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Clive Barker – Das dritte Buch des Blutes (Lesung)

Der Leichentuchkiller: Wildwest in Soho

Leser mit schwachen Nerven seien gewarnt: Clive Barker ist nichts für zart besaitete Gemüter! In seinen phantastischen Geschichten beschwört er voller Wortgewalt das Grauen und geht über alles hinaus, was man sich in seinen schlimmsten Alpträumen vorgestellt hat. (Verlagsinfo) Für seine „Bücher des Blutes“ bekam Clive Barker 1985 den |World|- und den |British Fantasy Award|. Seine Schrecken sind (meist) in der realen Welt angesiedelt, im Hier und Jetzt, oft sogar mitten in der Großstadt.

Das Hörbuch enthält zwei ausgewählte Erzählungen und ist für Hörer ab 14 Jahren zu empfehlen.

Der Autor

Clive Barker, 1952 in Liverpool geboren, ist der Autor von bislang zwanzig Büchern, darunter die sechs „Bücher des Blutes“. Sein erstes Buch für Kinder trägt den Titel „The Thief of Always“ (Das Haus der verschwundenen Jahre). Er ist darüber hinaus ein bekannter bildender Künstler, Filmproduzent und -regisseur [(„Hellraiser 1“) 2433 sowie Computerspiel-Designer

Er lebt in Beverly Hills, Kalifornien, mit seinem Lebenspartner, dem Fotografen David Armstrong, und ihrer Tochter Nicole. Sie teilen sich das Haus mit vier Hunden, fünf Goldfischen, fünfzehn Ratten, unzähligen wilden Geckos und einem Papagei namens Malingo.

Seit 2002 veröffentlicht Barker einen Zyklus von wunderschön illustrierten Kinderbüchern mit dem Titel [„Abarat“. 1476 Alle Bücher spielen in der titelgebenden Fantasywelt, die – wie könnte es anders sein – auch einige teuflische Figuren vorweisen kann. Sie machen der 16-jährige Heldin Candy Quackenbush das Leben im Abarat schwer.

Der Sprecher und andere Mitwirkende

Matthias Koeberlin, geboren 1974, absolvierte die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam. Für seine Verkörperung des Ben in „Ben & Maria – Liebe auf den zweiten Blick“ erhielt er den Günther-Strack-Fernsehpreis. Für seine Interpretation des Lübbe-Hörbuchs [„Das Jesus-Video“ 267 wurde er für den Deutschen Hörbuchpreis des WDR (2003) nominiert. In der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers spielte er den Stephen Foxx.

Regie führte Kerstin Kaiser, die musikalischen Motive stammen von Andy Matern.

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu-Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

Das Hörbuch bietet lediglich eine Auswahl aus den Storys des Buches, das 1984 erstmals erschien.

Die Erzählungen

1) Sündenböcke

Auf einem Segeltörn stranden die vier jungen Besatzungsmitglieder auf einer winzigen Hebrideninsel vor Schottland. Raymond, Jonathan, Angela und Frankie, die Köchin. Ray, der irgendwie das Kommando übernommen zu haben scheint, flucht über Nebel, Funkstille und überhaupt alles, was ihm über den Weg läuft. Nach einer Weile des Herumärgerns machen sich die vier Twens auf den Weg, um die öde Insel zu erkunden, auf der ihre |Emmanuelle| gestrandet ist.

Sie machen ein paar beunruhigende Entdeckungen. Erst einmal: Es wohnt keine Menschenseele hier, und es stinkt erbärmlich. Unrat und massenhaft Fliegen wirken nicht gerade einladend. Auf der anderen Seite stoßen sie auf einen Pferch, in dem drei krank aussehende Schafe weiden. Seltsam: Hat man die Viecher hier ausgesetzt? Aber wofür? Jonathan, der besoffen ist, nennt Angela, die zu Ray gehört, ein „dummes Luder“, und Frankie nennt ihn dafür ein „fieses Schwein“. Jonathan wiederum flucht über die „bekackten Schafe“, von denen eines zusammengebrochen ist. Mit einem Stein schlägt er dem wehrlosen Tier den Schädel ein. Als er wieder aus seinem Blutrausch erwacht, kotzt er sich die Seele aus dem Leib.

Frankie, die angeekelt ist, wundert sich über den Gestank und die ständig rieselnden und klappernden Steinlawinen. Was kann sie bloß verursachen? Inzwischen hat Ray herausgefunden, dass diese Insel ein Grabhügel für die Gefallenen der Weltkriege ist. Sie wurden hier angeschwemmt. Einer der kullernden Stein trifft Jonathans Schädel und schlägt ihn ein.

Da taucht ein Einheimischer auf, ein Fischer, wie es scheint. Er jammert: „Was habt ihr angerichtet? Ihre Gaben …“ Er hat das getötete Schaf gesehen. Die Schafe waren Gaben der Anerkennung an die Toten.

Diesen Frevel sollen die Anwesenden, ob Besucher oder Einheimische, mit dem Leben bezahlen. Denn nun machen sich alle Steine der Insel auf verhängnisvolle Weise selbständig …

Mein Eindruck

Die Erzählung greift drei Themen auf und verknüpft sie auf komplexe Weise. Die vier Reisenden auf dem Boot mit dem bezeichnenden Namen „Emmanuelle“ sind nicht miteinander verheiratet und frönen der freien Liebe, wenn auch nicht untereinander, sondern in den Paaren Ray & Angela sowie Frankie & Jonathan. Ihre lustbetonte Weltanschauung wird konfrontiert mit den zwei Themen Tod und Religion. Der Grabhügel gehört den Toten, welche nach Anerkennung heischen wie auf einem Friedhof. Stattdessen verhöhnt der besoffene Jonathan die Toten, indem er die Gabe der Anerkennung, eines der Schafe, mutwillig erschlägt.

Obwohl von Kreuzen und Kirchen weit und breit nicht die Rede ist, hat Jonathan dennoch gegen ein religiöses Gebot verstoßen: Ehrung der Toten. Die Sühne des Frevel kann nur in seinem eigenen Tod bestehen, doch dabei bleibt es nicht: Alle müssen sterben, damit sie sich dem Totenheer anschließen, selbst die relativ unschuldige Frankie.

Von Anfang an spielt der Text auf Jesus an. Raymond, der Anführer, soll einen „Jesus-Komplex“ haben, und seine Freundin Angela versucht „die Speisung der Fünftausend“. Ray schließlich sieht im Tod aus, als wolle er übers Wasser wandeln, doch er ist nur eine Marionette jener Puppenspieler, die auf der Insel der Toten das Sagen haben. Diese Puppenspieler haben für Jesus genauso wenig übrig wie Ray. Sie sind Heiden und verlangen Anerkennung, Huldigung. Ihre Strafe für Frevel ist nicht nicht christliche Vergebung, sondern heidnische Vergeltung. Die Opfer werden selbst Mitglieder des Totenreichs.

2) Bekenntnisse eines (Pornografen-) Leichentuchs

Ronny Glass, 32, dementiert, dass er jemals ein Pornograph gewesen sei, ja, er mochte nicht mal Sex, denn er war schließlich mit Bernadette, einer braven Katholikin, verheiratet und hatte zwei ebenso brave Töchter mit ihr. Der Buchhalter hatte nur ein einziges Laster, das ihm zum Verhängnis wurde: Habgier.

