Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Indriðason (Indridason), Arnaldur – Frevelopfer

_Die Tandoori-Connection: Wozu man Rohypnol braucht_

In einer Wohnung mitten in Reykjavík findet die Polizei einen jungen Mann mit durchtrennter Kehle. Der Täter scheint das Opfer gekannt zu haben, denn nichts weist auf einen Einbruch hin. Kommissarin Elinborg findet am Tatort einen Kaschmirschal, der einen Geruch nach Tandoori-Gewürz verströmt, und in der Jackentasche des Toten die Vergewaltigungsdroge Rohypnol. Kommissar Erlendurs Kollegin ahnt, dass dieser Mord die Rache für ein brutales Verbrechen war – für Freveltaten, die nie gesühnt werden können … (erweiterte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavík und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman „Nordermoor“ hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell! Trotz seines Erfolgs sollte man nicht meinen, dass Island von einer Verbrechenswelle heimgesucht wird. Laut Verlag gibt es dort nur drei Morde pro Jahr.

Bisher ins Deutsche übersetzte Romane (alle bei |Lübbe|):

Die Erlendur-Romane:

|Synir Duftsins|, 1997 (deutsch: [Menschensöhne, 1217 2005)
|Dauðarósir|, 1998 (deutsch: [Todesrosen, 5107 2008)
|Mýrin|, 2000 (deutsch: [Nordermoor, 402 2003)
|Grafarþögn|, 2001 (deutsch: [Todeshauch, 2463 2004)
|Röddin|, 2002 (deutsch: [Engelsstimme, 2505 2004)
|Kleifarvatn|, 2004 (deutsch: [Kältezone, 4128 2006)
|Vetrarborgin|, 2005 (deutsch: [Frostnacht, 3989 2007)
|Harðskafi|, 2007 (deutsch: Kälteschlaf, 2009)
|Myrká|, 2008 (deutsch: Frevelopfer, 2010)

Andere Romane:

|Napóleonsskjölin|, 1999 (deutsch: [Gletschergrab, 3068 2005)
|Bettý|, 2003 (deutsch: [Tödliche Intrige, 1468 2005)
|Konungsbók|, 2006 (deutsch: [Codex Regius, 5554 2008)

_Handlung_

Kommissar Erlendur ist nach Ostisland gereist, um dort Urlaub im Land seiner Kindheit zu verbringen. Deshalb übernimmt Inspektorin Elinborg den neuesten Fall. In der Reykjavíker Innenstadt ist in einem Haus die Leiche eines jungen Telefontechnikers namens Runolfur aufgefunden worden. Zunächst können nur die Spuren am Tatort zum Täter führen, doch diese Spuren geben Elinborg und ihren Kollegen Rätsel auf.

Da Runolfur die Kehle sauber durchgeschnitten wurden, findet sich jede Menge Blut in seiner Wohnung, aber kein Tatwerkzeug, ein scharfes Messer oder Skalpell. Rätselhaft findet Elinborg, dass er ein viel zu kleines T-Shirt mit dem Aufdruck „SAN FRANCISCO“ trägt – es ist in einer Frauengröße. Das Stichwort „Frau“ führt zu dem Fläschchen Rohypnol, das in seiner Jackentasche gefunden wurde. Hat er die Vergewaltigungsdroge, die auch als Schlafmittel verschrieben wird, eingesetzt, um ein Opfer gefügig zu machen?

Alles deutet darauf hin, dass er Sex gehabt hat. Nur dass von der Frau selbst jede Spur fehlt. Außer dem T-Shirt natürlich – und einem unter dem Bett liegenden Halstuch, das durchdringend nach dem indischen Gewürz Tandoori riecht, welches Elinborg selbst gerne verwendet. Im Bett finden sich schwarze Haare, die nicht zu Runolfur gehören – Frauenhaare, wie sich im Labor herausstellt.

Zunächst scheint die erste Theorie zum Tathergang naheliegend: Runolfur bagert in einer Bar der Innenstadt eine Frau an, die er vielleicht schon aus seiner Tätigkeit als Telefontechniker kennengelernt hat. Dadurch hatte er Zugang zu Privatwohnungen, wo er DSL-Leitungen verlegt. Sie lässt nichtsahnend von ihm zu ein paar Drinks einladen, und in einen davon schüttet er eine ausreichende Dosis Rohypnol. Sie wird völlig willenlos, lässt sich zu ihm mitnehmen, der Rest ergibt sich – bis sie dann aufwacht, ohne sich an irgendetwas erinnern zu können. Denn das ist das Fiese an Rohypnol: Es unterdrückt die Erinnerung. Diese schöne Theorie hat nur einen Haken: Warum fand sich dann auch in Runolfurs Mund und Kehle genügend Rohypnol, um auch ihn gefügig zu machen? Gibt es einen dritten Beteiligten?

Zunächst macht sich Elinborg auf die Suche nach der Herkunft der Spuren. Sie bekommt von einer für verrückt gehaltenen alten Dame, die Angst vor elektromagnetischer Strahlung hat, die Aussage, dass sie in jener Nacht einen Mann „mit einer Antenne am Bein“ vorübereilen gesehen habe. Bei näherer Nachfrage stellt sich heraus: es war eine Beinorthese, um ein verkümmertes Bein zu stützen und aufrechtzuhalten. Da Kinderlähmung seit 1956 auf Island per Impfung ausgerottet ist, muss es sich um einen älteren Mann handeln. Fehlt nur noch die Tandoori-Connection.

Auf der Suche nach der Quelle des Rohypnols werden Elinborg und ihr Kollege Sigurdur Oli ebenfalls fündig. Der Dealer Valur hat es Runolfurs Freund Edvard verkauft, der sich als Runolfur ausgab. Edvard ist ein Lehrer und großer Freund von Videos alter Spielfilme. Er tut, als könne er kein Wässerchen trüben. Das Rohypnol habe er nur besorgt, weil sein Kumpel unter Schlafstörungen litt. Aber klar doch. Elinborg observiert ihn vorsichtshalber und bekommt gesteckt, dass Edvard vor Jahren im nahen Akranes an einer Schule lehrte, an der die 19-jährige Schülerin Lilja verschwand. Sie wurde bis heute nicht gefunden. Auch in dieser Sache mauert Edvard. Elinborg glaubt, dass er lügt.

Nach Tagen hartnäckigen Fragens zahlt sich endlich ihr Spürsinn aus: Die Tandoori-Connection existiert. Ein älterer Mann hat einen Tandoori-Topf gekauft, und die Verkäuferin hat die Quittung aufbewahrt. Doch als Elinborg endlich die Wahrheit über das OPFER erfährt, wird der Fall noch komplizierter. Dass der Vater des Opfers die Schuld auf sich nimmt und ein Geständnis ablegt, überzeugt Eliborg nicht. Der Vater erwähnt einen Geruch wie von Schmieröl, wie ihn Elinborg nur zu gut von ihrem Gatten, einem Automechaniker, kennt.

