Rom, Mai 2011. Nachdem Papst Johannes Paul III. überraschend zurückgetreten und spurlos verschwunden ist, werden enge Vertraute des Papstes bestialisch ermordet. Der Journalist Peter Adam recherchiert zusammen mit seiner amerikanischen Kollegin Loretta. Ihre einzige Spur ist ein Buch über mystische Symbole, die auf ein beunruhigendes Ereignis hinweisen, dass in zehn Tagen eintreten wird. (Verlagsinfo)
_Das Hörerlebnis:_
So muss sich eine inszenierte Lesung anhören! Ein Sprecher, der sich nicht nur Mühe gibt, sondern sein Handwerk auch versteht und ein Hintergrund, der den Hörer in ein unglaublich lebendiges und actiongeladenes Kopfkino einlädt. Ständig gibt es etwas zu hören … Musik, Effekte oder einfach nur eine Menge Hall für die Stimme des Sprechers, wenn es zur Szene passt.
Aber all das würde auch nicht viel nützen, wenn die Story langweilig wäre … ist sie zum Glück aber nicht, auch wenn man unbedarft leicht geneigt ist „Schon wieder eine Vatikanverschwörung?“ zu denken. Aus dauert nur einen Augenblick und dann fesselt (oder „friert“) die Kombination von Sprecher, Story und Hintergrund an seinen Kopfkinositz, von dem er gar nicht mehr aufstehen möchte.
Was hier allein im Prolog passiert, das dehnen andere auf ein Vielfaches aus. Hier kommt keine Langeweile auf, weil jeder Handlungsfaden interessant und spannend ist. Vom Verschwinden des Papstes bis hin zum Paukenschlag am Ende wird der Hörer nicht behutsam in die Story eingeführt, sondern ruppig hineingestoßen und das ist gut so, macht Spaß und Lust auf die kommenden Wochen und die Entwicklung der Geschichte.
_Apocalypsis – Das Konzept:_
Lübbe traut sich was. Mit einem Aufmarsch von Mönchskuttenträgern auf der Frankfurter Buchmesse stellte der Verlag Mitte Oktober 2011 seine neue Idee vor: |Apocalypsis|. Eine als „Webnovel“ betitelte Reihe von 13 Teilen, von der jede Woche Montag ein Teil erscheint. Und das tut er in verschiedenen Versionen: als reines eBook für den Kindle und andere Reader, als aufwendig inszenierte Lesung, als Smartphone- und Tablet-App, bei der als Schmankerl vor den zu lesenden Kapiteln kurze zur Szene passende Videosequenzen eingespielt werden oder interaktiv zu verwendende Gegenstände auf dem Text „liegen“. Und als read&listen-Version, bei der sich der Käufer das eBook vorlesen lassen kann, wobei jeder gelesene Satz, ähnlich wie beim Karaoke, farblich gekennzeichnet wird. Zum Anfixen potenzieller Käufer verteilte der Verlag den Prolog in allen Varianten kostenlos.
Wenn sich bei diesem Projekt der erhoffte Erfolg einstellt, wird der am 02.01.2012 veröffentlichte 13. Teil nicht der Letzte sein. Schon im Frühjahr soll es weitergehen.
_Der Autor:_
Mario Giordano, dessen Name nicht auf dem Cover steht, steckt hinter der Webnovel. Er studierte Psychologie und Philosophie an der Universität Düsseldorf. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher, Drehbücher und Hörspiele. Heute lebt Giordano in Köln. Sein Roman „Black Box“ (1999), der auf einer wahren Begebenheit (Stanford-Prison-Experiment) beruht, wurde unter dem Namen Das Experiment unter der Regie von Oliver Hirschbiegel verfilmt. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, Giordano erhielt dafür unter anderem beim Bayerischen Filmpreis den Drehbuchpreis. Für seinen Jugendroman „Der aus den Docks“ erhielt er den Hans-im-Glück-Preis 1998. Er gibt Drehbuchseminare an der Filmakademie Baden-Württemberg und dem Trickfilmfestival in Stuttgart (ITFS). Seit 2007 ist Mario Giordano außerdem als Mentor für TV-Serien bei der Akademie für Kindermedien tätig. (Quelle: Wikipedia)
_Der Sprecher:_
Matthias Koeberlin absolvierte die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Im Jahr 2000 erhielt er den Günter-Strack-Fernsehpreis und 2007 gewann er gegen renommierte Konkurrenz als Bester Schauspieler den Deutschen Fernsehpreis. Matthias Koeberlin war bereits zweimal für den Deutschen Hörbuchpreis als Bester Sprecher nominiert: 2003 für DAS JESUS VIDEO und 2010 für DER HIMMEL IST KEIN ORT. (Verlagsinfo)
_Die MP3s:_
Die elf MP3-Dateien liegen in der Qualität von konstanten 160 Kbps und 44.1 kHz in Joint Stereo vor und tragen die Tracknummer am Ende des Dateinamens. Dies könnte bei einigen Playern zu Verwirrung führen. ID3 Tags hat der Verlag ebenso wenig spendiert wie ein Cover in den Dateien, die bei MP3-Playern mit Display immer nett anzuschauen sind.
_Mein Fazit:_
Wenn der Prolog stellvertretend für die gesamte „Webnovel“ steht, dann wird das eines der interessantesten und bestproduziertesten Projekte, die ich bislang gehört habe. So klingt eine Inszenierung, wenn sich die Macher wirklich Mühe geben. Hier gibts echtes Kopfkino und keine Langeweile. Der Prolog stellt die Weichen und Sprecher, Musik, Effekte und der Antichrist nehmen den Hörer mit auf eine wochenlange, spannende Reise.
|MP3-Download: 99 MB
Tracks: 11
Spieldauer: 1:18 Std.
Gelesen von Matthias Koeberlin
Auch als One-Track-Version oder Stream verfügbar
ISBN: 978-3-8387-6890-8|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
Die Londoner Unterwelt ist in Aufruhr. Ein chinesischer Geheimbund mit dem Namen „Schwarzer Drache“ gewinnt immer mehr an Macht. Als die Tochter von Li Tse Feng, einem angesehenen Geschäftsmann, ermordet wird, nimmt Inspektor John Sinclair die Ermittlungen auf. Doch Li Tse Feng kennt das dämonische Geheimnis des „Schwarzen Drachen“ und will den Anführer auf eigene Faust stoppen. Sinclair bleibt nur wenig Zeit, um ein Blutbad zu verhindern. (Verlagsinfo)
_Mein Eindruck:_
Dieses „Classics“-Gruselabenteuer ist die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 168, der erstmalig im Jahr 1976 an den Kiosken unter dem Serientitel „Gespenster-Krimi“ zu kaufen war. Auch das Tonstudio Braun hatte diese Geschichte bereits als Hörspiel veröffentlicht.
Ein Klassiker ist diese Folge schon allein deswegen, weil hier der aus den neuen „Sinclair 2000“-Folgen bekannte Suko zum ersten Mal in Erscheinung tritt.
Wolfgang Pampel ist als Erzähler wieder der nette Märchenonkel. Bei ihm entsteht bei mir immer sofort das Bild eines lieben Opas, der an der Bettkante eines Kleinkinds sitzt und aus einem Bilderbuch vorliest. Genauso „intensiv“ ist auch die Spannung, die er als Sprecher vermittelt, obwohl dies ja laut Coverdruck ein „Hörspiel für Erwachsene“ ist, was die vielen blutigen Effekte auch beweisen. Da passen dann die sehr grafisch umgesetzten Schreie und Todesgeräusche aus dem Hintergrund nicht wirklich zum Sprecher. Auch den bekannten Einführungstext liest er relativ unbeteiligt runter, als wäre es eine Anleitung für eine Waschmaschine. Wer den Vergleich mit Joachim Kerzel, den Sprecher der „Sinclair 2000“-Serie ziehen kann, der wird einen für den Hörer leider stark zu hörenden Spannungsabfall feststellen.
Das gleichen aber der stetig steigende Spannungsaufbau und nicht zuletzt die dramatische Musikuntermalung wieder aus. Auch die Sprecherleistung der Guten, Bösen und Sterbenden ist Sinclair-typisch prima und erweckt das Gespenster-Krimi-Kopfkino zum Leben. Und ein Gespenster-Krimi ist diese Geschichte auch, zwar mit den üblich satten „Matscheffekten“ versehen, aber dezenter, weil hier das „Krimi“ vor dem „Gespenster“ steht und John Sinclair noch in seinen Anfängen als Geisterjäger steckt.
John Sinclair und Suko, der hier als Chauffeur und Leibwächter von Li Tse Feng tätig ist, kämpfen zusammen gegen die Diener des Schwarzen Drachen, die mit ihren Tätowierungen anderen ihren Willen aufzwingen können. Nach dem großen Showdown mit dem Drachen, bei dem auch Li Tse Feng mitspielt, bekommt Suko von seinem Chef den Auftrag, in Zukunft John Sinclair zu unterstützen, der ihn daraufhin beim Yard unterbringen möchte.
Und nicht nur, weil Suko John in dieser Folge das Leben gerettet hat, entwickelt sich zwischen den beiden sofort eine enge Freundschaft, die noch zu vielen spannenden Abenteuern führen wird, wie der Serien-Fan weiß.
|Die Sprecher und ihre Rollen:|
Erzähler – Wolfgang Pampel
John Sinclair – Frank Glaubrecht
Sir James Powell – Karlheinz Tafel
Suko – Martin May
Li Tse Feng – Bernd Rumpf
Li Wang – Christian Schult
Jim Rander – Gerrit Schmidt-Foss
Captain Helder – Reiner Schöne
Tom Quarry – Philipp Schepmann
Lieutenant Bedell – Markus Pfeiffer
Lee – Tobias Kluckert
Sergeant Menon – Rainer Fritzsche
Mary Sinclair – Luise Lunow
Hang – Robin Kahnmeyer
Mrs. Tau – Liane Rudolph
Charlie – Thomas Nero Wolff
sowie: Hennes Bender, Marion von Stengel, Tanja Geke, Fred Bogner, Jörg Döring, Jan Spitzer, Anja Rybiczka, Berenice Weichert, Hans-Georg Panczak, Stephan Busch
|Technik-Credits:|
Produktion: Alex Stelkens (WortArt), Mac Sieper (Lübbe Audio)
Realisation: Ila Schnier von Wittich
Tontechnik und Schnitt: ear2brain productions
Musik mit freundlicher Genehmigung von Universal Publishing Production Music
Buch und Regie: Oliver Döring
Covermotiv: Timo Wuerz
Covergestaltung: Friedemann Weise, Inbeige
Artwork: Thomas Krämer, Druck & Grafik Siebel
|Die Ausstattung:|
Die CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt enthält eine Aufstellung nebst Cover der bereits veröffentlichten Folgen sowie der kommenden Folge „Die Insel der Skelette“. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.
_Mein Fazit:_
„Die Nacht des Schwarzen Drachen“ ist ein Krimi, der stetig an Spannung zunimmt, auch wenn das Übernatürliche erst gegen Ende bekämpft wird. Für alle Fans auf jeden Fall ein Muss, erleben sie doch hier, wie John Sinclair und Suko zu Freunden wurden. Krimi-Freunde ohne Sinclair-Vorwissen können hier aber auch auf ihre Grusel-Kosten kommen.
|1 Audio-CD
Spieldauer: ca. 53 Min.
Tracks: 10
ISBN-13: 978-3-7857-4375-1|
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de
_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_
[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)
[„Im Jenseits verurteilt“ (Folge 57)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6469
[„Sakuro, der Dämon“ (Classics, Folge 5)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6765
[„Das Erbe des Schwarzen Tods“ (Folge 59)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6768
[„Verlorene Seelen“ (John-Sinclair-Jubiläumsbox)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6846
[„Ich stieß das Tor zur Hölle auf“ (Folge 60)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6888
[„Im Zentrum des Schreckens“ (Folge 61)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6889
[„Bring mir den Kopf von Asmodina“ (Folge 62)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6890
[„Tokatas Todesspur“ (Folge 63)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7004
[„Die Leichenkutsche von London“ (Folge 68)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7370
[„Die Nacht des Schwarzen Drachen“ (Classics, Folge 9)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7433
_Die |Waringham|-Saga:_
01 „Das Lächeln der Fortuna“
02 „Die Hüter der Rose“
03 „Das Spiel der Könige“
04 _“Der dunkle Thron“_
_Die Handlung:_
London 1529: Der 14-jährige Nick of Waringham lebt als Schüler bei dem berühmten Humanisten Sir Thomas More. Als Nicks Vater, der Earl of Waringham, Opfer einer Intrige wird und der Häresie beschuldigt wird, wird der Junge zurück nach Hause geschickt, wo sein Vater vor seinen Augen an den Folgen der Folter stirbt. Nick bleibt zurück mit einer Baronie in desolatem Zustand – und einer großen, schier unlösbaren Aufgabe: Er soll Prinzessin Mary, Catalinas einziges Kind, beschützen – auch vor ihrem eigenen Vater … (Verlagsinfo)
_Mein Eindruck:_
Nach vier Jahren Warten gehts in der Familenchronik der Waringhams weiter. Das hätte selbst Rebecca Gablé nicht gedacht, denn eigentlich sollte nach dem dritten Band Schluss sein mit den Waringhams. Unterstützt von den Fans und weil ihr die Geschichte selbst nicht aus dem Kopf ging, präsentiert die Autorin also einen vierten Band.
Mittlerweile sind wir im 16. Jahrhundert angekommen und der Fokus liegt auf dem 14-jährigen Nick of Waringham. In den ersten Hörstunden erleben wir mit ihm zusammen das, was wir schon auf der Verpackung gelesen haben. Und obwohl der Hörer in diesem Fall schon weiß, was passiert, macht die Autorin die Geschichte dennoch zu einem echten Erlebnis. Ihre lebendige Erzählweise und ihre Beschreibungen von Land und Leuten lassen schnell ein historisches Kopfkino beim Hörer entstehen, in dem er gern Platz nimmt und verweilen möchte.
Der Protagonist wächst dem Hörer schnell ans Herz und seine Abneigung gegen „Brechnuss“ und „Sumpfhexe“, seine Stiefschwester und seine Stiefmutter, teilt auch er sofort. Nachdem sein Vater verstorben ist und er sich verpflichtet, auf Prinzessin Mary aufzupassen, muss er ganz schnell erwachsen werden. Wir begleiten die beiden dabei und erleben auch die verzweifelten Versuche Henry VIII. mit, der unbedingt einen Thronfolger haben möchte und deshalb sogar mit der katholischen Kirche bricht. Nicht nur Nick ist jetzt verunsichert, wem er noch etwas sagen darf, ohne verhaftet zu werden, auch das Volk weiß es nicht mehr.
Und so verknüpft Rebecca Gablé wieder einmal geschickt gut recherchierte Fakten mit einer fiktiven Geschichte. Und ob sich wirklich alles so zugetragen hat oder nicht, das ist dem Hörer bei ihrem einfühlsamen Erzählstil eh egal. Hier sind viele spannende, schmunzelnde, aber auch tragisch unterhaltsame Stunden garantiert. Und die können auch problemlos genossen werden, wenn man die Vorgängerbände nicht kennt. Gablé macht es also auch Quereinsteigern leicht, der Faszination der Waringham-Sga zu erliegen.
_Das Hörerlebnis:_
„Bierstedt liest ausdrucksstark und unwahrscheinlich vielseitig“, sagt Rebecca Gablé laut Verlag über ihren Sprecher. Ich kann weder das eine noch das andere bestätigen. Mir fiel direkt auf, dass er am Anfang sehr gehetzt seine Zeilen runterhastet. Da fällt es schwer, sich fallenzulassen, wenn der Sprecher direkt so eine Hektik verbreitet, die nicht vom Skript vorgeschrieben ist. Danach verfällt er aber wieder in die eher monotone Sprechweise, die ich von ihm gewohnt war.
