Nach ihrem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel in „Das Bourne Attentat“ tauschen Jason Bourne und Leonid Arkadin die Rollen von Jäger und Gejagtem. Als Bourne in einen Hinterhalt gerät und schwer verletzt wird, täuscht er seinen Tod vor und geht in den Untergrund. In dieser relativen Sicherheit nimmt er (wieder einmal) eine neue Identität an und begibt sich auf eine Mission, um herauszufinden, wer ihn töten wollte. Er beginnt zu hinterfragen, wer er in Wirklichkeit ist, wieviel von sich er der Bourne-Identität schuldet und was er werden könnte, wenn diese ihm fehlen würde.
Ein amerikanisches Passagierflugzeug wird über Ägypten abgeschossen, und der Verdacht fällt auf den Iran. Eine globale Ermittlungsgruppe wird zusammengestellt, um die Wahrheit herauszufinden, bevor die Sache sich zu einem Krieg auswächst. Auf seiner Mission gerät Bourne in Kontakt mit dieser Gruppe. Sein Weg führt ihn dadurch in eine der gefährlichsten und kritischsten Situationen, in denen er sich je befunden hat. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt – und gegen einen unbekannten Killer… Eric Van Lustbader & Robert Ludlum – Die Bourne-Intrige (Jason Bourne 7) weiterlesen →
Jason Bournes einziger Freund Martin Lindros, der Stellvertretende Direktor des Geheimdienstes Central Intelligence, wird bei einem Kommandoeinsatz in Äthiopien von Terroristen gefangen genommen und verschleppt. Da Bourne der Einzige ist, der ihn befreien könnte, bittet ihn der CI-Direktor, Lindros zu befreien.
Doch vor Ort stößt Jason auf Spuren starker Radioaktivität. Womöglich wollen diese Terroristen eine Atombombe bauen. Er ahnt nicht, dass nicht nur der Geheimdienst CI und die Hauptstadt Washington, sondern besonders er selbst im Fadenkreuz der Terroristengruppe ist. Sie wollen sich für ein Verbrechen rächen, an das sich Jason nur in seinen schlimmsten Albträumen erinnern kann. Lustbader, Eric Van / Ludlum, Robert – Der Bourne-Betrug (Jason Bourne 5) weiterlesen →
Eine junge Frau steigt in einem kleinen englischen Dorf aus dem Zug. Ihre Tasche wurde gestohlen und mit ihr ihre Identität. Sie kann sich an nichts mehr erinnern. Noch nicht einmal an ihren Namen. Nur eines weiß sie noch: wo sie wohnt. Jetzt steht sie vor Tonys und Lauras Tür. Sie behauptet, dort zu leben. Die beiden behaupten, sie noch nie zuvor gesehen zu haben. Einer von ihnen lügt – und die Wahrheit ist so schockierend, dass sie das Leben der drei für immer zerstören könnte … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Die Geschichte beginnt als Rätsel um eine Frau mit Gedächtnisverlust, verliert sich dann mehr und mehr in einer wilden Mischung aus psychiatrischen Problemen, sentimentalen Vatergefühlen, Verschwörungstheorien, verworrenen Ermittlungen, bizarren Verbrechen sowie dem Bedürfnis nach Vergeltung…
Kaum ist der Unternehmer Henry Pierce in seine neue Wohnung in L. A. eingezogen, bekommt er seltsame Anrufe von wildfremden Männern. Alle erkundigen sich nach einer gewissen Lilly. Als sich Pierce seinerseits nach Lilly erkundigt, merkt er, dass sie seit einigen Wochen verschwunden ist. Das weckt alte Schuldgefühle, die er gegenüber seiner verstorbenen Schwester hegt und veranlasst ihn, sich als guter Samariter zu betätigen.
Allerdings hat jemand ganz entschieden etwas gegen Henrys Schnüffelei und zögert auch nicht, sehr deutlich zu werden, wenn’s darum geht, Henry abzuschrecken. Ziemlich spät stellt Henry sich selbst die Frage: Was oder wer steckt dahinter? Denn all dies ist kein Zufall.
|Der Autor|
Michael Connelly war jahrelang Polizeireporter in Los Angeles und lernte das Polizeigewerbe von außen kennen. Bekannt wurde er mit seinen Romanen um die Gesetzeshüter Harry Bosch und Terry McCaleb, zuletzt besonders aufgrund der Verfilmung von „Das zweite Herz / Bloodwork“ durch Clint Eastwood. Zuletzt erschien im August 2003 der Thriller „Kein Engel so rein“ („City of Bones“, 2002).
Weitere wichtige Romane:
Schwarze Engel (1998); Der Poet; Schwarzes Echo (1991); Lost Light (2003); The Narrows (2004).
Henry Pierce ist ein vielbeschäftiger Wissenschaftler, der an einer bahnbrechenden Computererfindung forscht. Seine Firma |Amedeo Technologies| entwickelt wesentliche Bausteine für die Entwicklung eines schnelleren und kleineren Computers auf Molekülbasis. Solche Mikrorechner ließen sich in Brillengestellen, Handys, Uhren und sogar in der Wandfarbe des Wohnzimmers unterbringen – und wären dennoch schneller als heutige Rechner. Dieser Rechner soll auf ein amerikanisches Zehncentstück passen, einen Dime. Und von dieser Jagd auf den Dime hat der Roman seinen Originaltitel.
Diese Jagd fordert Opfer. Das wichtigste davon ist Henrys Freundin und Angestellte Nicki. Weil sie ihn wegen Vernachlässigung rausgeschmissen hat, zieht er in eine neue Wohnung. Seine neue Telefonnummer hat er sich nicht selbst ausgesucht, sondern diese über seine persönliche Assistentin Monica organisieren lassen. Ständig rufen wildfremde Männer an, die eine gewisse „Lilly von der Website“ sprechen wollen. Es handelt sich tatsächlich um die gleiche Nummer, die eine „Hostess“ auf einer Seite von „L. A. Darlings“ angibt. Ihre Pose auf dem Foto gibt ziemlich eindeutig kund, welche Art von intimer Dienstleistung sie anbietet.
Nun ist Henry keine Trantüte, sondern ergreift die Initiative. Dieser Telefonterror muss aufhören! Über – mehr oder weniger legale – Umwege findet er heraus, dass sie schon seit Wochen nicht mehr in ihrer Wohnung war. Lillys Mutter, ihr Vermieter, ja, selbst ihre Kollegin „Robin“ haben keine Ahnung, wo sie abgeblieben ist. Doch für knapp 700 Dollar lässt sich Robin dazu bewegen, ihm die Wohnung zu zeigen, in der Lilly ihre Freier empfing. Dort ist die Matratze mit Blut getränkt …
Detective Robert Renner von der Mordkommission ist wenig entzückt über den schrägen Vogel, der ihm da ins Nest geflogen ist. Pierce hat selbst die Polizei gerufen, aber wie kam er überhaupt in die Wohnung, an die Adresse, an die Details über Lillys Leben und Aufenthalt? Sehr dubios. Und außerdem ist Pierce zweimal vorbestraft. Er war einst einer der ersten Hacker an der Westküste, flog bei einem „Streich“ auf und wurde zu Sozialarbeit verknackt. Später gab er sich mal als Polizist aus – Pierce nennt das „angewandte Psychologie“. Andere nennen es Vorspiegelung falscher Tatsachen.
Renner will – und wird – Pierce etwas anhängen; ein Durchsuchungsbefehl ist nur noch eine Frage der Zeit. Das kann Pierce am allerwenigsten gebrauchen. In zwei Tagen steht die Präsentation seiner Erfindung bei einem Investor bevor. Der würde garantiert abspringen, wenn Pierce auch nur den Schatten von Unseriosität an den Tag legen würde. Auch andere Firmen und natürlich auch die Regierung liegen im Rennen um den Molekularcomputer.
Als zwei Gauner Henry in seiner Wohnung in die Mangel nehmen, glaubt er, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Sie schlagen ihn krankenhausreif. Als Henry aufwacht, sieht er ein, dass er einen Anwalt braucht, denn schon wieder nimmt ihn der hartnäckige Detective Renner in die Mangel. Von Medikamenten benebelt, erzählt Henry von seiner Schwester Isabelle, die einst ebenso unter die Räder kam wie Lilly und Robin. Ihr Tod hatte Henry sehr erschüttert und ihm ein Schuldgefühl eingepflanzt, das bei ihm zum Guter-Samariter-Syndrom führte.
Renner ist happy, Henry nimmt sich eine Anwältin und verlangt von seinem alten Kumpel, dem Hacker und Spezialisten für Rechnersicherheit Code Zeller, alles über Billy Wentz herauszufinden.
Henry droht nicht nur, Amedeo Technologies und damit sein Lebenswerk zu verlieren, sondern auch sein Leben selbst. Aber ist der kleine Brutalo Billy Wentz wirklich derjenige, der hinter all dem steckt?
_Mein Eindruck_
Vordergründig scheint es um eine verschwundene (getötete?) Prostituierte zu gehen. Doch diese ist ein Opfer der milliardenschweren Industrie, die sich ‚Sex im Internet‘ nennt. Eigentlich wird im Web nur mit Sex Geld wirklich verdient. Okay, es gibt noch Amazon und eBay, aber das ist ein bisschen wenig, nicht wahr? Schließlich gibt es Millionen weiterer Sites, die dem Surfer an den Geldbeutel wollen. Richtig abgezockt wird nur mit Sex. Und dabei kämpfen die Betreiber offenbar mit harten Bandagen, wie Henry Pierce, der ihnen in die Quere kommt, schmerzhaft feststellen muss.
Das eigentliche Thema ist ein Wirtschaftskrieg, in dem auch Spionage, Sabotage und Diffamierung zu den üblichen Waffen im Arsenal gehören. Ziel ist natürlich für jedes Unternehmen, dass es einem anderen die Rücklichter zeigt, indem es eine bahnbrechende Erfindung aus dem Hut zaubert. Und da ist Amedeo Technologies einer der Top-Kandidaten. Die Hintermänner? Man braucht nur mal kurz zu überlegen, welche Industrien durch Henrys Erfindung für den Molekularrechner in Gefahr geraten. Eure Intel-Aktien könnt ihr dann in die Tonne treten. 😉
|Spannende Lektüre|
Ich habe „Unbekannt verzogen“ in nur zwei Tagen verschlungen, denn die Story ist ungemein spannend und actionreich erzählt. Natürlich kann man sich bei Henrys Schnitzeljagd nach der verschwundenen Lilly schon bald einen Reim darauf machen, wer hinter dem Ganzen stecken könnte. Ihr werdet trotzdem nie drauf kommen. Es gibt einen tollen Showdown.
Es wird einem ganz beklommen ums Herz, mitverfolgen zu müssen, wie sich das Netz der Indizien gegen unseren Helden zusammenzieht. Man braucht nur mal seine Aktionen mit den Augen Detective Renners zu betrachten – und schon wird aus einem Samariter ein Mordverdächtiger. Was noch fehlt, ist Lillys Leiche. Dann noch ein, zwei Gerichtsverhandlungen, und er landet in der Gaskammer.
