Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Untergang des Hauses Usher, Der (POE #3)

_Von Wahnsinn und Inzest_

Diese CD ist Teil 3 der Lübbe-Hörspielserie mit Geschichten von Edgar Allan Poe. Obwohl es kaum Action gibt, ist der Gruseleffekt dennoch recht groß.

|Der Autor|

Edgar Allan Poe (gestorben 1849) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Er gab verschiedene Zeitschriften heraus, veröffentlichte aber nur wenige eigene Werke in Buchform, sondern sah seine Geschichten und Gedichte lieber in Zeitschriften gedruckt. Er starb im Alkoholdelirium. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

Mehr Informationen bei [wikipedia]http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar__Allan__Poe.

|Die Sprecher|

Ulrich Pleitgen spricht die Figur des „Fremden“, der den Namen E.A. Poe annimmt.
Dr. Templeton: Till Hagen
Roderick Usher: Klaus Jepsen
Lady Madeline Usher: Viola Morlinghaus
Diener Brandan: Thomas B. Hoffmann
Gedicht am Anfang/Lied am Schluss: Heinz Rudolf Kunze

_Handlung_

Vorgeschichte: Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert wurde und nach zehn Wochen kürzlich entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Mittlerweile befindet sich E. A. Poe auf dem Weg zur Westküste, wo er ein Schiff in den Fernen Osten zu besteigen gedenkt. Bevor es abfährt, steigt er in einem Hotel am Hafen ab, wo er wie schon in Teil zwei Briefe seines Psychiaters Dr. Templeton erhält. Dieser berichtet von einem Zeitungsartikel über eine getötete Sheila Coyle. So hieß die junge Frau in „Die schwarze Katze“.

Der Wirt warnt „Allan“ vor einem Ritt zu jenem „See der Träume“, der in der Nähe liegt und der angeblich schon so manches ahnungslose Opfer in seine dunklen Tiefen gelockt habe. Darunter sei auch eine junge Frau gewesen. „Allan“ reitet dennoch unerschrocken auf die Heide und passiert prompt den See, der ihn in seinen Bann zieht …

In der dritten Folge kehrt der Erzähler aufgrund eines Briefes zurück zu einem Jugendfreund Roderick Usher, der einsam mit seiner Schwester Lady Madeline auf seinem Landsitz lebt. Aber in dem herrschaftlichen Haus, das verwahrlost mitten in einem ausgedehnten Moorgebiet liegt, geschehen seltsame Dinge. Roderick kann sich an den Brief nicht erinnern. Hat ihn wirklich sein Jugendfreund eingeladen oder war es vielmehr Lady Madeline, Rodericks Schwester? Warum ist außer dem Butler Brendan kein Personal im weitläufigen Haus?

Eines Abends, als Gäste zum Dinner erwartet werden, ruft man ihn in das nächste Dorf. Angeblich ist der Hufschmied vom Pferd gefallen und benötige einen Arzt. Roderick bittet „Allan“, sich seiner medizinischen Vergangenheit zu erinnern und einzuspringen. Doch auf halbem Wege kehrt er, nachdem der Sohn des Schmieds die Nachricht als Unwahrheit entlarvt hat, um … und erlebt den Untergang des Hauses Usher.

Denn Roderick ist vor Trauer um bestimmte verstorbene Frauen offensichtlich dem Wahnsinn verfallen. Sein Geigenspiel ist amelodisch und zeugt von tiefer Schwermut, sein Orgelspiel erinnert an „Dies irae, dies ille“. Und doch redet er völlig klar und verständlich, als er „Allan“ mitteilt, Lady Madeline sei gestorben. Allan, der total verwirrt und geschockt ist, und Roderick tragen sie in die Gruft der Ahnen. Merkwürdig: Dort liegt noch eine andere Frauenleiche, mumifiziert und noch im Tode schön … Was und wer ist Roderick Usher wirklich?

_Mein Eindruck_

Ohne die Musik würde diese Episode kaum funktionieren. Deshalb müssen Musik und Soundeffekte enorm suggestiv wirken, um die Geschichte halbwegs plausibel werden zu lassen. Denn der Horror, den sie entfaltet, ist vollständig innerlich.

Ushers wahnwitziges Geigenspiel, das sich zu unglaublichen Höhen aufschwingt, ist ebenso ein Hinweis auf sein verwirrtes Gemüt wie sein bombastisches Orgelspiel, das vom „Tag des Zorns“ kündet, sprich: vom Tag des Untergangs des Hauses Usher. Wobei „Haus“ sowohl das Gebäude als auch die Familie meint. Hinzu kommen wieder einmal effektvolle Bässe, die von einem Tieftöner (Subwoofer) adäquat umgesetzt werden sollten.

|Die Bedeutung|

Das Haus Usher ist ein Geisterhaus (so sehe ich das). Das Problem, das Allan zunehmend erkennt, besteht darin herauszufinden, wer die Lebenden sind und wer die Toten. Das Haus steht für das Grenzreich zwischen Leben und Tod, eine Zone, in der die Einbildungskraft eine entscheidende Große spielt. Roderick stellt sich beispielsweise jenes Dinner vor, von dem Madeline spricht, und ebenso die Gäste beim Dinner. Die Frage ist berechtigt, was sich Madeline vorstellt – und was Allan?

Möglicherweise ist die Geschichte, in der das dekadente Haus (Familie) der Ushers (der Willkommenheißenden) erst dem Wahnsinn und dann buchstäblich (= Gebäude) den Flammen zum Opfer fällt, ein Symbol für das europäische Erbe, das die Vereinigten Staaten mit sich herumschleppten, als Poe die Story schrieb. Vielleicht will er sagen: Verbrennt die Brücken, wenn ihr kraftvoll und ungehindert leben und die Neue Welt erobern wollt. (Warum „dekadent“?, könnte man fragen. Nun, schon Poe deutet an, dass die Beziehung zwischen Roderick und Madeline ein wenig intimer ist als platonische Liebe. Sie begehen die Ursünde des Inzests.)

Das Gleiche tut die Gestalt des E. A. Poe in dieser Hörspielserie: Er löst sich von seiner Vergangenheit, nachdem er einen „schweren Unfall“ erlitten und zweieinhalb Monate in der Irrenanstalt verbracht hat. Im vierten Teil vollzieht er die Trennung, besteigt ein Schiff und segelt noch weiter westwärts, in den Fernen Osten.

|Die Sprecher|

Da diese Episode sehr wenig Action aufweist, kommt es darauf, die wichtigen Informationen über das gesprochene Wort und die Musik zu transportieren. Die Musik wurde bereits vorgestellt. Der Text wird von kompetenten Sprechern umgesetzt: Pleitgen spricht Poe bzw. „Allan“, wie Usher ihn nennt. Viola Morlinghaus, die fabelhafte Berenike in „Grube und Pendel“, haucht Lady Madeline (buchstäblich) Leben ein.

Der beste Sprecher ist diesmal jedoch Klaus Jepsen, die deutsche Stimme von Bilbo Beutlin. Er spielt den wahnsinnigen Usher nicht übertrieben, so dass die Ver-rücktheit anfangs nicht zum Ausdruck kommt (das besorgt sein Geigenspiel). Der Wahnsinn wird erst gegen Schluss offenbar, nach Lady Madelines „Tod“.)

Alle Dialoge wurden im Dolby-Digital-Verfahren aufgenommen. Wer also über eine entsprechende Anlage verfügt, etwa einen DVD-Player mit DD5.1-Wiedergabe, der hört die Dialoge genau so, als würden sie in einem dreidimensionalen Raum gesprochen werden. (Meine Heimkinoanlage steuerte dabei die 2 hinteren Lautsprecher nicht an.)

|Die szenische Musik|

Die Musik ist diesmal, wie gesagt, von höchster Bedeutung, um das innere Grauen, das sich aufbaut und steigert, hervorzurufen. Ein Filmorchester, eine Kantorei, ein Streichquartett, die Solovioline und Singende Säge (Chr. Zimbel), Orgel und Klavier (Peter Jackson – der ist wirklich überall) sowie Vocalisen (Gaby Bultmann) liefern alle einen Beitrag, um die Stimmung zu erzeugen, die für die Wirkung der Geschichte entscheidend ist. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet und könnte kaum besser sein.

|Der Song|

Das Stück klingt wieder mit H. R. Kunzes Lied über E. A. Poe, „Der weiße Rabe“, aus. Es ist quasi eine Moritat, die versucht, diesen Dichter als Warner seiner Zeitgenossen in einen soziokulturellen Kontext zu stellen. Der Fünf-Minuten-Song ist zwar textlastig wie jede Moritat, aber stimmungsvoll instrumentiert und vorgetragen: schön schräg intoniert, mit „singender Säge“ unterlegt und wohligen Schauder erzeugend.

_Unterm Strich_

Anders als in „Grube und Pendel“ oder „Schwarze Katze“ passiert in „Usher“ relativ wenig, das dazu beitragen könnte, dem Zuhörer eine rationale Erklärung für die Vorgänge zu liefern. Im Gegenteil: Da sich die Geschichte der rationalen Erklärung verweigert, wirkt sie für den Unvorbereiteten ganz einfach langweilig. Es ist von äußerster Wichtigkeit, genau zuzuhören, weil viele Indizien aus der Vergangenheit herangezogen werden. Und erst, wenn man das Hörspiel mindestens zwei- oder dreimal gehört hat, erschließt sich einem die Bedeutung der letzten Szenen im Usher-Stammsitz.

Ein gute Soundanlage ist wichtig, um den optimalen Eindruck dieses Hörspiels zu erhalten, mehr noch als bei den anderen Episoden. Wer einmal das Geigensolo und die Orgelpassage ordentlich laut gehört hat, weiß, wie es um Roderick Ushers Gemüt bestellt ist: gar nicht gut.

|Umfang: 61 Minuten auf 1 CD|

Michalewsky, Nikolai von / Redeker, Jochim-C. / Weymarn, Balthasar von – Mark Brandis: Aufstand der Roboter (Hörspiel, Folge 4)

_Spannend: Entscheidungskampf gegen die Klon-Armee_

Das Jahr 2121: General Gordon B. Smith beherrscht nach seinem Putsch die Erde und die Venus – bei seinem Aufstieg zur Weltherrschaft stehen ihm nur noch die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) im Weg. Die Aufrüstung für einen Krieg mit den VOR läuft auf Hochtouren. Smith hat einen Plan, wie er den Frieden nach innen und die Überlegenheit der Union gegenüber den Republiken sichern will.

Ein Jahr ist die |Delta VII| seit dem „Unternehmen Delphin“ schon in den Weiten des Sonnensystems unterwegs, ohne Stützpunkt und immer auf der Flucht vor Smiths fanatischer Sekte, der „Reinigenden Flamme“, die sie unerbittlich jagt. Der Hunger treibt Commander Mark Brandis und seine Besatzung zu einer aufgegebenen Raumstation. Dort entdecken sie das grausame Geheimnis Smiths, das dem Bürgerkrieg eine neue Wendung geben kann …

Dieses Hörspiel schließt den „Bürgerkriegs-Zyklus“ in der Mark-Brandis-Serie ab.

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“ 4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“ 5013
Folge 3: [„Unternehmen Delphin“ 5524

_Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:

Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis
Wolf Frass: Prolog, Samuel Hirschmann
Fang Yu: VOR-Minister Tschou Fang-Wu
Martin Wehrmann: Lt. Iwan Stroganow
Christine Mühlenhof: Bordcomputer CORA
Holger Umbreit: Cpt. Robert Monnier
Rasmus Borowski: Lt. Antoine Ibaka
Christian Rode: Gen. Gordon Smith
Martin Kunze: Col. Maxime Larriand
Gerhart Hinze: John Harris
Esther Schramm: Cpt. Karen Danielson
Werner Möhring: Lt. Michael Horstmann
Dorothea Anna Hagena: Ruth O’Hara
Dennis Bruhn: Sgt. Fahrettin Kemal
Joachim-C. Redeker: Homo factus
Michael Westphal: Cpt. Martin van Kerk
Und weitere.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky.

_Hintergrund und Vorgeschichte_

Die Mark Brandis-Hörspielreihe begann 2005-2007 mit [„Bordbuch Delta VII“. 4995 Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;

* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

* Computer müssen nicht jedes Mal neu programmiert werden, sondern kümmern sich selbständig um ihre Aufgaben (daher kein „Technobabble“). |Delta VII| besitzt eine sprechende „Persönlichkeit“ mit dem Namen CORA, die von jedem Ort im Schiff aus zu erreichen ist;

* Die |Delta VII| besteht aus Brücke, Aufenthaltsraum/Messe, Maschinenraum und den Quartieren, dazu noch zwei Schleusen (Hauptschleuse kielseits und Dingischleuse deckseits); sie ist außerdem kein raketenartiger Vertikalstarter mehr;

* Mark Brandis und Ruth O’Hara können sich „Videobriefe“ schreiben; sog. Homeservice-Tapes (erinnert sich hier wer an „Das Arche Noah-Prinzip“?***) und sind bereits verheiratet, dafür hat Lt. Antoine Ibaka seine Frau Lydia erst auf der Venus kennengelernt;

* Die Geschichte ist gestrafft – so beginnt sie bereits mit dem Anflug auf die Erde (statt dem Anflug auf die Venus);

* Die „Reinigende Flamme“ hat bereits einmal (vor dem ersten Band) versucht, die Macht in der EAAU zu übernehmen. Da dieser Putsch damals vereitelt wurde, sind Mitglieder der Regierungen der Bedrohung gegenüber nachlässig geworden;

* Tom Collins‘ Rolle als Wegbereiter Smiths ist ausgedehnt;

* Alexander Repin ist nicht „Vorsitzender des Rates für Innere und Äußere Sicherheit“ auf der Venus, sondern Gouverneur;

* Die Venus leitet Energie aus dem Treibhauseffekt per Fernübertragung an die Erde;

* |Delta VII| kann in der SK-Konfiguration bis zu acht schwere Raketentorpedos neben den Energiewaffen abfeuern;

* Robert Monnier hat eine medizinische Zusatzausbildung;

* Die Technik der Gehirntransplantation (Brigadegeneral Rodriguez) ist durch ein verfeinertes Scanning-Verfahren ersetzt;

* Der Frachterkapitän Nelson (vgl. Aufbruch zu den Sternen) hat eine Tochter, die als Reporterin arbeitet.

