Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

John Brunner – Die Opfer der Nova (Drei SF-Romane)

Verbrechen an der Dritten Welt – nur in der Zukunft?

Dieser Sammelband enthält drei Romane, die innerlich zusammenhängen:

„Der Polymath“

Als der Stern Zarathustra zur Nova wurde und in einer lebensfeindlichen Lichtflut explodierte, flohen die wenigen Überlebenden in alle Richtungen und suchten auf Planeten der Nachbarsonnen eine neue Heimat. Doch diese Welten waren grundverschieden, und jede war auf ihre Art menschenfeindlich. Und schon die geringste Abweichung von der gewohnten Norm konnte auf überraschende Weise tödlich sein.

Lex ist ein Polymath, das heißt er wurde ausgebildet, eine ganze Welt in ihrer Entwicklung zu steuern und zu verwalten. Ihm gelingt es, eine Siedlung zu errichten und am Leben zu erhalten. Doch um den preis der Hoffnung auf Rettung. Er hat nicht mit der Konkurrenz durch einen Offizier gerechnet, der genau diese Hoffnung anbietet. Leider ist der Offizier vollkommen verrückt …

„Die Rächer von Carrig“

Einst war Carrig berühmt. Aus aller Welt kamen die Menschen in die prächtige Königsstadt, Nachfahren von Flüchtlingen, die einst den Planeten besiedelten. Doch dann kamen Fremde, störten den Frieden, verkauften moderne Waffen an die Bewohner und übernahmen die Macht. Ein junger Mann von Carrig und eine junge Frau von der Erde schmieden den Plan, die Eroberer zu übertölpeln. (Verlagsinfo)

„Die Erlöser von Zyklop“

20 Jahre später stoßen Maddalena Santos und ihr Ex-Mentor Gustav Langenschmidt auf dem Planeten Zyklop, von wo die Eroberer Carrigs kamen, auf eine weitere anrüchige Geschichte. Ein Arzt versorgt die Superreichen dieser Welt nicht mit regenerierten, sondern mit transplantierten Organen. Diese besorgen seine Mittelsmänner illegal von einem noch unentdeckten Planeten der Zarathustra-Flüchtlinge. Jetzt braucht Maddalena dringend einen Beweis …
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Oth, René (Hg.) – Zeit der Frauen

Die Zukunft der Frau kommt nicht aus Deutschland

Frau zu sein in SF und Fantasy ist schwer, denn bisher war diese Literaturgattung eine Männerdomäne. Doch eine neue Generation von Schriftstellerinnen beschleunigt den Niedergang der weiblichen Archetypen, die von der SF übernommen wurden. Sie entwerfen neue Rollen für die Frau, zeichnen radikale Veränderungen in der Struktur der Familie vor und beschreiben bisher undenkbare Gesellschaftsformen und Kulturen, sie trennen Geschlecht und soziale Rolle, und auch Frauen tauchen als Außerirdische auf. (aus der Verlagsinfo)

Der Herausgeber

René Oth, geboren 1945, lebt in Luxemburg. In der Reihe Sammlung Luchterhand gab er eine Reihe von SF- und Fantasy-Bänden heraus, so etwa den Vorgänger dieser Sammlung, der den Titel „Als alles anders wurde. Phantastische Geschichten über die Zukunft der Frau von Science-Fiction- und Fantasy-Autorinnen“ (1985, SL 530) trägt.

_Die Erzählungen_

|1. Sektion: GESELLSCHAFT|

_1) Sonya Dorman: „Lebensende“ (The living end)_

Hochschwanger kommt sie in die Klinik und findet den Weg zur Abteilung für Vorsorge und Seelische Ausgewogenheit. Die Wehen haben schon eingesetzt, und das Baby versetzt ihr Tritt um tritt, doch die ältliche Dame an der Rezeption will erst ihre Daten aufnehmen. Sie fürchtet, sie muss das Baby hier auf dem Stuhl zur Welt bringen. Von Kreißsaal weit und breit nichts zu sehen.

Nachdem mehrere Gliedmaßen registriert worden sind, bequemt sich die Rezeptionistin endlich dazu, das Hologramm einzuschalten. Endlich! Da sind sie, die Ärzte, die sich um sie kümmern, und sie holen auch den kleinen Jungen zur Welt. Mit flachem Bauch kann sie endlich wieder gehen, die Schwangerschaftspillen in der Hand. Vielleicht bis zum nächsten Monat …

|Mein Eindruck|

Da nichts erklärt wird, muss sich der Leser seinen eigenen Reim auf diese rätselhafte Szene machen. Ist die Ich-Erzählerin wirklich schwanger, wie sie es erlebt? Von einer geplatzten Fruchtblase ebenso wenig die Rede wie von Fruchtwasser, und die Erzählerin ist in der Lage, trotz der putativen Wehenschmerzen alles, was um sie herum vorgeht, ganz genau zu beobachten.

Da die ganze Entbindung schon mit dem Abspielen eines Holofilms erledigt ist, liegt der Verdacht nahe, dass alles nur Einbildung ist. Die Entbindungsphantasie scheint ein Bedürfnis zu erfüllen, eines, das sie schon nächsten Monat wieder befriedigen muss. Aber welches? Offenbar werden in dieser Gesellschaft keine Kinder geboren, sondern vielmehr großer Wert auf Ersatzgliedmaßen gelegt. Ist die Gesellschaft also in Wahrheit überaltert und kinderlos?

Eine andere Lesart bietet sich wie folgt an. Die Entbindung findet tatsächlich statt: „Ein Junge, entbunden in acht Minuten“, protokolliert die Assistentin. Und die Patientin darf die nächsten fünf Jahre Kinder gebären, wenn sie will, um dafür Vergünstigungen zu bekommen. Aber das Kind darf sie nicht nach Hause nehmen. Woher kämen sonst die Ersatzorgane her?

