Dies ist die Geschichte einer tragischen Liebe – auch wenn das aus dem Klappentext keineswegs ersichtlich ist. Natürlich packt der Battletech-Autor auch noch jede Menge Action zwischen die Buchdeckel, aber dies ist doch das Grundlegende: Wir leiden mit dem größten Helden des Menschenvolkes, Neal Roclawski.
Der Autor
Michael A. Stackpole (* 1957 in Wausau, Wisconsin) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction- und Fantasyautor, sowie Spiele- und Computerspieleentwickler. Als Autor bekannt wurde er durch seine Mitarbeit bei der X-Wing-Reihe, die im Star-Wars-Universum angesiedelt ist und bei der Battletech-Romanreihe.
Handlung
Vier Rassen bewohnen die Welt namens Skirren: die sich fast gänzlich absondernden Zwerge; die Elfen, die sich als Kinder der Götter in ihrer Arroganz allen anderen überlegen wähnen; die Reith, ein magisch begabtes Volk, das seine Existenz ganz dem dunklen Todesgott verschrieben hat; und das jüngste und ungestümste Volk, die Menschen.
Zwischen Menschen und Reith tobt ein gnadenloser Vernichtungskampf. Eine allen Völkern bekannte Prophezeiung behauptet, dass der Besitzer des legendären Schwertes Herzspalter ein Reich gewinnen und unbezwingbar sein würde. (Gewisse Parallelen zur Artuslegende lassen sich nicht übersehen.)
In Konkurrenz mit dem Anführer der Reith gelangt unser Held Neal in den Besitz der magischen Klinge und macht sich mit seinem besten Gefährten, dem Elfen Aarundel, auf die Socken, um die verhassten Reith zu bekämpfen. Da ist ein Zauberschwert schon praktisch.
Immer wieder aber gerät er in engen Kontakt mit den Elfen. Er erringt durch seine Integrität, seine Selbstbeherrschung und seinen Mut deren Achtung und Unterstützung, so dass die Elfen in der letzten Völkerschlacht gegen die Reith Partei ergreifen.
Eine wichtige Rolle in der Entwicklung dieser Beziehung spielt Neals Liebe zu einer Elfin. Nicht genug damit, dass jegliche körperliche Berührung zwischen den beiden seinen sofortigen Tod und die Verbannung seiner Liebsten aus dem Reich der Elfen nach sich ziehen würde. Nein, das Elfenweib ist auch noch mit einem der Anführer der Waldbewohner verheiratet. Das kann ja nicht gut gehen.
Die Schlacht gegen die Reith hat ihren Höhepunkt erreicht, da tötet der Magierfürst der Reith im direkten Duell unseren Helden. Mit allen Ehren wird er im Elfenreich beigesetzt.
Doch der Tod ist nicht das Ende, wie wir aus der Artuslegende wissen. Fünfhundert Jahre später wird Neal mit Hilfe von Elfenzauber wiedererweckt, um erneut ins Geschick der oft allzu machtgierigen Menschen einzugreifen. Die Elfin Gena ist die Enkelin von Neals Freund Aarundel und soll Graf Berengar, einem Fürsten der Menschen, aus einem politischen Schlamassel helfen …
Mein Eindruck
Immer wechselt die Erzählperspektive zwischen diesen beiden Handlungs- und Zeitebenen, die 500 Jahre auseinanderliegen, hin und her. Der Autor, der bislang vor allem durch seine Battletech– und Shadowrun-Romane bekannt wurde, zeichnet die Passagen, die sich um die geliebte Elfin drehen, recht realistisch.
Doch unerfüllte Sehnsucht führt leicht zu Melancholie. Man leidet unwillkürlich mit dem Helden; sein Schmerz, den wohl jeder einmal angesichts verschmähter oder unerhörter Liebe verspürt hat, berührt uns tief. Dagegen lassen einen die die actionbetonten Teile des Romans, die Schlachten und Zweikämpfe, weitgehend kalt. Hier bietet der Autor allenfalls Durchschnittsqualität.
Insgesamt also ein elegisch-romantischer Ritterroman in einer exotischen Welt, der jedoch jeden Artus-Fan zufrieden stellen dürfte.
Originaltitel: Once a hero, 1994
Aus dem US-Englischen übertragen von Mina H. L. Buts https://www.heyne.de
Der britische Kultautor Jeff Noon erzählt Alices weitere Abenteuer im Wunderland und hinter den Spiegeln, vor allem aber ihren Kampf gegen die Schlangenkönigin.
Es war einmal an einem trüben, verregneten Tag in Manchester, irgendwann im Jahre 1860. Eigentlich sollte die kleine Alice ihre Mathematikaufgaben machen, aber im Moment interessiert sie viel mehr, wo die fehlenden zwölf Teile ihres Puzzles geblieben sind. Außerdem wird sie vom Papagei ihrer Großtante abgelenkt, der sie schließlich überredet, seine Käfigtür ein winziges Stück zu öffnen. Als der Vogel davonfliegt, hinein in die riesige Großvateruhr, lä,uft ihm Alice sofort hinterher.
Und als sie der Uhr wieder entsteigt, befindet sich Alice im Manchester des Jahres 1998, einer Welt der Automatenwunder, die dennoch von der Atmosphäre des vergangenen Jahrhunderts durchdrungen ist. Auf der Jagd nach dem Papagei gerät Alice in Rätsel über Rätsel, sucht nach den zwölf Puzzleteilen, führt Dispute mit den merkwürdigsten Kreaturen, wird von einer unsichtbaren Katze namens Quark begleitet und trifft in einem von Kletterrosen überrankten Cottage sogar Mr. Dodgson alias Lewis Carroll. Und bei alledem versucht sie, irgendwie den Weg zurück in ihre eigene Zeit wiederzufinden. (Verlagsinfo)
Der Autor
Der britische Schriftsteller Jeff Noon, der sich in dieser Fortsetzung der zwei klassischen Alice-Romane „Zenith O’Clock, writer [= righter] of wrongs“ nennt, ist der einfallsreiche Autor der phantastischen Romane „Vurt“ (dt. „Gelb“), „Pollen“ (dt. gleich) und „Nymphomation“ (noch nicht übersetzt). Sie spielen alle in seiner Heimatstadt Manchester. Und dies ist auch zum großen Teil der Schauplatz der wundersamen Ereignisse in „Automated Alice“.
Romane
Vurt (dt. Gelb, ISBN 3-442-44449-7, ISBN 3-442-54007-0)
Pollen (dt. Pollen, ISBN 3-442-44408-X, ISBN 3-442-54031-3)
Automated Alice (dt. Alice im Automatenland, ISBN 3-442-54065-8)
Nymphomation
Needle in the Groove
Falling Out Of Cars
Theaterstücke
Woundings
Vurt – the theatre remix
Alphabox
Somewhere the Shadow
The Modernists
Das Buch ist schwierig ins Deutsche zu übertragen: Die Anzahl der Wortspiele und Doppeldeutigkeiten ist nämlich derartig groß, dass eine Übertragung zwingend ein völlig anderes Werk hervorbringt – etwa so, als wollte man Lewis Carrolls berühmtes Nonsens-Gedicht „Jabberwocky“ übertragen (was ja in der Tat getan wurde).
Handlung
Eines Tages im Jahr 1860 fliegt Alices Papagei Whippoorwill in den Kasten der Großvateruhr und verschwindet. Die um ihren Liebling bangende Alice folgt ihm in das Uhrwerk und landet auf der anderen Seite im Jahr 1998 (wie sie sehr viel später herausfindet) – in einem Termitenbau. Die Termiten sind (wie weiland der weiße Hase) alle sehr in Eile – kein Wunder, sind es doch Computermiten! Sie stellen Berechnungen an, etwa zur Quadratwurzel aus -1 (die es reell nicht geben kann).
Wenig später landet Alice in einem Gartenschuppen, wo ein grobschlächtiger Mann Puppen aus altem Krempel zusammensetzt und dieses Gebilde mit Hilfe einer Handvoll Computermitenerde „belebt“. So zum Beispiel eine Puppe namens James Marshall Hentrail, genannt „Jimi“, der ein höllisches Gitarrengejaule auf einem Tennisschläger („a terrible racket“) veranstaltet … Auch ein gewisser Quentin Tarantula wird erwähnt und ein Trompetespieler namens Long Distance Davis, genannt Miles …
Auf der Jagd nach ihrem entflogenen Papagei trifft Alice auf ihre Zwillingsschwester, Automated Alice, genannt Celia. „Celia“ ist ein Anagramm aus den Buchstaben von Alices Namen. Und Celia stammt aus dem Jahr 1998, aus Manchester. In der großen Stadt erleben die beiden verrückte und erschreckende Abenteuer. So wird Alice zum Beispiel des Mordes angeklagt und landet im Gefängnis. Sie kann entkommen und entdeckt eine Verschwörung der Bürokraten Manchesters, der „Civil Serpents“ (statt civil servants). Die schlangenförmigen Serpents haben nämlich ein wissenschaftliches Experiment mit „Chrononen“ an den nichts ahnenden Bürgern durchgeführt, um sie zu Gehorsam und Gesetzestreue zu bringen. Statt des erhofften Ergebnisses entstanden jedoch Mischungen aus Tier und Mensch, ja, aus Ding und Mensch. Alice trifft Zebramenschen und wandelnde Küchenspülen (und Zenith O’Clock).