Ihr feines Näschen führt Elinborg zurück in Runolfurs Heimatdorf …

_Mein Eindruck_

Der Bestsellerautor greift diesmal ein heikles Thema auf und hinterfragt die Einstellung der Gesellschaft dazu: Vergewaltigung. Bei einem kleinen Volk wie den Isländern, die nur rund 300.000 Menschen zählen, haben Vergewaltigungsfälle mitunter weitreichende Folgen. Sie müssen also auffallen, besonders dann, wenn sie an der Tagesordnung zu sein scheinen. Doch wie gehen Mitmenschen, Polizisten und Justiz damit um, lautet Indriðasons Frage, und die Antwort fällt enttäuschend aus. Der Täter, sollte er überhaupt angezeigt oder gefunden werden, kommt mit unter zwei Jahren Haft davon, womöglich noch mit Bewährung. Das ist Indriðason viel zu wenig, und sein Krimi zeigt, warum.

Runolfurs erstes Vergewaltigungsopfer ist ein junges unbeschwertes Mädchen in der Provinz, das nach dieser Tat seinen Charakter völlig verändert. Statt den Täter anzuzeigen, frisst es die Scham in sich hinein. Noch Jahre nach dem demütigenden Missbrauch leidet die junge Frau darunter, bis sie schließlich das Leid nicht mehr aushält und sich umbringt – nicht ohne ein Vermächtnis hinterlassen zu haben …

Auch in Reykjavík stößt Elinborg auf solche Frauen. Unnur beispielsweise traut sich kaum noch vors Haus, trifft nicht mehr ihre Freundinnen und muss von ihrer Mutter beschützt werden. Auch Runolfurs letztes Opfer leidet an den seelischen Verletzungen, doch ihr kann wenigstens, wie Unnur, durch psychologische Betreuung seitens der Stadt geholfen werden. Ob diese Behandlung jedoch wirklich hilft, scheint eher fraglich, wenn man Unnurs Zustand und Verhalten berücksichtigt.

Durch Rohypnol, auch „Roofie“ genannt, ist Vergewaltigung heutzutage ein Kinderspiel geworden. Eine oder zwei Pillen in den Drink des Opfers und es wird willenlos und schwach wie ein Kind. Indirekt warnt der Autor also Frauen davor, sich solche Drinks spendieren zu lassen, egal ob in einer Bar oder einem Tanzklub. Es kann überall passieren. Für die Opfer, die irgendwo an der Straßenrand erwachen, ist hinterher umso schlimmer, dass sie sich an rein gar nichts erinnern können. Das begünstigt die Täter noch.

Was den Opfern umso mehr zusetzt, ist das Schweigen. Mit ihrer schweigenden Duldung nehmen alle Dorfbewohner ihre Kenntnis um Täter und Opfer hin und billigen somit das Verbrechen im Nachhinein. Das verleitet das Opfer zum Glauben, es selbst müsse an der Vergewaltigung schuld sein, sonst würde ja der Täter bestraft, oder? Die bereits zerstörte Selbstachtung wird zusätzlich noch durch Scham und Schuldgefühle ergänzt, so dass die Lage schließlich hoffnungs- und ausweglos erscheint.

Doch ist Selbstjustiz die geeignete Lösung, um die immer wieder zu Tage tretende Gleichgültigkeit der Gesellschaft auszugleichen? Das ist eine wichtige Frage, die der Autor aufwirft und am Schluss des Buches zudem beantwortet. Es ist natürlich nicht in Ordnung, denn allzu oft trifft die Selbstjustiz den Falschen, einen zu Unrecht Verdächtigten. Und wo kämen wir hin, wenn das Faustrecht wieder eingeführt würde? Wir würden wieder in jenem Mittelalter landen, als für den Erschlagenen ein Blutgeld, das Wergeld, gezahlt werden musste, um eine Familienfehde abzuwenden, die Jahrzehnte andauern konnte. Angeblich gibt es das mittelalterliche Fehdensystem in Albanien bis heute.

Die einzige legitime Lösung besteht für den Autor also in der geänderten Bewertung des Vergewaltigungsverbrechens (das in manchen Ländern noch nicht einmal diesen Status hat). Die Strafen müssen drastisch erhöht werden, bis, so vermute ich, Vergewaltigung gleichgesetzt wird mit schwerer Körperverletzung. Dann dürften es sich die Täter zweimal überlegen, ob sie wirklich etwas begehen wollen, was zuvor als Kavaliersdelikt galt.

|Die Übersetzung|

Coletta Bürling hat wieder einen beachtlich guten Job erledigt. Ich fand nur einen Fehler und einen Zweifelsfall. Auf Seite 134 heißt es einmal „ihn ihr“ statt „in ihr“. Auf Seite 283 benutzt sie dann das mir bis dato unbekannte Wort „Rasierhobel“. Offenbar handelt es sich um ein Utensil für die Nassrasur des Mannes. Aber es würde mich schon aus persönlichen Gründen interessieren, was es genau damit auf sich hat. Ich würde jedenfalls nicht an mir rumhobeln wollen. Denn beim Hobeln fallen bekanntlich meist Späne …

_Unterm Strich_

Der Autor prangert in seinem neuen spannenden Krimi das in Island gesellschaftlich offenbar akzeptierte Verbrechen der Vergewaltigung an. Während Erlendurs Abwesenheit ermittelt Inspektorin Elinborg mit bewundernswerter Hartnäckigkeit und Feinfühligkeit. So klärt sie insgesamt drei Verbrechen auf, auch eines, das schon sechs Jahre zurückliegt. Der Autor prangert durch die psychischen Traumata, die Elinborg bei den Opfern vorfindet, nicht nur die Täter an, sondern vor allem auch die lasche Haltung der Gesellschaft. Denn diese vermittelt den Opfern, sie seien sogar selber schuld an dem, was ihnen widerfahren ist.

Immer wieder sind Szenen aus der Familie der Inspektorin dazwischengeschaltet. Sie dienen nicht bloß dem Realismus und der Figurenbeschreibung. In Elinborgs kluger Tochter Theodora wird eine feinfühlige junge Frau erkennbar, die scharfsinnig die Arbeit ihrer Mutter hinterfragt – und ihr sogar unwissentlich einen wichtigen Tipp gibt. Dass ihr ältester Sohn Valdor alles über seine Familie im Internet bloggt, passt Elinborg gar nicht, sie kann aber nichts tun. Hiermit wird angedeutet, dass im Internet keine Privatsphäre mehr herrscht – und so können Vergewaltiger heute ihre Opfer umso leichter finden. Auch Kinder.

