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China Miéville – Die Stadt & Die Stadt

China Miéville ist von Städten gefangen, vereinnahmt … ja fast hypnotisiert, so scheint es, wenn man sich durch seine Bibliografie liest. Immer neue Facetten entdeckt er und verarbeitet sie in den unterschiedlichsten, teils wunderbar abgefahrenen Romanen, denken wir nur an London, in das er bereits mehrfach seine Geschichten verfrachtete (zum Beispiel „König Ratte“ oder „Un Lon Dun“). Dort wird der im Sommer 2011 bei Lübbe erscheinende Roman „Der Krake“ ebenfalls angesiedelt sein und Miévilles Städten eine neue dunkle Seite hinzufügen.

Seine absonderlichste, brutalste, farbenprächtigste und dabei genialste Schöpfung ist New Crobuzon, die Hauptstadt seiner fiktiven Welt Bas Lag und wundervoll zu erleben in „Perdido Street Station“. Mit dem vorliegenden Roman entwirft er eine ebenso abstruse wie faszinierende Stadtschmelze, die beiden Städte Beszél und Ul Quoma, die sich durchdringen, teilweise aus identischen Straßen bestehen und doch unterschiedlicher nicht sein könnten …

Der Polizeiinspektor Borlú aus Beszél wird mit einem Mordfall betraut, bei dem es sich um eine junge, hübsche und unbekannte Frau handelt. Seine Recherche führt zu einem ungesetzlichen Telefonat mit einem Mann aus Ul Quoma, wo dieser zugibt, über die Grenze hinweg Plakate der Frau gesehen zu haben und sie zu erkennen – eindeutig Grenzbruch, das schwerste Verbrechen in den Städten, doch gibt es den ersten Hinweis auf die Herkunft der Frau. Borlú vermutet ein grenzüberschreitendes Verbrechen unter Grenzbruch und versucht, die Ermittlungen an die über-/zwischengeordnete Macht Ahndung abzugeben, die die Grenze zwischen den Städten bewacht und aufrecht erhält, indem sie Grenzbrecher grundsätzlich und radikal bestraft.

Plötzlich tauchen jedoch Videoaufnahmen auf, die den Grenzbruch ausschließen und damit wieder Borlú und seinen Ul Quoma’schen Kollegen Dhatt zu den verantwortlichen Ermittlern machen. Borlús Misstrauen ist geweckt, er scheint mit seinem Vorgehen einem größeren Verbrechen auf der Spur zu sein, als es bisher den Anschein machte. Was er schließlich entdeckt, sprengt all seine Vorstellungen; hier geht es um Dinge, die das sensible Gleichgewicht der Städte aushebeln und zum absoluten Chaos führen können, und das zwischen Macht- und Geldgier, dem Streben nach Anerkennung und der fanatischen Suche nach einer unsichtbaren dritten Stadt

Was sich in der einfachen Inhaltsangabe wie ein recht unspektakulärer Krimi anhört, liest sich mit einem ganz anderen Schwerpunkt. Wie bei dem Titel nicht anders zu erwarten, liegt die Stadt im Mittelpunkt des schöpferischen Interesses. Borlús Ermittlungen führen den Leser kreuz und quer durch die Städte und konfrontieren ihn immer wieder mit den absurdesten und faszinierendsten Situationen, die eine solche Stadtstaatenkonstruktion mit sich bringen würde. Anfangs glaubt man noch an eine irgendwie geartete phantastische zweite Stadt, die die reale Stadt hin und wieder überlagert oder nur manchen ausgewählten Menschen Zutritt gewährt, doch weit gefehlt.

Beszél und Ul Quoma sind zwei Städte auf einem Terrain. Man nehme sich eine beliebige Stadt (für die Vorstellung vorzugsweise eine, die man kennt) und teile sie folgendermaßen: Das Zentrum mit seinen Parks, Marktplätzen, Straßen und Gassen gehört zu beiden Städten und wird als „deckungsgleich“ bezeichnet. Je weiter man nach außen kommt, desto seltener werden die sogenannten Deckungsgleichen und desto mehr Stadtteile werden „total“ einer Stadt zugeordnet. Und die Trennung der beiden besteht ausschließlich in der Psyche der Bewohner: Quomani leben nur in ihren Bereichen, sehen nur ihre Landsleute und Fahrzeuge und Häuser und Straßen, während die Besz genichtsehen werden, wie auch ihre Fahrzeuge, Kneipen, Straßenbahnen, Autos und Häuser … Das Nichtsehen ist dabei der Knackpunkt: Von Kindesbeinen an lernen die Bewohner, sich auf bestimmte Arten zu bewegen, zu kleiden, bestimmte Farben zu meiden und alle anders charakterisierten Details zu nichtsehen. Das ist weit mehr als es nicht zu beachten, es ist ein psychischer Prozess, bei dem die Aspekte weitgehend aus dem Wahrnehmungsspektrum ausgeschlossen werden. Im Straßenverkehr auf Deckungsgleichen ist das besonders interessant …

Diese Konstruktion ist es, die Miéville in den faszinierendsten Farben beleuchtet und ein unglaubliches, weil eigentlich unvorstellbares Bild dieser speziellen Stadt vor den Leseraugen ausbreitet. Die möglichen Konflikte bieten seiner Geschichte dabei Ansatzpunkte, ebenso wie die spezielle Art, die Grenze zu überschreiten: Es gibt ein Gebäude in der Stadt, das von beiden Seiten durchfahren werden kann und als Grenzübergang fungiert. Unvorstellbar, dass jemand, der eben noch die Gerüche der quomanischen Kaffees genichtrochen hat und sie, sobald er die Grenze durchschritten hat, in ihrem vollen Aroma wahrnimmt, ebenso wie alles andere auf dieser Seite der Stadt.

Unvorstellbar, dass sich jemand an diese Zustände halten würde, doch auch dafür hat Miéville eine Lösung: Eine annähernd allmächtige Zuständigkeit in Form der Organisation Ahndung, die jeden Grenzbruch (also zum Beispiel, wenn ein Besz ohne Umweg über das Grenzgebäude in eine total in Ul Quoma liegende Straße geht oder, weniger offensichtlich, ein Quomani einen Gegenstand in einer deckungsgleichen Gegend ablegt und ein Besz ihn an sich nimmt) unnachgiebig und radikal ahndet.

Die Geschichte an sich ist eine durchaus spannende, unterhaltsame und wendungsreiche Ermittlungsgeschichte, deren Auflösung sich aber nicht einfach auf eine Kriminalgeschichte beschränkt, sondern eng verwoben mit den besonderen Zuständen der Stadt ein unausweichliches und anspruchsvolles Gesamtbild hinterlässt. Man kann das teilweise skurrile Flair und das Charisma der Schöpfung kaum beschreiben, und so bleibt als einzige Möglichkeit die uneingeschränkte Leseempfehlung!

Taschenbuch: 428 Seiten
Originaltitel: The City & The City
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3404243938

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)


 

Yancey, Rick – Monstrumologe, Der

_|Der Monstrumologe|:_

Band 1: _“Der Monstrumologe“_
Band 2: „The Curse of the Wendigo“ (noch ohne dt. Titel)

_New Jerusalem, 1888._ Der 12 Jahre alte Will Henry lebt, seit er seine Eltern bei einem Feuer verloren hat, bei dem skurrilen Dr. Warthrop und arbeitet als sein Assistent. Auch Will Henrys Vater hatte für Dr. Warthrop gearbeitet und vor Will und seiner Mutter immer ein großes Geheimnis um seine Tätigkeit gemacht. Warum das so war, muss der junge Will nun am eigenen Leib erfahren, Dr. Warthrop arbeitet als Monstrumologe, er erforscht und jagt jene Wesen, die eigentlich nur in Sagen und Albträumen vorkommen. Ob er will oder nicht, Dr. Warthrop meint auf Will angewiesen zu sein und so muss der 12 Jahre alte Junge ihm bei jeder noch so grauenvollen Studie assistieren.

