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Poe, Edgar Allan – Edgar Allan Poes Meistererzähler

_Gute Sprecher für eine repräsentative Poe-Auswahl_

Zehn Meistererzählungen von Edgar Allan Poe, dargebracht von Meistererzählern wie Pinkas Braun, Martin Held, Wolfgang Kieling, Hannes Messemer, Richard Münch, Hans Paetsch, Heinz Reincke, Werner Rundshagen und Klaus Stieringer. Die Vorträge dieser Sprecher stammen aus der Zeit zwischen 1958 und 1983, als die Rundfunklesung noch eine geschätzte Kunst war. (gekürzte Verlagsinfo) Viele dieser Sprecher sind bzw. waren professionelle Schauspieler und wissen Poes bekannteste Erzählungen wirkungsvoll vorzutragen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49), das Kind verachteter Schauspieler, wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia auf. Während der Vater ihn nie akzeptierte, liebt Edgar seine Ziehmutter, die sich seiner annahm, umso mehr. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich 1827 von seinem strengen Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die allesamt finanzielle Misserfolge waren. 1828 starb mit Mrs. Allan seine wichtigste Bezugsperson, und er zog zu seiner Tante „Muddy“ Clemm in Baltimore.

Von der Offiziersakademie in West Point wurde er am 28. Januar 1831 verwiesen, sein Bruder William stirbt im August. 1833 gewann er 50 Dollar für seine Story „MS. Found in a Bottle“, die einen Kaufmann auf ihn aufmerksam machte, der ihn förderte. Dadurch konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern. Allerdings schuf er sich durch seine scharfen Literaturkritiken zahlreiche Feinde.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, nachdem am 20. Januar 1845 sein Gedicht „The Raven“ auf größte Begeisterung gestoßen war, und das sowohl bei den Lesern als auch bei der Kritik. Er wurde Vortragsreisender und Partner bei einer Zeitschrift, die allerdings bankrott ging.

Dem Erfolg folgte bald ein ungewöhnlich starker Absturz, nachdem seine Frau Virginia, die Tochter seiner Tante (1822-1847, verheiratete Poe ab 1836, krank ab 1842), an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel mit der 45-jährigen Dichterin Sarah Helen Whitman – am 3. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden. Er starb an „Hirnfieber“ am 7. Oktober im Washington College Hospital. (Das Rätsel um seinen Tod wurde unter anderem von Matthew Pearl in [„Die Stunde des Raben“ 3552 zu einem Roman verarbeitet.)

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H. P. Lovecraft, H. G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert – in nur 17 Jahren des Publizierens.

_Die Erzählungen und Sprecher_

_1) Das Faß Amontillado_ (13:34 Minuten, gelesen von Werner Rundshagen)

Warum mauert Montresor seinen Freund Fortunato im Weinkeller des Familiengutes ein? „By the last breath of the four winds that blow / I’ll have revenge upon Fortunato …“ heißt es in Alan Parsons Song. „Nemo me impune lacessit“ lautet das Motto der Familie Montresor: „Niemand beleidige/verletze mich ungestraft“. Na, und der überhebliche Fortunato hat seine Strafe sicherlich verdient.

|Mein Eindruck|

Poe erzählt seine Rachestory sehr anschaulich, als habe er sie für einen Film schreiben wollen. Allerdings stammt der letzte verfügbare Wortlaut gar nicht von ihm, sondern von seinem schlimmsten Feind, der seinen Nachlass verwalten durfte …

|Der Sprecher|

Werner Rundshagen trägt mit einer kräftigen Stimme sehr deutlich und nuanciert vor. Wenn der betrunkene Fortunato mal spricht, lallt Rundshagen allerdings nicht, deutet nur eine „schwere Zunge“ an. Einmal lacht Fortunato leise in sich hinein, das klingt dann angesichts seiner Lage schon unheimlich. Leider spricht Rundshagen den Namen „Amontillado“ nicht wie es sich gehört spanisch aus, sondern deutsch, also mit einem L statt einem J.

_2) Das ovale Portrait_ (10:00 Minuten, gelesen von Wolfgang Kieling)

Der müde und fiebrige Wanderer hat Zuflucht in einem italienischen Bergschloss gefunden und ruht sich nun im Schlafzimmer aus. Es ist mit einer berühmten Gemäldesammlung ausgestattet, zu der er sogar einen Führer lesen kann. Als er den Kandelaber verschiebt, um das Buch besser lesen zu können, fällt das Licht auf ein kleines Bild in einer Nische: ein ovales Porträt einer jungen Frau. Es ist erstaunlich lebensecht.

Der Führer erzählt dazu die grauenerregende Geschichte seiner Entstehung … Die junge Frau liebte den Maler des Bildes so leidenschaftlich, dass sie bereit war, für ihn wochenlang Modell zu sitzen. Doch je länger der Maler pinselte, um das Bild so lebensecht wie möglich zu gestalten, desto blasser und kränklicher wurde dessen Vorlage. Und während die Bewunderer des Malers von der Qualität des Bildes schwärmten, merkten weder sie noch der Maler, wie schlecht es dem Modell ging. Kaum war der letzte Pinselstrich getan, starb sie!

|Mein Eindruck|

Die kurze aber anschaulich erzählte Geschichte behandelt den metaphysischen Zusammenhang zwischen Kunst und Liebe bzw. Leben. Die Rivalin der jungen Frau ist die Kunst, wie sie selbst weiß, und doch opfert sie sich dieser, um der Liebe zu ihrem Maler willen. Jeder Künstler bringt der Muse Opfer, um ihr dienen zu können, und allzu oft besteht das Opfer in Liebe, manchmal sogar in Leben. Vielleicht ist dies nicht nur ein romantisches Motiv.

|Der Sprecher|

Wolfgang Kieling ist mir als hervorragender Schauspieler bekannt. Seine Stimme ist tief und volltönend, er intoniert die Sätze deutlich und erzeugt gehörige Spannung. Wunderbar.

_3) Das verräterische Herz_ (14:10 Minuten, gelesen von Heinz Reincke)

Der verrückte Ich-Erzähler plant detailliert den perfekten Mord an einem alten Mann, dessen eines „Geierauge“ ihm Furcht und Wut einflößt. Die Tat gelingt, doch aufgrund seines überfeinen Gehörs vermeint der (wahnsinnige) Bösewicht, das Herz des Getöteten wieder schlagen zu hören, justament als er die Polizei im Hause hat …

|Mein Eindruck|

Wahnsinn, überfeinerte Sinne und vorzeitige Beerdigung sind die Standardthemen Poes. „Das verräterische Herz“ ist kurzer, psychologischer Thriller um Schuld und Sühne. Er ist nicht nur sehr anschaulich geschildert, sondern auch zu einem grauenerregenden Finale hin konzipiert.

|Der Sprecher|

Heinz Reincke ist bzw. war ein temperamentvoller Volksschauspieler, der in unzähligen TV-Serien des NDR auftrat. Bereits 1958 entstand diese unvergessliche Aufnahme. Reincke liest sehr flott vor, gestaltet seinen Erzähler als gehässigen und wahnsinnigen, aber auch ungeheuer selbstverliebten Typen. Wenn der Mord erfolgt, wird der Vortrag beschleunigt, drängend und angstvoll – wir fiebern geradezu mit. Nach diesem ersten Höhepunkt gelangt Reincke wieder in ruhiges Fahrwasser – Erleichterung macht sich breit. Dann folgt Nervosität, schließlich wieder Panik und Wahn. Am Schluss überschlägt sich Reinckes Stimme fast, wird richtig laut, als es das Unfassbare zu äußern gilt: Das Herz des Alten schlägt wieder!

_4) Der Massenmensch_ (27:45 Minuten, gelesen von Klaus Stieringer)

Der Erzähler sitzt eines Tages in einem Café in London und teilt die Passanten in Klassen ein. Er ist offenbar ein genauer Beobachter. Da bemerkt er einen ungewöhnlichen, alten Mann, weil er aussieht wie der „Erzfeind“, der Teufel, persönlich. Er folgt ihm den ganzen Tag hindurch, wie der sich durch die Menge schiebt und nirgendwo eine Rast einlegt, um sich zu stärken oder zu ruhen. Nein, der Mann, der Dolch und Diamant unter seinem Mantel stecken hat, sucht immerzu nur die Menge. Und als sich ihm sein Verfolger in den Weg stellt, schaut er nicht auf, sondern umgeht ihn einfach.

|Mein Eindruck|

Die ungewöhnliche, völlig handlungslose Story ist die detailliert beobachtende Studie eines neuen psychologischen Typus, wie er nur in der Stadt vorkommt: der Mensch, der nur zufrieden ist, wenn er in einer Menschenansammlung anonymen Kontakt findet. Dass dieser Typ keine menschlichen Bedürfnisse an den Tag legt, macht ihn zu unheimlich. Poe schreibt ihm Schuld zu, aber woher diese rührt, bleibt unklar.

|Der Sprecher|

Klaus Stieringer ist ein beherrscht und deutlich artikulierender Sprecher. Mit Pausen vor jedem wichtigen Wort hebt er dessen Bedeutung für jeden Satz und Gedankengang hervor. So entsteht vor dem geistigen Auge des Hörers ein lebendiges Bild, das zunehmend unheimlichere Züge gewinnt …

_5) Die Maske des Roten Todes_ (14:00 Minuten, gelesen von Hannes Messemer)

Diesmal hat Fürst Prospero sich in eine burgartige Abtei vor den Verheerungen, welche die Pestilenz in seinem Land anrichtet, zurückgezogen. Trotz des Todes draußen schmeißt er eine Party, bei der sich tausend Ritter und Damen verkleiden dürfen (Maske = Maskenball), um der Schönheit in den unterschiedlich ausgestatteten Zimmers seines Refugiums zu huldigen. Als er jedoch einen unverschämt auftretenden Burschen erblickt, der es wagt, als Pestkranker aufzutreten, kennt sein Zorn keine Grenzen. Er verfolgt ihn, treibt ihn in die Enge, um ihn zur Rede zu stellen – und erlebt sein rotes Wunder …

|Mein Eindruck|

Poe hat zahlreiche Gedichte über den Tod und dessen unentrinnbare Herrschaft geschrieben, denn er war ja selbst ständig vom Tod umgeben. Auch seine junge Frau Virginia Clemm starb an der Schwindsucht. Er nannte den Tod „den Zerstörer“ und „Eroberer Wurm“. Auch in „Die Maske des Roten Todes“ ist der Tod unentrinnbar, und alles Schöne muss vergehen, insbesondere, wenn es so frivol wie von Fürst Prospero zelebriert wird.

|Der Sprecher|

Hannes Messemer trägt auf eine recht altmodische Weise vor, die inzwischen überholt ist. Man merkt nämlich, dass er den Hörer bewegen und erreichen will. Er gestaltet den Text aber sehr abwechslungsreich: mal heiter, mal ahnungsvoll, mal schnell, dann wieder langsam. Mitunter versteigt er sich zu einer Emphase, die harte Konsonanten wie K geradezu hervorschleudert. Auch der Höhepunkt ist sehr effektvoll „inszeniert“, voll Dramatik.

_6) Der wahre Sachverhalt im Falle Waldemar_ (28:10 Minuten, Pinkas Braun)

Die esoterische Modewissenschaft Mesmerismus (nach einem gewissen Monsieur Mesmer) wurde auch als Magnetismus bezeichnet und erregte seinerzeit – also zwischen 1840 und 1850 – einiges Aufsehen. Sie ähnelt der Hypnose, wird aber anders angewandt.

In der Erzählung verlängert Poe damit die Existenz der Seele von M. Waldemar, einem Opfer der Schwindsucht, nach dem Ableben des hinfälligen Körpers. Alle Schritte beim Vorgehen werden minutiös aufgezeichnet, so dass ein sehr realistischer Eindruck entsteht. Kann der Einzug des Todes in den Körper von M. Waldemar wirklich aufgehalten werden, lautet die Kardinalfrage. Doch es gibt eine ziemlich grässliche Pointe.

|Mein Eindruck|

Der Ich-Erzähler weiß seine (inzwischen verfilmte) Geschichte von der Aufhebung des Todes wohldosiert zu vermitteln. Das Unbehagen an der ganzen unnatürlichen Sache wächst, bis ganz am Schluss, im letzten Satz, das Grauen mit voller Wucht zuschlägt: das ist die „punch-line“, die den Leser bzw. Hörer in die Magengrube trifft. Poe konnte schon immer sehr effektvoll erzählen, aber hier hat er ein Meisterstück abgeliefert. Die Übersetzung des „Ulysses“-Übersetzers Hans Wollschlägers trägt zusätzlich zur starken Wirkung bei. Allerdings wimmelt es vor Fachausdrücken. Aber das ist ja bei Poe stets der Fall.

|Der Sprecher|

Pinkas Braun verfügt über eine tiefe, sonore Stimme, mit der er seine Sätze sehr deutlich, beherrscht und analytisch hervorhebend vorträgt. Seine Aussprache des Französischen ist makellos. Nur ganz am Schluss lässt er zu, dass er seinem Ekel heftig Ausdruck verleiht.

_7) Der schwarze Kater_ (28:10 Minuten, gelesen von Martin Held)

Der Erzähler ist der trunksüchtige Ehemann einer zartfühlenden und tierlieben Gattin. Sie hat als liebstes Haustier einen Kater namens Pluto, der laut schnurrt, wenn man ihn streichelt. Das tut der Ehemann jedoch nie. Im Gegenteil: Die Augen der Katze lassen ihn sich irgendwie schuldig fühlen, dass die Trunksucht, der er sich hingibt, und die Misshandlungen, die er an seiner Frau begeht, ein großes Unrecht seien. Im Vollrausch sticht er Pluto ein Auge aus, später erhängt er das wehrlose Tier. Bei einem Feuer brennt das Haus bis auf die Grundmauern nieder und das mittellose Ehepaar muss umziehen.

Um diese Gedanken der Schuld zu vertreiben, ertränkt er sie immer öfter in Alkohol. Bis er schließlich auch im Wirtshaus eine schwarze Katze bemerkt, die er mit nach Hause nimmt. Doch aus Zuneigung wird schon wieder Hass und Abscheu gegen das vermaledeite Katzenvieh. Als er auf der Kellertreppe über es stolpert, will er es töten, doch seine Frau fällt ihm in den Arm. Er schlägt ihr den Schädel ein und mauert die Tote in einem „blinden“ Kamin (der nirgendwo hinführt) im Keller ein. Die Katze jedoch ist verschwunden und er kann wieder selig schlafen, selbst nach dem Mord. Doch der Fluch der bösen Tat fordert Sühne …

|Mein Eindruck|

Die Story ist ein psychologischer Thriller um Schuld und Sühne, mit einem typischen Poe-Motiv: lebendig begraben sein. Doch das Neue an der Geschichte besteht darin, dass die Bestrafung nicht von außen erfolgt, etwa durch göttliche oder fürstliche Intervention. Vielmehr kommt dieser Impuls von innen, aus der Psyche des unbestraften Verbrechers selbst: Er muss sich selbst entlarven, um Erlösung von der Last seiner Schuld zu erlangen. Schon lange vor Freud also wird tiefer schürfende Psychologie als Triebfeder einer Story-Handlung eingesetzt.

|Der Sprecher|

Martin Held war für mich einer der sympathischsten und integersten Schauspieler seiner Generation. Seine Stimme ist angenehm mitteltief, seine Intonation mitfühlend, sein Vortrag einfühlsam. Triumph und Erleichterung wechseln sich hörbar mit Angstpsychose ab. Wie bei Reincke mündet auch sein Vortrag in den Aufschrei eines gequälten Wahnsinnigen.

_8) Hopp-Frosch_ (17:30 Minuten, Hannes Messemer)

Froschhüpfer ist ein Krüppel und Zwerg, der als Hofnarr an des Königs Hof Possen treiben muss. Er wurde mit seiner wohlgestalten Freundin Tripetta aus seiner Heimat verschleppt, die man ebenfalls mies behandelt. Eines Tages wollen der König und seine sieben fetten Minister ganz besonders einfallsreiche Kostüme für den Maskenball tragen. Hüpfer hat eine „zündende“ Idee, wie er sich für erlittene Qualen rächen kann, schlägt ihnen Orang-Utan-Verkleidung vor und kettet sie aneinander. Das wird eine „feurige“ Überraschung.

|Mein Eindruck|

Poes letzte zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Erzählung wird häufig als Allegorie auf seine Rache an seinen Kritikern aufgefasst. Diese saßen vor allem in New York und unternahmen alles, um diesen unbequemen Mahner und Kritiker aus dem tiefen Süden zum Verstummen zu bringen. Sie erreichten ihr Ziel – fast.

|Der Sprecher|

Hannes Messemer trägt ebenfalls auf eine recht altmodische Weise vor. Sein König ist ein laut polternder Tyrann, dem jede Schlechtigkeit zuzutrauen ist und der grausam zischt, wenn er seinen Hofnarren, den Zwerg Hopp-Frosch, schikanieren will. Der Höhepunkt ist sehr effektvoll und dramatisch „inszeniert“.

_9) Berenice_ (27:50 Minuten, Hans Paetsch)

Der Träumer und die schöne Titelfigur sind Cousin und Kusine, doch während er sich schwächlich zurückhält, bewundert er an ihr das blühende Leben. Dieses Verhältnis ändert sich schlagartig, als Berenice – ähnlich wie Poes echte Frau Virginia Clemm – an Tuberkulose und Auszehrung erkrankt. Dabei verfällt sie mitunter in einen todesähnlichen Zustand der Trance.

Der Träumer wiederum ist einer Monomanie verfallen, die ihn in einen Geisteszustand verfallen lässt, in dem er sich stundenlang auf nur einen Gegenstand konzentriert. Er scheint dadurch in eine Art Geistesabwesenheit zu geraten. Trotzdem heiraten die beiden. Das Verhängnis ist unausweichlich, als ihm Berenices unglaublich weiße und lange Zähne auffallen …

|Mein Eindruck|

Vielfach ist diese unheimliche Erzählung als Vampirgeschichte interpretiert worden, denn wozu sonst sollte Berenice derart lange Zähne aufweisen? Das Thema der verbotenen Beinahe-Geschwisterliebe erinnert zudem an das unselige Geschwisterpaar Madeleine und Roderick Usher. Klar, dass daraus nichts Gutes entstehen kann.

Und dass es schließlich zu einer abscheulichen Grab- und Leichenschändung kommt, dürfte kaum noch jemanden verwundern. Allerdings ist die Schuldfrage nicht eindeutig zu klären. Hat Berenice Schuld an ihres Cousins somnambulem Zustand, so dass er unter Amnesie zu leiden beginnt? Wenn ja, dann kann er nicht für seine Untat verantwortlich gemacht werden.

|Der Sprecher|

Hans Paetsch ist die Stimme des „Märchenonkels“ schlechthin. Er unzählige Märchen aufgenommen. Hier zeigt er sich von seiner kultivierten Seite. Er spricht das Französische ebenso makellos aus wie das Latein, das der Erzähler zitiert – und das leider nicht übersetzt wird. Diese sprachlichen Hürden haben wohl dazu geführt, dass diese Erzählung nur selten abgedruckt wird. Paetsch trägt intensiv, deutlich und genau hervorhebend vor. Auch hier gibt es einen gruseligen und effektvollen Höhepunkt.

_10) Der Fall des Hauses Ascher_ (ca. 52:00 Minuten, Richard Münch)

Der Berichterstatter ist in das Haus Usher eingeladen, geradezu vorgeladen worden. Es entragt einem schwarzen Teich, der ominös schimmert und in dem ein Riss in der Fassade verschwindet. Das Gemütsleiden Roderick Ushers, des Letzten seines Geschlechtes, hat seine Sinne unglaublich verfeinert, so dass jede Sinneswahrnehmung für ihn Marter bedeutet. Daher sind alle Vorgänge zugezogen, jeder Laut ist gedämpft, und es brennt keine einzige Kerze. Erst nach einer Weile, als sich seine Augen angepasst haben, erkennt der Gast in der Düsternis Rodericks ausgemergeltes Gesicht und erschrickt. Der eigentliche erst 30 Jahre alte Mann sieht aus wie der Tod. Er sagt, er freue sich aufs Sterben wie auf eine Erlösung. Aber er warnt ihn vor dem Wahnsinn seiner Schwester Madeline.

Tatsächlich glaubt er sogar, seine verstorbene, geliebte Schwester Madeline sei noch am Leben und suche ihn jede Nacht heim. Roderick taucht nachts im Zimmer des Gastes auf und führt ihn in den Keller, um ihm etwas zu zeigen: Es sind die Katakomben des Herrensitzes. In einem riesigen Saal sieht man in Nischen in den Wänden Hunderte von Särgen liegen – Generationen von Ushers. Die Gruft liegt unterhalb der Oberfläche des Sees, der gegen ihre Mauern drückt. In zwei der Nischen stehen bereits die Särge für Madeline und Roderick bereit. Der Gast findet dies höchst makaber.

Tage vergehen. An einem Regentag teilt Roderick seinem Jugendfreund mit, dass Madeline gestorben sei. Ohne geistlichen Beistand wird die Schönheit im vorbereiteten Sarg bestattet. Hier soll sie liegen – volle vierzehn Tage lang, wie Roderick es angeordnet hat.

