Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Näter, Thorsten / Zahavi, Dror – Doppelter Einsatz: Mord auf dem Stundenplan

_Harter Realismus vs. romantische Finessen_

Eigentlich sollte sich Sabrina Nikolaidou auf ihren Undercover-Einsatz an einer Hamburger Gesamtschule konzentrieren. Hier wurde eine junge Lehrerin brutal ermordet. Doch einerseits muss sie versuchen, den plötzlichen Tod ihrer Partnerin Ellen zu verarbeiten und sich andererseits auch mit einer neuen Kollegin arrangieren: Caro kommt als Ellens Nachfolgerin ins Team. Für das Ermittlerteam werden Fall und Leben zu einer wahren Zerreißprobe. (abgewandelte Verlagsinfo)

Die TV-Reihe „Doppelter Einsatz“ wurde laut Verlag mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Dass dies völlig gerechtfertigt ist, stellt auch diese Episode unter Beweis.

_Die Macher und Sprecher_

Es sprechen die Originalschauspieler der gleichnamigen RTL-Verfilmung, allerdings mit zusätzlichen Erzählertexten, gesprochen von Despina Pajanou, die im Film die Polizistin Sabrina Nikolaidou spielt. Es gibt noch einen zusätzlichen Erzähler, den Frank Gustavus (|Ripper Records|) spricht. Diese Texte stammen alle aus der Feder von Marc Sieper.

Die ziemlich wichtige Musik und die Hörbuch-Postproduction übernahmen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel. Zusätzliche Aufnahmen, Schnitt und Mastering erfolgten durch die d.c. Tonstudios in Breckerfeld/Berlin.

Zu den zu hörenden Darstellern gehören: Despina Pajanou, Eva Herzig, Gerhard Garbers, Jürgen Janza, Jockel Tschiersch, Konstantin Graudus, Martin Goeres, Omar El-Saeidi, Sylta Fee Wegmann, Werner Daehn, Max Herbrechter u.v.a.

Das Drehbuch schrieb Thorsten Näter, Regie führte Dror Zahavi und Producer war Peter Otto.

_Handlung_

|PROLOG 1.|

Wieder einmal geht den Kripo-Fahndern der Drogendealer Frank Lipinski aus Hamburg durch die Lappen. Sabrina Nikolaidou (Pajanou) und ihre Kollegen haben das Nachsehen.

|PROLOG 2.|

An der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule in Hamburg St. Georg übt die Theaterarbeitsgruppe Shakespeares gruseliges Stück „Macbeth“. Dafür haben sich alle verkleidet, mit Gewändern und Masken. Als die Leiterin der AG, Isa Gerke, zur Toilette geht, folgt ihr der 18-jährige Schüler Jens Wahlmann – und findet sie in ihrem Blut liegen. Ist sie tot? Offenbar schon. Zu blöd, irgendwie.

Neben ihr findet Jens einen kleinen silbernen Ohrring, den er sofort wiedererkennt und deshalb an sich nimmt: Er gehört der von ihm geliebten Schülerin Oana Domenikou. Wenig später entledigt sich Manfred Gerke, Isas Mann und Rektor der Schule, seiner Verkleidung …

|Haupthandlung.|

Auf dem Kriminalkommissariat KK 15 bekommt Sabrina eine neue Kollegin: Caroline Behrens, kurz Caro genannt. Sie ist die Urlaubsvertretung für Sabrinas Einsatzpartnerin und Freundin Ellen Ludwig. Sabrina ist nicht bereit, sie zu akzeptieren, aber Caro braucht diesen Job unbedingt, um als alleinstehende Mutter ihre Tochter durchzubringen. Als sich bei dem Mord in der Gesamtschule herausstellt, dass man dort unter Schülern und Lehrern ermitteln muss, bietet Caro an, undercover zu ermitteln, da niemand dort ihr Gesicht kenne.

Als die Nachricht eintrifft, dass Ellen Ludwig mit ihrem Urlaubsflieger abgestürzt und samt Familie ums Leben gekommen sei, erleidet Sabrina fast einen Nervenzusammenbruch. Sie giftet Caro noch schärfer an, aber zu trauern bringt nichts, und deshalb bittet sie ihren Chef Weber, ebenfalls undercover ermitteln zu dürfen. Gemeinsam bekommen sie sicher mehr heraus als alleine.

An der Schule geht es schlimmer zu als im alten Rom. Die Schüler, fein säuberlich in Gruppen von „Deutschen“ und „Ausländern“ getrennt, dealen mit Stoff, Software und teuren Computerspielen. Dreimal darf man raten, wer der Dealer / Hehler des harten Kerns ist: Frank Lipinski. Als Caro die verwaiste Theater-AG übernimmt und Sabrina die Fächer Sport und Politik, lernen sie diese harten Burschen von ihrer unangenehmsten Seite kennen. Aber Sabrina macht den Wortführer Ralf fertig, woraufhin seine Clique beschließt, ihr einen Denkzettel zu verpassen, um sie zu vertreiben. Noch wissen sie nicht, dass sie es mit einem Bullen zu tun haben – aber sie bleiben nicht mehr lange unwissend.

Caro Behrens rührt mit ihrer Taktik die weichherzigeren Schüler zu Tränen, insbesondere Oana Domenikou und Murat Güzmal. Wie sich herausstellt, hatte Murat mit Isa Gerke ein Verhältnis, und sie erwartete ein Kind von ihm. Aber warum weint auch Oana um die getötete Lehrerin?

Also hatte offenbar Rektor Gerke ein handfestes Motiv, Isa zu töten, oder? Hoffentlich hat er auch ein gutes Alibi. Leider ist er nicht der Einzige, der eines braucht.

_Mein Eindruck_

In St. Georg herrscht offenbar der soziale Notstand (das braucht man den Leuten vor Ort sicher nicht zu sagen). Nicht mal erwachsen, dealen, kiffen und klauen die Schüler – „Ausländer“ wie „Deutsche“ – ohne Scheu mitten auf dem Schulhof oder in der Stadt, ohne dass jemand einzuschreiten wagt. Die Lehrer an dieser Schule schon gleich gar nicht. Sie scheinen entweder eingeschüchtert zu sein (Isa Gerke war’s sicher nicht) oder sie lügen sich selbst in die Tasche, dass sie dafür nicht zuständig seien.

Sie fühlen sich wahrscheinlich auch nicht dafür zuständig, wenn eine ihrer Schülerinnen zur Prostitution gezwungen wird, um ihre Schulden abzuarbeiten. So passiert es Oana mit Frank Lipinski. Als Jens Wahrmann dies herausbekommt, wird es richtig spannend. Denn da er Oana liebt, hat er natürlich einen Hass auf einen Typen wie Lipinski, der jeden ausbeutet, wo und wie er nur kann. Es kommt zu einem dramatischen Showdown in der Wohnung, wo Oana versteckt gehalten wird.

Doch inzwischen haben Caro und Sabrina spitzgekriegt, wer hier die Fäden zieht. Nachdem Sabrina mit Caros Hilfe dem Anschlag der kriminellen Clique entgangen ist, heften sie sich an Murats und Jens Wahrmanns Fährte. Dabei müssen sie allerdings das Misstrauen von Murats Bruder Teflik überwinden. Offensichtlich herrschen nämlich seitens der „Ausländer“ ebenso große Vorbehalte gegenüber „Deutschen“, Behörden zumal, wie umgekehrt gegenüber „Ausländern“. Jeder will eben für sich bleiben. Dazu braucht es nicht einmal islamistische Hetzprediger (die hier nicht auftreten).

Auf diesem mühseligen Weg kommen jedenfalls Caro und Sabrina dem Hintermann doch noch auf die Spur. Und da sie gerade noch rechtzeitig kommen, als Jens und Oana in die Enge getrieben sind, können sie offenbar auch Leben retten. So ein Showdown hat etwas für sich, aber der Drehbuchautor macht es sich und seinen Polizistinnen einfach: Sie brauchen gar nicht auf Lipinski zu schießen. Den Rest erledigt eine morsche Regenrinne. Auf diese Weise braucht später niemand eine moralische Schuld an Lipinskis Tod mit sich sich herumzuschleppen.

Auch die Spannung vor dem Anschlag auf Sabrina ist an den Haaren herbeigezogen: Sabrina ist verliebt und hat ihr Handy abgeschaltet – oder vergessen, es einzuschalten. Man fasst es kaum! Dadurch kann Caro sie nicht vor der drohenden Gefahr warnen.

Auch die Tatsache, dass die beiden Kolleginnen eigenmächtig die Aussage des Mörders von Isa Gerke „verschwinden“ lassen, will so gar nicht in die Realität passen, deren Bild uns täglich in der Zeitung entgegenspringt. Sie haben zwar das moralische Recht auf ihrer Seite, um die Zukunft des Mörders zu schützen, doch das Gesetz ganz sicher nicht. Es ist eben doch Fernsehen, was wir hier vorgesetzt bekommen. Wer das mit der Wirklichkeit verwechselt, ist selber schuld.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Am besten wirken die Stimmen der Schauspielerinnen, die ja direkt vom TV-Band stammen, wenn sie sehr emotional sind. Das fällt Despina Pajanou, die zudem Ich-Erzählerin ist, nicht schwer. Sie trauert einerseits um Ellen Ludwig, bis die Niedergeschlagenheit der Wut weicht. Und diese Wut entlädt sich nicht zuletzt an der völlig unschuldigen Caro, die sie am liebsten zur Sau machen möchte. Dass Caro dann auch noch Ellens Nachfolgerin wird, gibt Sabrina den Rest.

Caro kommt in ihrer Rolle weniger gut weg als Sabrina, folglich muss Caros Darstellerin Eva Herzig (siehe Titelfoto) etwas härter daraufhin arbeiten, Eindruck zu machen. Dies gelingt ihr allerdings nur bedingt, ob als Mutter, Polizistin oder als engagierte Lehrerin: Sie bleibt eben immer nur die Nummer 2 hinter Sabrina / Pajanou. (Immerhin bietet die Rolle eine gewisse Vielfalt.)

Damit steht Eva Herzig fast auf einer Stufe mit allen männlichen Darstellern. Unter Letzteren ragt lediglich der Sprecher von Teflik Güzmal heraus. Teflik wird gemimt und gesprochen von Oktay Özdemir. Man könnte ihn ohne weiteres als Interpreten eines Lexikons von „Kanak-Sprak“ engagieren. Den Akzent hat er jedenfalls voll drauf.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche entsprechen denen im Film und der Zuhörer kann sich ohne weiteres die zugehörige Umgebung vorstellen. Nur an einer Stelle habe ich gerätselt, was das soll. Die Theater-AG übt wieder einmal „Macbeth“. Während im Vordergrund ein Dialog abläuft, ist im Hintergrund undeutlich ein skandierter Sprechgesang zu hören, der zu keiner mir bekannten Stelle in Shakespeares Stück gehört.

Dafür ist die Musik recht eindrucksvoll und passend. Jede Szene hat ja ihre eigene Stimmung und erfordert die entsprechende Instrumentierung. Nach dem rockigen Intro rückt die Musik in den Hintergrund, bis sie sich in Gestalt einer melancholischen Ballade wieder in den Vordergrund drängt. Die akustische Gitarre illustriert Sabrina Trauer überdeutlich. Als Caro bei ihrer Mutter und ihrer Tochter hereinschaut, deutet ein Piano zerbrechliche Emotionen an.

Gleich danach ein harter Kontrast: Auf dem Schulhof feiert das Verbrechen weitere Erfolge. Ein dynamischer Synthesizer sowie eine darauf folgende drum machine evozieren den Adrenalinschub, den das Rauben, Dealen und Zudröhnen den Jugendlichen verschafft. In den weiteren Szenen werden diese Hand voll Musikmotive variiert oder auch nur einfach wiederholt. Sie alle stammen aus dem Hause Horst-Günter Hank und Dennis Kassel, das neuerdings auch für die Produktion von Hohlbeins Hörbuch-Serie „Raven“ herangezogen wurde.

_Unterm Strich_

Diese Hörbuchproduktion hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Das Hörbuch an sich ist ausgezeichnet produziert, wozu nicht zuletzt auch die Fernsehvorlage einen wesentlichen Anteil beträgt. Auch der ungeschminkte Realismus hinsichtlich der Darstellung der kriminellen Zustände an der Schule ist zu begrüßen und hat wohl auch die Preisjurys überzeugt.

Was mich jedoch stört, sind eben jene Aspekte an der Handlung, die auf die Genrekonventionen zurückgehen: Da schaltet die Polizistin ihr Handy ab, um sodann ahnungslos in die Falle zu tappen. Und dass das Geständnis des Mörders plötzlich „verschwindet“, ist der romantischen Ansicht geschuldet, Polizisten könnten vor Ort selber Richter spielen, wenn die moralische „Gerechtigkeit“ danach verlangt.

Ansonsten funktionieren einige Spannungseffekte und überraschende Wendungen ausgezeichnet. Dass sich Jens Wahlmann als Mörder outet, nehmen wir ihm natürlich keine Sekunde ab. Aber können wir wirklich sicher sein? Er ist zumindest der Strafvereitelung schuldig, aber auch dafür wird er nicht verknackt. Einen gespaltenen „Helden“ wie ihn muss man einfach lieb haben, gell?

Fortsetzung folgt:

– Doppelter Einsatz Nr. 2: Gefährliche Liebschaften;

– Doppelter Einsatz Nr. 3: Der Fluch des Feuers.

|92 Minuten auf 2 CDs|

Die drei ??? – Die Legende der Gaukler (Folge 198)

Die Handlung:

Ein kleiner Zirkus hält Einzug in die Stadt und mit ihm die schaurige Legende der zwei Lebenden und der drei Toten. Doch die Gaukler schweigen eisern über die seltsamen Phänomene, die die drei ??? in den Bann ziehen – denn wer über die Legende spricht, den überkommt schreckliches Unheil. Keine guten Voraussetzungen für Justus, Peter und Bob, die sich außerdem fragen müssen, was es mit ihrem mysteriösen Auftraggeber auf sich hat. Können sie das Geheimnis der Gaukler lüften? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Titel dieses Abenteuers klingt gar nicht mal nach Clickbait oder extra reißerisch. Der Klappentext macht allerdings schon neugierig und verspricht Gruselkost. Und das, obwohl ich Zirkusse so gar nicht (mehr) mag. Na dann, Manege frei …

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Hans Christian Andersen – Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (Titania Special 12)

Das seltsame Schicksal der Spielzeuge

An einem eiskalten Silvesterabend versucht ein kleines Mädchen verzweifelt, Schwefelhölzer zu verkaufen, aber niemand kauft ihm etwas ab. Um sich in der schneereichen Nacht etwas zu wärmen, entzündet es ein Schwefelholz nach dem anderen, denn dadurch erscheint ihm jedes Mal die verstorbene Großmutter und erzählt ihm Märchen vom Schneemann, dem standhaften Zinnsoldaten und dem Tannenbaum… (Verlagsinfo)

Der Autor

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John Sinclair – Hemators tödliche Welt (Folge 128, Teil 4 von 4)

Die Handlung:

Kara und der Eiserne Engel hatten die Macht ihrer beiden Schwerter ausgespielt und uns damit in die Leichenstadt katapultiert! Angeblich existierte dort ein Zugang zum Land ohne Grenzen, in dem Suko gefangengehalten wurde. Stattdessen fanden wir uns auf einem Schlachtfeld wieder – inmitten der Auseinandersetzung zwischen der Hölle und den Großen Alten! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 352 gemacht (auch wenn im Booklet Band 350 genannt wird!), der erstmalig am 1. April 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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John Sinclair – Gruft der wimmernden Seelen (Folge 129)

Die Handlung:

Fünf der sechs Großen Alten waren vernichtet, nur der Spuk existierte noch! Um ihren Triumph zu vollenden, eröffneten die Mächte der Finsternis jetzt die Jagd auf das wertvollste magische Artefakt, das die Großen Alten je erschufen: den Würfel des Unheils, der Jane Collins das Überleben garantierte… (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 354 gemacht, das erstmalig am 15. April 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Verne, Jules – Von der Erde zum Mond (Hörbuch, 2005)

_Mondschuss zwischen Drama und Technofetischismus_

Die Eroberung des Erdtrabanten war in der Literatur schon seit der Antike – etwa bei Lukian – ein gängiges Motiv. Die meisten Autoren ließen sich irgendwelche fantastischen Tricks einfallen, um von A nach B zu gelangen, was ihre Geschichte denn auch als Fabel auswies. Doch erst Verne strengte sich an, eine technische Lösung für das Problem der Personenbeförderung zum Erdmond zu suchen. Und er fand sie in Gestalt einer 300 Meter langen Superkanone. Sie funktioniert allerdings auch nur in seiner Geschichte …

_Der Autor_

Jules Verne wurde 1828 in Nantes geboren und starb 1905 in Amiens. Bereits während seines Jurastudiums schrieb er nebenher, manchmal mit einem Freund, Theaterstücke und Erzählungen. Sein erster Erfolgsroman „Fünf Wochen im Ballon“ erschien 1863. Seine großen Romane waren in der Folge Bestseller. Heute wird er neben H. G. Wells als einer der Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur angesehen.