Eines Nachts steht der Grabräuber Erasmus vor des Doktors Tür und liefert kreidebleich einen zutiefst verstörenden und grausamen Fund ab. Auf seiner Karre verbirgt Erasmus ein totes, sieben Fuß großes, kopfloses Monster, das sich mit seinen in Höhe des Bauches liegenden Zähnen in eine junge Frauenleiche verbissen hat und diese junge Frau in grausiger Umarmung festhält.

Dr. Warthrop hat das Monster schnell katalogisiert und berichtet Will, mit welch einer Rasse sie es zu tun haben: Den Anthropophagen. Bei den Anthropophagen handelt es sich um eine hochgefährliche Rasse, die eigentlich in Amerika nicht vorkommt. Wie dieses Exemplar die weite Reise über das Meer getätigt hat, bleibt rätselhaft.

Zu allem Überfluss findet Dr. Warthrop in der Frauenleiche den Embryo des Anthropophagen, somit ist klar, dass Dr. Warthrop und Will Henry es nicht nur mit einem Exemplar zu tun haben. In New Jerusalem scheint ein ganzes Rudel zu leben und nur der kauzige Dr. Warthrop und der kleine Will Henry stehen zwischen den ahnungslosen Menschen und den todbringenden Monstern …

_Kritik_

Der Autor Rick Yancey hat mit dem Titel „Der Monstrumologe“ einen düsteren Horror-Roman um die Forschung und Jagd nach Monstern geschrieben.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht des erwachsenen Will Henry, der seine Erlebnisse noch einmal Revue passieren lässt und aus der Sicht eines an Erfahrungen reichen Erwachsenen seine eigene Geschichte schildert.

Der Autor bedient sich einer Sprache, die für die Zeit des endenden 19. Jahrhunderts passend erscheint. Anfangs muss der Leser sich vielleicht etwas an die Satzbauweise und die Sprache selbst gewöhnen. Sobald der Einstig geschafft ist, liest sich der Roman flüssig und durch einen stetig steigenden Spannungsaufbau ist der Leser schnell an das Geschehen gefesselt. Auch die Rätsel um die Figuren selber und die Klärung wie die nicht in Amerika vorkommenden Anthropophagen eingeschleust werden konnten, tragen zum Gelingen der Geschichte bei.

Detailgetreu schildert der Autor nicht nur die Umgebung und die Monster, auch vor sehr bildlichen Beschreibungen der Tatorte, der teilweise übelst zugerichteten Leichen und der Monster selbst, macht der Autor keinen Halt. Trotz der splatterfreien Sprache kommt das Grauen hier definitiv nicht zu kurz. Dem empfindsamen Leser kann sich hier bei der Beschreibung schon mal der Magen umdrehen.

Die Protagonisten sind passend zur düsteren Grundstimmung authentisch gezeichnet. Passend zu den Erlebnissen entwickeln sich diese weiter und der Leser erfährt einige Hintergründe der einzelnen Figuren.

Mit dem jungen Will Henry hat der Leser schnell Mitleid, er muss schnell erwachsen werden und mit dem Vorhandensein der albtraumhaften Monster klarkommen. Zeit, Kind zu sein, ist Will Henry nicht vergönnt, sein Mentor fordert von ihm, ein vollwertiger Ersatz für den verstorbenen Vater zu sein. Auch ist Will Henry für die Haushaltsführung und die eigene und des Doktors Verpflegung zuständig.

Dr. Warthrop ist seinen Monstern so sehr verschrieben, dass auch er kaum noch menschlich erscheint. Den Menschen ausmachende Fähigkeiten wie Feingefühl, Trost, Liebe scheinen diesem Charakter fremd zu sein. Dr. Warthrop kommt wie der perfekte Egoist daher, jeder, besonders Will Henry, hat sich ihm zu fügen und die Bedürfnisse andere sind ihm nur suspekt und nicht nachvollziehbar. Diesem Charakter Sympathien entgegenzubringen ist anfangs schier unmöglich. So manches Mal dürfte die Frage aufkommen, wer hier nun das wirkliche Monster ist.

Auch die weiteren Protagonisten kommen hier in der Beschreibung nicht zu kurz, der Autor versteht, jede Figur zu einer für die Geschichte unentbehrlichen zu machen.

Die Aufmachung des Paperbacks ist sehr gelungen. Schon das Cover zeigt den jungen Protagonisten Will Henry in düsterem Schwarz-Weiß, lediglich ein paar kleine Blutstropfen bringen Farbe ins Spiel. Auch im Buch finden sich Zeichnungen der vom Monstrumologen benötigten Werkzeuge und ganzseitige Illustrationen, die zu der Handlung passen. Auch spart der Verlag nicht an einem passenden Lesezeichen, hinten im Buch kann man es heraustrennen.

_Fazit_

Mit „Der Monstrumologe“ hat der Autor Rick Yancey einen schaurig düsteren Horrorroman geschrieben, der den Leser das Gruseln lehrt. Der Leser, der niedlichen Feen nichts abgewinnen kann, es dafür aber liebt, wenn ihm beim Lesen die Haare zu Berge stehen, ist mit „Der Monstrumologe“ bestens bedient.

Lediglich der Altersempfehlung des Verlages kann ich keinesfalls zustimmen, für Jugendliche ist dieser Roman kaum geeignet und hat in der Kinder/Jugendbuchabteilung nichts zu suchen. Die sehr lebendige Beschreibung der grausig verstümmelten Leichen ist für das vorgeschlagene Alter zu viel des Guten.

_Autor_

Rick Yancey wollte schon seit seiner Jugend Schriftsteller werden. Nach seinem Abschluss in Anglistik an der Roosevelt University in Chicago startete er in seiner Heimat Florida eine Künstlerkarriere. Während er in Teilzeit unterrichtete und sich als Theaterschauspieler versuchte, nahm er eine Anstellung beim Finanzamt an. Den Traum der Schriftstellerkarriere gab er nie auf, dafür aber nach zehn Jahren seine Beamtenstelle. Über seine Zeit beim Finanzamt schrieb er ein Memoire („Confessions of a Tax Collector“), das vom Wall Street Journal als eins der fünf besten Bücher bezeichnet wurde, das je über Steuern geschrieben wurde. Seine Jugendbuchtrilogie über Alfred Kropp erschien in 17 Ländern und wurde für die berühmte Carnegie Medal nominiert. Rick ist stolzer Vater von drei Söhnen. Er lebt mit seiner Frau Sandy in Florida.

|Taschenbuch: 416 Seiten
Originaltitel: The Monstrumologist
ISBN-13: 978-3785760406|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

Eine Leseprobe bietet der Verlag [hier]http://www.bic-media.com/dmrs/widget.do?isbn=9783785760406 an.

_Rick Yancey bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Monstrumologe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6655

Lars Kepler – Der Hypnotiseur

Die Handlung:

Vor den Toren Stockholms wird an einem Sportplatz die Leiche eines brutal ermordeten Mannes entdeckt. Kurz darauf werden Frau und Tochter ebenso bestialisch getötet aufgefunden. Offenbar wollte der Täter die ganze Familie auslöschen. Doch der Sohn überlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfährt, dass es ein weiteres Familienmitglied gibt, eine Schwester, wird ihm klar, dass er sie vor dem Mörder finden muss.

Er setzt sich mit dem Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark in Verbindung. Er will, dass Bark den kaum ansprechbaren Jungen unter Hypnose verhört. Bark hatte sich jedoch wegen eines traumatischen Erlebnisses geschworen, niemals mehr zu hypnotisieren. Aber es geht hier um ein Menschenleben. Es gelingt ihm schließlich, den Jungen zum Sprechen zu bringen. Was er dabei erfährt, lässt ihm das Herz gefrieren …
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

In Schweden abgefeiert und in Deutschland vom Verlag als „Der wohl wichtigste Kriminalroman seit Langem“ beworben, geht „Der Hypnotiseur“ von der ersten Seite an in die Vollen. Hier wird nicht auf ein Verbrechen hingearbeitet, es gab schon eins, besser noch, der Leser wird direkt in dem Moment in die Handlung geworfen, als das Blut der grausam ermordeten Opfer noch nicht getrocknet ist.