Verfolgt von der Herrin der Schlangen landet Alice wieder im alten Häuschen, in dem sie 1860 lebte. Dort setzt sie alle zwölf Puzzlestücke, die sie bei ihren Abenteuern todesmutig gesammelt hat, zusammen – doch da bleibt ein Loch! In der Zooszene, die entsteht, fehlt ein Mädchen … Alice hüpft in das Loch hinein – und landet wieder im selben Moment, in dem sie das Jahr 1860 verlassen hatte – rechtzeitig zur Grammatikstunde mit Tante Ermintrude. Wo sie doch so viel zu erzählen hätte …
Mein Eindruck
Ich kenne nur wenige Bücher, die in gleichem hohen Maß wie „Automated Alice“ geistiges Vergnügen am verrückten Abenteuer (auch sprachlich!) und emotionale Anteilnahme am Schicksal der Hauptfigur in jener genialen Weise zu verbinden vermögen, wie es Noon hier gelungen ist. Das Buch sprüht vor Einfällen, einer verrückter und doch plausibler als der andere, ganz im Stil und Ton der Alice-Bücher. Selbst die Gedichte treffen den gleichen Esprit. Und es gibt eine ganze Reihe von Szenen und Sätzen, die den Leser über die eigene Beschaffenheit und Wahrnehmung der Wirklichkeit nachdenken lassen.
Fazit: Highly recommended! Nicht nur für junge Menschen. Für alle Alice-Fans ein Muss!
Dies hätte ein spannender und unterhaltsamer, sogar innovativer Fantasyroman sein können. Die Zutaten dafür sind alle vorhanden. Doch an der Ausführung gibt es einiges auszusetzen.
Die Autorin
„Miller Lau ist das Pseudonym einer renommierten britischen Autorin mit schottischen Vorfahren“, verrät der Klappentext. In der Tat hat sich diese Autorin in der schottischen Mythologie kundig gemacht (siehe unten). Sie greift auf legendäre Motive zurück, die um die Zeitenwende oder noch davor entstanden – und natürlich auf die verbürgte schottische Historie, denn sie verknüpft Legende und moderne Gegenwart.
Handlung
Nach fünfzehn schier endlosen Jahren wird Duncan Talisker aus dem Gefängnis im schottischen Edinburgh entlassen. Dort hat er unschuldig als Mädchenmörder eingesessen. Bei einer schweren Prügelei und Misshandlung hat er einen großen Teil seiner Erinnerung eingebüßt. Talisker ist kein gewöhnlicher Mensch, aber das ahnt er nicht, als er in die Sonne der Freiheit zurückkehrt.
Nachdem er sich mit seiner früheren Freundin Shula wiedergetroffen hat, um einen neuen Anfang zu machen, taucht in seiner schäbigen Wohnung ein Geist auf. Malcom MacLeod vom Clan der MacLeods ist ein harter Kämpfer von altem Schrot und Korn – er hat einst in der Schlacht von Bannockburn anno 1314 die Engländer besiegt. Malky spielt so etwas wie den Schutzengel von Talisker, der wiederum einer seiner Nachfahren ist. Und den kann dieser schon wieder gut gebrauchen.
Die Polizei hat nämlich die geköpfte Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Sofort denkt der Polizist Chaplin, der fünfzehn Jahre zuvor Talisker ins Gefängnis gebracht hatte und einst sein Schulfreund war, an seinen alten Pappenheimer. Doch etwas scheint diesmal mit Alessandro Chaplin nicht zu stimmen. Er hat furchtbare Albträume von einem Adlerwesen namens Mirranon, und um seinen Leib schlingen sich blutunterlaufene Prellungen unbekannter Herkunft. Unvermittelt macht er Talisker für den Tod seiner geliebten Frau Diana verantwortlich, die am Tag von dessen Verurteilung bei einem Verkehrsunfall starb.
Nachdem er den unschuldigen Talisker wieder gehen lassen musste, schlägt Chaplin seinen Widersacher im Schutze der Nacht zusammen. Doch nun passiert etwas Seltsames mit den beiden. Malky hat den schwer verletzten Talisker in ein merkwürdiges Zimmer im Rathaus (!) geführt, wo ein strahlendes Wesen namens Deme Taliskers zertrümmerte Hand heilt und ihn bittet, in ihr Reich namens Sutra mitzukommen. Eigentlich bittet sie nicht – was Talisker nicht witzig findet. Inzwischen taucht auch Chaplin auf der Bildfläche auf, mit einer Pistole in der Hand. Deme stößt Talisker in die Anderswelt, wird aber von Chaplin getötet, der seiner vermeintlichen Beute, Talisker, nachsetzt und ebenfalls in Sutra landet.
Was zunächst verwirrt, aber nun mal hinzunehmen ist: Stirbt ein Protagonist in der einen Welt, wacht er lebend in der anderen wieder auf. Dieses Bäumchen-wechsel-dich-Spiel nimmt schließlich ziemliche Ausmaße an.
In Sutra herrscht das geheimnisvolle Wesen Mirranon, der Weiße Adler. Noch. Denn Corvus, der Rabenkönig, verbreitet mit seinen Schattenkriegern, die die Seelen der Verstorbenen stehlen, Furcht und Schrecken. Talisker, Chaplin und Malky nehmen mit den Freunden Mirranons, den Gestaltwandlern, den Kampf gegen den zauberkundigen Rabenkönig auf. Denn wie Deme gesagt hatte, ist Talisker ein Krieger aus den Legenden Sutras.
Doch der Rabenkönig entsendet seine Dämonen nicht nur nach Sutra, sondern auch ins heimische Edinburgh – dort fiel den Dämonen das geköpfte Mädchen zum Opfer. Ihre nächsten Ziele sind diejenigen, die Talisker lieb und teuer sind: Shula und ihre Tochter Effie. Taliskers Auseinandersetzung mit Corvus in beiden Welten führt unausweichlich zu einem Kampf auf Leben und Tod.
Mein Eindruck
Im Literaturmarkt zwischen David Gemmell, Michael Moorcock und Diana Gabaldon nistet sich dieser Roman behaglich ein. Die Autorin möchte es allen Lesern recht machen, vor allem weiblichen Lesern. Ihre Frauenfiguren stellt sie weitaus genauer und realistischer dar als die männlichen „Helden“. Da aber Talisker und Company schließlich die Entscheidung herbeiführen, jedoch ihre Entscheidungen ständig von irgendwelchen Frauen und Gestaltwandlern beeinflusst sind, erscheinen sie nicht als Helden, sondern als Ausführende weiblichen Willens. Das dürfte Leserinnen entzücken, mich hat es nicht begeistert: Der Begriff „Held“ wird ad absurdum geführt.
Nach 220 Seiten stirbt denn auch Talisker das erste Mal: Er hat seine Schuldigkeit bei der Verteidigung einer Seestadt der Sutra-Menschen getan. Abgang! Bis hierhin genoss ich das Buch in vollen Zügen, auch wenn das Spannungsfeld zwischen Sutra- und Edinburgh-Szenen gewöhnungsbedürftig ist. Dafür gibt es als Höhepunkte mit Talisker eine Lovestory und eine ellenlange Schlacht zu erleben, würdig eines Gemmell oder Moorcock.
Danach bricht der Spannungsbogen sang- und klanglos zusammen, und es beginnt ein schier endloses Hin und Her zwischen den beiden Welten, sodass schließlich Überdruss und Verwirrung überwiegen: Mal stirbt Mr. T in der einen Welt, um in der anderen aufzuwachen – und dann ist es wieder umgekehrt. Diese nervende Phase dauert nicht weniger als 140 Seiten!
Bleiben also noch rund 170 Seiten, um die ganze Chose zu einem würdigen und halbwegs sinnvollen Abschluss zu bringen. Es gibt wieder eine Schlacht um eine Fluchtburg, doch das Kampfgeschehen ist nur Nebensache, wie’s scheint. Denn ein wichtiger Nebenschauplatz ist die Geburt eines missgebildeten Kindes namens Tristan, der Sohn irgendeines Paares, das bislang überhaupt keine Rolle gespielt hat. Da auch die böse Schwester des Rabenkönigs Talisker ein Kind abgeluchst hat – sie erschien ihm in Gestalt seiner Geliebten – ist für die Fortsetzung gesorgt: In der werden wohl diese beiden Kinder eine Hauptrolle erhalten. Talisker aber lebt mit seiner echten Geliebten für immer glücklich und zufrieden – in welcher Welt auch immer.