Was dem Gast so seltsam vorkam, enthüllt sich schon bald als wohlbegründet. Als ein Sturm heraufzieht und ein irisierendes Licht im Nebel über dem schwarzen Teich liegt, bemächtigt sich seiner eine panische Beklemmung. Durch Vorlesen eines Ritterromans versucht er, diese Stimmung zu vertreiben, doch vergeblich. Auf einmal hört er seltsame Geräusche vor der Tür, als würde Holz reißen und Metall poltern, genau wie in dem Ritterroman. Roderick starrt wie gebannt auf die Tür zu seinem Gemach, ein Klopfen ist zu hören, die Tür öffnet sich und davor steht: Lady Madeline!

|Mein Eindruck|

Geschwisterliebe, Inzucht, Lebendigbegrabensein, überfeinerte Sinne eines dekadenten Adeligen – hier feiert Poe das volle Arsenal seiner Obsessionen ab. Die Wirkung dieser Erzählung – zumal in Arno Schmidts fulminanter Übersetzung – auf den Hörer ist umwerfend, die Wirkung auf Poes Epigonen war enorm. Lovecraft versuchte immer wieder, diese Meisterschaft zu erreichen und erzählte von verruchten Ritualen in Neu-England, ging dann aber schließlich über Poe hinaus und schuf seinen eigenen Schöpfungsmythos.

|Der Sprecher|

Richard Münch trägt deutlich und genau betonend vor, sehr kontrolliert. Das ist auch nötig, um die komplizierten Schachtelsätze, die Arno Schmidt nach Poes Vorbild schuf, bewältigen zu können. Hier sind ein gutes Gedächtnis und viel Aufmerksamkeit gefordert. Es gibt nicht nur viele Fremdwörter, sondern auch befremdlich veraltete deutsche Ausdrücke. So gehen wohl auf Schmidts Konto Ausdrücke wie „Empfindnisse“, „altfränkisch“ oder „gaumig“.

In der Wiedergabe des Ritterromans passt die veraltete Ausdrucksweise, sonst aber weniger. Kurz vor dem Höhepunkt wird Münch recht leise, um Rodericks Gemurmel wiederzugeben, dann jedoch bricht der Wahn der Situation herein, als Lady Madeline ihren Bruder abholt …

_Unterm Strich_

Von diesen guten Sprechern vorgetragen, entfalten die schaurigen Erzählungen Edgar Allans Poes erst richtig ihren besonderen Reiz: das Grauen vor den zahlreichen Tabubrüchen, die hier entweder überfeinerte Hypochonder oder durchgeknallte Verrückte begehen. Schaurige Experimente wie der „Fall M. Waldemar“ oder triumphale Racheakte wie in „Hopp-Frosch“ weiten den Horizont der Ideen in der Literatur aus.

Es finden sich aber auch genaue Beobachtungen wie der „Massenmensch“, der zunächst wie ein ganz normaler Stadtbürger aussieht, aber zunehmend eine unheimliche Präsenz entfaltet, so dass man es sich zweimal überlegt, ob man abends noch auf die Straße geht. Die Rolle der Psychologie kommt auch in den Verbrechergeschichten „Der schwarze Kater“ und „Das verräterische Herz“ zum Tragen. Die Sühne für die Untat wird nun von innen angestoßen und nimmt so Freud vorweg.

Die Sprecher sind in der Regel gestandene und beliebte Schauspieler wie Heinz Reincke oder Martin Held, aber auch Sprechkünstler wie Pinkas Braun und Klaus Stieringer. Hannes Messemer, der Senior unter den Sprechern, befleißigt sich eines veralteten Stils. Mit gefühlvoller Emphase will er denjenigen Effekt des Textes, der ihm am wahrscheinlichsten scheint, auch im Hörer erzeugen, ihn also steuern. Das ist zwar löblich, wenn Messemer ein Lehrer und der Zuhörer sein Schüler wäre, aber für die anderen grenzt es doch an Oberlehrerhaftigkeit.

Wie immer bei Poe stellen die Texte hohe Ansprüche an die Allgemeinbildung. In „Berenice“ wird französisch und Latein gesprochen, ohne dass eine Übersetzung geliefert würde. Das könnte relativ frustrierend sein. Meine eigenen entsprechenden Kenntnisse sind schon längst eingerostet.

|235 Minuten auf 3 CDs
Aus dem US-Englischen übersetzt von Hans Wollschläger, Arno Schmidt und anderen|
http://schall-und-wahn.de
http://www.random-house-audio.de

John Sinclair Classics – Das Hochhaus der Dämonen (Folge 42)

Die Handlung:

Mit sicheren Bewegungen zog James Warden die Klinge des Rasiermessers über die rechte Wange. Da erblickte er plötzlich das Gesicht im Spiegel. „Töte dich, James Warden!“, flüsterte die Geistererscheinung. James Warden gehorchte – und er sollte nicht das einzige Opfer im Hochhaus der Dämonen bleiben! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 183 gemacht, der erstmalig am 15. März 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.

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TKKG – Schutzgeld für Dämonen (Folge 218)

Die Handlung:

Autoscooter, Breakdancer, Riesenrad – Tim, Karl, Gaby und Klößchen fällt die Entscheidung, womit sie zuerst fahren sollen, nicht leicht. Und dann ist da natürlich noch das berühmte Gruselkabinett „Geisterwelt“. Der Spaß auf dem Rummelplatz währt allerdings nur kurz, denn schon geschehen wie von Geisterhand sehr ungewöhnliche Dinge: Im Gruselkabinett wird Klößchen von einer einarmigen Ritterfigur angegriffen und der Breakdancer gerät außer Kontrolle. TKKG schalten sich ein. Erst sieht alles nach der fiesen Masche einer Schutzgeldbande aus, aber dann stoßen die vier Detektive auf den „Codex Gaudiorum“ – ein geheimnisvolles mittelalterliches Verzeichnis, mit dessen Hilfe sich die rätselhaften Ereignisse erklären ließen. Aber kann es sein, dass es auf dem Rummelplatz tatsächlich spukt? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Nein, kann es nicht!“ – Justus Jonas
Denn laut dem dritten Detektiv der Drei Fragezeichen gibts für alles eine logische und vor allem auch nachvollziehbare Erklärung. Da wir hier aber bei TKKG sind … ne, auch hier wirds keine echte Übersinnlichkeit geben. Das wäre ja auch eher ein Fall für John Sinclair und der ist bei den Kollegen unter Vertrag.

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TKKG junior – Trügerischer Paddelspaß (Folge 16)

Die Handlung:

Sommerlicher Wochenendausflug mit den Glockners ins idyllische Naturparadies Oberwald. Tim, Karl, Gaby und Klößchen freuen sich auf eine abenteuerliche Kanutour durch abgelegen Flusslandschaften. Doch der Paddelspaß endet schnell, als die drei Kanus samt Insassen in einer Schleuse eingesperrt werden. Als dann nachts auf dem Zeltplatz auch noch die Handtasche von Gabys Mutter geklaut wird, stellen TKKG Nachforschungen an und stoßen auf interessante Spuren. Als schließlich eines ihrer Kanus wegen eines Lochs im Boden kentert, ist klar: Das kann kein Zufall sein! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Klappentext sieht mir ganz danach aus, als hätte es jemand auf den Kommissar abgesehen und der Rest der Bande und Familie sind nur unglücklicherweise mit dabei. Aber, woher sollte ein Bösewicht denn von dem Ausflug wissen … Dann mal rein in die Kanus und los gehts.

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Verne, Jules – Meister Zacharius (inszenierte Lesung mit Musik)

Der faustische Uhrmacher

Meister Zacharius ist der beste Uhrmacher von Genf, zumindest im 15. oder 16. Jahrhundert. Seine tollen Erfindungen lassen ihn glauben, er habe das Geheimnis der Verbindung zwischen Körper und Seele gelöst. Eines Tages jedoch bleiben überall in der Stadt alle Uhren stehen, die er gefertigt hat. Obwohl sie keinen mechanischen Fehler aufweisen, lassen sie sich nicht wieder zum Laufen bewegen. Zacharius ist verzweifelt. Da erscheint ein spöttisches Männchen und bietet ihm einen verlockenden Handel an …

Der Autor

Jules Verne, geboren 1828 in Nantes, wo er auch aufwuchs, studierte Jura in Paris, bevor er ein viel größeres Interesse am Theater bekam. In Gemeinschaftsarbeit mit Alexandre Dumas – dem Autor der „Drei Musketiere“ – schrieb er Opern, Libretti und Dramen. Erst 1863 begann er mit der Niederschrift seiner Abenteuer- und Zukunftsromane. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „20.000 Meilen unter den Meeren“ und natürlich „Reise um die Erde in 80 Tagen“. Alle diese Romane wurden verfilmt. Die Verfilmung der „Reise um die Erde“ mit David Niven als Phileas Fogg (1956) wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet. Verne starb 1905 in Amiens.

|Jules Verne bei Buchwurm.info| (Auswahl):

[„Jules Verne. Biografie“ 1090
[„Die Jagd auf den Meteor. Originalfassung“ 3354
[„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ 325 (Buch)
[„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ 2282 (Hörspiel)
[„20.000 Meilen unter den Meeren“ 518 (Hörspiel)
[„Von der Erde zum Mond“ 989 (Hörbuch)
[„Reise um die Erde in achtzig Tagen“ 944

Der Sprecher

Der Bühnenschauspieler Hans-Gerd Kilbinger trat unter anderem als Synchronsprecher in „Akira“ (1988) [2. Synchro (DVD 2005)] in Erscheinung, war aber auch im Hörspiel- und Reklamebereich sowie als Kommentator tätig.

Regie führte Daniela Wakonigg, zusammen mit Peter Harrsch betreute sie das Sounddesign und zeichnet auch für die Hörbuchbearbeitung der Erzählung verantwortlich. Die Musik spielte Peter Harrsch ein.

Handlung

Der Uhrmacher Zacharius lebt in einem der ältesten Häuser der Kaufmannsstadt Genf an der Rhone. Keiner weiß, wie alt Zacharius wirklich ist, aber jeder weiß, dass man seine Uhren sogar in Frankreich und Deutschland bewundert. Mit dem alten Mann leben seine Tochter Gérande, sein Geselle Aubert, der die 18-jährige Gérande heiraten möchte, und die alte Haushälterin Scholastica. Sie machen sich große Sorgen um ihn, denn er ist in letzter Zeit schweigsam und mürrisch.

Aubert erklärt den Frauen, was es mit Zacharius‘ Laune auf sich hat. Alle seine Uhren, die er jemals gefertigt hat, seien stehengeblieben und ließen sich auch nicht durch eine Reparatur wieder in Gang setzen. Scholastica, eine alte stramme Katholikin – die Zeit liegt demnach vor der calvinistischen Reformation – wusste schon immer, dass diese mechanischen Apparate „Teufelswerk“ sind. Diese neumodischen Dinger – wer braucht sie überhaupt? Reicht nicht die Kirchturmuhr, die die Stunde schlägt? Die drei Mitbewohner beten für Meister Zacharius‘ Seele.

Am nächsten Tag erklärt der Meister seinem Gesellen, dass er sich durchaus im Klaren darüber sei, dass man ihn für verrückt halte. Wie könne auch jemand behaupten, er habe das Geheimnis der Verbindung zwischen Leib und Seele ergründet? Aber er, der große Zacharius, habe endlich durch Erfindung der Hemmung das Getriebe einer Uhr so genau gemacht, dass man ihrer Zeitanzeige vertrauen kann. Es sei ganz einfach: Die Unruh versetzt die Uhr in Bewegung und entspricht der Seele, das Pendel reguliert die Seele. Beide interagieren durch die regulierende Hemmung made by Zacharius. „Das Leben ist eine sinnreiche Mechanik!“ Er habe Gott als Schöpfer kopiert, folglich stecken in den Uhren Teile seiner Seele. Diese Eitelkeit hilft ihm aber nichts, denn schon wieder bringt man ihm eine stehengebliebene Uhr, deren Kaufwert er zurückerstatten muss. Er verarmt zusehends.

Zacharius trifft Vorkehrungen für seine Nachfolge und will seine Tochter dem Gesellen geben, wie er seiner Haushälterin anvertraut. Doch beim Kirchgang kräht ein „kleiner Greis“, dass Gérande Aubert niemals heiraten werde. Das Männlein ist des Öfteren vor der Kirche St. Peter zu sehen und schleicht Gérande sogar nach. So bleibt es nicht aus, dass es eines Tages bei Zacharius anklopft. Es sei ebenfalls Uhrmacher und verstehe Zacharius vollkommen. Es prophezeit, dass Zacharius sterben werde, sobald die letzte seiner Uhren stehenbleibe. Er halte sich für unsterblich, denn ohne ihn stürbe die Zeit an sich – welch eine Hybris! Sie brachte bekanntlich schon Luzifer zu Fall. Doch um dieses traurige Ende aufzuhalten, biete er, der kleine Greis, einen Ausweg: Zacharius müsse ihm nur die Hand seiner Tochter geben.

Zacharius wirft das Männlein zwar zunächst hinaus, doch die Angst um sein eigenes Leben lässt ihn in seinem Entschluss wankend werden. Da erinnert ihn Gérande an seine allererste Uhr, die er für den Schlossherrn von Andermatt vor zwanzig Jahren fertigte. Bestimmt geht sie doch noch richtig. In der Tat findet er in seiner Kundenliste, dass sie die einzige seiner Uhren ist, die nicht zurückgegeben wurde. Sie gehört einem gewissen Herrn Pitonaccio. Zacharius setzt diese erste und letzte Uhr mit seiner eigenen Seele gleich – schließlich hat er damit Gott kopiert – und macht sich im Frühjahr auf den Weg, sie zu sehen.

Obwohl der Orkan bald in einen üblen Schneesturm übergeht, machen sich Gérande und Aubert auf den Weg, ihren todkranken Vater vor dem Schlimmsten zu bewahren. In der Schlosskapelle von Andermatt erleben alle eine Überraschung. Die Uhr geht – aber wie lange noch?

Mein Eindruck

Jetzt schlägt’s dreizehn! Dieser empörte Ausruf kommt mir in den Sinn, wenn ich solche pseudoreligiösen Geschichten lese. Das hätte ich von dem guten alten Verne nie erwartet. Hier verbindet sich spätromantisches Gedankengut mit Sagenvorlagen und einer ernsten Warnung vor den teuflischen Folgen menschlicher Hybris – siehe Luzifer, der gefallene Engel. Nicht nur Scholastica – ein Name, der auf die Kirchenlehrer verweist – sondern auch Verne selbst hebt den mahnenden Zeigefinger. Kein Wunder, dass die Geschichte zuerst in einem Blatt namens „Familienmusentempel“ (Musée des familles) abgedruckt werden konnte. Da war der Autor gerade mal 26 Jahre alt.

Manichäismus

Die Welt seiner Erzählung ist sauber geschieden: Einerseits leben die Frommen und Rechtgläubigen, das heißt die Katholiken, im Stand der Gnade, und ihre reinste Verkörperung ist die marienhafte Gérande, die als eine Art Madonna gezeichnet wird. Auf der anderen Seite stehen die finsteren Mächte, die weder in die Kirche gehen noch sich in Demut vor Gott dem Allmächtigen üben. Ja, diese Frevler, gehen sogar so weit, dass sie glauben, Gott kopieren zu können. Gemeint ist natürlich Zacharius, der faustische Charakter, dem ein Pakt mit dem Teufel angeboten wird – um den Preis der Madonna Gérande.

Also sprach der Teufel

Die Hybris spricht folgendermaßen zu ihm, und zwar mit Sinnsprüchen, welche die Uhr in Andermatt anzeigt, wenn sie nach Mitternacht die volle Stunde schlägt: 1) „Der Mensch kann Gott gleich werden.“ 2) „Der Mensch soll ein Sklave der Wissenschaft sein und ihr Eltern und Kinder zum Opfer bringen.“ Als der fromme Eremit diese teuflische Uhr stoppt, zeigt sie einen letzten Spruch, der ganz anders klingt: „Wer da versucht, Gott gleich zu sein, der ist verdammt!“ Dann zerspringt die Uhr. Was für Zacharius‘ Gemütszustand erwartungsgemäß höchst abträglich ist.

Rumpelstilzchen

Die Geschichte erinnert mich einerseits an das bekannte Grimmsche Märchen vom Rumpelstilzchen. Dort muss die arme Müllerstochter einen Teufelspakt eingehen, weil ihr Vater behauptet hat, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Die Lösung des Paktes gelingt jedoch ohne göttliche oder priesterliche Intervention, einfach indem sie den Namen des Bösewichts herausbringt: „Ach, wie gut das niemand weiß …“ Der Name verleiht bekanntlich im mystischen Volksglauben Macht über die benannte Person. Deshalb hatten die Kelten immer zwei Namen, einen geheimen und einen für den Alltagsgebrauch.

Metropolis

Die andere Assoziation betrifft [„Metropolis“ 1415 von Fritz Lang. Auch dort gibt es eine riesige Uhr, die die Arbeiter kommandiert, und selbst der Mann, der sie einstellt, ist ihr sklavisch unterworfen. Hier hat offensichtlich Wissenschaft von der Zeit die absolute Herrschaft über Arbeit und Wissenschaft übernommen. Der Herr der Arbeiter, der Industriemagnat Fredersen, hat einen korrupten Wissenschaftler namens Rotwang in seinen Diensten, der ihm eine Kopie der Madonna der Arbeiter erschafft. Diese Robotermaria erscheint zunächst wie eine Maschine aus Metall, doch es gelingt es dem Zauberer-Wissenschaftler Rotwang, sie wie die echte Menschenfrau aussehen zu lassen und auf diese Weise – wie mit einem untergeschobenen Kuckuckskind – die Arbeiter zu steuern.

Technik als Entfremdung

In vielen seiner bedeutenderen späteren Werke, die auf seinen lange verschollenen – und ebenso technikfeindlichen – Erstling „Paris im 20. Jahrhundert“ aus dem Jahr 1863 folgten, warnt Verne nicht so direkt vor der teuflischen Wissenschaft. Denkt man an die Flüge zum und um den Mond oder an die Tauchfahrten mit Kapitän Nemo, so erscheinen die Errungenschaften der Wissenschaften eher als bewundernswerte Segnungen, die lediglich nur ein kleines Problem haben: Sie bringen den Menschen, die sich ihrer bedienen, selten Glück. Nemo beispielsweise ist ein Misanthrop geworden, der am liebsten allein die Wunder der Wasserwelt erkundet. Der Techniker als Genie und selbstbewusstes Individuum hat sich von seinen Mitmenschen entfremdet.

Schwarzweißmalerei

Aber nie wieder hat sich dann Verne zu einer derartigen Schwarzweißmalerei wie in „Meister Zacharius“ herbeigelassen, die die Technik zu Teufelswerk erklärt und den Techniker zu einem Zauberlehrling, der einen Pakt mit dem Widersacher geradezu herausfordert. Der sozioökonomische Druck, der durch den Rückkauf seiner Uhren entstanden ist, zwingt Zacharius mindestens genauso wie die existentielle Angst, seine Seele zu verlieren, seine Tochter, deren unschuldige und superfromme Seele sowie ihr Liebesglück mit Aubert zu verpfänden.

Diese krude Zuspitzung und Gegenüberstellung von religiöser Rechtgläubigkeit vs. technischem Teufelswerk und -pakt ist später unmöglich wieder realisierbar geworden. Ich kann sie mir nur so erklären, dass es sich hierbei um ein Frühwerk des Erfolg suchenden jungen Verne handelt, der es unbedingt einer Familienzeitschrift recht machen wollte und nach deren moralischen Vorgaben eine Story schnitzte, die späteren Ansprüche nicht mehr standhielt. Sie wurde nach den im Booklet nachzulesenden Angaben des Verlags erst im Jahr 1875, also 20 Jahre später, in Buchform veröffentlicht (in „Le Docteur Ox“). Zu dieser Zeit war Verne bereits ein vermögender und weltbekannter Autor, der ab 1871 in Amiens in der Kommunalpolitik mitmischte (und prompt Opfer eines Anschlags wurde).

Der Sprecher

Hans-Gerd Kilbinger ist ein ausgezeichneter Sprecher, der mich mit seiner Kunst in Erstaunen versetzt hat. Er stellt in dieser schönen Lesung sein bemerkenswertes Einfühlungsvermögen unter Beweis. Er charakterisiert jede Figur genau und unterscheidbar durch die Höhe der Stimmlage und auch durch die Sprechweise. Während der junge Aubert eine ganz normale Männerstimme besitzt, raunt und ächzt und stöhnt Zacharius, dass man seine seelischen wie auch körperlichen Qualen schnell nachfühlen kann. Gérande ist die fromme Unschuld in Reinkultur, doch Kilbinger lässt sie wenigstens halbwegs wie ein menschliches Wesen erscheinen. Die alte Scholastica ist die paradoxe Verkörperung von praktischem Alltagssinn und frommem Aberglauben („Teufelswerk!“).

Auftritt des kleinen teuflischen Männleins. Zunächst lacht es spöttisch, redet krächzend, dann lockt es betörend mit seinem Mitgefühl und dem Angebot eines Auswegs aus der Misere, in der Zacharius sich sieht. Im Showdown, der vor der Uhr in Andermatt stattfindet, lacht das Männlein natürlich wieder gar abscheulich. Aber sein schließlicher Abgang ist doch etwas enttäuschend, was die Akustik anbelangt. Da erfolgt nämlich kein Donnerschlag, wie zu erwarten, sondern – gar nichts. Was doch ein bisschen wenig ist.

Geräusche

Wie schon bei den zahlreichen anderen Lesungen aus dem Hause |Stimmbuch| erklingen auch hier professionell gestaltete Geräusche und eine Mischung aus passenden Musikmotiven. Der Wind ist schier allgegenwärtig, und ebenso häufig ist das Motiv der Uhr. Mal schlägt sie dröhnend vom Kirchturm, dann wieder ist ein knirschendes Räderwerk zu vernehmen, schließlich eine lieblich tönende Spieluhr, die schon fast Musik zu nennen ist. Tierlaute sind äußerst selten, und dass ausgerechnet Fledermäuse durch eine Ruine fiepen, lässt diesen Ort nicht unbedingt als einladend erscheinen.

Die Musik

Das Hauptmotiv für den Einsatz von Musik ist die eindeutige Charakterisierung einer Szene oder einer Person hinsichtlich Stimmung oder Entwicklung. So erklingt beispielsweise in der Kirche eine feierliche Orgel, wenn es gerade keine Glocke ist. Immer wieder taucht als Hintergrundmusik ein Ensemble aus Flöte, Cello, Bass und Harfe auf – ein Piano ist hier selten. Tiefe Bässe, die alleine daherkommen, künden natürlich drohendes Unheil an.