Nachdem der Leser also erstmal geschockt wurde, erfährt er im Anschluss die offenbar leider nie ausbleibenden Psycho-Thriller-Klischees eines immer von der Gesellschaft oder sonstigen Dämonen gebeutelten armen, armen Protagonisten. Wobei eigentlich Kommissar Joona Linna ermittelt und der Hypnotiseur Erik Maria Bark der mit den Problemen ist. Das bremst immer mal wieder die rasante Thrillerfahrt, denn eigentlich möchte man ja wissen, wer der Täter ist, ob er noch mal zuschlägt und was der auf dem Buchrücken angekündigte Überlebende unter Hypnose zu dem Verbrechen zu sagen hat. Stattdessen haben alle irgendwie so ihre Probleme mit sich, mit den Kollegen oder einfach mit allen.

Warum also erzählen uns die Autoren so viel Unwichtiges über das Umfeld des Hypnotiseurs? Entweder um Seiten zu füllen, oder weil sie noch etwas mit ihm vorhaben. Und das haben sie. Erik Maria Bark hat mehr mit diesem Mordfall zu tun, als ihm bewusst oder lieb ist. Und schnell wird auch sein zuvor immer wieder beschriebenes persönliches Umfeld in Form seiner Frau und seines Sohnes Teil des Ganzen.

Eine spannende Jagd nach einem cleveren Killer hält Linna auf Trab und nicht nur der Hypnotiseur muss um sein Leben fürchten.

Die Autoren

Lars Kepler ist das Pseudonym von Alexandra und Alexander Ahndoril. |Der Hypnotiseur|, ihr Krimidebüt, war in Schweden sensationell erfolgreich und das Buchereignis des Jahres. Der Roman erscheint in über dreißig Ländern. Das Ehepaar lebt mit seinen drei Kindern in Stockholm.
(Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Ob dieser Roman wirklich „wichtig“ ist, muss jeder selber für sich entscheiden, spannend ist er allemal, wenn auch ziemlich brutal. Zartbesaitete können die deutlichen Verletzungsbeschreibungen der Opfer problemlos überlesen, Hartgesottene nehmen alles mit, was blutig und abgetrennt ist. Freunde von Sebastian Fitzek greifen hier zu.

Und wenn der Roman in Deutschland und ab nächstem Jahr auch im englischsprachigen Raum so erfolgreich wird wie in seinem Heimatland, dann erleben wir Joona Linna sicher auch bald im Folgeroman „Paganinikontraktet“ in deutscher Sprache.

Hardcover: 638 Seiten
Originaltitel: Hypnotisören (2009)
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
ISBN-13: 978-3-7857-2426-2
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (5 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Richard Montanari – Septagon

„Mr. Ludo“, der ebenso geniale wie irrsinnige Magier, arbeitet an einem Kunstwerk, für das die Körper von sieben Frauen den Rohstoff bilden; vier Opfer hat sein Wahn bereits gefordert, während zwei Polizisten verzweifelt versuchen, dem ein Ende zu machen … – Montanari, der Meister der bizarren Killer-Thriller-Plots, kämpft nicht immer erfolgreich gegen das Klischee, ringt jedoch dem strapazierten Sub-Genre einen effektvoll variierten, rasanten und im letzten Drittel furiosen Pageturner ab.
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Dave Duncan – Die Jägersschenke

Die „Omar„-Romane:

„Die Straße der Plünderer“
„Die Jägersschenke“

auch als Sammelband erschienen: „Omar, der Geschichtenerzähler“

Die Handlung:

Unglückliche Umstände verschlagen den Geschichtenerzähler Omar ziemlich durchgefroren in die „Jägersschenke“. Unglücklich deshalb, weil er hier im Sommer zuvor nicht nur die Zeche geprellt hat, nachdem er seine Speisen nicht bezahlen konnte, sondern auch noch den Hund des Wirts erschlagen.

Verständlicherweise möchte sich der Wirt nun rächen und Omar nackt zurück in den Winter schicken, da kommt Omar auf eine Idee. In einem Geschichtenwettbewerb will er im Wechsel gegen die anwesenden Gäste antreten und so lange seine Geschichten als die besseren anerkannt werden, darf er bleiben. Und so fängt Omar an, um sein Leben zu erzählen. (Veränderte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nachdem die 1992 und 1995 erschienen zwei „Omar“-Bücher bei uns bereits 2007 als Sammelband bei Otherworld veröffentlicht wurden, entschied sich Bastei Lübbe nun dazu, die beiden Romane „Die Straße der Plünderer“ und „Die Jägersschenke“ noch einmal separat als preiswerte Taschenbuchausgaben zu veröffentlichen. In beiden Büchern steht der Geschichtenerzähler Omar im Mittelpunkt und beide können auch einzeln gelesen werden, ohne die jeweils andere Geschichte zu kennen.

Die Gäste in der „Jägersschenke“, gegen die Omar antritt, sind vom Autor interessant gezeichnet und sehr unterschiedlich. Sechs Geschichten hat der Geschichtenerzähler zu erzählen und tritt dabei gegen einen Soldaten, eine Schauspielerin, einen Spielmann, einen Rechtspfleger, eine Zofe und einen Pferdehändler an.

Das klingt auf den ersten Blick nach einer Menge Abwechslung, allein auf Grund der unterschiedlichen Charaktere, aber leider erzählen sowohl die Gäste als auch Omar im Prinzip eine einzige große Geschichte um ein kriegerisches Königreich immer ein Stückchen weiter. Natürlich werden von Omar immer neue Details eingefügt und er schmückt seine Geschichten ein wenig mehr aus als seine Gegner … muss er ja auch, denn er will ja gewinnen und nicht nackt hinaus in die Kälte geschickt werden. Dennoch hätte ich von einem Geschichtenerzähler, der mit geschilderten Abenteuern handelt, nach dem Lesen des Klappentextes erwartet, dass er nicht einfach die Vorlage der anderen Gäste aufgreift und einfach nur weiter erzählt, sondern völlig eigenständige Geschichten zum Besten gibt. Hierfür fehlten dem Autor entweder die Ideen oder er sparte sie sich für andere Bücher auf.

Dennoch ist Omar ein Charakter, dem man als Leser (dem er ja nichts getan hat) nicht böse sein kann, wenn er wieder einmal die Wahrheit so hindreht, wie sie ihm zuträglich ist. Auch die Zeche hat er ja nie geprellt, er wollte ja bezahlen …

Interessant ist auch, dass der Roman keine einfache Sammlung von aneinandergereihten Geschichten ist, sondern sich auch in der Gruppe der Gäste mit zunehmender Zeit eine eigene Dynamik und Anspannung bildet. Natürlich ist Omar auch hieran nicht ganz unschuldig. Und so wird zwischen den Geschichten eifrig diskutiert.

Mein Fazit:

Der Roman über den liebenswerten Wahrheitsverdreher Omar lässt sich trotz der zum Genre passenden altertümlichen Sprache flüssig lesen. Sobald der Geschichtenerzähler in seinem Element war, stellte sich bei mir unweigerlich ein dauerhaftes Grinsen ein und ich wünschte ihm, dass er den Wettstreit gewinnen würde.

Ein Fantasy-Roman ohne Trolle, Oger, Elfen und Orks in den Hauptrollen, sondern ein Charakterroman, der seine Aufgabe erfüllt: er unterhält, und das gut. Der geneigte Leser kann anschließend wie schon erwähnt problemlos zum Vorgänger- oder Sammelband greifen.

