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Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter – Macht! (Offenbarung 23, Folge 8)

_Schädel & Knochen und das Spiel um die Macht_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

1963 wurde der US-Präsident John F. Kennedy ermordet, wenige Jahre später sein Bruder Robert, auch sein Sohn kam unter mysteriösen Umständen ums Leben. Zahllose Theorien machen die Mafia, die amerikanische Regierung selbst, die Kubaner oder gar einen Fluch dafür verantwortlich. Doch Georg Brand aus Berlin offenbart, dass der unter ungeklärten Umständen gestorbene Hacker Tron einen viel simpleren, banaleren und umso glaubwürdigeren Grund für die Kennedy-Todesfälle ermittelt hatte. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Über Jan Gaspard ist nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln (siehe Webseite von |LPL records|). Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration“ gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

Andy Matern wird von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

Hinweis: Die vier Rückseiten der vier Booklets der zweiten Staffel ergeben ein Zusammensetzbild (vulgo: Puzzle), auf dem das Reichtagsgebäude vor einem brandroten Himmel zu sehen ist. Auf dem Platz vor dem Gebäude zeichnet sich dunkel das Emblem der Serie ab. Außerdem ergibt sich ein Internetadresse: http://www.vertraue-niemandem.org.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“, mit der Stimme von Kirsten Dunst und Kate Beckinsale.
Oliver Siebeck spricht einen Reporter.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Till Hagen spricht Ian G. und klingt wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“.
Lutz Riedel spricht LKA-Mann Wim Banner und klingt wie Timothy „James Bond“ Dalton.
Reiner Schöne spricht Roy Adams, Sicherheitschef von Rupert Murdoch.
Jürgen Kluckert spricht Patrick und klingt wie Morgan Freeman.
Torsten Michaelis spricht Tupac Amaru Shakur und klingt wie Wesley Snipes.
Benjamin Völz spricht Boris F. alias „Tron“ und klingt nach Keanu Reeves oder James Spader.
Arianne Borbach spricht Margo und klingt wie Catherine Zeta-Jones.
Lutz Mackensy spricht den Druidengroßmeister Saint Clair mit der Stimme von Rowan Atkinson oder Al Pacino.
Tilo Schmitz spricht Herrn Brand senior und klingt wie Ving Rhames oder Michael Clarke Duncan.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“, die nach David Niven, Peter Cushing oder Vincent Price klingt.
Helmut Krauss ist der Erzähler und hört sich verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson an.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

|PROLOG|

Live-Reportage aus Dallas: Am 22.11.1963 wird der amtierende US-Präsident John Fitzgerald Kennedy vor laufender Kamera in seinem Paradeauto erschossen und stirb auf dem Weg ins Krankenhaus.

|Haupthandlung.|

Georg Brand hält sich immer noch im irischen Glynne Castle auf, wo ihm der Informatiker Ian G Gesellschaft leistet und Geschichten erzählt. Es ist schon fast Mitternacht, als er die Rede auf die Kennedys bringt. Was hat die Whiskymarke mit dieser Familie zu tun? John Patrick Kennedy hatte die Importlizenz dafür und machte damit gute Geschäfte, wegen seiner Mafiakontakte übrigens auch während der Prohibition. Die Fitzgeralds stammten übrigens aus der Gegend um Glynne Castle, bevor JFKs Vorfahren im 19. Jahrhundert auswanderten. Sie wahren als Weiberhelden in Irland sehr gut angesehen, doch in den Staaten bekamen sie es mit den puritanischen Protestanten aus Neu-England zu tun – ein ewiger Konflikt.

Ian G lotst Georg in ein echt irisches Pub namens „Pendragon“, das immer noch geöffnet hat. Dort verschwindet Ian G, aber dafür nimmt sich Patrick des Neuankömmlings an. Und der hat noch mehr Geschichten über die Kennedys auf Lager. Wichtiger ist aber sein Hinweis auf ein bemerkenswertes Foto an der Wand. Es zeigt zehn Männer in Abendgarderobe, die Patrick als die Mörder JFKs bezeichnet. Jedenfalls soll das der Mann, der das Foto machte, gesagt haben. Er nannte sich Boris F. und ist besser als Hacker Tron bekannt.

Am Sonntagnachmittag ruft Georg seinen Kumpel Schmittke in Berlin an. Er hat herausgefunden, wer drei der Männer auf dem Foto sind. Unter ihnen sind der Mörder Ché Guevaras und ein Watergate-Einbrecher. Dieser heißt Frank Sturges, ein Mann aus dem Hochadels Bostons, der auch die Geliebte Castros anwarb, damit sie Waffen nach Dallas schmuggelte. Das war wohl im November 1963 … Die Kennedys waren in Neu-England Außenseiter, weil sie dem geheimen Eliteklub der Yale-Absolventen, dem [Skull & Bones]http://de.wikipedia.org/wiki/Skull__%26__Bones Club, angehörten.

Da klopft es an der Tür. Saint Clair tritt ein. Georg dachte, der Großmeister der Druid Society sei längst verschollen, nachdem die Agentin Margo ihn auf dem Weg nach Stonehenge niedergeschlagen hatte. Saint Clair bietet sich als Verbündeter an. Georg kann seine Hilfe gebrauchen, um Durchblick zu bekommen. Doch bevor der Mann zu erzählen beginnt, lässt er sich von T-Rex auf den neuesten Stand bringen und erfährt so von seinem Interesse an den Kennedys. Er reicht dem Hacker einen Drink.

Die Skull & Bones sind quasi die Nachfolgeorganisation der Ingolstädter Illuminaten aus dem 18. Jahrhundert, nur mit dem Unterschied, dass der Zugang viel stärker limitiert und die Mitgliedschaft somit viel elitärer ist. Mehrere Minister und Präsidenten, darunter George W. Bush, gehörten und gehören dem Geheimklub an. Über das Bankhaus Brown & Harriman waren sie während des 2. Weltkriegs mit dem Thyssenkonzern verbunden und verdienten kräftig am Krieg. Die Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft gehört seit der Gründung der Yale-Universität zu ihrem Programm. Leute wie Roosevelt und Kennedy, die anderen Klubs wie etwa den Freimaurern angehörten, wollten häufig ihre monopolistische Politik durchkreuzen.

Georg erleidet einen Schwächeanfall. Kaum genesen, bringt ihn Saint Clair nach New York, aber unter dem Decknamen Viktor F., als Halbbruder von Boris F. Sie reisen nach Deer Island, in die Höhle des Löwen: das Freizeitquartier des Skulls & Bones Clubs. Dort erfährt Georg von seinem Gastgeber Roy Adams, wer JFK wirklich umbrachte und auch den Grund dafür. Hier begegnet er seinem eigenen Schicksal – das jedes Drachentöters, wenn der Drache stärker ist.

_Mein Eindruck_

Das Schluss dieser 2. Staffel trifft den Hörer recht heftig und unerwartet, muss er doch von seinem geliebten Helden unerwartet Abschied nehmen. Es soll laut Absage noch eine weitere Episode mit dem Titel „Wir“ kommen. Aber warten wir’s mal ab, ob die noch so berauschend wird, wenn die bisherige Hauptfigur gerade abserviert wurde.

Es stimmt schon, was in der Einleitung gesagt wurde: Die Erklärung für die Morde an den drei Kennedys – wovon Nr. 2 und 3 gar nicht im Hörspiel erwähnt werden – erscheint nun im Rückblick recht plausibel. Die jahrhundertelange Animosität zwischen katholischen Iren und protestantischen Angelsachsen hat sich in der Neuen Welt fortgesetzt: Symbolisiert wurde sie zwischen dem Roten (Wales) und dem Weißen Drachen (England), wie in einer der Artus-Schriften von Merlin prophezeit. Dann taucht das Symbol des Drachentöters, des Hl. Georg, auf, als dessen Reinkarnation nun Georg Brand erscheint.

Aber die Sache mit den Farben haut letzten Endes nicht hin: Der Skull-&-Bones-Vertreter reklamiert nämlich die Farbe Rot für sich und die Republikaner, was aus diesen Herrschaften den Roten Drachen macht. Dabei waren es doch die gälischen Waliser, die den Roten Drachen in ihrem Wappen zum Nationalsymbol erhoben hatten. Und die waren anscheinend eng mit den Iren verbunden. Na ja, was soll’s. Es ist nur eine Spielerei mit Symbolen.

Wesentlich mehr Sinn ergibt, dass es JFK war, der mit seinem Präsidentendekret, der Executive Order 11.11.10, im Juni 1963 der Zentralbank den Garaus machen wollte. Doch diese bestand und besteht praktisch aus zwölf Privatbanken, die auf diese Weise die Lizenz zum Gelddrucken hatten. Zu gerne leihen sie der Regierung gegen anständige Zinsen Geld, etwa um Kriege zu führen oder die Steuern zu senken. Dass sie daran stets verdien(t)en, versteht sich von selbst. Proportional dazu wuchs und wächst ihr Einfluss auf die Politik. Selbstredend sind viele – ob es alle sind, wird nicht spezifiziert – dieser zwölf Bankhäuser mit dem Skulls & Bones Club verbunden. Wenn sie also dem US-Präsidenten George W. Bush Geld leihen, dann einem ihrer eigenen Mitglieder.

Diese Zusammenhänge, so interessant sie auch sein mögen, werden leider in langen Monologen vorgetragen, die keinerlei Spannung aufkommen lassen. Dies ist die ernsteste und in dramaturgischer Hinsicht langweiligste Episode der beiden Staffeln. Zeit, eine kreative Pause einzulegen.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Catherine Zeta-Jones, Ving Rhames, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Diese Episode ist durchgehend relativ ernst und Georg Brand hat wenig zu lachen, genau wie wir.

_Geräusche und Musik_

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend.

Die Musik fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Elektro-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Zum Glück fehlt nun die Rapmusik, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann.

_Unterm Strich_

Was für ein stimmungsmäßiger Absturz gegenüber der vorhergehenden Episode „Stonehenge“! Geradezu eine kalte Dusche. Eine ermüdende Abfolge relativ langer Monologe breitet ein deprimierendes Panorama vom Imperium des Geheimbundes des Skulls & Bones vor uns aus. Nein, auch unser bisheriger Held T-Rex bekommt nicht den Hauch einer Chance und wird eiskalt abserviert. Die Firma dankt und erwartet Besserung.

Das mit 78 Minuten ungewöhnlich lange Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| natürlich gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten etwas trivialen Handlung etwas Glanz.

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter – Fußball-Gott, Der (Offenbarung 23, Folge 6)

_Der Gott ist rund, die Kirche auch_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Die schönste Nebensache der Welt. Warum hat sich Hacker Tron zu seinen Lebzeiten auf die Spur des Mannes gemacht, der wie kein zweiter mit dem Volkssport der Deutschen in Verbindung steht? Student Georg Brand glaubt nicht, dass der tote Hacker-Kaiser sich wirklich für seinen Standesvetter interessiert hat. Und doch entdeckt Georg manche Seltsamkeit in der Geschichte des deutschen Fußballs. Musste Tron etwa dafür sterben? (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Über Jan Gaspard ist nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln (siehe Webseite von |LPL records|). Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration“ gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

Andy Matern wird von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

Hinweis: Die vier Rückseiten der vier Booklets der zweiten Staffel ergeben ein Zusammensetzbild (vulgo: Puzzle), auf dem das Reichtagsgebäude vor einem brandroten Himmel zu sehen ist. Auf dem Platz vor dem Gebäude zeichnet sich dunkel das Emblem der Serie ab.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“.
Detlef Bierstedt spricht den Boulevard-Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney am Telefon.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Till Hagen spricht Ian G. und klingt wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“.
Lutz Riedel spricht LKA-Mann Wim Banner und klingt wie Timothy „James Bond“ Dalton.
Benjamin Völz spricht Boris F. alias „Tron“.
Arianne Borbach spricht Margo und klingt wie Catherine Zeta-Jones.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“.
Helmut Krauss ist der Erzähler und klingt verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen. Georg verscherbelt seine Ermittlungsergebnisse an eine große Boulevardzeitung aus Berlin. Aber manche Geheimnisse sind sogar für dieses Medium zu heiß – so etwa jenes über den „Kaiser“ …

_Handlung_

Übertragung: Die Bundesrepublik Deutschland wird die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 austragen.

TV-News: Die Abstimmung der FIFA fiel denkbar knapp aus und die Deutschen bekamen den Zuschlag nur, weil ein Jurymitglied der letzten Wahl fernblieb. Hat da jemand was gedreht?

Georg Brand muss immer noch Buße tun für seinen Mordversuch an Tatjana (Ep. 5) und hat sie ins Hotel Adlon zu einem piekfeinen Abendessen ausgeführt. Es ist 23:23 Uhr (!). Trotz seiner bezaubernden Gesellschaft erscheint Georg auf einmal massiv abgelenkt: Seine Hoheit, der „Kaiser“, hat das Restaurant betreten. Nolo ist nicht beeindruckt: Herr Kaiser sieht aus wie ein Versicherungsvertreter. Aber sie erinnert sich, dass ihr verstorbener Freund Boris F alias Tron einmal ein Autogramm vom Kaiser bekam. Sie hat es sogar bei sich und zeigt es Georg. Wow: ein WM-Ticket. Und was bedeuten die Zahlen darauf? Na, das ist der Zugangscode zum Laptop des Kaisers, natürlich per WLAN. Gleich mal testen – die Unterschrift ist wirklich echt, findet Georg schnell heraus.

Auf der Festplatte des kaiserlichen Laptops findet Georg zu seinem nicht geringen Erstaunen ein WORD-Dokument, das den Namen von Tron trägt. Er druckt es aus und bringt es in die Redaktion, in der sein Bekannter Kai Sickmann arbeitet. Nolo kommt mit. Sickmann winkt ab. Na und? Tron hat also den kaiserlichen Laptop geknackt, wen wundert’s? Und überhaupt: Der Kaiser ist unantastbar: „vermintes Gelände“. Ganz einfach aus folgendem Grund: Der Kaiser ist mittlerweile der Berlusconi der deutschen Medien und Werbeträger. Wer versucht, ihn abzuschießen, schießt sich nur selbst ins Knie. Und wer’s mal aus Versehen tut (wie einmal ein Kollege vom „Mannheimer Morgen“), ist ganz schnell weg vom Fenster. Die Kollegen von der Sport-Redaktion lauern schon darauf, dass Sickmann mal einen Fehler macht …

Und was hatte Tron mit dem Kaiser am Hut? Hat ihn diese Sache das Leben gekostet? Sickmanns Tipp: Sucht die fehlenden Spieler. Georg wird fündig: Es ist Rupert Murdoch, mit dem Tron in Sachen Bezahlfernsehen verbunden war. Tron hatte eine SmartCard entwickelt, mit der man sich Pay-TV kostenlos besorgen konnte, und Murdochs Firma NDS lieferte ihm dafür die Technik. Als das durch Trons Kaiser-Kontakt bekannt wurde und die Sicherheit des Pay-TV zweifelhaft erschien, zog sich Bertelsmann aus dem Joint Venture mit Kirchs Fernsehimperium zurück, woraufhin dessen Thron heftig zu wackeln begann. 1998 wurde Schröder zum Kanzler gewählt, und Deutschland durfte die Weltmeisterschaft 2006 austragen. Alles nur Zufall?

Ian G ruft auf dem Handy an. „Schnell raus hier! Brich alles ab! Du hast nur 30 Sekunden!“ Georg und sein Kumpel Schmittke brechen sofort ihren netten Chat mit der Quelle „Softie“ ab und machen, dass sie wegkommen. Die Flucht gelingt über das zweite Treppenhaus ihres Studentenwohnheims. Wenig später beobachten sie, wie zwei Typen aus dem Gebäude kommen, die aussehen wie die Killer in „Pulp Fiction“: Travolta und Jackson. Ein schlechter Traum?

_Mein Eindruck_

Das alles erscheint uns heute wie olle Kamellen, doch die Sache im Hintergrund ist weiterhin relevant, und wer weiß: Vielleicht wird der Kaiser ja wirklich mal Bundeskanzler. Der Weg dorthin wird im Hörspiel deutlich aufgezeigt. Wie 1974, als die Fußball-WM bei uns stattfand, das Farbfernsehen seinen Durchbruch erlebte, so soll auch diesmal eine neue Medientechnik ihren Durchbruch erleben: HDTV alias High-Definition Television.

Was aber die wenigsten wissen oder sagen: HDTV stellt einen Rückkanal bereit. Dieser Rückkanal erlaubt es dem jeweils eingeschalteten Sender zu registrieren, was der einzelne Haushalt gerade ansieht und zudem die Interaktion mit dem Zuschauer. Die Rückkopplungsschleife könnte laut Hörspiel wie folgt aussehen. Gebt dem Volk, was das Volk will, d. h. nach Erkenntnissen der Markt- und Meinungsforscher nur solche Inhalte, die die größte Masse interessiert. Dreimal darf man raten, was das wohl sein könnte. Man braucht sich nur erinnern, was die Privat-TV-Sender Anfang der achtziger Jahre als erstes sendeten: Erotik und bunte Werbung. Aber noch viel wichtiger im aktuellen Kontext: BUNDESLIGA & Co.! Und die Übertragungsrechte sind bekanntlich Milliarden wert …

Kein Wunder also, dass zur Fußball-WM das HDTV gepuscht wird, denn schließlich sind die Übertragungsrechte ebenso viel Gold wert wie das Renovieren all der Stadien landauf landab. Von den zusätzlich verkauften überteuerten TV-Geräten ganz zu schweigen. Und überall soll der Kaiser seine Finger drin haben? Klingt uns und Georg etwas zu weit hergeholt.

An diesem Punkt wird’s metaphysisch. Auf einmal heißt es „Fußball sei ‚Opium fürs Volk'“, eine Abwandlung des bekannten Marx-Zitats, wonach Religion Opium fürs Volk sei. Die Stadien seien die Kirchen und Kathedralen dieser Religion, der Kaiser sei der Hohepriester und sein Manager der Mann, der die Fäden zieht. Im Schatten dieser Volksverblödungsaktion wachse eine Schattenwirtschaft heran, die garantiert noch stärker gefördert werde, sollte der Kaiser je Bundeskanzler werden. (Hat der Kaiser überhaupt ein Parteiamt? Soweit ich weiß, nicht. Wer soll ihn also wählen können?)

Na, prost! Denkt sich Georg, und sein Kumpel Schmittke meint: Die haben doch alle ’ne Schraube locker. Genau meine Meinung. Aber dann taucht auf einmal Margo bei Georg auf, der in Tatjanas Reisebüro sitzt. Und sie hat Redakteur Kai Sickmann im Schlepptau. Da wird Georg ganz flau im Magen. Es war doch Margo, die Georg (in Ep. 5) ferngesteuert hat, damit er Nolo umbringt! Doch Nolo sagt, es sei okay. Und Margo weiß bestimmt schon alles, was er, T-Rex, Sickmann verklickert hat!

Mit Nolos Erlaubnis geht er mit Sickmann durch Berlin. In einen düsteren Keller, welcher der Urania-Loge der Freimaurer gehört. Und dort bekommt T-Rex von dem Unbekannten aus der S-Bahn noch mehr Rätsel zu hören. Er nennt sich Saint-Clair, so wie viele der Tempelritter, und ist angeblich ein Verleger. Na, wer’s glaubt, wird selig!

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Catherine Zeta-Jones, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hat die Hörspielserie nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Und der denkende Zeitgenosse – wiewohl eine aussterbende Spezies – kann sich die Paranoia ja selber erzeugen, wenn er sie braucht.

_Geräusche und Musik_

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend.

Die Musik fungiert meist ein Pausenfüller: Rapmusik, fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Elektro-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann.

_Unterm Strich_

Diese Episode gewährt – sofern man es glauben mag – einen tiefen Einblick in das System, das die Nation im wahrsten Sinne des Wortes bewegt. Besonders in diesen Tagen, da die Fußball-Weltmeisterschaft hierzulande gastiert, werden einige Phänomene sichtbar, die dem aufmerksamen Zeitgenossen zu denken geben: die massive Werbung für das manipulationsfähige HDTV, die enormen Summen (etwa 1,6 Mrd. Euro) für die Renovierung und den Ausbau der Fußballstadien, die hohen Summen, die für die Übertragungsrechte gezahlt werden mussten. Kein Zweifel, die Huldigung an den Fußball-Gott ist ein teurer Spaß. Und man fragt sich, wer davon am meisten profitiert. Das Hörspiel von „Jan Gaspard“ gibt ein paar bedenkenswerte Antworten.

Das mit 75 Minuten ungewöhnlich lange Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt absolut nichts daran auszusetzen – wie schade. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten etwas trivialen Handlung den Glamour des Abenteuers.

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter – Handy-Komplott, Das (Offenbarung 23, Folge 5)

_Das Handy, dein Freund und Lauscher_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Der Student Georg Brand bekommt das verschollene Handy von Hacker-Legende Tron in die Hände. Er entdeckt eigenwillige Umbauten, für die sich auch dubiose Firmen interessieren und mit denen ein Handy auf einmal mehr wird als nur ein mobiles Telefon. Was Georg aber noch nicht ahnt: Aufgrund dieses Wissens wird auf Trons Freundin Nolo ein Mordanschlag verübt. Das Besondere daran: Der Attentäter ist Georg selbst … (ergänzte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Über Jan Gaspard ist nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln (siehe Webseite von |LPL records|). Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration“ gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

Andy Matern wird von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Leise erklingt im Hotel Adlon das Piano – es wird von Hermann Niesig gespielt.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann* und klingt wie George Clooney am Telefon.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Arianne Borbach spricht Margó und klingt wie Catherine Zeta-Jones.
Till Hagen spricht Ian G. und klingt wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“.
Lutz Riedel spricht LKA-Mann Wim Banner und klingt wie Timothy „James Bond“ Dalton.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und den Prolog, der eine Art Garantieausschluss darstellt.
Helmut Krauss ist der Erzähler und klingt verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson .

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Die vorhergehende Episode „Die Krebs-Macher“ führte Georg Brand zusammen mit Wim Banner auf eine Schnitzeljagd, an deren Ende ein Handy-Klingeln erklang.

Wie sich nun herausstellt, ist das Handy an einer süßen kleinen Miezekatze befestigt. Das Handy selbst gehört der 1998 gestorbenen Hackerlegende Tron alias Boris F. Mit seinem Freund Kai Schmittke untersucht Georg Handy und Katze. Beide sind ungewöhnlich ausgestattet. Die Katze trägt einen Ohrring, das Handy ist innen mit Alu gefüttert. Interessant: eine Abschirmung?

