Sam Hughes – Wir haben keine Antimemetik-Abteilung. Zukunftsroman

Einfallsreiche Warnung vor gefährlichen Ideen

»Ideen können die Welt vernichten. Ideen leben. Sie können mutieren, sich replizieren und andere Ideen jagen … und sie können sich verstecken. Die Menschen verdienen Sicherheit. Das ist der Zweck der Organisation.«

Das sagt Marie Quinn. Sie ist die Leiterin der Antimemetik-Abteilung, einer streng geheimen Organisation, die gefährliche Ideen – Ideen, die zu Monstern herangewachsen sind und nun die Menschheit bedrohen – zu erforschen und einzudämmen. Doch diese sogenannten Antimemes haben Eigenschaften, die verhindern, dass sie verbreitet werden können. Wir merken also gar nicht, wenn Antimemes Träume, Gedanken und manchmal sogar Teile unserer Realität verschlingen.

Doch wie gewinnt man einen Krieg, von dem man gar nicht weiß, dass man ihn kämpft? Marie Quinn und ihr Team bleibt nicht mehr viel Zeit, das herauszufinden …… (Verlagsinfo)

Anmerkung: „Diese kleinen bis gigantischen, stofflichen bis spirituellen Wesen (die so genannten Unbekannten) aus dem fünfdimensionalen Ideenraum manifestieren sich als tödliche Ideen, als schwarze Informationslöcher, als Anomalien, als übernatürliche Ereignisse oder als für die meisten Leute unsichtbare Monster, tarnen sich als Gedanken, Gottheiten, Mythen. Oder als der zyklopische Stein-Monolith vom Cover.“ Christian Endres auf der Heyne-Webseite „diezukunft.de„.

Der Autor

„Sam Hughes wurde 1983 in Großbritannien geboren und arbeitet hauptberuflich als Programmierer. Nebenbei verfasste er unter dem Pseudonym „qntm“ auf der Website SCP Foundation Wiki Kurzgeschichten über die Antimemetik-Abteilung, die einen Krieg gegen unkontrollierbare Ideen führt. Diese Stories, die er zu seinem Roman »Wir haben keine Antimemetik-Abteilung« zusammenfasste, wurden über acht Millionen Mal gelesen und machten Hughes zu einem Internet-Phänomen.“ (Verlagsinfo)

Handlung

Marie Quinn ist die Leiterin der Antimemetik-Abteilung, einer streng geheimen Organisation, die gefährliche Ideen aufspüren, erforschen und falls nötig eliminieren soll. Sie hat eine ganze Reihe von gefährlichen Antimemes in Tresoren unter Verschluss. Sie werden als „Unbekannte“ klassifiziert und nummeriert; es sind über 7000 Exemplare. Heute soll sie ihrem Chef Mahlo deswegen Rede und Antwort stehen. Marie schwant Übles und hat sich entsprechend vorbereitet.

Mahlo behauptet nämlich, sein Unternehmen Black River verfüge gar nicht über eine Antimemetik-Abteilung, was die Frage aufwirft, was sie dann hier macht. Sie widerspricht, denn Mahlo ist offenbar das Opfer eines Antimemes geworden. Er ist nicht allein. Ein Mann, der sich Levene nennt, steht an seiner Seite und erhebt schwere Anklagen. Marie kann jede einzelne davon entkräften. Dann schießt sie ihm zweimal mitten ins Herz. Nachdem Levene als Antimeme enttarnt und eliminiert worden ist, wirkt Mahlo ein wenig verunsichert. Marie ahnt es und sagt es ihm: Er hat seine Antimeme-Pillen nicht genommen.

Gejagt

Simon Lee denkt, dies sei sein erster Tag bei UO, einer britischen Forschungseinrichtung (die in Wahrheit Black River ist). Er wundert sich gerade, warum so wenige Mitarbeiter in der Kantine sitzen, als ein Managertyp eintritt und auf ihn zukommt. Der lächelnde Mann trägt kein Badge, das seine Sicherheitsfreigabe anzeigt. Das alarmiert Simon ein wenig. Zu spät: „Andrew Gage“ ist ein als holografischer Geist auftauchendes Antimeme, das beginnt, die Informationen in Simons Gehirn aufzusaugen.