Taschenbuch: 480 Seiten
Originaltitel: The Hunter’s Haunt (1995)
Aus dem Englischen von Michael Krug
ISBN-13: 978-3404206261
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,33 von 5)

 

Philip Jolowicz – Das Vermächtnis des Bösen

Als ein Anwalt die Vergangenheit seiner Familie erforscht, stößt er auf die wahre Geschichte von Jack the Ripper und beschwört ein Drama herauf, das in der Gegenwart neue Opfer fordert … – Auf zwei zeitlichen Ebenen spinnt der Autor ein obskures, nur bedingt spannendes Garn, baut seine Geschichte faktenkundig aber nie subtil in die historische Realität des Ripper-Mythos‘ ein und legt eine halbgar wirkende Mischung aus Historienkrimi und Thriller vor.
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Mike Resnick – Wilson Cole 4: Die Rebellen

Die „Wilson Cole“-Romane bringen endlich, muss man sagen, Mike Resnicks Romane in den deutschen Sprachraum. Als einer der beliebtesten und erfolgreichsten amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller wurde er mit Auszeichnungen überhäuft, so dass es erstaunt, wie wenig davon über den großen Teich geschwappt ist. Allein seine Kurzgeschichten erhielten vor allen lebenden wie toten SF-Autoren die meisten Preise.

„Wilson Cole“ ist eine fünfteilige Geschichte um ein Raumschiff, seine Besatzung und ihren Captain, ebenso wie es eine Geschichte ist um Missbrauch von Staatsgewalt, Ethik, blinden militärischen Gehorsam und bedingungslose Freundschaft. „Die Rebellen“ ist der Titel des vierten Teils, der sich nahtlos in die Geschichte fügt.

Was bisher geschah:

Der unbequem gewordene Held der Republik Wilson Cole kommt als zweiter Offizier an Bord der Theodore Roosevelt. Nachdem sein dortiger Captain die sinnlose Vernichtung eines ganzen bevölkerten Planeten befiehlt, übernimmt Cole das Kommando und setzt den Captain in Haft, bis ein offizielles Kriegsgericht sich dem fehlgeleiteten Druck der Öffentlichkeit beugt und Cole verurteilen will. Die Mannschaft der Teddy R befreit ihn und sie flüchten an die Innere Grenze, einen weitgehend gesetzlosen und unabhängigen Bereich der Galaxis.

Hier versuchen sie sich als Piraten, was sich nicht mit ihrer Moral vereinen lässt. Also wird die Teddy R ein Söldnerschiff und erfüllt militärische Aufträge, wobei Cole Wert auf Menschlichkeit legt und dadurch immer neue Schiffe in seine wachsende Flotte eingliedern kann. Das Hauptquartier wird die elf Kilometer große Station Singapur.

Der vierte Roman

Die desertierten Republikaner gewinnen Freunde und Verbündete in ihrem Exil, doch als Coles erster Offizier und bester Freund Four Eyes von einem Schiff der Raumflotte gefangen und von deren Captain zu Tode gefoltert wird, startet er einen Vernichtungsfeldzug gegen die Teile der Flotte, die immer wieder in die Innere Grenze eindringen und sich mit erschreckender Brutalität (wobei sie auch vor Völkermorden nicht zurückschrecken) Rohstoffe, Nahrung und Besatzungen beschaffen. Cole stellt der Republik das Ultimatum, die Innere Grenze als unabhängigen Raum zu achten und von weiteren Übergriffen abzusehen.

Selbst aus der Republik kommen jetzt Sympathisanten und schließen sich Coles Flotte an, denn überall gährt der Unmut über die Republik und ihre Willkür. Schließlich kann die Republik die ständigen Attacken auf ihre Flottenschiffe nicht mehr tolerieren und startet einen Feldzug gegen Station Singapur …

Die wichtigen Charaktere festigen sich immer mehr und erlangen ein Eigenleben, das sie und ihre Handlungen bestimmt. Es gibt auch einige Nebendarsteller und Ausführende von Coles Befehlen (der natürlich nicht alles selbst machen kann), so gibt es Computerspezialisten, Piloten oder Buchhalter. Was er aber wirklich nicht brauchte, waren zwei Seelenklempner. Seine Gefährtin Sharon Blacksmith, zugleich Chef der Bordsicherheit, übernimmt diese Aufgabe immer besser, so dass Four Eyes in dieser Richtung immer weniger zu tun hatte. Er war als Erster Offizier immer dann im Geschehen, wenn Cole schlief oder sich anderswo aufhielt, und so gab es für Resnick wenig Chancen, ihn weiter als Charakter aufzubauen und ihm Tiefe zu schenken. Doch als Opfer der Republik, schwer verstümmelt und gefoltert, gibt er post mortem einen wichtigen Wendepunkt für die Geschichte her, so dass die bisher schon angedeutete Richtung einen klaren Ausgangspunkt erhält. Detailliert und überzeugend schildert Resnick Coles Rachedurst und die daraus entstehende Feinderkenntnis.

Zwar dreht sich im zweiten Teil des Romans alles um die Abwehr der republikanischen Flotte, doch Resnick entwickelt in den Zwischengesprächen seiner Protagonisten eine Stimmung und die Grundlage der neuen Fixierung, die Cole uns am Ende des Romans offenbart.

Das Tempo bleibt weiter hoch, denn obwohl es militärische Science Fiction ist, fokussiert sich Resnick weniger auf die Kämpfe, sondern eher auf die Ideen, die Cole und seine Leute immer wieder zum Sieg führen. Dabei bleibt auch weiterhin Zeit für kleine humoristische Einlagen, die meist zu Lasten des feigen Außerirdischen „David Copperfield“ gehen. Die Geschichte hat keine Auflockerung nötig, sonst könnte man die schrägen Figuren als zwischenzeitliche Auflockerungshelfer bezeichnen, doch Resnick erzählt flüssig und in sympathischer Geradlinigkeit seine Geschichte, die von der ersten Seite des ersten Romans bis jetzt einen sehr hohen Unterhaltungs- und Spaßfaktor bietet, und man lehnt sich nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn man für den letzten Roman „Flaggschiff“ ein furioses Finale erwartet.

Broschiert: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3404233427
Originaltitel: 
Starship: Rebel

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Mike Resnick – Wilson Cole 3: Die Söldner

3000 Jahre in der Zukunft: Die Menschheit hat sich in Form einer Republik über die Galaxis ausgebreitet. Der große Krieg gegen die Teroni-Föderation erfordert die Wehrpflicht der Menschen, doch ihr berühmtester Offizier Wilson Cole wurde wegen Meuterei (die einem Planeten mit mehreren Milliarden Bewohnern das Leben rettete) lebenslänglich verknackt. Seine Mannschaft befreite ihn aus dem Untersuchungsgefängnis und flüchtete mit ihm als Captain an Bord der Theodore Roosevelt in den Grenzbereich der Republik. Für Cole stellt sich eine wichtige Frage: Wie soll er das Schlachtschiff unterhalten und seine Mannschaft ernähren, geschweige denn bezahlen? Als Pirat hielt er sich mehr schlecht als recht, doch was kann ein Soldat besser, als seine Wehrkraft zu verkaufen? Kurzerhand werden sie zu Söldnern …

Auch als Söldner gibt es einiges an Bürokram zu erledigen, und so übernimmt der ehemalige Hehler David Copperfield den Job, die lukrativsten Aufträge an Land zu ziehen. Zum Leidwesen Coles und der Mannschaft geht Copperfield hierbei sehr unrealistisch zu Werke, denn obwohl sie es noch immer schaffen, ihren Auftrag zu erfüllen, gerät die Teddy R in immer stärkere Bedrängnis, je mehr der Job einbringen soll. Offenbar hat der Hehler kein Gespür für die militärische Stärke des Schiffes und demnach für die Jobs, bei denen sie auch eine Chance haben.

Um das Schiff zu überholen und neue Aufträge einzuholen lässt Cole die wichtigste Sektorstation mit dem Eigennamen Singapur ansteuern. Das Konglomerat aus tausenden einzelner Stationen ist neutrales Territorium für alle Interessenten, es bietet neben jeglichen Kontaktmöglichkeiten Bars, Spielkasinos, Hurenhäuser aller denk- und undenkbaren Ausrichtung sowie Hotels und Vergnügungsbezirke für jeden Geschmack. Mit ihrem Chef, dem „Platinherzog“, gelingt Cole ein wichtiges Arrangement für die Zukunft: Gegen eine Gewinnbeteiligung vermittelt der Herzog Kontakte und bietet der Teddy R die Station als Hauptquartier.

