Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

James, Peter – So gut wie tot (Lesung)

_Packender 9/11-Krimi: die Katastrophe als kriminelle Chance_

Zwei Frauenleichen. Die eine wird in einem Abwasserkanal nahe Brighton gefunden, die andere aus einem schlammigen Fluss in Australien gezogen. Und doch hatten beide Frauen etwas gemeinsam: Sie waren mit ein und demselben Mann verheiratet. Dieser Kleinkriminelle aus Brighton kam offenbar bei den Anschlägen vom 11. September ums Leben. Während sich der Cop Roy Grace auf die Suche nach einem Toten macht, rennt in Brighton eine junge Frau um ihr Leben. Auch sie verbindet etwas mit Ronny Wilson …

_Der Autor_

Peter James ist Schriftsteller und Filmproduzent, liebt schnelle Autos und hat ein Faible für das Übersinnliche. Er lebte lange Jahre in den USA und war dort als Drehbuchautor und Filmproduzent tätig. Mittlerweile leitet er seine eigene Filmproduktionsfirma in England. Er lebt in Sussex und in London. Mehr Info: www.peterjames.com (ohne Gewähr). (Verlagsinfo) Als Hörbücher werden bereits „Stirb schön“ und „Nicht tot genug“ von |Argon| angeboten.

Peter James auf |Buchwurm.info|:

[„Stirb ewig“ 3268
[„Stirb schön“ 3154
[„Stirb schön“ 3680 (Lesung)
[„Nicht tot genug“ 4844 (Lesung)
[„Mein bis in den Tod“ 2493
[„Wenn er fällt, dann stirbt er“ 1391

_Der Sprecher_

Hans Jürgen Stockerl studierte Schauspiel an der Neuen Münchner Schauspielschule Ali Wunsch-König. Neben seiner Theater- und Fernsehkarriere ist Stockerl als gefragter Hörbuch- und Hörfunksprecher tätig, dessen markante Stimme u. a. im Bayerischen Rundfunk, ZDF, WDR und DeutschlandRadio zu hören ist.

Regie führte Vera Teichmann.

_Handlung_

Am 11. September 2001 trifft der englische Geschäftsmann Ronny Wilson in New York City ein, um seinen früheren Geschäftspartner Donald Hatcook aufzusuchen. Ronny ist durch seine erfolglosen Geschäftsideen total abgebrannt, Donald ist seine letzte Hoffnung. Aber in seiner Aktentasche hat Ronny wie stets wertvolle Briefmarken bei sich. Um 8:47 Uhr befindet er sich noch etwa einen Block vom World Trade Center entfernt, in dessen Südturm Hatcook sein Büro hat, als ein Flugzeug in den Nordsturm einschlägt. Eine Art Erdbeben erschüttert die Straße, Rauch weht wie eine Fahne über den East River und Trümmer beginnen auf die Straße zu fallen.

Doch unverzagt zerrt Ronny seinen Rollkoffer und die Aktentasche weiter. Wenn bloß nicht die Feuerwehr und die Polizei alles absperren! Schneller! Da rast ein zweites Flugzeug in den Südturm, noch ein Erdbeben grollt durch die Straßen, es regnet Trümmer. Als ein abgetrennter menschlicher Arm Ronny vor die Füße knallt, bleibt er endlich stehen. Es regnet Menschen. Sie platzen auf dem Asphalt. Endlich kehrt Ronny um und macht, dass er wegkommt. Falls er in dem Staubsturm draußen irgendetwas sehen kann. Wenige Stunden später kommt ihm eine geniale Idee, wie er mit einem Schlag alle seine Probleme lösen und seine zahlreichen Gläubiger loswerden kann …

|Die Tote im Fluss|

Im September 2007 findet ein australisches Pärchen, das einen Ausflug macht, in einem Fluss bei Melbourne per Zufall ein Autowrack. In dessen Kofferraum findet die Polizei eine Frauenleiche, die bestialisch stinkt. Das gebrochene Zungenbein verrät den Cops, dass sie erdrosselt wurde. Durch ihre Brustimplantate kann die Gerichtsmedizin herausfinden, dass sie aus Brighton in England stammt. Schon bald wird Interpol in Brightons Polizeistation anrufen, um nach der Identität der ermordeten Schwangeren zu fragen.

|Das Skelett im Schacht|

Oktober 2007. Detective Superintendent Roy Grace von der Kripo Brighton & Hove ist schwer genervt. Ausgerechnet am jenem Freitagnachmittag, an dem er seiner Angebeteten Cleo Murray eine schöne Überraschung bescheren wollte, kriegt er einen neuen Fall zugeteilt: ein Skelett in einem Abwasserkanal. Na, prächtig. Genau das, was er fürs Wochenende brauchte. Doch das Skelett stellt sich als das einer jungen Frau heraus, die höchstens 30 Jahre alt war und vor höchstens zehn Jahren starb. Und sie wurde ebenfalls erdrosselt.

Roy Grace beschleicht ein schrecklicher Verdacht: Könnte es sich um seine vor neun Jahren spurlos verschwundene Frau Sandy handeln? Erst die Untersuchung des Gebisses der Toten widerlegt diesen furchtbaren Verdacht. Aber wer ist die Tote dann? Sie stellt sich als Joanne Wilson heraus, von der in ihrem Bekanntenkreis allgemein angenommen wurde, sie sei nach ihrer Scheidung von Ronny Wilson nach Los Angeles gezogen, um dort Schauspielerin zu werden. Nur dass sie dort offenbar nie ankam. Merkwürdig ist aber auch, dass Lorraine Wilson, Ronnys zweite Frau, Mitte 2002 von einer Kanalfähre in den Tod gesprungen sein soll. Und das, nachdem sie die Lebensversicherung für Ronny ausbezahlt bekam, der beim Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 ums Leben kam.

Wenn Roy Grace die Faktenlage anschaut, beschleicht ihn der Verdacht, dass hier etwas nicht stimmt. Er beschließt, nach New York zu fliegen und schickt zwei seiner Leute nach Melbourne, um sich die dortige Tote anzusehen.

|Zwangslage|

Unterdessen gerät Abigail Dawson, 27, die gerade aus Australien zurückgekommen ist, in eine lebensbedrohliche Lage. Ihre Wohnung liegt im achten Stockwerk eines Hauses in Brighton. Das Treppenhaus ist jedoch von Handwerkern blockiert worden, weshalb sie den Aufzug nehmen muss. Kaum ist sie damit losgefahren, bricht eines der Halteseile. Der Lift stürzt ein Stück ab, bevor er sich verkeilt. Das Telefon im Lift ist defekt.

Erst neun Stunden später bekommt sie auf ihrem Handy eine Netzverbindung und versucht die Polizei oder Feuerwehr zu erreichen. Doch als Erstes entdeckt sie eine SMS auf ihrem Mobiltelefon: „Ich habe dich gefunden.“ Abby ist seit ihrer Abreise aus Melbourne auf der Flucht, mit wertvoller Beute. Wenn der Mann, vor dem sie flieht, sie gefunden hat, dann steckt sie in ernsten Schwierigkeiten.

Und erst Stunden später wird sie von der Feuerwehr herausgeholt. Kein Wunder, dass sie dem Reporter von der Lokalzeitung keinesfalls ein Interview geben will. Und seinen Fotografen lässt sie erst recht nicht knipsen. Aber alles hilft nichts, als der Briefkurier, den sie bestellt hat, sie k. o. schlägt und fesselt. Ricky will das wiederhaben, was sie ihm geklaut hat. Um jeden Preis …

_Mein Eindruck_

Peter James ist ja schon ein Routinier. Er hat sich mit unheimlichen Mystery-Thrillern einen Namen gemacht, sich aber seit wenigen Jahren aus dieser Nische herausgeschrieben, weil die Nische momentan ziemlich out ist. Horror im Alltag? Kann jeder beim Stadtausflug erleben. Bessere Ideen weisen da schon seine neuen Krimis „Stirb ewig“, „Stirb schön“ und „Nicht tot genug“ auf.

|Im Schatten der Hauptstadt|

„So gut wie tot“ ist bereits der vierte Krimi um Detective Superintendent Roy Grace, der vor neun Jahren seine Frau Sandy auf mysteriöse Weise verlor. Der Autor schildert den Schauplatz Brighton und Sussex, als ob er selbst dort leben würde. Er weiß sogar, dass es dort eine große Schwulenkolonie gibt. Und die Nähe zu London und den Vergnügungen der Metropole schimmert stets am Horizont des Geschehens in den Romanen durch.

Roy Grace kriegt so manches von den Verbrechen der Hauptstadt mit. Diesmal muss er sich mit einem von der Londoner Metropolitan Police importierten Konkurrenten herumschlagen. Cassian Pewey erweist sich als schlechter Verlierer und will Grace am Zeug flicken: Er stellt eigenmächtig Ermittlungen in Sachen Sandy an und würde sogar Graces Garten umgraben lassen. Das ist natürlich in den Augen des Betroffenen eine Ungeheuerlichkeit, und sie führt im Showdown um ein Haar zu tragischen Folgen.

|Ground Zero|

Der eigentliche Grund, warum der Autor dieses Buch geschrieben hat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung: die Szene vor dem World Trade Center zur Stunde, als die zwei Flugzeuge in die Türme fliegen. In der Tat ist diese grauenerregende Szene so deutlich und ausgedehnt dargestellt, als wäre der Leser oder Hörer selbst vor Ort und könnte das Donnergrollen hören und die fallenden Menschenleiber sehen, den Rauch riechen und die Sirenen heulen hören.

Dieser Ort wird dreimal gezeigt, was alleine schon seine zentrale Bedeutung belegt. Beim zweiten Mal ist Ronald Wilson an der Stätte der Verwüstung, um vorgeblich den Suchmannschaften zu helfen, Dinge zu finden, die der Identifikation der Opfer dienen. Doch in Wahrheit entsorgt er dort nur sein Handy und seine Brieftasche. Die Schuttberge sind meterhoch, die Szene surreal, die Wahrheit ein schattenhaftes, leicht formbares Ding. Hier kann Ronny Wilson leicht verschwinden, indem er die Identität wechselt.

Beim dritten Mal, dass uns Ground Zero gezeigt wird, ist DS Roy Grace sechs Jahre später am Ground Zero und betrachtet die gereinigte Trümmerstätte zwischen den wiederhergestellten Gebäude ringsum. Es ist ein völlig anderer Anblick, und doch gehört er in diese Dreierreihe, die eine Art Zeitlinie und dramatische Konstante in der Handlung darstellt. Anhand der Reaktionen der Angehörigen stellt der Autor dar, welchen emotionalen Eindruck dieser geschichtliche Einschnitt hinterlässt. Lorraine Wilson, Ronnys Frau, steht hierbei in erster Reihe. Es ist wichtig, dass der Leser bzw. Hörer an ihrem Schicksal Anteil nimmt, denn sie taucht immer wieder in der nonlinear erzählten Geschichte auf.

|Briefmarken als Währung|

Das zweite wichtige Element ist die beständig untermauerte Vorstellung, dass seltene Briefmarken nicht nur eine beständige Wertanlage seien, sondern zudem eine gute Methode, um steuerfrei Einkünfte zu unterschlagen und sogar um Geld zu waschen. Die Stücke sind handlich und leicht zu verstecken, etwa in Büchern. Zudem gibt es anscheinend noch keine Polizeihunde, die auf Briefmarken abgerichtet wurden, im Gegensatz etwa zu Banknoten. Daher dürfte dieser Krimi unter Briefmarkensammlern schnell Kultstatus erreichen.

Der Haken beim Sammeln und besonders beim Verkaufen sind natürlich die Experten und Händler, die den Wert der Stücke taxieren. Darunter finden sich in dem Roman etliche schwarze Schafe, aber auch rechtschaffene Leute. Immer wieder gerät Abby Dawson an die Falschen, die sie übers Ohr hauen wollen, und natürlich an den fiesen, brutalen Ricky Scaggs, der vor keiner Schandtat zurückschreckt, um das, was er „seine Sammlung“ nennt (die er selbst gestohlen hat), wiederzubekommen. Ricky führt Abby und Roy Grace in einem knifflig inszenierten Showdown zusammen – und macht es seinen Häschern alles andere als einfach, ihn zu erwischen.

Abby Dawson ist die dritte Hauptfigur neben Ronny Wilson und Roy Grace und daher mit einem separaten Handlungsstrang geehrt. Dramatische Szenen muss sie durchleiden, bevor alles wieder ins Lot kommt. Aber wie Ricky und Roy Grace fällt es uns schwer, ihr zu glauben, dass sie die millionenschwere Briefmarkensammlung nur dafür verwenden will, ihrem kranken Mütterlein Mary ein angemessenes Zimmer im Altenpflegeheim zu besorgen und zu bezahlen. Ganz recht: Auch wir sollten nicht den Fehler machen, ihr dies zu glauben. Denn Abby hat einen gerissenen Plan, um Ricky gegen Roy Grace auszuspielen …

|Der Sprecher|

Hans Jürgen Stockerl hat eine sehr angenehm klingende Stimme, sonor und tief, aber alles andere als rau. Er kann zwar nicht so gut die Tonlage variieren, um weibliche Stimmen deutlich höher klingen zu lassen, aber dieses kleine Manko macht er leicht wieder wett, indem er die Lautstärke wechselt und/oder das Tempo variiert. Außerdem gelingt es ihm recht gut, männliche Figuren durch unterschiedliche Stimmen zu charakterisieren. Der Polizist Norman Potting, der stets unangenehm durch politisch unkorrekte Bemerkungen auffällt, spricht tief, rau und etwas polternd laut.

Gerichtsmedizinerin Cleo Murray ist die Geliebte des Helden Roy Grace von der Mordkommission. Sie spricht zwar meist langsam und leise, aber dann macht sie stets auf verführerischste Weise einen netten Vorschlag, den Roy nicht ablehnen kann. Der Sprecher findet genau die richtige Tonlage, um sie echt statt klischeehaft klingen zu lassen. Man muss nur genau hinhören, um solche feinen Untertöne herauszuhören. Denn der Sprecher weiß, dass die Kunst in der Beschränkung liegt, nicht im Übertreiben. Deshalb hat es mich immer wieder gewundert, dass er sich zu lauten Rufen hinreißen lässt. Allerdings ist es schwierig, glaubwürdig um Hilfe zu schreien, wenn man dies nicht mit einer gewissen Lautstärke tut.

_Unterm Strich_

Dies ist der Thriller, den Peter James schon immer über 9/11 schreiben wollte. Endlich hat er es geschafft – und der Geschichte gleich einen interessanten Pfiff verliehen. Der 11. September 2001 war nicht nur ein geschichtlicher Wendepunkt, sondern auch eine günstige Gelegenheit für etliche Menschen, das eigene Glück zum Besseren zu wenden. Bekannt wurden Betrugsfälle, vernichtete Akten und Dateien. Ronny Wilson lässt sich gleich selber verschwinden – ein patenter Kniff, um den Gläubigern zu entgehen und neu anzufangen. Dennoch bleiben bei dieser Sache genügend Fragen offen, um den Leser bei der Stange zu halten.

Unter Briefmarkensammlern (ich bin selber einer) in aller Welt sollte dieser Roman Kultstatus erreichen, werden doch hier seltene Briefmarken nicht nur als Wertanlage präsentiert, sondern auch als einfache und handliche Methode, um Geld zu waschen und zu unterschlagen. Wer erstaunt ist, dass simple Stücke gummierten Papiers zehn- und hunderttausende von Pfund wert sein können, sollte mal in einen seriösen Katalog schauen. Wenigsten wird hier kein einziges Mal die blaue Mauritius erwähnt – das wäre dann doch zu abgedroschen.

