Ben hat Geburtstag und das Geburtstagskind dürfte traditionell das Klassenmaskottchen mit nach Hause nehmen. Aber wer spielt denn in der dritten Klasse noch mit einem Stoffdino? Also bleibt das Plüschtier in der Krims-Krams-Kiste. Zum Glück, denn in der Nacht ist es besonders wichtig, dass die Klassenmaskottchen Dino, Hörnchen und Mümmel auf ihre Schule aufpassen. Bald gilt es sogar, ihr Zuhause vor einem fiesen Einbrecher zu schützen. In der fantasievollen Geschichte von Kai Pannen sind die Klassenmaskottchen nämlich im Geheimen lebendig, wenigstens solange wie die Kinder an sie glauben.
Wir erinnern uns: Der Schwarzmagier DomDaniel ist besiegt und Septimus Heap, der siebte, verschollen geglaubte Sohn der Heaps, ist wieder da. Er dient als Zauberlehrling bei der Außergewöhnlichen Zauberin Marcia Overstrand, während seine beste Freundin und Adoptivschwester Jenna sich auf ihre Aufgaben als künftige Königin vorbereitet. Nur Simon Heap, der Bruder der beiden, hat sich dem Dienst an DomDaniel verschrieben und will diesem wieder zu alter Macht verhelfen – mit sich selbst als künftigem Zauberlehrling. Er setzt einen perfiden Plan ins Werk, an dessen Beginn Jennas Entführung steht …
_Die Autorin_
Geboren 1952, wuchs Angie Sage in Thames Valley, London, und Kent auf, studierte später Grafikdesign und Illustration an der Art School in Leicester und arbeitet heute als Illustratorin von zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern. Bisher war sie vor allem durch Bilderbücher bekannt. Nach dem Kinderbuch „Monkeys in the Jungle“ trat sie mit der „Septimus Heap“-Reihe wieder als Autorin in Erscheinung. Mit [„Septimus Heap, Book One: Magyk“ 2469 legte sie ihren ersten großen Roman vor, der gleich auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste landete. Heute lebt sie mit ihrer Familie als Autorin und Illustratorin in Cornwall.
_Handlung_
Alles könnte so friedlich sein auf der riesigen Burg, welche die Acker- und die Tieflande überblickt. Septimus Heap widmet sich seinen Studien als Zauberlehrling der Außergewöhnlichen Zauberin Marcia Overstrand. Doch er wird immer wieder von einer schwarzen, haarigen Spinne gebissen, so dass Marcia ihn schließlich heilen muss. Sie selbst ist auch nicht wenig beunruhigt durch den seltsamen Schatten, der ihr auf Schritt und Tritt folgt. Wer hat ihn geschickt und worin besteht seine Aufgabe? Die Zeit wird’s weisen.
Da prescht eines Morgens Septimus‘ unzufriedener Bruder Simon durchs Burgtor, treibt seinen Rappen durch die Blumenbeete, an seinen verblüfften Eltern vorbei und schnappt sich seine Adoptivschwester Jenna, die Königstochter. Alle Proteste helfen Jenna nichts. Sie hat einen wichtigen Termin einzuhalten, denn sie soll am nächsten Tag, an Mittsommer, Zwiesprache mit dem Drachenboot in den Marram-Marschen halten, so wie jede der Königinnen vor ihr. Und nun kommt dieser Simon und schnappt sie vom Fleck weg!
Während Simons Mutter noch an einen Scherz glaubt, erkennt Septimus ganz richtig, was hier vor sich geht. Er stellt sich Simons Pferd in den Weg, bevor er die Stadt unter der Burg verlassen kann, und zwingt es mit seinem Blick zu erstarren. Leider ist sein Wille noch nicht stark genug – Simon bricht den Bann und reitet mit Jenna davon.
Septimus ist sehr besorgt, denn wer weiß, wohin Simon sie bringt. Doch absolut keiner will ihm glauben, dass etwas Schreckliches geschehen sei. Bis er endlich an die Werft gelangt und bei seinem Bruder Nicko Gehör findet. Nicko weiß auch, was zu unternehmen ist: Sie brauchen einen Fährtensucher, den er im Wald kennen gelernt hat. Dieser Wolfsjunge lebt bei seinen Brüdern, die mit den Wendronhexen im großen Wald leben. Allerdings dürfen sie nicht den Wolverinen begegnen, sonst könnte es gefährlich werden. Septimus stimmt dem Plan zu und packt. Dabei nimmt er ein wichtiges Andenken mit, das er von Jenna hat: einen grünen Stein. Damit hat es eine besondere Bewandtnis.
Simon bringt Jenna in die düsteren Ödlande, wo zwischen schwarzgrauen Schieferbrüchen eine Schlucht liegt, in deren Wänden die gefährlichen Landwürmer hausen. Am Steilhang der Schlucht führt ein schmaler Steig hinauf zu Simons Observatorium. Vor einer Geheimtür im Fels hält Simon an, spricht einen Satz rückwärts, und die Tür öffnet sich. Es nützt Jenna nichts, sich zu sträuben: Sie muss mit in den Berg, als Simons Gefangene.
Doch Septimus hat ihr am Morgen halb im Scherz einen Charm geschenkt, den sie nun einsetzt. Der Charm, magischer Gegenstand, vermag jegliche Materie in Schokolade zu verwandeln. Noch nie war Jenna der Zauber von süßer Schokolade so willkommen wie hier in ihrer Gefängniszelle!
_Mein Eindruck_
Mir sind bislang nur wenige Romane untergekommen, die fast die Hälfte ihres Umfangs benötigen, um die Handlung in Fahrt zu bringen. Jules Vernes [„Die Jagd auf den Meteor“ 3354 war so eines, und „Flyte“ ebenfalls. Bis Jenna in Sicherheit ist und Septimus wiedersieht, vergehen 250 Seiten. Man könnte auch behaupten, damit sei ein kleiner Roman abgeschlossen, doch leider hat diese Episode schlicht gar nichts mit dem vorangegangenen Buch zu tun. Sie wurde lediglich eingeschoben, um Jenna und Septimus etwas zu tun zu geben und zwei Bekanntschaften zu machen, die später noch von Bedeutung sind. Ich betrachte diese 250 Seiten als Prolog.
Erst als Jenna dann jenes Ritual mit dem Drachenboot vollziehen kann, auf das sie sich tags zuvor vorbereitet hat, beginnt die eigentliche Handlung. Diese knüpft folgerichtig an jene Geschehnisse an, von denen in [„Septimus Heap – Magyk“ 2469 die Rede war. Und natürlich führt das Ritual zu erheblichen Veränderungen in der Realität der Kinder: Das Drachenboot kann fliegen! Eben wie ein richtiger Drache.