Während der Erfüllung seiner Aufträge gewinnt Cole einige kleinere Schiffe und ihre Mannschaften als neue Gefolgschaft hinzu, doch er muss auch zwei seiner Soldaten in einer stationären Krankenbehandlung lassen. Seine beste Kampfpartnerin, die eigenwillige Walli, geht im Suff einen Deal mit einem lokalen Kriegsherren ein und verlässt Coles Geschwader. Dumm nur, dass dieser Kriegsherr gerade den Planeten, den die Krankenstation umkreist, zum Ziel erkoren hat und Cole sich ihm deshalb in den Weg stellen muss. Aus Walli und Cole werden direkte Gegner mit ungewissem Ausgang …

Resnick produziert bisher nur einige wenige ausgefeilte Charaktere wie Cole selbst, seinen besten Freund Four Eyes, die Walküre Walli und Coles Freundin und Sicherheitschefin Sharon Blacksmith. Auch David Copperfield erhält in diesem dritten Band deutlich mehr Profil und zeigt der in Brutalität groß gewordenen Walküre (Resnicks „Piratenkönigin“), was echte Loyalität – und noch darüber hinaus gehendes Gemeinschaftsgefühl – erstens bedeuten und zweitens bewirken können.

Der neue Charakter, der Platinherzog, ist erneut eine aufgestaute Kuriosität wie zuvor Walli und David Copperfield. Sein Körper besteht aus Prothesen, deren sichtbare Oberflächen aus Platin bestehen. Offenbar gibt es noch natürliche Innereien, denn sowohl sind seine natürlichen Lippen durchblutet, als er auch mit menschlichem Wesen und den ebenfalls erhaltenen Geschlechtsteilen gesegnet ist. Bisher übernimmt dieser Charakter einen Teil der Rolle, die Copperfield noch zukam: Kontakte knüpfen, Beziehungen spielen lassen, den Vermittler für den doch noch immer recht fremden, da republikserzogenen Cole abgeben. Eigene Persönlichkeit entwickelt er dabei wenig.

Wieder sind Coles Gegner überwiegend brutale Kriegsherren, die sich einige Planeten der Zone unter den Nagel gerissen haben und ihnen Schutzgelder abpressen. Dabei stellt Resnick erneut die Überlegenheit von Coles Intelligenz über deren tumbe Gnadenlosigkeit heraus, auch wenn es in manchen Situationen durchaus auf Körperlichkeit ankommt, wie er Cole erleben lässt. Und natürlich ist und bleibt die Theodore Roosevelt als Militärschiff den meisten regionalen Schiffen überlegen. Man trifft hier also bis auf die zahlenmäßige Überlegenheit, die Cole mit Geist auszuschalten hat, nicht auf echte Schwierigkeiten – bis Walli zur direkten Konfrontation mit Cole gezwungen wird, was das entscheidende Konfliktthema des Romans ist.

Hier entwickelt Resnick aus den Charaktereigenschaften dieser Piratenkönigin einen Konflikt, auf den er schon seit Einführung von Walli hinarbeitet: Zwar führt ein im Suff geführter Streit mit Cole zu ihrer Entscheidung, sich dem Gegner anzubieten, doch hat Resnick sie schon vorher deutlich machen lassen, was sie von Coles Lebensachtung hält. Und in der folgenden Nüchternheit ist es ihre Ehre, die sie an einem Rückzieher hindert, und ihre Ehre bleibt ihr eigentlicher Gegner bis zuletzt.

Cole selbst merkt es nicht, aber seine Freunde, allen voran der Molarier Four Eyes, bemerken, wie seine Kräfte unter der Verantwortung schwinden, die er für das Schiff und seine Tätigkeiten übernommen hat. Der Molarier schließlich bringt das Problem zur Sprache und artikuliert auch Coles eigene Unzufriedenheit mit der Sinnlosigkeit ihrer Mühen. Nicht nur einmal wird scheinbar lapidar der Kommentar eingeworfen, bald könne Cole der Republik entgegentreten. Und auch der Titel des folgenden Bandes „Die Rebellen“ deutet in diese Richtung …

Es ist bemerkenswert zu lesen, wie sich die Ausrichtung von Coles Tätigkeitsschwerpunkten verschiebt und wohin (laut folgender Titel) das Ganze noch führen kann: Vom ungünstig positionierten und missverstandenen Offizier der Republiksflotte über den parasitären Piraten, als der er seine Fähigkeiten vergraben muss, bis zum jetzigen Söldner, der bereits deutlich mehr militärisches Geschick verlangt, sich aber keinem größeren Ziel unterordnen kann und darum in seinem Tun keinen Sinn sieht – deutlich zeichnet sich der Weg bereits jetzt ab, den Cole und seine Mitstreiter werden gehen müssen, um die Erfüllung zu finden. Während Cole als Captain auch mal zwiespältige Entscheidungen zu treffen hat, ist Four Eyes sein handelndes Gewissen. Cole würde dem widersprechen und sagen, er brauche kein Gewissen, und von seiner Mentalität her gesehen, müssten wir ihm zustimmen. Auch der dritte Band der Wilson-Cole-Geschichte ist ein Feuerwerk aus Action und spannender Unterhaltung, wie man es sich nur wünschen kann.

Broschiert: 366 Seiten
ISBN-13: 978-3404233373
Originaltitel:
Starshhip: Mercenary
Übersetzt von Thomas Schichtel

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Mike Resnick – Wilson Cole 2: Die Piraten

3000 Jahre in der Zukunft: Die Menschheit hat sich in Form einer Republik über die Galaxis ausgebreitet. Der große Krieg gegen die Teroni-Föderation erfordert die Wehrpflicht der Menschen, doch ihr berühmtester Offizier Wilson Cole wurde wegen Meuterei (die einem Planeten mit mehreren Milliarden Bewohnern das Leben rettete) lebenslänglich verknackt. Seine Mannschaft befreite ihn aus dem Untersuchungsgefängnis und flüchtete mit ihm als Captain an Bord der Theodore Roosevelt in den Grenzbereich der Republik. Für Cole stellt sich eine wichtige Frage: Wie soll er das Schlachtschiff unterhalten und seine Mannschaft ernähren, geschweige denn bezahlen? Er sieht einen Ausweg: als Pirat …

Der Job als Pirat stellt Cole und seine Mannschaft vor unerwartete Probleme: Zwar ist die alte, ausmusterungswürdige Teddy R hier außerhalb der Republik ein überlegenes Kriegsschiff, doch lässt es sich nicht mit der Moral der Besatzung verbinden, Unschuldige auszurauben, zu töten oder anders zu schädigen. Coles Idee: Man beraube Piraten und verkaufe die Beute an Hehler.

Schon beim ersten Versuch – sie geraten an einen außerirdischen Hehler, der sich David Copperfield nennt und alle echten Bücher Charles Dickens‘ mit völliger Verrücktheit sammelt – stellt Cole fest, dass dieser Weg nicht lukrativ genug ist, um dauerhaft für das Schiff sorgen zu können. Die neue, bessere Idee: Man beraube weiterhin Piraten, verkaufe die Beute aber an die zugehörige Versicherung, die den Betroffenen für den Schaden aufkommen muss und billiger davonkäme, wenn sie die Ware bei Cole zurückkaufte.

Nach wenigen Versuchen gerät Cole bei einer solchen Transaktion in einen Hinterhalt, aus dem er sich nur mit Hilfe einer außergewöhnlichen Piratin, die er auf Grund ihres Aussehens und ihrer Fähigkeiten „Walküre“ (kurz: Walli) nennt, retten. Sie wurde um ihr Schiff betrogen und lässt sich auf der Teddy R als Zweiter Offizier anstellen mit der Option, ihr Schiff bei Gelegenheit zurückzuerkämpfen. Der Gegner, ein berüchtigter Pirat mit dem Namen „Hammerhai“, bringt nicht nur Cole und seine Meute in Bedrängnis …

Dieser zweite Band des Fünfteilers um Wilson Cole bestätigt schnell den Eindruck, der schon im ersten Band „Die Meuterer“ entsteht: Eine kurzweilige, handlungs- und actionreiche Geschichte, angesiedelt in einem galaktischen Universum, dem es nicht an kreativen und ausgefallenen Details fehlt. Dabei kann man zwar den Eindruck gewinnen, mit Wilson Cole hätte Resnick einen übermächtigen Charakter geschaffen, doch entwickelt sich dieser Charakter im Laufe der Geschichte ständig weiter, da aus seiner Sicht erzählt wird und Resnick seine Entscheidungsfindung immer wunderbar illustriert.