Eines Tages bot ihm ein Unternehmer namens McGuire einen Buchhaltungsjob in Soho an, den Ronny gleich hätte ablehnen sollen. Aber wie gesagt: Habgier. Und McGuire ist großzügig, denn er braucht Ronny, um seinem zwielichtigen Unternehmen einen seriösen Anstrich zu verleihen. Worin dieses besteht, entdeckt Ronny nur durch Zufall. Er stolpert in die Lagerhalle, und da stehen sie: Paletten voller Pornomagazine. Ronny kann sich kaum sattsehen an den Schweinereien. „Sex pur! Grauenvoll!“ Diese Ablehnung amüsiert McGuire keineswegs und er droht, Ronnys guten Ruf zu zerstören, sollte er nicht kooperieren. Angstvoll haut Ronny zu, doch McGuire schlägt zurück.

Ronny muss Bernadette anlügen und kann nicht schlafen. Am Sonntag ist seine Ehe ruiniert, sein Ruf zerstört: Die Sonntagszeitungen pfeifen es von allen Dächern, dass er ein Pornograph sei. Seltsam, dass McGuire kein einziges Mal erwähnt wird. Ronny sinnt auf Mord und greift McGuire und dessen Männer tätlich an, doch er zieht schließlich den Kürzeren und landet in der Leichenhalle. Hier beginnt Ronnys zweites Leben.

Nachdem sich sein Geist in das Leichentuch übertragen hat, bevor der Körper entsorgt wird, kann sich Ronny wieder auf den Weg machen, um seine Rache zu vollenden. Doch wie stellt es ein Leichentuch an, einen schwer bewachten Gangsterboss um die Ecke zu bringen?

Mein Eindruck

Thematisch dreht sich die Story um die Verflechtung der Unterwelt mit der Polizei, auch wenn es sich „nur“ um so genannte Pornographen handelt (von denen es in Merry Old England einige gibt) sowie um die Verstrickung eines unbescholtenen Mannes mit diesen kriminellen Kreisen.

In erzählerischer Hinsicht entwickelt sich die anfängliche Blut & Mord-Story zu einer immens grotesken Gespenstergeschichte. Ein auf der Straße wandelndes weißes Leinentuch, das Mordgedanken hegt? Wie lächerlich? Doch der Autor hieße nicht Barker, wenn er dieses irrsinnige Konzept nicht mit tödlicher Präzision und Beharrlichkeit ins Ziel steuern würde. Auch am finalen Schauplatz des Showdowns hagelt es wieder groteske Momente, so etwa der, als McGuire entdeckt, dass es seine Frau mit seinem Leibwächter treibt. Da fliegen wieder die blauen Bohnen um die Wette!

Doch was wird aus Ronny, dem heroisch rächenden Buchhalter mit den ungeahnten Machoqualitäten? Er endet als Wischtuch in einer Kirche. Dort haben die Spermaflecken, die der Pfarrer beim Fotografieren einer Nutte verursacht, schließlich nichts zu suchen. Der Kreis der Sünde schließt sich.

Der Sprecher

Als ausgebildeter Schauspieler weiß Koeberlin seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Auch die Aussprache aller englischen Namen und Bezeichnungen geht reibungslos vonstatten. Aber die Flexibilität seiner Stimme scheint noch relativ begrenzt zu sein. Der weiblichen Stimmlage passt sich Koeberlin ein wenig an. Selten sinkt die Lautstärke zu einem Flüstern herab oder erhebt sich zu einem Fauchen. Keuchen, Zischen, sogar Würgen gehören zum breiten Repertoire der situationsbetonten Darstellung.

Die Betonung hat sich inzwischen der des |Lübbe|-Stammgastes David Nathan angenähert, und das tut Koeberlins Vortrag sichtlich gut. Er ist wesentlich eindringlicher als noch beim „ersten Buch des Blutes“, besonders in der grotesken „Leichentuch“-Erzählung. Seine stimmliche Darstellung im Zusammenspiel mit den Soundeffekten und der Hintergrundmusik bildet ein eindringliches Stück Kopfkino, das mir selbst nach Wochen immer noch in Erinnerung geblieben ist.

Die Musik

Die Musik von Matern ist dasjenige Stilelement, das den Zauber dieser Lesung ausmacht. Sie kommt selbstverständlich als Intro und Outro zum Einsatz, und regelmäßig ist an den spannenden und dramatischen, sprich; gruseligsten Stellen Hintergrundmusik zu hören. Diese nun aber zu charakterisieren, stellt sich als schwierige Aufgabe heraus. Ich konnte kein einzelnes Motiv heraushören, vielmehr handelt es sich um Klangfolgen mit klassischen Instrumenten (und wohl dem einen oder anderen Synthesizer), die eine Atmosphäre der Beunruhigung, Anspannung, kurzum: des Grauens erzeugen. Um diese Wirkung erzielen, hat Andy Matern jedenfalls ganze Arbeit geleistet.

Unterm Strich

Ich kann das Hörbuch mit Einschränkungen empfehlen. Eine Einschränkung betrifft das Fehlen von drei der fünf Erzählungen aus der literarischen Vorlage: „Rohkopf Rex“, „Der Zelluloidsohn“ und „Menschliche Überreste“. „Sündenböcke“, die erste Erzählung des Hörbuchs, verrät etwas von der Sprachgewalt und Stimmungsmalerei, zu der Barker in seinen besten Geschichten fähig ist. „Bekenntnisse eines (Pornographen-) Leichentuchs“ ist mehr auf groteske Effekte und handfeste Action aus, sozusagen die Wildwestversion einer Gespenstergeschichte.

Die seit dem „ersten Buch des Blutes“ beträchtlich verbesserte Vortragskunst des Sprechers eignet sich meines Erachtens gut für die dramatischeren gruseligen Stellen. Massiv wird Koeberlin unterstützt von Andy Materns ausgezeichnet passender Musik, die für die entsprechende Gänsehaut sorgt.

Books of Blood vol. 3, 1984
Aus dem Englischen übersetzt von Peter Kobbe
147 Minuten auf 2 CDs

http://www.luebbe-audio.de/

Rose Klay – Die Tochter – deiner Vergangenheit entkommst du nicht

Inhalt

In Kathis Familie sind schreckliche Dinge geschehen, und alle wissen es. Die alleinerziehende Mutter hat sich damit abgefunden, eine Außenseiterin zu sein. Doch seit kurzem benimmt sich ihre Tochter Lucy seltsam. Dann verschwindet ein Mädchen, das Lucy in der Schule das Leben zur Hölle macht. Und ausgerechnet Kathi hat es als letzte lebend gesehen. Wird man sie verdächtigen? Unterstützung findet sie nur bei der neu zugezogenen Jennifer. Aber während Kathi damit beschäftigt ist, sich von dem Verdacht zu befreien und die Geister der Vergangenheit zurückzudrängen, entgleitet ihr zunehmend die Kontrolle … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der flüssige, ausdrucksstarke Schreibstil hat mich sofort gepackt und nicht mehr losgelassen!

Das Buch beginnt mit einem ominösen Prolog, der wirklich neugierig macht, weil er genau so abrupt endet wie er beginnt. Die Gegebenheiten ab Kapitel eins scheinen lange keinen Bezug zu diesem hintergründigen Auftakt zu haben, sodass die Leserschaft erwartungsvoll im Dunkeln tappt.

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Robert Rankin – Warten auf Oho (Hörbuch)

Detektivparodie, Verschwörungsfantasie und metaphysische Komödie

Gott ist tot, und seine Frau Eartha ist sauer. Gott hat nämlich vor seinem Ableben die Erde seinem Sohn Colin vererbt, obwohl er sie ihr geschenkt hatte. Damit nicht genug, trachten nun Dämonen im Auftrag eines „Ministeriums für glückliche Zufälle“ (lies: Hölle) nach der Herrschaft über eben jene nichts ahnende Erde.