Die „Inszenierung“ dieser Lesung war für meine Ohren sehr inkonsequent, denn vom Einsatz von zur Szene passenden Geräuschen wird leider nur wenig Gebrauch gemacht und wenn, dann sind es auch gern mal zu viele. Als Nick durch Hampton streift, werden gleich so viele Effekte unter den Sprecher gemischt, dass das dabei entstehende Bild im Kopf des Hörers eigene Wege geht und der Sprecher fast stört. Wenn Nick aber seinen eingesperrten Vater besucht, erwischt die Tonregie genau das richtige Maß an Effekten und Musik, sodass diese Szene ein wirklich rundes Hörerlebnis bietet.
Der oftmals schön ausgewählte und die Story unterstützende Musik- und Klangteppich wertet die Lesung absolut auf. Detlef Bierstedt, der sonst eher als einschläfernder Sprecher bekannt ist, erfährt dadurch eine willkommene Unterstützung. So wirkt sein Vortrag nicht mehr saftlos, sondern zur Zeit passend gediegen. Zumindest in den Momenten, die mit Musik unterlegt sind oder wenn er wörtliche Rede vorliest.
Das meinte ich mit „inkonsequent“. Der Hörer bekommt also im Wechsel minutenlang einen Musikteppich als Unterlage zu hören oder nur den Sprecher. Ab und an gibts dann auch mal ein paar Effekte mit dabei, als könnte man sich nicht entscheiden, welches Stilmittel man denn benutzen möchte und vor allem wie oft und wie lange.
Bierstedt wirkt hörbar bemüht, die Geschichte um Nick so lebendig wie ihm möglich zu erzählen. Bei allem Verstellen der Stimme, wenn er den verschiedenen Charakteren wiedererkennbare Merkmale gibt, fühlt der Hörer leider die ganze Zeit über, dass Bierstedt abliest und nicht erzählt. Dazu klingt seine Stimme grad bei beschreibenden Stellen zu monoton, fast gleichgültig, weil er mit angezogener Handbremse liest. Nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Sprechgeschwindigkeit zu verändern, um aus dem Schwarz-Weiß-Film im Kopf einen sprühenden Farbfilm entstehen zu lassen, wäre ein probates Mittel gewesen. Aber das verwendet der Sprecher nur sporadisch und wenn, dann nur kurz. Danach geht es direkt weiter mit der gleichen langsamen Geschwindigkeit und die Dramatik ist dahin, da hilft dann auch die Musikuntermalung wenig. Manchmal ist auch nicht zu erkennen, ob die Charaktere sprechen oder der Sprecher die Szene beschreibt, weil beides mit der gleichen Geschwindigkeit und Sprachmelodie im Ohr des Hörers ankommt.
Wenn er in solchen Situationen auch noch durch die zwar zur Szene passende dramatische Musik übertönt wird, muss man schon genau hinhören. Denn manchmal klingt es so, als würde der Lautstärkeregler für den Sprecher recht abrupt heruntergezogen und der für die Musik nach oben geschoben, bis zu einem Punkt, an dem sie nicht mehr unterstützt, sondern störend ablenkt, wie die vorhin erwähnten „Mittelalter“-Geräusche.
_Der Sprecher:_
Detlef Bierstedt, 1952 geboren, ist einer der gefragtesten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht u. a. George Clooney, Jonathan Frakes („Star Trek“) und Bill Pullman („Independance Day“) seine Stimme. Insgesamt wirkte er in mehr als 1000 Film- und Fernsehproduktionen mit. (Verlagsinfo)
_Die Ausstattung:_
Die 12 CDs sind stilvoll verpackt. In zwei entfaltbaren Pappboxen stecken sie zusammen in einem Pappschuber. Vor und hinter den weinrot bedruckten CDs ist jede Menge Platz für Zusatzinfos, sodass das Fehlen eines Booklets nicht auffällt.
So gibt es ein Dankeswort der Autorin, ein Zitat aus dem Roman von Nicholas of Waringham, einen gezeichneten Stammbaum der Waringhams, eine gezeichnete Karte, die das England unter Henry VIII. zeigt, Lob aus der Presse, Werbung für die anderen Teile der Waringham-Saga, Infos zu Autorin und Sprecher und, sehr wichtig, eine sehr lange Auflistung aller beteiligten wichtigen Personen aus dem Roman. Wobei diejenigen noch mal gekennzeichnet wurden, die es tatsächlich gegeben hat.
_Mein Fazit:_
Warum Rebecca Gablé sich Detlef Bierstedt als Sprecher aussuchte, kann ich nicht nachvollziehen, warum sie so von ihm schwärmt, erst recht nicht. Ein lebendigerer und mit mehr Einsatz vor dem Mikro agierender Sprecher hätte so viel mehr aus der spannenden Geschichte um Nicholas of Waringham herausholen können und so dem Hörer ein intensiveres Erlebnis beschert. So bleibt der Kontrast zwischen einem weiteren unterhaltsamen und schönen Roman der „Waringham“-Reihe und einem bemühten Sprecher, der auch mit Musikuntermalung nicht in der Lage ist, den Hörer wirklich zu fesseln oder in die Story hineinzuziehen. Kopfkino ja, aber leider in Schwarz-Weiß.
Audible bietet auch eine ungekürzte Lesung an, die 35 Stunden Spieldauer bietet. Auch hier liest Detlef Bierstedt.
Wer erst einmal in die Lesung reinhören möchte, der kann unter [diesem Link]http://www.luebbe.de/Hoerbuecher/Historisches/Details/Id/978-3-7857-4567-0# beim Verlag hörprobieren.
_Rebecca Gablé bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Siedler von Catan“ 1218 (Hörbuch)
[„Die Siedler von Catan“ 258
[„Das Lächeln der Fortuna“ 1522 (Hörbuch)
[„Die Hüter der Rose“ 1733
[„Das Spiel der Könige“ 4129
[„Das zweite Königreich“ 4541 (Hörspiel)
[„Hiobs Brüder“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5953
In einem Labor experimentieren Wissenschaftler mit einer überlegenen künstlichen Intelligenz – bis sie beginnt, sich zu wehren: ARCHOS bringt sämtliche Maschinen der Welt unter seine Kontrolle, vom kleinsten Computer bis zum tödlichen Waffensystem. Die Robocalypse bringt die Menschheit an den Rand der Auslöschung – doch die Maschinen haben nicht mit dem Mut der Menschen gerechnet … (Verlagsinfo)
_Mein Eindruck:_
Ok, auch die unter uns, die nur selten ins Kino gehen, werden bei dem Klappentext an „I Robot“ oder aber wenigstens an das „Terminator“-Franchise denken. Die Generation, die noch mit VHS aufgewachsen ist, wird sich auch noch an Stephen Kings „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ erinnern, in dem die Maschinen auch plötzlich anfingen zu rebellieren. In einigen Teilen kommen dem Hörer dann auch Gedanken an „Staatsfeind Nr. 1“ und „Eagle Eye“.
Und das ist auch schon der größte Kritikpunkt. Nein, nicht der Teil mit der Rebellion, sondern der Vergleich mit Filmen. Denn nichts anderes ist dieses Buch, es ist ein Action-Film-Skript, das übrigens im Jahr 2013 von Steven Spielberg verfilmt tatsächlich ins Kino kommen wird.
Da gehört es auch hin, denn als Buch ist diese Geschichte leider schwer bis gar nicht zu gebrauchen. Kapitel für Kapitel erzählt der Autor in Episoden wie unterschiedliche Menschen den Aufstand der Maschinen erlebt haben wie bei einer Kurzgeschichtensammlung. Alles ist bereits passiert, denn der Hörer weiß schon, dass die Menschen am Ende gewonnen haben. Erzählt wird das Ganze von einem Soldaten, der die aufgezeichneten Erlebnisse anderer Menschen während des Maschinen-Aufstands gefunden hat und sie an den Hörer weitergibt.
Da kommt kein Handlungsfaden zustande, weil es keinen echten gibt. Es ist halt eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Oberthema „Wie ich den Roboteraufstand erlebte“. Auch kann man keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen, weil man sie oftmals nur in kurzen, lauten Action-Sequenzen erlebt, wie das in einem schnell geschnittenen Film halt so ist. Eine Charakterentwicklung gibt es demzufolge auch nicht. Es sind lauter kleine Geschichtchen, die aneinandergereiht wurden. Und da man eh schon weiß, wer gewinnt, ist auch der Showdown am Ende nur mäßig spannend.
Als Film wird die Story aber sicher gut funktionieren und nettes Popcorn-Kino bieten. Überraschenderweise funktioniert das auch als Hörbuch ganz gut, wenn man einen talentierten Sprecher hat. Denn der kann, wenn er denn kann, im Kopf des Hörers ein Action-Feuerwerk abbrennen.
_Das Hörerlebnis:_
Die dunkle und rau-kratzige Stimme von Rolf Berg passt sehr gut zu dieser Romanvertonung. Energisch, druckvoll und lautstark verlangt der Sprecher sofort nach Aufmerksamkeit, die er vom Hörer auch bekommt. Lebendig und authentisch kommt sein Vortrag im Ohr an und man hat das Gefühl, als würde man tatsächlich einem Soldaten zuhören, der uns von seiner Entdeckung erzählt. Das klingt bei Rolf Berg wie Action-Kopfkino klingen muss: schnell, hart und dreckig. Passend zum Krieg, der gerade zu Ende gegangen ist.
Aber er kann auch anders, denn nach dem Prolog, den er als Ich-Erzähler und Soldat spricht, bekommt er von der episodenhaften Romanvorlage die Gelegenheit, zu zeigen, dass er auch andere Charaktere lebendig sprechen kann. Plötzlich klingt seine Stimme nicht mehr rau und hart, plötzlich schlüpft in eine andere Rolle und in die Nächste und in die Nächste … Auch die nimmt ihm der Hörer ab, weil er es mit der Modulation der Stimme nie übertreibt, aber dennoch von Kapitel zu Kapitel genug Unterscheidbarkeit zwischen den Charakteren herstellt. Auch als Erzähler kann Berg durch einen lebendigen Stil überzeugen.
Mich hat allerdings gestört, dass er dabei fast durchgängig zu laut gelesen hat. Lautstärke ab und zu als dramaturgisches Mittel einzusetzen, ist absolut ok, passt ja auch zu den ganzen dramatischen Roboter-Geschichten. Aber wenn der Sprecher den Hörer die ganze Zeit anbrüllt, dann wirkt das trotz aller dramatischer Geschehnisse irgendwann unangenehm und der Hörspaß leidet. Da nützt auch ein Herunterregeln der Lautstärke nichts, weil das nichts an der Art und Weise ändert, mit der gelesen wird.
Ein wenig Musik gibts auch zu hören, dramatische und bewegende Orchestermusik, passend zum Action-Kopfkino. Am Anfang und am Ende der Kapitel wird sie unter den Sprecher gemischt.
_Der Autor:_
Daniel H. Wilson wurde am 6. März 1978 in Tulsa, Oklahoma geboren – oder vielleicht doch von Robotern unter die Menschen geschmuggelt: Schon als Kind versuchte er, seinen Computer zum Sprechen zu bringen, und verliebte sich in das Androidenmädchen einer Fernsehserie. Nach der High School studierte Daniel H. Wilson neben Informatik alles, was mit künstlicher Intelligenz zusammenhängt, bevor er 2005 am Institut für Robotertechnik in Pittsburgh den Doktortitel für Robotik erwarb. Neben Artikeln für das „Popular Mechanics Magazine“ veröffentlicht er sehr erfolgreich Anleitungen, wie man einen Roboteraufstand überlebt. Daniel H. Wilson lebt heute in Portland, Oregon in den USA. Seine besten Freunde sind Werkzeuge – und er arbeitet, wie er selbst betont, für die Mächte des Guten. (Verlagsinfo)
_Der Sprecher:_
Rolf Berg ist Schauspieler, Sprecher und Kampfchoreograph. Er spielte an verschiedenen deutschen Theatern und ist in der WDR-Fernsehserie „Die Anrheiner“, aber auch vielen anderen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen. (Verlagsinfo)
_Die Ausstattung:_
Die sechs schlicht weiß bedruckten CDs stecken in Einschüben in einer entfaltbaren Pappbox. Aufgedruckt auf den Einschüben finden wir Infos zu Autor und Sprecher, technische Daten zur Produktion und etwas Eigenwerbung des Verlags für weitere Hörbücher.
_Mein Fazit:_
Die Geschichte ist ein Skript für einen Action-Film, das als Roman nicht funktioniert, weil es wie eine Kurzgeschichtensammlung wirkt, ist es ja im Prinzip auch. Zu episodenhaft, um die Charaktere im Gedächtnis zu behalten und durch den Spoiler am Anfang auch noch unspannend, weil man weiß, wies ausgehen wird.
Als Hörbuch mit einem lebendig erzählenden Sprecher aber, funktioniert es wieder. „Robocalypse“ ist tatsächlich einer der wenigen Fälle, in denen das Hörbuch mehr Spaß bereitet als das Buch. Hier kann sich der Hörer entspannt zurücklehnen und wird vom Sprecher actionträchtig unterhalten. Action-Popcorn-Kino für den Kopf, bunt wie ein Comic, wenn auch ein ziemlich lauter Comic in diesem Fall.
|6 Audio-CDs mit 70 Tracks
Spieldauer: 6:58 Std.
Gelesen von Rolf Berg
Originaltitel: Robopocalypse: How Humanity Survived the Robot Uprising
ISBN-13: 978-3-7857-4571-7|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
[www.danielhwilson.blogspot.com]http://www.danielhwilson.blogspot.com
Bei Audible liest Rolf Berg die ungekürzte Version in 12:35 Std. vor.
Der Verlag stellt unter [diesem Link]http://www.luebbe.de/Hoerbuecher/SF-Fantasy/Details/Id/978-3-7857-4571-7# auch eine Hörprobe zur Verfügung.
Rod Kane zog seine Luger und schritt leicht gebückt und nach allen Seiten blickend in den Garten. Das diffuse Mondlicht tauchte das Gelände in ein unheimliches Grau. Plötzlich hörte er das Geräusch. Ein Wiehern. Kane fuhr herum – und erblasste. Mitten auf dem Rasen stand sie. Eine Kutsche. Eine schwarzlackierte Leichenkutsche, vor die zwei ebenfalls pechschwarze Pferde gespannt waren. Die Augen der Tiere leuchteten in einem tiefen rot. Rod wusste, dass nun etwas Schreckliches geschehen würde. (Verlagsinfo)
_Mein Eindruck:_
Dieses Mal beglückt uns das Sinclair-Team mit der Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 214, der erstmalig im Jahr 1982 an den Kiosken zu kaufen war. Den Hörer erwartet aber hier nicht das übliche Sinclair-gegen-das-Böse, sondern ein reinrassiger Krimi. Dass dabei ein Dämon auftritt, ist schon fast Nebensache.
Der Dämon Xorron soll für den Mafiaboss Logan Costello einige „Mitbewerber“ töten, damit er mit Solo Morassos (alias Dr. Tod) Hilfe die Londoner Unterwelt kontrollieren kann. Dazu ist er mit der titelgebenden Leichenkutsche unterwegs. Erst stirbt Rod Kane, dann Jason Frogg und dann ist Wesley Steele sein Ziel. Ein weiterer Bösewicht begeht lieber Selbstmord, bevor der Dämon auch ihn erwischen kann. So will Costello eine Message an die gesamte Unterwelt senden und sich zum Boss der Bosse aufschwingen.
John trifft zwar zwischendurch auch auf Xorron, der macht sich aber lieber aus dem Staub, anstatt Sinclair auch anzugreifen. Er hat halt andere Aufträge. Den Höhepunkt hat die Folge gegen Ende dann in der Disco „Rave In“. In der Romanvorlage hieß der Tanzpalast noch „Come In“, das klang den Machern wohl nicht mehr zeitgemäß. Was mir nicht mehr zeitgemäß klang, war das gegenseitige Ansprechen mit „Alter“. Das passt vielleicht bei jüngeren Darstellern noch, aber nicht bei hörbar erwachsenen Männern. Da hätte es ein „Mann“ auch getan.