Auf diesem Handy ruft eine Frau mit einem abgeschalteten Provider-Account an: Sie nennt sich Margo und bittet Georg, sie in Frankfurt/Main zu besuchen. Ohne zu fragen, was er dort soll, lässt sich der Student wie ein Roboter dorthin verfrachten. In Nullkommanix ist er auf der Spitze des Messeturms, wo ihn eine bezaubernde Dame begrüßt und ihn bittet, sie als seine gute Fee zu betrachten. In Ordnung, murmelt Georg und küsst sie.

Denn Margo hat ihm ein paar erstaunliche Fakten verraten. Zum Beispiel, dass die amerikanische Sicherheitsbehörde NSA (National Security Agency) im 5. Stock eines Hochhauses am Hauptbahnhof logiert und mit dem am besten gesicherten Computer der Stadt direkt die Leitungen der Deutschen Telekom anzapft – genehmigt, versteht sich. Und natürlich sucht sie nur nach bestimmten Codewörtern wie etwa „Bombe“. Klar doch.

Interessant wird diese Info aber erst, als sie Georg daran erinnert, dass Tron ein mobiles „Kryptophon“ auf ISDN-Basis entwickelt hatte. Es war abhörsicher. Wäre das Ding in Serie gegangen, hätte das die NSA und andere Dienste arbeitslos gemacht. Tsts! Die NSA habe übrigens Tron über Ian G. abgehört. Und dieser wiederum höre nun Georg per Handy ab. Mit einem kleinen Trojaner könne man jedes Handy zu einem Abhörinstrument umfunktionieren. Aber zum Glück sei die Spitze des Messeturms ein Störsender. Hier seien sie zwei beide ganz für sich …

Es dauert nicht lange, da warnt Ian G. seinen Freund Georg vor dieser Margo. Die sei der Kopf einer Industriellen-Dynastie, und ihr Vater habe seinerzeit Tron obduziert. Beunruhigend. Um mehr herauszufinden, geht Georg zu seinem Bekannten, dem Boulevard-Reporter Kai Sickmann. Der klärt ihn a) über Strahlenschäden durch Handys auf und b) über gewisse Abhörmethoden. Mehr Details dazu gibt es allerdings nur von dem Experten Tim Mars, denn eine Zeitung könne schließlich nicht ihre wichtigsten Anzeigenkunden vergraulen: die Handyhersteller …

Von Mars erfährt Georg alles über Abhörmethoden und wie es Tron gelang, sie zu umgehen. Tron legte zum Beispiel die bekannte Alufolie in sein von Mars gefertigtes Handy und war fortan nicht mehr zu orten. Peinlich für einen Geheimdienst. Wie man einen Trojaner entfernt, verrät Mars auch. Weil ISDN, das Tron fürs Kryptophon nutzte, schwerer abzuhören ist, werde, so Mars, heute alles auf DSL umgestellt.

Dennoch begeht Georg einen folgenschwerer Fehler: Er kauft sich ein Headset. Fortan ist er praktisch ständig online. Und das erste, was er sich damit einfängt, ist eine Art Virus, der ihn fernsteuert. Aber das merkt er überhaupt nicht. Erst als die strangulierte Nolo, Trons Ex-Freundin, bewusstlos vor ihm liegt und Ian G ihn rüttelt, scheint Georg wieder aufzuwachen. Er hat keine Ahnung, was passiert ist. Wütend zertritt Ian G Georgs Handy und Headset.

Sollte die arme Nolo jemals wieder aufwachen, wird Georg das teuer zu stehen kommen, so viel steht schon mal fest.

_Mein Eindruck_

Das Thema der Handystrahlung und des Abhörens, ja, sogar der Fernsteuerung wird durchgehend in diesem Hörspiel angeschnitten. Kann man das alles unbesehen glauben, was uns der Autor mit dem Pseudonym „Jan Gaspard“ da verklickert?

Immer wieder gibt es Meldungen von Studien, in denen die Strahlenschädlichkeit von Mobilgeräten (Handys, PDAs, Smartphones usw.) und Mobilfunk-Transpondermasten belegt wird – und dann gleich wieder dementiert. Natürlich ist die Milliardenindustrie der Handyhersteller und Mobilfunkbetreiber daran interessiert, solche geschäftsschädigenden Studien zu unterdrücken oder wenigstens abzuwerten. Das sollte den Verbraucher aber nicht abschrecken.

Feststeht jedenfalls, dass ein Handy – um nur ein Endgerät herauszupicken – elektromagnetische Strahlung abgibt. Es gibt offenbar thermische und nicht-thermische Strahlung (ich bin kein Fachmann und berufe mich auf die Infos aus dem Hörspiel). Thermische Strahlung – bekannt von der Mikrowelle! – heizt auf, nicht-thermische beeinflusst das Gehirn, wird sie nicht abgeschirmt. Wie sieht diese neurologische Beeinflussung aus? Georg Brand hat für uns recherchiert und tischt seiner erstaunten Angebeteten Nolo alias Tatjana Junk die Ergebnisse auf.

|Ferngesteuert?|

Demnach habe es bereits in den 1950er Jahren beim amerikanischen Militär Forschungen gegeben, die Gehirnströme von Männern durch entsprechende Induktionsströme zu beeinflussen – bei Frauen funktionierte es nicht, bei den Kerlen allerdings schon. Eigentlich wollte man ja Schizophrenie etc. heilen, aber wenn man damit feindliche Agenten „umdrehen“ konnte, hatte die CIA sicher nichts dagegen.

In Genf wurden mit solchen Induktionsströmen offenbar „out of body“-Erfahrungen herbeigeführt: Der Patient dachte, er verließe seinen Körper und stehe neben sich. Etwas Ähnliches widerfährt Georg im Hörspiel, nur dass er nicht neben sich steht, sondern sein Bewusstsein schlafen gelegt wird, während der Rest „ferngesteuert“ wird. Ob das nun wiederum Science-Fiction ist, bleibt offen, aber es sieht mir ganz nach Spekulation aus. Andererseits: Hypnose sieht auch ziemlich unwahrscheinlich aus, funktioniert aber echt gut.

|Feind hört mit!|

Jedes Handygespräch wird, wie im Festnetz, über Schaltstellen des Netzbetreibers vermittelt. In diesen speziellen Computern lassen sich Informationen – möglichst mit Befugnis – anzapfen. Das wird schon in „Die drei Tage des Condors“ gezeigt, funktioniert aber auch in Handynetzen. Wie in „Ocean’s Eleven“ könnte man auch daran denken, gefälschte Informationen einzuspeisen und weiterzuleiten. (Im Film ist dies im privaten Inhouse-Netz des Casinos zu sehen.)

Jedes nicht manipulierte Handy ist prinzipiell auch zu orten, ganz einfach deswegen, weil es sich, um Empfang zu haben, in einer Funk-Zelle anmelden muss. Diese Zellen gaben den „cell phones“ ihren Namen in den englischsprachigen Ländern. Die Position der Zelle ist dem Netzbetreiber natürlich bekannt, d. h. seine Computer können sie einer geografischen Position zuordnen. Diese Grundlage ermöglicht z. B. Location-based Services, also ortsabhängige Dienste wie etwa Notruf, Reparaturdienst, Hotelinfos und Navigation. Dass man damit auch Leute ausfindig machen kann, ergibt sich von selbst. (Ähnliches gilt für E-Mails – jeder Rechner, der eine verschickt, gibt seine IP-Adresse preis und lässt sich orten. Es gibt Tricks, das zu verhindern.)

Ein Eingriff in die Privatsphäre ist es jedoch, wie jede schädliche Software auf dem Computer, wenn ein fremder Algorithmus aufs Handy geschmuggelt wird. Dieses Stück Software könnte man, laut Tim Mars, wie einen Trojaner betrachten. Ich habe drei Bücher über Computersicherheit und Internet geschrieben. Somit weiß ich über das Thema Viren, Trojaner und Würmer Bescheid. Dass es Handyviren gibt, ist auch nicht neu. Und dass besonders die Bluetooth-Technik gewisse Sicherheitslücken aufweist, ist bekannt. Sie sind hoffentlich mittlerweile allesamt gestopft.

Die Handyviren übermitteln sensible, private Infos an den Abhörenden, der sie verwerten will, z. B. Adressen, Kreditkartenangaben usw. Der ganze Vorgang lässt sich automatisieren. So macht es ja auch die NSA, die den Frankfurter Internetknoten DENIC abhört, wenn man dem Hörspiel glauben darf. Dass Terroristen Handys dazu benutzen, um Sprengsätze zu zünden, ist einer der beunruhigendsten Aspekte in diesem Bild. Das könnte einer der Gründe sein, warum niemand in das Frankfurter Konsulat der USA ein Handy mitnehmen darf …

|Beruhigende Nachrichten?|

Dagmar Berghoff spielt sich selbst: Die bekannte ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin tritt als Nachrichtensprecherin auf. Ihre Nachrichten sind allerdings nicht gerade dazu angetan, den Hörer zu beruhigen. Die oben genannten Gefahrenquellen breiten sich nämlich rasant aus. In Deutschland gab es 2005 bereits 65 Millionen Handybenutzer und weltweit 1,6 Milliarden. 2006 dürften es 2 Milliarden Benutzer werden. Mithin grillen eine ganze Menge Leute ihr Hirn per Mikrowellenstrahlung und noch mehr werden wohl abgehört. Das könnte eine Reihe von Fehlern in der aktuellen Politik erklären.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Johnny Depp, Jonathan Pryce, Catherine Zeta-Jones und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glamour von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hat die Hörspielserie nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Marie Bierstedt als Tatjana Junk hat in dieser Episode der Serie einen feinen Auftritt. Da „Georg Brand“ seine Angebetete um ein Haar umgebracht hätte – ohne etwas zu ahnen – reibt sie ihm seine Schuld ganz schön unter die Nase und ist moralisch berechtigt, Höchstforderungen in Sachen Verwöhnfaktoren zu stellen.

An einer Stelle darf sie „das Rätsel Weib“ wieder einmal zum Besten geben. Sie hat „Georg Brand“ schon so weit, dass er sie zum Tanzen einlädt, da verbockt er es wieder durch eine falsche Frage. Er hat keinen blassen Schimmer, warum er von ihr rausgeworfern wird. Jedes weibliche Wesen dürfte sich vor Genugtuung kringeln. Männer können hingegen nur gequält darüber lächeln.

_Geräusche und Musik_

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend.

Die Musik fungiert meist als Pausenfüller: Rapmusik, fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Elektro-Rock und Easy Listening. Mir gefielen mehr die Gitarren, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann. An zwei Stellen gibt es Szenen im Berliner Hotel Adlon. Dieses Wunderhaus sollte jeder schon mal von innen gesehen haben. Dezent erklingt ein schön gespieltes Piano im Hintergrund des Dialogs, ohne aufdringlich zu werden. Hermann Niesig sitzt an der Klaviatur.

_Unterm Strich_

Diese Episode beschäftigt sich mit den Gefahren und Möglichkeiten eines Geräts, das für viele Zeitgenossen praktisch schon zum täglichen Leben gehört wie die Zahnbürste und die Kaffeetasse: das Handy. Interessant wird es an dem Punkt, an dem wir erfahren, was die Hacker damit anstellen, erstens natürlich Tron, die Legende, und dann Georg Brand, genannt T-Rex. Die Handlung spinnt die Fakten weiter – voilà: wir haben einen Mordanschlag. Wer steckt dahinter und wie gelang die Intrige? Brennende Fragen, die erst am Schluss beantwortet werden. Ob demnächst zwei Milliarden Handybenutzer versklavt werden, wird allerdings (noch) offen gelassen.

Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt absolut nichts daran auszusetzen – wie schade. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten etwas trivialen Handlung den Glamour des Abenteuers.

*: Sicherlich ist es nur purer Zufall, dass der Chefredakteur einer großen Boulevardzeitung mit vier Buchstaben Kai Diekmann heißt.

|64 Minuten auf 1 CD|

Follett, Ken – Nacht über den Wassern (Lesung)

Im September 1939 startet das luxuriös ausgestattete Flugboot der |Pan American Airline| zu einem letzten Flug über den Atlantik. Doch nur einer der Reisenden weiß um die tödliche Gefahr, die auf sie lauert, wenn es Nacht wird über den Wassern…

_Der Autor_

Ken Follett, geboren im walisischen Cardiff, wurde durch die Verfilmung seines Spionagethrillers „Die Nadel“ mit Donald Sutherland bekannt. Den internationalen Durchbruch erzielte er laut Verlag mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ (1990). Auch sein Roman „Der dritte Zwilling“ wurde verfilmt. Sein neuester Roman ist 2003 bei uns erschienen: „Mitternachtsfalken“ spielt mal wieder im 2. Weltkrieg.

_Der Sprecher_

Udo Schenk wurde 1954 geboren und lebt zurzeit in Berlin. Er hat bereits zahlreiche Film- und Fernsehrollen gespielt und ist ein gefragter Synchronsprecher: Schenk ist die deutsche Stimme von Kevin Spacey („American Beauty“), Kevin Bacon („Echoes“) oder auch Ralph Fiennes in „Der englische Patient“.

_Handlung_

Am Tag nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, also am 2.9.39, schwimmt in der Bucht des südenglischen Hafens Southampton das größte Flugboot der Welt. Der „Wal“ ist ein luxuriös ausgesttatter Clipper der |PanAm|-Fluglinie, der immerhin 41 Tonnen wiegt, aber nur 29 Stunden für die Atlantiküberquerung braucht – schneller als jedes Schiff. Dafür sind die Ticketpreise aber auch gesalzen: 675 Dollar bis New York City hin und zurück, also mehrere Monatslöhne. Es sei denn, man ist privilegiert.

Für den nächsten Flug steigen mehrere, sehr unterschiedliche Passagiere an Bord, die der Auor liebevoll in allen Einzelheiten und jeden mit einer individuellen Story vorstellt. Ihr Aufeinandertreffen macht den Flug zu einer ereignisreichen Angelegenheit.

Da ist einmal Tom Luther, ein amerikanischer Wollfabrikant und Antikommunist, der von einem ungenannten, sehr mächtigen Mann den Auftrag erhalten hat, einen der Passagiere zu töten. Eddie Deacon, der Wartungstechniker, wird dazu erpresst, bestimmte Passagiere an Bord zu lassen. Als werdender Vater hat er schlechte Karten: Die Erpresser haben seine Frau als Geisel genommen.

Die junge, anfangs naive Lady Margaret Oxenforde hat feministische und sozialistische Ideen, darf aber in ihrem adeligen Elternhaus mit ihren 19 Jahren nicht aufmucken. Ihr Vater, Lord Oxenforde, hegt unverständlicherweise Sympathien für die Nazis – nichts Ungewöhnliches im britischen Adel. Dennoch wird der Lord praktisch des Landes verwiesen.

Maggie hat bei einem nächtlichen Abenteuer in London Harry Marks auf der Polizeistation kennengelernt. Doch Harry ist ein Dieb und Hochstapler und könnte sich als höchst riskante Bekanntschaft herausstellen. Oder als ihr Lebensretter. Harry muss den Clipper erwischen, um einer Haftstrafe zu entgehen.

Mark Elder ist Amerikaner und hat Diane Lovesey kennengelernt, eine verheiratete Britin, die ihren Mann Mervyn verlassen hat. Mervyn fliegt ihr nach Irland nach, wo der Clipper eine Zwischenlandung einlegen soll. Dort wird er von der sitzengelassenen Amerikanerin Nancy Lannahn bekniet, sie mitzunehmen. Es wird ein spannender Flug in seinem Flieger.

Zu guter Letzt befinden sich ein paar Randfiguren an Bord: zwei Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland sowie Ollis Field, der wohl für das FBI arbeitet: Er bringt Frankie Giardino, einen Mafiakiller, in die Staaten, wo der Verbrecher verurteilt werden soll. Doch dessen Kumpane haben einen Notfallplan in Gang gesetzt, um dafür zu sorgen, dass Giardino rechtzeitig abgefangen wird. In diesem Plan spielt Eddie Deacon eine tragende Rolle…

_Mein Eindruck_

Alles in allem ergibt diese umfangreiche Passagierliste genügend sozialen Sprengstoff, um für fünf Kriegsabenteuer zu reichen. Follett packt alles in ein einziges Buch. Daher ist für Drama, Action und romantische Abenteuer bis zum letzten Augenblick gesorgt.

Allerdings braucht dieser literarische Vogel ebenso lange zum Abheben wie sein fliegendes Gegenstück in der Handlung. Ellenlang breitet der Autor die Hintergrundgeschichten zu den einzelnen Figuren aus, was mindestens die halbe Handlung lang andauert. Dabei ragen vor allem das ungleiche Paar Harry Marks und Maggie Oxenforde heraus, mit denen der Zuhörer bangt, ob sie a) überleben und b) sich kriegen werden. Dabei ist auch für humorvolle Situationen gesorgt. Der Ausgleich liegt in der Handlung, die sich um Eddie Deacon zu einem Drama unter Verbrechern entwickelt.

Follett erweist sich als vielseitiger Erzähler, der mehrere Tonlagen beherrscht; dramatisch, humorvoll, actionreich. Doch seine Charaktere sind keine Pappfiguren, sondern wurden genau recherchiert – ebenso wie das Vehikel, das alle diese Schicksale zusammenführt: Den „Wal“ gab es wirklich bis 1939. (Wenn ich mich recht erinnere, wurde das Flugboot von Dornier gebaut.)

Natürlich kann man, wenn man strenge Maßstäbe anlegt, dem Plot vorwerfen, dass hier allzu sehr romantisiert würde. Aber was wäre ein gutes Kriegsabenteuer ohne etwas Romantik?

|Der Sprecher|

Udo Schenk versucht, sich ehrenhaft seiner Aufgabe zu entledigen. Aber er macht drei Aussprachefehler bei den englischen Namen Berkshire, Textiles und Grumman, und das steht einem professionellen Vorleser nicht gut an.

Immerhin gelingt es ihm, die einzelnen Figuren etwas unterscheidbar zu machen, indem er seine Stimmhöhe ein wenig variiert oder die Härte der Aussprache. Doch auch dieser Erfolg ist begrenzt.

_Unterm Strich_

Ich habe schon bessere Hörbücher kennen gelernt. „Nacht über den Wassern“ ist keine Glanzleistung, weder von Seiten der Produktion noch von Seiten des Sprechers. Vielleicht ist es für den Follettfan doch besser, sich den dicken Schmöker selbst durchzulesen. Eilige Reisende können ja mit dem Hörbuch vorlieb nehmen.

Umfang: 391 Minuten auf 6 CDs

_Michael Matzer_ © 2004ff

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Sieper, Marc / Ihrens, Oliver – Schattenreich 4: Nachthauch

_Meist harmlos: Gothic Rock auf Mystiktrip_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner: Alexander Scheer (Schauspieler)
Alexa Voss: Anne Moll (Schauspielerin)
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Geheimnisvolle Frau: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ: Dero („Oomph!“)
Tina Müller: Anna Thalbach (Schauspielerin)
Darius Menke: Gerrit Schmidt-Voß (Leonardo DiCaprio)
„Sterngucker“: Oliver Rohrbeck (Ben Stiller, Michael Rapaport)

sowie Markus Krane und Gerald Schaale (Andy Hallett – „Lorne“ in der Serie „Angel“).

Anna Thalbach steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

Dero wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“ / „Away“
Qntal: „Lingua Mendax“
In Extremo: „Kein Sturm hält uns auf“
Kutna Hora: „Our Lady of Sedlec“
Stillste Stund: „Darksomely“
Lacuna Coil: „Fragments of Faith“
Supreme Court: „(Yell) … It Out!“
Birthday Massacre: „Video Kid“
Das Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Andrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

|PROLOG|. „Ich bin alles, was gewesen ist, was noch ist und was sein wird. Und meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.“ Was meint die gute Frau wohl, wer sie ist? Vielleicht Isis alias Sibylle Scholl. Der Schleier würde dazu passen.

Bei der Exkursion in die Unterwelt der Scholl-Villa ist Christian in den Besitz einer Sternenkarte gelangt, die er von dem Astronomen Darius Menke analysieren lässt. Menke ist ebenfalls einer der „Nephilim“, so dass ihn dies keinen Pfennig kostet. Menke meint, das Himmelsbild auf der Karte zeige zwei Planeten und den Mond in einer Konstellation, die nur in naher Zukunft stattfinden könne. Und das Wasserzeichen, das ins Kartenpapier eingeprägt ist, zeigt einen Leuchtturm. Ergo muss sich der Punkt, wo sich die Planetenkonjunktion beobachten lässt, an einem Ort mit genau diesem Leuchtturm befinden. Und da alle Leuchttürme der Welt eine individuelle Farbgebung besitzen, ist der Turm schnell identifiziert.

Die Insel, zu der Christian nun fährt, ist nicht nur der frühere „Spielplatz der „Titanen“, sondern scheint auch ein begehrtes Ausflugsziel zu sein. Trotz des aufkommenden Sturms, der Christian einen heftigen Anfall von Seekrankheit beschert, haben sich eine Menge junge Besucher eines Gothic-Rockfestivals mit dem gleichen Schiff, der „Medusa“, auf die Überfahrt begeben. In seinem Halbdelirium meint Christian, seine Jugendfreundin Billie neben einem Mann zu sehen, den er kennt. Sie scheint wie eine Medusa auszusehen.

Er erwacht in einem Rettungsboot im Hafen. Der Sturm ist vorübergezogen, ihm geht es jetzt ein wenig besser. Nachdem er sich in Bruno Schwabs Haus ein wenig frisch machen konnte, schlagen zwei finstere gestalten Christian zusammen und packen ihn in den Kofferraum ihres Autos. Doch am Hafen befreit ihn die allgegenwärtige Tina Müller und verduftet mit unserem Pechvogel. Sie begeben sich mit der Sternkarte zum Leuchtturm, der – welch Glückes Geschick! – zugleich eine Sternwarte beherbergt, die ein Freund von Darius Menke leitet.

Das Ergebnis der neuerlichen Untersuchung: Christian bleiben nur noch vier bis acht Stunden, bis die Himmelskonstellation eintritt. Aber wo ist sie am besten zu beobachten? Auf einer Kultstätte. Nur gibt es auf der Insel hunderte davon. Und Christian braucht genau drei von ihnen, zwei für die Planeten und eine für den Mond. Er macht sich mit Tina getrennt auf die Suche nach diesen Orten.