Das Gegenteil sind die verspielten Töne, die den Ruhephasen und der frommen Tochter zugeordnet sind. Da ertönen eine zarte Oboe, eine filigrane Harfe und schließlich noch eine Spieluhr, um das heiter-besinnliche, vielleicht sogar verträumte Ambiente zu charakterisieren. Ein weiteres musikalisches Motiv, das wiederkehrt, ist ein Soundeffekt, den ich einfach mal als „äolischen Sphärenklang“ bezeichnen will. Er klingt geisterhaft, mystisch und ist keinem klassischen Instrument zuzuordnen, das mir bekannt wäre. Stets ist damit eine mystische Stimmung gekennzeichnet.


Unterm Strich

Sicher, die Thematik von Faust, Teufelspakt und Wissenschaftskritik hat ihre Reize, aber die Kritik am frommen Glauben aufzuhängen, dürfte heute nur fromme Gläubige ansprechen. Stattdessen ist ja heute wieder Mystizismus in Mode. Und Zacharius hat mit Goethes bewundernswertem Dr. Johann Faust überhaupt nichts gemein.

In ihrem Plot erinnert die Story an manches von E. T. A. Hoffmann aus der so genannten „Schwarzen Romantik“, doch ist etwa Hoffmanns „Der Sandmann“, in dem ein früher Roboter auftritt, sehr viel intensiver und psychologisch überzeugender als Vernes Machwerk.

Das Hörbuch wurde von Daniela Wakonigg und Peter Harrsch gewohnt eindrucksvoll produziert und mit einem informativen Booklet ausgestattet.

Originaltitel: Maitre Zacharius ou l’horloger qui avait perdu son âme, 1854
Aus dem Französischen übersetzt von Martha Lion
74 Minuten auf 1 CD

http://www.stimmbuch.de

Luceno, James / Döring, Oliver / Stelkens, Alex / Sieper, Marc / Simon, Patrick – Star Wars: Labyrinth des Bösen (Teil 1-3: Das komplette Hörspiel)

_Intergalaktisches Picknick, nein danke!_

Handlungsmäßig angesiedelt zwischen den Kinofilmen „Episode II: Angriff der Klonkrieger“ und „Episode III: Die Rache der Sith“, erzählt dieses Hörspiel, wie Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi auf der Suche nach dem bösen Darth Sidious spektakuläre Abenteuer erleben. Das Hörspiel wartet mit den deutschen Stimmen aus den Kinofilmen, den Original-Sounds und der Filmmusik von John Williams auf.

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab acht Jahren. Die Verpackung enthält ein Poster für kürzlich erschiene |Star Wars|-Hörspiel „Dark Lord“.

_Der Autor und die Reihe_

James Luceno (geb. 1947) hat die [Romanvorlage 1162 zu „Labyrinth des Bösen“ geschrieben. Weitere Informationen gibt das Hörbuch nicht her. James Luceno ist außerdem Drehbuchautor der Filme „Die Maske des Zorro“ und „The Shadow“ sowie der Kult-TV-Serien „Robotech“ und „Galaxy Rangers“, außerdem hat er bereits mehrere besonders erfolgreiche Star-Wars-Romane geschrieben (neben „Labyrinth des Bösen“ noch „Dunkler Lord. Der Aufstieg des Darth Vader“ sowie „Das Erbe der Jedi-Ritter“ 4, 5 & 19). Er lebt in Annapolis, Maryland.

Mehr von James Luceno auf |Buchwurm.info|:

[„Star Wars Episode III – Die illustrierte Enzyklopädie“ 1243
[„Star Wars Episoden I-VI – Das Kompendium (Die illustrierte Enzyklopädie)“ 4048

Bislang gibt es alle sechs Episoden sowie die beiden James-Luceno-Romane der |Star Wars|-Reihe als Hörspiele bei |WortArt|. Die Story, die Oliver Döring jedes Mal bearbeitet hat, ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Von ihm stammt auch der Erzähltext, der die Szenen überbrückt.

|Star Wars|-Hörspielumsetzungen auf |Buchwurm.info|:

[„Episode I: Die dunkle Bedrohung“ 1293
[„Episode II: Angriff der Klonkrieger“ 1305
[„Episode III: Die Rache der Sith“ 4534
[„Episode IV: Eine neue Hoffnung“ 686
[„Episode V: Das Imperium schlägt zurück“ 689
[„Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritte“ 694
[„Labyrinth des Bösen, Teil 1: Gunrays Geheimnis“ 3291
[„Labyrinth des Bösen, Teil 2: Darth Sidious auf der Spur“ 3292

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Buch und Regie: Oliver Döring|

Oliver Döring, Jahrgang 1969, ist seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele seit 1999 hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Döring hat sich in der Hörbuchverpackung mit einem Vorwort verewigt. Er nahm als Neunjähriger mit einem Kassettenrekorder den Film „Krieg der Sterne“ (Episode 4) auf. Die Aufnahme war zwar verrauscht und voll Hall, aber nach kurzer Zeit konnte Klein-Oliver sämtliche Dialoge auswendig und jeden Ton eines Alarms von einem anderen im Schlaf unterscheiden.

Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: John Williams = Original-Filmmusik
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Kessler
Produktion: Alex Stelkens (|WortArt|), Marc Sieper, Patrick Simon

|Die wichtigsten Rollen und ihre Sprecher:|

Obi-Wan Kenobi: Philipp Moog
Anakin Skywalker: Wanja Gerick
Kanzler Palpatine: Friedhelm Ptok
Yoda: Tobias Meister
Mace Windu: Helmut Gauß
General Grievous: Rainer Doering
Padme Amidala: Manja Doering
Commander Cody u. a.: Martin Kessler
Count Dooku: Klaus Sonnenschein
Travale: Detlef Bierstedt
Fa’ale Leh: Franziska Pigulla
Kit Fisto: Philipp Schepmann

Und viele andere, die in der Verpackung abgedruckt sind, darunter Till Hagen, Marie Bierstedt, Tilo Schmitz und Claudia Urbschat-Mingues.

|Der Erzähler|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

|Das Hörspiel ist in drei Teile eingeteilt:|

Teil 1: Gunrays Geheimnis
Teil 2: Darth Sidious auf der Spur
Teil 3: Angriff auf Coruscant

_Handlung_

Die Separatistenwelt Nemodia. In einem konzertierten Angriff gelingt es den Jedi-Rittern Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker, mit den Truppen Commander Codys in die Festung von Vizekönig Gunray einzudringen und die Verteidigung zu durchdringen. Doch Gunray schafft es, in aller Eile mit einem Shuttle zu entkommen. Aber er hat etwas zurückgelassen, das General Grievous gehört: den Mekno-Stuhl.

Dieses kleine technische Wunderwerk weiß sich zwar gegen die Aktivierung durch Unbefugte zu wehren, doch schließlich gelingt es R2D2, ihm eine Botschaft zwischen Gunray und Grievous zu entlocken. Wenig später, nachdem Anakin dem Kanzler Bericht erstattet hat, meldet der Geheimdienst, dass der Stuhl einen nicht geknackten Code sendet, wahrscheinlich an Grievous. Um diesen Code zu entschlüsseln, könnte es vielleicht helfen, den Hersteller des Stuhl zu befragen, einen Cheecher …

Unterdessen auf Coruscant. Yoda fragt sich, wie weit der Einfluss von Darth Sidious, dem Anführer der Separatisten, reicht. Er ist beunruhigt über die Berichte seiner Jedi-Ritter über Gunray und General Grievous. Die Sith sind stärker geworden und laut der Prophezeiung werde der Auserwählte hervortreten und die Balance wiederherstellen. Offensichtlich wurden der Krieg geplant und die Jedi manipuliert. Wer ist dieser Darth Sidious?

Kanzler Palpatine hat inzwischen vom Senat auf Padme Amidalas Betreiben Vollmachten für den Kampf gegen die Separatisten erhalten. Er empfängt Padme und Senator Baile Organa, der ein Freund von Padmes Familie ist. Zusammen bitten sie Palpatine, ein paar Vollmachten abzugeben, doch der lehnt das Ansinnen aus Sicherheitsgründen ab. Denn es gebe ja auch eine Bedrohung durch die Jediritter! Organa soll sein Gesuch bitte im Senat vorbringen. Als Palpatine den Jediritter Anakin Skywalker erwähnt, errötet Padme bis in die Haarspitzen. Er hat sie an ihrem verwundbarsten Punkt getroffen. Organa bringt seine Bedenken bei Yoda vor und rennt dort offene Türen ein.

Mace Windu stößt in der Hüttenstadt Coruscants auf das Schiff Count Dookus (der am Ende von Episode II den Jedi entkommen konnte). Zusammen mit Meisterin Shaak Ti schickt er seine Truppe auf eine Such- und Vernichtungsmission. Am Ende der Suche steht ihnen eine böse Überraschung bevor …

_Mein Eindruck_

Die Handlung ist also auf mindestens drei Stränge verteilt. Das macht aber nichts, denn so ist ständig für Abwechslung gesorgt. Die Jediritter begeben sich auf eine Art Schnitzeljagd und stellen auf diversen Abenteuern ihren gekonnten Umgang mit der MACHT unter Beweis, unter anderem auch in einem Etablissement mit üblem Leumund – lies: Bordell -, aber auch in einer Art Kerker. Das ist durchaus lustig, denn Obi-Wan gibt mehr als einmal seinen trockenen Humor zum Besten.

Natürlich darf ein Sternenkrieg nicht völlig lustig sein, sonst könnte man ja gleich ein intergalaktisches Picknick veranstalten. Nein, die Action wird flankiert von ernsthaften politischen Machenschaften, bei denen sich Kanzler Palpatine mit der Jedi-Partei in die Haare kriegt. Ob der Kanzler wirklich, wie wir befürchten, Darth Sidious ist, muss sich erst noch herausstellen.

Seine Korrumpierung Anakins geht jedenfalls munter weiter, und es ist auffällig, wie tumb sich Obi-Wan gegenüber Anakins Befürwortung von mehr Emotionalität verhält. Es sollte für ihn ein Warnzeichen sein, vor allem wenn man bedenkt, dass Anakin bereits in „Episode II“ die Entführer seiner Mutter summarisch massakriert hat.

Auch die Suche Mace Windus und Shaak Tis ist eine flankierende Schnitzeljagd. Im Prinzip könnten solche Handlungsfäden endlos weitergestrickt werden. Und in der Tat wird unsere Geduld gehörig strapaziert, denn nach einer Weile wird es Zeit, ein paar Resultate zu liefern.

Recht putzig sind auch die Schurken im Stück. Vizekönig Gunray und seinen Kollegen kennt man ja schon aus „Episode I“, als sie mit ihrer Handelsföderation den Planeten Naboo angriffen. Nun sehen sich diese beiden Spezln einem gefährlicheren Gegner als Padme Amidala gegenüber. General Grievous scheint irgendwie keinen Spaß zu verstehen, insbesondere dann nicht, als er feststellen muss, dass die Republik weiß, wo seine Schiffe aufkreuzen, und sie entsprechend abschießt. Er bringt schnell heraus, wer für solchen exorbitanten Materialverschleiß verantwortlich ist: Gunray hat den Mekno-Stuhl zurückgelassen, und die Republiktruppen haben dessen Botschaft abgefangen und entschlüsselt. Dumm gelaufen, Gunray!

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich – und zwar immer mit den richtigen Geräuschen, wie sie Oliver Döring aus seinem Fundus eingespielt hat. Die gleiche Power gilt für die digital aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Obi-Wan, Padme, Anakin – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“. Die Stimmen stammen auch in der deutschen Synchronisation aus digitalen Quellen, so dass der Zuhörer auch an dieser Stelle die beste Qualität erhält. Das Wiederhören mit den deutschen Synchronsprechern dürfte ebenfalls Freude auslösen, und deshalb habe ich oben die wichtigsten und bekanntesten Sprecher genannt. Da hört man also die Stimmen von George Clooney, Gillian Anderson, Kirsten Dunst, Jack Nicholson und vielen anderen Hollywoodstars. So kann richtig gutes Kinofeeling aufkommen.

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt mit der sonoren Stimme stets für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Die Klangqualität entspricht hohen Standards.

_Unterm Strich_

Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt der ersten sechs Hörbücher mir noch einen Tick besser gefallen hat. Die Story dieses eingeschobenen Bandes ist doch streckenweise recht belanglos und besteht in zwei Erzählsträngen aus einer Schnitzeljagd.

Dennoch lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, wenn sich auch die inhaltliche Qualität nicht immer die Waage hält. Und wer von „Star Wars“ als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen. Ich würde das Hörspiel erst ab zwölf Jahren empfehlen, denn es setzt doch ein gewisses Verständnis der politischen und militärischen Vorgänge voraus.

|Originaltitel: Star Wars: Labyrinth of Evil
Übersetzt von Regina Winter
170 Minuten auf 3 CDs
ISBN 978-3-8291-2087-6|
http://www.WortArt.de
http://www.karussell.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Star__Wars
http://www.starwars-union.de
http://www.starwars.com
http://www.jedipedia.de
[Interview mit Oliver Döring zum Hörspiel „Dark Lord“]http://www.starwars-union.de/index.php?id=interview_oliverdoering__08
[Interview mit Oliver Döring zum Hörspiel „Labyrinth des Bösen“]http://www.starwars-union.de/index.php?id=interview__oliverdoering

Stephen King – Später

Die Handlung:

Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht…
Jamie Conklin wirkt wie ein normaler neunjähriger Junge. Seinen Vater kennt er nicht, seiner Mutter Tia, einer Literaturagentin, steht er sehr nahe. Die beiden haben ein Geheimnis: Jamie kann mit den Geistern kürzlich Verstorbener reden. Und sie müssen all seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner Bestsellersaga bleibt unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe… Die beiden treten eine Reihe unabsehbarer Ereignisse los, und schließlich geht es um, nun ja, Leben und Tod.(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dies ist der dritte Roman, den Stephen King nach „Colorado Kid“ (2005) und „Joyland“ (2013) für die in den USA beliebte HARD-CASE-CRIME-Reihe geschrieben hat. Diese Geschichten orientieren sich auch von der Gestaltung der Cover her an den Krimis der 1940er-1960er. Außerdem erscheint dieser Roman stilecht in den USA direkt als Taschenbuch und nur als limitierte Auflage später noch mal mit zwei weiteren Cover als Hardcover-Variante.

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Nicholls, Sally / Koinegg, Karlheinz / Backhausen, Angeli von – Wie man unsterblich wird – Jede Minute zählt (Hörspiel)

_“Woher weiß man, dass man gestorben ist?“_

„Wenn du das hier liest, bin ich vermutlich tot.“ Der elf Jahre alte Sam ist an Leukämie erkrankt und weiß, wie es um ihn steht. Aber statt zu verzweifeln, nutzt er seine Zeit. Er stellt Fragen, die er früher nicht gestellt hätte, so etwa: Wird die Welt noch sein, wenn es ihn nicht mehr gibt? Die Antworten schreibt er in ein Buch. Darin hält er auch seine Wünsche fest: ein berühmter Forscher werden, einen Weltrekord aufstellen, eine Freundin haben … Ob und wie Sam sich seine Träume zusammen mit Felix, seinem Freund und Leidensgenossen, erfüllt, davon erzählt dieses bewegende, aber auch komische und ermutigende Hörspiel. (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab elf Jahren. Das Buch wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, nun wurde auch das Hörspiel des WDR für höchste Ehren nominiert und als bestes Kinderhörbuch beim Deutschen Hörbuchpreis 2010 ausgezeichnet. Das Buch ist für den Deutschen Jugendbuchpreis 2009 nominiert.

_Die Autorin_

Sally Nicholls, geboren 1983 in Stockton, studierte Philosophie und Literatur. Sie verfasste ihren Debütroman „Wie man unsterblich wird“ mit nur 23 Jahren. Er erschien 2008 in England und wurde bereits mit mehreren großen Literaturpreisen ausgezeichnet und in 18 Sprachen übersetzt. Sally Nicholls lebt in London und schreibt an ihrem zweiten Buch. (Verlagsinfo, ohne Gewähr)

_Die Sprecher_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Sam: Kai Hogenacker
Felix: Patrick Möllecken
Annie: Hella von Sinnen
Mum: Gabriela Maria Schmeide
Dad: Heinrich Schmieder
Kayleigh: Felicitas Stein
Ella: Mariann Schneider
Mrs. Willis: Anja Niederfahrenhorst
Granny: Sigrid Bode
Dr. Bill: Roland Jankowsky
Zudem Karl-Heinz Tafel, Kerstin Thielemann und Hans-Rolf Fuchs.

Die Hörspielbearbeitung erfolgte durch Karlheinz Koinegg. Regie führte Angeli von Backhausen, der WDR produzierte das Hörspiel. Die Musik trugen Andreas und Matthias Hornschuh bei. Die technische Realisation oblag Achim Fell und Martin Kopiniok. Das Buch erschien im Carl Hanser Verlag 2008.

_Handlung_

Der elfjährige Sam McQueen lebt im englischen Middlesborough (das auch gut erfunden sein könnte). In einem Buch sammelt er Geschichten und interessante Tatsachen, darunter auch über sich. So zum Beispiel: Sam hat Leukämie, also Krebs. Er weiß, dass er bald sterben wird. Aber er hat in sein Buch noch einige wichtige Wünsche geschrieben, so will er etwa ein berühmter Forscher werden, einen Weltrekord aufstellen, eine Freundin haben und die ganze Welt von oben sehen. Aber auch ganz normale Dinge wie etwa Rolltreppen fahren oder alle Horrorfilme der Welt gucken.

Leider geben die Erwachsenen wie etwa Mum und Dad immer nur verschwommene Antworten über die großen Fragen, die Sam bewegen. Dad beispielsweise weigert sich rundweg, sich überhaupt mit Sams Krankheit auseinanderzusetzen, und Mum ist viel zu lieb, um ihrem Sohn harte Wahrheiten ins Gesicht zu schleudern. Deshalb muss sich Sam mit den großen Fragen zusammen mit seinem besten Freund, dem 13-jährigen Felix, beschäftigen, und der ist ja auch ein Leukämieopfer. Felix sitzt im Rollstuhl. Wenn sie nicht in der Tagesklinik einen Chemotherapie erhalten, erteilt ihnen daheim Mrs. Willis Schulunterricht.

|Die Großen Fragen|

Auch sie hilft bei den Fragen. Nummer eins lautet: „Woher weiß man, dass man gestorben ist?“ Das Internet erwähnt Nahtoderfahrung, das Erblicken von Engeln. Lachhaft, findet Felix. Also schreiben sie die Argumente pro und kontra auf.

Frage Nummer zwei: „Warum lässt Gott Kinder krank werden?“ Weil er nicht existiert, wie Felix behauptet? Oder weil es ihm Spaß macht, weil er böse ist? Oder weil, wie Sam meint, Gott wie ein großer Arzt ist, der Lektionen bereithält, zum Beispiel wie toll Radfahren ist. Oder weil es ihm eh egal ist. Oder weil es die Strafe für ein schlechtes Karma ist.

Frage Nummer drei lautet: „Wie kann man ewig leben?“ Soll man sich einfrieren lassen, ein Vampir werden, sein Gehirn auf CD-ROM speichern und auf die Festplatte kopieren lassen? Hm, eine knifflige Frage.

|Die Großen Wünsche|

Einfacher sollte es sein, Sams große Wünsche zu erfüllen. Wie kann er einen Weltrekord aufstellen? Sam und Felix lesen das |Guinness|-Buch der Rekorde und kommen auf die Idee, die kleinste Disco der Welt zu fabrizieren: mit einem CD-Player im Kleiderschrank. Die Sache mit den Horrorfilmen ist einfacher zu erfüllen: Sie schleichen sich einfach ins Zimmer von Felix’ Bruder und ziehen die Videos rein. Sam findet sie gähnend langweilig, sogar „Der Exorzist“. Er kann sich ziemlich gut in die Lage des Mädchens versetzen …

Was nun die Mädchen und das Rauchen und Trinken angeht, so schleppt Felix seinen Freund einfach in den Pub seines Onkels, wo Kusine Kayleigh so nett ist, ihnen die Theke zu öffnen. Sam findet den Kirschlikör klasse, aber Kayleighs Kuss megapeinlich.