Mit „Die Eissphinx“ schrieb er eine Fortsetzung von E. A. Poes Horrorerzählung [„The Narrative of Arthur Gordon Pym“. 781 Sein erster Zukunftsroman „Paris im 20. Jahrhundert“ lag lange Zeit verschollen in einem Tresor und wurde erst vor ca. 20 Jahren veröffentlicht. Die Lektüre lohnt sich, auch wegen der erhellenden Erläuterungen der Herausgeberin.

_Das Hörbuch_

|Der Sprecher: Rufus Beck|

Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der „Harry Potter“-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über „Artemis Fowl“.

|Der Komponist und Musiker: Parviz Mir-Ali|

Parviz Mir-Ali, geboren 1967, lebt in Frankfurt/M., wo er als Komponist arbeitet. Er hat unter anderem mit André Heller an „Yume“, mit Matthias Hartmann am Schauspielhaus Bochum und mit Gerhard Mortier an „Deutschland deine Lieder“ (Ruhrtriennale 2002) zusammengearbeitet.

_Handlung_

„Die Eroberung des Mondes“, das ist für den Baltimorer „Gun Club“ keineswegs eine leere Phrase, sondern eine ganz konkrete Zielsetzung. Luna soll amerikanisches Territorium werden und niemandem sonst gehören. Und falls es Mondbewohner, die so genannten „Seleniten“, geben sollte, so werden sie dann eben „zivilisiert“ und eingemeindet. Nur damit klar ist, worum es bei diesem Abenteuer geht.

|Krieg vs. Frieden|

Natürlich interessieren sich die amerikanischen Massenmedien des Jahres 1865 stark für das, was die „verrückten“ Kriegsveteranen des Clubs vorhaben. Das Vorhaben wird zunächst freudig begrüßt. Wir jedoch wissen ein wenig mehr über die Mitglieder des Klubs. James T. Maston, des Schriftführer des Klubs, ist wirklich kriegsbegeistert und sieht in jedem Affront einen „casus belli“. Dies steht in ironischem Gegensatz zu dem Haken, den er statt einer Hand hat, und zu der Tatsache, dass seine Schädeldecke zum Großteil aus Guttapercha (eine Art Kautschuk, also Gummi) besteht.

Die Mitglieder des Klubs sind allesamt von der Teilnahme am blutigen Sezessionskrieg mehr oder weniger leicht lädiert. Einzige Ausnahme scheint M. P. Barbicane zu sein, seines Zeichens der Präsident des Klubs, der Herr über mehr als 5000 Mitglieder. Der Mann hat einen Plan.

Ach, wie den Veteranen der Krieg fehlt! Will man sich als Waffennarr nicht in diverse europäische Kriege stürzen (1866: Preußen vs. Österreich-Ungarn), so bleibt dem Gun Club nur eines, verkündet M. P. Barbicane: Man brauche stattdessen eine große Forschungstat. Er schlägt die erwähnte Eroberung des Mondes vor, der quasi zum 37. Staat der Union gemacht werden soll. (Alaska wurde erst 1867 gekauft.) Tausende von Mitgliedern schreien „Hurra!“

Barbicane lässt sogleich Astronomen der Sternwarte Cambridge sowie amerikanische Ingenieure die technischen und geografischen Details klären. Mittendrin erklärt uns der Autor bzw. mehrere seiner Sprachrohre, wie die diversen Monde des Sonnensystems heißen und was die Astronomie aus historischer Sicht zu Luna zu sagen hatte. Von Poesie und Mystik keine Spur: Der Mond ist eine „nackerte Kugel“, wie der Bayer sagt. Ja, es gibt sogar die Theorie, dass der Mond ein Ei sei, auf dessen Spitze wir blicken, wohingegen sich seine Hauptmasse unserem Blick entziehe.

Sobald feststeht, dass eine 270 m lange Kanone eine 10 Tonnen schwere Aluminiumkugel zum Mond mit einer Geschwindigkeit von 11.000 m/s ins All schießen müsste, um Erfolg zu haben, werden auch die wirtschaftlichen Dimensionen deutlich. Die ganze Welt wird von Barbicane & Co. um Spenden gebeten, um das gigantische Unternehmen zu finanzieren. Seltsamerweise zahlen die Briten keinen roten Heller: Sie wollen sich nicht einmischen.

|Nicholl vs. Barbicane|

Das lässt sich ganz gut an, bis Barbicane schließlich von unerwarteter Seite einen Schuss vor den Bug erhält. Ein gewisser Captain Nicholl aus den USA wettet, dass die einzelnen Phasen des irren Vorhabens nicht gelingen werden. Nicholl ist Plattenschmied, wohingegen Barbicane ein Geschützgießer ist. Aus dem ewigen Wettlauf zwischen Geschoss und Panzerung hat sich eine persönliche Feindschaft entwickelt – bis sich nach dem Kriegsende Barbicane weigerte, eine von Nicholl geschmiedete Platte zu testen. Nicholl nannte ihn daraufhin einen Feigling. Nun fordert er ihn erneut heraus. Am 18.10. nimmt Barbicane diese Wette an: Es werde weder gelingen, das nötige Geld zusammenzukratzen noch den Schuss zu realisieren, geschweige denn ein Projektil weiter als 15 km zu schießen. Nicholl setzt nicht unbeträchtliche Summen. Er wird alles verlieren …

|Texas vs. Florida|

Doch wo soll der Abschuss erfolgen, wo ist die Riesenkanonen, die „Kolumbiade“, zu errichten? Fest steht, dass nur die südlichsten Bundesstaaten in Frage kommen. Bei der Auswahl bleiben Texas und Florida übrig. Diese Frage spaltet rasch die Nation, und die Gazetten in New York führen einen Kleinkrieg für und wider Texas vs. Florida. In Baltimore, der Heimat des Gun Clubs, müssen Texaner und Floridianer in Schutzhaft genommen werden.

Als sich Präsident Barbicane in seiner Weisheit für Florida entscheidet, müssen die wilden Texaner sogar in einen Zug verfachtet und nach Hause expediert werden. Sie hätten sonst wohl Baltimore in Brand gesteckt. Unweit der Stadt Tampa Town, auf dem Stones Hill, errichtet der Gun Club eine Arbeiterstadt namens Moon City, die von der Armee gegen allfällige Angriffe der Seminolen-Indianer geschützt werden muss. Die riesige Kanone namens „Kolumbiade“ wird nach langen Vorbereitungen in einem unteridischen Schacht gegossen, der 270 m tief und 18 m breit ist. Chefingenieur Murcheson rechnet mit acht Monaten bis zur Fertigstellung. Am 10.6. des folgenden Jahres meldet er Vollzug. Nicholl muss blechen.

|Barbicane vs. Ardan|

Nach dem langwierigen Abkühlen der Gussform der Riesenkanone trifft Barbicane ein erneuter Schicksalsschlag. Ein schlichtes, öffentliches Telegramm setzt ihn von der im Oktober zu erwartenden Ankunft eines Franzosen in Kenntnis, der in dem Projektil zum Mond fliegen will. Versucht der Franzmann, ihm den Ruhm streitig zu machen?

Michel Ardan besteht auf einer granatenförmigen Form des Geschosses (möglichst mit Verzierungen), obwohl ein Tierexperiment mit einer Kugelform, das James T. Maston mit einem seiner geliebten Mörser veranstaltete, erfolgreich verlaufen ist. Maston verwirrte lediglich, dass das Eichhörnchen verschwunden war, während der Kater überlebte …

Ardan bereitet es auch kein Kopfzerbrechen, dass Luna keine Atmosphäre besitzt und sein Luftgehalt gegen null tendiert. Ihm geht es um die Ehre. Seine Antworten gegenüber dem kritischen Nicholl sind von ausgesuchter Höflichkeit und zeichnen sich durch Sachkenntnis aus.

|Nicholl vs. Barbicane, die zweite|

Darum geht es auch Captain Nicholl und Club-Präsident Barbicane: Die ehrenwerten Gentlemen duellieren sich in einem dichten Gehölz vor den Toren Tampas. Bevor sie jedoch durch Unheil den Erfolg des Unternehmens gefährden können, versöhnt Michel Ardan, den Maston geholt hat, die beiden Kontrahenten. Damit auch sichergestellt ist, dass keiner schummelt, sollen beide mit zum Mond fliegen. Nicholl hat beim Verlust seiner Wetten schon mehrere tausend Dollar verloren und will wenigstens nicht das Ticket zahlen müssen.

Am Abend des Abschusses, dem 1. Dezember, hat sich eine riesige Menschenmenge um die „Kolumbiade“ versammelt, praktisch alle Einwohner der 5-Millionenstadt Moon City. Reden werden geschwungen, als ginge es darum, ein Schiff wie die „Titanic“ zu Wasser zu lassen.

Der Abschuss selbst gleicht dem gewaltigen Ausbruch eines Vulkans, das Erdbeben ist noch bis nach Westafrika zu spüren. Tausende von Menschen wurden am Abschussgelände getötet oder verletzt, viele sind erblindet oder ertaubt oder beides. Tagelang ist die Atmosphäre über Tampa bedeckt von Wolken, die sich nach der Explosion von Milliarden Liter Gas unter dem Projektil entwickelt haben. Bang warten die Observateure selbst im fernen Colorado, ob sie die Kapsel in den Lufträumen erspähen können – oder ob sie in tausend Stücke zersprengt wurde. Wird Captain Nicholl eine weitere Wette verlieren?

_Mein Eindruck_

Es waren Erzählungen wie diese, die Jules Verne, diesem Pionier der Zukunftsliteratur, den undankbaren Ruf eintrugen, allzu sehr auf die technische Machbarkeit von Visionen zu vertrauen, ohne zu hinterfragen, ob das Vorhaben denn auch so sinnvoll sei. Dieser Ruf hängt ihm heute noch an, man hat ihn so zum Gegenspieler des skeptischen H. G. Wells stilisieren können. Dass diese pauschale Verurteilung ungerechtfertigt ist, haben jüngere Untersuchungen nachgewiesen.

Dennoch stilisiert nicht nur das Hörspiel von 1967, sondern auch Rufus Becks Hörbuch von 2005 Vernes Vision des Mondschusses zu einer technischen Meisterleistung empor. (Die zahlreichen Fehler, die dabei unterliefen, werden erst in der Fortsetzung „Reise um den Mond“ deutlich.) Das damit verbundene Wirtschaftsunternehmen bei Tampa ist ja auch nicht von schlechten Eltern und verdeutlicht die globale Bedeutung des Unternehmens.

Allerdings habe ich mich gefragt, wie zurechnungsfähig diese Leutchen vom Baltimorer Gun Club denn sein können. Sie duellieren sich, wetten gegeneinander und würden nicht davor zurückschrecken, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, genau wie im Bürgerkrieg. Vermutlich gehörte dies zum ganz normalen Machismo und Nationalismus des 19. Jahrhunderts.

2005, zum 100. Todesjahr des Autors, kann man diese Erzählungen nicht ohne Weiteres unbedarften Jungs vorsetzen, die das noch vor 40 Jahren sicher total aufregend fanden. Auch ein Großliterat wie Arno Schmidt war damals begeistert: „Mehr als hundert Jahre vor dem ersten [bemannten] Mondflug [von 1969] hat Jules Verne seine Helden zum Mond geschossen, ganz aktuell raketisch.“ Ob „raketisch“ ein reguläres Wort ist, sei mal dahingestellt. Und es ist natürlich zutreffend, dass nur zwei Jahre später die Amis drei Leutchen auf die Mondoberfläche schafften (oder war’s ein Betrug, wie manche behaupten?).

|Boys just wann have fun!|

Dass die großen Jungs, die sich „Ingenieur“ nennen, auch mal Spaß haben wollen, versteht sich von selbst. Das bekommen zwei Tierchen bei einem wichtigen Experiment zu spüren. Leider haben die Jungs (Frauen kommen überhaupt nicht vor) nicht bedacht, dass sich eine Katze und ein Eichhörnchen, die man auf engstem Raum in einer Kanonenkugel einsperrt, nicht unbedingt bestens vertragen. Als Taucher das Geschoss wieder bergen, finden sie vom Eichhörnchen keine Spur mehr vor. Die Katze hingegen erfreut sich bester Gesundheit – kein Wunder! Dem Eichhörnchen errichtet man ein Denkmal als einem „Märtyrer der Wissenschaft“.

Dass auch die wilden, wilden Seminolen auftreten, als Barbicane den Abschussort in Florida auswählt, dürfte besonders Karl-May-Fans ansprechen. Man wünscht sich direkt den Frieden stiftenden Auftritt von Winnetous Blutsbruder Old Shatterhand.

_Das Hörbuch_

Eines der auffälligsten Merkmale der vorliegenden Hörbuchfassung, die ja ebenfalls gekürzt ist, besteht in den schier endlosen Debatten über die Bedingungen der technischen Realisierung des Mondschusses. Dabei lässt der Franzose Jules Verne, Angehöriger der Grande Nation, keine Gelegenheit aus, seinen französischen Lesern klarzumachen, wie energisch diese amerikanischen Ingenieure selbst die verrücktesten Ideen in Angriff nehmen, wenn man sie nur lässt. Eine Szene wie die im Sitzungssaal des Baltimorer Gun Club ist zugleich bizarr und ironisch: Der ganze Saal ist mit Waffen und Kanonenutensilien ausgeschmückt, ja, besteht eigentlich daraus. Außen ist innen, innen ist außen.

Geradezu wie ein Paradiesvogel kommt diesen nüchternen Ingenieuren und Waffennarren der Franzose Michel Ardant vor. Dieser Freigeist lässt seine Gedanken in Dimensionen schweifen, von denen sich die Kleingeister der USA noch keine Vorstellung gemacht haben. Er blickt nicht nur bis an die Grenzen der „Sonnenwelt“ (= Sonnensystem), sondern bis in die weitesten Galaxien.

Und Ardan ist unglaublich schlau. Er markiert zwar den Unwissenden, sticht aber den kritischen Frager Nicholl erstens durch Sachkenntnis und zweitens durch eine Gewandtheit des Geistes aus, als er die Frage, ob der Mond bewohnt sei, umgeht und daraus die Frage macht, ob der Mond bewohnBAR sei. Sorge bereitet lediglich seine Einstellung des Sehen-wir-mal und Sich-durchwurstelns, die den planenden Ingenieuren überhaupt nicht behagt. Dennoch wird er Barbicanes Freund.

|Der Sprecher|

Rufus Beck ist ja am bekanntesten dafür, über mindestens 125 Stimmen zu verfügen. (Wahrscheinlich eine Untertreibung.) Anders als in seinen Lesungen von Harry-Potter- und Artemis-Fowl-Büchern hält er sich bei Jules Verne etwas zurück. Das heißt aber natürlich nicht, dass alle Sprecher nicht mehr voneinander zu unterscheiden wären – im Gegenteil. Der pingelige Nicholl ist ebenso gut herauszuhören wie der beflissene Maston und der würdevolle Barbicane. Alle jedoch beherrscht die Stimme Michel Ardans. Er „schbrischd“ stets mit französischem Akzent, und zwar nicht nur in der Aussprache der Wörter, sondern auch im Tonfall. Da kann die Stimme schon mal ziemlich in die Höhe schnellen. Es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören. Wenn man kein Ingenieur ist.

|Die Musik|

Ich weiß ja nicht, auf welchem vielseitigen Instrument der Komponist Parviz Mir-Ali seine Musik produziert hat, aber sie passt genau in die damalige Zeit. Wir hören verschiedene Kombinationen aus Bläsern (viel Tuba), Marschtrommeln und Flöten. Laut Booklet handelt es sich dabei um Kompositionen des bekannten amerikanischen Musikers John Philip Sousa, der auch von einigen Autoren der Science-Fiction-Szene geschätzt wird.

Was hier aber so martialisch klingt, das tönt doch mitunter eher verspielt, so als befände sich der Hörer auf einem Jahrmarkt statt bei einem Truppendefilee. Aber in Amerika ist der Übergang fließend, wie man in vielen Hollywoodfilmen sehen kann. Diese Musik ist stets in den Pausen, aber auch als Auftakt und Ausklang zu hören. Überraschend war jedoch das Intermezzo mit einem Glockenspiel, das am Ende der ersten CD erklingt: recht besinnlich. Nach dem Abschuss am 1.12. übernimmt die Musik erstmals die Funktion der akustischen Untermalung, denn so etwas wie Sounds gibt es auf dem Hörbuch nicht.

_Unterm Strich_

Die bekannte Geschichte ist im Hörbuch von Rufus Beck recht ausführlich, wenn auch nicht ungekürzt erzählt. Das ist aber gut so, weil nämlich die ausführlichen Debatten über die technische Umsetzung des Mondschusses manchem Hörer etwas zu lang erscheinen können – besonders dann, wenn man selbst über nur geringe Kenntnisse über die erforderlichen technischen Voraussetzungen mitbringt. Dann klingt das ziemlich belanglos. Das war es aber für das technikbegeisterte 19. Jahrhundert keineswegs.

Fortschritt |war| Technik, auch wenn dabei die sozialen Errungenschaften keineswegs mithielten. Allenthalben tauchen deshalb bei Verne Geräte wie Telegraf, Eisenbahn, Teleskop und Fernrohr auf. Er breitet die Geschichte wichtiger Disziplinen wie Astronomie, Mondkartografie, Tiefenbohrungen, Kanonenballistik und vieles mehr detailliert aus. Das alles muss der Hörer ertragen. Becks Vortrag macht es erträglich.