Henry ist zwar ein Selfmademan und potenzieller Multimilliardär, aber auch ein Opfer seiner Vergangenheit. Doch fast niemand weiß von dem wirklichen Grund seines Schuldgefühls, nur einer. Und auf diesen einen Menschen fällt sein erster Verdacht.
Das Einzige, was Henry retten kann, so sieht er in höchster Not ein, ist Henry selbst. Oder vielmehr sein rational folgernder Verstand, den er als Wissenschaftler jahrelang trainiert hat. Neun Fakten trägt er zusammen, dann hat er schon einen Verdächtigen, der für das Komplott in Frage kommt. Wer könnte ihn an die Konkurrenz verraten haben?
|Paranoia|
Das Klima der Paranoia, des Verfolgungswahns, herrscht in der gesamten Hightech-Industrie. Die Jagd nach dem Dime erzeugt eine Mentalität, in der Hochsicherheitstechnik überall notwendig erscheint und auch eingesetzt wird. Henry benutzt kein Handy, denn das kann abgehört werden. Er verschickt keine Mails außerhalb der Firma, denn die können abgefangen werden. Dokumente werden nur per Werttransport verschickt, die neuen Patente muss der Firmenanwalt persönlich nach Washington, D.C., bringen und beim Patentamt einreichen.
Doch Henry hat andererseits selbst keine Skrupel, Codeknacker wie Code Zeller einzusetzen. Er sagt sich, er will ein Menschenleben – Lilly – retten, aber rechtfertigt das auch dieses Mittel? So etwas wie Privatsphäre scheint der Vergangenheit anzugehören.
Der Wirtschaftskrieg ist unsichtbar geworden, seitdem er in die Datenwelt abgetaucht ist. Doch die menschlichen Opfer sind immer noch sehr real: vernichtete Existenzen. Und was eine kleine Firma wie Amedeo Technologies kann, das kann die US-Regierung nach dem „Patriot Act“ schon lange.
_Unterm Strich_
Wie gesagt, liest sich dieser relativ kurze Thriller sehr schnell, leicht verständlich und ungemein spannend. Die paar Vorträge über Amedeos Erfindungen sind nicht besonders anspruchsvoll, denn sie werden so gehalten, dass sie auch ein Investor aus der Businesswelt kapiert.
Den Science-Fiction-Film „Die fantastische Reise“ aus dem Jahr 1966, auf den mehrmals verwiesen wird, dürfte so ziemlich jeder kennen. Weniger bekannt ist da schon das Märchen „Horton findet ein Hu“ von „Grinch“-Erfinder Dr. Seuss. Die Parallelen werden ziemlich ausgewalzt, so dass sie auch jeder versteht.
|Sonderstellung|
Innerhalb des Werkes von Michael Connelly nimmt „Chasing the dime“ eine Sonderstellung ein. Hier treten seine Serienhelden Hieronymus Bosch und Terry Caleb überhaupt nicht auf. Und nur Janis Langwieser, Strafverteidigerin, ist schon mal in „Schwarze Engel“ aufgetaucht. Sie ist die Einzige, die (ohne Namen zu nennen) kurz mal auf die genannten Schnüffler verweist. Daher lässt sich der Roman als völlig eigenständiger Thriller lesen, dessen Verständnis nicht von der Kenntnis anderer Romane abhängig ist. Der ideale Thriller für zwischendurch.
|Übersetzung|
Sepp Leeb hat eine fehlerlose Übersetzung abgeliefert, die sich auch im Deutschen sehr flüssig und anschaulich liest. Und Wunder aller Wunder: Auch Druckfehler waren keine festzustellen!
|Originaltitel: Chasing the dime, 2003
Aus dem US-Englischen übersetzt von Sepp Leeb.|
Am Morgen nach ihrem Jungesellinnen-Abschied erwacht Maggie mit einem gehörigen Kater – vom Klingeln des Telefons: Ihre Freundin Angie wurde ermordet, offenbar kurz nachdem sie die ausufernde Party in einer Chicagoer Szene-Bar verlassen hatte. Und das ist nicht die einzig böse Überraschung für Maggie, denn bei dem nackten Mann neben ihr im Bett handelt es sich nicht um ihren Verlobten … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Maggie muss nun gleichzeitig mit dem Mord an einer Freundin und ihrem schlechten Gewissen fertig werden – wenige Tage vor ihrer Hochzeit! Aber es kommt noch schlimmer: die Ermittlungen zerren zusätzlich an ihren Nerven und aus ihren quälenden Schuldgefühlen gegenüber ihrem Verlobten, werden schließlich kalte Füße – das One-Night-Stand mit dem schönen Fremden hallt länger nach als erwartet…
Sgt. Amy Callan und Lt. Caroline Cooke haben eine Menge gemeinsam: Sie hatten Karrieren in der US-Armee, beide waren mit Jack Reacher bekannt, beide wurden gezwungen, aus der Army auszutreten. Nun sind sie beide tot.
Sie wurden jeweils in ihrem eigenen Heim gefunden, nackt, in einer Badewanne voller Tarnfarbe. Scheinbar Opfer eines Armeeangehörigen. Ein Einzelgänger, ein intelligenter Bursche mit der Absicht, eine Rechnung zu begleichen, ein skrupelloser Gerechtigkeitsfanatiker. Jemand genau wie Jack Reacher…
Dieser Roman ist bei uns unter dem Titel „Zeit der Rache“ (s.u.) erschienen.
_Vorhersehbar und unoriginell: Ermittlung plus Gerichtsverfahren_
Strafverteidiger Mickey Haller wird vom Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles County eingeladen, an dessen Stelle einen freigelassenen Kindermörder erneut vor Gericht zu stellen. Obwohl Mickey riecht, dass er hier (wieder mal) übern Tisch gezogen werden soll, nimmt er die Herausforderung an. Jason Jessup tötete offenbar vor 24 Jahren die zwölfjährige Melissa Landy. Doch eine DBS-Probe entlastet ihn nun, er wird freigelassen.
Mickey und sein Hauptermittler Harry Bosch sind überzeugt, dass Jessup erneut töten würde. Also müssen Haller und sein Halbbruder, der LAPD-Veteran Harry Bosch, den Fall unbedingt gewinnen. Doch ohne es zu wollen, bringt Mickey damit seine eigene und auch Harrys Tochter in tödliche Gefahr …
_Der Autor_
Michael Connelly war jahrelang Polizeireporter in Los Angeles und lernte das Polizeigewerbe von außen kennen. Bekannt wurde er mit seinen Romanen um die Gesetzeshüter Harry Bosch und Terry McCaleb, zuletzt besonders aufgrund der Verfilmung von „Das zweite Herz / Bloodwork“ durch Clint Eastwood. Auch „Der Mandant“, der erste Mickey-Haller-Roman soll hochkarätig verfilmt werden, doch es gibt „künstlerische Differenzen“, und so wurde der Regisseur ebenso gefeuert wie der Star Matthew „Hochzeitsplaner“ McConnaughey.
Zuletzt erschienen „So wahr uns Gott helfe“, „The Overlook / Kalter Tod“, „The Scarecrow/Sein letzter Fall“ (siehe meine Berichte) und „Nine Dragons/Neun Drachen“.
Weitere wichtige Romane:
„Schwarze Engel“ (1998)
„Der Poet“ (1996)
Schwarzes Echo (1991)
„Kein Engel so rein“ (City of Bones, 2002)
„Unbekannt verzogen“ (Chasing the dime)
„Letzte Warnung“ (Lost light)
„Die Rückkehr des Poeten“ (The narrows)
The Overlook (2008)
_Handlung_
|Das Angebot |
Bei einem teuren Mittagessen bekommt Rechtsanwalt Mickey Haller vom Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles County, Gabriel Williams, ein ungewöhnliches Angebot, das er fast nicht ablehnen kann. Haller soll diesmal an Williams‘ Stelle treten und die Staatsanwaltschaft gegen Jason Jessup vertreten. Das bedeutet, die Seiten von der Verteidigungs- zur Anklagebank zu wechseln.
Dafür braucht Mickey einen echt guten Grund. Null Problemo: Jason Jessup wurde vor 24 Jahren für den Mord an einer Zwölfjährigen zu Lebenslang verurteilt, allerdings nur aufgrund von wenigen Indizien, darunter einer DNS-Spur. Diese DNS-Spur wurde kürzlich von einem bürgerlichen Überprüfungsinitiative, dem GJP (Genetic Justice Project), als nicht zu Jessup gehörig identifiziert. Daher hat der Oberste Gerichtshof Jessup freigesprochen. Gleich darauf erhob die Staatsanwaltschaft erneut Anklage, denn nicht nur die DNS-Spur hat seinerzeit zu Jessups Verurteilung geführt. Leider ist die Staatsanwaltschaft mit dem Makel behaftet, sie habe Beweise manipuliert. Folglich bracuht sie einen Juristen besten Rudes, einen wie Mickey Haller.
|Harry Bosch|
Mickey will nicht, dass der Mörder erneut frei herumläuft, denn er hat selbst eine Tochter im Teenageralter. Doch natürlich stellt er Bedingungen. Harry Bosch, ein Cop, soll sein Ermittler sein und Margaret McPherson, Mickeys Exfrau, soll seine rechte Hand sein und nach Zentral-L.A. ziehen dürfen. Williams willigt ein, denn er bangt um seine Karriere als Bezirksstaatsanwalt. Doch schon bei der ersten Pressekonferenz muss er Mickey zurechtweisen. Mickey nimmts gelassen: Williams‘ könne ihn nicht mehr entlassen, sonst würde er unglaubwürdiger wirken, als er es eh schon ist.
|Die Ermittlung|
Mit seinen beiden Helfern macht sich Mickey ans Werk. Bosch hat den Verbrecher ins Gerichtsgebäude überstellt und die Beweise und Akten besorgt. Maggie hat die Geschichte des Falls aufgerollt. Melissa Landy lebte bis zu ihrem Tod in einer wohlhabenden Gemeinde von L. A., die unweit einer beliebten Kirche lag. Um die Kirche kurvten sonntags Abschleppwagen, um unrechtmäßig abgestellte Autos der Kirchgänger abzuschleppen und so ein gutes Geschäft zu machen. Jason Jessup war so ein Fahrer. Er wurde von Melissas Schwester Sarah identifiziert: Er habe Melissa entführt. Deren Leiche wurde in einem Müllcontainer gefunden, wenigstens wurde sie nicht vergewaltigt.
Aber Bosch hat mit Jessup kurz gesprochen. Er stellt Mickey eine unangenehme Frage: Was, wenn es nicht Jessup um seine Haftentschädigung gehe, sondern auch der Staatsanwaltschaft darum, eine millionenschwere Entschädigungszahlung zu umgehen? Was, wenn keiner Jessup verurteilt haben wolle, sondern es in Wahrheit nur um Geld ginge? Mickey ist jedoch überzeugt, dass es Williams ernst meinte, als er Mickey auf Jessup ansetzte. Wirklich?