_2) Kate Wilhelm: „Das Begräbnis“ (1976)_

Die junge Clara ist eine Nichtbürgerin, die im Mädcheninternat der Madam Westfall erzogen und zur Lehrerin ausgebildet wird. Die Bürger leben drunten in der Stadt und kommen manchmal vorbei, um sie zu begutachten, insbesondere ihren jungen, frischen Körper. Clara muss täglich wie die anderen Schülerinnen, die in Grau gewandet sind, am gläsernen Sarkophag der Gründerin wachen.

Die Rektorin Madam Trudeau will, dass Clara ein Tagebuch führt, in dem sie vermerkt, was die Gründerin zu ihr gesagt hat, als sie mit ihr zusammen war. Nun erinnert sich Clara in ihrer Zelle, wie die Gründerin von einem Krieg erzählte und dass „nur wenige von der Miliz verschont“ wurden. Doch wer und von wem? Danach kam dann die Seuche, die nur wenige übrig ließ. Und die Gründerin erwähnte etwas, dass die Bürger wollten, dass sie etwas nach deren Ebenbilde erschuf und erzog – die Schülerinnen? Einige Lehrfilme Madam Trudeaus sorgen dafür, dass Clara alle Ambitionen, eine Dame zu werden, einstellt.

Die Bestattungsfeierlichkeiten für die 120-jährige Gründerin der landesweit verbreiteten Schulen für Männer und Mädchen werden in deren Elternhaus, das nun ein Nationaldenkmal ist, fortgesetzt. Die 14 Mädchen werden in zwei Zimmern untergebracht. Als die zehnjährige Lisa Clara beichtet, dass sie ihr Notizbuch vollgekritzelt hat, statt es mit Zitaten der Gründerin zu füllen, ordnet Madam Trudeau an, dass Clara die Sünderin auspeitschen muss. Erstmals verspürt Clara dabei Hass, und Madam Trudeau triumphiert.

Doch wenig später wird Clara selbst verpetzt und soll zur Strafe Lisa täglich auspeitschen. Sie weigert sich, denn sie hat einen Ausweg gefunden: jene „Höhle“, nach der Madam Trudeau seit über einem Jahr sucht. Es handelt sich um ein Zimmerchen im Zwischenstock, und dort sind jene Amateurfunkgeräte deponiert, die Steve Westfall erfand und die die Regierung dringend haben will.

Hier finden Clara und Lisa ihr Versteck, ein letztes Stückchen Freiheit und Unschuld, aus dem es kein Entrinnen gibt …

|Mein Eindruck|

Wie man sieht, geht es in der Geschichte um zwei Beerdigungen, die der Gründerin und die von Clara und Lisa, die in ihrem Versteck verdursten. Erschreckenderweise sind sie die Opfer einer Gesellschaft, die auf Hass aufbaut. Die Bürger hassen die Nichtbürger, also unfreien Leibeigenen, und freuen sich, wenn diese den Hass übernehmen und an ihren Schicksalsgenossen auslassen.

Das Rätsel besteht darin, wie es zu dieser Art von repressiver, pseudoviktorianischer Gesellschaft kommen konnte, die die Autorin schildert. Denn es war ja die 120-jährige Gründerin selbst, die einst das Opfer von Krieg und Repression wurde. Warum also errichtete ihrerseits ein Schulsystem, das Repression und Hass fördert? Erst spät wird das Geheimnis gelüftet: Miss Westfall wurde ohne Erinnerung gefunden. Nun versucht Madam Trudeau, ihre mutmaßliche Nachfolgerin, Westfalls Äußerungen gegenüber den Schülerinnen zusammenzusetzen, um herauszufinden, was Westfall vor ihrem Auffinden tat – oder versteckte.

Zweimal wird angedeutet, dass es jenseits der engen Grenzen der Nation Wilde gibt. Bei der Bestattung ist ein wildes, höhnisches Gelächter zu hören. Und als Clara stirbt, vermeint sie, dieses Gelächter erneut zu hören. Denn es ist das Gelächter der Freiheit.

_3) Hilary Bailey: „Schwestern“ (1976)_

Angela Bude ist die Vorstandsvorsitzende einer Ingenieursfirma und als solche verfügt sie sowohl über Macht als auch Freunde. Das dachte sie zumindest bis zu diesem Morgen, als sie Lady Flora Goodman, die Frau ihres Ko-Vorsitzenden und Geliebten Frederick Goodman aus ihrem, Angelas, Büro kommen sieht. Was hatte Flora dort zu suchen? Als kurz danach der Aktienkurs der Firma unerklärlicherweise zu klettern beginnt, lässt Angela Fingerabdrücke nehmen – doch Floras Büro ist verschlossen.

Es ist Februar 2015 und Wochenende , als Angela ihre Schwester Judith Briggs anruft. Diese lebt draußen auf dem Lande und erwartet ihr fünftes Kind. Angela stellt sich mit Schaudern vor, wie Judith wie ein Pferd schuftet, um ihre Kleinen und die senile Mutter durchzubringen. Judith erzählt von Kranken und sogar Toten im Dorf. Angela will mal vorbeischauen, nicht zuletzt deshalb, weil in der Nähe eine Forschungsanlage ihrer Firma liegt.

In einer Teestube am Ort hört Angela davon, dass eine unbekannte Krankheit ausgebrochen sei, die weder der Tier- noch der Menschenarzt zuordnen können. Sie überlegt es sich anders, betritt die Forschungsanlage und macht Druck. Zu ihrer Bestürzung erfährt sie von dem kriecherischen Leiter, der schon vor Monaten hat abgelöst werden wollen, dass hier ein tödliches Virus für den Export in afrikanischen Konfliktstaaten produziert – und an der eigenen Dorfbevölkerung getestet worden ist. Angela verständigt das Verteidigungsministerium.

Was wird sie bei Judith vorfinden, fragt sie sich bang. Falls sie im Schneetreiben überhaupt zu Judiths Bauernhof gelangt.

|Mein Eindruck|

Zwei sehr unterschiedliche Frauen werden hier porträtiert, zwei Frauenlebensentwürfe, die auch heute, 35 Jahre später, noch von unglaublicher Aktualität und Relevanz sind. Angela ist die Karrierefrau, die Kinder ablehnt und sich auf Macht, Annehmlichkeit und Freunde verlässt, um zu überleben. Sie ist, kurz gesagt, ein Mann in Frauenkleider, der Traum jeder Feministin – und der ihrer Mutter.