Mehrmals hatte ich den Eindruck, als sei das Buch um rund ein Drittel gekürzt worden, wenn nicht mehr. Denn nicht nur im Mittelteil ab Seite 220 fehlen verbindende Szenen, sondern auch im ganzen Rest. Manche Szenen beginnen unvermittelt, als habe ein TV-Redakteur zugeschlagen, der Platz für den nächsten Werbespot schaffen musste. Andere wieder werden nur indirekt berichtet, wären aber interessant gewesen. „Eine renommierte britische Autorin“? Sie muss beim Verlag |Simon & Schuster UK| irgendwie unter die Räder gekommen sein …
Die Übersetzung
Marianne Schmidt erlaubt sich nicht nur einige klare Fehler, sondern auch durchgehend ein schlampiges, unbeholfen wirkendes Deutsch. Sie übersetzt beispielsweise „emphatisch“ statt „empathisch“ (also „freudetrunken“ statt „mitfühlend“) und „Boden“, wo man „Erde“ sagen würde. Es gäbe fast ein Dutzend Beispiele. Sicherlich hatte sie Mühe, Malkys schottischen Highlander-Dialekt zu vermitteln, aber dennoch hätte ich das Buch fast mehrmals in die Ecke gefeuert.
Unterm Strich
Für die schlechte Übersetzung gibt es ebenso Abzug wie für die verwirrende und kopflos dahinstolpernde Handlung nach der Seite 220.
Ansonsten kann man sagen, dass das Buch einen guten Ansatz enthält, der sich vor allem auf den Rückgriff auf die keltisch-schottische Mythologie stützt. Einen Rabenkönig erwähnen die Legenden wirklich, nur hieß er nicht lateinisch „Corvus“ (= Rabe), sondern der Krähengott* (mit verschiedenen Namen wie etwa Balor) und wurde von den keltischen Ureinwohnern, den schwarzhaarigen, tätowierten Pikten, verehrt.
Doch die Skoten, also rothaarige Kelten aus Irland, führten ihren Lichtgott Lugh Langhand ein, als sie das schottische Festland eroberten und die Pikten vertrieben. Wieder einmal also erzählt die Autorin die Ablösung alter Götter durch neue, strahlendere – so war es schon bei den alten Griechen und Römern: Zeus/Jupiter erschlug die alten Götter wie etwa seinen Vater Uranos/Saturn und bekämpfte die Riesen.
Diese Story hätte vollkommen ausgereicht. Allerdings stapelt die Autorin noch mehrere andere Elemente darüber (Gestaltwandler, Dämonen, Corvus‘ Schwester usw.) und lässt die Hauptfiguren zwischen den Welten springen. Dieser interessante Versuch ging in der Ausführung leider daneben.
Originaltitel: Talisker. Book One of The Last Clansman, Simon & Schuster 2001
Aus dem Englischen übertragen von Marianne Schmidt http://www.randomhouse.de
*: Dies ist der Titel eines Fantasyromans von Stuart Gordon aus dem Jahr 1975, der weitaus befriedigender zu lesen ist als „Rabenkönig“. „Suaine and the Crow-God“ erschien 1978 als Heyne-Taschenbuch Nr. 06/3589 und wurde seitdem nicht wieder aufgelegt, was sehr schade ist.
Dieser farbige Fantasyroman schließt den fünfbändigen Ruwenda-Zyklus befriedigend ab. Es wieder ein Märchen für Erwachsene, vor allem für weibliche: voller Liebe und Magie, in einer exotischen Welt.
Im amerikanischen Original hieß der Zyklus „Trillium“ und wurde zunächst von drei bekannten Autorinnen verfasst: MZB herself, dann noch Julian May, der Verfasserin der erstklassigen Pliozän-Saga, und schließlich Altmeisterin André Norton, die den anderen wahrscheinlich zeigen konnte, was eine Harke ist. Initiiert wurde der ganze Zyklus inklusive Kooperation vom deutschen (!) Literaturagenten Uwe Luserke.
Auch diesen Band hat MZB wieder mit einer nicht im Titel genannten Koautorin verfasst, der sie jedoch im Buch dankt: Elisabeth Waters.
_Handlung_
Das Reich der Drillingslilie – daher ‚Trillium‘ – droht unterzugehen. Die Seherin Haramis, die das Erbe der Zauberin von Ruwenda angetreten hat und nun bereits zwei Jahrhunderte über das Schicksal des Landes wacht, fühlt, dass ihre Zeit zu sterben naht. Ihre beiden Schwestern Kadiya und Anigel weilen bereits längere Zeit nicht mehr unter den Lebenden. Einsam hockt sie im Turm, der einst ihrem Erzrivalen Orogastus gehörte.
Mit Hilfe ihrer seherischen Gabe, dem Zweiten Gesicht, sucht sie nach einer Nachfolgerin für ihr Amt. Diese will sie in die Aufgaben der Erzzauberin von Ruwenda einführen. Schließlich wählt sie die widerspenstige Prinzessin Mikayla aus, doch diese hält nichts vom Zölibat einer Zauberin, sondern entscheidet sich für ihren Jugendfreund, den Königssohn Fiolon. Wer könnte es ihr verdenken?
Doch Haramis holt die beiden Turteltäubchen zu sich in den Weißen Turm. Dort beginnt sie, Mikayla in die Grundregeln der Magie einzuführen. Mikayla kommt sich vor wie Harry Potter und scheint sich nach außen hin in ihr Schicksal zu fügen, das eine Art Eremiten- und Mönchsdasein erfordert. Doch nachdem man Fiolon wieder in die Zitadelle von Ruwenda zurückgeschickt hat, findet sie einen Weg, ihn wiederzutreffen. Aber Fiolon entwickelt ohne Wissen der Zauberin ebenfalls große magische Fähigkeiten.
Haramis versucht vergeblich, die Verbindung der Liebenden zu zerbrechen, vielmehr erleidet sie einen Schlaganfall. Mikayla nutzt die Gelgeneheit, um den nunmehr ungeschützten Turm näher in Augenschein zu nehmen. Dabei ist ihr Uzun eine gute Hilfe, der frühere Begleiterin der Erzzauberin, der von dieser in eine schnöde Harfe verwandelt worden war. Mikayla sucht einen neuen Körper für ihn, doch dies führt zu neuen Abenteuern, die aber belohnt werden. (Ich will hier nicht verraten, welche neue Gestalt Uzun nun bekommt.)
Haramis ist mittlerweile kurz davor, den Löffel abzugeben. Als Folge ihrer schwindenden Zaubermacht kommt es zu etlichen Naturkatastrophen wie etwa Erdbeben. Doch Mikayla und Fiolon doktern lieber an den Symptomen herum, indem sie die Schäden beseitigen, statt sich um die Ursache zu kümmern: Mikayla sollte Haramis‘ Stelle einnehmen. Ist sie bereit, den Preis zu bezahlen? Oder gibt es eine Chance, dass beide ein gemeinsames Leben führen?
_Mein Eindruck_
Dies ist klassische Fantasy: Durch dick und dünn muss die Hauptfigur Mikayla erst gehen, bevor sie die Entscheidung zwischen Pflicht (Zauberin zu werden) und Neigung (Fiolon zu heiraten) treffen kann. Doch vielleicht kann sie den Kuchen essen und ihn zugleich behalten? Dann könnte sie an Fiolons Seite Zauberin werden und die Welt retten.
Wie man sieht, werden auch in diesem Roman die schönsten Mädchenträume wahr und am Schluss wird (doch, sicher, ganz bestimmt) alles gut. Leider ist dies vom literarischen Standpunkt nicht weiter von Bedeutung. Und wer solche Geschichten mag, wird auch hier das finden, was er oder vielmehr sie erwartet: Unterhaltung im schönsten Sinne des Wortes.
|Originaltitel: Lady of the Trillium, 1995
Aus dem US-Englischen übertragen von Marion Balkenhol|
Acht Menschen werden in ihren selbstfahrenden Autos entführt und auf einen tödlichen Kollisionskurs geschickt. Wenn es den Behörden nicht gelingt, die Fahrzeuge anzuhalten, wird eines nach dem anderen explodieren. Doch damit nicht genug: Der Täter streamt die Höllenfahrt seiner Passagiere live im Internet und fordert die Zuschauer auf, abzustimmen: Wer hat es verdient zu überleben? Und wer muss sterben? John Marrs – The Passengers. Du entscheidest über Leben und Tod. SF-Roman weiterlesen →
Die Physikerin Susan Boyle überwacht im antarktischen Winter ein Neutrino-Teleskop. Sie empfängt ein starkes Signal aus der Richtung eines nahen Sternhaufens, kann aber nichts Außergewöhnliches erkennen. Bis nach und nach immer mehr Sterne am Himmel verschwinden.
