Sie sind zurück! Nachdem der VHS-Kurs »Sex für Wiedereinsteiger« nicht nur ihrem Sexualleben eine völlig neue Richtung gegeben hat, geht es endlich wieder zur Sache: Andrea, Mutter eines Hotel-Mama-Sohns, Maren, schwanger von einem außerehelichen One-Night-Stand, Anja, Partnerin eines spielsüchtigen Polizisten, und Iris, erfolgreiche Mami-Blog-Influencerin erleben, dass im Aufbaukurs »Sex für Fortgeschrittene« nicht nur alte Bekannte, sondern auch viele neue Erkenntnisse auf sie warten. Vor deren Risiken und Nebenwirkungen ist nicht einmal die frisch verheiratete Kursleiterin Tilda sicher. Denn wie ahnt Dörte, Gründerin eines Dildo-Start-ups, schon im Unterricht: »Es heißt wohl Wechseljahre, weil man da oft nochmal den Partner wechselt!« (Verlagsinfo)
Low Carb, Low Fat, Keto, Clean Eating oder “einfach” FDH – Diäten und Ernährungsformen sind in aller Munde. Viele viele Leute sind übergewichtig oder unzufrieden mit ihrem Körper. Dass zu viel Speck auf den Hüften vor allem gesundheitliche Probleme und Risiken birgt, weiß denke ich jeder.
Doch abnehmen ist oftmals in der Theorie leichter als in der Praxis. Steckt unser Alltag doch voller Verlockungen, die meist hochkalorisch sind. Viele Lebensmittel stehen uns ganzjährig und in großer Menge zur Verfügung. Gleichzeitig wird die Alltagsbewegung unterschätzt und geht im stressigen Alltag unter. Und schon ist Übergewicht vorprogrammiert.
Dieses Buch soll jedoch dabei helfen, Pfunde ohne Verzicht zu verlieren und gesunde Alternativen und Routinen zu finden.
„Amtsrichter Siggi Buckmann hat sich geschworen, für Gerechtigkeit einzustehen – notfalls auch nach Feierabend. Als sein einstiger Mentor tot in einem Waldstück aufgefunden wird, macht er sich auf die Suche nach den Schuldigen. Schneller als gedacht handelt er sich dabei Ärger mit einer dubiosen Immobilienfirma, der russischen Mafia und dem Sohn des Ministerpräsidenten ein. Die einzige Verbündete gegen seine neuen Feinde ist die kluge Journalistin Robin Bukowsky. Aber kann er ihr wirklich trauen? Vieles scheint dagegen zu sprechen. Zum Beispiel Buckmanns nicht ganz so gesetzeskonforme Vergangenheit …“ (Verlagsinfo) Thorsten Schleif – Richter jagen besser (Siggi Buckmann 02) weiterlesen →
Island, eine friedliche Insel im Nordatlantik? Mitnichten. Ein pensionierter Lehrer wird in der Innenstadt der Hauptstadt Reykjavik brutal ermordet. Zur gleichen Zeit begeht einer seiner ehemaligen Schüler in der psychiatrischen Klinik Selbstmord. Dass ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen besteht, findet als Erster der jüngere Bruder des Selbstmörders heraus. Erlendur Sveinsson und seine Kollegen von der Kripo Reykjavik schalten sich in den Fall ein. Das Ermittlungsergebnis ist haarsträubend: Von der Klasse des Selbstmörders leben nur noch zwei Schüler.
_Der Autor_
Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung |Morgunblaðið|. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman [„Nordermoor“ 402 hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell! Trotz seines Erfolgs sollte man nicht meinen, dass Island von einer Verbrechenswelle heimgesucht wird. Laut Verlag gibt es dort nur drei Morde pro Jahr.
Bisher ins Deutsche übersetzte Romane (alle bei |Lübbe|):
Frank Glaubrecht ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht beispielsweise so bekannten Filmstars wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere seine markante Stimme. Er hat u. a. Indriðasons Hörbücher „Nordermoor“ und „Engelsstimme“ gelesen.
Die Bearbeitung der gekürzten Textfassung erfolgte durch Sabine Bode, Regie führte Marc Sieper. Die akustischen Motive (= Musik etc.) steuerte Michael Marianetti bei.
_Handlung_
Als Palmi diesmal seinen älteren Bruder Daniel in der psychiatrischen Klinik, einem kalten grauen Gebäude an der Küste, besucht, stutzt er: keine Raucher auf dem Korridor, und Daniels Zimmer ist verwüstet. Ein Aufseher sagt ihm, dass Daniel sich oben im fünften Stock umbringen wolle. Palmi ist schockiert, aber nicht verwundert. Schon zweimal hat Daniel in seiner Jugend versucht, sich umzubringen, und zweimal hatte er Palmi und seine Mutter angegriffen. Aber das war vor 25 Jahren, und die Mutter starb vor sieben Jahren. Der Vater, ein Matrose, ist auf See geblieben, die Brüder haben ihn kaum gekannt.
Daniel steht auf dem Fenstersims im fünften Stock und droht, sich in die Tiefe zu stürzen. „Sie haben mir Gift eingetrichtert!“ schreit er. „Wo sind die Anderen?“ Als Palmi darauf keine Antwort weiß, stürzt sich Daniel, gerade erst 40 geworden, in die Tiefe. Er ist sofort tot. Wer war Daniels letzter Besucher, von dem die Krankenschwester Palmi berichtet? Was hat er Daniel erzählt?
Unterdessen in der Innenstadt von Reykjavik. In dem über hundert Jahre alten Holzhaus, das völlig verwahrlost ist, stinkt es nach Benzin, alles ist davon durchtränkt. Selbst die Kleidung des alten Mannes, der gefesselt auf einem Stuhl am Schreibtisch sitzt und sich nicht wehrt. Jemand zündet ein Streichholz an und steckt es dem Alten in die Finger. Als es herunterbrennt und das Benzin erreicht, steht sofort das ganze Haus in Flammen. An den Wänden hängen zahlreiche Fotos von Schülern und Lehrern, die aus mehreren Jahrzehnten stammen müssen, denn die Kleidung der Schüler hat sich ebenso verändert wie ihre Haltung gegenüber der Kamera. Der abgebildete Lehrer ist immer der gleiche: das Mordopfer.
Als Kommissar Erlendur Sveinsson mit seinem Kollegen Sigurdur Oli den Tatort in Augenschein nimmt, ist der Tote bereits anhand von Zahnarztunterlagen identifiziert: Halldór Svavarsson, ein ehemaliger Lehrer einer Volksschule. Als sie Halldórs Schwester befragen, erzählt sie, man habe sich einmal an ihrem Bruder vergangen, damals in seiner Kindheit. Doch er habe sie tags zuvor angerufen: Er sagte, es sei vollbracht. Was hat er bloß gemeint?
Am Tag nach den beiden Toden erhält Palmi drei Microcassetten mit den Aufnahmen der Gespräche zwischen seinem Bruder Daniel und Halldór Svavarsson, seinem ehemaligen Lehrer an der Volksschule. Halldór bedauert zutiefst, was er Daniel und den anderen Jungs seiner Klasse im Winter 1967/68 angetan habe. Weil er erpresst wurde, hat er ihnen im Rahmen eines medizinischen Experiments „Lebertranpillen“ verabreicht, in denen sich offenbar kein Lebertran befand. Aber was war es dann?
Die Leistungsfähigkeit der Jungs steigerte sich in auffälligem Maße, und zwei Krankenschwestern nahmen ihnen Blutproben ab, um die Veränderungen zu protokollieren. Doch als Halldór die Pillen absetzen musste, traten sehr hässliche Entzugserscheinungen auf. Viele der Jungs wurden drogenabhängig (auch Daniel), manche begingen Selbstmord, andere fielen Unfällen zum Opfer, Daniel wurde schizophren.
Palmi erkennt verbittert, dass von all den Jungs jener Klasse nur noch ein einziger am Leben sein könnte, jener, den sie den Pechvogel „Kiddi Kolk“ nannten, Christian Einarssson. Er sieht keine Chance, Kiddi zu finden, denn die Hintermänner jenes teuflischen Experiments dürften immer noch hinter Kiddi her sein.
Er ahnt nicht, wie Recht er hat. In der Nacht hat Palmi schwere Albträume von Daniel und Halldór, und die Hand eines Unbekannten würgt ihn, der ihn anschreit: „Wo sind die Cassetten? Wo sind die Cassetten?“ Der Traum ist gar keiner, erkennt Palmi. Dies ist grausame Realität …
_Mein Eindruck_
In seinem ersten Roman über Kommissar Erlendur Sveinsson greift der Autor wie später in dem eindrucksvollen „Nordermoor“ einen alarmierenden Misstand in der isländischen Gesellschaft auf. Zunächst sieht es nach einem Einzelfall aus, was die Pharmaindustrie an unschuldigen Schülern verbrochen hat: ein skrupelloses medizinisches Experiment.
|Die Verstrickung der Politik|
Doch als Erlendur mit seinem Vorgesetzten spricht, erfährt er, dass sich der Premierminister über diesen Fall auf dem Laufenden halten lässt. Und so wundert es Erlendur nur wenig, dass es nach der Lösung des Falls die Behörden mühelos schaffen, alle Angaben über den Hauptverantwortlichen zu unterdrücken. Nur der Handlanger und eine jener Krankenschwestern werden belangt. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Der Autor klagt keine Einzelschuld ein, sondern eine Gesamtschuld.