Der Titel des Buches – „Flyte“ – ist auch sein Programm: Es geht ums Fliegen. („Flyte“ könnte man als veraltete Schreibweise des Wortes „flight“ = Flug auffassen.) Es ist schon schlimm genug, dass Simon Heap mit Hilfe eines Charms fliegen kann, um so das Drachenboot zu attackieren. Es ist klar, dass auch Septimus dringend Flugunterricht benötigt. Wie sich herausstellt, kann er dazu seinen Jungdrachen Feuerspei abrichten und obendrein Simons Flug-Charm entwenden und „upgraden“. Nun hat Septimus die Oberhand und zeigt Simon, was eine Harke ist.
Doch Simon, der hauptsächliche Bösewicht in diesem Band, scheint noch zwei Asse im Ärmel zu haben. Er kennt sich bestens in den Tunneln aus, die unter der Stadtburg verlaufen und beispielsweise auch in den Zauberturm von Marcia Overstrand führen. In diesen eisigen Tunneln treiben sich zwar Geister herum, aber die gibt es im Zauberturm ja auch zur Genüge, so dass sie Simon nicht schrecken.
Simon verfolgt einen Plan, den Septimus erst sehr spät erkennt, fast schon zu spät. Dazu gehören ein Skelett aus dem Sumpf, eine Schattenfängermaschine, der Schatten selbst und eine geheime Zutat, die hier nicht verraten werden darf.
Immer wieder hat mich verblüfft, dass die Kinder, die lediglich elf Jahre alt sind, sich aufführen und reden, als wären sie schon fünfzehn oder sechzehn. Sicherlich besteht ein Anspruch auf eine gewisse gebildete Ausdrucksweise, die an die Stelle von Babysprache tritt. Doch es ist vor allem das Verhalten der Kinder, das nicht so sehr präpubertären Jungs und Mädels angemessen erscheint, als vielmehr Jugendlichen, die schon wissen, wie man zuschlägt. Diesen Eindruck verstärken die Zeichnungen von Mark Zug, die jedem Kapitel wie eine Vignette voranstehen. Die Jungs sehen wie Krieger oder Jäger aus, die Mädels wie junge Damen.
|Feminismus – was war das noch gleich?|
Die unerklärliche Diskrepanz setzt sich fort in den kriegerischen Aktionen von Simon vs. Septimus, die im Widerspruch zu einer ständig kreischenden und schreienden Jenna stehen. In Gefahr hat sie lediglich die Aufgabe, verbal durchzudrehen, auf dass die männlichen Mitglieder ihrer Gruppe alarmiert werden und etwas TUN.
Frauen scheinen meist die Aufgabe des Fühlens und Erlebens zu haben, Männer hingegen die des Tuns, besonders wenn es um die Verteidigung eben jener hilflosen Frauen geht. Es gibt nur eine Ausnahme von dieser Regel: Tante Zelda, die Hüterin des Drachenboots. Und vielleicht noch die Anführerin der Wendronhexen, doch diese weise alte Frau tut nichts, sondern erteilt nur Rat. Selbst Marcia Overstrand, die Zauberin, stellt sich als besonders begriffsstutzig heraus.
Man könnte glatt seinen Glauben daran verlieren, dass so etwas wie Feminismus und Emanzipation jemals stattgefunden hat. Ansonsten werden nämlich uralte Rollenbilder bestätigt. Was einer der Gründe sein könnte, warum sich die Septimus-Heap-Bücher so gut verkaufen. Mit guter Literatur hat das nichts zu tun.
|Die Übersetzung|
Ein Ball prallt nicht ab, er „dotzt“ an das Fenster. Wie man sieht, kommt hier die Umgangssprache zu ihrem Recht. Aber auch die alte Poetensprache: Auf Seite 200 redet die weise Hexe (s. o.) nicht etwa von Gefahren, sondern von „Fährnissen“. Was man sich allerdings unter „Wolverinen“ vorstellen soll, ist zunächst nicht klar. Jedenfalls haben sie nichts mit dem X-Man Wolverine zu tun, so viel steht fest. Aber Vielfraße, wie die deutsche Übersetzung von „wolverine“ nahelegt, sind es auch nicht. Dafür sind sie zu schlau und zu menschenähnlich. Sagen wir der Einfachheit halber: Es sind Wölfe mit besonderen Fähigkeiten. Aber wozu sie dann „Wolverinen“ nennen?
_Unterm Strich_
Ich habe schon wesentlich spannendere Fantasyromane gelesen. „Flyte“ erreicht auf der nach oben offenen Matzer-Skala der Spannung nicht einmal eine zwei. Wieder und wieder ertappte ich mich dabei, dass ich einfach einige Seiten überschlagen wollte – und konnte der Versuchung nicht widerstehen. Die Schilderung ist auch einfach zu dröge und vorhersehbar. Obwohl hier Sechzehnjährige handeln und der Verlag angibt, das Buch sei für Elfjährige geeignet, könnten es Achtjährige es ebenso gut verstehen, ohne dass ihnen die Bedeutung der Sätze entginge. Ich war jedenfalls chronisch „überqualifiziert“.
Sicher, es mag ein paar nette Szenen geben, doch sie sind derart kindgerecht inszeniert, dass schon zu Beginn klar ist, wie sie ausgehen werden. Die Augsburger Puppenkiste ist bestimmt lustiger. Zudem hat mich gewundert, warum im Hörbuch zu „Magyk“ drei Karten zu finden sind, in der gedruckten Ausgabe von „Flyte“ aber nur eine großmaßstäbliche Landkarte. Weder eine Karte der Burg noch der Stadt drumherum ist zu finden. Das finde ich ein echtes Manko, denn wer den Vorgängerband nicht kennt, kann mit Bezeichnungen wie „Die Anwanden“ überhaupt nichts anfangen.