Die kleine Überraschung, die am Ende dann Jane zuteilwird, hätte der Hörer dann auch gern John Sinclair erzählt. Dessen Reaktion wurde aber wohl auf die nächste Folge verschoben.
_Das Hörerlebnis:_
Was es hier nicht an Kampf gegen das Böse gibt, gibts in ausführlichen Beschreibungen der Morde und den zerquetschten Organen. Garniert mit reichlich vielen Kraftausdrücken und Flüchen.
Diesmal sind auch die Effekte extrem „matschig“ und das Horror-Kopfkino kriegt schon fast eine Überdosis an Blut auf die Leinwand gespritzt. Einen kurzen Zwischengrinser kann der Hörer einlegen, wenn Lana Leroy zu Pornomusik tanzt und der eigentlich sonst so gruselig erzählende Joachim Kerzel plötzlich ganz süffisant und lasziv die Szene beschreibt.
Alle Sprecher machen einen prima Job, wie man es von der Serie gewohnt ist. Oliver Kalkofe brachte mich mit seinem für meinen Geschmack leicht übertrieben Einsatz zum Grinsen. Der DJ in der Disco klingt ein wenig abgelesen und leblos. Leblos ist er auch wenig später, nachdem er extrem grafisch zu Tode gekommen ist.
|Die Sprecher und ihre Rollen:|
Erzähler – Joachim Kerzel
John Sinclair – Frank Glaubrecht
Suko – Martin May
Sir James Powell – Karlheinz Tafe
Jane Collins – Franziska Pigulla
Wesley Steele – Rainer Fritzsche
Jason Frogg – Wolfgang Bahro
Mark – Oliver Kalkofe
Digger – Jan Spitzer
Randy – Markus Pfeiffer
Lana – Marie Bierstedt
Xorron – Udo Schenk
Logan Costello – Bernd Vollbrecht
Rod Kane – Kaspar Eichel
DJ – Ralph Caspers
Roddy – Tobias Kluckert
Peter – Phillip Schepmann
sowie Christian Schult, Thomas Nero Wolff, Dietmar Wunder, Gerrit Schmidt-Foss, Jörg Döring, Fred Bogner, Hans-Georg Paczak, Jörg Hengstler, Thomas Nokielski
|Technik-Credits:|
Produktion: Ales Stelkens (WortArt), Marc sieper (Lübbe Audio)
Realisation: Ila Schnier von Wittich
Tontechnik und SChnitt: ear2brain productions
Buch und Regie: Oliver Döring
|Die Ausstattung:|
Die CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.
_Mein Fazit:_
Diesmal keine John-gegen-das-Böse-Folge, sondern ein Bandenkrieg in der Londoner Unterwelt, mit einem Dämon als Auftragskiller. Sehr grafisch für die Ohren garniert, noch grafischer, als man das sonst gewohnt ist.
|Audio-CD mit ca. 49 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3-7857-4474-1|
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_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_
[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)
[„Im Jenseits verurteilt“ (Folge 57)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6469
[„Sakuro, der Dämon“ (Classics, Folge 5)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6765
[„Das Erbe des Schwarzen Tods“ (Folge 59)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6768
[„Verlorene Seelen“ (John-Sinclair-Jubiläumsbox)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6846
[„Ich stieß das Tor zur Hölle auf“ (Folge 60)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6888
[„Im Zentrum des Schreckens“ (Folge 61)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6889
[„Bring mir den Kopf von Asmodina“ (Folge 62)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6890
[„Tokatas Todesspur“ (Folge 63)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7004
[„Die Leichenkutsche von London“ (Folge 68)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7370
1) „Diebe im Olymp“ 2) „Im Bann des Zyklopen“
3) „Der Fluch des Titanen“
4) „Die Schlacht um das Labyrinth“
5) „Die letzte Göttin“
6) „The Demigod Files“ (noch ohne dt. Titel)
Spannend: Monsterbekämpfung als Teamarbeit
Percy Jackson, der Sohn des Gottes Poseidon, erlebt ein ziemlich ruhiges sibtes Schuljahr. Wenn da nicht diese Albträume wären, in denen sein bester Freund in Gefahr schwebt. Und tatsächlich: Grover befindet sich in der Gewalt eines Zyklopen. Zu allem Übel ist Camp Half-Blood, die Ausbildungsstätte der Götterkinder, nicht mehr sicher: Jemand hat den Baum der Thalia vergiftet, der die Grenzen dieses magischen Ortes bisher geschützt hat. Nur das goldene Vlies kann noch helfen. Wird es Percy gelingen, Grover und das Camp zu retten? (Verlagsinfo)
Sommer 1942: Rommels Armee rückt auf Kairo vor. Die Strategie des Wüstenfuchses scheint unschlagbar. Seine Geheimwaffe: der Meisterspion Wolff in Kairo. Wolffs Auftrag: Die Pläne der Engländer auszukundschaften und sie Rommel verschlüsselt zu übermitteln. Als Schlüssel dient ihm Daphne du Mauriers weltberühmter Roman „Rebecca“. Doch die andere Seite ist nicht untätig. Während die deutschen Truppen unaufhaltsam vorstoßen, beginnt in den nächtlichen Straßen Kairos eine tödliche Verfolgungsjagd. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wer hätte gedacht, dass es bei der Fülle an Hörbuchumsetzungen von Ken Folletts Romanen noch Lücken gibt. Die gibts tatsächlich, ganz offenbar. Und so schließt der Verlag mit dieser Lesung eine dieser Restlücken aus dem Jahr 1982. Interessanterweise sagt die nette Frauenstimme am Ende des Hörbuchs, dass es sich hier um eine Produktion aus dem Jahr 2009 handelt. Ich konnte allerdings keine Informationen darüber finden, ob diese Lesung tatsächlich auch zu diesem Zeitpunkt schon einmal veröffentlicht wurde oder sich der Verlag damit einfach nur etwas Zeit gelassen hat.
Band 1: _“Die Rebellion der Maddie Freeman“_
Band 2: „Middle Ground“ (noch ohne Erscheinungstermin)
_Die Handlung:_
Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17, lebt wie alle um sie herum ein digitales Leben. Schule und Verabredungen – das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin – für den nur das wahre Leben offline zählt.
Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben – und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen? (Verlagsinfo)
_Mein Eindruck:_
Das Jahr 2060, das Katie Kacvinsky in ihrem Roman beschreibt, unterscheidet sich gar nicht allzu sehr von unserer Zeit. Für den einen ist es eine Utopie, für den anderen eine Dystopie. Der Staat weiß im „Big Brother“-Stil über jeden Schritt seiner Bürger Bescheid und eine echte Privatsphäre gibt es nicht mehr.
Offenes Feuer und selbst der Schulunterricht, wie wir ihn kennen, ist verboten und die Schüler besuchen alle die „Digital School“ … von zu Hause aus … als Avatar. Auch sonst spielt sich das komplette Sozialleben aller Menschen in den eigenen vier Wänden vor großen Displays ab. Niemand braucht mehr wirklich das Haus zu verlassen, und niemand will das, weil der Staat zusätzlich zu den tatsächlich stattgefundenen schrecklichen Ereignissen, Fehlinformationen und „Gruselgeschichten“ unters junge Volk streut, sodass alle Kinder glauben, sie wären tatsächlich zu Hause am besten aufgehoben und draußen würden nur böse Dinge lauern und passieren.
Nicht erst seitdem Maddie online (wo auch sonst) Justin kennengelernt hat, rebelliert sie innerlich gegen das System, das ausgerechnet ihr Vater erfunden hat und vorantreibt. Alles zum Wohle der Bürger natürlich. Totale Überwachung als Preis für angebliche totale Sicherheit.
Durch Justin erfährt die zuerst unsichere Maddie zum ersten Mal, wie es ist, außerhalb des Hauses echte Menschen kennenzulernen, Freundschaften von Angesicht zu Angesicht zu schließen, mit Leuten, die sich nicht hinter Fantasie-Avataren verstecken.
Mehr und mehr fühlt sie, dass es die Welt von Justin ist, die sie will und dass es Justin selbst ist, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Das bemerken auch ihre Eltern, die davon gar nicht begeistert sind und sie in ein Umerziehungslager schicken wollen. Justin verhilft ihr zur Flucht und Maddie lernt noch mehr das „echte Leben“ kennen, abseits der virtuellen und staatlich überwachten Netzwerke.
Bis hierher ist der Roman auch wirklich interessant und jeder, der gern (zu viel) Zeit bei Facebook verbringt, wird sich schnell in Maddie wiedererkennen. Wie einfach ist es doch, sich hinter einem Avatar zu verstecken und „heile Welt“ zu spielen.
Nach ihrer Flucht aus dem System, das ihr Vater aufgebaut hat, wird die Geschichte erst kurz zum Roadmovie und dann immer mehr zur Love-Story. Immer weniger Handlung, immer mehr Beziehungsproblematik, und es passiert eigentlich bis kurz vor Schluss wenig bis gar nichts mehr, was sehr schade ist.
Wir erfahren zwar jetzt, warum Maddies Welt so geworden ist, wie sie jetzt ist und schauen ihr dabei über die Schulter, wie sie versucht, Justins harten Herzenspanzer zu knacken, aber das wars dann leider auch schon im Großen und Ganzen. Erst am Ende gibts noch mal ein wenig Aufregung.
Bleibt zu hoffen, dass im Folgeroman „Middle Ground“ die echte Rebellion der Maddie Freeman losgetreten wird, denn Veränderungen passieren in diesem Roman nicht. Alles Wichtige und die Gesellschaft grundlegend Verändernde war bereits in der Vergangenheit passiert.
Und da Maddie ihre eigene „Rebellion“ schon seit Jahren in sich trägt, verändert auch sie sich nicht wirklich, sie macht lediglich ein paar neue Erfahrungen. Eine gesellschaftskritische Einstellung hatte sie schon vor Beginn der Handlung des Romans. Der original Titel „Awaken“ passt hier einfach besser als der deutsche. Maddie wacht in dieser Geschichte langsam auf aus ihrem staatlich verordneten Digitalschlaf und muss nun lernen, sich in dieser für sie fremden Welt zurechtzufinden.
_Das Hörerlebnis:_
Marie Bierstedt macht einen tollen Job. Perfekt transportiert sie die Stimmungen von Maddie ins Ohr des Hörers. Ob verzweifelt, unsicher, sauer, wütend, erfreut oder verliebt … Bierstedt weiß ihre Stimme genau richtig einzusetzen, um dem Hörer das Gefühl zu geben, dass Maddie uns grad selbst ihre eigene Geschichte erzählt.
Sie legt keine albernen Akzente auf und sie verändert auch nicht unnatürlich ihre Stimmhöhe oder -farbe, wenn sie männliche Charaktere spricht, da wird Bierstedt dann einfach nur energischer. Jeder klingt authentisch und glaubwürdig und auch der beschreibende Text wirkt lebendig und erzählt und nicht abgelesen.
Am Anfang und am Ende jeder CD gibt es ein paar Takte Home-Shopping-Kanal-Hintergrundmusik zu hören.
Die vier CDs gingen viel zu schnell zu Ende und nun muss ich warten, was Maddie wohl als Nächstes macht und ob es zum Showdown mit dem digitalen System kommen wird.
|Die Sprecherin:|
Marie Bierstedt ist die deutsche Stimme von Alyson Hannigan in BUFFY, synchronisiert Kirsten Dunst (SPIDERMAN und Disneys CINDERELLA), Reese Witherspoon (EISKALTE ENGEL), Kristin Kreuk (SMALLVILLE), Kate Hudson und viele andere. Marie Bierstedt ist auch als Hörbuchsprecherin sehr beliebt. (Verlagsinfo)
_Die Ausstattung:_
In zielgruppenfreundlichen Rosa- und Pinktönen ist die aufklappbare Pappbox gehalten. Die CDs, die in Einschubschlitzen stecken, sind farblich passend bedruckt, sodass ein harmonischer Gesamteindruck entsteht.
Im Inneren sehen wir Bilder der Autorin und der Sprecherin, zusammen mit ein paar Infos über sie. Außerdem gibt es noch ein wenig Eigenwerbung zu weiteren Hörbüchern aus dem Verlagsprogramm zu lesen.
_Mein Fazit:_
Jeder Facebook-User kann nachvollziehen, in welcher Welt Maddie wohnt, auch wenn sie 50 Jahre in der Zukunft lebt. Und jedes Mädchen möchte einen geheimnisvollen Typen wie Justin kennenlernen, mit dem sie ihre eigene Rebellion starten kann.
Lebendig und gefühlsbetont gelesen, fesselt Marie Bierstedt den Hörer an „Die Rebellion der Maddie Freeman“, die nicht ganz so spektakulär ist, wie es der Titel vermuten lässt, aber dennoch ein interessantes Kopfkino bietet.
Unterm Strich wird jeder Power-Onliner darüber nachgrübeln, vielleicht doch mal wieder im „echten Leben“ vorbeizuschauen.
|4 Audio-CDs
Spieldauer: 277 Min.
Gelesen von Marie Bierstedt
Originaltitel: Awaken
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Nolte
ISBN: 978-3-7857-4556-4|
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„Ich habe Fehler gemacht. Ich bin in eine Falle nach der anderen getappt. Manchmal sogar willentlich. Ich war mir dessen bewusst, dass sie da waren und dass sie gefährlich waren …“
In diesem psychologischen Thrillerhörspiel von Arnaldur Indriðason über eine isländische Femme fatale geht es um Leidenschaft und Liebe – und um einen überaus raffiniert geplanten Mord. (Verlagsinfo)
_Der Autor_
Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman „Nordermoor“ hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Hakan Nesser und Henning Mankell!
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Sprecher und ihre Rollen:|
Cathlen Gawlich: Betty
Alexander Radszun: Tomas Ottoson Zoega
Kathrin Wehlisch: Sara
Fabian Gerhardt: Leo
Ulrike Bliefert: Rezeptionistin
Peter Rühring: Personaldirektor
Lisa Adler: Stella
Stefan Staudinger: Polizist
Regie beim WDR führte 2010 Anja Herrenbrück, die zusammen mit Georg Bühren den Text bearbeitete. Die MUSIK stammt vom Ensemble Adapter, die Komposition lieferte Thuridur Jonsdottir.
_Handlung_
Wie konnte es nur dazu kommen? Sara hockt in ihrer Zelle im Knast, verurteilt zu 16 Jahren wegen Mordes an Tomas Ottoson Zoega. Sie ist in Fallen getappt, denkt sie. Ja, aber leider auch willentlich. Sie denkt zurück, wie es begann…
Auf einem Vortrag vor Fischern spricht Betty, die Lebensgefährtin des steinreichen Reeders Tomas Ottoson Zoega, Sara an, die Anwältin. Ihr Mann, wie sie lügt, suche eine Rechtsberaterin, sagt sie, und Sara starrt ihr auf die Brustwarzen. Sie begehrt Betty, was diese schnell merkt. Tomas soll Tomas‘ Firma bei den EU-Verträgen helfen. Sara kann Tomas nicht leiden und lehnt ab, doch Betty insistiert und setzt ihren Sex-Appeal ein.
Als Betty mit einem blauen Auge auftaucht, kann Sara die plumpe Lüge schnell entlarven. Schlägt er Betty? Betty erfindet Ausflüchte, aber sie hört nicht auf, Sara anzubaggern, bis diese schließlich aufgibt, weil sie sich auf diese Weise wichtig fühlt. Es ist daher Betty, die Sara zuerst küsst, nicht umgekehrt. Sie werden ein Liebespaar und das Geld beginnt, in Strömen zu fließen.
Als Betty noch öfter mit einem Veilchen und sogar verletzt auftaucht, fordert Sara sie auf, sich von Tomas zu trennen, doch die weigert sich, sagt, dass Tomas sie in seinem Testament zur Alleinerbin eingesetzt habe und so weiter. Außerdem gehe er ja selbst auch fremd. Sara spürt erstmals richtig tiefen Hass auf einen Menschen.