Ich habe den Krimi in nur zwei Tagen gelesen, weil er flott erzählt ist, vor allem aus Dialog besteht und eine überraschende Wendung enthält. Wie diese ausging, wollte ich unbedingt erfahren. Die einzige Schwäche, die man dem Krimi vorwerfen könnte, ist die, dass keinerlei Action vorkommt. Allerdings war das schon in praktisch allen Erlendur-Krimis so. Und vielleicht ist die Gewalt, die man sich VORSTELLEN muss, genauso schlimm wie jene, die gezeigt wird. Die Szene, als die Vergewaltigte erwacht und vom Horror ihres Lebens erfasst wird, fand ich jedenfalls sehr aufwühlend.

|Originaltitel: Myrká / The Face
Aus dem Isländischen von Coletta Bürling
ISBN-13: 978-3-7857-2393-7|
http://www.luebbe.de

Trevanian – Shibumi. Thriller

Nummer 5 lebt – und wird gejagt

Nach dem PLO-Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 schicken die Israelis fünf Agenten aus, um die Attentäter des Schwarzen September zu töten. Zwei von ihnen werden getötet, zwei weitere sterben bei einem Feuerüberfall in Rom, den die CIA so inszeniert, dass der Verdacht auf japanische Revoluzzer fällt. Doch der fünfte Agent wird einfach übersehen: Die 24-jährige Amerikanerin Hannah Stern.

Sie wendet sich an Terroristenjäger Nicholai Hel, halb Deutscher, halb Russe, aber von einem japanischen General erzogen und zu einem Kämpfer ausgebildet. Der Mann, der bei der CIA das Sagen hat, Mr. Diamond, bläst zur Jagd auf Hannah Stern. Und er hat noch eine Rechnung mit Mr. Hel zu begleichen. Die Spur führt ins Baskenland …
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Matthias Edvardsson – Die Wahrheit

Im schwedischen Lund wurde ein Ehepaar ermordet. Wer und was steckt hinter dieser grauenhaften Tat?

Matthias Edvardsson rollt diesen Fall von hinten auf: Zu Beginn des Buches sind die beiden schon tot und der Autor erzählt die Vorgeschichte und stellt seine Protagonisten vor.

Da wäre zunächst Bill mit seiner achtjährigen Tochter Sally. Vor etwa einem Jahr ist Bills Frau Miranda gestorben. Seitdem hält er sich nur mit Mühe und Not über Wasser. Er hat seinen Job verloren und hat Probleme, seine Miete zu zahlen. Bei allen Bekannten und Verwandten hat er bereits Schulden, und so beschließt er, eine Untermieterin in die kleine 3-Zimmer-Wohnung zu holen.

Das wäre Karla, die auf einen Studienplatz für Jura hofft. Um sich das Studium zu finanzieren, erledigt sie einen anstrengenden Putzjob. Der führt sie zweimal die Woche in die pompöse Villa von Steven und Regina Rytter. Karla merkt schnell, dass hier irgendwas komisch ist. Das Haus ist bereits blitzblank sauber, und doch soll sie zweimal die Woche für vier Stunden dort putzen. Steven arbeitet als Kinderarzt, doch seine Frau Regina ist krank und bettlägerig. Sie scheint die meiste Zeit verwirrt zu sein und nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden zu können. Doch dann gibt es auch Momente, in denen sie Karla ganz klar gegenübertritt.

Was ist in diesem Haus los?

Die letzte Hauptfigur ist Jennica – eine 30-jährige Frau, die immer noch bei Tinder ihr Liebesglück sucht und auch immer noch nicht weiß, was sie beruflich machen will. Bei einem Date lernt sie einen älteren Mann kennen, der ihr auf den ersten Blick sympathisch ist und mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre beginnt – ohne aber zu ahnen, dass dieser Mann ein Geheimnis hat…
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Robert B. Parker – Gunman’s Rhapsody. Ein Wyatt-Earp-Western

Tombstone 2.0: eine Innenansicht der Legende Wyatt Earp

Dieser Western über historisch verbürgte Ereignisse in den 1880er Jahren in Tombstone, Arizona, schildert den entscheidenden Abschnitt im Leben der legendären Hauptfigur Wyatt Earp. Die Krise gipfelt unter anderem in der berühmten und vielfach verfilmten Schießerei am O.K. Corral. Doch nur durch einen erzählerischen Kniff verstehen wir auch, wie es dazu kommen konnte. Schuld war (wie schon in Troja) der Streit um eine Frau…

Der Autor
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Robert Knott – Robert B. Parker’s Ironhorse (Ein Virgil-Cole-und-Everett-Hitch-Western 5)

Stilechte, werkgetreue Weiterführung der Parker-Western

Die Marshalls Virgil Cole und Everett Hitch kehren mit dem Zug von einer Mission in Mexiko zurück, als alte Feinde den Zug überfallen: erst Vince, ein Handlanger des von Hitch getöteten Salonbesitzers Randall Bragg aus Appaloosa, dann Mad Bob Brandice, den Cole in den Knast brachte. Und ausgerechnet diesmal sind der Gouverneur von Texas und seine schönen Töchter an Bord…

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Leslie Silbert – Der Marlowe-Code. Historischer Thriller

Zeitversetztes Agenten-Stelldichein

Im London der Gegenwart wird ein Buch mit Geheimdokumenten aus der elisabethanischen Zeit beinahe von einem Einbrecher geraubt. Der Besitzer lässt das Buch von einer amerikanischen Privatdetektivin namens Kate Morgan entziffern. Tatsächlich stammt das letzte Dokument von dem bekannten Dichter Christopher Marlowe, der für den Geheimdienst ihrer Majestät Elizabeths I. arbeitete und im Frühjahr 1593 meuchlings ermordet wurde. In diesem Jahr spielt die andere Hälfte des Romans. Spannend ist das Agentenleben.
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Robert Knott – Robert B. Parker’s Buckskin (Hitch & Cole Western 10)

Verfluchtes Gold

In den Hügeln um Appaloosa ist Gold gefunden worden. Um die Rechte an den Minen streiten sich zwei Unternehmen: die McCormicks und die Gruppe um Henri Baptiste. Beide haben ihre Revolvermänner, um die Camps der Bergarbeiter zu schützen, und als einer nach dem anderen ihrer Leute verschwindet, schalten die McCormicks die beiden Marshals Virgil Cole und Everett Hitch ein.

