Lange mussten die Bewohner von Thesa in Furcht vor der Dunkelheit leben. Erst seit sich der Tätowierte Mann den nächtlichen Dämonen mit magischen Siegeln entgegenstellt, hegen sie wieder Hoffnungen. Mehr noch: Sie folgen ihrem Erlöser voll Zuversicht in den Kampf. Doch aus dem Süden rückt ein Heer nach Thesa vor, das an seinen eigenen Erlöser glaubt. Haben die Thesaner nun einen neuen Feind? Und wer wird der wahre Erlöser sein?
Auch der zweite Teil der spannenden Trilogie erzählt von einer Welt voll Mystik und fantastischer Gestalten. Sprecher Jürgen Holdorf entwickelt mit nuancenreicher Stimme ein schaurig-schönes Panorama finsterer Dämonen und mutiger Helden.
Nach einer gefährlichen Expedition kehrt Perry Rhodan zur Erde zurück. Er trifft auf eine veränderte Welt: Die meisten Menschen haben ihre Gefühle verloren, die Gesellschaft ist kalt und brutal. Auch auf den Welten des Sonnensystems herrscht die Aphilie. Nur der Mars ist zur Gefängniswelt für jene Immunen geworden, die noch Gefühle haben.
Die Lage scheint aussichtslos, aber Rhodan gibt nicht auf. Sein Ziel ist, die Menschen zu befreien. Dabei setzt er auf die wenigen Immunen, die sich auf der Erde verbergen und Widerstand leisten.
Doch wie besiegt man das Licht der Vernunft, den mysteriösen Anführer der Aphilie? Und wie kann der Kampf um die Herzen der Menschen gelingen? Rhodan erkennt, dass die Aphilie zu einem großen Plan gehört, der Zeit und Raum umspinnt … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
APHILIE ist eine Gaststaffel, die von Kai Hirdt konzipiert wurde. Los gehts auf einer gefühlskalten Erde und einem verwirrten, relativ unsterblichen Perry, der erst mal verstehen muss, was überhaupt los ist. Warum das los ist und wie er das wieder los wird, das gilt es in den folgenden Lesungen herauszufinden. Gefühlsecht und dramatisch erzählt, starten wir bedrückt in die neue NEO-Staffel.
Der englische Geisterseher Aylmer Vance und sein treuer Freund Dexter, ein medial begabter Prozessanwalt aus London, sind in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg so etwas wie das Detektivgespann Sherlock Holmes und Dr. Watson für das Übersinnliche. Ob es sich um ruhelose Geister, geheimnisvolle Erscheinungen, unerklärliche Begegnungen oder unbewohnbare Häuser und Schlösser handelt – Aylmer Vance scheut vor nichts zurück, um seine gruselig-spannenden Fälle aufzuklären.
Der erste Fall (auf dieser CD) führt die beiden Ermittler in die beschauliche Stadt Sandminster. Beryl Verriker, die Tochter von Colonel Verriker, fällt immer wieder unerwartet in Trance, was ihre Eltern verständlicherweise sehr beunruhigt. Des weiteren stellen Vance Dexter in Camplin Castle, einem offensichtlich unbewohnbaren Schloss, Ermittlungen auf eigene Gefahr an: Der Geist versetzt die Schlossbewohner in Todesangst … (erweiterte Verlagsinfo)
Ghostbusters – Teil 3: Vampirismus und Poltergeister
Der englische Geisterseher Aylmer Vance und sein treuer Freund Dexter, ein medial begabter Prozessanwalt aus London, sind in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg so etwas wie das Detektivgespann Sherlock Holmes und Dr. Watson für das Übersinnliche. Ob es sich um ruhelose Geister, geheimnisvolle Erscheinungen, unerklärliche Begegnungen oder unbewohnbare Häuser und Schlösser handelt – Aylmer Vance scheut vor nichts zurück, um seine gruselig-spannenden Fälle aufzuklären.
Diesmal ermitteln sie in einem vertrackt mysteriösen Fall von Vampirismus in Schottland und bekommen es außerdem in einem Fall in Essex mit einem unangenehm lärmenden Poltergeist zu tun. (erweiterte Verlagsinfo)
Lübbe Audio vertont die Abenteuer eines jungen Kadetten namens Kantiran, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind sechs Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren.
Die Reihe
„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, mehrere Bände und auch Perrys Vorgeschichte beitragen zu dürfen.
Lübbe Audio vertont die Abenteuer eines jungen Kadetten namens Kantiran, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind sechs Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren.
Die Reihe
„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.
Die Fortsetzung von „Die Rückkehr der Orks“. Die Ork-Brüder Balbok und Rammar werden in ihrer Heimat Modermark seit einem Jahr als Helden verehrt, und sie sind Kriegshäuptlinge. Doch dann wird ein Mensch gefangen, der sich als Botschafter zu erkennen gibt: Zum ersten Mal seit Anbeginn der Zeit bitten die Menschen die Orks um Hilfe, und nicht irgendwelche Menschen, sondern der König und die Königin, denen die Orks ein Jahr zuvor auf den Thron von Tirgaslan geholfen haben. Eine schreckliche Gefahr drohe aus dem Osten – ein finsteres Geschöpf, das über unermessliche Macht verfügt und in seinem Hass alles Lebendige in der Welt vernichten will. Die beiden Orkbrüder brechen zu ihrer gefährlichsten Mission auf.
Der Autor
Michael Peinkofer, 1969 geboren, schreibt seit einigen Jahren sehr erfolgreich historische Romane. Als Jugendlicher war er selbst eine Leseratte und hat Abenteuer- und Fantasygeschichten verschlungen. In seinen Romanen will er ein wenig von dem Zauber weitergeben, den er dabei erfahren durfte. Mit Frau und Tochter lebt Peinkofer in Kempten im Allgäu, wo er auch arbeitet.
Die Karibik im späten 17. Jahrhundert: Nick Flanagan, der als Sklave ein elendes Dasein fristet, erfährt vom Geheimnis seiner Herkunft. Auf der Suche nach seiner Bestimmung flieht er und wird Pirat – nicht ahnend, dass eine ungeheure Bedrohung die karibische Sonne verfinstert. Ein unheilvoller Plan, ein tragisches Schicksal und der geheimnisvolle Zauber des Voodoo reißen den jungen Flanagan in ein aufregendes Abenteuer. (Verlagsinfo)
London 1931: Gerade erst hat die junge Eunice Weldon ihre Stellung als Sekretärin von Jane Groat angetreten, als jemand nachts in ihr Zimmer schleicht. Zurück bleibt eine Karte mit einem blauen Handabdruck und einer geheimnisvollen Warnung: „Jemand, der Dich liebt, bittet Dich dringend, dieses Haus so schnell als möglich zu verlassen!“ Welche Gefahr droht Eunice im Haus der Groats?