Der Roman hat mir recht gut gefallen: eine wendungsreiche Story mit rätselhaften Funden, einem polizeiinternen Knatsch und einem clever eingefädelten Showdown. Leider kommt diesmal aufgrund der Kürzungen im Hörbuch die Erotik etwas zu kurz, die zwischen Roy Grace und seiner Gerichtsmedizinerin Cleo knistert. Dieses Element war in den vorausgegangenen Romanen stets ein ausgleichendes Gegengewicht zu Gewalt und Grauen, denen sich Roy Grace in seiner täglichen Arbeit stellen muss. Auch kommen diesmal Gewalt und Grauen außer in einer oder zwei Szenen nicht zur Geltung.

|Das Hörbuch|

Das Hörbuch wird von Hans Jürgen Stockerl kompetent gestaltet, aber auch er muss sich nicht der Sprachakrobatik eines Rufus Beck bedienen, um sein Soll zu erfüllen. Mir ist es viel lieber, wenn sich der Sprecher zurückhält und nur andeutet, wie die Figuren sich ausdrücken. Den Rest besorgt meine Vorstellungskraft. Deshalb fand ich es ziemlich auffällig, dass der Sprecher mehrmals laut ruft und sich in emotionale Aufregung versteigt. Erstaunlich war auch die Tonhöhe, in die er seine Stimme treiben kann. Diesmal stehen weibliche Figuren deutlich im Vordergrund, vor allem Abby Dawson.

|Originaltitel: Dead Man’s Footsteps, 2008
Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg
397 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-86610-607-9|
http://www.argon-verlag.de

Wolfgang Hohlbein – Als der Meister starb (Gespenster-Krimi 2)

Dramatisch inszeniertes Grusel-Hörspiel

Man schreibt das Jahr 1883. Vor der Küste Schottlands zerschellt der Viermastsegler „Lady of the Mist“ auf den tückischen Riffen. Okkulte Kräfte haben ihn angegriffen. Nur wenige Menschen überleben die Katastrophe, unter ihnen befindet sich ein Mann, der die Schuld an dem Unglück trägt. Ein Mann, der gejagt wird von uralten, finsteren Göttern, aber auch von Zauberern, denen er zu entkommen suchte: Roderick Andara, den man den „Hexer“ nennt. (Verlagsinfo)

|Hinweis|

Wolfgang Hohlbein – Als der Meister starb (Gespenster-Krimi 2) weiterlesen

John Grisham – Der Polizist

Die Handlung:

Jake Brigance, Held der Bestseller „Die Jury“ und „Die Erbin“, ist zurück. Diesmal steht er als Pflichtverteidiger im Zentrum eines aufsehenerregenden Mordprozesses in Clanton, Mississippi. Sein Mandant Drew Gamble soll einen örtlichen Deputy umgebracht haben. Die Mehrheit von Clanton fordert lautstark einen kurzen Prozess und die Todesstrafe. Dabei ist Drew Gamble gerade einmal 16 Jahre alt. Jake Brigance arbeitet sich in den Fall ein und versteht schnell, dass er alles tun muss, um den Jungen zu retten. Auch wenn er in seinem Kampf für die Wahrheit nicht nur seine Karriere, sondern auch das Leben seiner Familie riskiert. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bei der Menge an Justiz-Romanen (dies ist der 35.) ist es nicht schlimm, wenn dem einen oder anderen der Name Jake Brigance nichts sagt. „A Time to Kill“ (dt. DIE JURY) stammt aus dem Jahr 1989 und war der erste der Reihe. „Sycamore Row“ (2013, dt. DIE ERBIN, 2014) kam viele Jahre später.

John Grisham – Der Polizist weiterlesen

Michalewsky, Nikolai von / Redeker, Jochim-C. / Weymarn, Balthasar von – Mark Brandis: Vorstoß zum Uranus, Teil 1 (Hörspiel, Folge 7)

_Friss Staub, Amigo! – Tod auf Titania_

Das Jahr 2125: Die Strategische Raumflotte schickt Commander Ernest D. Scott und eine vierköpfige Crew mit einer |Delta IX| als erste bemannte Mission zum Uranusmond Oberon. Scotts Ehrgeiz, auch noch Mark Brandis‘ Geschwindigkeitsrekord brechen zu wollen, wird der Expedition zum Verhängnis: Es kommt zu einer Bruchlandung auf dem Nachbarmond Titania.

Die Besatzung überlebt zwar, doch niemand weiß, dass die |Delta IX| auf dem falschen Uranusmond gelandet ist, und früher oder später lebenserhaltende Geräte ausfallen werden. Zwei Crewmitglieder müssen 20 Kilometer hinauf zum Canyonrand klettern, um einen Sender aufzustellen – ein riskanter Auftrag … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

|Mark Brandis| auf |Buchwurm.info|:

Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“ 4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“ 5013
Folge 3: [„Unternehmen Delphin“ 5524
Folge 4: [„Aufstand der Roboter“ 5986
Folge 5: [„Testakte Kolibri 1“ 5984
Folge 6: [„Testakte Kolibri 2“ 5985

_Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.

|Die Sprecher und ihre Rollen:|

Cmdr. Ernst D. Scott: Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan, Kevin Costner, Al Pacino)
Cpt. Peter Gottwald: Mark Bremer
Bordcomputer: Anke Reitzenstein (Ashley Judd, Angela Bassett, Linda Fiorentino, Whitney Houston)
Major Frederick Young: Erich Räuker (Liam Cunningham, Elias Koteas)
Lt. Winston McIntosh: Sven Hasper (Christian Slater, Michael J. Fox)
Lt. Bill Maddox: Tobias Kluckert (Seth Rogen, Gerard Butler, Tyrese Gibson)
Adjutantin: Anja Henkelmann
Tschou Lin: Oliver Siebeck (‚Vegeta‘, Christopher B. Duncan)
Oberst Lao Wu: Stefan Gossler (Jackie Chan)
Sgt. Domenico Sini: Simon Jäger (Josh Hartnett, Heath Ledger)
Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis

_Hintergrund_

|Die Venus-Kolonie|

Die Chinesen errichteten auf dem Mars die erste Kolonie, deshalb wollte die westliche Union lieber die Venus besiedeln. Erst mit der Entdeckung einer chemischen Konstante Mitte des 21. Jahrhunderts gelang ein Durchbruch, und seither macht die Zersetzung von Schwefelsäure und Kohlendioxid in der Venus-Atmosphäre Fortschritte, wird aber erst Ende des 22. Jahrhundert abgeschlossen sein. Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur von zunächst 450 °C und der langen Venustage (1 Tag entspricht 5832 Stunden) war und ist eine Besiedlung nur in Polnähe möglich. Bis 2095 wurde eine Strafkolonie unterhalten. Ein Schirm wurde errichtet, Forscher und Zivilisten folgten. Bodenwärme wurde in Energie umgewandelt, und die Venuskolonie prosperiert. (Verlagsinfo, abgewandelt)

|VEGA|

Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde-Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.

_Handlung_

Die |Delta IX| ist schneller als die alte |Delta VII|, mit der Mark Brandis einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Commander Ernst D. Scott gedenkt, diesen Rekord zu brechen – als Revanche dafür, dass ihm Brandis seinerzeit bei Ruth O’Hara zuvorkam, die seinen Rivalen heiratete. Als er nun die Expedition zum Planeten Uranus leitet, um dessen Monde auf Rohstoffe zu untersuchen, gibt Scott ordentlich Gas. Ein weiterer Grund ist der, dass das Hauptquartier der Sternenflotte mögliche asiatische Konkurrenz gemeldet hat. Der will Scott zuvorkommen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Der Alarm schrillt – Fehlfunktion! Die Astronauten erwachen aus dem Kälteschlaf der Stasis. Jetzt kommt auch noch ein Systemausfall hinzu. Die Sicherungskopien werden geladen, aber das braucht kostbare Minuten, die ihnen nun die Kurskorrektur vermasseln. Sie werden den Mond Pberon verfehlen und stattdessen in die Gashülle des Uranus selbst stürzen – auf Nimmerwiedersehen! Damit jemand über ihr Schicksal erfährt, setzen sie eine Boje aus. Maddox behält die Nerven und gibt einen alternativen Kurs ein: auf den Mond Titania.

Doch der neu gestartete Computer fällt erneut aus, und sie müssen die |Delta IX| mit Handsteuerung runterbringen: Eine Bruchlandung ist unvermeidlich. Doch am besten nicht auf dem harten Gestein der Plateaus, sondern im weichen Staub am Grunde des riesigen Canyons, der sich 1500 Kilometer über die Oberfläche des Mondes zieht, 20 Kilometer tief und 60 Kilometer breit. Die Landung ist hart, und schließlich kracht der Flieger auf einen riesigen Felsklotz am Grunde der Schlucht.

Ein Start ist unmöglich, das Beiboot hoffnungslos verkeilt. Kein Funkempfang. Das bedeutet, dass niemand sie finden wird, weil man sie daheim auf Oberon vermutet. Also muss man einen Sender oben auf die Klippenkante der Schlucht stellen. Jemand muss 20 Kilometer hochklettern und den Sender ausrichten und aktivieren. Maddox und McIntosh melden sich freiwillig und schleppen den Sender in die Höhe, der aber wegen der geringen Schwerkraft nur wenig wiegt.

Doch dann dreht der Ingenieur Sini durch und rast mit dem freigemachten Dinghi in die Canyonwand. Diese Möglichkeit fällt also auch aus. Commander Scott trägt es mit Fassung und hört sich den Expeditionsbericht seines Beinahe-Namensvetters Robert Falcon Scott an, der 1912 den Wettlauf zum Südpol verlor und auf dem Rückweg ums Leben kam. Er ahnt nicht, dass die Chinesen der VOR-Republiken ein Störfeld um das Uranus-System aufgebaut haben. Sie wollen die |Delta IX| für sich haben, um den technischen Vorsprung der Union zu brechen …

_Mein Eindruck_

Die Parallelen zur historischen Südpoltragödie von 1912 sind in der Tat unübersehbar. Das fängt mit dem Ehrgeiz des Heißsporns Scott an, geht mit der Namensähnlichkeit zu Sir Ernest D. Shackleton weiter und hört mit dem fatalen Schicksal der beiden Kletterer Maddox und McIntosh nicht auf. Dass die beiden eine 20 Kilometer hohe Wand erklettern, ist in der Sciencefiction so ungewöhnlich nicht. In seiner packenden Novelle „Grüner Mars“ hat Kim Stanley Robinson, selbst ein passionierter Kletterer, die Erstbesteigung des Mons Olympus auf dem Mars geschildert, und der ist 25 Kilometer hoch – der höchste Berg des gesamten Sonnensystems.

Doch das tragische Schicksal von Maddox und McIntosh erinnert fatal an das von Robert Falcon Scott und seinen Männern. Einer nach dem anderen starben sie, durch Entkräftung oder Unterkühlung, meist friedlich – oder sie verschwanden einfach im Schneesturm. Maddox und McIntosh haben jedoch andere Probleme: Ihren Raumanzügen geht einfach die Energie aus, so dass die Heizung ausfällt, und der Proviant reicht nicht. Sie können sich ja schlecht zehn Kilometer in die Tiefe fallen lassen, damit’s schneller geht, denkt Maddox. Doch er erwacht eines Morgens, und McIntosh ist verschwunden.

Diese Folge der Reihe besticht sowohl durch die Notsituation an Bord der |Delta IX| als auch durch den beklemmenden Verlauf der Katastrophe, die sich auf Titania anbahnt. Leider ist dies alles nicht so wahnsinnig spannend, sondern vielmehr bewegend. Von Action kann keine Rede sein. Auch die eingeschobenen Szenen in den Kreisen der chinesischen Führung dienen mehr dazu, die Beklemmung zu erhöhen als die Spannung. Denn das entscheidende Manko besteht darin, dass die Chinesen nie persönlich auftauchen. Das wird der Fortsetzung vorbehalten sein.

_Mein Eindruck: Die Inszenierung_

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Delta IX| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleuse. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt. Die Notlandung ist natürlich entsprechend dramatisch inszeniert, mit Krachen und Donnern.

Ungewöhnlich sind eher Sounds, die Verzerrungen im Funksprechverkehr simulieren – das lässt aufhorchen. Hier haben die Macher dazugelernt. Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s „Perry Rhodan“ kann in dieser Liga mitspielen. Auch das Design von verzerrten Meldungen per Funk ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.

|Die Sprecher|

Die Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über das Schicksal von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert. Frank Glaubrecht spielt den kühlen Ehrgeizling, der genauso gut über Leichen gehen könnte, wenn es nur seinem Nachruhm dient.

Allerdings tritt seine Rolle im letzten Drittel dieser Folge hinter dem Schicksal von Maddox und McIntosh zurück, die dadurch zu den eigentlichen Helden werden. Dass der Ingenieur Sini, gesprochen von Simon Jäger, durchdreht, erscheint nur als kleines Ablenkungsmanöver. Aber es ruft in Erinnerung, dass sich auch an Bord der |Delta IX| ein Drama des Überlebens abspielt und es eine Konfrontation gibt.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Outro und in den Intermezzi. Letztere haben die Aufgabe, die längeren Szenen voneinander abzutrennen und eine Emotion zu vermitteln, z. B. Beklemmung.

Dies wechselt sich ab mit dem idyllischen Vogelgezwitscher und chinesischen Lautenklängen in den eingeschobenen Szenen, in denen ein intriganter VOR-Führer mit einem Oberst seiner Raumflotte die weiteren Pläne gegen die Konkurrenz von der Union bespricht. Der Kontrast zwischen Idylle in China und dem Überlebenskampf auf Titania könnte nicht größer sein. Klar wird die Absicht der Macher deutlich, die Folgen politischer und militärischer Entscheidungen auf das Schicksal des Einzelnen zu veranschaulichen – und die Skrupellosigkeit der Politiker zu verdammen.

|Das Booklet|

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen 1-8 der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Darüber hinaus gibt es jeweils Zusatzinformationen, so etwa über den ungewöhnlichen Planeten Uranus, dessen Achse um 90° Grad geneigt ist, sowie über die Begriffe „Dunkle Materie“ (hypothetisch), „Pulsar“ (ein Neutronenstern), „Triangulation“ (Vermessungsmethode) und die militärische Raumstation der VOR-Republiken Zhongli Quan.

_Unterm Strich_

Diese spannende und dramatische Doppelfolge führt den Hörer hinaus an den Rand unseres Sonnensystems, zu den Monden des Planeten Uranus. Auf diesen soll Commander Scott Erzvorkommen erkunde, doch natürlich soll dort auch die Flagge der Union wehen. Und Scott hat zudem den Ehrgeiz, den Geschwindigkeitsrekord von Mark Brandis zu brechen.

Es ist eigentlich kein Wunder, dass die Mischung all dieser Ziele zur Katastrophe führt: Die |Delta IX|, das schnellste Schiff der Union, legt eine saubere Bruchlandung hin und Scott droht, das gleiche Schicksal wie sein Namensvetter 1912 am Südpol zu erleiden. Die Chinesen von den VOR-Republiken (siehe „Hintergrund“) reiben sich die Hände, denn nun liegt die fette Beute hilflos am Grunde eines Canyons, reif zum Pflücken. Doch da meldet sich Mark Brandis im Äther, denn er leitet eine Rettungsaktion der Union. Aber wo ist die vermaledeite |Delta IX|?

Der dramaturgische Spannungsbogen vollführt wie so oft in Dramen eine V-Kurve: Die Ereignisse werden zusammen mit den Emotionen immer finsterer, die Hoffnung schlägt schließlich in Verzweiflung um, und es kommt zu Kurzschlussaktionen, die auch in Gewalt umschlagen. Der aufsteigende Teil der V-Kurve muss in der Fortsetzung beschrieben werden. Auf diese wartet der Hörer daher bereits ungeduldig.

|Das Hörspiel|

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Die Parallelen zu Scott anno 1912 werden durch die Tagebuchauszüge überdeutlich hervorgehoben. Scotts Ehrgeiz erscheint wie jener seines Namensvetters als überheblich und vermessen. Die Strafe, die die Götter für solche Hybris vorgesehen haben, zahlen aber zunächst Scotts Männer.

Dieses Drama ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

Gut finde ich, dass |Folgenreich| und |Universal Music| jetzt den Vertrieb übernommen haben. Dadurch ist der Fortbestand der Serie wohl gesichert. Und nun kann man sich mit Frank Glaubrecht (bekannt als „John Sinclair“; Stimme von Pierce Brosnan, Kevin Costner und Al Pacino) und Simon Jäger (Stimme von Josh Hartnett und Heath Ledger) auch namhafte Synchronsprecher leisten, die ein wenig(?) mehr kosten als die bisher eingesetzten. Das kommt dem Wiedererkennungs- und Unterhaltungswert der Serie nur zugute.

|59 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-8291-2315-0|
http://www.folgenreich.de/markbrandis
http://www.interplanar.de
http://www.markbrandis.de
http://www.universal-music.de/musik/hoerbuch/

Andreas Eschbach – Das Jesus-Video. Inszenierte Lesung

Hat ein Zeitreisender von Jesu Leben ein Video gedreht? Archäologen finden in Israel die Bedienungsanleitung für eine Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommt. Und befindet sich die Kamera mit dem Video ebenfalls in Israel?

Während der Projektleiter, ein Industrieller, vom Vatikan 10 Milliarden Dollar für seinen Fund haben will, kontert die römisch-katholische Kirche mit einem Kommando der Heiligen Inquisition. Steht ein Religionskrieg bevor?

Der Autor

Andreas Eschbach, geboren 1959, schrieb mit „Das Jesus-Video“ einen der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungs-Thriller: Er wurde von Pro7 verfilmt und als Hörbuch von Lübbe vertont. Inzwischen hat er neben Science-Fiction auch den spekulativen Wirtschafts-Thriller „Eine Billion Dollar“ und die Jugendbücher „Perfect Copy“ (über Kloning) und „Das Mars-Projekt“ veröffentlicht. Im September 2003 erschien sein neuester Roman „Der letzte seiner Art“, in dem es um einen Kyborgsoldaten im Ruhestand geht. Eschbach lebt in der Bretagne.