In höchster Not wirft er Gage sein Handy ins „Gesicht“. Tatsächlich hält das seinen Verfolger auf. In letzter Sekunde gelingt es ihm, den Aufzug in das achte Untergeschoss zu nehmen und nach dem Labor 703 zu suchen, wo er, wie seine Info besagt, sicher sein könnte. Falsch gedacht. Nachdem er ein dickes Schiffschott durchquert und hinter sich geschlossen hat, entdeckt er nur Verwüstung und Leichen in Labor 703. Informationen gibt es nur am Computerterminal.

Unzählige Opfer von Antimemes haben sich in einem digitalen Logbuch verewigt, um zu berichten, was NICHT funktioniert hat, um Gage aufzuhalten. Doch Simon hat eine bessere Idee: Er packt so viele Festplatten zusammen, wie er kann. Als Gage alias U-7175 durch das Schott schwebt, schleudert er ihm das geballte Informationspaket entgegen. Es klappt! Offenbar ist der Erfolg eine Frage der Überladung…

In der Nachbesprechung bei der Abteilungsdirektorin beginnt sich Simon zu erinnern. Sie ist Marie Quinn. Er ist nicht das erste Mal bei ihr und dies ist nicht sein erster Tag bei UO. Tatsächlich ist er schon mindestens zehn Jahre hier und ein trainierter Antimeme-Techniker. Nur dank seines antrainierten Wissens konnte er überhaupt den Angriff von U-7175 überleben. Marie gibt ihm hundert Punkte, einen Monat zur Erholung und eine Aufgabe: Viele weitere Mitarbeiter zu trainieren. Denn die Gefahr ist nicht gebannt.

Der Anfang

Dr. Andrew Hilton hat die Unbekannten-Abteilung einst ins Leben gerufen. Das war vor einiger Zeit, aber wann genau? Marie Quinn hat dem Neunzigjährigen gerade eine Reversionsspritze verabreicht, die ihn wiederbelebt. Er soll erzählen, wie alles mit der Bekämpfung von Antimemes begonnen hat. Hilton erinnert sich an das Jahr 1976, aber das reicht.

Nach einer weiteren Dosis Verjüngungsmittel geht Hilton geistig zurück in den 2. Weltkrieg. Damals wurde in England die erste Antimemetikbombe gebaut, um die Idee des Nationalsozialismus zu zerstören. Leider hatte man vergessen, sich selbst zu schützen. Die Zündung geriet zusammen mit der Bombe in Vergessenheit. Für die zweite Bombe brauchte man erneut zwei Jahre – sie wurde zu spät fertig, und das Verteidigungsministerium strich sämtliche Mittel.

Erst 1951 wurde sie quasi „wiederentdeckt“ und aus der Mottenkiste geholt, um eine Sekte zu bekämpfen, deren Gedankengut in kürzester Zeit die westliche Welt infiziert hatte. Spätestens 1976 merkten Hilton & Co. jedoch, dass ein Antimeme (Nr. 5) geschaffen worden war, das sie nicht bekämpfen konnten. Dieses Unbekannte U-0005 wird immer dann geweckt, wenn man sich seiner erinnert. Dann kommt es, um diese Erinnerung zu löschen. Folglich breiten sich immer weiter Gedächtnislöcher in der Memetik- und der Antimemetik-Abteilung aus.

Marie Quinn merkt zu spät, dass sich U-0005 aus Andy Hiltons Kopf hervorarbeitet, mit den Beinen einer riesigen Spinne. Sie feuert mehrmals darauf, doch ohne Ergebnis. Sie versucht, sich aus dem Boot zu stoßen, in dem Hilton zu sitzen scheint, und stürzt in den See, auf dem das Boot zu schwimmen scheint…

Erinnerungslücke

U-0005 ist überall, wenn man an es denkt – oder auch nicht. Das merkt Marie, als sie einer Praktikantin einen Ort zeigt, den sie für sicher hält: einen 140 Meter hohen Monolithen. Wieder taucht U-0005 als Spinne auf, diesmal aber so groß, dass ein junger Mann darauf reiten kann. Marie und die Praktikantin entkommen ihm, doch die Gefahr bleibt real.