Doch der Mord an James McCormick ist voller Rätsel: Er wurde nicht erstochen, sondern zuvor auch vergiftet. Der Vormann der McCormick-Gunmen ruft den Kriegszustand aus. Der Konflikt spitzt sich just an jenem Tag zu, als die Stadt die „Appaloosa Days“ feiert, eine Art Festival…

Unterdessen nähert sich der Stadt ein seltsames Duo: ein junger Mann auf einem Pony wird von einer älteren Dame begleitet, die wie eine Zigeunerin auf einem Riesenpferd aussieht. Beide sind schwer bewaffnet. Das kann nichts Gutes bedeuten.
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Derek Raymond – Der Teufel hat Heimaturlaub. Thriller (Factory 02)

Sympathy for the Devil Reloaded

Eine zerstückelte und gekochte Leiche wird gefunden – ein Fall für die ‚Fabrik‘, Scotland Yards Abteilung für ungeklärte Todesfälle. Der namenlose Sergeant stößt bald auf den Hauptverdächtigen: ein irischer Berufskiller mit sadistischen Gelüsten. Aber wer und was steckt dahinter? Wer ist der Auftraggeber? (Verlagsinfo)

Hinweis: Der Schreiber empfiehlt diesen Roman und die Besprechung erst ab 16 Jahren. Beschreibungen wie die auf S. 20 sind sehr drastisch und weit unterhalb der Gürtellinie.
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Robert Knott – Robert B. Parker’s Blackjack. Ein Hitch & Cole Western 8

Gerichtsdrama und Mordermittlung mit Dame

Appaloosa ist eine aufstrebende Stadt geworden. Ein neuer Glücksspiel-Saloon soll eröffnet werden. Der Manager ist Boston Bill Black, ein Hüne mit einem ebenso üblen Temperament wie Vorstrafenregister. Als ein Polizist aus Denver ihn wegen Mordes festnehmen will, schießt einer von Blacks zwei Leibwächtern ihn kaltblütig nieder. Das Trio macht sich aus dem Staub, verfolgt von den Marshals Cole und Hitch.
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Jan Erik Fjell – Nachtjagd (Anton Brekke 06)

»Nachtjagd« spielt auf einem der Hurtigruten-Kreuzfahrtschiffe, die entlang der norwegischen Küste verkehren. Dort verliebt sich eine junge Frau in einen mysteriösen amerikanischen Fotografen, der die spektakulären Nordlichter ablichten möchte. Am Ufer eines Sees in Norwegen wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ihr geschundener Körper ist mit Wunden übersät.

Kriminalkommissar Anton Brekke von der Polizei Oslo läuft es bei dem Anblick eiskalt den Rücken herunter. Wenn sich sein Verdacht bestätigt, dann hat der flüchtige Serienmörder Stig Hellum sein grausames Werk wiederaufgenommen – und bereits sein nächstes Opfer im Visier. Für Brekke beginnt ein Kampf gegen die Zeit und gegen unvorstellbar Böses. Zur gleichen Zeit treffen die Leser*innen einen Mann in der Todeszelle in Texas, der nur noch Stunden von seiner Hinrichtung entfernt ist.

»Diese beiden Geschichten verschmelzen miteinander, während mein Kriminalkommissar Anton Brekke versucht, den berüchtigten Serienmörder Stig Hellum zur Strecke zu bringen«, so der Autor (siehe das Interview). »Ich denke, dass die Kombination all dieser Elemente das ganz Besondere an diesem Thriller ist.«
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Chris McGeorge – Time Escape

Inhalt

Shirley Steadman kann kaum glauben, was sie da im Radio hört: lokale Nachrichten, harmlose Unfälle – aber das Datum ist das von morgen! Erst denkt die 70-Jährige noch, dem Piratensender, den sie zufällig entdeckt hat, sei ein Fehler unterlaufen. Doch am nächsten Tag ereignet sich alles exakt wie gemeldet. Kann es wirklich sein, dass jemand die Zukunft vorhersieht? Oder wird sie, die hin und wieder mit ihrem toten Sohn spricht, langsam verrückt? Fasziniert und beunruhigt zugleich schaltet Shirley den Sender immer häufiger ein. Doch dann berichtet der Nachrichtensprecher von einem Mord. Und Shirley ist die Einzige, die ihn verhindern kann … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Meine Begeisterung war bereits nach wenigen Seiten geweckt, denn die Handlung wirft schnell viele Fragen auf und die greifbar unheimliche Stimmung ist von Anfang an mitreißend. Außerdem fand ich eine 70-jährige Hauptfigur in einem Mystery-Thriller wunderbar erfrischend!
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Sarah Goodwin – Stranded – Die Insel

Inhalt

Für Maddy wird ein Traum wahr: Sie nimmt an einem neuartigen Fernsehexperiment teil, in dem acht Fremde auf einer einsamen schottischen Insel überleben müssen, ein Jahr lang, mit nur minimaler Ausrüstung und ohne Kontakt zur Außenwelt.18 Monate später ist Maddys Traum zum Albtraum geworden. Die Behörden greifen die junge Frau in einem Fischerdorf auf dem Festland auf. Verzweifelt berichtet sie, wie das Boot, das die Teilnehmer nach einem Jahr abholen sollte, nicht kam. Und davon, wie in den folgenden Wochen einer nach dem anderen starb, nicht durch Hunger oder Krankheit, sondern durch menschliche Hand. Doch was verschweigt Maddy? Und wie schaffte sie es, die Insel lebend zu verlassen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck

“Stranded – Die Insel” ist spektakulär spannend: Ich habe diesen eindrücklich erzählten, düsteren Thriller regelrecht verschlungen! Sarah Goodwin – Stranded – Die Insel weiterlesen

Patterson, James / Paetro, Maxine – 5th Horseman, The

_Rettet das Krankenhaus – und den Autosalon!_

Jemand stirbt – die Apokalypse naht – der fünfte apokalyptische Reiter ist unterwegs …

Im Städtischen Krankenhaus von San Francisco sterben die Patienten wie die Fliegen. Aber nicht an Krankheiten, sondern weil jemand kräftig nachgeholfen hat. Seine Handschrift: zwei Knöpfe auf den Augen des Opfers. Die Knöpfe tragen das Bild des Äskulapstabs …

Unterdessen muss sich Polizeileutnant Lindsay Boxer mit einer Serie bizarrer Morde an jungen Frauen befassen. Die Frauen wurden nach ihrer Ermordung wie Models in teure Kleider gesteckt. Da man sie alle in einem teuren ausländischen Wagen findet, heißen sie alsbald nur die Car Girls. Als aber das neueste Opfer bei der Eröffnung eines Automobilsalons gefunden wird, platzt Lindsay endgültig der Kragen – und schon bald hat sie eine heiße Spur …

_Die Autoren_

James Patterson, ehemaliger Besitzer einer Werbeagentur, ist der Autor zahlreicher Nummer-1-Bestseller. Allerdings sind es vor allem seine Alex-Cross-Thriller, die den Leser berühren. Folglich war Alex Cross bereits zweimal im Film zu sehen: „Im Netz der Spinne“ und „… denn zum Küssen sind sie da“ wurden beide erfolgreich mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt. Für Einsteiger sei gesagt, dass Alex Cross ein sympathischer schwarzer Polizeipsychologe ist, der mit seiner Familie in Washington, D.C., lebt.