Auf der Reise nach London lieben sich die beiden weiterhin und riskieren, dass Tomas sie entdeckt. Er hat eh schon einen verdacht, dass Betty fremdgeht, weil sie sich ihm verweigert. Zurück in Island scheint Betty nach dem Liebesspiel zufällig der Gedanke zu kommen: Was, wenn ihm etwas zustieße, ein Unfall oder so?
Nachdem Tomas sie vergewaltigt hat, sinnt Sara auf Rache. Was böte sich besser an, als auf Bettys Idee einzugehen? Betty hat ihre Geliebte gerade noch von einer Anzeige bei der Polizei abbringen können, sie dann zu einer Skihütte auf den Fjells eingeladen. Tomas werde da sein und Leo aus der Firma wahrscheinlich auch – als Alibi für die Tat. Nichtsahnend fährt Sara zur Skihütte. Keiner weiß, wohin sie will.
Doch nach der grausigen Tat kommt alles anders als erwartet …
_Mein Eindruck_
Die Falle ist raffiniert eingefädelt. Monate vergehen, bis Sara endlich soweit ist hineinzutappen. Erst die Liebesbeziehung, dann die Sache mit den blauen Flecken und schließlich Vergewaltigung. Und obwohl Sara keinen Finger gerührt hat, um Tomas etwas anzutun, ist sie es, die schließlich verurteilt wird. Denn schließlich findet sich in ihrem Haus die Mordwaffe, oder nicht? Der Staatsanwalt hat leichtes Spiel.
Doch Sara merkt schon vor ihrer Verhaftung, dass mit Saras Spiel etwas nicht stimmen kann. Erst lässt sie wochenlang nichts von sich hören, dann wohnt sie bei Leo, einem kleinen Angestellten mit erstaunlich großer Macht in Tomas‘ Firma. Doch erst als Sara ein wenig in Bettys Vergangenheit schnüffelt, muss sie erkennen, dass sie es mit dem gefährlichsten Menschen ihres ganzen Lebens zu tun hat. Denn Betty hat nicht zum ersten Mal zum Mittel der Gewalt gegriffen, um ihre Ziele zu verfolgen…
Zurückblickend erkennt Sara, dass sie Fehler gemacht hat, schon klar. Aber es waren Fehler der Vernunft, nicht Fehler des Herzens. In den Tagen ihres Zweifels an Betty und der Reue über die Tat erinnert sie sich immer wieder an die Küsse, die Umarmungen, die sie in Bettys Bett erleben durfte. Und denkt an Bettys Worte: „Wir sind frei!“ Das war die größte Lüge von allen. Und weil sie auf ihr Herz hörte, glaubte sie sie. Denn Tomas war ganz anders, als Betty ihn darstellte.
Der Autor macht aus der Geschichte, die sich ständig irgendwo auf der Welt zutragen dürfte, ein anrührendes Drama und auch ein klein wenig einen Kriminalfall. Doch die Ermittlung ist so kurz, zaghaft und ineffektiv, dass sie Sara nichts mehr nützt. Schon klingelt die Polizei an ihrer Tür …
Der interessanteste Dreh an der Story liegt wohl darin, dass die beiden „Täterinnen“ (Sara ist lediglich Zeugin) eine sexuelle Beziehung haben und diese auch glaubwürdig dargestellt wird. Nur so erscheint plausibel, dass Sara die größten Lügen Bettys nicht durchschaut, die kleinen aber schon. Es wäre hilfreich gewesen, wenn wir noch mehr über den Charakter Saras erfahren hätten. So erscheint sie als zwar kluge Anwältin, aber als leichtgläubige Liebhaberin.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Betty (Cathlen Gawlich) ist anfangs immer die Fordernde und Sara (Kathrin Wehlisch) die Abwehrende und Zögernde. Nach der Tat ist es genau umgekehrt: Die verwirrte Sara muss Betty hinterherrennen, um zu erfahren, wie die Dinge zwischen ihnen stehen. Die beiden Sprecherinnen stellen diese Umkehrung vielfach nuanciert dar.
Doch ich habe mich mehrfach über Saras Zurückhaltung gewundert. Ist sie wegen ihrer Homosexualität gehemmt? An einer Stelle wirkt sie entsetzt über Betty, vor der Vergewaltigung eindeutig verwirrt und abwehrend. Doch auch Betty ist natürlich zu heftigen Äußerungen fähig. Als Sara ihr das erzählt, was Stella über Betty gesagt hat, rastet diese völlig aus und schreit sie an. Auch die kühlen Isländerinnen können also sehr emotional sein.
Alexander Radszun spricht den Tomas Ottoson Zoega, der eine zwielichtige Doppelrolle spielt: Je nach Standpunkt erscheint er wie der unschuldige Unternehmer oder wie der seine Frau prügelnde Vergewaltiger. Verwirrt von Bettys Ablehnung (die sich Sara gut erklären kann) sucht er selbst die Wahrheit – und lässt sich von ihr in eine Falle locken, sodass er Sara vergewaltigt und damit den Mord-Pakt zwischen Betty und Sara besiegelt. Nicht nur Sara ist Bettys Opfer, sondern natürlich auch – in doppeltem Sinne – Tomas.
Unter den Nebenfiguren ragt Lisa Adler als Sprecherin der Stella heraus. Stella ist eine ehemalige Schulkameradin von Sara und Betty. Sie wurde Zweite beim Schönheitswettbewerb, während Betty Erste wurde. Doch sie hätte den ersten Platz errungen, wenn ihr nicht ein Auto über den Fuß gefahren wäre; seitdem hinkt sie. Dreimal darf man raten, wer jenes Auto fuhr: Leo, Bettys Freund und Komplize. Lisa Adler stellt Stella als völlig aus dem Gleichgewicht geratene Frau dar, die womöglich Drogen nimmt, um ihr Elend zu betäuben.
|Geräusche|
Geräusche gibt es leider nur die allernotwendigsten, so etwa die Türklingel von Saras Haus oder Regen vor Bettys Haus. Das ist etwas schade, finde ich, denn Geräusche würden dem Geschehen mehr Realismus verleihen. Stattdessen setzt die Regie auf Expressionismus: Der Atem der sich Liebenden ist überdeutlich und überlaut zu hören. Diese akustische „Andeutung“ ersetzt die Schilderung des Liebesspiels. Das Zerreißen von Stoff läutet die Vergewaltigung ein. Vielleicht ist dies manchem Zuhörer bereits genug Andeutung. Realismus ist nicht nötig.
|Musik|
Die von dem Isländer Thuridur Jonsdottir komponierte Musik wird vom Ensemble Adapter vorgetragen. Die untermalenden Stücke, die vor allem als Intermezzi die Szenen voneinander abtrennen, werden vor allem von Holzblasinstrumenten wie Klarinette, Oboe und Fagott bestritten. Die Harmonien sind eindeutig neutönerisch, was ich als ziemlich gewöhnungsbedürftig empfand. Nur ein einziges Mal geraten diese Harmonien in wilde Bewegung, und zwar während der Vergewaltigungsszene.
_Unterm Strich_
Das Hörspiel baut eine erhebliche Spannung auf, selbst wenn der Krimikenner schon ahnt, worauf die Entwicklung hinauslaufen soll. Dennoch ist nicht so sehr der vorhersehbare Verlauf – schließlich präsentiert der Prolog ja Sara in ihrer Gefängniszelle – , sondern vielmehr die psychologische Entwicklung der beiden Täterinnen, die den Zuhörer so fesselt.
Welche Motive führen letzten Endes dazu, dass Sara passiv am Mord an Tomas beteiligt ist? Es ist beileibe nicht nur die Verführung und eine hypothetische Art von sexueller Loyalität, nein, vielmehr ist es die Solidarität einer geschlagenen Frau und tiefer Hass dem prügelnden Mann gegenüber, was den Ausschlag gibt.
Dennoch ist Sara, von jeher die Passive im Lesbenpärchen, untätig, als Betty zuschlägt. Und so wird auch sie leichtes Opfer der eigentlichen „tödlichen Intrige“ Bettys. Denn jede Tat braucht einen Schuldigen. Und wenn es bloß ein Sündenbock ist. Ein Funke Hoffnung ergibt sich aus Saras aktiver Ermittlung über Bettys Vorleben, nachdem sie mehrfach gefragt wurde, was sie eigentlich über Betty wisse. Es war so gut wie nichts.
Diese Ermittlung könnte sie noch retten, und dadurch wird eine weitere Spannung aufgebaut. Doch aufgrund des Prologs wissen wir zwar, dass diese Hoffnung trügt, dennoch bangen wir mit Sara, der Ich-Erzählerin. Wir ernten lediglich die Genugtuung, dass Betty, die „Goldgräberin“, die über Leichen geht, aufgrund eines kurzfristig geänderten Testaments keinen müden Cent erben wird. So verschwindet sie ironischerweise wieder in der Provinz, aus der sie kam.
Für manchen ist allenfalls erstaunlich, dass Betty ihre Komplizin am Leben lässt, doch genau dies ist ja notwendig, um Sara als eigentliche Täterin zum Sündenbock stempeln zu können. Denn Betty hat sich selbstverständlich über Leo ein wasserdichtes Alibi für die Tatzeit besorgt. Die „dumme“ Sara hat dies nichtsahnend unterlassen …
|Das Hörbuch|
Die drei Hauptfiguren werden von sehr kompetenten Schauspielern glaubwürdig dargestellt, die jederzeit in einem TV-Krimi auftreten könnten (und dies wahrscheinlich sogar tun). Spannend ist die Umkehrung der Rollen zwischen den beiden lesbischen Frauen Betty und Sara – von verführend zu abwehrend (Betty), von zurückhaltend zu drängend (Sara). Als Dritter in der Runde stört Tomas eigentlich nur, tief gehasst von Sara, von Betty als Goldesel ausgenutzt. Lediglich in der Vergewaltigungsszene spielt Tomas einen wichtigen aktiven Part, und keinen sehr schönen.
Die Geräusche sind spärlich vorhanden und werden sehr akzentuiert eingesetzt, so etwa das Atemgeräusch der beiden Liebenden. Die Musik des isländischen Neutöners ist recht gewöhnungsbedürftig, verleiht der Stimmung aber etwas Schwebendes, Verinnerlichtes, das zu der Romanze der Lesben passt.
Die Musik erst macht aus einem möglicherweise rationalen Geschehen eine unausweichliche Tragödie, die aus Liebe und Hass erwächst. Deshalb kann die Musik auch schon mal ziemlich wild bewegt erklingen, um entsprechende Emotionen anzudeuten.
|Audio-CD mit 48 Minuten Spielzeit
Aus dem Isländischen von Coletta Bürling
ISBN-13: 978-3785743324|
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_Arnaldur Indriðason bei |Buchwurm.info|:_
|Die Serie um Kommissar Erlendur Sveinsson|:
In Hamburg wird ein weiblicher Torso angespült. Ist es ein weiteres Opfer des so genannten Network-Killers, der seine weiblichen Opfer im Internet aufspürt, sie vergewaltigt, tötet und dann ins Wasser wirft? In diesem Fall ermitteln bereits Hauptkommissar Jan Fabel und seine Kollegen. So werden sie auch zum Fundort des Torsos gerufen. Kurz darauf meldet sich der Hamburger Senator Müller Voigt bei Fabel, da er zu wissen glaubt, dass es sich bei der noch nicht identifizierten Leiche um seine Geliebte – Meliha – handelt, die seit Tagen spurlos verschwunden ist. Müller-Voigt erzählt Fabel seine Geschichte und gesteht, schon seit einiger Zeit ein Verhältnis mit Meliha zu haben. Meliha war angeblich Journalistin, die die Umweltorganisation Pharos im Visier gehabt hat. Müller-Voigt vermutet, dass Meliha bei ihren Nachforschungen zu viel herausgefunden hat und nun ausgeschaltet worden ist.
Doch als Fabel beginnt, Melihas Geschichte zu überprüfen, stellt er fest, dass sie ihrem Geliebten nicht nur einen falschen Namen genannt hat, sondern auch eine falsche Adresse. Als kurz darauf auch der Senator ermordet aufgefunden wird, verdichten sich die Hinweise, die zu der Umweltorganisation Pharos führen. Doch diese schottet sich mit aller Macht von der Öffentlichkeit ab. Den obersten Boss der Organisation, Dominik Korn, kennt man praktisch nur dem Namen nach und auch seine rechte Hand, Peter Wiegand, lässt niemanden hinter die Kulissen von Pharos blicken.
Auch wenn bei den Todesopfern zuhause kurioserweise nie Handys oder Computer gefunden werden, kommt die Polizei ihrem Network-Killer immer näher. Sie überprüfen diejenigen Menschen, die in einem Internetforum zuletzt Kontakt mit den Opfern aufgenommen haben. Unklar ist aber weiterhin, ob der Network-Killer-Fall mit Pharos zusammen hängt. Hier tappt die Polizei weiter im Dunkeln, zumal sie der mysteriösen Umweltorganisation nicht das Geringste nachweisen kann …
_Der Tod kommt per Internet_
In „Tiefenangst“, dem bereits sechsten Fall von Jan Fabel und seinen Kollegen von der Hamburger Polizei, hat sich Craig Russell zwei Themen herausgepickt, um die herum er seinen Kriminalfall aufzieht: Zum einen geht es um das Internet, die Kommunikation im Internet und darum, dass sich in Chatforen Menschen kennen lernen, die sich mitunter auch im wahren Leben treffen und dort eventuell auch auf ihren Mörder stoßen können. Denn im Internet kann man sein wahres Gesicht noch viel besser verschleiern als in der Wirklichkeit, und so prangert Craig Russell diese Form der Kommunikation an und macht deutlich, welche Gefahren sich dahinter verbergen können. Doch ganz ehrlich: Wem ist das in der heutigen Zeit noch neu? Muss da ein Craig Russell herkommen, um mit dem Zaunpfahl zu wedeln und seinen Lesern bzw. Hörern davon berichten, wie gefährlich das Internet sein kann? Spätestens seit Stephanie zu Guttenbergs Fernsehauftritten dürften die Gefahren des Internets nun hinlänglich bekannt sein.
Bleibt Craig Russells zweites Thema, der Ökoterrorismus. Die Organisation Pharos ist undurchsichtig und stinkt gen Himmel. Wer dort Mitglied werden möchte, muss sich ganz dem Projekt verschreiben und all sein Vermögen der Organisation übergeben. Grundidee des Ganzen ist, dass der Mensch mit seinem Tun immer wieder in die Umwelt eingreift und sie verändert, und das prangert Pharos an und möchte verhindern, dass der Mensch weiterhin die Umwelt mit seinem Wirken zerstört. Doch gleichzeitig befinden sich im Hauptgebäude von Pharos die modernsten Computer, die Jan Fabel bislang gesehen hat. Ist das nicht ein Widerspruch? Sehr merkwürdig auch, dass die Journalistin Meliha, die Pharos ins Visier genommen hat, spurlos verschwunden ist und es scheint, als habe es sie nie gegeben. Jemand hat gründlich hinter ihr aufgeräumt und versucht, ihre Identität auszulöschen. Doch mit viel Glück stehen Fabel und seine Kollegen doch irgendwann in Melihas Wohnung und können dort nach Spuren suchen.
Die Spurensuche ist recht spannend gelungen. Auch dass die Polizei praktisch gleichzeitig in zwei Fällen ermittelt – nämlich dem Network-Killer-Fall und dem Fall der verschwundenen Meliha – ist durchaus gelungen, auch wenn man natürlich früh ahnt, dass beides zusammen hängt und am Ende die Organisation hinter den Morden steht (zu denen sich im Laufe der Geschichte natürlich noch einige hinzugesellen).