Zwei Kinder finden 1946, ein Jahr nach Kriegsende, einen in einen Seesack eingenähten Toten. Handelt es sich bei ihm jenen Helmut Noack, der angeblich mit 15.000 Mark in der Tasche in die sowjetische Besatzungszone fahren wollte, um einen LKW für eine Spedition zu kaufen? Er kehrte nie wieder. Zehn Jahre später setzt sich Kommissar Roggenburg mit größer Zähigkeit wie ein Terrier auf die Spur des Verbrechens. Sie führt von Schleswig-Holstein nach Oberbayern …
Die TV-Serie „Stahlnetz“, die der NDR produzierte, ist vom Design her eine Übernahme der US-Krimiserie „Dragnet“, von der auch die markante Titelmelodie stammt. Doch die Inhalte sind quasi urdeutsch und entstammen deutschen Kriminalakten. Besonderes Kennzeichen von „Dragnet“: nur die Fakten zählen! – Die Tonspur wurde fürs Hörspiel bearbeitet und digitalisiert. Wolfgang Menge /Jürgen Roland – Stahlnetz 2: Das Haus an der Stör (Hörspiel) weiterlesen →
Unheimlicher Thriller: Vorausgesagter Tod in Venedig
Nach dem tragischen Unfalltod ihrer kleinen Tochter fahren John und Laura Morrison nach Venedig, um etwas Abstand zu gewinnen. Kaum angelangt, deuten jedoch mysteriöse Vorfälle und Zeichen darauf hin, dass der Albtraum noch nicht zu Ende ist. Ein psychopathischer Mörder versetzt die Stadt in Angst und Schrecken …
Schaurige Maispuppen, Schüsse und verurteilte Verbrecher – keine guten Vorzeichen für eine Hochzeit. Die drei ??? geben ihr Bestes, um das Fest zu retten. Deep Spring, ein verschlafener Ort in der Wüste von Arizona: Die drei ??? reisen an, um die Hochzeit eines alten Bekannten zu besuchen. Doch während die Vorbereitungen in vollem Gange sind, pflastern unheimliche Puppen den Weg der Detektive. Als sie schließlich ein Hochzeitspaar aus Mais, aufgehängt im Gebälk, entdecken, bekommt nicht nur die Braut kalte Füße. Können Justus, Peter und Bob die seltsamen Geschehnisse aufklären? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Da der Romanvorlagenverlag seine ???-Romane nicht nummeriert, ists immer schwierig zu sagen, welcher Band jetzt welche Nummer trägt. Ich halte es da immer mit dem verlagsinternen Teil der ISBN (das sind die Ziffern vor der letzten, die eine Prüfziffer ist). Je höher die Nummer, desto höher die Bandnummer. Von daher war der Roman eigentlich die Nummer 226. „Wäre“ und „eigentlich“ … is‘ aber nich‘ so. Und da der Romanverlag sagt, dies wäre das 225. Abenteuer, wurde die Hörumsetzung direkt mal auf eine Länge von drei CDs ausgedehnt … obwohl die Vorlage nicht wie „damals“ bei Jubiläen ein schicker 3-Band-Schuber war, sondern „nur“ ein normales Buch … wenngleich ein 40 Seiten dickeres, das es gegen einen Aufschlag von drei weiteren Euros zu haben gibt.
Hinter den Mauern eines prunkvollen Anwesens auf Long Island stößt Special Agent Pendergast auf ein grausames Verbrechen. Ein bekannter Kunstkritiker ist ermordet worden. Genauer gesagt: Er wurde verbrannt. Von innen nach außen. Aber wie soll so etwas möglich sein? Pendergast beginnt zu ermitteln. Dabei stößt er auf eine Spur, die weit in die Vergangenheit des Toten führt – und zu einem erschreckenden Geheimnis … (Verlagsinfo)
Mit seinen Erzählungen läutete der in Kanada lebende Amerikaner William Gibson Anfang der achtziger Jahre die Bewegung des Cyberpunk ein, die mit fast allen Konventionen der damals darniederliegenden Sciencefiction aufräumte und dem Genre neue Kraft einflößte. Er arbeitete dabei keineswegs allein, sondern zusammen mit maßgeblichen Autoren wie Bruce Sterling und John Shirley, die heute noch Romane und Erzählungen schreiben und regelmäßig mit Preisen und Nominierungen bedacht werden.
Ist es daher ein Wunder, dass sich Hollywood-Drehbuchautoren auf Gibsons Erfolge besinnen und Studiobosse bzw. Regisseure eine Story nach der anderen verfilmen (lassen)? „Johnny Mnemonic“ und „New Rose Hotel“ wurden bereits verfilmt, bei „Chrom brennt“ ist es nur noch eine Frage der Zeit. Diese drei Erzählungen werden von David Nathan vorgelesen. William Gibson / Simon Jaspersen – Cyberspace. Drei Lesungen weiterlesen →
Kaum ist Louis Holland nach Boston gezogen, passiert Merkwürdiges: Erdbeben erschüttern die Stadt, und gleich das erste tötet seine Stiefgroßmutter Rita. Sofort strömt die Familie zusammen und streitet sich um das Vermögen, das sie noch gar nicht hat. Währenddessen verliebt sich Louis in die junge Renée, eine engagierte Seismologin, die die Ursachen der rätselhaften Erdstöße ergründen will. Je näher sie diesem Ziel kommt, desto heftiger gerät das moralische Fundament der Familie Holland ins Wanken – und desto mehr entgleitet ihr Louis, der eigene Wege gehen muss.
|Der Autor|
Jonathan Franzen, geboren 1959 in Western Springs, Illinois, wuchs in einem Vorort von St. Louis auf. Nach seinem Germanistikstudium, unter anderem an der FU Berlin, arbeitete er vorübergehend in einem seismologischen Institut der Harvard University.
Für seinen weltweit gefeierten Bestseller „Die Korrekturen“ erhielt Franzen den National Book Award. Sein erster Roman „Die 27ste Stadt“ erschien in den USA 1988, sein zweiter Roman „Schweres Beben“ vier Jahre darauf. Franzen lebt seit langem in New York City. (abgewandelte Verlagsinfo)
|Der Sprecher|
Gerd Wameling, geboren 1948 in Paderborn, ging 1974 an die Schaubühne in Berlin, deren Ensemble er fast 20 Jahre lang angehörte. Seit 1992 ist er freier Schauspieler und Sprecher und spielte in diversen TV-Filmen und -Serien mit sowie u. a. in Wim Wenders’ Kinofilm „In weiter Ferne so nah“. Wameling ist nach Verlagsangaben einer der bekanntesten deutschen Rundfunk- und Hörbuch-Sprecher.