Patterson ist extrem fleißig. Sein letzter Solo-Roman ist „Das Ikarus-Gen“, davor wurde auch „Sam’s Letter to Jennifer“ veröffentlicht, das ähnlich aufgebaut ist wie der „tearjerker“ „Briefe an Nicholas“.

Im Frühjahr 2003 (deutsch Mitte 2005) erschien eine Kollaboration mit dem Titel „Die Rache des Kreuzfahrers“ (The Jester), deren Story im Mittelalter spielt. Der neueste Alex-Cross-Roman trägt den Titel „Ave Maria“ (2005).

Nähere Infos finden sich unter www.twbookmark.com und www.jamespatterson.com. Patterson lebt mit seiner Familie in Florida.

Maxine Paetro ist eine Journalistin und Schriftstellerin, die mit ihrem Mann in New York City lebt.

_Handlung_

Wie so häufig bei Patterson, laufen mehrere Handlungsstränge parallel nebeneinander her, bis sie sich an einem kritischen Punkt kreuzen. So auch in diesem Roman.

|Um Mitternacht|

Eine junge Mutter freut sich darauf, dass sie bald wieder zu ihrem Töchterchen zurückdarf. Sobald man sie aus dem Städtischen Krankenhaus von San Francisco entlassen haben wird. Doch in der Nacht vor ihrer Entlassung schlägt der Night Walker zu und injiziert ihr eine tödliche Dosis. Jessie Falks Herz zuckt in Horror, als das Gift sich in ihrem Körper verbreitet.

Sie kann den Klingelknopf nicht erreichen, mit dem sie eine Krankenschwester rufen könnte. Verschwommen sieht sie eine Gestalt auf sich zukommen und bettelt um Hilfe. Doch diese Gestalt sagt nur: „Ja, du stirbst, Jessie. Es ist wunderschön mit anzusehen, wie du hinübergehst.“ Und als Jessie das getan hat, legt sie ihr zwei Knöpfe auf die beiden Augen. Auf den Knöpfen ist das Emblem der medizinischen Zunft zu sehen: der Äskulapstab, um den sich zwei Schlangen ringeln.

|Der Women’s Murder Club|

Polizeileutnant Lindsay Boxer leitet die Mordkommission beim San Francisco Police Department, und in dieser Position hat sie schon einiges durchgemacht. So wurde sie zum Beispiel von einem Teenagerpärchen, das auf Drogen war, zusammen mit ihrem Kollegen Warren Jacobi krankenhausreif geschossen. (In [„4th of July“.) 1565 Neben dem Department kann sie sich auf die moralische und emotionale Unterstützung des Women’s Murder Club stützen, der sich regelmäßig trifft. Besonders Claire, die Gerichtsmedizinerin, ist ihr eine große Hilfe. Aber auch Cindy, die Reporterin bei der Zeitung „S.F. Chronicle“, gibt ihr manchmal Tipps, die Lindsay helfen, auf dem Laufenden zu bleiben. Jüngstes Mitglied des Klubs ist die junge Rechtsanwältin Yuki Castellano.

Yuki und Cindy sind total interessiert an dem beginnenden Prozess gegen das Städtische Krankenhaus. Es geht um höhe Entschädigungen an zwanzig Sammelkläger, die allesamt liebe Angehörige in diesem Hospital verloren haben. Ihre Rechtsvertreterin, Anwältin Maureen O’Mara, verklagt das Krankenhaus wegen ärztlicher Kunstfehler. Von Mord ist (noch) keine Rede. Aber der Verteidiger der Gegenseite, Lawrence Kramer, behauptet, es handle sich lediglich um menschliche Irrtümer. Zu seinen Zeugen gehört auch ein gewisser Dr. Dennis Garza.

|Der fünfte Reiter|

Als Yukis Mutter Keiko nach einem Schwächeanfall in diese Klinik eingeliefert wird, macht sich Yuki entsprechende Sorgen. Als Keiko eines Nachts dort sogar direkt vor ihrer Entlassung stirbt, fällt Yukis Verdacht auf Dr. Dennis Garza. Dessen kaltschnäuzige und arrogante Art schockiert sie zutiefst und veranlasst sie, ihn zu beschatten. Natürlich erzählt sie ihren Verdacht auch ihren Freundinnen und schon bald sieht sich auch Lindsay Boxer veranlasst, sich dieses Krankenhaus mal genauer von innen anzusehen. Denn Keikos mysteriöser Tod bleibt beileibe nicht der letzte, und als eine Informantin Lindsay von den Knöpfen berichtet, erwacht in Lindsay der Killerinstinkt, der vor nichts Halt macht …

|Die Automädchen|

Doch Lindsay muss von nun an kräftig Überstunden schieben. Sie hat zeitgleich eine mysteriöse Serie von Morden an jungen Frauen aufzuklären. Diese jungen Amateurprostituierten wurden zuerst mit Rohypnol wehrlos gemacht, dann vergewaltigt und schließlich erstickt. Als man sie findet, sind Caddy (= Cadillac) Girl und Jaguar Girl in teure Klamotten gekleidet und duften nach exklusivem Parfum. Außerdem starren sie blicklos geradeaus durchs Fenster. Als habe man sie für eine Art von Tableau drapiert.

Ein paar Tage später wird in der Stadt ein Automobilsalon eröffnet, der Jung und Alt anzieht. Vor allem die Kids wollen die teuren europäischen Sportwagen sehen. Der teuerste von allen ist natürlich der Ferrari. Als der Ausstellungsassistent dieses Schmuckstück enthüllt, sitzt jedoch bereits eine Fahrerin am Steuer. Merkwürdig ist jedoch der seltsam starre Blick, der den Jungs eine Gänsehaut verursacht …

|Jagdsaison hoch 2|

Lindsay Boxer platzt der Kragen: Wer auch immer die tote Frau in den Wagen gesetzt hat, verhöhnt sie und ihre Kollegen nicht nur – er zeigt ihnen den Stinkefinger! Sofort nimmt sie die Verfolgung auf, denn diesmal haben der oder die Täter verräterische Spuren zurückgelassen.