Der Spannungsbogen ist daher ganz nett gelungen, auch wenn mir die Grundidee des Buches nicht so zugesagt hat, da ich sie bereits zu abgegriffen finde. Unterstützt wird die Spannung durch David Nathans gelungenen Vortrag, der mit seiner tiefen Stimme und den stets passenden Nuancen immer wieder zu der düsteren Atmosphäre beiträgt. Besonders gelungen fand ich auch die dramatische Musik, die am Ende einiger Kapitel eingespielt wurde und mir dabei immer wieder einen Schauer über den Rücken hat laufen lassen. Die Atmosphäre in diesem Hörbuch ist wirklich hervorragend gelungen, was in erster Linie natürlich David Nathan – der nicht nur als Hörbuchsprecher hinlänglich bekannt ist, sondern vor allem als Synchronsprecher von Johnny Depp oder Christian Bale – zu verdanken ist, der wie immer eine mehr als solide Sprecherleistung abliefert.
Aber zurück zum Inhalt: Durch die parallele Ermittlung in zwei Fällen ist die Geschichte mitunter leider recht verwirrend, da man nicht so recht weiß, worauf alles hinaus laufen soll. Am Ende präsentiert uns Craig Russell eine Auflösung, mit der ich zugegebenermaßen nicht gerechnet habe, die mich allerdings auch nicht vollauf überzeugen konnte. Zwar war alles in sich stimmig, doch empfand ich die Auflösung als etwas zu „platt“.
_Was am Ende übrig bleibt_
Unter dem Strich ist „Tiefenangst“ ein recht solider Thriller, der sich rund um das Internet und eine mysteriöse Umweltorganisation dreht. Spannend wird es, als die Polizei beginnt, der verschwundenen Freundin eines Hamburger Senators nachzuforschen, denn ab dem Moment gibt Craig Russell wohldosiert immer mal wieder neue Hinweise, die zur Aufklärung des Falles beitragen. Dadurch baut sich immer mehr Spannung auf und man wird zum Mitraten animiert. Nichtsdestotrotz konnte mich der Fall nicht wirklich überzeugen, denn als die Polizei beginnt, die verschiedenen Männer zu treffen, mit denen die Opfer des Network-Killers zuletzt Kontakt hatten, franst der Fall etwas aus und wird unübersichtlich. Da verliert man schnell den Faden, gerade bei einem Hörbuch. Auch die Auflösung fand ich nicht vollauf überzeugend. Diesem zwar soliden, aber doch eher mittelmäßigen Fall steht der gelungene Vortrag David Nathans gegenüber, der zusammen mit der leider etwas spärlich eingesetzten dramatischen Musik für eine düstere Atmosphäre sorgt und das Zuhören doch wieder zu einem Genuss macht.
Download-Version mit 7:34 h Spieldauer Originaltitel: A Fear of Dark Water
www.audible.de
auch erschienen als:
6 Audio-CDs mit 454 Minuten Spieldauer Sprecher: David Nathan ISBN-13: 978-3-7857-4464-2
www.luebbe.de
Bibliomanen im Clinch: Spannender Actionthriller in Washington
Der Sprecher des Repräsentantenhauses in Washington wird Opfer eines Anschlags. Als kurz darauf ein hochrangiger Mitarbeiter der Kongressbibliothek tot aufgefunden wird, ist für Oliver Stone und den Camel Club schnell klar: Diese beiden Morde müssen etwas miteinander zu tun haben.
Das erste Hörbuch zur Geschichte der erfolgreichsten Elektropop-Band der Welt! Sie haben eine der treuesten Fangemeinden aller Zeiten und verstehen es wie keine zweite Band, Popsongs mit experimenteller Elektronik zu verschmelzen, Musik sowohl für die Massen als auch für anspruchsvolle, kritische Ohren zu produzieren. DEPECHE MODE sind damit heutzutage einzigartig. Die Audiostory erzählt die bewegte Geschichte einer der einflussreichsten, beständigsten und erfolgreichsten Bands des Planeten. Ein umfassendes Feature mit vielen Originaltönen von DEPECHE MODE von 1980 bis heute. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Nachdem sich Thomas Bleskin im Jahr 2009 auf vier CDs die BEATLES vorgeknöpft hat, ist nun DEPECHE MODE dran, halb so lang und etwas preiswerter. Einen aktuellen Anlass gibt es 2011 auch, denn vor 30 Jahren ist ihre Single „Dreaming of Me“ erstmals in die Charts vorgestoßen. Das hat sie übrigens im März 2011 aufgrund eines Facebook-Aufrufs von Fans wieder geschafft, wenn auch nur für eine Woche.
„Ein umfassendes Feature mit vielen Originaltönen“ verspricht die Rückseite des Jewelcases und wer sich das Booklet anschaut, der wird feststellen, dass dies eine geschickte Formulierung für „Die Rechte waren uns zu teuer, wir haben die Stücke daher selbst nachgespielt“ ist. Das bedeutet, dass es schon Original-Töne gibt, was sich auf die Stimmen der Musiker bezieht, aber eben keine Original-Musik.
Entsprechend wurden die 29 Song-Stückchen, die im Booklet aufgeführt sind und immer mal zur passenden Zeit im Hintergrund einige Sekunden lang angespielt werden, von Jose María Bará aufgenommen. Der ist spezialisiert auf 80er-Jahre Cover-Versionen, im Speziellen von Depeche Mode. Für die Aufnahmen dieser CDs hat er auf authentische Musikinstrumente zurückgegriffen. Des Weiteren wurden drei Stücke von Decades und ein Stück von Stefan Leukert nachgespielt. Dass die Musikstückchen nicht original sind, hört der Fan auch sofort am Sound, ähnlich ja, original nein. Da sie aber nur wenige Sekunden dauern, ist das zu verschmerzen. Zwar gibt Bleskin an, dass er Instrumentalversionen der Songs zur Untermalung des Kommentars haben wollte, aber die Originalsongs von DEPECHE MODE bieten alle auch die wenigen gesangsfreien Sekunden, die man gebraucht hätte.
Vorgetragen wird das „biographische Feature“ vom Autor Thomas Bleskin selbst. Es klingt irgendwie wie eine Radiosendung, in der ein Sprecher die Lebensgeschichte einer Band vorliest. Mit einer leicht schmatzenden aber nicht unangenehmen Stimmfarbe trägt Bleskin das vor, was er zusammengesammelt hat. Die langen Sprechpausen, die er dabei teilweise einlegt, wirken manchmal etwas störend. Und immer mal wieder werden die nachgespielten DEPECHE-MODE-Songs zum Text passend ein paar Sekunden angespielt.
Die Bandmitglieder kommen hier und da im Originalton auch ein paar Sekundenbruchteile zu Wort (von wann die Interviews sind und von wem sie geführt wurden, ist nirgendwo angegeben), bevor sie dann von deutschen Synchronstimmen übertönt werden.
Zur Verdeutlichung der Textinhalte werden einige Auszüge von Silke Nauschütz in der deutschen Übersetzung vorgelesen. Das macht sie dann mit einer seltsamen und zum Teil völlig bedeutungsfremden Betonung, als würde sie Sonderangebote im Supermarkt vorlesen, begleitet von hektischem und lautem Einatmen. Warum sich der Autor hier für eine Frauenstimme entschieden hat, kann ich nicht nachvollziehen.
Die beiden CDs tragen laut Booklet eigene Bezeichnungen, was wohl zur besseren zeitlichen Orientierung des Hörers führen soll. Wer aber schnell zu einer bestimmten Information gelangen möchte, der darf länger suchen, denn die 18 Tracks haben keine Namen. Das Hörbuch ist offenbar darauf ausgelegt, am Stück gehört zu werden, um dann in der Vitrine neben die DEPECHE-MODE-Sammlung gestellt zu werden.
Das „biographische Feature“ beginnt natürlich mit den Anfängen der Band, springt dabei aber immer mal wieder in der Zeit hin und her. Erst später wird die Chronologie dann eingehalten, wenn der Autor über die Entstehungsumstände der einzelnen Alben berichtet.
CD 1: Vom Synthiepop zum Industrialsound – Depeche Mode in den 80ern
Hier erzählt der Autor davon, wie die Band zusammengefunden hat und was die Jungs sonst noch so gemacht haben, neben der Musik. Vom ersten Konzert als „Composition of Sound“ vor einer Handvoll Zuhörer bis zum ersten Top-10-Hit „Just Can’t Get Enough“.
CD 2: Modemania und Comeback – Eine Kultband wird zur festen Größe
Auf dieser CD geht es um die Weiterentwicklung, weg von der Boyband, als die sie in Großbritannien immer angesehen wurden. Vom Industrial Sound zu wärmeren, menschlicheren Klängen ging es. Mit „Violator“ wollten sie dann eine neue Richtung einschlagen, wieder akustische Instrumente verwenden, neue Experimente starten. Auch die Drogenprobleme und die Überdosis von Gahan ist ein Thema. Stress und Depressionen werden ebenfalls angesprochen.
Als Abschluss der CD gibt es dann eine akustische Cover-Version von „Shake the Desease“ in voller Länge, die der Autor für eine der besten akustischen Coverversionen eines Depeche-Mode-Songs hält, die er je gehört hat. Ob der Hörer das auch so sieht, muss jeder für sich selbst beurteilen.
Wer ist denn eigentlich die Zielgruppe?
Diese Frage hat mich eine ganze Weile beschäftigt und ich weiß es immer noch nicht. Der Autor meint, dass man das Hörbuch „auf einer längeren Autofahrt“ prima hören kann und dem stimme ich absolut zu.
Der eingefleischte Fan aber wird nicht nur alle Infos bereits kennen, sondern auch die Originalmusik vermissen. Und die Wahrscheinlichkei, dass er sich das Hörbuch ein zweites Mal anhören wird, ist recht gering.
Der neutrale Musikinteressierte wird eventuell mehr Informationen bekommen, als er eigentlich haben wollte. Aber in 138 Minuten lassen sich eine Menge Infos unterbringen und das hat der Autor zweifelsfrei geschafft. Nur Musik gibts kaum bis gar nicht.
Der Autor und der Sprecher:
Thomas Bleskin, Jahrgang 1972, studierte Geschichtswissenschaften und Politologie an der Humboldt-Universität in Berlin. Seit 2000 produziert er als Redakteur und Sprecher Nachrichten und Korrespondentenbeiträge für die Deutsche Presse-Agentur. (Verlagsinfo)
Der Autor gibt den Sprecher. Außerdem treten auf:
Michael Herden als Dave Gahan Ralph Guhlke als Martin Gore Thomas Brockt als Andy Fletcher Clemens Kurth als Alan Wilder Jörg Ratzsch als Vince Clare Uli Reitinger als Robert Smith
Die rezitierten Songtexte spricht Silke Nauschütz.
Die Ausstattung und das Booklet:
Das Hörbuch kommt auf zwei schlichten mit Schwarz bedruckten CDs in einem Jewelcase daher. Ein Faltblatt als Booklet verrät innen, welche Stücke für diese Aufnahme von den oben erwähnten Musikern nachgespielt wurden und wer sonst noch an diesem Hörbuch beteiligt war. Außerdem gibt es noch ein Foto der Band aus den 1980ern zu sehen.
Mein Fazit:
Wie der Autor schon sagt, ist dieses Hörbuch für eine längere Autofahrt bestens geeignet. Eingefleischte Fans finden hier aber nichts Neues, sodass es wohl beim einmaligen Hören bleiben wird. Dennoch ist das Hörbuch gut recherchiert und für Musikinteressierte bietet es kurzweilige und interessante Unterhaltung.
Robert Jordans Rad der Zeit erscheint jetzt in gekürzter Hörbuchausgabe bei Lübbe Audio, während die ungekürzte Produktion schon seit einiger Zeit bei Audible läuft. Lübbe brachte im August 2010 die ersten beiden Folgen der umfangreichen Fantasyserie unters Volk.
Band 1 beschäftigt sich mit der einsteigenden Entwicklung, die aus normalen Dorfbewohnern von übermächtigen Feinden gejagte macht, die ungeahnte Qualitäten entwickeln/entdecken und so der Gefahr immer wieder ein Schnippchen schlagen, natürlich nicht ohne die Hilfe zweier mächtiger Mentoren und williger Helfer, denen sie unterwegs immer wieder begegnen. Denn natürlich startet in diesem Band die typische „Queste“, zu der eine Gruppe von Gefährten – mehr oder weniger grün miteinander – aufzubrechen gezwungen ist. Das vorerst formulierte Ziel – ohne die Hintergedanken zu kennen – ist das Erreichen eines sicheren Ortes für die Gejagten …
Es tummeln sich typische Elemente, zwischen denen die neuen Schreckenswesen eingebettet sind und die Charakterisierung ihren Lauf nimmt. So gibt es Tolkienart nach Jordan, z. B. mit den orkähnlichen Trollocs, die in Horden morden und brandschatzen, angeführt von den Nazgûl-artigen Halbmenschen (Myrddraal) und begleitet von fliegenden, scharfäugigen und stumpfsinnigen Fledermausmenschen.
Dagegen ist die Konstruktion der Welt sehr interessant und eigenständig, denn es gibt eigene Mythologien und Prophezeihungen, das |Rad der Zeit| ist treibender Weltantrieb und Spender der thaumaturgischen Energien, die im gegensätzlichen Paar als gut und gefährlich gelten. Es gibt magiebegabte Frauen, die zu den positiven Energien eine Affinität haben, während Männer nur (wenn überhaupt) die antipolaren nutzen könnten.
Die Handlung treibt unterhaltsam und recht abwechslungsreich (unter anderem durch begleitende Einführung von Weltcharakteristika) dahin, offenbart aber keine Innovationen oder überraschende Wendungen. Von dieser Seite muss man in den Folgebänden mehr erwarten, wenn das |Rad der Zeit| seinem Ruf gerecht werden soll.
Es ist ein – auch noch gekürzter – erster Teil einer umfangreichen Geschichte, der dadurch vor allem der Einführung von Welt und Charakteren dient. Wie üblich ist die Involvierung der Charaktere typisch plötzlich; Jordan schildert aus der Sicht weniger Protagonisten, vor allem Rand al’Thor ist das Auge des Hörers. Leider springt Jordan hin und wieder kurz in jemand anderes Augen und gibt dadurch den klaren Bezugspunkt auf. Ansonsten ist noch nicht viel Charakterentwicklung erkennbar – außer einigen Grundzügen wird wenig angelegt.
Die Sprecherleistung kann als solide bezeichnet werden. Helmut Kress, bekannt zum Beispiel als Stimme von Samuel L. Jackson, liest mit seiner kratzigen Stimme sehr ruhig und gleichmäßig. Anfangs fällt es schwer, in den kaum bemerkbaren Stimmveränderungen die unterschiedlichen Charaktere zu erkennen, doch im Lauf der Lesung gewöhnt man sich daran und entwickelt ein Gespür dafür. Vor allem die Frauenstimmen sind gewöhnungsbedürftig, unterscheiden sie sich doch kaum von denen der Männer. Erstaunlich ist hier, dass man trotzdem mit voranschreitender Geschichte so tief eintaucht, dass man sich nicht mehr an den kratzigen, tiefen Frauenstimmen stört, sondern vielmehr sie in das Flair der Erzählung integriert und in ihrer Eigenart erwartet.
Ein unterhaltsamer, stark aufs Einführen ausgerichteter erster Teil mit großem Potenzial. Vor allem der Weltentwurf fasziniert!
6 Audio CDs mit 431 Minuten Spieldauer
Gelesen von Helmut Kress
Produziert von Michael Treutler (Audible)
ISBN-13: 978-3785743409
Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)
„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.
Folge Nr. 59 entspricht dem Band 199 der Bastei-Heftromanserie.
Die Hörspiele dieser Reihe sind Vertonungen der gleichnamigen Bastei-Heftserie. Mit der Folge 60 feiert die Hörspielreihe ein weiteres Jubiläum – mit einem Online-Gewinnspiel. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 16 Jahren.
_Der Autor_
Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 – also vor 37 Jahren – eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino.
Joachim Kerzel, die deutsche Stimme von Jack Nicholson und Dustin Hoffman, spricht den Erzähler.