Neben all der Begeisterung für die technische Meisterleistung und den ironisch dargestellten menschlichen Aspekten kommt auch die Komik nicht zu kurz: „Märtyrer der Wissenschaft“ – Eichhörnchen, du wirst verewigt! Diese und weitere Aspekte machen das Hörbuch zu einem netten Audio-Erlebnis, das man sich immer wieder gerne anhört, um neue Details zu entdecken. Spätestens 2067, zum 200. Geburtstag dieses Buches.

|Umfang: 282 Minuten auf 4 CDs|

Pratchett, Terry – Gefährliche Possen und andere Erzählungen

_Hintergründiger Humor in schrägen Storys_

Diese vier Kurzgeschichten sind ziemlich schräg, um nicht zu sagen: abgefahren. Die Frage, warum und vor allem wie Hollywood-Hühner eine viel befahrene Straße überqueren, wird ebenso hintergründig beantwortet wie die Frage nach der künstlichen Wirklichkeit oder warum ein Mordopfer selbst als Täter verhaftet wird.

_Der Autor_

Terry Pratchett und seine Frau Lynn sind wahrscheinlich die produktivsten Schreiber humoristischer Romane in der englischen Sprache – und das ist mittlerweile ein großer, weltweiter Markt. Obwohl sie bereits Ende der siebziger Jahre Romane schrieben, die noch Science-Fiction-Motive verwendeten, gelang ihnen erst mit der Erfindung der Scheibenwelt (Disc World) allmählich der Durchbruch. Davon sind mittlerweile etwa drei Dutzend Bücher erschienen. Nachdem diese für Erwachsene – ha! – konzipiert wurden, erscheinen seit 2001 auch Discworld-Romane für Kinder. Den Anfang machte das wundervolle Buch [„The amazing Maurice and his educated rodents“, 219 worauf „Die kleinen freien Männer“ folgte.

Doch auch andere Welten wurden besucht: ein Kaufhaus, in dem die Wühler und Trucker (= Nomen) lebten, und eine Welt, in der „Die Teppichvölker“ leben konnten. Die Nomen-Trilogie „The Bromeliad“ soll zu einem Zeichentrickfilm gemacht werden.

_Der Sprecher_

Christian Tramitz, geboren 1955, studierte am Münchner Musikkonservatorium im Hauptfach Geige. Seine Interessen gingen jedoch über die Musik hinaus, und so folgte ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und der Theaterwissenschaften. Damit nicht genug, nahm er nach dem Studium Schauspielunterricht bei Ruth von Zerboni. Nach seinem ersten Engagement am Stadttheater Ingolstadt folgten Theatertourneen, bis er ans Ensemble der Düsseldorfer Kammerspiele aufgenommen wurde. 1997 begann Tramitz‘ enge Zusammenarbeit mit Michael „Bully“ Herbig in der „bullyparade“, die etliche Nominierungen und einige Auszeichnungen erhielt. Durch seine Rollen in „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ wurde Tramitz einem breiteren Publikum bekannt und bekam eine eigene Comedy-Serie. (Verlagsinfo)

Regie führte Angela Kübrich.

_Die Erzählungen_

|1) Gefährliche Possen|

Die Stadtwache hat in Ankh-Morpork, der Millionenstadt auf der Scheibenwelt, einen ungewöhnlichen Toten entdeckt. Corporal Nobbs und Feldwebel Colon grübeln, was die Todesursache gewesen sein mag: der Strang Würstchen um den Hals des Mannes? Colon entdeckt Geld in den Taschen des Toten sowie eine Visitenkarte: „Chaz Schlummer, Kinderunterhalter“. Eins steht fest: Dieser Tote ist sehr tatverdächtig und man sollte ihn verhören.

Hauptmann Mumm verdonnert den Obergefreiten Karotte zu dieser dankbaren Aufgabe. Karotte macht über der Leiche den TOD dingfest und quetscht ihn aus, denn schließlich war TOD ja Zeuge der Meucheltat, oder? TOD ist jedoch alles andere als kooperativ, denn er fürchtet, die Bullen könnten ihn als Spitzel einspannen, und das wäre ihm zuwider. Er weigert sich, den Toten zu verpfeifen.

Daher muss Karotte nach anderen Zeugen Ausschau halten. Unweit des Fundorts, wo Colon gerade den Umriss der Leiche hübsch ausmalt, entdeckt Karotte eine Familie von Gnomen. Sie geben zu, dass sie für Schlummer gearbeitet haben, aber der beutete sie aus und demütigte sie. Das Tatwerkzeug, das den Erstickungstod des Impresarios herbeiführte, ist eine Lederscheibe, die zur Veränderung der Stimme benutzt wird. Die Scheibe blieb ihm im Hals stecken – Exitus.

|Mein Eindruck|

Wieder einmal machen die Angehörigen der Stadtwache einen Narren aus sich. Und wie stets ist es ein Vergnügen, den Clowns dabei zuzusehen. Aber worum geht es eigentlich? Da ist also ein „Kinderunterhalter“ an einer Lederscheibe erstickt – na und? Offenbar hat er eine Art Straßentheater betrieben und dabei seine „Mitarbeiter“, die Gnomen, als Kinder ausgegeben und ausgebeutet. Hat er seinen Unfalltod verdient? Wie stets sind die Schlussfolgerungen, zu denen Karotte, Colon, Bobbs und Mumm (der Kommandant) kommen, von schöner und bewegender Abwegigkeit.

Der Sprecher verleiht den Figuren individuelle Charakteristiken, soweit es ihm im Rahmen seiner begrenzten Fähigkeiten möglich ist. Der TOD weist sogar ein kleines Echo auf, aber da muss man schon ganz genau hinhören. Ach, was hätte Rufus Beck daraus gemacht!

|2) # ifdefDEBUG + „world/enough“ b+ „time“|

Der Computertechniker Thompson wird zu einem Tatort gerufen. Ein User der Künstlichen Realität (CGEn: Computer Generated Environment) wurde tot inmitten seiner CGE-Anlage aufgefunden, und im Nebenzimmer liegt die verschrumpelte Leiche einer ehemals schwangeren Frau. Der Techniker soll für Polizei und CGE-Hersteller herausfinden, ob ein technischer Defekt zum Tode des Users geführt hat. Das war zwar nicht der Fall, aber angesichts der Einschüchterungsversuche von Polizei und CGE-Angestelltem erfindet er lieber etwas. Eigentlich war ein Virus daran schuld. Er nimmt folgendes an: Nun wandeln beide, die Frau und der männliche User, wohl zunächst im virtuellen Raum der K. R., doch hat Thompson die Frau bereits auch an verschiedenen anderen Orten der realen Realität gesehen …

|Mein Eindruck|

Diese lange Erzählung ist kompliziert – besonders dann, wenn man mit „Computerles“ absolut nichts anfangen kann. Und Künstliche Realität? Damals, in den seligen Neunzigern, schien sie eine Zukunft zu haben, doch die ist heute Vergangenheit, denn nach 9/11 haben wir ganz andere Sorgen mit der realen Realität und können auf die virtuelle verzichten. Außerdem haben wir ja das Internet, wo sich inzwischen 3,8 Mio. User in „Second Life“ tummeln. Dass es dort neuerdings Räume für Kindermissbrauch gibt, sollte uns zu bedenken geben, dass die VR auch immer zu Missbrauch genutzt wird.

Der CGEn-User in der Story hatte sich ein ganz harmloses Vergnügen gegönnt: Er schuf sich seine Familie – die Schwangere und ihr Baby – in der VR und gesellte sich am Schluss zu ihr.

Der Sprecher müht sich sehr, die vielen englischen und technischen Ausdrücke korrekt auszusprechen und in 99,9 % der Fälle gelingt ihm dies erstaunlicherweise auch. Dennoch entgeht dem Hörer das meiste der Geschichte, weil Tramitz viel zu schnell liest, und ich ertappte mich dabei, wie meine Gedanken nach zwei Dritteln der Story abschweiften …

|3) Hollywood-Hühner|

Als 1973 auf einer viel befahrenen Straße in Hollywood, Kalifornien, ein Laster verunglückt, stranden rund 50 Hühner auf dem Seitenstreifen, der von einer undurchdringlichen Mauer begrenzt wird. Das ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass sie sich vermehren, manche aber auch versuchen, die Straße zu überqueren. Eine natürliche Auslese findet statt, als die Wagemutigen und Tollkühnen unter ihnen dem Verkehr zum Opfer fallen. (Eingestreut sind Beispiele für die Kommunikation unter Hühnern.)

Etwa ab 1981 begannen Polizisten seltsame Konstruktionen festzustellen, und im August 1984 knallte eine Art Käfig mit drei Hähnen darin voll gegen die Windschutzscheibe eines Lasters. Der Vorfall wurde nie aufgeklärt, aber die Hühner waren natürlich Matsch. Auch der Tunnel unter dem Straßenbelag wurde sicherlich nicht von Hühnern gebaut, oder? 1986 berichtet ein Polizist von weiteren absurden Überquerungsversuchen, darunter mit einer Mülltonne, die über einen Antrieb verfügt. (Man denke an „Chicken Run“.) Im Mai 1989 schließlich sind alle Hühner auf der Seite, wo sie gestrandet waren, verschwunden. 43 Hühner befinden sich auf der anderen Seite! Die Evolution hat gesiegt. Oder?

Das ist schön und gut, und das Warum für ihr Tun kann man sich auch zusammenreimen, aber das Wie würde die Wissenschaft zu gerne klären. Und wieso wurde erhöhte Radioaktivität festgestellt? Haben die Hühner etwa den Atomantrieb erfunden oder den Materietransmitter? Na, da lachen doch die … – Sie wissen schon.

|Mein Eindruck|

Was uns der Autor in dieser sehr gelungenen Satire vorführt, aber mit keinem Wort erwähnt, ist die Wiederholung der menschlichen Geistes- und Kulturgeschichte, angewendet auf eine winzige Hühnerpopulation, die den Überlebenskampf um jeden Preis gewinnen muss. Es gibt religiöse Führer, aufklärerische Denker („cogito ergo gluck!“), kühne Flieger à la „Chicken Run“ in ihren wackeligen Kisten (die an der Windschutzscheibe eines LKW zerschellen), Gräber wie in „Gesprengte Ketten“ (der das Vorbild für „Chicken Run“ lieferte), eine Rakete und schließlich sehr seltsame Vorrichtungen, die selbst der gegenwärtigen Wissenschaft noch nicht gelungen sind: Materietransmitter. Die Hühner „beamen“ sich auf die andere Straßenseite!

Dies ist die einzige Geschichte, die über Geräusche verfügt: Verkehrsrauschen, einmal auch eine Hupe mit Dopplereffekt – sehr passend. Der Sprecher macht allerdings nicht allzu viel aus dem wundervollen Text. Wie viel könnte man aus den kurzen Stücken Hühner-Monolog und -Dialog herausholen! Sicher, es mag dann lächerlich klingen, aber sind diese Geschichten nicht auch für Kinder gedacht? Kratz? Gluck!

|4) Die Weihnachtsfestplatte|

Am 25.12.1999 erscheint Santa Claus wie bestellt im Büro der Firma Trading Office Machines. Es herrscht Nacht und Stille im Büro, aber wo ist der Bengel TOM, der ihm seine Wunschliste geschickt hat? Santa aktiviert den PC, und ein elektronischer Brief erscheint auf dem Bildschirm. TOM ist genau dieser PC, und er wünscht sich eine neue Multifunktionsfestplatte mit schier unendlicher Speicherkapazität. TOM hat einen echten Minderwertigkeitskomplex, denn er fühlt sich missachtet und ausgebeutet.

Nun, Santa hat stets eine Eisenbahn in Reserve dabei und führt ihm diese vor. Doch dann bekommt er heraus, was dem zweijährigen PC wirklich fehlt …

Einen Monat später wird der Computertechniker zu TOM gerufen. Der Abteilungsleiter klagt, der PC fahre sofort herunter, wenn man das Spielzeug von ihm entferne, und dann sei nichts mehr mit ihm anzufangen. Der Techniker kratzt sich am Ohr, nachdem er festgestellt hat, dass der Rechner völlig in Ordnung ist. Er empfiehlt, den Teddybär einfach auf dem PC stehen zu lassen …

|Mein Eindruck|

Auch dies ist eine eindeutige Kindergeschichte, auch wenn das „Kind“ in diesem Fall der PC Tom ist. Er ist zwei Jahre alt und weist auch eine entsprechende Psyche auf. Damit kennt sich Santa Claus aus, und so hat er für den armen Kleinen das passende Geschenk dabei, da dieses ja sowieso keiner mehr will: einen Teddy. Merke: Es kommt nicht auf das Spielzeug an, sondern auf die Liebe, mit der es geschenkt wird. Und die gibt Tom natürlich nicht mehr her. – Ansonsten zeigt der Autor, was heute aus Weihnachten geworden: ein Upgrade-Fest.

Der Sprecher bemüht sich hier wirklich, Wärme und Humor in den Dialog zu legen und dies gelingt ihm auch bis zum Schluss. Von Charakterisierung ist durchaus ein wenig zu hören, denn Santa wird mit einer tiefen Stimme ausgestattet, und Tom unterscheidet sich davon mit einer höheren Stimmlage – er spielt ja in diesem Gespann das Kind.

_Unterm Strich_

Dass der Schöpfer der Scheibenwelt auch witzige Kurzgeschichten veröffentlicht hat, ist nur wenigen Lesern seiner Romane bekannt. Naturgemäß spielen viele seiner Storys in einem Fantasyumfeld, so etwa das herrliche Stück „Die Trollbrücke“ (Trolle leben bekanntlich unter Brücken – dort erheben sie bei Pratchett eine Straßenbenutzungsgebühr; das Ganze basiert auf dem Wortspiel „troll“ und „toll“ = Maut).

Dass sich Pratchett am Anfang seiner Schriftstellerkarriere auch mit Ideen aus dem Science-Fcition-Umfelkd herumgeschlagen hat, verrät er immer wieder in so Erzählungen wie etwa „ifdefDEBUG“ und „Die Weihnachtsfestplatte“. Doch bei „ifdefDEBUG“ handelt sich nicht um futuristische Vorkommnisse, sondern um Phänomene, die schon in den 1990ern publizistisch ausgeschlachtet wurden, etwa vom Magazin |WIRED|. Und dass heute selbst die jüngsten PC-Nutzer nach einer größeren Festplatte gieren, dürfte angesichts des Speicherhungers von |Win VISTA| durchaus verständlich erscheinen.

Es sind vielmehr die Gegensätze zu diesen Phänomenen. Was ist aus alten Werten wie Liebe geworden? Aus der Liebesbedürftigkeit eines Kindes, aus der Liebe eines VR-Nutzers zu seiner Familie? Diese Geschichten sollen ebenso zum Nachdenken anregen wie „Die Hollywood-Hühner“. Dieses fabelhafte und sehr hintergründige Stück Prosa schildert, wie eine kleine Hühnerpopulation unter extremem Überlebensdruck die Evolution des Menschen in nur 16 Jahren wiederholt – und übertrifft.

Die Ironie bei dieser Geschichte: Die moderne Verhaltenswissenschaft – die Story ist wie ein Report aufgebaut – ist ebenso wenig wie die unterbelichtete Polizei in der Lage, den technischen Fortschritt der Hühnerpopulation zu erkennen. So wie Schönheit stets im Auge des Betrachters liegt, so auch die Anerkennung für den Fortschritt unter einer anderen Spezies. Besonders dann, wenn es sich um eine Spezies handelt, auf die der gemeine Homo sapiens ständig hochmütig herabsieht. Dieser Dünkel könnte sein Verhängnis werden. Achtung: Der Autor testet die Intelligenz des Lesers bzw. Hörers! Dekodieren Sie die Äußerungen der Hühner. Was könnte beispielsweise „cogito ergo gluck!“ bedeuten?

|Das Hörbuch|

Die Auswahl ist gelungen und sollte eigentlich für den Erfolg des Hörbuchs garantieren. Doch die Ausführung durch Christian Tramitz lässt Wünsche offen – siehe oben. Er ist am besten, wenn er ein wenig Akzent in seine Stimme legen darf, was nicht oft geschieht, aber in „Manitu“ und „Surprise“ (s. o.) kommt er so am besten zur Geltung. Seine sonore Stimme hat viel Potenzial für das Vorlesen geeigneter Texte, doch was ist ein geeigneter Text? Vielleicht die Hörspielfassung einer Pratchett-Geschichte. Aber ob sich ein geeigneter Drehbuchautor dafür findet, bleibt abzuwarten. Im Hörspiel könnte Tramitz seine Fähigkeiten viel besser zum Einsatz bringen. Im Hörbuch jedoch muss er sich viel zu sehr zurückhalten, und so vermisst man sein komödiantisches Können.

|65 Minuten auf 1 CD
Aus dem Englischen übersetzt von Andreas Brandhorst|
http://www.hoerverlag.de

Perry Rhodan NEO – Die Allianz (Folgen 181-190)

Worum gehts in der Staffel?