Gerade als er dachte, er wäre sie los, tritt schon wieder die Kripotante Alexa Voss auf – zumindest auf seinem Handy – und zwei freundliche Polizisten erweisen sich als so anhänglich, dass sie ihn gleich zur Vernehmung mitnehmen. Zum Glück kann er ihnen entkommen und Alexa treffen, aber das geht nur auf dem Rockfestival. Sie verklickert ihm, was er schon sein ganzes Leben „wissen wollte“: Jemand hat die Leiche, die angeblich Jens Walberg sein sollte, aus dem Institut für Rechtsmedizin geklaut.

Na, toll! Doch die Polizisten sind immer noch hinter ihm her, und auf seiner weiteren Flucht gerät Christian auf ein Areal, wo er Tina wiedersieht: eine Kultstätte, auf der gerade ein ziemlich abgefahrenes Ritual abläuft. Auf einem Turm steht ein Thron, auf dem ein Junge sitzt. Und auf diesen Turm klettert nun … Bruno Schwab! Christian traut seinen Augen nicht. Was hat sein Lehrmeister mit dem Jungen vor?

_Mein Eindruck_

Dass ab und zu Rockkonzerte draußen in der Pampa, auf dem flachen Land stattfinden, hat sich inzwischen herumgesprochen, nicht zuletzt durch eine Reihe von Dokumentarfilmen. Insofern verwunderte es mich nicht, dass auf der Insel ein entsprechendes Gothic-Rock-Festival stattfindet. Dass auch der Hersteller dieser CD ein handfestes Interesse daran hat, so viel Musik wie möglich in die Handlung zu packen, erörtere ich im nächsten Abschnitt meiner Rezension. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit dröhnt Gothic Rock aus dem Radio, sogar aus dem der Polizei!

Die Handlung hängt sich an den Mystik-Kult an, den Dan Brown mit [„Sakrileg“ 1897 so erfolgreich – über 35 Mio. verkaufte Bücher sprechen eine deutliche Sprache – ausgeschlachtet hat (den Kult selbst gibt es schon über hundert Jahre). Mit einer Sternenkarte eine Kultstätte zu finden, ist zwar nicht einfach, aber wer den entsprechenden Antrieb hat, wie Wagner, der geht durch Dick und Dünn, um zum Ort des mystischen Geschehens zu gelangen. Um was zu finden?, fragt sich der rationale Laie. Antwort: Wieder mal die üblichen Verdächtigen, nämlich Dr. Bruno Schwab und seine Mischpoke von Mystikjüngern.

Die Mystik ist, weil sie so en vogue ist, von den ollen Ägyptern ausgeliehen. Folglich ist die Handlung ebenso wie das Design des Hörbuchs mit Symbolen der ägyptischen Mythologie überlagert, seien es nun Horusaugen oder Ankh-Henkelkreuze. Hauptsache, es mutet irgendwie mystisch an. Dieses mittelalterliche Welt-Bild postuliert wie schon Madame Blavatsky die Interaktion von göttlichen Mächten und menschlichen Aktivitäten, jedoch in völlig ernster Weise. Wie gut würde an dieser Stelle eine Prise Pratchett’schen Humors wie in [„Pyramiden“ 2615 tun! Der würde mit dem ganzen Hokuspokus aufräumen.

Das wichtigste Prinzip einer Serienhandlung lautet: Gib niemals genügend Antworten preis! Der Leser bzw. Hörer muss immer weiter nach mehr hungern. Nach dem Prinzip der Appetithäppchen folgt das zweite Konzept: Es sollten die immer gleichen Figuren des Personals auftreten. Deshalb darf sich der Laie nicht wundern, wenn die Kripotante Alexa Voss weit außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs auftritt, doch der Fachmann wundert sich gewiss. Und was die Journalistin Tina Müller auf der Insel verloren hat, wissen nur die Götter von der Autorenfraktion, denn Tinas Aufgabe ist es, Christian a) zu informieren und/oder b) zu retten und c) zu küssen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Gemäß Prinzip 1 darf sich der Hörer darauf verlassen, dass er bzw. die Hauptfigur am Schluss der Episode keineswegs alle Antworten bekommen hat, sondern im Gegenteil noch etliche Frage offen sind. Ein guter Grund, sich die nächste Episode zu besorgen.

|Die Inszenierung|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. An der Waterkant schreien natürlich die unvermeidlichen Möwen, und der Wind wehrt hörbar.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert). Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller auf, gesprochen von Anna Thalbach, auf.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten: „Schattenreich Vol. 4: Die Kult-Kompilation als 2CD [sic!] und DVD u.a. mit Rammstein, Oomph!, Nightwish […] und unveröffentlichten Schattenreich TV-Sessions [!!] und anderen Specials“. |Radar| hat das Copyright und die Markenreich für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie -, war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 4.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Die Handlung von „Schattenreich 4“ ist, wie gesagt, so dünn, dass sie auf einen Post-it-Zettel passt. Darüber nachzugrübeln, ist der Mühe nicht wert. Der Plot enthält Elemente einer Serienhandlung, die Anleihen bei „Sakrileg“ und „Offenbarung 23“ sind. Die Story wartet aber mit genügend Rätseln auf, dass der Zuhörer bei der Stange bleibt.

Ansonsten ist zu konstatieren, dass dieser Plot als Vorwand für jede Menge Musik-Marketing dient (Sex fällt diesmal flach). Daran trägt der Produzent |Radar Media| die Verantwortung. Und wenn die Handlung nicht in die Gänge kommt, dann liegt es an willkürlich eingebauten Szenen wie der auf dem Gothic-Rock-Festival, die nur dem musikalischen Antörnen des Publikums dient, aber ansonsten keinen geistigen Nährwert besitzt.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend befriedigt wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf schattenreich.net den Link dorthin.

|65 Minuten auf 1 CD|
http://www.schattenreich.net/
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
http://www.sonic-seducer.de/
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Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Sieper, Marc / Ihrens, Oliver – Schattenreich 3: Spur in die Tiefe

_Sex auf dem Billardtisch_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner – Alexander Scheer (Schauspieler)
Alexa Voss – Anne Moll (Schauspielerin & Synchronsprecherin)
Dr. Bruno Schwab – Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch – Norman Matt (Cillian Murphy, Drew Fuller in „Charmed“, Riley Smith in „24“)
Geheimnisvolle Frau – Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ – Dero („Oomph!“)
Tina Müller – Anna Thalbach (Schauspielerin & Synchronsprecherin)
Walther Zürn – Stefan Krause (Billy „Pippin“ Boyd)

sowie

Thomas Schmuckert (J. „Troy“ LaRose in „Saw3“)
Ulrike Stürzbecher (Patricia Arquette, Kate Winslet, Jennifer Aniston)
Markus Krane
Jürgen Wolters
Andrea Sparberg und
Hasso Zorn („Aramaki“ in „Ghost in the Shell: 1 & 2 & Stand Alone Complex“).

Anna Thalbach steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feiert sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

Dero wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
Absurd Minds: „Gedanken-Reich“
Clan of Xymox: „She’s dangerous“
Hatesex: „Hatesex“
L’Âme Immortelle: „Dein Herz“
IAMX: „After every party“
Jesus On Extasy: „Assassinate me“
Flint Glass: „Alhazred“
Predella Avant: „Carbon figures #9“
Das Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Andrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird dort jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

PROLOG. „Ich bin alles, was gewesen ist, was noch ist und was sein wird. Und meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.“ Was meint die gute Frau wohl, wer sie ist? Vielleicht Isis alias Sibylle Scholl.

Beim Spaziergehen im winterlichen Wald stößt Christian auf Tina Müller, deren Hund Adenauer ihn fast anfällt. Sie verrät ihm, dass sie jetzt für Adrian Bloch arbeitet. Den will er ja sowieso treffen. Aber auch Kriminalkommissarin Alexa Voss will ihn wegen der Leichen sprechen. Im Café Palm soll er sie treffen. Als ihm schlecht wird, geht er aufs WC, wo ihn eine seiner Ohnmachten erwischt.

Als er dort wieder erwacht, hört er eine Frau keuchen – und einen Mann stöhnen. Als Christian durch eine Ritze linst, entdeckt er Alexa und Adrian, die es miteinander treiben. Auf einem Billardtisch. Christian wundert sich: Alexa, seine Ex, sorgt sich um ihn als einen „armen Irren“, und Adrian, sein Widersacher, behauptet, er liebe Christian wie „seinen Bruder“. Wer verarscht hier eigentlich wen? Christian verdünnisiert sich.

Als Alexa danach im Lokal auftaucht, behauptet sie, Prof. Walberg sei tot. Noch mehr Lügen, denkt Christian. Er bekommt schon wieder eine SMS mit einem FAUST-Zitat: „Staub soll er fressen und mit Lust, wie meine Muhme, die berühmte Schlange“. Danach widerruft Alexa gleich wieder: Nur das BKA wolle, dass die gefundene Leiche Walberg ist, aber er sei es nicht.

Auf dem Weg zu Adrian, der in der alten Scholl-Villa auf ihn wartet, muss Christian Bruno Schwab mitnehmen, der sich verfolgt fühlt. Als Christian endlich bei Adrian ankommt, nimmt ihn Walther Zürn in Empfang, dem Christian nicht traut. Er hat sich in den Zirkel der „Titanen“ gedrängt und war in einer psychiatrischen Klinik: einer der Nephilim, wie ihn die abtrünnigen „Titanen“ genannt werden. Adrian bietet Christian die Leitung der Scholl-Stiftung an. Es ist keine Bitte, sondern eine Drohung: Christian könnte sonst die Leibrente der Stiftung verlieren, die ihm ein sorgenfreies Leben ermöglicht.

Als Adrian wieder mal weg muss, geleitet Walther Christian in den großen Ballsaal der Villa, der sonst immer verschlossen war. Aber Walther hat alle Schlüssel und lässt ihn ein. Im Licht besonderer Beleuchtung entdeckt Christian die Felder eines ägyptischen Senet-Spiels. Durch den Druck auf eines der Felder lässt sich eine Hebebühne betätigen, durch Christian eine Etage tiefer fällt.

Dort unten ist es stockfinster, aber er findet seine Taschenlampe wieder. Der Schein der Lampe fällt auf drei vergoldete Holzschreine und einen Bilderrahmen. Er nimmt eine Sternenkarte mit und zwängt sich hinter dem Rahmen in einen Schacht, der bis zu einem Gitter führt. Dahinter liegt eine Art Computerraum oder Internetcafé. Auf einem der Bildschirm läuft eine Simulation des „Titanen“-Rollenspiels ab: Osiris, Isis und Seth. Christian kommt sich vor wie in der „Matrix“. Wo ist er nur hineingeraten?

_Mein Eindruck_

Diese Episode bereitet den Übergang vom bisherigen Schauplatz, Christian Wagners namenloser Heimatstadt, zu anderen Schauplätzen wie etwa einer Nordseeinsel vor. Außerdem erhält die Hauptfigur mit der Sternenkarte (die keine Sterne, sondern nur Planeten zeigt) einen wichtigen Schlüssel zu den mystischen Vorgängen, in die sein Mentor Bruno Schwab verwickelt ist.

|Mystik|

Die Handlung hängt sich an den Mystik-Kult an, den Dan Brown mit [„Sakrileg“ 1897 so erfolgreich – über 35 Mio. verkaufte Bücher sprechen eine deutliche Sprache – ausgeschlachtet hat (den Kult selbst gibt es schon über hundert Jahre). Mit der frisch gefundenen Sternenkarte eine Kultstätte zu finden, ist zwar nicht einfach, aber Wagner geht durch Dick und Dünn, um zum Ort des mystischen Geschehens zu gelangen. Um was zu finden, fragt sich der rationale Laie. Antwort: Wieder mal die üblichen Verdächtigen, nämlich Dr. Bruno Schwab und seine Mischpoke von Mystikjüngern.

|Ägypter|

Die Mystik ist, weil sie so modisch en vogue ist, von den ollen Ägyptern ausgeliehen. Folglich ist die Handlung ebenso wie das Design des Hörbuchs mit Symbolen der ägyptischen Mythologie überlagert, seien es nun Horusaugen oder Ankh-Henkelkreuze. Hauptsache, es mutet irgendwie mystisch an. Diese mittelalterliche Welt-Bild postuliert wie schon Madame Blavatsky die Interaktion von göttlichen Mächten und menschlichen Aktivitäten, jedoch in völlig ernster Weise. Wie gut würde an dieser Stelle eine Prise Pratchett’schen Humors wie in [„Pyramiden“ 2615 tun! Der würde mit dem ganzen Hokuspokus aufräumen.

|Das Prinzip Unklarheit|

Das wichtigste Prinzip einer Serienhandlung lautet: Gib niemals genügend Antworten preis! Der Leser bzw. Hörer muss immer weiter nach mehr hungern. Nach dem Prinzip der Appetithäppchen folgt das zweite Konzept: Es sollten die immer gleichen Figuren des Personals auftreten. Deshalb darf sich der Laie nicht wundern, wenn die Kripotante Alexa Voss weit außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs auftritt, doch der Fachmann wundert sich gewiss. Und was die Journalistin Tina Müller in der Handlung verloren hat, wissen nur die Götter von der Autorenfraktion, denn Tinas Aufgabe ist es, Christian a) zu informieren und/oder b) zu retten und c) zu küssen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Gemäß Prinzip 1 darf sich der Hörer darauf verlassen, dass er bzw. die Hauptfigur am Schluss der Episode keineswegs alle Antworten bekommen hat, sondern im Gegenteil noch etliche Frage offen sind. Ein guter Grund, sich die nächste Episode zu besorgen.

|Cyberspace & Matrix|

Ein interessante Komponente ist das geheime Internetcafé im Keller der Villa Scholl. Hier wird der Cyberspace von „The Matrix“ ins alte Ägypten verlegt, komplett mit dem Dreigestirn Osiris, Isis und Seth, die über das Schicksal von Osiris‘ Sohn Horus entscheiden. Da Christian Wagner es seit den Tagen der „Titanen“ gewohnt ist, in alten mythologischen Symbolen zu denken, verbindet er dieses Cyberspace-Game mit seinem eigenen Schicksal: Er sieht sich als Horus. Und da er den Hörer in diesem Drama vertritt, fragt sich der Hörer (hoffentlich bang), was ihm wohl als nächstes zustoßen wird.

|Nephilim|

Die bedeutendste logische Schwäche betrifft wohl das nebulöse Konzept der Nephilim. Es soll sich um abtrünnige „Titanen“ handeln, doch sie scheinen nie so entschlossen gegen die „Titanen“ und Wagner vorzugehen, wie dies ihre religiöse Ideologie verlangen würde. Stattdessen spielen sie sozusagen den Buhmann, treten in schicken schwarzen Kutten auf und jagen ganz allgemein Angst ein, ohne aber einer Fliege etwas zuleide zu tun. Man darf zwar nicht übersehen, dass in Episode 1 und 2 drei Leichen auftauchten, doch wer hat sie auf dem Gewissen? Bis diese Frage geklärt ist, dürften noch weitere Episoden vergehen.

|Die Inszenierung|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im Wald schreien die Krähen, ein Hund bellt und knurrt, und über allem liegt ein melodisches Pfeifen.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert). Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf, vor allem als Geliebte von Adrian Bloch.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten: „Schattenreich Vol. 4: Die Kult-Kompilation als 2CD [sic!] und DVD u. a. mit Rammstein, Oomph!, Nightwish […] und unveröffentlichten Schattenreich TV-Sessions [!!] und anderen Specials“. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie Rammstein, Oomph! usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie -, war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 4.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Handlung von „Schattenreich 3“ ist, wie gesagt, so dünn, dass sie auf einen Post-it-Zettel passt. Darüber nachzugrübeln, ist der Mühe nicht wert. Der Plot enthält Elemente einer Serienhandlung, die Anleihen bei „Sakrileg“ und „Offenbarung 23“ sind. Die Story wartet aber mit genügend Rätseln auf, dass der Zuhörer bei der Stange bleibt. Ansonsten ist zu konstatieren, dass dieser Plot als Vorwand für a) Sex auf dem Billardtisch und b) jede Menge Musik-Marketing dient. Dafür trägt der Produzent |Radar Media| die Verantwortung. Und wenn die Handlung nicht in die Gänge kommt, dann liegt es an willkürlich eingebauten Szenen wie der Sexszene im Keller des Café Palm, die nur dem Aufgeilen des Publikums dient, aber ansonsten keinen geistigen Nährwert besitzt.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend befriedigt wird: die Gothic-Rock-Fans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|68 Minuten auf 1 CD|
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Camilleri, Andrea – Stimme der Violine, Die

Mit Michela Licalzi wurde nahe Vigata eine schöne, reiche Frau ermordet. Leider verdächtigt der zuständige Mordkommissar Panzacchi den Falschen, der von der Polizei, obwohl unbewaffnet, erschossen wird. Dumm nur, dass die Mafia die ganze Sache auf Video aufgenommen hat. Und der richtige Mörder läuft frei herum. Dann verhilft Montalbano eine wertvolle Violine zu einem Hinweis auf den Täter.

_Der Autor_

Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur.

Die Hauptfigur in vielen seiner Romane, Commissario Salvo Montalbano, gilt inzwischen als Inbegriff für sizialianische Lebensart, einfallsreiche Aufklärungsmethoden und südländischen Charme und Humor.

Allerdings ist der Commissario nicht der Liebling aller Frauen: Zu oft hindert ihn sein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein daran, dringende Termine mit seiner jeweiligen Freundin wahrzunehmen.

_Das Hörspiel_

Das 110 Minuten lange Hörspiel wurde beim Südwestdeutschen Rundfunk SWR produziert. Es treten neun Hauptsprecher auf sowie der Erzähler. Daneben hören wir noch dreizehn weitere Sprecher in Nebenrollen. Die Musik stammt von Henrik Albrecht, die Bearbeitung wie immer von Daniel Grünberg. Regie führte Leonhard Koppelmann – wie bei allen anderen Camilleri-Hörspielen:

– Die Form des Wassers
– Das Spiel des Patriarchen
– Der Hund aus Terrakotta
– Der Dieb der süßen Dinge

_Handlung_

Auf dem Weg zu einer Beerdigung rammt Gallo, der Fahrer Salvo Montalbanos, aus purer Selbstüberschätzung in einer Kurve einen flaschengrünen Twingo. Doch obwohl der Commissario seine Nummer hinterlässt, meldet sich niemand. Da ihm die Sache keinen ruhigen Schlaf erlaubt, bricht er kurzerhand in die kürzlich erbaute Villa hinter dem Twingo ein. Und stößt dort im Schlafzimmer auf die Leiche einer nackten schönen Frau. Sie würde erwürgt. Sofort macht sich Salvo aus dem Staub. Denn wie sollte erklären, auf welche Weise es ihm möglich gewesen war, die Tote aufzufinden?

Wie sich herausstellt, lebte Michela Licalzi in einer Scheinehe mit dem Arzt Dr. Emanuele Licalzi, 60, aus Bologna. Sie hatte offenbar Lover und Freundinnen. Eine der Letzteren, die ledige lehrerin Anna Tropeano, erzählt Salvo, der sich von ihrer Schönheit angezogen fühlt, dass Michela einen Bewunderer hatte: Maurizio di Blasi war allerdings geistig zurückgeblieben und war nur von Michelas Schönheit besessen. Er konnte sie nicht umgebracht haben, denn er spielte lieber den Voyeur.

Weil der neue Questore in Montelusa, Signore Bonetti-Alderighi, der aus dem Norden stammt und daher extrem unbeliebt ist, Montalbano den Fall entzieht, kommt nun Ernesto Panzacchivon von der Mordkommission zum Zuge. Ein schwerer Fehler, wie Salvo findet und sich bald herausstellt. Denn Panzacchi ist ein karrieregeiler Spieler. Seine ebenso begierigen Polizisten spüren Maurizio in einer Höhle auf, der ruft: „Bestraft mich!“ Sie erschießen ihn, weil sie den Schuh, den er hochhält, für eine Pistole halten.

Es kommt noch besser: In einer Pressekonferenz behauptet Panzacchi, dieser Schuh sei einer Handgranate aus dem 2. Weltkrieg gewesen. Tatsächlich haben seine Männer sogar Maurizios Fingerabdrücke drauf angebracht – stümperhaft allerdings.

Doch wie könnte es in Sizilien anders sein, schaltet sich nun die Mafia ein – in Gestalt von Avvocato Guttadauro, den wir bereits aus „Das Spiel des Patriarchen“ als aalglatten Mafiaanwalt kennen. Er habe beobachtet und sogar auf Video aufgenommen, wie Panzacchis Männer den unbewaffneten Maurizio erschossen und ihm die Handgranate untergeschoben hatten. Er werde gerne gegen Montalbanos Konkurrenten aussagen…

Nun hat Montalbano alle Trümpfe in der Hand. Soll er diese Bombe hochgehen lassen und all diejenigen, die Panzacchi gedeckt haben, aus ihren Ämtern fegen? Aber wer bringt dann den richtigen Mörder vor Gericht? Da kommt ihm Kommissar Zufall in Gestalt eines Geigenvirtuosen zu Hilfe.

_Mein Eindruck_

Wieder einmal ist Camilleri eine enorm spannende Geschichte gelungen, die den Zuhörer bis zur letzten Minute fesselt, wenn der Commissario dem wahren Täter eine recht seltsam klingende Geschichte auftischt und auch prompt eine heftige Reaktion erhält. Allerdings nicht ganz die erwartete.

Wieder einmal hat der weise, verschmitzte Autor die Kriminalstory mit Erotik und Witz gewürzt. Anna Tropeano ist für Salvo eine Verlockung, doch seine Treue zu seiner Genueser Freundin Livia ist stärker. Mit dieser will Salvo einen Jungen namens Francois adoptieren, doch diese Sache scheitert. Nun weiß Salvo, wo seine Pflichten liegen.

Der drastische Witz aus „Die Form des Wassers“ ist hier zurückgenommen, obwohl der Commissario jederzeit bereit ist, in einen Wutanfall auszubrechen – und angesichts von Gallos überschätzten Fahrkünsten hätte er allen Grund dazu.