Am Dienstag muss Sam wieder zurück in die Klinik. Sein Dad verlangt vom zuständigen Arzt eine erneute Chemotherapie für seinen Sohn, doch der Doktor rät dringend davon ab. Sam sei noch zu schwach. Immerhin lebt Sam jetzt schon vier Monate ohne Chemo und hat keine Glatze wie Felix.

|Abschied Nr. 1|

Am nächsten Tag erfährt Sam, dass Felix wegen einer Infektion ins Krankenhaus musste. Seine Mum bringt ihn hin, um Felix zu besuchen. Sobald die Erwachsenen gegangen sind, passiert etwas Geheimnisvolles: Er schickt Felix den Gedankenbefehl aufzuwachen, und Felix erwacht. Felix und Sam sagen nichts, sondern grinsen sich nur an, während sie sich an der Hand fassen. Felix entspannt sich schließlich, und Sam wartet vergeblich, dass sein Freund wieder erwacht …

|Abschied Nr. 2|

Nach Felix‘ Beerdigung fühlt sich Sam seltsam. Er schaut aus dem Fenster und bemerkt erstaunt, dass sich das Licht verändert hat: Es hat geschneit! Er ist begeistert und bittet seine Eltern, Schlittenfahren zu dürfen. Dad lehnt kategorisch ab, doch Mum und Sams Schwester Ella deichseln es, dass sie mit Sam doch noch rausholen und auf einen Schlitten setzen. Sam hat sich selten so lebendig gefühlt. Am nächsten Morgen tut ihm alles weh. Dad kommt zu ihm, um ihm seine Medizin zu geben. Dad hat geträumt, Sam sei weggegangen …

Er liest in Sams Buch die Liste der Wünsche und beschließt, etwas zu unternehmen. Mit einer Werbefilmgesellschaft verwirklicht er Sams Traum, zusammen mit Dad ein Luftschiff zu fahren. Es ist grandios, es ist perfekt. Nach dem täglichen Besuch der Krankenschwester Annie, die Sam nur noch „Dracula“ nennt, weil sie ihm Blut abzapft, beschließt er, die Medikamente abzusetzen. Was könnte noch Besseres kommen?

|Der Junge im Baum|

Sam hat noch höchstens zwei Monate, sagt Annie. Doch ein Wunsch ist noch offen: Die Welt von ganz hoch oben sehen. Und eines Nachts, als wegen eines Stromausfalls sogar die Sterne zu sehen sind, schleicht sich Sam hinaus und klettert auf den Apfelbaum im Garten. Dort hört er die Stimme seiner Großmutter: „Wir sind aus dem Staub von Sternen gemacht. Alte Sterne sterben, um bei der Explosion ihren Staub für neue Sterne, die daraus entstehen sollen, zu verstreuen. Es ist ein Kreislauf, verstehst du, Sam?“ Der Tod ist nur die nächste Phase im Dasein, und Sam hat endlich das Gefühl, unsterblich zu sein …

_Mein Eindruck_

Es gibt ja schon etliche Dramen über leukämiekranke Kinder, sei es nun in literarischer oder filmischer Form. Stets appelliert die Geschichte an das Mitgefühl des Publikums, um ihre Wirkung zu erzielen. Doch diesmal gibt es einen advocatus diaboli, der nicht davor zurückscheut, Gott für einen Zyniker oder gar Bösewicht zu halten. So etwas würde man in einem christlichen Schauspiel eher selten finden.

Doch Felix, der „Glückliche“, ist kein Mephisto, sondern nur ein weiteres Opfer der Krebskrankheit. Statt jedoch zu resignieren, rafft er sich dazu auf, seinem besten Freund Sam dessen Wünsche zu erfüllen, komme was wolle. Das Ergebnis ist – wie die Horrorfilmshow – mal ein Ärgernis für die Erwachsenen, mal ein peinliches Erlebnis für die Beteiligten, so etwa Kayleighs Kuss für den todgeweihten Sam.

Zusammen erörtern die beiden Jungs die schwersten Fragen, die man sich überhaupt vorstellen kann (siehe oben), und nehmen auf ihre moderne Weise auch mal das unerschöpfliche Internet zu Hilfe. Aber das bringt sie einer Lösung ihres zentralen Problems auch nicht näher, sie können es höchstens besser ertragen. Die letzte und wichtigste Antwort erfährt Sam schließlich dann von seiner Vorfahrin, mit der er endlich Zwiesprache halten kann: Warum müssen Kinder überhaupt sterben?

Es ist eine Art von Trost, diese Antwort, aber letztes Endes ist die zwischenmenschliche Begegnung ein viel größerer Trost. Dies erlebt Sam, als er Felix beim letzten Einschalfen hilft, und als sein Vater zu ihm ins Bett kommt, um sich mit seinen Wünschen zu beschäftigen. Unterm Strich kommt es darauf zu wissen, dass wir nicht allein sind und nicht vergessen werden. Deshalb ist auch die Fortsetzung des Schulunterrichts für Sam so wichtig – es ist keine Augenwischerei angesichts des gewissen Todes, sondern eine Perspektive für die Zukunft. Und der Unterricht hilft Sam, seine Fragen auf kluge Weise mit Pros und Kontras zu beantworten. Erst auf diesem Fundament kann er die letzte Antwort finden.

Die Geschichte berührt an keiner Stelle peinlich, sondern wirkt glaubhaft und optimistisch. Welches Los Sam erwartet, weiß der Zuhörer ja sowieso, dazu muss man es ihm nicht extra unter die Nase reiben. Und die Dialoge zwischen den Jungs sind auch zum Lachen, vielleicht weil sie so unverblümt ehrlich sind. Wenn Sam lacht, dann nur beim Schlitten- und Luftschifffahren. Das sind starke Szenen, doch sie haben ihren Preis, wie man sich denken kann. Danach ist Sam schwächer als zuvor. Das Leben bringt ihn um.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Hauptfiguren in diesem Hörspiel sind nicht etwa die Erwachsenen, sondern Sam und Felix, die beiden kranken Jungs. Folglich gilt die Aufmerksamkeit des Zuhörers dem, was sie sagen und wie sie sich ausdrücken. Nun, sie sind in einer bürgerlichen Umgebung aufgewachsen und benutzen folglich keinerlei Schimpfwörter, Flüche oder äußern gar diskriminierende Statements. Sie dürften daher kaum bei jemandem Anstoß erregen. Es fällt ihnen leicht, unsere Sympathie zu erhalten.

Dabei spielt Felix den advocatus diaboli, doch er darf auch etwas zynisch sein, weil er zwei Jahre älter ist als Sam. Die Stimme des Felix-Sprechers ist etwas tiefer als die von Sam, der den Stimmbruch noch vor sich hat. Die beiden Sprecher machen ihre Sache gut, auch wenn ich finde, dass ihre Figuren mehr Ecken und Kanten hätten aufweisen dürfen.

Von den Erwachsenen hinterlässt vor allem die muntere Annie „Dracula“ mit ihrem Moped einen guten Eindruck. Das kann aber auch daran liegen, dass ich der recht bekannten Sprecherin Hella von Sinnen besondere Aufmerksamkeit widmete. Die relativ tiefe Stimme der weiblichen Figur wirkt jedenfalls unter all den hohen weiblichen Stimmen recht ausgefallen.

Die Eltern Sams bzw. deren Sprecher wirken glaubwürdig und nicht irgendwie ausgefallen. Bemerkenswert ist der Wandel in Sams Dad: von einem Vater, der das Problem von Sams Krankheit verdrängt, hin zu einem mitleidenden Dad, der sich endlich mit dem Leben und den Wünschen seines Sohnes befasst. Deshalb darf Dad auch mal weinen, ohne dass es peinlich oder unglaubhaft wirkt – er weiß, er wird seinen Sohn verlieren.

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse ist auf ein Minimum reduziert, so dass die Dialoge nicht gestört werden. Wir hören den Motor von Annies Moped, die Sounds von Sams PC-Game und immer wieder das Schrillen eines Telefons oder das Dingdong der Türglocke. Diverse Tiere machen sich bemerkbar, so das wir das Gebell eines Hundes hören, das Zwitschern eines Vogels und am Schluss den Gesang einer Amsel. Recht witzig sind das Zischen der statischen Elektrizität, die die Jungs mit einem Vandegraaf-Generator im Schulunterricht erzeugen, und das gruselige Geräusch aus einem der Horrorfilme.

|Musik|

Die dezente Hintergrundmusik wird von Kombinationen aus akustischer Gitarre, Flöte und Geige bestimmt, die nur als Untermalung dienen. Dadurch vermittelt das Hörspiel einen Eindruck der Ruhe statt der Unausgeglichenheit, die ich erwartet hätte. Schließlich befindet sich Sams und Felix‘ Welt nicht gerade im Lot. Andererseits würde eine Cello-dominierte, elegische Trauermusik überhaupt nicht zu der optimistischen Grundstimmung passen.

Um dieses elegische Moment auszudrücken, hat die Regie eine Singstimme eingeführt, die keine Melodie singt, sondern nur eine Art von Koloratur. Das wirkt zwar nicht direkt störend, eher etwas mahnend, also wie ein Memento mori (= „Gedenke zu sterben“ – sei deiner eigenen Sterblichkeit bewusst).

_Unterm Strich_

Die Geschichte von Sam und Felix tröstet die Menschen, die unter dem gleichen Schicksal leiden wie sie. Die Zuhörer könnten sich die gleichen Fragen stellen wie die Jungs und möglicherweise lustige Antworten finden. Wichtiger sind jedoch die Wünsche, die Sam auf unterschiedlichste und ziemlich einfallsreiche Weise erfüllt werden. Hier ist die Hilfe der Mitmenschen gefragt, allen voran die der Eltern.

Dass tiefe Gefühle beteiligt sind, versteht sich in der Nähe des Todes von selbst. Zum schön finde ich die umfassende Antwort, die der Autorin für die letzte Frage eingefallen ist: „Warum gibt es den Tod, warum müssen selbst Kinder sterben?“ Dass auf die Antwort des Ewigen Kreislaufs schon die Naturvölker gekommen sind, macht nichts – es ist eine Antwort, die jede Generation für sich neu finden und bewerten muss. Die Hippies der Woodstock-Generation sangen die Wahrheit so: „We are stardust, we are golden, we are million-year-old carbon.“ (Joni Mitchell und Crosby, Stills, Nash & Young)

|Das Hörspiel|

Der WDR hatte das heikle Thema Leukämie und Sterben für junge Menschen aufzubereiten. Ich hoffe, die elf und 13 Jahre alten Teens finden sich in dem Hörspiel wieder. Aber auch älteren Menschen vermittelt die Geschichte interessante Denkanstöße. Die dezente Musik und die realistischen Geräusche stören die Dialoge meist nicht, sondern vermitteln ein Gefühl, dass die Geschichte hier und jetzt stattfindet.

Was mir noch fehlt, ist ein Eindruck der Dringlichkeit, der Anspannung – es geht alles viel zu locker zu, fand ich. Und eine bessere Aufteilung nach Zeiteinheiten hätte diese Dringlichkeit ebenfalls hervorgerufen, doch so verschwimmt das Geschehen etwas in einer amorphen Abfolge von Episoden. Zwischendurch machte ich eine längere Pause von mehreren Tagen, was nicht schadete. Denn das Hörspiel ist mit 77 Minuten Länge doch sehr umfangreich. Eine Aufspaltung in mehrere Einheiten kann da nicht schaden. Vor allem, weil man sich dann die Dialoge besser merken kann.

|Originaltitel: Ways to live forever; 2008
Aus dem Englischen übersetzt von Birgitt Kollmann
77 Minuten auf 1 CD|
http://www.igel-records.de

John Sinclair – Tokatas Todesspur (Folge 63)

Auf der Insel des Schweigens: das Armageddon der Samurai

„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.

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Frank Herbert / Kaiser, Kerstin – DUNE 2: Der Herr des Wüstenplaneten (Hörbuch)

Spannend: Verschwörung gegen den Gott von DUNE

Vorgeschichte: Im 11. Jahrtausend tun sich der Imperator und Harkonnen zusammen, um das Haus Atreides unter Herzog Leto zu vernichten. Die große Mausefalle ist der Wüstenplanet Arrakis, der Köder unermesslicher Reichtum in Form des einzigartigen Rohstoffs |Spice-Mélange|. Der Plan klappt wie am Schnürchen, doch eine Kleinigkeit geht schief: des Herzogs Konkubine und sein Sohn Paul entkommen in die Wüste. Dort bauen sie mit den einheimischen Fremen eine Guerilla-Organisation auf, die droht, die lebenswichtige Spice-Produktion zum Erliegen zu bringen – und damit jeden Verkehr im Imperium! Der Imperator, gezwungen von der Raumfahrtgilde, muss nach Arrakis kommen …

Der Herr des Wüstenplaneten“: Paul Atreides ist der lang erwartete Prophet und führt die Fremen in den Heiligen Krieg. In einem Siegeszug ohnegleichen pflanzt er sein Banner auf alle von Menschen besiedelten Planeten und errichtet das neue Imperium. Doch seine Machtfülle ruft Neider und Gegner auf den Plan, die unermüdlich auf Mittel sinnen, diese Herrschaft zu brechen. Unter die Pilgerscharen, die über Lichtjahre hinweg in die heilige Stadt Arrakeen kommen, mischen sich Meuchelmörder, manipulierte Zeitbomben in Menschengestalt … (korrigierte Verlagsinfo)
Frank Herbert / Kaiser, Kerstin – DUNE 2: Der Herr des Wüstenplaneten (Hörbuch) weiterlesen

McDermid, Val / Stricker, Sven – Lied der Sirenen, Das (Hörspiel)

_Neues Ermittlergespann für Britenkrimi: der verhängnisvolle Gesang der Sirene_

Vier Männer werden in Bradfield tot aufgefunden, alle vor ihrer Ermordung auf das Grausamste gefoltert und verstümmelt. Als der Profiler Tony Hill zum Ermittlungsteam von DCI Carol Jordan hinzugezogen wird, gerät er plötzlich selbst ins Visier des Wahnsinnigen und muss ein ganzes psychologisches Können aufbieten, um sein Leben zu retten.

Der Krimi gewann den Gold Dagger Award für den besten Kriminalroman des Jahres 1995.

_Die Autorin_

Die 1955 geborene Val McDermid wuchs in Kirkcaldy, einem schottischen Bergbaugebiet nahe St. Andrews, auf und studierte dann Englisch in Oxford. Nach Jahren als Literaturdozentin und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen lebt sie heute als freie Schriftstellerin in Manchester und an der Nordseeküste. Sie gilt als eine der interessantesten neuen britischen Autorinnen im Spannungsgenre – und ist außerdem Krimikritikerin. Ihre Bücher erscheinen weltweit in 20 Sprachen. Für „Das Lied der Sirenen“ erhielt sie 1995 den Gold Dagger Award der britischen Crime Writers‘ Association. (Verlagsinfo)

Mehr von Val McDermid auf |Buchwurm.info|:

[„Echo einer Winternacht“ 703 (Hörbuch)
[„Der Erfinder des Todes“ 2602 (Hörbuch)
[„Das Lied der Sirenen“ 1498 (Buchausgabe)

_Die Rollen und ihre Sprecher_

Erzähler: Heikko Deutschmann
Erzählerin: Leslie Malton
Tony Hill: Boris Aljinovic
Carol Jordan: Florentine Lahme
John Brandon: Felix von Manteuffel
Tom Cross: Peter Kaempfe
Don Merrick: Bjarne Mädel
Kevin Matthews: Andreas Fröhlich
Angelica: Marie-Lou Sellem
Penny Burgess: Anna Carlsson
Stevie McConnell: Stephan Szasz
Ian: Sebastian Kuschmann
Fraser Duncan: Gerd Grasse

Regie führte Sven Stricker, Jan-Peter Pflug lieferte die Musik, die Technik steuerte Kay Poppe im Studio Basis Berlin der On Air Studios, Berlin.

_Handlung_

Detective Inspector Carol Jordan steht neben Detective Sergeant Don Merrick im Regen und starrt auf die grausam verstümmelte Leiche eines Kollegen: Sie weiß es noch nicht, aber es handelt sich um Damian Connolly. Dies ist schon die vierte derart verstümmelte Männerleiche in Bradfield, und immer am Montag taucht alle acht Wochen so eine auf. Connolly wurde zwischen Müllcontainern hinter der Schwulenbar „Queen of Hearts“ gefunden. Gegenüber liegen Künstlerateliers. Hat keiner was gesehen?

Jordans Ermittlergruppe wird zum Versuchskaninchen für die Anwendung der Theorien von Profiler Tony Hill gemacht. Das schmeckt nicht jedem, aber Jordan ist bereit, es mit Hills Serientätertheorien zu versuchen. Vielleicht kommen sie ja damit weiter. Tom Cross hingegen hält nichts von Hills Methode, und das wird zu tragischen Konsequenzen führen.

Während Jordan und Hill die vier Fälle durchgehen, kommen sie einander näher, denn beide sind ledig. Als sie ihn einmal besucht und eine Frau mit einer verführerischen Stimme auf seinen Anrufbeantworter spricht, ist sie peinlich berührt und will gehen, weil sie nicht in sein Privatleben eindringen will. Er wehrt ab, denn bei der Frau, mit der er Telefonsex hat, handle es sich um ein wissenschaftliches Projekt. Er sagt nicht, dass es für ihn auch eine Therapie seiner Erektionsprobleme darstellt. Das sagt er ihr erst, als alles vorüber ist.

Als Don Merrick in einer Sadomaso-Bar einen Typen ablehnt und von einem anderen angesprochen wird, wird dies zu einem Durchbruch. Fitnesstudiobetreiber Stevie behauptet, er habe alle vier Opfer gekannt; da sie alle nicht schwul waren, halte er die Morde für „Betriebsunfälle“. Na, so was. Ist er vielleicht der Schwulenkiller, den die Sensationspresse „Handy Andy“ getauft hat? Kaum hat Don mit Stevie das Lokal verlassen, um ihn aufs Revier zu nehmen, wird er jedoch von hinten niedergeschlagen.

Zum Glück sind Kollegen ganz in der Nähe, die sowohl den Angreifer als auch Stevie festnehmen. In der Vernehmung sieht es immer schlechter aus für Stevie, und die Durchsuchung seiner Wohnung fördert noch mehr belastendes Material zutage. Dabei wollte er der Polizei doch bloß helfen. Assistant Chief Constable Brandon lässt ihn frei, weil die Beweise nicht ausreichen.

Tom Cross ist schwer frustriert und wird sogar suspendiert. Er ist sicher, „Handy Andy“ erwischt zu haben, und sagt dies auch gegenüber einer Sensationsreporterin: Eine Herausforderung an den wahren Killer, falls es ihn gibt. Nach einem Fluchtversuch kommt Stevie in U-Haft und wird dort vergewaltigt.

Eine fünfte Leiche taucht auf, die sich als Werk eines Trittbrettfahrers erweist. Die Lage in Bradfield gerät offenbar außer Kontrolle. Unterdessen sieht Stevie McConnell nur noch einen Ausweg, Jordan erzielt einen Durchbruch und Tony Hill erhält überraschenden Besuch von der verführerischen Frau am Telefon: Angelica will jetzt mehr als nur mit ihm reden …

_Mein Eindruck_

In diesem Krimi führt die bekannte britische Autorin das Gespann Carol Jordan und Tony Hill erstmals zusammen. Und die beiden erweisen sich als äußerst effektiv in ihrer Zusammenarbeit. Zudem kommen sie sich auch privat recht nahe, doch Tony Hill ist kein einfacher Charakter, er verbirgt etwas vor ihr. Nicht nur wird er als empfindsamer Mensch (wie wir alle) dargestellt, sondern auch noch mit einer verhängnisvollen Neigung: Telefonsex. Er ist keineswegs süchtig, doch was die Dame Angelica ihm bietet, ist zu gut, um es ablehnen zu können. Dass er bereits auf ihr „Lied der Sirenen“ hereingefallen ist, bemerkt er leider zu spät. Mehr darf nicht verraten werden.

Carol hat von ihm den Tipp bekommen, dass der wahre Täter – und nicht etwa Stevie McConnell – etwas mit Computern und Kommunikationselektronik zu tun haben könnte. Zum Glück ist Carols Bruder Michael einschlägig vorbelastet und vermittelt entsprechende Kontakte. Es geht um ein interessantes Spiel namens „3D Discovery“, bei dem der Spieler die Köpfe der Figuren durch Fotos von realen Personen ersetzen kann. Cool, nicht wahr? Doch wenn diese Personen bereits getötete Opfer sind, erhält das Spiel seinen ganz eigenen, makaberen Charakter.

Die Autorin zeichnet sich durch ein besonders tiefes Verständnis für die Polizeiarbeit aus, wie sie schon mehrfach bewiesen hat. Diesmal zeigt sie, wie sich bestimmte Polizisten so in eine falsche Annahme verrennen und auf einen falschen Verdächtigen festlegen können, dass nicht nur die Arbeit der Cops behindert wird, sondern auch ein Unschuldiger zu Tode kommt. Die (sehr realistisch dargestellten) Schreie des vergewaltigten Stevie McConnell hätten verhindert werden können, wenn gewisse Cops nicht so stur gewesen wären – oder wenn der Druck der Öffentlichkeit geringer wäre.

Hier spielen die Medien eine ganz besondere Rolle. In ihrer Jagd nach einer heißen Story übt die Reporterin Penny Burgess nicht nur Druck auf die Polizeiführung aus, sondern interviewt auch die Leute mit der falschen Meinung. Sie scheut sich auch nicht, mit Cops ins Bett zu gehen. Dabei erfährt sie dann auch noch, wie die Polizeiführung die Presse an der Nase herumführt. Prächtig! Dass Penny Burgess davon nicht entzückt ist, kann man sich denken. Leider ist ihre Arbeit alles andere als konstruktiv bei der Auffindung des wahren Täters. Ja, perfiderweise gibt sie auch noch einem Trittbrettfahrer den nötigen Vorwand, um einen Mord einem anderen in die Schuhe zu schieben.

Die Handlung gipfelt in einer packenden Szene, in der Tony Hill alle seine kunstvolle Psychologie aufbieten muss, um seinen Hals zu retten. Denn Angelica ist eine Sirene, die wie in Homers Odyssee auf einer Insel lebt, die mit Knochen bedeckt ist …

|Der Sprecher|

Die Sprecher gehören teils zur vordersten Riege der deutschen Synchronsprecher und haben sich vielfach bereits als Hörbuchsprecher hervorgetan. Dazu gehören Boris Aljinovic, Andreas Fröhlich, Heikko Deutschmann und Felix von Manteuffel. Ich habe auf ihre Biografien aus Platzgründen verzichtet, aber der Interessierte findet diese im eingehefteten Booklets des Hörbuchs. Florentine Lahme ist für mich ein unbeschriebenes Blatt, sie spielte aber in der TV-Serie „GSG9 – Die Eliteeinheit“, in „Keinohrhasen“ und steht offenbar vor ihrem internationalen Durchbruch. Leslie Malton ist hingegen eine bekannte Schauspielerin.

Während die zwei Erzähler – ein ungewöhnliches Doppelgespann – sich auf möglichst sachliche Szenenübergänge beschränken, müssen die Sprecher die Szenen tragen. Besonders im Gedächtnis blieben mir Andreas Fröhlich als der heimtückische Cop Kevin Matthews, der Ermittlungserfolge und -taktik an die Sensationsreporterin Penny Burgess verrät, und natürlich der Sprecher des Tony Hill, Boris Aljinovic. Letzterer hat sowohl die offiziöse Seite des Profilers darzustellen als auch die private Seite eines Mannes mit Erektionsproblemen und einer Zuneigung zu starken Frauen wie Carol Jordan.