Suko: Martin May
Sir James Powell: Karlheinz Tafel
Glenda Perkins: Ilya Welter
Bill Conolly: Detlef Bierstedt
Sheila Conolly: Daniela Hoffmann (Stimme von Julia Roberts)
Johnny Conolly: Frederik Döring
Myxin: Eberhard Prüter
Kara: Susanna Bonaséwicz
Erik Hansen: Simon Jäger (Stimme von Josh Hartnett, James Duvall, Balthazar Getty, River Phoenix u.a.)
Harry Cumberland: Peter Flechtner
Gil Meier: Oliver Kalkofe
Cliff: Jan Spitzer
Zack Zacharry: David Nathan (Stimme von Johnny Depp u.v.a.)
Phil Green: Ingo Albrecht
Dschinn: Jörg Hengstler
Charles: Ingo Oschmann
Ansage: Fred Bogner
_Der Regisseur_
… ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel „Der Anfang“ hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.
Buch und Regie: Oliver Döring
Realisation: Patrick Simon
Tontechnik und Schnitt: ear2brain productions
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Produktion: Alex Stelkens (WortArt) und Marc Sieper (Lübbe Audio)
_Handlung_
Zack Zacharry ist ein Forscher und lässt sich in der Antarktis von Cliff herumkutschieren. Sie stoppen mitten im Schneesturm, als Zack eine grüne Wolke erspäht. Eine grüne Wolke, die sich gegen die Windrichtung auf sie zubewegt! Der Schnee beginnt grün zu leuchten. Weil das Schneemobil feststeckt, müssen sie aussteigen, um es freizuschaufeln. Staunend stellen sie fest, dass der Wind zu pfeifen aufhört. Ein merkwürdiges Geräusch erklingt – wie von einer gigantischen Sense. Dann spürt Zack, wie etwas Scharfkantiges aus Metall mit großer Wucht in seinen Körper fährt …
Unterdessen in London. John Sinclair flucht über den Bericht, den er für Sir Powell schreiben soll. Da lässt ihn der Chef zu sich rufen, und zusammen mit Suko vernimmt John die erstaunliche Nachricht, dass am Südpol ein Forscher zusammen mit seinem Fahrer tot aufgefunden worden sei. Die Wunden stammen entweder von einem großen Schwert, einer Machete oder einer Sense. John erinnert sich an die Waffe, die der Schwarze Tod benutzte, den er besiegte. Statt hinzufliegen sollen John und Suko lieber das Medium Kara und ihren Freund Myxin kontaktieren.
Wenig später am stürmischen Kap Hoorn, an der Südspitze Lateinamerikas. Kapitän Phil Green lässt alle Schotten der „Lucky Bay“ dichtmachen. Da bemerkt sein Funktechniker etwas Merkwürdiges auf dem Radarschirm: Etwas bewegt sich gegen die Windrichtung auf das Schiff zu. In Greens Fernglas lässt sich ein grünliches Leuchten erspähen. Und ist da etwa eine Fratze in der Wolke? Doch selbst nach einer Kursänderung folgt ihnen die grüne Wolke. Schon bald befinden sie sich auf Kollisionskurs. Das Radar fällt aus, das Funkgerät ebenso. Die Fenster zerbersten, und eine riesige Sense fegt über die Brücke …
In der Nähe von London wohnen Bill und Sheila Conolly, John Sinclairs Freunde, mit ihrem Sohn Johnny zusammen in einem gemütlichen Heim. Denken sie. Bill stellt die Möbel um, damit Kara und Myxin einen Landeplatz im Wohnzimmer haben. Sheila macht Bills Verhalten nervös. Und er hat eine Waffe. Sie zuckt zusammen, als Geheul erklingt. Bill geht hinaus auf Veranda und Rasen. Er erblickt zwei helle Augen, die sich dem Bannkreis weißer Magie nähern, und ein Knurren: ein Wolf! Sheila ruft nach ihm, doch Bill warnt sie, im Haus zu bleiben. Der Wolf lässt sich durch den Bannkreis nicht davon abhalten, Bill zu Boden zu werfen und ihm an die Gurgel zu fahren …
Nur drei Mann überleben die Katastrophe auf der „Lucky Bay“. Harry Cumberland, ein erfahrener Seemann, lenkt das Rettungsboot, in dem Eric und Gil sitzen, auf eine Insel zu, die er erspäht hat. Sie betreten einen kahlen, leeren Strand unter den Uferfelsen. Noch ahnen sie nichts von den Schrecken, die diese Insel birgt …
Als John und Suko bei den Conollys eintreffen, hören sie die Schreie und eilen in den Bannkreis, um dem am Boden liegenden Bill beizustehen. John zielt auf den Wolf. Doch auch Kara und Myxin sind per Teleportation eingetroffen; sie gebieten John Einhalt: „Nicht schießen!“ Kara erklärt, dass es sich nicht um einen gefährlichen Werwolf handle, sondern um eine Inkarnation von Nadine Bergers Seele (siehe Folge 55, „Fenris, der Götterwolf“). John liebte Nadine einst sehr und trauert immer noch um sie.
Die Wölfin ist gekommen, um John vor großer Gefahr zu warnen. Keinen Augenblick zu früh, denn schon können die Gefährten eine grüne Wolke erblicken, die sich über London bildet und sich in ihre Richtung bewegt. Das verheißt nichts Gutes, und John meint, ein leises Zischen wie von einer Sense zu vernehmen …
_Mein Eindruck_
Die zwei Handlungsstränge führen zu verschiedenen Erkenntnissen und liefern gleich zwei Showdowns. Was die drei Schiffbrüchigen auf der Insel bei Feuerland antreffen, ist ein Lager von Zombies – und das Hauptquartier der Mord-Liga. Das wird in späteren Folgen noch von Bedeutung sein, wie der Schluss vermuten lässt.
Viele eindrucksvoller ist jedoch die Konfrontation auf dem Grundstück der Conollys. Offensichtlich hat es der Sensenschwinger ausschließlich auf John Sinclair abgesehen, der den Schwarzen Tod besiegt hat. Dessen Tod will der Dschinn, der sich als Erbe des Getöteten versteht, blutig rächen. Da gerät er aber an den Falschen. Der Dschinn, ein Wesen aus Atlantis, mag ja eine riesige Sense zur Hand haben, doch John hat ja bekanntlich sein heiliges Kreuz, das allerlei Höllengezücht abwehrt. Äh, wenn er es nicht gerade verlegt hat, so wie jetzt zum Beispiel.
Doch es ist ja nicht das erste Mal, dass John quasi mit heruntergelassenen Hosen erwischt wird. Es muss schon ein wenig brenzlig werden, bevor der Sieg nahe ist. Außerdem: Wozu hat John denn seine Freunde dabei? Eben. Die heruntersausende Sense gibt Suko Gelegenheit, wieder mal seinen weltberühmten Zaubertrick mit der gestoppten Zeit vorzuführen. Nein, damit ist kein Hundertmeterlauf gemeint, sondern der Zeitstopp, den er mit einem magischen Stab veranlasst, den ihm irgendwelche tibetanischen Weisen geschenkt haben.
Gegegn Dschinns, also Geistwesen, helfen bekanntlich weder geweihte Kugeln noch Bazookas. Deshalb braucht John unbedingt sein geweihtes Kreuz. Es müsste hier irgendwo rumliegen, oder? Wie gut, dass die Wölfin jetzt an John Seite wacht. Nadine Berger sorgte schon zu Lebzeiten gut für ihren John, nun kann sie ihm auch diesmal hilfreich beistehen – durch Apportieren beispielsweise.
_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: Bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.
Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück tun Pigulla, Kerzel, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.
Übertriebene Ausdrucksweisen heben die Figuren in den Bereich von Games- und Comicfiguren. Das kann bei jugendlichen Hörern ein Vorteil sein. Die Figuren schreien wütend, fauchen hasserfüllt oder lachen hämisch. Besonders unheimlich ist die Darstellung des Spuks, eines wirklich mächtigen Dämons. Leider erfahren wir rein gar nichts über seine Herkunft und Entstehung. Auch alle anderen Figuren muss der Hörer bereits kennen, um sie zuordnen zu können. Aber als Fan der Serie kennt man ja Jane Collins, Sinclair, Glenda Perkins, Kara, Myxin usw. bereits.
|Geräusche|
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Insbesondere die Szenen im Garten der Conollys sind akustisch recht eindrucksvoll umgesetzt. Vom Zischen der Sense über die auffälligen Schüsse und Schreie bis hin zum absoluten Sound Overkill, wenn die Macht des Kreuzes auf die Kraft der Sense trifft – Explosionen, die auf einer leistungsfähigen Anlage die Wände zum Wackeln bringen können. So haben wir das gern!
Das Kontrastprogramm dazu bietet das Hörspiel ebenfalls. Die drei Überlebenden der „Lucky Bay“ geraten nämlich in eine unheimliche Szenerie. Leise Töne sind hier angesagt, geflüsterte, verzweifelte Dialoge – und zombiemäßiges Röcheln, Knurren und schließlich Blutspritzen … Während der Showdown in Conolly Garten recht archaisch anmutet, liefert das Geschehen bei Kap Hoorn entsprechend moderne Geräusche: Funksprüche, Motorengeräusche, eine SOS-Rakete und dergleichen mehr.
|Musik|
Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British Horror Movie zu hören.
Stets gibt die Musik genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit einem klassischen Instrumentarium produziert. Mit einer einzigen Ausnahme: Die Titelmelodie der Serie erschallt in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen. Sehr sympathisch.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
|Booklet|
… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher, die Macher sowie sämtliche Hörfolgen. Auf der letzten Seite weist der Verlag auf den offiziellen JOHN-SINCLAIR-Song „CAIN – Age of Darkness“ hin, der „auf allen bekannten Musik-Downloadportalen“ zur Verfügung stehe.
_Unterm Strich_
In einem reizvollen Wechselspiel von Kontrasten führt diese Episode von Sinclairs Abenteuern zwei separate Handlungsstränge zu ihrem jeweils spektakulären Ende. Der Aufbau der Spannung durch Rätsel einerseits und Horror andererseits lässt den Zuhörer bei der Stange bleiben. Er wird durch einen explosiven Showdown in London belohnt und durch die Ereignisse auf der Feuerlandinsel neugierig auf die Fortsetzung gemacht.
Die Andeutung, dass Atlantis unter dem Südpol zu vermuten ist, machte mich ebenfalls stutzig. Wer weiß, was noch alles unter den tauenden Eismassen verborgen liegt – man hat bereits einen der größten Seen der Welt dort entdeckt. Und Lovecraft wusste in „Berge des Wahnsinns“ von weit faszinierenderen Dingen zu berichten – und sie versprechen nicht geringeren Horror als eine Sinclair-Folge.
|Das Hörspiel|
Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Die Action kommt niemals zu kurz, was die Game-Freunde doch einigermaßen zufriedenstellen sollte.
|Audio-CD mit ca. 56 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3-7857-4238-9|
[www.sinclair-hoerspiele.de]http://www.sinclair-hoerspiele.de
[www.wortart.de]http://www.wortart.de
Noch mehr über |John Sinclair| finden Sie in unserer [Rezensionsdatenbank]http://www.buchwurm.info/book .
Für Wulf Dorn, den man nach verschiedenen kurzgeschichtlichen Veröffentlichungen erst 2009 mit „Trigger“ im Romansektor entdeckte, scheint die Schriftstellerei bergauf zu gehen. Schon der Romanerstling erschien bei dem großen Publikumsverlag Heyne und wurde zeitgleich als Hörbuch unter das Volk gebracht. In gleicher Weise ging man auch dieses Jahr mit dem zweiten Thriller aus seiner Tastatur um und präsentiert ihn so an vorderster Front – zu Recht, wie die Lektüre zeigt.
Der Psychiater Bernhardt Forstner erlitt einen Autounfall auf einer verschneiten Straße im Wald. Seine Gedanken kreisten um seinen Sohn Sven, doch seine letzten Worte waren abgrundtiefer Hass auf den Mann, der ihn kurz vor seinem Tod fand und verenden ließ.
Jahre später kehrt sein Sohn Jan Forstner in seinen Heimatort zurück. Er ist ebenfalls Psychiater und ein herausragender Arzt, doch ein Zwischenfall, bei dem er einen Patienten verprügelte, ließ seine Reputation ins Bodenlose fallen. Der Klinikleiter in seinem Heimatort, ehemals guter Freund seines Vaters, bietet ihm einen Posten an – unter der Auflage, dass er sich von einem Kollegen therapieren lässt. Denn Jan Forstner hat ein schweres Trauma aus der Kindheit: Sein Bruder Sven verschwand in eiskalter Winternacht spurlos, und Jans laufendes Diktiergerät enthält nichts – nur kalte Stille …
Der Titel scheint sich an typischen Vorgaben zu orientieren und mehr auf rhetorischer Ebene eine Wirkung anzustreben, zumindest, solange man noch keinen Einblick in die Geschichte erhalten hat: Dort hat er nämlich eine handfeste Bedeutung, in erster Linie für den Protagonisten Jan Forstner, der seit jener Nacht seiner Kindheit das Tonbandgerät stets bei sich trägt und in der Aufzeichnung der eisigen Winternacht nach Spuren sucht, die ihm Anhaltspunkte über den Verbleib seines jüngeren Bruders geben könnten.
Wulf Dorn hat sich wirklich einen traumatisierenden Aufhänger gesucht. Das Verschwinden des kleinen Sven hat nichts mit konstruierten Fällen zu tun, die einem so häufig in anderen Romanen begegnen und deren einziger Zweck es ist, die Situation notdürftig zu erklären. Bei Dorn hat das Ganze Hand und Fuß und wirkt darum umso schrecklicher. Man stelle sich vor: Ein Kind lässt seinen Bruder nachts für wenige Momente allein auf einer Parkbank, um ungestört zu pinkeln – und als er zurückkehrt, ist der Bruder spurlos verschwunden! Der Schrecken und die Panik müssen für die Familie unerträglich sein, und so ist es auch nicht Jan allein, der traumatisiert aus dem Geschehnis heraus kommt.
Der Verdacht liegt vom ersten Moment an bei einem Arbeitskollegen von Jans Vater. Um wen es sich handelt, wird natürlich nicht verraten, doch Dorn versteht es geschickt, den Hörer in die Irre zu führen. Man meint recht schnell – zu schnell – , des Rätsels Lösung gefunden zu haben, was zum einen ein enttäuschendes Gefühl ist, zum anderen aber auch misstrauisch macht, da es einfach zu leicht anmutet. Doch sprechen lange alle Indizien für den Verdacht, die Enttäuschung nimmt zu und mündet schließlich in einer umso größeren Überraschung – hoffentlich nicht zu spät, denn es ist zwar ein durchweg spannendes und gut erzähltes Hörbuch, doch bleibt hier jeder Leser am Ball, wenn er mit jedem Indiz seinen Verdacht bestätigt sieht und sein Unmut über diese Einfachheit wächst? Die Qualität der Irreführung ist hier vielleicht zu hoch, der Hörer zu einseitig auf ein Ziel fokussiert.
Die für einen Psychothriller typischen Verdächtigungen, Erinnerungen, die Steuerung zur Katastrophe und die damit verbundene Anhäufung von Indizien, die dem Hörer Ahnungen bescheren und bei vorangeschrittener Geschichte die Erwartung auf den finalen Schlag und Beinahe-Sieg des Gegners mit der Adrenalinpeitsche hoch jagt, all das sind handwerkliche Eigenschaften, die Wulf Dorn in hoher Meisterschaft beherrscht und zu einem runden Ganzen formt, in das sich der Hörer schon nach wenigen Sätzen hineinversetzt fühlt. Die Auflösung aller Rätsel geschieht dann schwupp-diwupp in einem kaum unterbrochenen Monolog des Bösewichts, auf den ein typischer rasanter Showdown folgt, bei dem sich der Protagonist zwischen Rache und Menschlichkeit entscheiden muss.