Der Sprecher

Matthias Koeberlin, geboren 1974, spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers. Als ausgebildeter Schauspieler weiß er seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Aber er kennt nicht die Aussprache jedes einzelnen ausländischen Namens – wer könnte es ihm verdenken? Daher betont er beispielsweise den Namen des Papst-Agenten Scalfaro falsch: Er sagt Scalfáro statt Scálfaro.

Handlung

Gibt es Zeitreisende – und wenn ja, wo sind sie geblieben? Haben sie was mitgebracht?

Stephen Foxx, Mitglied der New Yorker Explorer’s Society, findet bei archäologischen Ausgrabungen in Israel in einem 2000 Jahre alten Grab die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommen soll. Es gibt nur eine Erklärung (oder?): Jemand muss versucht haben, Videos von Jesus Christus zu machen. Der Tote im Grab wäre demnach ein Mann aus der Zukunft, dem es gelungen war, in die Vergangenheit zu reisen. Und irgendwo in Israel wartet eine Kamera samt Videoaufnahmen in einem sicheren Versteck darauf, gefunden zu werden.

Aber möglicherweise ist ja alles nur ein groß angelegter Schwindel. Schließlich hat ein Medienzar, John Kaun, seine Finger im Spiel. Er finanziert die Ausgrabung, und ein dubioser britischer „Wissenschaftler“ leitet die Grabungen. Als John Kaun dem Vatikan die noch nicht einmal gefundenen Videobänder gegen eine astronomische Summe verkaufen will, beginnt ein lebensbedrohliches Katz-und-Maus-Spiel für Stephen Foxx, das ihn zuletzt an den Rand des Verdurstens in der Wüste Negev führt.

Mein Eindruck

Eschbachs große erzählerischen Vorbilder sind Konsalik und Alistair McLean. Der Leser stößt dementsprechend allenthalben auf Kniffe und effektvolle Strukturen in Eschbachs extrem spannenden Thriller. Auffallend sind die vielen Cliffhanger-Schlüsse an Kapitelenden.

Flache Figuren

Leider sind seine Figuren notgedrungen entsprechend flach, geradezu stromlinienförmig. Sie erfüllen häufig nur dramaturgisch notwendige Funktionen. Nur Stephen Foxx‘ engste Freunde wie Peter Eisenhardt, Judith & Joshua Menes erfahren deutlichere Charakterisierung. Immerhin rettet seine stellenweise auftretende Selbstironie den Erzählton vor dem Abrutschen ins pathetische Drama. Am markantesten gelungen ist wohl der eremitische Vater eines der Ausgrabungshelfer – er gibt den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib der Videokamera, doch schließt er sich selbst vom Geschehen, ja vom Rest der Welt aus.

Bildungsreise durch Israel

Ganz nebenbei vermittelt der Erzähler eine ganze Menge an Bildungswissen und wertvollen Einsichten: nicht nur über das politische Pulverfass Israel – allein schon der PLAN für eine Grabung an der Klagemauer könnte einen Krieg auslösen! -, sondern auch über seine vieltausendjährige Geschichte, auf die sich unter anderem auch unsere abendländische Kultur gründet. Hier agiert der Erzähler mit Tonnen von Material auf leichtfüßige Weise, glänzt stellenweise mit ironischem Witz und originellen Einsichten. Dies macht dieses Hörbuch nicht nur zu einem spannendem Hörerlebnis, sondern zu einem Vergnügen, das nicht so schnell zu wiederholen ist.

Zickzack-Epiloge

In den Epilogen, die der Haupthandlung folgen, verkehrt sich das vermeintlich so traurige Ergebnis der Haupthandlung mehrfach in ihr Gegenteil. Hier stellt der Autor die Frage, ob es so wahnsinnig wichtig ist, ob das Jesus-Video „echt“ ist und dies die „Wahrheit“ für alle Christen sei. Natürlich werden diese absoluten Wertkategorien relativiert. Aber rein aus Spaß an der Freud an diesem Spiel baut sich dann doch so etwas wie eine Zeitschleife auf. Nicht von ungefähr lautet der letzte Satz des Romans „Die Geschichte beginnt.“ Und der Begriff „Geschichte“ hat an dieser Stelle natürlich mehrere Bedeutungen. Selbst wenn wir dieses Buch lesen, sind wir Teil der „Geschichte“.

Originelle Sprache

Immer wieder fällt die abwechslungsreiche und originelle Verwendung der deutschen Sprache auf. So viele passende Begriffe wird man in kaum einer Übersetzung aus dem angelsächsischen Raum finden. Wörter wie „Kugelblitz“, „Glutball“, „herumfuhrwerken“ sind außerhalb der deutschen Sprache – und sogar innerhalb – nur wenig gebräuchlich.

Logischer Fehler

Ein Fehler ist auffallend, eine Fehlkalkulation in der Zeit: Die letzte Szene findet fünfeinhalb Jahre nach der Haupthandlung statt. Dort heißt es, die Videokamera käme in drei Jahren auf den Markt. Als der Zeitreisende auftaucht, sind die fünfeinhalb Jahre vergangen, die Kamera ist bereits seit zweieinhalb Jahren erhältlich. Dennoch wurde sie vom Verkäufer als „das Neueste vom Neuen“ empfohlen. Heute erscheinen zweieinhalb Jahre als eine Ewigkeit für einen Innovationszyklus.

Die musikalische Inszenierung

Diese Romanlesung ist sehr wirkungsvoll. Zum einen trägt ein ausgebildeter Schauspieler sie vor, zum anderen wurde sie mit dem Original-Soundtrack der ProSieben-Verfilmung inszeniert. Das bedeutet, dass jede CD mit einem Intro und einem Extro versehen ist, das den Zuhörer nach Israel versetzt. Das heißt auch, dass entsprechende Stimmen und Musikinstrumente erklingen, die in das jeweilige Milieu passen. Geräusche tauchen kaum auf. Sie würden auch nur stören, denn zwei „Tonspuren“ sind das Maximum, das das menschliche Gehör als erträglich empfindet (Grundkurs Tontechnik). Jede weitere Tonebene muss, wie jeder Spielfilm zeigt, entsprechend zurückgenommen werden.

Die letzte CD weist noch ein weiteres Schmankerl auf: den originalen Abschluss-Song, gesungen von einer Künstlerin. Unter „vocals“ gibt die Hörbuchbeilage „Anna“ an, mehr nicht. Die Musik selbst wurde komponiert, arrangiert, programmiert und aufgenommen von Egon Riedel (www.ego-n.de).

Unterm Strich

Die Hörbuchfassung vereint meines Erachtens das Beste aus beiden Fassungen: Gelesen wird die Buchfassung, aber mit der Musik und der Hauptrolle der ProSieben-Verfilmung. Der Film zeigt eine Variation der Geschichte und legt viel Wert auf Action und Tempo. Wer das Buch mag, kann man über den Film wohl nur den Kopf schütteln.

Deshalb bietet die Hörbuchfassung sozusagen das Original, aber multimedial aufbereitet: eine Rundumerfahrung, die die Längen des Buches hinter sich lässt (Redaktion: S. Scheibler), um zielstrebig zur Sache zu kommen (soweit das bei einer Katz-und-Maus-Jagd überhaupt möglich ist).

Umfang: 410 Minuten auf 6 CDs

Michael Matzer © 2003ff

Ken Follett – Die Kinder von Eden (Lesung)

Kann der Mensch ein Erdbeben produzieren? Was recht unwahrscheinlich klingt, geschieht in Kalifornien: Eine Sekte von Späthippies fordert damit den Gouverneur heraus, um den Bau eines Staudamms zu verhindern, der ihr Tal überfluten würde. – Eines von Follets schwächeren Werken, aber stellenweise dennoch spannend und sogar apokalyptisch.

Der Autor

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Gaspard, Jan – Offenbarung 23 – Machiavelli (Hörbuch)

Mithras oder Wie man einen Messias produziert

Georg Brand, der Berliner Hacker „T-Rex“, ist nur der Spielball eines mächtigen und uralten Ordens, der sich im Zeichen des Gottes Mithras zum Ziel gesetzt hat, dem verstorbenen Hacker Tron einen würdigen Nachfolger zu geben. Doch Ian G. alias Jan Gaspard und seine Ordensbrüder Tom alias Mista Beat und Parish alias Tupac Amaru Shakur müssen sich mit einem zweihundert Jahre alten Widersacher auseinander setzen, der ihre Pläne durchkreuzt: mit dem Baron. Und dieser Schurke scheint seine Finger überall drin zu haben.
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Elizabeth Gaskell – Das alte Kindermädchen erzählt (Gruselkabinett Folge 165)

Der Fluch der bösen Tat

Northumberland, 1852: Nach dem Tod ihrer Eltern zieht die kleine Rosamond zusammen mit ihrem Kindermädchen Hester nach Manor House zu ihren Verwandten. Doch alsbald beginnt Hester, sich über das blasse Gesicht und die kalte Ausstrahlung ihrer Gastgeberin zu wundern. Als eines Abends die verwitterte Orgel zu spielen vermag und ein Kind an die Fensterscheibe klopft, ohne Spuren im Schnee zu hinterlassen, wird Hester klar, dass das Haus offenbar ein düsteres Geheimnis birgt … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin
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Philip Ardagh – Die Kuh, die vom Himmel fiel (Lesung)


Bomben über Dreckskaff: FLUMPH machte die Kuh

Wetterprognose: Häufig Kuh-Regen! Eines Tages fällt in Bad Dreckskaff eine Kuh vom Himmel und landet mit einem ungewöhnlichen FLUMPH und einem bestürzten „MUH!“ mitten auf Limbo Gulasch und seinem Fahrrad. Schon am nächsten Tag fällt eine weitere Kuh aus allen Wolken.

Als die dritte Kuh in einem süßen Gelee-Auflauf landet, haben die Bewohner von Bad Dreckskaff endgültig genug: Ab jetzt ist jeder verpflichtet, den Himmel zu beobachten und sich vor fallenden Kühen zu retten!

Der Bürgermeister ruft eine Notfallsitzung ein, aber nur Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber können Licht ins Dunkel bringen. Und ganz nebenbei noch einen totgeglaubten Fernsehkoch finden. Doch womit niemand rechnet: Die nächste Überraschung kommt von unten … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 8 Jahren. Es handelt sich um den zweiten Band mit Geschichten aus Bad Dreckskaff.

Der Autor

Philip Ardagh ist über zwei Meter groß und trägt einen buschigen Bart – wie sein Foto belegt. Außerdem hat er mehr als 60 Kinderbücher geschrieben, für Kinder jeden Alters und unter verschiedenen Pseudonymen. „Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie „Schlimmes Ende“, verrät der Verlag. Er arbeitete als Werbetexter, als Krankenhausputzkraft, als Bibliothekar und als Vorleser für Blinde, bevor er aus dem Schreiben einen Fulltime-Job machte. Ardagh lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem Küstenort in England.

Der Sprecher

Am 27. März 1945 wurde Harry Rowohlt in Hamburg geboren, wo er auch heute lebt. Er arbeitet als Autor, Übersetzer, Kolumnist und begnadeter Vortragskünstler. Nebenbei brilliert er unregelmäßig als Penner Harry in der Fernsehserie Lindenstraße. Bisher hat Harry Rowohlt 151 Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, darunter A.A. Milnes Pu der Bär.

Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 1999 den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Januar 2001 erhielt er den Satirepreis Göttinger Elch. Zweimal wurde er mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Seine Lesung von „Pu der Bär“ gehört zu den erfolgreichsten Hörbuchproduktionen der letzten Jahre.

„Keine Regie“ führte Markus Langer. Für Aufnahme und Schnitt zeichnet Daniel Bongard verantwortlich.

Handlung

An dem Tag, als es beginnt, hört Polizist Grabschi Hansen ein mächtiges FLUMPH und ein bestürztes „MUH!“, als eine lebende Kuh mitten auf Limbo Gulasch und seinem Fahrrad landet. Geistesgegenwärtig ruft Hansen seinen Chef Gelatine herbei. Der Radler wird befragt. Untertänigst bittet Limbo um Entlastung von der Kuh. Aber wie?

Als Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber vorbeikommen, empfehlen sie, einen Arzt zu rufen. Der Freu kann ebenso wenig helfen wie die Markise von O, doch der Automechaniker Luminös C. Scherbe erteilt nützliche Tipps. Die Kuh erweist sich als undicht. Zum Glück ist es bloß Milch.

Hansen fragt sich unterdessen, woher die Kuh überhaupt gekommen ist. Vom Leuchtturm etwa oder aus einem Luftgefährt vielleicht? Da erscheint ein GROßER SCHATTEN. Es ist Bürgermeister Specki Gomez , mit seinem Maskottchen Gyp, dem Pelikan, unterm Arm. Er haut der Kuh einmal auf den Allerwertesten, und sie erhebt sich sogleich, um von dann zu trotten. Man bringt sie beim Bauer Christoph W. Muck unter.

Am nächsten Tag berichten die Zeitungen von Bad Dreckskaff über die vom Himmel gefallene Kuh. Da fällt eine zweite Kuh vom Himmel! Sie schlägt krachend in Violetto K’s Musikstadel ein, ist sie doch lediglich das MODELL einer Kuh. Polizist Grabschi Hansen verdächtigt Marek Magen-Darm eines „gemeinsamen Nenners“. Doch da schaut Mango genauer hin: Die Flecken dieser Kuh sind die gleichen wie bei der gestrigen Kuh. Das kann doch kein Zufall sein! Grabschi Hansen dankt dem Bürger Mango für seine Mithilfe.

Bürgermeister Specki Gomez beruft ein Notfallkomitee ein, um in einer Notfallsitzung über die fallenden Kühe zu beraten. Werden weitere fallen? Hansen will zunächst „die Himmel beobachten“, als ob es deren mehrere gäbe. Alle Bürger der Stadt geloben, achtsam und wachsam zu sein. Das heißt, alle außer der Familie Fuchs …

Am nächsten Tag bemerken Yvonne und Mango, die im Park sitzen, wie etwas, das sich vom Meer her nähert, immer größer und GRÖßER wird – noch eine Kuh!

Dieses Geschoss richtet einen immensen Schaden an. Denn zufällig (oder auch nicht) findet heute in Bad Dreckskaff das Weltbezwinger-Festival statt. Gerade als stünde er für eine weiche Landung bereit, fällt diese Modellkuh in der Welt größten Gelee-Auflauf, den man sich vorstellen kann. Alle Bürger werden rot bekleckert.

Grabschi Hansen ist schier außer sich vor Ärger. Da gibt ihm Yvonne Zängerlein den vielleicht alles entscheidenden Hinweis: Diese wiederum etwas kleinere Kuh wurde aus der Richtung des Meeres GESCHLEUDERT. Wie mit einem KATAPULT …

Mein Eindruck

Es geht offensichtlich um Terrorismus, klarer Fall. Warum sonst sollte man die Stadt mit lebenden und toten Kühen bombardieren, außer um Furcht und Schrecken zu verbreiten? Wer würde so etwas schon tun, fragt sich der Hörer. Doch wie uns die Geschichte gelehrt hat, kommt die terroristische Gefahr mittlerweile aus der Mitte der Gesellschaft, so etwa in England im Juli 2007, als islamistische Bomber in London Dutzende Menschenleben forderten.

Die Terroristen

Doch wer käme als Terrorist infrage, grübelt unser Dorfbobby Grabschi Hansen. Wir hingegen ahnen es bereits, als einzige Familie, die NICHT achtsam und wachsam den Himel beobachtet, die Familie Fuchs genannt wird. Wer so aus der Reihe der Gutbürgerlichkeit tanzt, muss etwas zu verbergen haben und womöglich sogar einen Groll hegen.

Natürlich werden die „Terroristen“ über kurz oder lang dingfest gemacht und von Grabschi Hansen in seine Grüne Minna gesperrt. Aber um was ging es denn nun den Fuchsens bei ihrem menschenverachtenden Angriff auf die friedliche Hafenstadt? Wie sich herausstellt, ist der Auslöser eine nicht angekündigte Preiserhöhung – bei Eiscremekugeln.

