„Wir spielen ein Spiel, bei dem es um die Liebe geht.“ – John Mercer, ein altgedienter, hoch dekorierter Detective, gerät in die unsichtbaren Fallstricke eines perfiden Serienmörders. Der „Fifty-fifty-Killer“ hat es auf liebende Paare abgesehen, seien sie nun alt oder jung. Eiskalt quält und manipuliert er sie eine Nacht lang, um die Liebe zwischen ihnen zu zerstören – bis zum Tagesanbruch. Nur wer den anderen verrät, sieht den Morgen dämmern.
Auch Inspektor John Mercer liebt seine Frau Eileen, umso mehr, seit er dank ihrer psychotherapeutischen Pflege den Nervenzusammenbruch vor zwei Jahren überwinden konnte. Noch ahnt er nicht, dass er ins Visier des 50-50-Killers geraten ist. Sein neuer Mitarbeiter Mark Nelson kommt der Strategie des Killers erst in letzter Sekunde auf die Spur. Kann er Mercers Frau retten?
Auf dem Dachboden des großväterlichen Hauses stößt Janey auf ein Buch mit dem Titel „Das kleine Land“. Beim Aufschlagen ertönt eine geheimnisvolle Melodie – und John Madden, Großmeister des Ordens der Grauen Taube, wird alarmiert. Ihm ist jedes Mittel recht, um in den Besitz des Buches zu gelangen – und sei es um den Preis von Menschenleben. (Verlagsinfo) Im zweiten Band des Doppelromans spitzen sich die Konflikte zu Showdowns zu – und etwas Wunderbares geschieht …
_Positive Utopie oder langweiliges Planetenabenteuer_
Die Anthropologin Elspeth Mueller ist auf dem primitiven Planeten Aeran gestrandet, auf dem Steinzeitmenschen sich der räuberischen Blackwings erwehren müssen. Ihre Freundschaft mit Darren, dem Sohn des Häuptlings, wird auf eine harte Probe gestellt, als eine Expedition der neuen Rebellenregierung des Sternenreiches landet und von den Einheimischen verlangt, dass sie sich Überwachungsgeräte einpflanzen lassen. Nun steht Elspeth zwischen den zwei Kulturen.
_Der Autor_
Robert Paul Holdstock, geboren 1948, begann mit dem Schreiben schon 1968, machte sich aber erst 1976 als Schriftsteller selbständig und schrieb daraufhin eine ganze Menge Genre-Fantasy. Dabei entstanden wenig interessante Trilogien und Kollaborationen an |Sword and Sorcery|-Romanen, unter anderem mit Angus Wells.
Erst 1983 und 1984 taucht das für die Ryhope-Sequenz wichtige Motiv des Vater-Sohn-Konflikts auf. Beide Seiten werden getrennt und müssen wieder vereinigt werden. Das Besondere an dieser emotional aufgeladenen Konstellationen ist jedoch, dass die Bewegung, die dafür nötig ist, in einer Geisterwelt stattfindet: dem Ryhope-Forst.
In Holdstocks keltischer Fantasy befindet sich in diesem Urwald, der dem kollektiven Unbewussten C. G. Jungs entspricht, erstens ein Schacht, der mit weiterem Vordringen ins Innere immer weiter zurück in der Zeit führt. Eines der wichtigsten und furchtbarsten Ungeheuer, Urscumug, stammt beispielsweise aus der Steinzeit. Und zweitens finden bei diesen seelischen Nachtreisen durch die Epochen permanent Verwandlungen, Metamorphosen statt. So verwandelt sich die Hauptfigur Tallis in „Lavondyss“ und schließlich in eine Dryade, einen Baumgeist. Das ist äußerst faszinierend geschildert.
Am Ende der Nachtreisen warten harte Kämpfe, die auch in psychologischer Hinsicht alles abverlangen, was die Kontrahenten aufbieten können. Und es ist niemals gewährleistet, dass die Hauptfiguren sicher und heil nach Hause zurückkehren können. Denn im keltischen Zwielicht, das noch nicht durch das christliche Heilsversprechen erleuchtet ist, scheint am Ende des Weges keine spirituelle Sonne, sondern dort wartet nur ewige Nacht.
Der MYTHAGO-Zyklus:
1. Mythago Wood (1984; [Mythenwald, 4139 World Fantasy Award)
2. Lavondyss (1988; [Tallis im Mythenwald) 4211
3. [The Bone Forest 4088 (1991; Sammlung)
4. [The Hollowing 4161 (1993)
5. Merlin’s Wood (1994, Sammlung inkl. Roman)
6. Ancient Echoes (1996)
7. [Gate of Ivory 1422 (2000)
Der MERLIN CODEX-Zyklus:
1. Celtika (2001)
2. The Iron Grail (2002)
3. The Broken Kings (2007)
4. Avilion (2008)
http://www.robertholdstock.com
_Handlung_
Vor Jahrhunderten. Das Raumschiff der Wissenschaftler ist in den Bergen des Planeten Aeran abgestürzt. Die Schiffbrüchigen haben keine Mittel, Hilfe zu holen, und verkriechen sich in einer Höhle. Als der Winter hereinbricht, sehen die Gestrandeten den nahen Tod vor Augen, entweder durch Erfrieren oder Verhungern. Während Commander Austin zurückbleibt, um auf Hilfe zu hoffen, wagt sich eine Frau auf eine Expedition. Sie schafft es bis in den Dschungel, wo die Nachfahren der einstigen Kolonisten auf der Stufe der Steinzeit leben.
|Das 36. Jahrhundert|
Wochen nach ihrer Landung hat sich die Anthropologin Elspeth Mueller mit dem jungen Krieger Darren angefreundet und geht mit ihm und seinen vier Freunden auf die Jagd nach Blackwings. Elspeth hat ihre Kleidung abgelegt und sogar ihre Uhr weggeworfen, denn es gibt nichts mehr, was sie mit ihrer Herkunft verbindet. Nichts mehr außer den zwei Juwelen, die sie statt Brüsten auf ihrem Oberkörper trägt, Resultate eines blutigen Stammesrituals, das Elspeth auf ihrer Heimatwelt erdulden musste. Anders als die pelzigen Kolonisten, die mitunter blondes Haar tragen, ist Elspeth dunkelhäutig, trägt kein Fell und hatte wohl afrikanische Vorfahren. Das Einzige, was sie anhat, ist ein Gürtel für ihr Jagdmesser, doch sie hofft, bald mehr Kleidung zu bekommen, sobald sie im Crog, dem befestigten Dorf, leben darf.
Die Jagd auf die Blackwings ist riskant, doch Elspeth hat mit dem Ritzen von Erdwind-Runen um Jagdglück gebeten. Sie schafft es im zweiten Anlauf, eine solche übergroße Fledermaus zum Absturz zu bringen. Das Tier hat sie kurz durch die Luft getragen und dabei per Teleportation Sprünge in der Raumzeit vollführt, die Elspeth Angst eingejagt haben. Doch nun liegt der Blackwing am Boden des Dschungels, und Darren erledigt den Rest.
Danach lieben sie sich in den Lianen eines Baumriesen, bevor Darren und seine Freunde wieder in den Crog zurückkehren. Elspeth wird der Zutritt immer noch wegen eines Beschlusses der Ältesten verwehrt. Als sie Darren nach dem Geheimnis des Erdwinds und dessen Runen fragt, drückt er sich um die Antwort herum. Sie weiß nur, dass dieses Phänomen mit bestimmten geritzten Symbolen in Verbindung steht. Ähnliche Symbole – Rauten – hatte sie vor der Jagd in eine Felswand geritzt, um ein gutes Jagdergebnis herbeizuwünschen. Sie wird nicht locker lassen, das Geheimnis zu lüften, schließlich ist sie eine ausgebildete Wissenschaftlerin.
|Die Expedition der Fremden|
Ein weiteres Schiff der Menschen des 36. Jahrhunderts landet unweit des Crogs. Es steht unter dem Kommando von Schiffsmeister Karl Gorstein. Mit Hilfe einer Sonde erkundet er den Planeten Aeran, stößt auf Kolonisten, Elspeth und Blackwings – und auf den befestigten Hügel des Crogs. Eine Beunruhigung überkommt ihn, eine Beklemmung. Um den Grund dafür herauszufinden, befragt er seinen „Rationalisten“ Peter Ashka, den er schon lange kennt. Ashka wiederum befragt, trotz schwerer Bedenken, das I Ching, das uralte chinesische Orakel, warum Gorstein solche Beklemmung fühlt. Die Aussagen sind nicht günstig, sondern künden einen Wandel an.