Cole ist ein durchschnittlicher Mensch, der aber stets die passende Antwort parat hat, meist jedoch nicht die Antworten gibt, sondern die Fragen stellt. Er ist der Captain des Raumschiffs Theodore Roosevelt und sollte sich als solcher nach Meinung seiner Mitstreiter weitgehend aus der eigentlichen Handlung heraushalten, doch findet er immer wieder Argumente, die seinen persönlichen Einsatz rechtfertigen, so dass man hier einen echten Space-Opera-Captain vorfindet, der alle wichtigen Angelegenheiten selber regelt. Immerhin stellt er sich als ausnehmend menschlich dar wie ein Old Shatterhand der alten Garde, vergießt er doch nie ohne Not das Blut seiner Gegner, ohne allerdings zu zögern, wenn es ihm nötig erscheint. Gegen brutale Widersacher wie den Hammerhai setzt er sich geistig überlegen und energisch durch frei nach dem Motto: „Unter all den unbewussten Lebensformen gibt es wenige, die des Denkens fähig sind. Ich habe ein Gehirn und halte es für eine Straftat, es nicht zu benutzen.“

Die anderen Charaktere kann man weitgehend vernachlässigen, sie agieren meist im Hintergrund oder geben ihre Gedanken zu Coles Überlegungen hinzu, was schließlich für ihn und für den Leser zur Erkenntnis der neuen Strategie (oder des zum Erfolg führenden Tricks) führt. Die wichtigsten wurden bereits im ersten Band eingeführt und haben sich seither nicht merklich weiter entwickelt. Neu sind David Copperfield und Walli, die Piratenkönigin.

Copperfield ist zwar ein verrückter Außerirdischer, findet aber keinen richtigen Zugang zum Flair der Geschichte. Er wirkt etwas konstruiert und bleibt überwiegend uninteressant.

Walli bringt das in die Handlung, was Cole fehlt und was aus den beiden ein karrierefähiges Duo macht: überragende Kampfkunst und Angriffslust, bei Verhandlungen spielt sie Coles Rückendeckung und den aggressiven Verhandlungspartner. Sie kommt zwar erst in der zweiten Hälfte des Romans dazu, wird uns aber hoffentlich noch einige interessante Kämpfe liefern. Bis zu ihrem Auftritt gab es tatsächlich keinen Cole ebenbürtigen Charakter in der Geschichte, und so musste Resnick quasi mit Cole allein zurechtkommen. Mit Walli steht ein echter Partner bereit, der die Handlung auch mal übernehmen kann und ihr dadurch zu einem breiteren Spektrum verhilft.

Insgesamt bietet die Handlung ein fast klischéehaftes Umfeld mit ebensolchen Protagonisten, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich mehr Tiefgang als erwartet. Wilson Cole ist schnelle, spannende Unterhaltung mit mal wieder interessanten und außergewöhnlichen Gedankengängen und überraschenden Tricks. Warum ist Mike Resnick hierzulande so überaus unbekannt? Seine Produktivität und die gelobte und bepreiste Qualität seiner Geschichten sollten doch auch hier ihre Fangemeinde finden.

Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3404233298
Originaltitel: 
Starship: Pirate
Übersetzt von Thomas Schichtel

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Charles Finch – September Society. Der Club der tödlichen Gentlemen

Das Verschwinden eines adligen Oxford-Studenten verwickelt 1866 einen frühen Privatdetektiv in eine Verschwörung, die zwei Jahrzehnte zuvor im fernen Ostindien ihren Anfang nahm … – Ein früher Sherlock Holmes löst unter Einsatz zeitgenössischer Ermittlungsmethoden seinen Fall, während er gleichzeitig mit privaten Liebeshändeln ringt: gemächlicher Häkel-Krimi mit Lady-Thriller-Schmalz-Ballast und überkonstruiertem Plot.
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Andreas Eschbach – Die blauen Türme (Das Marsprojekt 2)

Spannende Agenten-Action auf dem Mars

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle zwischen 13 und 15 Jahren alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Doch im Jahr 2086 sollen sie gemeinsam mit anderen Marssiedlern zur Erde zurückkehren, weil machthungrige Politiker behaupten, das Marsprojekt sei gescheitert. Die Vorbereitung zur Stilllegung der Forschungsstation laufen bereits auf Hochtouren – aber die vier Jugendlichen sind fest entschlossen, auf dem Roten Planeten zu bleiben. Besonders Elinn, die aus medizinischen Gründen auf der Erde nicht überleben könnte. Sie büchsen aus und kommen einem verborgenen Geheimnis des Planeten auf die Spur.

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Mike Resnick – Wilson Cole 1: Die Meuterer

Auf Platz vier der meistgeehrten Science-Fiction-Autoren findet man Mike Resnick – noch vor bekannten Größen wie Asimov, Bradbury, Heinlein und Clarke. So teilt der Anhang des vorliegenden Romans mit und bezieht sich damit auf eine Liste, die vom Locus-Magazin geführt wird. Umso verwunderlicher, wie wenig ehrerbietige Nennung sein Name findet, so dass sich die Frage aufwirft, ob sich diese Preise an der Qualität einer Geschichte oder an ihrer jeweils aktuellen Beliebtheit orientieren (wobei Qualität auch ein zu definierender Begriff in diesem Zusammenhang wäre).

Resnick hält sich vor allem in seinem groß angelegten |Birthright|-Universum auf, das die Zukunft der Menschheit von der Entwicklung eines Überlichtantriebs bis zu ihrer Auslöschung umfasst. Natürlich spielt auch die Geschichte um Wilson Cole in dieser Welt und fügt ihr eine wichtige Facette hinzu.

Das altersschwache Kriegsschiff Theodore Roosevelt, von seiner Besatzung liebevoll „Teddy R“ genannt, fliegt abkommandiert als Patrouille eines großen Abschnitts des Randsektors mit einer explosiven Besatzung, die aus dem Flottenkommando unbeliebten Militärs besteht, in dieser weitgehend vom Krieg unbehelligten Zone seit Jahren ohne Feindkontakt und ist froh über diesen Zustand. Bis Wilson Cole als Zweiter Offizier an Bord geht und mit ihm die Probleme kommen: Plötzlich entdeckt man feindliche Aktivitäten in der Gegend, wird ihrer dank Coles intelligenten Einsatzes Herr, wird in einen ebenso abgeschiedenen Sternhaufen versetzt und dort erneut mit dem Feind konfrontiert, wobei der Captain sein Leben verliert und der paragrafentreuen Ersten Offizierin seinen Platz überlässt, die Coles erneuten erfolgreichen Einsatz als Fehlverhalten meldet und so eine neuerliche Versetzung des Schiffes bewirkt.

Cole, der eine eigene Auffassung von militärischem Gehorsam hat und stets so handelt, wie es ihm der Republik dienlich scheint, findet immer einen Weg, die Zurückhaltung seiner Captains zu umgehen und sich aktiv am Krieg zu beteiligen. So hindert er seine neue Captain am Völkermord und bekommt dafür lebenslänglich …

Wilson Cole ist ein Held und wird auch von der ersten Seite an als solcher eingeführt. Die Leute starren vor Lobhudelei und sind fassungslos, dass es einen Held der Republik – immerhin ist er der höchstdekorierte Offizier der Flotte – in dieses abgetakelte alte Schiff und die abgelegenste Gegend der Galaxis verschlagen hat. Und damit wird ein wichtiger Konfliktpunkt von Anfang an hervorgehoben: Die Heldenverehrung durch die Massen führt dazu, dass das Militär nicht anders kann, als diesen Mann zu ehren, obwohl es ihn lieber loswäre, da er ein unformbarer Charakter ist. Hinter den Kulissen versuchen sie ihren Helden kalt zu stellen, doch Cole schafft es an jedem Ort, wichtige Dienste für die Republik zu leisten – ob mit oder gegen den Willen seiner Vorgesetzten – und sich wieder ins Rampenlicht zu stellen, um die Bevölkerung hinter sich zu haben.