_Handlung_
Wir begleiten die Familie Holland über etwa eineinhalb Jahre hinweg. Die Eltern leben in Evanston, Illinois, wo Vater Bob ein Uni-Dozent für marxistische Geschichte und Mutter Melanie, die aus Bostons besten Kreisen stammt, eine Hausfrau mit höheren Ambitionen ist. Eileen ist inzwischen an die Harvard Business School gegangen, um BWL zu studieren, während Louis, 23, als Sendetechniker bei einem Radiosender arbeitet, der kurz vor dem Aus steht.
Louis ist beruflich etwas perspektivlos, aber er ist einer der zwei Helden dieses Romans. Eileen hat in Peter einen ehrgeizigen künftigen Bankangestellten mit kritischem Bewusstsein kennen gelernt, mit dem sie zusammenziehen und eine Familie gründen wird. Bis zu diesem Stadium ist Louis noch längst nicht vorgedrungen.
Da ruft Stiefgroßmutter Rita Damiano Kernaghan an. Sie ist in der Familie als etwas ausgeflippte Schriftstellerin und Esoterikerin bekannt, außerdem trinkt sie. In Ipswich, wo sie Großvaters Villa extravagant umgemodelt hat, wird sie ebenso gehasst wie von Melanie Holland. Peter, Eileens Freund, war ihr PR-Manager. Leider kann Rita nicht an Großvater Jacks Vermögen heran, weil er es in einem Treuhandfonds gelagert hat, den die drei Vorstände seiner alten Firma, des Chemiekonzerns Sweeting Aldren, verwalten.
Wenig später erfährt Louis, dass Rita gestorben ist. Bei einem der in jüngster Zeit häufiger auftretenden Erdbeben in Massachusetts kippte sie von ihrem Barhocker und brach sich den Schädel. Sofort wittert Melanie ein Erbe und fährt hin. Sie lädt ihre Kinder ein, doch es sieht nicht so aus, als bekäme Louis ein Stück von diesem Kuchen. Der Kuchen: 22 Millionen Dollar aus dem Treuhandfonds! Der Fonds wird erst im Juni zur Auszahlung fällig, und alle Aktien sind Anteile an Sweeting Aldren. Eileen schafft es aber wieder einmal, einen Kredit zu ergattern. Es ist der 6. April, ca. 1992.
Louis wird von seiner Mutter als „mürrischer, komischer Kauz“ betrachtet. Um dem Streit aus dem Weg zu gehen, setzt er sich mit einem Hund an den Strand des Atlantik. Er denkt an seine Exfreundin Lauren Bowles zurück, die jetzt sicher mit ihrem Verlobten Emmett in Texas eine Familie gründet. Da kommen am Strand drei junge Leute – eine Frau und zwei Männer – heran, die Louis fragen , ob er das Beben gerade eben gespürt habe. Er verneint. Die Frau heißt Renee Saitchek, ist 30 Jahre alt und hat eine hübsche Stupsnase. Er ist von ihr eingenommen. Die anderen sind ebenso Seismologen: Howard Chun und Terry Small. Louis lädt sie ins Haus ein.
Die Begegnung Renees mit Melanie Holland wird später noch wichtig werden. Sie beeindruckt Melanie nämlich als Erdbebenspezialistin und erteilt ihr später einen wichtigen Rat. Wie wichtig Renee für die Hollands ist, stellt sich heraus, als sie Louis’ Freundin wird und ihm ihre Theorie anvertraut.
Diese Theorie besagt, dass die immer häufigeren Erdbeben in der Region von Menschen verursacht werden. Louis, der das bisher nicht für möglich gehalten hat, wird eines Besseren belehrt. Sie zeigt ihm Artikel von 1969 und 1970, nach denen Anna Krasner, eine Angestellte des Chemiekonzerns Sweeting Aldren, in 6 Kilometern Tiefe Erdöl und Methan vermutete und eine Tiefenbohrung befürwortete. Was, so Renee, wenn Sweeting Aldren, diese Tiefenbohrung missbraucht hätte, um seine giftigen Abwässer in die Tiefe zu pumpen? Dort brauchten die Abwässer Jahre, bis es zu Verschiebungen kam. Die ersten Beben gab es vor fünf Jahren, dann hörten sie wieder auf. Aber in letzter Zeit geht es richtig los. Warum wohl?
Eines liegt auf der Hand: Sobald Renee ihre Theorie beweisen kann und sie publik macht, werden Melanie Hollands Aktien – die sie zum Greifen nahe hat – in den Keller rauschen. Das kümmert Louis nicht die Bohne, ist er doch der Ansicht, dass man seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen sollte. Was er aber nicht ahnt: Renee wird beim Bundesamt für Umweltschutz vorstellig, blitzt bei diesen Industriefreunden ab und macht sich auf eigene Faust auf die Socken, um Beweise für ihre Theorie zusammeln. Dass sie sich damit keine Freunde beim beobachteten Konzern macht, muss sie schon bald feststellen. Die Warnungen werden im freundlichen Ton vorgebracht. Noch.
Doch als Louis die plötzlich wieder aufgetauchte Lauren nicht sofort wegschickt, wendet sich Renee zutiefst verletzt von ihm ab. Auch mit Lauren wird es nichts, der Job beim Radio ist weg, und so zieht Louis wieder nach Evanston. Doch für Renee spitzt sich die Lage zu. Sie hat nämlich festgestellt, dass sie von Louis schwanger geworden ist. Was soll sie tun? Sie kann den Fetus abtreiben lassen, doch da gibt es ein Problem: Alle Abtreibungskliniken in Boston und Umgebung werden von den „Lebensfreunden“ des selbsternannten Reverend Philip Stiles belagert. Ein Gang in die Klinik kommt einem Spießrutenlaufen gleich.
Sie besucht Stiles und bietet sich ihm an. Als er sie abweist, entschließt sie sich zu einer verzweifelten Tat, die sie zu einer Heldin werden lässt. Doch sie muss teuer dafür bezahlen …
_Mein Eindruck_
Tragödie und absurde Komik liegen in diesem Roman nahe beieinander. Die Einschätzung, was denn nun komisch sein soll, liegt aber sehr in der individuellen Einschätzung des Lesers bzw. Hörers. Die Vorbereitungen auf die Erdbebenfolgen, die Peters Mutter trifft, bevor sie sich aus dem Haus wagt, sind vermutlich komisch: Ist eine Gasmaske wirklich nötig, wenn man in einem Villenviertel das Haus verlässt? Das Grinsen vergeht einem aber, als wenig später aus den TV-Nachrichten verlautet, es habe auf dem Firmengelände des Chemiekonzerns eine massive Dioxinverseuchung gegeben, die in einem Radius von mehreren Meilen um das Werk alles tierische Leben abgetötet habe.