Fazit: Dieser zweite Band ist eher mäßig. Wer Spannung und ein intelligentes Abenteuer sucht, wird woanders eher fündig.
|Originaltitel: Septimus Heap. Book Two: Flyte, 2006
474 Seiten
Aus dem Englischen von Reiner Pfleiderer
Illustriert von Mark Zug|
http://www.hanser-verlag.de/
Selten war ein Buchserientitel treffender formuliert: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“. Sie brechen nacheinander über drei Waisen herein, die Baudelaire-Kinder. Band 6 führt sie in das irrsinnig große Penthaus ihrer neuen Vormünder Esmé und Jerome Elend. Doch das Leben im Luxus hat seine Tücken, und auch Graf Olaf ist nicht weit entfernt. Natürlich glaubt ihnen mal wieder niemand.
|Der Autor|
Verlagsinfo: „Lemony Snicket wurde in einem kleinen Ort geboren, in einem Landstrich, der heute unter Wasser steht. Mittlerweile lebt L. S. in der Stadt. In seiner Freizeit sucht er die Orte auf, an denen auch die Baudelaire-Kinder sich aufzuhalten gezwungen waren, um möglichst wahrheitsgetreu über ihr Schicksal berichten zu können. Wer will, kann L. S. im Internet unter http://www.lemonysnicket.de besuchen. Aber wir warnen dringend davor.“ So weit der Text im Buch. Nicht sonderlich aufschlussreich.
Der Zyklus „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“:
1) Der schreckliche Anfang
2) Das Haus der Schlangen
3) Der Seufzersee
4) Die unheimliche Mühle
5) Die Schule des Schreckens
6) Die dunkle Allee
|Der Illustrator|
„Brett Helquist wurde in Ginado, Arizona, geboren, wuchs im Orem, Utah [dem Mormonenstaat], auf und lebt heute New York City. Er studierte Kunst an der Brigham Young University [in Utah] und arbeitet seither als Illustrator für die „New York Times“ und viele andere Publikationen.“ (Die Einfügungen in eckigen Klammern stammen von mir.)
_Vorgeschichte_
Zunächst führten die drei Baudelaire-Kinder eine sorgenfreie Existenz. Sie verbringen den Schicksalstag am Strand und freuen sich des Lebens, jedes nach seinen Vorlieben. Violet, mit 14 Jahren die älteste von ihnen, denkt an eine neue Erfindung, denn sie hat die Fähigkeiten eines Ingenieurs.
Klaus, mit zwölf Jahren der zweitälteste des Trios, ist ein Bücherwurm und Wissenssammler – ein wandelndes Lexikon, aber nicht unfehlbar oder gar allwissend. Und schließlich wäre da noch die kleine Sunny, die noch ein Kleinkind ist, in alles hineinbeißt und kaum ein vollständiges Wort zu sagen vermag, geschweige denn ein verständliches. Aber Sunnys markante Aussprüche werden jedes Mal vom Autor übersetzt.
Doch an besagtem Schicksalstag brennt das Haus ihrer Eltern, in dem sie behütet und geliebt aufwuchsen, vollständig nieder. Der Nachlassverwalter Mr. Poe, ein ewig kränkelnder Bankangestellter, weiß mit den Kindern nichts anzufangen und bringt sie zu einem Vormund nach dem anderen, zuerst zu Graf Olaf, der nur ihr Vermögen will, dann zu Onkel Monty, der vorzeitig das Zeitliche segnet, und schließlich zu Tante Josephine Anwhistle, die am Seufzersee wohnt.
Doch die Kinder fürchten, dass Graf Olaf, der bereits in mehreren Verkleidungen hinter ihnen her war, auch diesmal einen Weg finden wird, die Vormundschaft über sie zu erringen. Zwar soll Violet erst das Familienvermögen erben, wenn sie 18 und volljährig ist, doch Graf Olaf kennt einen Weg, dies zu umgehen: Er muss Violet nur heiraten und das Vermögen gehört ihm.
_Handlung_
Mr. Poe, ihr hustender Vermögensverwalter, bringt die drei Waisen zur nächsten Station ihres Leidensweges. Aus der „Schule des Schreckens“ sind sie rausgeflogen, nachdem „Trainer Dschingis“ seinen Plan hatte erfolgreich umsetzen können. Leider verloren sie dabei auch ihre einzigen Freunde, die Quagmeirs, die er entführte. „Er“ ist natürlich Graf Olaf in einer seiner tausend Verkleidungen.
Das neue Domizil befindet sich in der Dunklen Allee, Hausnummer 667, also in einer recht vornehmen Gegend, unweit ihres abgebrannten Elternhauses. Doch die Straße trägt ihren Namen völlig zu Recht, wie sie schnell herausfinden. Die Dunkelheit hat auch gewisse Herzen erfasst.
Nachdem sie sich die Treppen ins 48. oder 84. Stockwerk hinaufgeschleppt haben, weil der Fahrstuhl außer Betrieb ist, werden sie am Penthaus freudig von Onkel Jerome Elend begrüßt. Er ist ja so ein netter Kerl, der ihnen gerne etwas Gutes tun und ihnen die Wünsche von den Augen ablesen würde – wenn da nicht seine grässlich vornehme Frau Esmé wäre. Esmé Elend – der Name spricht ihrem Reichtum Hohn – ist nicht nur die „sechstwichtigste Finanzberaterin der Stadt“, sondern richtet sich auch strikt danach, was in ist und was out.
Fahrstühle, so viel haben die Waisen mühselig bemerkt, sind momentan mega-out. Auch künstliche Beleuchtung, weshalb die zwei Bewohner des Penthauses kaum zu erkennen sind – die „dunkle Allee“ trägt ihren Namen zu Recht. Zum Glück sind Waisen noch in – mit der Betonung auf „noch“. Schnell lernen die Waisen, was eine „Marotte“ ist: eine persönliche Eigentümlichkeit. Dass statt Mineralwasser „Aquamartinis“ (siehe unten) serviert werden, geht ja noch an, aber dass alle Kinder, auch Babys wie Sunny, Nadelstreifenanzüge tragen müssen, führt zu ernsthaften Zweifeln am Geisteszustand ihrer Vormünder. Die Wohnung ist so groß, dass sie sich darin verirren.
Esmé geht leidenschaftlich gerne zu Auktionen. Nein, nicht zu eBay, denn in den Baudelaire-Romanen kommt Internet nicht vor. Sie geht zu richtigen Auktionen, wo sich die oberen zehntausend treffen. Sie kauft nicht, sondern nimmt ein. Direkt in ihre Handtasche. Der weltbeste Auktionator ist in ihren Augen Gunther, der so komisch redet. Doch als er endlich auftaucht, kann die lange, hagere Gestalt mit dem Monokel und den Stiefeln die Baudelaires keine Sekunde lang täuschen: Graf Olaf!