Den Grund für die Anwesenheit der Fremden erfährt Elspeth, als sie mit ihrer Freundin Moir, Darrens Schwester, heimlich deren Zusammenkunft mit dem Ältestenrat und dem Seher des Stammes beobachtet. Aus dem Erlauschten erkennt sie, dass die Fremden aus ihrem eigenen Sternenreich kommen und verlangen, dass die Aerani sich Überwachungsgeräte einpflanzen lassen. Offenbar hat die neu an die Macht gekommene Regierung Angst vor weiteren Aufständischen oder Widerstandsnestern. Die Fremden, darunter Ashka, bekommen zur Antwort, dass man darüber beraten und das Orakel des Erdliedes befragen werde.
|Der Zweikampf|
Nach einer freundlichen und informativen Begegnung Elspeths mit Peter Ashka erfährt sie von Moir, dass es im Stamm wegen der Fremden zum Zwist gekommen sei und ein Zweikampf bevorstehe: Darren, Moirs Bruder, gegen Engus, Moirs festen Freund – und nur einer könne überleben! Entsetzt und zugleich fasziniert beobachtet, wie Engus‘ Kopf schließlich im Sand rollt, so wie schon zahllose andere Opfer von Ehrenkämpfen. Moir ist todtraurig. Darrens Sieg bedeutet, dass die Fremden zunächst in Ruhe gelassen werden. Und da Moir auf ihren Anspruch eines Ehrenkampfes mit Elspeth, der festen Freundin des Siegers, verzichtet – was Darren beschämend findet -, darf Elspeth weiterleben. Sie bangt darum, was aus ihr, Darren und dem Stamm wird.
|Die zwei Orakel|
Währenddessen hat Peter Ashka eine eingehende Unterredung mit Iondai, dem Seher des Stammes. Wessen Orakel ist wohl das bessere, das I Ching von Ashka oder das Erdlied Iondais? Das Ching sagt voraus, was sein könnte, ohne sich festzulegen oder zu urteilen. Peter ist bestürzt darüber, wie sich die Kraft des Ching, die er verspürt, auf diesem Planeten verhält, gerade so, als werde es durch eine andere Macht zur Seite gedrängt. Und was kann das Erdlied ausrichten?
_Mein Eindruck_
Wie so viele Planetenabenteuer über Kolonisten ist auch dies eine Geschichte über die Auseinandersetzung zwischen altem Bewusstsein und neuer Welt, die ihre eigenen Anforderungen stellt. In den Passagen, die der Autor am anschaulichsten erzählt, darunter den gesamten Reiseteil am Schluss, findet in Elspeth und Gorstein, den beiden wichtigsten Außenweltlern, eine fundamentale Umwandlung statt. Sie werden von Raumfahrern & Wissenschaftler/Technikern zu Jägern & Sammlern, die von dem leben, was ihnen die Welt gewährt.
Dass der Übergang von der Zivilisation zur Barbarei kein sanfter ist, dürfte klar sein, denn ständig gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen, vor allem mit den Einheimischen. Diese waren einst selbst Kolonisten, haben aber unter dem Einfluss des Phänomens namens „Erdwind“ ihre Vergangenheit vergessen oder abgeworfen. Im Buch wird zwar viel zwischen den Denkern Elspeth, Ashka, Gorstein und Iondai diskutiert, doch letzten Endes entscheidet die Gewalt darüber, wie es weitergeht, wie der Tod von Ashka und der Kampf zwischen Gorstein und Elspeth belegt.
|Kampf der Orakel|
Der innere Konflikt der Außenweltler mit der brutalen Realität auf Aeran spiegelt sich auf einer höheren Ebene wider, nämlich auf jener der Orakel. Während Elspeth und Gorstein es schaffen, sich bei ihrem Aufenthalt vom Einfluss des Ching-Orakels (= I Ging, Buch der Wandlungen) frei zu machen und eigenständig zu entscheiden, gelingt dies Peter Ashka nicht. Er ist zu sehr „Rationalist“ – so sein offizieller Titel -, um das Orakel des Erdwinds gelten zu lassen. Er hängt dem Ching eisern an und weigert sich sogar, dessen Aussagen im Interesse der Fortsetzung der Expedition „umzuinterpretieren“, wie Gorstein verlangt.
Doch Ashka muss erkennen, dass er nur überleben und am Ching festhalten kann, wenn er Aeran schnellstens verlässt. Wie er nämlich anhand des Fluges der Blackwings erkannt hat, existiert hier die Möglichkeit der Zeitreise. Zwar hüpfen die Blackwings nur eine Sekunde lang, doch das können sie nur mit Sicherheit, wenn ihre Ankunft am gewünschten Ort in der Raumzeit absolut gewiss ist. Das geht jedoch nur in einem vorbestimmten Universum. Dieses unterscheidet sich radikal von unserem, in dem der Ablauf von Ereignissen dem Zufall unterworfen ist, also nicht vorherbestimmt.
Diese zwei grundlegend verschiedenen Universen haben zwei unterschiedliche Orakel hervorgebracht: Das Ching gilt nicht mehr dort, wo der Erdwind herrscht. Und wo dieser herrscht, gelten für die Menschen rigide Lebensregeln, die dem Außenweltler äußerst brutal erscheinen müssen, weil sie weder Ausnahmen noch das Konzept der Gnade zulassen. Als Ashka seinen Augenblick des Zweifels erfährt, ist er bereits für das Ching verloren. Denn auf Aeran bedeutet jeder Zweifel den Tod, hier überlebt nur derjenige, der festen Glaubens ist – nicht an einen ominösen Gott, sondern an den Erdwind.
|Einheit mit der Welt|
Dessen Propheten sitzen im Crog und verkünden seinen Willen. Ihre Worte kommen einem Gesetz gleich. Zwischen dem Land, repräsentiert durch den Erdwind, und seiner Wahrnehmung, genannt Erdlied, gibt es keinen Unterschied. Dieses Konzept hat der Autor in seinem Motto angedeutet. Das Motto, das in der Originalausgabe abgedruckt ist, zitiert den Sänger und Texter der Band YES, Jon Anderson:
|“As one with the knowledge and magic of the source
Attuned to the majesty of music
They marched as one with earth.“|
Die Verse stammen aus der Komposition „The Ancient: Giants Under the Sun“.
Die Außenweltler emanzipieren sich also schrittweise vom Einfluss ihrer technischen Kultur und dessen Ching-Orakel, das auf Aeran seine Gültigkeit verloren hat. Doch immer noch ist ihr Bewusstsein abgetrennt vom Rhythmus des Landes, vom Erdlied. Hartnäckig und schier verzweifelt bemüht sich Elspeth um diese Verbindung, von der sie annimmt, dass sie mit dem einheimischen Symbol des Erdwindes zu tun hat: drei Doppelspiralen, die in einem Dreieck angeordnet sind. Als Anthropologin weiß sie, dass solche Felszeichnungen im irischen Newgrange bei der alten Königsstadt Tara gefunden wurden (justament im Jahr 1977, als der Autor diesen Roman schrieb). Was, wenn die Kolonisten von Aeran irische Wurzeln hätten?
Doch sie haben diese Wurzeln vollständig vergessen und leben nur im Hier und Jetzt, mit dem Orakel des Erdwinds als einziger Richtschnur – „as one with the earth“. Doch auch in der Höhle des Erdwindes, wo dieser seinen Anfang nimmt, sind keine Symbole zu finden. Diese findet Elspeth nur in ihrem Geist, der sich auf unerwartete Weise verändert hat. In ihrer Vorstellung schweben die Symbole vor ihrem geistigen Auge. Und erst als sie die Zeichen mit ihrem eigenen Blut, das aus ihren Brustwunden tropft, in den Boden zeichnet, erfolgt die Erleuchtung, die sie schon die ganze Zeit zum Greifen nahe gefühlt hat.
|Der Erdwind – ein Vampir?|
Doch sie selbst könnte nicht sagen, worin der Erdwind oder seine Bedeutung besteht. Das muss sie auch gar nicht erklären, denn es kommt nur darauf an, eins mit ihm zu sein, um seinen Frieden mit der Welt zu finden. Elspeth ist angekommen, im Hier und Jetzt, wo ihr Körper schon auf ihr Bewusstsein wartet. Einmal hält sie den Erdwind für ein parapsychisches Phänomen, das ihre Neuronen verdreht und alte gespeicherte Erinnerungen schrittweise auslöscht, als wäre es ein Gedankenvampir.
