner Nachbarschaft wohnt. Insgeheim liebt er sie und himmelt sie an. Seine Gedanken, Gefühle und Entdeckungen schreibt er jeden Abend auf. Als zwei ältere alleinstehende Damen grausam umgebracht und die Leichen durch Zufall gefunden werden, wird Samson verdächtigt. Er taucht unter und will auf keinen Fall der Polizei in die Hände geraten, weil er sagt, dass er unschuldig sei. Doch sagt Samson die Wahrheit oder handelt es sich bei ihm um den Psychopathen, der die Morde begangen hat?

Kritik

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