Der Astronaut Colin Curtis bereitet sich im Mondorbit auf seine Landung vor. Aber das Manöver wird abgebrochen, als eine Astronomin seiner Crew ein außerirdisches Raumschiff entdeckt, das sich mit großer Geschwindigkeit unserem Sonnensystem nähert.
Es schickt eine Funkbotschaft an die Menschheit, die nur aus physikalischen Formeln besteht, bevor es – offensichtlich auf der Flucht – davonrast. Nach und nach wird den Wissenschaftler*innen klar: Aus den Tiefen des Raums kommt etwas auf uns zu. Etwas so Gewaltiges, dass es die Erde in ihren Grundfesten erschüttern wird. (Verlagsinfo)
Die junge Csorwe ist die erwählte Braut des Unaussprechlichen. Als solche ist sie nicht nur Medium für Prohphezeiungen, um die Pilger den Gott bitten, sie ist auch sein designiertes Opfer. Doch an dem Tag, an dem sie den Tempel des Gottes betritt, geschieht etwas Unerhörtes! Der letzte Pilger, der nur wenige Tage zuvor um eine Prophezeiung gebeten hat, hat den heiligen Ort ebenfalls betreten, und er macht Csorwe ein geradezu blasphemisches Angebot!
Die Perelandra-Trilogie ist eine Art utopischer Space-Opera, entstand in den 30er und 40er Jahren und besteht aus den Romanen „Jenseits des schweigenden Sterns“, „Perelandra“ und „Die böse Macht“.
Da es sich bei der Perelandra-Trilogie um einen grundlegenden Zukunfts- und Weltentwurf handelt, sollte die neue Ausgabe in keiner Bibliothek eines ernsthaften Science-Fiction-Lesers fehlen.
_Handlungen der drei Romane, kurz gerafft_
Lewis geht als Rahmen von einem auf göttlicher Ordnung beruhenden und somit harmonischen Universum aus (ähnlich wie später Doris Lessing im Shikasta-Zyklus). Die Engel bilden die Leitfiguren für die jeweiligen Planeten und die darauf lebenden, im evolutionären Status unterschiedlichen Rassen.
Die Erde und die menschliche Rasse sind in diesen Romanen nicht der letzte Hort der Weisheit oder gar Mittelpunkt der Schöpfung, sondern eine Art kosmischer Schandfleck, ein Ort des Verderbens. Der für die Erde zuständige Engel, nennen wir ihn mal Luzifer, hat durch sein Aufbegehren gegen Gott die allseits verbreitete Harmonie gestört und damit auch die Entwicklung aller Geschöpfe auf der Erde. Der Mensch ist nachhaltig fehlgeleitet, was sich nicht so sehr in großen Dingen, umso mehr aber in Kleinigkeiten wie Egoismus, unsozialem Verhalten, Umweltzerstörung usw. äußert. (Ökologie in frühem Stadium!)
Nach „Luzifers“ Sündenfall wurde die Erde von den übrigen Engeln als Sperrbezirk eingestuft, um so den ansteckenden Virus des Bösen zu isolieren. Sie wird zum „schweigenden Stern“. Um den armen Kreaturen auf der Erde, die nunmehr den Machenschaften des Bösen ausgeliefert waren, dennoch die Möglichkeit individueller Erlösung zu bieten, trat Christus, der Sohn Gottes, in die Welt. Auch wenn dadurch (gute) Menschen ihr seelisches Heil sichern konnten, war damit noch nichts gegen die materiellen Manipulationen Luzifers unternommen, der die Erde in eine unbewohnbare Wüstenei verwandeln will.
Vor diesem Hintergrund setzt die Handlung des 1. Bandes ein. Er beginnt damit, dass die Isolation der Erde von innen heraus durchbrochen wird, als ein bösartiger Wissenschaftler und ein geldgieriger Geschäftsmann den Sprachwissenschaftler (Lewis war selbst einer) Ransom, der ihnen auf die Schliche kam, entführen. Mit einer Rakete geht es in Richtung Mars, wo sich beim Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung der (oben skizzierte) größere Rahmen enthüllt.
Nach Klärung der Situation und einem Zwischen-Happyend verschlägt es Ransom in „Perelandra“ auf die Venus, wo soeben das erste Menschenpaar, Adam und Eva, auftritt. Bald erkennt Ransom, dass ihm hier die Rolle zufällt, die „Eva“ vor den Einflüsterungen des Bösen – die Schlange wird verkörpert durch den aus Band 1 bekannten Wissenschaftler – zu schützen. Seinen Job vollführt er mit einer recht ungewöhnlichen Methode und erhält den Menschen der Venus so ihr Paradies.
Im dritten Band treiben die Ereignisse auf den Höhepunkt zu. Ransom wurde durch die Tat auf der Venus geläutert und betritt die Erde wieder als Inkarnation des „Gralskönigs“, um gegen ein wissenschaftliches Großprojekt, das letzten Endes den Untergang der Menschheit herbeiführen würde, zu kämpfen. Hilfe findet er in einer kleinen Gruppe von Getreuen und dem wiedererweckten Magier Merlin. (Lewis kannte die Sagen genauso gut wie sein Freund und Kollege Prof. Tolkien.)
_Unterm Strich_
Zwar bremsen die durchaus vorhandenen Längen – es wird eben viel erklärt – den Erzählfluss mitunter etwas, dies wird aber wettgemacht durch den phantasievollen Entwurf eines umfassenden Weltbildes, das freilich nicht nach jedermanns eventuell atheistischem Geschmack sein dürfte.
Es kommt dem Ideal der utopisch-phantastischen Literatur hinsichtlich Darstellung und Ausarbeitung jedoch sehr nahe und unterscheidet sich dadurch von vielen seichten Hintergrundszenarien anderer phantastischer Romane. Kein Wunder, dass über diese Trilogie mehrere Doktorarbeiten geschrieben wurden.
|Originaltitel: Out of the silent planet; Perelandra; This hideous strength, 1938/43/45
Paperback, 3 Bände im Schuber
Band 1: Jenseits des schweigenden Sterns
Band 2: Perelandra
Band 3: Die böse Macht
Mit einem Nachwort von Hans Steinacker
Aus dem Englischen von Hans Brumm
Gesamtumfang: 1018 Seiten|
C.-S.-Lewis-Seite des Verlags: http://www.narnia-welt.de/
Tag der offen Tür an der Internatsschule und alle zeigen sich von ihrer besten Seite. Der Schock folgt jedoch bei der feierlichen Enthüllung eines Gemäldes des bekannten Malers Jens Gutmann – selbst Absolvent des Internats: Jemand hat „Keine Kunst!“ quer über das Bild geschmiert und das tausende Euros teure Kunstwerk damit vollkommen verunstaltet. Tim, Karl, Gaby und Klößchen nehmen die Ermittlungen auf. Die Spurensuche führt sie einmal durch die ganze Schule – von der Kantine zu den Internatsbuden, vom Chemiesaal in den letzten Winkel des Schulparks. Sie sammeln Fingerabdrücke, sprechen mit Zeugen und folgen so mancher falschen Fährte. Wird es TKKG gelingen, den Verbrecher dingfest zu machen? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ein Fall, der (mutmaßlich) ausschließlich auf dem Internatgelände spielt? Kann das spannend werden? Oder gehen TKKG schnell die Räume und Verdächtigen aus? Interessant klingts allemal, was da im Klappentext steht.
Ferien in Land‘s End! Am äußersten Ende von Cornwall entdecken die Fünf Freunde etwas Unglaubliches: Das wichtigste Denkmal der Gegend wurde gestohlen! Und das ist erst der Anfang einer äußerst merkwürdigen Diebstahlserie. Mit allen Mitteln versuchen die Fünf Freunde das Rätsel der verschwundenen Denkmäler zu lösen und bestehen dabei ein aufregendes Abenteuer. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Na ja … für die Fünf Freunde ist Cornwall das Ende der Welt … irgendwann ist „die Insel“ halt zu Ende. Interessant und schön, dass es nach 137 Abenteuern da immer noch Neues zu erleben gibt.