Judith ist eine Frau, mit der gebärenden Macht einer Frau, und hat sich bewusst für dieses Leben entschieden. Denn wenn die Angelas gewinnen, dann wird die Bevölkerung, wie für 2015 vorausgesagt, zur Hälfte aus arbeitslosen Senioren bestehen (es gibt dazu eine Szene im East End von London), die alle Rente beziehen wollen – und zur anderen Hälfte aus Männern und Frauen, die sich dafür abrackern müssen. Aber wer soll für den Nachwuchs sorgen? Am Schluss wird es nur noch zwei Angelas geben, mutmaßt Judith, die sich auf ihren goldenen Thronen überlegen, wie sie die andere am besten aufs Kreuz legen.

Dieses Horrorszenario namens „demographische Entwicklung“ war bis vor wenigen Jahren dicht davor, Wirklichkeit zu werden. Die Story thematisiert die Problematik zwar etwas schablonenhaft, aber nur, um Pro und Kontra deutlich abzugrenzen. Die Ironie der Sache liegt darin, dass der Feminismus, verkörpert in der senilen Mutter der Schwestern, Erfolg gehabt hat: Frauen sind endlich Männern gleichgestellt – und sind nun ebenso wie diese am Export von Killerviren beteiligt.

Hilary Bailey, die lange Jahre die Gattin von Michael Moorcock, einem der wichgsten britischen SF-Autoren und -Herausgeber, war, erzählt ein in menschlicher Hinsicht glaubwürdiges Szenario, das aber thematisch überspitzt ist, um Durchschlagskraft zu entwickeln.

|2. Sektion: POLITIK|

_4) Katia Alexandre: „Zeit der Masken“ (1976)_

Im Jahr 2092 haben die Frauen einen Staat errichtet, in dem sie dominant sind. Die Überwindung der selbstmörderischen Männerherrschaft ist durch die Psychologie des Gath gelungen, die alle Frauen zu Sprechpartnern oder Gnadenpartnern macht. Doch heute tritt die Präsidentin einen Bußgang in den Tempel der Gnade an, denn sie hat ihr stellvertretenden Chefin der Staatssicherheit den Auftrag gegeben, ihren Geliebten, den Komponisten Rylsen, zu liquidieren.

Voller Selbstzweifel sucht die im Tempel maskierte Präsidentin, die sich hier „Jane [Eyre]“ nennt, das Gespräch der Beichte. Doch sie trifft auf die Chefpsychologin Bab-Mary Way. Diese weiß viel zu viel über sie. Als die Präsidentin herumdruckst, wird klar, dass es mit einer Beichte nichts wird. Und hinterher gilt es einen weiteren Liquidierungsauftrag zu erteilen …

|Mein Eindruck|

Der Herausgeber nennt diese Geschichte auf frauenfeindliche Weise feministisch. Der Grund liegt darin, dass hier die inzwischen überholte und widerlegte Psychologie Sigmund Freuds zugrundegelgt wird, um die Herrschaft, die die Frauen mit Hilfe der Gath- = Freud-Psychologie errichtet haben, zu desavouieren. Denn auch Frauen, hier vertrete durch die Präsidentin, sehen sich gezwungen, ihre Macht zu zementieren, indem sie Mitwisser eliminieren, genau wie einst die Männer. Und wenn Männer liquidiert werden, so kann frau nicht damit leben, sondern muss beichten, um Buße zu erlangen.

Wie auch immer man dieser verschwurbelten Geschichte gegenüberstehen mag, so ist sie doch extrem langweilig zu lesen, denn es passiert rein gar nichts.

_5) Marianne Leconte: „Dreimal J“ (1976)_

Judith, Jane und Julie liegen am Strand der Karibik beim Sonnenbaden, als Jane auf einmal einen Rappel bekommt und zetert, die anderen beiden würden sich wie Nutten oder Mätressen von den Männern aushalten lassen. Jeder Protest gegen diese Anweürfe erweist sich als zwecklos, und Jane stapft als Rebellin von dannen. Na, das kann ja was werden, fürchten die beiden anderen.

Später zeigt Jane ihrer Freundin Julie das Manuskript eines Romans, in dem sie den Entwurf einer Frauenrepublik darstellt. Junge Mädchen werden auf Gynecea zu liebevollen Sklavinnen erzogen, die auf alle Welten exportiert werden, wo starke Männer sie haben wollen. In einer lustbetonten Szene jedoch erleidet die Liebeskatze eine schmerzhafte Halluzination, in der die Vegetation um sie herum sie auspeitscht, um sie dafür zu bestrafen, dass sie sich als Frau zum Objekt machen lässt. Jane berichtet, dass sie mit Judith gebrochen habe, seitdem diese den Präsidenten der Welt geheiratet habe.

Der Präsident der Welt kehrt von einem stressigen Arbeitstag zu Judith nach Hause zurück, die ihn erst verwöhnt, dann ausfragt. Er bittet sie um einen beruflichen Gefallen, den sie allerdings hinterfragt. Offenbar hat ihr Göttergatte vor, die Bevölkerung eines neu entdeckten Planeten namens Terra II, auf dem viele Energiequellen auf ihre Ausbeutung zu warten, übers Ohr zu hauen. Sie gibt erst klein bei, um dann dafür zu sorgen, dass solche Praktiken von Rechts wegen untersagt werden.