~ SPOILER! ~
Dieser Drahtzieher ist Chef des größten isländischen Pharmakonzerns, das zufällig auch das größte ansässige Unternehmen ist – und somit ein wichtiger und mächtiger Steuerzahler. Allerdings lebt der Drahtzieher mehr in Deutschland, woher seine Familie stammt. Und für die dortige Entwicklung von Amphetamin-Präparaten testete er einen Stoff an isländischen Schülern. Das Aufputschmittel wird auch ‚Speed‘ genannt, und es macht definitiv süchtig. Was die ahnungslosen Testpersonen schon bald nach Absetzen der Droge bitter zu spüren bekamen.
Doch dies war nicht das einzige Verbrechen des Pharmabesitzers. Das abgezapfte Blut diente als Grundlage für genetische Versuche, um den heiligen Gral der Genetik zu erlangen: das Klonen von Menschen. Als Palmi und sein Freund in das unterirdische Genlabor eindringen, stoßen sie auf Gespenster der Vergangenheit …
~ ENDE des SPOILERS ~
|Doppelt hält besser|
In klassischer Weise führen die Ermittlungsergebnisse der beiden Teams Erlendur/Sigurdur und Palmi/Freund X zu den Drahtziehern der Verbrechen an den Schülern und ihrem Lehrer. Dabei müssen beide Teams weit in die Vergangenheit zurück, bis zum Zweiten Weltkrieg und davor. Die Methoden sind natürlich völlig unterschiedlich, doch das Erfreuliche dabei ist, dass, trotz der Kooperation Palmis mit den Behörden, die Privatpersonen in ihrem Bemühen, das letzte und größte Geheimnis zu lüften, wesentlich weiter kommen als die beiden Polizisten. Die Teams lassen sich also als gleichberechtigt betrachten, und es ist spannend zu beobachten, wie sie sich allmählich vorarbeiten und dem Kern des Geheimnis immer näher kommen. Doch dies ist keine Ermittlung um ihrer selbst willen – sie wollen den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen, aber auch den Schuldigen.
|Die Rolle des Schurken|
Natürlich ist es von wesentlicher Bedeutung, die Figur des obersten Schurken richtig zu besetzen und zu zeichnen. Willkommen in der strahlend weißen Welt der global agierenden Genetikwirtschaft! Als Palmi und sein Freund – es dürfte klar sein, um wen es sich handelt – in die Villa des Pharmachefs eindringen, landen sie in einem Wunderland der Biomedizin, das gerade durch seinen klinisch reinen Charakter so bizarr wirkt (wie schön, dass es nicht von Isländern gebaut wurde!).
Der Herrschers dieses Wunderlands, ein Mann mit einem deutschen Namen, hält sich nur zu bedeutsamen Anlässen hier auf, beispielsweise für eine wichtige Transaktion. Er ist ein Mann mit ebenso viel Kunstverstand (hier hängt Islands einziger Cézanne) wie Geschäftssinn (er lässt einen der Top-50-Männer der Welt anreisen, um zu investieren), doch mit seiner Moral scheint etwas nicht zu stimmen. Was er herstellt und womit er handelt, das sind menschliche Wesen. Doch kann man diese titelgebenden „Menschensöhne“ wirklich so nennen? Palmi und Co. werden es herausfinden. Ein klassischer „Alien 4“-Moment wartet auf sie.
|Gefallene Engel?|
Eine Bedeutungsebene fehlt noch, die dem Unternehmen Kloning eine bittere ironische Note verleiht. Folgendes Bibelzitat ist dem Roman als Motto vorangestellt: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren ist, sondern das ewige Leben hat.“ Der Klonhersteller nimmt diesen Spruch ein wenig zu wörtlich. Wenn er den reichen Koreaner klont, um ihm so das „ewige Leben“ zu verschaffen, so bezieht sich seine Errungenschaft auf den rein körperlichen Aspekt. Der Geist des Klons ist davon nicht betroffen – dieser wird sowieso nur als Produkt der Umwelt betrachtet.
Als wäre dieses Verbrechen nicht genug, missbraucht der Klonhersteller auch noch die auf natürliche Weise entstandenen Menschen-Söhne, um seine künstlichen Menschen zu erzeugen. Eine zynischere Haltung gegenüber dem menschlichen Leben ist kaum vorstellbar. Es ist die totale Umkehrung des Sinnes, der mit dem Bibelspruch ausgedrückt werden soll.
Und die Opfer selbst? Ganz konkret wird die Auswirkung dieses Verhaltens an Daniels geistigem Zustand. Nach dem Motto seines Lehrers Halldór wollte er „ad astra“, zu den Sternen streben. Und tatsächlich schien die Wunderdroge sozusagen eine Abkürzung dorthin bereitzustellen: einen geistigen Höhenflug sondergleichen. Doch der Absturz dieses Ikarus folgt unausweichlich, als die Droge entzogen wird: Daniel phantasiert von einer „Vertreibung aus dem Paradies“, vom Sturz eines Meteors, der auf die Erde fiel. Er fesselt in seiner Wut seinen Bruder Palmi ans Bett und zündet dieses an – ein deutlicher Vorgriff auf die Art und Weise, wie Halldór umkommt. Das Unglück der Opfer hat eine tragische Dimension. Das kann man für pathetisch halten oder auch nicht; hieran scheiden sich die Geister.
|Hello, Dolly!|
Natürlich nimmt der Autor den Kloning-Erfolg am Schaf „Dolly“ zum Aufhänger für seine horrible Kriminalstory, und mittlerweile weiß man, wie enorm schwierig dieses Unterfangen ist – von der Fragwürdigkeit mal ganz abgesehen. Doch auch ohne den Klonaspekt bleibt das Thema des verbotenen medizinischen Experiments an ahnungslosen Opfern brisant. Die einzelnen Mitglieder von Daniels Clique erwachen in der Rückblende zu erstaunlich deutlichem Leben, als der Autor eine blutige Szene schildert, die in einem Kellerversteck der Bande stattfindet. Die folgenden Ereignisse erklären, warum Kiddi Kolk nur noch ein Auge hat … Die Szene ist so anschaulich erzählt, dass man meinen könnte, der Autor hätte dies oder Ähnliches selbst erlebt. Er kennt sich in den „sozial unterprivilegierten“ Gegenden der Hauptstadt offensichtlich bestens aus. Und er scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen.
|Ein Erstling? Kaum zu glauben|
Es ist wenig davon zu spüren, dass dies Indriðasons erster Krimi war. Ein Hinweis darauf, dass wir es nicht mit der Urfassung zu tun haben, liefert eine winzig gedruckte Zeile im Impressum des Buches, das mir ebenfalls zur Besprechung vorlag. (Gut, dass wir verglichen haben, nicht?) „Die Übersetzung wurde von einer überarbeiteten Fassung des isländischen Originals vorgenommen.“
|Der Sprecher|
Thrillerkenner wissen, dass Frank Glaubrecht die deutsche Stimmbandvertretung von Al Pacino ist. Wer jemals Pacino in Michael Manns „Heat“ gesehen und vor allem gehört hat, ahnt schon, mit welcher Autorität Glaubrecht die Geschichte von Halldor, Palmi, Daniel und Erlendur vortragen kann. Dies habe ich schon bei den anderen Indriðason-Hörbüchern festgestellt: Die Geschichte, wenn Glaubrecht sie vorträgt, kann niemanden kalt lassen.
Das ist ganz besonders wichtig in jenen Szenen und Sätzen, die über die normale Alltagserfahrung und -ausdrucksweise hinausgehen. Wenn Erlendur und Palmi von Abscheu angesichts bestimmter Phänomene wie Kloning erfasst werden, so muss man ihnen das abnehmen. Ganz besonders kritisch wird es, wenn der Moment des Grauens so bizarr wird, dass die Vorstellungskraft kaum noch ausreicht, ihn zu visualisieren. Das ist im Zentrum des Genlabors, dem Herz der Finsternis, der Fall.
Die Hörbuchdramaturgie ist löblicherweise darauf ausgerichtet gewesen, Spannung zu erzeugen. Daher verwundert es nicht, dass viele Szenen mit einer neuen Erkenntnis enden, die zugleich wie ein Cliffhanger funktioniert. Der Zuhörer ist begierig darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Natürlich wird die gleiche Szene selten fortgesetzt, sondern die Story wechselt zum parallelen Handlungsstrang B. Umso größer ist dann die Spannung, wenn die Sprache wieder auf Handlung A kommt.
Nach klassischem Krimimuster steigert sich die Spannung wie auch die Ebene, auf der Erkenntis und Täter zu finden sind, mit jedem weiteren Ermittlungsergebnis. Das Finale sieht dann den Showdown vor. Doch der verläuft bei Indriðason niemals in der Weise, wie ihn sich ein Drehbuchautor aus Hollywood vorstellen würde. Und doch, so viel lässt sich verraten, gibt es ein so genanntes Happyend.
Musikalische Motive bilden ein Intro für die Geschichte und begleiten quasi den Abspann. Sie beschwören eine Stimmung aus Spannung und Drama. Ich fand sie recht passend.
_Unterm Strich_
Man merkt zwar, dass Indriðasons Erstling noch stark an klassischen Mustern für Krimis orientiert ist, aber das Thema ist bereits ebenso brisant wie das seiner späteren Romane. Ich fand die Geschichte sowohl spannend erzählt als auch sehr bewegend in ihrer Aussage und Darstellung.