Nach dem Höhepunkt scheint es so, als wolle Dorn die Geschichte noch entspannt ausklingen lassen, doch hat er auch für das Ende noch einen Gänsehautfaktor parat, der mit der kalten Stille auf dem Tonbandgerät und einer übernatürlichen Lektüre des kindlichen Jan Forstner erzeugt wird.
David Nathan, bekannt zum Beispiel als Synchronsprecher Johnny Depps, macht einen hervorragenden Job als Leser. Die Schnitzer, die Wulf Dorn selbst bei seiner Autorenlesung seines Romanerstlings „Trigger“ unterliefen, braucht man bei Nathan nicht zu suchen. Allerdings hat es auch einen ganz eigenen Charakter, wenn ein Autor seine Geschichte selbst erzählt und die Stimmung genau so transportiert, wie er es sich beim Schreiben vielleicht vorstellte.
„Kalte Stille“ ist ein insgesamt sehr überzeugender Psychothriller, dessen hohe irreführende Qualität anfangs für Unruhe beim Hörer sorgt, dessen Unterhaltungswert aber jeder Empfehlung gerecht wird. Der Roman bietet Gänsehaut, betroffenes Mitgefühl, Adrenalinschauer, eine wirklich durchdachte Story und nochmals Gänsehaut, womit er das Prädikat „Besonders Unterhaltsam“ auf jeden Fall verdient.
6 Audio-CDs mit 431 Minuten Spieldauer
Gelesen von David Nathan
ISBN-13: 978-3785744390
Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)
New Jerusalem, 1888: Der Waisenjunge Will Henry arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop, der sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert hat: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht notfalls Jagd auf sie. Eines Tages macht ein Grabräuber einen schrecklichen Fund: eine Leiche, in die sich ein zahnbewehrtes Monster verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet und sich rasend schnell vermehrt … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Beim Thema „Jugend-Horror“ bin ich immer sehr vorsichtig. Darren Shan hat mit seiner gleichnamigen Vampir-Reihe bewiesen, dass es durchaus gruselige Jugendbücher geben kann, die nicht zu brutal sind. Mit seiner „Demonata“-Serie allerdings griff er für meinen Geschmack zu sehr in den Splatter-Topf. Und das, obwohl auch diese Bücher auf Kinder und Jugendliche abzielen.
Wie hoch ist also der „Splatter-Faktor“ im „Monstrumologen“? Sehr hoch! Zu hoch! Auch wenn der Roman den „Michael L. Printz Award“ für „Excellence in young adult literature“ gewonnen hat, würde ich diese Geschichte keinem angehenden Teenager guten Gewissens empfehlen. Vielleicht bin ich aber auch nicht abgestumpft genug, weil ich die „Saw“-Filme widerlich finde. Der Verlag empfiehlt das Buch Lesern ab 14 Jahren, ich würde noch ein paar Jahre draufpacken, auch wenn einer der Protagonisten noch ein Junge ist.
Die Monster, auf die hier Jagd gemacht wird, sind kopflos, haben jede Menge Zähne (auf Bauchhöhe) und Augen in den Schultern. Diese „Anthropophagen“ stammen ursprünglich aus Afrika und sind keineswegs Zombies, sondern ziehen sogar ihre eigenen Kinder groß. Und wenn sie nicht die Bewohner der näheren Umgebung abschlachten würden, dann würde der Hörer direkt Mitleid für diese Kreaturen empfinden, die hier gejagt und getötet werden. Denn eigentlich wollen sie auch nur leben, genau wie die Menschen, die auf sie Jagd machen.
Schade ist, dass sich die gesamte Geschichte auch mehr oder weniger nur um die Jagd auf eine einzige Monsterart dreht, aber vielleicht gibt es pro Band der Serie jeweils eine neue Gattung, die es zu töten gilt.
Am bedauerlichsten ist allerdings, dass der Autor oftmals zu sehr auf Schock setzt, anstatt dem Hörer eine spannende Geschichte zu servieren. So beschreibt er immer wieder viel zu detailliert, wo ein Hinweis ausgereicht hätte, um das Kopfkino des Publikums in Gang zu setzen. Das wird schon am Anfang deutlich, als der Monstrumologe die Autopsie an einer jungen Frau durchführt, in die sich ein Monster verbissen hat. Absolut kein Stoff für ein Jugendbuch.
Das Hörerlebnis:
Außer der Einführungsmusik, während welcher der Sprecher vorgestellt wird, gibt es keinerlei Hintergrunduntermalung. Relativ zügig fängt der Sprecher an, die widerliche Autopsie an der jungen Frau zu beschreiben. Und als wäre die Szene noch nicht abstoßend genug, liest Christoph Wortberg immer abwechselnd in furiosem Stakkato und leiser Zurückhaltung, sodass es beim Hörer ein zusätzlich unangenehmes Gefühl hinterlässt.
Die Charaktere des Buches sind nicht einnehmend beschreiben. Es baut sich keine Beziehung zu ihnen auf, nicht einmal zu dem bedauernswerten Will Henry, der einfach nur ein armes Kind ist. Diesen liest Wortberg zwar passend, sehr schüchtern und leise, um dann im nächsten Moment dem Hörer aber als Monstrumologe ins Ohr zu brüllen. Teilweise überträgt er die Manie des Monstrumologen auch auf die Stellen, in denen nicht gesprochen wird, sodass die Trennung zwischen wörtlicher Rede und Szenenbeschreibung nicht immer leichtfällt.
Außerdem stellt der Sprecher die einzelnen Charaktere fast ausschließlich durch verschiedene Lautstärken dar, weniger durch das Verstellen der Stimme. Das macht die Unterscheidung der verschiedenen Charaktere nicht so leicht wie bei anderen Sprechern.
Der Sprecher:
Christoph Wortberg erlangte erste Bekanntheit in der Rolle des Frank Dressler in der ARD-Serie „Lindenstraße“. Seither wirkte er in zahlreichen Theater- und TV-Produktionen mit. Er lebt als Schauspieler und Autor in Köln und schreibt Drehbücher und Romane.(Verlagsinfo)
Die Ausstattung:
Die Aufmachung dieser Lesung ist |Lübbe|-typisch ansprechend gestaltet: eine aufklappbare Pappbox mit Einschüben, in denen die sechs CDs stecken, alles komplett in schwarz gehalten.
Auf den Einschubtaschen gibt es Informationen zu Autor und Sprecher sowie eine weiße Zeichnung einer halben Wirbelsäule. Auch auf den CDs sind unterschiedliche gezeichnete Motive in weißer Farbe zu finden. Eine Knochenschere, ein Stethoskop, eine Knochensäge und weitere medizinische Werkzeuge sind hier zu sehen.
Das Cover ziert das gezeichnete Motiv, das auch auf dem Buch zu finden ist. Der einzige Farbklecks befindet sich auf einem Tisch … es ist ein Blutfleck, was nicht verwundert. Sowohl das Titelmotiv als auch der Klappentext suggerieren, dass es sich hier zwar um eine gruselige Geschichte handelt, die aber doch für angehende Jugendliche passend ist.
Aufgrund der aufgedruckten Infos vermisst man hier auch das Booklet nicht. Die Tracks auf den CDs sind zwischen drei und sieben Minuten lang, was eine angenehme Dauer ist, wenn man mal zwischendurch aufhören möchte oder muss. So findet der Hörer wieder schnell an die verlassene Stelle zurück.
Die Serie:
Der zweite Teil der „Monstrumologist“-Serie erschien am 12. Oktober 2010 unter dem Titel „The Curse of the Wendigo“ als englische Originalausgabe. Wann und ob dieser Teil auch auf Deutsch veröffentlicht wird, hängt wohl vom Erfolg und den Verkaufszahlen des „Monstrumologen“ ab. (Nachtrag vom 24.06.2015: Die Folgebände sind tatsächlich auf Deutsch als Buch erschienen, ein weiteres Hörbuch gabs allerdings nicht.)
Mein Fazit:
Nichts für schwache Nerven und nichts für Kinder! Wer das Risiko von Alpträumen nicht scheut, der kann mit dem Monstrumologen auf Monsterjagd gehen. Wer aber wenig für Splatter übrig hat, der sollte diese Geschichte besser meiden. Der Sprecher passt mit seiner Interpretation der Charaktere zum Buch, was nicht wirklich ein Kompliment ist, sondern eine konstante Unruhe bei mir auslöste, die nichts mit der Geschichte selber zu tun hatte.
Gekürzte Lesung auf 6 Audio-CDs Gesamtspielzeit: 457 Minuten, aufgeteilt auf 81 Tracks Originaltitel: The Monstrumologist (2009) ISBN-13: 978-3785743980 www.luebbe-audio.de
Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)
Europa, 1914: Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die durch politische Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen Arbeiterschicht und Adel. Und zwei Brüder aus Russland, die in den Strudel der Revolution geraten und sich auf verschiedenen Seiten gegenüber stehen. Ken Folletts neue Trilogie spielt zwischen 1914 und 1989 und erzählt von drei Familien aus drei Ländern, deren Schicksale auf dramatische Weise miteinander verknüpft sind – und wird Geschichte schreiben! (Verlagsinfo)
Meine Meinung:
Mit diesem Buch startet Follett seine neue Trilogie mit dem Titel „The Century“. In dieser Reihe beschreibt der Autor das 20. Jahrhundert aus der Sicht unterschiedlicher Familien aus Amerika, Deutschland, Russland, England und Wales, die wichtige und bekannte geschichtliche Ereignisse durchleben. Im Speziellen sind das im ersten Band der Erste Weltkrieg, die Russische Revolution und der Kampf der Frauen um das eigene Wahlrecht in Großbritannien.
Wie schon beim letzten Roman „Die Tore der Welt“ erwartet den Hörer eine gekürzte Lesung, die allerdings auch wieder auf 12 CDs erscheint, was fast die doppelte Menge von dem ist, mit dem andere Verlage bei ihren Hörbuchumsetzungen aufwarten. Eine ungekürzte Lesung mit ca. 40 Stunden Spieldauer, die von Philipp Schepmann gelesen wird, erscheint voraussichtlich im November. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch bei diesem Buch eine Hörspiel-Umsetzung folgen wird, wie es schon nach dem Erfolg von „Die Tore der Welt“ der Fall war.
„Sturz der Titanen“ beginnt im Juni 1911 und endet im Januar 1924, wobei ein großer Anteil der Geschichten sich in der Zeit des Ersten Weltkriegs abspielen. Hier schafft es Follett perfekt, die Schicksale der vielen Charaktere und Familien, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Ländern stammen, miteinander zu verknüpfen. So trifft der Grubenjunge Billy aus Wales auf den Russen Lev, der eigentlich von Russland nach Amerika auswandern wollte, aber betrogen wurde und in Wales gestrandet ist. Und Lady Maud Fitzherbert verliebt sich in den Deutschen Walter von Ulrich.
Viele interessante Charaktere, viele interessante Geschichten, alle irgendwie und irgendwo miteinander verbunden und keine davon auch nur eine Spur langweilig. Jeder Mann und jede Frau ist nicht einfach nur gut oder böse gezeichnet, Follett zeigt dem Hörer auch, warum sie so handeln und denken, wie sie es tun. Die gesellschaftliche Stellung und die Herkunft der Charaktere hat eine Menge damit zu tun, wie sie miteinander interagieren.
Einzig die mir persönlich zu detailliert geschilderten und zu häufig auftretenden Sex-Szenen bremsen die Handlung immer mal wieder ab. Aber auch nicht wirklich lange, denn während sich die einen ausruhen, erleben die anderen wieder etwas Interessantes.
Mein Hör-Eindruck:
Ken Follett persönlich begrüßt den Hörer als Einleitung der ersten CD auf Englisch. Er wünscht eine gute Unterhaltung und spricht am Ende seines Einleitungssatzes den Titel des Romans auch auf Deutsch aus. Dann folgt ruhige Ambientmusik, während eine Frauenstimme den männlichen Sprecher vorstellt. Nach ein wenig mehr Musik beginnt Johannes Steck mit seiner Arbeit, während die Musik ganz langsam ausgeblendet wird. Das schafft eine angenehme Stimmung und nimmt den Hörer ganz vorsichtig mit in die Story.
Und wenn Steck dann beginnt, vom Grubenjungen Billy zu erzählen, fällt dem Hörer gar nicht auf, dass im Hintergrund schon gar keine Untermalung mehr zu hören ist. So schnell schafft es Follett, den Hörer in seinen Bann zu ziehen – oder ist es Steck? Es ist bestimmt die Kombination aus beiden.
Nie aufdringlich oder nervend bearbeitet er die vielen unterschiedlichen Charaktere. Der jeweiligen Gesellschaftsstellung angemessen spricht er aristokratisch oder vulgär und gewöhnlich. Auch mit der Lautstärke seiner Stimme spielt Steck gekonnt. So deutet er nicht nur ein Brüllen an, er brüllt auch, allerdings entfernt er sich dafür vom Mikrofon, was den Effekt aber nicht schmälert. Jedem Charakter wird seine eigene individuelle Note verliehen, die einen hohen Wiedererkennungswert hat.
Steck ist dabei immer klar und deutlich zu verstehen und erzählt mit seiner angenehmen Stimmfarbe eine spannende und überaus interessante Geschichte.
Die Übersetzung
Normalerweise gehe ich nie gesondert auf die Übersetzung ein, besonders nicht bei einem Hörbuch, aber hier ist mir doch etwas äußerst unangenehm aufgefallen. Wie der Übersetzer auf die Idee kommt, dass Wörter wie „giggle“ (kichern) und „pal“ (Kumpel, Kamerad) als Anglizismus Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Kinder oder Näherinnen also „giggeln“, dann klingt es nicht nur unnatürlich, das ist es auch, denn im Gegensatz zum Wort „googeln“ gibt es dieses Wort im deutschen Sprachgebrauch nicht.
Des Weiteren schafft der Übersetzer es auch den derben Witz einer Näherin so seltsam und unlustig zu übersetzen, dass ich im Original nachschlagen musste, weil ich mir nicht erklären konnte, was an dieser Stelle denn nun so witzig sein sollte. Es stellte sich heraus, dass hier „itchy finger“ (juckender Finger) mit „Intimbereich“ übersetzt wurde, was den Witz komplett zerstört.
Und das sind nur die Stellen, die mir direkt aufgefallen sind. Es gibt bestimmt noch weitere, die nicht das wiedergeben, was der Autor beabsichtig hat.
Die Aufmachung
Die Aufmachung dieser Lesung ist wirklich ansprechend gemacht. Komplett auf Plastik verzichtend, kommt das Hörbuch in einem Pappschuber daher, in dem zwei Pappeinschübe stecken, die jeweils sechs CDs enthalten.
Bei den Einschüben hat man sich eine intelligente Aufbewahrungsart einfallen lassen. So stecken die einzelnen CDs jeweils bis zur Hälfte in einer Art Einschubtasche. Sie sind zwar leicht zu entnehmen, sitzen aber fest genug, um nicht herauszufallen. Hinter den CDs und auf den Einschubtaschen sind weitere Informationen zum Buch, Bilder von Autor und Sprecher, Auszüge aus „Sturz der Titanen“, eine Aufstellung der beschriebenen Charaktere, und das sind eine Menge Personen, Schwarz/Weiß-Zeichnungen und bei CD 7 – 12 Werbung für weitere Ken-Follett-Lesungen aufgedruckt. So stört es nicht weiter, dass es kein Booklet gibt.
Was allerdings stört, ist ein starker Geruch nach Chemie, der sich sofort verbreitet, nachdem die Box von der Plastikfolie befreit wurde. Nach ein paar Tagen war dieser Geruch allerdings verflogen.
Die Fortsetzungen
In den nächsten beiden Bänden der Reihe wird Follett den kommenden Generationen der bekannten Familien folgen, die sich mit weiteren geschichtlichen Großereignissen auseinandersetzen müssen. Und Nachwuchs gibt es so viel, wie es in „Sturz der Titanen“ Sex gibt.