In der letzten Szene ist Jane, die Rebellin gefangen worden und wird nun dem Tribunal der Frauen vorgeführt. Sie soll ihr urteil empfangen. Es besteht darin, dass sie von den Telepathinnen selbst zu einer Telepathin gemacht wird. Bringt sie das endlich zu dankbarer Einsicht? Mitnichten! Vielmehr will sie ihre Gabe sowohl Frauen und Männern schenken. Wie töricht sie doch ist, denkt Judith. So etwas kann sie nie und nimmer zulassen, denn sonst würden die Frauen ihre verborgene Macht verlieren, mit denen sie die Männer manipulieren. Jane erleidet das traurigste und endgültigste Schicksal …

|Mein Eindruck|

Ähnlich wie in „Die Zeit der Masken“ verfügen also in Wahrheit die Frauen über die Macht in der Gesellschaft, und jeder Versuch, diese Macht zu untergraben, wird mit einem Todesurteil sanktioniert. Der Unterschied in der Machtausübung liegt lediglich in dem Grad der Offenheit. Beide Präsidentinnen, Jane wie Judith, benutzen die Männer wie ihre Schoßhündchen. Judith ist dabei wesentlich verschlagener, denn sie lässt ihren Mann im Glauben, er übe die Macht aus und sie kusche lieber.

Diese interessant formulierte Erzählung bietet viel Abwechslung, überraschende Wendungen, einen lustbetonten, erotischen zweiten Akt und ein dramatisches Finale. Auf diese Weise unterhält sie den aufgeschlossenen Leser, der mit ungewöhnlichem Stil etwas anfangen kann, auf nachdenklich machende Weise.

|3. Sektion: SEXUALITÄT UND MYTHOS|

_6) Kit Reed: „Die Mastfarm“ („The Food Farm“, 1966)_

Nelly liebt es zu essen. Viel zu essen. Besonders dann, wenn sie ihrem Lieblingssänger Tommy Fango zuhört – wenn sie wie alle anderen „eingestöpselt“ ist. Tommy liebt beleibte Frauen. Und so gibt sich Nelly Fressorgien hin, heimlich allerdings, denn ihre Eltern sind entsetzt über ihren wachsenden Leibesumfang. Bis sie eines Tages so weit gehen, die Polizei zu holen und Nelly einweisen zu lassen – in die Schlankheitsklinik.

Hier lernt sie Ramona kennen, die das gleiche Problem hat. Aber indem sie einander helfen und Nelly sogar ausbricht, gelingt es Nelly ihr Problem mit anderen Augen zu sehen. Für Tommy Fango ist sie selbst zwar inzwischen zu mager, doch das muss ja nicht für andere Mädels gelten. Fortan übernimmt sie das Kommando in der Schlankheitsklinik und funktioniert diese zur titelgebenden Mastfarm um. Irgendwann wird eines ihrer Mädchen dem Schönheitsideal von Tommy Fango entsprechen …

|Mein Eindruck|

Die Ironie der „Bekehrung“ der Hauptfigur dürfte keiner Leserin entgehen. Es ist eine doppelte: Erst wollte Nell selbst dem Ideal ihres männlichen Idols gefallen, doch als dieser sie ablehnte, konvertiert sie ihre Geschlechtsgenossinnen, bis dieser Glücksfall eintritt – sozusagen stellvertretender Erfolg für Nell.

Bezeichnend ist, dass in beiden Fällen ein Mann das Ideal vorgibt, dem die Frauen willig folgen. Sie opfern dafür erst den Frieden mit ihrer Umwelt (Elternhaus), dann ihre Gesundheit und schließlich die ihrer Geschlechtsgenossinnen. Bemerkenswert ist hier, dass anders als in Piers Anthony Story „In the Barn“ (Heyne Story-Reader 3) nicht Männer das Mästen und Ausbeuten besorgen, sondern Frauen an ihren eigenen Geschlechtsgenossinnen.

Die Autorin hat diese Mechanismen fein säuberlich versteckt und sie als Erlebnisse und Ansichten ihrer Ich-Erzählerin Nell ausgegeben. Deshalb stehen Gefühle wie Lust und Unlust dominant im Vordergrund, ebenso die Hingabe an das Ideal ihrer Träume. Unklar bleibt lediglich, welche Rolle das „Eingestöpseltsein“ spielt: Es scheint sich um eine Dauerberieslung mit Schnulzenmusik zu handeln. Nells Lieblingslied heißt „When a Widow“, und offenbar geht es um eine Leerstelle, die die Hörerin füllen könnte – raffiniert.

_7) Carol Emshwiller: „Abscheulich“ (1980)_

Eine Expedition von Politikern hat sich ins Hochland begeben, um die mystischen Frauen zu suchen und einzufangen. Sie haben sich als Marinesoldaten verkleidet, denn das soll die gesuchten Weibchen anlocken. Außerdem verfügen sie und besonders ihr forscher Kommandant über Fotos, um die gesuchten Wesen identifizieren zu können, sollten sie auf sie stoßen. Man beachte die Brüste, die ausladenden Hüften und das, äh, Unaussprechliche. Glasperlen und ausgelegte Bananen dienen als Lockmittel, um das flüchtige Wild anzulocken. Mann ja nie wissen, was funktioniert.

Da, auf dem Hügelkamm! Da steht eine auf einem Bein, wie es scheint. Vielleicht ist aber auch nur ein Bär. Im Gegenlicht der grellen Sonne ist das schwer auszumachen. Schon ist sie fort. Wie schade. Die Suche geht weiter. Gerüchteweise haben sich die Frauen ein unterirdisches Reich geschaffen, in dem sie backen, kochen und aus tiefgefrorenen Samen Kinder aufziehen, so dass sie permanent schwanger sind.

Der Psychoanalytiker hat eine Skizze geliefert (im Text abgedruckt), wie sich das scheue Wild möglicherweise anlocken und fangen ließe. Man müsste auf schlaue Weise eine Art Ersatzziel vorgaukeln, indem ihr Id sich mit vom männlichen Superego ablenken und einem neuen Ziel zuweisen lässt. Schlau ausgedacht, doch leider scheint es nicht zu klappen. Die Bananen, die mann in der Nacht auslegte, sind alle weg.