Die Stimme der Sprecherin von Carol Jordan, Florentine Lahme, fand ich für diese Rolle zu hoch, aber das ist reine Geschmackssache. Schließlich besagt die Figurenbeschreibung ausdrücklich, dass Carol Jordan (in Tony Hills Augen) sowohl schön als auch intelligent und durchsetzungsfähig sei.

|Geräusche|

Die meisten Geräusche sind realistisch, so etwa der häufige Regen, die zahlreichen Türen und Handys sowie die Kneipengeräusche. Entsprechend der Räumlichkeit verändert sich auch der Hall der Stimmen. In einer Zelle klingen Stimmen anders als in einem Konferenzraum oder einer Kneipe. Dieses Feature findet man nicht oft so professionell gehandhabt wie hier.

|Musik|

Die Musik untermalt die wichtigsten Szenen lediglich, sie hat also keine Funktion, in der Pause zwischen Szenen aufzulockern. Nein, sie ist so unaufdringlich, dass man sie kaum registriert. Und doch ist sie kein einfacher Hollywood-Score mit Geigenschmalz oder abgewandelte Jazzmusik, sondern völlig modern in Instrumentierung und Rhythmus. Einem Genre kann ich sie nicht zuordnen, so eigenständig hat Jan-Peter Pflug sie komponiert.

_Unterm Strich_

Die Handlungsbeschreibung klingt nicht so, als ginge es hier um etwas Weltbewegendes, doch der Eindruck täuscht. Es geht um eine Art Justizirrtum, dem ein Unschuldiger zum Opfer fällt. Die Ermittlungen in der Randgruppe der Homosexuellen und Sadomasos fordert die Cops ganz besonders heraus, auch im physischen Einsatz. Mit einem sehr ungewöhnlichen Täter führt die Autorin nicht nur die Cops lange an der Nase herum.

Und in diesem Krimi führt die Autorin erstmals das erfolgreiche Ermittlergespann Tony Hill, seines Zeichens Profiler, und Carol Jordan, die taffe und aufstrebende Polizistin, zusammen, nicht nur beruflich, sondern auch privat. „Tony Hill“ bekam im britischen Fernsehen mit „Die Methode Hill“ eine eigene Fernsehserie, die auch bei uns erfolgreich im ZDF lief.

|Das Hörspiel|

Das Hörspiel ist von Profis inszeniert worden, mit realistischen Geräuschen und einer unaufdringlichen Musik unterlegt und von erfahrenen Sprechern vorgetragen. Besonders Andreas Fröhlich und Boris Aljinovic haben mich beeindruckt. Als Angelica ist mir auch Marie-Lou Sellem im Gedächtnis geblieben. Sie hat eine verführerische Stimme, die aber auch gefährlich klingen kann.

Eigentlich sollte klar sein, dass bei einem gut zweistündigen Hörspiel jede Menge Originaltext unter den Tisch gefallen sein muss. So etwa sind die Ermittlungsergebnisse stark komprimiert und meist nur eine einzige Zeile wert. Das könnte als Hauruck-Methode interpretiert werden, aber in Wahrheit kann man einen Krimi nicht so lange auswalzen wie etwa ein Historiendrama. Und wem dies zu kurz ist, der kann ja zur Lesung greifen.

Fazit: ein Volltreffer.

|Originaltitel: The Mermaids Singing, 1995
Aus dem Englischen übersetzt von Manes H. Grünwald
129 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13: 978-3-86717-261-5|
http://www.val-mcdermid.de

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Die drei ??? Kids – Turbo-Rennen (Folge 81)

Die Handlung:

Rocky Beach im Stockcar-Fieber. Beim Rennen kommt es zum Diebstahl, und ausgerechnet die berühmte Rennfahrerin Viola Drew wird verdächtigt. Die drei ??? Kids versuchen, deren Unschuld zu beweisen, und stürzen sich kopfüber in ein rasantes Abenteuer! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Über welches Land herrscht denn ein „Erlkönig“ und warum schreibt man ihn mit Anführungszeichen? Über gar keins, denn es ist in diesem Fall ein bislang noch unveröffentlichtes Auto. Die Hintergründe der Namensgebung kann jeder schnell im Inernet herausfinden, das ist jetzt und für den Fall eh nicht wirklich wichtig. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Justus uns das im weiteren Verlauf des Hörspiels noch darlegen wird. Denkste, Peter machts!

Die drei ??? Kids – Turbo-Rennen (Folge 81) weiterlesen

Morrell, David – Level 9 (Hörbuch)

_Spannend: Rebellion der Figuren im Gott-Spiel_

Dies ist die direkte Fortsetzung zu [„Creepers“. 3093 Frank Balenger ist verzweifelt: Amanda Everts, die er gerade erst aus dem gruseligen Paragon-Hotel befreit hat, ist von einem psychopathischen Videospiel-Designer in ein abgelegenes Hochtal in Wyoming verschleppt worden. Dort wird sie mit vier weiteren Entführungsopfern, sogenannten „Helden“, zu einem Spiel, einer perfiden Schatzsuche, gezwungen. Sie hat nur 40 Stunden Zeit. Und nur wem es gelingt, die „Grabkammer weltlichen Begehrens“ zu finden, soll seine Freiheit zurückerlangen. Wer sich jedoch weigert, die Regeln des „Gamemasters“ zu befolgen, bezahlt dies mit dem Leben … (erweiterte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Der Amerikaner David Morrell schreibt schon seit den siebziger Jahren Bestseller. Gleich sein Debütroman „First Blood“, in dem er die Figur des Vietnamveteranen John Rambo erfand, wurde mit Riesenerfolg verfilmt. Daher gilt der promovierte Literaturwissenschaftler Morrell inzwischen als Vater des Actionthrillers.

Mehr von David Morrell auf |Buchwurm.info|:

[„Level 9“ 4517 (Buchausgabe)
[„Creepers“ 3049 (Buchausgabe)
[„Creepers“ 3093 (Hörbuch)
[„Totem“ 943
[„Das Porträt“ 25
[„Das Ebenbild“ 17

_Der Sprecher_

Frank Engelhardts unverwechselbare Stimme ist aus zahlreichen Filmen und TV-Serien bekannt. Er ist die deutsche Stimme von Humphrey Bogart, Samuel L. Jackson, Martin Sheen und vielen anderen.

Die gekürzte Lesefassung erstellte Dr. Anke Susanne Hoffmann. Regie und Aufnahmeleitung lagen in Händen von Volker Gerth von der |opus-live GmbH|.

_Handlung_

|Level 1: Die Krypta der Zivilisation|

Nach ihrem dramatischen Abenteuer im Paragon-Hotel von Asbury Park versuchen der Ex-Profiler Frank Balenger und die von ihm gerettete Buchhändlerin Amanda Evert, in New York City ein normales Leben zurückzugewinnen. Doch zunächst plagen Albträume die beiden, und erst als sie ein Liebespaar werden, können beide zu einer etwas ruhigeren Phase gelangen, die ihnen nicht ständig den Schlaf raubt.

Von November bis Dezember sind sie ungestört, da tauchen zwei Herren vom Schatzamt der Bundesregierung auf. Sie haben erfahren erfahren, dass Frank verbotenerweise im Besitz eines Double Eagle Dollars ist. Ihr Angebot, ihm für die seltene Goldmünze einen „Finderlohn“ zu geben, kann Frank nicht abschlagen und ist schon bald um zwei Millionen reicher.

Als sie im Mai einer rätselhaften Einladung folgen und sich in den Vortrag eines bislang unbekannten |Manhattan History Club| gehen, verändert sich ihr Schicksal auf verhängnisvolle Weise. Dieser Prof. Adrian Murdoch hält einen Vortrag über Zeitkapseln. Frank war, geprägt durch seinen Vater, einen Geschichtslehrer, schon immer ein Geschichtsfan und findet das Thema interessant. Von den ersten Zeitkapseln in Englands Dartmoor bis heute wurden immer wieder Zeitkapseln angelegt, die der Nachwelt Botschaften aus der Vergangenheit liefern oder etwas bewahren sollen, so etwa auf Spitzbergen der Tresor des Jüngsten Tages: Hier werden alle Pflanzensamen der Welt eingelagert.

Murray erzählt etwas von einer Zeitkapsel namens „Krypta der Zivilisation“, aber Frank schläft mitten im Vortrag ein. Er erwacht ganz woanders: auf dem Strand von Asbury Park, direkt vor dem Hotel seiner Alpträume. Als er von Amanda keine Spur sieht, erschrickt er. Er bittet seinen Freund, den Polizeichef von Asbury Park, um Hilfe bei der Suche nach Amanda. Offenbar gab man Frank vor dem Vortrag eine Droge. Als Frank an seinem Arm kratzt, bemerkt er eine gereizte Stelle. Erst später denkt er sich sein Teil: Man hat ihm einen Peilsenderchip unter die Haut injiziert.

In dem leerstehenden Haus, wo er den Vortrag besuchte, findet sich außer zwei leeren CD-Hüllen für Computerspiele nichts. Den Manhattan History Club hat es nie gegeben: Alles war eine inszenierte Falle für ihn und Amanda. Da Franks Frau Diana ebenso verschwand und dann getötet wurde, überkommt Frank ein Gefühl des Déjà-vu. Doch zusammen mit Detective Ortega setzt er sich auf die Spur der Entführer. Die Spiele sind der erste Hinweis …

|Level 2: Willkommen bei Scavenger|

Amanda Everts erwacht auf einem Bett, doch in ihren Kleidern. Sie erkundet die Blockhütte und stößt auf weitere „Hausgäste“, die wie sie entführt wurden. Keine Spur von Frank; sie verspürt Angst und wird sehr vorsichtig. Dennoch erhält sie einen Stromschlag, als sie die Haustür öffnen will. Ein Mann namens Ray Morgan hilft ihr, der erzählt, er habe ebenfalls den Vortrag von Adrian Murdoch besucht. Er war bei den Marines Kampfpilot und sieht sehr kräftig aus. Die Fenster widerstehen seinem Versuch, sie einzuschlagen: Panzerglas.

Eine zweite Frau tritt ein, Bethany Lane, sowie ein Ehepaar namens Derek und Viv Montgomery, aus Oregon. Was sollen sie hier, fragen sich alle und erkunden das Haus. Es ist ausbruchsicher. Eine tiefe, sonore Stimme aus versteckten Lautsprechern lobt ihre Unternehmungsbereitschaft, warnt vor den Türen und heißt sie ganz allgemein bei Scavenger willkommen. Scavenger sei das Spiel einer Schatzsuche. Und da sich alle als heldenhafte Überlebende erwiesen hätten, würden sie das Spiel sicher bis zum Sieg durchstehen, oder? Ab Spielbeginn hätten sie nur 40 Stunden Zeit, um alle Aufgaben zu lösen.

|Level 3: Jäger und Sammler|

Sie bekommen GPS-Empfänger und Koordinaten, die sie zur nächsten Aufgabe und einem Hinweis führen, wohin sie als nächstes gehen sollen. Da sie sich in den Bergen befinden, bekommen sie entsprechende Kleidung und Ausrüstung, aber keine Waffen. Als sie durch die Haustür nach draußen treten dürfen, bekommen sie die ersten Koordinaten für die Schatzsuche , die sie zu einer Zeitkapsel namens „Krypta des weltlichen Begehrens“ führen soll.

Doch Bethany Lane hat keinerlei Lust, sich von einem Unsichtbaren herumkommandieren zu lassen, und eilt schnurstracks zum einzigen Ausgang des Hochtals. Amanda warnt sie: Bestimmt hat der Spielleiter, der hier Gott spielt, für diesen Fall Vorkehrungen getroffen. Doch ihre Warnung wird von Bethany missachtet, die einfach weitergeht. Da explodiert ihr Körper …

_Mein Eindruck_

Der Thriller ist einfach gestrickt. Es ist bald klar, dass sowohl Frank als auch Amanda an einem Spiel teilnehmen, das sie nicht steuern können, sondern dessen Regeln sich einerseits erst herausstellen und dessen Spielleiter zudem ein ihnen unbekanntes Ziel hat. Werden sie wirklich belohnt, wenn sie a) zueinander finden und b) das Ziel der Schatzsuche nach der „Grabkammer weltlichen Begehrens“ erreichen? Das soll nicht verraten werden.

|Gott-Spiel|

Das Spiel „Scavenger“ (Schatzsucher, Plünderer) ist sowohl auf PC als auch in der Realität zu spielen. In einem kenntnisreichen Exkurs erläutert der Autor, vertreten durch eine Expertin, die verschiedenen Arten von Computerspielen sowie ihre Geschichte und Entwicklung. Bei „Scavenger“ handelt sich nicht bloß um eine simple Schatzsuche, sondern um ein Gott-Spiel: Wer die Regeln nicht befolgt, wird eliminiert. Buchstäblich, wie das Beispiel der armen Bethany belegt.

Doch sollen die Spielteilnehmer, also Amanda und Frank, den Spielleiter wirklich als einen Gott ansehen? Sie denken gar nicht daran, selbst wenn der durchgeknallte Dirigent des Spiels sich dafür hält und durch seine allgegenwärtige Präsenz auch ein paar Eigenschaften eines Gottes für sich reklamieren darf. Doch Frank schießt ihm die Kameras seines Spiel-Platzes kaputt, und schon ist dieser Gott ein wenig blind. Diesen ungerechten Gott zu finden, zur Rede zu stellen und zu bestrafen, ist das ausgemachte Ziel von Amandas und Franks Spiel-Regeln. Die Frage, ob der Spielleiter ihnen dies erlauben wird, erhöht die Spannung beträchtlich. Der Einsatz ist hoch: Leben oder Tod.

|Zeitkapseln|

Eine Schatzsuche benötigt einen Schatz, und hier kommt das andere Generalthema der Handlung ins Spiel: Zeitkapseln. Auch hierzu bietet der Autor, vertreten durch eine Figur, ausführliche Erläuterungen, die zunehmend interessanter werden. Bei jeder bedeutenden Grundsteinlegung werden Zeitkapseln als Botschaft der Zeitgenossen an die Nachwelt eingebaut. Es gibt unbedeutende, alltägliche Zeitkapseln, aber auch sehr bedeutende wie die von der Weltausstellung 1940 in New York City. Viele Zeitkapseln sind bis heute nicht wiedergefunden worden, etwa wegen der Bebauung eines Grundstücks.

Zum Spiel wurden Zeitkapseln erst 1854, als ein Aufseher im Dartmoor auf die Idee verfiel, sie für eine Schnitzeljagd zu verwenden. Also enthielt eine solche Kapsel, gut versteckt, einen wertvollen Hinweis auf die nächste Kapsel – oder auch nur einen Briefgruß an die Lieben daheim. Damit war das Letterboxing erfunden. Verbunden mit einem GPS-Empfänger wurde daraus das heutige Geo-Caching (von „cache“: Versteck, toter Briefkasten“).

|Die „Grabkammer weltlichen Begehrens“|

Nun kommt es darauf an, die beiden Themen „Gott-Spiel“ und „Zeitkapsel/Schatzsuche“ zu kombinieren. Dies erfolgt auf Level 9. Schon zuvor sind etliche Hinweise auf ein Tagebuch gefallen, das ein angeblicher Reverend geschrieben hat. Doch der Name „Owen Pentecost“ (= Pfingsten) ist ein allzu durchsichtiges Pseudonym. Wer sich hinter verbarg, als der Mann anno 1900 aus jenem Hochtal, wo „Scavenger“ spielt, in den nächsten Ort gelangte, wird erst spät enthüllt und ist hier nicht wichtig.

Owen Pentecost spielte jedoch eine entscheidende Rolle im Schicksal jenes Hochtals in Wyoming, in dem einst Gold gefördert wurde, in dem aber rund 200 Einwohner in Avalon ausharrten. Sie alle verschwanden Ende 1899, als das neue Jahrhundert anbrechen sollte, auf rätselhafte Weise. Als Frank und Amanda dieses Rätsel lösen, wird es ihnen richtig gruselig. Der Gottesmann Pentecost hatte eine „Grabkammer“-Zeitkapsel von besonderen Dimensionen eingerichtet, um die Nachwelt zu warnen; quasi eine letzte Predigt, in der er gegen die Sünde und alles Begehrens wettert.

Ist der Spielleiter ein später Nachfahre Owen Pentecosts, fragt sich Frank. So wie Pentecosts einen strafenden Gott des Alten Testaments predigte, so versucht nun offenbar der Spielleiter eine Botschaft zu vermitteln. Er lässt die Spielteilnehmer, darunter Amanda, durch Einfallsreichtum und Disziplin in die nächste Runde weiterkommen. Wer sich wie Ray Morgan gegen seinen Nächsten wendet, kommt dabei früher oder später ums Leben. Die Botschaft dieses Gott-Spiels für die Menschen auf der Erde ist klar: Nur Teamwork wird das Überleben ermöglichen. Doch, was passiert, wenn Gott seine Schäfchen verrät?

|Der Sprecher|

Man kann schon aus der Liste der von Frank Engelhardt synchronisierten Schauspieler ermessen, dass er eine tiefe und sonore Stimme haben muss. Er weiß sie für bestimmte Emotionen auch effektvoll einzusetzen, so etwa bei lauten Äußerungen des Tadels, der Empörung und des Zorns. Diese Gefühlsäußerungen sind vor allem bei den männlichen Figuren des Romans anzutreffen. Vergleichsweise stärker treten Flehen und Klagen bei den weiblichen Spielteilnehmern auf, vor allem bei der eh schon vorbelasteten Amanda. Dass auch Frauen sehr wohl wütend sein können, zeigen Bethany Lane und Viv Montgomery. Leider schaffen es beide nicht zum Ziel.

Während Engelhardt also sehr wohl Emotionen auszudrücken vermag, um Szenen unterhaltsam zu gestalten, so merkt man doch schon bald, dass sein Stimmumfang ziemlich begrenzt ist. Besonders die weibliche Stimmhöhe bereitet ihm Schwierigkeiten. Dann wird seine Stimme zwar höher, aber auch schwächer. Zum Glück kann er aber auch heitere Situationen gestalten. Von einer Charakterisierung der Figuren kann kaum die Rede sein. Sie klingen fast alle gleich, wenn auch mal rauer und mal weniger rau, oder mehr oder weniger heiser. Man merkt, dass in Engelhardts Alter die Stimmbänder nicht mehr allzu flexibel sind.

Da das Hörbuch ohne Geräusche oder Musik daherkommt, brauche ich nichts weiter dazu zu sagen. Diese Sparsamkeit in der akustischen Ausstattung macht sich aber positiv im Preis bemerkbar.

_Unterm Strich_

Schon der Titel „Level 9“ verrät, dass es um Spiele geht. Der Autor hält viel von der Intelligenz der Spiel-Designer und -Spieler, aber er lässt sich auch kaum über Egoshooter wie „Doom“ aus. Auch sein eigenes Buch trägt Züge eines Spiels, das dem Gott-Spiel-Typ entspricht. Sowohl Amanda als auch Frank folgen den Regeln, die sie beim Spielen herausfinden müssen. Franks Ziel besteht im Auffinden von Amanda, doch wie sich zeigt, ist das Ziel, das der Spielleiter alias Gott für beide vorgegeben hat, wesentlich ehrgeiziger.

In der Verbindung mit dem Thema der Zeitkapseln und des Geo-Caching hat der Autor eine Aussage über den Glauben an Gott, über unsere Bilder von Gott und über Leute versteckt, die ihre eigenen, mitunter vernichtenden Aussagen über Menschen und Gott gemacht haben. Das Nachdenken über diese Aussagen lohnt sich durchaus. Über das Ziel, das der Scavenger-Gott verfolgt, darf leider nichts verraten werden. Aber wer Thriller kennt, weiß, dass der Schurke am Ende immer dran glauben muss. Diesmal ist jedoch die Frage, ob er dies verdient – oder ob er dies nicht ebenfalls geplant hat.

|Das Hörbuch|

Frank Engelhardt kann Emotionen gut ausdrücken, ist aber bei der Charakterisierung gehandikapt. Seine männlichen Figuren klingen alle gleich, ebenso die weiblichen. Immerhin gelingt es ihm, ansatzweise unterhaltsam zu sein. Seine Stärke ist es, Spannung zu erzeugen. Dass Geräusche und Musik weggelassen wurde, machte das Hörbuch billiger. Es bildet somit guten Durchschnitt unter den Thriller-Hörbüchern und bereitet kurzweiliges Vergnügen für Leute, die Spannung suchen.

|423 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-86804-461-4|
http://audiomedia.de/category/verlag/hoerbuch/target-mitten-ins-ohr/

Poe, Edgar Allan / Gruppe, Marc – Untergang des Hauses Usher, Der (Gruselkabinett 11)

_Gruselklassiker kinoreif inszeniert_

In der Umgebung von Baltimore 1845: Philipp Belfield reist, durch einen Brief seines Jugendfreundes Roderick alarmiert, auf den abgelegenen, inmitten von Sumpfland errichteten Stammsitz der Familie Usher. Ein drohendes Unheil scheint über dem alten Gemäuer zu schweben, denn Roderick Usher, der letzte Spross der alten Familie, ist von einer seltsamen Krankheit gezeichnet …

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_ (Verlagsinfos)

Das Hörspiel wurde inszeniert mit: Oliver Feld (u. a. dt. Stimme von Ben Affleck), Tobias Kluckert (Colin Farrell), Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie) und Kaspar Eichel (Fred Astaire).

Oliver Feld spricht „Philip Belfield“

Bereits im Alter von 14 Jahren sammelte Oliver Feld erste Synchronerfahrungen in „Kampfstern Galaktika – Das Ende einer Odyssee“. Nach seiner Schauspielausbildung an der Fritz-Kirchhoff-Schule führten Oliver Feld Engagements an verschiedene Berliner Bühnen, so an die Tribüne, das KAMA- und das Hansa-Theater, sowie an das Theater am Kurfürstendamm. Im TV konnte man den Schauspieler u. a. in der Krimi-Reihe „Tatort“, den Serien „Praxis Bülowbogen“, „Helicops“ oder „Unser Charly“ sehen.