***: Am Anfang seiner Spielfilmkarriere ging es Roland Emmerich um eins: Um die Umwelt. Das ARCHE NOAH PRINZIP (1984) könnte man als Öko-Klimakatastrophen-Science-Fiction-Thriller bezeichnen.

|Die Venus-Kolonie|

Die Chinesen errichteten auf dem Mars die erste Kolonie, deshalb wollte die westliche Union lieber die Venus besiedeln. Erst mit der Entdeckung einer chemischen Konstante Mitte des 21. Jahrhunderts gelang ein Durchbruch, und seither macht die Zersetzung von Schwefelsäure und Kohlendioxid in der Venus-Atmosphäre Fortschritte, wird aber erst Ende des 22. Jahrhundert abgeschlossen sein. Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur von zunächst 450 °C und der langen Venustage (1 Tag entspricht 5832 Stunden) war und ist eine Besiedlung nur in Polnähe möglich. Bis 2095 wurde eine Strafkolonie unterhalten. Ein Schirm wurde errichtet, Forscher und Zivilisten folgten. Bodenwärme wurde in Energie umgewandelt, und die Venuskolonie prosperiert. (aus dem Booklet, abgewandelt)

_Handlung_

Sieben Monate und zwei Wochen ist die |Delta VII|, das schnellste Raumfahrzeug im Sonnensystem, bereits unterwegs, stets verfolgt von den Schergen des Generals Gordon Smith, der Sekte, die sich „Reinigende Flamme“ nennt. Inzwischen hat die Besatzung nur noch für zwei Tage Wasser übrig. Das Wasser ist streng rationiert. Lt. Antoine Ibaka, der Bordingenieur, hat Fieber und braucht medizinische Hilfe. Lt. Iwan Stroganoff, dem Navigationsoffizier, gelingt es auf geniale Weise, eine verlassene Raumstation zu orten. Sofort fliegen sie nach Astrostad.

Brandis und Danielson dringen in die Station ein – und stoßen auf einen Scatz: Massen von Nahrungsmitteln und Getränken. Doch der Hort hat einen Wächter: einen geklonten Menschen, einen homo factus. In einer wilden Schießerei können sie ihn unschädlich machen. Jetzt wissen sie, dass diese Station der Reinigenden Flamme gehört. Aber wozu diente sie? Eine Woche später geht es Ibaka wieder gut und er findet einige Fakten darüber heraus.

Der homo factus ist eine aggressive Züchtung, um den Feind mit geballter Feuerkraft als loyale Einheit anzugreifen. Das Geheimnis: Die Persönlichkeit eines Originals wird gespeichert (wobei das Original zerstört wird) und beliebig weiterkopiert, wobei weitere Originale zerstört werden. Auf diese Weise lassen sich von Tausenden von – meist gezüchteten – Originalen in Windeseile Kopien von wenigen, natürlich loyalen Dienern des Generals erzeugen. Im Handumdrehen hat der General eine Armee. Aber es gibt eine Achillesferse in diesem Plan. Brandis findet dies extrem schaurig und will dem Spuk ein Ende machen. Doch der Weg dorthin verläuft ganz anders, als er erwartet hat …

Sobald er wieder Kontakt zur Erde hat, erfährt er, dass jetzt sein alter Kommandeur John Harris das Amt des Präsidenten innehat. Harris befiehlt ihm, einen Konvoi des Gegners abzufangen, der etwas sehr Wichtiges von der Venus zur Erde bringen soll. Diese Fracht ist an Bord der |Najade|. Als Brandis mit einem VOR-Kreuzer den Konvoi angreift, erschallt jedoch die Stimme seiner Frau Ruth O’Hara im Kopfhörer: Sie ist eine Geisel des Feindes! Und sie ist in Lebensgefahr!

Dennoch fragt sich Brandis, ob es sich die VOR-Kräfte leisten können, einen kriegswichtigen Konvoi passieren zu lassen, dessen Fracht womöglich über den Ausgang des Krieges entscheidet. Brandis befiehlt, den Angriff fortzusetzen. Es ist die richtige Entscheidung, wie sich am Ende zeigt …

_Mein Eindruck_

(Für den weiteren Text setze ich die Kenntnis der Hintergrundinformationen voraus.)

So eine Raumschlacht ist schön und gut, wenn sie in einer Space Opera auftaucht, die sich über mehrere Folgen hinzieht. Da ist jeder Actionhöhepunkt willkommen. Zum Glück besteht die Handlung keineswegs aus Raumschlachten: Das Geballer könnte einfach zu dumpfsinnig erscheinen. Deshalb haben der Autor und die Hörspielmacher dafür gesorgt, dass immer wieder sehr ruhige Passagen folgen, in denen sich sowohl der Verlauf der Handlung ändert als auch ein Licht auf die Welt geworfen wird, in der die Handlung angelegt worden ist.

Es ist eine Welt, in der ein einziger Despot sich anschickt, eine faschistische Diktatur zu errichten. Obwohl schon eine sektenartige Organisation nach Vorbild der SS ihm dient, baut er noch eine Armee aus Klonen auf, die alle das Gleiche denken. Diese roboterhafte Armee aus Gleichgeschalteten erinnert ebenfalls an Hitlers Drittes Reich. Der Gipfel der Perfidie: Der homo factus soll über den homo sapiens Mark Brandis ein Urteil fällen.

Diese Gerichtsfarce ist eine spannende Szene, denn Brandis stellt die Prämissen des homo-factus-Klons in Frage, so dass deren Absurdität offenbart wird. Diese Szene ist ein Wendepunkt des Hörspiels, denn nach der Verkündung des Todesurteils gegen Mark & Co. findet ein unerwarter Aufstand statt – ausgerechnet unter den Massen des homo factus. Die Ursache soll hier aber nicht verraten werden, um die Spannung nicht zu zerstören.

Der Showdown mit dem General bildet den finalen Höhepunkt des Hörspiels, danach folgen nur noch mehrere Epiloge, die den Zuschauer sich entspannen lassen. Der Showdown ist folgerichtig eingefädelt. Wenn der General sich selbst auf die empfangsbereiten homines facti überträgt, kann es zu keinen Loyalitätskonflikten mehr kommen. Entscheidend ist nun, dass Mark diese Übertragung rechtzeitig verhindert. Dies gelingt natürlich erst in allerletzter Sekunde. Aber bedeutet dies auch die Rettung der VOR? Weiterhören!

Einziger Schönheitsfehler dieser Produktion: Die Roboter aus dem Titel kommt nicht vor. Aber das ist vielleicht Definitionssache. Der Aufstand findet unter dem homines facti statt. „Ob nun Klon oder Roboter, wo ist der Unterschied?“, mag man sich fragen. Für mich liegt ein himmelweiter Unterschied zwischen einem mechanischen Konstrukt und einer biologischen Züchtung. Von den zahllosen Fehlerquellen beim Klonezüchten mal ganz abgesehen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Wurden in den anfänglichen Folgen Sprecher zu Lieferanten von Sprechblasen degradiert, so trifft dies zu meiner positiven Überraschung seit Folge drei nicht mehr zu. An mehreren Stellen finden sich ausgezeichnete, längere Dialoge. Der beste ist sicherlich jener, in dem Brandis Abschied von Ibaka nehmen muss. Ibaka ist verletzt und zieht den Freitod vor, der seinem Volk nützt. Hier mischen sich Trauer, Betroffenheit und Hoffnung zu einem bewegenden Gesamteindruck.

Auch das Wiedersehen Marks mit seiner Frau ist ähnlich schön gestaltet, allerdings viel kürzer. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, als wäre dieses Szene nur dazu da, um Minuten zu schinden. Sie ist vielmehr der private Höhepunkt des Geschehens für Mark, die Hauptfigur, und insofern unerlässlich.

Diese Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über Krieg und Frieden sowie den Tod von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist nun mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert. Auch Gewaltszenen an Bord von Raumfahrzeugen sind nicht selten. Der Gewalt geht ohne Ausnahme eine verbale Auseinandersetzung voraus, und sie hat immer personelle Konsequenzen. Daher ist Gewalt nicht um ihrer selbst willen inszeniert, sondern hat eine durchaus einsehbare Funktion.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Delta VII| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleuse. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Ungewöhnlich sind eher Sounds, die an das Brutzeln von Eier erinnern, an stockende Sounds – das lässt aufhorchen. Hier haben die Macher dazugelernt. Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Ich fand es beispielsweise ungewöhnlich, eine Episode ohne jedes Wort beginnen zu lassen, sondern eine Minute lang Töne zu kombinieren, so etwa Delphinpfeifen und ähnliches.

Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s „Perry Rhodan“ kann in dieser Liga mitspielen. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den Intermezzi. Ganz am Schluss erklingt ein flottes Crescendo, das den Ausklang zu dieser enorm langen Episode bildet.

Danach folgt nur die Absage, bei der der Sprecher sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufzählt. Den Abschluss bildet der Hinweis auf die nächste Folge mit dem Titel „Testakte Kolibri“. Die dynamische Hintergrundmusik stimmt den Zuhörer erwartungsfroh. Ich kann es kaum erwarten.

|Das Booklet|

Das achtseitige Beiheft erzählt dem Hörer, was bisher geschah: Das wurde in „Bordbuch Delta VII“, „Verrat auf der Venus“ sowie „Unternehmen Delphin“ berichtet. Eine weitere Seite listet astronomische und andere Begriffe auf.

Die mittlere Doppelseite liefert Kurzbiografien von:
Prof. Dr. Juan Segovia
Cpt. Martin van Kerk (SR)
Lt. Michael Hartmann (SR)
Sgt. Konstantinos Simpopoulos (SR)

Die nächste Seite enthält einen Auszug aus der „Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten“, worauf die Macher etwa Werbung für Ihren VEGA-Shop und dessen Produkte machen: T- und Sweatshirts sowie ein Kaffeebecher sind das bescheidene Angebot. Die letzte Seite bringt Infos zu den Machern (siehe oben). Die Rollenliste ist auf dem Rückcover der Jewelbox abgedruckt, ebenso die Kapitelüberschriften.

_Unterm Strich_

Ähnlich wie manche Handlungsstränge der „Perry Rhodan“-Hörspiele greift auch die Mark-Brandis-Serie politische Themen auf statt nun auf die Karte der abenteuerlichen Erforschung fremder Welten zu setzen. Das finde ich schon mal sehr löblich, denn so kann der Hörer die gezeigten Vorgänge mit seinen eigenen sozialen und politischen Verhältnissen vergleichen und sie, mit etwas Verstand, auch kritisch bewerten.

Unterschwellig warnt der Autor dieses Stoffes vor einer faschistischen Diktatur. Die Handlung präsentiert keine einfachen Lösungen, so etwa wenn sich Brandis zwischen dem taktischen Vorteil und dem Leben seiner Frau zu entscheiden hat. Auch Gewalt ist nie die Lösung, sondern das Problem, so als Lt. Ibaka den Kommissars, der seine Frau hinrichten ließ, nicht nur niederschlägt, sondern auch noch vorsätzlich tötet.

Die spannende Frage ist nun, ob Ibaka mit der Tötung eines Feindes davonkommt oder vors Kriegsgericht gestellt wird. Beides ist der Fall, doch das ist beileibe nicht das Ende vom Lied, denn sonst käme ein Soldat ja mit jedem Mord durch. Das ist nicht die Moral, die der Autor hier vorbringt. Und so hat Ibakas Tat noch ein bitteres Nachspiel.

|Das Hörspiel|

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den ersten Folgen wurden nun mindestens zwei größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann.

Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

Hinweis: Die Fortsetzung trägt den Titel „Testakte Kolibri“.

|80 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-88698-436-7|
http://www.sprechendebuecher.de
http://www.markbrandis.de
http://www.interplanar.de

Classic Shop

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Fall Valdemar, Der (Poe #24)

_Jack Sparrow lässt grüßen!_

Die Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten Poe zu Gehör.

Ein geheimnisvoller Schlafwandler kommt Poe und Leonie auf der Seucheninsel zu Hilfe. Doch Dr. Baker besitzt mehr Macht, als sie beide wissen können. Das geplante Tauschgeschäft wird für Poe zum Albtraum.

Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 23 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein

Nächste Staffel (02/2008):
#26: Der Kopf des Teufels
#27: Der Mann in der Menge
#28: Die Flaschenpost
#29: Landor’s Landhaus

Das Taschenbuch ist unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.

_Die Inszenierung_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Kapitän Hardy: Jürgen Wolters
Pater O’Neill: Jaecki Schwarz
Anna Rogêt: Clara Nicolai
George Appo: Gerald Schaale (Andy ‚Lorne‘ Hallett in „Angel“, Matt Craven)
Rick Ellis: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan)
Edward Bunting: Hasso Zorn (David Kelly)

Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Laurie Randolph, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.

|Das Booklet|

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Eingangs gibt es einen mittlerweile recht umfangreichen Abriss der Vorgeschichte der Episode. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E. A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon zwanzig Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.

Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal. Daher noch ein wenig mehr Inhaltsangabe:

|Episode 21:|

Kapitän Hardy, der süffelnde Kommandant des untergegangenen Segelschiffs „Independence“, hat Poe geraten, sich vor seinem unsichtbaren Verfolger ein gutes Versteck zu suchen. Wie wär’s mit dem Totenschiff der Armen, das im nördlichen Hafen New Yorks vor Anker liegt? Die „Rachel“ durchsucht bestimmt keiner. Gesagt, getan.

Allerdings macht dieser abgetakelte Segler keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Der einzige Lebende an Bord ist der alte Ismael. Als Poe ihm zwei Flaschen guten Whiskys in die Hand drückt, ist er überredet: Poe darf frei logieren. Ismael warnt ihn aber vor den Ratten, die recht groß werden können. Und eine der Türen sei für ihn verboten, da habe er keinen Zutritt. Alles klar? Alles klar.

Ismael geht von Bord, denn er wolle einen Freund besuchen. Auf Blackwell Island (dort liegt Dr. Bakers Klinik!) sei die Cholera ausgebrochen, und schon bald werde es die ersten Leichen abzuholen geben. Wenig später kommt Leonie Goron an Bord. Zusammen machen sie hinter der verbotenen Tür eine grausige Entdeckung.

|Episode 22:|

Leonie und Poe gelangen durch die Hilfe von George Appo, Kapitän Hardy und den Wirt Rick Ellis auf Blackwells Insel, die im East River liegt. Ihre erste Begegnung mit Pater Bunting ist kurz, denn er stirbt schon bald an der Seuche, die hier grassiert …

|Episode 23:|

Der Besuch im Asyl führt beinahe dazu, dass Poe durch Elektroschocks sein Gedächtnis verliert. Nur das beherzte Eingreifen Leonies rettet ihn, doch sie müssen in das Dorf der an der Seuche Erkrankten fliehen, wo nur König Pest herrscht. Und ihm entkommt man nur als Leiche, oder?

_Handlung von Episode 24_

Poe hat drei Tage Zeit, um in New York das Gegenmittel für die Seuche zu beschaffen, die Leonies Leben bedroht. Sie hat bereits mit dem Leben abgeschlossen, als ein Herr Valdemar auftritt und Poe einen kühnen Plan vorschlägt. Er selbst sei gegen die Seuche bereits immunisiert und wolle den Experimenten Dr. Bakers entkommen. Baker behandle seine, Valdemars, somnambule Anfälle, aber auf so grausame Weise, dass Valdemar ihm entkommen will.

Am Abend haben sie genügend Treibgut zusammengetragen, um ein behelfsmäßiges Floß zu basteln. Damit wollen sie sich an den Patrouillenbooten vorbeischmuggeln, die den Weg nach New York blockieren. Ein Feuer im Seuchendorf lenkt die Wärter wie auch König Pest von ihrer Abfahrt ab. Auf das Floß haben sie Leonie gebunden.