Allerdings könnte man daran zweifeln, ob sich die Fuchsens – sie sind natürlich rothaarig wie alle Rebellen – nicht in der Wahl ihrer Mittel etwas in der GRÖßE vertan haben. Sie bombardieren Bad Dreckskaff ja nach dem alttestamentarischen Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ mit Kühen statt mit Eiscremekugeln. Aber das ist eben das Schlaue an diesem Angriff: Die Kühe werden immer kleiner, um zu demonstrieren, was passiert, wenn man immer weniger kriegt …

Der Meisterkoch

Als Nachklapp zu diesem Roten Faden spielt die Entdeckung einer weiteren dubiosen Aktivität eine gewisse Rolle, wenn auch eine positive. Ein ehemaliger Meisterkoch aus Bad Dreckskaff ist, als er bewusstlos im Krankenhaus lag, für tot erklärt worden. Das fand er nach seinem Erwachen wenig witzig, erblickte aber sofort die einmalige Chance, die das Totsein ihm bot: Er nahm flugs eine neue Identität an und verkroch sich vor der Welt.

Er war gerade dabei, eine neue Kreation auszutüfteln, als ihn ein Sturz von der Leiter in die Tiefen einer Höhle beförderte. Dank sei Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber, dem findigen Pärchen, das ihn findet. Natürlich erhalten sie dafür Verdienstmedaillen und kommen in die Zeitung.

Der Sprecher

Harry Rowohlt macht als Sprecher einen phantastisch guten Job. Er verleiht den meisten Figuren seine oder ihre eigene Ausdrucksweise. Dies betrifft besonders S.V.W. Forzeps, den Meisterkoch mit der falschen Identität (den ich in meiner Inhaltsangabe einfach unterschlagen habe).

Da aber reichlich wenig gesprochen wird, muss Rowohlt als Erzähler die Story tragen als auch veranschaulichen. Damit tut er sich ein wenig schwer, was wohl in der Natur der Sache liegt. Immerhin dürften sich die jungen Zuhörer über seine kuriosen Betonungen der Namen (und natürlich über die kuriosen Namen selbst) beömmeln. Unter diesen Namen ragt der von Yvonne Zängerlein heraus, denn er spricht ihn „I-wonn-ö!“ aus, als brächte sie Wonne ins Leben eines jeden Bürgers von Bad Dreckskaff.

Im Übrigen gibt die Lesung den vollständigen Text des Buches wieder. Es wurde nichts gekürzt. Musikuntermalung fehlt, wird aber keineswegs vermisst: Sie würde nur störend wirken. Es gibt ein paar Soundeffekte wie etwa ein Echo, außerdem ein herrliches MUUUUH! und ein erstaunliches FLUMPH!

Das Booklet

Im Booklet findet der Hörer neben einigen Zeichnungen aus dem Buch eine komplette Liste der Figuren, wie sie Harry Rowohlt ins Deutsche übertrug. Auf diese wertvolle Liste weist der Sprecher in der Rolle des Autors gesondert hin, wenn er die VORBEMERKUNG spricht (welche ich selbstverständlich ebenfalls unterschlagen habe, da sie ja nicht zur HANDLUNG gehört).

Unterm Strich

Das Hörbuch macht durchaus jungen Zuhörern Spaß, sofern sie es schaffen, den Überblick über die vielen Namen zu behalten. Dabei können sie sich allerdings auf die Liste im Booklet stützen. Wenn sie aber schon die erste Geschichte über Bad Dreckskaff gehört oder gelesen haben, ist das noch viel besser.

Ist diese Voraussetzung erfüllt, können sich die Zuhörer an Rowohlts wunderbarem Vortragsstil ergötzen – oder sich gehörig über die – wie bei Ardagh üblich – skurrile bis bizarre Handlung wundern. Aber das war ja in den Büchern über „Schlimmes Ende“ auch schon so.

Bis herauskommt, woher die Kühe denn geflogen kommen, vergeht eine geraume Zeit, in der der Autor seinen Spannungsbogen weidlich ausnutzt, um jede Menge Nebenhandlungen und Impressionen unterzubringen. Auf diese Weise ersteht vor unserem Geist ein Städtchen am Meer, das es mit anderen einfallsreichen Schauplätzen durchaus aufnehmen kann.

Allerdings ist dieses Dreckskaff keine Utopie, kein Krähwinkel und keine Sperlingsgasse à la Wilhelm Raabe, sondern es ist Eden nach dem Sündenfall. Deshalb auch der terroristische Angriff mit den Kühen. Aber es gibt noch Hoffnung für dieses Ex-Eden, wenn man der Liebe eine Chance gibt. Und die Liebe verkörpern niemand besser als Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber, die am Schluss die Verdienstmedaillen bekommen. Aber für was ganz anderes als Terrhttp://www.oetinger.deoristenbekämpfung.

Das Hörbuch

Harry Rowohlts Vortrag lässt nur wenig Wünsche offen und trägt sehr dazu bei, die Geschichte auch ohne Illustrationen und Textgrafiken genießen zu können. Er arbeitet die Sprechweise der Hauptfiguren so gut heraus, dass man sie sich lebhaft in ihrem jeweiligen Charakter vorstellen kann. Ich hätte mir aber gewünscht, es gäbe wie bei „Schlimmes Ende“ mehr Dialoge und weniger Erzähltext.

Fazit: Vier von fünf Sternen.

|2 Audio-CDs
Spieldauer: 96 Minuten
Aus dem Englischen übersetzt von Harry Rowohlt
Gelesen von Harry Rowohlt
ISBN-13: 978-3837305005|
http://www.oetinger.de

_Philip Ardagh bei |Buchwurm.info|:_
[„Furcht erregende Darbietungen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=367
[„Schlechte Nachrichten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=528
[„Schlimmes Ende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1257
[„Hoch in den Wolken“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1837
[„Unliebsame Überraschungen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1850
[„Abscheuliche Angewohnheiten. Fünftes Buch der Eddie-Dickens-Trilogie“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5478

John Sinclair – Villa Frankenstein (Folge 145)

Die Handlung:

Mord im Victoria Embankment Garden Club! Als Sir James mich an den Tatort rief, ahnte ich noch nicht, dass der Tote von einer Puppe erschossen worden war und dass die Ermittlungen mich in ein Sumpfgebiet an der englischen Ostküste führen würden … in die Villa Frankenstein! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
345 gemacht, das erstmalig am 11. Februar 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Poe, Edgar Allan – Edgar Allan Poes Meistererzähler

_Gute Sprecher für eine repräsentative Poe-Auswahl_

Zehn Meistererzählungen von Edgar Allan Poe, dargebracht von Meistererzählern wie Pinkas Braun, Martin Held, Wolfgang Kieling, Hannes Messemer, Richard Münch, Hans Paetsch, Heinz Reincke, Werner Rundshagen und Klaus Stieringer. Die Vorträge dieser Sprecher stammen aus der Zeit zwischen 1958 und 1983, als die Rundfunklesung noch eine geschätzte Kunst war. (gekürzte Verlagsinfo) Viele dieser Sprecher sind bzw. waren professionelle Schauspieler und wissen Poes bekannteste Erzählungen wirkungsvoll vorzutragen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49), das Kind verachteter Schauspieler, wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia auf. Während der Vater ihn nie akzeptierte, liebt Edgar seine Ziehmutter, die sich seiner annahm, umso mehr. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich 1827 von seinem strengen Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die allesamt finanzielle Misserfolge waren. 1828 starb mit Mrs. Allan seine wichtigste Bezugsperson, und er zog zu seiner Tante „Muddy“ Clemm in Baltimore.

Von der Offiziersakademie in West Point wurde er am 28. Januar 1831 verwiesen, sein Bruder William stirbt im August. 1833 gewann er 50 Dollar für seine Story „MS. Found in a Bottle“, die einen Kaufmann auf ihn aufmerksam machte, der ihn förderte. Dadurch konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern. Allerdings schuf er sich durch seine scharfen Literaturkritiken zahlreiche Feinde.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, nachdem am 20. Januar 1845 sein Gedicht „The Raven“ auf größte Begeisterung gestoßen war, und das sowohl bei den Lesern als auch bei der Kritik. Er wurde Vortragsreisender und Partner bei einer Zeitschrift, die allerdings bankrott ging.

Dem Erfolg folgte bald ein ungewöhnlich starker Absturz, nachdem seine Frau Virginia, die Tochter seiner Tante (1822-1847, verheiratete Poe ab 1836, krank ab 1842), an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel mit der 45-jährigen Dichterin Sarah Helen Whitman – am 3. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden. Er starb an „Hirnfieber“ am 7. Oktober im Washington College Hospital. (Das Rätsel um seinen Tod wurde unter anderem von Matthew Pearl in [„Die Stunde des Raben“ 3552 zu einem Roman verarbeitet.)

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H. P. Lovecraft, H. G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert – in nur 17 Jahren des Publizierens.

_Die Erzählungen und Sprecher_

_1) Das Faß Amontillado_ (13:34 Minuten, gelesen von Werner Rundshagen)

Warum mauert Montresor seinen Freund Fortunato im Weinkeller des Familiengutes ein? „By the last breath of the four winds that blow / I’ll have revenge upon Fortunato …“ heißt es in Alan Parsons Song. „Nemo me impune lacessit“ lautet das Motto der Familie Montresor: „Niemand beleidige/verletze mich ungestraft“. Na, und der überhebliche Fortunato hat seine Strafe sicherlich verdient.

|Mein Eindruck|

Poe erzählt seine Rachestory sehr anschaulich, als habe er sie für einen Film schreiben wollen. Allerdings stammt der letzte verfügbare Wortlaut gar nicht von ihm, sondern von seinem schlimmsten Feind, der seinen Nachlass verwalten durfte …

|Der Sprecher|

Werner Rundshagen trägt mit einer kräftigen Stimme sehr deutlich und nuanciert vor. Wenn der betrunkene Fortunato mal spricht, lallt Rundshagen allerdings nicht, deutet nur eine „schwere Zunge“ an. Einmal lacht Fortunato leise in sich hinein, das klingt dann angesichts seiner Lage schon unheimlich. Leider spricht Rundshagen den Namen „Amontillado“ nicht wie es sich gehört spanisch aus, sondern deutsch, also mit einem L statt einem J.

_2) Das ovale Portrait_ (10:00 Minuten, gelesen von Wolfgang Kieling)

Der müde und fiebrige Wanderer hat Zuflucht in einem italienischen Bergschloss gefunden und ruht sich nun im Schlafzimmer aus. Es ist mit einer berühmten Gemäldesammlung ausgestattet, zu der er sogar einen Führer lesen kann. Als er den Kandelaber verschiebt, um das Buch besser lesen zu können, fällt das Licht auf ein kleines Bild in einer Nische: ein ovales Porträt einer jungen Frau. Es ist erstaunlich lebensecht.

Der Führer erzählt dazu die grauenerregende Geschichte seiner Entstehung … Die junge Frau liebte den Maler des Bildes so leidenschaftlich, dass sie bereit war, für ihn wochenlang Modell zu sitzen. Doch je länger der Maler pinselte, um das Bild so lebensecht wie möglich zu gestalten, desto blasser und kränklicher wurde dessen Vorlage. Und während die Bewunderer des Malers von der Qualität des Bildes schwärmten, merkten weder sie noch der Maler, wie schlecht es dem Modell ging. Kaum war der letzte Pinselstrich getan, starb sie!

|Mein Eindruck|

Die kurze aber anschaulich erzählte Geschichte behandelt den metaphysischen Zusammenhang zwischen Kunst und Liebe bzw. Leben. Die Rivalin der jungen Frau ist die Kunst, wie sie selbst weiß, und doch opfert sie sich dieser, um der Liebe zu ihrem Maler willen. Jeder Künstler bringt der Muse Opfer, um ihr dienen zu können, und allzu oft besteht das Opfer in Liebe, manchmal sogar in Leben. Vielleicht ist dies nicht nur ein romantisches Motiv.

|Der Sprecher|

Wolfgang Kieling ist mir als hervorragender Schauspieler bekannt. Seine Stimme ist tief und volltönend, er intoniert die Sätze deutlich und erzeugt gehörige Spannung. Wunderbar.

_3) Das verräterische Herz_ (14:10 Minuten, gelesen von Heinz Reincke)

Der verrückte Ich-Erzähler plant detailliert den perfekten Mord an einem alten Mann, dessen eines „Geierauge“ ihm Furcht und Wut einflößt. Die Tat gelingt, doch aufgrund seines überfeinen Gehörs vermeint der (wahnsinnige) Bösewicht, das Herz des Getöteten wieder schlagen zu hören, justament als er die Polizei im Hause hat …

|Mein Eindruck|

Wahnsinn, überfeinerte Sinne und vorzeitige Beerdigung sind die Standardthemen Poes. „Das verräterische Herz“ ist kurzer, psychologischer Thriller um Schuld und Sühne. Er ist nicht nur sehr anschaulich geschildert, sondern auch zu einem grauenerregenden Finale hin konzipiert.

|Der Sprecher|

Heinz Reincke ist bzw. war ein temperamentvoller Volksschauspieler, der in unzähligen TV-Serien des NDR auftrat. Bereits 1958 entstand diese unvergessliche Aufnahme. Reincke liest sehr flott vor, gestaltet seinen Erzähler als gehässigen und wahnsinnigen, aber auch ungeheuer selbstverliebten Typen. Wenn der Mord erfolgt, wird der Vortrag beschleunigt, drängend und angstvoll – wir fiebern geradezu mit. Nach diesem ersten Höhepunkt gelangt Reincke wieder in ruhiges Fahrwasser – Erleichterung macht sich breit. Dann folgt Nervosität, schließlich wieder Panik und Wahn. Am Schluss überschlägt sich Reinckes Stimme fast, wird richtig laut, als es das Unfassbare zu äußern gilt: Das Herz des Alten schlägt wieder!

_4) Der Massenmensch_ (27:45 Minuten, gelesen von Klaus Stieringer)

Der Erzähler sitzt eines Tages in einem Café in London und teilt die Passanten in Klassen ein. Er ist offenbar ein genauer Beobachter. Da bemerkt er einen ungewöhnlichen, alten Mann, weil er aussieht wie der „Erzfeind“, der Teufel, persönlich. Er folgt ihm den ganzen Tag hindurch, wie der sich durch die Menge schiebt und nirgendwo eine Rast einlegt, um sich zu stärken oder zu ruhen. Nein, der Mann, der Dolch und Diamant unter seinem Mantel stecken hat, sucht immerzu nur die Menge. Und als sich ihm sein Verfolger in den Weg stellt, schaut er nicht auf, sondern umgeht ihn einfach.

|Mein Eindruck|

Die ungewöhnliche, völlig handlungslose Story ist die detailliert beobachtende Studie eines neuen psychologischen Typus, wie er nur in der Stadt vorkommt: der Mensch, der nur zufrieden ist, wenn er in einer Menschenansammlung anonymen Kontakt findet. Dass dieser Typ keine menschlichen Bedürfnisse an den Tag legt, macht ihn zu unheimlich. Poe schreibt ihm Schuld zu, aber woher diese rührt, bleibt unklar.

|Der Sprecher|

Klaus Stieringer ist ein beherrscht und deutlich artikulierender Sprecher. Mit Pausen vor jedem wichtigen Wort hebt er dessen Bedeutung für jeden Satz und Gedankengang hervor. So entsteht vor dem geistigen Auge des Hörers ein lebendiges Bild, das zunehmend unheimlichere Züge gewinnt …

_5) Die Maske des Roten Todes_ (14:00 Minuten, gelesen von Hannes Messemer)

Diesmal hat Fürst Prospero sich in eine burgartige Abtei vor den Verheerungen, welche die Pestilenz in seinem Land anrichtet, zurückgezogen. Trotz des Todes draußen schmeißt er eine Party, bei der sich tausend Ritter und Damen verkleiden dürfen (Maske = Maskenball), um der Schönheit in den unterschiedlich ausgestatteten Zimmers seines Refugiums zu huldigen. Als er jedoch einen unverschämt auftretenden Burschen erblickt, der es wagt, als Pestkranker aufzutreten, kennt sein Zorn keine Grenzen. Er verfolgt ihn, treibt ihn in die Enge, um ihn zur Rede zu stellen – und erlebt sein rotes Wunder …

|Mein Eindruck|

Poe hat zahlreiche Gedichte über den Tod und dessen unentrinnbare Herrschaft geschrieben, denn er war ja selbst ständig vom Tod umgeben. Auch seine junge Frau Virginia Clemm starb an der Schwindsucht. Er nannte den Tod „den Zerstörer“ und „Eroberer Wurm“. Auch in „Die Maske des Roten Todes“ ist der Tod unentrinnbar, und alles Schöne muss vergehen, insbesondere, wenn es so frivol wie von Fürst Prospero zelebriert wird.

|Der Sprecher|

Hannes Messemer trägt auf eine recht altmodische Weise vor, die inzwischen überholt ist. Man merkt nämlich, dass er den Hörer bewegen und erreichen will. Er gestaltet den Text aber sehr abwechslungsreich: mal heiter, mal ahnungsvoll, mal schnell, dann wieder langsam. Mitunter versteigt er sich zu einer Emphase, die harte Konsonanten wie K geradezu hervorschleudert. Auch der Höhepunkt ist sehr effektvoll „inszeniert“, voll Dramatik.