Und je mehr die Welt jene Visionen, die die Science-Fiction noch vor 30 Jahren zeichnete, in die Realität umsetzt, umso dringender müssen wir uns als Zeitgenossen fragen, ob der Mensch schon bereit ist, sein Ebenbild – ob als Klon, Roboter oder KI – zu erschaffen und wie eine Ware zu verschachern. Von den Opfern, die auf diesem Weg zu bringen sind, und ihrer moralischen Rechtfertigung ganz zu schweigen.
|Originaltitel: Synir Duftsins, 1997
265 Minuten auf 4 CDs|
William Gibson ist einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der letzten zwanzig Jahre. Er hat, wie kein anderer SF-Autor, in kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Sein Erstlingswerk „Neuromancer“ wurde mit dem |Nebula Award|, dem |Hugo Award|, dem |Locus Award| und dem |Philip K. Dick Memorial|-Preis ausgezeichnet.
William Gibson entführt seine Leser in eine Welt immanenter, teils futuristischer Technik, die sich aber von ihrem sozialen und politischen Gefüge her kaum von unserer wirklichen Welt unterscheidet – multinationale Megakonzerne beherrschen die Wirtschaft und die Politik; die Ballungsräume haben sich zu immer größeren, geschwürartigen Gebilden entwickelt, bis sie irgendwann zusammengewachsen sind; ein sehr großer Teil der Bevölkerung lebt in den Randgebieten des Sprawl – in den Slums – und kämpft ums Überleben. Einige von ihnen haben sich die Technik zu Nutze gemacht und verdienen ihr Geld mit Datendiebstahl und Industriespionage.
|“Cyberpunks nennen sich die Computerfreaks mit implantierter Elektronik im Schädel, allesamt verrückt und süchtig nach irren Abenteuern jenseits der Realität. Die Direktschaltung von Gehirn und Computer verheißt Allgegenwart und nie dagewesene Sensationen. Eine neue Welt tut sich auf, intensiv wie ein elektrischer Schock.“| (Bruce Sterling)
Case war ein solcher Cyberpunk. Mit 22 Jahren war er einer der besten Deckjockeys im Sprawl – ein |Cowboy|, wie er es nannte. Er war ein Dieb, der für die großen, reicheren Diebe arbeitete. Seine Auftraggeber beschafften ihm die Software, die er benötigte, um in die riesigen Industrie-Komplexe mit ihren geheimen Forschungslaboratorien einzubrechen und dort all jene Daten zu stehlen, an denen sie interessiert waren.
Dann machte er den klassischen Fehler. Case behielt etwas von dem zurück, was ihm nicht gehörte. Er wollte das große Geld machen – und zwar schnell. Sie kamen ihm auf die Schliche, fanden ihn und bestraften ihn auf eine Art, die für Case schlimmer war als der Tod. |“Sie schädigten sein Nervensystem mit einem russischen Mykotoxin aus Kriegszeiten. In einem Hotel von Memphis ans Bett gefesselt, halluzinierte er dreißig Stunden lang. Mikron für Mikron brannte sein Talent aus. Der Schaden war gering, unauffällig, aber äußerst wirksam.“ (S. 14/15)| Seit dieser Nacht war der Cyberspace nur noch eine Erinnerung, ein Traum. Die Ärzte in den schwarzen Kliniken hatten seine Verstümmelung bestaunt, doch sie konnten ihn nicht heilen.
Darauf folgte der soziale und gesellschaftliche Abstieg. Er begann Drogen zu nehmen, Speed und Alkohol, und steigerte sich in eine akute Suizidgefahr hinein. Case stand mit einem Mal am Rande der Gesellschaft und agierte hart an der Grenze zur Unterwelt. Er war nur ein kleiner Gauner unter vielen.
|Heute| ist Case 24 Jahre alt. Er ist ein Punk, der orientierungslos einen Leitfaden durch sein Leben sucht. Case versucht den Eindruck zu erwecken, er habe mit seinem |früheren| Leben abgeschlossen, doch Drogen und mehr oder weniger unmotivierter Sex vermögen ihm nicht zu geben, was er außerhalb des Cyberspace entbehren muss.. |“(…) Der Körper war nur Fleisch. Case wurde ein Gefangener des Fleisches.“ (S. 15)|
Er ist einer der unzähligen Straßendealer in Ninsei, den Slums von Chiba City. Er schläft in den billigsten Absteigen und schlägt sich mit illegalen Geschäften für das organisierte Verbrechen und manchmal auch mit Mord durchs Leben. Die neuen Yen, die ihm seine Deals einbringen, investiert er direkt in den nächsten Auftrag und in Drogen.
Eines Abends tritt Molly in sein Leben. Molly ist eine kybernetisch aufgewertete Straßenkämpferin mit implantierten Linsen und Nagelmessern. Ihr Job ist es, Case zu ihrem Auftraggeber Armitage zu bringen – nur um zu reden, wie sie ihm versichert. Armitage unterbreitet ihm einen interessanten Deal. Er will Case’s Nervenschäden in einer illegalen Klinik heilen lassen, wenn dieser dafür einen Auftrag im Cyberspace übernimmt. Anfänglich zögert Case, da er zu oft enttäuscht wurde. Sein altes Leben wieder zum Greifen nah, willigt er dann aber doch ein, da er der Verlockung, endlich wieder den Cyberspace betreten zu können, nicht widerstehen kann …
Der Autor
William Gibson wurde am 17. März 1948 in Convay, South Carolina (USA), geboren. Nachdem 1966 seine Mutter starb, verließ er im Alter von 19 Jahren die USA und zog, um sich der Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen, nach Toronto (Kanada). Seit 1971 wohnt er in Vancouver, British Columbia (Kanada).
Auf der |University of British Columbia| begann William Gibson zu schreiben. 1977 verkaufte er, zu Beginn der Punkbewegung, seine Kurzgeschichte „Fragments of a Hologram Rose“ (später im Heyne-Verlag veröffentlicht in der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“) an die wenig verbreitete Zeitschrift UnEarth.
Er begründete den Begriff |Cyberspace| und beschrieb die |Virtuelle Realität| (VR) und das |Internet|, bevor die meisten Menschen deren Existenz auch nur erahnten.
Der Cyberspace ähnelt im Großen und Ganzen unserem heutigen Internet. Während man, um das Internet zu benutzen, vor einem Bildschirm sitzt und seine Daten via Tastatur und Maus eingibt, |’steckt’| der User in Gibsons Vorstellung jedoch nur noch |’ein’|, worauf sein Geist in den Cyberspace eintaucht und dort agiert. Die Visualisierung basiert auf der Technologie der virtuellen Realität, die auf eine abstrakte Art und Weise an die reale Welt angelehnt ist.
Der Cyberspace wird z.B. genutzt, um Geschäftsprozesse von jedem Ort auf der Welt für die berechtigten Benutzer zugänglich zu machen. Aus den Mauern der realen Industriekomplexe und Banken werden im Cyberspace unsichtbare Mauern aus EIS (Elektronisches Invasionsabwehr-System). Auch hier gibt es, wie in der Realität, technische Möglichkeiten, diese Abwehrmechanismen zu umgehen. Genau wie in der realen Welt, treiben auch im Cyberspace Gauner, Diebe und Industriespione ihr Unwesen. Ihre Werkzeuge sind nur nicht mehr Dietrich und Schneidbrenner, sondern eigens zum Durchbrechen der Mauern aus EIS geschriebene Computerviren.
In Gibsons Vorstellung kann ein Deckjockey im Cyberspace auch sterben. Die Idee, welche dahintersteht, ist, dass, wenn der Geist im Cyberspace angegriffen und |getötet| wird, eine Rückkopplung erfolgt, die das Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes grillt. Es besteht also ein gravierender Unterschied zwischen unseren heutigen Computerspielen, z.B. in Virtual-Reality-Cafés, und Gibsons Cyberspace. Wenn ein Deckjockey im Cyberspace einen schwerwiegenden Fehler begeht, dann wird kein virtuelles Leben abgezogen und es gibt auch keinen Schriftzug |Game Over|, der in roter Schrift im Blickfeld aufblinkt, der Deckjockey stirbt einfach – sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt.
Als Hommage an Gibsons „Neuromancer“ entstand das Pen&Paper-Rollenspiel „Cyberpunk“, welches in der düsteren Welt von „Neuromancer“ spielt.
William Gibson gilt auch als Begründer einer neuen literarischen Strömung in der Science-Fiction, dem |Cyberpunk| oder – in Anlehnung an „Neuromancer“ – der |Neuromantik|.
Der Titel „Neuromancer“ ist ein Wortspiel zu |Necromancer| (dt.: Nekromant), was soviel wie Geisterbeschwörer bedeutet, und |neuro|, also Nervensystem. Case, der Protagonist der Geschichte, ist ein zeitgenössischer, in naher Zukunft angesiedelter Zauberer. Seine Hexerei besteht darin, das menschliche Nervensystem mit dem elektronischen neuronalen Netzwerk der Computerwelt zu |interfacen| und diese zu manipulieren bzw. von ihr manipuliert zu werden. Dieser Gedanke folgt analog dem wechselwirkenden Eintritt eines Schamanen in traditionelle mystische Bereiche (die Geisterwelt) mittels Drogen und/oder Trance.
Das Genre ist geprägt vom Lebensgefühl der Punkkultur, die sich in einer modernen, von Elektronik geprägten Welt wiederfindet. Im Mittelpunkt steht ein Computernetzwerk ähnlich unserem Internet, der Cyberspace oder auch die Matrix, welches dem Menschen mittels Interfaces ein völlig neues Terrain eröffnet.