Das ist natürlich Unsinn. Bei meinem Aufenthalt im Ausland habe ich ebenfalls festgestellt, dass ich alte Erinnerungen, besonders sprachliche, schnell verlor, sobald ich sie nicht mehr nutzte und übte. Sie wurden schnell durch neue ersetzt. Schon nach wenigen Monaten stellte sich das Gefühl des Angekommenseins ein. Genauso ergeht es Elspeth und Gorstein, nur wesentlich schneller, denn es ist der einzige Weg, wie sie auf Aeran überleben können.
Es wäre nicht nötig gewesen, einen verschütteten Zeitsinn zu erfinden, der ihnen hilft, sich in der veränderten Aeran-Zeit zurechtzufinden. Dieser Zeitsinn soll in der Kindheit der Menschheit, in der Steinzeit, noch existiert haben, aber im Laufe der Entwicklung des Menschen zu einem hochzivilisierten Wesen verschüttet worden und in Vergessenheit geraten sein. Davon habe ich noch nie gehört, und angesichts des beschriebenen Phänomens der kulturellen und sprachlichen Bewusstseinsanpassung erscheint mir dies auch unnötig.
|Erzählstil|
Ich habe für dieses Buch einige Monate benötigt. Obwohl die inhaltliche Aussage nicht sonderlich schwer zu begreifen ist, so erfordert es doch einige Mühe, die langen Passagen zu bewältigen, in denen die vier Hauptfiguren – Elspeth, Ashka, Gorstein und Iondai – lange Monologe mit sich selbst führen. Besonders Ashka ist in dieser Hinsicht anspruchsvoll, wälzt er doch philosophische Konzepte über Zeit, Kausalität und Orakelgültigkeit. Diese Monologe nehmen in der Mitte geradezu überhand.
Da waren mir die Streitgespräche zwischen Elspeth und Gorstein sowie den Aerani wesentlich lieber. Am besten sind aber die Passagen mit Naturbeschreibungen sowie mit Kampfszenen. Sie sind zwar knapp gefasst, aber anschaulich und nicht für Zimperliche gedacht. Da rollen Köpfe und jede Menge Blut, aber das ist typisch englisch und auch bei Holdstocks Kollegen David Gemmell zu finden.
_Unterm Strich_
Mir kam es manchmal so vor, als habe der Autor zunächst eine ziemlich gute, lebhaft und anschaulich erzählte Kurzgeschichte von 50 bis 80 Seiten gehabt. Hauptfigur dieser Story war natürlich die weibliche Hauptfigur Elspeth Mueller, und es kamen keinerlei Orakel vor. Doch dann musste diese Story irgendwie zu einem Roman aufgeblasen werden. Und daher mussten weitere Außenweltler wie Gorstein und Ashka landen und ein fremdes Orakel mit nach Aeran bringen.
Am besten lassen sich Seiten mit langen Monologen schinden, und das tat der Autor denn auch. Es passiert zwar nichts, aber wenigstens dienen die langen Passagen dazu, der Geschichte diejenige Tiefe in der Aussage zu verleihen, die ein Roman haben sollte. Hier wird sozusagen der Überbau installiert und abgehandelt, der aus dem Erdwind statt eines Gedankenvampirs ein mystisches, kosmisches Phänomen macht. Seine Einwirkung auf Elspeths Bewusstsein hätte man aber auch ohne diesen Überbau anschaulich erzählen können.
Jetzt kommt der Roman mit einer Menge Ballast daher. Leider wüsste ich nicht, dass die putative Ausgangs-Story irgendwo veröffentlicht worden wäre. Wahrscheinlich hat der Autor sie seinem Verleger gegeben, um den Auftrag für den Roman zu ergattern, was ihm dann auch gelang. Unterm Strich bleibt eine stellenweise unterhaltsame Erzählung über die Notwendigkeit, nicht nur den Körper, sondern auch das Bewusstsein zu ändern, um eine Welt erobern zu können. Für diese Einsicht hätten wir aber wohl kaum diesen Roman gebraucht, nicht wahr?
Die deutsche Ausgabe bei |Moewig| wartet mit einem scheußlichen, völlig unpassenden Titelbild auf sowie mit einem Nachwort des Herausgebers Hans Joachim Alpers, der den Autor näher vorstellt. Da das sehr klein gedruckte Original schon 251 Seiten hat, die deutsche, größer gedruckte Ausgabe aber nur 288 Seiten, regt sich in mir der Verdacht, dass die deutsche Ausgabe gekürzt wurde. Man sollte daher, wenn man man kann, zum Original greifen.
|Originaltitel: Earthwind, 1977
288 Seiten
Übersetzt von Karl H. Schulz, mit einem Nachwort von Hans Joachim Alpers|
William Gibson hat sich einen Ruf als Moralist der Science-Fiction erworben, hier bestätigt er ihn. Zusammen mit Bruce Sterling vernichtet er den Mythos von einer heilsbringenden Herrschaft der Computer, ja die Vorstellung von einer Future History der Menschheit überhaupt. Daher sollte dieses Werk keinesfalls unterschätzt werden.
Dieser Roman ist dem so genannten „Steampunk“ zuzurechnen: Elektronik, Magie, Zeitreise, d. h. alle möglichen SF-Themen finden im 19. Jahrhundert statt in der Zukunft oder Gegenwart ihre Anwendung. Und im 19. Jahrhundert dient den Autoren das London von Charles Dickens als Schauplatz der Handlung. William Gibson / Bruce Sterling – Die Differenzmaschine. Steampunk-Roman weiterlesen →
Drei junge Leute werden im Wald von einem Unbekannten erschossen. Sie hatten es gewagt, die Mittsommernacht am 22. Juni in Rokoko-Kleidern zu feiern. Merke: Only try this at home!
Fantasy für erwachsene Leser: voll Magie, Sex und Tod
Auf dem Dachboden des großväterlichen Hauses stößt Janey auf ein Buch mit dem Titel „Das kleine Land“. Beim Aufschlagen ertönt eine geheimnisvolle Melodie – und John Madden, großmeister des Ordens der Grauen Taube, wird alarmiert. Ihm ist jedes Mittel recht, um in den Besitz des Buches zu gelangen – und sei es um den Preis von Menschenleben. (Verlagsinfo)
Höhen und Tiefen des Schicksals: Mittelalter-Seifenoper in guter Lesung
England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen.
Auf einer Zeitreise in die Zeit der Frühmenschen vor einer Million Jahren verliebt sich John Monegal, der Reisende, in eine Frau, die von ihrem Stamm wie einst die schöne Helena verehrt wird. Er hat von ihr sein ganzes Leben lang geträumt. Warum? Und was hat das Experiment der US-amerikanischen Wissenschaftler damit zu tun?
Die Malerin Isabelle Copley verfügt über ein einzigartiges Talent: Die von ihr gemalten Geistwesen können reale Gestalt annehmen, die jeder sehen kann. Von dieser von ihrem Mentor Rushkin erworbenen Fähigkeit darf niemand erfahren. Doch als Izzy fünf Jahre nach dem Tod ihrer besten Freundin Kathy einen Brief von ihr erhält, kehren die jahrelang unterdrückten Erinnerungen zurück. Als ihr damaliger Freund, der Verleger Alan, anruft, um für Kathys Kurzgeschichten neue Illustrationen zu erbitten, erwacht in Izzy die Sehnsucht nach der alten Magie. Doch sie fürchtet, was sie erschaffen könnte…
Eine Mordserie erschüttert das Boston des Kriegsjahres 1865: Der Mörder tötet mit jenen Methoden, wie Dante seiner Zeit im „Inferno“ die Sünder bestrafen ließ. Und einige dieser Methoden sind recht bizarr.
Doch wer kann die Gräueltaten aufklären? Offenbar weder die korrupte Polizei noch die bestechlichen Detektive des Bürgermeisters noch diejenigen der Detektei Pinkerton. Es sind vielmehr die gesetzten älteren Herrschaften, die sich im |Dante Club| einem ehrgeizigen literarischen Projekt verschrieben haben: der ersten US-amerikanischen Übersetzung von Dantes |Göttlicher Komödie|. Dabei geraten sie selbst in Lebensgefahr.