Das Jahr 2058: Nach den umwälzenden Ereignissen in fernen Bereichen der Milchstraße konzentrieren sich Perry Rhodan und seine Gefährten auf die Erde und deren Probleme. Gemeinsam arbeiten die Menschen daran, die Verwüstungen der Vergangenheit zu beseitigen. Die Terranische Union wächst weiter zusammen.
Dann greifen unbekannte Außerirdische die Mondbasis an. Die Aliens sind offenbar unsichtbar und verfügen über eine hochstehende Technologie. Schnell wird klar: Hinter ihrem Vorstoß steckt die sogenannte Allianz – mit ihren Helfern haben es die Menschen zu tun, seit sie ihre ersten Schritte ins All unternommen haben.
Auf der Erde und in den Tiefen der Milchstraße tobt ein kosmischer Konflikt, der seit vielen Jahrtausenden geführt wird. Die Menschheit muss um ihre Zukunft kämpfen … (Verlagsinfo)

NEO 181 – Der Mond ist nur der Anfang (Kai Hirdt)

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Oscar Wilde – Lord Arthur Saviles Verbrechen

Aufgespießt: die Verblendung der höheren Stände

In Lord Arthur Saviles Hand steht ein Verbrechen geschrieben: Mord! Dieser Auffassung ist zumindest Mr. Pdgers, ein Wahrsager, der mit seiner Kunst die Gäste von Lady Windermere unterhält. Wenig unterhaltsam ist seine Prophezeiung allerdings für Sir Arthur, der sich nun unentwegt die Frage stellt, an wem er dieses Verbrechen begehen wird, das ihm so offensichtlich vorherbestimmt ist.

Der Autor

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Fünf Freunde und die Glocke der Wikinger (Folge 130)

Die Handlung:

Die Fünf Freunde verbringen ihre Ferien in Nordengland. Während Onkel Quentin wichtigen Forschungen nachgeht, besuchen die Kinder ein historisches Wikingerdorf. Dort begegnen sie dem alten Mr. Rasmussen, der behauptet, ein echter Wikinger zu sein. Kurz darauf ist er verschwunden, und mit ihm eine tausend Jahre alte Glocke. Und das ist erst der Anfang einer Reihe von Merkwürdigkeiten, denen die Fünf Freunde beharrlich auf der Spur bleiben, bis sie ein fast unglaubliches Geheimnis lüften. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Na, wenn der Klappentext kein Click-Bait ist, dann weiß ich auch nicht. Hoffen wir doch mal, dass hier nicht zu viel Spannung versprochen wird. Aber, erst mal Ferien … wie immer. Eigentlich ist das ja super und freuen sich … und so. Aber diesmal ist wohl einiges anders. Ferien sind schon … aber die verbringen die Kinder nicht auf der Felseninsel, sondern müssen mit Onkel Quentin nach Nordengland. Wobei … eigentlich freuen sie sich doch immer wenns irgendwo hingeht. Na ja … wenns unfreiwillig ist, macht pauschal nix Spaß.

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Hearn, Lian – Schwert in der Stille, Das (Der Clan der Otori 1)

Ende des 15. Jahrhunderts: Eines Morgens wird Takeos Dorf überfallen, und er überlebt als einziger. Lord Shigeru vom Clan der Otori rettet ihn und nimmt ihn in seine Familie auf. Von ihm, einem Helden wie aus versunkenen Zeiten, lernt Takeo die Bräuche des Clans. Er lehrt ihn Schwertkampf und Etikette. Die Liebe zu Kaede entdeckt Takeo allein.

Als er herausfindet, dass er dunkle Kräfte besitzt – die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein und sich unsichtbar zu machen, und dass er so gut „hören kann wie ein Hund“ – gerät er immer tiefer in die Verwirrungen der Lügen und Geheimnisse, aus denen die Welt der Clan-Auseinandersetzungen besteht. Trotz seines Widerwillens ist es ihm bestimmt zu rächen. Takeo verbindet sein Schicksal mit dem der Otori.

_Die Autorin_

Lian Hearn, die eigentlich Gillian Rubinstein heißt und vor etwa 60 Jahren geboren wurde, lebte als Journalistin in London, bevor sie sich 1973 mit ihrer Familie in Australien niederließ. Ihr Leben lang interessierte sie sich für Japan, lernte dessen Sprache und bereiste das Land.

„Das Schwert in der Stille“ ist der erste Band der Trilogie „Der Clan der Otori“. Der zweite Band „Der Pfad im Schnee“ ist im Herbst 2004 im |Carlsen|-Verlag erschienen und wird im Februar 2005 bei |Hörbuch Hamburg| veröffentlicht werden. Der dritte Band „Der Glanz des Mondes“ ist bereits in England und den USA erschienen und wird bei |Carlsen| im Mai 2005 veröffentlicht.

„Das Schwert in der Stille“, der mittlerweile in 26 Sprachen übersetzt wurde, ist für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert. Gillian Rubinstein wurde in Göteborg mit dem „Peter Pan Award“ geehrt, denn die Trilogie „Der Clan der Otori“ ist beileibe nicht ihr erstes Werk, sondern sie hat bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher verfasst. Mehr Infos unter http://www.otori.de.

_Die Sprecher_

Marlen Diekhoff, vielseitige Bühnen- und Filmschauspielerin, gehört nach Verlagsangaben seit rund 20 Jahren zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Für |Hörbuch Hamburg| hat sie bereits Texte von A. Baricco, Amélie Nothomb, Colette, Sándor Márai und „Tausendundeine Nacht“ gelesen.

August Diehl ist einer der angesehensten deutschen Schauspieler der jüngeren Generation. Er wurde für den Film „23“ mit dem Deutschen Filmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Seitdem war er in „Kalt ist der Abendhauch“, „Tattoo“, „Was nützt die Liebe in Gedanken“ (neben Daniel Brühl) und in Schlöndorffs „Die neunte Stunde“ zu sehen.

Regie führte bei diesem Hörbuch Gabriele Kreis. Das Titelbild zeigt die Schwert-Abbildung der Buchausgabe.

_Handlung_

|Takeo und Shigeru|

Im abgelegenenen Bergdorf Mino wächst der Junge auf, der später den Namen Takeo erhält. Vorerst ist er Tomasu, 15 Jahre alt und soll bald heiraten. Sein Dorf ist deshalb so abgelegen, weil sich seine Bewohner verstecken. Sie sind die „Verborgenen“, die nicht an die Herrschaft der Clan-Lords glauben, sondern an den obersten und einzigen Gott, der über alle herrscht, so dass vor ihm alle gleich sind. Deshalb haben sie unter einigen Clans Feinde, vor denen sie sich verbergen, besonders vor den Tohan.

Als er eines Tages dem „Ruf des Berges“ folgt und im Wald Pilze sammelt, findet er bei seiner Rückkehr von seinem Zuhause und seinem Dorf nur noch rauchende Trümmer vor. Sein Stiefvater liegt tot auf der Straße, seine Eltern und Schwestern sind verschwunden. Es beginnt zu regnen. Aus dem Tempelschrein dringen Schreie.

Es ist Tomasu, als betrete er die Traumwelt. Er sieht die Überreste des Oberhaupts der Verborgenen Isao in Stücke zerrissen. Die Täter sind Gefolgsleute des Tohan-Clans aus Inuyama, der befestigten Hauptstadt des Gebietes. Hufgetrappel nähert sich. Da hat Tomasu eine weitere besondere Erfahrung: Er sieht voraus, wer da kommt. Es ist Iida Sadamu, der Oberlord der Tohan.

Erst jetzt wird Tomasus Anwesenheit entdeckt. Tomasu beleidigt Iida tödlich, als er dessen Pferd angreift und ihn so zu Fall bringt. Er flüchtet, verfolgt von drei Soldaten, in den nahen Wald. Auf halber Höhe springt ein Mann hinter einem Baum hervor, packt Tomasu und stellt ihn hinter sich in Sicherheit. Er übergibt den Jungen den Verfolgern keineswegs, sondern schlägt einem von ihnen den Kopf ab, einem anderen den Arm. Dieser Akt wird üble Folgen haben. Der dritte Verfolger gibt Fersengeld.

Der Kämpfer stellt sich als Otori Shigeru vor (Familien- immer vor Vornamen!). Sein Clan sind die Otori, die in Hagi am Meer, auf der anderen Seite des Gebirges, residieren. Lord Shigeru selbst hat vor kurzem von Lord Iida eine schwere Niederlage einstecken müssen. In der Schlacht von Yaegahara fiel – neben zehntausend anderen – auch Shigerus geliebter Bruder Takeshi. Seitdem haben die Otori schwere Gebietsverluste erlitten. Man braucht kein Wahrsager zu sein, um sich auszurechnen, dass Iida auch den Rest des Otori-Landes unterwerfen will.

Shigeru und der Junge, der sich von nun an Takeo nennen soll, um nicht als Verborgener erkennbar zu sein, eilen durchs Gebirge. Iidas Männer sind ihnen bestimmt auf den Fersen. Takeo hat sowohl Ehrfurcht als auch Respekt vor Lord Shigeru, besonders aber vor dessen Schwert Jato.

Immer wieder bemerkt Takeo, dass er viel schärfer hören kann als Shigeru. Und so belauscht er eines Nachts in einer Herberge Shigerus Stelldichein mit einer edlen Dame. Es ist Lady Maruyama, die etwas wirklich Besonderes ist. Nicht nur, dass ihr psychologischer Scharfblick, was Menschen angeht, geradezu an Zauberei grenzt. Auch ihr Haus ist das einzige, dessen Erbfolge in weiblicher Linie erfolgt. Sie spielt in Shigerus Racheplänen gegen Fürst Iida eine zentrale Rolle, und so verlobt er sich mit ihr: nicht nur im Wort, sondern im Fleisch.

|Hagi|

Hagi ist die erste größere Stadt, die Takeo in seinem Leben zu Gesicht bekommt. Der Fischerhafen wird beherrscht vom Schloss der Otori. Doch nicht Shigeru, wiewohl der rechtmäßige Erbe, wohnt dort, sondern seine zwei Onkel, die ihre eigenen Pläne mit ihm haben. Shigeru wohnt in einem wunderschönen Holzhaus inmitten eines großen Gartens am Fluss. Sofort nimmt man im Haushalt Takeos Ähnlichkeit mit dem verstorbenen Takeshi wahr. Doch Shigerus Plan, Takeo zu adoptieren, wird von Ichiro, seinem Berater und Haushofmeister, abgelehnt. Zuerst müsse der Bengel vom Lande, der weder schreiben noch lesen kann, ausgebildet werden. Shigeru willigt gerne ein.

In einer Nacht nimmt Takeos außergewöhnlich scharfes Gehör eine Bewegung wahr, wo keine sein sollte. Es handelt sich um einen Attentäter, der es entweder auf Shigeru oder Takeo abgesehen hat. Der Angriff wird abgewehrt, doch bevor es Shigeru gelingt, den Mann zu fragen, wer ihn geschickt habe, nimmt dieser sich mit einer Giftkapsel das Leben. Takeo lebt gefährlich, doch er findet einen Freund in der Stadt.

|Kikuta|

Sein außergewöhnliches Verhalten erweckt das Interesse eines Freundes von Shigeru: Muto Kenji. Dieser eröffnet Takeo, dass er „vom Stamm“ sei – genau wie der Attentäter. Der Stamm sei einmal ein Volk gewesen, das es bereits vor den Clans gab und das Magie beherrschte. Die Stammesangehörigen verbargen sich vor den Clansleuten und wurden Gaukler oder, wie Kenji, Kaufleute. Auch Takeo ist offenbar ein Angehöriger des Stammes und zwar aus der Familie Kikuta. Wie Kenji kann er sich unsichtbar machen und an zwei Orten zugleich erscheinen, zugleich außergewöhnlich scharf hören und sehen.

Takeo gerät in einen Konflikt, der sein ganzes späteres Leben bestimmen wird: Er besitzt die von Kenji ausgebildeten Fähigkeiten eines Attentäters und Spions, doch sein christlicher Glaube gebietet ihm Mitleid, wo er es gefahrlos geben kann. Während Kenji ihn ob seiner Weichheit verachtet, steigt Takeo deshalb in Shigerus Achtung. Nun will er Takeo erst recht adoptieren. Doch die Onkel stellen dafür eine fiese Bedingung …

|Lady Kaede|

Das komplizierte Clan-System sieht vor, Geiseln auszutauschen, um Loyalität sicherzustellen. Die 15-jährige Kaede ist eine solche Geisel. Obwohl sie dem Clan Shiràkawa angehört, muss sie bei Lord Noguchi leben, einem Gefolgsmann Fürst Iidas. Zu ihrer Schmach muss sie zunächst beim einfachen Gesinde leben und wird ständig von den Wachleuten angemacht, jedes Jahr heftiger, je fraulicher ihre Erscheinung wirkt.

Eines Tages geht ein Wachmann zu weit, doch sie hat – zufällig? – ein Messer dabei, das eigentlich Hauptmann Arai gehört. Arai ist der einzige Mann weit und breit, der sie mit Respekt behandelt. Vielleicht hat er eigene Pläne mit ihr. Sie stößt dem zudringlichen Wachmann das Messer in den Hals, Arai kommt hinzu und tötet ihn, bevor er Kaede etwas antun kann.

Der Vorfall wird als Unfall vertuscht und die beiden Beteiligten decken einander. Doch nun hat Kaede ein schlechtes Image. Das ist überhaupt nicht gut, findet Lord Noguchi, der sie endlich in einem anständigen Zimmer unterbringen lässt. Nicht gut, weil Kaede bald heiraten soll. Doch wer würde eine Frau nehmen, die sich ihrer Haut zu wehren weiß? Und als der einzige Anwärter, der bereit wäre, sie zu heiraten, nach einem Zechgelage tot umfällt, gilt Kaede als von den Göttern verflucht. Wehe dem Mann, der ihr zu nahe kommt!

Dies passt allerdings ganz hervorragend in die Pläne von Fürst Iida und den beiden Otori-Onkeln Shigerus. Wenn sie ihre Zustimmung zu Takeos Adoption – mit entsprechendem Erbrecht – geben sollen, muss Shigeru Kaede heiraten. Doch wie sich zeigt, hat auch Lady Maruyama, Shigerus verbündete Verlobte, weit reichende Pläne.

Während also Kaede mit der Lady sowie Shigeru mit Takeo auf getrennten Wegen zu Lord Iidas wehrhaftem Hauptquartier Inuyama reisen, soll sich dort ihrer aller Schicksal erfüllen.

_Mein Eindruck_

„Das Schwert in der Stille“ bietet Gelegenheit, sich in der geheimnisvollen Welt der japanischen Clans zu verlieren. Doch die Zeit ist nicht die des Captain Blackthorn aus James Clavells Roman „Shogun“. Das 15. Jahrhundert liegt vor der Epoche des Shogunats, in der der Engländer Blackthorn gegen die Portugiesen auftritt (16./17. Jahrhundert). Entsprechend unsicher sind die Machtverhältnisse, die Clans bekämpfen einander. Und es sieht so aus, als würde Fürst Iida die Oberhand gewinnen.

Wenn es Takeo und Kaede nicht gäbe. Erzogen und ausgebildet von ihren Mentoren, dem Liebespaar Shigeru und Maruyama, spielen sie die Rolle des Züngleins an der Waage, ohne es zu ahnen. Doch eben weil das Gleichgewicht der Macht unter Iida so labil ist, kann jede kleine Aktion weit reichende Konsequenzen nach sich ziehen.

So erlöst Takeo beispielsweise eines Nachts vier „Verborgene“ von ihren Todesqualen. Als er im Vorüberhuschen von einem Bürger Yamagatas erspäht wird, hält ihn dieser für den Todesengel. Das nachfolgende Gerücht von Geistern und Engeln bringt die Stadt binnen kürzester Zeit an die Grenze des Aufruhrs, der von Iidas Truppen brutal niedergeschlagen werden muss. Dies ruft wiederum den „Stamm“ auf den Plan, der sich Takeo, den Unruhestifter, greift. Denn der „Stamm“ ist auf Stabilität angewiesen.

|Finale|

Der spannende Höhepunkt der Geschichte ist die schon lange von Takeo und Shigeru geplante Eroberung von Fürst Iidas Festung. Dass diese Festung ihre Tücken hat (vgl. den O-Titel), erhöht den Kitzel der Gefahr nur noch. Da erweist es sich als hilfreich, dass Takeo auf die Unterstützung von Angehörigen des „Stammes“ zählen kann. Und zu seinem Erstaunen spielt auch Lady Kaede, in die er sich auf den ersten Blick verliebt hat, eine entscheidende Rolle. Ihr Aufeinandertreffen in dieser Nacht der Entscheidung bleibt nicht ohne Folgen und bestimmt Kaedes Existenz in den Folgebänden.

|Außen und innen|

Der besondere Reiz der Erzählung liegt aber in der Beschreibung der Menschen und ihres Verhaltens. Hier erweist sich die Autorin als besonders einfühlsam und ausdrucksstark. Das Verhalten der meisten Hauptfiguren, insbesondere von Takeo und Kaede, ist stets verständlich, denn es wird sohl in seinen Motiven als auch in den Bedingungen seines Umfeldes geschildert. Wir können die Hauptfiguren praktisch von außen wie auch von innen sehen. Das verleiht der Geschichte – ebenso wie die zahlreichen Naturbeschreibungen – eine anrührende Dimension, die mich besonders bezaubert hat. Vor allem natürlich auch, weil mich Japan und seine alte Kultur seit jeher fasziniert haben.

|Die Sprecher|

August Diehl spricht den Ich-Erzähler Otori Takeo. Takeo erscheint als kräftiger, selbstsicherer junger Mann, der schon früh größtes Leid erfahren und bewältigen muss. Doch Grübelei und Melancholie sind seine Sache nicht. Ironie und Zynismus sind ebenso Takeo fremd, doch aufrichtigen Humor bekommen wir von ihm fast nie zu hören. Dafür ist unüberhörbar, wie sehr er seinen Mentor Shigeru achtet und liebt, so dass er sein eigenes Leben in die Waagschale wirft, um Shigerus zu retten.