Als Marie, geborene Sheridan, in ihrem Heim unbekannte Geräusche hört, denkt sie, es handle sich um einen Einbrecher und ruft die Cops. Doch es ist ihr Ehemann Adam Quinn, der schließlich gefesselt auf dem Boden liegt und von der Polizei vernommen wird. Als Marie alle Fakten, die über Adam objektiv vorliegen, mit ihren Erinnerungen vergleicht, stößt sie auf Abweichungen und Lücken. Die Gefahr ist nicht bloß draußen, sondern auch in ihr selbst…

Adam Quinn

Marie gelingt ein Rückblick auf jenen Tag, an dem sie Adam Quinn in einem infizierten Krankenhaus kennenlernte. Er war ein Geiger, also was wollte er in der Klinik? Er sieht überall Finger: abgetrennte, aber auch laufende. Und er assoziiert damit Digitalisierung, denn das lateinische Wort „digitus“ bedeutet „Finger“.

Marie Sheridan von der UO versucht ihm zu helfen, vor einem Monster zu fliehen, dass diese „Digitalisierung“ vornimmt und so das Gedächtnis des Opfers auslöscht. Die Flucht erfolgt durch eine Steifleitung in der Wand und wird sehr knapp. Aus dieser Begegnung erwuchs die Ehe der beiden.

Doch nun behauptet Adam Quinn, die UO befände sich in einem Krieg und wisse es nicht einmal. Marie spürt, wie das Antimeme U-3987, das sie schützt, unruhig wird, weil es Gefahr spürt. Liegt die Gefahr etwa in Adam? Marie gibt Adam keine Chance auf Versöhnung und lässt alle Daten über ihn löschen.

Die Geheimkammer

Jeder Leiter der UO-Abteilung ist verpflichtet, eine bestimmte Geheimkammer in regelmäßigen Abständen zu besuchen. Natürlich wird der Besuch protokolliert. Marie nimmt Simon Lee mit, der draußen warten soll. Sie selbst betritt einen Konferenzraum voller Dokumente und Bilder. Ein Video auf einem Computer zeigt eine ihrer früheren Versionen, an die sie sich nicht erinnert, und diese Marie hält eine schreckliche Wahrheit bereit: U-3125 (später im Text 3215) habe die ganze Welt bereits durchdrungen und alle unschädlich gemacht, die es bekämpfen wollen. Dies hier sei der letzte verbliebene Raum, der nicht infiziert sei. Anders gesagt: Der Krieg gegen die Antimeme sei bereits verloren. Eine Waffe dagegen wäre zwar möglich, würde aber das Vermögen der Welt kosten. Als Marie den Raum verlassen will, wird draußen Simon Lee angegriffen und infiziert, so dass er ein Messer zückt, um Marie zu erstechen…

UO Wyleigh: die Waffe

Als Marie Quinn den Frachtaufzug in das 30. Untergeschoss von UO Wyeleigh nimmt, trägt sie ein Strahlengewehr bei sich. Hier unten, erinnert sie sich, befindet sich eine ganze Etage leerstehende Räume, ideal geeignet für ein Forschungslabor. Doch die UO-Abteilung hat nur noch weniger als 90 Mitarbeitende – von anfangs 4000 – und was sie empfängt, sind lauter Wahnsinnige. Sie schießt sich ihren Weg frei.

U-3215 ist hier überall und spricht zu ihr. Sie hat jedoch Y-Antimnestika genommen, die ihr ein eidetisches Gedächtnis verleihen, für kurze Zeit. Sie braucht nur die Augen zu schließen, um zum nächsten Aufzug zu gelangen. So erreicht sie den riesigen Hangar, in dessen Mitte sich die Waffe befindet, die der Ingenieur Ed Hix, der vor zwölf Jahren auch all die Tresorräume entwarf, gebaut hat. Diese befindet sich auf einem unscheinbaren Lastwagen, der platte Reifen aufweist und sicher nirgendwo mehr hinfährt.