Bosch gelingt es, die wichtigste Zeugin selbst nach 24 Jahren ausfindig zu machen: Sarah, Melissas Schwester, lebt nahe Seattle. Als er mit der Staatsanwältin Maggie dort eintrifft, findet er Sarah bei einer ehrlichen Arbeit vor: Sie ist künstlerische Glasbläserin. Und endlich runter von den Drogen, die ihr Leben zerstört haben. Zum Glück erkennt sie Jessup auf dem Foto sofort. Und sie hat eine Erklärung für die DNS ihres Stiefvaters auf ihrem Kleid, das an jenem Tag von Melissa getragen wurde …
|Mulholland Drive|
Der Special Investigation Service des LAPD sorgt für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung von Jessup. Bosch liest die Protokolle und stößt auf eine Besonderheit. Während sich Jessup in der ganzen Stadt seiner neuen Freiheit erfreut, treibt er sich nachts im Rotlichtviertel herum – und in den Parks am Mulholland Drive, hoch über dem Lichtermeer der Stadt. Was hat er dort zu suchen, wundert sich Bosch. Die Überwacher sagen ihm, Jessup sitze bloß da. Mitten in der Nacht? Soll das wirklich alles sein? Bosch beschließt, der Sache selbst vor Ort auf den grund zu gehen.
Im Park findet Bosch eine Stelle am Fuße eines großen Baums, an der eine Kerze angezündet wurde. Aus welchem Grund, fragt er sich, und entgegen der Vorschrift, im Park kein offenes Feuer zu entzünden. Er trifft Rachel Walling, die FBI-Agentin, der er seine Unterlagen zum Durchlesen gegeben hat. Sie eröffnet ihm, dass der Fall Jessup von Anfang an falsch interpretiert worden sei. Und dass Jason Jessup ein Wiederholungstäter ist, der wieder anfangen könnte, Kinder zu ermorden …
_Mein Eindruck_
Im Roman führt der Autor die zwei Erzählfäden um Mickey Haller auf der einen Seiten und Harry Bosch auf der anderen annähernd parallel. Das ist gar nicht mal so langweilig. Denn was Bosch, der paranoide Schnüffler, herausfindet, läuft so ziemlich dem zuwider, was Mickey Haller vor Gericht beweisen möchte: Dass Jessup vor 24 Jahren Gelegenheit und Motiv hatte, um ein zwölfjähriges Mädchen zu töten – was es nun neu zu verhandeln gilt.
Bosch findet jedoch heraus, dass Jessup eine ganze Reihe von Mädchenmorden auf dem Gewissen haben könnte. Und was macht die Verteidigung? Jessups Anwalt mag zwar aus England kommen, ist aber mit allen Wassern gewaschen. Er will die Schuld von seinem Mandanten – logisch! – abwälzen und beschuldigt seinerseits die Kronzeugin, es mit ihrem Stiefvater getrieben zu haben. Dieser vielmehr habe ihre Schwester auf dem Gewissen, nicht etwa Jessup.
Vor Gott und vor Gericht sind die Menschen bekanntlich wehrlos. Und so ist einfach alles möglich. Das ist ebenfalls spannend zu lesen – falls man auf Gerichtsverfahren steht, deren Ausgang schon meilenweit im Voraus abzusehen ist. Und das ist hier leider der Fall, guter Mickey. Dass Jessups Verteidiger es ausgerechnet mit der Richterin des Verfahrens verdirbt, ist zwar schön für Mickey, aber schlecht für die Spannung der Story: Das Pendel schwingt viel zu früh auf die eine von zwei Seiten.
Die wirkliche – und so ziemlich einzige – Überraschung folgt NACH dem Schuldspruch, jedoch vor dem Urteil, das eine Jury aus Schöffen zu fällen hat. Und mehr soll darüber nicht verraten werden, um nicht die Spannung zu verderben.
_Die Übersetzung _
Der Veteran Sepp Leeb hat auch diesen Connelly-Titel bestens übertragen, so dass sich der Text flüssig liest und der Jargon natürlich klingt. Druckfehler, die ja besonders im Taschenbuch verbreitet sind, konnte ich erstaunlicherweise keine entdecken.
_Unterm Strich_
Mickey Hallers ungewöhnlicher neuer Fall findet ihn diesmal auf der anderen Seite des Gerichtssaales. Es ist eine Erfahrung, die er allerdings nicht wiederholen möchte. Das Gerichtsverfahren und die es begleitende Ermittlung durch Harry Bosch liefern Wendung auf Wendung, doch das Ziel ist von vornherein ebenso klar wie der Ausgang den Erwartungen entsprechend.
Die eigentliche Überraschung erfolgt bei diesem nur mäßig spannenden Verlauf erst NACH dem Schuldspruch. Doch wer hofft, nun käme Bosch endlich zu seinem Recht, irrt leider auch hier, und der Showdown ist viel zu kurz. Der Autor ist eben ein grundsolider Polizeireporter, aber als Thrillerautor hätte er hier noch ein oder zwei Schippen Spannungsmomente drauflegen sollen. Irgendwie fehlte mir hier der ersehnte Adrenalinschub.
|Der arme Staatsanwalt?|
Gut möglich, dass Hallers Schöpfer, der hochgelobte und folglich einflussreiche Thriller-Autor Michael Connelly, in seinem Gerichtsroman diesmal der anderen Seite Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte. Ach, wie schwer ist doch das Werk des Staatsanwalts! So soll wohl der erwünschte Stoßseufzer des mitleidigen Lesers klingen.
Leider verfehlte die Story diese Wirkung bei mir völlig. Staatsanwälte werden nämlich in den USA gewählt, ähnlich wie Sheriffs oder Bürgermeister. Das ist OK. Das ist Demokratie, also Volksherrschaft. Weniger OK ist, dass sie ihre politische Karriere, die sie durchaus zum Amt des Gouverneurs führen kann (nicht jeder Gouverneur muss ein Filmstar wie Reagan oder Schwarzenegger sein), von entsprechenden Lobbyisten bezahlen lassen und natürlich nicht vermeiden können, sich diesen Lobbys gefällig zu erweisen.
Der einzige Pfiff an diesem Thema besteht also darin, im Roman den Staatsanwalt wg. Befangenheit außen vor zu lassen und stattdessen einen Verteidiger diese Position einnehmen zu lassen. Zwar unterlaufen Mickey Haller ein paar Schnitzer, weil er manchmal die Seiten verwechselt, aber mit Hilfe seiner tüchtigen Sekundantin MacPherson kriegt er den Ball doch noch ins Tor. Man fragt sich daher: Wann macht es Michael Connelly endlich wie der selige Robert P. Parker und schreibt einen Roman über eine weibliche Anwältin oder Detektivin?
Ich jedenfalls hatte das Gefühl, für mein Geld nicht die erhoffte Unterhaltung geboten bekommen zu haben. Connelly hat inzwischen schon den nächsten Mickey-Haller-Roman veröffentlicht: „The Fifth Witness“.
Im Jahr 1996 belauscht ein Undercover-Agent der CIA ein Gespräch zwischen islamistischen Terroristen in Hamburg. »Der Amerikaner will hundert Millionen Dollar.« Doch er kann nicht herausfinden, wer diese Summe verlangt und wofür. Fest steht nur, dass es um einen Terroranschlag in ungeahntem Ausmaß geht. Die CIA stellt eine Spezialeinheit auf, um in Deutschland zu ermitteln. Dafür zieht sie mit Jack Reacher auch den besten Militärpolizisten hinzu, den die U.S. Army zu bieten hat. Und Reacher zögert keine Sekunde, die beste Ermittlerin, die er kennt, als Unterstützung hinzuzuziehen: Sergeant Frances Neagley. (Verlagsinfo)
Spenser kämpft gegen Schwindler, Prediger und Waffenschieber
Von einer Klientin seiner Freundin Susan Silverman wird Privatdetektiv Spenser angeheuert, um einen Betrüger zu finden, der diese seine Exgeliebte um 260.000 Dollar erleichtert hat. Spenser stößt auf eine Spur von betrogenen Leuten und auf eine lebende Legende, die sich ihre Biografie zusammengelogen hat. Als der Betrüger zurückkehrt, muss Spenser seine Auftraggeberin davon abhalten, sich erneut in den Scharlatan zu verlieben – vergeblich.
Er selbst hat Mühe, sich den Kugeln zu entziehen, die von Killern abgefeuert werden, die überall dort auftauchen, wo sich der Betrüger herumtreibt. Doch Spenser, verstärkt durch Hawk und Sixkill an seiner Seite, bleibt hartnäckig. Die Spur führt nach Atlanta, Georgia, wo ein mysteriöser Prediger sein Unwesen treibt… Ace Atkins – Robert B. Parkers Little White Lies. A Spenser Novel (Spenser Nr. 46) weiterlesen →
Im nördlichen Uganda, einem Rebellengebiet, wird ein Top-Kommando der amerikanischen Spezialstreitkräfte von unbewaffneten Zivilisten ausgelöscht. Wie ist das nur möglich? Videoaufnahmen zeigen, dass selbst Frauen und Kinder übernatürliche Geschwindigkeit und Stärke an den Tag legen.
Jon Smith, ein Mikrobiologe der Armee und Topoffizier der präsidialen Elitetruppe Covert One wird ausgesandt und findet Hinweise auf eine Parasiteninfektion, hinter der offenbar eine biologische Waffe des iranischen Geheimdienstes stecken könnte. Sie ist gegen den Westen gerichtet …
Die deutsche Ausgabe erscheint im Januar unter dem Titel „Die Ares-Entscheidung“ bei Heyne.
Die Autoren
a) Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.
Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 200 Mio. Exemplaren (Verlagsangabe vom April 2007). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12.3.2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.
b) Kyle Mills hat bereits elf Romane veröffentlicht, inklusive diesem, darunter „Rising Phoenix“ und „Lords of Corruption“. Mills, dessen Vater laut Nachwort ein FBI-Agent war, lebt mit seiner Frau in Jackson Hole, Wyoming.
Die Serie „Covert One“: Die amerikanischen Geheimdienste sind durch interne Machtkämpfe geschwächt und durch Bürokratie nahezu gelähmt. Der Präsident ist daher gezwungen, seine eigene geheime Eingreiftruppe aufzustellen: Covert One („Die Verborgene“). Die wird aus den besten Akteuren gebildet, die die Vereinigten Staaten aufzubieten haben, und wird nur dann aktiviert, wenn eine Bedrohung von globalen Dimensionen auftritt und die Zeit, sie zu stoppen, knapp wird.
„The Ares Decision“ ist der neunte Roman der Thrillerserie, die Robert Ludlum begann.
Handlung
Es beginnt weit weg von Washington. Der amerikanische Präsident tut dem neu an die Macht geputschten Präsidenten von Uganda, Sembutu, einen Gefallen und lässt einen weiteren Aufklärungstrupp im Norden des afrikanischen Landes klammheimlich absetzen. Niemand darf erfahren, dass die USA eine militärische Operation in dieser Gegend durchführen.