_6) Der wahre Sachverhalt im Falle Waldemar_ (28:10 Minuten, Pinkas Braun)

Die esoterische Modewissenschaft Mesmerismus (nach einem gewissen Monsieur Mesmer) wurde auch als Magnetismus bezeichnet und erregte seinerzeit – also zwischen 1840 und 1850 – einiges Aufsehen. Sie ähnelt der Hypnose, wird aber anders angewandt.

In der Erzählung verlängert Poe damit die Existenz der Seele von M. Waldemar, einem Opfer der Schwindsucht, nach dem Ableben des hinfälligen Körpers. Alle Schritte beim Vorgehen werden minutiös aufgezeichnet, so dass ein sehr realistischer Eindruck entsteht. Kann der Einzug des Todes in den Körper von M. Waldemar wirklich aufgehalten werden, lautet die Kardinalfrage. Doch es gibt eine ziemlich grässliche Pointe.

|Mein Eindruck|

Der Ich-Erzähler weiß seine (inzwischen verfilmte) Geschichte von der Aufhebung des Todes wohldosiert zu vermitteln. Das Unbehagen an der ganzen unnatürlichen Sache wächst, bis ganz am Schluss, im letzten Satz, das Grauen mit voller Wucht zuschlägt: das ist die „punch-line“, die den Leser bzw. Hörer in die Magengrube trifft. Poe konnte schon immer sehr effektvoll erzählen, aber hier hat er ein Meisterstück abgeliefert. Die Übersetzung des „Ulysses“-Übersetzers Hans Wollschlägers trägt zusätzlich zur starken Wirkung bei. Allerdings wimmelt es vor Fachausdrücken. Aber das ist ja bei Poe stets der Fall.

|Der Sprecher|

Pinkas Braun verfügt über eine tiefe, sonore Stimme, mit der er seine Sätze sehr deutlich, beherrscht und analytisch hervorhebend vorträgt. Seine Aussprache des Französischen ist makellos. Nur ganz am Schluss lässt er zu, dass er seinem Ekel heftig Ausdruck verleiht.

_7) Der schwarze Kater_ (28:10 Minuten, gelesen von Martin Held)

Der Erzähler ist der trunksüchtige Ehemann einer zartfühlenden und tierlieben Gattin. Sie hat als liebstes Haustier einen Kater namens Pluto, der laut schnurrt, wenn man ihn streichelt. Das tut der Ehemann jedoch nie. Im Gegenteil: Die Augen der Katze lassen ihn sich irgendwie schuldig fühlen, dass die Trunksucht, der er sich hingibt, und die Misshandlungen, die er an seiner Frau begeht, ein großes Unrecht seien. Im Vollrausch sticht er Pluto ein Auge aus, später erhängt er das wehrlose Tier. Bei einem Feuer brennt das Haus bis auf die Grundmauern nieder und das mittellose Ehepaar muss umziehen.

Um diese Gedanken der Schuld zu vertreiben, ertränkt er sie immer öfter in Alkohol. Bis er schließlich auch im Wirtshaus eine schwarze Katze bemerkt, die er mit nach Hause nimmt. Doch aus Zuneigung wird schon wieder Hass und Abscheu gegen das vermaledeite Katzenvieh. Als er auf der Kellertreppe über es stolpert, will er es töten, doch seine Frau fällt ihm in den Arm. Er schlägt ihr den Schädel ein und mauert die Tote in einem „blinden“ Kamin (der nirgendwo hinführt) im Keller ein. Die Katze jedoch ist verschwunden und er kann wieder selig schlafen, selbst nach dem Mord. Doch der Fluch der bösen Tat fordert Sühne …

|Mein Eindruck|

Die Story ist ein psychologischer Thriller um Schuld und Sühne, mit einem typischen Poe-Motiv: lebendig begraben sein. Doch das Neue an der Geschichte besteht darin, dass die Bestrafung nicht von außen erfolgt, etwa durch göttliche oder fürstliche Intervention. Vielmehr kommt dieser Impuls von innen, aus der Psyche des unbestraften Verbrechers selbst: Er muss sich selbst entlarven, um Erlösung von der Last seiner Schuld zu erlangen. Schon lange vor Freud also wird tiefer schürfende Psychologie als Triebfeder einer Story-Handlung eingesetzt.

|Der Sprecher|

Martin Held war für mich einer der sympathischsten und integersten Schauspieler seiner Generation. Seine Stimme ist angenehm mitteltief, seine Intonation mitfühlend, sein Vortrag einfühlsam. Triumph und Erleichterung wechseln sich hörbar mit Angstpsychose ab. Wie bei Reincke mündet auch sein Vortrag in den Aufschrei eines gequälten Wahnsinnigen.

_8) Hopp-Frosch_ (17:30 Minuten, Hannes Messemer)

Froschhüpfer ist ein Krüppel und Zwerg, der als Hofnarr an des Königs Hof Possen treiben muss. Er wurde mit seiner wohlgestalten Freundin Tripetta aus seiner Heimat verschleppt, die man ebenfalls mies behandelt. Eines Tages wollen der König und seine sieben fetten Minister ganz besonders einfallsreiche Kostüme für den Maskenball tragen. Hüpfer hat eine „zündende“ Idee, wie er sich für erlittene Qualen rächen kann, schlägt ihnen Orang-Utan-Verkleidung vor und kettet sie aneinander. Das wird eine „feurige“ Überraschung.

|Mein Eindruck|

Poes letzte zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Erzählung wird häufig als Allegorie auf seine Rache an seinen Kritikern aufgefasst. Diese saßen vor allem in New York und unternahmen alles, um diesen unbequemen Mahner und Kritiker aus dem tiefen Süden zum Verstummen zu bringen. Sie erreichten ihr Ziel – fast.

|Der Sprecher|

Hannes Messemer trägt ebenfalls auf eine recht altmodische Weise vor. Sein König ist ein laut polternder Tyrann, dem jede Schlechtigkeit zuzutrauen ist und der grausam zischt, wenn er seinen Hofnarren, den Zwerg Hopp-Frosch, schikanieren will. Der Höhepunkt ist sehr effektvoll und dramatisch „inszeniert“.

_9) Berenice_ (27:50 Minuten, Hans Paetsch)

Der Träumer und die schöne Titelfigur sind Cousin und Kusine, doch während er sich schwächlich zurückhält, bewundert er an ihr das blühende Leben. Dieses Verhältnis ändert sich schlagartig, als Berenice – ähnlich wie Poes echte Frau Virginia Clemm – an Tuberkulose und Auszehrung erkrankt. Dabei verfällt sie mitunter in einen todesähnlichen Zustand der Trance.

Der Träumer wiederum ist einer Monomanie verfallen, die ihn in einen Geisteszustand verfallen lässt, in dem er sich stundenlang auf nur einen Gegenstand konzentriert. Er scheint dadurch in eine Art Geistesabwesenheit zu geraten. Trotzdem heiraten die beiden. Das Verhängnis ist unausweichlich, als ihm Berenices unglaublich weiße und lange Zähne auffallen …

|Mein Eindruck|

Vielfach ist diese unheimliche Erzählung als Vampirgeschichte interpretiert worden, denn wozu sonst sollte Berenice derart lange Zähne aufweisen? Das Thema der verbotenen Beinahe-Geschwisterliebe erinnert zudem an das unselige Geschwisterpaar Madeleine und Roderick Usher. Klar, dass daraus nichts Gutes entstehen kann.

Und dass es schließlich zu einer abscheulichen Grab- und Leichenschändung kommt, dürfte kaum noch jemanden verwundern. Allerdings ist die Schuldfrage nicht eindeutig zu klären. Hat Berenice Schuld an ihres Cousins somnambulem Zustand, so dass er unter Amnesie zu leiden beginnt? Wenn ja, dann kann er nicht für seine Untat verantwortlich gemacht werden.

|Der Sprecher|

Hans Paetsch ist die Stimme des „Märchenonkels“ schlechthin. Er unzählige Märchen aufgenommen. Hier zeigt er sich von seiner kultivierten Seite. Er spricht das Französische ebenso makellos aus wie das Latein, das der Erzähler zitiert – und das leider nicht übersetzt wird. Diese sprachlichen Hürden haben wohl dazu geführt, dass diese Erzählung nur selten abgedruckt wird. Paetsch trägt intensiv, deutlich und genau hervorhebend vor. Auch hier gibt es einen gruseligen und effektvollen Höhepunkt.

_10) Der Fall des Hauses Ascher_ (ca. 52:00 Minuten, Richard Münch)

Der Berichterstatter ist in das Haus Usher eingeladen, geradezu vorgeladen worden. Es entragt einem schwarzen Teich, der ominös schimmert und in dem ein Riss in der Fassade verschwindet. Das Gemütsleiden Roderick Ushers, des Letzten seines Geschlechtes, hat seine Sinne unglaublich verfeinert, so dass jede Sinneswahrnehmung für ihn Marter bedeutet. Daher sind alle Vorgänge zugezogen, jeder Laut ist gedämpft, und es brennt keine einzige Kerze. Erst nach einer Weile, als sich seine Augen angepasst haben, erkennt der Gast in der Düsternis Rodericks ausgemergeltes Gesicht und erschrickt. Der eigentliche erst 30 Jahre alte Mann sieht aus wie der Tod. Er sagt, er freue sich aufs Sterben wie auf eine Erlösung. Aber er warnt ihn vor dem Wahnsinn seiner Schwester Madeline.

Tatsächlich glaubt er sogar, seine verstorbene, geliebte Schwester Madeline sei noch am Leben und suche ihn jede Nacht heim. Roderick taucht nachts im Zimmer des Gastes auf und führt ihn in den Keller, um ihm etwas zu zeigen: Es sind die Katakomben des Herrensitzes. In einem riesigen Saal sieht man in Nischen in den Wänden Hunderte von Särgen liegen – Generationen von Ushers. Die Gruft liegt unterhalb der Oberfläche des Sees, der gegen ihre Mauern drückt. In zwei der Nischen stehen bereits die Särge für Madeline und Roderick bereit. Der Gast findet dies höchst makaber.

Tage vergehen. An einem Regentag teilt Roderick seinem Jugendfreund mit, dass Madeline gestorben sei. Ohne geistlichen Beistand wird die Schönheit im vorbereiteten Sarg bestattet. Hier soll sie liegen – volle vierzehn Tage lang, wie Roderick es angeordnet hat.

Was dem Gast so seltsam vorkam, enthüllt sich schon bald als wohlbegründet. Als ein Sturm heraufzieht und ein irisierendes Licht im Nebel über dem schwarzen Teich liegt, bemächtigt sich seiner eine panische Beklemmung. Durch Vorlesen eines Ritterromans versucht er, diese Stimmung zu vertreiben, doch vergeblich. Auf einmal hört er seltsame Geräusche vor der Tür, als würde Holz reißen und Metall poltern, genau wie in dem Ritterroman. Roderick starrt wie gebannt auf die Tür zu seinem Gemach, ein Klopfen ist zu hören, die Tür öffnet sich und davor steht: Lady Madeline!

|Mein Eindruck|

Geschwisterliebe, Inzucht, Lebendigbegrabensein, überfeinerte Sinne eines dekadenten Adeligen – hier feiert Poe das volle Arsenal seiner Obsessionen ab. Die Wirkung dieser Erzählung – zumal in Arno Schmidts fulminanter Übersetzung – auf den Hörer ist umwerfend, die Wirkung auf Poes Epigonen war enorm. Lovecraft versuchte immer wieder, diese Meisterschaft zu erreichen und erzählte von verruchten Ritualen in Neu-England, ging dann aber schließlich über Poe hinaus und schuf seinen eigenen Schöpfungsmythos.

|Der Sprecher|

Richard Münch trägt deutlich und genau betonend vor, sehr kontrolliert. Das ist auch nötig, um die komplizierten Schachtelsätze, die Arno Schmidt nach Poes Vorbild schuf, bewältigen zu können. Hier sind ein gutes Gedächtnis und viel Aufmerksamkeit gefordert. Es gibt nicht nur viele Fremdwörter, sondern auch befremdlich veraltete deutsche Ausdrücke. So gehen wohl auf Schmidts Konto Ausdrücke wie „Empfindnisse“, „altfränkisch“ oder „gaumig“.

In der Wiedergabe des Ritterromans passt die veraltete Ausdrucksweise, sonst aber weniger. Kurz vor dem Höhepunkt wird Münch recht leise, um Rodericks Gemurmel wiederzugeben, dann jedoch bricht der Wahn der Situation herein, als Lady Madeline ihren Bruder abholt …

_Unterm Strich_

Von diesen guten Sprechern vorgetragen, entfalten die schaurigen Erzählungen Edgar Allans Poes erst richtig ihren besonderen Reiz: das Grauen vor den zahlreichen Tabubrüchen, die hier entweder überfeinerte Hypochonder oder durchgeknallte Verrückte begehen. Schaurige Experimente wie der „Fall M. Waldemar“ oder triumphale Racheakte wie in „Hopp-Frosch“ weiten den Horizont der Ideen in der Literatur aus.

Es finden sich aber auch genaue Beobachtungen wie der „Massenmensch“, der zunächst wie ein ganz normaler Stadtbürger aussieht, aber zunehmend eine unheimliche Präsenz entfaltet, so dass man es sich zweimal überlegt, ob man abends noch auf die Straße geht. Die Rolle der Psychologie kommt auch in den Verbrechergeschichten „Der schwarze Kater“ und „Das verräterische Herz“ zum Tragen. Die Sühne für die Untat wird nun von innen angestoßen und nimmt so Freud vorweg.

Die Sprecher sind in der Regel gestandene und beliebte Schauspieler wie Heinz Reincke oder Martin Held, aber auch Sprechkünstler wie Pinkas Braun und Klaus Stieringer. Hannes Messemer, der Senior unter den Sprechern, befleißigt sich eines veralteten Stils. Mit gefühlvoller Emphase will er denjenigen Effekt des Textes, der ihm am wahrscheinlichsten scheint, auch im Hörer erzeugen, ihn also steuern. Das ist zwar löblich, wenn Messemer ein Lehrer und der Zuhörer sein Schüler wäre, aber für die anderen grenzt es doch an Oberlehrerhaftigkeit.

Wie immer bei Poe stellen die Texte hohe Ansprüche an die Allgemeinbildung. In „Berenice“ wird französisch und Latein gesprochen, ohne dass eine Übersetzung geliefert würde. Das könnte relativ frustrierend sein. Meine eigenen entsprechenden Kenntnisse sind schon längst eingerostet.

|235 Minuten auf 3 CDs
Aus dem US-Englischen übersetzt von Hans Wollschläger, Arno Schmidt und anderen|
http://schall-und-wahn.de
http://www.random-house-audio.de

John Sinclair Classics – Das Hochhaus der Dämonen (Folge 42)

Die Handlung:

Mit sicheren Bewegungen zog James Warden die Klinge des Rasiermessers über die rechte Wange. Da erblickte er plötzlich das Gesicht im Spiegel. „Töte dich, James Warden!“, flüsterte die Geistererscheinung. James Warden gehorchte – und er sollte nicht das einzige Opfer im Hochhaus der Dämonen bleiben! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 183 gemacht, der erstmalig am 15. März 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.

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TKKG – Schutzgeld für Dämonen (Folge 218)

Die Handlung:

Autoscooter, Breakdancer, Riesenrad – Tim, Karl, Gaby und Klößchen fällt die Entscheidung, womit sie zuerst fahren sollen, nicht leicht. Und dann ist da natürlich noch das berühmte Gruselkabinett „Geisterwelt“. Der Spaß auf dem Rummelplatz währt allerdings nur kurz, denn schon geschehen wie von Geisterhand sehr ungewöhnliche Dinge: Im Gruselkabinett wird Klößchen von einer einarmigen Ritterfigur angegriffen und der Breakdancer gerät außer Kontrolle. TKKG schalten sich ein. Erst sieht alles nach der fiesen Masche einer Schutzgeldbande aus, aber dann stoßen die vier Detektive auf den „Codex Gaudiorum“ – ein geheimnisvolles mittelalterliches Verzeichnis, mit dessen Hilfe sich die rätselhaften Ereignisse erklären ließen. Aber kann es sein, dass es auf dem Rummelplatz tatsächlich spukt? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Nein, kann es nicht!“ – Justus Jonas
Denn laut dem dritten Detektiv der Drei Fragezeichen gibts für alles eine logische und vor allem auch nachvollziehbare Erklärung. Da wir hier aber bei TKKG sind … ne, auch hier wirds keine echte Übersinnlichkeit geben. Das wäre ja auch eher ein Fall für John Sinclair und der ist bei den Kollegen unter Vertrag.