Dann beginnt das gleiche traurige Spiel von Neuem: Sie versuchen die doofen Erwachsenen zu überzeugen, welch schrecklicher Mensch dieser Gunther ist, doch keiner glaubt ihnen, weil er sich so gut verkleidet hat. Esmé schickt Jerome mit den Kindern ins Café Salmonella, wo man nur Lachs (salmon) zu essen bekommt und alles eklig nach Lachs schmeckt. Sogar die Kellner sehen wie Lachse aus. Derweil gehe sie, Esmé, mit Gunther den neuen Auktionskatalog durch.
Als sie zurückkehren, stellt sich ihnen ein Rätsel. Esmé hatte ihnen verboten, in die Wohnung zurückzukommen, solange Gunther noch da ist. Okay. Da der Portier im Erdgeschoss sagt, Gunther habe das Haus nicht verlassen, bleiben sie unten, um auf Gunther zu warten. Jerome geht schon mal hoch. Nach einer Weile erscheint Esmé und wundert sich. Gunther sei doch schon längst weg. Sie könnten also endlich raufkommen.
Wo ist Gunther abgeblieben, wenn er doch das Haus nicht über die Treppe und die Haustür verlassen hat? Klaus kommt heftig ins Grübeln. Wenn alle anderen Möglichkeiten ausscheiden, bleibt nur noch eine Lösung übrig, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag. Also sprach Sherlock. Die Baudelaires machen sich auf die Suche.
_Mein Eindruck_
Die folgenden Kapitel sind voll spannender Ermittlungen, grotesker Ergebnisse, einem Wiedersehen mit den vermissten Quagmeirs und einem perfekten Showdown während einer Auktion. So viel Action sollte es öfters geben, finde ich. Und der zunehmende Umfang der Romane lässt mehr erhoffen: Dieser Band hat etwa 50 Seiten mehr als Band 4.
|Das Element der Überraschung|
Wieder einmal lernen die Baudelaires wichtige Lektionen fürs Leben. So zum Beispiel, dass das Periodensystem der chemischen Elemente unvollständig ist. Es fehlt das Element der Überraschung. Dieses Element spielt in vielen Szenen eine entscheidende Rolle, wie sich herausstellt. Jeder sollte sich eingehend und frühzeitig, besonders Kinder, mit dem Element der Überraschung vertraut machen.
|Der unfaire Vorteil|
Und dann wäre da noch der unfaire Vorteil. Der unfaire Vorteil liegt in den Augen der Baudelaires meistens auf der Seite der Erwachsenen – was angesichts der geringen Größe der Kinder und ihres geringen Alters natürlich höchst unfair ist. Aber wer hat je behauptet, dass das Leben gerecht wäre? Also müssen sich die Baudelaires – wieder einmal – etwas einfallen lassen, um den unfairen Vorteil auszutricksen. Was ihnen auch mit den unwahrscheinlichsten Mitteln gelingen wird, so viel sei schon mal verraten.
|Gib dem Bösen eine Chance|
Auch das Abenteuer, das sie in „Die dunkle Allee“ bestehen müssen, beweist ihnen, dass das Böse in Gestalt von Graf Olaf und seinen Schergen nur triumphieren kann, wenn die Schwächen der Mitmenschen das zulassen. Esmé zum Beispiel. Sie ist die Verkörperung von Egoismus und Habgier, aber auch ein Spielball der Mode. Sie hechelt allem hinterher, was in ist und was out. Die Größe ihres gigantischen Penthauses reicht ihr nicht. Sie würde am liebsten noch Waisenkinder auf der Auktionen versteigern, wenn das nicht ungesetzlich wäre. Besitz befriedigt ihre emotionale Hohlheit.
Das macht sie zur Tyrannin über ihren Mann, den netten und gütigen Jerome: ein großer Junge. Er ist schwach, weil er es nie zu einem Streit kommen lassen will. Daher kuscht er immer und erfüllt jede von Esmés Launen. Seine Menschenkenntnis ist dementsprechend eingeschränkt. Graf Olaf täuscht ihn mit links. Eigentlich ist es sehr schade um Jerome. Vielleicht werden ihm im Verlauf der Handlung noch die Augen für die Realität geöffnet.
Was Wunder also, dass unsere braven drei Kids Probleme haben zu beurteilen, was wirklich, wahr und echt ist und was nicht. Gunther beispielsweise ist ein falscher Fuffziger. Aber kann eine Wohnung, die über 71 Schlafzimmer und 849 Fenster verfügt, echt sein? Mal ehrlich. Und kann ein Fahrstuhl, der nur eine Tür hat, aber keine Kabine, real sein? Wohl kaum.
Wieder ist Sherlock Klaus gefragt, der Forscher. Wenn es um Erfindungen geht, ist Violet gefragt. Leider kommen ihre Erfindungen nicht immer zur richtigen Zeit: Sie ist ihrer Zeit manchmal voraus. Dieses Schicksal teilt sie mit vielen Genies. Und Sunny? Sie ist ebenfalls genial, aber wenn’s drauf ankommt, setzt sie lieber die vier Zähne ein, die sie schon hat. Ergo: Graf Olaf hat keine Chance. Oder?
_Unterm Strich_
Band 6 ist also voller Action, spannender Ermittlungen, unheimlicher Situationen, falscher Identitäten und grotesker Leute und Orte. Es vergeht kein Kapitel, in dem nicht für genügend Nervenkitzel gesorgt wird. Besonders lustig sind die ersten Kapitel, in denen die Baudelaires das Zerrbild einer Luxuswohnung vorfinden, wie sie sich die unteren zehntausend ungefähr vorstellen. Auch dass hier die Mode eine ebenso große Rolle spielt wie der Klatsch und die Jagd nach Geld, entspricht den Erwartungen. Dadurch, dass diese Luxusleute dann Martinis trinken, die aus Wasser bestehen, in dem eine Olive schwimmt, und später „Petersiliensoda“, werden sie schön lächerlich gemacht.