Moment, ein wenig Ahnung gibt es hinieden doch: ein Dieb und ein Privatschnüffler kommen der übelriechenden Sache aus ganz unterschiedlichen Richtungen auf die Spur. Doch nach dem zu urteilen, wie sie sich anstellen, ist das Schicksal Terras mehr als ungewiss…

„Warten auf Oho“ bezieht sich im Titel – sowohl des Originals wie auch in der Übersetzung – auf Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“. Allerdings ist Rankins Roman wesentlich lustiger, unterhaltsamer und wortreicher.
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King, Stephen – Trucks

_Hard Rock Café: Die Belagerung der Maschinen_

Führerlose Trucks handeln wie intelligente Wesen und versetzen die Besucher einer Raststätte in panischen Schrecken. Es kommt zu überraschenden symbiotischen Begegnungen der, wie sich denken lässt, unangenehmsten Art. (Verlagsinfo)

Dieses Hörbuch erschien erstmals im Dezember 1998.

_Der Autor_

Was kann man noch über Stephen King, einen der erfolgreichsten Autoren der Welt, sagen, was nicht schon jeder weiß? Er hat 1973 seinen ersten Roman, „Carrie“, verkauft, den er nachts in einem Wohnwagen auf einer alten Schreibmaschine tippte, während er tagsüber als unterbezahlter Englischlehrer arbeitete. Der Rest ist Geschichte, wie es so schön heißt.

Von seinem Magnum Opus, dem Epos um Roland und den Dunklen Turm, ist nach „Wolfsmond“ und „Susannah“ auch der letzte Teil erschienen: „Der Dunkle Turm“. So wird den King-Junkies der Lesestoff vorerst wohl nicht ausgehen. Und dann gibt es ja immer noch Richard Bachman … Zwischenzeitlich erschien seine Novelle „Colorado Kid“, zudem im März 2006 sein erster Roman nach längerer Pause: „Puls“.

_Der Sprecher_

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses.

_1) Handlung von „Trucks“_

Der Ich-Erzähler sitzt im Imbiss einer Raststätte unweit der Interstate-Autobahn, irgendwo an der Ostküste der USA. Ihm fallen am Parkplatz einige merkwürdige Dinge auf. Ein totes Mädchen liegt in der Nähe des Parkplatzes, und zwei Pkw wurden zertrümmert: sein eigener Camaro (noch nicht abbezahlt) und der Fury des jungen Pärchens, das im Imbiss Zuflucht gesucht hat. Draußen stehen jede Menge Laster, die ihre Motoren brummen lassen. Am Steuer sitzen keine Fahrer: Die Trucks steuern sich selbst …

Snodgrass, der Handelsvertreter, hat lang genug mit dem Pärchen gestritten und verliert die Nerven: Er rennt aus dem Imbiss, in der Absicht, den Abwassergraben zu erreichen und dort auf die Felder zu entkommen. Doch die Trucks habe seine Absicht offenbar sofort durchschaut. Sofort wird er von einem Laster verfolgt und in den Graben geschubst. Der Aufprall ist nicht schwer, und Snodgrass stirbt auch nicht daran, aber er ist bewegungsunfähig. Und was noch schlimmer ist: Niemand kann seinen Bitten um Hilfe Folge leisten, denn sonst wäre der Helfer dem gleichen Schicksal ausgeliefert. Das Mädchen ist sehr traurig.

Aber es kommt noch heftiger. Um 20:30 Uhr fällt der Strom aus. Das bedeutet, dass die Lebensmittel vergammeln werden. Und da die Pumpen ausgefallen sind, gibt es auch kein Wasser. Nichts war’s mit der vierwöchigen Belagerung. Der Erzähler und der Junge, Jerry, wagen einen Ausfall zum Toilettenhäuschen. Sie schaffen es unbemerkt, doch der Rückweg ist umso schlimmer: Ein Truck schrammt an der Außenwand entlang und reißt die Tür des Seiteneingangs komplett weg. Sie müssen sich verbarrikadieren.

Am nächsten Morgen hebt ein seltsames Hupkonzert an. Jerry, der bei den Pfadfindern war, erkennt einen Morsecode. Die Trucks stellen eine Forderung: Ein Mensch soll sie betanken, und ihm soll nichts geschehen. Wenn ihre Bitte nicht erfüllt wird, dann … rückt die Planierraupe an und beginnt, den Imbiss zum Einsturz zu bringen.

Das ist das Äußerste, finden die belagerten Menschen. Sich zum Sklaven der Maschinen machen? Kommt nicht in die Tüte! Sie fertigen Molotow-Cocktails an und gehen zum Gegenangriff über.

_Mein Eindruck_

Durch eine einfache Inversion der bestehenden Verhältnisse schafft Stephen King eine bedrohliche Situation: Die Maschinen übernehmen die Herrschaft. Bislang beliebten wir zu denken, es wäre andersherum. Falsch gedacht, findet der Erzähler der Geschichte. Haben wir nicht über jede halbwegs attraktive und zugängliche Landschaft eine Asphaltpiste gelegt? Haben wir nicht Schneisen durch Gebirge geschnitten und Brücken über Täler gelegt, damit wir Autobahnen für die lieben Maschinen verlegen konnten? Haben wir nicht ganze Ölfelder leer gepumpt, um Treibstoff für die hungrigen Maschinen zu beschaffen? Und wurden nicht ganze Städte wie etwa Wolfsburg aus dem Boden gestampft, nur um Maschinen – Fahrzeuge zumal – bauen zu können?

Und wenn dann ab und zu mal ein Menschlein von einer Maschine zu Tode gebracht – sagen wir mal: überfahren oder eingequetscht – wurde, haben wir dann nicht unser Gewissen mit der Ausrede beruhigt, wir seine auf die Maschinen angewiesen? Wie hoch der Preis wirklich ist, zeigt der einfache Erzählkniff Kings: Stecke ein paar Leute in eine Schachtel von Imbiss und lasse die Maschinen auf sie los.

Natürlich gibt es da ein paar Schwächen: Wie verständigen sich die Trucks untereinander – CB-Funk? Wie können sie sehen oder hören? Wie man sieht, ist eine gewisse Vermenschlichung und Dämonisierung nötig, um die Geschichte völlig glaubhaft zu machen. Aber sie soll ja auch nur als eine Metapher für die oben beschriebene Abhängigkeit dienen. Und wir sind fleißig dabei, uns selbst überflüssig zu machen …

2) Handlung von „Der Rasenmähermann“_

Harold Parkette ist nicht nur stolz auf seinen Rasen, sondern auch auf seinen Rasenmäher. Für einmal Rasenmähen zahlt er dem Jungen stattliche fünf Dollar. Das ging jahraus, jahrein gut, bis der Hund des Nachbarn Castenmeyer die Katze von Smiths nebenan unter den Mäher jagte. Es gab eine Riesensauerei. Sicherheitshalber brachte er seinen chromblinkenden Superrasenmäher weg. Das war im Oktober.

Der Frühling ins Land, der Sommer strahlt. Doch Harold rührt keinen Finger, um seinen Rasen zu mähen. Ganz besonders dann nicht, seit der Mäherjunge weggezogen ist. Es wächst eine wunderschöne Wiese auf seinem Grundstück. Dort versteckt sich erst ein Mädchen, dann entdeckt Harold dort ein Waldmurmeltier. Ein Warnsignal, das er nicht ignorieren kann. Wenn hier erst einmal die Wildnis einzieht, wieso wohnt er dann noch hier?

Als Antwort auf die Annonce der Firma Pastoral fordert er einen menschlichen Rasenmähermann an. Dieser kreuzt auch alsbald auf, der leutselige und burschikos auftretende Fettwanst ist Harold nicht ganz geheuer. Und dass er „Bei Circe!“ ausruft, findet er ebenfalls recht sonderbar. Was hat der Typ mit legendären Zauberinnen zu schaffen?