Marlen Diekhoff spricht Lady Kaede in der dritten Person. Dieser Wechsel der Erzählperspektive ist leicht zu bewältigen und sorgt für Abwechslung. Diekhoff verfügt über eine sanfte, honigweiche Stimme, die ich ein wenig zu leise finde. Die größte Schwäche ist jedoch eine hörbare Brüchigkeit im Ausdruck, die wohl auf ihr Alter zurückzuführen ist. Als Folge erscheint uns Kaede als ein zerbrechliches Ding ohne eigenen Willen.

Nichts könnte falscher sein. Sie ist zwar die meiste Zeit eine Schachfigur im großen Spiel der Fürsten, doch unter der Obhut ihrer Stammes-Zofe Shizuka lernt sie schnell, sich zu verstellen und Gefahr abzuwenden. Und Gefahren gibt es in einem japanischen Frauenleben offenbar reichlich. Unter Shizukas Anleitung erlernt sie das Führen von Messer, Schwert und anderer Ding, die sich als Waffe einsetzen lassen. Was sich im richtigen Augenblick als sehr notwendig erweist. Diekhoffs Vortrag führt den Hörer in die Irre.

|Aussprache und Schreibweise|

Beide Sprecher bewältigen die sprachlichen Schwierigkeiten, die das Japanische bietet, mit großer Bravour. Sie haben sich offenbar kundig gemacht. Ganz besonders August Diehl muss mit vielen Namen zurechtkommen, die stets ein wenig von der Schreibweise abweichen. Ein paar Beispiele:

Otori: Die Betonung liegt im Japanischen eine Silbe VOR derjenigen, die im Indogermanischen betont wird. Hier würde man Otori auf der zweiten Silbe betonen. Doch im Japanischen liegt die Betonung auf der ersten: Es klingt wie [ottori]. Analog dazu wird Shirakawa auf der zweiten statt der dritten Silbe betont: [shirà kawa]. Analog dazu die Städtenamen Inúyama, Yamágata und Teráyama. Der name der Lady Kaede wird in zwei Silben ausgesprochen, denn [ae] ist ein Doppellaut und klingt wie [ei], nicht wie [ä].

Obwohl das Personal recht umfangreich ist, enthalten weder Buch noch Hörbuch eine Liste der dramatis personae. Lediglich im Buch (und auf der Webseite) kann sich der Interessierte anhand einer Landkarte orientieren, wie die Ortsnamen und die Namen der Clan-Domänen geschrieben werden. Meine Schreibweise ist der im Buch angeglichen.

_Unterm Strich_

Die gesamte Trilogie „Der Clan der Otori“ richtet sich an Jugendliche um 15 Jahre. Sowohl Lady Kaede als auch Otori Takeo sind in diesem Alter, als das erste Buch „Das Schwert in der Stille“ schließt. Beide wachsen in einer Erwachsenenwelt auf, die ebenso von Geheimnissen wie von Gefahren erfüllt ist. Und die Gefahr gilt immer dem Leben.

Gleichzeitig ist diese Initiation in die Welt eine Erkundung der eigenen Fähigkeiten, Gefühle und Gedanken. Da Takeo über nahezu magische Fähigkeiten verfügt, ist dieser lange Prozess umso faszinierender. Doch auch die grazile Kaede weiß eine Klinge tödlich zu führen, wenn’s drauf ankommt. Das Finale stellt alle Erwartungen an Action und Drama mehr als zufrieden. Der Epilog deutet jedoch an, dass sowohl Takeo als auch der gesamte „Stamm“ und obendrein Kaede in Gefahr sind.

Das Hörbuch halte ich nicht für hundertprozentig gelungen. Während August Diehls Passagen mich beeindrucken konnten, ertappte ich mich bei Marlen Diekhoffs Passagen dabei, leicht genervt zu sein. Mein Verdacht, dass ihre Darstellung Kaedes nicht mit der im Buch übereinstimmt, bestätigte sich bei der Lektüre der Fortsetzung „Der Pfad im Schnee“. Kaede ist eine ungewöhnlich intelligente junge Frau, die sich durchaus ihrer Haut zu wehren weiß.

_VORSICHT SPOILER_
Und seit ihrer Liebesbegegnung mit Takeo hat sie einen besonders guten Grund dafür: Sie ist schwanger. Ihr Kind wäre der Erbe der Domänen Otori, Maruyama und Shirakawa – eine eindrucksvolle Kombination geballter Macht. Falls die Mutter überlebt.
_ENDE SPOILER_

Mit gespannter Erwartung freue ich mich auf die Fortsetzung des Hörbuchs. Sie kommt am 21. Februar 2005 auf den Markt.

|Originaltitel: The Otori Clan vol. 1: Across the Nightingale Floor, 2002
Aus dem Englischen von Irmela Brender
510 Minuten auf 7 CDs|

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 10: Prolog im Himmel

_Das Erbe des Echnaton_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 9: Abermals kehrt Christian Wagner auf die Insel seiner Kindheit und Jugend zurück. Hier hofft er die Wurzeln seiner ungeklärten Herkunft zu ergründen. Wird ihm der Weg in die eigene Vergangenheit zum Verhängnis werden? Als eine Sturmflut aufkommt, offenbart ihm die Insel noch ein anderes Geheimnis.

Folge 10: Er ist fest entschlossen, den wahnwitzigen Vorhaben seiner Widersacher ein Ende zu bereiten. Doch wer sind seine Feinde wirklich? Und wie ist es zu erklären, dass er plötzlich mit eigenen Augen eine Szene miterlebt, die sich viele Jahre vor seiner Geburt abspielte und deren Akteure schon lange tot sein müssen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: [Die Nephilim 2912
Folge 2: [Finstere Fluten 2914
Folge 3: [Spur in die Tiefe 3767
Folge 4: [Nachthauch 3790
Folge 5: [Im Grab des Ketzers 4437
Folge 6: [Echnatons Vermächtnis 4466
Folge 7: [Hinter schwarzen Spiegeln 5047
Folge 8: [Das blinde Auge des Horus 5186
Folge 9: [Totengeläut 5503
Folge 10: Prolog im Himmel

_Die Sprecher & Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Jan-Erik Walberg: Lutz Riedel (dt. Stimme von Timothy Dalton)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Peregrin/Pippin‘ Boyd, Pauly Shore, Philip Seymour Hoffman in „Capote“)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Gruftie / Gerold Gruber: Dero (|Oomph!|)

sowie Natalie Spinell und Hasso Zorn u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Die Musik:

|Secret Discovery|: „Follow Me“
|b.o.s.c.h|: „Mehr“
|Nik Page|: „Herzschlag“
|Lola Angst|: „Am I dead?“
|Suicide Commando|: „Second Death“
|Diva Destruction|: „Rewriting History“
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet. (Wirklich? Neueste Folgen belegen eher das Gegenteil.)

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

|1. Akt|

Christian sitzt in einem Theatersaal, sechs bis sieben Wochen nach den Ereignissen auf der Insel und dem Leuchtturm. Seitdem weiß er, dass Dr. Bruno Schwab und Sylvia Scholl seine Eltern sind, und dass Tassilo Bloch der Vater von Adrian und Sibylle Bloch ist. Eine Weissagung besagt, er selbst werde „die Dinge in Ordnung bringen“. Aber hat keine Vorstellung davon, auf welche Weise. Und was soll der Chip in seinem Hirn bewirken?

Der Vorhang hebt sich, das ägyptische Senetspiel, das Chris zur Genüge kennt, wird sichtbar. Zwei Schauspieler treten als Nathanael Bloch und Sigmund Scholl auf. Nathanael beansprucht die Mumie Pharao Echnatons für sich, doch Sigmund widerspricht ihm, denn er habe ja schließlich die Expedition finanziert. Dass die Zuschauer an dieser Stelle in Gelächter ausbrechen, wundert Christian.

Doch dann treten zwei Mönche in Kutten auf, die des einen weiß, die des anderen schwarz. Auf einem Tisch spielen sie das Senetspiel. Sigmund liest deklamierend die Weissagung zur Mumie Echnatons vor. Der reinkarnierte Erbe des Pharao werde dereinst hervortreten. Doch bis dahin dürfen die Entdecker nur je einen Sohn als Erben haben. Nathanael und Sigmund rätseln darüber, wer der Vater dieses Gesalbten sein wird. Ist es eine Wette oder Spiel, ein Test? Der Wetteinsatz ist das gleiche wie der Preis, nämlich der Gesalbte und die Wiedergeburt Echnatons.

|2. Akt|

Auf der Straße lässt sich Christian, der immer noch eine alte Armeepistole bei sich trägt, von einer Prostituierten abschleppen, die sich als Alexa Voss entpuppt. In der Dampfsauna ihrer Absteige liegt ein Freier, den Christian wiedererkennt: Kommissar Max Lohmann. Was tut der denn hier? Er zwingt den Cop zu dem Geständnis, dass die mysteriösen Nephilim eine Geheimsekte der Blochs seien. Christian selbst nehme eine Schlüsselrolle in deren Spiel ein: Er sei der Gesalbte! Mit den anderen Sektenmitgliedern experimentieren die Blochs, um wie Dr. Frankenstein den Neuen Menschen zu erschaffen. Lohmann bringt Christian zu ihrem Treffpunkt, dem Café Palm, das Adrian Bloch gehört.

|3. Akt|

Dort gibt sich die Gothic-Szene ein Stelldichein und Christians Bekannte nacheinander die Klinke in die Hand. Endlich tritt Moritz Goldmund auf, der etwas über den Ägyptologen Dr. Walberg (Episoden eins und zwei) zu berichten weiß. Walberg dachte, er habe bei Christian das Echnaton-Gen festgestellt, das zu einem großen Schädel und revolutionären Geistesleistungen wie dem Monotheismus führte. Christian ist nicht wirklich begeistert.

Auf dem Weihnachtsmarkt führt Dr. Schwab Christian zu dessen Amme. Von Madame Margarethe erfährt er, dass Christian seit frühester Jugend an epileptischen Anfällen und katatonischen Zuständen gelitten habe. Nach einem Unfall, der alles noch schlimmer machte, pflanzte Dr. Walberg Christian den Chip ins Hirn ein, und fortan besserte sich sein Zustand. Margarethe ist überzeugt, Christian sei der Gesalbte und werde die Blochs bekämpfen. Er habe sogar die Erinnerungen seiner Vorfahren geerbt. Dr. Schwab erklärt das für Blödsinn und führt Christian fort.

|4. Akt|

Christian hält sich die Pistole an den Kopf und fragt sich, ob er sich eine Kugel durch selbigen jagen soll. Dann entscheidet sich aber lieber dafür, von seinen Titanen-Geschwistern Adrian und Sibylle ein paar Antworten zu verlangen. Sie erwarten ihn bereits in der Villa Scholl. In drei Sarkophagen wartet dort ein Geheimnis darauf, gelüftet zu werden …

_Mein Eindruck_

Nach so vielen Enthüllungen über sich selbst und die Machenschaften der Blochschen Sekte der Nephilim weiß Christian Wagner endlich ungefähr, wo er steht: nämlich zwischen den Fronten. Nicht unbedingt ein gemütlicher Ort, um seinen Lebensabend hier zu verbringen. Daher ist es nun Christians Aufgabe, eine Entscheidung herbeizuführen. Allerdings braucht er dazu Verbündete, die er auf der Scholl-Seite, unter den Titanen, zu finden hofft.

Eine bis dahin rätselhafte Figur, mit der sich Christian noch nicht richtig auseinandergesetzt hat (wohl aus dramaturgischen Gründen), ist Billie Scholl, seine frühere Geliebte. Allerdings spielt sie die Rolle der Isis, deren Antlitz durch einen Schleier des Geheimnisses verhüllt ist, wie sie am Anfang jeder Folge ins Gedächtnis ruft. Wer mehr wissen will, sollte ihr Tagebuch unter schattenreich.net lesen.

|Osiris-Mythos reloaded|

In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle natürlich die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete und zerhackte. Dem Mythos zufolge setzte Isis die Einzelteile Osiris‘ wieder zusammen, schlief mit dem Wiederauferstandenen und gebar ihren Sohn Horus, den Sonnengott. In der Umsetzung des Mythos stehen die Nephilim auf Seiten Seths und die Titanen auf Seiten Christians und Billies.

Die Wiederauferstehung Osiris‘ wird in Christians Wiederentdeckung seiner Herkunft realisiert. Das ist aber die Kardinalfrage: Sollte Christian auch das Echnaton-Gen geerbt haben, wovon die Nephilim überzeugt sind, dann reicht seine Bedeutung viel weiter als nur bis zu der Wiederholung des Osiris-Mythos. Die Frage ist, auf wessen Seite er sich dann schlägt. Die Nephilim tun alles dafür, ihn auf ihre Seite zu ziehen.

|Ein Kulturwissenschaftler?|

Christians Hauptproblem besteht in seinem mangelnden Verständnis seiner eigenen Position. Was mich schon immer an seiner Figur gewundert hat, ist der Umstand, dass er trotz seiner Ausbildung zum Kulturwissenschaftler sein umfangreiches Wissen nicht einsetzt. Alles, was er uns von seiner Bildung verrät, kann von den Erlebnissen seiner Kindheit und Jugend in der Villa Scholl herrühren.

Aber warum wendet er die Prinzipien der Kulturwissenschaft nicht auf seine Ermittlungen an? Sollte er sein Studium mit einem akademischen Grad abgeschlossen haben, so wurde er auch geprüft – und daher sollte er in der Lage sein, entsprechenden psychischen Druck auch auszuhalten. Er müsste die Erkenntnisse und Methoden seiner eigenen wissenschaftlichen Disziplin in seine eigene Ermittlung integrieren oder sie zumindest darauf anwenden.

Dass er dies unterlässt und stattdessen immer weiter durch den Irrgarten seiner zufälligen Funde stolpert, gehört zu den großen Enttäuschungen, die die Konzeption dieser Serie verursacht. Im anderen Fall würde sich der Hörer nämlich freuen, mehr von den alten Ägyptern zu erfahren. Aber dafür waren die Autoren vielleicht von der Materie überfordert, hatten nicht genug Platz (viele Songs waren unterzubringen!) oder ganz einfach ein anderes Ziel als ein Bildungsprogramm für Gothic-Fans. Möglicherweise haben sie auch bloß zu viele Filme von David Lynch gesehen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Diesmal sprechen mehrere Stimmen aus dem Off, befinden sich also nicht auf der „Bühne“, sondern nur in Christians Erinnerung. Dazu gehören Bruno, Christians Mentor, sowie Sigmund Scholl, sein Ziehvater, bei dem er aufwuchs. Dass eingangs Isis alias Billie Scholl etwas über ihr eigenes Geheimnis zitiert, sollte man ebenfalls festhalten.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Diesmal spielt das Theaterstück, das Chris am Anfang besucht, eine wichtige Rolle. Der Sound der Stimmen ist bühnenähnlich, und die Schauspieler deklamieren statt sich miteinander zu unterhalten.

Danach geht Christian auf den Weihnachtsmarkt. Überlagert von Glockengeläut – hätte gut zu Folge neun gepasst – hören wir Kinderlachen und eine Drehorgel. Es ist Heiligabend. Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der siebziger Jahre und klingen entsprechend kratzig.)

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und das Musikmagazin |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet.

Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt. Die Lauscher stellten sich mir auf, als ein deutscher Text von einer Sängerin zu einem Piano gesungen wurde, so dass ich endlich einmal den Text verstehen konnte. (Die Neo-Gothic-Sänger scheinen einen Horror davor zu haben, ihre Stimme unverzerrt und verständlich einzusetzen, wahrscheinlich weil ihre Texte zu schlecht sind.)

_Unterm Strich_

Bald wird es überstanden sein, mag der Hörer wohl erleichtert seufzen, nachdem er diese Folge gehört hat. Christian hat endlich Heiligabend erreicht, weiß über seine Herkunft halbwegs Bescheid und muss nun nur noch eine Entscheidung zwischen Titanen und Nephilim herbeiführen. Leichter gesagt als getan. Denn in seinem Kopf steckt ein mysteriöser Chip, der möglicherweise auch seine Fernsteuerung erlaubt – wer weiß das schon genau?

Das Fest, an dem der Heiland auf die Welt kam, steht bevor. Das deckt sich genau mit Christians eigener Lage. Denn die Nephilim verehren ihn ja als den verheißenen Gesalbten, den Nachfolger des revolutionären Pharaos Echnaton. Und vielleicht spielt er nicht nur die Rolle des alten Osiris, der seinem früheren Ich entspricht, sondern auch die des Horus, des Sohnes von Isis und Osiris. Zumindest in geistig-spiritueller Hinsicht.