Wirklich schlau hingegen sind die beiden wichtigsten Lektionen: die über das „Element der Überraschung“ und den „unfairen Vorteil“. Wer ihnen mit geeigneten Mitteln entgegentritt, hat bessere Chancen, im Leben zu bestehen. Das Buch ist also nicht nur lustig, sondern auch lehrreich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Weil die Quagmeirs vorkommen, ist es wohl am besten, Band 5 und 6 zusammen und hintereinander zu lesen. Eigentlich selbstverständlich, aber nicht jeder hat beide Bände vorliegen oder kann sie gar in chronologischer Reihenfolge lesen. Schön, dass der Umfang immer weiter zunimmt: Hier gibt’s mehr Buch fürs Geld.
|Originaltitel: A Series of Unfortunate Events – The Ersatz Elevator, 2000
Aus dem US-Englischen übersetzt von Birgitt Kollmann|
Die Wälder vor 6000 Jahren erstrecken sich von einem Ende der Welt zum anderen, voller lebendiger Seelen – außer einer … Der 12-jährige Torak, seine Freundin Renn und ein junger Wolf haben die Welt von einem gefährlichen Dämon befreit. Jetzt bedroht eine geheimnisvolle Krankheit die Bewohner des Weiten Waldes. Die Befallenen wirken wie besessen und bringen den Tod – nicht zuletzt auch sich selbst. Torak macht sich auf, um ein Heilmittel zu finden. Sein Weg führt ihn zum Robbenclan an der Westküste.
Bei einem exklusiven Schreibwettbewerb in Cornwall will Literaturstudentin Riley ihr Talent als Autorin unter Beweis stellen, doch stattdessen wird sie unfreiwillig zur Protagonistin eines echten Thrillers … (Verlagsinfo)
Selten war ein Buchserientitel treffender formuliert: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“. Sie brechen nacheinander über drei Waisen herein, die Baudelaire-Kinder. Band 3 erzählt von ihren schrecklichen Abenteuern am großen Seufzersee, wo ihnen der fiese Kapitän Talmi nachstellt, um an ihr Vermögen zu gelangen.
„Lemony Snicket ist Amerikas Antwort auf Joanne K. Rowling und Harry Potter.“ – Buchreport
Der Autor
Verlagsinfo: „Lemony Snicket wurde in einem kleinen Ort geboren, in einem Landstrich, der heute unter Wasser steht. Mittlerweile lebt L. S. in der Stadt. In seiner Freizeit sucht er die Orte auf, an denen auch die Baudelaire-Kinder sich aufzuhalten gezwungen waren, um möglichst wahrheitsgetreu über ihr Schicksal berichten zu können. Lemony Snicket – Der Seufzersee (Eine Reihe betrüblicher Ereignisse 3) weiterlesen →
Ob am Strand, in den Bergen oder daheim im Garten: Mit diesem Buch erleben Kids-Fans garantiert spannende Ferien. Die Zahlen- und Buchstabenrätsel, lustige Fehlersuchbilder, knifflige Labyrinthe und Puzzles sind ein genialer Zeitvertreib und trainieren ganz nebenbei logisches Denken, Ausdauer und Motorik. Die Spiele und Rätsel sind liebevoll illustriert und ein neuer Kurzratekrimi mit den Kultdetektiven ist natürlich auch dabei! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Tja, der Klappentext hat mir ja eigentlich schon die ganze Arbeit abgenommen. Da bräuchte ich nur noch „Was da steht“ schreiben und gut is‘.
Von der Stärke her, find ich das Buch prima zum Herumtragen, vom Durchmesser her hätte ichs mir kleiner vorgestellt. Jacken- oder gar Hosentaschen-tauglich ists nämlich nicht. Eher etwas für den Rucksack.
Einem Wissenschaftler werden wichtige Forschungen zu einem neuen Planeten gestohlen. Justus, Peter und Bob starten die Ermittlungen … Bei diesem außergewöhnlichen Kids-Krimi erfahren die drei Detektive jede Menge Interessantes über das Weltall und die Planeten! Auf Extraseiten erklären sie ihren Fans, was sie gelernt haben, z. B. über das Sonnensystem, Galaxien und Schwarze Löcher oder über Astronauten und ihr Training. Viele farbige Fotos und Zeichnungen machen komplizierte Zusammenhänge verständlich und den Fall noch spannender. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Was „Schlau wie 4“ als Hörspielreihe für EUROPA ist, soll jetzt offenbar das neue „Die drei ??? Kids Sachwissen“ für die jüngere Ausgabe der Detektei aus Rocky Beach werden. Also, eine Story, die rund um Sachwissen-Druckbetankung geschrieben wurde, sich aber nie zu aufdringlich anfühlt, sondern eher wie neugierig gestellte Fragen mit interessanten Infos. Und was bietet sich da neben den üblichen Dinosauriern für den Anfang an? Das Weltall!
In die Villa einer reichen Familie wurde eingebrochen. Bei der Untersuchung des Tatorts fällt den drei ??? Kids ein merkwürdiges Kreidezeichen auf. Genau so eines hatten sie erst kurz zuvor am Zaun vom Schrottplatz entdeckt. Die drei Detektive finden heraus, dass es sich um typische Gaunerzinken handelt, mit denen Diebe ihre Kumpane auf gute Beute oder andere Dinge hinweisen. Jetzt heißt es, den nächsten Einbruch verhindern und die Übeltäter schnappen! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ist „den Zaun streichen“ wohl schlimmer, als den Schrott.. sorry, Wertstoffhandelhof aufzuräumen? Tante Mathilda lässt keine Langeweile aufkommen und spannt die Jungs ein. Die werden darauf direkt von Kommissar Reynolds abgezogen, um ihn zu unterstützen.
Flatterhafte Wesen werden am Nachthimmel gesichtet, Schafherden geraten in Panik und eine Person hat sogar markante rote Punkte am Hals. Treibt etwa ein Vampir in Rocky Beach sein Unwesen? Justus, Peter und Bob starten ihre Ermittlungen. Bei einer Fledermaus-Forschungsstation erfahren die Detektive viel Wissenswertes über die fliegenden Säugetiere. Doch die vermeintlichen Fledermaus-Attacken gehen weiter und für die drei ??? Kids beginnt eine gruselige Vampirjagd. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Falsche Vampire? Gabs/gibts denn echte? Ok, abgesehen von den Fledermäusen halt. Solche flattern offenbar auch in Rocky Beach herum. Ein Bewohner ist sogar so verunsichert, dass er vorsorglich erst mal Knoblauch kauft … man weiß ja nie.
Rocky Beach Crimes: Jetzt werden die beliebtesten Nebenfiguren selbst zu Detektiven. Ein Wohlfühlkrimi mit Charme und einer extra Portion Lokalkolorit aus Rocky Beach.
Kaum weilen die drei ??? einmal nicht im schönen Rocky Beach, schon geschehen dort heikle Verbrechen. Beim Backwettbewerb erleidet Jury-Mitglied Gregory Weston einen Herzinfarkt. Der berühmte Schauspieler sackt ausgerechnet über Tante Mathildas Kirschkuchen in sich zusammen. Das kann Mathilda nicht auf sich sitzen lassen. Beherzt und ohne jegliche Scheu macht sich Justus‘ Tante auf die Suche nach der Wahrheit. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
In diesem Frühjahr testballont der Verlag eine neue Spin-Off-Serie der Drei ???, bei der nicht die Jungs, sondern „Randfiguren“ aus dem ???-Universum die Hauptrolle spielen.