Resnick beschreibt seinen Helden deutlich als Teil der Gripsfraktion, Cole sieht sich weder als besonders draufgängerisch, noch wird er als überdurchschnittlich in irgend einem körperlichen Attribut geschildert. Trotzdem hat er ein großes Talent, Konfrontationen zu meistern und aus Krisensituationen gestärkt hervorzugehen. Er spannt jeden in seinem Umfeld für seine Zwecke ein und manipuliert selbst die scheinbar völlig regelkonforme und logisch denkende Frau aus dem Volk der Polonoi, die seine Vorgesetzte ist und eigentlich schon grundsätzlich völlig konträr zu Coles Ansichten steht.

Man könnte Cole als einen typischen Überhelden und Moralapostel sehen, wenn nicht auf spannende Art und Weise seine Ecken und Kanten ausgearbeitet würden. Sein Zweckegoismus, der im Endeffekt nur dem Erreichen von Militärzielen oder – später – der Ziele seiner Crew gilt, lässt ihn oft arrogant erscheinen, und auch seine verbalen Spielereien und diesbezüglichen perfekten Fähigkeiten schlagen in diese Kerbe. Seine hohen moralischen Ansprüche werden im Laufe des Buches immer deutlicher, bis er schließlich, um dem Titel des Buches gerecht zu werden, meutert, um einer kompletten Planetenbevölkerung das Leben zu retten. Und das wird schließlich zum Auslöser seiner Verknackung auf Lebenszeit sowie für sein Überdenken der Loyalität der Republik gegenüber. Mit diesem Charakter hat Resnick auf jeden Fall eine großartige Führerpersönlichkeit mit Legendenpotenzial geschaffen.

Relativ unkreativ sind allerdings Coles Mitstreiter: Die Sicherheitschefin, mit der er schläft und die ihn (auch vorher schon) völlig loyal unterstützt; die junge Offiziersanwärterin, die total verknallt ist; die junge, fähige Brückenoffizierin und der Waffensergeant, dem Cole die Vollmacht für körperliche Züchtigung bei Drogenmissbrauch erteilt. Allerdings sind dann noch einige außerirdische Attribute, die Resnick interessant schildert und einführt und damit noch einen Gegenpart zur menschlichen Übermacht konstruiert. Ihm fällt diese Übermacht dann auch leicht negativ auf, denn er lässt Cole einen frei gewordenen leitenden Posten extra mit einem Außerirdischen besetzen.

Insgesamt ein schneller Roman, den man ungern aus der Hand legt und der unbedingt nach mehr verlangt, denn sowohl die wunderbar unterhaltend geschriebene Geschichte als auch das Universum hinterlassen einen rundum positiven Eindruck.

Broschiert: 320 Seiten
ISBN-13: 978-3-404-23326-7
Originaltitel: Starship: Mutiny
Übersetzt von Thomas Schichtel

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Joseph Wambaugh – Die Chorknaben

In Los Angeles praktizieren vom Berufs- und Alltagsstress geplagte Polizisten eine Form des nächtlichen Stressabbaus, die stetig ausartet und schließlich in einer Katastrophe gipfelt … – Mit beißendem Humor aber scharfem Blick auf reale Missstände beschreibt der Autor das Pandämonium einer aus den Fugen geratenden Welt, deren bedrängte Hüter resignieren und sich dem Wahnsinn anpassen: ein Klassiker des Kriminalromans, der an Intensität und Unterhaltungskraft keinen Deut verloren hat.
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Bernard Cornwell – Sharpes Sieg. 1803: Richard Sharpe und die Schlacht von Assaye

Vier Jahre sind vergangen, seit Richard Sharpe, seines Zeichens Sergeant der britischen Armee in Indien, in „Sharpes Feuerprobe“  Tippu, den Herrscher von Seringapatam, tötete und um dessen Juwelen erleichterte. Eigentlich führt er nun ein relativ beschauliches Soldatenleben unter dem Kommando von Major Stokes und macht sich hauptsächlich Gedanken darüber, wie er die erbeuteten Juwelen wohl am besten in seine Kleidung einnähen könnte. Doch dann führt ihn das Schicksal (oder eher Stokes‘ Befehl) nach Chasalgaon, gerade als dessen Bewohner vom Verräter Dodd hingemetzelt werden. Sharpe, als einziger Überlebender, kann nur entkommen, indem er sich tot stellt.

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Arnaldur Indriðason – Codex Regius

Die anfänglich akademische Jagd auf eine mittelalterliche Handschrift entwickelt sich zum mörderischen Kampf mit fanatischen Alt-Nazis und Geheimbündlern, die ihre Teilnehmer in den 1950er Jahren durch Skandinavien und Zentraleuropa bis auf die ferne Insel Island führt … – Spannende Mischung aus ‚literarischem‘ Historienkrimi und „Coming-of-Age“-Story, die anders als (viel zu) viele Mystery-Munkel-Thriller talentfreier Dan-Brown-Klone den simplen aber gut umgesetzten Plot schlüssig mit der historischen Realität verzahnt.
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Dennis Shryack/Michael Butler – Der Teufel auf Rädern

shryack-teufel-cover-kleinEin Höllendämon baut sich ein unzerstörbares Auto und bläst damit in der Wüste von Utah zur Jagd auf US-Kleinstadtbürger, bis sich ihm ein mutiger Sheriff in den Weg stellt … – Gelingt es, den hanebüchenen Plot zu akzeptieren, liest man ein durchaus solide geschriebenes Buch, das wesentlich besser geraten ist als der Film, nach dem es entstand.
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Ridley Pearson – Der blinde Tod

Das geschieht:

In Sun Valley, US-Staat Idaho, verbringt Generalstaatsanwältin Elizabeth Shalor gern ihre raren Urlaubstage. Das ist bemerkenswert, denn vor acht Jahren versuchte sie genau hier ein mit ihrer Arbeit unzufriedener Staatsbürger umzubringen. Damals entkam Shalor nur, weil der junge Deputy Walter Fleming rechtzeitig auf der Bildfläche erschien und den Strolch ausschaltete.

Seither ist Fleming Shalors Freund, ein Status, der neuerdings mit Privilegien aber auch Pflichten verbunden ist: Elizabeth Shalor gedenkt sich für das US-Präsidentenamt zu bewerben. In Sun Valley möchte sie vorab ausspannen sowie auf einer Tagung ihre Kandidatur bekanntzugeben. Walter Fleming, seit seiner Heldentat Sheriff von Sun Valley, ist für ihre Sicherheit verantwortlich. Das FBI ist wenig erfreut darüber, denn Shalor ist aufgrund ihrer politischen Ziele außerordentlich exponiert. Mit Anschlägen ist zu rechnen. Gern würde das FBI sie isolieren, doch Shalor sperrt sich. Sie vertraut ihrem Lebensretter Fleming.

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Cornwell, Bernard – Sharpes Feuerprobe. 1799: Richard Sharpe und die Belagerung von Seringapatam

Private Richard Sharpe ist Soldat, offensichtlich aus Ermangelung irgendwelcher anderer Talente. Der Leser trifft ihn das erste Mal, als er 1799 unweit der indischen Festung Seringapatam herumsitzt und sich fragt, ob er nicht vielleicht desertieren sollte. Das wäre zumindest spannender als nichts zu tun, findet Sharpe, doch sein Erfinder, der britische Autor Bernard Cornwell, bringt den Jungspund schnell auf andere Gedanken, indem er ihn flugs in ein spannendes Abenteuer stürzt.