Kurz bevor sie die Kräfte verlassen, greift ein Fischerboot sie auf. Kapitän Starling ist stolz auf seine Abstammung von einem gewissen Jack Sparrow, seines Zeichens Pirat. Doch er will das Boot keineswegs zum Hafen lenken, sondern ist auf dem Weg zu Fischgründen. Poes Hoffnung schwindet völlig, das Gegenmittel binnen drei Tagen zu beschaffen. Doch in der Nacht wendet sich das Blatt …

Poe träumt von einer blutigen Mörderhand und glaubt, an Deck Geräusche, Rufe und Schreie zu vernehmen. Das Kribbeln in seinem Kopf ist heftig, eine geistige Verbindung ist hergestellt worden. Als sie endet, geht Poe am nächsten Morgen an Deck. Er macht eine grausige Entdeckung.

_Mein Eindruck_

Was für ein blutige Episode! Zum Glück erlebt Poe das Gemetzel nur durch die undeutliche Vermittlung der telepathischen Verbindung, die er ab und zu mit dem mysteriösen Anstaltinsassen hat. Als er an Deck geht, ist das wahre Ausmaß der empfangenen Szenen zu besichtigen: Das Blutbad ist nicht nur umfassend, sondern auch noch höchst real!

Erstaunlich ist die Gemütsruhe, zu der Poe wenig später zurückfindet, müsste ihm doch sein neuer Mitpassagier höchst unheimlich vorkommen. Die bewusstlose Leonie hat von alldem nichts mitbekommen, was wohl ganz gut ist. Sie wird nach einem actionreichen Gefecht auf der New-Jersey-Seite des Hudson River ins Krankenhaus nach New York gebracht. Bei diesem Gefecht hatte ich den Eindruck, dass die Macher der Hörspielreihe „Geisterjäger John Sinclair“ ihren Einfluss schon seit geraumer Zeit geltend machen: Die Action ist von realistischen Geräuschen begleitet, die das Geschehen noch eindrücklicher wirken lassen. Zwar spritzt nicht allenthalben das Blut wie bei Sinclair, aber Schläge werden durchaus freigiebig ausgeteilt.

Wie verhält es sich nun mit dem „Fall Valdemar“? Viel ist von der originalen Poe-Erzählung nicht übrig geblieben, bis auf den horriblen Schlusseffekt jener Story: Mr. Valdemars Körper zerfällt zu Staub. Der Arzt erklärt, es habe sich bei ihm nur um eine „Scheinlebendigkeit“ gehandelt, das Gegenstück zum „Scheintod“, und Valdemar wurde nur durch den Willen aufrecht und am Leben erhalten. Wie so vieles bei Poe kann man das glauben oder auch nicht.

Auch in diese Folge haben die Macher wieder einen Insider-Witz eingebaut, vielleicht um zu testen, ob die Rezensenten die Folge überhaupt ganz angehört haben. Wie auch immer es sich damit verhält, so dürfte doch wohl jedem Hörer auffallen, dass die Rede von einem gewissen Jack Sparrow ist, der seines Zeichens als Pirat die Karibik unsicher gemacht habe. Kapitän Starling ist zum Glück nicht verwandt mit Clarice Starling aus [„Das Schweigen der Lämmer“, 354 aber wenn man das Blutbad berücksichtigt, dann sind Hannibal Lecters „Heldentaten“ und diese Poe-Folge nicht weit voneinander entfernt.

_Die Inszenierung_

|Musik und Geräusche|

Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.

Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Wie schon durch den Hinweis auf „Geisterjäger John Sinclair“ klar sein dürfte, umfasst die actionbasierte Geräuschkulisse recht häufig Schlagen, Schreien, Rufen, Gurgeln, Lachen und Dröhnen. Flammen prasseln, Pferde wiehern, Wasser zischt – das volle Programm. Wenn alle Schreie wieder verklungen sind, erklingen wieder Glocken, wie in fast jeder Episode.

Auf die Dreidimensionalität wurde stärker geachtet: Stimmen von links und rechts, in der Ferne (leiser) und im Vordergrund (lauter), ja sogar innerer Monolog (spezielle Musikuntermalung mit ausgeblendeten Geräuschen) vermitteln den Eindruck einer Welt, in der sich ein Betrachter wie im Zentrum des Geschehens fühlen könnte.

Die Musik hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Die Musik rückt diesmal eher in den Hintergrund, wie mir scheint, denn die Geräusche, die von der Action verursacht werden, verdrängen sie fast. Dennoch gibt es natürlich Musikeinlagen, um die Szenen voneinander abzutrennen sowie für Einleitung und Ausklang.

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

|Edgar Allan’s Project|s „Ich bin nicht wahnsinnig“ ist ein Remix aus der Hörspielserie mit Originalauszügen und angereichert mit der Musik, die das Berliner Filmorchester für Visionen und auch für die Hörspielserie eingespielt hat. Produziert von Simon Bertling und Christian Hagitte (|STIL|).

Den Anfang macht ein gewohnt schauerliches Zitat, wie es jedem der Poe-Hörspiele vorangestellt ist: „Ich bin nicht wahnsinnig“. Weitere Zitate stammen aus „Die Grube und das Pendel“ sowie aus „Das Haus Usher“. Die Instrumentierung ist wie gehabt: Drums, Bass und – sehr dezent – Orchester. Die Sprecher sind schwer zu identifizieren, aber es könnte sich um die Originalsprecher der Hörspiele handeln, nur etwas verzerrt.

_Unterm Strich_

Diese Episode zerfällt ebenfalls in zwei Hälften und beide gipfeln in Actionszenen. Mich hat das Maß der Gewalt überrascht, das hier gezeigt wird. Diese Folge hat nichts mehr mit dem melancholisch-grüblerischen Ton der ersten Folgen zu tun, sondern folgt einem Ziel, das der Hörer schon frühzeitig erkennen kann. Damit das Gegenmittel Leonie retten kann, muss sie ins Krankenhaus, egal wie. Ein schauerliche Pointe liefert das Ende – Tod kann man es wohl kaum nennen – von Mr. Valdemar. Poe hat ihn kaum gekannt, aber das war vielleicht ganz gut so. Und weil Poe auch Leonie für verloren hält, endet die Folge wieder mal mit einem Cliffhanger.

Der Erfolg hat der Poe-Hörspielreihe zu langer Laufzeit verholfen. Würde der Erfolg fehlen, wäre sie schon längst abgebrochen worden, wie es unlängst der VAMPIRA-Reihe wiederfahren ist, die |Lübbe Audio| nach inoffiziellen Informationen nicht mehr weiterführen will. Der hohe Produktionswert der Poe-Reihe wird vor allem vom |STIL|-Studio gewährleistet, das für einwandfreie Musik- und Geräuschuntermalung sorgt. Hoffentlich bleibt das auch so.

|Basierend auf: The facts in the case of M. Valdemar, 1845
53 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – schwarze Katze, Die (POE #2)

Diese CD ist die gelungene Fortsetzung für die Hörspielserie, in der |Lübbe| vier Erzählungen von E. A. Poe verarbeitet hat. Diesen Herbst wurde die Poe-Reihe mit vier weiteren Produktionen fortgesetzt.

|Der Autor|

Edgar Allan Poe (gestorben 1849) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, Horrorstory, Science-Fiction, Short-Story. Er gab verschiedene Zeitschriften heraus, veröffentlichte aber nur wenige eigene Werke in Buchform, sondern sah seine Geschichten und Gedichte lieber in Zeitschriften gedruckt. Er starb im Alkoholdelirium. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

Mehr über den Autor bei [wikipedia.]http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar__Allan__Poe

|Die Sprecher|

Ulrich Pleitgen spricht die Figur des „Fremden“, der den Namen E. A. Poe annimmt.
Wirt: Thomas Danneberg (dt. Stimme von S. Stallone, Arnold Schwarzenegger, John Travolta)
Dr. Templeton: Till Hagen (dt. Stimme von Kevin Spacey & „Bester“ aus Babylon 5)
Sheila: Yara Bümel
Eileen: Anna Thalbach
Gedicht am Anfang/Lied am Schluss: Heinz Rudolf Kunze

_Handlung_

Vorgeschichte: Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert wurde und jetzt entlassen wird. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan? Diese Fragen stellt sich der Mann ohne Gesicht, der im Gasthaus den ersten Namen wählt, der ihm in den Sinn kommt: Edgar Allan Poe. (Edgar heißt der zahme Rabe des Gastwirts.)

Obwohl die Ausstattung des ärmliches Gasthauses in der neuenglischen Provinz ärmlich ist und im Gastzimmer Spinnen ihre Netze weben, findet der Gast Zeit zum Träumen. Und in den Träumen kommen Erinnerungen aus dem Unterbewussten …

Er ist der trunksüchtige Ehemann der zartfühlenden und tierlieben Eileen. Er heiratete sie ein Jahr nach dem tragischen Tod ihrer jüngeren Schwester Sheila (16), die über die Brüstung des Balkons in die Tiefe stürzte. Während dieses Unglücks hatte Eileen Sheilas Lieblingslied auf dem Piano gespielt. An Sheila erinnert bald nur noch ein Porträt, das über dem Kamin hängt. Doch merkwürdig: Ihre Augen sind statt des realistischen Grüns in einem Gelb dargestellt, das viel eher zu einer Katze passen würde. Wann immer der Mann an dieses Unglück denkt oder erinnert wird, hört er eine Katze laut miauen und das Klavierstück in allen möglichen Intonationen.

Eileen hat als liebstes Haustier einen Kater, der laut schnurrt, wenn man ihn streichelt. Das tut der Ehemann jedoch nie. Im Gegenteil: Die Augen der Katze gemahnen ihn an Sheila, an deren Tod er möglicherweise er schuldig ist (er bedrängte sie mit seinen Avancen). Zu gerne würde er dem Katzenvieh einen Tritt verpassen, um es zu verjagen. Auch die Melodie, die Sheila auf dem Piano zu klimpern pflegte, geht ihm nicht mehr aus dem Sinn. Bei einem Feuer brennt das Haus bis auf die Grundmauern nieder und das Ehepaar muss umziehen, in eine verrufene Gegend, in der es nicht nur vierbeinige Ratten gibt.

Um diese Gedanken der Schuld zu vertreiben, ertränkt er sie immer öfter in Alkohol. Bis er schließlich auch im Wirtshaus eine schwarze Katze bemerkt, die er mit nach Hause nimmt. Einmal sticht er ihr vor Wut ein Auge aus, und seine Frau kehrt sich von ihm ab. Um nun auch das kätzische Gejaule aus dem Keller zu beenden, bringt er dort die Katze um. Auch Eileen muss daran glauben. Er mauert sie und die Katze in einem blinden Kamin im Keller ein.

Doch der Fluch der bösen Tat fordert Sühne. Als der Polizeiinspektor Fragen nach der verschwundenen Gattin stellt und das Haus durchsucht, wird der Trunkenbold und Frauenmörder ein wenig zu übermütig angesichts der Tatsache, dass der Inspektor nichts gefunden hat. Er schwingt die Hacke gegen die Ziegel des Kamins …

_Mein Eindruck_

Natürlich ist die Prämisse, dass eine Kette böser Taten – Sheilas verschuldeter Sturz, die Verstümmelung der Katze, der Mord an Eileen und der Katze – auf jeden Fall nicht ungesühnt bleiben kann und wird, eine romantische Wunschvorstellung. Es kommen allzu viele Verbrecher mit ihren Taten davon.

Doch das Neue an der Geschichte besteht darin, dass die Bestrafung nicht von außen erfolgt, etwa durch göttliche oder fürstliche Intervention (wie in Sagen, Legenden, Mythen und Märchen). Vielmehr kommt dieser Impuls von innen, aus der Psyche des unbestraften Verbrechers selbst: Er muss sich selbst entlarven, um Erlösung von der Last seiner Schuld zu erlangen. Schon lange vor Freud also wird tiefer schürfende Psychologie als Triebfeder einer Story-Handlung eingesetzt.

Interessant ist an dieser Inszenierung, dass nie eindeutig geklärt wird, wann eine Katze halluziniert wird und wann sie real vorkommt. Die Katze ist das Symbol der Schuld und somit vom Verbrecher bereits verinnerlicht – genauso wie das Klavierstück und das Bildnis Sheilas, das sie mit einem gelben Auge zeigt. Man spricht hier von Projektion. Was bricht also aus dem Kamin hervor, hinter der die eingemauerte Gattin zu vermuten ist? Eine gute Frage! Man höre selbst.

|Die Sprecher|

Pleitgen spielt E. A. Poe als den leicht verwirrten und träumerischen Geisteskranken, der ausgerechnet im Gasthaus „Zum verlorenen Poeten“ Zuflucht sucht und Unterkunft findet. Dann aber spielt er auch den vulgären Trunkenbold und Tierquäler, dessen Brutalität in seinen Flüchen und der Mordtat zum Ausdruck kommt. Die zwei Charaktere sind grundverschieden, und doch gelingt es Pleitgen, beide Figuren überzeugend darzustellen. Es ist etwa so, wie dem schizophrenen Gollum zuzuhören – nur dass hier die zwei Figuren in getrennten Storys vorkommen.

Es ist schade, dass dem Trunkenbold in Poes Geschichte niemand Ebenbürtiges gegenübersteht. Weder Eileen (Anna Thalbach) , die die unterwürfige treue Ehefrau spielt, noch der Wirt (Danneberg) können dem Killer Paroli bieten. Dadurch erscheint dieser sehr einseitig als der Schurke schlechthin, wodurch er sich einem Verständnis nicht gerade anbietet. Vielmehr freut sich der Zuhörer, wenn ihn endlich der Arm der Gerechtigkeit erreicht.

|Die szenische Musik|

Neben dem wiederkehrenden Klavierstück und dem leitmotivischen „Dies irae“ ist diesmal recht häufig die singende Säge zu hören, gespielt von Christhard Zimbel. Dieses Motiv ist eng verbunden mit dem Erscheinen der schwarzen Katze. Außerdem gibt es reichlich bassbetonte Effekte, die unterschwellig ein Gefühl der Bedrohung verbreiten. Wohl dem, der einen Tieftöner sein Eigen nennt.

|Die Katze – gequält oder nicht?|

Die Darstellung der realen wie der eingebildeten Katze (als Bote des Unterbewussten) erfolgt durch häufig ein markerschütterndes, kreischendes Miauen, das im Moment des Todeskampfes geradezu in menschliche Dimensionen wechselt. Deshalb beunruhigt uns folgender Hinweis im Booklet: „Bei der Produktion dieses Hörspiels wurden keine Tiere gequält“, denn dieser Verdacht könnte sehr leicht entstehen. Katzenliebhaber seien gewarnt.

|Der Song|

Das Stück klingt wieder mit H. R. Kunzes Lied über E. A. Poe, „Der weiße Rabe“, aus. Es ist quasi eine Moritat, die versucht, diesen Dichter als Warner seiner Zeitgenossen in einen soziokulturellen Kontext zu stellen. Der Fünf-Minuten-Song ist zwar textlastig wie jede Moritat, aber stimmungsvoll instrumentiert und vorgetragen: schön schräg intoniert, mit „singender Säge“ unterlegt und wohligen Schauder erzeugend.

_Unterm Strich_

In dieser psychologisch vorangetriebenen Story über Schuld und den Fluch der bösen Tat(en) erreicht der Horror recht handfeste Dimensionen: Es hagelt geradezu Leichen und Verstümmelte, ein Haus brennt ab, der Trunkenbold tobt, bis buchstäblich die Polizei kommt. Die Leitmotive sind immer wieder zu hören, und ein Zuhörer, der Subtilität wünscht, könnte durchaus vor dieser Penetranz kapitulieren.