Ebenso könnte es komisch sein, wenn Lauren Bowles, die Exfreundin von Louis, vor seiner Tür steht und nicht weiß, was sie nun eigentlich will: mit ihm schlafen oder ihn „nur“ zum Freund haben. Sie verschiebt den Sex und bereut es für den Rest ihres Lebens. Doch weil sich Lauren zwischen Louis und Renee drängt, wird sie fortan von der tief verletzten Renee gehasst. Das soll ihre Wiederversöhnung mit Louis schwer belasten.
|Comédie humaine|
Was hier komisch anmutet, ist lediglich die allseits bekannte menschliche Komödie. Sie hat ihre lustigen Seiten, aber auch ihre hässlichen. Der Autor macht hier keinen Unterschied, sondern schildert unparteiisch, wie hilflos sich manchmal die Menschen benehmen. Das trifft nicht nur für die widersprüchlichsten aller Wesen, nämlich Frauen, zu, sondern auch für Männer, nämlich Louis. Wie zwiespältig Frauen wie Renee und Eileen und Melanie sind, wird keineswegs verurteilt, sondern ernst genommen. Dadurch werden sie zu authentischen, glaubhaften Figuren, deren Schicksal uns wirklich kümmert. Und das, was Renee durchmachen muss, ist wirklich ganz schön hart.
|Hassobjekte|
Wenn der Autor einmal etwas verurteilt, so tut er dies indirekt. Sein liebstes Hassobjekt sind die Medien. Sie sind so geil auf Sensationen und schicke Bilder, dass am Tage des größten Erdbebens mehrere TV-Teams schon mit vorbereiteten Nachrufen auf Reverend Stiles zu seiner Bruchbude von Wohnblock eilen und filmen, wie er sie um Hilfe anfleht. Natürlich rühren sie keinen Finger, sondern warten zwanzig Minuten, bis die Hilfsdienste anrücken. Die Bilder von brennenden und beinahe zusammenkrachenden Häusern sind auch wirklich Gold wert, nicht wahr?
Eine andere Form der Kritik, die weniger direkt ist, besteht in der Beschreibung von Natur und Wetter. Die Eigenschaftswörter, die dem Autor dafür einfallen, sind von ausgesuchtem Sarkasmus. Aber dieser Stil passt durchaus, denn Mutter Natur hat sich schließlich in Gestalt von Erdbeben gegen die Menschlein verschworen, die sich im Krieg mit ihr befinden. Schließlich waren es Konzernbosse, die giftige Abwässer in ein tiefes Bohrloch pumpen ließen, und nicht etwa die Heinzelmännchen. Ja, Renee liegt mit ihrer Theorie völlig richtig. Und der Fluch der bösen Tat lässt nicht auf sich warten, früher oder später (eher später).
Ein weiteres Objekt sind die Bundesbehörden. Als Renee das Bundesumweltamt auf Sweeting Aldren ansetzen will, erweist sich die zuständige Beamtin Calder – sie kommt am Schluss noch einmal scheinheilig zu Wort – als Freundin der Industrie. Als Renee ihren Verdacht äußert, Calder sei wohl von der Chemie geschmiert worden, wird sie sanft, aber bestimmt hinauskomplimentiert. Calder hätte mit einem Kontrollverfahren das Verbrechen des Konzerns aufdecken und die Dioxinkatastrophe verhindern können. Zynisch mutet es obendrein an, wenn sich Washington weigert, die flüchtigen Vorstandsmitglieder verfolgen zu lassen. Zwei davon haben die Republikaner allzu gut „unterstützt“, um sie nun vor den Kadi zu zerren.
|Kleines Glück und großes Glück|
Umweltkatastrophe und Abtreibungsgegner – und irgendwo dazwischen zwei junge Paare: Renee und Louis, Eileen und Peter. Sie versuchen, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen und altes Unrecht ans Licht zu zerren, um die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Aber Louis hat selbst einiges gegenüber Renee wiedergutzumachen und Eileen wohl gegenüber ihrem Bruder. Zwischen all diesen Konflikten suchen sie den Weg zu ihrem privaten Glück.
Doch wie sie im Laufe der Handlung erkennen, ist dieses kleine Glück eng verknüpft mit dem, was auf der öffentlichen Bühne abläuft. Die Firmenzentrale von Sweeting Aldren wurde von einem Brandstifter abgefackelt, um Beweise zu vernichten, und dreimal darf man raten, welche Verbrechen damit vertuscht werden sollten. Melanie Holland ist natürlich ihre 22 Millionen los – die Aktien sind nichts mehr wert. Schon bald hat sie eine Alternative gefunden.
|Der Sprecher|
Gerd Wameling ist ein ähnliches Stimmwunder wie Rufus Beck und Philipp Schepmann, aber seine Interpretation von Frauenstimmen ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Sie klingen meist so affektiert, wie Charleys Tante sie sprechen würde, also ein wenig unecht. Besonders Melanie Holland scheint stets kurz vor einem hysterischen Anfall zu stehen. Und die esoterische Rita hat mit ihren 68 Jahren eine hohe, krächzende Stimme entwickelt, die an den Nerven zerrt.
Dafür hat er aber eine breite Palette von Männerstimmen im Repertoire. Louis’ Nachbar, der alte John Mullins, klingt kernig wie ein alter Farmer aus dem Mittelwesten. Peters Vater klingt erst alt und heiser, dann steigert er sich aber durchaus zu einer wütenden Tirade, die seine Kinder und Enkel Mores lehren soll. Louis’ Großvater Jack Kernaghan erweist sich als Chef von Anna Krasner nicht nur als gewiefter Geschäftemacher, sondern auch als Schürzenjäger mit Durchschlagskraft.
Sehr lustig ist Louis’ Chef beim Radiosender, ein eingewanderter Russe. Folglich verleiht ihm Wameling einen russischen Zungenschlag, der allerdings schon einen gehörigen amerikanischen Einschlag beim gerollten R anklingen lässt.
|Das Booklet, die CDs|
Das Booklet bietet Informationen zu Autor, Sprecher und Produktion. Hilfreich sind die Längenangaben der Tracks. Diese sind pro CD meist nicht länger als 64 bis 74 Minuten. Die Kapazität einer Hörbuch-CD liegt bei 79 Minuten. Die Vermutung liegt nahe, dass der Verlag beinahe eine ganze CD hätte einsparen können.
Technische Probleme wie bei [„Das verlorene Labyrinth“ 1976 gab es diesmal nicht, nur am Ende einer einzigen CD gab es Aussetzer, die die Wiedergabe beeinträchtigten.