Aus seinem Nachmittagsschlummer weckt Harold ein infernalisches Dröhnen. Der Rasenmäher fegt durchs Gras, das ist okay. Aber niemand schiebt ihn! Und gleich dahinter trabt ein Wesen, bei dem Harold Mühe hat, es als den Rasenmähermann zu identifizieren. Er hat sich nackt ausgezogen und frisst das frisch geschnittene Gras in sich hinein! Auch vor einem frisch getöteten Maulwurf machen seine mahlenden Kiefer nicht Halt. Harold kotzt zuerst und wird dann ohnmächtig. (Rockstars machen es umkehrt und gehen dabei drauf. Nicht so Harold.)

Als der Rasenmähermann ihn weckt, ist der Rasen picobello gemäht. Womit Harold aber ein Problem hat, sind die gespaltenen Füße des Helfers und seine grüne Behaarung …

_Mein Eindruck_

Auch hier treffen wieder Natur, Mensch und Maschine aufeinander. Das erfolgt auf recht groteske Weise. Harolds Welt ist ein suburbanes Nimmerland, wo nur die Baseballspiele und Aktiennotierungen eine Rolle spielen. Sein Familienleben ist längst zerrüttet, und nach dem Unfall mit Smiths Katze geht eh alles den Bach runter. Der moralischen Verwilderung folgt die florale. Seine Wiese ist eine Einladung an die Wildnis zurückzukehren. Sein Ruf nach dem Rasenmähermann wird folglich nicht von den Kräften der US-Kultur beantwortet, sondern von einer weitaus älteren Macht: dem Großen Gott Pan. (Daher die Verbindung zur Zauberin Circe.)

Die Folgen sind für Harold, der sich nun gegen die Geister, die er rief, wehrt, recht drastisch. Götter mögen es nicht, wenn man die Polizei auf sie hetzt. Die Sergeants und Deputys finden Harolds sterbliche Überreste im Vogelbad, der Schnittstelle der Begegnung zwischen Mensch und Natur. Etwas ist hier für Harold offenbar schlecht gelaufen. Seine Lektion: Die Natur immer schön kurz halten, wenn man in der Vorstadt wohnt. Sie könnte sonst zurückschlagen.

_Der Sprecher_

Joachim Kerzel bewältigt zwei ganz unterschiedliche Aufgaben mit Bravour. „Trucks“ ist moderner Horror pur, doch „Der Rasenmähermann“ ist eine Fantasygroteske. Mit seiner tiefen Stimme gelingt es Kerzel, die Gefahr in „Trucks“ ziemlich deutlich zum Ausdruck zu bringen. Die Expedition zum Toilettenhäuschen ist in dieser Hinsicht ein Höhepunkt, so seltsam das auch klingen mag.

In „Der Rasenmähermann“ ist stattdessen Humor gefragt. Auf der einen Seite haben wir den auf Bequemlichkeit bedachten Antihelden Harold Parkette, der auf einmal aufgescheucht und – in seinen Augen – maximalem Horror ausgesetzt wird. Auf der anderen Seite haben wir den ein wenig zu leutselig und hemdsärmelig wirkenden Rasenmähermann (der nie seinen Namen nennt), der Harolds heiligen Rasen mit seiner etwas unorthodoxen Methode traktiert. Und wer seinen Boss beleidigt, der bekommt seinen Zorn zu spüren – und den seiner Maschine … Auch diese Attacke liest Kerzel mit wundervoller Energie vor, so dass man sich Harolds Not lebhaft vorstellen kann.

_Die Musik_

Die Musik spielt eine wichtige Rolle, aber diesmal besteht sie nicht aus den gewohnten Streichermotiven, sondern aus richtig gutem Hard-Rock-Sound. „Trucks“ hat ein Intro, das jedes Heavy-Metal-Albums würdig wäre. Immer wieder ist die E-Gitarre zu hören, und vielleicht drängt sie sich auch ein wenig zu sehr in den Vordergrund. In „Der Rasenmähermann“ erschallt eine Kombination aus Hard Rock und funkigen Bläsern, die geradezu in die Beine geht.

_Unterm Strich_

Die beiden Storys passen gut zusammen. Sie sind sowohl grotesk als auch von einem Horror vor Maschinen erfüllt. Inhaltlich scheinen sie grundverschieden zu sein, doch in beiden wird dem Menschen das Recht auf seine Herrschaft auf Erden streitig gemacht: einerseits von den Trucks, dann wieder von Pan, dem Gott der wilden Natur. (Es gibt eine schöne Gruselgeschichte über Pan von dem Briten Arthur Machen, die King als Kenner garantiert kannte, bevor er diese Story schrieb. Mit „Danse Macabre“ hat er ja selbst eine Literaturgeschichte des Gruselgenres verfasst.)

Der Sprecher erweckt die Handlung zum Leben und die Hard-Rock-Musik bringt die Figuren quasi zum Tanzen. Dieses Hörbuch ist ein Höhepunkt der neuen Reihe „Bastei Lübbe Stars“, die Lübbe derzeit zu einem besonders günstigen Preis auf den Markt bringt. Die Tiefpreis-Konkurrenz darf sich warm anziehen.

|74 Minuten auf 1 CD
Aus dem US-Englischen übersetzt von Harro Christensen|

_Stephen King bei |Buchwurm.info|_ (Auswahl):

[„Brennen muss Salem – Illustrierte Fassung“ 3027
[„Friedhof der Kuscheltiere“ 3007 (Audio)
[„Puls“ 2383
[„Trucks“ 2327 (Audio)
[„Colorado Kid“ 2090
[„The Green Mile“ 1857 (Audio)
[„Das Leben und das Schreiben“ 1655
[„Atemtechnik“ 1618 (Audio)
[„Todesmarsch“ 908
[„Der Turm“ 822 (Der Dunkle Turm VII)
[„Der Sturm des Jahrhunderts“ 535
[„Tommyknockers – Das Monstrum “ 461
[„Achterbahn“ 460
[„Danse Macabre – Die Welt des Horrors“ 454
[„Christine“ 453
[„Der Buick“ 438
[„Atlantis“ 322
[„Das Mädchen“ 115
[„Im Kabinett des Todes“ 85
[„Duddits – Dreamcatcher“ 45

Yancey, Rick – Monstrumologe, Der



Der Monstrumologe:

Band 1: _“Der Monstrumologe“_
Band 2: „… und der Fluch des Wendigo“ (20.01.2012)

Actionreicher Horror mit doppeltem Boden

Neuengland im April 1888: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop. Der gute Doktor hat sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht notfalls Jagd auf sie.

Eines Abends kommt ein Grabräuber zu Will und dem Doktor ins Labor. Er hat eine Leiche gefunden, in die sich ein zahnbewehrtes Monster verbissen hat. Offenbar eine Monsterart, die Menschen tötet – und sich zudem rasch vermehrt. Die Einzigen, die nun zwischen diesen Bestien und der Menschheit stehen, sind der Doktor und der junge Will … (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Autor

Rick Yancey wollte schon seit seiner Jugend Schriftsteller werden. Nach seinem Abschluss in Anglistik an der Roosevelt University in Chicago startete er in seiner Heimat Florida eine Künstlerkarriere. Während er in Teilzeit unterrichtete und sich als Theaterschauspieler versuchte, nahm er eine Anstellung beim Finanzamt an. Den Traum der Schriftstellerkarriere gab er nie auf, dafür aber nach zehn Jahren seine Beamtenstelle.