Anführer dieser handverlesenen Elitetruppe ist Lt. Craig Rivera. Der Trupp ist schon weit ins Territorium des Rebellenführers Bahame vorgedrungen, als zwei unvorhergesehene Dinge passieren. Ein Mädchen, das offenbar auf der Flucht ist, wird von Rivera nicht getötet – wird sie sie verraten? Doch schon gleich darauf kommen ihre Verfolger in Sicht. Rivera schaut ungläubig, dass deren Köpfe bluten und sie in einem irrsinnigen Tempo direkt auf seinen Trupp zukommen! Zu seinem Entsetzen verstummt einer seiner Freunde nach dem anderen – gefällt von unbewaffneten Irren! Er selbst rettet sich mit einem Sprung in einen reißenden Fluss …
Die Vereinigten Staaten
Jonathan Smith ist Mikrobiologe, der für die US-Armee arbeitet. Gerade bekämpft er eine Masernepidemie in der amerikanischen Provinz, als ihn der Anruf aus Washington erreicht. Seine Dienste sind gefragt. Natürlich darf auch davon niemand erfahren. Aber es wieder der Wunsch des Präsidenten, etwas wegen der bestürzenden Phänomene in Nord-Uganda zu unternehmen. Jon hat schon einmal für Covert One, die Einsatzgruppe des Präsidenten, gearbeitet und dabei seine Frau verloren. Es bedarf einiger Überredung, um ihn wieder an Bord zu holen. Vor allem die Furcht, es mit einem zweiten Ebola-Virus zu tun zu haben, bewegt ihn zum Mitmachen.
Aber er braucht Helfer. Nachdem er sich in der Schneewildnis seinen alten Kampfgefährten Peter Howell, einen schlagkräftigen Briten besorgt hat, sucht er in Südafrika die Parasitenspezialistin Sarie van Keuren auf. Sie verschweigt ihm, dass sie gerade erst einem Entführungsversuch entkommen ist. Sie selbst ahnt nicht, dass es Bahame war, der einen Kämpfer absandte, um sie zu kidnappen. Als sie sich also nach einigem Hin und Her Jon Smiths geheimer Mission nach Uganda anschließt, ahnt sie nicht, dass dies sie in die Höhle des Löwen führen könnte.
Uganda
Man spaziert nicht einfach so mir nichts, dir nichts in ein umkämpftes Rebellengebiet hinein. Das muss auch Jon Smith feststellen, als Regierungssoldaten ihn und seine Begleiter verschleppen. Präsident Sembutu hat einige hochnotpeinliche Fragen an ihn. Es ist nur Saries hervorragendem Ruf und Sembutus Dankbarkeit für ihre Arbeit in Uganda zu verdanken, dass er sie laufen lässt. Aber sie werden genau auf ihrem Weg nach Norden beschattet. Dort wollen sie die Farm eines Mannes besuchen, der schon vor einem halben Jahrhundert über diese wiederkehrenden Ausbrüche von Wahnsinn geschrieben hat …
Teheran, Iran
Unterdessen besucht Mehrak Omidi, der Chef des iranischen Geheimdienstes, das Staatsoberhaupt Ajatollah Amjad al-Khamenei. Nicht jeder hat Zutritt zum Ajatollah, doch Mehrak ist wie ein Sohn für ihn und wird sofort vorgelassen. Mehrak berichtet, was in Nord-Uganda erreicht worden ist. Der Iran führt zusammen mit Rebellenführer Bahame eine Versuchsreihe durch. Deren Ziel ist die Isolierung des Erregers, der aus gewöhnlichen Afrikanern binnen Stunden eine zu allem bereite, mit Berserkertruppe macht, nur um nach weiteren Stunden zu deren Tod zu führen.
Zu seinem Bedauern muss Omidi melden, dass der Erreger noch nicht waffenfähig sei. Man könne ihn noch nicht isolieren, kühlen und transportieren, um ihn dann in amerikanischen Großstädten freizusetzen. So gerne der Ajatollah, der den westlichen Satan vernichtet sehen will, auch die USA angreifen würde, so müsse dieser Plan doch noch reifen. Vorerst sollte man die Aufrüher im eigenen Land zur Räson bringen, findet Omidi. Besonders dieses Phantom, dieser Farookh, der sie anführt, will der Ajatollah zum Schweigen bringen. Aber der Ajatollah genehmigt inzwischen eine Waffenlieferung an Bahame, über den Sudan …
Nord-Uganda
Die Jeepkolonne Jon Smiths wird im Dschungel Nord-Ugandas gestoppt. Diese sechs Soldaten, die auf sie zielen, sind es noch Leute Sembutus oder schon Kämpfer Bahames?
Mein Eindruck
So, das war die supereinfache Version der Geschichte. Aber es kann nicht alles so einfach sein, oder? Rein, raus, und fertig? So geht das nicht. Natürlich gibt es noch ein paar Finsterlinge ganz oben in den Chefetagen der CIA, die unseren Helden – und dem Präsidenten! – gehörig ins Handwerk pfuschen wollen, weil sie einen aktiven Iran für nützlicher halten als einen todgeweihten.
Doch zum Glück hat Jon Smith, der Unverwüstliche und Unbestechliche, eine gute Freundin, die in Washington, mit ein wenig Hilfe von Covert One, aufzuräumen weiß. Wer sagt denn, dass die Männer den ganzen Spaß am Soldatspielen haben dürfen? Keiner! Und deshalb soll auch Randi Russell zum Zug kommen und den Fieslingen Saures geben.
Dass sich Biowaffen für alle möglichen kriminellen Zwecke einsetzen lassen, bewies ja schon das Sean-Connery-Vehikel „The Rock“. Die Herstellung solcher Biowaffen wird von den Großmächten selbstredend abgestritten, ist aber ein offenes Geheimnis. Der Iran, stets der böse Bube in der „Achse des Bösen“ (George W. Bush), hat seine Biowaffenproduktion in der Fiktion ausgelagert: nach Uganda.
Es ist in der Tat eine erschreckende und erschreckend realistische Möglichkeit, wenn infizierte Menschen von einem solchen Virus zu einer Tötungsmaschine umfunktioniert würden. Sie bzw. das Virus würden sich nach Kräften bemühen, sich weiterzuverbreiten. Mit wie vielen Opfern zu rechnen wäre, sollte das Virus – das nie einen Namen erhält – in den Vereinigten Staaten freigesetzt werden, wird auch mit kühlem Kalkül vorgerechnet: etwa eine Million Tote. Das sind mehr als in Hiroshima und Nagasaki zusammen, vom 9/11 ganz zu schweigen.
Action bis zum Abwinken
Doch in einem Robert-Ludlum-Roman – und Mills hält sich peinlich genau ans Rezept des Meisters -kommt es nicht auf die Kritik und das Engagement an, so wertvoll das auch scheinen mag. Vielmehr erwartet der – wohl vorwiegend männliche – Leser einfach nur Spannung und Action, hie und da vielleicht auch mal eine romantisch angehauchte Verschnaufpause oder eine komödiantische Humoreinlage.
Nach einem packenden Prolog geht die Action, wie erwartet, in Bahame-Land los, wo Jon Smith und sein Team auf erhebliche Widrigkeiten trifft. Allerdings haben die Iraner und Präsident Sembutu ihre verräterische Hand im Spiel. Der Rest ergibt sich wie von selbst: Alles geht drunter und drüber, und der Schurke beißt ins Gras.
Doch jetzt herrscht Not am Mann: Sarie wurde in den Iran entführt! Sie soll das Virus waffenfähig machen. Alles macht der Roman eine Art Reboot, damit die ganze zweite Hälfte der Action gewidmet werden kann. Und so kommt es denn auch. Der Actionfan kann sich wirklich nicht beschweren: er bekommt die volle Ladung.
Bei der Eroberung der unterirdischen Forschungsanlage im Iran erhält die Redewendung „vom wilden Affen gebissen“ eine neue, sinistre Bedeutung: Denn genau dies will jeder der Menschen um jeden Preis vermeiden – die Affen sind alle infiziert und greifen alles und jeden an. Rette sich, wer kann.
Der Schluss kam mir ein wenig blauäugig vor, aber hey, hier herrscht des Dichters Freiheit. Da kann man schon mal den Iran kurzerhand von einer Allianz der Supermächte besetzen lassen, oder nicht? Angesichts der Kaltschnäuzigkeit der iranischen Regierung, getarnt als „Gottes Wille“, ist dies wohl das Beste, was dem geschundenen Land passieren könnte. Nicht, dass die Westmächte keine Schuld träfe: Sie haben ja selbst anno 1953 den einzigen demokratisch gewählten Regierungschef Irans durch eine CIA-Intrige gestürzt – natürlich ging es ums Öl, was sonst? (Dazu gibt es eine exzellente Doku, die auf ARTE lief.)
Unterm Strich
Gegenüber dieser rasanten Romanhandlung erscheint mir jetzt jeder „Jason Bourne“-Roman aus Ludlums Feder als Orgie an Charakterisierung, mit fein ziselierten psychologischen Tiefschürfungen. Dass es aber noch schlimmer als hier gehen kann, bewies mir der kurze Auszug aus „The Janson Command“: Hier sind die Figuren nur noch Chiffren mit einem austauschbaren Namen. Wenigstens haben die Hauptfiguren in „The Ares Decision“ noch eine Biografie, die ihr Handeln, Denken und Fühlen halbwegs nachvollziehbar und emotional relevant macht.
Darauf kann der rein an der Action interessierte Leser wohl dankend verzichten. So relevant der Plot angesichts der wachsenden Atomdrohung Irans sein mag, so kommt es doch letzten Endes nicht darauf an, solange die Action und die Spannung geliefert werden. Und diese bietet das letzte Drittel pausenlos und geradezu im Übermaß. Wenigstens ignoriert der Autor nicht die Existenz einer iranischen Untergrundbewegung. Und mit dieser zusammen kämpfen die guten Amis und Briten einen guten, gerechten Kampf. Also alles in Butter.
Taschenbuch: 426 Seiten inkl. Leseprobe zu „The Janson Command“
ISBN-13: 978-0752897585 http://www.orionbooks.co.uk
_Robert Ludlum bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Paris-Option“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1068
[„Die Ambler-Warnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3493
[„Das Bourne-Vermächtnis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5355 (von Eric Lustbader)
[„Der Bourne-Betrug“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5537 (von Eric Lustbader)
[„Das Bourne-Attentat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6125 (von Eric Lustbader, 2008)
[„Das Osterman-Wochenende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6841
Schon als ich „New York Run“ zugeklappt habe, habe ich mir eine Fortsetzung und damit einen Abschluss der Trilogie gewünscht. Sieben Jahre später legt der deutsche Autor Frank Lauenroth nun endlich mit seinem dritten Marathon-Thriller nach.