William Gibson verbindet in seinen Romanen zwei Strömungen der Science-Fiction, die |Hard SF| und die |New Wave| der siebziger Jahre. Seine wissenschaftlich-technische Extrapolation entstammt der Hard SF, während seine stilistische Ausführung New Wave pur ist, das heißt, er schreibt gesellschaftskritisch mit einem romantischen Impuls und er bedient sich des in der New Wave verwendeten Archetypus der Protagonisten.
Die Hard SF zeichnet sich durch einen logischen Positivismus, traditionelle moralische Werte und ein wissenschaftliches Weltbild aus. Streng wissenschaftlich orientiert, werden in simpler, transparenter Erzählkunst die Geschichten gestählter Könnertypen und gefühlloser Technikmenschen dem Leser nahe gebracht. Die Archetypen dieser Stilrichtung sind beispielsweise Computerhacker oder Weltraumkommandanten, die meist aus mittelständischen oder aristokratischen Gesellschaftsschichten stammen.
Aus der Sicht der Hard-SF-Autoren vertreten die Autoren des New Wave eine nihilistische, gegen Wirtschaft und Technik gerichtete Einstellung.
Die New Wave hingegen begründet sich auf ein |gesundes| Volksempfinden, welches sich in der Rebellion gegen Establishment und Krieg manifestiert. Sie steht für sexuelle Befreiung und einen kulturellen Pluralismus, aus dem sich ein charakterologischer Realismus ergibt, der sich auch in den Archetypen, wie z. B. Hippies oder Punks widerspiegelt. Stilistische Experimente, wie z. B. Slang oder mehrere Erzählstränge und ein starker romantischer Impuls, der sich in der Einbeziehung und Beschreibung des Banden- und Straßenmilieus offen zeigt, runden das Bild der New Wave ab.
Die New-Wave-Autoren werfen den Autoren der Hard SF vor, sie seien naiv, da sie zu glauben scheinen, ein Aufschwung in Wirtschaft und Technik müsse eo ipso zur Verbesserung der menschlichen Bedingungen beitragen.
Die Merkmale dieser beiden Strömungen galten lange Zeit als unvereinbar. Doch Gibsons Werke scheinen genau den Nerv der Zeit zu treffen. Er vereinigt in seinen Romanen eine komplexe Synthese der Popkultur mit High-Tech und einem fortgeschrittenen Schreibstil. Seine Werke beheimaten dichte und bizarre Storys, eine kantige und düstere Leidenschaft und intensive Detailfreude. Hervorzuheben sind dabei neben der Neuromancer-Trilogie, welche durch „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ komplettiert wird, die |Sprawl-Serie|, zu der die Kurzgeschichten „Johnny Mnemonic“, „New Rose Hotel“ und das fabelhafte „Burning Chrome“ gehören. Die Charaktere sind ein Sammelsurium aus Verlierern, Gangstern, Abtrünnigen, Ausgestoßenen und Irren, mit denen man sich durchaus zu identifizieren vermag. Gibson schreibt von |normalen| Menschen, die sich in unserer technisierten Welt zurecht finden müssen und nicht von den unfehlbaren |Super|-Helden aus gehobenen gesellschaftlichen Schichten, wie es die Hard SF bevorzugt.
Im Vorwort von „Cyberspace“ schreibt Bruce Sterling über Gibsons Erzählungen:
„(…) In seiner Welt ist die Wissenschaft kein Wunderbrunnen schrulliger Genies, sondern eine allgegenwärtige, alles durchdringende, greifbare Kraft.
Die Geschichten zeichnen ein Bild der modernen Misere, das ein jeder auf den ersten Blick erkennt. Gibsons Extrapolationen führen uns mit überspitzter Klarheit den verborgenen Teil eines Eisbergs sozialen Wandels vor. Dieser Eisberg treibt mit finsterer Majestät durchs späte zwanzigste Jahrhundert, aber seine Proportionen sind gewaltig und düster.“
Gibsons Schreibstil, die kantige und düstere Leidenschaft seiner Geschichten, spiegelt sich in der Passage auf der ersten Seite des Buches wider. Er nutzt nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern auch bei seinem Erzählstil eine Syntax, die dem Straßenslang sehr nahe kommt. Hier zeigt sich der Impuls des New Wave, der in Gibsons Geschichten eine große Rolle spielt.
Case schloss die Augen.
Fand den geriffelten EIN-Schalter.
Und in der blutgeschwängerten Dunkelheit hinter den Augen wallten silberne Phosphene aus den Grenzen des Raumes auf, hypnagoge Bilder, die wie ein wahllos zusammengeschnittener Film ruckend vorüberzogen. Symbole, Ziffern, Gesichter, ein verschwommenes, fragmentarisches Mandala visueller Information.
Bitte, betete er, jetzt …
Eine graue Scheibe, Himmelsfarbe von Chiba.
Jetzt …
Die Scheibe begann zu rotieren, immer schneller, wurde zur hellgrauen Sphäre. Weitete sich.
Und floß, entfaltete sich für ihn. Wie ein Origami-Trick in flüssigem Neon entfaltete sich seine distanzlose Heimat, sein Land, ein transparentes Schachbrett in 3-D, unendlich ausgedehnt. Das innere Auge öffnete sich zur abgestuften, knallroten Pyramide der Eastern Seabord Fission Authority, die leuchtend hinter den grünen Würfeln der Mitsubishi Bank of America aufragte. Hoch oben und sehr weit entfernt sah er die Spiralarme militärischer Systeme, für immer unerreichbar für ihn.
Und irgendwo er, lachend, in einer weiß getünchten Dachkammer, die fernen Finger zärtlich auf dem Deck, das Gesicht mit Freudentränen überströmt.
in Liebe für Deb,
die es möglich gemacht hat
Mir liegen noch ein paar Worte zur deutschen Übersetzung auf der Seele.
Zum Einen wirkt es ein wenig befremdlich, wenn man anstelle des weit verbreiteten Begriffes |Cyberspace| immer wieder |Kyberspace| lesen muss. Noch schlimmer kann man ein englisches Wort wohl kaum verunstalten – das erste Teilwort auf Deutsch und das zweite weiterhin auf Englisch. Nun gut, diese Übersetzung ist in der Mitte der achtziger Jahre entstanden und so mag man es dem guten Reinhard Heinz nachsehen, aber ehrlich gesagt, habe ich mich da im gesamten Buch nicht dran gewöhnen können.
Dieser Hirnverdreher ist zwar in der neuen Auflage behoben, dafür ist aber der gesamte Sprachstil |geglättet| worden. Meiner Meinung nach verliert der Roman dadurch viel an Atmosphäre. Da „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ nicht mehr einzeln erhältlich sind, wird sich der geneigte Leser ein Bild davon machen können, wenn er die neue Fassung mit der alten vergleicht. Ich empfehle wirklich, den ersten Roman in der älteren Übersetzung zu lesen.
Leider tritt das gleiche Phänomen auch bei der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“ auf und auch hier verlieren die Geschichten an Atmosphäre.
Alles in allem ist dieses Buch in jedem Falle ein Leckerbissen für alle „Cyberpunk“- und „Shadowrun“-Rollenspieler, aber auch alle Nicht-Rollenspieler, die sich an diesem Genre erfreuen, werden ihre helle Freude daran haben.
_Ins Feenland: Das Geheimnis der verlorenen Socken_
Immer schneller verrinnt die Zeit im früher so beschaulichen irischen Städtchen Kinvara. Helen, die unverheiratete Mutter von John Joseph bzw. JJ Liddy, ist total im Stress, sogar an ihrem Geburtstag. Halb im Scherz wünscht sie sich mehr Zeit. Ihr Sohn verspricht ihr hoch und heilig, er werde ihr Zeit verschaffen, koste es, was es wolle, denn er liebt sie sehr.
Auf einem Botengang gerät er an Anne Korff, die ihm verrät, dass es auf dem Land der Liddys einen Zugang zum Feenreich Tir na nOg gebe. Unversehens gerät er ins Feenreich, doch dort sieht auf den ersten Blick alles genauso aus wie zu Hause. Nur dass alles viel leerer scheint: Wo sind die Leute? Dann trifft er Aengus Og, und der verrät ihm, dass neuerdings auch die Welt der Feen aus den Fugen gerät. Die Zeit vergeht auch hier, und zunehmend schneller.
Wie hängen die beiden Welten zusammen, fragt sich JJ. Und kann er etwas dagegen tun, dass die Zeit bei ihm daheim ab- und bei den Feen zunimmt? Eine alte Familiengeschichte, die Helen ihm erzählt hat, weist ihm den richtigen Weg.
_Die Autorin_
Kate Thompson, 1956 geboren, wuchs in England auf, trainierte Rennpferde in USA, studierte Jura in London und machte ausgedehnte Reisen durch Indien, bevor sie sich in Kinvara im irischen County Galway niederließ. Dort entwickelte sie ihre Leidenschaft für das Fiddlespiel. Sie hat eines ihrer Zimmer in eine Werkstatt umgewandelt, in der sie alte Instrumente restauriert.
Sie schreibt Lyrik, Drehbücher, Romane und Kinder- und Jugendbücher, für die sie bereits zweimal den |Irish Children’s Book of the Year Award| gewonnen hat. Auch „Zwischen den Zeiten“ wurde laut Verlag mehrfach ausgezeichnet.