Sein Problem ist, dass er diese Rolle des Heilands ablehnt. Am Schluss dieser Folge verkündet ihm deshalb eine Stimme aus dem Sarkophag: „In deiner Hand ist die Welt!“ Ob dies nun Jahwe ist oder der Goethesche Erdgeist, wen kümmert’s? Christian sollte seine Kenntnisse als (angeblicher) Kulturwissenschaftler einsetzen und deren Methoden auf seine Ermittlungen anwenden. Das wäre ein Element, das die Serie erheblich aufwerten würde.

|Die Zielgruppe|

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Die Macher

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

Nach dieser Doppelfolge ist mit weiteren Episoden zu rechnen, um Christians Schicksal zu besiegeln. Denn einem „PROLOG im Himmel“, wie in Goethes „Faust“, sollte auch ein EPILOG oder Schlussakt folgen.

|58 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3592-3|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

John Grisham – Das Urteil (Lesung)

„The Runaway Jury“ ist inzwischen nicht nur ein witziges und spannendes Buch sowie Hörbuch, sondern auch ein – hoffentlich ebensolcher – Film (Kinostart Deutschland 22. April). Die Hauptrolle des als „Nicholas Easter“ in der Jury auftretenden Justizrebellen spielt kein Geringerer als John Cusack, der kürzlich bei uns in dem Thriller „Identität“ zu sehen war. Außerdem sind Gene Hackman, Dustin Hoffman und Rachel Weisz („Confidence“, „Die Mumie“, „Duell“, „Amy Foster“) mit von der Partie.

Im Übrigen geht es um ein brandaktuelles Thema: den Prozess gegen einen, nein, sogar mehrere Tabakkonzerne in den USA. Doch dieser Prozess wird von einer auf ganz besonders gewiefte Weise manipulierten Jury entschieden. Irgendjemand wird am Schluss den ganz großen Reibach machen. Die Frage ist nur, wer?

Der studierte Jurist John Grisham, geboren 1955, ist nach Angaben des Heyne-Verlags der „meistgelesene Autor weltweit“. Zahlreiche seine Romane dienten als Vorlage zu Spielfilmen, darunter „Der Klient“, „Die Firma“, „Die Akte“ und „Die Jury“ sowie „Der Regenmacher“. Grisham war Abgeordneter im Parlament des Bundesstaates Mississippi und führte lange Jahre eine eigene Anwaltskanzlei, bis er sich Mitte der Achtzigerjahre ganz dem Schreiben widmete. Grisham lebt mit seiner Familie in Virginia und Mississippi.
Sein neuestes Buch trägt den Titel „Bleachers“, also Zuschauertribüne, und befasst sich mit den dunklen Machenschaften im Profisport.

Sprecher Charles Brauer, geboren 1935, ist am bekanntesten als Kommissar Brockmüller an der Seite von Manfred Krug im „Tatort“. Er gehört zu den beliebtesten Hörbuchsprechern und hat für Heyne/Ullstein bereits „Der Verrat“, „Das Testament“ und „Die Bruderschaft“ von John Grisham gelesen.

Biloxi, eine verschlafenen Kleinstadt im südlichen Mississippi (wo sich der Autor bestens auskennt), rückt durch einen Aufsehen erregenden Prozess in den Mittelpunkt weltweiten Interesses. Celeste Woods, die Witwe eines vor vier Jahren an Lungenkrebs verstorbenen Tabakkonsumenten, hat den Zigarettenfabrikanten Pynex auf Schadensersatz verklagt. Besonderes Interesse am Verlauf des Prozesses hat verständlicherweise die Tabakindustrie, für die es um viele Millionen Dollar geht: nicht so sehr wegen der Entschädigung, sondern vielmehr wegen der drohenden Verluste durch sinkende Aktienkurse!

Da die Jury aus den üblichen zwölf Geschworenen das alleinige Recht hat, das Urteil „schuldig“ zu fällen, richtet sich das Augenmerk aller Beteiligten auf die sorgfältige Auswahl dieses zentralen Gremiums. Die Konzerne haben einen Mann vor Ort, der keine Skrupel kennt, Rakin Fitch, und bezahlen jede Summe, die er verlangt. Fitch nennt sich „Juryberater“ und hat noch keinen der sechzehn von ihm gemanagten Prozesse verloren.

Er fühlt sich relativ sicher, eine gute Auswahl getroffen zu haben, was die Jurymitglieder für die Verteidigung (Konzerne) angeht. Nur ein Kandidat ist ein unbeschriebenes Blatt: Nicholas Easter ist 27 Jahre alter Verkäufer in einem Computerladen und Nichtraucher. Dass er mal Student war, stellt sich als Lüge heraus. Sofort hetzt ihm Fitch eine verführerische Blondine namens Amanda auf den Hals, doch Easter riecht den Braten sofort.

Der Prozess beginnt sofort, nachdem die Geschworenen ausgewählt worden sind – da gab es doch einiges Gerangel. Immerhin, Easter ist benannt und übt seine Rechte aus, die er im Gegensatz zu so manchem Jurymitglied genau kennt: Er hat schon einmal an so einem Prozess teilgenommen. Er lässt sich nicht mehr als Bürger zweiter Klasse behandeln, sondern verschafft den Geschworenen Sonderrechte: Sie dürfen mit dem Richter, dem ehrenwerten Frederick Harkin (50) speisen!

Rankin Fitch wird dieser Nicholas Easter allmählich unheimlich. Eine anonyme Anruferin, die sich nur Marly nennt, hat ihm ein Dossier über Easter zukommen lassen. Ein Einbruch in Easters Wohnung führt nur dazu, dass Fitchs Emissär von einer Videokamera gefilmt wird. Easter übergibt dem Richter das Überwachungsvideo, das er hinsichtlich der Zeit manipuliert hat. Und weil sich nicht nur Easter, sondern so manches andere Jurymitglied verfolgt fühlt, erzwingt Easter die Verlegung des Domizils in ein nahes Motel, das bewacht wird. Schon bald haben dort einige Geschworenen mehr Rechte als die anderen. Dennoch erreicht Fitch, dass Geschworene ersetzt werden. Das Gleichgewicht verschiebt sich. Doch Easter ist Ton angebend.

Dann lässt Marly die Bombe platzen: Sie arbeitet mit „Nicholas Easter“ zusammen! Und wenn Fitvhs Auftraggeber keine zehn Millionen Dollar zahlen, wird Easter das Urteil ziemlich deutlich gegen die Konzerne ausfallen lassen.
Fitch ist auf 180 und steckt schwer in der Klemme: Wie konnte es nur geschehen, dass ihn zwei solche Amateure aufs Kreuz gelegt haben? Er setzt alle Hebel in Bewegung, um die Vergangenheit des Erpresserduos auszugraben. Notfalls geht Fitch auch über Leichen.
Und währenddessen fallen die Aktien der Konzerne bereits…

Die Fronten sind schon bald klar: Auf der einen Seite die Konzerne mit ihrem Mann für alles, Rankin Fitch. Auf der anderen Seite nicht etwa der Anwalt der Anklage, sondern das dynamische Duo „Nicholas Easter“ und „Marly“. Beide Seiten kämpfen um Einfluss auf die Geschworenen wie der Teufel um die arme Seele, und die Front schwankt hin und her, denn beide Seiten haben Erfolge zu verzeichnen. Am Schluss wird es ein Urteil geben, soweit ist klar, doch wie wird es lauten?

Und es ist gut möglich, dass für das Erpresser-Duo das Urteil nur zweitrangig ist. Doch wenn es ihnen nur ums Geld geht, warum haben sie sich dann einen Tabakkonzern als Zielscheibe ausgesucht, fragt Fitch völlig zu Recht. Sicher gibt es in ihrer Vergangenheit einen Grund, warum sie sich Pynex vorgenommen haben. Doch es stellt sich als nicht so einfach heraus, in ihre Vergangenheit vorzudringen. Recherchen in New York City, Missouri und Texas gehört mit zum Aufwand, den Fitch treiben muss, um den beiden Paroli bieten zu können. Aber wird er rechtzeitig fertig sein?

Man sieht also, dass in diesem Buch ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel steckt. Leider wird es von dem langsamen und detailreichen Prozedere der Verhandlung teilweise überdeckt. Da tritt ein grotesker Experte nach dem anderen auf, und was diese Leute zu sagen haben, kann durchaus an die Nieren gehen. Wer jetzt nicht mit Qualmen aufhört, wird es nie tun. [Zustimmendes Husten vom Qualm vernebelten Lektor.]

Aber das Hörbuch macht auch Vergnügen. Nicht umsonst trägt das Buch den verblüffenden Titel „The Runaway Jury“: Die Ausreißer-Jury. Man würde erwarten, dass die gewählten Geschworenen so lange brav auf ihren Hintern sitzen bleiben, bis das letzte Schlussplädoyer verklungen ist.

Nichts dergleichen! Die Ironie der geschilderten Situationen sorgt für ein geradezu diebisches Vergnügen am Schabernack. Nicholas Easter – obwohl keineswegs der Obmann – sorgt beispielsweise dafür, dass die Jury sich ihrer Rechte ganz genau bewusst ist und dass diese durchgesetzt werden. Er weiß, es geht um Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Dollar. Einmal wagt er sogar fast, den ehrenwerten Richter Frederick Harkin aus dem Motel der Jury zu werfen. Ein andermal steht die Jury geschlossen auf und legt den öffentlichen Treueeid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten ab – der Gerichtssal ist fassungslos, die Zeitungen und TV-Sender horchen auf, die Aktienkurse geraten ins Wanken.

So ganz nebenbei demonstriert Grisham, welche zentrale Rolle die Mitglieder einer Jury spielen können. Und wie man ihre Macht missbrauchen kann. Die zwei Prozesse um O. J. Simpson haben offengelegt, wie es schieflaufen kann: So eine Art von Justiz dient nicht den Bürgern, sondern nur den Mächtigen. Und die Reihe von Sammelklagen, die zu Prozessen wie dem bei Grisham geschilderten führen, ist inzwischen in den USA ein Teil des Alltags und ein oftmals probates Mittel, Gerechtigkeit zu erlangen. Wie man dies missbrauchen kann, zeigte Grisham in seinem Roman „Die Schuld“ („The King of Torts“), den es auch im Hörbuch gibt.

Charles Brauer erledigt sein Job mal wieder einwandfrei. Er ist die „deutsche Stimme John Grishams“. Als erfahrener Schauspieler – etwa im „Tatort“ – hat er ein Gespür für das Besondere an einer Szene. Da weiß er einfach, wo die Pausen gesetzt werden müssen, so etwa in den extrem angespannten Begegnungen zwischen Rankin Fitch und der Erpresserin „Marly“. Ich kann mir keinen besseren Sprecher für die Welt, die ein Grisham-Roman zeichnet, vorstellen.

Ich habe das Hörbuch mit großem Vergnügen und angespannten Sinnen gehört, denn einige Vorgänge hinter den Kulissen machen zwar Spaß, andere sind aber auch alles andere als witzig gemeint: Fitch macht ernst, wenn es um seine Klienten geht. Aber so richtig gut wird das Buch dann am Schluss, wenn uns der Autor verrät, warum „Marly“ den Coup überhaupt durchgezogen hat und ob sie es geschafft haben, lebend davonzukommen. Das erinnerte mich zwar ein wenig an den Schluss von „Die Firma“, stellte mich aber dennoch sehr zufrieden.

Eine Schande, dass dieses gute Buch erst rund sieben Jahre nach seinem Veröffentlichungstermin 1996 (deutsch 1998) auch als Hörbuch auf den Markt kommt. Vielleicht lag es ja daran, dass es als einer der wenigen Grisham-Romane noch nicht verfilmt wurde – das soll sich ja nun ändern! Vielleicht lässt sich Ullstein noch dazu hinreißen, statt des drögen Treppenhausfotos das Filmplakat auf dem Umschlag des Hörbuchs abzudrucken. Sowas soll ja schon vorgekommen sein.

383 Minuten auf 5 CDs

http://www.randomhouse.com/features/grisham/

_Michael Matzer_ (c) 2003ff

Offenbarung 23 – Der Untergang der MS Estonia (Folge 28)

16:66 Uhr: Schwimmende Bomben in Sicht

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Am 28. September 1994 versinkt vor der finnischen Küste das Fährschiff MS Estonia. Über 800 Menschen kommen dabei um – wie viele genau, das weiß man aber nicht. Denn einige Überlebende verschwanden nach ihrer dramatischen Rettung – darunter einer der beiden Kapitäne. Der Berliner Student Georg Brand findet eine seltsame Seekarte, auf welcher der verstorbene Hacker Tron offenbar eine falsche Route der Estonia eingezeichnet hat. Georg beginnt mit eigenen Recherchen und entdeckt bald immer mehr aberwitzige Details der Katastrophe. Doch erkennt er auch die monströse Gefahr, die von dem untergegangenen Havaristen noch immer ausgeht?

Offenbarung 23 – Der Untergang der MS Estonia (Folge 28) weiterlesen

Colfer, Eoin – Artemis Fowl II – Die Verschwörung (Lesung)

Für Superhirn Artemis Fowl wird es spannend: Er muss seinen in der russischen Arktis gefangenen Vater befreien, gleichzeitig aber bei einer Revolte in der elfischen Unterwelt mitmischen, um sich die Hilfe der Elfen bei der Befreiungsaktion zu sichern.

Aus dem Booklet über den Autor: „Bis zu seinem Welterfolg mit ‚Artemis Fowl‘ arbeitete Eoin [ausgesprochen: ouen] Colfer als Lehrer. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. Seine früheren Bücher für junge Leser standen in Irland, England und den USA an der Spitze der Bestsellerlisten. Colfer lebt mit Frau und Sohn im irischen Wexford und widmet sich gegenwärtig ganz dem Schreiben.“ Kein Wunder, dass der zweite Artemis-Band schon fertig und ebenfalls als Hörbuch zu haben ist.

Der Sprecher Rufus Beck, geboren 1957, spielte im Ensemble und als Gast auf deutschsprachigen Bühnen, wurde durch Sönke Wortmanns Film „Der bewegte Mann“ populär und gilt seit seinen einmaligen Interpretationen aller vier Harry-Potter-Romane als einer der besten und engagiertesten Hörbuchsprecher.
Diese Fassung des Buches ist übrigens gekürzt, aber das macht nichts: Die Action steht im Vordergrund, und so bleibt das Zuhören stets spannend.

Artemis Fowl ist zwar erst zwölf Jahre alt, hat es aber bereits faustdick hinter den Ohren. Der ausgefuchste Computerfan trägt stets Anzug und Krawatte, wie man es an vielen britischen Schulen sehen kann. Er lebt in einem schlossartigen Anwesen, doch das hat nichts zu besagen: Die Halbwaise lebt dort nur mit ihrer geistig gestörten Mutter und ihrem Butler, der einfach nur „Butler“ heißt. Außer dem Haus ist den Fowls praktisch nichts geblieben.
Artemis – dies ist der griechische Name der Göttin der Jagd, die unter dem Namen Diana eine gewisse Popularität erlangte – ist entschlossen, das kärgliche Vermögen seiner kriminell veranlagten Familie aufzubessern und die Ehre der Fowls zu retten. Diesmal macht er sich auf die Suche nach seinem verschollenen Vater.

Paps wurde von Angehörigen der russischen Mafia ins eisige Murmansk entführt, um von seinem Sohn Lösegeld zu erpressen. Auf Umwegen findet Artemis heraus, dass nicht nur Menschen dahinter stecken: Auch die üblen Kobolde haben ihre Finger in diesem schmutzigen Geschäft.

Doch leider haben Artemis und Butler keine Chance, Paps aus dem schwerbewachten U-Boot, das sein Gefängnis bildet, herauszuhauen. Da wird ihnen Hilfe in Form einer Unterirdischen zuteil: Die Elfenpolizistin von der ZUP, die ihnen schon im ersten Abenteuer in die Hände gefallen, wäre bereit, ihnen zu helfen, doch beruht dieses Angebot auf Gegenseitigkeit: Die Polizistin ist einer von den Kobolden gesteuerten Revolte in der Unterwelt auf der Spur.

Wenn Artemis den Elfen und der ZUP hilft, die Revolte zu stoppen, hat er noch eine Chance, seinen Vater vor Ablauf des Ultimatums der Erpresser zu befreien. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die knapp skizzierte Geschichte ist natürlich auf die Erwartungen und Fähigkeiten von jungen Zuhörern zugeschnitten. Ich schätze mal, das ideale Alter entspricht dem des Helden: 12 Jahre. Die Sätze sind recht einfach gehalten, ebenso die Kennzeichnung der Figuren.

Berücksichtigt man diese Zielgruppe, so ist bei näherer Betrachtung die Komplexität der Geschichte recht erstaunlich. Zum einen gibt es zwei Handlungsstränge: Murmansk und die Unterwelt. Doch in der Unterwelt spaltet sich die Perspektive bzw. wechselt hin und her: zwischen der Partei der ZUP, der Artemis hilft; und der Gegenseite, die der Zuhörer erst neu kennen lernen muss.

