
Schon in diesem letzten Band von Tobias Goldfarbs Serie um das Hasenmädchen Hilda wurde klar, dass die mutige Buddelhäsin nach der Befreiungsaktion der Mutter ihres Freundes Prinz Lämpchen aus den Pfoten der verstrittenen Hasen der Adlerinsel erneut auf eine Reise gehen würde. Denn der Adler hatte ihr verraten, dass er den Schurken aus dem ersten Band, namentlich Baron von Ratzezahn, der bei der Aufklärung des Rätsels um Hildas verschwundene Eltern helfen könnte, am Drachenfelsen gesehen hatte. Nun hat das Warten auf den dritten Band der Kinderbuchreihe endlich ein Ende! Wieder können Leser ab 6 Jahren mit Hilda Hasenherz und ihren Freunden auf ein spannendes Abenteuer gehen.
Und dieses Mal klingen im Hasenland italienische Verhältnisse an. Da gibt es zum Beispiel das Lokal Cantinis Cantine. Außerdem haben am Drachenfelsen die Grauhörnchen das Kommando übernommen und erpressen mafiamäßig Schutzgeld in Form von Naturalien oder wertvollen Objekten von allen Tieren, welche die Gegend noch nicht verlassen haben. Vorgeblich wollen sie die Bewohner des Waldes vor dem unter dem Felsen liegenden Drachen beschützen, aber je länger Hilda und ihre Freunde die Vorgänge um den Drachenfelsen untersuchen, desto zweifelhafter wird nicht nur die Existenz des Drachen, sondern auch die Identität des stets vermummt auftretenden Grauhörnchen-Anführers Don Hopps.
Neben den altbekannten Freunden Rotkehlchen-Ritter Robinius, Igromir Igel und Eichhörnchen Eicho, haben auch der Fuchs Sam Grau und der Baumeister Dschango Biber wieder einen Auftritt, denn der meisterhafte Konstrukteur hat das richtige Gefährt für die Reise ausgetüftelt, welche dieses Mal einen Fluss entlang führt, und präsentiert ein Schaufelrad-Floss mit Hamsterantrieb. Wie gut, dass die Hamster Rosie und Poffi am liebsten nur um die Wette rennen und die kleine Reisegesellschaft schnell voranbringen. Die Illustratorin Verena Körting hat neben vielen, vielen anderen Szenen auch dieses Gefährt zauberhaft visualisiert und gibt dem mürrischen Igel Igromir als Floßreisendem eine Attitüde, wie sie auch Tom Sayer und Huckelberry Finn auf dem Mississippi gut zu Gesicht gestanden hätte. Die drei Grauhörchen Edelgard, Hilfreich und Gutfried erinnern mit ihren Federhüten, Umhängen und Degen an den Jugendbuchklassiker „Die drei Musketiere“, selbst wenn sie sich schnell als alles andere als edel, hilfreich und gut entpuppen. Vorlesende Erwachsene werden auch das Zitat aus dem Kleinen Prinzen wiedererkennen, wenn Hilda auf die Frage nach dem „Einzigen, mit dem man gut sieht“ auf „das Herz“ tippt und mit ihrer Antwort nur knapp an der richtigen Lösung aus der Maulfwurfslogik vorbeischrammt.
Wie immer hat sich Goldfarb als Autor auch sprachlich ausgetobt. Wem das vergnügliche „oder not“ und das „Stattfinden von Handlungen mit -ung“ aus der Hasensprache der Adlerinsel im zweiten Band noch gut im Gedächtnis ist oder wer gar die Specki-Sprache aus Goldfarbs Erfolgsreihe um den Drachen Spekulatius gemeister hat, der darf sich diese Mal an der Axolotl-Sprache üben. Kostprobl gefällix? „Möglix,“, sagte Wasabi. „Ich wohnl schon sehr langl hier. Wir Axolotl werden uraltl. Ich komml aux einem weit, weit entfernten Landl. Ich weiß aux nichtl genau, wie ich hierhergekomml bin.“
Auch der dritte Band von Hilda Hasenherz macht sprachlich Spaß! Aber nach 26 kurzen Kapiteln ist auf Seite 150 leider schon wieder Schluss. Für Erstleser, die selbst lesen, ist das sicher optimal, aber vorlesende Erwachsene sollten sich gleich darauf vorbereiten, im Anschluss nochmal bei Band 1 anfangen zu müssen. Doch nur so lange bis der nächste Band erscheint, der die Freunde auf der weiteren Suche nach Hildas Eltern in den Schnee begleiten wird, wie durch die Enthüllungen des Barons Ratzezahn klar wird. Wann? Sagen wir es mit Hilda selbst: „Bald, Ritter Robinius. Bald.“ oder mit dem Teaser auf der letzten Seite „ab Oktober 2026“.
Jedenfalls ist „Abenteuer am Drachenfels“ ein rundum gelungenes Kinderbuch von der Geschichte, über die Illustrationen bis hin zur Aufmachung als stabiles Hardcover, auf dessen Titelbild der Titelaufdruck und das Bild Hilda Hasenherz‘ optisch und haptisch hervorgehoben sind. Schneiderbuch hat mit Tobias Goldfarb einen einfallsreichen Kinderbuchautor aufgebaut, dem es gelingt eine Vielzahl von Charakteren so individuell und einzigartig zum Leben zu erwecken, dass sie nach der letzten Seite der kindgerechten aber nicht kindischen Abenteuer auch im Leben ihrer Leser sprachlich zurückbleiben. Wessen Kind als Ausdruck seiner Freude seit Hilda Hasenherz „Guppa“ schreit, wird verstehen, was diese Rezensentin meint. Klare Kaufempfehlung!
Hardcover: 160 Seiten
ISBN 13: 978-3505152900
Schneiderbuch
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