Die Handlung beginnt in New York im Zielbereich des New York-Marathons, wo sich Brian Harding, Christopher Johnson und die beteiligten Mitarbeiter von NSA und CIA freuen können, dass sie dem russischen Oligarchen „Stalin“ ein Schnippchen haben schlagen und ihn gefangen nehmen können. Doch kurz darauf gelingt Stalin die Flucht…
Nur acht Tage vor dem Chicago-Marathon beschließt der amtierende Präsident der USA William Langdon, spontan am Marathon teilzunehmen, um seinem Wahlkampf neuen Schwung zu verleihen. Dass er während seiner Amtszeit eher kurze Strecken gelaufen ist und es nahezu unmöglich scheint, ihn über die vollen 26 Meilen des Marathons zu schützen, ignoriert er. Und hier kommen auch wieder Brian Harding und Christopher Johnson ins Spiel: Sie sollen den Präsidenten auf der Strecke begleiten und für zusätzlichen Schutz sorgen. Aber auch Brians Freundin Rachel Elaine Parker und Christopher Johnsons Verlobte Elisabeth Bancroft sind an der Strecke im Einsatz, um einen Anschlag auf den Präsidenten zu verhindern.
Umgeben von Agenten des Secret Service und begleitet von Brian und Chris geht der Präsident auf die Strecke, und die Hatz kann beginnen. Denn natürlich ist dem treuen Fan der Marathon-Thriller-Reihe klar, dass auch Stalin wieder seinen Auftritt haben wird…
Winter auf dem Bassin d`Arcachon. Das bedeutet Hochkonjunktur bei den Austernzüchtern, schließlich sind Feiertage ohne Meeresfrüchte in Frankreich unvorstellbar. Besonders umtriebig sind zu dieser Zeit allerdings auch die berüchtigten Austerndiebe, denen man mit immer drastischeren Methoden begegnet.
Und so mündet das, was eine besinnliche Bootsfahrt werden sollte, für Luc Verlain in einen Mordfall, der ihn und seine Kollegen an ihre Grenzen bringt. (Verlagsinfo)
Inhalt und Eindrücke:
Alexander Oetker heißt uns mit seinem dritten Band um den Kommissar Luc Verlain wieder einmal im malerischen französischen Landstrich Aquitaine willkommen.
Wer erlebt dieses beliebte Reiseziel schon im Winter?
Das Mitchell’s Inn in den Wäldern der Catskill Mountains ist der perfekte Ort für ein gemütliches Wochenende. Doch als ein Schneesturm aufzieht, der jeglichen Kontakt zur Außenwelt unmöglich macht, wird das Hotel zur tödlichen Falle. Denn ein Gast nach dem anderen stirbt unter mysteriösen Umständen. Jeder weiß: Der Mörder muss unter ihnen sein – und es gibt keine Möglichkeit, die Polizei zu alarmieren oder zu fliehen … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Dieses Szenario erinnert an einen typischen Agatha Christie Kriminalroman: eine übersichtliche Anzahl interessanter Menschen sitzt irgendwo fest – unter ihnen muss ein/e Mörder/in sein. Auch bei „Der zehnte Gast“ von Shari Lapena gibt es ungewöhnliche Persönlichkeiten, beklemmende Gegebenheiten und das Rätselraten beginnt: wer, warum und wann schlägt er oder sie wieder zu? Wird womöglich wahllos getötet, aus Wahnsinn? Es macht großen Spaß sich den Hotelgästen beim Ermitteln anzuschließen!
Jason Bourne, der Killer ohne Gedächtnis, heißt jetzt David Webb und ist Linguistikprofessor in Virginia. Als er nach einem Anschlag seine besten Freunde Alex Conklin und Mo Panov erschossen vorfindet, findet er sich in einer geschickt aufgestellten Falle wieder: Jemand hat die Polizei gerufen. Während er durch einen Geheimgang entkommen kann, hält ihn nun jedermann für den Mörder. Und noch jemand hat es auf ihn abgesehen, wie er schnell herausfindet: ein Auftragskiller, der sich Chan nennt.
Chan hat Fehlinformationen erhalten und ist überrascht, dass sich dieser Provinzprofessor als solch eine harte Nuss erweist. Als er den Namen „Jason Bourne“ hört, wird ihm einiges klar. Aber wer hat die beiden aufeinander gehetzt und was hat derjenige vor? Könnte es mit dem bevorstehenden Anti-Terrorismusgipfel in Island zu tun haben?
_Die Autoren_
a) Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.
Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe 2008). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.
Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter.
Der BOURNE-Zyklus:
1) Die Bourne-Identität
2) Das Bourne-Imperium
3) Das Bourne-Ultimatum
4) Das Bourne-Vermächtnis (The Bourne Legacy, von Eric Lustbader)
5) The Bourne Betrayal (2007)
6) The Bourne Sanction (2008)
7) The Bourne Deception (2009)
Weitere Reihen: Der Matarese-Bund (zwei Bände); die Covert-One-Reihe (bislang fünf Bände).
b) Eric Van Lustbader, geboren 1946, ist der Autor zahlreicher Fernost-Thriller und Fantasyromane. Er lebt auf Long Island bei New York City und ist mit der SF- und Fantasylektorin Victoria Schochet verheiratet. Sein erster Roman „Sunset Warrior“ (1977) lässt sich als Science-Fiction bezeichnen, doch gleich danach begann Lustbader (das „Van“ in seinem Namen ist ein Vorname, kein holländisches Adelsprädikat!), zur Fantasy umzuschwenken.
1980 begann Lustbader mit großem Erfolg seine Martial-Arts-&-Spionage-Thriller in Fernost anzusiedeln, zunächst mit Nicholas Linnear als Hauptfigur, später mit Detective Lieutenant Lew Croaker: The Ninja; The Miko; White Ninja; The Kaisho usw. Zur China-Maroc-Sequenz gehören: Jian; Shan; Black Heart; French Kiss; Angel Eyes und Black Blade. Manche dieser Geschichten umfassen auch das Auftreten von Zauberkraft, was ihnen einen angemessenen Schuss Mystik beimengt.
Zuletzt erschien bei uns die Kundala-Trilogie: „Der Ring der Drachen“, „Das Tor der Tränen“ und „Der dunkle Orden“. Da diese Fantasy ebenfalls in einem orientalisch anmutenden Fantasyreich angesiedelt ist, kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück, allerdings viel weiser und trickreicher. Kürzlich hat er noch einmal eine Wendung vollzogen und schreibt nun die Thriller seines verstorbenen Kollegen Robert Ludlum fort, so etwa „Die Bourne-Verschwörung“. Zuletzt erschien 2007 der Mystery-Thriller „Testamentum“ in der Art von Dan Browns „The Da Vinci Code“.
Viele Leser wissen, dass Jason Bourne ein Auftragskiller ohne Gedächtnis ist, ein Mann ohne Zukunft und ohne Vergangenheit. Aber das stimmt nicht ganz. Erstens war Jason Bourne als Auftragsmörder im Auftrag der CIA unterwegs, bis er auf einer Yacht vor Marseille den Terroristen Carlos umlegen sollte. Doch er erhielt einen Schuss in die Brust und stürzte über Bord. Verletzt und beinahe ertrunken, verlor er sein Gedächtnis. Während sein Mentor und Führungsoffizier Alex Conklin ihn suchen ließ, versuchte sich Jason Bourne an sein früheres Leben zu erinnern.
Der Psychiater Mo Panov hat ihm geholfen, sich an seine Jahre in Asien zu erinnern. In den sechziger Jahren muss er wohl im diplomatischen Dienst in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, stationiert gewesen sein. Er hatte eine geliebte Familie: seine Thai-Frau Dao, seine vierjährige Tochter Alyssa und seinen sechsjährigen Sohn Joshua. Bis die Amerikaner eines Tages den Vietnamkrieg auf Kambodscha ausweiteten. Ein Kampfjet beschoss Bournes Familie und tötete alle. Die Armee suchte die Leichen eine Stunde lang. Bis zum heutigen Tag glaubt der von Schuldgefühlen zerrissene Jason Bourne, dass in den drei Särgen, die er beisetzen ließ, auch alle drei Familienmitglieder bestattet seien. Das erweist sich nun als Irrtum …
_Handlung_
Jason Bourne ist mittlerweile nur eine unterdrückte Unterpersönlichkeit des Linguistikprofessors, der sich David Webb nennt und an der Washingtoner Universität von Georgetown lehrt. Doch als drei Junkies einen kambodschanischen Studenten drangsalieren und zusammenschlagen wollen, um sein Geld zu bekommen, übernehmen die Reflexe des Profikillers Webbs Reaktionen und schlagen die Banditen in die Flucht. Der gerettete Student wundert sich, und David hofft, er werde den Vorfall schnell vergessen. David schaut sich jedoch fortan alle Studenten genau an und merkt sich mit seinem eidetischen Gedächtnis alle Gesichter.
Als eine Kugel in den Baum neben ihm einschlägt, übernimmt wieder Jason Bourne die Regie. David bringt sich in Sicherheit, kalkuliert die Schussrichtung und sprintet los, um den Heckenschützen zu erwischen. Er findet lediglich ein offenes Fenster in einem leeren Klassenzimmer vor. Nicht mal eine Patronenhülse! Das muss ein Profi sein. Aber wer hat es auf David abgesehen? Er ruft bei seinem besten Freund Alex Conklin an, doch der antwortet nicht. David ist alarmiert und düst mit seinem Wagen los.
Schon die Tatsache, dass Conklins Haustür unverschlossen ist, versetzt ihn in Alarmbereitschaft. Im Arbeitszimmer liegen Alex Conklin und Mo Panov tot, als wären sie hingerichtet worden. Ein Schock. Auf einem Notizblock findet David die Initialen NX20, ohne damit etwas anfangen zu können. Da hört er auch schon die Sirenen der Polizeiwagen herannahen. Er schnappt sich Conklins Handy und läuft in die Geheimgänge, die das Haus mit einem abgelegenen Hubschrauberlandeplatz verbinden. So kann er in den Wald entkommen und den Sicherheitskordon, den die Polizei sofort errichtet, durchbrechen.
Aber wer hat ihn in diese Falle gelotst? Denn nun müssen Polizei, Kripo und CIA annehmen, dass er selbst, David, der Mörder ist, zumal er auch noch seinen Fingerabdruck an einem Whiskyglas hinterlassen hat. Aber der Geruch des Whiskys hat eine Erinnerung bruchstückhaft wachgerufen: ein opulentes Hotelzimmer in Paris, und ein Mann, der aus den Schatten tritt – er scheint guter Freund Conklins zu sein. Aber wer er sein mag, will David nicht einfallen. Er hat bestimmt der Agency (CIA) zu tun.
Ein Angriff wirft David zu Boden. Sofort übernehmen seine Killerreflexe die Regie. Der Kampf Mann gegen Mann ist brutal und gnadenlos. Ist das der Kerl, der ihn an der Uni beschossen hat? David geht davon aus. Ein harter Handkartenschlag treibt den Angreifer in die Flucht, vorerst jedenfalls. Aber warum hat er ihn nicht gleich erschossen? Fortan bewegt sich David wieder wie im vietnamesischen Dschungel: vorsichtig, mit dem Wind und schnell. Er weiß auch schon, wo er seinen Verfolger stellen kann. In den Höhlen am Waldrand kommt es erneut zu einem Zweikampf, den David wiederum gewinnt. Doch statt dass sich der Angreifer im Lianennetz, das David zuvor ausgelegt hat, fängt, zerschneidet er es einfach.