Außerdem heftet sie sich an die Fersen des sich ziemlich verdächtig verhaltenden Arztes Dr. Dennis Garza. Als sich Garza im Prozess, in dem er gar nicht angeklagt ist, sondern nur als Zeuge gehört wird, auf das Zeugnisverweigerungsrecht beruft, das in der Verfassung verankert ist, verursacht er einen Skandal. Genauso gut hätte er sich gleich schuldig sprechen können.

Aber das ist erst der Anfang des Sumpfes an Korruption, in den Lindsay ihre Mörderjagd führt.

_Mein Eindruck_

Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass James Patterson nur noch seinen Namen für Bücher hergibt, bei denen er als Koautor angegeben wird. (Und sein Millionen-Dollar-Name wird mindestens doppelt so groß wie der des anderen Koautors gedruckt.) Will heißen, es ist fraglich, ob er überhaupt noch selbst Hand an solche Bücher legt. Denn sonst könnte er wohl kaum fünf solcher Romane pro Jahr raushauen.

Wenigstens tragen alle seine Romane sein Markenzeichen: die superkurzen Kapitel, die maximal vier bis fünf Seiten lang sind, manchmal sogar nur eine. Der Umfang von 330 Seiten ist deshalb reine Augenwischerei. In Wahrheit sind es nur 250 Seiten, die der Text ausmacht – und das im Großdruck. Inzwischen hat einer seiner deutschen Verlage, |Ehrenwirth|, erkannt, dass dies sehr nach Zeilenschinderei aussieht und hat in [„Das Ikarus-Gen“ 2336 die sowieso nichts sagenden Kapitelüberschriften einfach gestrichen. Der Text ist sofort flüssiger zu lesen.

Was aber bedenklicher ist: Selbst wenn er eine Qualitätskontrolle ausüben sollte, so wird diese immer lascher. Sicher: Die fachliche Kompetenz ist durchaus gegeben, wenn man sich die Liste der fachlichen Berater am Schluss des Buches ansieht – das findet sich im Text bestätigt, der, so weit ich es beurteilen kann, keine Sachfehler enthält. Nein, es sind vielmehr die Handlungsführung, die Erzeugung von Spannung und die Figurenzeichnung, die zu beanstanden sind.

|Die Figuren|

An den Profis auf Seiten von Lindsay Boxer besteht kein Zweifel an der Ernsthaftigkeit und Kompetenz im Job, doch sobald es darüber hinausgeht, kommen einige Zweifel auf. Dieser Effekt ist natürlich beabsichtigt. Dr. Dennis Garza haben Yuki & Co. sofort im Visier, und auch die Krankenhaus-Chefetage gerät ins Zwielicht. Die „Schwarzwaldklinik“ lässt grüßen, denn selbstverständlich menschelt es auch hier, dass sich die Bettfedern biegen.

Aber gerade das Gerichtsdrama, das einen durchgehenden Handlungsstrang bildet, trägt zu dem Eindruck bei, dass man es oftmals nur mit klischeehaft gezeichneten Pappnasen zu tun hat. Genau so dürfte es in einem Dokufiction-Film über Gerichtsverhandlungen zugehen. Aber vielleicht beeinflusst das eine das andere, so dass die Fiktion die Realität inzwischen so verbogen hat, dass ein Prozess automatisch zu einem Schaukampf verkommen ist. Ganz besonders, wenn Geschworene das Urteil finden sollen.

|Die Parallelhandlung|

Die Mordserie an den Autogirls dient lediglich zur Ablenkung von Gerichtsdrama und Hospitalmorden. Wie sich zu meiner Enttäuschung herausstellte, haben die Protituiertenmorde nichts mit dem Städtischen Krankenhaus zu tun, sondern stellen vielmehr die Kompetenz von Boxer & Co. in Frage: Die Täter drehen ihnen eine Nase, zeigen ihnen sogar den Mittelfinger. Der Leser fragt sich unwillkürlich: Wenn Boxers Leute nicht mal diesen Fall klären können, wie sollen sie dann in Sachen Hospitalmorde auf einen grünen Zweig kommen?

In den bisherigen Fällen des Women’s Murder Club erwies sich diese Parallelhandlung als ein echt fieser Trick nach Patterson-Machart, der die Ermittler – hier: Boxer – in schwerste persönliche Bedrängnis brachte. Das fällt diesmal völlig weg. Und daher fehlt der Story auch ein gewisses Maß an Biss und Zynismus.

Alles in allem entsteht bei mir der Eindruck, es mit einem ziemlich durchschnittlichen Krimi für die sonst nicht lesende Masse zu tun zu haben. Daher auch die leicht verdaulichen Häppchen an Handlung und Ereignissen. Ich wage nicht zu spekulieren, von welchen Bevölkerungsgruppen diese „sonst nicht lesende Masse“ gestellt wird, denn das könnte als politisch überhaupt nicht korrekt angesehen werden. Aber wenn ich auf „BILD“-Leser und deren amerikanisches Gegenstück tippe, liege ich wahrscheinlich nicht ganz verkehrt.

|Die Moral von der Geschicht’|

Wer sich nun fragt, was die Story uns eigentlich sagen soll und was das alles mit einem mysteriösen „fünften apokalyptischen Reiter“ zu tun hat, dem würde ich sagen, dass die Autorin Maxine Paetro offenbar vor dem zunehmend Ausmaß an „ärztlichen Kunstfehlern“ warnt. Deren Zahl scheint gerade in den privatisierten Krankenhäusern – wie dem Municipal Hospital von San Francisco – überproportional zuzunehmen. Statistiken werden dafür angeführt und eine Erklärung genannt. Als Erstes muss der Privatbetreiber das teure, wenn auch gut geschulte Medizinerpersonal rauswerfen und durch halbwegs taugliche Ärzte und schlecht bezahlte Pfleger ersetzen, die nur einen Bruchteil des vorherigen Lohns kosten.

Dass manche Ärzte wie Dr. Dennis Garza schon einiges auf dem Kerbholz haben, stört dabei nicht besonders, selbst wenn sie Fehler machen sollten – dafür gibt es ja tolle neue Computer, die die Ausgabe von falschen Medikamenten bestimmt verhindern, oder? Jedenfalls ist die Hauptsache, dass der Profit stimmt. Dabei kann dem Patienten allerdings das kalte Grausen kommen.

Man kann diese verhängnisvolle Entwicklung ebenso als fünften Reiter der Apokalypse ansehen wie auch ihre einzelnen Vertreter, die sich quasi als „Engelmacher“ einen Namen machen.