_Unterm Strich_
Dass Franzen inzwischen ein Bestsellerautor ist, merkt man diesem frühen Roman von anno 1992 nicht an. Der Autor erzählt mutig und entschieden, wo er seine Sache vertreten sehen will, aber objektiv, wo andere vielleicht einen Standpunkt einnehmen zu müssen glauben. Die Ziele seiner Kritik habe ich oben dargestellt. Sein Bemühen um Objektivität gilt den Abtreibungsgegnern, deren Anführer, Reverend Philip Stiles, durchaus auch als Mann erkennbar wird. Das hindert den Autor allerdings nicht daran, diesen Handlungsstrang dramatisch zuzuspitzen.
Auf diese Weise erschließt sich dem Leser bzw. Hörer nicht nur die Geschichte stets von beiden Seiten und erlaubt ihm so unparteiische Kritik, sondern er fühlt sich auch gut und zunehmend spannungsreich unterhalten. Die dramatischen Vorgänge – nicht umsonst lautet der O-Titel „Strong Motion“ – spitzen sich zu und unser Mitgefühl gilt sowohl den beiden Hauptfiguren als auch den weniger sympathischen Figuren wie Eileen und Melanie. Es interessiert uns, wie es ihnen ergehen wird – bis zum bitteren Ende.
Denn natürlich fechten alle Charaktere einen – damals aktuellen – Kampf aus: die Abdankung der Linken, der Sieg der opportunistischen Aufsteiger, die Altlasten der kalten Krieger und die Abtreibungsgegner bzw. -verfechter. Zwischen allen Stühlen: Louis, der seinen Standpunkt sucht. Die Liebe zu Renee weist ihm den Weg.
Auch auch Erotik und Humor kommen nicht zu kurz. Der Beischlaf Louis’ mit Renée gehört zu den zärtlichsten Sexszenen, die ich kenne. Hinsichtlich Sex nimmt Franzen kein Blatt vor den Mund – wozu auch? Humor existiert in der erfrischenden, intellektuellen Form der Ironie. Dazu gehört ein starker subjektiver Standpunkt. Diesen nehmen nur Louis, Renee und Melanie ein. Aber auch der Autor kann richtig sarkastisch – siehe oben – werden, und das ist für einen modernen Gesellschaftsroman recht ungewöhnlich.
Wer also einen Liebes-, Familien-, Gesellschafts- und Katastrophenroman in einem vollgepackten Paket ertragen kann, der ist bei „Schweres Beben“ an der richtigen Adresse.
|Das Hörbuch|
Die wandlungsfähige Stimme des Schauspielers Gerd Wameling macht die Lesung – ohne Musik und Geräusche – recht abwechslungsreich. Auch das Tempo versteht er einfühlsam zu regulieren, so dass auch der Hörer mitbekommt, wann eine Rückblende beginnt. Und in zärtlichen Szenen wie zwischen Renee und Louis ist er unschlagbar in seiner feinfühligen Darstellung. Ein echter Pluspunkt also. Da kann man schon mal über seine Charleys-Tante-Stimme für bestimmte Frauenfiguren hinweghören.
|Originaltitel: Strong Motion, 1992
Aus dem US-Englischen übersetzt von Thomas Piltz
703 Minuten auf 10 CDs|
_Rezensionen zu Jonathan Franzens Werk bei |Buchwurm.info|:_
„Wir spielen ein Spiel, bei dem es um die Liebe geht.“ – John Mercer, ein altgedienter, hoch dekorierter Detective, gerät in die unsichtbaren Fallstricke eines perfiden Serienmörders. Der „Fifty-fifty-Killer“ hat es auf liebende Paare abgesehen, seien sie nun alt oder jung. Eiskalt quält und manipuliert er sie eine Nacht lang, um die Liebe zwischen ihnen zu zerstören – bis zum Tagesanbruch. Nur wer den anderen verrät, sieht den Morgen dämmern.
Auch Inspektor John Mercer liebt seine Frau Eileen, umso mehr, seit er dank ihrer psychotherapeutischen Pflege den Nervenzusammenbruch vor zwei Jahren überwinden konnte. Noch ahnt er nicht, dass er ins Visier des 50-50-Killers geraten ist. Sein neuer Mitarbeiter Mark Nelson kommt der Strategie des Killers erst in letzter Sekunde auf die Spur. Kann er Mercers Frau retten?
Drei junge Leute werden im Wald von einem Unbekannten erschossen. Sie hatten es gewagt, die Mittsommernacht am 22. Juni in Rokoko-Kleidern zu feiern. Merke: Only try this at home!
Höhen und Tiefen des Schicksals: Mittelalter-Seifenoper in guter Lesung
England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen.
Eine Mordserie erschüttert das Boston des Kriegsjahres 1865: Der Mörder tötet mit jenen Methoden, wie Dante seiner Zeit im „Inferno“ die Sünder bestrafen ließ. Und einige dieser Methoden sind recht bizarr.
Doch wer kann die Gräueltaten aufklären? Offenbar weder die korrupte Polizei noch die bestechlichen Detektive des Bürgermeisters noch diejenigen der Detektei Pinkerton. Es sind vielmehr die gesetzten älteren Herrschaften, die sich im |Dante Club| einem ehrgeizigen literarischen Projekt verschrieben haben: der ersten US-amerikanischen Übersetzung von Dantes |Göttlicher Komödie|. Dabei geraten sie selbst in Lebensgefahr.
Endlich sind Takeo Otori und Kaede Shirakawa als Mann und Frau vereint. Heimlich und gegen den Willen der anderen mächtigen Clans haben sie sich im Kloster Terayama trauen lassen. Doch ihnen bleibt nicht viel Zeit, ihr gemeinsames Glück zu genießen. Denn eine Prophezeiung, die ihm eine heilige Frau in den Bergen gab, bestimmt Takeos Schicksal. Kaum hat er die geerbte Domäne Maruyama in Besitz genommen, hört er schon von den anrückenden Truppen seiner Gegner Arai und Fujiwara. Fünf Schlachten werde Takeo schlagen, viermal siegen und einmal verlieren – die Prophezeiung wird Wahrheit, bis zur letzten Konsequenz.
_Die Autorin_
Lian Hearn, die eigentlich Gillian Rubinstein heißt und vor etwa 60 Jahren geboren wurde, lebte als Journalistin in London, bevor sie sich 1973 mit ihrer Familie in Australien niederließ. Ihr Leben lang interessierte sie sich für Japan, lernte dessen Sprache und bereiste das Land.
„Das Schwert in der Stille“ ist der erste Band der Trilogie „Der Clan der Otori“. Der zweite Band „Der Pfad im Schnee“ ist im Herbst 2004 im |Carlsen|-Verlag erschienen und wurde im Februar 2005 bei |Hörbuch Hamburg| veröffentlicht. Der dritte Band „Der Glanz des Mondes“ erschien im Mai 2005.