_Das Hörspiel_

Wie stets ist die SWR-Produktion makellos; die Sprecher sind ebenso ausgezeichnet eingesetzt wie die zahllosen Geräusche. Wie immer jagen sich die Dialoge und Telefonate, so dass es kaum einmal eine Verschnaufpause gibt und die jeweils etwa 55 Minuten wie im Fluge vorüber sind.

Die Musik ist ja sonst ein heikler Punkt, doch diesmal wurde das Jazz-Gedudel durch sizilianische Caféhausmusik abgelöst – mit stimmungsvollen Geigen und Klavieren an den richtigen Stellen und drängenden Rhythmen, wenn’s spannend wird.

_Unterm Strich_

„Die Stimme der Violine“ ist mindestens so gut wie „Das Spiel des Patriarchen“. Allerdings mischen sich in die Spannung viele tragische, besinnliche wie auch sinnliche Töne. Eine Mischung, wie man sie sich von einem weisen alten Mann wie Camilleri nicht besser wünschen kann. Dabei bleibt der politische Biss keineswegs außen vor.

Fazit: 100 Punkte.

_Michael Matzer­_ © 2003ff

John Sinclair – Zombie-Ballade (Folge 131)

Die Handlung:

Mary Ann Baxter, die Frau des bekannten Lord Richard Baxter, hielt sich gern aus der Öffentlichkeit heraus – selbst als ihr Mann und ihre beiden Kinder bei einem tragischen Unfall ums Leben kamen. Diese Zurückhaltung brachte ihr große Sympathien ein. Weil niemand den wahren Grund ahnte: Mary Ann Baxter wollte ihre Familie von den Toten zurückholen! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer 64 gemacht, das erstmalig am 8. Juli 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Andrea Camilleri – Das Spiel des Patriarchen (Lesung)

Der Commissario guckt sich Pornofilme an?! Nicht auszudenken, was aus seinem guten Ruf wird! — Aber alles ist halb so wild, und im Grunde geht es um ein brandheißes Thema: Organhandel. Da stellt sich die Frage: Was soll nur aus Sizilien werden? Und wer will überhaupt in Olivenöl eingelegte Organe?!

_Der Autor_

Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene Camilleri ist Autor von Krimialromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur.

Die Hauptfigur in vielen seiner Romane, Commissario Salvo Montalbano, gilt inzwischen als Inbegriff für sizilianische Lebensart, einfallsreiche Aufklärungsmethoden und südländischen Charme und Humor.

Allerdings ist der Commissario nicht der Liebling aller Frauen: Zu oft hindert ihn sein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein daran, dringende Termine mit seiner jeweiligen Freundin wahrzunehmen.

_Das Hörspiel_

Das 110 Minuten lange Hörspiel wurde beim Südwestdeutschen Rundfunk SWR produziert. Es treten acht Hauptsprecher auf sowie der Erzähler. Daneben hören wir noch neun weitere Sprecher in Nebenrollen. Die Bearbeitung – die ich recht gut gelungen finde, denn sie arbeitet den roten Faden und humoristische Aspekte heraus – stammt von Daniel Grünberg. Regie führte Leonhard Koppelmann – wie bei allen anderen Camilleri-Hörspielen:

– Die Form des Wassers
– Der Hund aus Terrakotta
– Der Dieb der süßen Dinge
– Die Stimme der Violine

_Handlung_

Commissario Montalbano beobachtet mit Skepsis den Einzug von Computer und Internet im Kommissariat und fühlt sich allmählich etwas antiquiert. Da kommt ihm der neue Fall gerade recht, in dem er seine Spürhundqualitäten unter Beweis stellen kann.

In Vigata finden zwei Morde statt, zwischen denen auf den ersten Blick kein Zusammenhang zu bestehen scheint. Nene San Filippo war zu Lebzeiten ein lediger Nichtstuer, der als 21-Jähriger seinen Hormondrang an etlichen Freundinnen austobte. Signore Grifo hingegen, ein braver Beamter aus Messina, vermisst seine Eltern, die über Nenes Wohnung, also im gleichen Haus, lebten. Das Ehepaar war von einem Busausflug nach Tindari (vgl. O-Titel) nicht zurückgekehrt.

Montalbanos Mitarbeiter machen sich, ausgestattet mit hypermoderner Technik, sofort an die Arbeit, allen voran sein Assi, der rührige Fazio. Montalbano hingegen verlässt sich auf Bewährtes und kommt auch so weiter. Und stößt auf höchst Pikantes. Nene und seine Geliebte schrieben einander gepfefferte Liebesbriefe, in denen sie einander ihre Erfahrung des vorangegegangenen Liebesspiels schilderten. Wozu? Nene schrieb offenbar an einem erotischen Roman. Und deshalb wohl auch seine Vorliebe für scharfe Pornofilme, oder?

Doch Nenes Geliebte ist die Gattin des berühmten Transplantationsexperten Dottore Eugenio Ingrò. Vania Titulescu stammt aus Rumänien. Gab der Arzt den Mord an Nene aus Eifersucht in Auftrag? Aber warum mussten dann die unschuldigen Grifos sterben? Die ausnehmend hübsche Reisebegleiterin mit dem schönen Namen Beatrice weist dem hingerissenen Assistenten Fazio den Weg durch das Dickicht der Hinweise.

Da bekommt Montalbano einen wichtigen Anruf: Avvocato Guttadauro, allseits bestens bekannt als Mafia-Anwalt, lässt dem Commissario schöne Grüße ausrichten von Don Balduccio Sinagra, dem Mafiapaten. Ob er wohl einen kleinen Besuch einrichten könnte? Montalbano kann. Einen Paten lässt man nicht ungestraft links liegen. Nicht in Sizilien und schon gar nicht, wenn man einen so verzwickten Fall lösen möchte. Wie es scheint, war der verblichene Nene eine Art Enkel des alten Don…

Auf die richtige Spur bringen ihn schließlich ein sarazenischer Olivenbaum, ein Buch von Joseph Conrad und der verschlüsselte Hinweis des berüchtigten alten Mafiapaten, der bei einem gefährlichen Spiel im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

_Mein Eindruck: Die Handlung_

Die Schnitzeljagd, aus der Montalbanos Fälle oft bestehen, wird in „Patriarch“ fast schon bis zum Exzess getrieben – und ist umso spannender, je mehr retardierende Momente wie Beatrice und Nenes erotischer Roman die Auflösung des kniffligen Falls hinauszögern. Man fiebert regelrecht mit, bis sich zunehmend erschreckendere Abgründe auftun, in die uns der Autor nichts ahnend gelockt hat. Aber da ist es fürs Aufhören bereits zu spät.

Erotik, Busfahrten und schöne Frauen – darunter des Commissarios Freundin – gehören zu den angenehmen, mitunter komischen Nebenerscheinungen im Verlauf der Handlung. Doch keine Angst: Hier wird nicht „abgeschwiffen“, sondern jedes Details hat seine Funktion im größeren Gewebe der Handlung.

Der Commissario ist ein verschmitzt denkender Bursche, fast wie der selige Father Brown von G.K. Chesterton. Doch Montalbanos sizilianischer Humor ist durchzogen von einer Skepsis gegenüber der Güte des Schicksals (oder Gottes). Allerdings hilft ihm der Humor dabei, in einer Welt zu überleben, die, auch wenn sie eine erfundene Welt ist, sich nicht allzusehr von unserer Wirklichkeit unterscheidet. Vermutlich findet auch in Italien so etwas wie Organhandel statt, auch wenn diese Tatsache gerne unter den Teppich gekehrt wird. Zumindest im Roman passiert eben dies nicht: Die nationale Presse erfährt von der Schweinerei, die der Commissario da aufgedeckt hat.

_Mein Eindruck: Die Produktion_

Wie schon in den anderen Camilleri-Hörspielen machen alle SprecherInnen einen hervorragenden Job aus ihrer Aufgabe. Schließlich arbeitet man hier nicht in der Privatwirtschaft, sondern beim gebührenfinanzierten Rundfunk! Die Musik von Henrik Albrecht ist diesmal ein wahrer Hochgenuss: stilechte, original sizilianisch klingende Cafémusik! Und obendrein nicht aufdringlich, sondern meist schön dezent im Hintergrund.

_Unterm Strich_

„Das Spiel des Patriarchen“ ist ein rundum gelungenes Hörspiel. Es ist keineswegs ein gekürzter Bestseller aus Amiland, sondern stellt vielmehr Ansprüche an die Aufmerksamkeit des Zuhörers und – am Schluss – an dessen moralische Urteilsfähigkeit. Erst wenn der Zuhörer empört ist, hat der Autor sein Ziel erreicht.

Komische und romantische Szenen lockern die Nachforschungen Montalbanos auf und geben Gelegenheit, entweder mal eine Pause zu machen oder auch mal lauthals aufzulachen: Der untadelige Kommissar wird von seinem Assi beim Pornogucken vor einem Stapel Cassetten ertappt: ein Bild für Götter!

Ich hingegen ertappe mich gerade dabei, dass ich Camilleri-süchtig geworden bin. Öha: ein Junkie!

_Michael Matzer_ © 2003ff

Pratchett, Terry – Pyramiden (Lesung)

Assassinen, Konkubinen und wandelnde Götter

Prinz Teppic von Djelibebi hat den erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung zum Assassinen in Ankh-Morpork gerade mit einem grandiosen Besäufnis begossen, als ihn der Ruf in die heimatliche Wüste ereilt. Er muss nach dem Tod seines Vaters Teppicymon XXVII. dessen Nachfolge antreten. Allerdings bekommt er es in der Heimat, einem engen Flusstal von 150 Meilen Länge, mit dem Hohepriester und Premierminister Dios zu tun, der seine eigenen Vorstellungen von einem funktionierenden Staatswesen hat. Nun soll Teppic zu Ehren seines Vaters die größte Pyramide errichten, die Djelibebi je gesehen hat – und damit den Staatshaushalt zugrunde richten …

Der Autor

Sir Terence David John Pratchett, OBE (* 28. April 1948 in Beaconsfield, Buckinghamshire; † 12. März 2015 in Broad Chalke, Wiltshire) war ein britischer Fantasy-Schriftsteller. Seine bekanntesten Werke sind seine Scheibenwelt-Romane, die in 37 Sprachen übersetzt wurden. Weltweit wurden rund 85 Millionen seiner Bücher verkauft (Quelle: Wikipedia.de).

Terry Pratchett und seine Frau Lynn sind wahrscheinlich die produktivsten Schreiber humoristischer Romane in der englischen Sprache – und das ist mittlerweile ein großer, weltweiter Markt. Obwohl sie bereits Ende der siebziger Jahre Romane schrieben, die noch Science-Fiction-Motive verwendeten, gelang ihnen erst mit der Erfindung der Scheibenwelt (Disc World) allmählich der Durchbruch. Davon sind mittlerweile etwa drei Dutzend Bücher erschienen. Nachdem diese für Erwachsene – ha! – konzipiert wurden, erscheinen seit 2001 auch Discworld-Romane für Kinder. Den Anfang machte das wundervolle Buch “ The amazing Maurice and his educated rodents“, worauf „The Wee Free Men“ folgte.

Doch auch andere Welten wurden besucht: ein Kaufhaus, in dem die Wühler und Trucker lebten, und eine Welt, in der „Die Teppichvölker“ leben konnten. Die Wühler-Trilogie „The Bromeliad“ soll zu einem Zeichentrickfilm gemacht werden.

|Terry Pratchett bei Buchwurm.info| (Auswahl):

[„Gefährliche Possen und andere Erzählungen“ 3406 (Audio)
[„Lords und Ladies“ 3160 (Audio)
[„Trucker“ 2998 (Nomen 1, Audio)
[„Kleine Freie Männer“ 2310 (Audio)
[„Ab die Post“ 2122
[„A Hat full of Sky“ 1842
[„Wachen! Wachen!“ 787 (Audio)
[„Maurice, der Kater“ 219

Die Sprecher / Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Erzähler: Ludwig Schütze
Teppic: Matthias Albold
Dios: Helmut Schüschner
Ptraci: Sylvia Garatti
Teppicymon XXVII.: Klaus Knuth
Schelter: Pascal Holzer
Arthur, Alfons: Martin Ostermeier
Du Mistvieh; größtes Mathegenie der Scheibenwelt: Markus Signer
Sechster Priester: Marcel Reif (Sportkommentator)
Und viele andere.

Die Regie führte wie bei den Terry-Pratchett-Vertonungen Raphael Burri, der auch den Text bearbeitet hat. Aufnahmeleitung und Regieassistenz übernahm Ralf Grunwald. Booklet- und CD-Illustrationen stammen wie stets von Josh Kirby. Für den guten Ton sorgten Olifr Maurmann, Gavin Maitland und andere vom |StarTrack|-Tonstudio Schaffhausen. Das Hörspiel entstand im Jahr 2005.

Mehr Infos und Hörproben gibt es unter http://www.bookonear.com. (geprüft)

Die Musik

Zitat aus dem Booklet:

»Warnung! Auch in diesem Bookonear-Hörspiel wird Musik der Gruppe Tritonus verwendet! Wenn auch nicht in jenem Ausmaß wie in dem Hörspiel „Wachen! Wachen!“ und dann auch nur im Umfeld jener Szenen, welche in Ankh-Morpork spielen, also im ersten Viertel.

Das Königreich Djelibebi verlangt natürlich nach Musik, die zur Anlehnung ans alte Ägypten passt. Ali Jihad Racy ist Außerordentlicher Professor für Musikethnologie und hat altägyptische Musik rekonstruiert, die er selbst auf traditionellen Instrumenten spielt. Die Macher des Hörspiels haben sich „schamlos“, wie sie sagen, aus seiner CD „Ancient Egypt“ bedient – weil es eben passt.«

Handlung

Morgengrauen in Djelibebi. Wieder einmal entladen die großen Pyramiden, für die das Land am Djel berühmt ist, ihr blaues Feuer in die Nachtluft. Es heißt, die Pyramiden akkumulierten aufgrund ihrer besonderen Bauweise Zeit. Wer weiß, wozu das noch führen kann … Der Hohepriester Dios, der gerade erwacht, macht sich jedenfalls kein Kopfzerbrechen wegen der Pharaonengrabmäler, sondern vielmehr darüber, ob Pharao Teppicymon XXVII wie jeden Morgen die Sonnenkugel aufgehen lassen wird, wie es seine Pflicht ist.

Unterdessen ist es im mittewärts gelegenen Ankh-Morpork noch Mitternacht. Der Sohn des Pharaos, Prinz Teppic, hat etwas Vernünftiges gelernt und bereit sich nun auf seine Abschlussprüfung als ausgebildeter Assassine vor. Als er endlich alle seine Ausrüstungsgegenstände verstaut hat, kippt er um. Sie sind einfach zu schwer. Nachdem er sich wieder aufgerappelt hat, begibt er sich zu seinem Prüfer Meriset, der ihm eine Menge Fragen stellt, die Teppic, bis auf die letzte, einwandfrei beantworten kann. Dann geht’s auf zur praktischen Prüfung. Dabei stürzt Teppic ab.

Aber nicht weit. Mit den Fingerspitzen hängt er an einer Dachrinne. Wenig später dringt er vom Dach her in ein Haus ein. Es ist ihm völlig klar, dass dies eine Todesfalle ist. Nach dem Beseitigen der ersten Hindernisse zieht Teppic eiserne Überschuhe an und schreitet rasch ins Zimmer. Meriset, sein Prüfer, grüßt ihn fröhlich und fordert ihn auf, den im Bett Liegenden zu inhumieren. Damit hat Teppic wider Erwarten ein Problem.

Denn erstens bedeutet „inhumieren“ so viel wie „töten“ und zweitens könnte es sich bei dem Unbekannten, der im Bett liegt, um einen Klassenkameraden handeln, vielleicht um Schelter oder Käseweis oder Arthur, den Orniten. Sie alle sind ihm im Verlauf seiner jahrelangen Ausbildung in Ankh-Morpork gewissermaßen ans Herz gewachsen. Dennoch hebt er die Armbrust …

Unterdessen in Djelibebi

Während Teppic noch zögert, stellt sich sein Vater in Djelibebi auf die Terrasse seines Hauses, um die Sonne aufgehen zu lassen. Sie erscheint nicht, und der Pharao, entsetzt über diesen Anfall von Impotenz, erleidet eine Herzattacke. Das ist natürlich NICHT sein Ende, versteht sich. Die Seele unseres braven Teppicymon XXVII. begegnet dem TOD, der ihr einige tröstende Worte spendet, bevor er auf Binkie wieder davonreitet, dem nächsten Auftrag entgegen. Der Pharao hat viele Ideen, erlebt aber auch viele Desillusionen. So etwa jene, als zwei Einbalsamierer ihm die Gedärme und das Hirn herausreißen …

Durch die mystische Übertragung der göttlichen Kraft des Pharao gerät Teppic in Ankh-Morpork – er hat natürlich bestanden – bald in eine peinliche Lage: Gras sprießt unter seinen Füßen, Brotlaibe schwellen an und platzen auf, sogar der Fluss schwillt an und droht, über die Ufer zu treten. Die Anzeichen sind überdeutlich. Sein Vater ist tot und es ist höchste Zeit, seinen Platz einzunehmen.

Hohepriester und Premierminister Dios empfiehlt Teppic als Erstes, seine Tante zu heiraten, denn Schwestern habe er ja schließlich nicht. Als sich Teppic von diesem Schrecken wieder erholt hat, bekommt er eine goldene Maske verpasst, aus der seine Stimme nur noch hohl klingt. Dios, der vorgibt, seinen göttlichen Willen zu verkünden, befiehlt stets genau das Gegenteil dessen, was Teppic will. So behauptet er, der verstorbene Pharao habe befohlen, die größte jemals in Djelibebi gebaute Pyramide zu bauen. Teppic ist überzeugt, dass dieses Monstrum sein Reich zugrunde richten werde, von seinen unberechenbaren physikalischen Eigenschaften ganz zu schweigen.

Als Dios schließlich auch noch die Lieblingskonkubine seines Vaters, Ptraci, zum Tode verurteilt, läuft für Teppic das Fass über. Er beschließt zu rebellieren. Seine Taten haben jedoch unabsehbare Konsequenzen, die er sich nicht im mindesten hätte träumen lassen. Djelibebi verschwindet in einer Zeitspalte …

Mein Eindruck

Dieses Abenteuer auf der Scheibenwelt lässt sich losgelöst von den meisten anderen Episoden genießen. Der Autor ist nie wieder in die Welt der Pyramiden zurückgekehrt, das tun dafür andere, so etwa den fränkische Autor Georg Herm in [„Der Nomadengott“. 2638 Das Land am Nil bzw. Djel ist so vielbesucht, dass sich ein Autor schon eine Menge ungewöhnliche Dinge einfallen lassen muss, um das Aufsehen des Publikums zu wecken und aufrechtzuerhalten.

Die üblichen altägyptischen Bizarrerien wie etwa Mumifizierung, Pharaonengräber, Inzest und so weiter mal beiseite gelassen, entwickelt die Geschichte von „Pyramiden“ ihren eigenen Charme. Allerdings muss man den verschiedenen Handlungssträngen aufmerksam folgen, um durch die eigene Kombinationsgabe so etwas wie faszinierte Spannung zu erspüren.

Dios und der frühere Pharao sind Nebenfiguren im Spiel von Prinz Teppic, das sich nun entfaltet. Leider ist der Autor in der Mitte des Buches auf die Idee verfallen, Teppic mit Ptraci desertieren zu lassen und ihn nach Palästina und zu den Griechen zu schicken. Das ist nicht sonderlich originell. Unterdessen geht es in Djelibebi in der Zeitspalte mehr oder weniger drunter und drüber, als die Götter durch den Unfug, den Dios und die neue Riesenpyramide anrichten, auf die Erde geholt werden. In diesen Szenen gerät die Geschichte zur herrlichen Satire auf die Religion, nach dem Motto: Hüte dich davor, was du dir wünschst, denn es könnte Wirklichkeit werden!

Nette Einfälle

Wunderbar gefielen mir die drei Pyramidenbauer, Taklusp und seine beiden Söhne 2A und 2B. Sie müssen nicht nur den Bau der größten Pyramide aller Zeiten in knapp drei Monaten planen, organisieren und fertigstellen, sondern haben auch noch mit den Anomalien zu kämpfen, die durch die Zeitverschiebungen an der Riesenpyramide entstehen. So existieren plötzlich 38.000 Doppelgänger ihrer Arbeiter. Das klingt zwar billig bei der Lohnzahlung, aber es ist eher verwirrend bei der Arbeitszuweisung.

Ebenso nett fand ich den Einfall mit den beiden Einbalsamierern Gern und Dill, denen die Seele des toten Pharao so ungern bei der Arbeit zusieht. Allerdings spielen sie nur eine Nebenrolle, ebenso wie Ptraci, die sich ohne ihre klirrenden Armreife ganz nackt vorkommt – was sie in der Tat auch fast ist. Aber der Humor kann mitunter auch in Klamauk abrutschen, so etwa wenn ketzerische Priester ruckzuck im Rachen der Krokodile landen. Die Armeen der Nachbarländer Djelibebis stehen sich nun unvermittelt direkt gegenüber, nachdem der Pyramidenstaat verschwunden ist. Flugs verstecken sich alle Soldaten in Trojanischen Pferden, was ja auch nicht superintelligent ist.

Hintersinnig ist der Einfall, das Kamel „Du Mistvieh!“ zum größten mathematischen Genie der Scheibenwelt zu machen. Hoffentlich ist dies keine versteckte Anspielung auf Stephen Hawking oder gar eine Beleidigung der Kamele.

Die Sprecher / Die Inszenierung

Von dem Schweizer Studio „Bookonear“ habe ich bislang schon „Wachen! Wachen!“ und „Lords und Ladies“ gehört. Die Produktion, die es mit „Pyramiden“ vorgelegt hat, ist ebenfalls in vielerlei Hinsicht professionell zu nennen. Die Sprecher, die bei uns fast alle – bis auf Sportkommentator Marcel Reif – unbekannt sind, legen eine bühnenreife Darbietung hin. Ich könnte jedoch keinen besonders hervorheben, noch nicht einmal Du Mistvieh! Auf jeden Fall sind alle Sprecher kompetent und manche sogar als Könner ihres Faches zu bezeichnen. Besonders die Szene des griechischen Symposions ist mir im Gedächtnis geblieben, vermutlich deshalb, weil sie die witzigste Szene der gesamte Handlung ist.