449 entflohene Seelen. 449 Tage, um sie zurück in die Unterwelt zu schicken. Roxy weiß, dass ihre Mission so gut wie unmöglich ist. Dass sie jetzt auch noch ein Auge auf den mysteriösen Shaw haben soll, der von einem Geist besessen war und seitdem keinerlei Erinnerungen an seine Vergangenheit hat, passt ihr daher gar nicht. Vor allem, weil das Kribbeln zwischen ihnen mit jedem Augenblick, den sie miteinander verbringen, heftiger wird. Und das ist nicht nur für Roxys Herz gefährlich – sondern auch für ihr Leben… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Und Roxy hat noch viel mehr Probleme, denn die knallharte Geisterjägerin hat eine düstere Vergangenheit, die lange Schatten auf die Gegenwart wirft …
Dieser Roman ist die Buchfassung des Drehbuchs von Robert Gordon und Barry Fanaro. Die Autorin Esther M. Friesner macht einen guten Job, die Filmstory angemessen im literarischen Genre zu erzählen. Und sie bringt eine weitere Hauptfigur ein: New York City!
Dieses Buch kann absolut jeder verstehen, der den Film verstehen kann. Darum ist das Buch meines Erachtens für alle Kinder ab 10 oder 12 Jahren geeignet.
Zwei |Men in Black| schauen uns an, metallisch schimmernde Riesenwummen in der Hand, und sitzen in zwei Eiern. Die Botschaft des Titelbildes ist klar: Diese Männer kennen keine Gnade, wenn sie uns vergackeiern.
_Die Autorin_
Die 1951 geborene Esther Mona Friesner-Stutzman gehört zur gut verdienenden, weil fleißig schreibenden mittleren Riege des Fantasy-Genres. Sie hat seit Mitte der 80er Jahre über ein Dutzend Romane veröffentlicht, die meistens Motive und Figuren der Fantasy auf die Schippe nehmen. Am bekanntesten ist sie mit ihren amüsanten Anthologien über Amazonen geworden, von denen die erste mit dem provokanten Titel „Chicks in Chainmail“ (wörtlich: Miezen im Kettenhemd) bereits 1995 erschien.
Bei uns ist Friesner bislang mit den Titeln „Druidenblut“ (eine gelungene Sherlock & Watson-Parodie) und „Gestern sahen wir noch Meerjungfrauen“ (eine nostalgische Fantasy um die Entdeckung Amerikas) vom Bastei-Lübbe-Verlag verlegt worden. Im Januar 2006 erscheint von ihr „Sturm auf den Himmel“ (Star Trek: The Next Generation) bei |Heyne|.
Mehr als eine der zahlreichen Trilogien Friesners spielt in New York City, der Stadt, in der sie sich wie in ihrer Westentasche auszukennen scheint. In „New York by Knight“, „Elf Defence“ und „Sphynxes High“ (1986-89) treten Ritter und Drachen sowie etliche Gestalten vom Elfenpack auf, die mal wieder Schabernack treiben. Der Unterschied zu den Gestalten in „Men in Black II“ ist also kaum der Rede wert.
_Handlung_
Agent Jay (für Filmbesucher: Will Smith), der immer in feinem schwarzen Anzug und dunkler Sonnenbrille herumläuft, gehört einem speziellen US-Geheimdienst an: MIB, sprich: Men in Black (der Name ist irgendwie selbsterklärend). Seine patriotische Aufgabe besteht darin, Lebensformen von fremden Welten, die auf der guten alten Terra heimisch werden wollen, zu überwachen.
Doch seit Agent Kay (für Filmbesucher: Tommy Lee Jones) nicht mehr besonnen an seiner Seite steht und die Aliens überwacht, hat Agent Jay wenig Erfolg in der Eindämmung des Alien-Gesocks. Agent Tee, sein neuer Partner, lässt irgendwie die richtige Motivation vermissen. Und er kennt sich nicht aus. Bereits zum Auftakt der Geschichte macht Tee eine ganz schlechte Figur, als eine Art Moloch die U-Bahn angreift und Agent Jay den Zähnen des Monsters nur mit knapper Not und einigen Tricks entkommt. Eins schwört er sich: Er wird die Aufenthaltsgenehmigung des Aliens einziehen lassen! Doch das Monster Jeff wird noch eine wichtige Rolle spielen …
Nach dieser schmachvollen Niederlage sieht Agent Jay keine Alternative als Agent Kay aus dem verdienten Ruhestand zurückzuholen. Kay arbeitet irgendwo im ländlichen Neuengland als Vorstand einer Filiale der US Mail. Und Leuten, die saudumme Fragen stellen wie Jay, verkauft er keine Briefmarken, sorry! Obwohl man Kays Erinnerung an seinen Dienst bei den MIB gelöscht hat (er wurde „geblitzdingst“, aber im Buch heißt das etwas vornehmer „neuralisiert“), tummeln sich in seinem Hinterzimmer immer noch emsige Aliens.
Im MIB-Hauptquartier soll Kays Erinnerung wiederhergestellt werden. Gerade noch in letzter Sekunde, denn mit der feschen Serleena (für Filmbesucher: Lara Flynn Boyle) ist in Wahrheit ein kylothianisches Wurzelwesen auf die Erde gekommen, das nichts anderes will, als einen teuflischen Zerstörungsplan zu verwirklichen. Um ihre Nachbarzivilisation vernichten zu können, braucht sie die Energiequelle, die als „Licht von Zartha“ bekannt ist und auf der Erde versteckt wurde.
Gleich in ihrer ersten Nacht auf der Erde zeigt Serleena einem Räuber im Central Park, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist. Außerdem legt sich die Gestaltwandlerin nach einem Blick in ein bekanntes Männermagazin eine unauffällige Verkleidung zu: als Dessousmodel. Natürlich besucht sie als nächstes ihren eigenen Agenten: ein Doppelkopfwesen namens Scrad/Charlie, das sich selten einig ist. Schon wenig später sucht sie den Hüter des „Lichtes“ in seinem Restaurant heim und hinterlässt für Agent Jay deutliche Spuren.
Doch während sich Jay in die bildhübsche Kellnerin Laura verliebt, erobert Serleena die Zentrale der Men in Black durch einen Hinterhalt. Dort gedenkt sie noch ein Hühnchen zu rupfen mit einem Agenten namens Kay. Es sieht nicht gut aus für Kay und Jay: Der Feind hat die eigene Festung im Sturm genommen und sie haben keine Ahnung, um was es eigentlich geht. Da kann ihnen eigentlich nur ein weiterer Alien helfen: Frank, der Mops. Schließlich kommt es zum großen Showdown über den Dächern dieser wunderbaren und wunder-vollen Metropole.
_Mein Eindruck_
Auch Esther M. Friesner (EMF) trägt wahrscheinlich ein „I love NY“-T-Shirt. Jedenfalls verrät die Art und Weise, wie sie über die Stadt und deren Bewohner schreibt – „Jeder Bewohner von New York City ist ein Auswärtiger; ist er’s nicht, dann war er mal einer“ – nicht nur Sympathie für die Heimat, sondern auch eine kritische Beobachtungsgabe. Sie kennt sich in Chinatown und Little Italy genauso gut aus wie am Times Square (vom World Trade Center ist natürlich keine Rede mehr!) und in den dunkleren Gassen, wo schmuddelige, wenn nicht sogar schräge Videoläden ihre „Kostbarkeiten“ feilbieten.
In einer dieser Videotheken stoßen Kay und Jay natürlich auf des Rätsels Lösung: der Ladenbesitzer ist ein paranoider UFOloge und Oliver-Stone-Verehrer, wie er im Buche steht. Offensichtlich sind dies für Undercover-Agenten wie die MIB die nützlichsten Leute in der Metropole der Auswärtigen …
… zu denen natürlich auch die unerkannt unter uns weilenden Aliens zählen. Die Autorin bringt es amüsant und glaubwürdig rüber, dass Aliens nicht allzu sehr auffallen würden. Schließlich dürfen sogar Aliens wie Michael Jackson, der hier einen Gastauftritt hat, im Land der Freiheit ihren, ähm, Neigungen nachgehen. Wenn es ums Singen geht, sind auch Aliens wie Mops Frank gleichberechtigt: Auf der Fahrt zum Einsatzort grölt er „I will survive“.
Insgesamt ist dieses Buch nicht nur eine Prosa-Wiedergabe des Drehbuchs, sondern viel mehr. Neben der Action und der Komödie liefert es auch eine Schilderung einer der liebenswertesten Städte der Welt und ihrer bemerkenswerten Bewohner.
Zu denen auch Jeff aus der U-Bahn zählt: Auch das Monster von den Abmessungen eines mittleren T-Rex und mit dem gleichen Appetit muss in diesem Drama seine Rolle bis zum Schluss spielen. Es wird Serleenas letzte Ruhestätte (wenn ich mich recht entsinne; vielleicht wurde ich aber auch geblitzdingst – ich kann für alles, was ich hier erzählt habe, also keine Gewähr übernehmen).