_Unterm Strich_

Diesmal spielt der San-Francisco-Thriller an zwei der populärsten Schauplätze: erstens im Krankenhaus, das durch Serien wie „E.R.“, „Grey’s Anatomy“ und „CSI Medical“ eine Art heroisches Zwielicht angenommen hat, wo sich die Aufrechten und die Schurken unablässig Kämpfe um das Leben der ach so lieben und bedauernswerten Patienten liefern. Und zweitens vor Gericht, wo zahllose Fernsehserien ihre Courtroom-Dramen abspulen, um allabendlich die ach so bösen Schurken zur Strecke zu bringen und für die Opfer sogenannte Gerechtigkeit zu erstreiten. Der Roman geht wenig über das Qualitäts-Level dieser Soap-Operas hinaus, erreicht noch nicht einmal Grisham-Niveau.

Vor dem Hintergrund dieser sattsam bekannten Szenarien bietet die bizarre Mordserie an den Car Girls eine erfrischend „unartige“ Note. Hier trumpfen respektlose Killer gegen die Polizeikräfte auf, und was sie als Markenzeichen zurücklassen, bringt die ansonsten stark vermissten Aspekte von Sex und Glamour ein. Dieser Handlungsstrang dürfte die jüngere weibliche Leserschaft stark ansprechen, von der männlichen ganz zu schweigen.

_James Patterson auf |Buchwurm.info|:_

[„Das Pandora-Projekt“ 3905 (Maximum Ride 1)
[„Der Zerberus-Faktor“ 4026 (Maximum Ride 2)
[„Das Ikarus-Gen“ 2389
[„Honeymoon“ 3919
[„Ave Maria“ 2398
[„Wer hat Angst vorm Schattenmann“ 1683
[„Mauer des Schweigens“ 1394
[„Stunde der Rache“ 1392
[„Wenn er fällt, dann stirbt er“ 1391
[„Wer sich umdreht oder lacht“ 1390
[„Die Rache des Kreuzfahrers“ 1149
[„Vor aller Augen“ 1087
[„Tagebuch für Nikolas“ 854
[„Sonne, Mord und Sterne“ 537
[„Rosenrot Mausetot“ 429
[„Die Wiege des Bösen“ 47
[„Der 1. Mord“ 1361
[„Die 2. Chance“ 1362
[„Der 3. Grad“ 1370
[„4th of July“ 1565
[„Die 5. Plage“ 3915

Christine Brand – Blind

Inhalt

Nathaniel hört einen Schrei, dann bricht die Verbindung ab. Gerade noch telefonierte er mit einer Frau. Eine anonyme App verband die beiden, die Frau half Nathaniel dabei, das richtige Hemd zu wählen. Denn Nathaniel ist blind, doch der Schrei klang eindeutig. Was, wenn der Frau etwas angetan wurde? Er ist sich sicher: Es muss ein Verbrechen sein. Doch keiner glaubt ihm, es gibt keine Beweise, keine Spur. Gemeinsam mit einer Freundin, der Journalistin Milla, macht sich Nathaniel selbst auf die Suche nach der Wahrheit. Er ahnt nicht, dass er für die fremde Frau die einzige Chance sein könnte – oder ihr Untergang … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Blind liest sich gewissermaßen von selbst, denn der ist Schreibstil ist ausgesprochen lebendig und leicht, die Erzählweise drängt dynamisch vorwärts und die kurzen Kapitel beschreiben abwechselnd das Handeln sowie Denken der Hauptakteure:

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John Grisham – Feinde

Die Verlagsinfo:

Biloxi, Mississippi: Die Einwanderersöhne Keith und Hugh wachsen in den Sechzigerjahren gemeinsam auf, verbunden durch eine scheinbar unverbrüchliche Freundschaft. Bis sie sich auf den verschiedenen Seiten des Gesetzes wiederfinden: Keith hat Jura studiert und ist Staatsanwalt geworden. Hugh dagegen arbeitet für seinen Vater, den Boss der Dixie-Mafia. Eine tödliche Feindschaft entsteht, die vor Gericht ein dramatisches Finale findet.

Mein Eindruck:

Wer die Feinde in diesem Roman sind, das wird schnell klar. Gemeinsam als Freunde in den 1960ern aufgewachsen, eint Keith Rudy und Hugh Malco ihre Liebe und ihr Talent für Baseball und die Herkunft ihrer kroatischen Einwanderfamilien, die sich schon seit Jahrzehnten kennen.

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David Baldacci – Eingeholt (Atlee Pine 03)

Das Power-Team: Atlee Pine und John Puller

Atlee Pine will endlich ihre Schwester finden-und trifft dabei auf John Puller, Spezialermittler der Militärpolizei. Seit Jahren wird FBI-Agentin Atlee Pine von ihrer Vergangenheit heimgesucht: Ihre Zwillingsschwester Mercy wurde als Kind entführt und Atlee damals schwer verletzt. Seitdem versucht sie, das Rätsel um Mercy zu lösen – denn auch ihr Job steht auf dem Spiel. Gemeinsam mit der unbeirrbaren Carol Blum folgt Atlee einer heißen Spur nach New Jersey. Dort sprengt sie versehentlich die Ermittlungen ihres alten Bekannten John Puller, der als Spezialermittler der Militärpolizei eine andere Sorte Verbrecher verfolgt. Doch dann ergeben sich Verbindungen zwischen ihren Fällen. Kann Puller helfen, Mercy zu finden? Die Wahrheit, die endlich ans Licht kommt, ist schockierender als alles, was Atlee sich ausgemalt hat. (Verlagsinfo)

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Robert Ludlum & Brian Freeman – Die Bourne-Evolution (Jason Bourne 15)

Codename Cain

Sie war die große Hoffnung der amerikanischen Demokraten. Schlagfertig, klug und progressiv. Doch dann wird die junge Kongressabgeordnete Sofia Ortiz bei einem Überfall auf eine Veranstaltung in New York mit mehreren Schüssen getötet. Dringend tatverdächtigt ist ausgerechnet jener Mann, der bis vor Kurzem als Killer im Auftrag der Regierung stand. Sein Name ist Jason Bourne und er ist auf der Flucht. Einzig die Journalistin Abbey Laurent glaubt an seine Unschuld und beschließt, ihm zu helfen. Doch Bournes Feinde kennen keine Skrupel. Eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt … (Verlagsinfo)
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Tony Hillerman – Wer die Vergangenheit stiehlt / A Thief of Time (Navajo Tribal Police 08)

Navajo-Krimi: Spannend, kritisch und anrührend

Warum ist das Volk der Anasazi im 12. Jahrhundert einfach vom Erdboden verschwunden? Dr. Eleanor Friedman-Bernal ist drauf und dran, dieses alte Rätsel der Anthropologie zu lösen. Doch dann taucht sie auf einmal selbst nicht mehr dem Ausgrabungsgebiet auf.