Geräusche und Musik

Zur Musik sei noch einmal das Booklet zitiert: „Das Königreich Djelibebi verlangt natürlich nach Musik, die zur Anlehnung ans alte Ägypten passt. Ali Jihad Racy ist Außerordentlicher Professor für Musikethnologie und hat altägyptische Musik rekonstruiert, die er selbst auf traditionellen Instrumenten spielt. Die Macher des Hörspiels haben sich ’schamlos‘, wie sie sagen, aus seiner CD ‚Ancient Egypt‘ bedient.“

Die Musik ist also durchaus passend zu nennen und verleiht der Handlung die entsprechende Stimmung. Sie wird ausschließlich in den Pausen zwischen den Szenen sowie als In- und Outro eingesetzt. An keiner Stelle überlagert sie auf störende Weise den Dialog.

Die Geräusche sind für das Verständnis einer Szene wider Erwarten von höchster Wichtigkeit. Da der Humor des Autors auf Andeutungen setzt, wird keineswegs alles ausgesprochen, was witzig und außergewöhnlich sein könnte. So genügt beispielsweise, einfach nur ein klirrendes Scheppern ertönen zu lassen, um dem Hörer zu verstehen zu geben, dass Teppic wegen seiner schweren Ausrüstung umgefallen ist. Es ist nicht nötig, dies auch noch zu sagen.

In praktisch allen Szenen muss der Hörer daher auch auf die Geräusche achten. Wenn Teppic plötzlich hohl klingt, dann deswegen, weil Dios ihm eine Maske aufgesetzt hat – die trägt schließlich jeder Gottkönig. Ich glaube, das Prinzip ist hiermit deutlich geworden. Um alle Feinheiten mitzubekommen, bietet es sich an – will heißen: es ist ratsam, sich das Hörspiel zweimal anzuhören. Da steckt noch eine Menge Musik bzw. Überraschungen drin.

Geräusche tragen nicht nur Pointen bei, sie charakterisieren auch, wie es sich eben für eine realistische Darstellung gehört. Nur, dass dieses Hörspiel keinen Realismus will, sondern eine dramatische Überspitzung darstellt. Wie lässt man zum Beispiel einen Gott ertönen? Sagen wir mal, einen schakalköpfigen Anubis oder einen mit Krokodilskopf? Das ist etwas kniffliger als einen Detektivroman akustisch auszustatten und verlangt einen gewissen Einfallsreichtum. Langer Rede kurzer Sinn: Ich halte die Charakterisierungen durchaus für gelungen, aber ich erwarte auch keinen Realismus von einer Fantasy wie dieser. Hauptsache, die Geräusche klingen nicht abstrus und überzogen.

Das Booklet

Das Beiheft ist liebevoll gestaltet und einer so von Liebhabern der Scheibenwelt gestalteten Produktion angemessen. Da findet sich ein Lebenslauf des Autors ebenso wie Hintergrundinfos über die Musik, die Gestalter und sämtliche Sprecher. Am schönsten aber sind zwei weitere Elemente: die detaillierte Tracklist für jede einzelne CD, von denen jede einen eigenen Titel trägt. Und natürlich die knuddeligen Zeichnungen Josh Kirby, die allesamt der doppelseitigen Titelillustration entnommen sind. Auch die Cover der einzelnen CDs wie auch die Einsteckplätze der CDs im Karton sind damit geschmückt.

Abspann

Am Schluss der letzten CD werden alle Sprechrollen noch einmal mit Zitaten bzw. Klangproben vorgestellt und ihrem Sprecher oder ihrer Sprecherin zugewiesen. Von der Crew sind lediglich die Techniker und der Regisseur genannt.

Unterm Strich

„Pyramiden“ ist einer der wenigen Romane Pratchetts, die sich eigenständig lesen lassen, ohne dass der Leser irgendwelches Wissen über die phantastische Scheibenwelt mitbringen muss. Daher eignet sich das Buch ideal als Einstieg und Zugang zu Pratchetts Universum und seiner ganz speziellen Art des Humors. In literarischer Hinsicht ist das Buch sicherlich kein Glanzpunkt in der Karriere des Autors, aber herrje, wer mehr als 100 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft hat, ist eh schon jenseits von Gut und Böse.

Das Hörspiel setzt die Vorgabe nach seinen eigenen Gesetzen um. Das bedeutet, dass hier Szenen umgestellt und eventuell Personal gekürzt wurden. Das wird aber durch eine dramatisch geglücktere Präsentation ausgeglichen: Sprecher, Geräusche und Musik bilden eine harmonische Einheit, um den Hörer bestmöglich zu unterhalten. Sicher hätte die Geschichte noch straffer, spannender und actionreicher sein können, aber wenn die Vorlage nicht mehr hergibt, kann man nicht einfach etwas hinzuerfinden – das könnte sich Hollywood erlauben, aber nicht ein Tonstudio.

Man sollte also nicht den Fehler machen, das Hörspiel schon für das Buch zu halten. Aber es kann eine Menge Appetit auf den Roman, die Scheibenwelt und Pratchetts sonstiges Werk machen. Insbesondere haben mir die Jugendromane um Tiffany Weh und Kater Maurice gefallen.

Originaltitel: Pyramids, 1989
Aus dem Englischen übertragen von Andreas Brandhorst 1991
Mit von Josh Kirby illustriertem Booklet
307 Minuten auf 4 CDs
ISBN-13: 978-3785731314

http://www.bookonear.com
http://www.luebbe-audio.de

Ken Follett – Der dritte Zwilling (Lesung)

Ein klassischer Thriller um das Thema Klonen von künstlich erzeugten Menschen – spannend und psychologisch halbwegs glaubwürdig erzählt. Allerdings kein Stoff, der sich für Minderjährige unter 16 Jahren eignet.

_Der Autor_

Ken Follett ist der Autor des Wissenschaftsthrillers „Der dritte Zwilling“, der verfilmt wurde, und von „Die Kinder von Eden“, das nicht mehr so gut ankam. „Die Säulen der Erde“ ist neben „Nacht über den Wassern“ sein bekanntester Roman. Seine neuesten übersetzten Werke heißen „Die Leopardin“ und „Mitternachtsfalken“.

_Die Sprecher_

Verlagsinfo: Mareike Carrière ging nach ihrer Schauspielausbildung nach Paris und begann dort 1977 ihre Arbeit für das Kino. Sie drehte u.a. mit Peter Fonda und Liv Ullmann. Popularität erlangte sie durch ihre Rolle als erste deutsche Streifenpolizistin in der TV-Serie „Großstadtrevier“. Zuletzt war die Schauspielerin in „Die Schule am See“ (ARD) zu sehen.

Jörg Schüttauf, Jahrgang 1961, absolvierte die Theaterhochschule zu Leipzig. Für die Titelrolle in Egon Günthers „Lenz“ (nach Büchner) erhielt er 1993 den Adolf-Grimme-Preis. Im Jahr 1995 wurde er mit dem Fernsehspielpreis der Akademie für Darstellende Künste ausgezeichnet. 1996 begeisterte er in der Titelrolle der ARD-Serie „Der Fahnder“. (Info Ende)

_Handlung_

An der Jones Falls Universität wird im Keller während eines Brandes eine junge Studentin, Lisa Hoxton, vergewaltigt. In dem Studienanwärter Steve Logan erkennt sie ihren Vergewaltiger wieder. Doch ihre Vorgesetzte, die Psychologie- und Biochemieprofessorin Jeannie Ferrami, widerspricht dem heftig. Gemäß den psychologischen Untersuchungen, die Ferrami im Rahmen ihres Zwillings-Forschungsprogramms an Logan vorgenommen habe, sei er psychisch nicht in der Lage, jemandem Gewalt anzutun. Logan wird dennoch verhaftet.

Lisa Hoxton ist völlig von den Socken, als sie Ferrami hilft, einen weiteren Probanden des Forschungsprogramms zu befragen: den Häftling Dennis Pinker. Er ist der eineiige Zwilling von Steve Logan. Doch die beiden kennen einander nicht und haben sich nie gesehen. Wie ist so etwas möglich?

Da es ausgeschlossen ist, dass Pinker ausbrach und Lisa vergewaltigte, muss Logan im Knast bleiben. Nun wittert Ferrami Unrat. Es muss in der jeweiligen Geburtsklinik der beiden etwas vorgefallen sein, das nicht in Ordnung war. Es stellt sich heraus, dass beide in Armeekliniken zur Welt kamen, mit denen die Genetico Corporation Geschäfte machte.

Genetico gehört Jeannies Arbeitgeber, Professor Barrington Jones, und seinen Partnern, darunter einem Senator, der Ambitionen auf die Präsidentschaft hat. Sie wollen ihr Unternehmen demnächst an einen deutschen Pharmakonzern verkaufen. Da käme ihnen ein Skandal höchst ungelegen. Sie schalten die Presse ein und verpassen Jeannie einen Maulkorb.

Doch wenn weder Steve noch Dennis Pinker Lisa vergewaltigt haben, wer kommt dann in Frage? Jeannies Entdeckung dessen, was hinter Geneticos Machenschaften steckt, ist ungeheuerlich und könnte sie das Leben kosten.

_Mein Eindruck_

Das Maß, um das der Roman gekürzt worden sein muss – ich habe ihn nicht gelesen -, muss schon recht beträchtlich gewesen sein: Übrig geblieben sind gerade mal die grundlegende Story sowie der eine oder andere intime Augenblick, den Jeannie und Steve genießen können. Jedenfalls bereitet es keine Schwierigkeiten, dem Verlauf der Handlung zu folgen, so einfach ist sie gestrickt.

Das Interessanteste an der Geschichte ist die Frage der Identität. Ähnlich wie in „Being John Malkovich“ haben es die Hauptfiguren zwar immer mit der gleichen körperlichen Ausstattung zu tun, doch das Innenleben ist vollkommen anders. Man könnte fast meinen, der Autor wolle demonstrieren, dass die Gene nicht unser Schicksal sind.

Wohin die Diskrepanz zwischen identischem Äußeren, aber unterschiedlichem Innenleben führt, erweist sich für die Professorin Jeannie Ferrami höchst hautnah, als sie von jenem Vergewaltiger Lisa Hoxtons ebenfalls angefallen wird. Dabei wollte sie sich doch Steve Logan intim nähern. Doch wo Worte sie täuschen können, so ermöglicht doch die Körpersprache eine eindeutigere Identifikation. Der Vergewaltiger ahmt die typische Geste seines Onkels nach, sich mit dem Zeigefinger über die Augenbraue zu fahren.

_Shibboleth_

Auf analoge Weise macht Steve Logan die gleiche Erfahrung, als er zwar wie der Vergewaltiger aussieht, aber nicht in der Lage ist, einen flapsigen Spruch, den die beiden gewohnheitsmäßig austauschen, korrekt zu ergänzen. Aufgeflogen!

Dieses wortbasierte Spiel erinnert an die Gewohnheit früher hebräischer Stämme, ihre Gegner, die sich bei ihnen als Spione einschleichen wollten, zum Aussprechen des Wortes „shibboleth“ zu verleiten. Die Spione konnten dieses Wort nie einwandfrei aussprechen und flogen daher auf. Seitdem ist „shibboleth“ zum geflügelten Wort geworden, das eine Erkennungsparole bezeichnet, bei einem Stamm, aber auch bei jeder Art von In-group oder Clique.

_Wissenschaftsthriller_

Ken Follett griff in diesem Buch ein von Ängsten besetztes Thema auf, das so alt ist wie Mary Shelleys „Frankenstein“, der 1818 erschien: Die künstliche Erschaffung des Menschen, zu dem nun auch noch die Optimierung und beliebige Vervielfältigung kommen. Daher auch die Befruchtung und Geburt in Armeekliniken…

„Der dritte Zwilling“ war 1997 Teil einer Flut von Thrillern, die sich u.a. um das Thema Klonen drehten, angeregt sicher auch vom Klonschaf Dolly (Friede seiner Asche). Auch Arnold Schwarzeneggers Film „The 6th Day“ haut in die gleiche Kerbe. Doch kein Autor hat wahrscheinlich das Thema künstlicher Mensch/Klon tiefgründiger behandelt als Philip K. Dick in „Blade Runner“. Follett kann diesem Vorgänger nicht das Wasser reichen.

_Die Sprecher_

Mareike Carrière, obwohl sicher schon über 45, klingt dennoch zu jung für ihre Rolle der Professorin Jeannie Ferrami. Das erscheint sicherlich merkwürdig. Doch es ist weniger ihre Stimmhöhe, als vielmehr ihre Intonation, die zu diesem Eindruck führt. Im Gegensatz zu souveränen SprecherInnen wie Franziska Pigulla, Joachim Kerzel oder Ulrich Pleitgen klingt ihre Intonation naiv wie die einer Anfängerin, die sich gerade an einen schwierigen Roman wagt, nachdem sie jahrelang „Hanni und Nanni“ gelesen hat. Sie hält ihre Pausen ein und liest nicht zu schnell, aber das ist schon alles, wofür man sie loben kann.

Jörg Schüttauf, der die Männer um den Schurken, Prof. Barrington Jones, spricht, klingt genau richtig. Er moduliert die Stimme, dass sie genau zu dem gewünschten Eindruck passt. Die Stimme als Instrument gehorcht ihm vollkommen. Es ist sehr schade, dass ein so ausgezeichneter Sprecher erstens so wenig Text zu lesen hat und zweitens auch noch die Nebenfiguren zum Leben zu erwecken hat. Dementsprechend bleiben Jones & Co. deutlicher im Gedächtnis als die Gutmenschen Logan und Ferrami. Verdrehte Welt.

_Unterm Strich_

„Der dritte Zwilling“ ist ein geradlinig erzählter Klon-Thriller, der schnörkellos auf ein Happy-End zusteuert. Die Spannung ist durchaus vorhanden und wird weniger durch Action, als vielmehr psychologisch erzeugt (Frage der Identität, s.o.).

Das Hörbuch würde ich erst ab 16 Jahren empfehlen. Der Grund dafür sind zwei oder sogar drei relativ brutale Vergewaltigungsszenen, die man einem unerfahrenen Zuhörer nicht zumuten sollte. Auch eine Reihe von erotischen Szenen zwischen Logan und Ferrami sind wohl eher für Erwachsene gedacht als für Kinder.

_Michael Matzer_ (c) 2003ff

Val McDermid – Luftgärten (Kate Brannigan 02; Lesung)

Erstklassig unterhaltsame Krimi-Lesung

Kate Brannigan ermittelt wieder: An mehreren Einfamilienhäusern verschwinden buchstäblich über Nacht die eben erst angebauten Wintergärten. Eine kleine Ermittlung, denkt die taffe Privatdetektivin, und doch weckt der sonderbare Fall ihre Neugier. Schon bald stellt sich heraus, dass er gefährliche Dimensionen annimmt und Kate in Lebensgefahr bringt… (Verlagsinfo)
Val McDermid – Luftgärten (Kate Brannigan 02; Lesung) weiterlesen

Eberlein, Norbert / Schitzler, Georg – Doppelter Einsatz: Der Fluch des Feuers

_Diamantenräuber!_

Ein achtjähriger Junge ist ermordet worden. Die Spur führt zu seinem gleichaltrigen Freund. Die beiden Kinder haben Detektiv gespielt und waren einem Diamantenraub auf der Spur …

Die TV-Reihe „Doppelter Einsatz“ wurde laut Verlag mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Dass dies völlig gerechtfertigt ist, stellt auch diese Episode unter Beweis.

_Die Macher und Sprecher_

Es sprechen die Originalschauspieler der gleichnamigen RTL-Verfilmung, allerdings mit zusätzlichen Erzählertexten, gesprochen von Despina Pajanou, die im Film die Polizistin Sabrina Nikolaidou spielt. Es gibt noch einen zusätzlichen Erzähler, den Frank Gustavus spricht. Diese Texte stammen alle aus der Feder von Frank Gustavus (|Ripper Records|).

Die ziemlich wichtige Musik und die Hörbuch-Postproduction übernahmen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel. Zusätzliche Aufnahmen, Schnitt und Mastering erfolgten durch die d.c. Tonstudios in Breckerfeld/Berlin.

Zu den zu hörenden Darstellern gehören: Despina Pajanou, Eva Herzig, Gerhard Garbers, Jürgen Janza, Jockel Tschiersch, Konstantin Graudus, Hans-Werner Meyer, Caroline Redl, Julian Weigend, Anian Zollner u.v.a.

Das Drehbuch schrieb Norbert Eberlein, Regie führte Georg Schitzler, und Producer war Peter Otto.

_Handlung_

Thomas Menz hat vor sechs Jahren seine Tochter Julia verloren. Seine Wohnung brannte, seine Frau Jessica konnte Sohn Hannes aus den Flammen retten. Doch das Feuer versetzt Thomas jedes Mal in eine Erstarrung der Angst: Er rührte keinen Finger, um Julia aus den Flammen zu holen. Das warf ihm später Sabrina Nikolaidou vom Kriminalkommissariat (KK) 15 vor: unterlassene Hilfeleistung. Doch dabei erlitt sie Schiffbruch, erzählt ihr Chef Jensen der Kollegin Caro Behrends. Sie kann froh sein, wenn sie noch bei der Truppe vom KK 15 arbeiten darf.

Doch ihren wunden Punkt hat Sabrina immer noch. Sie ist beispielsweise völlig entsetzt, als sie ein verwahrlostes Mädchen in der Wohnung des Autoknackers Lambert findet. Lambert erschießt erst seine krebskranke Frau, als man ihn aufs Revier abholt. Dann will er auch noch seine Tochter abknallen, schließlich sich selbst. Die Beamtinnen können dies gerade noch verhindern.

Deshalb reagiert Sabrina auch sehr heftig auf die Nachricht, dass ein achtjähriger Junge, Tim Dietzek, erschossen in einer Tiefgarage aufgefunden worden sei. Tims Vater Arno ist am Boden zerstört, aber Tims Spielgefährte Hannes Menz, der Sohn des ihr wohlbekannten Thomas Menz, ist ebenfalls verstört. Hat er den Mord gesehen? Wer ist der Täter? Hannes schweigt.

Als Sabrina und Caro wieder gegangen sind, gibt Hannes seinem Vater die Diamanten, die er in der Tiefgarage aus einem offenen Kofferraum gestohlen hat. Sie stammen, wie Thomas nicht ahnt, aus dem Raub an dem belgischen Diamantenhändler Verheyen, den die Polizei wenig später tot im Hotel Hanseat auffindet. Der Mörder ist Andreas Tiege, der auch Tim auf dem Gewissen hat. In der Tiefgarage sollte er seine Millionenbeute dem Auftraggeber Walter Proske gegen Lohn übergeben. Nun sind beide aufgeschmissen und suchen fieberhaft nach den Klunkern.

Da Thomas Menz knapp bei Kasse ist, hat er die verrückte Idee, die Steine auf eigene Faust zu verhökern. Er stellt sich dabei reichlich stümperhaft an und erregt Aufsehen. Schließlich nimmt er Kontakt zu einem Türken namens Mehmet im Kiez auf. Doch in letzter Sekunde kneift er: Gut so, denn Mehmet hatte eine Waffe als Verhandlungsargument mitgebracht. In einer billigen Absteige glaubt sich Thomas mit Hannes sicher, doch das ist ein Trugschluss.

Tiege hat die Adresse von Hannes Menz herausbekommen und ist in die Wohnung der Menz’ eingedrungen. Er hat zwar keine Edelsteine gefunden, aber dafür ihr Telefonverzeichnis. Dieses klappert er ab, bis es „Bingo!“ macht …

Unterdessen haben Sabrina und Caro herausbekommen, was eigentlich läuft. Jessica Menz ist entsetzt, als sie erfährt, dass ihr Mann Hannes mitgenommen hat. Sie erinnert sich, dass ihre Familie vor sechs Jahren nach dem Brand in einer billigen Absteige untergebracht wurde. Dorthin führt sie die Polizistinnen. Ob sie wohl noch rechtzeitig vor Andreas Tiege eintreffen?

_Mein Eindruck_

Also sprach Nikolaidou: „Überall sehe ich Erwachsene, die die Welt in ein Trümmerfeld zerlegen, ohne an ihre Kinder zu denken. Ich finde, dass Verantwortung nicht nur eine Pflicht sein sollte, sondern ein Gesetz.“

Dies ist das Generalthema, das über die ganze Handlung hinweg variiert und ausgelotet wird. Wer die betroffenen Kinder sind, habe ich oben bereits ausgeführt: Julia, Tim, Hannes und das Lambert-Mädchen. Doch was veranlasst die Täter, also die Erwachsenen, zu ihrem kinderverachtenden Handeln bzw. Nichtstun? Dass Thomas mit den Diamanten nicht gleich zur Polizei geht, ist sein erster Fehler. Dieser Fehler treibt ihn weiter ins Verbrechensmilieu und wird noch weitere Opfer fordern.

Anscheinend hält sich Thomas für den größten Feigling, der herumläuft. Vielleicht aus falsch verstandenem Stolz möchte er einmal im Leben etwas richtig machen und seine Familie versorgen. Die Wahl, wie er das tut, ist jedoch grundfalsch. Er beruft sich nicht auf filmische Vorbilder, das wäre auch lächerlich. Das Leben ist schließlich viel grausamer, als ein Film es je sein darf. Dann macht Thomas weitere Fehler: Er nimmt Arno mit, der sich für Tims Tod rächen will. Durch Thomas’ Gedankenlosigkeit muss erstens der Falsche dran glauben und zweitens Arno ebenfalls.

Den schlimmsten Fehler aber macht Thomas, als er den gekidnappten Hannes mit den Edelsteinen auslösen will: Es ist natürlich eine Falle, in die er blindlings tappt. Da er schließlich selbst einen Menschen auf dem Gewissen hat, richtet er sich selbst. Vergeblich ruft der kleine Hannes ihm „Papa!“ nach …

Ein Kind gegen Diamanten einzutauschen, scheint symbolisch zu sein für den Konflikt zwischen liebevoller Humanität, wie sie Kinder beanspruchen, und den Zwängen des Materialismus, denen die Eltern unterworfen sind. Dass die Eltern beide Ansprüche mehr schlecht als recht unter einen Hut bringen können, verdeutlicht Thomas Menz nur allzu deutlich.