_Unterm Strich:_ Eine kurzweilige und hintergründige Umsetzung der Filmhandlung, garniert mit einigen persönlichen Zutaten der amüsanten Erzählerin.
|Originaltitel: Men in Black II. The official novelization by Esther M. Friesner, based on the screenplay by Robert Gordon & Barry Fanaro, 2002
Aus dem US-Englischen übertragen von Frauke Meier|
In der englischen Originalsprache enthält dieser Auswahlband Erzählungen von Isaac Asimov, E.F. Russell, Philip K. Dick, Robert A. Heinlein, John Wyndham, Harlan Ellison, John Wyndham, Alfred bester, J.G. Ballard und Harry Harrison – allesamt Autoren der ersten Liga, aber es sind keine weiblichen Vertreter darunter und auch keine Nicht-Angelsachsen.
Das Besondere an dieser Ausgabe ist die Kurzcharakteristik zum jeweiligen Autor und – das ist rar – eine Interpretationshilfe zur jeweiligen Erzählung. Mittelgute Englischkenntnisse sind für die Lektüre natürlich Bedingung, aber viele neue Vokabeln werden in Fußnoten erklärt.
Hier findet man unter anderem:
1) Die Story von dem Roboter, der für den Mond gebaut wurde und nun auf einem irdischen Schrottplatz landet – mit unerwarteten Folgen;
2) Die Story von dem Roboter, der sich für einen Menschen hält, aber in Wahrheit ein Infiltrant der Aliens ist;
3) Die Story von dem Flottenkommandanten, den ein kleines Mädchen zum Weinen bringt;
4) Die Story von der übervölkerten Welt, auf der zwei Glückspilze noch eine unbelegte Besenkammer finden; und weitere. Dieter Wessels (Hg.) – Classic Science Fiction Stories. Fremdsprachentexte weiterlesen →
Ein Siedlerjunge folgt einem Reiter, der sich bemüht, den Tod seiner Geliebten und Partnerin Aby aufzuklären, die in den Bergen des Grenzlandes umkam. Doch neben dem Jungen sind weitere Männer hinter Guil Stuart her, denn es geht um die letzte Fracht der Partnerin: Gold im Wert von 300.000 Dollar.
„Rider at the Gate“ ist der erste Band einer Roman-Dilogie, die in einem neuen Universum und auf einem neuen Planeten spielt: Finisterre. „Rider“ wurde 1995 mit „Cloud’s Rider“ fortgesetzt. C. J. Cherryh – Rider at the Gate (Finisterre 1) weiterlesen →
Mauritane ist Hauptmann in der Elfenarmee der Seelie. Einst als Kriegsheld gefeiert, sitzt er nun wegen Verrats im Kerker, zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotz seiner Unschuld sind seine Tage gezählt. Doch dann unterbreitet die Königin ihm ein einmaliges Angebot: Mauritane soll eine Elitetruppe zusammenstellen und einen geheimen Auftrag für sie erledigen. Hat er Erfolg, will sie ihn und seine Gefährten begnadigen. Doch die Sache hat einen Haken. Der Auftrag ist ein Himmelfahrtskommando … (Verlagsinfo)
Der Autor
Matthew Sturges, geboren Oktober 1970 in Rhode Island, USA, ist das Pseudonym von Lilah Sturges: Sie ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und verfasste bereits Comic- und Fantasyromane. Im Juni 2010 erschien ihr zweiter Roman „The Office of Shadow“. Anno 2010 erschien ihre Storysammlung „Beneath the Skin and Other Stories“, die Horrorerzählungen umfasst. Zurzeit lebt sie in Pflugerville, Texas. Mehr Info.
Sturges ist bekannt geworden durch ihre Nominierung für den begehrten „Eisner-Award“ – für einen ihrer Comic-Books, „Jack of Fables“. In den 1990er Jahren war sie ein kollektives Mitglied des „Clockwork Storybook“, zu dessen Mitgleider unter anderem Bill Willingham, Chris Roberson und Finn Mark zählen.
Handlung
Die Fae-Festung Crere Sulace ist kein Ort für einen netten Urlaub. Ganz im Gegenteil, hier ist das Hochsicherheitsgefängnis der Seelie-Elfen, über die Titania Regina herrscht, und es ist immer saukalt. Unter den Gefangenen finden immer wieder Messerkämpfe statt, bei denen Mauritane, ein ehemaliger Hauptmann der Königlichen Leibwache, als Schiedsrichter fungiert.
Er ist es auch, an den sich Hauptmann Purane-Es, der aus der Hauptstadt Smaragdstadt gekommen ist, wendet. Mauritane hat seinen Bruder Purane-La getötet, und Purane-Es muss auch gleich einen Angriff abwehren. Erst dann kann er dem widerwärtigen Mauritane das königliche Angebot unterbreiten: eine geheime Mission zur grünen Stadt Sylvan, quer durch die Umfochtenen Lande, an den Wachen des Unseelie-Königreichs von Königin Mab vorbei. Dort solle Mauritane etwas abholen und es der Königin überbringen. Als Dank würden er und seine Gefährten danach freigelassen. Aber nur wenn er die Frist einhält.
Da Mauritane nichts anderes übrig bleibt, zieht er (nach einem kleinen Zwischenfall im Nordturm, der erst am Schluss seine Erklärung findet) mit fünf Gefährten los: Die Fae Honigborn, Silberdun und die Avalonerin Raieve sind ausgebildete Schwertkämpfer, doch der Mensch Slattery ist das nicht. Folglich muss er ihn ausbilden. In der Stadt Weißendorn trifft er den vertrauenswürdigen, aber melancholischen Fae-Kämpfer Graugänger, der sich ihnen anschließt.
Schon wenige Tage nach dem Aufbruch stellt Mauritane fest, dass eine seiner Botenfeen geklaut wurde. Es muss also einen Verräter in seiner Truppe geben. Da Honigborn sich im Kampf mit Unseelie-Truppen für sie opfert, kann er es nicht sein. Slattery, der erst seit zwei Jahren in den Faereichen ist, kennt sich hier nicht aus, scheidet also aus. Wenig später zeigt sich, dass auch Raieve nicht in Frage kommt, was Mauritane veranlasst, seine Frau Anne, die in Smaragdstadt auf ihn wartet, mit der Avalonerin zu betrügen. Bleiben noch zwei Verdächtige.
Mauritane ahnt nicht, dass sich Lady Anne inzwischen von Purane-Es umworben sieht und dieser Aufmerksamkeit gerne nachgibt, um der sozialen Ächtung zu entgehen, in die Mauritanes Verhaftung sie gestürzt hat. Erst im Finale erreicht ihn diese Nachricht, die ihm sein schlimmster Feind ins Gesicht schleudert, wie ein Hammerschlag.
Doch die Zeit läuft ihnen davon, und sie können keine Scharmützel mit Goblins, Unseelie-Patrouillen und Thulemännern mehr riskieren. Schon in vier Tagen müssten sie eigentlich in Sylvan sein, bräuchten aber sieben Tage für die Strecke. Also müssen sie es riskieren, einen der beschleunigenden Unbeständigen Orte aufzusuchen und dazu nutzen, eine größere Strecke zurückzulegen – hoffentlich in der richtigen Richtung …
Unterdessen
An Bord der schwebenden Stadt von Königin Mab bereitet der Schwarzmagier Hy Pezho seinen Coup vor. Offenbar gibt es Spione der Seelie-Königin Titania und sogar Rebellen unter den Untertanen Ihrer Majestät. Marar, der Steuereintreiber, sei so einer, behauptet Hy Pezho und lässt ihn mit Mabs Erlaubnis köpfen. Doch wo sind Marars Komplizen? Womöglich an Bord der schwebenden Schwesterstadt Gefi, die er mit seiner neuen Waffe, dem Schießpulver, angreifen lässt. Hy Pezhos Rang steigt, bis er neben Mab sitzen darf. Doch auch dieser privilegierte Ort reicht ihm noch nicht, denn seine Rache verlangt nach Königin Mabs Kopf …
Mein Eindruck
Ich habe mehrere Wochen für dieses hochgelobte Fantasygarn gebraucht. Erst der dritte Teil, der mehrere Finali auf actionreiche Weise schildert, konnte meine hochgespannten Erwartungen erfüllen. Davor aber muss sich der Leser durch diverse Scharmützel kämpfen. Das Kurioseste davon ist sicherlich das Lager der in die Faelande geratenen modernen Amerikaner, die es durch einen der Unbeständigen Orte an diesen Ort verschlagen hat. Sie nehmen die Fae gefangen. Nun schlägt Slatterys große Stunde der Bewährung.
Slattery, der unbeholfene und ängstliche Mensch unter lauter magiebegabten Elfen, ist jedoch keineswegs der Held der Geschichte. Das Abenteuer hat mehrere Helden, und der Autor präsentiert nacheinander die Perspektiven von Mauritane, dem Anführer, seiner kämpferischen Geliebten Raieve und dem Menschen Slattery. Silberduns Blickpunkt bekommen wir selten präsentiert – dafür spielt er die Hauptrolle in der Fortsetzung „Schattenspäher“.