Als Synchronsprecher leiht Oliver Feld seine Stimme u. a. seit zehn Jahren ‚Dr. John Carter‘ in „Emergency Room“, der Titelrolle der Sitcom „Seinfeld“, ‚Nigel‘ in „Crossing Jordan“, ‚Wesley‘ in „Buffy“ und „Angel“, ‚Dutch‘ in „Shield“, ‚Emmett‘ in „Queer as Folk“ (hier auch Buch und Regie). Er synchronisierte zudem u. a. Ben Affleck in „Der Außenseiter“ und Adrien Brody in „Summer of Sam“.

Tobias Kluckert spricht „Roderick Usher“

Im Bereich Synchron leiht der Schauspieler Tobias Kluckert u. a. Joaquin Phoenix als ‚Johnny Cash‘ in dem Film „Walk the Line“ seine Stimme. Er sprach aber auch Colin Farrell in „The New World“, 50 Cent in „Get rich or die tryin“, Patrick Swayze in „Waking up in Reno“, Tyrese Gibson in „Der Flug des Phoenix”, „Vier Brüder”, „2 Fast 2 Furious“, Adam Baldwin in „Serenity“ und der „Firefly“-TV-Serie, Eric Balfour in „O. C. California“, Brian Krause als ‚Leo‘ in „Charmed“, Michael Vartan in „Alias – Die Agentin“ u. v. a.

Claudia Urbschat-Mingues spricht „Madeline Usher“

Nach ihrem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover spielte Claudia Urbschat-Mingues an verschiedenen Theatern, u. a. an der Neuen Bühne Senftenberg und am Metropol Theater Berlin. Im Bereich TV und Film wirkte sie an diversen Kurz- und Fernsehfilmen mit und war in Episodenrollen in den Serien „Die Wache“ und „Verbotene Liebe“ zu sehen.

Claudia Urbschat-Mingues ist die dt. Stimme von Angelina Jolie z. B. in „Alexander“, außerdem von Lily Taylor in „Das Geisterschloss“, Jennifer Garner in „Elektra“, Denise Richards in „James Bond – Die Welt ist nicht genug“, Mira Sorvino in „The Replacement Killers“, Rachel Weisz in „Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“, Vanessa Williams in „Dance with me“ u. v. a.

Kaspar Eichel spricht „Briggs“

Der gebürtige Berliner Kaspar Eichel war nach seiner Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch u. a. am Theater Senftenberg, dem Theater am Kurfürstendamm, dem Berliner Kriminaltheater und dem Deutschen Theater in Berlin zu sehen. Im Fernsehen trat er in vielfältigen Rollen verschiedenster Serien hervor, u. a. in „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „Alarm für Cobra 11“, „Der Hauptmann von Köpenick“, „Der letzte Zeuge“, „Im Namen des Gesetzes“. Im Bereich Synchron leiht Kaspar Eichel seine Stimme Fred Astaire in „Flammendes Inferno“, James Doohan als ‚Scotty‘ in den neuen Szenen der DVD-Veröffentlichung der „Star Trek“-Filme, Jon Voight in „Zoolander“, Ron Rifkin als ‚Arvin Sloane‘ in „Alias – Die Agentin“ u. v. a.

_Handlung_

Philip Belfield ist einer Einladung seines Jugendfreundes Roderick Usher gefolgt und nähert sich dem düsteren Gebäude, durch dessen Fassade sich ein feiner Riss zieht. Der Herrensitz ist von einem Sumpf und einem schwarzen See umgeben und nur über einen Dammweg zu erreichen. Die schwermütige Gegend verheißt nichts Gutes, aber noch ist Philip guter Dinge.

Der einzige Diener, Briggs, weiß seltsamerweise nichts von Ushers Einladung, lässt Philip aber trotzdem ein. Die Halle des Herrensitzes ist still und dunkel, nicht einmal eine Uhr tickt, und von Usher ist nichts zu sehen. Da taucht eine schöne junge Frau auf: Es ist Lady Madeline, die Zwillingsschwester Rodericks. Sie erkennt Philip zunächst nicht, denn es ist bereits 15 Jahre her, dass er ein enger Freund der Familie Usher war. Sie hofft, er werde sie wegbringen aus diesem „Haus des Todes“, in dem die Zeit nicht so vergehe, wie man es gewohnt sei. Sie warnt ihn vor Lügen und der Krankheit ihres Bruders. Dann bringt Briggs Philip nach oben …

Das Gemütsleiden Roderick Ushers, des Letzten seines Geschlechts, hat seine Sinne unglaublich verfeinert, so dass jede Sinneswahrnehmung für ihn Marter bedeutet. Daher sind alle Vorgänge zugezogen, jeder Laut ist gedämpft, und es brennt keine einzige Kerze. Erst nach einer Weile, als sich seine Augen angepasst haben, erkennt Philip in der Düsternis Rodericks ausgemergeltes Gesicht und erschrickt. Der eigentliche erst 30 Jahre alte Mann sieht aus wie der Tod. Er sagt, er freue sich aufs Sterben wie auf eine Erlösung. Aber er warnt Philip vor dem Wahnsinn seiner Schwester Madeline.

Lady Madeline taucht nachts in Philips Zimmer und führt ihn in den Keller, um ihm etwas zu zeigen: Es sind die Katakomben des Herrensitzes. In einem riesigen Saal sieht man in Nischen in den Wänden Hunderte von Särgen liegen – Generationen von Ushers. Die Gruft liegt unterhalb der Oberfläche des Sees, der gegen ihre Mauern drückt. In zwei der Nischen stehen bereits die Särge für Madeline und Roderick bereit. Philip findet dies höchst makaber.

Das ist aber noch gar nichts. Madeline vertraut ihm an, dass alle Ushers in direkter Linie von ihren Vorfahren abstammen und dies allein durch Inzucht. Auch sie selbst hätte ihren Bruder heiraten und mit ihm Kinder haben sollen. Kein Wunder, dass sich manche Ushers im Sumpf oder im See selbst töteten, als durch Inzucht weitere Missgeburten in die Welt zu setzen. Wenn es nach Madeline geht, so soll die Linie mit ihr und Roderick aussterben. Als Roderick plötzlich erscheint, fällt Madeline in Ohnmacht. Er trägt sie nach oben.

Tage vergehen. An einem Regentag teilt Roderick seinem Jugendfreund mit, dass Madeline gestorben sei. Ohne geistlichen Beistand wird die Schönheit im vorbereiteten Sarg bestattet. Roderick ruft die Toten an, sie wohlgesinnt aufzunehmen und zu beschützen, hat es aber auf einmal sehr eilig, den Sargdeckel zu schließen. „Fort von hier! Schnell!“

Was Philip so seltsam vorkam, enthüllt sich schon bald als wohlbegründet. Als ein Sturm heraufzieht und ein irisierendes Licht über dem See liegt, bemächtigt sich Philips eine panische Beklemmung. Durch Vorlesen eines Ritterromans versucht er, diese Stimmung zu vertreiben, doch vergeblich. Auf einmal zerreißt ein grässlicher Schrei die Todesstille im Gebäude: „Roderick, ich lebe, lass mich nicht allein!“ …

_Mein Eindruck_

Die Gothic-Autoren hatten eine Vorliebe für alte Geschlechter und uralte Gebäude. Das fing schon mit dem ersten Roman an: „Die Burg von Otranto“ von Hugh Walpole aus dem Jahr 1764 trägt das Motiv sogar in seinem Titel. Doch Edgar Allan Poe war der erste Schriftsteller, der diese Vorliebe in einen direkten kausalen Zusammenhang mit den Menschen setzte. Das ‚Haus‘ Usher meint sowohl das Geschlecht der Ushers als auch ihren Stammsitz als Gebäude. Geht das eine unter, so auch das andere.

Als Roderick und Madeline sterben, beginnt auch das Gebäude zu wanken, denn wahrscheinlich bricht der See nun in die Katakomben ein. Philip sucht schleunigst das Weite, als er sieht, dass sich der Riss, der sich, wie er beim Kommen sah, durch die Fassade zieht, rasend schnell verbreitet. Mit knapper Not entkommt er über den Dammweg, als das ganze verfaulte ‚Haus‘ in die Tiefen des schwarzen Sees versinkt.

|Der Fluch|

Die Frage ist jedoch, warum die beiden letzten Angehörigen des Geschlechtes von Usher sterben müssen. Dies ist die zentrale Frage, die jeder Leser oder Hörer für sich beantworten muss. Beide fühlen die Last der vielen Generationen, die sie jeden Tag durch einen einfachen Besuch der Gruft direkt vor sich sehen können. Madeline erzählt, dass Bruder und Schwester von Kindesbeinen mit dem Tod vertraut gewesen seien. Der Tod hatte nichts Schreckliches für sie, daran kann es also nicht gelegen haben.

Es kann auch nicht der Fluch sein, den sie sich durch Generationen der Inzucht vielleicht zugezogen haben. Denn sie selbst haben den Inzest nie begangen, wenn man ihnen glauben darf, obwohl beide einander wertschätzen. Ihr Erbe ist auf Seiten Madelines eine zunehmende Hinfälligkeit – ein häufiges Motiv bei Poe – sowie wiederkehrender Starrkrampf und seitens Rodericks eine übersteigerte Verfeinerung aller Sinne. Diese „Familienkrankheit“ führte dazu, dass er sich praktisch lebendig begraben hat, um nicht mehr leiden zu müssen. Lebensfreude bedeutet für ihn Todesqualen. In einem sehr realen Sinn ist das Haus also ein gigantischer Sarg.

Deshalb ist es nur eine Konsequenz aus seinem Wahn, diese Disposition in die Tat umzusetzen: Er bestattet Madeline nach einem ihrer Katalepsieanfälle in ihrem für sie vorbereiteten Sarg. Doch Roderick kann mit seinem superfeinen Gehör genau ihren äußerst langsam gehenden Atem hören. Dennoch schließt er den Sargdeckel und wartet, bis seine Schwester wieder erwacht …

|Leitmotive|

Zur Erbsünde des Inzests kommt also das Verbrechen der fahrlässigen Tötung hinzu. „Diese Familie muss aufhören zu existieren“, bekräftigt er immer wieder. Er ähnelt dem Ritter Everett in dem Roman, den Philipp vorliest. Der Ritter muss einen Drachen vor einem goldenen Palast erschlagen, wohl um eine Jungfrau zu retten. Der Drache, das sind die Generationen von Ahnen, und der goldene Palast ist die Erlösung durch den Tod – oder die Unschuld, die mit der Buße einhergeht. Wer die Jungfrau ist, dürfte klar sein: Madeline. Nur dass diese, als sie an Rodericks Türschwelle erscheint, wie eine Furie erscheint, die mehr Ähnlichkeit mit einem Drachen hat. Aber das sind nur Äußerlichkeiten. Als die beiden Geschwister aufeinander treffen, bedeutet das den Tod für beide.

Das Motiv des Scheintodes und des Lebendig-begraben-werdens kommt unzählige Male bei Poe vor. Das gilt auch für das Motiv der Rückkehr aus dem Reich der Toten. Aber selten wurden beide Motive so stilistisch glänzend und dramaturgisch wirkungsvoll miteinander verbunden wie in dieser klassischen Erzählung. Es ist auch ein Plädoyer für die Befreiung von der Last der Generationen, zumal von inzestuösen Generationen. Darin deckt sich die Aussage der Story mit der Ideologie Amerikas: Befreiung von den Altlasten Europas mit seinen Monarchien und dekadenten Herrscherhäusern (Poe lebte selbst als Junge an einer englischen Privatschule!) und Aufbruch in eine neue Welt, wo ein neues Eden aufgebaut werden kann. Deshalb muss Philip, der anfangs frohgemute Außenstehende, unbedingt entkommen statt in den Untergang mitgerissen zu werden.

|Zum fehlenden Gedicht|

In dieser Hörspielfassung ist das sechsstrophige Gedicht „Das verwunschene Schloss“ (im Original „The Haunted Palace“) nicht enthalten. Es bildet innerhalb der Erzählung eine Erweiterung der Bedeutungsebenen. Der Palast steht im Land des Königs „Gedanke“ und ist zunächst wunderschön. Doch in Gestalt der Sorge erobert „wildes Volk“ den Herrschersitz und alle Schönheit und Pracht schwindet, um bizarren Anblicken Platz zu machen. Aus einem freundlichen Lächeln wird so wahnhaftes Lachen.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Zunächst sind es die Sprecher, die über den Text den Hörer darüber aufklären, was geschieht. Dies gelingt den geübten Schauspielern ausgezeichnet, insbesondere Tobias Kluckert porträtiert Roderick Usher unnachahmlich gut. Auch „Lady Madeline“ schlägt den Zuhörer in ihren Bann, was besonders gut in der Szene in den Katakomben gelingt.

|Die Musik|

All dies würde aber nur halb so gut wirken, wenn es nicht auch die Musik und die Geräusche gäbe. Jeder, der schon einmal Alan Parsons‘ Platte [„Tales of Mystery and Imagination“]http://www.powermetal.de/review/review-11727.html gehört hat, erinnert sich sofort an die unheimlichen Klänge, die auf der zweiten Seite der Platte erklingen und die das eigentliche Grauen heraufbeschwören: die Wiederkehr der Totgeglaubten aus der Gruft. Die Ähnlichkeit der Hörspielmusik mit dem Vorbild Alan Parsons ist unverkennbar und beginnt bereits mit dem Intro, von der Hintergrundmusik ganz zu schweigen. Aber es kommen auch eigene Piano- und Oboekompositionen hinzu. Sehr schön ist der Sopran im Klagegesang für Lady Madeline.

Es wäre interessant zu erfahren, wer sich diesen tollen Score für das Hörspiel hat einfallen lassen und wer das Orchester war, das ihn eingespielt hat. Das Booklet verrät nur, dass die Aufnahme durch das Studio |AudioCue| erfolgte.

|Die Geräusche|

Die Geräusche sind ebenfalls sehr wichtig, denn sie verbürgen dem Zuhörer die Authentizität des Geschehens, so als befände man sich in einem Film. Deshalb hören wir also am Anfang das Hufgetrappel und Wiehern von Philips Pferd, das Quaken der Frösche im Sumpf und das Heulen und Stöhnen des Windes. Während draußen der See rauscht, herrscht jedoch im Schlossinneren Todesstille – bis auf einen seltsamen Laut: Nach etwas Hinhören stellt es sich als Herzschlag heraus …

Zu dieser unheimlichen Atmosphäre trägt auch das wiederkehrende Hauchen bei, das von einem Geist stammen könnte. Wir hören es erstmals in der Gruft, wenn die beiden Figuren von den Särgen der Usher-Ahnen umgeben sind. Es gibt noch weitere, nur unterschwellig wahrgenommene Geräusche, so etwa das unaufhörliche Seufzen des Windes, das Glucksen des Sees an den Mauern der Gruft und natürlich der Herzschlag. Als der Sturm heraufzieht, ist ein sehr tiefer Bass zu vernehmen, der Bedrohung verkündet. Den Höhepunkt bildet das Finale, in dem der Tonmeister sämtliche Register zieht, um maximale Wirkung zu erreichen.

_Unterm Strich_

Mir hat das Hörspiel sehr gut gefallen. In seiner Storyline unterscheidet es sich beträchtlich vom Hörspiel, das Lübbe Audio in seiner POE-Serie vorgelegt hat, und der Kenner findet hier eine vorlagengetreuere Fassung. Obwohl man als Poe-Fan schon weiß, wie die Geschichte ausgeht, erzielt die Inszenierung immer noch den gewünschten Effekt, nämlich zwei zentrale Gruselszenen – die erste in der Gruft, die zweite im Finale.

Es mag so manchem Neuling bizarr und surreal anmuten, wenn einer der Beteiligten im Finale aus einer Rittergeschichte zu zitieren beginnt, während das Verhängnis naht. Doch das ist ja die Crux der letzten beiden Ushers: Die Last der heroisch verklärten Vergangenheit, wie sie im Ritterepos noch hochgehalten und kolportiert wird, ist zu einem genetischen Fluch geworden, dessen Opfer sie nun – ziemlich willig sogar – werden.

Dass Roderick noch ein bisschen nachgeholfen hat, kann man nur verstehen, wenn man bedenkt, dass er eh schon seit langem lebendig begraben ist, sich aber keinesfalls von seiner innig – wenn auch hoffentlich keusch – geliebten Schwester trennen will. Mit der Ankunft des Zeugen in Gestalt von Philip ahnt Madeline bereits, was auf sie zukommt und versucht dem Zeugen klar zu machen, worin der Fluch und das Vermächtnis der Ushers besteht.

Am Schluss wird die ganze Story stark gerafft, denn in der Vorlage nimmt der Schwulst für das Empfinden des heutigen Lesers bzw. Hörers doch recht überhand. Diese Raffung auf das Notwendigste bedeutet für den Hörer, dass er ganz genau zuhören muss, was passiert und gesagt wird. Aber eine CD bietet ja die Gelegenheit, diese Szene immer wieder zu hören.

Es lohnt sich ja auch schon von der tollen Inszenierung her. Während die Musik mich an die Interpretation von Alan Parsons erinnert hat, so versuchen die Sprecher doch eine eigenständige, aber rollengerechte Interpretation ihrer Figuren. Das gelingt ihnen ausgezeichnet. Übrigens ist Lady Madeline in der Story gar nicht so prominent, sondern bleibt viel im Hintergrund, alldieweil sie ja sterbenskrank ist. (Der Arzt wurde ebenfalls gestrichen.) Man sieht also im Vergleich mit anderen Verarbeitungen dieses klassischen Stoffes, dass die |Titania|-Fassung den Hörer nicht überfordert und die Rolle der Frau im Stück den heutigen Erwartungen anpasst. Madeline bildet mit Roderick ein dynamisches Duo. Das habe ich in Poes Vorlage so überhaupt nicht gefunden, aber es wirkt sich in dem vorliegenden Hörspiel dramaturgisch vorteilhaft aus.

|Originaltitel: The Fall of the House of Usher, 1845
60 Minuten auf 1 CD|

Home – Atmosphärische Hörspiele

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“ 5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“ 5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“ 5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“ 5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“ 5752 (Gruselkabinett 33)
[„Die obere Koje“ 5804 (Gruselkabinett 34)

Meyer, Kai – Wunschkrieg (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)

_Voll wilder Magie: die Welt in der Flasche_

Seit über 50 Jahren herrschen die Dschinne über die Wüste zwischen Samarkand und Bagdad. Nur todesmutige Schmuggler wie Tarik al-Jamal mit ihren fliegenden Teppichen wagen sich hinaus in die Einöde. Bis Tariks Geliebte Maryam ein Opfer der Dschinne wird. Seither besteht Feindschaft ihm und seinem Bruder Junis. Erst als die geheimnisvolle Sabatea Junis dazu bringt, sie durchs Dschinnland nach Bagdad zu bringen, beschließt Tarik, die beiden zu beschützen – auch gegen Junis‘ Willen. Eine mörderische Jagd durch die Wüste beginnt, mitten in den Krieg zwischen Dschinnen und Sturmkönigen. (Verlagsinfo)

Zehntausend Dschinne ziehen aus den Wüsten gen Bagdad, dessen Untergang unaufhaltsam scheint. Nur die Zaubermacht des Dritten Wunsches kann diesen Krieg entscheiden. Aber worin besteht der Dritte Wunsch? Kann er wirklich die Welt vor dem Untergang bewahren? Tarik hat alle verloren, die er liebt: Sabatea ist im Kalifenpalast gefangen, sein Bruder Junis kämpft an der Seite der Sturmkönige im Dschinnland. Deren Anführerin hat einen Plan, der sie alle ins Verderben reißen könnte. Aber Tarik gibt nicht auf, findet neue Freunde und stößt auf die Spur des Dritten Wunsches.

Dies ist die Fortsetzung der Trilogie über die Sturmkönige.

1) Dschinnland (September 2008)
2) Wunschkrieg (März 2009)
3) Glutsand (September 2009)

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte unter anderem ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.

Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. 2007 verfilmte Dominik Graf („Treffer“, „Die Katze“) Meyers Roman „Das Gelübde“. Der Autor lebt am Rande der Eifel.

Mehr von Kai Meyer auf |Buchwurm.info|:

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Dschinnland“ 5340 (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
[„Dschinnland“ 5635 (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
[„Die Wellenläufer“ 3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“ 3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“ 3273 (Hörbuch)
[„Der Brennende Schatten“ 4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“ 3908 (Hörspiel)
[„Frostfeuer“ 2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“ 73
[„Das Haus des Daedalus“ 373
[„Der Schattenesser“ 2187
[„Die Fließende Königin“ 409
[„Das Buch von Eden“ 890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“ 3145
[„Der Rattenzauber“ 894
[„Faustus“ 3405
[„Seide und Schwert“ 3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“ 4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“ 4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
|Die Alchimistin – Das Hörspiel:|
1) [„Der Stein der Weisen“ 5052
2) [„Das Erbe des Gilgamesch“ 5155
3) [„Die Katakomben von Wien“ 5220
4) [„Das Kloster im Kaukasus“ 5263
5) [„Die Unsterbliche“ 5379
6) [„Die Schwarze Isis“ 5406
7) [„Der Schatz der Templer“ 5427
8) [„Der Alte vom Berge“ 5448

_Der Sprecher_

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.

Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er unter anderem für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er auch die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

Fröhlich liest eine gekürzte Romanfassung, die von Aenne Glienke bearbeitet wurde. Regie führte Kathrin Weick, die Aufnahme in den |d.c. studios NRW-Berlin| steuerte Fabian Frischkorn, während Dicky Hank und Dennis Kassel die Musik beisteuerten.