Niemand weiß, warum die sogenannte Salzhexe vom Salton-See in Kalifornien vor vielen Jahren plötzlich verschwand. Ist die Frau, die mit Vodoo und Geistersalz ihr Unwesen trieb, damals im See ertrunken? Nun tauchen Briefe der Hexe auf und seltsame Spukerscheinungen rufen die drei ??? auf den Plan. Gemeinsam mit ihrem alten Bekannten Professor Barrister versuchen die Detektive, das Geheimnis der Salztoten zu lüften. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Den aufgeweckten Jung-und-alt-Detektiven mit den fotografischen Gedächtnissen fällt natürlich sofort auf, dass es so ein Sonder-Buch „mit Einblicken in die Gegenseite“ schon mal gab. Das hieß „… und die Geisterfrau“, erschien vor genau zwei Jahren, war 16 Seiten dicker, hatte 3 Zeichnungen mehr zu bieten und war (und ist auch immer noch) 1 Euro günstiger.
In der Ferienanlage des ehemaligen Rockstars PJ gehen seltsame Dinge vor sich. In die Zimmer der Hotelgäste wird eingebrochen, doch die Diebe haben es nur auf die Andenkensammlung des Rockstars abgesehen. In jedem Zimmer stellt er ein Erinne-rungsstück aus seiner Musikkarriere aus. Die drei ??? ziehen selbst in die Ferienanlage ein und stoßen auf ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ferien? Sind wir hier bei den Fünf Freunden? Bevor wir das erörtern können, gehts auch direkt los. Ein Anruf und schon sitzen die Jungs in einem Wagen, der sie in die Ferienanlage bringt, in der etwas vorgefallen ist.
Ein altes Buddelschiff geht zu Bruch und zum Vorschein kommt eine seltsame Schatzkarte. Sie zeigt eine Wüste nahe Rocky Beach. Aber dort, wo der Schatz liegen soll, ist ein Schiff mit einer schwarzen Perle eingezeichnet. Ein Schiff mitten in der Wüste? Bei ihren Recherchen stoßen Justus, Peter und Bob auf die uralte Legende der Black Pearl. Doch nicht nur die drei ??? Kids sind dem Geheimnis auf der Spur …(Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Find your Fate
Dies ist kein normales „Drei ??? Kids“-Abenteuer, sondern ein „FYF-“ („Find Your Fate“) oder auch „Mitmach-„Fall. In den 1980ern gab es ein paar Versuche, um jungen Leuten mehr Spaß beim Lesen zu bereiten und sie aktiv ins Geschehen mit einzubeziehen. Mit am bekanntesten war nicht nur hierzulande die Reihe „Einsamer Wolf“.
Bob Andrews erhält unerwartet Post von einem Anwalt. Als er beim Termin in der Kanzlei erfährt, um welche Angelegenheit es sich handelt, stockt ihm der Atem. Eine alte Bekannte lässt grüßen! Sie legt eine Spur, die bis ins Reich der Toten führt. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ok, der Klappentext klingt ja schon mal richtig creepy. Wer ist denn wohl „die alte Bekannte“ und was hat das Ganze mit dem Reich der Toten zu tun? Langzeitfans haben gerade im Zusammenhang mit Bob schon einen Verdacht … der sich dann auch vor Ort in der Kanzlei bestätigt.
Deep Spring, ein verschlafener Ort in der Wüste von Arizona. Die drei ??? reisen an, um bei der Hochzeit von Kenneth O’Ryan dabei zu sein. Während die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange sind, geht noch etwas anderes vor sich: Unheimliche Maispuppen, Schüsse im Maisfeld und verurteilte Verbrecher trüben die Vorfreude auf das Fest. Können Justus, Peter und Bob die seltsamen Geschehnisse aufklären und den Hochzeitstag retten? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Da der Verlag seine ???-Romane nicht nummeriert, ists immer schwierig zu sagen, welcher Band jetzt welche Nummer trägt. Ich halte es da immer mit dem verlagsinternen Teil der ISBN (das sind die Ziffern vor der letzten, die eine Prüfziffer ist). Je höher die Nummer, desto höher die Bandnummer. Von daher wäre dieser Roman eigentlich die Nummer 226. „Wäre“ und „eigentlich“ … is‘ aber nich‘ so.
Rocky Beach Crimes: Jetzt werden die beliebtesten Nebenfiguren selbst zu Detektiven. Ein Wohlfühlkrimi mit Charme und einer extra Portion Lokalkolorit aus Rocky Beach.
Der legendäre Kunstdieb Victor Hugenay kehrt zurück nach Rocky Beach. Er hat es auf „Die Dame in Blau“ abgesehen. Doch in der Villa des kürzlich verstorbenen Harald Hastings wird Hugenay von den Erben fälschlicherweise für einen Privatdetektiv gehalten. Der Fall hat es in sich und Hugenay muss beweisen, dass er nicht nur ein gerissener Dieb, sondern auch ein Gentleman mit Köpfchen ist. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
In diesem Frühjahr testballont der Verlag eine neue Spin-Off-Serie der Drei ???, bei der nicht die Jungs, sondern „Randfiguren“ aus dem ???-Universum die Hauptrolle spielen.
Lukas ist ein Faulenzer und Tagedieb, da kommt eines Tages ein Gaukler in seine Stadt. Lukas wagt es, den Kopf in den Wassereimer des Gauklers zu stecken, und als er ihn wieder herauszieht, schwimmt er im Meer – von seiner Welt ist keine Spur mehr zu sehen!
In dem orientalischen Land Abadan, in dem er nun gelandet ist, wird er, gemäß einer Prophezeiung, als König begrüßt. Aber bald schon merkt er, dass sein neues Leben auch seine Schattenseiten hat. Gemeinsam mit einem Reimeschmied und dem rätselhaften und aufmüpfigen Mädchen Nur-Jehan muss er fliehen – und eine Welt voller Gefahren und Überraschungen erwartet ihn.
_Der Autor_
Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der sechsbändigen „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“. Alexander schrieb mit der „Westmark“-Trilogie eine historische Fantasy, die in einem Fantasieland spielt, das viel Ähnlichkeit mit dem frühen 19. Jahrhundert, aber keinerlei Magie vorzuweisen hat.