Tolkien bleibt unerreicht
Wie in „Herr der Ringe“ wird eine recht unterschiedliche Gruppe von Gefährten auf eine gefährliche und mysteriöse Mission geschickt. Um diese zu überleben, müssen alle Gefährten ihre jeweiligen Stärken zur Geltung bringen und einsetzen. Dabei gibt ausgerechnet der Mensch eine klägliche Figur ab, was uns gar nicht recht ist. Erst spät darf er als Naturwissenschaftler ein Glanzstück vollbringen: Er bringt einen irdischen Sportwagen zum Laufen und rast mit sagenhaften 50 km/h durch die elfische Pampa gen Hauptstadt.
Da war mir doch Mauritane wesentlich lieber. Er ist das Gegenstück zu Aragorn in diesem Abenteuer und führt die Seelie in die Entscheidungsschlacht gegen die Unseelie-Truppen Ihrer Majestät Königin Mabs. Der Hintergrund für die Feindschaft zwischen Mab und Titania wird zwar erklärt, aber si skizzenhaft, dass man die Erklärung gleich wieder vergessen hat.
Ein Tolkiensches Gefühl geschichtlicher Tiefe soll zwar erweckt werden, wird aber an keiner Stelle erreicht. Tolkien hat sich eben die Mühe gemacht, ein ganzes Universum zu erfinden und es in den bekannten Anhängen zu beschreiben (wo dann auch Arwen auftaucht). Hierfür hätte sich Sturges noch einiges mehr an Zeit gönnen müssen, etwa für ein Glossar. Stattdessen kommt immer wieder ein Gefühl der Verwirrung auf. Das hat mich genervt und verunsichert.
Mab
Recht interessant ist Königin Mab. Sie ist, wie in der „Merlin“-Verfilmung, eine mächtige Hexe (aus der keltischen Mythologie), der diverse Arten von Magie zur Verfügung stehen, so etwa die über die Schwerkraft und die Elemente. Sie kann so etwas wie eine Atombombe einsetzen. Allerdings können Mauritane und Co. in einer Art Kommandounternehmen die Quelle dieser speziellen Magie erstaunlich leicht ausschalten. Mab weist die übliche Arroganz der Macht auf. Das könnte noch ihr Untergang sein.
Die Schlacht
Wie in „Die linke Hand Gottes“ und „Herr der Ringe“ bringt eine große Schlacht die Entscheidung darüber, wer in den Seelie-Landen herrscht. Das Drehbuch für die Schlacht kam mir nicht vertraut vor, wenn auch Zentrums- und Flankenangriffe sicherlich zum Standardrepertoire gehören (Cannae, Gettysburg, Philippi usw.) Interessant ist jedoch der Einsatz von magischen Schirmen und magischen Geschossen durch die Thaumaturgen beider Seiten. Das erinnerte mich an die Entscheidungsschlacht in „Die Heiligtümer des Todes – Teil 2“. Natürlich wird die Entscheidung durch eine List herbeigeführt. Die darf hier aber nicht verraten werden.
Mission erfüllt?
Aber eigentlich fragte ich mich die ganze Zeit: Wieso zum Geier ist es auf dieser Welt die ganze Zeit Winter? So was ist ja nicht normal. Sylvan, die grüne und warme Stadt, der Mabs Invasion gilt, ist das beste Gegenbeispiel. Etwas ist aus dem Lot geraten. Ist Sylvan so grün und warm, weil hier der Gott Aba-e in einem großen Tempel verehrt wird, oder liegt es an der Abwesenheit von Titanias Kräften in dieser rebellischen Stadt?
Wie sich herausstellt (so viel darf verraten werden), besteht Mauritanes Mission darin, in dieser Stadt eine junge Frau, eine Baronesse, zu finden, zu entführen und zu Titania zu bringen. Zu welchem Zweck, ahnt er nicht. Doch es hat etwas mit dem fortwährenden Winter zu tun. Kein Wunder, dass der Feind nichts davon erfahren darf. Allerdings landet Mauritane samt Anhang erst einmal im Kerker. Das Ende der Mission? Natürlich nicht!
Romantik
Dass Romantik nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. Von Anfang an ist klar, dass diesbezüglich etwas zwischen Mauritane und der Avallonerin Raieve laufen wird. Doch ihr Techtelmechtel steht unter keinem glücklichen Stern. Dafür wird es was mit Lady Anne, Mauritanes Noch-Gattin, und seinem Erzfeind Purane-Es. Allerdings nur solange, bis Mauritane davon informiert wird und seinen Feind zum Duell stellt. Dann ist Schluss mit lustig.
Die Übersetzung
Die Übersetzung ist durchaus flott zu lesen und scheint der Vorlage recht genau zu entsprechen. Auffällig sind die zahlreichen PPA-Konstruktionen: „zupfend“, „gehend“, „kämpfend“ etc. Sie signalisieren einen anhaltenden Zustand oder eine Handlung im Verlauf, die also noch nicht abgeschlossen ist (dass wäre ja PPP). Allerdings werden PPA-Konstruktionen generell nicht als guter deutscher Stil erachtet.
(PPA: Partizip Präsens Aktiv oder Erstes Partizip, PPP: Partizip Präsens Perfekt oder zweites Partizip; siehe dazu „DUDEN: Gutes und richtiges Deutsch“.)
S. 166: „als hätte sie etwas gesehen, das sie erschrak“. Genau die falsche Form von „erschrecken“. „Erschrak“ ist intransitiv, verlangt wird aber die transitive Form „erschreckte“. Deutsch müsste man können!
S. 252: „zu jung, am alles zu verwalten“ – statt „um“. Nur einer von etlichen Dreckfuhlern und Fipptehlern.
S. 267: „Ereignis, dass während der Zeit, die die Seelie Midwinter nennen, stattfand.“ Korrekt wäre „das“ statt „dass“.
S. 301: „den getrockneten Wachs von den Fingern zupfend“: Korrekt wäre „das Wachs“.
S. 402: „beobachtete die kleine Flamme, wie sie [sich] hin und her bewegte“. Das Wörtchen „sich“ fehlt.
Unterm Strich
Man sieht also, dass die Story trotz der offensichtlichen Anlehnung an den „Herrn der Ringe“ doch eine ganze Reihe von Neuerungen aufweist. Titania, Mab und ihr ganzes Elfenpack stammen nicht aus Shakespeares Stücken, sondern sind wesentlich älter, nämlich keltischen Ursprungs. Dennoch oder gerade deshalb spielt Religion eine wichtige Rolle für die verschlungene Handlung. Die Seelie vergöttern Titania, doch die Arkadier tun dies ebenso wenig wie die Avallonier – gute Gründe für die Kriege der Vergangenheit und die Invasion durch Königin Mab.
Eine Mission, die von innen und außen gefährdet ist, kennen wir schon von Tolkien. Doch die Unbeständigen Orte erinnern mehr an die Fantasy von Michael Moorcock, dessen Multiversum durchlässige Ebenen aufweist: Der Durchgang von Ebene zu Ebene ist an diesen Orten zwar leicht, aber nur mit einem Trick zu bewerkstelligen. Interessanterweise geht Slattery, der Mensch, nicht zurück in seine Welt, sondern bleibt der Mission treu. Ein feiner Zug an ihm.
Richtig spannend wird das Buch allerdings erst auf der Zielgeraden. Dazu gehört der gesamte dritte Teil (S. 311 bis 443), den ich ratzfatz hintereinander weglas. Hier fällt doch ein ziemlich hoher „bodycount“ an, mit recht üblen Morden, einem Kommandounternehmen, einer magischen Konfrontation Mabs – und nicht zu vergessen: die obligatorische Entscheidungsschlacht.
Zurück bleibt der Eindruck eines relativ interessanten Action-Fantasyromans, der einige nette Ideen vorzuweisen hat. Insbesondere die unkonventionelle Handhabung der Zeit spielt dabei mehrfach eine Rolle. Dabei werden nicht einmal die Regeln der Vorlage, die im „Herrn der Ringe“ vor über einem halben Jahrhundert aufgestellt wurden, verletzt. Denn die Besuche im Alten Wald, in Moria und Lothlorien sind zugleich Ausflüge in andere Zeiten.
Man muss abwarten, was der Autor bzw. die Autorin noch aus seinem bzw. ihrem Privatuniversum macht. Ein Glossar, das als Nachschlagewerk für die zahlreichen neuen Begriffe dienen könnte, hätte den Büchern jedenfalls gut zu Gesicht gestanden. Auch in „Schattenspäher“ findet sich keines.
Fazit: vier von fünf Sternen.