Die letzte von Conklin angerufene Nummer auf dem Handy ist die eines guten Schneiders in Alexandria, einer Vorstadt von Washington, D.C. Doch der Weg dorthin ist weit und gepflastert mit Straßensperren, wie David bald herausfindet. Er schickt seiner Frau Marie das Notfallsignal per SMS: DIAMANT. Sie bestätigt mit der Antwortparole: SANDUHR. Das bedeutet, dass sie sofort ihre Kinder Jamie und Alison aus der Schule holt und in ein sicheres Versteck fährt. Um sie zu beschützen, ist Jason Bourne ab sofort wieder im Einsatz.
|Unterdessen in Budapest.|
Die tschetschenischen Freiheitskämpfer Hassan Arsenow, seine Geliebte Sina und zwei Männer treffen im Budapester Hauptquartier der Hilfsorganisation Humanistas ein. Dort empfängt sie Stepan Spalko herzlich. Sie begrüßen ihn als „Scheich“, als heiligen Mann, und als ihren spirituellen Führer. In einem geheimen Ritual schwören sich alle Treue im Namen der heiligen Sache, der sich alle verschrieben haben: dem Kampf gegen Amerika und den ungläubigen Westen.
Spalko teilt ihnen erfreut mit, dass er kurz davor steht, das Gerät für den Einsatz in Reykjavík fertigzuhaben. In der isländischen Hauptstadt soll der Antiterrorismusgipfel stattfinden, an dem der amerikanische und der russische Präsident sowie vier Führer arabischer Staaten teilnehmen. Welch ein Signal für den Rest der Welt, wenn diese Potentaten stürben! Die Welt würde vor den Tschetschenen erzittern, nicht wahr! NX20 werden sie schon in wenigen Tagen zum Einsatz bringen, versichert ihnen Stepan Spalko mit einem Grinsen.
_Mein Eindruck_
So sieht also die moderne Terrorismusszene aus. Unter dem Deckmäntelchen einer humanitären Hilfsorganisation gelangen Terroristen in alle Ecken und Enden der Welt, werden Freunde von Regierungen, breiten ihre Logistik überall aus. Und natürlich gibt es Spendengelder, besonders von reichen Leuten, die ihr Gewissen plagt. Stepan Spalko, der Protagonist dieser neuen Terrorismusstruktur, hat an alles gedacht und lange vorausgeplant. Er hat Regierungen in seine Hand gebracht und fanatische Freiheitskämpfer angeworben, Waffen verschoben und ihnen bereitgestellt. In seiner Budapester Zentrale hat er sogar seine eigene kleine Folterkammer, falls mal sein männlicher Charme nicht zur Überredung ausreichen sollte.
Leute, die ihm nicht genehm sind oder die sich als Widersacher erwiesen haben, wie Alex Conklin, lässt er durch seinen Auftragskiller Chan beseitigen. Chan ist eiskalt und erledigt auch mal tschetschenische Rebellenführer, die Spalko nicht willfährig genug sind. Hassan Arsenow wird auf diese Weise der Kopf der Rebellen und macht gerne bei Spalkos riskantestem Kommandounternehmen mit: in Reykjavík, wo die Sicherheitsmaßnahmen massiv sein werden.
Doch Spalko wäre nicht zugleich Menschenrechtler und Terrorist, wenn er nicht auch die Rebellen aufs Kreuz legen würde. Sein halbiertes Gesicht deutet seine Falschheit bereits sinnfällig an. Die eine Hälfte ist Kunsthaut, die eine verbrannte Gesichtshälfte bedeckt. Nur die andere ist menschlich geblieben – um die Trottel, die bei ihm Hilfe suchen, zu täuschen. Trottel wie Hassan Arsenow, der einfach zu viel Angst vor dem Tod hat.
Spalko umgarnt Hassans Geliebte Sina, die prompt darauf hereinfällt und sich seinem Versprechen einer gloriosen Zukunft mit Leib – und was für ein hübscher Leib! – und Seele verschreibt. Aber wird Spalko letzten Endes, wenn es darauf ankommt, seine Versprechen halten und sie mit auf seinen Lebensweg nehmen? Man darf es wohl bezweifeln. Doch diesem Gedanken verwehrt sich Sina, denn schließlich kann ein Scheich und Geliebter sie doch nicht verraten, oder?
Dieser Roman dreht sich um die Welt des modernen Terrorismus wie auch um dessen hohle und falsche Versprechungen, die nichts als Tod und Leid über Täter und Opfer bringen. Die neue Weltordnung, die Leute wie Spalko versprechen, erweist sich auch für die Terroristen selbst nur als Illusion, als Schattenspiel. Es beweist, dass die Strippenzieher keine Ideale mehr haben, sondern ihre Helfer verraten und verkaufen, solange sie selbst fein raus sind. Dass der Einsatz des NX20, eine biologischen Kampfstoffs, auch Spalko zu einem erfolgreichen Erpresser machen wird, dürfte wohl klar sein. Wer solchen Terror verbreiten kann, braucht sich um Gefolgschaft und „Spendengelder“ kaum Sorgen zu machen.
|Jason Bourne|
Nur Topleute wie Jason Bourne können Typen wie Spalko stoppen. Zunächst sieht der Roman wie die übliche Schnitzeljagd mit Hindernislauf aus. David Webb alias Jason Bourne, wie ihn die CIA nennt, bekommt hier und da vereinzelte Hinweise, die ihn zur nächsten Anlaufstation führen, wo ein weiterer Hinweis wartet. Und so weiter. Um das altbekannte Spiel etwas schwieriger zu gestalten, wird er von der CIA für vogelfrei erklärt und somit ein weltweit Gejagter. Er soll ein psychopathischer Serienkiller sein. Selbst die Sicherheitsberaterin des US-Präsidenten fordert seinen Kopf und treibt den CIA-Direktor mit ihren Vorwürfen der Inkompetenz zur Weißglut. Er nennt sie fortan nur noch „Hexenweib“. (Sie hat auffällige Ähnlichkeit mit der aktuellen Außenministerin der USA …)
Doch Bourne war selbst mal bei der Agency und kennt alle ihre Tricks und Macken. So gelingt es ihm immer wieder, dem Netz zu entschlüpfen, allerdings nicht ohne jede Menge Action. Das ist eines der Standardmerkmale der Bourne-Thriller. Beim Lesen kam ich auf den ersten 200 Seiten kaum einmal zum Verschnaufen. Die Actionszenen selbst sind anschaulich, für Kampfsportler nachvollziehbar und haben stets plausible Folgen. Bourne ist ja kein Superman und holt sich durchaus mal gebrochene Rippen und jede Menge Prellungen und Narben. Zu guter Letzt fällt er auch noch dem Folterknecht Stepan Spalko in die Hände. Ihm bleibt eben nichts erspart.
|Beistand|
Der Autor Lustbader hat Ludlums Vorlage genommen und gleich mal das Schachbrett neu geordnet. Alex Conklin macht einen unvermittelten Abgang, dafür bekommt eine neue wichtige Figur einen Auftritt: Chan. Doch Chan, der Killer aus Kambodscha, ist keine zweidimensionale Chiffre wie so viele Actionfiguren, sondern muss zu seiner eigenen Verblüffung feststellen, dass er ein Seelenleben hat, das einfach nicht stillschweigen will. Und das liegt offensichtlich an Jason Bourne.
Immer wieder hat Chan den Albtraum, in dem er in einem Fluss versinkt. Zu seinem Entsetzen sieht er, wie eine Leiche ihn am Fuß gepackt hat und in die Tiefe zieht. Einige Albträume später hört er eine Stimme, die „Li-li!“ ruft, und er stellt verblüfft fest, dass es seine eigene Stimme ist. Woher kommt dieser Name, und wer ist das Mädchen, das ihn hinabzieht? Die Antwort erhält er zu seinem Erstaunen von keinem anderen als Jason Bourne.
Mehrmals hat Chan Gelegenheit, Bourne umzubringen, so etwa in Paris auf dem Frachtflughafen. Doch er tut es nicht, und das wundert ihn selbst am meisten. Denn Bourne hat ihn in einem Park in Washington gefragt, wer er selbst sei. Und Chan konnte es ihm nicht sagen. Zunehmend gelangt Chan zu der Überzeugung, der angeblich tote Sohn Joshua von Jason Bourne zu sein. Aber davon will Bourne natürlich nichts wissen, denn seine Schuldgefühle bezüglich Joshuas Tod sind viel zu groß. Sie würden ihn gleich außer Gefecht setzen und unfähig machen, gegen seine Gegner zu kämpfen.
Chan seinerseits empfindet eine unbändige Wut auf seinen Vater – vermeintlich oder tatsächlich, das muss sich noch erweisen -, denn er glaubt, Jason Bourne habe ihn seinerzeit im Stich gelassen. Chan hatte danach unglaubliches Leid zu erdulden, schloss sich den Roten Khmer an und wurde zum professionellen Killer. Auch wurde er mehrmals verraten, nicht zuletzt von einem weißen Missionar, der ihm das Lesen und Schreiben anhand der Bibel beibrachte. Chan vergleicht sich mit Jona, der aus dem Bauch des Wal auftauchte. Vielleicht ist er aber auch der Weiße Wal Moby Dick, der seinen Jäger Ahab vernichten will.
|Bekehrung|
Mich hat der Werdegang Chans zunehmend beeindruckt, denn solche psychologischen Veränderungen einer Hauptfigur findet man in Actionthrillern nur sehr selten. Zugleich muss sich auch Jason Bourne verändern, um einen solch gefährlichen Mitspieler an seiner Seite zu dulden. Jason alias David Webb wird selbst böse verraten und kann nur mit Chans Hilfe die Katastrophe in Reykjavík abwenden.
Zugleich bietet der Autor mit der Bekehrung des Terroristenhelfers Chan eine positive Alternative zu den Destruktionsmissionen des Terroristen. Aus psychologischer Sicht ist dies sehr spannend zu verfolgen, wie ich finde. Und es kommt im Finale zu bewegenden Szenen. Nicht jeder Autor würde sich dies trauen. Aber im Rahmen eines Ludlum-Romans ist vielleicht vieles möglich, das in anderen Thrillern nicht umsetzbar wäre. Einige solche Elemente hat Lustbader bereits in dem Dan-Brown-Imitat „Testamentum“ gezeigt. Insgesamt sind mir aber seine Fernost-Thriller um Nicholas Linnear immer noch lieber, besonders „Ninja“ und „Miko“.
|Die Übersetzung|
Wulf Bergner ist schon seit Jahrzehnten als Übersetzer für |Heyne| tätig. Das belegen seine unzähligen Übersetzungen aus der frühen Science-Fiction-Reihe, die 1964 startete. Eines der überzeugendsten Merkmale von Bergners Stil sind die umgangssprachlich üblichen Zusammenziehungen wie etwa „wär’s“ und „hätte er’s“. Sie sorgen für einen weitaus weniger steifen Sprachduktus der Dialoge. Diese wirken dadurch natürlicher, realitätsnaher, denn so sprechen Menschen wirklich.