_Handlung_
Lukas Kasha ist ein junger Tagedieb, der am liebsten ohne Geld in den Tag hineinlebt. Und er ist auch noch stolz darauf, seine Mitbürger in Zara Petra ums liebe Geld zu prellen. Daher macht es dem Bruder Leichtfuß auch nichts aus, bei einem Kunststück eines Gauklers, der gerade in die Stadt gekommen ist, mitzumachen. Der Gaukler nennt sich Battisto und behauptet, er könne jeden mit Hilfe eines Wassereimers in eine andere Welt befördern. Lukas will sich nicht auf den Arm nehmen lassen und da ein Lohn winkt, steckt er seinen Kopf in den Wassereimer.
Doch er findet sich mitten in einem Ozean wieder! Mit kräftigen Schlägen schwimmt er ans Ufer. Dort schaut er zu, wie Soldaten in seltsamer Kleidung ein Mädchen auf einem schönen Pferd gefangen nehmen. Sie wehrt sich, doch Widerstand ist zwecklos. Die Soldaten werden auf den Gestrandeten aufmerksam und verhaften ihn gleich mit. Lukas fällt auf, wie schön das Mädchen ist, doch er wird sie erst Tage und Wochen später wiedersehen.
Hier ist das orientalische Land Abadan, und seine Hauptstadt ist Shirazan. In diese wird Lukas gebracht, aber nicht etwa ins Gefängnis, sondern – oh Wunder! – in den Königspalast. Zufällig trifft es sich nämlich, dass Abadan keinen König mehr hat und der Hofastrologe Locman sagte die Ankunft eines neuen Königs voraus: Lukas nämlich!
Doch was nützt es, gegen die nun folgende gute Behandlung zu protestieren, denkt sich Lukas. Schließlich wird er rundum gehätschelt und gepflegt und alle tanzen nach seiner Pfeife. Doch nach ein paar Ausflügen in die Stadt vermisst Lukas den direkten Kontakt mit seinen Untertanen: Er darf sich ihnen nicht einmal zeigen, sondern muss in seiner Sänfte bleiben. Die Palastwache unter ihrem Kommandanten verwehrt Lukas, kurz mal so in die Stadt zu gehen, um mal etwas anderes als Lakaien oder Minister zu sehen. Lukas sieht jedoch das Sklavenmädchen vom Strand wieder und nähert sich ihr in einem verbotenen Bezirk des Palastes, dem Harem: Sie heißt Nur-Jehan und hat eine sehr spitze Zunge. Sie gefällt Lukas auf Anhieb, denn sie verbeugt sich kein einziges Mal vor ihm.
Der Großwesir Shugdad findet es gar nicht witzig, dass der neue König Kasha sich in Staatsgeschäfte einmischen will, um zum Beispiel das Köpfen und Auspeitschen abzuschaffen. Wenn es nach Shugdad ginge, dürfte sich der Herrscher nur ums Spielen kümmern und ansonsten den Erwachsenen das Regieren überlassen. Als Lukas auch noch einen Reimeschmied, der etwas kritisch aufgefallen ist, begnadigt und zu seinem persönlichen Diener macht, zieht er sich die Missbilligung des gesamten Ministerrates zu. Das sieht nicht gut, Lukas.
Zum Glück erfährt Lukas von einem Geheimgang unter der Palastmauer und entschlüpft mit seinem neuen Diener Kayim in den Basar. Dort tut Lukas, was er schon immer getan hat: Er will die Händler übertölpeln. Leider sind sie genauso schlau wie er und kennen schon alle Tricks. Als er mit Kayim wieder in den Palast zurückkehrt, lässt Großwesir Shugdad ein Attentat auf ihn verüben, doch Kayim vereitelt, dass Lukas stirbt. Dennoch lässt Lukas den Attentäter, seinen Leibwächter, nicht töten. Vielmehr bereitet er seine Flucht vor. Der erstaunte Kayim muss mit einer List das Mädchen aus dem Harem holen, dann fliehen sie zu dritt durch den Geheimgang.
Doch wohin soll sich Lukas wenden, der verbannte König? Das Königreich Abadan befindet sich in einem Krieg gegen Rebellen des eroberten Königreichs Bishangar. Lukas ist dieser Krieg, der nur den Ministern nützt und das Volk verarmen lässt, zuwider. Er will lieber Frieden mit dem König von Bishangar schließen. Zufällig weiß Nur-Jehan ganz genau den Weg dorthin. Eine Reise voller Gefahren und Abenteuer beginnt für die drei Gefährten. Unterdessen rüstet der neue König Shugdad zum Krieg gegen Bishangar …
_Mein Eindruck_
Wow, was für ein toll erzähltes Jugendabenteuer! Ich habe es in nur wenigen Stunden gelesen und fühlte mich dabei stets gut unterhalten. Mal von dem langsamen Beginn abgesehen. Aber die Figur des Lukas ist recht ungewöhnlich in einem orientalischen Umfeld, das nur die Sitten und Gebräuche des tiefsten Mittelalters kennt. Abadan entspricht ungefähr dem alten Bagdad, mit ein paar persischen Assoziationen (Shirazan = Shiraz), und Bishangar ist relativ stark arabisch angehaucht und erinnert etwas an die rebellischen Afghanen.
Alle diese Länder entsprechen den alten Geschichten aus Tausendundeiner Nacht in jedem Klischee. Aber mit einem deutlichen Unterschied: Die Gesellschaft ist mit großem Scharfblick sehr realistisch geschildert. So ein Großwesir ist keiner, der sich von einem dahergelaufenen König auf der Nase herumtanzen lässt. Schon bald schickt er Lukas einen Attentäter. Leider sind die Bishangaris zu Lukas‘ Leidwesen keinen Deut besser: Sie verstehen sich mehr auf Tapferkeit und und tapferes Sterben als auf weniger nobles Überleben.
Aufs Überleben versteht sich hingegen Lukas ganz ausgezeichnet, und Kayim kann ihm dabei nur beipflichten – mit gedrechselten Reimen, versteht sich. Lukas bringt Nur-Jehan ein paar Lektionen in Geduld und List bei, mit praktischen Beispielen. So übertölpelt er beispielsweise auf eine geradezu geniale Weise einen Pferdehändler, der Nur-Jehan ihren stolzen Schimmel geklaut hat. Also braucht Nur-Jehan den Rosshändler nicht gleich umzubringen und dabei die ganze Stadt auf sie aufmerksam zu machen. Das stolze Mädchen dankt es ihm aber schlecht: Als Lukas und Kayim Proviant kaufen, verduftet sie mit ihrem Pferd. Erst viel später soll er sie unter ungewöhnlichen Umständen wiedersehen.