„Das Schwert in der Stille“, der mittlerweile in 26 Sprachen übersetzt wurde, wurde mit dem Deutschen Jugendbuchpreis 2004 ausgezeichnet. Die HR2-Jury hat das Hörbuch dazu im Dezember 2004 auf die Bestenliste gewählt. Mehr Infos unter http://www.otori.de.
_Die Sprecher_
Marlen Diekhoff, vielseitige Bühnen- und Filmschauspielerin, gehört nach Verlagsangaben seit vielen Jahren zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Für |Hörbuch Hamburg| hat sie bereits Texte von A. Baricco, Amélie Nothomb, Colette, Sándor Márai und „Tausendundeine Nacht“ gelesen.
August Diehl ist einer der angesehensten deutschen Schauspieler der jüngeren Generation. Er wurde für den Film „23“ mit dem Deutschen Filmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Seitdem war er in „Kalt ist der Abendhauch“, „Tattoo“, „Was nützt die Liebe in Gedanken“ (neben Daniel Brühl) und in Schlöndorffs „Die neunte Stunde“ zu sehen.
Regie führte bei diesem Hörbuch Gabriele Kreis. Auch diese Lesung ist gekürzt. Das Titelbild zeigt die Schlacht- und Schwert-Abbildung der Buchausgabe.
_Vorgeschichte_
Das Booklet unterrichtet den Hörer darüber, was in den vorhergehenden zwei Bänden grob gefasst passiert ist. Japan, Ende des 15. Jahrhunderts: Eines Morgens wird Takeos Dorf überfallen, und er überlebt als einziger. Lord Shigeru vom Clan der Otori rettet ihn und nimmt ihn in seine Familie auf. Von ihm, einem Helden wie aus versunkenen Zeiten, lernt Takeo die Bräuche des Clans. Er lehrt ihn Schwertkampf und Etikette. Die Liebe zu Kaede entdeckt Takeo allein.
Als er herausfindet, dass er dunkle Kräfte besitzt – die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein und sich unsichtbar zu machen, und dass er so gut „hören kann wie ein Hund“ – gerät er immer tiefer in die Verstrickungen der Lügen und Geheimnisse, aus denen die Welt der Clan-Auseinandersetzungen besteht. Trotz seines Widerwillens ist es ihm bestimmt, sich an den Mördern seiner Familie zu rächen. Takeo verbindet sein Schicksal mit dem der Otori.
Am Schluss von Band 1 ließ Lord Shigeru sein Leben, nachdem auch Lord Iida getötet worden war. Als Folge dieser beiden einschneidenden Ereignisse kam es in der Hauptstadt Inuyama zu einem Aufstand, den sich die Armee unter Lord Arai Daiichi zunutze machte, um die Macht zu übernehmen und die tyrannischen Tohan zu stürzen. Er bringt die Drei Länder in seine Gewalt.
Man glaubt, Takeo sei Iidas Mörder, doch in Wirklichkeit war es Lady Kaede. Takeo ist verschwunden, was Arai, der auf ein Bündnis mit dem Krieger hoffte, erzürnt. Er beschließt, gegen den „Stamm“, der ihm Takeo entrissen hat, vorzugehen. Es ist abzusehen, dass Takeo und Kaede im Machtspiel zwischen den Otoris, Lord Arai und dem „Stamm“ eine Schlüsselrolle zufällt. Wenn sie nicht aufpassen, könnte dies ihren Untergang bedeuten.
Doch inzwischen hat sich Takeo dem „Stamm“, aus dem sein leiblicher Vater Isamu stammte, unterwerfen müssen. Mit der Kikuta Yuki zeugte er ein Kind, doch Yuki, die ihm einst in Inuyama Shigerus Schwert brachte, wurde Takeo entrissen und musste einen Stammesangehörigen heiraten. Takeo kann sich nicht mit den opportunistischen Zielen des Stammes anfreunden, er flieht über die Berge. Mehrere Anschläge überlebt er und begegnet einer heiligen Frau, die ihm sein Schicksal prophezeit (s.o.).
Außerdem lernt er die „Verborgenen“ kennen, die verfolgten und ausgestoßenen Christen. Seine Eltern hingen selbst diesem Glauben an, der alle Werte, die die Japaner hochhalten, für ungültig erklärt und sie unterminiert. Der Christ Jo-an hilft ihm, ins Kloster Terayama zu entkommen. Dort kann er endlich Kaede heiraten und die Übernahme ihres Erbes vorbereiten: der Domänen Shirakawa und Maruyama. Dann wäre er als Clanherr eine beachtliche Macht im Westen.
In den Begleittexten ist die Rede davon, dass Kaede Takeos Kind erwarte. Das ist im 3. Band nicht mehr zutreffend. Vielmehr verhält es sich so, dass sie sich Vorwürfe macht, dass sie ihm nicht schon längst einen Erben geschenkt hat. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so. Die heilige Frau hat nämlich geweissagt, Takeo werde einst von der Hand seines eigenen Sohnes fallen …
_Handlung_
Takeo braucht dringend eine Machtbasis, deshalb reitet er mit einer Bauernarmee und wenigen Otori-Kriegern gen Westen Richtung Maruyama. Diese Domäne hat Kaede von ihrer Mutter geerbt. Ihr Vater kam auf unglaublich dramatische Weise in ihrer Heimatstadt Shirakawa ums Leben (Band 2). Die erste von fünf Schlachten, die Takeo bestehen muss, ereignet sich gleich am Grenzfluss. Banditen haben auf der anderen Seite eine Schreckensherrschaft errichtet, und nachdem Takeo den Übergang mit Schwimmflößen geschafft und einen Riesen namens Jin-emon besiegt hat, greifen die Banditen an. Takeos fähige Krieger machen sie nieder. Er gewinnt zwei fähige Gefolgsleute namens Hiroshi und Jiro.
|Schlacht Nr. 2|
Auf halbem Wege zwischen diesem Fluss und der Hauptstadt Maruyama melden Späher eine feindliche Streitmacht im Anmarsch. Als Takeos kleine 1000-Mann-Armee durch ein Tal vorstößt und auf eine Ebene tritt, befinden sich die Feinde – es sind Seishuu und Tohan – bereits in vollem Gefecht mit Truppen aus der Hauptstadt. Takeos Eingreifen entscheidet die Schlacht. Er besiegt den gegnerischen Befehlshaber, Iida Noriaki, der noch einpersönliches Hühnchen mit Takeo zu rupfen hat. Kurzer Prozess: Kopf ab!
