FRANK LAUENROTH – White Fire – Band 2 der Corona Saga

White Fire setzt genau dort an, wo Black Ice endete. Wer nach dem ersten Band um das Schicksal von Frankie gebangt hat, kann aufatmen: Frank Lauenroth liefert eine schlüssige Erklärung dafür, wie der Pilot der Corona die dramatischen Ereignisse überstanden hat, und führt seine Geschichte nahtlos fort. Allein die Rückkehr dieser zentralen Figur macht den Einstieg in den zweiten Teil der Corona-Saga zu einem Vergnügen, auch wenn wir dafür auf einen anderen Charakter aus dem Vorgänger verzichten müssen.

Die Lage der Crew ist allerdings alles andere als entspannt. Nachdem man den Krieg überwunden und die unmittelbare Gefahr gebannt glaubte, sorgt eine missverstandene Warnung dafür, dass der Albtraum von Neuem beginnt. Plötzlich sehen sich Frankie und seine Gefährten gleich mehreren Gegnern gegenüber, darunter ein rachsüchtiger Clan, ein Kriegsschiff der Kernwelten und zwei unerbittliche Vollstrecker einer mächtigen Handelsgesellschaft.

Flotte Geschichte

Lauenroth bleibt dabei seinem Erfolgsrezept aus dem ersten Band treu: Das Geschehen kommt kaum zur Ruhe. Verfolgungsjagden, Fluchtmanöver und brenzlige Situationen reihen sich aneinander und sorgen für ein hohes Erzähltempo. Wer rasante Science-Fiction mag und sich gern von einer Handlung mitreißen lässt, wird hier bestens unterhalten. Die Seiten blättern sich wie von selbst um, und immer wieder gelingt es dem Autor, die Spannung aufrechtzuerhalten.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass White Fire mit knapp 400 Seiten spürbar umfangreicher geraten ist als sein Vorgänger. Nicht jede Episode trägt gleichermaßen zum Fortschritt der Handlung bei. Einige Sequenzen wirken etwas ausgedehnt, insbesondere wenn erneut eine Flucht in die nächste übergeht und sich Verfolgung an Verfolgung reiht. Hinzu kommt, dass die Handlung uns durch zahlreiche Regionen und Schauplätze dieser fantasievoll gestalteten Welt führt. Dabei verliert man gelegentlich den Überblick darüber, wo sich die Figuren aktuell befinden und wie die einzelnen Orte zueinander in Beziehung stehen.

Auch bei den Charakteren erreicht der zweite Band nicht ganz die Stärke von Black Ice. Während man im ersten Teil rasch eine Bindung zu Figuren wie Holly, Wood oder Gostoe aufbauen konnte, bleiben die neu hinzukommenden Crewmitglieder diesmal etwas blasser – eine liebenswürdige Ausnahme bildet Ri 14. Sie erfüllen ihre Rolle in der Handlung, erreichen aber nicht die emotionale Präsenz wie in Band 1.

Ähnliches gilt für die Antagonisten. Die Zwillingsbrüder Zwartesol erscheinen über weite Strecken recht eindimensional. Ihre Eigenschaften reduzieren sich häufig auf Gewaltbereitschaft, Rücksichtslosigkeit und Boshaftigkeit. Gerade weil Lauenroth an anderer Stelle zeigt, dass er interessante und vielschichtige Figuren erschaffen kann, hätte man sich hier etwas mehr Grautöne gewünscht. Nach einiger Zeit wirken die Auftritte der Brüder dadurch etwas repetitiv.

Kurzweilig, unterhaltsam und abenteuerlich

Trotz dieser kleinen Schwächen bleibt White Fire eine unterhaltsame Lektüre. Der Roman erhebt nicht den Anspruch, harte Science-Fiction mit ausführlichen physikalischen Erklärungen oder wissenschaftlicher Detailversessenheit zu sein. Stattdessen setzt Frank Lauenroth erneut auf Abenteuer, Tempo und Lesespaß. Wer bereits Gefallen an Black Ice gefunden hat, wird auch den zweiten Teil gern lesen. Die Geschichte entwickelt sich konsequent weiter, beantwortet offene Fragen aus dem ersten Band und legt zugleich neue Spuren für das Finale der Trilogie.

Unter dem Strich ist White Fire vielleicht nicht ganz so frisch und kurzweilig wie sein Vorgänger, überzeugt aber erneut als Science-Fiction-Abenteuerroman mit sympathischen Hauptfiguren, hohem Tempo und genügend Spannung, um die Neugier auf den abschließenden dritten Band zu wecken. Für Fans von Black Ice ist die Fortsetzung daher nahezu Pflichtlektüre.

Taschenbuch: 392 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3946348511
eridanusverlag.de

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