Der listenreiche Lukas scheint ein Nachfahre von Odysseus zu sein, doch auch er muss ein oder zwei Lektionen lernen. Damit aber kein falsches Pathos aufkommt, streut Kayim stets einen seiner mehr oder weniger gelungenen Verse ein, was dann wieder auf ironische Weise Humor aufkommen lässt. So bleibt der Leser von Belehrungen mit erhobenem Zeigefinger verschont.
Selbst als Lukas den alten Sterndeuter und Hofastrologen Locman wiedertrifft, wird die Lektion, die Lukas erhält, so geschickt verpackt, dass wir mehr schmunzeln als grübeln müssen. Locman hat entdeckt, dass seine astrologischen Berechnungen keinen Pfifferling wert sind: Er hat das Attentat auf Lukas nicht vorhergesehen. Schließlich floh er ebenfalls, verwarf seine Bücher und Tabellen und wurde in einem kleinen Dorf Wahrsager und Berater. Statt Tabellen und Berechnungen schrieb er auf Zettel unsinnige Empfehlungen, verteilte sie wahllos nach Gutdünken an Ratsuchende und staunte, als immer mehr zu ihm kamen. Denn wenn sein Rat fehlschlug, gaben sie nicht ihm die Schuld, sondern sich selbst. Und weil 50 Prozent der Ratschläge ja gute waren, wählten ihn seine Mitbürger schließlich zum Bürgermeister. Mir erscheint dies wie eine kleine Satire auf Fernsehprediger und amerikanische (nur amerikanische?) Politiker.
Natürlich gehen der Krieg und Lukas‘ Abenteuer gut aus, und das Mädchen Nur-Jehan entpuppt sich als etwas viel Besseres als nur ein Sklavenmädchen. Leider wird keine Romanze daraus. Gerade als es so aussieht, als käme sie zu ihm zurück, versetzt ihn ein Missgeschick zurück in den Wassereimer des Gauklers. Interessant ist nun natürlich die Frage: Was hat Lukas aus seinem zweiten Leben gelernt? Wie wird er sein drittes Leben gestalten? Wer die Antwort auf diese Fragen erfahren will, sollte selber lesen. Es lohnt sich.
_Unterm Strich_
Dass Lloyd Alexander ausgezeichnet erzählen kann, wusste ich ja schon von seinem Taran-Zyklus her, den ich hier vollständig besprochen habe. Aber dass er auch über die Aufgabe des Erzählens und des Erzählers nachgedacht hat, zeigt sich unter anderem in Geschichten wie „Lukas Kasha“. Mit Geschichtenerzählen kann man nicht nur seinen Lebensunterhalt verdienen, sondern auch noch seinen Mitmenschen Nachrichten und Weisheiten vermitteln, die zugleich zu unterhalten wissen. Beide Seiten erhalten also einen großen Nutzen davon. Und weil gute Geschichten genau wie gute Witze stets eine größtmögliche Verbreitung suchen, geht einem guten Erzähler, der ja auch ein guter Zuhörer sein muss, der Stoff für sein Metier nie aus.
Mir hat die Geschichte jedenfalls viel Spaß gemacht. Und wer sich wundert, wie man per Wassereimer von A nach B gelangt, der hat noch nicht begriffen, dass eine gute Geschichte wie ein Traum funktioniert: Sie verzaubert das Bewusstsein des Zuhörers / Lesers und entführt ihn in unwahrscheinliche Gegenden, um unwahrscheinliche Dinge zu erleben. Doch erwacht man aus diesem erzählten Traum, kann man sich im Gegensatz zu den meisten Träumen noch gut daran erinnern und auf diese Weise vielleicht etwas daraus lernen. Zum Beispiel eine Botschaft, die unseren Helden den Frieden dem Krieg vorziehen lässt.
Ich würde das Buch Jugendlichen ab 14 Jahren wärmstens empfehlen. Da es auch noch ausgezeichnet übersetzt ist – es bekam anno 1982 den Österreichischen Kinderbuch-Übersetzerpreis – liest es sich auch noch sehr schön und flüssig. Es besteht fast nur aus Dialogen, von denen die meisten recht witzig und geschliffen sind. So etwas findet man bei modernen Autoren nicht mehr oft.
|Originaltitel: The first two lives of Lukas Kasha, 1978
256 Seiten
Aus dem US-Englischen von Wolf Harranth|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/
Johnny hat bereits mehrere Pflegefamilien hinter sich. Er will sich jetzt Mühe geben, damit die Meiers ihn behalten, obwohl sie vor allem ordnungs- und pünktlichkeitsliebend sind. Vor allem aber will er in der Schule alles richtig machen. Johnny geht auf die Förderschule und sein bester Freund ist Harry, ein unsichtbarer Hund. Als auf dem Schulparkplatz ein Auto aufgebrochen wird und man Johnnys Mütze darin findet, gerät er sofort unter Verdacht. Hinzu kommen drei Jungen, die Coolen genannt, welche ihn ständig hänseln. Wenn da nicht Samira aus der angrenzenden Grundschule wäre, die ihn bei seiner „deterivischen“ Aufklärungsarbeit unterstützt, dann gäbe es wirklich keinen Lichtblick in seinem Leben.
Jan ist der jüngste Lehrjunge von Vielen bei einem berühmten Malermeister des ausgehenden Mittelalters. Er lebt in einer Zeit, in der Farben, Pinsel und Leinwände in bedeutenden Ateliers noch in fleißiger Handarbeit hergestellt wurden, bevor der große Meister mit dem Malen beginnen konnte. Jans Traum ist es, selbst einmal ein bekannter Malermeister zu werden. Bis dahin verrichtet er die niedrigsten Dienste wie das Putzen des Ateliers und Fischabfälle-besorgen. Doch er schaut den anderen Lehrjungen und seinem Meister auch genau bei der Arbeit zu, um zu lernen und zu Hause die abgeschauten Fähigkeiten auszuprobieren. So wäre es sicher noch viele Jahre weitergegangen, wäre nicht eines Tages dieser große Auftrag gekommen und alle anderen Lehrlinge in die Welt ausgesandt worden, um die seltenen, blaue Farbpigmente zu kaufen. Jetzt schlägt Jans große Stunde! Kann er dem Meister beweisen, dass er ein guter Lehrjunge ist?