|Zu den Piraten|
Nach einer gewissen Restaurationszeit in Maruyama und schönen Tagen mit seiner Frau treibt Takeos Unrast ihn zu einer Expedition an die nördliche Küste. Er hat nämlich vor, die Otoris aus Hagi vertreiben und so Shigerus Tod zu rächen. Das geht aber nicht von Land her, sondern nur von der Seeseite. Der einzige Freund, den er an der Nordküste, auf der Insel Oshima, hat, ist Terada Fumio. Es gelingt ihm, ein Bündnis mit den Teradas zu schließen, damit ihre Piraten die Festung Hagi angreifen, sobald er sie ruft.
|Lady Kaedes Irrwege|
Doch ein Taifun verhindert seine zeitige Rückkehr. Da sie das Warten leid ist, unternimmt die ungeduldige Kaede gegen heftigen Protest eine eigene Expedition. Diese hat drei Ziele. Erstens will sie ihre zwei Schwestern aus Shirakawa nach Maruyama holen. Zweitens versteckt sie die kopierten Aufzeichnungen Lord Shigerus über den „Stamm“ in den heiligen Höhlen vor Shirakawa. In diesen Höhlen, die nur Frauen betreten dürfen, betet sie drittens zur Göttin um Fruchtbarkeit.
Als sie endlich in Shirakawa auf ihrem Gut eintrifft, erlebt sie eine böse Überraschung. Lord Fujiwara (den sie schon aus Band 2 zur Genüge kennt) hat ihre Schwestern abgeholt und hält sie als Geiseln fest. Wozu? Er lädt Kaede ein, um sie zu seiner Frau zu machen! Die Ehe mit Takeo sei annulliert worden, argumentiert er. Wütend reitet Kaede mit wenigen Getreuen zu Lord Fujiwaras prächtiger Residenz. Das ist sehr unvorsichtig, denn unversehens findet sie sich in der Gewalt des Lords. Nur ihr Begleiter Hiroshi (s.o.) kann entkommen und Takeo benachrichtigen.
|Die Falle wird gestellt|
Es ist klar, dass Takeo mit so vielen Männern wie möglich aufbrechen wird, um Kaede zu befreien. Doch sie ist nur der Köder in einer großen Falle, die Fujiwara mit Lord Arai aufgestellt hat und in die Takeo blindlings hineinzutappen droht. Können ihn seine übermenschlichen Sinne auch hier retten? Ist dies eine Schlacht, die er gewinnen, oder eine, die er verlieren wird?
_Mein Eindruck_
Der dritte und abschließende Band der Trilogie um den Otori-Clan ist auch der actionreichste und – für Actionfreunde wie mich – spannendste Teil. Fünf Schlachten hintereinander, da ist man fast schon froh, wenn es eine Verschnaufpause gibt. Und die liefert in der Tat Lady Kaede. Obwohl erst 16 Lenze alt, ist sie doch eine ausgebildete Kriegerin und Attentäterin. Und diese Frau sperrt Lord Fujiwara in einen goldenen Käfig. Es ist eine seelische Folter von erlesener Bosheit. Er hält seine Frau nämlich gar nicht, um sich an ihr zu verlustieren, sondern lediglich, um sie zu betrachten wie eine seiner zahlreichen Kostbarkeiten, ähnlich wie ein Kunstobjekt.
|Es wird kompliziert|
Während Kaedes Gefangenschaft bereiten sich wichtige andere Entwicklungen vor. Die Piraten schließen ein Bündnis mit Takeo, und Takeo muss sich mit Arai arrangieren. Beide wollen sowohl gegen die Otori-Verräter als auch gegen den „Stamm“ vorgehen. Nun wird es kompliziert: Der „Stamm“ ist gespalten. Auf der einen Seite beherrschen die Kikuta das Vorgehen des „Stamms“ nach außen und schicken Attentäter und Spione aus.
Auf der anderen Seite steht die bislang loyale Familie der Muto. Zu diesen gehört Takeos Lehrer Kenji und seine Nichte, Kaedes Freundin Shizuka. Shizuka wiederum war die Mätresse von Lord Arai und gebar ihm zwei Söhne, die mittlerweile über zehn Jahre alt sind und sich bereits als Spione einsetzen lassen: Auch sie können sich, wie Takeo, unsichtbar machen und sind so äußerst nützlich – für den, der sie anzuheuern versteht.
|Finale|
Doch der Mord an Kenjis Tochter Yuki, den die Kikuta zu verantworten haben, geht Kenji eindeutig zu weit. Er läuft auf Takeos Seite über und wendet das Blatt zu dessen Gunsten. Doch noch ist Hagi nicht erobert, und der Weg zum Frieden, den Takeo laut Prophezeiung bringen soll, ist noch lang. Das Finale muss alles entscheiden. Es ist von langer Hand vorbereitet und fulminant inszeniert. Dieser Höhepunkt der dramatischen Entwicklungen setzt eine weitere Weissagung in die Tat um, die die wenigsten beachtet haben: Es zeigt sich der Willen von Erde und Himmel …
Das mag zwar schon relativ mystisch klingen, aber es handelt sich in den meisten Szenen um Zitate der Weissagung – und die sollte man schon aus Band 2 kennen (außerdem steht sie zur Sicherheit auch auf der Rückseite des Buchumschlags). Echte Religion findet sich noch am ehesten in Gebeten Kaedes und Takeos zu ihren jeweiligen Göttern. Ich hätte mir noch ein wenig mehr davon gewünscht.
|Köpfe werden rollen|
Für meinen Geschmack rollen ein wenig zu viele Köpfe in dieser Geschichte. Alle Naslang muss ein armer Tropf dran glauben, manchmal auch ein Lord. Dieses Köpfen erinnert an den Film „Highlander“, und dort hat es bekanntlich seine Berechtigung: Kopf ab, Kraft frei, Sieger stärker. Ob das Köpfen einen abergläubischen Hintergrund hat, wie etwa das Verhindern von Wiedergängern und Dämonen, erfahren wir leider nicht. Daher wirkt es doch etwas aufgesetzt und brutal.
|Barbaren|
Übrigens tauchen diesmal auch am Rande Barbaren auf, das heißt: Leute aus dem Abendland. Sie haben das Fernrohr eingeführt und etwas, das der Pirat Terada Fumio eine Feuerwaffe nennt: ein Luntenschlossgewehr. Wird eine Kugel daraus abgefeuert, ist diese, anders als ein Pfeil, in der Lage, eine traditionelle japanische Ritterrüstung zu durchschlagen. Und das ist ein überraschender Spezialeffekt, den sich die Autorin selbstverständlich für das Finale aufhebt.