Druckfehler fand ich kaum welche, so etwa „wie“ statt „wir“ und dergleichen. Das lässt auf eine positive Entwicklung in den Verlagen schließen. Vielleicht werden ja sogar wieder Korrektoren eingesetzt!
_Unterm Strich_
Ich habe die 700 Seiten dieses Thrillers in nur drei Tagen verschlungen. Der Einstieg ist einfach, wenn man mal eine der Bourne-Verfilmungen gesehen hat. (Es gibt ja auch eine mit Richard Chamberlain.) Die Action geht sofort im Prolog los und lässt dann bis zum Schluss nicht mehr nach. Der Leser kann sich zurücklehnen und das Adrenalin spüren und genießen.
Die gewohnte Bourne-Action ist eine Schnitzeljagd mit Hindernisrennen. Der Held hat ein schweres Handicap in seinem fehlenden bzw. bruchstückhaften Gedächtnis, was er aber mit formidablem Körpereinsatz und Grips wettmacht. Die Bösewichte sind Terroristen, ihm auf den Fersen ist aber auch die CIA.
Doch diesmal kommen zwei neue Elemente hinzu: In der CIA beginnt der Vize an Bournes Schuld zu zweifeln und kann sogar seinen verbohrten alten Boss davon überzeugen (allerdings erst nach ungefähr 600 Seiten). Die Agency ist also im Unterschied zu den Darstellungen in den Filmen nicht durchgehend schlecht.
Und Jason Bourne findet in Chan einen unverhofften Helfer. Was als Drohung aus der Vergangenheit beginnt, führt zu einer Wandlung sowohl in Bourne als auch Chan und bringt beide in einem gemeinsamen Einsatz zusammen. Doch Chans Weg zur Anerkennung Bournes als seinen Vaters ist noch weit. Immerhin ist er in der Lage, in einer sterbenden Terroristin eine verwandte Seele zu erkennen. Das ist für seine eigene Entwicklung sehr wichtig, denn wer will schon für immer ein einsamer Killer sein?
Gleichzeitig präsentiert der Autor mit Chans Bekehrung eine positive Alternative zum Terrorismus. Allerdings funktioniert sie nur ganz individuell. Aber sie ist besser als das, was Hassan, Sina und all die anderen von Stepan Spalkos „Jüngern“ erleben müssen: Dass die Welt, die sie herbeibomben wollen, nur eine Illusion voller Verrat ist.
Am sympathischsten finde ich an Bourne, dass er fast nie eine Schusswaffe einsetzt. Das hat er mit Lustbaders anderem Helden Nicholas Linnear gemeinsam, der ebenfalls auf Hände und Füße als Waffen setzt. Und wenn er mal schießt, dann nur mit einer Keramikpistole, die von den Metalldetektoren der Flughafenkontrollen nicht erfasst wird. Clever boy!
Fazit: ein Volltreffer.
|Originaltitel: The Bourne Legacy, 2004
703 Seiten (ohne Anhang)
Aus dem US-Englischen von Wulf Bergner
ISBN-13: 978-3-453-43241-3|
http://www.heyne.de
Sie ist eine schöne und liebevolle Ehefrau und sie führt nach außen ein ganz normales Leben. Würde man die Nachbarn fragen, würden sie wahrscheinlich nichts Negatives übe sie sagen können. Haus und Garten sind sehr gepflegt und sie hat immer ein nettes Wort auf den Lippen. Doch der Schein trügt, denn tief in ihrem Inneren wohnt das Böse und sie hat ein mehr als nur dunkles Geheimnis.
Eine Serie von Brandstiftungen in Boston bringt sowohl die Feuerwehr als auch die Polizei in Bedrängnis. Drei Feuerwehrleute sterben in einer alten Kirche, doch kein Tatverdächtiger wird gefunden. Jack McGee, ein ehemaliger Feuerwehrmann, bittet Privatdetektiv Spenser um Hilfe. Der stößt auf einige Ungereimtheiten, Geheimnisse – und ein Wespennest von Gangstern.
Als seine eigene Wohnung abgefackelt wird, zieht er andere Saiten auf. Zusammen mit seinen Freunden Zebulon Sixkill, einem Cree-Indianer, und Hawk, dem Profikiller mit dem stilsicheren Auftritt, heizt er sowohl den Brandstiftern als auch einem der Gangster ein. Schon bald hagelt es Morddrohungen…
_Der Jäger geht in Rente: Dürfen Serienkiller aufatmen?_
In der Abteilung für ungelöste Fälle betraut die Leiterin Harry Bosch mit einem widersprüchlichen Fall aus dem Jahr 1989: Ein Sexualmord soll laut DNS-Beweis von einem Achtjährigen begangen worden sein? Ziemlich unwahrscheinlich, oder? Der Widerspruch könnte aber die Beweiskraft zahlreicher auf DNS basierender Verfahren unterminieren und muss schleunigst gelöst werden.
Plötzlich ruft der Polizeipräsident bei Bosch an. Der Stadtrat Irvin Irving persönlich hat Bosch, seinen früheren Intimfeind, als Ermittler angefordert, um den möglichen Selbstmord seines Sohnes aufzuklären, der sich im Hotel Chateau Marmont vom Balkon gestürzt haben soll. Bosch riecht sofort eine Falle und agiert extrem vorsichtig. Schon bald stößt er in beiden Fällen auf erschreckende Weiterungen …
_Der Autor_
Michael Connelly war jahrelang Polizeireporter in Los Angeles und lernte das Polizeigewerbe von außen kennen. Bekannt wurde er mit seinen Romanen um die Gesetzeshüter Harry Bosch und Terry McCaleb, zuletzt besonders aufgrund der Verfilmung von „Das zweite Herz / Bloodwork“ durch Clint Eastwood.
Auch „Der Mandant“, der erste Mickey-Haller-Roman ist hochkarätig verfilmt worden, doch es gibt „künstlerische Differenzen“, und so wurde der Regisseur gefeuert. Inzwischen ist der Streifen mit Matthew McConnaughey in der Titelrolle auch auf DVD zu haben.
Zuletzt erschienen „Echo Park“, „The Overlook / Kalter Tod“, „The Scarecrow“ und „Nine Dragons“ (siehe meine Berichte). „Der fünfte Zeuge“ soll Anfang 2013 bei Knaur auf Deutsch erscheinen. Der Autor lebt mit seiner Familie in Tampa, Florida.
_Handlung_
Harry Bosch hätte eigentlich schon in Rente gehen können, aber nach zwei Jahren als Privatdetektiv ist er wieder zum LAPD zurückgekehrt. Nach einer Zeit beim Morddezernat (s. o.) und einem Treffen mit seinem Halbbruder Mickey Haller, dem Strafverteidiger, hat er sich in die Abteilung für ungelöste Fälle versetzen lassen.
Seinem Gesuch um einen DROP, einen hinausgeschobenen Rentenbezug (Deferred Retirement Option Plan), wurde stattgegeben: Er darf noch exakt drei Jahre und drei Monate länger bleiben. Gut so, denn Harry Bosch ist ein Mann mit einer Mission. Er will die Verbrecher alle erwischen, alle, ohne Ansehen der Person. Sein Credo: „Jeder zählt, oder keiner zählt.“
|Cold hit|
Die Abteilungsleiterin Lt. Duvall gibt Bosch und seinem Partner Chu einen widersprüchlichen Fall: Eine 19 Jahre alte Sonnenanbeterin namens Lily Price wurde 1989 am weltberühmten Venice Beach entführt, vergewaltigt und anschließend erdrosselt. Das Seltsame daran: Ein Blutstropfen an ihrem Hals weist die DNS eines damals Achtjährigen auf. Boschs Aufgabe besteht nun darin, herauszufinden: Hat jemand in der Erstellung der Beweismittel oder bei der Erstellung der Akte Mist gebaut?
|Aufschlag|
Er und Chu können sich aber nicht sofort auf die Suche begeben, denn der Polizeipräsident besteht darauf, dass Harry persönlich die Ermittlungen im Fall eines möglichen Selbstmörders leitet, der an diesem Morgen vor dem Hotel Chateau Marmont gefunden wurde. Das Hotel ist bei Stars aller Art beliebt, denn es schützt die Privatsphäre als höchstes Gut. Auch Helmut Newton, der bekannte Starfotograf, starb dort: Herzinfarkt am Steuer seines Wagens. Und Jim Morrison fiel hier 1970 mal vom Balkon.
Warum sich der Polizeipräsident hierbei engagiert, wird Harry schnell klar: Der sogenannte Selbstmörder ist der Sohn seines langjährigen Intimfeindes Irvin Irving, der mittlerweile einer der bestgehassten Stadträte von Los Angeles ist, jedenfalls was die Polizei betrifft: Er hat 100 Mio. Dollar für Überstunden gekappt. Und wer weiß, wozu er noch imstande ist – daher setzt er den Polizeipräsidenten unter Druck. Bosch agiert dementsprechend vor- und umsichtig: Ihm darf kein Fehler unterlaufen, oder seine Zeit beim LAPD ist schneller um, als er „Justizirrtum“ sagen kann. Irving setzt auch ihn unter Druck.
Die Hinweise im Hotel sind mager, aber es gibt sie: ein abgerissener Hemdknopf, ein woanders abgestellter Wecker – und in der Leiche des Unternehmensanwalts George Irving sind viel zu viele Knochen gebrochen. Entweder wurde er aus dem siebten Stock gestoßen, fallengelassen – oder er sprang mit sehr wenig Schwung. Aber warum hat niemand Schreie gehört? Es gibt also drei Möglichkeiten: Unfall, Selbstmord oder Mord.
|CHILL|
Auf der Suche nach dem achtjährigen Jungen, von dem das Blut auf der ermordeten Lily Price stammte, kommt Harry ein gutes Stück weiter. Er findet den mittlerweile ca. 30-dreißigjährigen Clayton S. Pell in einer Einrichtung für die Therapierung von Serientätern. Von Doktor Hannah Stone erfährt Harry aber zu seinem Erstaunen, dass Pell nicht hinter Mädchen her war, sondern ein Pädophiler ist: Er steht auf Jungs zwischen acht und zehn Jahren. Harry ersieht aus den psychologischen Akten, dass sich Pell als Zeuge im Fall Price eignet: Er kannte eventuell den Täter.