Endlich sind Takeo Otori und Kaede Shirakawa als Mann und Frau vereint. Heimlich und gegen den Willen der anderen mächtigen Clans haben sie sich im Kloster Terayama trauen lassen. Doch ihnen bleibt nicht viel Zeit, ihr gemeinsames Glück zu genießen. Denn eine Prophezeiung, die ihm eine heilige Frau in den Bergen gab, bestimmt Takeos Schicksal. Kaum hat er die geerbte Domäne Maruyama in Besitz genommen, hört er schon von den anrückenden Truppen seiner Gegner Arai und Fujiwara. Fünf Schlachten werde Takeo schlagen, viermal siegen und einmal verlieren – die Prophezeiung wird Wahrheit, bis zur letzten Konsequenz.
_Die Autorin_
Lian Hearn, die eigentlich Gillian Rubinstein heißt und vor etwa 60 Jahren geboren wurde, lebte als Journalistin in London, bevor sie sich 1973 mit ihrer Familie in Australien niederließ. Ihr Leben lang interessierte sie sich für Japan, lernte dessen Sprache und bereiste das Land.
„Das Schwert in der Stille“ ist der erste Band der Trilogie „Der Clan der Otori“. Der zweite Band „Der Pfad im Schnee“ ist im Herbst 2004 im |Carlsen|-Verlag erschienen und wurde im Februar 2005 bei |Hörbuch Hamburg| veröffentlicht. Der dritte Band „Der Glanz des Mondes“ erschien im Mai 2005.
„Das Schwert in der Stille“, der mittlerweile in 26 Sprachen übersetzt wurde, wurde mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 2004 ausgezeichnet. Die HR2-Jury hat das Hörbuch dazu im Dezember 2004 auf die Bestenliste gewählt. Mehr Infos unter http://www.otori.de.
_Die Sprecher_
Marlen Diekhoff, vielseitige Bühnen- und Filmschauspielerin, gehört nach Verlagsangaben seit vielen Jahren zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Für |Hörbuch Hamburg| hat sie bereits Texte von A. Baricco, Amélie Nothomb, Colette, Sándor Márai und „Tausendundeine Nacht“ gelesen.
August Diehl ist einer der angesehensten deutschen Schauspieler der jüngeren Generation. Er wurde für den Film „23“ mit dem Deutschen Filmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Seitdem war er in „Kalt ist der Abendhauch“, „Tattoo“, „Was nützt die Liebe in Gedanken“ (neben Daniel Brühl) und in Schlöndorffs „Die neunte Stunde“ zu sehen.
Regie führte bei diesem Hörbuch Gabriele Kreis. Auch diese Lesung ist gekürzt. Das Titelbild zeigt die Schlacht- und Schwert-Abbildung der Buchausgabe.
_Vorgeschichte_
Das Booklet unterrichtet den Hörer darüber, was in den vorhergehenden zwei Bänden grob gefasst passiert ist. Japan, Ende des 15. Jahrhunderts: Eines Morgens wird Takeos Dorf überfallen, und er überlebt als einziger. Lord Shigeru vom Clan der Otori rettet ihn und nimmt ihn in seine Familie auf. Von ihm, einem Helden wie aus versunkenen Zeiten, lernt Takeo die Bräuche des Clans. Er lehrt ihn Schwertkampf und Etikette. Die Liebe zu Kaede entdeckt Takeo allein.
Als er herausfindet, dass er dunkle Kräfte besitzt – die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein und sich unsichtbar zu machen, und dass er so gut „hören kann wie ein Hund“ – gerät er immer tiefer in die Verstrickungen der Lügen und Geheimnisse, aus denen die Welt der Clan-Auseinandersetzungen besteht. Trotz seines Widerwillens ist es ihm bestimmt, sich an den Mördern seiner Familie zu rächen. Takeo verbindet sein Schicksal mit dem der Otori.
Am Schluss von Band 1 ließ Lord Shigeru sein Leben, nachdem auch Lord Iida getötet worden war. Als Folge dieser beiden einschneidenden Ereignisse kam es in der Hauptstadt Inuyama zu einem Aufstand, den sich die Armee unter Lord Arai Daiichi zunutze machte, um die Macht zu übernehmen und die tyrannischen Tohan zu stürzen. Er bringt die Drei Länder in seine Gewalt.
Man glaubt, Takeo sei Iidas Mörder, doch in Wirklichkeit war es Lady Kaede. Takeo ist verschwunden, was Arai, der auf ein Bündnis mit dem Krieger hoffte, erzürnt. Er beschließt, gegen den „Stamm“, der ihm Takeo entrissen hat, vorzugehen. Es ist abzusehen, dass Takeo und Kaede im Machtspiel zwischen den Otoris, Lord Arai und dem „Stamm“ eine Schlüsselrolle zufällt. Wenn sie nicht aufpassen, könnte dies ihren Untergang bedeuten.
Doch inzwischen hat sich Takeo dem „Stamm“, aus dem sein leiblicher Vater Isamu stammte, unterwerfen müssen. Mit der Kikuta Yuki zeugte er ein Kind, doch Yuki, die ihm einst in Inuyama Shigerus Schwert brachte, wurde Takeo entrissen und musste einen Stammesangehörigen heiraten. Takeo kann sich nicht mit den opportunistischen Zielen des Stammes anfreunden, er flieht über die Berge. Mehrere Anschläge überlebt er und begegnet einer heiligen Frau, die ihm sein Schicksal prophezeit (s.o.).
Außerdem lernt er die „Verborgenen“ kennen, die verfolgten und ausgestoßenen Christen. Seine Eltern hingen selbst diesem Glauben an, der alle Werte, die die Japaner hochhalten, für ungültig erklärt und sie unterminiert. Der Christ Jo-an hilft ihm, ins Kloster Terayama zu entkommen. Dort kann er endlich Kaede heiraten und die Übernahme ihres Erbes vorbereiten: der Domänen Shirakawa und Maruyama. Dann wäre er als Clanherr eine beachtliche Macht im Westen.
In den Begleittexten ist die Rede davon, dass Kaede Takeos Kind erwarte. Das ist im 3. Band nicht mehr zutreffend. Vielmehr verhält es sich so, dass sie sich Vorwürfe macht, dass sie ihm nicht schon längst einen Erben geschenkt hat. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so. Die heilige Frau hat nämlich geweissagt, Takeo werde einst von der Hand seines eigenen Sohnes fallen …
_Handlung_
Takeo braucht dringend eine Machtbasis, deshalb reitet er mit einer Bauernarmee und wenigen Otori-Kriegern gen Westen Richtung Maruyama. Diese Domäne hat Kaede von ihrer Mutter geerbt. Ihr Vater kam auf unglaublich dramatische Weise in ihrer Heimatstadt Shirakawa ums Leben (Band 2). Die erste von fünf Schlachten, die Takeo bestehen muss, ereignet sich gleich am Grenzfluss. Banditen haben auf der anderen Seite eine Schreckensherrschaft errichtet, und nachdem Takeo den Übergang mit Schwimmflößen geschafft und einen Riesen namens Jin-emon besiegt hat, greifen die Banditen an. Takeos fähige Krieger machen sie nieder. Er gewinnt zwei fähige Gefolgsleute namens Hiroshi und Jiro.
|Schlacht Nr. 2|
Auf halbem Wege zwischen diesem Fluss und der Hauptstadt Maruyama melden Späher eine feindliche Streitmacht im Anmarsch. Als Takeos kleine 1000-Mann-Armee durch ein Tal vorstößt und auf eine Ebene tritt, befinden sich die Feinde – es sind Seishuu und Tohan – bereits in vollem Gefecht mit Truppen aus der Hauptstadt. Takeos Eingreifen entscheidet die Schlacht. Er besiegt den gegnerischen Befehlshaber, Iida Noriaki, der noch einpersönliches Hühnchen mit Takeo zu rupfen hat. Kurzer Prozess: Kopf ab!
|Zu den Piraten|
Nach einer gewissen Restaurationszeit in Maruyama und schönen Tagen mit seiner Frau treibt Takeos Unrast ihn zu einer Expedition an die nördliche Küste. Er hat nämlich vor, die Otoris aus Hagi vertreiben und so Shigerus Tod zu rächen. Das geht aber nicht von Land her, sondern nur von der Seeseite. Der einzige Freund, den er an der Nordküste, auf der Insel Oshima, hat, ist Terada Fumio. Es gelingt ihm, ein Bündnis mit den Teradas zu schließen, damit ihre Piraten die Festung Hagi angreifen, sobald er sie ruft.
|Lady Kaedes Irrwege|
Doch ein Taifun verhindert seine zeitige Rückkehr. Da sie das Warten leid ist, unternimmt die ungeduldige Kaede gegen heftigen Protest eine eigene Expedition. Diese hat drei Ziele. Erstens will sie ihre zwei Schwestern aus Shirakawa nach Maruyama holen. Zweitens versteckt sie die kopierten Aufzeichnungen Lord Shigerus über den „Stamm“ in den heiligen Höhlen vor Shirakawa. In diesen Höhlen, die nur Frauen betreten dürfen, betet sie drittens zur Göttin um Fruchtbarkeit.