Aber „Die schwarze Katze“ ist, wie „Das geschwätzige Herz“, die Geschichte eines vulgären Menschen, eines Verbrechers aus niederen Beweggründen. Genausowenig Subtilität, wie er in seinem Verhalten zeigt (er zertritt aus Versehen mal so nebenbei Eileens geliebte Schildkröte), ist auch von seinem weiteren Vorgehen und in dessen Darstellung zu erwarten. Daher finde ich diese Inszenierung in Ordnung.

Die Rahmenhandlung in Dr. Templetons Anstalt taugt durchaus dazu, die Serie zu tragen, allerdings sind die Traumreisen in Poe’sche Storywelten nur mit romantischen Mitteln zu erklären, es sei denn, der Patient Poe bekäme zur Heilung ein traumförderndes Medikament. Dies ist im Gasthaus „Zum verlorenen Poeten“ aber nicht der Fall: Poe zählt nur Spinnweben und Spinnen. Auch das kann ja einschläfernd wirken. Ein Angelsachse würde den naheliegenden Begriff „wool-gathering“ für Tagträumen verwenden.

Sprecherdarbietungen und Musik- & Soundkulissen verschmelzen zu einer stimmigen Einheit. Zusammen mit der dynamischen Handlung bietet „Die schwarze Katze“ daher ein unterhaltsames und wahrhaft Schauder erregendes Hörspiel. Die anderen beiden Hörspielen „Usher“ und „Maske des Roten Todes“ sind lange nicht so unterhaltsam, sondern wirken dagegen langweilig.

|Umfang: 53 Minuten auf 1 CD|

John Sinclair – Ich jagte Jack the Ripper (Folge 49)

Neues vom Schlitzer: Wo bleiben die Zombies?

In London treibt ein Prostituiertenmörder sein Unwesen, dessen „Arbeitsmethode“ stark an den berühmtesten aller Schlitzer erinnert: Jack the Ripper. Sowohl John Sinclair als auch Jane Collins befassen sich mit dem Fall. Sie stoßen auf die einzige Zeugin, die 18-jährige Prostituierte Claudia Ferris. Natürlich ist auch der Ripper hinter ihr her. Schließlich muss er seinem Meister das siebte Opfer darbringen …

Die Story erschien erstmals als Band 182 der |Bastei|-Romanserie.

_Der Autor_

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Lord Byron / John William Polidori / Frank Gustavus – Der Vampyr – oder Gespenstersommer am Genfer See (Hörspiel)

Literarischer Psychothriller

Juni 1816 am Genfer See, in der Villa Diodati: Der berüchtigte Schriftsteller Lord Byron, sein Leibarzt Dr. Polidori, der Dichter Percy Shelley, dessen Geliebte Mary Wollstonecraft (später Shelley) und deren Stiefschwester Claire Clairmont lesen Gespenstergeschichten. Hierdurch inspiriert, hat Byron eine Idee: „Wir wollen jeder eine Geistergeschichte schreiben!“ Es kommt zu dem berühmten Wettstreit, aus dem Mary Shelleys „Frankenstein“ und Polidoris „Der Vampyr“ hervorgehen. Polidori erzählt, was geschah. So gab einer der Gebrüder Grimm den Anstoß zu „Frankenstein“, und Lord Byron und „Der Vampyr“ wurden zum Fluch für den Möchtegerndichter Dr. Polidori. In einem Interview hält er im Jahre 1821 Rückblick auf jene verhängnisvollen Tage am See.
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Die drei ??? und das Grab der Maya (Planetarium-Sonderfolge 7)

Die Handlung:

In einem Umzugskarton stoßen die drei ??? auf eine alte Steinfigur und eine Karte mit geheimen Schriftzeichen. Beides scheint vom Volk der Maya zu stammen.Welches Geheimnis bergen die Fundstücke? Als Justus, Bob und Peter klar wird, dass einige zwielichtige Gestalten sehr an der Lösung des Rätsels interessiert sind, entspinnt sich ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit – und ihre Widersacher … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der hörbare Versuchsballon

Mit diesem und dem parallel erscheinenden TKKG-Hörspiel, „Das Geheimnis im Jagdschloss“, versucht sich EUROPA an akustischem Neuland. Ok, dieses Hörspiel hier ist eh schon mal im Mehrkanalton abgemischt worden … aber es wird nicht im Mehrkanalton auf CD erscheinen. Wie auch schon die anderen „Planetarium“-Hörspiele nicht.

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Fünf Freunde und die Geisterstadt (Folge 139)

Die Handlung:

In einer leerstehenden Wohnsiedlung taucht eine rätselhafte Botschaft auf. Manche glauben sogar, sie sei von einem Geist. Als die Fünf Freunde, die gerade in dieser Stadt sind, zufällig davon erfahren, suchen sie sofort nach einer vernünftigen Erklärung. Stecken die Jugendlichen dahinter, die in der gespenstisch leeren Siedlung ein Gartenprojekt betreiben? Aber die scheinen selbst unsichtbare Feinde zu haben. Die Fünf Freunde haben alle Hände voll zu tun, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Du meine Güte, ist der Klappentext heute lang. Und die Sprecherliste auch. Ist das ein XL-Fall, der sich über mehrere CDs erstreckt? Nö. Na, da bin ich mal gespannt, ob die Ferien ausreichen, um den Fall zu lösen.

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Die drei !!! – Gefährliches Spiel (Folge 70)

Die Handlung:

Franzi wird zufällig vom Trainer des 1. FC Südwest entdeckt und beginnt mit Feuereifer das Fußballtraining. Doch irgendetwas stimmt in dieser Mannschaft nicht. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bevors aber ans Kicken geht, wird sich erst mal vorgefreut. Nicht nur die Fünf Freunde haben ständig Sommerferien, auch bei den Mädels stehen sie an. Was kann man denn da alles machen? Abhängen oder neue Fälle lösen … oder beides?

Am Wasser findet die Autorin dann eine nachvollziehbare Möglichkeit, Franzi zu den Fußballerinnen vom FC Südwest zu bringen. Und zack, ist sie dabei.

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Die drei ??? Kids – Achtung! Abenteuer (Folge 79)

Die Handlung:

Diebstahl im Kunstmuseum von Rocky Beach. Justus glaubt, eine heiße Spur gefunden zu haben. Die drei ??? Kids ermitteln und geraten in eine gefährliche Lage. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Achtung, Abenteuer? Kündigen die sich jetzt durch Schilder oder Lautsprecherdurchsagen an? Wäre ja genauso cool wie langweilig … hmm.

Was die Ausstellung im Museum mit einem Maharadscha zu tun hat und warum man nicht „Gesundheit“ sagt, wenn einer dieses Wort ausspricht, das wird auch noch fix erklärt. Dann verschwindet auch schon der „Goldene Falke“ und wir haben einen neuen Fall.

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Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – König Pest (Poe #23)

_Der Elektroschockkandidat_

Die Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör.

Auf dem Weg zu Dr. Baker werden Poe und Leonie von dichtem Nebel überrascht. Sie verirren sich zwischen seltsamen Häusern. Als der Nebel sich lichtet, erkennen sie, wo sie sind: im Reich von König Pest.

Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 22 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein

Nächste Staffel (02/2008):
#26: Der Kopf des Teufels
#27: Der Mann in der Menge
#28: Die Flaschenpost
#29: Landor’s Landhaus

Das Taschenbuch ist unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.

_Die Inszenierung_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

König Pest: Wolfgang Ziffer („C-3PO“, „Nummer 5“, „Murray Bozinsky“ in „Trio mit vier Fäusten“)
Herzog Pestilenz: Stefan Fredrich (John Turturro, Jim Carrey, Oliver Platt)
Junger Wärter: Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio)
Alter Wärter: Kaspar Eichel (James „Scotty“ Doohan, Richard Dreyfuss)
Ein Irrer: Andreas Sparberg

Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Laurie Randolph, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.

_Das Titelbild_

Das monochrome Titelbild, das [Simon Marsden]http://www.simonmarsden.co.uk geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt eine alte, leicht verwitterte Statue eines alten, bärtigen Königs. Es könnte sich beispielsweise um Barbarossa auf dem sagenumwobenen Kyffhäuser handeln. Bemerkenswert ist, dass die linke (von uns aus gesehen rechte) Hand des Königs an sein Herz greift.

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box (die Inlay Card) zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Huxleys „doors of perception“.

_Das Booklet_

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Eingangs gibt es einen mittlerweile recht umfangreichen Abriss der Vorgeschichte der Episode. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E. A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon zwanzig Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.

Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal. Daher noch ein wenig mehr Inhaltsangabe:

|Episode 21:|

Kapitän Hardy, der süffelnde Kommandant des untergegangenen Segelschiffs „Independence“, hat Poe geraten, sich vor seinem unsichtbaren Verfolger ein gutes Versteck zu suchen. Wie wär’s mit dem Totenschiff der Armen, das im nördlichen Hafen New Yorks vor Anker liegt? Die „Rachel“ durchsucht bestimmt keiner. Gesagt, getan.

Allerdings macht dieser abgetakelte Segler keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Der einzige Lebende an Bord ist der alte Ismael. Als Poe ihm zwei Flaschen guten Whiskys in die Hand drückt, ist er überredet: Poe darf frei logieren. Ismael warnt ihn aber vor den Ratten, die recht groß werden können. Und eine der Türen sei für ihn verboten, da habe er keinen Zutritt. Alles klar? Alles klar.

Ismael geht von Bord, denn er wolle einen Freund besuchen. Auf Blackwell Island (dort liegt Dr. Bakers Klinik!) sei die Cholera ausgebrochen, und schon bald werde es die ersten Leichen abzuholen geben. Wenig später kommt Leonie Goron an Bord. Zusammen machen sie hinter der verbotenen Tür eine grausige Entdeckung.

|Episode 22:|

Leonie und Poe gelangen durch die Hilfe von George Appo, Kapitän Hardy und den Wirt Rick Ellis auf Blackwells Insel, die im East River liegt. Ihre erste Begegnung mit Pater Bunting ist kurz, denn er stirbt schon bald an der Seuche, die hier grassiert …

_Handlung von Episode 23_

Nach dem Begraben Pater Buntings macht sich Poe allein auf den Weg, im Asyl, wo Dr. Baker arbeitete, nach Deibler zu suchen. Er hatte ihn zu Dr. Baker wegen des Tauschhandels Aufzeichnungen gegen Poe-Identität geschickt. Der junge Wärter, der ihn einlässt und für Pater Bunting hält, kennt ihn nicht und erzählt ihm, Dr. Baker sei auf dem Festland. Aber ein Telegraph erleichtert die Nachrichtenübermittlung dorthin.

Der Patient, der nach einem Pater verlangt hat, nennt sich Valdemar und liegt wie bewusstlos in seiner Zelle. Bei seinem Anblick erfüllt ein Kribbeln Poes Kopf und eine Stimme spricht zu ihm: „Sie sind nicht Pater Bunting. Sie haben nicht viel Zeit!“ Poe beeilt sich und schreibt einen Brief an Dr. Baker, da entdeckt er Deiblers Patientenakte. Deibler wurde im Dorf der Kranken isoliert. Oh je, bestimmt ist er schon an der grassierenden Seuche erkrankt. Ein älterer Wärter erkennt Poe, der hier einst Patient war, wieder und setzt ihn nach einem Handgemenge außer Gefecht.

Gerade will man ihm Elektroschocks verabreichen, als es unter den Insassen des Asyls zu einem Tumult kommt. Jemand hat sie freigelassen. Als die Wärter sich darum kümmern, befreit Leonie Poe aus seiner Zwangsjacke und flieht mit ihm aus dem Gebäude. Sie ist selbst bereits an der Seuche erkrankt und kann sich kaum aufrechthalten. Dennoch können sie ihren Verfolgern in das Krankendorf entkommen. Hier trauen sich die Wärter nicht.

Doch dies ist ein besonderes Reich: das von König Pest. Er heißt sie als Todgeweihte willkommen. Von dem sterbenden Deibler erfährt Poe, dass es ein teures Gegenmittel gegen die Seuche gebe. Aber sie sitzen hier offenbar fest, oder? Und Leonie geht es zusehends schlechter.

_Mein Eindruck_

Von der ursprünglichen Poe-Erzählung sind nur noch drei Figuren übrig geblieben: König Pest, Herzog Pestilenz und – als Insider-Witz – Anna Pest. Dazu muss man wissen, dass „Anapäst“ ein antikes Versmaß ist. Das ist der Grund, warum Anna Pest stets in rhythmischen Versen redet. König Pest ist zwar ein Herrscher, doch sein Reich wird offensichtlich vom Schnitter regiert, nicht von ihm selbst. Dennoch ist Pest ein fröhlicher Bursche, der seine besten Manieren an den Tag legt. Poe und Leonie ahnen jedoch, dass sie vom Regen in die Traufe geraten sind.

Interessant ist die Beschreibung des Falles Valdemar. Anders als in Poes gleichnamiger Erzählung geht es hier zunächst um eine telepathische Verbindung zwischen Poe und dem Insassen der Irrenanstalt. Dass dabei nicht unbedingt Wörter ausgetauscht werden müssen, wird die nächste Episode zeigen: Bilder reichen schon, um den Geist des „Empfängers“ Poe mit dem Erleben des „Senders“ Valdemar zu erfüllen.

Die Episode zerfällt in zwei Hälften. In der Mitte hat Poe – mal wieder – sein Bewusstsein verloren, weil ein Wärter ihn k.o. geschlagen hat. Und wieder mal befindet er sich tief in der Bredouille. Er braucht dringend einen Retter – Leonie kommt wie gerufen. Was würde Poe ohne sie machen? Das wagen wir uns gar nicht vorzustellen.

_Die Inszenierung_

|Mr. Poe|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Poe kann sehr pragmatisch agieren, und Pleitgen weiß die scharfe Beobachtungsgabe seiner Hauptfigur wie auch dessen Hinterlist ebenso glaubwürdig darzustellen. Sein Poe ist kein hilflos durch die Gassen torkelnder Somnambuler, sondern ein hellwacher Geist, der nur ab und zu unter ein paar Bewusstseinstrübungen leidet, die ihn in Gestalt von Träumen heimsuchen.

|Miss Leonie Goron|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird.

In Episode 15 „Du hast’s getan“ steht sie selbst ihren Mann als Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe. In Episode 18 tritt sie als Ägyptologin auf, unter dem Namen Leonie Sander. Sie spielt Scully an der Seite von Poes Mulder. In dieser Folge hustet sie jedoch zum Steinerweichen – wie hat Berben das nur gemacht?

Neben den Wärtern und Mr. Valdemar sind die Herrschaften im Seuchendorf die interessantesten Figuren. Besonders König Pest hat mir gefallen, den Wolfgang Ziffer spricht. Ulrike Stürzbecher ist zwar nicht mit einer eigenen Rolle aufgeführt, aber es ist klar, dass sie die kleine Rolle der Anna Pest spricht.

|Musik und Geräusche|

Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.

Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Als der erste Donnerschlag krachte, zuckte ich überrascht zusammen, danach pladdert und plätschert der Regen. In den Gängen der Irrenanstalt dröhnt der Hall von schlagenden Türen. Als der Elektroschockapparat bereitgemacht wird, britzelt die Elektrizität gar unheilvoll. Am Schluss, wenn alles wieder friedlich ist, sind Wellenrauschen und Möwengekreisch zu hören.

Auf die Dreidimensionalität des Klangbilds wurde stärker geachtet: Stimmen von links und rechts, in der Ferne (leiser) und im Vordergrund (lauter), ja sogar innerer Monolog (spezielle Musikuntermalung mit ausgeblendeten Geräuschen) vermitteln den Eindruck einer Welt, in der sich ein Betrachter wie im Zentrum des Geschehens fühlen könnte.

|Musik|

Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung der ganzen Episode, denn auf der Pestinsel ist die Gestaltung der beklemmenden Atmosphäre besonders wichtig, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln und seine Emotionen zu steuern. Immer wieder erklingt das obligatorische Requiem „Dies irae, dies illa“. Ergänzt wird es diesmal von einem Wiegenlied: „Guten Abend, gute Nacht“. Damit kein Zuhörer dadurch einschläft, folgt gleich darauf ein Dröhnen, das selbst Tote aufwecken könnte.

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

|Edgar Allan’s Project|s „Ich bin nicht wahnsinnig“ ist ein Remix aus der Hörspielserie mit Originalauszügen und angereichert mit der Musik, die das Berliner Filmorchester für „Visionen“ und auch für die Hörspielserie eingespielt hat. Produziert von Simon Bertling und Christian Hagitte (|STIL|).

Den Anfang macht ein gewohnt schauerliches Zitat, wie es jedem der Poe-Hörspiele vorangestellt ist: „Ich bin nicht wahnsinnig“. Weitere Zitate stammen aus „Die Grube und das Pendel“ sowie aus „Das Haus Usher“. Die Instrumentierung ist wie gehabt: Drums, Bass und – sehr dezent – Orchester. Die Sprecher sind schwer zu identifizieren, aber es könnte sich um die Originalsprecher der Hörspiele handeln, nur etwas verzerrt.

_Unterm Strich_

Kurz und knackig wie die ersten drei Episoden dieser Staffel nun mal sind – jeweils 53 bis 57 Minuten Länge – führt auch diese Folge actionorientiert durch die Handlung. Die Zeit drängt, denn Leonie droht an der Seuche – klar, dass es die Pest ist – zu sterben wie all die anderen Insassen des umzäunten Krankendorfes. Zwar ist informationsmäßig hier nicht viel zu holen, weil Dr. Baker gerade in der Stadt ist, aber durch die Bekanntschaft mit Mr. Valdemar findet sich wenigstens ein Weg, wieder von der Insel runterzukommen.

Der Erfolg hat der Poe-Hörspielreihe zu langer Laufzeit verholfen. Würde der Erfolg fehlen, wäre sie schon längst abgebrochen worden, wie es unlängst der VAMPIRA-Reihe widerfahren ist, die |Lübbe Audio| nach inoffiziellen Informationen nicht mehr weiterführen will. Der hohe Produktionswert der Poe-Reihe wird vor allem vom |STIL|-Studio gewährleistet, das für einwandfreie Musik- und Geräuschuntermalung sorgt. Hoffentlich bleibt das auch so.

|Basierend auf „King Pest“
57 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de

John Sinclair Classics – Der schwarze Würger (Folge 41)

Die Handlung:

Auf der Geburtstagsfeier des reichen Industriellensohnes Percy Clifton kommt es beinahe zu einer Tragödie, als Percys schüchterner Bruder Dan im Pool zu ertrinken droht. Im letzten Moment rettet Sheila Conolly Dan Clifton aus dem Wasser … doch bald darauf fordert der schwarze Würger auf dem Schloss der Cliftons sein erstes Opfer! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 180 gemacht, der erstmalig am 22. Februar 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.

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Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Grube und das Pendel, Die (POE #1)

Diese CD ist der äußerst gelungene und stimmungsvolle Auftakt für die erste Hörspielserie, in der |Lübbe| vier Erzählungen von E. A. Poe verarbeitet hat. Diesen Herbst wurde die Poe-Reihe mit vier weiteren Produktionen fortgesetzt.

|Der Autor|

Edgar Allan Poe (1809 – 1849) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, Horrorstory, Science-Fiction, Short Story. Er gab verschiedene Zeitschriften heraus, veröffentlichte aber nur wenige eigene Werke in Buchform, sondern sah seine Geschichten und Gedichte lieber in Zeitschriften gedruckt. Er starb im Alkoholdelirium. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

Mehr Informationen bei [wikipedia.]http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar__Allan__Poe

|Die Sprecher|

Ulrich Pleitgen spricht die Figur des „Fremden“, der den Namen E. A. Poe annimmt.
Joachim Kerzel, bekannt aus zahlreichen Horror-Hörspielen und -Audiobooks, spricht die Rolle des Abtes. Kerzel ist die deutsche Synchronstimme von z. B. Jean Reno, Dustin Hoffman, Harvey Keitel, Sir Anthony Hopkins oder Jack Nicholson.
Klaus Jepsen: Bruder Amontillado
Till Hagen: Dr. Templeton
Viola Morlinghaus: Schwester Berenike
Gedicht am Anfang/Lied am Schluss: Heinz Rudolf Kunze

_Handlung_

Vorgeschichte: Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert wurde und jetzt, nach zehn Wochen, entlassen wird. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Leider neigt sich sein Aufenthalt dem Ende zu: Die Anstalt soll dichtgemacht werden und er wird bald entlassen. Doch in seiner letzten Nacht erlebt der Erzähler in seiner kargen Zelle einen beängstigenden Traum …

Er erwacht in der Zelle eines Mönches, die sich im Kloster von Toledo in Spanien befindet. Am Kopf hat er eine schwere Wunde davongetragen, die eine freundliche Nonne namens Schwester Berenike mit Kräutern behandelt. Hat er diese Wunde im Krieg davongetragen, der sich Toledo in Form napoleonischer Truppen nähert? Man schreibt das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, und die Situation Toledos ist alles andere als sicher.

Wie sich herausstellt, haben ihn die Mönche niedergeschlagen, weil sie ihn für einen Spion der Franzosen hielten. Im Kloster herrscht die als grausam verrufene Inquisition der katholischen Kirche, und es herrscht eine Art Torschlusspanik. Der scheinbar freundliche Abt, der das Kloster leitet, verfügt über eine bemerkenswerte Standuhr: in das Zifferblatt sind Löcher für vier Finger eingelassen und das Pendel ist rasiermesserscharf zugeschliffen. Ein Omen? O ja, und nicht nur für Schwester Berenike, die hier eigentlich nur zu Besuch ist. Kurz zuvor sei der Bruder Botanicus gestorben, erzählt sie.

Das Kloster ist in der Tat das Gegenteil eines Kurortes: Als sich der Erzähler einmal in einem Krug Wasser von einem Auslassrohr holt, bemerkt er zu spät, dass es sich um fast pures Blut handelt. Es stammt von den in den Gewölben gefolterten Opfern der Inquisition. Als er und Berenike vor Entsetzen um Mitternacht fliehen wollen, stoßen sie auf einen Leichentransport, der gerade das Kloster verlässt: Auf dem Karren liegen zerschnittene und von Ratten angefressene Körperteile. Sekunden später werden die beiden Flüchtlinge gefangen genommen und später vom Abt verurteilt, damit das Geheimnis des Klosters gehütet wird.

Der Erzähler erwacht in einem lichtlosen Gewölbe neben einem Schacht, mit Riemen auf einen Block gebunden: neben sich Ratten, über sich ein riesiges rasiermesserscharfes Pendel, das hin und her schwingt, sich dabei aber unaufhaltsam auf den Wehrlosen herabsenkt …

_Die Umsetzung_

|Die Sprecher|

Ulrich Pleitgen und Joachim Kerzel dominieren das Hörspiel mit ihren tiefen Stimmen. Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Kerzel ist als Abt nur in zwei Szenen zu hören, wirkt aber dabei bereits zwielichtig beziehungsweise kriminell – kein Wunder, denn der Abt ist einer der letzten Vertreter der grausamen spanischen Inquisition.

Klaus Jepsen ist uns inzwischen am besten als deutsche Stimme von Bilbo Beutlin vertraut, die des „Dr. Templeton“ als die Synchronstimme von Kevin Spacey, allerdings mit betonten Bässen. Meine besondere Bewunderung möchte ich Viola Morlinghaus aussprechen: Sie spielt die sympathische Botanikerin „Schwester Berenike“ absolut lebensecht, verzweifelt und schließlich niedergeschmettert, dass man mit ihr mitfühlen muss. Allerdings fällt auf, dass ihre Figur sehr oft „Ich weiß es nicht“ sagen muss.

|Der Song|

Das Stück klingt mit H. R. Kunzes Lied über E. A. Poe, dem „Weißen Raben“, aus. Es ist quasi eine Moritat, die versucht, diesen Dichter als Warner seiner Zeitgenossen in einen soziokulturellen Kontext zu stellen. Der Fünf-Minuten-Song ist zwar textlastig wie jede Moritat, aber stimmungsvoll instrumentiert und vorgetragen: schön schräg intoniert, mit „singender Säge“ unterlegt und wohligen Schauder erzeugend.

|Die szenische Musik und Klanggestaltung|

Die Musik besteht aus moderner Klassik, vermischt mit dem Kirchenlied „Dies irae, dies illa“ (Tag des Zorns) und einem Streichquartett. Getrennt werden die einzelnen Szenen durch besondere Klangelemente wie etwa eine Glocke.

Die Klangkulisse dieses ersten Teils der Serie ist im Vergleich zu den anderen Teilen ganz besonders ausgetüftelt und äußerst wirkungsvoll. Von dezenten Kirchenglocken, Chören, menschlichen Schreien bis hin zu Wolfsgeheul, Rattengefiepe und Windrauschen reicht die Geräuschpalette. Wer über eine ordentliche Anlage verfügt, sollte jedoch die Bässe bis zum Anschlag aufdrehen: Die Szene unter dem Pendel bietet ein paar besonders basslastige Soundeffekte – man kann das Schwingen des riesigen Pendels praktisch sehen, nicht nur hören.

_Unterm Strich_

„Die Grube und das Pendel“ treibt den Horror auf eine bis dato unerreichte Spitze: Folter durch die Inquisition, ein mysteriöser Todesfall, Gift im Wasser, ominöse Pendeluhren und schließlich der klaustrophobische Höhepunkt unter dem Pendel selbst. Kulturell gesehen herrscht im Kloster noch finsterstes Mittelalter, bis Napoleons Truppen Freiheit, Licht und Leben bringen. Der Abt verkörpert die Willkürherrschaft der katholischen Kirche in Spanien. Es herrscht Torschlusspanik und die Entwicklung der Dinge treibt auf einen Höhepunkt zu.

Die Rahmenhandlung in Dr. Templetons Anstalt taugt durchaus dazu, die Serie zu tragen, allerdings sind die Traumreisen in Poe’sche Storywelten nur mit romantischen Mitteln zu erklären, es sei denn, der Patient Poe bekäme zur Heilung ein traumförderndes Medikament.

Inszenierung und Sprecher sind von erster Güteklasse – schade, dass Kerzel nur in dieser Folge mit von der Partie ist. Die Musik und Klanggestaltung unterstützen die hervorragenden Sprecher wirkungsvoll. Kunzes Song am Schluss wirkt für mich etwas aufgesetzt, aber sei’s drum.

Zusammen mit „Die schwarze Katze“ bildet „Grube und Pendel“ meine bevorzugten Teile der vierteiligen Serie.

|Umfang: 59 Minuten auf 1 CD|

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Berenice (Poe #22)

_Vampirträume: Durchbruch zur Pestinsel_

Die Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör.

Der Mann, der sich Poe nennt, bietet Dr. Baker einen Tausch an: die Aufzeichnungen zu Dr. Bakers Lebenswerk im Tausch gegen Poes wahre Identität. Ein unwiderstehliches Angebot, denkt Poe. Aber Dr. Baker schweigt. Poe und Leonie wagen sich in die Höhle des Löwen: eine Pestinsel …

Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 21 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein

Das Taschenbuch ist im Mai 2007 unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.

_Die Inszenierung_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Kapitän Hardy: Jürgen Wolters
Pater O’Neill: Jaecki Schwarz
Anna Rogêt: Clara Nicolai
George Appo: Gerald Schaale
Rick Ellis: Tilo Schmitz
Edward Bunting: Hasso Zorn

Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Laurie Randolph, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom STIL-Studio verantwortlich.

_Das Booklet_

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Eingangs gibt es einen mittlerweile recht umfangreichen Abriss der Vorgeschichte der Episode. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E. A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon zwanzig Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.

Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal. Daher noch ein wenig mehr Inhaltsangabe über Episode 21, denn Details werden in „Berenice“ wieder aufgegriffen.

_Episode 21:_

Kapitän Hardy, der süffelnde Kommandant des untergegangenen Segelschiffs „Independence“, hat Poe geraten, sich vor seinem unsichtbaren Verfolger ein gutes Versteck zu suchen. Wie wär’s mit dem Totenschiff der Armen, das im nördlichen Hafen New Yorks vor Anker liegt? Die „Rachel“ durchsucht bestimmt keiner. Gesagt, getan.

Allerdings macht dieser abgetakelte Segler keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Der einzige Lebende an Bord ist der alte Ismael. Als Poe ihm zwei Flaschen guten Whiskys in die Hand drückt, ist er überredet: Poe darf frei logieren. Ismael warnt ihn aber vor den Ratten, die recht groß werden können. Und eine der Türen sei für ihn verboten, da habe er keinen Zutritt. Alles klar? Alles klar.

Ismael geht von Bord, denn er wolle einen Freund besuchen. Auf Blackwell Island (dort liegt Dr. Bakers Klinik!) sei die Cholera ausgebrochen, und schon bald werde es die ersten Leichen abzuholen geben. Wenig später kommt Leonie Goron an Bord. Zusammen machen sie hinter der verbotenen Tür eine grausige Entdeckung.

_Handlung_

Poe und seine Freundin Leonie Goron sitzen in New York City fest. Seit drei Tagen warten sie vergeblich auf Barney Deibler, den früheren Gehilfen Dr. Bakers (vgl. Episoden 10 bis 13). Deibler sollte Dr. Baker im Austausch für das Geheimnis von Poes wahrer Identität diesem Bakers Arbeitsnotizen, sein Lebenswerk, anbieten, die Poe Baker gestohlen hat. Ein fairer Deal, will Poe meinen, aber Deibler taucht nicht auf.

Von Reverend O’Neill erfahren sie, dass auf Blackwell Island, wo Baker lebt, eine Seuche ausgebrochen sei und sie unter strikter Quarantäne stehe. Wer von dort zu fliehen versuche, werde mit Kanonenbooten der Hafenbehörde versenkt. Tatsächlich hören sie hin und wieder Kanonenschüsse im Dunst über dem East River. Als alle Stricke reißen, beschließt Poe, trotzdem zur Insel zu fahren. O’Neill gibt ihm einen Empfehlungsbrief für den Pfarrer der Insel, Edward Bunting, mit. Doch woher bekommen sie ein Boot?