Hinzukommt der Umstand, dass an allen Ecken und Enden irgendwelche Kobolde mit ihren Spezialgewehren auftauchen und auf die Helden feuern. All diese Figuren auseinanderzuhalten und miteinander in Beziehung zu setzen, ist sicher keine geringe Leistung, die den jungen Zuhörern abverlangt wird.

Rufus Beck schafft es wieder, jeder Figur ihre indivduelle Stimme zu verleihen, sei es ein Zentaur, der bei jedem Satz wiehert, oder ein Erde fressender Zwerg mit dem schönen Vornamen Mulch. Die besten Stimmen haben der ZUP-Commander, der am liebsten Befehle brüllt, und seine Kollegin, die ZUP-Elfe. Diesmal kommen auch die Rädelsführer der Revolte hinzu.

Durch die stimmliche Charakterisierung fällt es leicht, die Figuren auseinanderzuhalten, selbst wenn man sich ihre Namen nicht merken kann. Und diese Charakterisierung trägt wesentlich dazu bei, aus dem Roman ein Hörspiel mit verteilten Rollen zu machen, das an Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt.

Auch dieses Artemis-Abenteuer ist reichlich kriegerisch und von Kampf und Mühe geprägt. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls die gekürzte Fassung, die das Hörbuch auf Action trimmt. Für so schöngeistige Dinge wie einen Kaffeeplausch bleibt da natürlich keine Zeit mehr. Mir selbst ist das schon zu martialisch. Und ich frage mich, wie dies auf einen Zwölfjährigen wirkt.

Wie immer macht Rufus Beck seinen Job ausgezeichnet: Es ist eine Freude, ihm und seiner Stimmkunst zuzuhören.

Insgesamt ist also auch dieses Hörbuch zu empfehlen, doch sollte der- oder diejenige, der/die es verschenkt, beachten, dass es in dieser Geschichte keineswegs friedlich zugeht, sondern genauso gewalttätig wie in der Welt der Erwachsenen.

283 Minuten auf 4 CDs
Aus dem Englischen übersetzt von Claudia Feldmann.
Homepage der Serie: http://www.artemis-fowl.de/

_Michael Matzer_ (c) 2003ff

Perry Rhodan – Grenze im Nichts (Silber Edition 108)

Die Handlung:

Das Jahr 3587 nach Christus hat begonnen.
Mit dem Fernraumschiff BASIS sind Perry Rhodan und seine Gefährten in der fernen Galaxis Tschuschik unterwegs, Millionen Lichtjahre von der Heimat entfernt.
Sie schaffen es, die Bedrohung abzuwehren, die von dem riesigen Sporenschiff Pan-Thau-Ra ausgeht. Aber schon wartet das nächste Ziel auf sie: Perry Rhodan sucht die uralten Kosmischen Burgen und die Materiequelle, über die unbegreifliche Mächte auf den Kosmos einwirken.
Die Loower, die sogenannten Trümmerleute, halten weiterhin das Solsystem besetzt. Ihr Quellmeister ist während seiner Suche nach der Materiequelle im Bereich der Kosmischen Burgen verschollen. Ein Spezialroboter trifft Vorbereitungen für eine Rettungsmission.
Noch kennen beide Seiten die Zusammenhänge nicht. Aber Perry Rhodan, der Arkonide Atlan und der Quellmeister müssen bereits um ihr Überleben kämpfen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Mit den UFOs, die Kinder entführen, hatten wir schon in der letzten Silberlesung zu tun, diesmal gehts anfangs weiter damit, bleibt aber dabei und wir hören nix mehr davon. Das fand ich schade.

Perry Rhodan – Grenze im Nichts (Silber Edition 108) weiterlesen

Hohlbein, Wolfgang / Lüftner, Kai – Kevin von Locksley

_Kampf gegen Sheriff und Zauberer_

Mittelalter in England. Eines Tages taucht ein seltsamer junger Mann in den Wäldern um Nottingham auf. Er nennt sich Kevin von Locksley und behauptet, der leibhaftige Halbbruder des legendären Robin Hood zu sein. Niemand glaubt ihm, doch Kevin kann seine Behauptung mit Brief und Siegel belegen – und er weiß etwas, was sonst niemand im Lande weiß: Der tapfere König Richard Löwenherz soll Opfer einer großen Verschwörung werden. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab zehn Jahren.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, hat sich seit Anfang der Achtzigerjahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden (Auflage: 35 Millionen Bücher laut |Focus| 40/2006). Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

|Wolfgang Hohlbein auf Buchwurm.info| (Auswahl):

[„Anubis“ 2826
[„Horus“ 4079
[„Das Paulus-Evangelium“ 2630
[„Das Paulus-Evangelium“ 4007 (Hörbuch)
[„Von Hexen und Drachen. Das große Wolfgang-Hohlbein-Buch“ 3470
[„Das Blut der Templer“ 3235
[„Fluch der Karibik 2 – Dead Man’s Chest“ 2717
[„Die Zauberin von Märchenmond“ 2053
[„Märchenmond“ 1882
[„Hagen von Tronje“ 1860 (Hörbuch)
[„Feuer“ 816
[„Dunkel“ 552 (Hörbuch)
[„Dunkel“ 69
[„Der Hexer von Salem“ 249
[„Die Spur des Hexers“ 4081 (Der Hexer von Salem 1)
[„Der Seelenfresser“ 4141 (Der Hexer von Salem 2)
[„Engel des Bösen“ 4206 (Der Hexer von Salem 3)
[„Der achtarmige Tod“ 4353 (Der Hexer von Salem 4)
[„Intruder“ 144 (Hörbuch)

_Der Sprecher_

Timmo Niesner begann bereits im Teenageralter beim Fernsehen. Es folgten viele weitere TV-Rollen. Er ist die deutsche Synchronstimme von Elijah Wood, des Frodo in Peter Jacksons Verfilmung von „Der Herr der Ringe“, und vielen weiteren Schauspielern. (abgewandelte Verlagsinfo)

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um die inszenierte Lesung der bearbeiteten (= gekürzten) Textfassung. Für Redaktion und Regie zeichnete Kai Lüftner verantwortlich, die Musik trugen Andy Matern, Dicky Hank und Dennis Kassel bei. Hank und Kassel besorgten auch die Inszenierung. Die Aufnahme leitete Lars Ullrich.

_Handlung_

Kevin schleicht mit seinem Freund Arnulf, dem Wikinger, und vier weiteren Gefährten durch den Sherwood Forest. Man schreib das Jahr 1190, und König Richard Löwenherz befindet sich auf dem Kreuzzug im Heiligen Land. Seit seiner Abreise sind die Zeiten unsicher geworden, und Kevin ist nur ein ungebildeter Bauernjunge aus der nordirischen Grafschaft Ulster. Der Fünfzehnjährige und seine Freunde sind lieber vorsichtig, denn sie haben die Spuren von acht Pferden gefunden. Doch wo sind die Reiter? Auf einer Lichtung rasten sie und Kevin ergreift die Gelegenheit, an einem Bach zu trinken. Dort findet er im Wasser eine goldene Münze. Arnulf meint, sie wurde offenbar von den Reitern verloren, die zuvor hier durchkamen.

Wenig später stoßen sie vorsichtig auf einen Trupp von Männern, die offensichtlich auf etwas warten. Sie sehen aus wie die rebellischen Waldbewohner und Räuber, vor denen sie der letzte Bauer gewarnt hat. Sie liegen allem Anschein in einem Hinterhalt. Sie haben es auf die Reiter abgesehen, die nun in sich Sicht kommen. Der vorderste Reiter trägt das gleiche Wappen, einen Greifen, das auch Kevin als seines anerkennt: das seines Vaters, des Earl of Locksley!

Arnulf brüllt los, um die Reiter zu warnen, und schon geht der Kampf los. Kevin, der ungeübte Schwertkämpfer, macht dabei keine sonderlich gute Figur. Arnulf muss ihm das Leben retten. Der Reiter mit dem Greifenwappen ist Robin von Locksley, und als er hört, dass Kevin sein Halbbruder aus Ulster sein soll, lach er erst einmal. Dann lädt er alle auf Locksley Castle ein. Die Burg ist heruntergekommen, die Mauern werden ausgebessert. Als Kevin ihm jenen Brief zeigt, der seine Abstammung beglaubigen soll, wischt Robin auch diesen beiseite. Doch er glaubt schließlich Arnulf, der schwört, dass Kevin tatsächlich der uneheliche Sohn des Grafen sei. Die Mutter, eine Bäuerin aus Ulster, die den verletzten Grafen und Arnulf gesundpflegte, ist vor einem Jahr gestorben.

Nachdem dies geregelt ist, hofft Kevin auf die Öffnung der Pforten des Paradieses, doch was er bekommt, sind nur eine zugige Kammer und jede Menge Arbeit. Drei Tage später nähern sich zehn Reiter der Burg. Es ist Guy von Gisborne, der junge und ziemlich hochnäsige Neffe des Sheriffs von Nottingham. Der Reiter neben ihm ist ein dunkelhäutiger Maure, und Robin nennt ihn einen Hexenmeister, obwohl er selbst nicht an Zauberei glaubt. Guy überbringt eine Einladung, die eine Beleidigung beinhaltet: Der Sheriff will seine Verlobung mit Lady Marian aus Darwin verkünden, doch Lady Marian ist bereits Robin versprochen, den sie innig liebt. Aber Marian ist die Kusine des Königs und benötigt zur Heirat dessen Erlaubnis.

Am Abend eilt Robin allein zu Marian, und Kevin macht sich Sorgen um seinen Bruder. Nach einem warnenden Traum macht er sich auf eine verrückte Suche. Doch natürlich verirrt er sich im Handumdrehen im nächtlichen Sherwood Forest. Zufällig stößt er auf den maurischen „Hexenmeister“ und stutzt. Wie seltsam – der Mann scheint mit rotäugigen Wölfen zu sprechen, und als der Mann ihn entdeckt, glühen auch seine Augen rot! Nur das Eingreifen unbekannter Männer rettet Kevin vor drei Wölfen, die der Maure auf ihn hetzt.

Der Anführer der Männer ist ein wahrer Riese, doch er trägt den Spitznamen „Little“ John, und seine Waffe ist ein riesiger Knüppel. Kevins Schutzlügen werden sofort entlarvt, als Johns Gefährte Will sagt, dass er Kevin auf Burg Locksley gesehen habe. Das gibt Kevin zu, und obendrein sagt er aus Trotz, er habe ja sogar ihren Hinterhalt gegen Robin, seinen Bruder, vereitelt. Die Waldbewohner reagieren verwundert. In ihrem Dorf aus Laubhütten bereden sie die Sache weiter. Sie wissen von keinem Hinterhalt. Will ihnen jemand ein Verbrechen in die Schuhe schieben? Little John hasst den Sheriff, der ihm und seinen Gefährten das Land gestohlen hat. Während Robin ihn ab und zu jagen lässt, sind Gisbornes Männer ständig hinter den Waldbewohnern her.

Nach seiner Rückkehr in die Burg erzählt Kevin von seinen Erlebnissen. Da stürzt ein Bediensteter mit der Nachricht herein, dass Guy von Gisborne Jagd auf einen der Rebellen aus dem Wald mache. Robin reitet mit Kevin, Arnulf und einigen Bewaffneten los, um den Neffen des Sheriffs von seinem Land zu vertreiben. Das Aufeinandertreffen zeitigt jedoch verhängnisvolle Folgen. Robin wird vor Gericht zitiert …

_Mein Eindruck_

An der Heldenlegende des Robin Hood haben etliche Autoren mitgeschrieben, und heute kennt jedes Kind Robin Hood. Erste Erwähnung des wohltätigen Rächers findet sich bereits in Texten des 14. Jahrhunderts. Demnach versteckte sich der entrechtete ehemalige Bauer im ausgedehnten Sherwood Forest, nachdem ihm der Sheriff von Nottingham sein Land gestohlen hatte. Robin wurde zum Geächteten und sann auf Rache. Zum adligen Erben von Locksley wurde er erst später, und dann erst war er auf einer sozialen Ebene, um Lady Marian den Hof zu machen.

Wer den Kevin-Costner-Film kennt, der kennt auch die Handlung ungefähr, so etwa die Entführung Lady Marians durch den Sheriff. Nur dass bei Hohlbein ein paar Dinge verdreht werden, und zwar deshalb, weil es hier erst durch die geschilderten Auseinandersetzungen dazu kommt, dass Robin von Locksley zu Robin Hood wird. Und Robin hat keineswegs einen Sarazenen als Begleiter, sondern einen solchen als Widersacher.

Wer jetzt einen historischen Actionroman erwartet, der liegt nicht ganz verkehrt, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Wie so oft bei Hohlbein muss noch irgendein magischer Aspekt hinzukommen, damit sich das Buch auch als Fantasy verkaufen lässt. Dieses Element bringt der Schwarzmagier Hassan ein. Allein schon die Szene, in der er mit Wölfen spricht, stellt Kevin die Nackenhaare auf. Später wird es noch viel gruseliger.

Die Ironie der Erzählung will es, dass nicht Hassan für den Urheber der Magie gehalten wird, sondern Kevin. Der weiß zunächst nicht, wieso die Leute vor ihm angstvoll zurückweichen. Sie ahnen nur, dass ein namenloses Grauen sie erfüllt, als ob der Leibhaftige unter ihnen wandeln würde. Folgerichtig wird Kevin als Schwarzmagier und Satansjünger von eben jenem heuchlerischen Sheriff angeklagt, der sich der Dienste eines Hexers bedient. (Man erinnere sich an das gleiche Motiv im Film mit Costner.)

Später gelingt es Kevin in einem kühnen Schachzug, diese Angst vor seiner Magie gegen den Feind einzusetzen, aber die Sache hat einen Haken: Angst wirkt nach beiden Seiten, also auch auf die Freunde. Erst nach vielen Erklärungen und den Appellen Robins zur Vernunft lassen sich die einfachen Bauern und Waldläufer Little Johns beruhigen. Aber wer weiß schon, was von dem jungen Kevin noch zu erwarten ist …

_Die Inszenierung_

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine inszenierte Lesung, wie sie in dieser |Wellenreiter|-Reihe öfters auftaucht. Das ist für ein junges Publikum einfach unterhaltsamer als eine pure Textlesung.

|Der Sprecher|

Der Sprecher erzählt alle Vorgänge aus dem Blickwinkel der Hauptfigur Kevin. Da dieser ein 15-jähriger Junge ist, wirkt die jugendliche Stimmlage des Sprechers sehr passend. Und dies ist die deutsche Stimme Elijah „Frodo“ Woods, dürfte also jedem vertraut sein, der Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung gesehen hat (und das waren ja nicht wenige). Doch Kevin ist kein zweiter Frodo, sondern ein junger Mann, der auf Kämpfe brennt, um seinen König, den geliebten Richard Löwenherz, zu schützen. Allein bei dessen Namen ist Kevin begeistert, umso mehr, als Robin der Freund des Königs zu sein scheint.

Aber Kevin lernt auch die Liebe kennen, in Gestalt von Lady Marians Zofe Susan. Hilflos stammelt angesichts der betörenden jungen Frau, die ihm das Hirn verknotet. Aber auch Marian hat es faustdick hinter den Ohren, und mit wiederholtem Flüstern verhilft sie dem vom Sheriff eingekerkerten Kevin zur Freiheit.

Die Schurken haben entweder sehr verschlagene Stimmen wie Guy von Gisborne oder sehr autoritäre wie etwa der Sheriff. Dieser verpackt seine Grausamkeit mitunter hinter huldvoller Aufmerksamkeit. Arnuld und Little John treten mit tiefen Stimmen auf, wie es sich für große, gestandene Männer vom Wikingerformat geziemt. Leider spricht der Maure Hassan fast nie, und wenn, dann mit einem schweren orientalischen Akzent, der wohl andeuten soll, dass er Maure ist (nicht notwendigerweise Araber, denn Mauren gab es auch in Spanien).

|Musik und Geräusche|

Schon beim ersten Kampf hören wir Schwerter klirren, aber so gedämpft im Hintergrund, dass der Vortrag im Vordergrund nicht überdeckt oder gestört wird. Auf Burg Locksley beispielsweise sind zudem Stimmen, Pferdehufe, Hämmern und viele andere Geräusche zu hören, aber ebenfalls gedämpft im Hintergrund. Dieses Gestaltungsprinzip gilt für alle Geräusche, insbesondere für die Massenszenen und die Kämpfe. Man darf sich also keinen Film-Sound darunter vorstellen.

Die Musik tut ebenfalls nichts, um auf sich aufmerksam zu machen, sondern beeinflusst die Gefühle des Zuhörers unterschwellig. So unterstreichen beispielsweise majestätische Akkorde das Thema der Herrschaft, als Kevin erstmals Locksley Castle betritt.

Ein wiederkehrendes Musikmotiv ist mehr ein sehr tiefer Sound: Mit diesem Klang wird immer wieder der Auftritt des maurischen Hexers Hassan verknüpft, so dass der dadurch konditionierte Zuhörer schon ohne Namen weiß, wer nun gleich auftritt. Um anzuzeigen, dass die Magie des Hexers auf die Menschen wirkt, hat die Tonregie einen undefinierbaren Sound eingesetzt, der sowohl das Element des Unheimlichen wie auch des Mystischen in sich vereint.

|Das Booklet|

Das Booklet listet zunächst die Mitarbeiter an dieser Produktion auf, beschreibt dann aber kurz die Legende des Robin Hood. Schließlich stellt der Text Hohlbeins Fortschreibung der Legende mit Robins Halbbruder Kevin vor. Auf der letzten Seite kündigt der Verlag die Fortsetzung an, „Kevins Reise“, die ebenfalls von Timmo Niesner gelesen wird. Sie soll im Juni 2008 erscheinen.