Schließlich wird die Pirsch ergebnislos abgebrochen. Sowohl die zugemessene zeit als auch das Budget sind erschöpft. Unser Chronist hinterlässt einer gewissen „Grace“ eine Botschaft aus möglichst einfachen Zeichnungen, wie etwa einem Herzen, Frage- und Ausrufezeichen und dergleichen. Wer weiß, auf welchem Intelligenzniveau sich die Weibchen befinden? Zusammen mit dem Psychanalytiker macht er sich enttäuscht auf den Rückweg in die Zivilisation …

|Mein Eindruck|

Die Autorin stützt sich auf Traditionen der phantastischen Literatur, insbesondere auf die Suche nach dem „abscheulichen Schneemenschen“ (auch Yeti oder Bigfoot genannt). Andererseits gemahnt die Prämisse der Geschichte an Philip Wylies Roman „Das große Verschwinden“ aus dem Jahr 1951, in dem alle Frauen verschwinden.

Die Erzählung lässt sich wie so viele SF-Erzählungen auf zwei Ebenen lesen. Was tatsächlich geschieht, ist die Suche nach jenen legendär-mystischen Wesen. Gerüchte über ihre Existenz, ihre Einstellungen, ihr Aussehen und ihre Lebensweise und Werte kursieren unter den Männern des Suchtrupps wie Geschichten über den sagenhaften Yeti.

Auf der metaphorischen Ebene behandelt die Story die Art und Weise, auf die Männer in ihrer sexuellen Verwirrung (anno 1980), kulturellen Ignoranz und in ihren Identitätskrisen unfähig sind, Frauen und deren Bedürfnisse – etwa Zornesausbrüche und Ärger – zu verstehen. Beide Geschichtsebenen werden in einer einfachen, aber beschwörenden Sprache erzählt. Erkenntnis schleicht sich auf indirektem Wege ein – durch in Klammern gesetzte Einschübe.

_Die Übersetzung _

Helga Abret (Frz.) und Michael Nagula (Engl.) haben sich große Mühe gegeben, das Original in verständliches Deutsch zu übertragen. Doch Helga Abret ist nicht immer gelungen. So findet sich in „Dreimal J“ das Wort „machinal“, das wohl „maschinenhaft“ bedeutet. Man hätte es auch durchaus so stehen lassen können.

Auch die Art und Weise, wie in den beiden französischen Erzählungen Dialog dargeboten wird, ist gewöhnungsbedürftig: nämlich nicht mit Spitzkommata >>, sondern mit einfachem Gedankenstrich: -. Hingegen sind die Gedanken des inneren Monologs in Spitzkommata und kursiv gesetzt, so dass sich leicht Verwirrung einstellen kann. In den Texten aus dem Englischen treten solche Besonderheiten nicht auf.

Auf Seite 112 taucht das Wort „Konservation“ auf. Es müsste eigentlich „Konversation“ lauten, um an dieser Stelle einen Sinn zu ergeben. „The living end“, der Titel von Sonya Dormans Erzählung, bedeutet auch das unter Strom stehende Ende eines Kabels („live wire“).

In einem ANHANG listet der Herausgeber Oth die bibliografischen Biografien der Autorinnen auf und nennt ihre wichtigsten Werke. Allein die von Kate Wilhelm, der 1928 geborenen Veteranin, umfasst zwei Seiten (!).

_Unterm Strich_

An den sieben Erzählungen fällt besonders bei den französischen auf, dass sie sehr überholt wirken – was doch ein Vierteljahrhundert für einen Unterschied machen kann. Die Machtansprüche der Frauen, die von den Französinnen so vehement erhoben werden, haben sich mittlerweile in einer Politik der Gleichberechtigung niedergeschlagen, die allerdings nur seh zäh vorankommt, ganz besonders hierzulande.

Dass nur Frauen über telepathische Kräfte verfügen sollen, war allerdings schon immer ihr Wunschtraum. Und dieser manifestierte sich nicht nur in der Erzählung von Marianne Leconte, sondern dutzendweise bei Marion Zimmer Bradley (Darkover-Serie), Diana L. Paxson (ihrer Mitautorin) und Jo Clayton (Diadem-Serie etc.). Es sind Wunscherfüllungsphantasien, in denen die Frau endlich ihren Mann stehen kann, allerdings mit den ihr eigentümlichen Kräften, wie Einfühlungsvermögen, Telepathie, Hellseherei und dergleichen.

Davon sind die hier vertretenen Amerikanerinnen weit entfernt. Carol Emshwiller beklagt satirisch das Verschwinden der Frauen, während Kate Wilhelm die Unterdrückung junger Frauen durch hasserfüllte „Gründerinnen“ einer neoviktorianischen Repressionsgesellschaft anprangert. Kit Reed haut auf völlig andere Weise in die gleiche Kerbe.

Sonya Dorman warnt vor der Reduktion der Frau auf ihre Gebärfähigkeit, Hilary Bailey tut dies ebenfalls, stellt die Gebärfähigkeit aber positiv der Vermännlichung der Frau gegenüber, die in einer unmoralischen Machtausübung zu resultieren droht. Durchgehend sind die Warnungen vor der Verdinglichung und Vermännlichung der Frau nicht zu übersehen.

Der Herausgeber hat diskussionswürdige Entwürfe zusammengetragen und sie mit biobibliografischen Daten unterfüttert. Merkwürdig ist aber schon, dass es keine einzige deutsche Autorin in diese Auswahl geschafft hat, gerade so, als fände hierzulande keine SF-mäßige Beschäftigung mit Emanzipation und gesellschaftlicher Zukunft statt – was keineswegs der Fall ist, wie viele Anthologien gezeigt haben, etwa aus dem Wurdack-Verlag (siehe meine Berichte zu „Die Audienz“ und „Molekular-Musik“).