Der Zufall kommt Poe auf grausige Weise zu Hilfe. Als er in der Schenke von Rick Ellis, wo der Leichenwärter der „Rachel“, Ismael, zu verkehren pflegte, eine Pastete isst, knirscht es zwischen Poes Zähnen. Es ist ein menschlicher Zahn! Alle Wetter, hat der alte Ismael doch auch Rick das Fleisch der Leichen verhökert. Nun, wenn Rick nicht angezeigt werden will, muss er etwas dafür tun. Wie wär’s mit einem Boot? Als Poe auch noch ein Stöhnen aus den Kellergwölben Ricks vernimmt, ist er nicht mehr zu halten. Es handelt sich um seinen alten Freund, den Bettler George Appo, der ihm in New Orleans mehr als einmal das Leben rettete. George ist gerne bereit, mit Poe zur Insel zu fahren, solange er ein zweites Boot bekommt.

Weil George als Ablenkung agiert, gelingt es Poe und Leonie, die keinesfalls zurückbleiben will, die verbotene Insel zu erreichen. Sie gelangen auch sicher in Buntings Kirche. Als Bunting dort stirbt, kann Poe dessen Stelle als Seelsorger annehmen. Auf diese Weise wird er Baker suchen können, ohne aufzufallen.

Doch bevor er sich auf den Weg machen kann, wird Poe von einem schrecklichen Traum heimgesucht, in dem er von Zähnen träumt, wie sie Rick Ellis ihm serviert hat. Doch diese Zähne stammen von Berenice, der geliebten Frau, und sie sind überaus weiß und lang …

_Mein Eindruck_

Diese Folge der Hörspielreihe knüpft direkt an das Ende von Folge 21 an. Schauplatz ist weiterhin der Hafen von New York City, und Leonie und Poe suchen weiterhin Kontakt mit Dr. Baker, jenem Mann, der als „Dr. Templeton“ offenbar Poe psychiatrisch behandelt hat. Nur er kann ihm auch seine frühere Identität zurückgeben. Leonie ist nicht nur Poes Freundin, sondern auch durch Familienbande mit ihm verbunden. Diese wurde in New Orleans (Folgen 10 bis 14) enthüllt. Klar, dass sie ihn keinesfalls allein nach Blackwells Island fahren lassen will. Verlöre sie ihn, wäre sie ganz allein auf der Welt.

Doch Poes Verhältnis zu den Menschen und zu Frauen im Besonderen ist nicht das einfachste. Seiner selbst unsicher, ist er auf Täuschung und Verrat gefasst. Das Knirschen eines menschlichen Zahnes in seinem Mund bestätigt ihn wieder einmal in dieser Grundhaltung. Rick Ellis serviert Pasteten aus Menschenfleisch – warum er ausgerechnet auch Zähne verarbeitet, muss wohl sein Geheimrezept bleiben, so unwahrscheinlich es auch klingt. Aber Zähne liefern das Leitmotiv für diese Folge, das eine Vampirgeschichte enthält.

|Der Berenice-Traum|

Der Träumer und die schöne Titelfigur sind Cousin und Cousine, doch während er sich schwächlich zurückhält, bewundert er an ihr das blühende Leben. Dieses Verhältnis ändert sich schlagartig, als Berenice – ähnlich wie Poes echte Frau und Cousine Virginia Clemm – an Tuberkulose und Auszehrung erkrankt. Dabei verfällt sie mitunter in einen todesähnlichen Zustand der Trance. Der Träumer wiederum ist einer Monomanie verfallen, die ihn in einen Geisteszustand verfallen lässt, in dem er sich stundenlang auf nur einen Gegenstand konzentriert. Er scheint dadurch in eine Art Geistesabwesenheit zu geraten. Trotzdem heiraten die beiden. Das Verhängnis ist unausweichlich, als ihm Berenices unglaublich weiße und lange Zähne auffallen …

Vielfach ist diese unheimliche Erzählung als Vampirgeschichte interpretiert worden, denn wozu sonst sollte Berenice derart lange Zähne aufweisen? Das Thema der verbotenen Beinahe-Geschwisterliebe erinnert zudem an das unselige Geschwisterpaar [Madeleine und Roderick Usher. 2347 Klar, dass daraus nichts Gutes entstehen kann.

Und dass es schließlich zu einer abscheulichen Grab- und Leichenschändung kommt, dürfte kaum noch jemanden verwundern. Allerdings ist die Schuldfrage nicht eindeutig zu klären. Hat Berenice Schuld an ihres Cousins somnambulem Zustand, so dass er unter Amnesie zu leiden beginnt? Wenn ja, dann kann er nicht für seine Untat verantwortlich gemacht werden.

Unserem Poe auf Blackwell Island kommt Berenice jedenfalls seltsam vertraut vor, als er ihr Gesicht in der Zeitung sieht, und den schauerlichen Grund dafür werden wir hoffentlich bald erfahren.

_Die Inszenierung_

|Mr. Poe|

Pleitgen „spielt“ die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Im ersten Teil des „Berenice“-Traumes schwelgt sein Poe in verliebter Seligkeit, und das kann man deutlich hören. Umso gequälter klingt Poe in der zweiten Traumhälfte, als ihn die sieche und dann tote Geliebte in seinen Albträumen heimsucht.

Aber Poe kann auch sehr pragmatisch agieren, und Pleitgen weiß die scharfe Beobachtungsgabe seiner Hauptfigur wie auch dessen Hinterlist ebenso glaubwürdig darzustellen. Sein Poe ist kein hilflos durch die Gassen torkelnder Somnambuler, sondern ein hellwacher Geist, der nur ab und zu unter ein paar Bewusstseinstrübungen leidet, die ihn in Gestalt von Träumen heimsuchen.

|Miss Leonie Goron|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. In Episode 15 „Du hast’s getan“ steht sie selbst ihren Mann als Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe. In Episode 18 tritt sie als Ägyptologin auf, unter dem Namen Leonie Sander. Sie spielt Scully an der Seite von Poes Mulder.

|Nebenfiguren|

Die Nebenfiguren werden hauptsächlich durch redliche ältere Herren gestellt, mit einer Ausnahme, und das ist die junge Anna Rogêt, deren Schwester wohl die unglückliche Marie Rogêt ist, deren Tod in E.A. Poes Erzählung von Auguste C. Dupin aufgeklärt wird, wobei dieser kaum einen Fuß vor die Tür setzt. Die Schurken, die Poe und Leonie in den New-Orleans- und New-York-Folgen so zugesetzt haben, lassen noch auf sich warten.

|Musik und Geräusche|

Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.

Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Immer wieder erklingt eine Turmglocke, um subtil im Hintergrund anzuzeigen, welche Stunde geschlagen hat. Das ist ein Detail, das man sich beim genauen Hinhören nicht entgehen lassen sollte. In der Haupt- wie auch in der Binnenhandlung (Traum) wird Mitternacht geläutet. Recht eindrucksvoll sind die ab und zu dröhnenden Kanonenschüsse der Patrouillenboote. Ganz besonders gefiel mir das durchdringende Miauen von Rick Ellis‘ Katze. Sie erinnert Poes innige Bekanntschaft mit einer schwarzen Katze aus Folge zwei und symbolisiert kommendes Unheil.

Auf die Dreidimensionalität des Klangbilds wurde stärker geachtet: Stimmen von links und rechts, in der Ferne (leiser) und im Vordergrund (lauter), ja sogar innerer Monolog (spezielle Musikuntermalung mit ausgeblendeten Geräuschen) vermitteln den Eindruck einer Welt, in der sich ein Betrachter wie im Zentrum des Geschehens fühlen könnte.

|Musik|

Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung der ganzen Episode, denn auf der Pestinsel ist die Untermalung der beklemmenden Atmosphäre besonders wichtig, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln und seine Emotionen zu steuern. Immer wieder erklingt das obligatorische Requiem „Dies irae, dies illa“.

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

|Edgar Allan’s Project|s „Ich bin nicht wahnsinnig“ ist ein Remix aus der Hörspielserie mit Originalauszügen und angereichert mit der Musik, die das Berliner Filmorchester für „Visionen“ und auch für die Hörspielserie eingespielt hat. Produziert von Simon Bertling und Christian Hagitte (|STIL|).

Den Anfang macht ein gewohnt schauerliches Zitat, wie es jedem der Poe-Hörspiele vorangestellt ist: „Ich bin nicht wahnsinnig“. Weitere Zitate stammen aus „Die Grube und das Pendel“ sowie aus „Das Haus Usher“. Die Instrumentierung ist wie gehabt: Drums, Bass und – sehr dezent – Orchester. Die Sprecher sind schwer zu identifizieren, aber es könnte sich um die Originalsprecher der Hörspiele handeln, nur etwas verzerrt.

_Unterm Strich_

In dieser Folge ist die äußere Handlung wesentlich interessanter als die auf Poes „Berenice“ basierende Binnenerzählung. Erfreulich ist die in der Serie zunehmende Actionorientierung, die schon in den New-Orleans-Episoden festzustellen war, aber in den New-York-Folgen noch eine deutlich finsterere Seite dazugewonnen hat.

Das Leitmotiv dieser Folge sind sicherlich Zähne. Der in einer Pastete gefundene Zahn – der auf Kannibalismus hindeutet – leitet über zur Berenice-Geschichte, in der Grab- und Leichenschändung sowie Vampirismus eine Rolle spielen. Sicherlich sind die Poe-Hörspiele nicht gerade Stoff für zart besaitete Gemüter, aber dann ist ja auch Poes Literatur von vornherein ein Fall für die etwas morbider empfindenden Zeitgenossen. Interessant, dass dieser Autor zurzeit so großen Erfolg hat.

Der Erfolg hat der Poe-Hörspielreihe zu langer Laufzeit verholfen. Würde der Erfolg fehlen, wäre sie schon längst abgebrochen worden, wie es unlängst der „Vampira“-Reihe widerfahren ist, die |Lübbe Audio| nach inoffiziellen Informationen nicht mehr weiterführen will. Der hohe Produktionswert der Poe-Reihe wird vor allem vom |STIL|-Studio gewährleistet, das für einwandfreie Musik- und Geräuschuntermalung sorgt. Hoffentlich bleibt das auch so.

|69 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de

Perry Rhodan – Mission SOL 2 – Die komplette Miniserie (Teile 1-12)

Die Handlung:

Zwischen Kosmokraten und Chaotarchen – Perry Rhodan und die Besatzung der SOL streiten für die Menschlichkeit. Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All begleitet hat, in eine ferne Galaxis versetzt worden. Dort hat er die seit Langem verschollene SOL und ihre Besatzung aus einer Chaoszone gerettet. Eigentlich wollen die Menschen an Bord nun so schnell wie möglich in die heimatliche Milchstraße zurückkehren. Aber ein Bote der Kosmokraten macht ihnen klar: Sie können nur nach Hause, wenn sie zuvor eine wichtige Aufgabe für die Hohen Mächte erfüllen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das erste SOL-Abenteuer scheint (zu Recht) gut bei den Fans angekommen zu sein, also schiebt der Verlag direkt die zweite Mini-Serie hinterher … obwohl die erste MISSION ja eigentlich gut abgeschlossen wurde. Wieder sinds zwölf Teile, aber diesmal kanns direkt losgehen … wir müssen die SOL nicht erst finden. Die Suche nahm ja mehr oder weniger einen Großteil der Handlung der ersten „Mission“ ein.

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Perry Rhodan – Sternenfieber (Silber Edition 151)

Die Handlung:

Das Jahr 427 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Ohne es zu wollen, ist die Menschheit in einen Konflikt hineingezogen worden, der sich über Raum und Zeit erstreckt. Mächtige Wesenheiten, die man als Kosmokraten und Chaotarchen bezeichnet, ringen in weiten Teilen des Universums um Macht und Einfluss.
Perry Rhodan und seine Gefährten können diesen kosmischen Wesen kaum etwas entgegenstellen. Immerhin gelingt es ihnen, die Kontrolle über die Endlose Armada zu gewinnen, einen gigantischen Heerwurm aus Millionen und Abermillionen Raumschiffen. Die Armada soll durch die Milchstraße ziehen und dabei die sogenannten Chronofossilien aktivieren – dabei wird sie ständig von den Mächten des Chaos angegriffen.
In einem ganz anderen Bereich des Kosmos muss Atlan, der beste Freund Perry Rhodans, zur selben Zeit einen gefährlichen Auftrag erfüllen: Im geheimnisvollen Tiefenland soll er eine uralte Gefahr beseitigen, die aufs engste mit dem Schicksal der Milchstraße verbunden ist. Scheitert Atlan, droht der Menschheit und ihren Verbündeten der baldige Untergang … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Interessant“ gehts los. Mir fiel kein besseres Wort ein, weils irgendwie seltsam, aber eben doch unterhaltsam und interessant ist, wovon uns erzählt wird. Bully wird entführt … cool, endlich mal nicht Perry Rhodan selbst. Der andere Handlungsfaden zeigt aber mal wieder, dass sich die Autoren manchmal wirklich austoben dürfen. Ein Terraner und eine Siganesin helfen einer Pflanze … einer intelligenten natürlich, sonst wüsste man ja nicht, wie man ihr helfen sollte. So spektakulär interessant scheint dieser Charakter aber nicht gewesen zu sein, Comanzatara, wie sie heißt, taucht nur in fünf Heftromanen der Perry-Rhodan-Serie auf.

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Johann August Apel – Der Freischütz (Gruselkabinett 15)

Nur aus Liebe? Teufelspakt im Geisterwald

Gruselkabinett (15): Eine kürfürstliche Gegend um 1800: Der junge Amtschreiber Wilhelm liebt des Försters Tochter Käthchen. Die einzige Möglichkeit, den Vater dazu zu bewegen, ihm die Hand der Geliebten zu gewähren, besteht für Wilhelm darin, sich als sein würdiger Nachfolger in der Erbförsterei zu erweisen. Leider ist er alles andere als ein sicherer Schütze. Wilhelm ist jedoch jedes Mittel recht, das kurfürstliche Probeschießen zu bestehen – sogar ein Pakt mit dem Teufel …

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

Johann August Apels (1771-1816) Erzählung ist die Vorlage zu Carl Maria von Webers berühmter, gleichnamiger Oper. Ein literarischer Schatz aus der Zeit der schwarzen Romantik, der nun erstmals als atmosphärisches Hörspiel vertont wurde. (Verlagsinfo)

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Wilhelm: Marius Clarén (u. a. dt. Stimme von Tobey Maguire)
Förster Betram: Jochen Schröder (James Cromwell)
Anne, seine Frau: Dagmar von Kurmin
Käthchen, seine Tochter: Luise Helm (Scarlett Johansson)
Rudolf, Jägerbursche: Tobias Kluckert (Tyrese Gibson, Colin Farrell in „The New World“)
Stelzfuß: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow)
Hexe: Inken Sommer („Lwaxana Troi“ in „Star Trek“)
Geisterkutscher: Kammerschauspieler Heinz Ostermann
Geist der Mutter: Evelyn Maron (Kim Basinger)
Samiel: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers)
Kommissarius des Kurfürsten: Uwe Büschken (Matthew Broderick, Hugh Grant)
Gefängniswärter: Jürg Löw

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Hörprobe: http://www.titania-medien.de/gruselkabinett__15.php (ohne Gewähr)

Handlung

|PROLOG|

In seinen Albträumen hört der Försterbursche Wilhelm Schüsse. Schüsse mit drei verhexten Kugeln. Und ein teuflischer Geist lacht dazu: „Du bist mein, Wilhelm!“ Der junge Mann wälzt sich auf einem Strohlager, das man ihm in einem Einzimmerapartment bereitet hat: im Kerker. Sein Gefängniswärter ist jedoch kein Unmensch, sondern erklärt sich gegen ein kleines Entgelt bereit, dem Gefangenen Papier, Feder und Tinte zu holen. Wilhelm schreibt seine Erinnerungen nieder. Wie konnte ihn das Schicksal nur in diese missliche Lage bringen? Denn am folgenden Morgen soll er öffentlich hingerichtet werden. Vorher will er wenigstens seine Seele erleichtern.

|Binnenhandlung|

Weil Wilhelm bereits mit 17 Jahren seine Eltern verloren hat, wird sein Onkel zum Vormund bestimmt. Dieser Amtmann will aus dem Jungen einen von Seinesgleichen machen, doch als er die Lehre im Jahr 1800 abschließt, steht Wilhelm der Sinn nach etwas ganz anderem als dem Herumschubsen von Aktenbergen: Er ist bis über beide Ohren in die Tochter des Försters Bertram verliebt. Käthchen würde ihm auch allzu gerne ihre Hand geben, und ihre Mutter Anna hätte auch nichts gegen den feschen Jüngling. Doch der alte Förster sorgt sich um seine Nachfolge im Revier des Kurfürsten und will partout nur einen Förster zum Schwiergersohn.