Über seine Zeit beim Finanzamt schrieb er ein Memoire („Confessions of a Tax Collector“), das vom Wall Street Journal als eins der fünf besten Bücher bezeichnet wurde, das je über Steuern geschrieben wurde. Seine Jugendbuchtrilogie über Alfred Kropp erschien in 17 Ländern und wurde für die berühmte Carnegie Medal nominiert. Rick ist stolzer Vater von drei Söhnen. Er lebt mit seiner Frau Sandy in Florida. (Verlagsinfo)

Handlung

Prolog

Der Herausgeber, eben Rick Yancey, ist ein Buchautor mit vielen Aufträgen. Als er den Direktor einer Irrenanstalt besucht, um ihm ein neu produziertes Buch zu übergeben, bittet ihn dieser, die Tagebücher eines gewissen William James Henry, seines Zeichens verstorbener Insasse, anzusehen. Will Henry behauptete nämlich zeit seines Lebens, er sei im Jahre des Herrns 1876 geboren worden, also vor nicht weniger als 133 Jahren. Die Ärzte hatten bei ihm jedoch Demenz festgestellt, so dass man nicht allzu viel auf diese Angabe geben könne.

Nach einer Weile beginnt unser vielbeschäftigter Herausgeber, die Tagebücher des Will Henry zu lesen, und sie erweisen sich als höchst ungewöhnlich …

Die Tagebücher

William James Henry lebt als zwölfjähriges Waisenkind in New Jerusalem bei Dr. Pellinore Warthrop, dem er in seinem medizinischen Beruf assistieren muss. Der Doktor hat stets interessante, um nicht zu sagen: sonderbare Besucher. Heute Nacht beispielsweise besucht ihn der Grabräuber Erasmus Gray. Gray ist klapperdürr, alt und müde. Aber sehr aufgeregt. Denn was er auf dem Old Hill Friedhof zufällig ausgegraben hat, verstört ihn zutiefst.

Zusammen schleppen er und Dr. Warthrop den Fund in den kühlen Keller auf den Seziertisch. Nachdem der Doktor ihn bezahlt hat, schiebt man den Grabräuber hinaus in den Nachtnebel. Danach beginnt der Arzt mit der Autopsie. Was für ein seltsamer Fund! Will Henry beginnen die Knie zu schlottern, während er das Diktat des Arztes aufnimmt, dem schon sein Vater assistiert hat.

Es handelt sich um ein junges Mädchen im Leichenhemd, dem ein Drittel seines Gesichts weggefressen wurde. Es wird auf obszöne Weise umarmt von einer Kreatur, die keinen Kopf hat und mindestens doppelt so groß ist. „Ein männlicher Anthropophage“, doziert der Doktor, „ein Alphamännchen.“ Das ist bemerkenswert, denn Anthropophagen kommen nur in Afrika und den Tropen vor. Wie kam es nach Nordamerika?

Das Wesen hat seinen zahnbewehrten Mund im Bauchbereich und das Gehirn sitzt darunter, während die schwarzen Augen auf den Schultern sitzen. Die Tatsache, dass es sich um ein fortpflanzungsfähiges Wesen handelt, veranlasst den Arzt zu einem Eingriff, der Will Henry die Galle in den Hals treibt: In der Leiche des Mädchens steckt ein lebendiger Nachkömmling, wie eine Larve in einem Wirtskörper.

Nachdem dieser Nachkömmling in einen Glasbehälter gesteckt und getötet worden ist, bleibt noch die Aufgabe, alles aufzuräumen und dem Mädchen ein christliches Begräbnis zukommen zu lassen. Natürlich im ursprünglich vorgesehenen Grab. Alles andere wäre etwas auffällig, findet Dr. Warthrop. Wieder muss Erasmus Gray bei diesem Transport helfen.

Will Henry begleitet die beiden Männer auf ihrem nächtlichen Weg zum Friedhof. Vielleicht liefert das Grab Hinweise auf die Herkunft des Anthropophagen. Denn wo einer ist, verbergen sich bestimmt noch mehr: die Weibchen …

Mein Eindruck

Was an der Reaktion des Doktors auffällt, ist genau, was später zu erheblichen Problemen führen wird: Er ruft nicht die Polizei zu Hilfe, noch informiert er auch nur irgendjemanden außerhalb seines kleinen Zirkels, zumindest vorerst. Als ihn später, nach einem blutigen Überfall auf die Pfarrersfamilie, der Wachtmeister zur Rede stellt, rechtfertigt sich Warthrop damit, er habe keine Panik auslösen wollen. Außerdem hätte ihm sowieso keiner geglaubt. Klingt wahrscheinlich. Dennoch muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, die Pfarrersfamilie indirekt auf dem Gewissen zu haben.

Warthrops Fehler: Er hat sich schlichtweg verkalkuliert. Er, der Fachmann für Monster, hat die Monster falsch eingeschätzt. Das kann nur daran liegen, dass er nicht über genügend Informationen verfügt. Es muss einen Faktor geben, den er nicht kennt und den er nicht berücksichtigt hat.

Vorgeschichte

Deshalb tut er zweierlei: Er recherchiert, im eigenen Archiv und bei einem Zeugen. Zum Zweiten holt er Hilfe herbei. Das Archiv aus Zeitungsartikeln der letzten drei Jahre berichtet zahlreiche tödliche Vorfälle sowieso Vermisstenmeldungen. Übertragen auf eine Landkarte, ergibt sich ein Wanderungsmuster, von der Küste bei Boston nach Dedham und New Jerusalem. An der Küste strandete anno 1865, also vor 23 Jahren, der Frachter „Feronia“, den Warthrops Vater Alistair gechartert hatte. Und von dem letzten überlebenden Zeugen der „Feronia“, dem Kapitän, der in einer Dedhamer Irrenanstalt dahinsiecht, erfährt Warthrop voll Entsetzen, was die „Feronia“ aus Afrika brachte: Anthropophagen. Doch zu welchem verruchten Zweck?

Sportsmann

Die Hilfe trifft ein: Ob er nun John Kearns, Richard Cory oder sonstwie heißt, verrät der britische Weltmann und Großwildjäger nie. Aber er verfügt über das Wissen, die Methode und die Werkzeuge, um Anthropophagen zur Strecke zu bringen. In seiner zynisch-flapsigen Art nennt Kearns sie einfach nur „Poppis“. Es ist Kearns, der eine für Warthrop undenkbare Theorie formuliert: dass Alistair Warthrop den Frevel begangen habe, Experimente mit den „Poppis“ anzustellen und den Monstren zu diesem Zweck zahlreiche Menschen zum Fraß vorwarf.

Philosophie

Diese Unterstellung – die sich wenig später erhärtet – rückt die „Philosophie“ der Monstrumologen allgemein ins Zwielicht. Ähnlich wie die Terroristenjäger und andere Verbrechensbekämpfer müssen sie sich derart auf die Interessen des „Feindes“ einlassen, dass sie eine moralische Grenze überschreiten und selbst zum Monstrum in Menschengestalt werden. Doch genau diese Moral lässt Kearns nicht für sich gelten. Er beruft sich auf Nietzsches Buch „Jenseits von Gut und Böse“, als er behauptet, dass die einzige gültige Moral die des Augenblicks sei und der werde bekanntlich vom Handeln bestimmt.

Diese Philosophie aber erlaubt es ihm, höchst fragwürdige Handlungsweisen an den Tag zu legen. Er benutzt nicht nur eine mitgebrachte Prostituierte als Köder, um die „Poppis“ anzulocken, sondern auch Will Henry selbst. Der anwesende Wachtmeister beißt um ein Haar den Stiel seiner Pfeife durch, so sehr erzürnt ihn solche Unmoral. Will Henry ist ebenfalls schwer geschockt, bringt ihn doch Kearns‘ Verrat in Lebensgefahr.