Die Navajo-Cops Joe Leaphorn und Jim Chee stellen bei ihrer Suche nach der Forscherin fest, dass wertvolle Anasazi-Keramiken gestohlen wurden. Ist die Anthropologin den Dieben der Vergangenheit auf die Spur gekommen? (abgewandelte Verlagsinfo)
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Francis, Dick – Verrechnet

Alexander Kinloch wird überraschend zu seinem kranken Stiefvater Sir Ivan nach London geholt. Dieser bittet Alex, ein wertvolles Rennpferd und einen Goldpokal vor seinen Gläubigern und seiner gierigen Tochter zu verstecken. Der Kampf um Erbe, Pferd und Pokal beginnt.

„Verrechnet“ eröffnet mit lakonischer Ironie einen faszinierenden Blick auf die Abgründe eines Familien-Clans. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Richard Stanley Francis kam am 31. Oktober (Halloween!) 1920 in Wales als Sohn eines Reitjockeys zur Welt, in dessen Fußstapfen er trat. Nach einem militärischen Intermezzo während des 2. Weltkriegs bei der Luftwaffe ritt Francis wieder. 1956 verletzt er sich bei einem Sturz so stark, dass es das Aus für seine Karriere bedeutete, aber den Start seiner Schriftstellerlaufbahn. Nach seinen Memoiren mit dem vieldeutigen Titel „The Sport of Queens“ schreibt Francis über 40 Krimis in Folge, die in über 30 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt wurden. Im Genre erhielt er höchste Auszeichnungen. Er lebt heute auf den britischen Cayman Islands in der Karibik (sie tauchen in dem Grisham-Krimi „Die Firma“ auf).

_Handlung_

Der Kunstmaler Alexander Kinloch, der im Mittelpunkt der Handlung steht, ist gerade in seinem Haus in Schottland überfallen und ausgeraubt worden. Zum Glück konnte er sich merken, wie die Räuber aussahen und hat sie gezeichnet.

Bis sich die Lage normalisiert, wohnt Alex bei seiner Mutter Lady Vivienne Westering in London. Leider ist es um die Gesundheit ihres Mannes Sir Ivan, seines Stiefvaters, nicht zum Besten bestellt. Er hat gerade einen Herzanfall überstanden. Seine Genesung verzögert sich, weil er sich zu viele Sorgen macht: um seine Brauerei, sein Rennpferd und um den Pokal des King-Alfred-Rennens, das er jährlich ausrichtet. Doch Sir Ivan vertraut Alex und fragt ihn: „Wo würdest du das Pferd und den Pokal verstecken?“

Fortan kämpft Alex an zwei Fronten. Ausgestattet mit einer Vollmacht von Sir Ivan, versucht er die Brauerei vor der drohenden Insolvenz zu bewahren, denn durch Unterschlagung sind mehrere Millionen verschwunden. Die Firma soll aber im Falle des Todes von Sir Ivan Alex‘ Stiefschwester Patsy Benchmark erben, ein raffgieriges Frauenzimmer, das mit seinem Mann Surtees auf großem Fuß lebt (wobei Surtees eine Geliebte hat, von der sie nichts weiß). Al hat genau zwei Tage Zeit, alles Notwendige zu erledigen. Er heuert einen stämmigen Privatdetektiv an und stürzt sich ins Getümmel.

Da er ein Händchen für den Umgang mit Frauen hat, verschafft er sich deren Loyalität und Unterstützung. Da wäre einmal seine Schwester Emily, dann noch die Bankfrau Margaret Morden und schließlich eine Mrs. Newton, die Witwe des verstorbenen Buchhalters, der die Millionen unterschlagen hat. Als sich abzeichnet, dass die Gegenseite vor fiesen Tricks nicht zurückschreckt, sehen die Damen ein, dass Rückzug die klügere Seite der Kriegsführung sein kann und begeben sich in Deckung.

Unterdessen fliegen die Fetzen, als die Benchmarks mit ihrem rabiaten Anwalt Grenchester gegen Alex und Co. antreten. Ein Glück, dass Sir Ivan nicht mehr miterleben muss, wie man versucht, Alex lebendig zu grillen …

_Mein Eindruck_

Es geht doch nichts über herzliche Familienbande. Wobei das mit der Bande diesmal wörtlich zu nehmen ist. Die raffgierigen Erben scheinen vor nichts zurückzuschrecken, dabei werden sie selbst hinters Licht geführt. Zum Leidwesen von Alex merken sie das aber reichlich spät. Die Kavallerie erscheint mal wieder erst in letzter Sekunde. Das macht richtig Laune.

Das Buch unterhält den Leser bestens mit unerwarteten Enthüllungen, rätselhaften Verbindungen und genialen ironischen Dialogen, um dann in ein actionreiches Finale zu münden.

Aber eines ist schon recht erstaunlich: Die Guten hören alle auf Alex‘ Stimme der Vernunft und machen bei seinen Maßnahmen mit, mit denen er die Erbschleicher von seiten der Benchmarks austrickst. Sir Ivan hätte keinen besseren Erben und Sachwalter haben können. Und das alles kriegt ein Kunstmaler zustande?! Offenbar bietet die Kunstakademie neuerdings Schnellkurse in Betriebswirtschaftslehre und Kriminalistik an …

_Unterm Strich_

„Verrechnet“ bietet britische Krimikunst aus der obersten Liga, das ist schon richtig. Humorvolle Unterhaltung und spannendes Geschehen halten sich wirkungsvoll die Waage, so dass dem Leser nie langweilig wird – solange er den Überblick über die Fülle der Figuren behält.

|Originaltitel: To the hilt, 1996
Aus dem Englischen von Malte Krutzsch|

Robert Ludlum & Joshua Hood – Der Gejagte (Treadstone 01)

Für seine Zeit als Killer im Dienst der US-Regierung hat Adam Hayes teuer bezahlt. Inzwischen hat er dem geheimen Treadstone-Programm den Rücken gekehrt und arbeitet daran, sich an der Westküste der USA eine bescheidene Existenz aufzubauen.

Bis die Vergangenheit ihn gnadenlos einholt: Ein schwer bewaffnetes Kommando versucht, Hayes auszuschalten. Mit knapper Not kann er entkommen. Wer steckt hinter dem Attentat? Und warum? Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, muss Hayes wieder das werden, was er nie wieder sein wollte: ein nahezu perfekter Killer. (deutsche Verlagsinfo)

Der Autor
Robert Ludlum & Joshua Hood – Der Gejagte (Treadstone 01) weiterlesen