_Handlung_
Eigentlich wollte JJ nur seiner Mutter Helen einen Gefallen tun, ein Geschenk zu ihrem Geburtstag: genügend Zeit, damit sie nicht mehr so gehetzt aussieht. Auf JJs Bauernhof sind alle so gehetzt, ganz als ob die Zeit immer knapper würde. Sie finden sogar kaum noch Zeit, um Lieder für die Irish-Folk-Music-Abende zu üben, die sie regelmäßig veranstalten. So ein gemütliches Céilí bringt Freunde und Nachbarn zusammen, und das Tanzen scheint JJ ebenso im Blut zu liegen wie das Fiddlespiel. Auch seine Schwester Marian spielt ein Instrument, nur sein Vater Ciaran Byrne spielt keines. Er kümmert sich dafür um das leibliche Wohl der Gäste.
Wieder einmal plant Helen Liddy einen Musikabend bei sich daheim – seit 1935 sind öffentliche Musikabende verboten. Die Kirche hatte gewettert, die Musik sei des Teufels und fördere Unzucht usw. Ja, als JJs Großvater Liddy weiterhin musizierte, soll der Pfarrer von Kinvara sogar so wütend geworden sein, dass er ihm die Querflöte wegnahm. Der Pfarrer ging fort – und ward nie mehr gesehen. Seitdem geht das Gerücht um, JJs Großvater habe den Priester auf dem Gewissen. Schon 15 Jahre ist JJ alt, bis ihm sein Freund Jimmy dieses Gerücht verklickert. JJ ist schockiert. Er hatte seine Familie immer für ohne Tadel gehalten. Und nun das!
Heute, am Samstag, soll JJ seiner Mutter einen Gefallen tun und einen Käselaib, den sie Anne Korff verkauft hat, zu der Nachbarin bringen, die ihn vergessen hat. Als er sich auf sein Fahrrad schwingt, ahnt er nicht, dass er erst in vier Wochen zurückkehren wird.
|Das Tor zum Feenreich|
Anne Korff interessiert sich sehr für alte Geschichte und irische Folklore, und so dauert es nicht lange, bis sie JJ fragt, ob er denn wisse, dass auf dem Land der Liddys eine Erdkammer liege. Eine Erdkammer – was soll das sein? Das sind Kammern unter Steinkreisen oder ähnlichen alten Kultstätten, von denen es in Irland über 45.000 Stück gebe. Und so eine Erdkammer könne ein Durchgang ins Feenreich sein. Sie wolle ihm eine zeigen.
Dort unten ist es dunkel und eng und stickig. Doch als die nette Nachbarin in einer Wand verschwindet, hat JJ ihre volle Aufmerksamkeit. Da kehrt sie wieder zurück. Ob er mutig genug sei, nach der Ursache für die verschwundene Zeit zu suchen, fragt sie ihn. Aber es ist sein voller Ernst: Er will seiner Mutter die verlorene Zeit zurückbringen. Sie nimmt ihn an der Hand und zieht ihn mit sich durch die Wand …
In ein grünes Land, in dem es keinen Menschen weit und breit zu geben scheint. „Willkommen in Tír na nOg, dem Land der Ewigen Jugend“, begrüßt sie ihn. Doch weitergehen muss er allein, da könne sie ihm nicht helfen. Ja, schon gut, meint er und beruhigt sich, er werde in wenigen Minuten wieder zurück sein. Als sie wieder verschwindet, schlendert er gemütlich in ein Dorf am Meer, das auf den ersten Blick verlassen erscheint. Doch da ist eine Ziege und ein Mann, der ihr nachjagt. JJ kennt sich mit Ziegen aus, denn aus ihrer Milch macht seine Mutter ihren herrlichen Käse. So hat er das Tier schnell eingefangen und dem erfreuten Mann gegeben. Als nächstes begegnet er einem grauen irischen Wolfshund, doch der ist schwer verletzt – das Hinterbein hängt nur noch an ein paar Sehnen. Mitleidvoll streichelt JJ das große Tier.
Aus der Dorfkneipe hört er Musik, und das ist genau sein Ding, damit kennt er sich aus. Er verrät, was er hier eigentlich will: Er will Zeit kaufen, denn offensichtlich haben die Leute hier mehr als genug davon. Keiner verzieht eine Miene ob dieses ungewöhnlichen Ansinnens. Was er denn dafür auszugeben bereit sei? Nun, leider kann er mit zehn Euro hier keine Zeit kaufen, und auch sein Taschenmesser ist hier wenig wert. Da hat er die rettende Idee: Er kann ihnen ein paar Lieder vorspielen, und das klappt auch vorzüglich, doch als sie ihn darum bitten, ihnen zu verraten, wie das Stück „Dowd’s Number Nine“ anfängt, will es ihm ums Verrecken nicht einfallen. Pech gehabt. Zeit gibt’s heute keine.
Da tritt der schöne Aengus Og ein, ein junger Mann, der es faustdick hinter den Ohren hat, wie JJ schon bald feststellt. Aber Aengus ist sehr freundlich und verrät ihm wenigstens, was hier eigentlich los ist. Aengus kennt das Land der „Ploddies“, wie er die nach Irland eingewanderten Menschen nennt, ziemlich gut. Er besuche es hin und wieder, erzählt er. (Aber er verrät JJ nicht, dass er seine Großmutter kannte.) Und er könne durchaus ebenfalls beobachten, dass drüben die Zeit tatsächlich schneller verrinnt. Und rate mal: Im Feenreich verrinnt sie nun ebenfalls, obwohl das doch eigentlich gar nicht sein dürfe. Denn wie sonst könnte dieses Land das „Land der Ewigen Jugend“ sein, hm? Das leuchtet JJ ein, und allmählich versteht er, dass die Feen ein Problem haben. Eigentlich das gleiche Problem wie seinesgleichen, nur auf der anderen Seite der Medaille.
„Also, was gibt es dagegen zu tun?“, fragt er Aengus. Nachdem Aengus ein wenig über Wechselbälger erzählt hat – wo sonst bekommen Unsterbliche ihre Kinder her -, beschließt er, nach der dünnen Stelle in der Zeithülle zu suchen, wo JJ neulich Feenmusik gehört hat. Und das ist ganz oben auf dem Eagle’s Rock. Und dann … tja, dann müssten sie wohl seinen Vater um Rat fragen, meint Aengus. Wie jeder gebildete Junge in Irland weiß JJ, dass der Vater von Aengus Og der Dagda ist. Und der Dagda ist Vater aller irischen Götter.
Zusammen mit dem verletzten Hund Bran machen sie sich auf eine Expedition, die JJs Mutter die verlorene Zeit zurückbringen wird.
_Mein Eindruck_
Was für ein zauberhaftes Buch! Für einen Irlandfreund wie mich ist die Geschichte ein gefundenes Fressen, denn irischer kann eine Geschichte kaum noch werden. Die Kapitel, von denen keines länger als fünf Seiten lang ist, fliegen nur so vorüber. Jedes wird mit den Noten für ein passendes Musikstück abgeschlossen, als wäre es ein Kommentar oder die Musikbegleitung. In diese Hinsicht handelt es sich um ein sehr musikalisches Buch. Und um den Musikfreund zu belohnen, liefert die Autorin nicht nur zwei oder drei eigene Stücke, sondern auch am Schluss die Noten zu dem gesuchten Lied „Dowd’s Number Nine“. Na, wenn das keine Motivation ist!
Die Geschichte hört sich vielleicht für den einen oder anderen Leser wie Michael Endes Märchen „Momo“ an, doch Kate Thompson brauchte überhaupt keine modernen Vorbilder, denn aus dem schier unerschöpflichen Vorrat an irischen Sagen, Märchen und Legenden brauchte sie nur nach der Geschichte von Óisin zu greifen.
|Die Geschichte Óisins|
Óisin brachte auch eine unbestimmte Zeit im Feenreich zu, um mit seiner Feengeliebten zusammen zu sein, wollte aber dann wieder zurück. Sie warnte ihn vergeblich, und als Óisin in die Lande der Sterblichen zurückkehrte, waren Jahrhunderte vergangen. Unbeschadet ritt er auf einem Feenpferd durch die Lande, seine Verwandten und Lieben suchend. Doch als er aus Versehen den Boden dieser Erde berührte, zerfiel auch er zu Staub, wie es das Schicksal aller Sterblichen ist. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. (Ich könnte auch die Geschichte von Thomas the Rhymer anführen, aber die kommt aus Wales.)
|Der wandernde Aengus|
Und dann gibt es in den westlichen Grafschaften Irlands immer noch viele Geschichten über die Feen und ihr Land der Ewigen Jugend. Manche Leute sprechen sogar noch Gälisch, die alte Sprache der Kelten, und es werden immer mehr, seit das Irish Revival Ende des 19. Jahrhundert mit William Butler Yeats und seinen Freunden begann (der übrigens ein wunderbares Gedicht über den wandernden Aengus schrieb). Das Feenland liegt praktisch vor der Haustür, und wer nur den Durchgang findet, kann mit den anderen Wesen Bekanntschaft machen – mit einer gewissen Vorsicht.
Keine Zeit, keine Zeit!
Aber seit es der EU beigetreten ist, erlebt Irland einen irrsinnigen wirtschaftlichen Aufschwung, wird sogar als „Celtic Tiger“ bezeichnet, analog zu den asiatischen Tigern. (Zu diesen Begriffen liefert das Glossar hervorragende Erklärungen.) Weil aber alle so viel zu tun haben, haben sie immer weniger Zeit. Oder kommt ihnen das nur so vor? Zeit ist ja so furchtbar subjektiv. Ein Tag mag 24 Stunden haben, aber nur wenn man ihn genießen kann, kommt er einem auch ausgefüllt vor. Und das mit dem Genießen ist schwierig geworden, denn alle sind im Stress.