Sein Ende wird im Hörspiel nicht eindeutig benannt, sondern nur angedeutet. Geht er wirklich ins Feuer oder nicht? Wir können nur aus dem fortgesetzten Ruf „Papa!“ schließen, dass es sich Thomas Menz nicht anders überlegt hat. Der „Fluch des Feuers“ hat ihn eingeholt. Keine besonders konstruktive Wahl, die er da getroffen hat. Wieder einmal zeigt sich die Bedeutung der Verantwortung, die Nikolaidou anmahnt. Thomas Menz übernimmt Verantwortung nur für sich, aber nicht auch für seinen Sohn, obwohl letztere viel wichtiger wäre. Menz hat nicht erkannt, dass Kinder auch einen erlösenden Ausgleich bieten können für die Schuld (uneingelöste Verantwortung usw.), die wir uns im Laufe des Lebens aufbürden.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Am besten wirken die Stimmen der Schauspielerinnen, die ja direkt vom TV-Band stammen, wenn sie sehr emotional sind. Das fällt Despina Pajanou, die zudem Ich-Erzählerin ist, nicht schwer. Ihre Sabrina würde Typen wie Thomas Menz am liebsten auseinander nehmen und neu zusammensetzen. Aber das geht natürlich nicht. Sabrina muss sich auf also auf Schadensbegrenzung beschränken – kein sehr dankbarer Job. Entsprechend wenig sympathisch wirkt auch Sabrina.

Caro kommt in ihrer Rolle weniger gut weg als Sabrina, folglich muss Caros Darstellerin Eva Herzig (siehe Titelfoto, links) etwas härter daraufhin arbeiten, Eindruck zu machen. Dies gelingt ihr allerdings nur bedingt, ob als Mutter oder Polizistin: Sie bleibt eben immer nur die Nummer zwei hinter Sabrina / Pajanou. In dieser Episode erscheint Caro wie eine kleine Nebendarstellerin, ganz im Gegensatz zu ihrer fulminanten Rolle in Episode 2 „Gefährliche Liebschaft“. Das könnte am Drehbuch liegen, das bei Episode 3 von einem anderen Autor stammt und von einem anderen Regisseur umgesetzt wurde.

Die einzige weibliche Rolle, die wegen ihrer unkonventionellen Charakterisierung im Gedächtnis bleibt, ist die der Susanne. Sie arbeitet auf der Reeperbahn, aber im Umfeld eines Juweliers, und hat Kontakt zu dem Unterwelttürken Mehmet. Susanne ist auf Droge, hyperaktiv, spielt gerne mit Hannes Menz, erweist sich aber in einer Krise als völlig abgedreht und hilflos.

Es gibt jede Menge männlicher Darsteller, aber außer „Thomas Menz“ und „Andreas Tiege“ macht keiner davon einen nachhaltigen Eindruck. Auch der psychologische Einblick in „Thomas Menz“ ist denkbar kurz, nämlich nur während seiner kurzen Wutausbrüche gegenüber der „Supermutter Jessica Menz“. Auch „Andreas Tiege“ legt einen Wutausbruch hin, der sich gewaschen hat, seltsamerweise erfolgt dieser aber erst, als sein einziger Ansprechpartner auf der Welt, eine geistig umnachtete Heiminsassin, gestorben ist.

_Musik und Geräusche_

Die Geräusche entsprechen denen im Film und der Zuhörer kann sich ohne weiteres die zugehörige Umgebung vorstellen. Mir ist die realistische akustische Wiedergabe der Schüsse aufgefallen. Als gleich am Anfang der Autoknacker Lambert seine Frau erschießt, zuckte ich zusammen. Der abgegebene Schuss kommt völlig unvermittelt, quasi aus heiterem Himmel. Ein Herzpatient sollte vor solchen Effekten gewarnt werden! Es fallen noch viele weitere Schüsse, besonders im letzten Viertel.

Die Musik ist recht eindrucksvoll gelungen und meist passend. Jede Szene hat ja ihre eigene Stimmung und erfordert die entsprechende Instrumentierung. Nach dem rockigen Intro rückt die Musik in den Hintergrund, bis sie sich in Gestalt einer melancholischen Ballade wieder in den Vordergrund drängt. Die akustische Gitarre illustriert Trauer und Nachdenklichkeit überdeutlich. Eine Pianomelodie deutet zerbrechliche Emotionen an. In weiteren Szenen werden diese Hand voll Musikmotive variiert oder auch nur einfach wiederholt. Sie alle stammen aus dem Hause Horst-Günter Hank und Dennis Kassel, das neuerdings auch für die Produktion von Hohlbeins Hörbuch-Serie „Raven“ herangezogen wurde.

Das Hörspiel wird eröffnet von einem sehr auffälligen Streichermotiv. Es ist lebhaft und von einer fiebrigen Instabilität und Dynamik, die unmelodiös und disharmonsich wirkt, fast als ob der Komponist ein Heavy-Metal-Riff für Streicher transponiert hätte. Nicht zufällig wird das Motiv, das ständig wiederholt und nur wenig variiert wird, zunehmend schneller gespielt. Ich kann dies nur als Symbol für Feuer interpretieren. Dieses Leitmotiv taucht im Verlauf der Handlung immer wieder auf. Der Hörer sollte mal darauf achten.

_Unterm Strich_

Diese dritte Episode von „Doppelter Einsatz“ unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden, die als Hörbuch verfügbar sind. Diesmal stehen nicht polizeiinterne Querelen im Vordergrund wie in „Gefährliche Liebschaft“, auch kein Attentäter nimmt die Gesetzeshüter ins Fadenkreuz, sondern ganz normale Eltern geraten auf die schiefe Bahn und bringen ihre Kinder ins Lebensgefahr.

Diese Art der Handlungsführung ist zwar einerseits wenig actionträchtig, wirkt aber auf erziehende Menschen mit Kindern sicherlich umso beunruhigender. Der Showdown ist zwar auch von den obligaten Explosionen begleitet, als ob die Apokalypse hereinbräche, aber das sind nur Showeffekte. Viel schmerzvoller ist der vergeblich verhallende Ruf „Papa!“.

Gut finde ich, dass der Killer, der den Diamantendieb jagt, nicht als ausgerasteter Psychopath hingestellt wird, sondern als ganz normaler Verbrecher, der die letzten Bande der Normalität im Laufe der Handlung verliert und darauf eine menschliche Reaktion zeigt: Verzweiflung.

|82 Minuten auf 2 CDs|

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Jack the Ripper – Live in Berlin (Offenbarung 23, Folge 21)

_Die Ripper-Ermittler, live auf der Bühne_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Wer war Jack the Ripper wirklich – dieser unvorstellbar grausame Serienmörder? Autor Jan Gaspard hat eine verwegene Theorie, die einen der prominentesten Vertreter des viktorianischen Zeitalters der Tat zweifelsfrei überführt. Im Gespräch mit den Protagonisten seiner Hörspiel-Serie „Offenbarung 23“ zeichnet Gaspard, vertreten durch Oliver Rohrbeck, ein vollständiges Bild des perfiden Killers. (Auszug aus der Verlagsinfo)

Was weder Vorder- noch Rückseite der CD eine Erwähnung für würdig halten: Diese CD enthält herrlich lustige Outtakes, die richtig zum Mitlachen animieren. Über eine Viertelstunde Pleiten und Pannen pur.

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen des preisgekrönten [Andy Matern.]http://www.andymatern.de Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) [Die Pyramiden-Saga 4554

Einschub: 21) Jack the Ripper (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) Der Fluch des Tutanchamun (Mai 2008)
23) Der Jungbrunnen (Mai 2008)
24) Ausgespäht und Ausgetrickst (Juli 2008)
25) Sex and Crime (Juli 2008)

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Produktion_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Erzähler / Jan Gaspard: Oliver Rohrbeck (Ben Stiller, Michael Rapaport)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Kim Schmittke: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Adam Sandler, Don Cheadle, Daniel Craig)
Kai Sickmann: Detlef Bierstedt (George Clooney, Bill Pullman, Robert ‚Freddy Krueger‘ Englund)
Boris F. alias Tron: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader, Matthew McConaughey, David ‚Mulder‘ Duchovny …)

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Präsentation_

Dies ist keine Studioaufnahme, sondern eine Live-Aufführung in einem Theater in Berlin, also vor Publikum. Nach all dem Intro-Zeug wie etwa der Serienmelodie stellt der Ansager, gespielt von Oliver Rohrbeck, endlich Jan Gaspard, den Autor vor – oder auch nicht. Denn wer ist dieser Gaspard? Er selbst könnte es sein, oder ein anderer. Wie auch immer: Für Gaspard habe es Vorbilder gegeben: Justus Jonas von den drei Fragezeichen etwa, oder Sherlock Holmes, der später häufig erwähnt wird. Gaspards Methode soll anhand eines Beispiels illustriert werden.

Die Szene wechselt. Gaspard hat ein paar Freunde auf seine Ritterburg eingeladen. Tatsächlich handelt es sich um die wichtigsten Figuren seiner Hörspielserie „Offenbarung 23“ bzw. deren Sprecher: Georg Brand alias T. Rex, gespielt von David Nathan; Tatjana Junk alias Nolo, gespielt von Marie Bierstedt; Kai Schmittke, Georgs Studienkollege und bester Kumpel, gesprochen von Dietmar Wunder; Kai Sickmann, Sensationsreporter, gesprochen von Detlef Bierstedt. Es habe damit begonnen, so Rohrbeck alias Gaspard, dass er den Fall Jack the Ripper recherchieren wollte. Dazu haben die anderen jeweils eine eigene Haltung bzw. Theorie. Wie stets gibt Gaspard ihnen eine Chiffre: das Foto eines kleinen Mädchens mit Elfen. Echte Elfen, Feen, Engel? Die anderen sind verblüfft. Nein, dies sind nur gefälschte Elfen, sagt Gaspard. Die [Cottingley-Mädchen]http://de.wikipedia.org/wiki/Cottingley__Fairies fälschten sie seinerzeit und lösten so eine echte Engels- und Elfenhysterie aus, einen Medienhype, würde man heute sagen. Selbst ein so gewitzter Autor wie Arthur Conan Doyle glaubt an die Existenz dieser Feen bis zu seinem Tod im Jahr 1930. Und was sagt uns das? Man sollte seine Beweise prüfen. Für die Girls war alles nur ein Spiel, für die Erwachsenen seinerzeit blutiger Ernst.

Und die Verbindung zu Jack the Ripper, bitteschön? Gaspard meint, die Indizien lägen alle vor, man bräuchte sie nur noch zusammensetzen. Dann hätte man die korrekte Identität des Serienkillers von 1888. Die anderen sind verblüfft und beginnen zu rätseln.

Ja, wie jetzt? Will Gaspard etwa behaupten, Arthur Conan Doyle sei der fünffache Mörder von Prostituierten in London gewesen? Alle Welt wisse doch, dass es ein Mitglied des königlichen Hofes gewesen sei, oder? Nun beginnt Gaspard seine Beweismittel auszubreiten. In der Tat sind sie umwerfend. Der Schöpfer des weltgrößten Meisterdetektivs – ein Massenmörder?!

_Mein Eindruck: Der Inhalt_

Man kann ja einige Zweifel an dieser Theorie hegen, aber Gaspard/Rohrbeck führt doch zahlreiche Argumente an: von der Psychologie Doyles über dessen Sherlock-Holmes-Werke über die Cottingley-Fälschung bis hin zum Vergleich der Briefe Doyles und Jack the Rippers (siehe auch unten den Abschnitt „Booklet“). Dies alles hat Gaspard im Internet (Wikipedia etc.) und in Büchern recherchiert.

Der Zweck besteht nicht darin, die Theorie schlüssig zu machen, sondern anhand schlagender Indizien zu demonstrieren, wie Gaspards Methode funktioniert und vielversprechende Ergebnisse liefert. Dieses Ziel zumindest wird erreicht. Zweifel an der Stichhaltigkeit der Theorie werden sicherlich bleiben.

_Die Inszenierung_

Oliver Rohrbeck ist der Strippenzieher in dieser Aufführung von „Offenbarung 23, Folge 21“. Seine eigene Firma ist bekanntlich die |Lauscherlounge|, und deren ästhetisches Prinzip basiert auf dem lauten Vorlesen eines Textes und entsprechender Improvisation, wenn der Sprecher mal nicht mit dem vorgegebenen Text einverstanden ist. So läuft das hier auch ab, mit interessanten Ergebnissen.

Die Live-Atmosphäre trägt dazu bei, dass die Sprecher aus sich herausgehen und mit den anderen interagieren, was ja im Studio strikt vom Text reguliert wird. Hier wird’s richtig lustig, wenn die Männern drauflos spekulieren. Doch Marie Bierstedt alias Nolo ruft immer wieder zur Vernunft und spielt den Advocatus Diaboli, der alles in Zweifel zieht, egal, was Gaspard anführt. Denn wie immer gilt auch hier: „Vertraue niemandem!“

|Die Sprecher|

Erstaunlicherweise bleiben die Sprecher auch in der Live-Aufführung ihren Rollen treu, auch wenn ihnen das nicht immer leichtfällt. Die Illusion der Trennung zwischen Sprecher und Rolle ist nicht immer einfach aufrechtzuerhalten. Detlef Bierstedt gelingt das am besten, denn er hängt einfach den gelernten Reporter raus, der schon alles gesehen hat.

|Geräusche und Musik|

Das wichtigste Geräusch ist wohl der Applaus der Theaterbesucher. Das nächste ist das Summen des Diaprojektors (scheint ein alter zu sein). Leider wurde meine Aufmerksamkeit vom lauten Ticken einer Uhr abgelenkt. Ansonsten wird die Titelmelodie eingespielt – und auch mal abgebrochen – und diverse Musik-ähnliche Sounds erklingen. Das scheint ein Synthesizer zu sein. Ohne diese Klangkulisse würde die Aufnahme ungemütlich und steril wirken. Die Musik erzeugt Anspannung ebenso wie Entspannung – das ist nicht sonderlich anspruchsvoll. Das Ganze hat ebenso wie das |Lauscherlounge|-Konzept Werkstattcharakter. Und ist natürlich sehr preisgünstig zu produzieren.

|Das Booklet|

Dass es sich diesmal um eine Live-Lesung handelt, dokumentieren im Booklet drei farbige Fotos von den Sprechern. Alle scheinen echt gut drauf zu sein. Danach folgt eine Seite mit Credits für die Mitwirkenden und eine Seite mit den Covern der 20 vorhergehenden Folgen.

Die letzte Seite ist die interessanteste. Unten stehen die Weblinks für weiterführende Quellen zu Jack the Ripper, Arthur Conan Doyle und zu den Cottingley-Mädchen, die die Engelsfotos fälschten. Oben sind drei Fotos zu sehen. Sie zeigen den berühmten Brief, den der Mörder mit dem Absender „From Hell“ in blutroter Tinte schrieb. Neben dem großen Foto des Briefes heben zwei kleinere Abbildungen Details aus der Handschrift heraus. Diese Details werden im gesprochenen Text verglichen und spielen somit eine wichtige Rolle. Auf der Titelseite ist der Brief noch einmal zu sehen, allerdings flach, verzerrt und kaum leserlich.

|Die Outtakes| (ca. 16:50 Minuten)

Die Outtakes beinhalten Pannen wie etwa Versprecher und viele Lacher. Jedes Outtake wird durch ein nettes Hupe-Geräusch vom nächsten abgetrennt. Betroffen sind fast alle Serienfolgen, besonders aber „Die Krebsmacher“, wegen der vielen Fremdwörter. Zu den Sprechern gehören David Nathan, Dietmar Wunder, Marie Bierstedt, Detlef Bierstedt, Till Hagen, Tilo Schmitz, Andy Matern (genannt „DJ Andy“) und diverse andere, die mir nicht auswendig geläufig sind. Manchmal herrscht verblüffte Stille nach einem seltsamen Satz – da kommt der Einsatz einfach nicht. Oder es wird herumgeblödelt, um eine „Ho-use-Party und Seangse“ (Séance) – wir sind in Berlin – zu veranstalten. Am Schluss prosten uns die Sprecher zu – das war’s.

Alles in allem ist es sehr lustig, und weil ich mit vom vielen Lachen anstecken ließ, kringelte ich mich bald in meiner Sitzgelegenheit. Schade, dass auf der Verpackung nirgends darauf hingewiesen wird.

_Unterm Strich_

So eine Live-Lesung hat ja ihren speziellen Charme. Die Unmittelbarkeit, der direkte Ausdruck der Sprecher je nach Charakter, die Geräuschkulisse inklusive tickender Uhr, der Applaus, all das hat seinen besonderen Reiz.

Darüber soll natürlich auch das Thema des Abends nicht vergessen werden: Jack the Ripper. Die Theorie, dass es sich um Arthur Conan Doyle handelt, mutete mir zunächst ziemlich abstrus an, aber je mehr Indizien und Verdachtsmomente Rohrbecks Gaspard anführt, desto plausibler erscheint die Theorie. Auch wenn man sich ihr nicht anschließen will, so erfährt man doch einige unbekannte und unangenehme Einzelheiten aus dem Leben Doyles – ein ehebrechender Brutalo, der geadelt wurde, da schau her.

|74 Minuten auf 1 CD|
http://www.offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

John Sinclair – Mirandas Monsterwelt (Folge 130)

Die Handlung:

Sie hieß Miranda, war blutjung und schön – und hütete ein grauenvolles Geheimnis: Wenn nachts der Vollmond am Himmel stand, schickte sie ihre Monster! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer 58 gemacht, das erstmalig am 14. Januar 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Hohlbein, Wolfgang / Weick, Kathrin – Am Abgrund (Die Chronik der Unsterblichen, Lesung von Band 1)

_Actionreiche Lesung mit unnötigen Längen_

Transsylvanien im 15. Jahrhundert. Andreij Delany, ein Ausgestoßener, reitet ziellos durchs Land, nachdem er Frau, Mutter und Stiefvater verloren hat. Wie ein Magnet zieht ihn sein Heimatdorf Borsa an, wo sein Sohn Marius lebt. Doch dort erwartet ihn ein grauenvoller Anblick. Im Wehrturm stapeln sich die Leichen der Hälfte der Dorfbewohner, darunter auch die seines Sohnes. Der Rest wurde offenbar verschleppt. Doch von wem? Das kann ihm der junge Frederic erzählen, ein entfernter Verwandter Andreijs. Gemeinsam beschließen sie, die Verfolgung der Gefangenen aufzunehmen, um sie zu befreien. Doch sie stoßen auf einen schier übermächtigen Feind …

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab zwölf Jahren.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, hat sich seit Anfang der Achtzigerjahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden (Auflage: 35 Millionen Bücher laut |Focus| 40/2006). Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

|Die Chronik der Unsterblichen| umfasst zahlreiche Bände:

1) Am Abgrund
2) Der Vampyr
3) Der Todesstoß
4) Der Untergang
5) Die Wiederkehr
6) Die Blutgräfin
7) Der Gejagte
8) Die Verfluchten
9) Das Dämonenschiff
10) Blutkrieg

|Die Chronik der Unsterblichen| auf |Buchwurm.info|:

[„Am Abgrund“ 891 (Autorenlesung)
[„Am Abgrund“ 1566 (Graphic Novel)
[„Der Gejagte“ 972
[„Die Verfluchten“ 2006

Wolfgang Hohlbein auf |Buchwurm.info| (Auswahl):

[„Anubis“ 2826
[„Horus“ 4079
[„Das Paulus-Evangelium“ 2630
[„Das Paulus-Evangelium“ 4007 (Hörbuch)
[„Kevin von Locksley“ 4593 (Hörbuch)
[„Von Hexen und Drachen. Das große Wolfgang-Hohlbein-Buch“ 3470
[„Das Blut der Templer“ 3235
[„Fluch der Karibik 2 – Dead Man’s Chest“ 2717
[„Die Zauberin von Märchenmond“ 2053
[„Märchenmond“ 1882
[„Hagen von Tronje“ 1860 (Hörbuch)
[„Feuer“ 816
[„Dunkel“ 552 (Hörbuch)
[„Dunkel“ 69
[„Der Hexer von Salem“ 249
[„Die Spur des Hexers“ 4081 (Der Hexer von Salem 1)
[„Der Seelenfresser“ 4141 (Der Hexer von Salem 2)
[„Engel des Bösen“ 4206 (Der Hexer von Salem 3)
[„Der achtarmige Tod“ 4353 (Der Hexer von Salem 4)
[„Buch der tausend Tode“ 4597 (Der Hexer von Salem 5)
[„Das Auge des Satans“ 4606 (Der Hexer von Salem 6)
[„Intruder“ 144 (Hörbuch)

_Die Inszenierung_

Dietmar Wunder ist Theaterschauspieler und Synchronsprecher. Bekannt ist er als deutsche Stimme unter anderem von Adam Sandler, Cuba Gooding jr. sowie von Daniel Craig in dem James-Bond-Film „Casino Royale“.

Regie führte Kathrin Weick, die Aufnahme leitete Lars Ullrich. Die musikalischen Motive für die Hintergrundmusik trug Andy Matern bei.

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde [„Der Cthulhu-Mythos“ 524 zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik-Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

_Handlung_

Andreij Delany reitet ziellos durchs Transsilvanien/Siebenbürgen des 15. Jahrhunderts. Als er 16 war, wurde der Bauernsohn von seinem Dorf ausgestoßen, weil er angeblich die Kirche geschändet hatte, doch er fand Aufnahme und Unterweisung bei einem weltgereisten Mann namens Mikael Nadasti, seinem Stiefvater. Er machte aus dem Bauerntölpel nicht nur einen klugen Mann, sondern auch einen hervorragenden Schwertkämpfer. In der hübschen Raki fand Andreij zudem die Liebe seines Lebens. Doch aus für Andreij unverständlichen Gründen wurden alle Delanys verfolgt, so dass Mikael, Raki und Andreijs Mutter getötet wurden. Nur sein Sohn Marius, glaubt er, hat die Verfolgung überlebt, weil er ihn bei Verwandten versteckte.

Nun reitet Andreij in sein Heimatdorf Borsa, allerdings ohne viel zu erhoffen. Er will nur Marius wiedersehen. Doch das Dorf ist wie ausgestorben. Erst als er sich zum Whetrum auf die Flussinsel begibt, entdeckt er die Bewohner. Sie wurden fast alle massakriert und hier abgelegt. Seltsamerweise steckt im Herzen seines Sohnes ein Holzpflock, an seinem Hals findet er Bisswunden, doch Andreij kann sich darauf keinen Reim machen. (Offenbar eine Bildungslücke.) Als er ein Stöhnen hört, findet er seinen Onkel Barak, doch der wurde derart gefoltert, dass Barak ihn um Erlösung von seinen Qualen bittet.