Da kann Wilhelm nur erleichtert lachen. Bevor ihn sein Vormund in die Lehre schickte, hat er zwei Jahre lang praktische Erfahrung in der Jägerei gesammelt. Käthchen hüpft das Herz in der schönen Brust, und tatsächlich dauert es nicht lange, bis Wilhelm ihre Hand versprochen bekommt. Es gibt nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Beim Abendessen erzählt man ihm von Urahn Kuno, der der erste Förster in diesem Revier war. Missgünstige Gemüter erzählen bis heute, sein Meisterschuss sei nicht von den Engeln geleitet worden, sondern vom Teufel, also ein so genannter „Freischuss“ gewesen. Seitdem sei vor der Försterwahl immer eine Schießprüfung nötig. Der Vertreter des Kurfürsten werde sie beizeiten ansetzen.

Doch wie es manchmal so seltsam geht: Mit dem Wachsen der Liebe zu Käthchen schwindet Wilhelms Glück auf der Jagd. Er bringt immer lausigere Beute heim. Das Gewehr sei verhext, sagt sein Rivale, der Försterbursche Rudolf. Um dem abzuhelfen, soll Wilhelm nachts auf den Kreuzweg und auf Samiel warten, den Seelensammler Satans. Davon hat Wilhelm noch nie gehört. Doch bei einem weiteren Fehlschuss beschwört er Samiel und ein kleines Männlein taucht auf, das sich als Stelzfuß vorstellt. Er gibt Wilhelm eine besondere Kugel, die auch prompt den gewünschten Erfolg zeitigt: Dieser Schuss holt einen schnellen Falken vom Himmel. Stelzfuß gibt Wilhelm mehr Kugeln, und dieser hofft, damit das Probeschießen beim Kurfürsten bestehen zu können.

Doch das Schicksal scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Das Schießen wird verschoben, und schon nach kurzer Zeit ist der Vorrat aufgebraucht, weil der Förster mehr Wild liefern soll. Was tun? Da erzählt Förster Bertram vom Freischützen Georg Schmidt, der einmal beim Kreuzweg nachts verweilte und wahnsinnig wurde. Er wollte seine eigenen Freikugeln gießen und musste einen kleinen Fehler bitter büßen. Das Ritual ist genau vorgeschrieben: Es muss ab elf Uhr nachts genau eine Stunde dauern, der Mann muss in einem Zauberkreis stehen und darf diesen nie verlassen. Doch die Geistererscheinungen jagten Georg solches Grauen ein, dass er den Bannkreis verließ – der Teufel holte seine Seele …

Na, jetzt weiß Wilhelm ja genau Bescheid, wie er es anstellen muss, 63 Zauberkugeln zu gießen. Doch erstens gibt es jede Menge warnende Vorzeichen und zweitens wollen ihn seine Schwiegereltern in spe und Käthchen von nächtlichen Ausflügen abhalten. Nur auf den letzten Drücker gelingt es ihm, in den Wald zum Kreuzweg zu gelangen und dort das Ritual zu vollziehen …

Am nächsten Tag findet das Probeschießen auf dem kurfürstlichen Schloss statt. Seine Lügen haben Käthchen, die von bösen Vorahnungen erfüllt ist, kaum beruhigen können. Doch noch immer gilt ihr Versprechen, sie werde ihn heiraten und ihm bis zum Tode treu bleiben, sobald er die Anstellung als Förster errungen habe. Sie hält ihr Versprechen aber auf eine fürchterliche Weise, die sich Wilhelm nie und nimmer vorzustellen gewagt hätte …

Mein Eindruck

Dass ein Teufelspakt eine gefährliche Sache ist, wissen wir ja spätestens seit der Sache mit Dr. Faustus. Auch bei ihm war eine Frau im Spiel: Erst das brave Gretchen, dann sogar die schöne Helena. Wilhelm, der Försterbursche, hat nicht so hochfliegende Pläne, aber auch ihm steht der Sinn nach einer Frau. Und was tut mann nicht alles für die Liebe.

Interessant ist die Erzählung durch die Art und Weise, wie sich der Teufel präsentiert und die Seelen braver Christenmenschen holt. Da gibt es zunächst den Seelensammler Stelzfuß, der sozusagen den Werber spielt und die Leimrute der Versuchung auslegt, um den Vogel zu fangen: Wilhelm geht ihm denn auch auf den Leim, wie man so bildlich sagt, und alle seine Pläne scheitern, dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen. Obwohl ihm das Freikugelgießen formidabel gelingt, er etliche Geister abwehrt und sogar Samiel eine Nase dreht, ist sein Schicksal besiegelt. Denn er gießt drei Kugeln, die dem Satan persönlich geweiht sind. Dafür muss er einen hohen Preis zahlen.

Die Frage ist am Schluss natürlich, ob er im Augenblick seiner Hinrichtung ein Verdammter ist oder seine Seele noch eine hauchdünne Chance auf Erlösung hat. Das ist auch genau jene Kardinalfrage, auf die Goethe in seinem „Faust II“ eine Antwort gesucht und gefunden hat. „Wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen“, singen die Stellvertreter des Himmels. Ob sich Wilhelm stets redlich bemühte, lässt sich durchaus bejahen, und auch seine schrecklichen Verbrechen beging er nur aus Liebe. Dass er obendrein auch noch Reue zeigt und schriftlich Buße ablegt, sollte ihm eigentlich auf dem himmlischen Sündenkonto einen dicken Bonus eintragen. Wie die Sache ausgeht, werde ich aber nicht verraten.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte – siehe oben. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Einige Szenen sind für den heutigen Geschmack durchaus ansprechend gestaltet, und vor allem die Geistererscheinungen sind stilecht und wirkungsvoll aufgebaut. Allerdings ist die Story an sich bereits ziemlich melodramatisch: Es gibt jede Menge böse Omen, Fingerzeige und Vorahnungen, von Albträumen ganz zu schweigen – sie alle dienen dazu, die Spannung zu steigern. Das Finale ist natürlich entsprechend bewegend gestaltet: ein doppelte Katastrophe – und bestimmt hat dabei der Teufel seine Finger mit im Spiel. Oder?

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichten wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran.

Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ „Frohe Weihnachten, Mr. Scrooge“ und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“. Wer weiß, wozu Marc Gruppe und sein Team noch fähig sind. Ich bin bereits gespannt.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen sehr dicht und realistisch aufgebaut. In der eröffnenden Kerkerszene raschelt das Stroh, man hört ein Keuchen und Stöhnen: Wilhelm hat einen Albtraum. Später schreibt er seine Erinnerungen nieder, und das Papier raschelt, die Gänsefeder kratzt. Die Turmuhr schlägt zwölfe – Mitternacht. Man muss genau mitzählen, um dies zu erkennen. Wilhelm hat genau sechs Stunden für seine Beichte, danach heißt es um sechs: Kopf ab!

Musik

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder, und das klingt dann etwas anders als in Webers bekannter Oper. So beginnt etwa Wilhelms Lebensgeschichte mit einer zarten und klagenden Oboe: Die Vollwaise sucht ihre Bestimmung. Sobald sich Käthchen am Fenster zeigt, erklingt heitere Orchestermusik. Sobald Vater Bertram sein Plazet gegeben hat, ertönt sogar flotte Tanzmusik.

Diese heitere Stimmung verfliegt jedoch rasch, je mehr Misserfolge sich einstellen, und vollends düster und unheilvoll wird die Musik, als Wilhelm der dunklen Seite seiner Seele und den Einflüsterungen des Stelzfußes nachgibt. Die mahnenden Stimmen in Wilhelms Kopf sind durch Hall als solche gekennzeichnet. Der dramatische Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt ist die Szene am Kreuzweg. Hier darf sich der Leser alle möglichen Instrumente vorstellen, die eine geisterhafte Stimmung erzeugen. Wieder ruft das allgegenwärtige Käuzchen (es war schon beim Fensterln ein unheimlicher Zeuge) und die Turmuhr zeigt das Verstreichen der Zeit an (wieder heißt es hier: mitzählen).

Der Wind tost in den Bäumen, das Feuer prasselt, als Wilhelm seine Zauberkugeln gießt. Der Spuk beginnt, um ihn aus seinem Schutzkreis zu treiben: erst eine Hexe, die ihn ziemlich knusprig findet; dann eine heranbrausende Kutsche mit Geisterpferden. Wilhelm hält stand. Doch ob er auch gegen drohend knurrende Wölfe und flatternde Fledermäuse bestehen kann? Das i-Tüpfelchen bildet das höhnische Lachen Samiels selbst.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Unterm Strich

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Für den jungen Zeitgenossen, der sich scheut, eine so angestaubte Oper wie Webers „Der Freischütz“ anzuhören (allein schon die Arie „Wir winden dir den Jungfernkranz“ könnte mich in die Flucht schlagen), bildet das Hörspiel eine durchaus erträgliche Alternative.

Aber auch junge Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermittelt das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Koste greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Serie von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Dosis verabreichen.

65 Minuten auf 1 CD
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Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)

TKKG – Das Geheimnis im Jagdschloss (Folge 216)

Die Handlung:

Die Familie Kapper von Kapperstein will ihr Jagdschloss verkaufen und Klößchens Vater ist einer von drei Interessenten. Tim, Karl, Gaby und Klößchen freuen sich, Herrn Sauerlich beim Besichtigungswochenende begleiten zu dürfen. Erster Programmpunkt: Eine Schaujagd im dazugehörigen Wald. Als ein Pferd von einem Schuss getroffen wird und stürzt, erleidet der Hausherr eine schwere Quetschung am Bein. War das der Querschläger einer Flinte oder vielleicht doch ein Attentat? Was hat es mit einem ähnlichen Jagdunfall von General August Kapper von Kapperstein vor genau hundert Jahren auf sich? Welche geheimnisvolle Rolle spielte der General im ersten Weltkrieg? Und wohin ist plötzlich einer der drei Kaufinteressenten verschwunden? TKKG nehmen die Ermittlungen auf und stoßen auf ein sonderbares Rätsel, das hundert Jahre lang niemand knacken konnte … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der hörbare Versuchsballon

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TKKG junior – Eisige Diamanten (Folge 14)

Die Handlung:

Im Juwelierladen von Frau Sauerlichs Vertrauen sind Diamanten im Wert von vielen tausend Euro gestohlen worden. Der Täter hat zwar Fußabdrücke im Schnee hinterlassen, aber die Polizei tappt dennoch im Dunklen. Gut, dass TKKG in den Fall hineingezogen werden! Mit ihrem Spürsinn haben sie bald den ersten Verdächtigen ausgeforscht, aber Vorsicht! – der Fall ist komplizierter als gedacht! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Deine Spuren im … Schnee“ … die sind nicht lange da, wenns weiter so schneit oder Tauwetter einsetzt. Also fix das Gipsabdruckset aus der Tasche gezogen und Sneakerprofile verewigt. Alternativ dürfte es aber auch jede gute Handykamera tun.

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Caveney, Philip – Sebastian Dark 2: Der Piraten-Prinz

_Schatzsucher-Abenteuer zwischen Saurier und Hai_

Kaum haben Sebastian Dark und Hauptmann Cornelius Drummel Prinzessin Kerin wieder zum Thron von Keladon verholfen, machen sie sich auf Schatzsuche. Unendlichen Reichtum und ewigen Ruhm, das verspricht ihnen der sagenhafte Schatz Kapitän Callinestras. Auf Sebastians Reise verfolgen ihn gierige Piraten, menschenfressende Meeresungeheuer und eine schöne Hexe, die ihn mit einem Liebeszauber belegt. Seine Freunde Cornelius, Max und Kapitänin Jenna werden ihre ganze List und Geschichlichkeit einsetzen müssen, damit alle dieses Abenteuer überstehen.

Ich empfehle das Hörbuch ab zwölf Jahren.

_Der Autor_

Philip Caveney wurde 1951 in Nord-Wales geboren. Er verbrachte die meiste Zeit seiner Kindheit nicht nur damit, Großbritannien und Nordirland zu bereisen, sondern lebte auch etliche Jahre in Malaysia und Singapur. Nach seinem College-Abschluss arbeitete er hauptsächlich an Theatern in London und Wales. Nach zahlreichen erfolgreichen Romanen für Erwachsene legte er mit „Sebastian Dark“ sein erstes Jugendbuch vor. Er lebt mit seiner Frau und einer Tochter in Manchester.

Bislang bei |cbj|:
1) [„Sebastian Dark: Der falsche König“ 5728 (2007)
2) „Sebastian Dark: Der Piraten-Prinz“ (2008)

_Die Sprecher_

Sebastian Dark: Martin Wolf
Martin Wolf ist ein Schauspieler, der seit 2005 zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg gehört. Er spielt in Fernsehserien wie „Unser Charly“ und TV-Filmen mit.

Der Erzähler: Bernd Stephan
Bernd Stephan ist Schauspieler und gehörte mehrere Jahre zum Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Er spielte in Kinofilmen und TV-Produktionen mit und arbeitet heute vor allem als Synchron- und Hörbuchsprecher.

Hauptmann Cornelis Drummel: Robert Missler
Robert Missler ist Schauspieler, Kabarettist, Radio- und Synchronsprecher. Er hat bei mehr als 1700 (!) Live-Auftritten mitgewirkt, unter anderem in der Comedy Soap „Pension Schmidt“. Er ist im Kinofilm „Käptn Blaubär“ und „Werner 4“ zu hören.

Max: Gisbert-Peter Terhorst
Gisbert-Peter Terhorst arbeitete als Kabarettist für das Kinderfernsehen und ist in zahlreichen TV-Filmen und Theateraufführungen zu sehen. Er war Gründungsmitglied des Potsdamer Kabaretts „Am Obelisk“, später dessen Künstlerischer Leiter.