Fazit: vier von fünf Sternen.

|Taschenbuch: 169 Seiten
Info: Originalanthologie
Aus dem US-Englischen und Französischen von Helga Abret und Michael Nagula
ISBN-13: 978-3472616337|
http://www.randomhouse.de/luchterhand

John Sinclair – Ihr Freund, der Ghoul (Folge 153)

Die Handlung:

Eve Bennett war ein unscheinbares, freundliches Mädchen, das keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. So dachte man, wenn man ihr begegnete. Aber wer sich mit Eve anlegte, der lernte schnell ihren Freund kennen – einen leichenfressenden, mörderischen Ghoul! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer
61 gemacht, das erstmalig am 8. April 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Fredric Brown – Das andere Universum

Metafiktion gegen die Klischees der Science Fiction

Der Blitz einer gigantischen Explosion blendet Keith Winton, und unvermittelt findet er sich in einem anderen Universum wieder: einer Parallelwelt, die zwar fast so aussieht wie seine, die aber von Aliens besucht wird und sich im Krieg mit mysteriösen Arcturiern befindet. Man will ihn töten, weil er eine verbotene Halbdollarmünze verkaufen will, und er gerät in die verdunkelten Straßen des nächtlichen New Yorks, wo unsichtbare Kreaturen ihm nach dem Leben trachten. Des Rätsels Lösung muss bei der Raumflotte zu finden sein. Doch wie soll er dorthin gelangen? Als einfallsreicher Chefredakteur fällt ihm auch dazu etwas ein …
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Joanna Russ – Alyx. Zukunftsroman

Eine Diebin als Vorbild und Vollstrecker

Winzig, aber zäh ist Alyx, die junge Trans-Temp-Agentin. Aus der griechischen Antike geholt, evakuiert die Berufsmörderin eine Gruppe Touristen auf der Siedlerwelt Paradies. Es sind nur 100 Kilometer zu Fuß, aber die haben es in sich. Doch schlimmer als der Krieg und die Winteröde dort sind diese modernen Schützlinge selbst. Alyx aber steht ihre Frau. (erweiterte Verlagsinfo)

Die Autorin
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Philip José Farmer – Meister der Dimensionen (Welt der tausend Ebenen 01)

Abenteuerliche Reise durch die Welt der Ebenen

Robert Wolff, pensionierter Universitätsprofessor, hat sich schon lange damit abgefunden, dass sein Lebensabend sehr, sehr ruhig zu werden verspricht. Doch dann besichtigt er mit seiner Frau ein Haus und findet im Keller ein seltsames Horn, das er einsteckt. Als es ihm gelingt, tatsächlich einen Ton damit zu erzeugen, öffnet sich ein Portal durch Raum und Zeit. Wolff findet sich in der Welt der Tausend Ebenen wieder, einem künstlichen Planeten, erschaffen und kontrolliert von Lord Jadawin, dem Meister der Dimensionen. Als dieser auf den Fremden aufmerksam wird, beginnt für Wolff ein gefährliches Abenteuer quer durch alle Ebenen … (Amazon-Kindle-Verlagsinfo)

Der Autor
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A.C. Doyle & Herman Cyril McNeile – Der Gezeitenstrom (Sherlock Holmes Folge 48)

Ein toter Angler und jede Menge rote Heringe

Der aufgrund seiner mürrischen Art allseits unbeliebte und verhasste Mr. Yarrow wird ertrunken seinem bevorzugten Angelplatz am Fluss Ling, einem Gezeitenstrom, aufgefunden. Zunächst geht man von einem Unfalltod aus, alsbald deutet aber alles auf Mord hin. Allzu schnell wird ein junger Verdächtiger verhaftet. Und obwohl der Meisterdetektiv diesen für unschuldig hält, findet er zunächst keine Spur zu einem anderen Täter… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
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Wolfgang Hohlbein – Erbe der Nacht (Der Magier 1)

Die Wiederkehr der Großen Alten: der Kampf des Magiers

Wenn die sieben Siegel der Macht sich vereinen, werden die GROSSEN ALTEN, boshafte Alien-Götter, auf die Welt zurückkehren und Tod und Verderben über die Menschheit bringen. Als der Millionenerbe Robert Craven jr. mehrfach Besuch von einem seltsamen Herrn namens H. P. erhält und sich die Standuhr des Großvaters sonderbar verhält, schwant ihm, dass er es sein könnte, der das siebente Siegel ist. Und deshalb darf er den Großen Alten niemals in die Hände fallen…

„Es begann in einer Mainacht, um Punkt Mitternacht. Der zwölfte Schlag der alten Standuhr war noch nicht verklungen, da hatten sich fremde, fürchterliche Welten aufgetan, von deren Existenz er nichts geahnt hatte. Ein langer Weg durch Grauen und Schrecken steht ihm bevor, ehe er lernt, die geheimen Kräfte, die in ihm schlummern, zu deuten: Nur er kann das Erwachen jener finsteren Gottheiten, die die Erde Jahrmillionen vor Entstehung der Menschheit beherrscht haben, verhindern.“ (Verlagsinfo)

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Kurt Vonnegut – Katzenwiege

Weltuntergang 2.0: Frieren wir die Welt ein!

Kurt Vonnegut ist kein Spaßmacher, oder doch? Jedenfalls ist nicht einfach zu sagen, worum es in seinem Roman „Katzenwiege“ aus dem Jahr 1963 geht. Ist es ein „Märchen aus dem atomaren Zeitalter, eine Satire auf den Fortschrittsglauben“, wie der Verlag schreibt?
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Robert Jordan – Kriegswirren (Rad der Zeit 23)

Spannender Abschluss des achten RdZ-Romans

Die Schale der Winde ist endlich gefunden. Nur mit ihrer Hilfe kann das aus den Fugen geratene Wetter in gewohnte Bahnen gelenkt werden. Doch zunächst gilt es für die jungen Aes Sedai, einen Zirkel von Frauen zusammenzuführen, die mit ihrer Fähigkeit, die Macht zu lenken, das mächtige Ter’Angreal zu aktivieren imstande sind. Nach langwierigen Verhandlungen geben die Windsucherinnen des Meervolks ihre Zustimmung, an dem Versuch mitzuwirken, und auch die Kusinen sind zur Teilnahme bereit.