Als sie endlich in Shirakawa auf ihrem Gut eintrifft, erlebt sie eine böse Überraschung. Lord Fujiwara (den sie schon aus Band 2 zur Genüge kennt) hat ihre Schwestern abgeholt und hält sie als Geiseln fest. Wozu? Er lädt Kaede ein, um sie zu seiner Frau zu machen! Die Ehe mit Takeo sei annulliert worden, argumentiert er. Wütend reitet Kaede mit wenigen Getreuen zu Lord Fujiwaras prächtiger Residenz. Das ist sehr unvorsichtig, denn unversehens findet sie sich in der Gewalt des Lords. Nur ihr Begleiter Hiroshi (s.o.) kann entkommen und Takeo benachrichtigen.
|Die Falle wird gestellt|
Es ist klar, dass Takeo mit so vielen Männern wie möglich aufbrechen wird, um Kaede zu befreien. Doch sie ist nur der Köder in einer großen Falle, die Fujiwara mit Lord Arai aufgestellt hat und in die Takeo blindlings hineinzutappen droht. Können ihn seine übermenschlichen Sinne auch hier retten? Ist dies eine Schlacht, die er gewinnen, oder eine, die er verlieren wird?
_Mein Eindruck_
Der dritte und abschließende Band der Trilogie um den Otori-Clan ist auch der actionreichste und – für Actionfreunde wie mich – spannendste Teil. Fünf Schlachten hintereinander, da ist man fast schon froh, wenn es eine Verschnaufpause gibt. Und die liefert in der Tat Lady Kaede. Obwohl erst 16 Lenze alt, ist sie doch eine ausgebildete Kriegerin und Attentäterin. Und diese Frau sperrt Lord Fujiwara in einen goldenen Käfig. Es ist eine seelische Folter von erlesener Bosheit. Er hält seine Frau nämlich gar nicht, um sich an ihr zu verlustieren, sondern lediglich, um sie zu betrachten wie eine seiner zahlreichen Kostbarkeiten, ähnlich wie ein Kunstobjekt.
|Es wird kompliziert|
Während Kaedes Gefangenschaft bereiten sich wichtige andere Entwicklungen vor. Die Piraten schließen ein Bündnis mit Takeo, und Takeo muss sich mit Arai arrangieren. Beide wollen sowohl gegen die Otori-Verräter als auch gegen den „Stamm“ vorgehen. Nun wird es kompliziert: Der „Stamm“ ist gespalten. Auf der einen Seite beherrschen die Kikuta das Vorgehen des „Stamms“ nach außen und schicken Attentäter und Spione aus.
Auf der anderen Seite steht die bislang loyale Familie der Muto. Zu diesen gehört Takeos Lehrer Kenji und seine Nichte, Kaedes Freundin Shizuka. Shizuka wiederum war die Mätresse von Lord Arai und gebar ihm zwei Söhne, die mittlerweile über zehn Jahre alt sind und sich bereits als Spione einsetzen lassen: Auch sie können sich, wie Takeo, unsichtbar machen und sind so äußerst nützlich – für den, der sie anzuheuern versteht.
|Finale|
Doch der Mord an Kenjis Tochter Yuki, den die Kikuta zu verantworten haben, geht Kenji eindeutig zu weit. Er läuft auf Takeos Seite über und wendet das Blatt zu dessen Gunsten. Doch noch ist Hagi nicht erobert, und der Weg zum Frieden, den Takeo laut Prophezeiung bringen soll, ist noch lang. Das Finale muss alles entscheiden. Es ist von langer Hand vorbereitet und fulminant inszeniert. Dieser Höhepunkt der dramatischen Entwicklungen setzt eine weitere Weissagung in die Tat um, die die wenigsten beachtet haben: Es zeigt sich der Willen von Erde und Himmel …
Das mag zwar schon relativ mystisch klingen, aber es handelt sich in den meisten Szenen um Zitate der Weissagung – und die sollte man schon aus Band 2 kennen (außerdem steht sie zur Sicherheit auch auf der Rückseite des Buchumschlags). Echte Religion findet sich noch am ehesten in Gebeten Kaedes und Takeos zu ihren jeweiligen Göttern. Ich hätte mir noch ein wenig mehr davon gewünscht.
|Köpfe werden rollen|
Für meinen Geschmack rollen ein wenig zu viele Köpfe in dieser Geschichte. Alle Naslang muss ein armer Tropf dran glauben, manchmal auch ein Lord. Dieses Köpfen erinnert an den Film „Highlander“, und dort hat es bekanntlich seine Berechtigung: Kopf ab, Kraft frei, Sieger stärker. Ob das Köpfen einen abergläubischen Hintergrund hat, wie etwa das Verhindern von Wiedergängern und Dämonen, erfahren wir leider nicht. Daher wirkt es doch etwas aufgesetzt und brutal.
|Barbaren|
Übrigens tauchen diesmal auch am Rande Barbaren auf, das heißt: Leute aus dem Abendland. Sie haben das Fernrohr eingeführt und etwas, das der Pirat Terada Fumio eine Feuerwaffe nennt: ein Luntenschlossgewehr. Wird eine Kugel daraus abgefeuert, ist diese, anders als ein Pfeil, in der Lage, eine traditionelle japanische Ritterrüstung zu durchschlagen. Und das ist ein überraschender Spezialeffekt, den sich die Autorin selbstverständlich für das Finale aufhebt.
_Die Sprecher_
August Diehl spricht den Ich-Erzähler Otori Takeo. Takeo erscheint als kräftiger, selbstsicherer junger Mann, der schon früh größtes Leid erfahren und bewältigen muss. Doch Grübelei und Melancholie sind seine Sache nicht. Ironie und Zynismus sind Takeo ebenso fremd, doch aufrichtigen Humor bekommen wir von ihm fast nie zu hören. In „Der Glanz des Mondes“ erscheint der 17- oder 18-jährige Takeo ebenso als energischer Kämpfer und Befehlshaber wie auch als einfühlsamer Menschenbeobachter. Diehl gelingt es, beide Aspekte eindrucksvoll darzustellen.
Marlen Diekhoff spricht Lady Kaede in der dritten Person. Dieser Wechsel der Erzählperspektive ist leicht zu bewältigen und sorgt für Abwechslung. Diekhoff verfügt über eine sanfte, honigweiche Stimme, die ich stellenweise ein wenig zu leise finde. In „Das Schwert in der Stille“ monierte ich Diekhoffs brüchige Stimme. Auf „Pfad im Schnee“ und „Der Glanz des Mondes“ klingt diese Stimme jedoch hörbar erholt und kräftig. Sie moduliert die Tonhöhe und die Satzintonation besser und abwechslungsreicher. Es fällt ihr keineswegs schwer, auch mal einen Ausruf und ein Flüstern einzuflechten. Ihr Vortrag ist wesentlich emotionaler als jener von Diehls.
|Aussprache und Schreibweise|
Beide Sprecher bewältigen die sprachlichen Schwierigkeiten, die das Japanische bietet, mit großer Bravour. Sie haben sich offenbar kundig gemacht. Ganz besonders August Diehl muss mit vielen Namen zurechtkommen, die stets ein wenig von der Schreibweise abweichen. Ein paar Beispiele:
Otori: Die Betonung liegt im Japanischen eine Silbe VOR derjenigen, die im Indogermanischen betont wird. Hier würde man „Otori“ auf der zweiten Silbe betonen: otóri. Doch im Japanischen liegt die Betonung auf der ersten: Es klingt wie [ottori]. Analog dazu wird „Shirakawa“ auf der zweiten statt der dritten Silbe betont: [shirà kawa]. Analog dazu die Städtenamen Inúyama, Yamágata und Teráyama. Der Name der Lady Kaede wird in nur zwei Silben ausgesprochen, denn [ae] ist ein Doppellaut und klingt wie [ei], nicht wie [ä].