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TKKG junior – Trügerischer Paddelspaß (Folge 16)

Die Handlung:

Sommerlicher Wochenendausflug mit den Glockners ins idyllische Naturparadies Oberwald. Tim, Karl, Gaby und Klößchen freuen sich auf eine abenteuerliche Kanutour durch abgelegen Flusslandschaften. Doch der Paddelspaß endet schnell, als die drei Kanus samt Insassen in einer Schleuse eingesperrt werden. Als dann nachts auf dem Zeltplatz auch noch die Handtasche von Gabys Mutter geklaut wird, stellen TKKG Nachforschungen an und stoßen auf interessante Spuren. Als schließlich eines ihrer Kanus wegen eines Lochs im Boden kentert, ist klar: Das kann kein Zufall sein! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Klappentext sieht mir ganz danach aus, als hätte es jemand auf den Kommissar abgesehen und der Rest der Bande und Familie sind nur unglücklicherweise mit dabei. Aber, woher sollte ein Bösewicht denn von dem Ausflug wissen … Dann mal rein in die Kanus und los gehts.

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Verne, Jules – Meister Zacharius (inszenierte Lesung mit Musik)

Der faustische Uhrmacher

Meister Zacharius ist der beste Uhrmacher von Genf, zumindest im 15. oder 16. Jahrhundert. Seine tollen Erfindungen lassen ihn glauben, er habe das Geheimnis der Verbindung zwischen Körper und Seele gelöst. Eines Tages jedoch bleiben überall in der Stadt alle Uhren stehen, die er gefertigt hat. Obwohl sie keinen mechanischen Fehler aufweisen, lassen sie sich nicht wieder zum Laufen bewegen. Zacharius ist verzweifelt. Da erscheint ein spöttisches Männchen und bietet ihm einen verlockenden Handel an …

Der Autor

Jules Verne, geboren 1828 in Nantes, wo er auch aufwuchs, studierte Jura in Paris, bevor er ein viel größeres Interesse am Theater bekam. In Gemeinschaftsarbeit mit Alexandre Dumas – dem Autor der „Drei Musketiere“ – schrieb er Opern, Libretti und Dramen. Erst 1863 begann er mit der Niederschrift seiner Abenteuer- und Zukunftsromane. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „20.000 Meilen unter den Meeren“ und natürlich „Reise um die Erde in 80 Tagen“. Alle diese Romane wurden verfilmt. Die Verfilmung der „Reise um die Erde“ mit David Niven als Phileas Fogg (1956) wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet. Verne starb 1905 in Amiens.

|Jules Verne bei Buchwurm.info| (Auswahl):

[„Jules Verne. Biografie“ 1090
[„Die Jagd auf den Meteor. Originalfassung“ 3354
[„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ 325 (Buch)
[„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ 2282 (Hörspiel)
[„20.000 Meilen unter den Meeren“ 518 (Hörspiel)
[„Von der Erde zum Mond“ 989 (Hörbuch)
[„Reise um die Erde in achtzig Tagen“ 944

Der Sprecher

Der Bühnenschauspieler Hans-Gerd Kilbinger trat unter anderem als Synchronsprecher in „Akira“ (1988) [2. Synchro (DVD 2005)] in Erscheinung, war aber auch im Hörspiel- und Reklamebereich sowie als Kommentator tätig.

Regie führte Daniela Wakonigg, zusammen mit Peter Harrsch betreute sie das Sounddesign und zeichnet auch für die Hörbuchbearbeitung der Erzählung verantwortlich. Die Musik spielte Peter Harrsch ein.

Handlung

Der Uhrmacher Zacharius lebt in einem der ältesten Häuser der Kaufmannsstadt Genf an der Rhone. Keiner weiß, wie alt Zacharius wirklich ist, aber jeder weiß, dass man seine Uhren sogar in Frankreich und Deutschland bewundert. Mit dem alten Mann leben seine Tochter Gérande, sein Geselle Aubert, der die 18-jährige Gérande heiraten möchte, und die alte Haushälterin Scholastica. Sie machen sich große Sorgen um ihn, denn er ist in letzter Zeit schweigsam und mürrisch.

Aubert erklärt den Frauen, was es mit Zacharius‘ Laune auf sich hat. Alle seine Uhren, die er jemals gefertigt hat, seien stehengeblieben und ließen sich auch nicht durch eine Reparatur wieder in Gang setzen. Scholastica, eine alte stramme Katholikin – die Zeit liegt demnach vor der calvinistischen Reformation – wusste schon immer, dass diese mechanischen Apparate „Teufelswerk“ sind. Diese neumodischen Dinger – wer braucht sie überhaupt? Reicht nicht die Kirchturmuhr, die die Stunde schlägt? Die drei Mitbewohner beten für Meister Zacharius‘ Seele.

Am nächsten Tag erklärt der Meister seinem Gesellen, dass er sich durchaus im Klaren darüber sei, dass man ihn für verrückt halte. Wie könne auch jemand behaupten, er habe das Geheimnis der Verbindung zwischen Leib und Seele ergründet? Aber er, der große Zacharius, habe endlich durch Erfindung der Hemmung das Getriebe einer Uhr so genau gemacht, dass man ihrer Zeitanzeige vertrauen kann. Es sei ganz einfach: Die Unruh versetzt die Uhr in Bewegung und entspricht der Seele, das Pendel reguliert die Seele. Beide interagieren durch die regulierende Hemmung made by Zacharius. „Das Leben ist eine sinnreiche Mechanik!“ Er habe Gott als Schöpfer kopiert, folglich stecken in den Uhren Teile seiner Seele. Diese Eitelkeit hilft ihm aber nichts, denn schon wieder bringt man ihm eine stehengebliebene Uhr, deren Kaufwert er zurückerstatten muss. Er verarmt zusehends.

Zacharius trifft Vorkehrungen für seine Nachfolge und will seine Tochter dem Gesellen geben, wie er seiner Haushälterin anvertraut. Doch beim Kirchgang kräht ein „kleiner Greis“, dass Gérande Aubert niemals heiraten werde. Das Männlein ist des Öfteren vor der Kirche St. Peter zu sehen und schleicht Gérande sogar nach. So bleibt es nicht aus, dass es eines Tages bei Zacharius anklopft. Es sei ebenfalls Uhrmacher und verstehe Zacharius vollkommen. Es prophezeit, dass Zacharius sterben werde, sobald die letzte seiner Uhren stehenbleibe. Er halte sich für unsterblich, denn ohne ihn stürbe die Zeit an sich – welch eine Hybris! Sie brachte bekanntlich schon Luzifer zu Fall. Doch um dieses traurige Ende aufzuhalten, biete er, der kleine Greis, einen Ausweg: Zacharius müsse ihm nur die Hand seiner Tochter geben.

Zacharius wirft das Männlein zwar zunächst hinaus, doch die Angst um sein eigenes Leben lässt ihn in seinem Entschluss wankend werden. Da erinnert ihn Gérande an seine allererste Uhr, die er für den Schlossherrn von Andermatt vor zwanzig Jahren fertigte. Bestimmt geht sie doch noch richtig. In der Tat findet er in seiner Kundenliste, dass sie die einzige seiner Uhren ist, die nicht zurückgegeben wurde. Sie gehört einem gewissen Herrn Pitonaccio. Zacharius setzt diese erste und letzte Uhr mit seiner eigenen Seele gleich – schließlich hat er damit Gott kopiert – und macht sich im Frühjahr auf den Weg, sie zu sehen.

Obwohl der Orkan bald in einen üblen Schneesturm übergeht, machen sich Gérande und Aubert auf den Weg, ihren todkranken Vater vor dem Schlimmsten zu bewahren. In der Schlosskapelle von Andermatt erleben alle eine Überraschung. Die Uhr geht – aber wie lange noch?

Mein Eindruck

Jetzt schlägt’s dreizehn! Dieser empörte Ausruf kommt mir in den Sinn, wenn ich solche pseudoreligiösen Geschichten lese. Das hätte ich von dem guten alten Verne nie erwartet. Hier verbindet sich spätromantisches Gedankengut mit Sagenvorlagen und einer ernsten Warnung vor den teuflischen Folgen menschlicher Hybris – siehe Luzifer, der gefallene Engel. Nicht nur Scholastica – ein Name, der auf die Kirchenlehrer verweist – sondern auch Verne selbst hebt den mahnenden Zeigefinger. Kein Wunder, dass die Geschichte zuerst in einem Blatt namens „Familienmusentempel“ (Musée des familles) abgedruckt werden konnte. Da war der Autor gerade mal 26 Jahre alt.

Manichäismus

Die Welt seiner Erzählung ist sauber geschieden: Einerseits leben die Frommen und Rechtgläubigen, das heißt die Katholiken, im Stand der Gnade, und ihre reinste Verkörperung ist die marienhafte Gérande, die als eine Art Madonna gezeichnet wird. Auf der anderen Seite stehen die finsteren Mächte, die weder in die Kirche gehen noch sich in Demut vor Gott dem Allmächtigen üben. Ja, diese Frevler, gehen sogar so weit, dass sie glauben, Gott kopieren zu können. Gemeint ist natürlich Zacharius, der faustische Charakter, dem ein Pakt mit dem Teufel angeboten wird – um den Preis der Madonna Gérande.

Also sprach der Teufel

Die Hybris spricht folgendermaßen zu ihm, und zwar mit Sinnsprüchen, welche die Uhr in Andermatt anzeigt, wenn sie nach Mitternacht die volle Stunde schlägt: 1) „Der Mensch kann Gott gleich werden.“ 2) „Der Mensch soll ein Sklave der Wissenschaft sein und ihr Eltern und Kinder zum Opfer bringen.“ Als der fromme Eremit diese teuflische Uhr stoppt, zeigt sie einen letzten Spruch, der ganz anders klingt: „Wer da versucht, Gott gleich zu sein, der ist verdammt!“ Dann zerspringt die Uhr. Was für Zacharius‘ Gemütszustand erwartungsgemäß höchst abträglich ist.

Rumpelstilzchen

Die Geschichte erinnert mich einerseits an das bekannte Grimmsche Märchen vom Rumpelstilzchen. Dort muss die arme Müllerstochter einen Teufelspakt eingehen, weil ihr Vater behauptet hat, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Die Lösung des Paktes gelingt jedoch ohne göttliche oder priesterliche Intervention, einfach indem sie den Namen des Bösewichts herausbringt: „Ach, wie gut das niemand weiß …“ Der Name verleiht bekanntlich im mystischen Volksglauben Macht über die benannte Person. Deshalb hatten die Kelten immer zwei Namen, einen geheimen und einen für den Alltagsgebrauch.

Metropolis

Die andere Assoziation betrifft [„Metropolis“ 1415 von Fritz Lang. Auch dort gibt es eine riesige Uhr, die die Arbeiter kommandiert, und selbst der Mann, der sie einstellt, ist ihr sklavisch unterworfen. Hier hat offensichtlich Wissenschaft von der Zeit die absolute Herrschaft über Arbeit und Wissenschaft übernommen. Der Herr der Arbeiter, der Industriemagnat Fredersen, hat einen korrupten Wissenschaftler namens Rotwang in seinen Diensten, der ihm eine Kopie der Madonna der Arbeiter erschafft. Diese Robotermaria erscheint zunächst wie eine Maschine aus Metall, doch es gelingt es dem Zauberer-Wissenschaftler Rotwang, sie wie die echte Menschenfrau aussehen zu lassen und auf diese Weise – wie mit einem untergeschobenen Kuckuckskind – die Arbeiter zu steuern.

Technik als Entfremdung

In vielen seiner bedeutenderen späteren Werke, die auf seinen lange verschollenen – und ebenso technikfeindlichen – Erstling „Paris im 20. Jahrhundert“ aus dem Jahr 1863 folgten, warnt Verne nicht so direkt vor der teuflischen Wissenschaft. Denkt man an die Flüge zum und um den Mond oder an die Tauchfahrten mit Kapitän Nemo, so erscheinen die Errungenschaften der Wissenschaften eher als bewundernswerte Segnungen, die lediglich nur ein kleines Problem haben: Sie bringen den Menschen, die sich ihrer bedienen, selten Glück. Nemo beispielsweise ist ein Misanthrop geworden, der am liebsten allein die Wunder der Wasserwelt erkundet. Der Techniker als Genie und selbstbewusstes Individuum hat sich von seinen Mitmenschen entfremdet.

Schwarzweißmalerei

Aber nie wieder hat sich dann Verne zu einer derartigen Schwarzweißmalerei wie in „Meister Zacharius“ herbeigelassen, die die Technik zu Teufelswerk erklärt und den Techniker zu einem Zauberlehrling, der einen Pakt mit dem Widersacher geradezu herausfordert. Der sozioökonomische Druck, der durch den Rückkauf seiner Uhren entstanden ist, zwingt Zacharius mindestens genauso wie die existentielle Angst, seine Seele zu verlieren, seine Tochter, deren unschuldige und superfromme Seele sowie ihr Liebesglück mit Aubert zu verpfänden.

Diese krude Zuspitzung und Gegenüberstellung von religiöser Rechtgläubigkeit vs. technischem Teufelswerk und -pakt ist später unmöglich wieder realisierbar geworden. Ich kann sie mir nur so erklären, dass es sich hierbei um ein Frühwerk des Erfolg suchenden jungen Verne handelt, der es unbedingt einer Familienzeitschrift recht machen wollte und nach deren moralischen Vorgaben eine Story schnitzte, die späteren Ansprüche nicht mehr standhielt. Sie wurde nach den im Booklet nachzulesenden Angaben des Verlags erst im Jahr 1875, also 20 Jahre später, in Buchform veröffentlicht (in „Le Docteur Ox“). Zu dieser Zeit war Verne bereits ein vermögender und weltbekannter Autor, der ab 1871 in Amiens in der Kommunalpolitik mitmischte (und prompt Opfer eines Anschlags wurde).

Der Sprecher

Hans-Gerd Kilbinger ist ein ausgezeichneter Sprecher, der mich mit seiner Kunst in Erstaunen versetzt hat. Er stellt in dieser schönen Lesung sein bemerkenswertes Einfühlungsvermögen unter Beweis. Er charakterisiert jede Figur genau und unterscheidbar durch die Höhe der Stimmlage und auch durch die Sprechweise. Während der junge Aubert eine ganz normale Männerstimme besitzt, raunt und ächzt und stöhnt Zacharius, dass man seine seelischen wie auch körperlichen Qualen schnell nachfühlen kann. Gérande ist die fromme Unschuld in Reinkultur, doch Kilbinger lässt sie wenigstens halbwegs wie ein menschliches Wesen erscheinen. Die alte Scholastica ist die paradoxe Verkörperung von praktischem Alltagssinn und frommem Aberglauben („Teufelswerk!“).

Auftritt des kleinen teuflischen Männleins. Zunächst lacht es spöttisch, redet krächzend, dann lockt es betörend mit seinem Mitgefühl und dem Angebot eines Auswegs aus der Misere, in der Zacharius sich sieht. Im Showdown, der vor der Uhr in Andermatt stattfindet, lacht das Männlein natürlich wieder gar abscheulich. Aber sein schließlicher Abgang ist doch etwas enttäuschend, was die Akustik anbelangt. Da erfolgt nämlich kein Donnerschlag, wie zu erwarten, sondern – gar nichts. Was doch ein bisschen wenig ist.

Geräusche

Wie schon bei den zahlreichen anderen Lesungen aus dem Hause |Stimmbuch| erklingen auch hier professionell gestaltete Geräusche und eine Mischung aus passenden Musikmotiven. Der Wind ist schier allgegenwärtig, und ebenso häufig ist das Motiv der Uhr. Mal schlägt sie dröhnend vom Kirchturm, dann wieder ist ein knirschendes Räderwerk zu vernehmen, schließlich eine lieblich tönende Spieluhr, die schon fast Musik zu nennen ist. Tierlaute sind äußerst selten, und dass ausgerechnet Fledermäuse durch eine Ruine fiepen, lässt diesen Ort nicht unbedingt als einladend erscheinen.

Die Musik

Das Hauptmotiv für den Einsatz von Musik ist die eindeutige Charakterisierung einer Szene oder einer Person hinsichtlich Stimmung oder Entwicklung. So erklingt beispielsweise in der Kirche eine feierliche Orgel, wenn es gerade keine Glocke ist. Immer wieder taucht als Hintergrundmusik ein Ensemble aus Flöte, Cello, Bass und Harfe auf – ein Piano ist hier selten. Tiefe Bässe, die alleine daherkommen, künden natürlich drohendes Unheil an.