_Handlung_

|Vorgeschichte|

Badgad im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, aber im 52 Jahr des Dschinnkrieges. Es ist eine Welt voll wilder Magie. Der junge Teppichreiter Tarik al-Jamal hat von Samarkand aus seinen Bruder Junis und dessen rätselhafte Auftraggeberin Sabatea durch das Dschinnland begleitet. Nach einem Angriff von rebellischen Sturmkönigen führte Tarik den Tod des Dschinnfürsten Amarilis herbei und erhielt dabei ein zweischneidiges Andenken: Er kann in eine alternative Welt sehen.

Während sich Junis den Sturmkönigen anschloss, flog Tarik mit Sabatea weiter nach Bagdad, ihrem ursprünglichen Ziel. Vor dem Kalifen Harun al-Raschid musste das Paar seine wahre Identität enthüllen: Sabatea war bislang die Vorkosterin des Emirs von Samarkand, und ihr Blut ist für jeden Menschen tödlich. Tarik musste die Eigenschaft seines Dschinn-Auges enthüllen und wurde des Palastes verwiesen. Er will seine Geliebte unbedingt wiedersehen.

|Gegenwart: Tarik|

Der Angriff der Dschinnarmeen steht kurz bevor, und Bagdad rüstet sich für die Verteidigung. Almarik, der Byzantiner, hat Tarik das Leben gerettet. Doch Tarik erweist sich als wenig dankbar: Er schlägt ihn nieder und raubt dessen Teppich. Damit versucht er auf tollkühne Weise, in den Palast ein- und zu Sabatea vorzudringen. Ein fliegendes Elfenbeinpferd hilft ihm sogar, die Verfolger abzuschütteln. Doch der fremde Teppich erweist sich als zu unhandlich, und Tarik kommt bei einer Kollision beinahe um.

In der Altstadt von Bagdad sucht er deshalb Kabir auf, einen Teppichknüpfer, der ihm quasi einen maßgeschneiderten Teppich liefern soll. Als Tarik ihn nach dem geheimnisvollen Dritten Wunsch fragt, lässt er ihn zu dem Stummen Kaufmann führen. Der ist natürlich nicht stumm, sondern bloß verschwiegen, kannte aber Tariks Vater, einen Schmuggler von Teppichstoffen.

Nachdem Tarik seine Bitte begründet hat, erzählt ihm der Kaufmann, dass es sich beim Ring des Dritten Wunsches um eine Vereinigung einflussreicher Persönlichkeiten Bagdads handelt. Sie vereint die Tatsache, dass sie alle um einen Dritten Wunsch betrogen wurden, und zwar von den Wunsch-Ifrits, hilfreichen Geistern, die selbst aber unschuldig seien. Nun müssen die Menschen mit den missliebigen Folgen ihrer ersten zwei Wünsche leben. Der Bund heuert Ifritjäger an, um doch noch an Dritte Wünsche zu gelangen, Jäger wie Amalrik. Almarik muss von einem sehr hochrangigen Angehörigen des Hofes angeheuert worden sein. Tarik sollte sich diesen Höfling möglichst zum Freund machen. Aber um hineinzugelangen, braucht er Sabatea. Wo mag sie wohl sein?

|Gegenwart: Sabatea|

Sabatea fühlt sich in ihrem Gemach wie in einem Gefängnis, in dem sie von Spiegeln und verborgenen Gucklöchern ausgespäht wird. Bestimmt steht der Hofmagier des Kalifen, Kalis, dahinter. Da landet ein als Gardist gekleideter Teppichreiter auf ihrem Balkon und warnt sie, dass Assassinen in den Palast eingedrungen seien. Sie könne sich notfalls mit seinem Teppich in Sicherheit bringen. Die Kampfgeräusche nähern sich unaufhaltsam, und obwohl sich ihre Wachen tapfer wehren, dringt einer dieser Assassinen in ihr Gemach vor. Es ist ein an der Decke gehendes schwarzes Geschöpf, offenbar aus dem Dschinnland. Sabatea eilt zu ihrem Teppich, um ihm zu entgehen.

|Gegenwart: Junis|

Junis befindet sich im Lager der Sturmkönige, die von seiner und Tariks früheren Geliebten Maryam angeführt werden, die schon sechs Jahre aus Samarkand fort ist. Bei ihr ist ein unheimlicher Junge, der sich als Dschibril vorstellt. Keiner weiß, woher er kommt, aber er verfügt über diejenige Magie, mit der die Rebellen den Wind zu Tornados formen können, auf denen sie reiten und die sie als Waffe gegen die Dschinne einsetzen können. Junis will ebenfalls gegen die Dschinne kämpfen, allerdings auf einem Teppich. Denn falls Tarik, sein Bruder, und Sabatea tot sind, dann will er sie rächen. Maryam hingegen will keine Rache, sondern Freiheit von der Herrschaft der Dschinnfürsten.

Als eine Dschinnarmee das Lager der Sturmkönige angreift, gehen die Rebellen zum Gegenangriff über. Doch eine Kettenmagierin schwebt über den Dschinnen und dirigiert sie, zudem tauchen große Schwarmschrecken auf, welche die Sturmkönige attackieren. Da hat Junis einen verwegenen Einfall und handelt eigenmächtig (was der Anführerin Maryam nicht gefallen dürfte). Er attackiert die Kettenmagierin, wird abgedrängt und stürzt sich im Flug auf eine Schwarmschrecke, um sie mit seinem Schwert zu töten. Ob das wohl gut geht?

_Mein Eindruck_

In diesem Mittelband ist die Handlung auf drei Schauplätze aufgeteilt, auf Tarik, Sabatea und Junis. Es ist also ein klares Ziel dieses Mittelteils, alle wieder zueinander zu führen. Dies gelingt zwar ganz am Schluss, doch davor liegen viel Schweiß, Mühe und Kampf. Alle drei müssen ihr Leben verteidigen und zeigen, dass sie sich durchsetzen und überleben können.

Sabatea bekommt es mit den Kali-Assassinen zu tun, Tarik mit einer Diebesbande, die nur aus Frauen (und einem Sturmkönig) besteht, und Junis wirft sich an Maryams Seite in die Schlacht gegen die Dschinnfürsten und ihre Magier. All dies sollte den Leser bzw. Hörer eigentlich gut unterhalten, denn die Kämpfe sorgen für jede Menge Abwechslung und Spannung.

Was mir jedoch fehlte, war der große Bogen für eine weiterreichende Perspektive. Im ersten Band war dies ganz klar in Form der gefährlichen Reise durchs Dschinnland geboten worden. Der Autor müht sich nun in Band zwei redlich, diesen großen Bogen einzufügen. Schließlich will sein Leser bzw. Hörer ja wissen, wozu all diese Kämpfe gut sein sollen. Das Stichwort lautet „Der dritte Wunsch“.

Wie schon angedeutet, handelt es sich dabei um Magie der Wunsch-Ifrits. Diese possierlichen Wesen erfüllen ihrem „Kunden“ drei Wünsche. Tarik erfährt von einem Ifrit, dem Sabatea geholfen hat und der mit einem Elfenbeinpferd befreundet ist, dass alle Ifrits in der ganzen Welt ihren Dritten Wunsch verloren haben. Die Dschinne haben ihn ihnen entrissen. Der Schlüssel zu dieser Untat liegt in der legendären Stadt Skarabpur. Klarer Fall, dass sich die Gefährten dorthin auf den Weg machen müssen.

Das Finden des Dritten Wunsches löst aber nicht das Problem, dass die Dschinne Bagdad angreifen, ja, dass sie sich die ganze Welt untertan machen und sämtliche Menschen vernichten wollen. Verantwortlich für dieses verhängnisvolle Bestreben ist die Prophezeiung des von Tarik getöteten Dschinnfürsten Amarilis, der eine alternative Welt erblickte, in der es keinerlei Magie gibt – unsere!

Der Schlüssel zu den Dschinnen, ihrem Auftrag und ihrem Erscheinen muss 52 Jahre zurückliegen, denn erst da begannen sie zu erscheinen. Was geschah damals, das sich so verhängnisvoll auswirkte? Kalis, der Hofmagier des Kalifen Harun al-Raschid, hält dafür eine sehr überraschende Antwort bereit: Die ursprüngliche, weitgehend magiefreie Welt wurde von zwei Magiern, die das Übel außer Kontrolle geratener Magie beseitigen wollten, kopiert. Die Kopie steckten sie in eine Flasche (es war nichts Geeigneteres als Behältnis zur Hand). Dies ist Tariks magische Welt. Kein Wunder also, dass sich Maryam wie eingesperrt fühlt – sie muss sich wie ein Buddelschiff vorkommen.

Das Bestreben von Tariks Gefährten und des Magiers Kalis muss es nun sein, alles wieder ins Lot zu bringen. Ob ihnen dies im nächsten Band gelingen wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.

|Der Sprecher|

Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie es ihm gelingt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass er damit die optimale Ausdruckskraft hervorbringt. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht.

Auch hier setzt er seine Stimmkunst effektvoll ein. Eine „Silberschlange“ lässt er hinterlistig zischen, einen Byzantiner und einen Hofmagier mit grollendem Akzent sprechen. Ein Dschinnfürst haucht sehr eindrucksvoll seine letzten Worte. Sabatea ist mit einer höheren Stimmlage ausgestattet und wickelt sowohl Tarik als auch Diebinnen mit ihrer sanften verführerischen Stimme um den Finger. Tarik und Junis sprechen in einer normalen, tieferen Stimmlage, doch sie sind schwierig zu unterscheiden. Zum Glück gibt es diesmal nur eine einzige gemeinsame Szenen zwischen den beiden (nämlich ganz am Schluss), so dass die Gefahr der Verwechslung minimal ist.

Am wichtigsten ist die Intonierung der Erzählerstimme. Senkt der Sprecher die Tonhöhe, klingt ein Satz bedrohlich oder geheimnisvoll raunend, je nach Satzmelodie. Diese Feinheiten hat Fröhlich routiniert im Griff. Ich bin mit dieser Sprachaufnahme rundum zufrieden.

|Musik|

Die Musik tritt sowohl in den Pausen zwischen den Kapiteln als auch im Hintergrund auf, das heißt, sie hat sowohl untermalende als auch entspannende oder vorbereitende Aufgaben. Vielfach dient sie dem Übergang zwischen zwei Szenen. In jedem Fall sind ihre Instrumentierung, die Rhythmen und Melodien auf das orientalische Ambiente abgestellt. So hören wir vielfach Tablas und Trommeln, tiefe Flöten und andere Instrumente, die in arabischer Musik üblich sind.

Stets ist der Rhythmus der Stimmung der Szene angepasst, damit die Musik den Text emotional unterstützen kann. So erklingt beispielsweise romantische Musik, wenn sich Sabatea bei Tarik zu einer Liebesnacht einstellt. In Actionszenen beschleunigt die Musik natürlich auf ein hohes Tempo, damit die Kämpfe der Figuren auch nachvollziehbar werden. Hier dominieren dann Trommeln. In jedem Fall ist diese Musikuntermalung professionell gehandhabt, nicht übertrieben und verdeckt nie den Dialog. Es ist eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Hollywood-Scores, die man bei Hörspielen findet. Wunderbarerweise gibt es in dieser inszenierten Lesung auch Geräusche.

|Zusatzinformationen|

Im Einsteckkarton finden sich Informationen über den Autor, den Sprecher und die Macher sowie diverse Werbetexte über weitere Meyer-Hörbücher.

_Unterm Strich_

Obwohl dieser Mittelteil der Trilogie durch Action, Rätsel, neue Elemente und jede Menge Bewegung zu unterhalten weiß und Spannung erzeugt, fragte ich mich doch spätestens nach der Hälfte, was das alles soll. Das lag daran, dass die Perspektive nicht wie im ersten Band durch eine Reise und deren Ziel vorgegeben ist. Stattdessen scheinen sich besonders Sabatea und Tarik ein wenig im Kreis zu drehen, bis sie endlich zueinander finden und sich auf die Suche nach dem Geheimnis des Dritten Wunsches machen. Junis hingegen hat ein klares Ziel: die Bekämpfung der Dschinns, die auf Bagdad, wo er seinen Bruder vermutet, vorrücken. Junis hat selbst ein paar Rätsel zu knacken und Maryam zu gewinnen.

Der Clou dieses Mittelbandes besteht in der Erklärung für die Entstehung dieser magischen Welt. Details habe ich oben erwähnt. Einfach eine Welt in die Flasche zu stecken, klingt schon ziemlich ironisch in Anbetracht des harten Schicksals dieser Weltbewohner. Entweder muss die Flasche in unserer Welt ziemlich groß sein (ziemlich unwahrscheinlich) oder beim Kopieren erheblich verkleinert worden sein: kein schlechter Trick. In jedem Fall fühlt sich der Leser bzw. Hörer jetzt stark an [„Gullivers Reisen“ 1076 erinnert, in der die Körpergröße der Bewohner ja auch ziemlich relativ ist. Ich schwanke noch, ob ich diesen Einfall des Autors als besonders originell oder ausnehmend riskant bewerten soll.

|Das Hörbuch|

Hier handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Lesung. Stimmungsvolle Musik aus dem Orient und etliche Geräusche versetzen die Phantasie des Hörers an exotische Schauplätze, wo Liebe, Gefahr und Action das Geschehen bestimmen. Der Sprecher Andreas Fröhlich zeigt auch hier wieder sein ganzes Können. Ich hätte mir neben Spannung und Action noch etwas Humor gewünscht, aber dies ist ja nicht gerade ein Karl-May-Roman, in dem ein Hadschi Halef Omar für das humoristische Element sorgt.

|420 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3868-9|
http://www.sturmkoenige.de
http://www.kai-meyer.com
http://www.luebbe.de

Williams, Tad – brennende Mann, Der

_Im Bann der Drachenklaue, sehr gut vorgetragen_

„Der brennende Mann“ ist eine psychologisch spannende Episode aus den Tagen nach dem Großen Krieg, den Williams in seinem Bestseller „Der Drachenbeinthron“ und in drei weiteren Romanen erzählt hat: im Osten-Ard-Zyklus.

_Der Autor_

Tad Williams, 1957 in San José (Kalifornien) geboren, hat sowohl mit dem Osten-Ard-Zyklus als auch mit seinem „Otherland“-Zyklus Millionen von Lesern gewonnen. Davor schrieb er aber schon kleinere Werke wie etwa „Die Stimme der Finsternis“ und „Die Insel des Magiers“ (beide bei |Klett-Cotta| verlegt). Sein erster Bestseller hieß „Traumjäger und Goldpfote“. Neben seinen Fantasyromanen schreibt Williams Drehbücher und Hörspiele, erfindet Computerspiele und zeichnet Comics. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in der Nähe von San Francisco.

Die Vorlage des Hörbuchs „Der brennende Mann“, eine 105-Seiten-Novelle, erschien bereits 1998 in Robert Silverbergs lesenswerter Anthologie „Der 7. Schrein“. Weitere Infos zum Autor: http://www.tadwilliams.de.

_Die Sprecherin_

Regina Lemnitz ist die deutsche Stimmbandvertretung von Kathy Bates, Whoopi Goldberg und Diane Keaton. Sie absolvierte ihre Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar, wo sie Schauspiel, Tanz und Gesang erlernte. Seit 1968 hatte sie mehrere Theaterengagements als Schauspielerin im klassischen Bereich, als Sängerin in Musicals und als Kabarettistin u. a. an den Münchner Kammerspielen, dem Schillertheater Berlin, dem Renaissance-Theater Berlin, den Salzburger Festspielen und dem Theater an der Wien.

Seit 1971 ist die vielseitige Schauspielerin auch durch viele Rollen im deutschen Fernsehen bekannt geworden. Sie war u. a. in den Serien „Unser Charly“ (1995-2005), „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ (2001) und „Der Landarzt“ (2004) zu sehen. Als Synchronsprecherin leiht Lemnitz seit Jahren vielen internationalen Stars ihre Stimme – siehe oben. Im Booklet steht, Kathy Bates sei in „Roseanne“ aufgetreten, aber das ist natürlich Unsinn. Kathy Bates und Roseanne (Barr) sind zwei verschiedene, reale Personen. Lemnitz hat beide synchronisiert.

Die Technik steuerte Achmed Chouraqui vom On Air Studio, Berlin.

_Handlung_

|“Die, die hier gelebt haben, Lord Sulis, sind tot. Aber das Gebäude lebt …“|

Im Land Osten-Ard regierten einst die Sithi, eine edle und friedfertige Rasse, zauberkundig und feinsinnig – so etwas wie Tolkiens Elben. Als die Nordmänner brutal in das Land einfielen und die stolze Burg Hochhorst angriffen, sprach Ineluki, der letzte Herrscher der Sithi, einen fürchterlichen Fluch aus. (Diese Geschichte erzählt Tad Williams in seinem vierbändigen Zyklus um Osten-Ard.)

Nun, viele Äonen später, hat der verbannte und glücklose Reiherkönig Lord Sulis in der düsteren, verfallenen Burg Hochhorst Zuflucht vor seinen religiösen Verfolgern gefunden. Er lebt dort mit wenigen Getreuen, seiner einheimischen Frau und seiner Stieftochter Breda, die in seltsamen Träumen von den Geistern der Burg heimgesucht wird. An den Wurzeln des Engelsturms herrschen immer noch die uralten Kräfte der Elben (Sithi) Ineluki und seines Bruders Hakatri.

Heimlich folgt Breda, die uns diese Geschehnisse viele Jahre später als alte Frau berichtet, dem Lord eines Nachts tief hinunter in die unterirdischen Verliese. Bei ihm sind die Hexe Valada, die er gefangen nehmen ließ, und zwei seiner Getreuen, Tellarin und Avalles. Tellarin ist seit Monaten Bredas Geliebter. Daher muss sie unbedingt erfahren, was er und ihr Stiefvater vorhaben, und koste es ihr Leben.

Der Lord, ein so genannter Abtrünniger und Zweifler an der offiziellen Lehre der Kirche von Nabban und deshalb in die Verbannung nach Erkynland geschickt, sucht die Antwort auf eine ganz bestimmte Frage: Wie steht es um die Grundlagen des Glaubens, an dem er zweifelt? Er ahnt nicht, dass seine Stieftochter unwissentlich im Bund mit seinem Feind ist.

Im tiefsten Innern des Engelsturms begegnet er dem „brennenden Mann“, der dort in Todesqualen in einer anderen Dimension verharren muss. Es handelt sich um Hakatri, Inelukis unglücklichen Bruder. Doch die Botschaft, die Lord Sulis von ihm erhält, hat verhängnisvolle Folgen. Wie es die Hexe vorhersagte: Einer muss dafür bezahlen. Breda spielt dabei eine entscheidende Rolle.

_Mein Eindruck_

Wie gesagt, ist die Geschichte ganz und gar aus dem Blickwinkel Bredas erzählt. Sie ist von königlichem Geblüt, aber zusammen mit ihrer Mutter vaterlos und somit verarmt aufgewachsen. Bis eines Tages Lord Sulis in Erkynland auftauchte und ihre Mutter zur Frau nahm. Doch warum musste er nur die heimgesuchte alte Burg wiederaufbauen? Er suchte Antworten, wälzte Bücher und vergaß dabei die Welt – und seine Familie. Auch der Lord ist ein „brennender Mann“, der im Fegefeuer der Verbannung und Ächtung leben muss.

Schon werden Attentäter gegen ihn ausgesandt, von denen Breda natürlich nichts ahnt. Sie ist viel zu sehr mit ihrer ersten großen Liebe Tellarin beschäftigt. Erst als die Hexe Valada eingekerkert wird, merkt sie, was vor sich geht und was auf dem Spiel steht. Die Dinge spitzen sich bis zu jener Nacht zu, die man hierzulande als Walpurgisnacht kennt …

Der Autor erzählt von großen Vorgängen, die die Welt der Menschen prägen, lange nachdem die Sithi-Lords verschwunden sind. Es handelt sich um die Folgen des Aufstiegs der Kirche zur Staatsmacht, die keine Abtrünnigen wie Lord Sulis duldet. Im Gewande eines Fantasyromans wirft der Autor einen kritischen Blick auf zentrale Vorgänge des europäischen Mittelalters.

Dabei wird die Geschichte nie langweilig, denn Breda erzählt sie mit der Weisheit und Ruhe des Alters, wenn sie auf ihr ungestümes fünfzehnjähriges Ich in jener Zeit zurückblickt. Damals befand sie sich in einer Epoche, als uralte Magie, Hexenwissen und neuer Kirchenglaube noch nebeneinander existierten.

Das Dingsymbol dafür ist die „Drachenklaue“, die sie für ihre Mutter kurz vor deren Tod holen sollte. Xanippa, eine ehemalige Hure und jetzt fettleibige Kräuterfrau, gab ihr eine Eulenkralle mit einem Gift, „das man hier auch Drachenklaue nennt“. Hier – das ist im Hochhorst der Ort, wo es zur Zeit der Sithi-Lords einen roten Drachen gab. Und wenn Breda dieses giftige Instrument, das einen schnellen Tod herbeiführen soll, einsetzt, dann ist dieser Akt ein Triumph der magischen alten Welt über die neuen Götter. Lord Sulis verkörpert einen anderen Glauben, die Amtskirche eine andere Variante des neuen Glaubens. Doch alle müssen sich dem uralten Fluch des brennenden Mannes beugen, der die Geschichte dieses Landes symbolisiert: Hakatri. Erlösung gibt es nur um einen hohen Preis.

_Sonstiges_

Das Titelbild ist ebenfalls sehr gelungen. Vor einem karminroten Hintergrund zeigt es eine schwarze Burg, die von bunten Flammen umzüngelt wird. In der Burg schwebt das grüne Gesicht des Geistes, den Lord Sulis beschworen hat.

Die Übersetzung, die der Stephen-King-Spezialist Joachim Körber angefertigt hat, ist sprachlich und stilistisch vom Feinsten. Aber das Wort „Kurtine“ musste auch ich erst einmal nachschlagen. Es bezeichnet einen Gebäudeteil des Hochhorstes: „Teil des Hauptwalles einer Festung“, sagt der |DUDEN|.