_Die Sprecher_
August Diehl spricht den Ich-Erzähler Otori Takeo. Takeo erscheint als kräftiger, selbstsicherer junger Mann, der schon früh größtes Leid erfahren und bewältigen muss. Doch Grübelei und Melancholie sind seine Sache nicht. Ironie und Zynismus sind Takeo ebenso fremd, doch aufrichtigen Humor bekommen wir von ihm fast nie zu hören. In „Der Glanz des Mondes“ erscheint der 17- oder 18-jährige Takeo ebenso als energischer Kämpfer und Befehlshaber wie auch als einfühlsamer Menschenbeobachter. Diehl gelingt es, beide Aspekte eindrucksvoll darzustellen.
Marlen Diekhoff spricht Lady Kaede in der dritten Person. Dieser Wechsel der Erzählperspektive ist leicht zu bewältigen und sorgt für Abwechslung. Diekhoff verfügt über eine sanfte, honigweiche Stimme, die ich stellenweise ein wenig zu leise finde. In „Das Schwert in der Stille“ monierte ich Diekhoffs brüchige Stimme. Auf „Pfad im Schnee“ und „Der Glanz des Mondes“ klingt diese Stimme jedoch hörbar erholt und kräftig. Sie moduliert die Tonhöhe und die Satzintonation besser und abwechslungsreicher. Es fällt ihr keineswegs schwer, auch mal einen Ausruf und ein Flüstern einzuflechten. Ihr Vortrag ist wesentlich emotionaler als jener von Diehls.
|Aussprache und Schreibweise|
Beide Sprecher bewältigen die sprachlichen Schwierigkeiten, die das Japanische bietet, mit großer Bravour. Sie haben sich offenbar kundig gemacht. Ganz besonders August Diehl muss mit vielen Namen zurechtkommen, die stets ein wenig von der Schreibweise abweichen. Ein paar Beispiele:
Otori: Die Betonung liegt im Japanischen eine Silbe VOR derjenigen, die im Indogermanischen betont wird. Hier würde man „Otori“ auf der zweiten Silbe betonen: otóri. Doch im Japanischen liegt die Betonung auf der ersten: Es klingt wie [ottori]. Analog dazu wird „Shirakawa“ auf der zweiten statt der dritten Silbe betont: [shirà kawa]. Analog dazu die Städtenamen Inúyama, Yamágata und Teráyama. Der Name der Lady Kaede wird in nur zwei Silben ausgesprochen, denn [ae] ist ein Doppellaut und klingt wie [ei], nicht wie [ä].
Allerdings scheinen sich die beiden Sprecher nicht hinsichtlich der Aussprache abgesprochen zu haben. Diehl spricht zum Beispiel den Namen Kahei wie „ka’hej“ aus, doch Diekhoff sagt „kachei“. Auch die Betonung bestimmter Namen kann variieren. Aber das kann „im Eifer des Gefechts“ passieren.
_Personenliste_
Weil das Personal recht umfangreich ist, enthält das Hörbuch eine Liste der auftretenden Figuren, die auch schon im Buch unschätzbare Dienste leistet. Dennoch bleibt eine Quelle der Verwirrung. Ständig tauchen Angehörige des Stammes auf, die als „Skuta“ bezeichnet werden. Manchmal steht diese Bezeichnung für den Stamm im Allgemeinen, dann aber wieder nur für eine bestimmte Familie (Akio usw.), die sich Takeo zum Feind gemacht hat – im Unterschied zu der Stammesfamilie der Muto. Um die Verwirrung vollständig zu machen, tauchen die Skuta überhaupt nicht im Personenregister des Buches auf, aber nur die Stammesfamilie Kikuta hat die entsprechenden Vornamen. Das ist auch keine Ausspracheabweichung, denn es werden durchaus im gesprochenen Text auch Kikuta genannt.
Lediglich im Buch kann sich der Interessierte anhand einer Landkarte orientieren, wie die Ortsnamen und die Namen der Clan-Domänen geschrieben werden. Meine Schreibweise ist der im Buch angeglichen.
_Die Übersetzung_
Nicht Irmela Brender arbeitete hier als Übersetzerin, sondern Salah Naoura, die mir unbekannt ist. Die Sprachebene, die verwendet wird, ist natürlich nicht die des modernen Alltags, sondern die der klassischen Erzählung, also ein überhöhender Tonfall, wie er etwa einem Heldenepos wohlansteht. Er passt ausgezeichnet zu dem Sujet der Liebe, der Ehre und des Kampfes.
Leider fehlt ein Glossar, aber immerhin gibt es jetzt – im Buch wie auch im Hörbuch-Booklet – das lang ersehnte Personenverzeichnis. Im Buch gewährt eine Landkarte Aufschluss über Namen sowie Orientierung. Ich habe darauf zwar nicht gefunden, wo die dargestellte Gegend liegt – im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu, 100 km westlich von Hiroshima –, aber wenigstens kenne ich nun die Schreibweise der Namen. Und wenn im Text vom „Festland“ die Rede ist, kann es sich ja wohl nur um die Mandschurei oder das Reich der Mitte handeln.
_Unterm Strich_
Der Abschlussband der Otori-Trilogie ist auf weiten Strecken auf Action und das Ränkespiel der Lords ausgerichtet, was in der Schlacht um Hagi gipfelt. Das Ränkespiel der „Stammes“-Familien bleibt weiterhin kompliziert. Lady Kaede wird schon in der Mitte der Handlung auf einen Nebenschauplatz abgestellt, der Takeo in eine Falle locken soll. Als Takeo seine Frau endlich wiedersieht, bietet sie einen schockierenden Anblick …
Das Schicksal Takeos und Kaedes ist bewegend und auch für westliche Leser bzw. Hörer interessant. Die gesamte Trilogie „Der Clan der Otori“ richtet sich an Jugendliche um 16 bis 17 Jahre. Sowohl Lady Kaede (16) als auch Otori Takeo (17 oder 18) sind in diesem Alter, als das dritte Buch „Der Glanz des Mondes“ beginnt. Beide wachsen in einer Erwachsenenwelt auf, die ebenso von Geheimnissen wie von Gefahren erfüllt ist. Und die Gefahr gilt immer dem Leben. Hier rollen die Köpfe reihenweise.
Das Hörbuch finde ich diesmal rundum gelungen. Sowohl Diehl als auch Diekhoff hauchen ihren Figuren Takeo und Kaede auf glaubwürdige und einnehmende Weise Leben ein, so dass man sich lebhaft für ihr weiteres Wohlergehen interessiert. Immer noch halte ich Diehl für den besseren Sprecher, aber Diekhoff hat aufgeholt.
|Originaltitel: Tales of the Otori, Book 3: Brilliance of the Moon, 2004
Aus dem US-Englischen übersetzt von Salah Naoura
570 Minuten auf 8 CDs|
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