Deshalb ist die Musik so wichtig geworden. Man kann den Verlauf der Zeit vergessen und ganz zur eigenen Identität finden, indem man die eigenen Lieder spielt, und Gemeinschaft finden, indem man die Lieder anderer spielt. Zu schade, dass die Musik an öffentlichen Orten verboten ist. Man muss schon U2 heißen, um ein Rockkonzert genehmigt zu bekommen, aber wenn man nur Liddy heißt und auf dem eigenen Bauernhof spielen will, bekommt man eins auf die Mütze. Unfair!
|Die Garda|
Es gibt Leute, die Gesetze durchsetzen, zum Beispiel auch die Sperrstunde. Sie sind als Polizisten bekannt, auf Gälisch Garda genannt. Nun gibt es aber in Kinvara, wo die Geschichte von Helen und JJ spielt, einen neu eingestellten Polizisten, der es mit den Gesetzen nicht so genau zu nehmen scheint. Seinen Boss macht das natürlich wütend, aber hey, was kann man tun, wenn einem das Notizbuch in die Waschmaschine gerät, ausgerechnet das Notizbuch, in dem er alle Gesetzesbrecher des Pubs von letzter Nacht aufgeschrieben hatte!
Und dieser neue Polizist zeigt noch mehr interessante Seiten: Er spielt selbst Musik und kennt Stücke, von denen die anderen Musiker (und in Kinvara gibt es deren viele) noch nichts gehört haben. Natürlich muss sich auch der neue Polizist an der Suche nach dem verschwundenen JJ beteiligen, die zunächst ergebnislos verläuft. Vier Wochen ist der Bengel weg, keiner hat ihn gesehen – noch nicht einmal Anne Korff rückt mit der Sprache raus, denn sie hat ihn schließlich ins Feenreich geführt. Man würde sie verrückt erklären, wenn sie verriete, was wirklich passiert ist. Als sie selbst rüberging, wurde sie von Aengus in die Irre geschickt.
|Der Schlüssel|
Zum Glück gelingt es JJ, das Problem der Zeit-Verschiebung zu lösen. Er muss natürlich wieder unter die Erde, in ein Grab, genauer gesagt. Denn der Schlüssel zur Gegenwart liegt in der Vergangenheit begraben. Da ihm seine Mutter von ihrer Familie erzählt und ihm Fotos gezeigt hat, weiß er nun, mit wem er es zu tun hat, als er in dem Grab auf einen seltsamen Mann trifft, der sehr wütend ist und einen wahnsinnigen Plan ausgeheckt hat, um die Musik ein- für allemal aus Irland zu vertreiben …
_Unterm Strich_
Kein Wunder, dass dieses wundervolle Buch mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, obwohl es im Original den unscheinbaren Titel „Der neue Polizist“ trägt. Die Autorin offenbart ein tiefes, intuitives Verständnis für den Feenglauben einerseits und die irisch-keltische Mythologie andererseits.
Aber sie ist in der Lage, beides aus dem Blickwinkel eines gegenwärtigen Bewohners der Insel zu betrachten, wo Handys, das Internet und moderne Verkehrsmittel an der Tagesordnung sind. Dass JJ auf einem Bauernhof aufwächst und mit dem Bus zur Schule fahren muss, sagt schon viel über seine Provinzialität aus. Aber das kann er zu seinem Vorteil ummünzen, wie sich herausstellt. Ein Stadtjunge hätte mit den Feen sicherlich so seine Probleme.
Das Buch ist humorvoll, bewegend und voller Liebe für die irische Musik und ihre berühmten Interpreten. Diese scheint die Autorin alle persönlich beim Namen zu kennen, und wer ihr Hobby, das Fiddlespiel, berücksichtigt, der kann das gut nachvollziehen.
Alles in allem ein Buch, das in jedes Jugendzimmer gehört, und in die Bibliothek von Freunden Irlands und irischer Musik sowieso.
Wem dieses Buch gefällt, dem empfehle ich u. a. Lord Dunsanys Fantasyroman [„Die Königstochter aus Elfenland“,]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3608875190/powermetalde-21 das bei |Klett-Cotta| erhältlich ist. Es wurde auch vertont, doch die Platte „The King of Elfland’s Daughter“ ist wahrscheinlich nicht mehr zu bekommen.
|Originaltitel: The new policeman, 2005
318 Seiten
Aus dem irischen Englisch von Kattrin Stier|
[Verlagsspezial zum Buch]http://www.randomhouse.de/specialskids/thompson__zwischendenzeiten/
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/
Frankreich, in der Bretagne, 1837: Was ist das Geheimnis des verbotenen Flussufers, dessen Bäume nie grüne Blätter tragen und das selbst am Mittag im Schatten liegt? Magisch angezogen von der Schönheit einer geheimnisvollen Blume traut sich der junge Gabriel, das Gewässer zu überqueren, und wagt sich in die dunklen Schatten, aus denen allabendlich die Wölfe heulen… (Verlagsinfo)
Bereits vier Menschen sind in einer Serie von Bränden getötet worden. Alles weist darauf hin, dass der Täter immer derselbe ist. Er entfernt zunächst die Brandmelder, kennzeichnet dann die Häuser mit Ziffern – und legt Feuer. Als eine Frau einen Anschlag überlebt und berichtet, dass im Haus Musik zu hören war, während das Feuer wütete, ist Kommissarin Tess Hjalmarsson alarmiert. Dieses Detail kennt sie von einem ihrer ersten Mordfälle, der sie bis heute verfolgt, denn dieser Fall wurde damals nicht aufgeklärt. Tess und ihr COLD-CASE-Team nehmen die Ermittlungen auf und suchen unter Hochdruck nach dem Brandstifter. Denn das tödliche Spiel mit dem Feuer geht weiter … (Verlagsinfo)
Willkommen in Kessel, einem Königreich, in dem an jeder Ecke Lügen und Intrigen warten. Dem Söldner Mikael Königmann ist es endlich gelungen, den Ruf seiner Familie wiederherzustellen. Doch ihm bleibt kaum Zeit, sich daran zu erfreuen. Prinzessin Serena, Mikaels große Liebe, steht kurz davor, eine politische Ehe einzugehen. Sie beauftragt Mikaels Söldnerkompagnie, ihr Geleitschutz für die Reise zur Hochzeitsfeier an der Goldküste zu geben. Zudem muss Mikael einen Weg finden, seine Schwester zu befreien. Diese befindet sich unter der Kontrolle eines der legendären Wolfskönige. Mikael muss sich fragen, wie viel er bereit ist zu opfern, um die zu retten, die ihm am wichtigsten sind. (Verlagsinfo)
Torsten Schleif hat kürzlich seinen zweiten Siggi-Bruckmann-Krimi bei Heyne veröffentlicht: „Richter jagen besser“.
„Amtsrichter Siggi Buckmann hat sich geschworen, für Gerechtigkeit einzustehen – notfalls auch nach Feierabend. Als sein einstiger Mentor tot in einem Waldstück aufgefunden wird, macht er sich auf die Suche nach den Schuldigen. Schneller als gedacht handelt er sich dabei Ärger mit einer dubiosen Immobilienfirma, der russischen Mafia und dem Sohn des Ministerpräsidenten ein. Die einzige Verbündete gegen seine neuen Feinde ist die kluge Journalistin Robin Bukowsky. Aber kann er ihr wirklich trauen? Vieles scheint dagegen zu sprechen. Zum Beispiel Buckmanns nicht ganz so gesetzeskonforme Vergangenheit …“ (Verlagsinfo) Interview mit Richter Thorsten Schleif, dem Autor von „Richter jagen besser“ weiterlesen →
Eines Tages liegen auf Jack Reachers Konto 1030 Dollar. Der Mann ohne Telefon und festen Wohnsitz weiß sofort: Seine Vergangenheit hat ihn wieder. Er spürt die Frau auf, die ihm den militärischen Notrufcode zugespielt hat: seine Expartnerin aus Army-Zeiten, Frances Neagley. Sie hat schlechte Nachrichten. Calvin Franz, ein Mitglied der einstigen Neunergruppe, wurde grausam ermordet. Und es scheint, als sei Franz nicht der Einzige aus Reachers altem Team, der einem gefährlichen Gegner zum Opfer gefallen ist … (Verlagsinfo) Lee Child – Bad Luck and Trouble / Trouble (Jack Reacher 11) weiterlesen →
Peter wird in der Rocky Beach Highschool unfreiwillig Zeuge eines dubiosen Telefonats. Hat seine Lehrerin Amanda Blunt ein dunkles Geheimnis? Als die unscheinbare Frau dann auch noch verdächtige Utensilien in ihr Auto packt und losfährt, nimmt Peter die Verfolgung auf. Natürlich nicht ohne seine beiden Freunde zu informieren. Die drei ??? begeben sich auf einen gefährlichen Roadtrip durch die verlassene Prärie. Hoffentlich wird ihnen diese Fahrt nicht zum Verhängnis… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Der Klappentext verrät so gar nicht, worum es in dieser Geschichte gehen könnte. Ein sich aufbäumendes Pferd vor einer heruntergekommenen Ranch bei Sonnenauf- oder -untergang auf dem Cover hilft da auch nicht wirklich. Keine Mathelehrer und auch keine Gesetzlosen in Sicht. Wo auch immer uns und die Jungs der angekündigte Roadtrip hinführen wird, eine harmlose Hippiekommune erwartet uns am Ende offenbar nicht.