Der Sprecher
Johannes Steck, Jahrgang 1966, ist Schauspieler und Sprecher. Nach einer Ausbildung zum Theatermaler am Staatstheater Braunschweig studierte er an der Schauspielschule Prof. Krauss in Wien. Verschiedene Engagement an deutschen Bühnen folgten, zum Beispiel am Schauspielhaus Chemnitz, am Stadttheater Würzburg und am Staatstheater Darmstadt. Danach zog es ihn verstärkt zum Fernsehen. Er war über vier Jahre in einer Hauptrolle in der ARD-Fernsehserie „In aller Freundschaft“ zu sehen, spielte aber auch in „Forsthaus Falkenau“, „Soko Leipzig“ und „Die Wache“. Seit 2004 widmet sich Johannes Steck verstärkt seiner Leidenschaft – den Hörbüchern. (Verlagsinfo)
Mein Fazit:
Ein tolles Hörbuch und ein toller Sprecher. Eine sehr gut recherchierte und ebenso spannende Geschichte mit vielen unterschiedlichen Charakteren, die in einer interessanten Zeit leben. Kein Sturz für den Titan Ken Follett.
12 Audio-CDs mit 15:30 Stunden Spieldauer, aufgeteilt auf 157 Tracks Originaltitel: Fall of the Giants Gesprochen von Johannes Steck ISBN-13: 978-3785744000 www.luebbe-audio.de Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)
Eine der großartigsten literarischen Schöpfungen unserer Zeit ist Frank Herbert mit seinem Epos um den Planeten Arrakis gelungen, zu dem er selbst nur sechs Romane beisteuerte. Das Konzept, von Herbert als Hintergrund und Basis seiner Geschichte entwickelt, diente in den letzten Jahren einem Autorengespann aus seinem Sohn Brian Herbert und dem „Star Wars“-Schreiber Kevin J. Anderson als Aufhänger für eine beinahe ausufernde Ausschlachtung des Mythos‘ um Dune, wobei sie erst zuletzt die eigentliche unvollendete Saga des Schöpfers zu einem Ende führten.
Lübbe Audio produziert inzwischen die Hörbücher um den ursprünglichen „Dune“-Zyklus, und zwar in einer monumentalen Anstrengung. Allein der erste Roman musste in zwei Teile gehackt werden und umfasst insgesamt ca. 1603 Minuten Spieldauer.
In diesem eigentlich zweiten Teil der Saga ist Paul Muad’dib Imperator und religiöser wie weltlicher Herrscher in einer Person. Seine Schwester Alia führt die Kirche persönlich in allen Belangen ihrer Entwicklung und Verschmelzung mit dem Staatswesen, und es wird deutlich, dass Paul teils nicht richtig über ihre Machenschaften informiert ist, beziehungsweise sich kein echtes Bild von den Folgen ihrer Vergöttlichung gemacht hat. Paul kümmert sich mehr um die weltlichen Belange des Imperiums, sein Regierungsinstrument sind aber fanatische religiöse Fremen.
Noch immer tobt der Djihad der Fremen durch die Galaxis, obwohl Paul weder seine Entstehung noch sein weiteres Fortdauern gutheißt. Er ist durch seine Visionen gequält und folgt einem visionären Weg, der der Menschheit das Überleben sichern soll.
Inzwischen formiert sich ein Widerstand unter geistigem Schutz eines Navigators der Gilde, der durch seine eigenen seherischen Fähigkeiten einen schützenden Bereich um die ihn betreffenden Gedanken und Personen legt, so dass Pauls Visionen darauf keinen Zugriff haben. Beteiligt sind Gruppierungen der Bene Gesserit, die ihr Genprojekt wieder unter Gewalt bekommen wollen, die Gilde, der Pauls Gewürzmonopol gegen den Strich geht sowie die Wesen von Tleilax, deren Interessen verborgen bleiben.
Plan ist, ein Kind Pauls und Irulans auf den Thron zu bringen, sowie Paul und seine Schwester zu töten. Doch gegen die Intrigen Irulans und ihrer Hinterleute wird Pauls Frau Chani endlich schwanger und gebärt die neuen Thronfolger, während Paul selbst mit einem ernst zu nehmenden Hinterhalt konfrontiert wird …
Die Geschichte des Wüstenplaneten, ihre Idee und der Inhalt schon sind faszinierende Details, doch was sie einzigartig macht, ist das Genie, mit dem Frank Herbert seine Sage erzählt. Mit Blick auf heutige Romane würde man Herberts Bücher fast als langatmig und ruhig dahin plätschernd bezeichnen, doch nur, weil heutige Romane meist von Action, coolen Agenten, Explosionen und schönen Frauen dominiert werden. Herbert belebt seine Figuren und seine Geschichte auf andere Art: Er lässt sie reden und tiefgründige Gedanken wälzen. Die Diskussionen seiner Protagonisten sind niemals trivial oder dienen allein der Unterhaltung, sie zielen immer auf Erkenntnisse und haben einen heute schwer anzutreffenden Tiefgang. Die wenigen Kämpfe, die Herbert in diesem Roman ausfechten lässt, handeln nicht von langen Schlagabtauschen mit verrückten Finten oder großkalibrigen Waffen, sondern sie finden vor allem im Geist der Betroffenen statt. Die ausgeführten Bewegungen erscheinen dagegen wirklich einfach, doch kommt auch hier kein unbefriedigender Eindruck zustande, denn diese Bewegungen sind erst das Ergebnis des geistigen Schlagabtauschs und Ausdruck des Überlegenen. Auch wenn Herbert nicht immer den geistig Überlegenen auch körperlich überleben lässt …
In diesem kürzesten Roman der Reihe wird man erschlagen von den Intrigen, die um die Thronfolge, die wirtschaftliche und religiöse Macht, das Leben und Sterben der Atreides gesponnen werden. Das macht zwar die Spannung und den Charakter des Romans aus, gestaltet ihn aber auch recht zähflüssig, bis die Steine endlich ins Rollen kommen und Pauls Visionen so stark werden, dass er ihnen nicht mehr entkommen kann. Er sieht sein Schicksal voraus, erkennt aber auch, was Änderungen daran mit der menschlichen Zukunft anrichten würden und richtet seine Handlungen bewusst direkt und wortgetreu nach den Visionen, um sie zu manifestieren. Sein eigenes Schicksal erscheint ihm dabei zweitrangig, ja, eigentlich kann man in ihm eine Todessehnsucht feststellen, die allerdings wieder hinter die größeren Nöte und Zusammenhänge gestellt wird.
Eine der faszinierendsten Szenen ist der Moment, in dem Pauls Sohn die Augen aufschlägt und eine einmalige Verbindung seinen blinden Vater durch die neugeborenen Augen seines Sohnes sehen lässt. Herbert produziert hier ein eindringliches Ereignis von solcher Bildhaftigkeit und Ausdrucksstärke, dass einem sprachlos die Kinnlade herabfällt und man nur noch genießen kann.
Die Umsetzung als Hörbuch zeugt von großer Professionalität und ist angenehm und eindringlich zu hören. Simon Jäger als Leser des eigentlichen Romans verfügt über eine enorme Modulationsfähigkeit der Stimme, so dass er der Stimmung und der Unterschiedlichkeit seiner Protagonisten mehr als gerecht wird. Mit ihm als Leser gewinnen die aufwühlenden Gedanken Herberts große Klarheit und es ist ein wohliges Gefühl von Großartigkeit, ihm zuzuhören.
Etwas anders Marianne Rosenberg. Sie trägt die einleitenden Auszüge vor, die Herbert seinen Kapiteln als Auszüge aus Artikeln, Chroniken oder Tagebüchern oder Briefen voranstellt. Im gedruckten Roman heben sich diese Auszüge durch Schrägstellung der Schrift ab, so dass die Wahl eines separaten Lesers hierfür durchaus gerechtfertigt ist. Rosenberg trägt die Artikel jedoch in unglücklicher Betonung vor, so dass man recht angestrengt zuhören muss, um die oft komplexen Sätze richtig zu verstehen.
Insgesamt ist auch dieser zweite Teil ein Hörgenuss, und wenn man erst die schwergängigen Phasen der Intrigenbildung überwunden hat, erlebt man die Geschichte hautnah und eindringlich, was noch verstärkt wird durch die Darstellung Pauls als blinden Seher, durch den der ebenfalls blinde Leser/Zuhörer in gleicher Weise in der Geschichte lebt.
573 Minuten auf 8 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3724-8
Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)
Frank Herberts „Wüstenplanet“ ist unbestreitbar eine der bekanntesten und faszinierendsten Schöpfungen, die die moderne Literatur hervor gebracht hat. Lübbe Audio verlegt nun die einzigartige Romanreihe in ungekürzter Lesung – ein enormes Projekt mit umfangreichem Ergebnis, denn allein dieser dritte Teil der Reihe umfasst siebzehn silberne Scheiben. Aber es lohnt sich!
Nach Paul Muad’dibs Weggang wachsen seine Kinder, die Zwillinge Ghanima und Leto II., in der Obhut Alias und Stilgars, eines Naib der Fremen, auf. Derweil verwaltet Alia das Imperium im Namen der Kinder ihres Bruders, doch mehrt sich der Widerstand gegen sie und ihre absolutistische Priesterschaft, die aus Muad’dib einen gottgleichen Helden machen.
Die Zwillinge, beide gleich Alia Vorgeborene und damit im Besitz aller Erinnerungen und Erfahrungen ihrer Vorfahren, suchen nach einem Weg, ihrer Bestimmung gerecht zu werden, denn mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten besitzen sie die Macht, die Menschheit vor dem Untergang zu beschützen und statt dessen in eine Zukunft zu führen, die ihr das Überleben sichert. Dabei leben die Zwillinge in der steten Sorge, gleich ihrer Tante den „Inneren Leben“, wie sie ihre Vorfahren nennen, anheim zu fallen und zu „Abscheulichkeiten“ zu werden. Bei Alia mehren sich die Anzeichen ihrer Besessenheit, bis nicht nur die Kinder, sondern auch ihr Ehemann Duncan Idaho und ihre Mutter, die Bene Gesserit Lady Jessica, die leere Hülle durchschauen und in ihr den größten Feind der Familie Atreides erkennen, der sich Alias bemächtigt hat.
Jessica selbst und hinter ihr die Bene Gesserit verfolgen eigene Ziele, um wieder in den Besitz des Erbguts und der Macht über die Zwillinge zu gelangen. Das Haus Corrino, das vormals den Imperator stellte, sucht nach Wegen, die Macht zurück zu erlangen, und die Gilde der Navigatoren sowie andere mächtige Parteien ringen um Einfluss auf Arrakis und den Zugang zur Melange, dem Gewürz, das einzig auf Arrakis, dem Wüstenplaneten, zu gewinnen ist und zum Beispiel den Navigatoren ihre Fähigkeiten verleiht. Die Intrigen von allen Seiten spitzen sich zu, bis ein Anschlag auf das Leben der Zwillinge nur knapp abgewehrt werden kann und Ghanima alle Welt überzeugt, Leto sei ein Opfer des Attentats geworden. Nun trennen sich die Wege der Unzertrennlichen, denn sie verfolgen den einzigen Weg, den ihnen eine Vision ihres Vaters Paul Muad’dib zeigte: Den Goldenen Pfad …
Die Geschichte des Wüstenplaneten, ihre Idee und der Inhalt schon sind faszinierende Details, doch was sie einzigartig macht, ist das Genie, mit dem Frank Herbert seine Sage erzählt. Mit Blick auf heutige Romane würde man Herberts Bücher fast als langatmig und ruhig dahin plätschernd bezeichnen, doch nur, weil heutige Romane meist von Action, coolen Agenten, Explosionen und schönen Frauen dominiert werden. Herbert belebt seine Figuren und seine Geschichte auf andere Art: Er lässt sie reden und tiefgründige Gedanken wälzen. Die Diskussionen seiner Protagonisten sind niemals trivial oder dienen allein der Unterhaltung, sie zielen immer auf Erkenntnisse und haben einen heute schwer anzutreffenden Tiefgang. Die wenigen Kämpfe, die Herbert in diesem Roman ausfechten lässt, handeln nicht von langen Schlagabtauschen mit verrückten Finten oder großkalibrigen Waffen, sondern sie finden vor allem im Geist der Betroffenen statt. Die ausgeführten Bewegungen erscheinen dagegen wirklich einfach, doch kommt auch hier kein unbefriedigender Eindruck zu Stande, denn diese Bewegungen sind erst das Ergebnis des geistigen Schlagabtauschs und Ausdruck des Überlegenen. Auch wenn Herbert nicht immer den geistig Überlegenen auch körperlich überleben lässt …
Leto Atreides wirft das Andenken Muad’dibs von seinem Sockel, wenn auch mit Hilfe eben diesen, doch rührt es ein wenig schmerzlich an, wenn der Held der beiden ersten Bände nun erneut auf seinen Sohn trifft und diesem nicht nur unterlegen ist, sondern auch mit seiner Opferbereitschaft nicht gleichziehen kann. Doch hier sehen wir, dass Herbert die Sentimentalität zu seinen Protagonisten immer zu Gunsten der Geschichte ignoriert und damit auch immer für überraschende Wendungen gut ist. Wir erhalten durch Letos Visionen und Gedankengänge einen ersten Einblick in die Zukunft – nicht nur der Menschheit, sondern auch der Romanreihe, deren nächster Titel „Der Gottkaiser des Wüstenplaneten“ bereits die Richtung andeutet. Ghanima dagegen, die zwar eine starke Persönlichkeit ist, aber im gesamten Roman weit hinter Leto zurück bleibt, wird sicherlich auch im weiteren Zyklusverlauf schneller verblassen als ihr Bruder.
In Szenenwechseln beleuchtet Herbert verschiedene Handlungsebenen, die sich meist in Intrigen und gegenseitiger Beeinflussung winden und aus denen nur die überlegenen Geister erfolgreich hervorgehen. Und so entsteht ein komplexes Bild der galaktischen Abhängigkeiten und unterschiedlichen Zielen aller wichtigen Machtgruppen oder Einzelpersonen, das sich immer mehr verwebt und schließlich doch nur ein winziges Teil im großen Plan von Leto II. darstellt, beziehungsweise gegen seine eigenen Vorstellungen keinen Bestand hat und sich ihm beugen muss.
Der Hörer, der sich inzwischen an die Eigenschaften des Wüstenplaneten Arrakis gewöhnt hat, muss mit Entsetzen feststellen, dass die von Liet Kynes angestrebten Umweltveränderungen langsam greifen und auf Arrakis das Grün auf dem Vormarsch ist – bleibt der Titel der Reihe weiterhin gerechtfertigt oder müssen wir uns in Zukunft, so wie auch Leto es prognostiziert, ohne Sandwürmer durch die saftigen Wiesen des Planeten schlagen?
Die Umsetzung als Hörbuch zeugt von großer Professionalität und ist angenehm und eindringlich zu hören. Simon Jäger als Leser des eigentlichen Romans verfügt über eine enorme Modulationsfähigkeit der Stimme, so dass er der Stimmung und der Unterschiedlichkeit seiner Protagonisten mehr als gerecht wird. Mit ihm als Leser gewinnen die aufwühlenden Gedanken Herberts große Klarheit und es ist ein wohliges Gefühl von Großartigkeit, ihm zuzuhören.
Etwas anders Marianne Rosenberg. Sie trägt die einleitenden Auszüge vor, die Herbert seinen Kapiteln als Auszüge aus Artikeln, Chroniken oder Tagebüchern oder Briefen voran stellt. Im gedruckten Roman heben sich diese Auszüge durch Schrägstellung der Schrift ab, so dass die Wahl eines separaten Lesers hierfür durchaus gerechtfertigt ist. Rosenberg trägt die Artikel jedoch in unglücklicher Betonung vor, so dass man recht angestrengt zuhören muss, um die oft komplexen Sätze richtig zu verstehen.
Trotz des Umfangs ein Hörbuch ohne Längen, uneingeschränkt ein Genuss, ein wichtiger und faszinierender Teil von Herberts Meisterwerk. Sehr hörenswert, vor allem, da es eine ungekürzte Fassung ist.