Finale Konfrontation

Nun, wir Leser können uns entspannt zurücklehnen, um dem sich entfaltenden Desaster zuzuschauen. Wir müssen ja keine ethischen Entscheidungen fällen, die unsere Lieben oder gar die Menschheit gefährden würden. Für uns zählen letzten Endes nur die Resultate, genau wie für Kearns. Die Poppijagd ist für ihn ein Sport, der ihn herausfordert.

Das bedeutet jedoch nicht, dass dieser Sport keine tragischen Opfer fordern würde. Es ist bezeichnend, dass der Showdown in den Tiefen der Erde, mit der Nestmutter der Anthropophagen als Gegner, nicht Warthrop und Kearns involviert, sondern die Jungs: Will Henry und seinen Schicksalsgenossen Malachi Stinner, den letzten Überlebenden der Pfarrersfamilie. An ihnen verdeutlicht der Autor, welche Motive und Opfer eine Rolle spielen. Malachi will seine Familie rächen und dabei zugleich die Schuld gegenüber seiner Schuld einlösen, die er seiner Meinung nach im Stich ließ. Durch Malachis Opfer angespornt, behält Will Henry, der Chronist, erbittert die Nerven, um es mit dem Feind aufzunehmen …

Väter und Söhne

Will setzt die Arbeit seines Vaters fort, der Alistair und Pellinore Walthrop gedient hat. Er ahnt noch nicht, was diese Arbeit seinen Vater an moralischen Skrupeln gekostet hat. Er weiß lediglich, dass sein Vater krank aus Südamerika zurückkehrte – der Brand, in dem er und die Mutter umkamen, erlöste ihn lediglich von einer furchtbaren Heimsuchung. Dass Pellinore Walthrop die Last seines Vaters ebenso trägt wie Will Henry die seines eigenen, macht diesen Roman zu einer Untersuchung über die Tragödie der Vater-Sohn-Beziehung.

Übertragen auf das Phänomen der Terrorbekämpfung, wird daraus ein Kommentar auf die moderne Rechtfertigung der Vereinigten Staaten. Wir wissen nur die Hälfte über die Vätergeneration, denn die Wahrheit wird stets unterdrückt und verborgen – doch die Söhne tragen stets die volle Last in ihrer eigenen Gegenwart.

Lovecraft lässt grüßen

„Der Monstrumologe“ ist eine Kreuzung aus Lovecrafts Monster-Mythologie, Neuengland-Mystik, moderner Terrorbekämpfung und alternativer Geschichtsschreibung. Auf raffinierte Weise hat sich der Autor gegen zu genaue Verfolgung und Prüfung seiner Quellen abgesichert. Die zentrale Handlung entstammt den drei ersten Tagebüchern eines unglaubwürdigen Chronisten. Will Henry muss über 130 Jahre alt gewesen sein, als er dieses Zeug schrieb – höchst unwahrscheinlich, oder?

Und von einem Ort namens New Jerusalem hat der Herausgeber noch nie gehört. Er hätte vielleicht mal nach Salem blicken sollen, das sich nur wenige Kilometer nördlich von Boston befindet. Dort fanden im 17. Jahrhundert Hexenprozesse statt, über die auch ein Stephen King vortrefflich zu fabulieren wusste (in „Salem’s Lot“ und anderen Werken). Hätte der Herausgeber nur mal Lovecrafts „Charles Dexter Ward“ gelesen!

Dass Anthropophagen der geschilderten Erscheinungsformung schon bei Plinius, Herodot und sogar William Shakespeare erwähnt werden, rechtfertigt ihr Erscheinen in der Chronik zwar, macht diese jedoch nicht wahrscheinlicher: Es wurden ja alle Beweise vernichtet! Aber eines steht fest: Der Herausgeber hat bislang nur das erste Fünftel von Will Henrys Chronik veröffentlicht, so dass wir uns noch auf den Werdegang und die Heldentaten des „Monstrologenassistentenlehrlings“ freuen dürfen.

Die Übersetzung

Axel Franken, der Übersetzer von Garth Nix‘ Fantasyreihe um Arthur Penhaligon, hat den Text fehlerlos übersetzt, verlangt dem deutschen Leser aber auch einige sprachliche Kenntnisse ab. Was mögen wohl Ausdrücke wie „kimmerisch“, „stygisch“, „acherontisch“ und „myop“ bedeuten, mag sich der unvorbereitete Leser fragen.

Nun, alle diese Ausdrücke würde man in einem Text von H. P. Lovecraft und Robert E. Howard wiederfinden. CONAN stammte bekanntlich aus Cimmerien. Styx und Acheron sind Flüsse der antiken Unterwelt Hades. Alle Bezüge verweisen auf Finsternis. Nur „myop“ stammt aus der Medizin: Es bedeutet „kurzsichtig“.

Diese und viele andere Ausdrücke verleihen dem Text eine mystisch-rätselhafte Anmutung, die genau zum Inhalt passt. Meines Erachtens hat der Übersetzer recht getan, sie stehen zu lassen.

Wer sich an dem pathetischen Ton so mancher Überlegungen und Schilderungen Will Henrys stört, darf die Schuld nicht beim Autor suchen. Der kann sich immer damit herausreden, dass ein so alter Kerl wie Will Henry eben schreibt, wie man sich im 19. Jahrhundert ausdrückte – mit jeder Menge Adjektive, die auf die Tränendrüse zielen. Durch diesen Knick gelingt es dem Autor, schauerliche Bilder heraufzubeschwören, ohne dass man ihm Effekthascherei vorwerfen könnte.

Unterm Strich

Wie jeder gute Horrorroman bietet auch „Der Monstrumologe“ mindestens zwei Ebenen an. Die Oberfläche dient der Unterhaltung, mit teils gruseligen, teils erschütternden Szenen, aber vor allem mit viel Action, die sich über das gesamte letzte Drittel erstreckt. Nach einer längeren Einführung inklusive Prolog können wir uns mit dem jungen Will Henry identifizieren. Das heißt nicht, dass sich der Roman für Zwölfjährige eignet. Einige Splatterszenen sind doch ziemlich heftig.

Die zweite Ebene betrifft die Rechtfertigung für den Posten des Monstrumologen. Warthrop ist kein Arzt, obwohl er über medizinische Kenntnisse verfügt und mit den Instrumenten, die auf zahlreichen Seiten abgebildet sind, zweifellos umgehen kann. Doch er betrachtet sich als Philosoph. Da er scheint es merkwürdig, dass er einfachste ethische Grundsätze missachtet: Er warnt die Bevölkerung nicht, noch informiert er die Polizei. Stattdessen scheint er sogar seinen Vater zu decken, den eine mindestens ebenso dubiose Ethik an den Tag legte.

Der zwei „Monstrumologe“ ist wohl John Kearns (nicht sein wahrer name), doch der Brite wirkt eher wie ein zynischer Großwildjäger. Er hängt Nietzsches Moral an, der Moral des Augenblicks, die vom Handeln bestimmt wird – möge die Nachwelt später darüber urteilen, ob der Zweck die genutzten Mittel heiligt. Kearns ist zwar amüsanter als Warthrop, aber fern davon, ein Vorbild zu sein.

Der vaterlose Will Henry befindet sich somit in einer moralischen Wüste: kein Leitfaden weit und breit. Es ist, als müsse Will in einer vater- und morallosen Gesellschaft aufwachsen. Sind dies die Monsterjäger, denen wir unser Leben anvertrauen würden? Die Fortsetzungen müssen erweisen, ob Will Henry vor unserem Urteil bestehen wird können.