Um der Bedrohung durch die Häscher des Dunklen Königs zu entgehen, entschließen sich Nynaeve, Elayne und Aviendha, die Frauen ins Versteck der Kusinen zu bringen, um dort die Schale zu benutzen. Doch plötzlich erscheinen düstere Anzeichen am Himmel über Ebou Dar. Die Invasion der Seanchaner steht bevor… (Verlagsinfo Piper)

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Christina Dalcher – Vox. Zukunftsroman

Ohrenbetäubendes Schweigen

„In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.“ (Verlagsinfo)
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Brandon Sanderson – Starsight: Bis zum Ende der Galaxie (Claim the Stars 2)



Ihr ganzes Leben lang hat die junge Spensa davon geträumt, als Raumschiff-Pilotin ihre Heimatwelt gegen die übermächtigen Krell zu verteidigen. Doch als sie endlich am Ziel ist, warten zwischen den Sternen nur bittere Wahrheiten: Alles, was über Spensas Vater behauptet wird, stimmt – er war ein Feigling und ein Verräter, der sein eigenes Team angegriffen hat! Dafür ist alles, was man Spensa über den Krieg erzählt hat, eine Lüge …
Seit sie die Sterne gehört hat, weiß Spensa nicht mehr, was sie glauben darf. Aber eines weiß sie mit Sicherheit: Wenn sie bis ans Ende der Galaxie reisen muss, um die Menschheit zu retten, dann wird sie genau das tun!

(Verlagsinfo)

Spensa fliegt wieder. Sie ist als Teil der Jägerstaffeln der Menschen auf dem Gefängnisplaneten Detritus dabei, die einschließenden Angreifer der „Krell“ genannten Aliens immer weiter zu verdrängen und den Kontrollbereich der Menschen zu vergrößern. Dank ihrer Gabe, in das „Nirgendwo“, eine übergeordnete Dimension, in der überlichtschnelle Kommunikation und auch interstellare Reisen möglich sind, blicken und eindringen zu können, wird sie von einer gleichartigen Alienpilotin erkannt und um Hilfe gebeten. In einer überstürzten Aktion nimmt Spensa den Platz der Fremden ein und dringt in den Herrschaftsbereich der Alienzivilisationen vor, um deren technische Variante des Überlichtfluges zu stehlen und ihrer Art damit die Rückkehr zu den Sternen und die Flucht von der Gefängniswelt zu ermöglichen.

Doch im Nirgendwo lauert eine viel größere Gefahr, die alle Zivilisationen der Galaxis gleichermaßen bedroht: Die Delver, unbegreifliche Wesen, fühlen sich von der Überlichttechnik gestört und drohen, alles Leben der Galaxis zu vernichten. Nur jemand mit Spensas Gabe wäre in der Lage, die Bedrohung abzuwenden …

Brandon Sanderson – Starsight: Bis zum Ende der Galaxie (Claim the Stars 2) weiterlesen

Bob Shaw – Andere Tage, andere Augen / Augen der Vergangenheit. Zukunftsroman

Langsames Glas: Risiken und Nebenwirkungen

Erst ist es nur ein amüsantes, wissenschaftliches Spielzeug: Glas, das die Lichtstrahlen bremsen kann. Ein Blick durch dieses „langsame Glas“ zeigt, war vor fünf Minuten auf der anderen Seite geschehen ist – oder vor fünf Jahren. Doch dann gerät das „Spielzeug“ in die falschen Hände. Erpresser benützen es, um ihre Opfer zu überwachen, und auch der Staat erkennt die Möglichkeit, alle seine Bürger zu kontrollieren… (modernisierte Goldmann-Verlagsinfo)

Zunächst war es ein spät entdeckter Nebeneffekt, dann eine wissenschaftliche Kuriosität und schließlich ein Spielzeug, mit dem sich Milliarden verdienen lassen. Ein Spezialgas, dass Lichtstrahlen abbremsen kann. Die Effekte sind phänomenal.

Man kann durch die Scheibe sehen, was sich hinter ihr abgespielt hat – vor 5 Minuten, vor 5 Monaten, vor 5 Jahren, je nachdem wie dick sie ist.

Doch es gibt kaum eine Erfindung, die in den falschen Händen nicht als Werkzeug finsterer Machenschaften verwendet werden könnte – etwa um die Leute unauffällig zu bespitzeln. (Heyne-Verlagsinfo)
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Die drei !!! – Das Bienengeheimnis (Folge 78)

Die Handlung:

Summ, summ, summ – kein Bienchen summt mehr herum. Auf dem Biobauernhof wurden nämlich sämtliche Bienenvölker gestohlen. Ohne die Tiere ist die gesamte Obsternte in Gefahr, denn die Blüten können nicht bestäubt werden. Bei ihren Ermittlungen stoßen die drei !!! auf Umweltschützer, Düngemittel-Verkäufer und zwielichtige Imker. Werden Kim, Franzi und Marie das Bienengeheimnis lösen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, mir als Nicht-Imker und Nicht-Honigesser erschließt sich spontan nicht, warum jemand Bienenvölker klauen könnte. Einzig, um dem Besitzer zu schaden … oder weil jemand eine Bienengiftallergie hat und die Tiere möglichst weit von sich weghaben möchte. Die Mädels werden es sicher herausfinden, beim Urlaub auf dem Bauernhof.