Leonora: Julia Nachtmann
Julia Nachtmann, geboren 1981 in Filderstadt bei Stuttgart, absolvierte von 2001 bis 2005 ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Nach Gastspielen am Volkstheater München, am Nationaltheater Weimar, am Schauspielhaus Stuttgart und einem Engagement am Thalia-Theater Hamburg gehört sie seit 2005 zum Ensemble des Schauspielhauses Hamburg. Sie tritt außerdem in TV-Produktionen auf.

Jenna Swift: Carla Swiderski
Carla Swiderski wirkte bei zahlreichen |JUMBO|-Produktionen mit, so etwa bei Andrea Wandels Reihe „Ein Pony für alle Fälle“.

Käptn Kid: Alexander zu Klampen
1997 in Hamburg geboren, ist Alexander zu Klampen Mitglied der Hamburger Alsterspatzen / Kinderchor der Hamburger Staatsoper und spielt im Deutschen Schauspielhaus Hamburg, zuletzt in „Medea“.

Sabine Hildebrandt erstellte die Lesefassung und führte zusammen mit Joschi Sorokowski Regie, die Aufnahme fand im |WunderWelt|-Studio in Hamburg statt.

_Handlung_

Sebastian Dark hat zwar für Prinzessin Kerin das Königreich Keladon von seinem „falschen König“ Septimus befreit, aber das heißt offenbar nicht, dass ihn Kerin zu ihrem Mann nimmt. O nein, sie ist ja jetzt Königin und muss auf einen standesgemäßen Mitregenten und Ehepartner achten. Selbst wenn mit Prinz Rolf ein Kandidat ausgewählt wurde, der hässlich und geistig minderbemittelt ist. Es tue ihr leid, sagt sie, und verabschiedet sich von ihren drei Freunden Sebastian, Cornelius Drummel und Max, dem Büffelob, mit Geschenken, Bussis und guten Worten. Dann macht sie sich an die Regierungsgeschäfte.

Cornelius Drummel hat eine Schatzkarte geschenkt bekommen, als er im Lazarett lag und dort einen Sterbenden kennen lernte. Dieser behauptete, es handle sich um die echte Karte, die den Weg zum Schatz des legendären Piratenkapitäns Callinestra zeige. Dieser liege auf einer Insel südlich des Piratennestes von Lemora und sei nur durch das Bestehen großer Gefahren zu erringen. Deshalb habe ihn ja noch keiner gefunden. Sebastian und Max sind bereit, ihr Glück zu versuchen und den Schatz ausfindig zu machen.

Auf ihrer Reise zur Hafenstadt Ramalat, wo sie ein Schiff chartern wollen, gelangen sie in den dichten Geltan-Wald. Sebastian fährt wieder auf seinem Wagen, Cornelius reitet auf seinem Pony Phantom. An der unheimlichsten Stelle lässt sich eine riesige Baumschlange herabfallen und beginnt, Cornelius zu würgen. Sebastians Schwert prallt wirkungslos am Panzer des Riesenviehs ab. Es schleudert ihn mit dem Schwanz an einen Baum, so dass er kurzzeitig das Bewusstsein verliert. Als er erwacht, schießt ein unbekannter junger Mann der Schlange ins Auge, und sie stirbt qualvoll. Doch Cornelius lebt.

Nachdem Cornelius sein Pony, das ein gebrochenes Bein hat, von seinen Leiden erlöst hat, folgen sie der Einladung des jungen Schützen. Adam führt sie zu einer Höhle, wo seine Schwester Leonora Essen kocht, das köstlich duftet. Sie ist jung, schön und hat ungewöhnliche goldgelbe Augen. Den drei Freunden wird’s ganz unheimlich zumute, als sie anfängt, die Gedanken von Cornelius vorzulesen. Adam sagt, sie habe die „Gabe des inneren Auges“. Sie habe von den Reisenden geträumt, weshalb Adam sie schnell finden und retten konnte.

Leonoras Berührung, als sie sein Schicksal aus seiner Hand liest, elektrisiert ihn. Nach dem Essen, als Cornelius und Max schlafen gegangen sind, fragt sie Sebastian aus. Ihm wird von ihrem Wein und gelben Blick ganz schwummrig. Hinterher kann er sich an nichts erinnern. Bestimmt hat er ihr nichts von der Schatzsuche erzählt, beteuert er Cornelius gegenüber. Doch warum hat dann Adam am Morgen Cornelius angegriffen, um ihm die Schatzkarte zu rauben? Etwas stimmt hier nicht, finden Max und Cornelius. Doch Adam und Leonora entkommen ihren Klingen und ihrer Suche. Fast scheint es, als habe der Erdboden sie verschluckt.

Sie reisen weiter. Es tritt allerdings ein, was Cornelius, der erfahrene Krieger erwartet hat: Adam verfolgt sie. Allerdings nicht in seiner Menschengestalt, sondern in Form eines schwarzen Panthers. Im Kampf kommt Adam zu Tode, weil er vom Wagen überrollt wird. Leonora taucht ebenfalls in Gestalt eines Panthers auf, doch sie verwandelt sich in eine nackte Frau. Im Zorn über den Tod ihres Bruders zeiht sie Sebastian des Mordes und belegt ihn und seine Freunde mit einem Fluch. Er solle den Schatz niemals genießen können, selbst wenn er ihn fände. Protest ist zwecklos. Als Cornelius sie angreifen will, verschwindet sie in einem blendenden Blitz. Auf der Weiterreise muss Sebastian ständig an sie denken. Wenn Cornelius sie eine Hexe nennt, verteidigt er sie. Seine Freunde konstatieren verwundert: Sebastian steht unter einem Liebeszauber!

In Ramalat finden sie ein Schiff, das sie nach Lemora bringen kann. Die |Seehexe| gehört Kapitänin Jenna Swift, und die junge Frau ist eine Schnellmerkerin: Kaum hat sie erfahren, dass sie zu einer Insel südlich von Lemora segeln wollen, verlangt sie ein Drittel vom Schatz. Die Gefährten sind baff – woher weiß sie das? Es sei doch klar, dass sie nur hinter Kpt. Callinestras Schatz her sein könnten – wer sonst würde sich Lemora auch nur auf hundert Seemeilen nähern, diesem elenden Piratennest? Sie hasst Piraten, von denen zwei ihren geliebten Vater auf dem Gewissen haben. Wenn sie Sully und Bones jemals findet, so würde sie ihnen den Hals umdrehen!

Doch nur wenige Tage nach dem Auslaufen (mit Max unter Deck) gerät die |Seehexe| in ein heftiges Gefecht mit Piraten und einem dritten Schiff, das Leonora an Bord hat. Fortan werden sie stets unwillkommene Gesellschaft haben …

_Mein Eindruck_

„Sebastian Dark“ bietet unterhaltsame Standardabenteuer für Jugendliche. Der Vorgängerband „Der falsche König“ spielte mit den Klischees von „Shrek“, der Parodie auf zahllose Märchen und Fantasyklischees. Doch ist „Der falsche König“ selbst keine Parodie, ganz im Gegenteil. Auch „Der Piratenprinz“ bedient sich der Versatzstücke, die ihm das inzwischen wiederbelebte Genre der Piratenabenteuer bietet. Abenteuer und Action wechseln sich mit Romantik und Humor ab. Immer wieder sorgen die Eskapaden von Cornelius und Max für komische Szenen, wodurch „Der Piratenprinz“ wesentlich heiterer wirkt als der erste Band.

Wegen der zahllosen Klischees sticht das Auftauchen zweier Gestaltwandler, die aus dem Horrorgenre bekannt sind, ungewöhnlich stark heraus. Solche Wandelwesen sind entweder aus dem Werwolfgenre oder aus alten Volkslegenden bekannt. (Tatsächlich gehören Werwölfe zu den ältesten Fabelwesen überhaupt; der Lykanthropus war schon Griechen und Römern vertraut.)

Zugleich wird Leonora zu einer Hexe stilisiert, die Züge von Circe annimmt. Der Liebeszauber, mit dem sie Sebastian belegt, mag zunächst Anlass zu Komik geben, doch gerade im Moment höchster Not macht sich der Bann, unter dem er steht, sehr unvorteilhaft bemerkbar. Merke: Man gehe Zauberinnen tunlichst aus dem Weg, auch wenn sie nackt echt gut aussehen! Leonora ist im Personal der Gegenpol zu der positiv geschilderten Jenna Swift, einer patenten Kapitänin, die sich in Sebastian verliebt. Doch dem steht der Sinn nach einer anderen: Liebeslust und Liebesfrust!

Nicht genug mit dem Piratengenre, bedient sich der Autor auch noch bei „Jurassic Park“, so dass Velociraptoren auftreten, beim „Weißen Hai“, „Moby Dick“, dem „Fluch der Karibik“ mit seiner Schatzhöhle und sogar bei „The Lost World“. Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, erdichtete zwecks Aufbesserung seiner Portokasse ein verlorenes Land irgendwo in Venezuela, wo Urzeitviecher bis heute überlebt hätten. Es gab bekanntlich mehrere erfolgreiche Verfilmungen dieser Räuberpistole, und stets spielten die Raubsaurier die Rolle der Oberbösewichte. (Was ziemlich unfair ist, denn sie waren ja die Gesundheitspolizei der Kreidezeit.)

Das Plateau der Saurier ist nur über einen Baumstamm zu erreichen, der einen bodenlosen Abgrund überbrückt. Genau auf einem solchen Baumstamm findet der erste Showdown mit Leonora statt. Dass nun seine Verzauberung aufhört, nützt Sebastian herzlich wenig, denn sogleich gerät er in die Hände fieser Piraten, die ihm den Schatz abluchsen wollen. Wie das ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Aber das nächste Abenteuer führt ihn ebenfalls auf eine Schatzsuche – in die dampfenden Dschungel des Südkontinents.

|Die Sprecher|

Zuerst zu den guten Sprechern. Der Erzähler Bernd Stephan ist die herausragende, dominierende Stimme in diesem Ensemble. Man merkt ihm seine lange Erfahrung als Sprecher und Schauspieler an. Er kann nicht nur interessant erzählen, sondern auch seine Stimme in erstaunliche Höhen erheben und sie so modulieren, dass er mehrere Figuren darstellen kann. Dazu gehört etwa die krächzende Hexe Magda oder der kriecherische Diener Maltus.

Hauptmann Cornelis Drummel wird von Robert Missler gesprochen, der beeindruckende Referenzen vorweisen kann. Über seinen Auftritt habe ich mich immer wieder gefreut. Er erweckt den furchtlosen Kriegerzwerg zum Leben. Der Büffelob Max wird von Gisbert-Peter Terhorst gesprochen. Max‘ vorherrschende Tonart ist die des Jammers, Nörgelns und der sarkastischen Kritik. Aber Sebastian mag ihn trotzdem.

Leonora wird mit sehr verführerischem und sanften Timbre von Julia Nachtmann gesprochen, ach was: gesäuselt! Ich habe ihr sofort die Zauberin abgenommen, und dass sie eine Raubkatze sein kann, erschien mir plausibel. Dass Leonora auch zubeißen kann, beweist sie mit dem Fluch auf Sebastians Unternehmung und ihrem Liebeszauber. Auf dem Baumstamm bringt sie ihn beinahe um.

Carla Swiderski weiß nicht zu intonieren oder Gefühle auszudrücken, von einer Reaktion auf die anderen Sprechern kann keinerlei Rede sein. Ihre Intonierung ist hart und monoton, so dass ich es für extrem unwahrscheinlich halte, dass sich ein Sebastian in sie verliebt. Wahrscheinlich hat sie schnell vom Blatt abgelesen, um ihren Part runterzurasseln. Jenna Swift soll ja eigentlich den positiven Gegenpol zu Leonora, der Hexe, bilde. Die grandiose Ironie dieser Darstellung führt jedoch dazu, dass alle unsere Sympathien Leonora gehören und keine Jenna. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein.

Martin Wolf bemüht sich weiterhin hörbar, seinen Sebastian Dark zum Leben zu erwecken, doch es gelingt ihm kaum an einer Stelle. Er weißt die gleichen Kennzeichen wie Carla Swiderski auf: keine Intonierung, null Engagement, keine Routine, kein Einfühlungsvermögen, keine Reaktion auf andere Sprecher. Auch seine Figur agiert quasi im luftleeren Raum und erringt an keiner Stelle unsere Sympathie. Das ist sehr schade, denn Sebastian ist ja schließlich die titelgebende Hauptfigur.

Besonderes Lob gebührt dem erst zwölfjährigen Sängerknaben Alexander zu Klampen. Er spielt gleichaltrigen Piratenkapitän Kid (bürgerlich Herbert Donovan) mit Lust und Begeisterung, so dass ich mich stets über seine – leider viel zu kurzen – Einlassungen freute. Man merkt, dass er auf Bernd Stephans Darstellung von Kids wiedergefundenem Vater Donovan schnell und richtig reagiert, als hätten die beiden nebeneinander gestanden. Mit seiner glockenhellen Stimme wird Alexander hoffentlich eine erfolgreiche Karriere vergönnt sein.

|Musik|

Da es weder Musik noch Geräusche gibt, brauche ich darüber keine Worte zu verlieren. Aber sie hätten der akustischen Darbietung erheblich geholfen. Schließlich wendet sich das Buch an ein jugendliches Publikum, das unterhalten werden will.

_Unterm Strich_

„Sebastian Dark“ bietet unterhaltsame Standardabenteuer für Jugendliche. „Der Piratenprinz“ bedient sich der Versatzstücke, die ihm das inzwischen wiederbelebte Genre der Piratenabenteuer bietet. Auch Anleihen bei „Jurassic Park“, „Der weiße Hai“ und „Die verlorene Welt“ peppen die Mischung recht angenehm auf. Abenteuer und Action wechseln sich mit Romantik und Humor ab. Ungewöhnlich ist das Auftreten zweier Gestaltwandler, von denen sich einer als verführerische Zauberin entpuppt.

Die Handlung belegt, dass der Autor rasch dazugelernt hat und die Fehler vermied, die er in „Der falsche König“ noch reihenweise beging. Deshalb fand ich dieses Seeabenteuer wesentlich vergnüglicher als den Vorgänger.

|Das Hörbuch|

Fünf gute Sprecher stehen diesmal verbesserungsfähigen Sprechern gegenüber, das ist ein wesentlich besseres Leistungsverhältnis als im Vorgänger-Hörbuch, wo sich gut und schlecht noch im Verhältnis fifty-fity verteilte. Insbesondere Julia Nachtmann als Leonora und Alexander zu Klampen als Kpt. Kid wussten mich zu begeistern. Dass wir Leonora, die Hexe, sympathisch und die positiv gezeichnete Jenna Swift als Zicke, widerspricht wohl der Absicht des Autors und ist einzig auf die Leistungen der beiden Sprecherinnen zurückzuführen.

|Originaltitel: Sebastian Dark – Prince of Pirates, 2008
Aus dem Englischen von Mareike Weber
270 Minuten
ISBN-13: 978-3-8337-2253-0|
http://www.jumboverlag.de
http://www.randomhouse.de/specialskids/caveney__sebastiandark/