Meine Lektüre

Ich habe den Roman in nur wenigen Tagen genossen. Die Geschichte ist leicht zu verfolgen, die Sprache – bis auf gewisse Ausdrücke (siehe oben unter „Die Übersetzung“) – leicht verständlich, ohne seicht zu wirken. Und Action gibt es im letzten Drittel genügend, um schlaflose Nächte zu durchwachen.

Die Abbildungen an den Seitenrändern sowie die Holzschnitt-haften Illustrationen von Jacopo Bruno tragen dazu bei, die Zahl der zu bewältigenden Seiten zu verringern und die Aufmerksamkeit nicht erlahmen zu lassen. Vielleicht sieht sich so mancher Leser dazu verleitet, sich den Verwendungszweck der Instrumente vorzustellen, wenn nicht sogar deren Einsatz …

HINWEIS:

Die Fortsetzung “ Der Monstrumologe und der Fluch des Wendigo“ erscheint am 20. Januar 2012 als Taschenbuch und E-Book.


Taschenbuch: 416 Seiten
Originaltitel: The Monstrumologist
ISBN-13: 978-3785760406

http://www.luebbe.de

Eine Leseprobe bietet der Verlag [hier]http://www.bic-media.com/dmrs/widget.do?isbn=9783785760406 an.

Paul Robert Smith – Gespräch mit Igel

Tragikomödie mit englischem Don Quichotte

Es ist ein denkwürdiger Moment in Benton Kirbys Leben, als er nachts im Park mit einem Igel auf einem sitzt und über sein Leben und die Frauen nachdenkt. beispielsweise hat er seine Verlobte Georgia eine Woche vor der Hochzeit dadurch verloren, dass sie in ihr eigenes Haus einsteigen wollte und sie abstürzte, wobei sie sich das Genick brach – und anschließend erfror. Oder an jenen Moment, als er mit der süßen Cherry im Bett lag und seine zweite Verlobte Cassie nach Hause kam, so dass er sie mit einem Müllsack fesseln musste…
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Donald Wollheim & Arthur Saha (Hg.) – World’s Best SF 2. Die besten SF-Geschichten des Jahres 1982

Classic SF: Solide US-Auswahl der Jahresbesten 1982

Diese Jahresbesten-Auswahl aus dem Jahr 1983 versammelt Erzählungen aus den Jahren 1981 und 1982. Unter den AutorInnen, die hier vertreten sind, finden sich Veteranen wie Frederik Pohl und James White ebenso wie Newcomer wie Bruce Sterling, Rudy Rucker und Jack Dann. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass nicht weniger als drei Frauen vertreten sind: Connie Willis, die inzwischen verstorbene Tanith Lee und die Feministin Joanna Russ.
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Maeve Binchy – Wiedersehen bei Brenda (Lesung)

Dubliner Geschichten

Das Quentins ist in Dublin eine Institution. Hier isst man nicht nur gut, hier trifft man sich, wenn man ungestört sein will, und fühlt sich unter den liebevollen Blicken der Besitzer Patrick und Brenda Brennan gut aufgehoben.
Jedes Mitglied des Personals hat seine eigene Geschichte zu erzählen und kann von Zeiten berichten, in denen es dem Quentins gar nicht so glänzend ging – und von anderen, in denen der Ruhm des Restaurants die Stadtgrenzen
weit überschritt.

Die junge Ella Brady bekommt den Auftrag, einen Dokumentarfilm über diese Dubliner Institution zu machen, und lernt dabei Menschen kennen, die ihr unvergesslich bleiben werden: Monica, die stets fröhliche australische Kellnerin, und Blouse, Patricks Bruder, hinter dessen scheinbarer Schlichtheit sich ein wacher Geist und ein Herz aus Gold verbergen. Und Ella begegnet Menschen, die dem Leser aus früheren Binchy Romanen wohlvertraut sind:
die vorwitzigen Zwillinge aus Cathys Traum oder die Signora aus der Irischen Signora. Am Ende stellt sich Ella die Frage, ob es wirklich so eine gute Idee ist, die Geschichten aus dem Quentins zu verfilmen. Denn manche Geschichten
bleiben eben besser unerzählt … (Verlagsinfo)
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John Naish – GENUG. Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen

Praktische Anleitung zum Zufriedensein

Mehr Informationen, mehr Essen, mehr Sachen, mehr Statussymbole. Heute gibt es von allem mehr, als wir jemals nutzen, genießen oder uns leisten können. Trotzdem rücken wir in der Überflussgesellschaft keinen Millimeter von der ältesten Überlebensstrategie der Menschheit ab: zu horten. Wir wollen immer mehr, auch wenn es uns krank, müde, übergewichtig, unzufrieden und arm macht. Die Welt des Überflusses zerstört jedoch unsere persönlichen Ressourcen ebenso gründlich wie die unserer Heimatwelt. (abgewandelte Verlagsinfo) Naish zeigt uns die Probleme ebenso wie die Strategien, wie wir sie bewältigen können. Praktische To-do-Listen helfen den Betroffenen ganz konkret – sofern sie sie beherzigen.
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Andreas Eschbach – NSA

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …

Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?


(Verlagsinfo)

George Orwell schrieb mit „1984“ die Dystopie der totalen Überwachung. Inzwischen leben wir darin. Geht da noch mehr?

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[NEWS] Jeremiah Pearson – Der Bauernkrieger (Freiheitsbund 3)

Der Deutsche Bauernkrieg beginnt …

Deutschland, 1525. Zehntausende Bauern erheben sich, um von den Fürsten mehr Rechte einzufordern. Auch der Hörige Lud kämpft an der Seite seines Herrn Florian Geyer für die Bauern, obwohl er nicht an ihre Sache glaubt – ein Schwur, den er einst Florians Vater leistete, bindet ihn. Für Lud gibt es nur einen Grund, warum er in diesem Krieg nicht sterben darf: die Täuferin Kristina, seine große Liebe. Doch während er von Schlacht zu Schlacht zieht, gerät Kristina in die Hände des Feindes. Ihr droht der Ketzertod. Kann Lud lange genug überleben, um sie zu retten? (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
Originaltitel: VILLEINS Trilogy Book 3
Lübbe

Lars Kepler – Hasenjagd

Joona Linna ermittelt in seinem sechsten Fall – und das, obwohl er eigentlich gerade seine Haftstrafe absitzt… Doch als der schwedische Außenminister unter grausamen und sehr merkwürdigen Umständen ermordet wird und die Spur zu einem anderen Häftling führt, bittet man Joona Linna um seine Hilfe. Kurze Zeit später ist er mitten in den Fall verwickelt, macht einen Deal mit der Polizei und ist für die Ermittlungen auf freiem Fuß.

Obwohl es eine Zeugin für den Mord am Außenminister gibt, tappt die Polizei im Dunkeln und ahnt nicht, was hinter dem Mord und an der merkwürdigen Zeugenaussage steckt. Schnell ist aber klar, dass die Polizei hinter einem Killer her ist, der zehn Menschen umbringen möchte. Zunächst grübelt Joona Linna, warum er ausgerechnet mit einem so prominenten Opfer wie dem Außenminister beginnt, sodass alle Blicke auf den Serienmörder gerichtet sind. Zu spät wird ihm klar, dass der Mörder damit ein weiteres Opfer hervorlocken möchte, an das er nur auf der Beerdigung herankommen kann.

Und so geht die Mordserie weiter und weiter…
Lars Kepler – Hasenjagd weiterlesen

Andreas Eschbach – Teufelsgold

Auf der Jagd nach dem Stein der Weisen – Wer sind die Alchemisten unserer heutigen Zeit?