In einem Gespräch unter sechs Augen erzählt der kleinwüchsige Clayton von seinem eigenen Peiniger, der ihn im Alter von acht Jahren auf die schiefe Bahn brachte: Der Mann, den er in den Akten „Johnny“ nannte, wurde in Wahrheit CHILL genannt, weil seine Initialen C. H. in die schwere Schnalle seines Gürtels eingelassen waren – und mit diesem schweren Instrument pflegte CHILL, seine Opfer zu verprügeln …
|Die hohe Politik|
Harry erfährt von einem Kontakt im Büro des Polizeipräsidenten, dass Irvin Irving ständig nach Bosch fragt, um auf dem neuesten Stand der Ermittlungen gehalten zu werden. Harry weigert sich, irgendetwas preiszugeben. Nicht einmal die Autopsie von George Irving liefert Aufschluss über den Tathergang.
Aber als Harry unverkennbare Kampfspuren auf Georges Schulterblatt entdeckt, führt die Spur in den Kreis alter Polizisten. Die Kampfspur ist die Hinterlassenschaft eines mittlerweile verbotenen Würgegriffs, der nur an der Polizeiakademie von Los Angeles gelehrt wurde …
_Mein Eindruck_
Die Spur scheint in die Mitte eines Korruptionsskandals zu führen, in die Irvin irving als Drahtzieher verwickelt ist. Sein Sohn George sollte eine lukrative Taxilizenz einem anderen Unternehmen, nämlich Regent Taxi, zuschanzen und dafür den bisherigen Lizenznehmer, Black & White Taxi, durch polizeiliche Falschmeldungen in Verruf bringen. Hat Black & White Taxi davon Wind bekommen und George in den Tod gestürzt? Ein Motiv ist eindeutig erkennbar. Aber wird es auch durch die Fakten gestützt, fragen sich Harry und Chu, als sie die Beweise durchforsten.
Am Schluss ist Harry klar, dass er von Anfang an für die hohe Polizeipolitik – High Jingo – benutzt worden ist, um Irving zu entmachten. Was ihn besonders schmerzt, ist jedoch der Umstand, dass es gerade der einzige Cop, dem er meinte, vertrauen zu können – Kiz Rider, seine einstige Partnerin bei den „Closern“ – die Strippen gezogen hat, um Harry hereinzulegen. Die Ironie dabei: Es ist Irving selbst, der Harry den Beweis dafür liefert.
Als wäre dies nicht schon Verrat genug, sieht sich Harry auch noch von seinem aktuellen Partner David Chu hintergangen. Harry wird bleich, als eine Journalistin der „Los Angeles Times“ ihn fragt, wann die Mordermittlung mit dem Nennen des neuen Verdächtigen an die Öffentlichkeit gebracht wird. Erstens, stellt Harry konsterniert klar, ist gar nicht sicher, dass es sich bei George Irvings Tod um Mord handelt. Und zweitens gibt es momentan keinen Verdächtigen.
Dann beschattet er David Chu, der sich mit der Journalistin trifft und ihr die heißesten News im Fall verklickert. Harry macht Chu klar, dass er nach diesem Fall nicht mehr sein Partner sein werde. Chu, der sich unversehens von der Journalistin im Stich gelassen sieht – sie verkauft Sex für Infos -, verspricht, seinen Fehler wiedergutzumachen. Konzentriert stürzt er sich auf die Aufklärung des zweiten Falls: CHILL. Kann er sich rehabilitieren?
Das letzte Viertel beschäftigt sich in einer erstklassigen Engführung mit dem Aufspüren, Überführen und verhaften von CHILL, dem Serienkiller, der damit prahlt, 37 Opfer ins Jenseits befördert zu haben. Er will in die Annalen eingehen und ins Fernsehen kommen, so mediengeil ist er. Er hat alle seine Taten dokumentiert, und Harry und Chu werden bleich, als sie die Bilder und Videos ansehen.
Doch der Fall CHILL erhält noch mehrere überraschende Wendungen, über die hier nichts verraten werden soll. Sie sorgen dafür, dass Action und Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten werden. CHILL wirkt deshalb so bedrohlich, weil Harrys neue Liebe, Dr. Hannah Stone, mit Serientätern umgeht und weil Harrys 15-jährige Tochter, die Polizistin werden möchte, jederzeit ein potenzielles CHILL-Opfer werden könnte. Stone ermahnt Harry, seine Tochter in seiner Nähe zu behalten. Er verspricht es.
Dr. Stone tritt nicht ohne Grund auf. Sie hat einen Sohn, der seit jahren im Knast sitzt, weil er ein Mädchen betäubt und vergewaltigt hat. Soll sie sich selbst die Schuld geben, will sie von dem verlegenen Harry wissen. Er weiß, dass das Böse existiert, er hat es oft genug gesehen. Aber ist es ein Produkt der Natur oder der Gesellschaft („nature“ oder „nurture“ im Englischen)?
Diese uralte, anhaltende Streitfrage durchzieht auch die beiden Fälle, mit denen es Harry Bosch diesmal zu tun hat. Hat sich CHILL zu einem Serienkiller stilisiert – oder ist er ein Opfer-Täter wie Clayton Pell? Dass selbst „zivilisierte“ Personen das Böse hervorbringen können, stellt Kiz Rider unter Beweis. Sie hat Harry Bosch für ihre eigenen und die Ziele des Polizei-Departments LAPD benutzt. Er werde die gute Seite schon noch einsehen, versichert sie ihm. Er ist sich bereits sicher, dass dies niemals geschehen wird. Er hat zuviele benutzte Menschen in seinem Leben gesehen.
|Textfehler|
Auf S. 248 ist ein übler Druckfehler zu finden. „Bosch decided to give him just want he wanted.“ Statt „want“ müsste es „what“ heißen.
_Unterm Strich_
Was ist nur aus dem actiongeladenen Harry Bosch geworden, den ich aus seinen ersten Romanen kenne, etwa aus „Schwarzes Echo“ und „Das Comeback“ (Trunk music), frage ich mich als Connelly-Fan. Harry ist zwar immer noch ein Mann mit einer Mission, dem das Adrenalin ins Blut schießt, wenn er die Spur eines Killers aufnimmt. Doch er nimmt sich zunehmend vor Verrätern in der eigenen Organisation in Acht und spürt selbst immer welche auf. Die Action bleibt zunehmend auf der Strecke.
Andererseits ist dieses neue Verhalten an Harry nun auch ein Vorteil. Der doppelte Plot des vorliegenden Romans weist selbst wieder Falltüren und unerwartete Wendungen auf. Etwa in der Mitte des Buches wird Harry klar, dass er sich auf dem völlig falschen Dampfer befindet. Die Ermittlung in Sachen George Irving führt fortan in eine völlig neue Richtung – oder sie wird eingestellt.
|Der CHILL-Faktor|
Das letzte Viertel ist hingegen das Beste, selbst wenn es ein wenig an Finesse fehlen lässt: Die überraschende Entdeckung und Überführung von CHILL beweist wieder einmal, dass sich kaum ein anderer Autor so gut mit authentischer Polizeiarbeit auskennt wie der frühere Polizeireporter Connelly.
Allein die Art und Weise, wie Bosch und Chu es deichseln, ohne Durchsuchungsbefehl in eine fremde Wohnung einzubrechen und dies alles zu rechtfertigen, ist ein Meisterstück an polizeilicher Logik. Der Fall nimmt eine actiongeladene Wendung, als Harry entdeckt, dass CHILL und sein Opfer Clayton Pell in ein und demselben Gefangenenbus sitzen…
|Früh übt sich|
Sehr gut gefielen mir auch alle Szenen mit Boschs Tochter Maddie, die er seit „Nine dragons“ und dem Tod ihrer Mutter in seiner Obhut hat. Es wird deutlich, dass der Autor in Madeleine eine Nachfolgerin des doch etwas müde gewordenen Serienhelden aufbaut. Sie kann schon besser schießen als er, kann die Körper und Mienen der Menschen „lesen“ und beherrscht das Alphabet des LAPD (O für Ocean).
Was bleibt ihr auch anderes übrig bei einem Dad, der spät nachts noch Mordakten studiert? Kein Wunder, dass sie die Schule stinklangweilig findet. Sie würde viel lieber Verbrecher jagen wie ihr Dad. Ich warte schon auf ihren ersten Krimi, der bestimmt folgenden Titel trägt: „Harry junior – Boschs Vermächtnis“!
Eine Frau wird am Strand von Ayia Napa tot gefunden. Vermutlich ein weiteres Opfer der Flüchtlingswelle. Sie muss früher sehr schön gewesen sein, dass erkennt man trotz ihres verhärmten Zustandes. Dieser gibt Aufschlüsse darüber, warum sie dieses Wagnis auf sich genommen hat. Als Assad ein Foto der Leich sieht, verliert er jegliche Farbe aus seinem Gesicht.
Ein psychisch kranker Gamer hält das Sonderdezernat Q in heller Aufruhr, ebenso wie der geplante Terroranschlag mitten in einer Millionenstadt Europas.
Durchwachsene Anthologie: Der Meisterdetektiv zwischen Schlangen und Gitterstäben
Arthur Conan Doyle schuf vor 125 Jahren den literarisch größten Meisterdetektiv aller Zeiten. Seit seinem Tod haben zeitgenössische Autoren Sherlock Holmes und seinen treuen Freund Dr. Watson in neue Fälle verwickelt und somit für die Leser am Leben erhalten.
Volker Bätz, Tanja Bern, Anke Bracht, Barbara Büchner, die die Titelstory bestreitet, Tanya Carpenter, Andreas Flögel, Ruth M. Fuchs, Désirée Hoese, Guido Krain, Sören Prescher, Ramón Scapari, Vincent Voss und der deutsche Sherlock-Experte Klaus P. Walter konfrontieren Holmes und seinen messerscharfen Verstand in diesem Kurzgeschichtenband mit mystischen Fällen – meisterhaft bebildert von Crossvalley Smith.
So stellen sich Sherlock Holmes wieder viele Fragen. Geht tatsächlich ein Vampir in London um? Gibt es wirklich einen Geist auf Carnington Hall, der sein Unwesen treibt? Was hat es mit den Stimmen aus dem Jenseits auf sich? Und welches Geheimnis steckt hinter der brennenden Brücke? (Erweiterte Verlagsinfo) Bionda, Alisha (Hrsg.) – Sherlock Holmes und das Druidengrab. Erzählungen weiterlesen →
Mikael Blomkvist steht vor einer Entscheidung. Böse Zungen behaupten, er sei nicht länger der Journalist, der er einst war. Lisbeth Salander hingegen ist aktiv wie eh und je. Die Wege kreuzen sich, als Frans Balder, einer der weltweit führenden Experten für Künstliche Intelligenz (KI), ermordet wird. Kurz vor seinem Tod hatte er Mikael Blomkvist brisante Informationen versprochen.
Als Blomkvist erfährt, dass Balder auch in Kontakt zu Lisbeth Salander stand, nimmt er die Recherche auf. Die Spur führt zu einem US-amerikanischen Softwarekonzern, der mit der NSA verknüpft ist. Mikael Blomkvist wittert seine Chance die Enthüllungsstory zu schreiben, die er so dringend braucht. Doch wie immer verfolgt Lisbeth Salander ihre ganz eigene Agenda. (Verlagsinfo)