_Unterm Strich_

Der Roman erzählt die Vorgeschichte, wie es dazu kam, dass aus Robin von Locksley, dem rechtmäßigen Erben und Freund des Königs, ein Geächteter und Rebell im Sherwood Forest wurde. Diese Wandlung erlebt sein frei erfundener Halbbruder Kevin mit, der zwar nicht auf den Kopf gefallen ist, aber als Bauerntrampel noch einiges über die Wege der Welt lernen muss – und wo bei einem Schwert vorne ist.

Dass Kevin auch die Freuden und Qualen der Liebe kennenlernt, gehört natürlich zu den Abenteuern eines 15-Jährigen hinzu. Und als man jemanden braucht, um König Richard Löwenherz vor dem Mordkomplott des Sheriffs zu warnen, auf wen fällt da die Wahl? Erraten. Diese Geschehnisse werden in der Fortsetzung „Kevins Reise“ erzählt, die im Juni 2008 als Hörbuch folgt.

Der Sprecher trägt einen großen Teil dazu bei, dass die ungewöhnlich actionreiche Handlung wirklich Spaß macht und den Hörer mit Action, Magie und Humor unterhält. Die Musik und die Geräusche stören seinen Vortrag nicht, sondern unterstützen die Emotionalität der Szenen und vermitteln mit gedämpften Hintergrundgeräuschen einen realistischeren Eindruck. Das werden vor allem junge Hörer unterhaltsamer finden als einen puren Vortrag.

Leider hat dieser Aufwand – und vielleicht auch der Autor – auch einen Preis, und für die zwei CDs muss man knapp 15 Euro hinblättern. Aber es lohnt sich.

Fazit: Volltreffer.

|Originalveröffentlichung 1994
145 Minuten auf 2 CDs|
http://www.wellenreiter.la
http://www.luebbe-audio.de

Hohlbein, Wolfgang – Als der Meister starb

Man schreibt das Jahr 1883. Vor der Küste Schottlands zerschellt der Viermastsegler „Lady of the Mist“ auf den tückischen Riffen. Okkulte Kräfte haben ihn angegriffen. Nur wenige Menschen überleben die Katastrophe und schlagen sich landeinwärts durch. Unter ihnen befindet sich ein Mann, der die Schuld an dem Unglück trägt. Ein Mann, der gejagt wird von uralten, finsteren Göttern, aber auch von Zauberern, denen er zu entkommen suchte: Roderick Andara, den man den „Hexer“ nennt. (Verlagsinfo)

Der Autor

Wolfgang Hohlbein hat sich seit Anfang der achtziger Jahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden. Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

Der Sprecher

Jürgen Hoppe, 1938 in Görlitz geboren, ist Rundfunk- und Fernsehjournalist sowie Sprecher, Autor, Moderator und Korrespondent verschiedener Sendeanstalten. Sein facettenreiches Talent stellte er bei der Interpretation unterschiedlichster Texte unter Beweis. (Verlagsinformation)

Der Sprecher des Prologs ist Dirk Vogeley. Der Gesang stammt von Andreas Grundmann („My father’s son“), Steve Whalley („The age of damnation“) und Elizabeth Eaton („Sopran auf „Lady of the Mist“). Die Verlagsinfo nennt zehn Mitglieder der Band, die Beiträge zur Musik lieferte.

Der Autor Howard Phillips Lovecraft und sein Cthulhu-Mythos

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.

PROLOG

Eine ernste Stimme (Dirk Vogeley) klärt den Hörer darüber auf, was es mit den Großen Alten auf sich hat und dass mit ihnen grundsätzlich nicht gut Kirschen essen ist. Vor zehntausenden von Jahren beherrschten sie die Erde, doch ihre Sklaven rebellierten. Die Großen Alten siegten doch unter Opfern, denn sie weckten die Älteren Götter, die sie bekriegten. Die Älteren Göttern verbannten die Großen Alten in die finstersten und ungemütlichsten Ecken des Universums, einer jedoch schlummert in der Tiefe der Ozeane im vergessenen R’lyeh: Cthulhu!

„Das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass der Tod die Zeit besiegt.“

Handlung

Der Viermastsegler „Lady of the Mist“ hat den Hafen von New York vor 34 Tagen verlassen. Sein Kurs zeigt Richtung London, momentan muss er Schottlands Westküste passieren. Man schreibt das Jahr 1883, aber die „Lady“ befindet sich in einer Flaute und ist von dichtem Nebel umgeben. Es könnte genauso gut das Jahr 10.000 vor Christus sein.

Das findet jedenfalls Robert Craven, der sich auf seiner ersten Auslandsreise befindet. Er ist seinem Mentor und Dienstherrn Randolph Montague gefolgt, der krank in seiner Kajüte liegt. Robert, 24 Jahre jung, äußerst seine nervöse Furcht nur gegenüber Kapitän Bannermann, einem aufrechten Seebären. Er meint, den Fangarm eines Kraken an der Reling gesehen zu haben. Auch Montague ist der Nebel nicht geheuer und er bittet Bannerman eindringlich, das Schiff irgendwie von hier wegzubringen.

Zu spät! Der Fangarm eines Monsters hat die Reling durchbrochen und sich einen Matrosen geschnappt. Montague wappnet sich und seinen Diener Robert mit Medaillons, in die jeweils ein roter Stein eingelassen ist. Montague erscheint kraftvoller, mächtiger. Es sieht nicht nur wie Zauberei aus – das ist es auch! Er gibt sich als Roderick Andara zu erkennen, den man auch als „Hexer“ kennt oder vielmehr verflucht. Und auch Robert hat die „Gabe“ …

Andara vertreibt den Nebel, Wind kommt auf, da explodiert das Meer förmlich und eine Riesenwelle trifft die „Lady“ mittschiffs, dass die Takelage wackelt. Tentakel mit gefräßigen Mäulern schlängeln sich an Deck und schnappen sich ihre Lieblingsbeute: Matrosen. Ihr Blut wirkt wie Säure und verätzt die Haut. Andara errichtet einen Schutzbann, um das Ungeheuer zurückzuzwingen.

Er erklärt Robert, was das für ein Wesen ist: ein Killer, herbeigerufen von seinen Verfolgern, um Andara zu töten. Er gibt Robert die Chronik von Jerusalem’s Lot, die unter anderem die Hexenverfolgung und -prozesse in Salem, Massachusetts, zum Thema hat. Damals wurden Hexer beiderlei Geschlechts vertrieben, darunter auch Andaras Ahnen. Doch 1863 gab es ein neues Pogrom, dem scheinbar nur Andara selbst entkommen konnte. Nun muss Andara erkennen, dass weitere Hexer überlebt haben und ihn für seinen Verrat bestrafen wollen.

Sie haben Yog-Sothoth beschworen, einen der Großen Alten. Und dieses Ungeheuer treibt den stolzen Segler direkt auf die tückischen Klippen an der Küste zu …

Nach dem Untergang des Schiffs und dem Tod Andaras begeben sich Robert, der nach London muss, und wenige anderen Überlebende unter Kapitän Bannermans Führung in das nächstgelegene Dorf Goldsby. Es liegt idyllisch am Loch Sheen, umgeben von Schafweiden. Sie ahnen nicht, dass sie vom Regen in die Traufe gekommen sind. Und der erste Mensch, den sie antreffen, ist offensichtlich ein Verrückter: Er nennt sie Mörder …

Mein Eindruck

Der Roman trägt eigentlich den falschen Titel. (Dieser ist zudem negativ besetzt, so dass er nicht gerade zum Buchkauf einlädt.) Während nämlich der alte Meister, eben Roderick Andara, stirbt, entsteht praktisch vor unseren Augen der neue Meister Robert Craven, Andaras leiblicher Sohn und sein geistiger Schüler: der neue „Hexer“. Und so wie Andara Lovecrafts Schüler war, so geht auch Craven zu Lovecraft, um eine Ausbildung als Magier zu erhalten und das geistige Erbe seines Vaters – v. a. die riesige okkulte Bibliothek – anzutreten.

Doch dieses Erbe ist nicht eitel Sonnenschein, sondern mit der Gabe seines Vaters übernimmt er auch die Feindschaft von dessen Verfolgern, den Hexern von Salem. Wie schon im schottischen Goldsby attackieren sie Craven auch in London, wo sie ihn in einem dramatischen Showdown dem Monster vom Loch Sheen opfern wollen. Da sind sie aber an den Falschen geraten!

ACHTUNG, SPOILER!

Dieses Monster ist wirklich eine lustige Erfindung. Angelehnt an die Sage von Nessie, dem Monster von Loch Ness, handelt es sich um einen Saurier aus der Urzeit. Das Viech kann nicht nur gut schwimmen – es legt die Strecke Schottland – London in sieben Wochen zurück. Es hat auch ein prachtvolles Gebiss mit den Beißerchen eines Tyrannosaurus Rex. Und natürlich hat es einen riesigen Appetit auf frisches Magierfleisch mitgebracht. Leider hat es bei seinem Angriff auf Craven nicht das tonnenschwere Gewicht von Kirchenglocken berücksichtigt …

SPOILER ENDE

Ja ja, es ist schon ein Kreuz mit den Monstern: Wenn man sie zu deutlich zeigt, wirken sie allzu leicht lächerlich. Auch der Große Alte namens Yog-Sothoth kommt uns daher etwas spanisch vor, obwohl er sich doch mit seiner körperlichen Erscheinung ziemlich zurückhält. Das hindert uns aber nicht daran, ihn für einen besonders bösartigen Riesenkraken zu halten. Diese Verkörperung würde eigentlich viel eher zu Cthulhu, dem Bewohner der Tiefsee, passen. Dass der Torwächter Yog-Sothoth sich zu niederen Killerdiensten hergibt, dürfte sicherlich der dichterischen Freiheit des Autors zu verdanken sein.

Zauberin gut, alles gut?

Richtig gut hat mir hingegen Priscilla gefallen. Die schöne, junge Frau, die Bannermann & Craven in Goldsby zur Flucht verhilft, betört den jungen Magier mit ihrer Schönheit und Hilfsbedürftigkeit. Die bösen, bösen Hexer von Salem dürfen sie nicht bekommen, so viel ist schon mal klar. Und welchen schöneren Augenblick könnte es für Robert geben, als dass sie ihre lästigen Klamotten von sich schmeißt und sich ihm in aller nackten Pracht darbietet?

Die Sache hat nur einen winzigen Haken: Sie ist in Wahrheit weder jung noch eine Unschuld vom Lande. Und erweist sich also ein besonders perfider Köder, um Robert in die Hände seiner Gegner zu treiben. Priscillas Verwandlung hat ziemlich hohes Gruselpotenzial.

Der Sprecher

Der Endsechziger Jürgen Hoppe verfügt immer noch über eine durchaus kräftige Stimme, die er wirkungsvoll einzusetzen weiß. Zwar ist seine Modulationsfähigkeit nicht so ausgeprägt wie etwa bei Kerzel und Pigulla, doch die Kraft seines Ausdrucks trägt besonders bei dramatischen Stoffen zur Wirkung der Geschichte bei. Ein Horrorstoff wie „Als der Meister starb“ mit seinen zahlreichen dramatischen Konfrontationen bietet sich hierfür geradezu an.

Hoppe evoziert das Grauen nicht nur bei den Angriffen der diversen Monster, sondern auch bei entsprechenden psychologischen Regungen des Grauens, so etwa wenn sich Cravens geliebte Priscilla nicht als das entpuppt, was sie zu sein scheint. Wesentlich einfacher ist der Effekt, wenn der Hausdiener von Howard Phillips Lovecraft sich durch sein besonders tiefes Sprechorgan auszeichnet, um bedrohlich zu erscheinen. Der Hörer merkt gleich: Mit diesem Gorilla – er heißt übrigens Rolf – ist nicht gut Kirschen essen.

Die Musik

Das Hörbuch weist einen erstaunlich hohen Gehalt an Musik auf. Schon der Prolog weist Hintergrundmusik auf, dann folgt in der Pause ein längeres Stück professionell produzierten Mystic- oder Gothic-Rocks. Später folgen auch Songs, gesungen von Steve Whalley und Andreas Grundmann (s. o.). Diese Musik stammt von |ANDARA Project|, und für die Kompositionen und die englischen Songtexte zeichnet laut Verlagsinfo der Ton-Regisseur Albert Böhne verantwortlich, der auch den Text des Hörbuchs bearbeitet hat. In Personalunion ist Böhne somit der Meister aller Klassen.

Über die Qualität von Songtexten auf Hörbüchern kann man sich streiten, so etwa über Kunzes Stück „Der weiße Rabe“ auf den Poe-Hörspielen Lübbes. Bei Böhnes englischen Texten ist jedenfalls weitaus weniger zu verstehen, worum es geht. Das liegt aber nicht an der Aufnahmequalität, sondern vielmehr an der leisen Wiedergabe auf meiner Stereoanlage. Ich empfand ansonsten die Hintergrundmusik nicht als aufdringlich oder gar störend, sondern vielmehr passend.

Allerdings fragt sich manchmal der Hörer, warum er die Musikstücke mitbezahlen soll, die doch einen nicht unbeträchtlichen Teil der Laufzeit ausmachen – geschätzt etwa 20 Minuten Pausenmusik und Abspann. Immerhin teilen die Songs den langen Text deutlich auf.

Unterm Strich

„Als der Meister starb“ richtet sich von seiner begrenzten Originalität und seinem einfachen Stil her an ein junges Publikum, das wohl vor allem männlich sein dürfte – warum sonst sollte es eine junge schöne Hexe erotisch finden? Pubertierende Jungs dürften sich auch wesentlich leichter mit dem jungen, angehenden Magier Robert Craven identifizieren, der von seinem bislang unbekannten Vater in die okkulten Künste eingeweiht wird. Dass er sein Können an der Seite weiterer Magier auf die Probe stellen darf, ist nur folgerichtig. Ob er die Prüfung besteht, soll hier nicht verraten werden.

Der Sprecher Jürgen Hoppe macht im Zusammenspiel mit der Band |ANDARA Project| das Hörbuch beinahe zu einem Hörspiel, so spannend und eindrucksvoll sind die Szenen dargestellt. Wer also keinen hohen Ansprüche an Horrorliteratur stellt, wird mit diesem Hörbuch gut unterhalten werden.

221 Minuten auf 3 CDs
Originalfassung: „Gespenster-Krimi“ Band 567; 1983
Hörspielfassung 2004 unter der ISBN 3-7857-1409-2

www.luebbeaudio.de

Maeve Binchy – Wiedersehen bei Brenda (Lesung)

Dubliner Geschichten

Das Quentins ist in Dublin eine Institution. Hier isst man nicht nur gut, hier trifft man sich, wenn man ungestört sein will, und fühlt sich unter den liebevollen Blicken der Besitzer Patrick und Brenda Brennan gut aufgehoben.
Jedes Mitglied des Personals hat seine eigene Geschichte zu erzählen und kann von Zeiten berichten, in denen es dem Quentins gar nicht so glänzend ging – und von anderen, in denen der Ruhm des Restaurants die Stadtgrenzen
weit überschritt.

Die junge Ella Brady bekommt den Auftrag, einen Dokumentarfilm über diese Dubliner Institution zu machen, und lernt dabei Menschen kennen, die ihr unvergesslich bleiben werden: Monica, die stets fröhliche australische Kellnerin, und Blouse, Patricks Bruder, hinter dessen scheinbarer Schlichtheit sich ein wacher Geist und ein Herz aus Gold verbergen. Und Ella begegnet Menschen, die dem Leser aus früheren Binchy Romanen wohlvertraut sind:
die vorwitzigen Zwillinge aus Cathys Traum oder die Signora aus der Irischen Signora. Am Ende stellt sich Ella die Frage, ob es wirklich so eine gute Idee ist, die Geschichten aus dem Quentins zu verfilmen. Denn manche Geschichten
bleiben eben besser unerzählt … (Verlagsinfo)
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TKKG junior – Die Dino-Diebe (Folge 5)

Die Handlung:

Eine Saurier-Ausstellung in der Millionenstadt – die wollen TKKG natürlich nicht verpassen! Doch bei ihrem Besuch im Museum fehlen plötzlich ein paar der wertvollen Dino-Knochen. Als am Tag darauf weitere Teile des Saurier-Skeletts spurlos verschwinden, sind sich alle einig: Sie haben es mit einem Dino-Dieb zu tun. Um den Täter auf frischer Tat zu ertappen, schmieden TKKG einen riskanten Plan. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das berühmte Gemälde im Auftrag geklaut werden, das ist bekannt … gibts auch einen Kreis betuchter Interessenten, die Dino-Knochen sammeln und sich ins Privatmuseum legen wollen? Beim nochmaligen Nachdenken … warum sollte es die eigentlich nicht geben? Ok, dann ermitteln wir mal, ob das hier auch so ist. Ab ins Museum und nachgeschaut.

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