Andreij gewährt sie ihm, zum Beifall eines Jungen, der sich versteckt gehalten hat: Frederic Delany nennt er sich und verrät ihm, wer das Massaker begangen hat. Es waren Soldaten, aber auch ein paar „goldene Ritter“ und ein „Papst“ waren dabei. Frederic meint wohl einen Kardinal. Aber was will die katholische Kirche in den transsilvanischen Ländern?

Sie haben einen Zauberer gesucht, erzählt der Junge, und klagten Barak des Teufelswerks an, um ihn anschließend zu foltern. Frederic entging dem Tod nur dadurch, dass er verirrte Ziegen suchte und von den Soldaten nicht gefunden wurde, weil er sich versteckte. Doch wohin hat man den Rest der Dorfbevölkerung gebracht, will Andreij wissen. Offenbar wurde sie verschleppt. Sie beschließen, dem Trupp, der vor zwei Tagen abgezogen sein muss, zu folgen, um die Gefangenen zu befreien. Sonst droht diesen nämlich das schlimme Schicksal der Sklaverei irgendwo in der Fremde.

Die Spur führt Richtung Küste, zur Hafenstadt Constanta. Ein sechster Sinn warnt Andreij, dass aus einem Waldstück Gefahr droht. Tatsächlich attackieren ihn drei Ritter, darunter welche in goldener Rüstung. Dass es sich nur um Messing statt Gold handelt, macht keinen Unterschied, denn diese Ritter mit dem fremden Akzent sind verdammt schnell! Andreij hat alle Mühe, mit ihnen fertig zu werden, dennoch entkommt ihm der größte von ihnen, der ihm ein Wiedersehen verspricht.

Die anderen beiden sind tot. Wie durch ein Wunder ist auch Frederic nicht verletzt. Auch Andreijs Wunden schließen sich vergleichsweise schnell, doch er denkt sich nichts dabei: Er war schon immer so. Dass diese Fähigkeit etwas mit dem Grund für die Verfolgung zu tun haben könnte, kommt ihm nicht in den Sinn.

Ein paar Kilometer vor Constanta kehren die beiden Überlebenden in einen Gasthof an der Straße ein. Die Wirtschaft ist voll, ein paar junge Männer laden sie an ihren Tisch ein. Ihr Sprecher stellt sich als Ansbert vor und nennt sie Schausteller. Andreij hat mehr den Verdacht, es handle sich um Diebe, denn es dauert nicht lange, und Ansbert schlägt ihm vor, sie zu begleiten und in Constanta ein „kleine Unternehmung“ zu beginnen. Die Türken, die 1453 Konstantinopel erobert haben, würden sicherlich bald vor den Toren der Stadt stehen. Vorher könnte sich dort ein Besuch lohnen, später aber, unter den Muselmanen, sei ein Christenmensch dort nicht mehr sicher.

Als die goldenen Ritter des Kardinals die Gastwirtschaft betreten, ist Andreij aufs Äußerste alarmiert. Aber ausgerechnet jetzt kann Ansberts „Bruder“ Sergeij die Klappe nicht halten und fordert einen der Ritter heraus. Dieser mustert besonders Frederic eingehend, wird aber von dem Ritter namens Maltus zurückgepfiffen, damit sie wieder gehen können.

Aber Andreij ist auf der Hut, und als einer der anderen Gäste die Tür nach draußen öffnen will, ist diese verschlossen und blockiert. Andreij ist alarmiert. Das Fenster wird geöffnet, doch herein kommt keine frische Luft, sondern ein Brandpfeil! Und dann noch weitere. Die Ritter wollen den ganzen Gasthof samt Gästen abfackeln …

_Mein Eindruck_

Die weitere Handlung dient der Bewährung und Selbsterkundung Andreijs, der noch das große Geheimnis seiner Abkunft herauszufinden hat, und dazu verhelfen ihm vor allem die Begegnungen mit den sonderbaren Rittern des Kardinals. Diese erweisen sich nämlich als ebenso potenziell unsterblich wie er selbst und Frederic. Natürlich führt diese Begegnung zu einem weiteren, alles entscheidenden Kampf.

Doch bevor es dazu kommen kann, muss Andreij noch einige weitere Abenteuer bestehen. Denn die so genannten Schausteller sind wirklich Diebe und haben es auf die Schatztruhe des Herzogs von Constanta abgesehen. Als Andreij in der Stadt nicht nur dem „Kardinal“, sondern auch dessen schöner Schwester Maria begegnet, tun sich zwei weitere Schwierigkeiten auf: Der Mann ist in Wirklichkeit ein aus dem Vatikan gesandter Inquisitor und verfolgt Abtrünnige und Feinde des wahren Glaubens, insbesondere Hexer. Und Maria, seine Schwester, ist so schön und reinen Herzens, dass sich Andreij auf der Stelle in sie verliebt. Beides macht seine Mission nicht gerade einfacher. Zumal Maria auch nichts anbrennen lässt …

Sehr interessant fand ich Frederics Verhalten. Statt sich dem Älteren zu fügen und Ja und Amen zu all dessen Taten zu sagen, kritisiert er ihn auf Schritt und Tritt. Frederic legt dabei zu Andreijs Bestürzung ein Ausmaß von Hass an den Tag, das in einem so jungen Menschen erschreckend ist. Er richtet sich aber vor allem auf den Inquisitor und dessen Schergen. Als dieser Hass sich gerade im unpassendsten Moment entlädt, führt dies zu sehr schlimmen Lebensumständen der beiden Überlebenden in Constanta.

Dennoch beginnt Andreij den Jungen zu lieben wie seinen Sohn. Diese Liebe bestimmt später sein weiteres Handeln. Dadurch erkennen wir immer wieder, dass Andreij kein „Hexer“ oder Monster sein kann, sondern ein humanes Wesen, in dem Gutes steckt. Ohne solche positiven Spiegelungen, besonders auch an Maria, hätten wir zu Andreij ein sehr viel distanzierteres Verhältnis und würden für sein Schicksal viel weniger Sympathie aufbringen.

Die – ähem – „Kardinal“-frage ist allerdings, was für ein Wesen Andreij denn nun eigentlich ist. Inwiefern soll er ein Unsterblicher sein, fragt er auch den Ritter Maltus. Gute Frage, schlechte Antwort: Er müsse eine „Transformation“ durchmachen, um dies herauszufinden. Was es mit dieser sonderbaren Umwandlung auf sich hat, erfährt Andreij erst, als es für ihn fast schon zu spät ist. Das gehört natürlich zu den Rettung-in-letzter-Sekunde-Tricks des routinierten Autors. Feststeht, dass sich Andreij als eine Kombination aus „Highlander“ und „Vampir“ erweist. Das hat man sich schon zuvor gedacht (schon in der ersten Szene gibt’s einen Wink mit dem Holzpflock!) und garantiert uns einige weitere Fortsetzungen dieser Serie.

|Der Sprecher|

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine inszenierte Lesung, wie sie in dieser |Wellenreiter|-Reihe öfters auftaucht. Das ist für ein junges Publikum einfach unterhaltsamer als eine pure Textlesung.

Dietmar Wunder verfügt über eine erstaunliche flexible Stimme, die es ihm erlaubt, verschiedene Figuren auf unterscheidbare Weise zu charakterisieren. Während Andreij das männliche „Normalmaß“ als Tonlage aufweist, spricht Frederic, weil viel jünger, auch mit einer viel helleren Stimme. Maltus, der Anführer der goldenen Ritter, hingegen wirkt mit seiner sehr tiefen Stimme und dem fremdländischen Akzent vom ersten Satz an bedrohlich und furchteinflößend. Diese Wirkung erweist sich als begründet.

Der Herzog von Constanta spricht mit einer trügerisch sanften und distinguierten Ausdrucksweise, die jedoch nur seine bösartige Schlangennatur kaschiert. Der Inquisitor spricht hingegen zwar ebenfalls autoritär, aber mit einer unvermuteten Ehrlichkeit, die zu seinem ehrenhaften Handeln passt. Zu dumm, dass ihn wenig später ein Dolch trifft.

Maria, seine Schwester, ist die einzige weibliche Figur im ganzen Roman, was geradezu ein Kunststück ist. So wirkt sie als Alibifrau, als Feigenblatt. Natürlich stellt sie den „love interest“ des Helden dar und bringt ihn schwer in die Bredouille. Kaum wälzen sie sich schmusend auf dem Boden, kommt ihnen aber auch schon Frederic störend in die Quere. Liebe ist offenbar schön und gut, muss aber an ihrem zugewiesenen Ort stattfinden – will heißen: nicht in einem jugendfreien Roman! (Echt fies.) Dass sie mit einer höheren Stimme als Andreij spricht, versteht sich von selbst.

Ziemlich schön fand ich, dass der Sprecher auch die Situationen gekonnt gestaltet. Wenn jemand besoffen, ist, na, dann lallt und nuschelt die Figur eben. Wenn er oder sie bestürzt ist, dann ruft er oder sie, und wenn jemand in Rage gebracht wurde, dann brüllt derjenige, so etwa der Herzog. (Ich stelle ihn mir wie den fiesen Herzog in „Shrek 1“ vor.) Alles in allem garantiert der Sprecher damit eine ziemlich mitreißende Handlung, die keinen Zuhörer kaltlässt. Blöd waren nur die langen Dialoge zwischen Andreij und seinen Kontrahenten. Sie sind allzu oft lediglich Schlagabtausch, anstatt Informationen zu liefern.

|Musik und Geräusche|

Viele Geräusche sind zu hören, aber alle nur sehr gedämpft im Hintergrund, sei es nun Hufgetrappel, Flammenprasseln, Menschengeschrei, Schwerterklirren oder dergleichen. Dieses Gestaltungsprinzip gilt für alle Geräusche, insbesondere für die Kämpfe. Man darf sich also keinen Film-Sound darunter vorstellen.

Die Musik tut ebenfalls nichts, um auf sich aufmerksam zu machen, sondern beeinflusst die Gefühle des Zuhörers unterschwellig. Wiederholt ist der unheilvolle Klang von tiefen Trommeln zu vernehmen, und auch das Outro wird damit bestritten. Des Weiteren gibt es diverse Soundeffekte, welche die Trommeln an anderen Stellen ergänzen, so etwa ziemlich tiefe Bässe. Ich konnte aber auch ein relativ romantisches Motiv vernehmen, das mir an mittelalterliche Tänze angelehnt zu sein scheint. Dreimal darf man raten, für welche Gelegenheiten es eingesetzt wird.

_Unterm Strich_

Die inszenierte Lesung ist wesentlich kürzer und unterhaltsamer als die bisher erhältliche 6-CD-Lesung des Autors selbst. Dennoch beschlich mich auch in dieser Kurzfassung mehrmals das Gefühl, dass manche Dialoge noch viel kürzer und knackiger hätten sein können. Außerdem erweist sich Andreij als bemerkenswert begriffsstutzig – ein erzählerischer Trick, um die Spannung hinauszuzögern, aber für erwachsene Hörer leicht durchschaubar und somit ein wenig nervend.

Was übrig bleibt, wenn man diese Mängel abzieht, ist eine durchgängig actionreich und spannend aufgebaute Handlung, die in regelmäßigen Abständen eine Action- oder Liebesszene vorzuweisen hat und mit dem langen Finale ihren würdigen Abschluss findet. Das sorgt für gute Unterhaltung. Die Story selbst ist allerdings nicht gerade neu, kennt man doch langlebige Vampire schon zur Genüge aus Anne Rices saftigen Schinken. Doch diesmal haben wir es nicht mit erotischen Verführern zu tun, sondern mit deren jugendfreier Version, und müssen uns mit hasserfüllten Jünglingen und hinterhältigen Herzögen à la „Shrek“ herumschlagen. Über Inquisitoren hat Hohlbein ebenfalls schon geschrieben – er bleibt sozusagen bei Schusters Leisten.

Der Sprecher trägt einen großen Teil dazu bei, dass die ziemlich actionreiche Handlung wirklich Spaß macht und den Hörer mit Abenteuer, Mystery und Romantik unterhält. Die Musik und die Geräusche stören seinen Vortrag nicht, sondern unterstützen die Emotionalität der Szenen und vermitteln mit gedämpften Hintergrundgeräuschen einen realistischeren Eindruck. Das werden vor allem junge Hörer unterhaltsamer finden als einen puren Vortrag.

Leider gibt es auch Dialoge, die nur Schlagabtausch sind statt Informationen zu liefern. Da hört der Zuhörer automatisch nach einer Weile weg – ich ertappte mich jeden falls dabei. Und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Dialoge müssen die Handlung voranbringen, oder man sollte sie streichen.

|Buchausgabe 1999 bei Egmont vgs
302 Minuten auf 4 CDs|
http://www.wellenreiter.la
http://www.luebbe-audio.de
http://www.hohlbein.net

Näter, Thorsten – Doppelter Einsatz: Gefährliche Liebschaft

_Amnesie: Schusswechsel mit Folgen_

Der Kronzeuge gegen einen Unterwelt-Boss wird umgebracht, Sabrinas neue Kollegin Caro kennt zwar alle Einzelheiten aus den Verhören, doch die Gegenseite hat bereits einen bitterbösen Plan, Caro als Zeugin unglaubwürdig zu machen.

Die TV-Reihe „Doppelter Einsatz“ wurde laut Verlag mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Dass dies völlig gerechtfertigt ist, stellt auch diese Episode unter Beweis.

Episode Nr.1: [„Mord auf dem Stundenplan“ 2311
Episode Nr.2: „Gefährliche Liebschaft“
Episode Nr.3: „Der Fluch des Feuers“

_Die Macher und Sprecher_

Es sprechen die Originalschauspieler der gleichnamigen RTL-Verfilmung, allerdings mit zusätzlichen Erzählertexten, gesprochen von Despina Pajanou, die im Film die Polizistin Sabrina Nikolaidou spielt. Es gibt noch einen zusätzlichen Erzähler, den Frank Gustavus (|Ripper Records|) spricht. Diese Texte stammen alle aus seiner Feder.

Die ziemlich wichtige Musik und die Hörbuch-Postproduction übernahmen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel. Zusätzliche Aufnahmen, Schnitt und Mastering erfolgten durch die d.c. Tonstudios in Breckerfeld/Berlin.

Zu den zu hörenden Darstellern gehören: Despina Pajanou, Eva Herzig, Gerhard Garbers, Jürgen Janza, Jockel Tschiersch, Konstantin Graudus, Tim Wilde, Burkhart Klaußner, Peter von Strombeck u.v.a.

Das Drehbuch schrieb Thorsten Näter, der auch Regie führte.

_Handlung_

In seiner Schreinerei in St. Pauli erhält der Mann, der sich jetzt Viktor Grolek nennt, einen Ruf. Er begibt sich nach Santa Fu, wo der Gangsterboss Pjotr Nesic inhaftiert ist, aber immer noch jede Menge Strippen zieht. Weil Nesic ihm die Schreinerei finanziert hat, schuldet er ihm was. Nesic bittet ihn, den Kronzeugen Horst Meinert zu töten, der im kommenden Prozess gegen ihn, Nesic, aussagen würde. Nesic soll seinen Geschäftsführer getötet haben. Viktor muss den Mordauftrag annehmen.

Caro Behrends und Sabrina Nikolaidou vom Kriminalkommissariat (KK) 15 in Hamburg sollen die Bewacher des Kronzeugen ablösen. Aber wo ist Meinert selbst? Es heißt, er sei ins Seaworld-Aquarium gegangen, mit Dilber, seinem Bewacher. Sabrina ist sofort auf 180, denn sie wittert Unrat. Was fällt Meinert ein? Und Dilber hat offensichtlich Mist gebaut.

Vor Ort können sie Meinert abfangen, der im Aquarium seine Familie wiederzusehen erwartet. Doch der Anruf war fingiert. Obwohl Sabrina noch rechtzeitig einen unbekannten Mitarbeiter des Aquariums ausmachen kann, feuert dieser – es ist natürlich Grolek – tödliche Schüsse auf Meinert ab. Im folgenden Feuergefecht, das die ganze Anlage in Panik versetzt, werden Caro und ein anderer Beamter durch Schüsse verletzt. Sie kommt ins Krankenhaus.

Ein Debakel auf der ganzen Linie. Jetzt ist Nesic ja fein raus. Und Caro kann sich wegen ihres Schädeltraumas nicht mal an das Gesicht des Schützen erinnern. Aber sie bietet wenige Tage später an, anstelle von Meinert gegen Nesic auszusagen, denn Meinert habe ihr fast alles, was er über den Gangster wusste, mitgeteilt. Staatsanwalt Gallwitz hat damit offenbar ein Problem, das sagt er aber nicht den Polizisten, sondern Nesic persönlich! Von Nesic erpresst, befiehlt Gallwitz Grolek, Caro auszuschalten, sie notfalls umzulegen.

Zunächst weigert sich Grolek, Gallwitz‘ Befehl auszuführen. Doch als er erfährt, dass Nesic seine Frau und seinen Sohn hat entführen lassen, muss er klein beigeben. Er macht sich als Seelentröster an die etwas geknickte Caro heran und führt einen perfiden Plan aus, in dessen Verlauf Caro nicht nur beinahe ums Leben kommt, sondern auch noch ihre Glaubwürdigkeit völlig einbüßt. Die Abteilung für interne Angelegenheiten ermittelt gegen sie wegen Fahrerflucht und unterlassener Hilfeleistung.

Das Schlimmste für die in der Tinte sitzende Caro ist jedoch der Umstand, dass sie sich an das, was nach dem Kneipenbesuch passiert ist, ums Verrecken nicht erinnern kann. Viktor Grolek hat ihr offenbar Rohypnol, also KO-Tropfen gegeben, die eine teilweise Amnesie auslösen. Nun muss Sabrina alles aufbieten, um ihr aus der Patsche herauszuhelfen.

_Mein Eindruck_

Die Episode wirft ein Schlaglicht auf verschiedene Probleme, die im Zusammenhang mit moderner Kriminalität auftreten. Der Gangster Nesic sitzt zwar in U-Haft, verfügt aber über ein eingeschmuggeltes Handy und einen korrupten Gefängnisbeamten über beste Kontakte nach draußen. Er hat wichtige Leute an der Hand. Grolek ist sein Mann fürs Grobe, der Auftragskiller. Und Staatsanwalt Gallwitz ist sein Mann auf der Seite des Gesetzes. Daher dauert es eine ganze Weile, bis Sabrina endlich checkt, welches Sicherheitsleck in ihrem eigenen Kommissariat existiert. Zum Glück verrät sich Gallwitz durch eine unbedachte Äußerung.

Der Mittelteil ist an einer Stelle nicht ganz durchschaubar. Der Grund: Es gibt zwei Pärchen in der Handlung, und der Hörer fragt sich, welches davon denn nun Viktor und Caro sind? Im Nachhinein löst sich die Verwirrung auf, die dem aktuellen Geisteszustand von Caro entspricht. Der Hörer weiß also nicht (wesentlich) mehr als Caro auch. Das ist vom Drehbuchautor ganz schön riskant eingefädelt und geschildert, zahlt sich aber durch erhöhte Spannung aus. Wir lernen, dass auch Polizistinnen nicht gegen fiese Machenschaften gefeit sind, sondern jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen. (Der Stoff Rohypnol wird übrigens nie genannt, vermutlich, um keine Amateure auf dumme Gedanken zu bringen.)

Ich hätte nicht gedacht, jemals in einem modernen Krimi Hypnose angewendet zu „sehen“, aber diesmal ist es der Fall: Caro findet ihre Erinnerung wieder, so schmerzhaft dies für sie persönlich auch ist. Nach diesem Durchbruch kann es endlich richtig losgehen. Gallwitz wird enttarnt und packt aus. Der Showdown ist jedoch keineswegs eine Formsache, sondern eine trickreiche und knifflige Angelegenheit, denn Grolek ist ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Mehrmals wird erwähnt, er sei bei der „Legion“ gewesen. Damit könnte die Fremdenlegion gemeint sein. Was das Umlegen von Menschen angeht, so kennt er keinerlei Skrupel. Sabrina, Caro & Co. bekommen dies am eigenen Leib zu spüren.

Alles in allem ist diese Episode also völlig anders aufgezogen als Episode Nr. 1 „Mord auf dem Stundenplan“. Nach einem furiosen Auftakt folgt ein kniffliges „Mittelspiel“, das nach dem genannten Durchbruch in einen ebenso furiosen Showdown mündet. Doch Polizisten sind – so unglaublich es klingen mag – auch Menschen, und deshalb kommt auch das Privatleben von Caro nicht zu kurz (Sabrina scheint diesmal keines zu haben). Auf diese Weise ist für den human touch gesorgt, der diese Serie so herausragend macht.

Der Humor in dieser Serie ist ziemlich grimmig. In einer Szene wollen die KK-Beamten Grolek hochnehmen und dringen in sein Haus ein. Doch was sie nicht wissen: Die Abteilung für innere Angelegenheit ist schon da, um ihren wichtigsten Belastungszeugen gegen Caro zu beschützen. Die Internen gucken aber ebenso in die Röhre wie die KK-Beamten: Der Vogel Viktor ist ausgeflogen.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Am besten wirken die Stimmen der Schauspielerinnen, die ja direkt vom TV-Band stammen, wenn sie sehr emotional sind. Das fällt Despina Pajanou, die zudem Ich-Erzählerin ist, nicht schwer. Man sieht es als Hörer natürlich zwar nicht, aber wenn Sabrina wütend wird, kann sie schon mal handgreiflich werden, und das bekommt Pjotr Nesic am eigenen Leib zu spüren.

Caro kommt in ihrer Rolle weniger gut weg als Sabrina, folglich muss Caros Darstellerin Eva Herzig (siehe Titelfoto, links) etwas härter darauf hinarbeiten, Eindruck zu machen. Dies gelingt ihr allerdings nur bedingt, ob als Mutter, Polizistin oder als geknickte Kneipengängerin: Sie bleibt eben immer nur die Nummer zwei hinter Sabrina / Pajanou. Immerhin bietet Caros Rolle Eva Herzig Gelegenheit, eine gewisse Vielseitigkeit zu entfalten.