_Die Sprecherin_

Regina Lemnitz passt genau zu der Figur der alten Erzählerin Breda: Ihre Stimme klingt tief und gereift, aber durchaus noch kräftig. Das Kunststück, das sie zu vollbringen hat, besteht darin, auch das fünfzehnjährige Mädchen Breda, von dem sie berichtet, zum Leben zu erwecken. Lemnitz hat aber die nötige Freude im Herzen und erinnert sich an den jugendlichen Überschwang des ersten Verliebtseins, um genau das richtige Maß an Wärme in ihre Stimme zu legen, das der jungen Breda zueigen ist.

Aber es gibt jede Menge griesgrämige Leute in dieser Geschichte. Allen voran der grüblerische Lord Sulis, der nach Dingen fragt und forscht, die besser verborgen blieben. Dann ist da das Kindermädchen Ulka, aber sie hat nichts melden, ebenso wenig Xanippa, das Kräuterweib, oder Valada, die falkenartige Hexe. Mögen sie auch lachen oder lästern und jammern, Lemnitz verleiht ihnen stets ein charakteristische Timbre in der Stimme.

Auf diese Weise kann man sie leicht auseinander halten. Nicht dass dies allzu nötig wäre, denn der Autor hat seine Geschichte sauber organisiert. Und da es sich um eine ungekürzte Textfassung handelt, wird jede Figur ordentlich eingeführt. Es gibt keine Überraschungen oder Verwirrung.

Leider gibt es vor, nach und während der Lesung keine Geräusche und auch keine Musik. Letztere würde gut zur zunehmend unheimlicheren Stimmung der Geschichte passen.

_Unterm Strich_

Aufgrund der erneuten, sorgfältigen Lektüre und des Anhörens des Audiobooks konnte ich mein früheres enttäuschtes Urteil über diese feine Erzählung gründlich revidieren. Innerhalb der Anthologie „Der 7. Schrein“ (s. o.) fiel mir die Novelle durch ihren pessimistischen Grundton auf. Das trifft aber nicht für den Ausgang der Ereignisse zu – so viel darf ich verraten. Die Religionskritik, die Williams darin untergebracht hat, ist nicht aufdringlich, sondern im Vordergrund steht stets das Schicksal der genau gezeichneten Menschen.

Anhand der oben genannten Beobachtungen halte ich die kleine Geschichte für einen sehr guten, unterhaltenden Kurzroman, der mit seinem Finale an gewisse Geschichten von Edgar Allan Poe und Geistesverwandten erinnert. Regina Lemnitz liest mit einer flexiblen und gut charakterisierenden Stimme, welche die Erzählzeit ebenso gut darzustellen versteht wie die erzählte Zeit. Ihre gereifte Stimme passt optimal zur Erzählerin Breda, die offenbar schon ein hohes Alter erreicht hat. Es ist, als lausche man einer uralten Kathy Bates, die sich als Märchentante betätigt.

|Originaltitel: The burning man, 1998
Aus dem US-Englischen übersetzt von Joachim Körber
149 Minuten auf 2 CDs|

Meyer, Stephenie – Bis(s) zum Morgengrauen (Bella und Edward 1, Hörbuch)

_Keusche Vampire und verliebte Jungfrauen_

Damit hat Bella, das Mauerblümchen, nicht gerechnet, als sie aus dem sonnigen Arizona in das verregnete Nest an der Nordwestküste umzog: Der Star der ganzen Klasse wirbt um sie. Edward Cullen sieht einfach fabelhaft aus, ist witzig und – gefährlich. Er fasziniert sie, obwohl hinter seinen veränderlichen Augen ein düsteres Geheimnis verborgen liegt. Wer ist er? Was meint er mit seiner Warnung: „Ich bin kein guter Freund für dich“? Doch bevor sie ihm auf die Spur kommen kann, ist es bereits um sie geschehen. Rettungslos hat sie sich in ihn verliebt. Und er? Hat er sie nur zum Fressen gern – oder steckt mehr dahinter? (abgewandelte Verlagsinfo)

_Die Autorin_

Stephenie Meyer, 1973 geboren, lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Arizona, USA. „Bis(s) zum Morgengrauen“ ist ihr erstes Buch und wurde 2008 unter dem Titel „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ verfilmt. Das Buch ist der Auftakt zu ihrer Vampirtrilogie. Außerdem veröffentlichte sie den Zukunftsroman [„Seelen“, 5363 den es ebenfalls als Hörbuch gibt.

Die Vampirquadrologie:

1) [Bis(s) zum Morgengrauen 4600
2) [Bis(s) zur Mittagsstunde 4647
3) [Bis(s) zum Abendrot 5456
4) [Bis(s) zum Ende der Nacht 5508

_Die Sprecherin_

Ulrike Grote spielte nach der Schauspielausbildung im Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und an der Wiener Burg. Seit 2001 ist sie in diversen Film- und Fernsehrollen zu sehen, wie etwa „Das Kanzleramt“ und „Tatort“. Seit 2003 arbeitet sie auch als Regisseurin. Für ihren Kurzfilm „Ausreißer“ gewann sie 2005 den Internationalen Studenten-Oscar in der Kategorie Bester ausländischer Film; ein Jahr später erhielt der Kurzfilm eine Oscar-Nominierung.

Regie führte Gabriele Kreis. Die Aufnahme erfolgte im Eimsbütteler Tonstudio, Hamburg, im Jahr 2007.

_Handlung_

Isabella Swan ist gerade mal siebzehn, als ihre Mutter Renee sie zu ihrem getrennt lebenden Vater Charlie schickt. Das bedeutet eine Reise aus dem sonnigen Phoenix, Arizona, ins regnerische Fawkes an der Nordwestküste. Charlie, der hier als Sheriff arbeitet, hat ihr einen gebrauchten Wagen gekauft, damit sie leicht zur Schule kommt. Bellas Haut ist elfenbeinweiß und ihr Körper von zarter Konstitution, außerdem, glaubt sie, hat sie zwei linke Hände und fällt über jedes Hindernis, das ihr nicht aus dem Weg geht.

|Die Schule|

Fawkes Highschool hat immerhin 358 Schüler, ist also recht groß. Die Verwaltung schickt sie in die nächste Klasse auf ihrem Stundenplan. Was man hier im Englischunterricht durchnimmt, kennt sie alles schon, und sie langweilt sich. Immerhin sind alle Klassenkameraden hilfsbereit und auskunftsfreudig. In der Schulkantine bemerkt sie eine abseits sitzende Gruppe von fünf Schülern. Sie essen nicht und reden nicht, diese drei Jungs und zwei Mädchen. Sehr merkwürdig. Alle sind kreidebleich, haben dunkle Augen mit Schatten darunter. Bella fragt nach ihnen und erfährt, dass die Fünf alle bei Dr. Cullen leben, einem brillanten Chirurgen in der Stadt. Er habe sie alle adoptiert.

|Ein seltsamer Mitschüler|

In der nächsten Stunde sitzt Edward Cullen neben ihr, hält aber Abstand zu ihr. Sein Blick scheint voller Abscheu zu sein, und kaum klingt die Glocke, verduftet er. Sie fragt ihren Mitschüler Mike Newton, ob sie etwas verbrochen habe. Natürlich nicht. Die Cullens sind alle etwas komisch. Mike ist sehr nett und hilfsbereit. Aber Edward ist interessanter. Als er am folgenden Montag wieder in die Schule kommt, hat er sich völlig verändert: Er ist nicht nur freundlich und zuvorkommend, sondern hat auch andere Augen. Waren sie zuvor schwarz, so sind sie nun ockerfarben, passend zu seinem rötlich blonden Haar. Leider sind seine Finger eiskalt, was Bella ziemlich nervös macht. So nervös, dass sie auf dem Schulparkplatz fast einen Unfall baut.

|Wundersame Rettung|

Am folgenden Tag liegt Glatteis auf den Straßen, doch ihr Wagen verfügt über Schneeketten. So vorsichtig wie möglich parkt sie auf dem Schulparkplatz ein und steigt aus. Auf einmal hört sie ein hohes Kreischen, und sie sieht, wie Edward sie anstarrt. Was ist los? Da erst sieht sie, wie ein Wagen unaufhaltsam auf sie zuschlittert und der Fahrer vergeblich versucht, den drohenden Crash zu vermeiden: Sie wird zerquetscht werden! Bella ist wie erstarrt.

Doch in Windeseile schnappt Edward sie aus dem Weg der Gefahr und schiebt sogar noch den anderen Wagen von ihr Weg. Ein Scheppern und Klirren signalisiert den Zusammenstoß. Edward beugt sich über Bella: Sie ist in Ordnung, aber auch völlig erstaunt über seine Rettungsaktion. In Nullkommanix liegt sie im Krankenhaus, wo sein Adoptivvater ihre Behandlung überwacht. Dr. Cullen sieht ebenso gut aus wie Edward. Aber ein paar Fragen drängen sich in Bellas Hirn und wollen ausgesprochen werden: Wie ist es Edward nur gelungen, so rasend schnell zu ihr zu gelangen und dann auch noch den heranrollenden Wagen zur Seite zu lenken? Edward vertröstet sie auf später. Erstmals träumt sie auch von ihm.

Bald ist Frühlingsball, und alle Schüler suchen einen Tanzpartner. Doch obwohl Bella von allen netten Jungs gebeten wird, gibt sie allen einen Korb. Doch der eine, dem sie zugesagt hätte, fragt sie erst gar nicht: Edward. Verdrossen behauptet sie, am Balltag in Seattle zu sein. Am nächsten Tag bietet er ihr an, sie dorthin mitzunehmen. Im Biologieunterricht kippt sie beim Anblick eines einzigen Blutstropfens um. Edward bringt sie zur Krankenstation. Mike ist eifersüchtig. Erst später erinnert sie sich, dass sie das Blut des anderen Patienten riechen konnte.

|Die Kalten Wesen|

Mike lädt sie und andere Freunde zu einer Strandparty an der Küste ein. Dort lernt sie ein paar junge Lapash-Indianer kennen. Der 15-jährige Jacob Black, der Häuptlingssohn, gefällt ihr besonders und es gelingt ihr, mit ihm allein spazierenzugehen. Er kennt die Cullens und erzählt ihr eine interessante Legende, die ihm sein Urgroßvater erzählte.

Als vor tausenden von Jahren die Sintflut die Landbrücke zwischen Asien und Alaska unterbrach, auf der die ersten Menschen nach Amerika gelangt waren, kamen neben den befreundeten Wölfen auch die „kalten Wesen“, die die Feinde der Wölfe waren. Sie waren immer selten, aber damit sie den Wölfen und Menschen nicht nachstellten, schloss sein Urgroßvater einen Pakt mit ihnen. Er würde sie vor den Weißen schützen, wenn sie dafür keine Menschen mehr jagten und aussaugten. Dieser Pakt gelte bis heute. Die Cullens seien eine größere Gruppe dieser kalten Wesen, und Carlyle Cullen ihr Anführer. Er sei sehr alt. Bella ist erschüttert. Auf was hat sie sich da bloß eingelassen?

Die Websuche nach dem Begriff „Vampire“ ergibt, dass es sowohl böse als auch gutartige Vampire geben soll. Die guten heißen stragorni benefici. Zu welcher Sorte gehört wohl Edward? Nun, er hat ihr immerhin das Leben gerettet. Wie böse kann er also sein? Und doch sagt er immer, es sei besser für sie, Bella, wenn sie nicht mit ihm befreundet sei. Doch sie verlieren will sie ihn auch nicht. Nicht mehr, denn sie ist bereits Hals über Kopf in ihn verliebt, ohne es gemerkt zu haben.

Sie ahnt nicht, welche Feinde ihr geliebter Edward hat und dass diese auch ihr gefährlich werden können.

_Mein Eindruck_

Na, das ist doch mal Vampirromantik, mit der auch zwölfjährige pubertierende Teeniegirls etwas anfangen können! Hier brauchten sie sich nicht den Kopf über das Ausgesaugtwerden zu zerbrechen und oder darüber, welche Folgen es haben könnte, mit einem solchen Vampir intim zu werden, von einem dicken Bauch ganz zu schweigen. Bei der Mormonin Stephenie Meyer sind die zahnlosen Vampire gesittet und rücksichtsvoll, die verliebte Heldin mit 17 Jahren immer noch Jungfrau und obendrein auf ihre Unschuld bedacht. Man kommt sich glatt ins viktorianische Zeitalter versetzt vor. Bei fundamentalistischen Christen in den USA und Keuschheitsfanatikern dürfte dieser Aspekt auf große Zustimmung treffen.

Edward ist in vielerlei Hinsicht ein Übermensch. Er kann ewig lange an sich halten und fällt nie über sein wehrloses Opfer Bella her. Er weiß ganz genau, dass sein Biss und Aussaugen das Einzige, was er liebt, zerstören würde. Na, das nenne ich einen rücksichtsvollen Gentleman. Eine seiner faszinierenden Eigenschaften als Angehöriger der Kalten Wesen, vulgo: Vampire, besteht darin, sein Opfer durch Schönheit und Pheromone anzuziehen und willenlos zu machen. Da hat er bei der schwachen Bella ja leichtes Spiel. Außerdem versteht er sich auch noch auf Telepathie und Fernortung. Kein Wunder, dass die junge Bella auf diesen Superman abfährt.

Für jugendliche Leserinnen besteht sicher ein großer Reiz darin, für den schönen und geheimnisvollen Edward zu schwärmen und mit Bella seine Geheimnisse zu ergründen. Aber man sollte auch beachten, dass Bella, die Heldin, aus einer zerbrochenen Familie stammt und nun in den Cullens eine Ersatzfamilie findet. Sie wird sozusagen adoptiert. Und das, obwohl Edward weiß, dass sie ein paar Eigenschaften hat, die sie ungeeignet machen: Sie ist zwar anämisch wie die Cullens, kann aber kein Blut sehen, ohne in Ohnmacht zu fallen. Die Cullens werden nicht nur eine Ersatzfamilie, sondern auch eine Sekte, denn sie ziehen Bella in einen eigenen Kreis von Lebensgesetzen und Beziehungen. Daraus resultiert der finale Konflikt.

Das Auftauchen „normaler“ Kalter Wesen rückt nämlich die wahren Verhältnisse zurecht: Die Cullens sind die Ausnahme, nicht die Regel. Sie sind die domestizierte, fast schon zivilisierte Variante der wilden Bestie. Der Grund dafür liegt offenbar in dem Pakt, den Jacob Blacks Urgroßvater mit ihnen abgeschlossen hat. Die Cullens jagen nur wilde Tiere wie etwa Bären statt Menschen.

Solche Skrupel haben ihre Feinde nicht. Diese entführen Bella kurzerhand, um alle möglichen schweinischen Sachen mit ihr zu machen, die sie nicht überleben dürfte. Klar, dass Edward & Co. nun zur Rettung eilen müssen. Ob sie noch rechtzeitig eintreffen können, soll hier nicht verraten werden, aber da die Serie ja noch weitergeht, ist wohl davon auszugehen. Auf dass irgendwann Hochzeit gefeiert werden kann.

|Die Sprecherin|

Ulrike Grotes Stärke ist die Umsetzung von Emotionen in Sprechweisen. Ihr fällt es leicht, eine Figur durch die Art, wie sie sich ausdrückt und in bestimmen Situationen verhält, zu charakterisieren. Edward ist meist sehr zurückhaltend, es sei, denn, er ist irgendwie besorgt oder verärgert. Bella hat sehr viel weniger Selbstbewusstsein gegen ihn aufzubieten, und so werden Ed und seine adoptierten Verwandten zu ihrer Ersatzfamilie.

Sehr lustig fand ich, wenn sie so nervös ist, dass ihre Stimme nur piepsig artikuliert werden kann. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auch schnippisch oder gereizt klingen kann. Je weiter die Handlung jedoch fortschreitet und sich ihrem dramatischen Höhepunkt nähert, desto tiefer werden Bellas Emotionen, so dass sie auch mal verzweifelt klingt. Das steht im Gegensatz zu dem meist beherrschten Edward, der nur selten besorgt oder zärtlich um sie bemüht klingt.

Mit der englischen Aussprache hat Ulrike Grote allerdings noch Probleme, wie so viele deutsche Sprecher. Schon in der ersten Viertelstunde verwirrte sie mich mit ihrer Aussprache von Bellas Nachnamen. Swan spricht sie nicht [swån] aus, sondern mit einem Ä: [swän]. Darauf muss man erst mal kommen.

Auch die korrekte Aussprache des Wortes „wilderness“ sollte Ulrike Grote noch lernen. Es sollte nicht [waild(e)nes] ausgesprochen werden, sondern mit einem i, also [wild(e)nes].

_Unterm Strich_

Auf der dargestellten Art von Schulmädchen-Vampirismus baut Stephenie Meyer ein romantisches Märchen auf, das nur in seiner eigenen abgeschlossenen Welt funktioniert. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange man das Märchen als solches erkennt: die Geschichte vom Aschenputtel, das den Prinzen kriegt, und was für einen! Den Wolf gibt’s nämlich gratis dazu.

Die Spannung ergibt sich zunächst aus dem Geheimnis, das Edward umgibt, dann aus der Frage, ob er Bella zu seinem Opfer machen wird, und schließlich aus dem finalen Konflikt mit den undomestizierten Kalten Wesen, bei dem Bellas Leben auf dem Spiel steht. Stets ist Bella das Zentrum des Begehrens, und die Frage kann nicht ausbleiben, was sie denn so ungeheuer besonders und anziehend macht. Diese Frage wird im ersten Band nur ansatzweise beantwortet, weitere Erklärungen müssen in den Folgebänden folgen.

Mich hat an diesem Plot am meisten die Lebensgeschichte der Cullen-Vampire interessiert. Carlyle, der Chef, stammt beispielsweise aus dem 17. Jahrhundert, einer Zeit zahlreicher religiöser Konflikte. Edward stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts und hat keine so interessante Zeit, bevor er zum Vampir wurde. Durch diese Biografien bekommt die abgedroschene Story eine historische Tiefe, die dem amerikanischen Leser wenigstens ein wenig Sinn für Geschichte und Herkunft vermittelt.

|Das Hörbuch|

Die Sprecherin Ulrike Grote verleiht den Szenen ihre emotionale Tiefe und erweckt die Figuren zum Leben, indem sie möglichst emotional vorliest. Zum Glück nicht so, dass sie übertrieben wirkt, sondern so, dass sie hinter den Figuren zurücktritt. Leider unterlaufen ihr Aussprachefehler, die mich etwas irritiert haben.

|Originaltitel: Twilight, 2005
Aus dem Englischen übersetzt von Karsten Kredel
471 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-89903-826-2|

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Die drei !!! – Kuss der Meerjungfrau (Folge 72)

Die Handlung:

Ein Unterwasser-Nixenfotoshooting im Aquarium! Kim kann ihr Glück über diesen Gewinn kaum fassen. Doch nach der Preisverleihung ereignet sich etwas Schreckliches im Aquarium: Bei einem Stromausfall wird eine Taucherin aus dem Reinigungsteam im Haifischbecken verletzt! Weitere merkwürdige Vorfälle machen die Detektivinnen stutzig. War das etwa gar kein Unfall? Die drei !!! ermitteln undercover … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Der weiße Hai – Teil 42“? Die drei !!! ermitteln under water? Klingt auf jeden Fall nicht nur spannend, sondern auch gefährlich. Das Shooting mit dem langen Namen hätte doch aber wohl nicht auch im Haifischbecken stattfinden sollen, oder? Franzi würde das sicher auch machen!

Aber, erst mal hinfahren, angucken und Gewinngutschein fürs Shooting abholen. Und im Anschluss eine kleine Backstage-Tour bekommen, inklusive Infos zu Kraken und Haien. Besonders die Tatsache, dass Haie entweder gar kein Menschenblut riechen können oder einfach nicht interessant genug finden, weil Menschen gar nicht ihre primäre Beute sind, fand ich sehr interessant. Das wusste ich auch nicht.

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Fünf Freunde und das rätselhafte Spukhaus (Folge 141)

Die Handlung:

In der Nähe von Kirrin wurde ein Spukhaus errichtet und der Erfinder sucht Leute, die das neue Freizeitangebot ausprobieren. Da lassen sich die Fünf Freunde nicht lange bitten. Das Haus ist voller rätselhafter Dinge, zwischen denen man sich auch schnell verirren kann. Als die Freunde plötzlich die Hilferufe einer älteren Dame hören, lassen sie nichts unversucht, um sie zu finden – und stoßen schon bald auf ein neues Rätsel: Im Zimmer von Mary Wilson wurde eingebrochen! Aus Sorge um die alte Dame gehen sie jedem Hinweis nach und kommen einem bösen Gauner auf die Schliche (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dieses Abenteuer klingt vom Klappentext her eher nach einem Fall für die Drei ??? (oder KIDS). Mal hören, ob in dem „Haus voller rätselhafter Dinge“ auch Escape Rooms und Rätseltexte zu finden sind.

Alle (bis auf Anne) sind begeistert und wollen direkt nach dem Frühstück hinradeln, um sich das Ganze mal anzuschauen. Laut George ist es ja nicht weit weg … „nur etwa eine Stunde mit dem Rad“ …

Fünf Freunde und das rätselhafte Spukhaus (Folge 141) weiterlesen

Arthur Machen – Das innerste Licht (Gruselkabinett Folge 158)

Verbotene Experimente: Der Teufelsdoktor

London 1894: Was hat es mit dem Verschwinden der bildschönen Agnes Black auf sich, die angeblich Opfer eines Verbrechens wurde? Der Schriftsteller Dyson wittert eine spannende Geschichte und kommt einem teuflischen Seelenhandel auf die Spur… (Verlagsinfo)

Der Autor
Arthur Machen – Das innerste Licht (Gruselkabinett Folge 158) weiterlesen