Über mehr als eine halbe Milliarde Jahre spannt sich der Bogen dieses Romans, der den langen Weg der Menschwerdung beschreibt, um schließlich mit dem Ende der Menschheit und sogar allen Lebens zu schließen; in seinen ersten beiden Dritteln ein Quasi-Sachbuch mit erzählerischen Elementen, das mit dem Sprung in die nahe und besonders in die ferne Zukunft den Charakter einer Vision gewinnt. Ob 1000 Seiten erforderlich sind, eine im Grunde aus Episoden montierte Geschichte zu erzählen, ist ein diskussionswürdiger Punkt. Zwar nicht „das große Meisterwerk der Science Fiction“ (Klappentext), aber definitiv ein lesenswertes Buch! Stephen Baxter – Evolution weiterlesen →
Rechtsanwalt Herbert Wallings liegt sehr tot in seinem Büro, und diesmal sitzt Detektiv Paul Cox tief in der Patsche: Erstens steht er zufällig in der Duschkabine des Toten, und zweitens gehört ihm auch noch das Messer, das aus Wallings‘ Rücken ragt. Und da könnte doch der eine oder andere Polizist auf den dummen Gedanken kommen, er habe etwas mit dem Mord zu tun … Was natürlich mitnichten der Fall ist!
Seit sie denken kann, wird Jennette von ihrer Mutter beherrscht, emotional erpresst und psychisch wie körperlich missbraucht. Das einzige, was Debra sich für ihre Tochter – aber vor allem für sich selbst – wünscht, ist Jennettes Erfolg als Fernseh-Star. Es beginnt ein Kreislauf aus Castings, Angstattacken und Selbsthass.
Dann bekommt Jennette die Rolle als Sam Puckett in der Nickelodeon-Serie »iCarly« – eine Rolle, in der sie sich gedemütigt fühlt und Produzenten ausgesetzt ist, die ihre Macht missbrauchen. (Verlagsinfo)
Die Bibliothek von Alexandria ist die mächtigste Organisation der Welt. In jeder Stadt gibt es eine Zweigstelle, und die Bibliothekare sind einflussreiche Männer und Frauen, die über das Wissen der Menschheit herrschen. Der private Besitz von Büchern ist strengstens verboten. Jess Brightwell liebt Bücher, auch wenn er nur illegal mit ihnen zu tun hat. Er stammt aus einer Schmugglerfamilie, die Bücher auf dem Schwarzmarkt verkauft. Jess‘ Leben ändert sich von Grund auf, als sein Vater ihn als Spion in den Orden der Bibliothekare eingeschleust. Jess reist nach Alexandria, um in der Großen Bibliothek seine Ausbildung zu machen. Dort kommt er einer gewaltigen Verschwörung auf die Spur – und stellt fest, dass den Großmeistern der Bibliothek ein einzelnes Buch mehr wert ist als ein Menschenleben … (Verlagsinfo)
Gibt es wirklich einen „Maulwurf“ unter den Delegierten, die sich regelmäßig für politische Konferenzen im alten Haus Styles Court zusammenfinden? Sir James Lillybrook sucht den Meisterdetektiv auf, weil vertrauliche Informationen trotz lückenloser Bewachung auf mysteriöse Weise nach außen gedrungen sind. Holmes begibt sich unverzüglich auf Spurensuche … (Verlagsinfo)
Bürgerschreck im Parkhotel: Hohngelächter, Schattenspiele
An einem Sommertag des Jahres 1929 erzählt Victor Anderson seinem Cousin John von einem unheimlichen Erlebnis, welcher er in der dänischen Stadt Viborg im historischen Hotel „Goldener Löwe“ während eines Forschungsaufenthaltes hatte… (abgewandelte Verlagsinfo)
Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.
Der Autor
Montague Rhodes James (1862-1936) war ein englischer Altertumsforscher und Autor von Geistergeschichten. Außerdem war er Provost von Cambridge University und Eton College. Der Öffentlichkeit bekannt wurde James ab 1894 durch seine Geistergeschichten, wobei er sich auf zahlreichen Reisen auf dem europäischen Kontinent Anregungen holte. Seine profunden historischen Kenntnisse, die er in seine Erzählungen einfließen ließ, geben diesen einen Anstrich von Authentizität.
James bediente sich häufig der Elemente von „klassischen“ Geistergeschichten und perfektioniert diese: Der Schauplatz ist oft eine ländliche Gegend, Kleinstadt oder eine ehrenwerte Universität mit einem verschrobenen Gelehrten als Protagonisten. Die Entdeckung eines alten Buches oder einer anderen Antiquität beschwört das Unheil oder eine dunkle Bedrohung herauf. Dabei wird das Böse eher angedeutet und der Vorstellung des Lesers überlassen, wogegen die Charaktere und der Schauplatz detailliert beschrieben werden. (Quelle: Wikipedia)
Das 24. Jahrhundert. Im System der Perfidisianer stoßen zwei „Horcher“ auf ein seltsames Funksignal: einen Notruf. Als sie auf der Welt landen, die vollständig von Beton bedeckt ist, stoßen sie auf eine Überlebenskuppel und darin auf einen Mann in einer mittelalterlichen japanischen Rüstung: Yoshio Kawashita stammt aber aus dem Jahr 1942. Zu welchem hinterlistigen Zweck haben die Perfidisianer, die ja für ihre Finten und Listen bekannt sind, den Japaner aus dem Zweiten Weltkrieg hierhergebracht?
_Der Autor_
Greg Bear gehört in die gleiche Liga von Hard-Science-Fiction-Autoren wie David Brin, Gregory Benford und Larry Niven, allerdings mit einem Unterschied: Er hat keinen Abschluss als Physiker gemacht, sondern sich einfach hochgearbeitet, jedoch mit steigendem Erfolg. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit dem Roman „Blutmusik“ und „Äon“.
Greg Bear wurde 1951 in San Diego, einer wichtigen US-Marinebasis, geboren und studierte dort englische Literatur. Unter den Top-Hard-SF-Autoren ist er der einzige, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute dennoch als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren.
Sein [„Das Darwin-Virus“, 1141 der hierzulande zuerst in einem Wissenschaftsverlag erschien, wurde zu einem preisgekrönten Bestseller. Erst damit konnte sich Bear aus dem Science-Fiction-Ghetto herausschreiben, so dass man ihn heute ohne weiteres mit Michael Crichton vergleicht. Nur dass Bear da anfängt, wo Crichton aufhört. Im Jahr 2004 erschienen bei uns „Die Darwin-Kinder“, die Fortsetzung von „Darwin-Virus“, sowie die Romane „Jäger“ und „Stimmen“. 2006 erschienen die Taschenbuchausgabe von „Die Darwin-Kinder“ sowie der Roman „Quantico“.
Bear hat eine ganze Reihe von Science-Fiction- und Fantasyzyklen verfasst. Die wichtigsten davon sind (HSF = Heyne Science Fiction):
– Die Thistledown-Trilogie: Äon (HSF 06/4433), Ewigkeit (HSF 06/4916); Legacy (bislang unübersetzt).
– Der Amboss-Zyklus: Die Schmiede Gottes (HSF 06/4617); Der Amboss der Sterne (HSF 06/5510).
– Der Sidhe-Zyklus: Das Lied der Macht (06/4382); Der Schlangenmagier (06/4569).
Weitere wichtige Werke: „Blutmusik“ (06/4480), „Königin der Engel“ (06/4954), „Slant“ (06/6357) und „Heimat Mars“ (06/5922). Er hat zudem Beiträge für die Buchreihen des Foundation-, Star-Trek- und Star-Wars-Universums geschrieben.
_Handlung_
Alae und Oomalo Waunter sind zwei bezahlte Horcher, irgendwo in den Tiefen des Weltraums. Als sie eines Tages aus dem System der Perfidisianer ein seltsames Funksignal, einen Notruf, erhalten, beschließen sie, alles auf eine Karte zu setzen. Sie wollen die bis daton unbekannte Welt entdecken und ihr Entdeckerrecht ausüben, sie komplett in Besitz zu nehmen. Es könnte sie sehr reich machen – oder sehr arm.
Als sie auf der namenlosen Welt landen, die vollständig von Beton bedeckt ist, stoßen sie auf eine Überlebenskuppel, und darin auf einen Mann in einer mittelalterlichen japanischen Rüstung: Yoshio Kawashita stammt aber aus dem Jahr 1942. Zu welchem hinterlistigen Zweck haben die Perfidisianer, die ja für ihre Finten und Listen bekannt sind, den Japaner aus dem Zweiten Weltkrieg hierhergebracht?
Als eine Raumpatrouille der United Stars eintrifft, lassen die beiden Entdecker ihren Fund zu Porotokoll geben und melden ihren Anspruch an. Loytnant Elvox ist nicht erstaunt, als wenig später ein riesiges Raumschiff in der Kreisbahn erscheint: Es ist die „Peloros“, die dem superreichen Konzern von Anna Sigrid Nestor gehört. In der Landefähre residiert die hohe Herrin sogar selbst und empfängt Elvox, der von ihr sehr angetan ist. Zusammen rufen sie die Schiedsrichter von der Welt Centrum herbei. Das dauert einige Wochen, während derer Anna diesen seltsamen solitären Bewohner namens Yoshio Kawashita näher kennen lernt.
Elvox ist etwas enttäuscht, als er das bequeme Bett der Herrin wieder verlassen muss, denn sie hat größeres Interesse an ihrem Findling, diesem Japaner, dem „goldenen Affen“. Allerdings macht Elvox sich Gedanken, was dieser Japaner einer Weltensammlerin wie Nestor bieten kann. Er muss etwas wissen, was er den Waunters, die nun zehn Prozent der Welt besitzen, verschwiegen hat. Nun weiß Elvox, wie er sich an Nestor für den Rauswurf rächen kann …
Anna findet zunehmend Gefallen an Kawashita und er an ihr. Und so erzählen sie einander ihre jeweilige Geschichte.