Das Gegenteil sind die verspielten Töne, die den Ruhephasen und der frommen Tochter zugeordnet sind. Da ertönen eine zarte Oboe, eine filigrane Harfe und schließlich noch eine Spieluhr, um das heiter-besinnliche, vielleicht sogar verträumte Ambiente zu charakterisieren. Ein weiteres musikalisches Motiv, das wiederkehrt, ist ein Soundeffekt, den ich einfach mal als „äolischen Sphärenklang“ bezeichnen will. Er klingt geisterhaft, mystisch und ist keinem klassischen Instrument zuzuordnen, das mir bekannt wäre. Stets ist damit eine mystische Stimmung gekennzeichnet.


Unterm Strich

Sicher, die Thematik von Faust, Teufelspakt und Wissenschaftskritik hat ihre Reize, aber die Kritik am frommen Glauben aufzuhängen, dürfte heute nur fromme Gläubige ansprechen. Stattdessen ist ja heute wieder Mystizismus in Mode. Und Zacharius hat mit Goethes bewundernswertem Dr. Johann Faust überhaupt nichts gemein.

In ihrem Plot erinnert die Story an manches von E. T. A. Hoffmann aus der so genannten „Schwarzen Romantik“, doch ist etwa Hoffmanns „Der Sandmann“, in dem ein früher Roboter auftritt, sehr viel intensiver und psychologisch überzeugender als Vernes Machwerk.

Das Hörbuch wurde von Daniela Wakonigg und Peter Harrsch gewohnt eindrucksvoll produziert und mit einem informativen Booklet ausgestattet.

Originaltitel: Maitre Zacharius ou l’horloger qui avait perdu son âme, 1854
Aus dem Französischen übersetzt von Martha Lion
74 Minuten auf 1 CD

http://www.stimmbuch.de

Luceno, James / Döring, Oliver / Stelkens, Alex / Sieper, Marc / Simon, Patrick – Star Wars: Labyrinth des Bösen (Teil 1-3: Das komplette Hörspiel)

_Intergalaktisches Picknick, nein danke!_

Handlungsmäßig angesiedelt zwischen den Kinofilmen „Episode II: Angriff der Klonkrieger“ und „Episode III: Die Rache der Sith“, erzählt dieses Hörspiel, wie Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi auf der Suche nach dem bösen Darth Sidious spektakuläre Abenteuer erleben. Das Hörspiel wartet mit den deutschen Stimmen aus den Kinofilmen, den Original-Sounds und der Filmmusik von John Williams auf.

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab acht Jahren. Die Verpackung enthält ein Poster für kürzlich erschiene |Star Wars|-Hörspiel „Dark Lord“.

_Der Autor und die Reihe_

James Luceno (geb. 1947) hat die [Romanvorlage 1162 zu „Labyrinth des Bösen“ geschrieben. Weitere Informationen gibt das Hörbuch nicht her. James Luceno ist außerdem Drehbuchautor der Filme „Die Maske des Zorro“ und „The Shadow“ sowie der Kult-TV-Serien „Robotech“ und „Galaxy Rangers“, außerdem hat er bereits mehrere besonders erfolgreiche Star-Wars-Romane geschrieben (neben „Labyrinth des Bösen“ noch „Dunkler Lord. Der Aufstieg des Darth Vader“ sowie „Das Erbe der Jedi-Ritter“ 4, 5 & 19). Er lebt in Annapolis, Maryland.

Mehr von James Luceno auf |Buchwurm.info|:

[„Star Wars Episode III – Die illustrierte Enzyklopädie“ 1243
[„Star Wars Episoden I-VI – Das Kompendium (Die illustrierte Enzyklopädie)“ 4048

Bislang gibt es alle sechs Episoden sowie die beiden James-Luceno-Romane der |Star Wars|-Reihe als Hörspiele bei |WortArt|. Die Story, die Oliver Döring jedes Mal bearbeitet hat, ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Von ihm stammt auch der Erzähltext, der die Szenen überbrückt.

|Star Wars|-Hörspielumsetzungen auf |Buchwurm.info|:

[„Episode I: Die dunkle Bedrohung“ 1293
[„Episode II: Angriff der Klonkrieger“ 1305
[„Episode III: Die Rache der Sith“ 4534
[„Episode IV: Eine neue Hoffnung“ 686
[„Episode V: Das Imperium schlägt zurück“ 689
[„Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritte“ 694
[„Labyrinth des Bösen, Teil 1: Gunrays Geheimnis“ 3291
[„Labyrinth des Bösen, Teil 2: Darth Sidious auf der Spur“ 3292

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Buch und Regie: Oliver Döring|

Oliver Döring, Jahrgang 1969, ist seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele seit 1999 hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Döring hat sich in der Hörbuchverpackung mit einem Vorwort verewigt. Er nahm als Neunjähriger mit einem Kassettenrekorder den Film „Krieg der Sterne“ (Episode 4) auf. Die Aufnahme war zwar verrauscht und voll Hall, aber nach kurzer Zeit konnte Klein-Oliver sämtliche Dialoge auswendig und jeden Ton eines Alarms von einem anderen im Schlaf unterscheiden.

Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: John Williams = Original-Filmmusik
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Kessler
Produktion: Alex Stelkens (|WortArt|), Marc Sieper, Patrick Simon

|Die wichtigsten Rollen und ihre Sprecher:|

Obi-Wan Kenobi: Philipp Moog
Anakin Skywalker: Wanja Gerick
Kanzler Palpatine: Friedhelm Ptok
Yoda: Tobias Meister
Mace Windu: Helmut Gauß
General Grievous: Rainer Doering
Padme Amidala: Manja Doering
Commander Cody u. a.: Martin Kessler
Count Dooku: Klaus Sonnenschein
Travale: Detlef Bierstedt
Fa’ale Leh: Franziska Pigulla
Kit Fisto: Philipp Schepmann

Und viele andere, die in der Verpackung abgedruckt sind, darunter Till Hagen, Marie Bierstedt, Tilo Schmitz und Claudia Urbschat-Mingues.

|Der Erzähler|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

|Das Hörspiel ist in drei Teile eingeteilt:|

Teil 1: Gunrays Geheimnis
Teil 2: Darth Sidious auf der Spur
Teil 3: Angriff auf Coruscant

_Handlung_

Die Separatistenwelt Nemodia. In einem konzertierten Angriff gelingt es den Jedi-Rittern Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker, mit den Truppen Commander Codys in die Festung von Vizekönig Gunray einzudringen und die Verteidigung zu durchdringen. Doch Gunray schafft es, in aller Eile mit einem Shuttle zu entkommen. Aber er hat etwas zurückgelassen, das General Grievous gehört: den Mekno-Stuhl.

Dieses kleine technische Wunderwerk weiß sich zwar gegen die Aktivierung durch Unbefugte zu wehren, doch schließlich gelingt es R2D2, ihm eine Botschaft zwischen Gunray und Grievous zu entlocken. Wenig später, nachdem Anakin dem Kanzler Bericht erstattet hat, meldet der Geheimdienst, dass der Stuhl einen nicht geknackten Code sendet, wahrscheinlich an Grievous. Um diesen Code zu entschlüsseln, könnte es vielleicht helfen, den Hersteller des Stuhl zu befragen, einen Cheecher …

Unterdessen auf Coruscant. Yoda fragt sich, wie weit der Einfluss von Darth Sidious, dem Anführer der Separatisten, reicht. Er ist beunruhigt über die Berichte seiner Jedi-Ritter über Gunray und General Grievous. Die Sith sind stärker geworden und laut der Prophezeiung werde der Auserwählte hervortreten und die Balance wiederherstellen. Offensichtlich wurden der Krieg geplant und die Jedi manipuliert. Wer ist dieser Darth Sidious?

Kanzler Palpatine hat inzwischen vom Senat auf Padme Amidalas Betreiben Vollmachten für den Kampf gegen die Separatisten erhalten. Er empfängt Padme und Senator Baile Organa, der ein Freund von Padmes Familie ist. Zusammen bitten sie Palpatine, ein paar Vollmachten abzugeben, doch der lehnt das Ansinnen aus Sicherheitsgründen ab. Denn es gebe ja auch eine Bedrohung durch die Jediritter! Organa soll sein Gesuch bitte im Senat vorbringen. Als Palpatine den Jediritter Anakin Skywalker erwähnt, errötet Padme bis in die Haarspitzen. Er hat sie an ihrem verwundbarsten Punkt getroffen. Organa bringt seine Bedenken bei Yoda vor und rennt dort offene Türen ein.

Mace Windu stößt in der Hüttenstadt Coruscants auf das Schiff Count Dookus (der am Ende von Episode II den Jedi entkommen konnte). Zusammen mit Meisterin Shaak Ti schickt er seine Truppe auf eine Such- und Vernichtungsmission. Am Ende der Suche steht ihnen eine böse Überraschung bevor …

_Mein Eindruck_

Die Handlung ist also auf mindestens drei Stränge verteilt. Das macht aber nichts, denn so ist ständig für Abwechslung gesorgt. Die Jediritter begeben sich auf eine Art Schnitzeljagd und stellen auf diversen Abenteuern ihren gekonnten Umgang mit der MACHT unter Beweis, unter anderem auch in einem Etablissement mit üblem Leumund – lies: Bordell -, aber auch in einer Art Kerker. Das ist durchaus lustig, denn Obi-Wan gibt mehr als einmal seinen trockenen Humor zum Besten.

Natürlich darf ein Sternenkrieg nicht völlig lustig sein, sonst könnte man ja gleich ein intergalaktisches Picknick veranstalten. Nein, die Action wird flankiert von ernsthaften politischen Machenschaften, bei denen sich Kanzler Palpatine mit der Jedi-Partei in die Haare kriegt. Ob der Kanzler wirklich, wie wir befürchten, Darth Sidious ist, muss sich erst noch herausstellen.

Seine Korrumpierung Anakins geht jedenfalls munter weiter, und es ist auffällig, wie tumb sich Obi-Wan gegenüber Anakins Befürwortung von mehr Emotionalität verhält. Es sollte für ihn ein Warnzeichen sein, vor allem wenn man bedenkt, dass Anakin bereits in „Episode II“ die Entführer seiner Mutter summarisch massakriert hat.

Auch die Suche Mace Windus und Shaak Tis ist eine flankierende Schnitzeljagd. Im Prinzip könnten solche Handlungsfäden endlos weitergestrickt werden. Und in der Tat wird unsere Geduld gehörig strapaziert, denn nach einer Weile wird es Zeit, ein paar Resultate zu liefern.

Recht putzig sind auch die Schurken im Stück. Vizekönig Gunray und seinen Kollegen kennt man ja schon aus „Episode I“, als sie mit ihrer Handelsföderation den Planeten Naboo angriffen. Nun sehen sich diese beiden Spezln einem gefährlicheren Gegner als Padme Amidala gegenüber. General Grievous scheint irgendwie keinen Spaß zu verstehen, insbesondere dann nicht, als er feststellen muss, dass die Republik weiß, wo seine Schiffe aufkreuzen, und sie entsprechend abschießt. Er bringt schnell heraus, wer für solchen exorbitanten Materialverschleiß verantwortlich ist: Gunray hat den Mekno-Stuhl zurückgelassen, und die Republiktruppen haben dessen Botschaft abgefangen und entschlüsselt. Dumm gelaufen, Gunray!

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich – und zwar immer mit den richtigen Geräuschen, wie sie Oliver Döring aus seinem Fundus eingespielt hat. Die gleiche Power gilt für die digital aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Obi-Wan, Padme, Anakin – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“. Die Stimmen stammen auch in der deutschen Synchronisation aus digitalen Quellen, so dass der Zuhörer auch an dieser Stelle die beste Qualität erhält. Das Wiederhören mit den deutschen Synchronsprechern dürfte ebenfalls Freude auslösen, und deshalb habe ich oben die wichtigsten und bekanntesten Sprecher genannt. Da hört man also die Stimmen von George Clooney, Gillian Anderson, Kirsten Dunst, Jack Nicholson und vielen anderen Hollywoodstars. So kann richtig gutes Kinofeeling aufkommen.

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt mit der sonoren Stimme stets für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Die Klangqualität entspricht hohen Standards.

_Unterm Strich_

Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt der ersten sechs Hörbücher mir noch einen Tick besser gefallen hat. Die Story dieses eingeschobenen Bandes ist doch streckenweise recht belanglos und besteht in zwei Erzählsträngen aus einer Schnitzeljagd.

Dennoch lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, wenn sich auch die inhaltliche Qualität nicht immer die Waage hält. Und wer von „Star Wars“ als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen. Ich würde das Hörspiel erst ab zwölf Jahren empfehlen, denn es setzt doch ein gewisses Verständnis der politischen und militärischen Vorgänge voraus.

|Originaltitel: Star Wars: Labyrinth of Evil
Übersetzt von Regina Winter
170 Minuten auf 3 CDs
ISBN 978-3-8291-2087-6|
http://www.WortArt.de
http://www.karussell.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Star__Wars
http://www.starwars-union.de
http://www.starwars.com
http://www.jedipedia.de
[Interview mit Oliver Döring zum Hörspiel „Dark Lord“]http://www.starwars-union.de/index.php?id=interview_oliverdoering__08
[Interview mit Oliver Döring zum Hörspiel „Labyrinth des Bösen“]http://www.starwars-union.de/index.php?id=interview__oliverdoering

Stephen King – Später

Die Handlung:

Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht…
Jamie Conklin wirkt wie ein normaler neunjähriger Junge. Seinen Vater kennt er nicht, seiner Mutter Tia, einer Literaturagentin, steht er sehr nahe. Die beiden haben ein Geheimnis: Jamie kann mit den Geistern kürzlich Verstorbener reden. Und sie müssen all seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner Bestsellersaga bleibt unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe… Die beiden treten eine Reihe unabsehbarer Ereignisse los, und schließlich geht es um, nun ja, Leben und Tod.(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dies ist der dritte Roman, den Stephen King nach „Colorado Kid“ (2005) und „Joyland“ (2013) für die in den USA beliebte HARD-CASE-CRIME-Reihe geschrieben hat. Diese Geschichten orientieren sich auch von der Gestaltung der Cover her an den Krimis der 1940er-1960er. Außerdem erscheint dieser Roman stilecht in den USA direkt als Taschenbuch und nur als limitierte Auflage später noch mal mit zwei weiteren Cover als Hardcover-Variante.

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Nicholls, Sally / Koinegg, Karlheinz / Backhausen, Angeli von – Wie man unsterblich wird – Jede Minute zählt (Hörspiel)

_“Woher weiß man, dass man gestorben ist?“_

„Wenn du das hier liest, bin ich vermutlich tot.“ Der elf Jahre alte Sam ist an Leukämie erkrankt und weiß, wie es um ihn steht. Aber statt zu verzweifeln, nutzt er seine Zeit. Er stellt Fragen, die er früher nicht gestellt hätte, so etwa: Wird die Welt noch sein, wenn es ihn nicht mehr gibt? Die Antworten schreibt er in ein Buch. Darin hält er auch seine Wünsche fest: ein berühmter Forscher werden, einen Weltrekord aufstellen, eine Freundin haben … Ob und wie Sam sich seine Träume zusammen mit Felix, seinem Freund und Leidensgenossen, erfüllt, davon erzählt dieses bewegende, aber auch komische und ermutigende Hörspiel. (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab elf Jahren. Das Buch wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, nun wurde auch das Hörspiel des WDR für höchste Ehren nominiert und als bestes Kinderhörbuch beim Deutschen Hörbuchpreis 2010 ausgezeichnet. Das Buch ist für den Deutschen Jugendbuchpreis 2009 nominiert.

_Die Autorin_

Sally Nicholls, geboren 1983 in Stockton, studierte Philosophie und Literatur. Sie verfasste ihren Debütroman „Wie man unsterblich wird“ mit nur 23 Jahren. Er erschien 2008 in England und wurde bereits mit mehreren großen Literaturpreisen ausgezeichnet und in 18 Sprachen übersetzt. Sally Nicholls lebt in London und schreibt an ihrem zweiten Buch. (Verlagsinfo, ohne Gewähr)

_Die Sprecher_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Sam: Kai Hogenacker
Felix: Patrick Möllecken
Annie: Hella von Sinnen
Mum: Gabriela Maria Schmeide
Dad: Heinrich Schmieder
Kayleigh: Felicitas Stein
Ella: Mariann Schneider
Mrs. Willis: Anja Niederfahrenhorst
Granny: Sigrid Bode
Dr. Bill: Roland Jankowsky
Zudem Karl-Heinz Tafel, Kerstin Thielemann und Hans-Rolf Fuchs.

Die Hörspielbearbeitung erfolgte durch Karlheinz Koinegg. Regie führte Angeli von Backhausen, der WDR produzierte das Hörspiel. Die Musik trugen Andreas und Matthias Hornschuh bei. Die technische Realisation oblag Achim Fell und Martin Kopiniok. Das Buch erschien im Carl Hanser Verlag 2008.