Nach dem Ende der Kreuzzüge taucht er das erste mal auf: der Stein der Weisen, mit dem man Gold machen kann – gefährliches Gold, radioaktives Gold nämlich. Der Stein erscheint, als ein Alchemist Gott verflucht, und er zieht eine Spur der Verwüstung durch Europa. Die Deutschordensritter erklären es zu ihrer geheimen neuen Aufgabe, ihn zu finden und sicher zu verwahren. Für alle Ewigkeit.

Doch in unserer Zeit kommen zwei Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten, dem wahren Geheimnis des Steins auf die Spur: Er ist ein Schlüssel – ein Schlüssel, der unser aller Leben zum Guten hin verändern könnte.

Oder öffnet er die Pforten der Hölle?
(Verlagsinfo)

Ein ehrgeiziger junger Mann mit Minderwertigkeitskomplexen, ein altes Buch, eine überirdisch schöne Frau und ein merkwürdiger alter Zausel mit einem Spleen für Alchemie – Andreas Eschbach überrascht aufs Neue mit einem ungewöhnlichen Setting und erzählt eine Geschichte über einen uralten Menschheitstraum, über Geld, Machtgier, Gold und Unsterblichkeit – und das, was danach kommt.

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Lisa Genova – Ein guter Tag zum Leben

Mit ihrem Debütroman „Mein Leben ohne Gestern“ hat sich Lisa Genova direkt in die Riege der Bestsellerautorinnen geschrieben. Ihre einfühlsame Schilderung einer erfolgreichen Frau, die mit nur 50 Jahren die Diagnose Alzheimer erhält, hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich seitdem jedes ihrer Bücher verschlinge. In ihrem vierten Roman greift Lisa Genova nun das Thema Chorea Huntington auf.

Kontrollverlust

Joe O’Brien steht mitten im Leben – er ist glücklich verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und geht in seinem Beruf als Polizist auf. Doch dann fallen im manche Dinge immer schwerer als vorher. Seine Polizeiberichte geraten inhaltlich durcheinander, seine Beine zucken willenlos und lassen sich kaum noch still halten. Irgendwann schickt seine Frau ihn zum Arzt – während Joe mit der Diagnose eines kaputten Knies rechnet, erfährt er mit nur 44 Jahren, dass er an Chorea Huntington leidet – eine Erbkrankheit, die ihm nach Diagnose noch etwa zehn Jahre lassen wird, in denen er immer mehr Kontrolle über seinen Körper verliert, indem er willenlos zucken und ausschlagen und möglicherweise Menschen verletzten mag. 10 Jahre, in denen er immer mehr verfallen wird und wo er am Ende als Pflegefall enden wird.

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Bernard Cornwell – Sharpes Abenteuer

„Sharpes Abenteuer“ ist ein sehr schmales Bändchen. Das liegt daran, dass es kein „normaler“ Sharpe-Roman ist, sondern nur eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Sharpes Scharmützel“ enthält, die Bernard Cornwell 1998 im Auftrag einer englischen Buchhandelskette schrieb, die den kleinen Band an seine Kunden verschenken wollte. Das Experiment ging ordentlich schief: Andere Buchhändler beschwerten sich, nicht überall wurde das Buch verschenkt, sondern manchmal schlicht verkauft. Und zu allem Überfluss war die Geschichte unter Zeitdruck geschrieben worden und dementsprechend unausgereift. Ein paar Jahre später allerdings hat sich Cornwell dann noch einmal an „Sharpes Scharmützel“ gesetzt, hat die Geschichte bereinigt und überarbeitet und so kann sie jetzt auch auf Deutsch erscheinen.
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Bernard Cornwell – Sharpes Degen (Sharpe 14)

Sharpes Degen ist ein ziemlich unförmiges, billig hergestelltes Ding. Ein einfacher Kavalleriesäbel, den er mit roher Gewalt einzusetzen weiß, um seine Feinde auf dem Schlachtfeld niederzumähen. In jedem Fall ist Sharpes Degen nicht mit dem feinen Klingenthal-Säbel des Franzosen Oberst Leroux zu vergleichen, dem Sharpe zu Beginn seines vierzehnten Abenteuers begegnet. Dieser Leroux macht sich sofort reichlich unbeliebt, als er sein Ehrenwort verletzt und seiner Gefangennahme entgeht. Und während Leroux hinter die schützenden Mauern von Salamanca flieht, beschließt Sharpe, dass er des Franzosen unbedingt habhaft werden muss, um ihm seinen Degen abzunehmen und den Tod seiner Kameraden zu rächen.
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Andrea Camilleri – Das Lächeln der Signorina. Commissario Montalbano lässt sich blenden


Blaue Bohnen und der Engel der Liebe: Montalbano unter Dieben

Eine Serie von Diebstählen sorgt für Aufregung im sizilianischen Vigàta. Als Commissario Montalbano im Rahmen der Ermittlungen Bekanntschaft mit der jungen Angelica Cosulich macht, fühlt er sich schlagartig in seine Jugend zurückversetzt: Mit ihrem wallenden Blondhaar erinnert ihn die schöne Angelica an die Heldin selben Vornamens aus Ariosts Epos „Der rasende Roland“, die ihm seinerzeit die Träume versüßt hat. Doch hinter dem betörenden Lächeln der Signorina verbirgt sich ein gefährliches Geheimnis… (Verlagsinfo)

Der Autor

Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene, aber in Rom lebende Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Er hat dem italienischen Krimi die Tore geöffnet.

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Andreas Eschbach – Todesengel


„Es mangelt an Zivilcourage!“

Doch woran liegt das? An den immer schneller mit immer gleichgültigerer Gewalt vorgehenden Tätern?

Mit Sicherheit spielt das eine entscheidende Rolle. Die Brutalität in den „zivilisierten“ Ländern hat unvorstellbare Ausmaße angenommen und liefert den Tätern mehr Anonymität, als sie sich durch Gesichtsmasken erzeugen könnten. Das Weggucken der Menschen. Man könnte ja der nächste sein, dessen Gesicht auf dem Asphalt zertreten wird. Andreas Eschbach – Todesengel weiterlesen

[NEWS] REBECCA GABLÉ – Das Haupt der Welt

Neues von Rebecca Gablé bei Lübbe: „Das Haupt der Welt“.

Brandenburg 929: Beim blutigen Sturm durch das deutsche Heer unter König Heinrich I. wird der slawische Fürstensohn Tugomir gefangen genommen. Er und seine Schwester werden nach Magdeburg verschleppt, und bald schon macht sich Tugomir einen Namen als Heiler. Er rettet Heinrichs Sohn Otto das Leben und wird dessen Leibarzt und Lehrer seiner Söhne. Doch noch immer ist er Geisel und Gefangener zwischen zwei Welten. Als sich nach Ottos Krönung die Widersacher formieren, um den König zu stürzen, wendet er sich mit einer ungewöhnlichen Bitte an Tugomir, den Mann, der Freund und Feind zugleich ist …
(Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe, 864 Seiten

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

[NEWS] JEAN-CHRISTOPHE GRANGÉ – Die Wahrheit des Blutes

Neues von Jean-Christophe Grangé bei Lübbe: „Die Wahrheit des Blutes“.

Olivier Passan, Polizeikommissar und Einzelgänger, steht kurz davor, einen raffinierten Serienkiller zu stellen, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Zugleich versucht er zu begreifen, warum die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko offenbar gescheitert ist. Als in ihrem gemeinsamen Haus bedrohliche Dinge geschehen, vermutet Passan zunächst einen Racheakt des Killers. Doch dann stellt sich heraus, dass die Anschläge mit der geheimnisvollen Vergangenheit Naokos zu tun haben.
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 432 Seiten
Originaltitel: Kaiken