Allerdings scheinen sich die beiden Sprecher nicht hinsichtlich der Aussprache abgesprochen zu haben. Diehl spricht zum Beispiel den Namen Kahei wie „ka’hej“ aus, doch Diekhoff sagt „kachei“. Auch die Betonung bestimmter Namen kann variieren. Aber das kann „im Eifer des Gefechts“ passieren.
_Personenliste_
Weil das Personal recht umfangreich ist, enthält das Hörbuch eine Liste der auftretenden Figuren, die auch schon im Buch unschätzbare Dienste leistet. Dennoch bleibt eine Quelle der Verwirrung. Ständig tauchen Angehörige des Stammes auf, die als „Skuta“ bezeichnet werden. Manchmal steht diese Bezeichnung für den Stamm im Allgemeinen, dann aber wieder nur für eine bestimmte Familie (Akio usw.), die sich Takeo zum Feind gemacht hat – im Unterschied zu der Stammesfamilie der Muto. Um die Verwirrung vollständig zu machen, tauchen die Skuta überhaupt nicht im Personenregister des Buches auf, aber nur die Stammesfamilie Kikuta hat die entsprechenden Vornamen. Das ist auch keine Ausspracheabweichung, denn es werden durchaus im gesprochenen Text auch Kikuta genannt.
Lediglich im Buch kann sich der Interessierte anhand einer Landkarte orientieren, wie die Ortsnamen und die Namen der Clan-Domänen geschrieben werden. Meine Schreibweise ist der im Buch angeglichen.
_Die Übersetzung_
Nicht Irmela Brender arbeitete hier als Übersetzerin, sondern Salah Naoura, die mir unbekannt ist. Die Sprachebene, die verwendet wird, ist natürlich nicht die des modernen Alltags, sondern die der klassischen Erzählung, also ein überhöhender Tonfall, wie er etwa einem Heldenepos wohlansteht. Er passt ausgezeichnet zu dem Sujet der Liebe, der Ehre und des Kampfes.
Leider fehlt ein Glossar, aber immerhin gibt es jetzt – im Buch wie auch im Hörbuch-Booklet – das lang ersehnte Personenverzeichnis. Im Buch gewährt eine Landkarte Aufschluss über Namen sowie Orientierung. Ich habe darauf zwar nicht gefunden, wo die dargestellte Gegend liegt – im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu, 100 km westlich von Hiroshima –, aber wenigstens kenne ich nun die Schreibweise der Namen. Und wenn im Text vom „Festland“ die Rede ist, kann es sich ja wohl nur um die Mandschurei oder das Reich der Mitte handeln.
_Unterm Strich_
Der Abschlussband der Otori-Trilogie ist auf weiten Strecken auf Action und das Ränkespiel der Lords ausgerichtet, was in der Schlacht um Hagi gipfelt. Das Ränkespiel der „Stammes“-Familien bleibt weiterhin kompliziert. Lady Kaede wird schon in der Mitte der Handlung auf einen Nebenschauplatz abgestellt, der Takeo in eine Falle locken soll. Als Takeo seine Frau endlich wiedersieht, bietet sie einen schockierenden Anblick …
Das Schicksal Takeos und Kaedes ist bewegend und auch für westliche Leser bzw. Hörer interessant. Die gesamte Trilogie „Der Clan der Otori“ richtet sich an Jugendliche um 16 bis 17 Jahre. Sowohl Lady Kaede (16) als auch Otori Takeo (17 oder 18) sind in diesem Alter, als das dritte Buch „Der Glanz des Mondes“ beginnt. Beide wachsen in einer Erwachsenenwelt auf, die ebenso von Geheimnissen wie von Gefahren erfüllt ist. Und die Gefahr gilt immer dem Leben. Hier rollen die Köpfe reihenweise.
Das Hörbuch finde ich diesmal rundum gelungen. Sowohl Diehl als auch Diekhoff hauchen ihren Figuren Takeo und Kaede auf glaubwürdige und einnehmende Weise Leben ein, so dass man sich lebhaft für ihr weiteres Wohlergehen interessiert. Immer noch halte ich Diehl für den besseren Sprecher, aber Diekhoff hat aufgeholt.
|Originaltitel: Tales of the Otori, Book 3: Brilliance of the Moon, 2004
Aus dem US-Englischen übersetzt von Salah Naoura
570 Minuten auf 8 CDs|
Der Fürstentochter Lärka steht eine arrangierte Hochzeit bevor. Als Vasall eines machtgierigen Umstürzlers, der den rechtmäßigen Thronfolger Jaduins vertrieben hat, muss ihr Vater die Tochter umsichtig verheiraten. Als Lärka der geheimnisvolle Arild begegnet, der mit den Wolken zu sprechen scheint, ahnt sie noch nicht, wie ihr Schicksal mit seinem verbunden ist und dass das Land Jaduin vor einem Wendepunkt steht, an dem nur sie beide das Schlimmste abwenden können. (Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Kristin Falck wurde 1966 in Gelnhausen geboren, wo das Mittelalter lebendig ist. Die promovierte Informatikerin lebt heute mit ihrer Familie in Heidelberg. Schreiben bedeutet für sie „… dem nachspüren, was sich im Innersten bewegt, und es mit feinen Strichen so auf einen kräftig bunt grundierten Hintergrund zu bringen, dass andere dasselbe empfinden.“ „Die Hüter der Wolken“ ist ihr Romandebüt. (Verlagsinfo) Mehr Info: http://www.kristinfalck.de/.
_Die Sprecherin_
Tanja Geke war nach ihrer Schauspielausbildung in Berlin in verschiedenen Film- und Fernsehrollen zu sehen, u. a. in „Rosa Roth“ und „Praxis Dr. Sommerfeld – Neues von Bülowbogen“. Neben ihren TV-Auftritten ist von ihr so manches zu hören. Sie lieh ihre Stimme bereits Kate Hudson („Almost Famous“), Scarlett Johannson („The Prestige“) und Beyoncé Knowles.
Geke liest eine bearbeitete Fassung vor – Redaktion: Antje Seibel. Für die Aufnahme zeichnete Lars Ullrich verantwortlich, Regie führte Stefan Nickels, die Musik trug Andy Matern bei.
_Handlung_
Die siebzehnjährige Lärka lebt auf dem Gehöft ihres Vaters, des Thans von Ribehof. Da ihre leibliche Mutter Audhild zehn Jahr zuvor starb, führt ihre strenge Tante Asa das Regiment auf dem Anwesen. Das Mädchen will wie ihre Mutter ein „grünes Weib“ werden, eine heilende Kräuterfrau, aber Asa und ihr Vater haben andere Pläne mit ihr. Lärkas bester Freund ist ihr sechzehnjähriger Vetter Jörn, Asas Sohn.
Heute geht es zum Markt. Lärka sieht, dass die Gelegenheit abzuhauen, günstig ist. Doch leider wird sie von Valgrim abgefangen, einem älteren Mann, und vom jungen Arild, Jörns Vetter. Der schweigsame Arild wird von Lärka „Wolkenkopf“ genannt, weil er ständig gen Himmel schaut, als könne er die Sprache der Wolken verstehen. Arild erzählt, er sei mit Valgrim unterwegs zum Thanshof von Orlyg, Lärkas Vater.
Am Abend feiert Orlyg mit ausgewählten Ehrengästen – Geestleuten und Küstenländern – den Geburtstag Lärkas und überreicht ihr ein wertvolles Kästchen aus dem Erbe ihrer Mutter, das wie sie aus Osgund stamme. Im Kästchen befindet sich eine Silberkette, die einen bemerkenswerten Anhänger aufweist: einen schwarzen Sternstein. In ihrer Kammer entdeckt Lärka im doppelten Boden des Kästchens ein Geheimfach und darin ein Pergament. Aber sie hat nie lesen lernen dürfen und muss erst noch jemanden finden, der ihr die schwarzen Zeichen auf dem Dokument deutet.