_Handlung_

Der elfjährige Sam McQueen lebt im englischen Middlesborough (das auch gut erfunden sein könnte). In einem Buch sammelt er Geschichten und interessante Tatsachen, darunter auch über sich. So zum Beispiel: Sam hat Leukämie, also Krebs. Er weiß, dass er bald sterben wird. Aber er hat in sein Buch noch einige wichtige Wünsche geschrieben, so will er etwa ein berühmter Forscher werden, einen Weltrekord aufstellen, eine Freundin haben und die ganze Welt von oben sehen. Aber auch ganz normale Dinge wie etwa Rolltreppen fahren oder alle Horrorfilme der Welt gucken.

Leider geben die Erwachsenen wie etwa Mum und Dad immer nur verschwommene Antworten über die großen Fragen, die Sam bewegen. Dad beispielsweise weigert sich rundweg, sich überhaupt mit Sams Krankheit auseinanderzusetzen, und Mum ist viel zu lieb, um ihrem Sohn harte Wahrheiten ins Gesicht zu schleudern. Deshalb muss sich Sam mit den großen Fragen zusammen mit seinem besten Freund, dem 13-jährigen Felix, beschäftigen, und der ist ja auch ein Leukämieopfer. Felix sitzt im Rollstuhl. Wenn sie nicht in der Tagesklinik einen Chemotherapie erhalten, erteilt ihnen daheim Mrs. Willis Schulunterricht.

|Die Großen Fragen|

Auch sie hilft bei den Fragen. Nummer eins lautet: „Woher weiß man, dass man gestorben ist?“ Das Internet erwähnt Nahtoderfahrung, das Erblicken von Engeln. Lachhaft, findet Felix. Also schreiben sie die Argumente pro und kontra auf.

Frage Nummer zwei: „Warum lässt Gott Kinder krank werden?“ Weil er nicht existiert, wie Felix behauptet? Oder weil es ihm Spaß macht, weil er böse ist? Oder weil, wie Sam meint, Gott wie ein großer Arzt ist, der Lektionen bereithält, zum Beispiel wie toll Radfahren ist. Oder weil es ihm eh egal ist. Oder weil es die Strafe für ein schlechtes Karma ist.

Frage Nummer drei lautet: „Wie kann man ewig leben?“ Soll man sich einfrieren lassen, ein Vampir werden, sein Gehirn auf CD-ROM speichern und auf die Festplatte kopieren lassen? Hm, eine knifflige Frage.

|Die Großen Wünsche|

Einfacher sollte es sein, Sams große Wünsche zu erfüllen. Wie kann er einen Weltrekord aufstellen? Sam und Felix lesen das |Guinness|-Buch der Rekorde und kommen auf die Idee, die kleinste Disco der Welt zu fabrizieren: mit einem CD-Player im Kleiderschrank. Die Sache mit den Horrorfilmen ist einfacher zu erfüllen: Sie schleichen sich einfach ins Zimmer von Felix’ Bruder und ziehen die Videos rein. Sam findet sie gähnend langweilig, sogar „Der Exorzist“. Er kann sich ziemlich gut in die Lage des Mädchens versetzen …

Was nun die Mädchen und das Rauchen und Trinken angeht, so schleppt Felix seinen Freund einfach in den Pub seines Onkels, wo Kusine Kayleigh so nett ist, ihnen die Theke zu öffnen. Sam findet den Kirschlikör klasse, aber Kayleighs Kuss megapeinlich.

Am Dienstag muss Sam wieder zurück in die Klinik. Sein Dad verlangt vom zuständigen Arzt eine erneute Chemotherapie für seinen Sohn, doch der Doktor rät dringend davon ab. Sam sei noch zu schwach. Immerhin lebt Sam jetzt schon vier Monate ohne Chemo und hat keine Glatze wie Felix.

|Abschied Nr. 1|

Am nächsten Tag erfährt Sam, dass Felix wegen einer Infektion ins Krankenhaus musste. Seine Mum bringt ihn hin, um Felix zu besuchen. Sobald die Erwachsenen gegangen sind, passiert etwas Geheimnisvolles: Er schickt Felix den Gedankenbefehl aufzuwachen, und Felix erwacht. Felix und Sam sagen nichts, sondern grinsen sich nur an, während sie sich an der Hand fassen. Felix entspannt sich schließlich, und Sam wartet vergeblich, dass sein Freund wieder erwacht …

|Abschied Nr. 2|

Nach Felix‘ Beerdigung fühlt sich Sam seltsam. Er schaut aus dem Fenster und bemerkt erstaunt, dass sich das Licht verändert hat: Es hat geschneit! Er ist begeistert und bittet seine Eltern, Schlittenfahren zu dürfen. Dad lehnt kategorisch ab, doch Mum und Sams Schwester Ella deichseln es, dass sie mit Sam doch noch rausholen und auf einen Schlitten setzen. Sam hat sich selten so lebendig gefühlt. Am nächsten Morgen tut ihm alles weh. Dad kommt zu ihm, um ihm seine Medizin zu geben. Dad hat geträumt, Sam sei weggegangen …

Er liest in Sams Buch die Liste der Wünsche und beschließt, etwas zu unternehmen. Mit einer Werbefilmgesellschaft verwirklicht er Sams Traum, zusammen mit Dad ein Luftschiff zu fahren. Es ist grandios, es ist perfekt. Nach dem täglichen Besuch der Krankenschwester Annie, die Sam nur noch „Dracula“ nennt, weil sie ihm Blut abzapft, beschließt er, die Medikamente abzusetzen. Was könnte noch Besseres kommen?

|Der Junge im Baum|

Sam hat noch höchstens zwei Monate, sagt Annie. Doch ein Wunsch ist noch offen: Die Welt von ganz hoch oben sehen. Und eines Nachts, als wegen eines Stromausfalls sogar die Sterne zu sehen sind, schleicht sich Sam hinaus und klettert auf den Apfelbaum im Garten. Dort hört er die Stimme seiner Großmutter: „Wir sind aus dem Staub von Sternen gemacht. Alte Sterne sterben, um bei der Explosion ihren Staub für neue Sterne, die daraus entstehen sollen, zu verstreuen. Es ist ein Kreislauf, verstehst du, Sam?“ Der Tod ist nur die nächste Phase im Dasein, und Sam hat endlich das Gefühl, unsterblich zu sein …

_Mein Eindruck_

Es gibt ja schon etliche Dramen über leukämiekranke Kinder, sei es nun in literarischer oder filmischer Form. Stets appelliert die Geschichte an das Mitgefühl des Publikums, um ihre Wirkung zu erzielen. Doch diesmal gibt es einen advocatus diaboli, der nicht davor zurückscheut, Gott für einen Zyniker oder gar Bösewicht zu halten. So etwas würde man in einem christlichen Schauspiel eher selten finden.

Doch Felix, der „Glückliche“, ist kein Mephisto, sondern nur ein weiteres Opfer der Krebskrankheit. Statt jedoch zu resignieren, rafft er sich dazu auf, seinem besten Freund Sam dessen Wünsche zu erfüllen, komme was wolle. Das Ergebnis ist – wie die Horrorfilmshow – mal ein Ärgernis für die Erwachsenen, mal ein peinliches Erlebnis für die Beteiligten, so etwa Kayleighs Kuss für den todgeweihten Sam.

Zusammen erörtern die beiden Jungs die schwersten Fragen, die man sich überhaupt vorstellen kann (siehe oben), und nehmen auf ihre moderne Weise auch mal das unerschöpfliche Internet zu Hilfe. Aber das bringt sie einer Lösung ihres zentralen Problems auch nicht näher, sie können es höchstens besser ertragen. Die letzte und wichtigste Antwort erfährt Sam schließlich dann von seiner Vorfahrin, mit der er endlich Zwiesprache halten kann: Warum müssen Kinder überhaupt sterben?

Es ist eine Art von Trost, diese Antwort, aber letztes Endes ist die zwischenmenschliche Begegnung ein viel größerer Trost. Dies erlebt Sam, als er Felix beim letzten Einschalfen hilft, und als sein Vater zu ihm ins Bett kommt, um sich mit seinen Wünschen zu beschäftigen. Unterm Strich kommt es darauf zu wissen, dass wir nicht allein sind und nicht vergessen werden. Deshalb ist auch die Fortsetzung des Schulunterrichts für Sam so wichtig – es ist keine Augenwischerei angesichts des gewissen Todes, sondern eine Perspektive für die Zukunft. Und der Unterricht hilft Sam, seine Fragen auf kluge Weise mit Pros und Kontras zu beantworten. Erst auf diesem Fundament kann er die letzte Antwort finden.

Die Geschichte berührt an keiner Stelle peinlich, sondern wirkt glaubhaft und optimistisch. Welches Los Sam erwartet, weiß der Zuhörer ja sowieso, dazu muss man es ihm nicht extra unter die Nase reiben. Und die Dialoge zwischen den Jungs sind auch zum Lachen, vielleicht weil sie so unverblümt ehrlich sind. Wenn Sam lacht, dann nur beim Schlitten- und Luftschifffahren. Das sind starke Szenen, doch sie haben ihren Preis, wie man sich denken kann. Danach ist Sam schwächer als zuvor. Das Leben bringt ihn um.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptfiguren in diesem Hörspiel sind nicht etwa die Erwachsenen, sondern Sam und Felix, die beiden kranken Jungs. Folglich gilt die Aufmerksamkeit des Zuhörers dem, was sie sagen und wie sie sich ausdrücken. Nun, sie sind in einer bürgerlichen Umgebung aufgewachsen und benutzen folglich keinerlei Schimpfwörter, Flüche oder äußern gar diskriminierende Statements. Sie dürften daher kaum bei jemandem Anstoß erregen. Es fällt ihnen leicht, unsere Sympathie zu erhalten.

Dabei spielt Felix den advocatus diaboli, doch er darf auch etwas zynisch sein, weil er zwei Jahre älter ist als Sam. Die Stimme des Felix-Sprechers ist etwas tiefer als die von Sam, der den Stimmbruch noch vor sich hat. Die beiden Sprecher machen ihre Sache gut, auch wenn ich finde, dass ihre Figuren mehr Ecken und Kanten hätten aufweisen dürfen.

Von den Erwachsenen hinterlässt vor allem die muntere Annie „Dracula“ mit ihrem Moped einen guten Eindruck. Das kann aber auch daran liegen, dass ich der recht bekannten Sprecherin Hella von Sinnen besondere Aufmerksamkeit widmete. Die relativ tiefe Stimme der weiblichen Figur wirkt jedenfalls unter all den hohen weiblichen Stimmen recht ausgefallen.

Die Eltern Sams bzw. deren Sprecher wirken glaubwürdig und nicht irgendwie ausgefallen. Bemerkenswert ist der Wandel in Sams Dad: von einem Vater, der das Problem von Sams Krankheit verdrängt, hin zu einem mitleidenden Dad, der sich endlich mit dem Leben und den Wünschen seines Sohnes befasst. Deshalb darf Dad auch mal weinen, ohne dass es peinlich oder unglaubhaft wirkt – er weiß, er wird seinen Sohn verlieren.

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse ist auf ein Minimum reduziert, so dass die Dialoge nicht gestört werden. Wir hören den Motor von Annies Moped, die Sounds von Sams PC-Game und immer wieder das Schrillen eines Telefons oder das Dingdong der Türglocke. Diverse Tiere machen sich bemerkbar, so das wir das Gebell eines Hundes hören, das Zwitschern eines Vogels und am Schluss den Gesang einer Amsel. Recht witzig sind das Zischen der statischen Elektrizität, die die Jungs mit einem Vandegraaf-Generator im Schulunterricht erzeugen, und das gruselige Geräusch aus einem der Horrorfilme.

|Musik|

Die dezente Hintergrundmusik wird von Kombinationen aus akustischer Gitarre, Flöte und Geige bestimmt, die nur als Untermalung dienen. Dadurch vermittelt das Hörspiel einen Eindruck der Ruhe statt der Unausgeglichenheit, die ich erwartet hätte. Schließlich befindet sich Sams und Felix‘ Welt nicht gerade im Lot. Andererseits würde eine Cello-dominierte, elegische Trauermusik überhaupt nicht zu der optimistischen Grundstimmung passen.

Um dieses elegische Moment auszudrücken, hat die Regie eine Singstimme eingeführt, die keine Melodie singt, sondern nur eine Art von Koloratur. Das wirkt zwar nicht direkt störend, eher etwas mahnend, also wie ein Memento mori (= „Gedenke zu sterben“ – sei deiner eigenen Sterblichkeit bewusst).

_Unterm Strich_

Die Geschichte von Sam und Felix tröstet die Menschen, die unter dem gleichen Schicksal leiden wie sie. Die Zuhörer könnten sich die gleichen Fragen stellen wie die Jungs und möglicherweise lustige Antworten finden. Wichtiger sind jedoch die Wünsche, die Sam auf unterschiedlichste und ziemlich einfallsreiche Weise erfüllt werden. Hier ist die Hilfe der Mitmenschen gefragt, allen voran die der Eltern.

Dass tiefe Gefühle beteiligt sind, versteht sich in der Nähe des Todes von selbst. Zum schön finde ich die umfassende Antwort, die der Autorin für die letzte Frage eingefallen ist: „Warum gibt es den Tod, warum müssen selbst Kinder sterben?“ Dass auf die Antwort des Ewigen Kreislaufs schon die Naturvölker gekommen sind, macht nichts – es ist eine Antwort, die jede Generation für sich neu finden und bewerten muss. Die Hippies der Woodstock-Generation sangen die Wahrheit so: „We are stardust, we are golden, we are million-year-old carbon.“ (Joni Mitchell und Crosby, Stills, Nash & Young)

|Das Hörspiel|

Der WDR hatte das heikle Thema Leukämie und Sterben für junge Menschen aufzubereiten. Ich hoffe, die elf und 13 Jahre alten Teens finden sich in dem Hörspiel wieder. Aber auch älteren Menschen vermittelt die Geschichte interessante Denkanstöße. Die dezente Musik und die realistischen Geräusche stören die Dialoge meist nicht, sondern vermitteln ein Gefühl, dass die Geschichte hier und jetzt stattfindet.

Was mir noch fehlt, ist ein Eindruck der Dringlichkeit, der Anspannung – es geht alles viel zu locker zu, fand ich. Und eine bessere Aufteilung nach Zeiteinheiten hätte diese Dringlichkeit ebenfalls hervorgerufen, doch so verschwimmt das Geschehen etwas in einer amorphen Abfolge von Episoden. Zwischendurch machte ich eine längere Pause von mehreren Tagen, was nicht schadete. Denn das Hörspiel ist mit 77 Minuten Länge doch sehr umfangreich. Eine Aufspaltung in mehrere Einheiten kann da nicht schaden. Vor allem, weil man sich dann die Dialoge besser merken kann.

|Originaltitel: Ways to live forever; 2008
Aus dem Englischen übersetzt von Birgitt Kollmann
77 Minuten auf 1 CD|
http://www.igel-records.de

John Sinclair – Tokatas Todesspur (Folge 63)

Auf der Insel des Schweigens: das Armageddon der Samurai

„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.

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Frank Herbert / Kaiser, Kerstin – DUNE 2: Der Herr des Wüstenplaneten (Hörbuch)

Spannend: Verschwörung gegen den Gott von DUNE

Vorgeschichte: Im 11. Jahrtausend tun sich der Imperator und Harkonnen zusammen, um das Haus Atreides unter Herzog Leto zu vernichten. Die große Mausefalle ist der Wüstenplanet Arrakis, der Köder unermesslicher Reichtum in Form des einzigartigen Rohstoffs |Spice-Mélange|. Der Plan klappt wie am Schnürchen, doch eine Kleinigkeit geht schief: des Herzogs Konkubine und sein Sohn Paul entkommen in die Wüste. Dort bauen sie mit den einheimischen Fremen eine Guerilla-Organisation auf, die droht, die lebenswichtige Spice-Produktion zum Erliegen zu bringen – und damit jeden Verkehr im Imperium! Der Imperator, gezwungen von der Raumfahrtgilde, muss nach Arrakis kommen …

Der Herr des Wüstenplaneten“: Paul Atreides ist der lang erwartete Prophet und führt die Fremen in den Heiligen Krieg. In einem Siegeszug ohnegleichen pflanzt er sein Banner auf alle von Menschen besiedelten Planeten und errichtet das neue Imperium. Doch seine Machtfülle ruft Neider und Gegner auf den Plan, die unermüdlich auf Mittel sinnen, diese Herrschaft zu brechen. Unter die Pilgerscharen, die über Lichtjahre hinweg in die heilige Stadt Arrakeen kommen, mischen sich Meuchelmörder, manipulierte Zeitbomben in Menschengestalt … (korrigierte Verlagsinfo)
Frank Herbert / Kaiser, Kerstin – DUNE 2: Der Herr des Wüstenplaneten (Hörbuch) weiterlesen