Yoshio Kawashita wurde 1918 geboren, wurde Pilot in der kaiserlichen Luftwaffe, nahm aber nicht an den Luftangriffen auf Pearl Harbor teil. Nur ein Jahr später kam es jedoch zur Seeschlacht um Midway, an der er auf dem Flugzeugträger „Hiryu“ teilnahm. Er bombardierte die amerikanische Insel Midway, musste dann aber erleben, wie amerikanische Bomber die japanische Flotte dezimierten und schließlich auch die „Hiryu“ versenkten. Er überlebte, indem er von dem Sog wegschwamm, in den ihn das Wrack des Schiffes ziehen wollte – oder weil ihn plötzlich eine fremde Kraft erfasste: das Schiff der Perfidisianer nahm ihn an Bord.
Dort und auf der Betonwelt führte er vierhundert Jahre lang ein seltsames neues Leben: im 13. Jahrhundert. Und er war nicht Pilot, sondern ein Kriegsherr. Der Haken dabei: Alle um ihn herum waren lediglich Geister …
_Mein Eindruck_
Dieser Roman erschien 1980, nur fünf Jahre, nachdem der Autor seine Schriftstellerkarriere mit etlichen Erzählungen ernsthaft angepackt hatte. Den Schauplatz teilt der Roman mit den Werken „Hegir“ (1979, dt. bei |Moewig|), „Psychlone“ (1979) und „Strength of Stones“ (1981, dt. als „Die Macht der Steine“) sowie mit den Erzählungen in den Sammlungen „The wind from a burning woman“ (1983) und [„Tangents“ 1785 (1989) dt. bei |Heyne|). Alle diese Werke erschienen vor Bear internationalem Durchbruch, den er 1983 mit der innovativen Novelle „Blutmusik“ erzielte und die er 1985 als Roman veröffentlichte.
Diese frühe Phase von Bears Werk zeigt daher nur in der Zusammenschau einen gewissen Zusammenhang. So taucht etwa in „Beyond heaven’s river“, das bis dato noch unübersetzt ist, ein Planet namens God Does Battle auf. Diese Welt ist der Schauplatz der Handlung in „Die Macht der Steine“ (1981). Die Schauplätze in dieser Frühphase sind der expandierende Siedlungsraum der Menschen im 24. Jahrhundert, was unweigerlich zur Begegnung mit fremden, manchmal absolut unverständlichen Aliens führt: Relikten der Aighors und Perfidisianer sowie mit Crocerianern.
|Die Kardinalfrage|
So weit, so schön. Doch die Frage, die Bear stellt, ist: Wie kommt die Menschheit mit diesem fremden Universum zurecht, wenn der Mensch doch sein uraltes, angeborenes Erbe – der alte Affe – nicht verleugnen kann und immer mit sich bringt, wohin auch immer er geht?
Yoshio Kawashita ist zwar kein Affe, aber er wird des Öfteren abfällig so bezeichnet: als der Königin Anna Sigrid Nestors „goldener Affe“. Den Skandal, als sie ihn dann auch noch heiratet, kann man sich vorstellen. Aber Kawashita ist einzigartig. Nicht nur kommt er aus dem 20. Jahrhundert – er wurde 1942 nach der Seeschlacht um Midway von den Perfidisianern entführt -, sondern er war obendrein auch ein Kriegslord im 13. Jahrhundert. Er führte also weit mehr als nur ein Leben, das uns vergönnt ist. Hat er sich also irgendwie weiterentwickelt als der Rest der Menschen im 24. Jahrhundert? Ist er besser an ein fremdartiges Universum angepasst?
|Zu den Wurzeln|
Die Antwort lautet ironischerweise ja und nein. Er mag zwar in der Zukunft gestrandet sein, doch die Lerntechnik ist ausgefeilter, und es gelingt ihm, sich rasch mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen. Doch was ihm seelisch fehlt, sind seine Wurzeln. Was ist mit seinen Eltern, Verwandten, seinem Kaiser? Nichts davon ist mehr übrig. Der Besuch bei einem Sensei, einem Lehrmeister, auf der Reservatsinsel Kyushu bringt zumindest die Klarheit, dass er sich nicht vor Schande umbringen muss, obwohl dies früher seine Ehre verlangt hätte.
Also muss er zur zweiten Wurzel zurück, die er noch hat: dem Planeten, der sich fast gänzlich in seinem Besitz befindet. Warum wurde er hierher gebracht und musste in einem virtuellen 13. Jahrhundert leben? Was hatten seine Entführer lernen wollen, und warum gerade von ihm? Die Antworten erhält Yoshio allerdings nur, indem er durch Meditation sehr weit zurückgeht in verborgene Schichten seiner Erinnerung. Auf diesem Weg gelangt er zu zwei Erkenntnissen, die den Durchbruch bringen: 1) Er muss eine Art Roboter sein. 2) Er wird noch immer gesteuert! Aber wozu?
|Schwächen|
Obwohl der Plot hinsichtlich der Ideen relativ reizvoll und vielversprechend ist, entspricht die erzählerische Ausführung lediglich dem anspruchslosen Niveau eines |Ace|-Taschenbuchs. So begannen viele SF-AutorInnen, die später zu Weltruhm gelangten, darunter auch so bekannte wie Ursula K. Le Guin und John Brunner. Verglichen mit seinen späteren Schmökern, die umfangreiche Weltentwürfe wie in „Äon“ (1985) enthalten, ist „Beyond heaven’s river“ ein schmaler Band, der nur ein Drittel jener Umfänge einnimmt und sich liest wie eine kondensierte Novelle.
Damals beherrschte der Autor offenbar noch nicht die Kunst, verschiedene Stimmungen zu evozieren, indem er eine Umgebung die seelische Verfassung ihrer Bewohner widerspiegeln lässt. Einzige Ausnahme: das einführende Kapitel an Bord des Aighorschiffes, in dem die Waunters leben. Es mangelt stark an Beschreibungen von Äußerlichkeiten. Dafür dominieren Dialoge den Großteil des Textes. Sie sorgen allein für die vier Perspektiven, aus denen wir das Geschehen verfolgen können.
Natürlich sind die wichtigsten Figuren, durch deren Augen wir sehen, die beiden Eheleute Anna Nestor und Yoshio Kawashita. Sie charakterisieren sich selbst am besten, u. a. durch Tagebucheinträge. Dann kommen schon die Nebenfiguren: die beiden Waunters und schließlich der USC-Loytnant Elvox. Alle anderen Figuren wie etwa Annas Vater sind ohne Belang.
Das Fehlen von Erklärungen durch den Autor und die Dominanz der Dialoge bedeuten für den Leser, dass er die sprachlichen Nuancen, die sich in diesen Dialogen ausdrücken, mit besonderer Sorgfalt studieren muss. Dies wiederum setzt ein gutes Verständnis der englischen Sprache voraus. Der Stil ist alles andere als kompliziert – es herrscht die ziemlich langweilige Parataxe vor -, aber dafür verfügt der Autor über einen reichen Schatz an Synonymen, deren leichte Bedeutungsvarianten dem Leser geläufig sein sollten.
_Unterm Strich_
Der Roman liest sich für den Englischkenner dementsprechend leicht und flott. Da es kaum Rückblicke gibt oder gar langwierige Meditationen, erscheint der Handlungsverlauf sehr geradlinig: Kawashitas Welt – Erde – Flitterwochen-Intermezzo – Finale auf Kawashitas Welt, fertig. Aber auf äußere Konflikte wartet der Leser vergeblich. Merke: Dies ist dennoch keine Sternenoper. Vielmehr ist alles eine Nummer kleiner, und der Konflikt ist ein innerer. Kawashita, die Hauptfigur, muss mit sich ins Reine kommen. Die Lösung findet er schließlich in sich – und kommt dadurch dem Rätsel seiner Existenz und dem Geheimnis seiner betonierten Welt auf die Spur. (Wobei sich der Laie sofort fragt: Wie kann es sein, dass eine Welt völlig zubetoniert ist, dies aber niemandem als seltsam auffällt?)
Kurzum: ein Appetithappen für zwischendurch, der nur durch den spannenden und halbwegs actionbetonten Schluss lesenwert ist. Hier gibt es Erkentnisdurchbrüche, die das Lesen belohnen. Und wer dadurch noch nicht auf Bear neugierig geworden ist, der sollte als nächstes weder „Hegira“ noch „Die Macht der Steine“ lesen (sie sind ebenso minderwertig), sondern unbedingt „Blutmusik“ – ein richtiger Augenöffner, würde Sam Gamdschie sagen.
|Beyond heaven’s river; 1980; erneut 2000 by Millenium/Victor Gollancz, London
256 Seiten
Titelbild von John Harris|
Können die berühmtesten Märchen der Gebrüder Grimm zur Vorlage schrecklicher Bluttaten dienen? Mit dieser Frage wird der Hamburger Hauptkommissar Jan Fabel konfrontiert, als man das erste Opfer eines Serienmörders entdeckt. Die Ermittlungen führen Fabel und sein Team bald auf die Spur eines Täters, dem die Grimmschen Märchen offenbar mehr bedeuten als Gutenachtgeschichten für Kinder – und der vor allem unter Beweis stellen will, dass viele Märchen blutig enden …