In dieser Nacht hat Lärka den ersten von mehreren Träumen, die ihren Geist auf eine Reise mitnehmen. Darin sieht sie einen traurigen Kranich, einen sorgenvollen Steinbock und einen stolzen, unruhigen Adler – dies sind ihr Vater mit Valgrim und Arild. Erstaunlich, dass sie die Gedanken dieser Menschen sehen und lesen kann. Aber sie verrät keinem, dass sie diesen Traum gehabt hat, der ihr durchaus ein wenig Angst einjagt. In einem zweiten Traum fliegt ihr Geist übers Eis, bis er zu Hirten an einem Bach gelangt. Hier verwandelt sich ein Stein zu einem Schwert, Ritter erscheinen und ein Heer. Lärka fragt sich, ob sie das Zweite Gesicht hat und ob es an der Silberkette ihrer Mutter liegt.
|Nach Norden|
Am nächsten Tag ziehen Valgrim und Arild mit Lärka und Jörn Richtung Norden nach Osgund, damit Lärka bei ihrer Tante Rudlindis, Audhilds Schwester, einmal andere Leute kennenlernt und etwas über das harte Leben in den Bergen erfährt. Ein Quacksalber namens Bolverk schließt sich ihnen ebenso an wie zwei Krieger aus dem Volk Feodras‘, die sich Olvir und Daryn nennen. Daryn trägt ein bemerkenswertes Amulett, das einen Adler mit einem Blitzbündel in den Klauen zeigt.
Als Arild beim Schwimmen im Fluss verunglückt und unauffindbar ist, gelingt es nur Lärka mit ihrer Geistsuche, den Verschollenen ausfindig zu machen. Sie vertraut sich nur ihrem Vetter Jörn an, und er muss lügen, er habe eine Art Eingebung gehabt. Niemand soll etwas von Lärkas besonderen Kräften erfahren, bevor sie nicht selbst darüber mehr weiß. Der wiedergefundene Arild ist verletzt und muss genesen. Lärka ist froh, ihn gerettet zu haben.
Am nächsten Morgen gelingt es Lärka, die Feodriner Ritter in ihrer Diskussion mit Arild, Valgrim und Bolverk zu belauschen. Sie drängen Arild, sich als König zu erkennen zu geben, denn er habe schließlich DEN STEIN gefunden, das Herz der Berge. Arild weigert sich standhaft gegen Valgrims Drängen, den thronräuberischen König von Osgund herauszufordern und den geraubten Herzstein wieder an sich zu nehmen. Lärka rätselt über diese Ausdrücke, aber ihr ist jetzt klar, dass es mit dem jungen Arild eine besondere Bewandtnis haben muss. Ist ihr Schicksal mit seinem verknüpft?
|Im Blutwald|
Sie reiten gemächlich weiter, bis sie in die Ebene vor Osgund gelangen, von wo aus sie den ersten Blick auf das Panorama der Frostberge werfen können. Da ist der hohe Goldfang, dort die Zehn Brüder und schließlich droht neben ihnen der finstere Grimhorn. Unter den Zehn Brüdern liegt der Blutwald, in den sich seit vielen Jahren kein sterblicher Mensch mehr gewagt hat – ein tödlicher „Zauberwald“, raunt Bolverk. Lärka erinnert sich an Onkel Tiernan, den Bruder ihrer Mutter Audhild, der eines Tages verschwand. Kam er hier um?
Ein Braunbär versetzt das Packpferd in Panik, so dass es davonläuft. Darauf ist Lärkas Festkleid und darin eingenäht ihre Silberkette! Nichts kann sie davon abhalten, dem Packpferd zu folgen, selbst dann nicht, als es in den Blutwald rennt. Bis das dumme Pferd stürzt und sich verletzt. Lärka findet ihren Schatz und ist erleichtert, doch als sie aufschaut, befindet sie sich mitten im unheimlichen Dämonenwald. Alles hier ist eklig und tot.
Arild, der Lärka gefolgt ist, findet den Weg ebenfalls nicht mehr heraus. Sie reiten im Kreis und stoßen wieder auf das sterbende Pferd. Sie müssen offensichtlich die Nacht hier verbringen. Hier fand einst eine Schlacht statt, in der viele Krieger starben, erzählt Arild. Die Leichen der „Baumgeborenen“ wurden aufgespießt und an die Bäume gehängt, die seitdem verflucht sind.
Es wird eine Nacht voller Schrecken. Doch da holt Arild einen Mondstein aus seiner Tasche. Ein Lichtlein in der Dunkelheit, und in Lärka erwachen die Träume …
_Mein Eindruck_
Dies ist der vielversprechende Auftakt zu einem Zyklus um Lärka, die Seherin, die einen künftigen König liebt und heiraten wird. Das besondere Merkmal der Geschichte liegt im Thema des Exils und der Enteignung. Die Welt ist für Lärka und Arild falsch und sie unternehmen alles, um sie wieder ins Lot zu bringen. Lärka ist bei den Geestländern fern von Osgund aufgewachsen und kehrt nun zumindest geografisch an den Ursprung der mütterlichen Sippe zurück – und zu den Wurzeln ihrer magischen Kräfte.
Arild hingegen hat viel mit Aragorn gemeinsam, den die Autorin wohl auch ziemlich sexy findet. Wie Aragorn lebt der Königssohn im Exil und hat seinem rechtmäßigen Thron entsagt, auf dem ein Thronräuber namens Hakon sitzt. Doch die Feodriner wie Arild sind durch eine besondere Magie mit dem Land und den Bergen verbunden. Sie herrschen über den Herzstein und sorgen so für den Frieden mit den drohend aufragenden Bergen rings um Osgund. Doch seitdem der Ursurpator in der Festung von Osgund sitzt, hat der Berg namens Grimhorn seinen böswilligen Einfluss ausgebreitet und das Bergplateau ringsum mit Staub und Asche überzogen.
Die Steinmagie durchdringt das Buch – keine üble Idee, denn sie lässt sich durchaus anschaulich und überzeugend umsetzen. So gelangen Arild & Co. auf ihrer Flucht vor Hakons Häschern in das Dorf von Corydon, in dem Menschen zunehmend zu versteinern drohen. Sie sind umgeben von Steinstaub, kennen weder Sonnenschein noch frische Luft noch Lachen. Eine wahrlich traurige Gemeinde. Die überdies noch gefährlich ist, als sich herausstellt, dass die Feodriner dort selbst durch Grimhorns Macht zu Stein verwandelt werden können. Es dürfte klar sein, dass die Versteinerung von Menschen symbolisch zu verstehen ist und sich auf Gefühle bezieht.
Doch die Steinmagie hat noch weitere Konsequenzen und Erscheinungsformen. So gibt es beispielsweise Himmelssteine, von deren Splittern Lärka selbst einen in ihrer Silberkette trägt. Der Himmelsstein fiel vom Himmel, es handelt sich also um einen Meteoriten. Kein Wunder, dass sie Träume hat, in denen ihr Geist auf Reisen geht und sie Visionen wie aus Galadriels Spiegel erhält. (In SF-Romanen werden dazu immer Monitore und Hologramme benötigt – ist in der Fantasy völlig unnötig, weil die Projektionsfläche sich im Kopf des Betrachters befindet.) Wie auch immer: Himmelssteine sind mit dem Herzstein verbunden. Nur geübte Seher können die Träume steuern, doch Lärka hat in dieser Hinsicht noch viele Lehrjahre vor sich.
Die oberste Lehrherrin ist Althea, die Ahnin, die jenseits von Corydons Dorf in den Höhlen der Berge lebt. Hier hat die Ahnin ihre Jüngerinnen um sich versammelt, ein Frauenorden, der gelinde an Frank Herberts Bene Gesserit erinnert. Auch aus dem Grunde, dass die geistigen Inhalt der verstorbenen Ordensmitglieder nicht verloren gehen, sondern im Geist der Ahnin gespeichert werden. Diese verfügt über besondere Lebenskräfte und ist potentiell unsterblich. (Man erinnere sich an [„DUNE“: 1662 Dort überträgt die Bene-Gesserit-Mutter Ramallo ihren Geist an Lady Jessica Atreides, und zwar in jener Zeremonie, bei der das „Wasser des Lebens“ eingesetzt wird.)
Diese Geistesübertragung und -bewahrung hat für Lärka eine erstaunliche Konsequenz: Ihre Mutter Audhild meldet sich aus der Vergangenheit, denn auch Audhild war eine Angehörige dieses Ordens (der offenbar kein Keuschheitsgelübde kennt). Und zusammen mit dem Pergament, das endlich von einer Gelehrten namens Melva entziffert wird, erkennt Lärka, in welcher Tradition des Blutes und des Geistes sie ihren Platz finden kann. Diese Einordnung in die Welt ist der wesentlichste Aspekt für jedes Jugendbuch.