Taschenbuch: 445 Seiten
Originaltitel: Midwinter (2009)
Aus dem US-Englischen von Michael Neuhaus
ISBN-13: 978-3404285471
Es gab schon vor Tolkien gute englische Fantasy. Dies belegt dieser selten gelesene (und verlegte) Heroic-Fantasy-Klassiker aus England, den |Bastei Lübbe| 1993 in einer endlich gültigen Ausgabe verlegt hat.
Der Autor
Sein Autor Eric Rucker Eddison (1882-1945) war ein Beamter, Schriftsteller und Gelehrter für Altnordisch, der ein äußerlich unscheinbares Leben führte, um seine intensive Kreativität zu verbergen. In seinen Werken wie etwa der Zimiamvia-Trilogie (veröffentlicht 1935-1958, verlegt bei Heyne) und „Der Wurm Ouroboros“ zeigt er sich tief beeinflusst von der jakobinischen Rachetragödie (Handlungsverlauf) und von Fantasyautor William Morris, was die Landschaften und den Sprachstil anbelangt.
Ruckers Stil ist dekorativ, beschreibend, dicht gedrängt und ergeht sich in langen, zuweilen pathetischen Sätzen – für heutige Leser nicht sonderlich attraktiv.
Die zweite deutsche Ausgabe
Die |Bastei|-Ausgabe von 1993 macht die alte |Heyne|-Übersetzung von 1981 überflüssig, die sich erstens nicht sehr an das Original anlehnte und zweitens bringt die Pesch-Übersetzung zahlreiche Erläuterungen, die in der Heyne-Ausgabe fehlen. Die Erklärungen herauszufinden, muss eine Menge Arbeit gewesen sein.
Handlung
Krieg ist entbrannt in Merkurien. Auf der einen Seite steht der grausame König Gorice von Hexenland mit seinem Heer, angeführt von den besten Strategen. Auf der anderen Seite stehen die Fürsten von Dämonenland, von übermenschlichen Leidenschaften verzehrt, doch stolz und kühn.
Nur wenn einer von ihnen den Fuß auf den Gipfel des höchsten aller Berge setzt, von dem kein Sterblicher je zurückgekehrt ist, vermag er das Mittel zu finden, dem mächtigen Hexenkönig Paroli zu bieten. Denn Gorice umgibt ein altes, düsteres Geheimnis, das ihn unsterblich fortleben lässt. Er trägt einen Ring in der Form des Wurms Ouroboros, des Drachen, der seinen eigenen Schweif verschlingt – das Symbol ewigen Lebens.
Lessingham stammt von unserer Erde, wurde aber irgendwie nach Merkurien verschlagen, eine alternative Fantasywelt. Er beobachtet, wie sich der große Krieg anbahnt. Dabei scheinen den gegnerischen Parteien die Gründe für den Kampf viel weniger wichtig zu sein als die Tatsache des Krieges selbst. Obwohl die teilnehmenden Nationen nach bekannten Wesen wie Hexen, Dämonen, Ghouls und Kobolden/Trollen benannt sind, unterscheiden sie sich von den bei Tolkien vorkommenden Völkerschaften, die unser modernes Verständnis davon prägen.
Lessingham verschwindet allmählich aus dem Bild, doch der Krieg geht weiter, bis Gorice, der Zaubererkönig aus dem Hexenland, definitiv besiegt ist. Doch die versammelten Sieger, die einen schalen Geschmack in der Luft wahrnehmen, bitten die Götter, dass die Zeit sich wie der Wurm Ouroboros in den Schwanz beiße, auf dass sich der Konflikt wiederholen könne. Dieser Gefallen wird gewährt, und so kann alles von vorne beginnen.
Mein Eindruck
Solch einen Schluss hätten weder Tolkien noch sein Professorenkollege C. S. Lewis gut oder witzig gefunden. Die beiden stehen für christliche Fantasy, die sich dadurch auszeichnet, dass ein Kampf Gut gegen Böse stattfindet und dieser mit einer Erlösung endet. Vertreter der beiden gegenerischen Seiten sind durch Farbkodierung deutlich zu unterscheiden. Im „Herr der Ringe“ gibt es beispielsweise zwei Turm-Paare: 1) den Turm von Isengard und den Schwarzen Turm Saurons, sowie 2) Minas Tirith (strahlend weiß auf dem Westufer das Anduin) und Minas Morgul (düster auf dem Ostufer).
Bei Eddison wird der Leser jedoch mehrfach schockiert: durch anders angewendete Farbkodierung, andere Benennung von Wesen, die fehlende Erlösung am Schluss. Der Krieg ist kein spiritueller oder gar religiöser Kampf, sondern ein quasi ritterlicher Zweikampf um des schieren sportlichen Vergnügens willen – für Tolkien praktisch Blasphemie! Daher wurde Eddison mehrmals missverstanden. Dennoch ist „Der Wurm Ouroboros“ von allen seinen Werken noch das lesbarste und beliebteste.
Originaltitel: The Worm Ouroboros, 1922/26
Aus dem Englischen übertragen von Helmut W. Pesch
ISBN-13: 9783404282159 https://www.luebbe.de
Ein ungewöhnliches Lesevergnügen vom Meister der satirischen Science-Fiction ([„Bilder um 11“, 1516 „Der stählerne Traum“).
Wenn die Erschließung des Cyberspace im selben Tempo wie jetzt weitergeht, wird es eines Tages möglich sein, das komplette Bewusstsein abzuspeichern und in den Netzen leben bzw. „herumgeistern“ zu lassen. Die armen Geister in der Maschine haben zwar ein Ichbewusstsein, können handeln und sich verhalten – aber haben sie auch eine Seele, oder sind sie gar des Teufels? Eine echte Herausforderung für die katholische Kirche! Norman Spinrad – Deus X weiterlesen →
Nur mit Mühe und Not gelingt es den drei Schwestern Blake, Nell und Lucy, sich mit zwielichtigen Nebenjobs über Wasser zu halten. Ihr vermeintlich seriöser Auftritt in einer Fernsehshow über Geisterjäger sitzt ihnen noch in den Knochen, da erhält Blake ein unerwartetes Angebot von dem düsteren und verschlossenen Skylar Morrell. Die Schwestern sollen sich für ihn auf die Suche nach verschollenen magischen Artefakten begeben. Das klingt eindeutig verrückt – und lukrativ. Während ihre Schwestern noch zögern, begibt sich Blake mit Skylar auf einen Pfad, der weitaus gefährlicher ist, als sie ahnt. Denn einmal im Sog der Magie, kann man sich diesem nur schwer entziehen … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Die Geschichte um den geheimnisvollen Zirkel mit strengen Regeln, der für gefährliche Missionen ausschließlich mittellose Frauen rekrutiert, hat mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil regt das Kopfkino an, die Charaktere sind interessant und die Handlung ist facettenreich. Bei den magischen Gegenständen beweist die Autorin Kreativität, zudem sind die Möglichkeiten der Artefakte wohldurchdacht in das Schicksal der Schwestern eingebunden.
Leipzig in L.A. – exklusiv: spannende Mediensatire
Norman Spinrad hat eine bitterböse, aber sehr engagierte Abrechnung mit den Themen Ökologie, Terrorismus und Medienmacht geschrieben, die von der ersten bis zur allerletzten Seite in Atem hält (es gibt Verschaufpausen, keine Sorge).
Spinrad ist kein Amateur auf dem Gebiet: 1967/68 verursachte er mit seinem Medien-Roman „Champion Jack Barron“ einen Skandal, in dessen Folge das Buch im Unterhaus diskutiert und von einer Buchhandelskette verbannt wurde.
In „Bilder um 11“ – der Fortsetzung? – stellt Spinrad sein umfangreiches, kompetentes Insiderwissen über die Medienindustrie, besonders das US-Fensehen, unter Beweis. Aber auch Gebiete wie den Vietnamkrieg und Baseball, Amerikas Nationalsport, nutzt er auf vielfältige Weise. Norman Spinrad – Bilder um 11. Zukunftsroman weiterlesen →
Washington DC, die Universität der Erzengel und des Heiligen Johannes des Göttlichen. Für die junge Anthropologiestudentin Katherine Sweeney Cassidy der Eintritt in ein verheißungsvolles neues Leben. Bis sie der uralten Bruderschaft der Benandanti auf die Spur kommt – einem Geheimbund gelehrter Magier, die die Geschicke der patriarchalischen westlichen Kultur seit Jahrtausenden beherrschen – und in einen Strudel aus Grauen und Lust gerät. Denn die Ära der Benandanti ist vorüber, und die Wiederkunft der göttlichen Mondmutter Othiym steht unmittelbar bevor.
Doch Othiym ist alles andere als eine gütig Nährende, und je mehr rituelle Morde in ihrem Namen geschehen, umso stärker wird die Macht ihres grausamen Matriarchats, das die Welt wieder in Besitz nehmen will… (Verlagsinfo)