Die männliche Darsteller bleiben mit einer Ausnahme ziemlich farblos, obwohl sie natürliche alle recht kernige Stimmen vorzuweisen haben. Die eine Ausnahme ist Viktor Grolek, der heimliche Held der Episode. Ich stelle ihn mir mit Stellan Skarsgard („Ronin“) am besten besetzt vor: eine Tiefe der Empfindung, kombiniert mit einer Entschlossenheit im Handeln. Einmal führt er wie Shakespeares Hamlet einen inneren Monolog, dann wieder tröstet er seine Frau, die ihm nicht mehr vertrauen kann. Besonders dann nicht, als sie merkt, dass er eine Pistole trägt.

_Musik und Geräusche_

Da es sich hier um die O-Tonspur der Filmepisode handelt, entsprechen die Geräusche denen im Film, und der Zuhörer kann sich ohne weiteres die zugehörige Umgebung vorstellen. Absolut genial fand ich als Actionfan das Feuergefecht, das am Anfang zwischen dem Attentäter und den Polizisten stattfindet, die ihren Kronzeugen schützen wollen. Absolut echt klingende Schüsse, ziemlich viele Schreie der Aquariumsbesucher, schließlich ein Aufschrei, der im Off verhallt – das ist saubere Arbeit.

Für diese Szene ist keine Musik nötig, schon klar. Aber ansonsten bildet die Musik recht eindrucksvoll und passend den Hintergrund. Jede Szene hat ja ihre eigene Stimmung und erfordert die entsprechende Instrumentierung. Nach dem rockigen Intro rückt die Musik in den Hintergrund, bis sie sich in Gestalt einer melancholischen Ballade wieder in den Vordergrund drängt. Das Piano illustriert Caros Verwirrung über ihren Gedächtnisverlust überdeutlich.

In den weiteren Szenen werden diese Hand voll Musikmotive variiert oder auch nur einfach wiederholt, zum Teil sind sie auch als Kneipenmusik zu hören. Sie alle stammen aus dem Hause Horst-Günter Hank und Dennis Kassel, das neuerdings auch für die Produktion von Hohlbeins Hörbuch-Serie „Raven“ herangezogen wurde.

_Unterm Strich_

Bis auf den psychologisch kniffligen Mittelteil hat mich auch diese Episode wieder voll von der Qualität der TV-Serie überzeugt. Nach einem furiosen Auftakt folgt ein „Mittelspiel“ mit human touch, das nach dem erinnerungstechnischen Durchbruch in einen ebenso furiosen Showdown mündet. Wir merken also, dass für die Leute vom KK 15 nicht immer alles nach Plan läuft, sondern dass in ihren eigenen Reihen kräftig quergeschossen wird. Interessant, dass auch ein Staatsanwalt ein fauler Zahn sein kann. Lediglich die Szene nach Caros Kneipenbesuch ruft beim Hörer Verwirrung hervor. Das kann aber Absicht sein – siehe meine Erläuterungen oben.

Dass die TV-Serie professionell produziert worden ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Die Musik ist mitreißend bis anrührend, mit allen Nuancen dazwischen. Nun bin ich auf Episode Nr. 3 gespannt: „Der Fluch des Feuers“.

|89 Minuten auf 2 CDs|

John Sinclair Classics – Der Voodoo-Mörder (Folge 35)

Die Handlung:

Fünf Tote Mädchen in zwei Monaten. Todesursache: Herzschwäche! Als die unheimliche Serie sich über London hinaus auf den Kontinent auszubreiten begann, erhielt ich Hilfe aus Deutschland – von einem Kommissar, der noch nie mit schwarzer Magie konfrontiert worden war. Ich bezweifelte, dass er mir eine Hilfe sein würde. Sein Name: Will Mallmann… (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 148 gemacht, der erstmalig am 13. Juli 1976 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine komplette Neuinterpretation der Thematik.

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Hohlbein, Wolfgang – Das Haus am Ende der Zeit

Als Robert Craven, der Sohn des „Hexers“, nach einer Panne im Haus des mysteriösen Mister Boldwinn unterkommt, ahnt er nicht, dass er in eine sorgfältig vorbereitete Falle tappt, die ihm einer der Großen Alten gestellt hat. Er stellt sich dem Kampf – und muss einen hohen Preis dafür bezahlen.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein hat sich seit Anfang der Achtzigerjahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden. Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

Die Vorgängerbände:

[„Auf der Spur des Hexers“ 511
[„Als der Meister starb“ 917

_Der Sprecher_

Jürgen Hoppe, 1938 in Görlitz geboren, ist Rundfunk- und Fernsehjournalist sowie Sprecher, Autor, Moderator und Korrespondent verschiedener Sendeanstalten. Sein facettenreiches Talent stellte er bei der Interpretation unterschiedlichster Texte unter Beweis. (Verlagsinfo)

Der Sprecher des Prologs ist Dirk Vogeley. Der Gesang stammt von Albert Böhne („Stigma“) und Steve Whalley („The Age of Damnation“). Die Verlagsinfo nennt acht Mitglieder der Band, die Beiträge zur Musik lieferte, darunter den Regisseur Albert Böhne.

_Der Autor Howard Phillips Lovecraft und sein Cthulhu-Mythos_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.

_Handlung_

Nach dem Prolog, der den Hörer über den Hintergrund der Großen Alten (s.o.) aufklärt, finden wir unsere Helden aus dem vorhergehenden Abenteuer wieder: Howards Phillips Lovecraft, sein Begleiter Rolf und Robert Craven, der Sohn von Roderick Andara. Sie sind auf dem Weg von London zurück zum Ort, wo Andara starb, an der Küste von Schottland. Denn Andara hatte beim Untergang seines Schiffes, der „Lady of the Mist“, eine Kiste mit seinen kostbarsten Besitztümern verloren. Lovecraft betrachtet diese Besitztümer als extrem gefährlich, ganz besonders in den falschen Händen.

Doch bevor sie weit gekommen sind, haben sie mitten in der Pampa eine Panne: Eines der Pferde lahmt. Da kommt ein Reiter des Wegs, der ihnen Übernachtung auf seinem Landsitz anbietet. Nichts wie hin! Allerdings sieht das Herrenhaus alles andere als Vertrauen erweckend aus, findet Robert. Der umgebende Wald lässt es zudem reichlich düster erscheinen. Außen pfui, innen hui: Geradezu prächtig ist das Interieur, und die drei Reisenden freuen sich bereits auf eine erholsame Nacht.

Zu früh gefreut! Als Robert das ihm zugedachte Zimmer betritt, bemerkt er neben dem desolaten und schmutzigen Zustand der Einrichtung eine riesige schwarze Spinne. Er schließt die Tür und beschwert sich über die Mängel seines Quartiers. Mr. Boldwinn, der Gastgeber, öffnet die Tür erneut und siehe da – alles ist, wie es sein sollte. Das kommt Robert recht spanisch vor. An ein Bad ist jedenfalls nicht zu denken.

Nach dem Abendessen, bei dem sie sich hungrig ein etwas sonderbar schmeckendes Fleisch munden ließen, sitzen die Herrschaften bei einer Zigarre beisammen. Die Gäste fallen aus allen Wolken, als man sie mit Lovecraft und Andara tituliert – woher weiß Boldwinn das? Und Ziel und Zweck ihrer Reise kennt er ebenfalls! Auch könnten sie nicht mehr weg, denn das Pferd hätten sie soeben verspeist – bon appetit! Beim folgenden Kampf entpuppt sich nicht nur Boldwinn als Chimäre, sondern auch alles um sie herum, und zwar so schnell, als passiere dies alles in einer Art Zeitraffer …

Als sie dem Chaos entkommen, stehen sie in einem Wald der Urzeit, komplett mit Riesenfarnen und, äh, riesigen Viechern. Sie können das Grundstück nicht verlassen, sondern müssen zurück ins Haus. Dort wartet auf Robert jedoch ein besonderer Schrecken: die Begegnung mit einem der Großen Alten, dessen Diener Mr. Boldwinn war. Danach ist Robert für immer gezeichnet …

_Mein Eindruck_

Endlich ist Schluss mit der ewigen Schwarzweißmalerei! Hier der gute Robert Craven-Andara und dort die bösen Großen Alten mit ihren Dienern – das ist Vergangenheit. Ab der oben angedeuteten Begegnung mit Yogg-Sothoth (das th wird wie ein t ausgesprochen) befindet sich ein Teil des Bösen auch in Robert. Wie er das weiß? Sein Schatten hat seitdem die Form eines tentakelbewehrten Monsters, das sich auf ihn stürzen will. Dass er verändert ist, macht die Narbe auf seiner Stirn sinnfällig – er sieht aus wie ein früher Harry Potter. In seinem Haar befindet sich ein weißer gezackter Streifen.

Doch er ist nicht der Einzige, dem dieses Schicksal wiederfahren ist. Wie er im schottischen Durness, wo sich gruselige Szenen abspielen, herausfindet, hat auch sein Vater sein Päckchen zu tragen. Andaras Geist, der in verschiedenen Gastkörpern auftaucht, ist zum Teil von Yogg-Sothoth eingenommen. Doch es gelingt ihm, in einem grandiosen Showdown, den Großen Alten bei seinem Invasionsversuch zu überlisten und seinen Sohn Robert zu retten.

_Der Sprecher_

Der 1938 geborene Sprecher Jürgen Hoppe verfügt immer noch über eine durchaus kräftige Stimme, die er wirkungsvoll einzusetzen weiß. Zwar ist seine Modulationsfähigkeit nicht so ausgeprägt wie etwa bei Kerzel und Pigulla, doch die Kraft seines Ausdrucks trägt besonders bei dramatischen Stoffen zur Wirkung der Geschichte bei. Ein Horrorstoff wie „Das Haus am Ende der Zeit“ mit seinen zahlreichen dramatischen Konfrontationen bietet sich hierfür geradezu an.

Eine Besonderheit soll nicht unerwähnt bleiben. Zahlreiche der Personen, mit denen es Lovecraft und Craven zu tun bekommen, sind besessen. Diese Tatsache manifestiert sich weniger in der körperlichen Erscheinung als vielmehr zuerst in der Stimme des Besessenen: Sie klingt hoch und krächzend, als käme sie aus der Kehle eines Schafes. Das ist nicht so lustig, wie es klingt, denn der innewohnende Dämon schlägt gleich danach zu.

_Die Musik und Songs_

Wie schon in den vorhergehenden ANDARA-Project-Produktionen steuert auch diesmal eine Rockband die Musik für den Hintergrund, das Intro und Extro sowie die Pausen bei. Dabei handelt es sich um klassischen Heavy Metal ohne Schnickschnack wie etwa einen Synthesizer oder gar eine stumpfsinnig trommelnde Drum Machine. Nein, dies ist ordentlicher Rock, der aber keineswegs aufdringlich in die jeweilige Hörszene hineinspielt, sondern lediglich die Action etwas dynamischer klingen lässt. Drei Songs gibt es auch, aber auf den Text habe ich leider nicht geachtet. Ich bitte um Vergebung.

_Unterm Strich_

Auch „Das Haus am Ende der Zeit“ bietet dem Lovecraft-Freund alles, was sein Herz begehrt: eine Begegnung mit den Großen Alten, Besessene in rauen Mengen, eine veritable Zeitreise über hundert Millionen Jahre hinweg, das Auftauchen eines hilfreichen Shoggothen und – Potztausend! – auch das Buch der Bücher, nämlich das unheilvolle und verbotene „Necronomicon“. (Dass es vom „wahnsinnigen Araber Abdul Al-Hazred geschrieben“ wurde, wird uns allerdings geflissentlich verschwiegen. Der Kenner genießt sowieso und schweigt.)

Aus diesen kräftigen Zutaten lässt sich wahrlich ein schmackhaftes Potpourri zaubern, wenn man es richtig anstellt, und Wolfgang Hohlbein wäre nicht der Autorenstar, der er mittlerweile ist, wenn er diesen Kochkurs misslingen ließe. Bei jeder unerwarteten Wendung der Ereignisse graust es den Hörer, was nun wohl wieder für ein Schrecken auf unsere Helden lauert – und sie stolpern von einer Horror-Episode in die nächste. So ist für Unterhaltung mit feinstem Lovecraft-Horror gesorgt. Frage bitte niemand nach der Logik …

Der ausgezeichnete Rolf Hoppe und seine tapfer klampfenden Musikermannen sorgen in ihrem Audio-Kollektiv für ein unterhaltsames Hörerlebnis. Das Hörbuch bietet eben Horror Marke Hohlbein, nicht zu wenig Erzählkunst, aber eben auch keineswegs zu viel.

|234 Minuten auf 3 CDs|

Hohlbein, Wolfgang – Raven – Schattenreiter

_Gruselige Ritterspiele_

Privatdetektiv Raven wird vom Millionär Paul Pendrose beauftragt, ihn für drei Tage zu beschützen. Der Mann ist halb wahnsinnig vor Angst. Er erzählt Raven etwas von einem Pakt, den er und sein Freund Jeffrey Candley vor zwei Jahren mit einem dämonischen Reiter abgeschlossen haben – einen Pakt um Geld und Macht. Der Preis ist das Leben zweier Menschen. Doch Pendrose und Candley wollen die Morde nicht begehen, die der Schattenreiter von ihnen fordert, und nun steht ihr eigenes Leben auf dem Spiel. Raven nimmt den Auftrag trotz seiner Skepsis an. Doch bevor es losgeht, wird Pendrose ermordet aufgefunden …

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein ist seit seinem Mega-Erfolg „Märchenmond“ einer der erfolgreichsten und produktivsten Autoren in Deutschland. Er lebt in Neuss bei Köln zusammen mit seiner Frau und einem ganzen Haus voller Tiere.

http://www.hohlbein.net/

_Der Sprecher_

David Nathan, geboren 1971 in Berlin, gilt laut Verlag als einer der besten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht seine Stimme Darstellern wie Johnny Depp, Christian Bale und Leonardo Di Caprio. Er hat beispielsweise das Hörbuch „The Green Mile“ von Stephen King ausgezeichnet gestaltet.

Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahme leitete Klaus Trapp, die musikalischen Motive trugen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel bei.

_Handlung_

Im Weihnachtstrubel der Londoner Innenstadt irrt Jeffrey Candley ziellos umher. Er ist verstört über das, was sein Cousin Paul Pendrose ihm soeben am Telefon mitgeteilt hat: Er ist hier! Seit ihrem gemeinsamen Erlebnis am Schatt el-Arab, dem Grenzfluss zwischen Irak und Iran, ist ihr Leben überschattet von einer finsteren Macht.

Damals konnte man als Westler noch ungehindert durch den Orient trampen, ohne gleich aufgehängt zu werden. Sie übernachteten in einer Höhle, als ein alter Mann auftauchte und etwas von Schätzen faselte, die er ihnen zeigen wolle. Sie folgten ihm in eine andere Höhle. Durch ein wahres Labyrinth ging es hinunter in einen unterirdischen Tempelbezirk. Doch welche Gottheit wurde hier verehrt?

Der Alte verschwand und ließ sie allein im Labyrinth umherirren. Doch jeder Weg führte zurück zum Tempel. Dort erschien ein Reiter mit Krummsäbel aus den Schatten. Er klagt sie an, sie hätten seinen Tempel entweiht. Sie hätten einen Preis zu entrichten. Zunächst wolle er ihnen zwei Jahre lang Macht und Reichtum verschaffen, doch nach Ablauf der Frist hätten sie ihm an jedem Vollmond Menschenopfer dazubringen. Junge, gesunde Menschen, die mit einem bestimmten, mit Runen versehenen Opferdolch zu töten seien. Täten sie das nicht, so wolle er sie selbst töten.

Jeffrey weiß, dass die ihnen gesetzte Frist fast abgelaufen ist. Nur noch drei Tage bleiben ihnen, bis ihre Stunde schlägt. Da materialisiert aus den Schatten des Abends ein Reiter heraus, der einen Krummsäbel schwingt und auf Jeffrey eindringt. Es gibt für ihn kein Entkommen, und als ihn der Säbel durchbohrt, fühlt er einen namenlosen Schmerz. Der Reiter kann Jeffreys Gedanken lesen und findet den Verrat, den er und Paul vorhaben. Seine telepathisch übermittelte Warnung vor diesem Verrat ist buchstäblich eindringlich. Er zieht den Säbel aus dem geschockten Jeffrey und verschwindet, um Paul zu besuchen. Der Säbel ist nicht ganz massiv, aber auch nicht ganz substanzlos.

Jeffrey hat seine Lektion gelernt und sucht sich ein Opfer. Er findet es in der jungen Carol, die er mit nach Hause nimmt, wo schon der Dolch auf sie wartet …

_Mein Eindruck_

Aus der Einleitung habt ihr Pauls Sicht der Ereignisse erfahren, und die Inhaltsangabe ergänzt diesen Teil der Geschichte um Jeffreys Sichtweise. Diese finde ich übrigens sehr viel interessanter, obwohl darin Raven, der Detektiv, vorerst nicht vorkommt. Hier spielt die Psychologie eine bedeutendere Rolle, und als Zugabe gibt es eine Lovestory.

Doch sobald sein Klient Paul Pendrose, der ihm die ganze Geschichte erzählt hat, getötet worden ist, kümmert sich Raven auch um dessen Schicksalsgenossen Jeffrey. Mit einer recht interessanten Begründung: Er wolle den Mord an Paul – und dessen drei Wachmännern – nicht ungesühnt lassen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass Jeffrey Carol bei sich hat und sich überlegt, wann er sie opfern soll.

Dass Raven sich zwischen den Schattenreiter, der auf einem Polizeivideo als Säbel schwingender Schemen zu sehen ist, und sein Opfer Jeffrey stellt, entgeht dem Schattenreiter natürlich nicht. Dieser nimmt sich Raven entsprechend zur Brust – allerdings nur mit begrenztem Erfolg. Schließlich muss Raven noch bis zum Showdown überleben. Dieses Finale lässt an Spannung und Action nichts zu wünschen übrig. Natürlich geht es dabei indirekt auch um das Leben des Mädchens.

|Tricks und Kniffe|

Der Kenner wird sicher bemerkt haben, dass der Autor Hohlbein auch diesmal wieder seine Tricks aus dem Hut zaubert und alle Kniffe anwendet, die ihm eine so große Leserschaft eingebracht haben. Der Schattenreiter ist eine neue Erfindung, und etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen. Die Figur kommt eindeutig aus der Fantasy, denn dort spielen antiquierte Vehikel wie Pferde und Waffen wie Säbel eine Rolle. Die Telepathie der Geister ist ebenfalls sattsam bekannt. Schließlich ist es die Art der Bekämpfungsmöglichkeit, die den Reiter ins Reich von Horror und Fantasy verweist.

|Genrefiguren|

Die Nähe zu Hohlbeins Lovecraft-Geschichten um den Hexer Robert Craven ist unverkennbar. Darauf weist auch die Namenswahl für den neuen Serienhelden RAVEN hin. Dass er keinen Vornamen hat, muss uns nicht wundern, denn er teilt dieses Schicksal mit vielen Comicfiguren. (Dass es einen Comic geben dürfte, ist wohl ebenso unausweichlich.) Dass er aber mit Verlobter, seiner früheren Sekretärin Janice, und einem Maserati als Einsatzfahrzeug ausgestattet ist, widerspricht dem Fantasy-Genre und rückt die Figur in die Figur in die Nähe von James Bond, welcher ja bekanntlich die Marken Aston Martin und BMW bevorzugt.

|Ritterspiele|

Angesichts der Tatsache, dass es letzten Endes um das Leben eines Mädchens geht, kann man sich die Kontrahenten Raven und Schattenreiter auch als zwei gegensätzliche Ritter vorstellen. Jeffrey ist zu schwach, um eine gewichtige Rolle zu spielen. Für die Serie bedeutet dies wohl, dass noch eine ganze Reihe weiterer Ritterspiele zu erwarten sind.

_Der Sprecher_

David Nathan stellt wieder einmal seine Meisterschaft beim Vortragen unheimlicher Texte unter Beweis. Es ist nicht nur seine Flexibilität in Tonhöhe und Lautstärke: Er flüstert und krächzt, dass für Abwechslung gesorgt ist. Aber sein eigentlich effektvoller Kniff ist die winzige Verzögerungspause vor einem wichtigen Wort. Der Eindruck entsteht, als gebe es einen Zweifel an diesem Wort und als zöge dieser Zweifel ein gewisses Grauen nach sich oder leite sich daraus ab.

Es ist der Unglaube angesichts des Schreckens, der sich dem jeweiligen Betrachter bietet, der den Zuhörer in den Bann von Nathans Vortrag zieht. Es ist die hintergründig mitschwingende Frage: Kann das wirklich wahr sein? Und wenn es wahr ist, dann ist es grauenhaft! Es ist dieses Grauen, das die Figuren angesichts des Schattenreiters erfasst, das wir über Nathans Vermittlung mit ihnen spüren können. Tolle Leistung.

Es gibt zwar keine Geräusche, aber doch ein wenig Musik. Diese wird als Intro und Extro hörbar. Wie es sich gehört, stimmt sie den Hörer auf die unheimlich-angespannte Atmosphäre der Geschichte ein.

_Unterm Strich_

Zusammen mit Stephen Kings Hörbuch „Trucks“ und Camilleris „Von der Hand des Künstlers“ gefällt mir dieser Beitrag zu Lübbes Hörbuchreihe |Bastei Lübbe Stars| am besten. Die Story ist komplexer als der King-Beitrag, müsste aber gegenüber Camilleris verzwicktem Montalbano-Fall noch einiges aufholen.

Bei Hohlbeins Kombination aus Fantasyhorror und Agententhriller handelt es sich um die modernisierte Variante seiner Geschichten um den Hexer von Salem, die im Dunstkreis von H.P. Lovecrafts Universum spielen. Jetzt haben die Großen Alten als Götter abgedankt, doch in Gestalt ihrer Diener, den Schattenreitern, suchen sie wohl unvorsichtige Zeitgenossen immer noch heim. Der Schluss dieser Episode lässt das Erscheinen weiterer Säbelreiter erwarten.

David Nathan macht die unheimliche Geschichte zu einem besonders packenden Erlebnis. Die Musik von Horst-Günter Hank und Dennis Kassel stimmt den Zuhörer schon mal auf Grusel und Action ein. Sie sorgen auch für den guten Ton bei Stephen Kings „Trucks“, dort allerdings mit Hardrock-Musik. Bei „Schattenreiter“ reichen noch klassische Instrumente.

|70 Minuten auf 1 CD|