Weil er in ein Mädchen verliebt ist, auf das es auch der brutale und abscheuliche Sergeant Obadiah Hakeswill abgesehen hat, wird er ausgepeitscht. Doch bevor die Strafe komplett vollzogen werden kann, greift Colonel Wellesley ein und schickt Sharpe auf eine geheime Mission. Gemeinsam mit dem Offizier Lawford soll er sich in Seringapatam einschleichen. Wellesley vermisst nämlich einen seiner Spione und glaubt nun, dieser werde in der Festung gefangen gehalten.

Sharpe und Lawford geben sich also als gemeine Deserteure aus und werden von Tippu, dem Herrscher von Seringapatam, recht freundlich aufgenommen. Sie dürfen in dessen Armee dienen, Sharpes geschundener Rücken wird versorgt und in einem glücklichen Moment finden sie auch den verschollenen Spion, der ihnen Beunruhigendes zu berichten hat. Doch wie sollen sie die Information aus der Festung herausbringen?

Bevor die Handlung in der abschließenden Schlacht um Seringapatam kulminiert, werden Lawford und Sharpe noch gefangen genommen, in den Kerker gesteckt und von Tigern bedroht. Es gibt kleinere Scharmützel, einen fürchterlichen Obadiah Hakeswill, der einfach nicht sterben will, und einen unglaublich jungen und ungeschliffenen Richard Sharpe.

Die Abenteuer um Richard Sharpe sind Bernard Cornwells Opus Magnus. 1981 veröffentlichte er die ersten beiden Bände der Serie, „Sharpe’s Eagle“ und „Sharpe’s Gold“, denen regelmäßig neue Bände folgten. Auf ursprünglich circa zehn Bände angelegt, erhielt die Serie neuen Auftrieb, als das britische Fernsehen die Rechte an Richard Sharpe kaufte und eine stattliche Anzahl der Romane mit Sean Bean in der Titelrolle verfilmte (auf Deutsch ist die Filmreihe unter dem Titel „Die Scharfschützen“ bekannt). Mittlerweile gibt es mehr als zwanzig Romane, die im Sharpe-Universum angesiedelt sind, und es kommen ständig neue hinzu.

Chronologisch steht „Sharpes Feuerprobe“ am Anfang der Sharpe-Geschichte, auch wenn der Roman eher zu den jüngeren gehört (erstveröffentlicht 1997 unter dem Titel „Sharpe’s Tiger“). Cornwell präsentiert hier einen grobschlächtigen, ungebildeten Unterschichten-Sharpe. Als Sohn einer Hure (also im wörtlichen Sinne ein Hurensohn) ist er in einem Bordell aufgewachsen und hat demnach keine nennenswerte Bildung genossen. Aus Ermangelung an Alternativen hat er sich von der Armee anwerben lassen und erweist sich dort als ziemlich erfolgreich, da ihm seine Straßenschläue oft den Hals rettet. Er ist gewitzt, kann kämpfen, schnell schalten und Pläne schmieden, und auch wenn er ein ziemlich dreckiges Mundwerk hat, so sitzt das Herz bei ihm doch am rechten Fleck. Sharpe ist also in diesem frühen Abenteuer noch ein ungeschliffener Diamant, der erst bei seiner Kerkerhaft mit Lawford und Candless (dem verschollenen Spion) mit Hilfe einer eingeschmuggelten Bibelseite das Lesen lernt. Dank dieser neu gewonnenen Fähigkeit kann er nun endlich selbst nachlesen, ob „Du sollst dich nicht schnappen lassen“ wirklich eins der zehn Gebote ist.

„Sharpes Feuerprobe“ ist auf der einen Seite ein hervorragend recherchierter Historienroman, der zu großen Teilen von den militärischen Schachzügen Wellesleys und Tippus und dem exotischen Setting in Indien lebt. Auf der anderen Seite schafft es Cornwell aber mit der gleichen Leichtigkeit, eine umfangreiche Personage einzuführen, die sich kaum in das übliche Schwarzweiß-Schema einordnen lässt. Da wäre zunächst der Gegner Tippu, von dem Sharpe in seiner jugendlichen Einfalt annimmt, er sei einfach ein „teuflischer Bastard“. Dass dem längst nicht so ist, wird dem Leser recht früh klar, denn Tippu wird als durchaus aufgeklärt beschrieben, auch wenn er zur Belustigung seiner Mannen schon mal Gefangenen Nägel durch die Schädeldecke schlagen lässt.

Eine ebenso differenzierte Betrachtung erfährt Colonel Wellesley, der sicherlich eher unter seinem späteren Titel Duke of Wellington bekannt ist und der hier in Indien auf seiner ersten Mission mit Versagensängsten und Startschwierigkeiten zu kämpfen hat. Ein bisschen unsicher und reichlich kühl gegenüber seinen Untergebenen, ist er noch weit von dem großen Staatsmann entfernt, zu dem er sich später einmal mausern wird. Nur einer ist überhaupt nicht ambivalent beschrieben, und das ist Hakeswill, der so tyrannisch und stiefelleckerisch daherkommt, dass ihm der geneigte Leser am liebsten eigenhändig das Genick brechen möchte. Dass Sharpes kleiner Mordanschlag auf den Erzfeind nicht von Erfolg gekrönt sein wird, ist wohl logisch. Hakeswill wird Sharpe noch in vielen weiteren Romanen auf dem Kieker haben.

„Sharpes Feuerprobe“ ist der spannende und mitreißende Auftaktroman einer Serie, die in England praktisch Kultstatus genießt. Da vergibt man Cornwell auch mal die gelegentliche Blut-und-Ehre-Rhetorik, wenn er sich von der Heroik seiner Charaktere ein bisschen zu sehr mitreißen lässt. Die Passagen, in denen Sharpe sich ein ums andere Mal bewährt, nie um einen dreckigen Witz verlegen ist und am Schluss dann auch noch einen Feind nach dem anderen umnietet, lassen den Leser so unerträgliche Formulierungen wie „der Stahl war hart und kalt in ihren Seelen“ gern vergessen. Schade, dass es noch bis März 2009 dauern wird, bevor |Bastei Lübbe| den nächsten Teil, „Sharpes Sieg“, herausbringt.

|Originaltitel: Sharpe’s Tiger, 1997
Aus dem Englischen von Joachim Honnef
476 Seiten
ISBN-13: 978-3-404-15862-1|
http://www.bastei-luebbe.de
http://www.bernardcornwell.net
http://www.southessex.co.uk

_Bernard Cornwell auf |Buchwurm.info|:_
[„Stonehenge“ 113
[„Die Galgenfrist“ 277
[„Der Bogenschütze“ 3606 (Auf der Suche nach dem Heiligen Gral 1)
[„Der Wanderer“ 3617 (Auf der Suche nach dem Heiligen Gral 2)
[„Der Erzfeind“ 3619 (Auf der Suche nach dem Heiligen Gral 3)

Massimo Marcotullio – Das Blut des Skorpions

Im Rom des 17. Jahrhunderts treibt ein Attentäter und Serienmörder sein Unwesen. Ein cholerischer Maler und seine Gefährten geraten erst in sein Visier und dann in eine politische Intrige, die Herrscherhäuser in ganz Europa ins Wanken bringen könnte … – Anspruchsloser, ausschließlich der Unterhaltung verpflichteter und historische Akkuratesse nie in den Vordergrund stellender Thriller mit wüsten Morden, simpel gestrickten Figuren und stetigem Druck aufs erzählerische Gaspedal.
Massimo Marcotullio – Das Blut des Skorpions weiterlesen

Charles Atkins – Risiko

Der Amerikaner Charles Atkins weiß, wovon er schreibt. Genau wie die Hauptfigur in „Risiko“ ist er Psychiater, und es scheint, als ob dieser Beruf eine gute Inspirationsquelle für Geschichten darstellt. Auf seiner Website berichtet er, dass er dieses Buch schrieb, während er mit verhaltensauffälligen Jugendlichen arbeitete. Und genau darum geht es in diesem Buch. Ab wann ist ein Jugendlicher verhaltensauffällig? Wie kam es dazu? Und sind sie wirklich alle Monster?

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