Allerdings befindet sich Arild immer noch im Exil, und als er sie zu seiner Geliebten und Verbündeten macht, muss sie an seinem Widerstandskampf gegen den Thronräuber teilnehmen. Erst wenn die Festung von Osgund gestürmt ist und der Gerzstein wieder in den rechtmäßigen liegt, wird die Welt wieder so sein, wie es die Tradition der Feodriner und der Ahnin vorsieht. Dieser Kampf, der sowohl mit Waffen aus Stahl wie auch denen des Geistes ausgefochten wird, muss jedoch in einem weiteren Band erzählt werden.
Der Roman bietet besonders für Leserinnen zahlreiche Identitifikationsmöglichkeiten: mit der jungen Lärka, mit der alten Ahnin, mit Audhild und vielen anderen. Auch Jungs bekommen ein paar Kämpfe geboten, denn was wäre ein Widerstandskampf wie dieser ohne ein paar ordentliche Kämpfe? Arild hat eine magische Fähigkeit, die hier aber nicht verraten werden soll. Und wenn er sich mit Lärka und den magischen „Wolkenfürsten“ zusammentut, so kann er es sogar mit dem boshaften Grimhorn aufnehmen und dessen Einfluss zurückdrängen.
Diese „Wolkenfürsten“ allerdings erinnern an nichts so sehr wie an chinesische Magier, die durch die Lüfte sausen, oder an frühmittelalterliche Engel, die dem Bedürftigen in Not erscheinen, um ihm Rat zu geben. Das ist keine sonderlich gute Konstruktion, die der Autorin hier einfiel. Die bildhaften Assoziationen sind allzu sehr an die mittelalterliche Bildsprache geknüpft und somit historisch vorbelastet. Tolkien hätte sie rundweg als „Allegorien“ in Grund und Boden verdammt. Sei’s drum, es ist schließlich nicht mein Roman.
|Die Sprecherin|
Tanja Geke lässt die sanfte Stimme von Scarlett Johannson erklingen. Das macht das Zuhören für einen männlichen Hörer fast schon zu einem sinnlichen Vergnügen, und für weibliche Hörer mag sie die angemessene Stimme sein, um die Gedanken und Empfindungen der Hauptfigur Lärka wiederzugeben.
Allerdings tut sich die Sprecherin etwas schwer mit tiefen männlichen Stimmen. Bolverk beispielsweise klingt nur unwesentlich tiefer als etwa der junge Arild und Lärka nur unmerklich höher als Arild. Etwas mehr liegt ihr der Ausdruck von Gefühlen in bestimmten Situationen, so etwa Strenge, Ängstlichkeit, Zorn, stockendes und zaghaftes Sprechen und dergleichen. Am natürlichsten klingen stets die Frauenstimmen, besonders die von älteren Frauen wie der Ahnin. Dass die Stimme eines Wolkenfürsten mit ordentlich Hall unterlegt ist, finde ich nur angemessen, schließlich soll es sich um ein majestätisches, himmlisches Wesen handeln.
|Der richtige Atem|
Jeder Sprecher muss eine Ausbildung gehabt haben, um nicht nur die richtige Intonierung von Sätzen und die hochdeutsche Aussprache zu erlernen, sondern vor allem auch die Atemtechnik zu beherrschen. Manche Sätze sind ja mitunter recht lang, und es wäre ein Unding, mittendrin abzusetzen und wieder anzufangen, wenn die Unterbrechung nicht sinnvoll für den Inhalt ist.
Um die optimale Atemtechnik ist es zwar bei Geke recht gut bestellt, doch ich konnte mich nicht mit ihrer Eigenart anfreunden, vor jedem Satz erst einmal hörbar tief Luft zu holen. Das ist zwar nötig, doch sollte man es nicht in der Aufnahme hören. Bei anderen Profisprechern wie Kerzel, Glaubrecht oder Pigulla sind solche Atemgeräusche kaum je zu hören. Offensichtlich hat die Aufnahmeleitung es unterlassen, dieses Geräusch herauszuschneiden. Vielleicht glaubte Lars Ullrich, das Atemgeräusch würde bei einem Hörbuch für Jugendliche nicht stören. Das tut es aber.
|Geräusche|
Zu meinem nicht geringen Vergnügen wurden dem Vortrag eine ganze Reihe verschiedenster Geräusche beigemischt. Wiederholt poltern Steine herab, Geröll prasselt, und ein Rauschen wie von einem Bergbach ist zu hören. In Actionszenen ist Schwerterklirren im Hintergrund zu vernehmen, und ab und zu Stimmengewirr und Pferdewiehern. Die Geräusche sind höchst dezent eingesetzt und haben nichts mit der detaillierten Ausarbeitung zu tun, die man von einem dramatisch ausgestalteten Hörspiel erwartet. Seltsamerweise fehlen aber Geräusche von Windbewegungen, wie man sie mit einem Mann assoziieren würde, der den Wolken nachschaut, um deren Botschaften zu lesen.
|Die Musik|
Nach dem |Wellenreiter|-Reihen-Jingle erklingt die Intro-Musik, die aus einer Drum-Linie mit darübergelegten Synthi-Streichern besteht, die eine relativ romantische Kadenz spielen. Das Ganze ist natürlich ziemlich nichtssagend, aber es soll ja auch bloß die Stimmung andeuten. Im Outro wiederholt sich dieses musikalische Motiv. Die Hintergrundmusik, die bestimmte bedeutsame Szenen unterlegt, steuert die Emotionen des Hörers.
|Das „Booklet“|
In die Einstecktaschen der Verpackung hat der Verlag die Familienbeziehungen der verschiedenen Gruppen gedruckt, so etwa die der Feodriner, der Leute von Osgund und die der Leute aus Ribehof. Ob diese ausformulierten Familienbeziehungen hilfreich sind, wage ich zu bezweifeln. Manchmal ist ein Stammbaum eben anschaulicher.
_Unterm Strich_
„Die Hüter der Wolken“ bietet eine eigenständige Welt mit den Magien von Stein und Pflanze, erinnert streckenweise aber auch an den [„Herrn der Ringe“. 1330 Die Story liefert jungen Leserinnen zahlreiche schöne Szenen, ganz besonders mit dem feschen Exilkönig Arild, der große Ähnlichkeit mit Aragorn aufweist. (Einen Legolas-Ersatz sucht man vergeblich.) Die Fantasyszenen wechseln sich mit Action und mit Einblicken in die detailliert beschriebene Vorgeschichte ab.
Durch Einsatz ihrer Magie gelangt die jugendliche Heldin zunehmend in den Mittelpunkt einer ihr bis dato verschlossenen Welt, in der sie an der Seite der dortigen Hauptperson, eben Arild, eine Schlüsselrolle einnehmen darf. Das dürfte für jede Leserin eine ziemlich befriedigende Erfahrung sein, wünscht sich doch jede(r) Jugendliche, ihren Ort in der Welt zu finden und dort eine Aufgabe zu erhalten, die ihr oder sein Leben wert ist.
Zudem ist Lärka total in Arild verliebt, obwohl sie es nie zugeben würde. Dass die beiden am Schluss zueinander finden – er hat natürlich ihr den Antrag zu machen -, erfüllt sämtliche Wünsche von Romantikerinnen. Wer sich mit Lärka identifiziert, darf hier also gerne einmal die Arwen Abendstern spielen.
Die Schwäche des Buches liegt in der unzureichenden Charakterisierung von Lärka und Arild. Sie sind noch zu sehr Projektionsflächen für die Wünsche der Leserinnen, um ein Eigenleben entwickeln zu können, und wirken wie Erfüllungsgehilfen für die Fantasien der Autorin. Dieser Eindruck mag zwar von der Kürzung für das Hörbuch herrühren, wurde aber auch schon von einer Leserin des ungekürzten Buches negativ vermerkt. Hieran sollte die Autorin noch arbeiten.
|Das Hörbuch|
Das Hörbuch wurde mit Geräuschen ausgestattet, was der Vorstellungswelt des jungen Zuhörers sicherlich entgegenkommt und seine bzw. ihre Vorstellungskraft unterstützt. Musik gibt es im Hintergrund sowie an Anfang und Ende. Ob die in die Verpackung gedruckten Familienbeziehungen hilfreich sind, wage ich zu bezweifeln. Manchmal ist ein Stammbaum anschaulicher. Die Sprecherin bemüht sich um einen einfühlsamen und vielseitigen Vortrag, doch ihre Ausdrucksfähigkeit ist begrenzt. Besonders hat mich ihr Atemgeräusch gestört.
|315 Minuten auf 4 CDs|
http://www.wellenreiter.la
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