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Lina Rather – Schwestern des ewigen Schwarz



Vor Jahren sandte die Erde Ordensschwestern in die weit entfernte Dunkelheit des kolonisierten Weltalls aus, bewaffnet nur mit Kruzifixen und eisernem Glauben. Jetzt befinden sich die Schwestern des Ordens der Heiligen Rita in interstellarer Mission auf einem lebenden, atmenden Schiff, das entschlossen scheint, einen eigenen Willen zu entwickeln. Als der Orden einen Notruf von einer neu gegründeten Kolonie erhält, entdecken die Schwestern, dass nicht nur das Seelenheil ihrer weit verstreuten Gemeinde auf dem Spiel steht. Es droht tödliche Gefahr – und diese geht nicht zuletzt von der eigenen Kirche aus …

(Verlagsinfo)

Missionierende Nonnen im Weltraum? Diese Idee ist nicht unbedingt neu, wurde in unterschiedlichsten Interpretationen mit unterschiedlichsten Ergebnissen nicht selten formuliert – preisgekröntes Beispiel etwa Mary Doria Russel mit „Sperling“ oder aus jüngerer Vergangenheit Kai Meyer mit der Trilogie um die Maschinengötter. Auch der vorliegende Roman wird als erster Teil beworben, erscheint mit 155 Seiten nun jedoch ziemlich schmal. Diesen Umfang benötigen manche Autoren zumindest, um ihre Prämisse zu formulieren. Was erwartet uns Lesende also in diesem dünnen Büchlein, dass es als eigenständiger Band Bestand haben kann?

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Terry Carr (Hrsg.) – The Others (Anthologie)

Classic Science Fantasy: Die superschnellen Teufel sind unter uns

SIE sind bereits unter uns! Das Problem besteht zunächst darin, SIE überhaupt zu erkennen. Denn die meisten sehen aus wie WIR. Doch was wollen SIE? In dieser Anthologie sind sieben Phantastik-Erzählungen amerikanischer und englischer AutorInnen, die zwischen 1941 und 1969 veröffentlicht wurden, vereinigt:
– die Story „Roog“ von Philip K. Dick;
– die Story „They“ von Altmeister Heinlein;
– die Story „The Six Fingers of Time“ von Spaßvogel R.A. Lafferty;
– die Novelle „Be My Guest“ von Damon Knight, selbst ein fleißiger Herausgeber;
– die Story “ Shipshape Home“ (wörtlich: sehr aufgeräumtes Zuhause) von Richard Matheson („I Am Legend“, „The Incredible Shrinking Man“ u.a.);
– die Story „Eight O’Clock in the Morning“ von Ray Nelson (ein Nobody);
– sowie die berühmte Kurzgeschichte „The Blue Lenses“ von Daphne du Maurier, der Autorin von „Rebecca“ und „Wenn die Gondeln Trauer tragen“.
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Robert Corvus – Sternenbrücke



Bei der Detonation einer Sternenbrücke geht das Raumschiff von Yul Debarras Frau im Hyperraum verloren. Seitdem zweifelt Yul am Sinn seines Lebens, doch dann erhält er ein einmaliges Angebot: Als Bordarzt heuert er auf einem Raumschiff der Starsilver Corporation an, das die zerstörte Sternenbrücke reparieren soll. Yul nimmt den weiten Unterlichtflug in Kauf, da er hofft, so etwas über das Verschwinden seiner Frau herauszufinden. Doch wird er nach eineinhalb Jahrhunderten in einer Kälteschlafkammer wirklich das im Zielsystem vorfinden, was er sich erhofft hat?

(Verlagsinfo)

Yul lebt in einer Welt, in der es keine Nationalstaaten mehr gibt. Allerdings gibt es gigantische Konzerne, die den Status der Regierung übernommen haben. Hier wird der Angestellte nach Produktivität eingestuft, und offensichtliches Zeichen seiner Stellung ist ein farbiger Speicherkristall, der in die Stirn eines jeden Menschen eingelassen wird. So weiß jeder sofort über den Status seines Gegenüber Bescheid.

Die Implikationen dieser Situation lassen sich leicht extrapolieren aus heutiger Sicht, und so veranschaulicht Robert Corvus im ersten Abschnitt die verfahrene Situation des Protagonisten, der als Arzt eine eigentlich angesehene Stellung innehaben könnte, jedoch aufgrund persönlicher Schicksalsschläge abgestürzt ist.

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Jack Campbell – Furchtlos. Die verschollene Flotte 1

Raumschlachten und der Kampf mit einer Legende

Seit hundert Jahren kämpft die Allianz verzweifelt gegen die Syndikatswelten, und die erschöpfte Flotte ist in Feindgebiet gelandet. Ihre einzige Hoffnung: Captain John Geary. Seit seinem heildenhaften Gefecht hält man ihn für tot. Doch wie durch ein Wunder hat er im Kälteschlaf überlebt. Nun soll er als dienstältester Offizier das Kommando über die Flotte übernehmen. In einem Krieg, der nur in einem Fiasko enden kann …
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Connie Willis – Die Jahre des schwarzen Todes. Zeitreiseroman

Ein Weihnachtsalptraum

Es sollte ein Ausflug in die schönste Zeit des englischen Mittelalters werden: Oxford im Jahre 1320 war ihr Ziel. Doch durch einen technischen Fehler kommt die Zeitreisende 1348 dort an, dem Jahr, in dem die Große Pest England erreicht. Die Reise wird zum Alptraum, und sie ist außerstande, ins 21. Jahrhundert zurückzukehren. (Verlagsinfo) Unterdessen bricht auch im Oxford des Jahres 2054 eine Epidemie aus. Die Ereignisse beginnen sich auf fatale Weise zu gleichen…
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Christopher Hinz – Killer aus dem Eis (Paratwa-Trilogie 1)


Packender, ausgefeilter SF-Actionroman

Nach bitteren Erfahrungen durch schreckliche Kriege und angesichts der verseuchten Erde hat sich die Menschheit entschlossen, die Technik sehr restriktiv zu handhaben. Mit Erfolg. Seit Generationen herrscht Frieden.

Doch es gibt immer wieder Kräfte, die dieses Gleichgewicht stören und für die Freigabe des alten Wissens kämpfen. Und prompt taucht ein Paratwa auf, ein mörderisches Wesen aus der Vergangenheit, das man aus der Stasis geholt hat. Es besteht aus zwei identischen, geklonten Killern, die in unmittelbarem geistigen Kontakt miteinander stehen.

Sie sind unüberwindlich – jedenfalls für Menschen. Sie können nur durch andere Paratwa eliminiert werden. Womit ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird. (Verlagsinfo)

Dieser Debütroman erhielt den Compton Crook Award der Baltimore Science Fiction Sociaety.
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