Sie hat nur noch wenige Minuten, bis ihr Hirn ausgebrannt ist, ständig bedrängt von U-3215. Sie stellt sich tot, was ihr nicht schwerfällt. Als die anderen eintreffen, darunter Simon Nicht-Lee, braucht sie nur noch den Zünder zu aktivieren, um die H-Bombe zur Explosion zu bringen…

Mein Eindruck

Der Roman schildert eine Welt voller Verzweiflung, aber auch mit einem zentralen Liebespaar, den beiden Quinns, das die Rettung vor dem Weltuntergang herbeiführen könnte. Die Chancen sind denkbar ungünstig, aber wenn das ultimative Böse, nämlich U-3215, die Errungenschaften der Menschheit zunichte zu machen droht, sind selbst geringe Chancen das Beste, was ein Mensch erhoffen kann.

Der Autor, selbst ein Programmierer, nimmt den Ideenraum sehr ernst, und nach einigen Kapiteln begreift selbst der langsamste Leser, dass es dem Autor mit dem, was er an Schrecken und Schönheit schildert, absolut ernst ist. Das gibt es nur sehr wenig Spielraum für schwarzen Humor und für nette Ironie überhaupt keinen. Daher kommt es immer wieder zu sehr brutalen, aber zum Glück kurzen Szenen von hoher Brutalität, denn für so etwas wie Gnade oder Würde hat U-3215 rein gar nichts übrig. Aber das ultimative Böse hat sowohl den Erfindungsreichtum als auch die Opferbereitschaft der Menschen unterschätzt.

Die Liebe der Quinns spielt durch all die Zeiten, nonlinear erzählt, eine zentrale Rolle. Zusammen mit dem Ingenieur Hix ersinnen sie das Konzept eines Kontermeme, das aber nur unter sehr speziellen Bedingungen umzusetzen ist. Es erfordert viel Energie, Zeit und einen Menschen, der sich opfert. Wer das sein könnte, darf hier nicht verraten werden.

Ultrageheim

Von Anfang findet der erstaunte Leser geschwärzte Seiten sowie grau unterlegte Dokumente in Schreibmaschinenschrift. Diese Art der Präsentation erinnert in unseren Tagen an die Epstein-Akten, die vom US-Justizministerium (sprich: FBI) nur redigiert freigegeben worden sind. Sofort assoziiert der Leser „Geheimnis“ und „Zensur“, völlig zu Recht. Die UO-Organisation würde natürlich sagen: „Es ist nur zu deinem Schutz, denn diese Ideen sind GEFÄHRLICH!“ Und man beginnt, an Ideen, Memes und Antimemes zu glauben. Ja, diesen Ideenraum, von dem die Rede ist, gibt es offenbar wirklich. Und wie immer sind nicht alle Ideen und Memes gefährlich. Aber vor einigen sollte man sich wirklich in Acht nehmen.

Die Unsichtbaren

„Jene, die sehr langsam gehen“ tauchen immer wieder auf: „Cryptomorpha gigantea“. Sie haben angeblich eine Schulterhöhe von einem Kilometer, doch die starken Knochen, um diese Größe zu stützen. Allerdings sind sie für das menschliche Auge völlig unsichtbar, was mal wieder beweist, dass nicht nur Ideen für unsereins unsichtbar sind. Leser dürfen diese Erfindung des Autors gerne mit einem Schmunzeln registrieren. Wo es doch in diesem Buch sonst nur sehr wenig Humor zu finden gibt.

Die Übersetzung

Wieder mal zeigt sich bei Heyne der Druckfehlerteufel in all seiner Hinterhältigkeit. Ich beschränke mich nur auf die verwirrendsten Fehler. Immer wieder legt auch der Übersetzer Unsicherheit im Ausdruck an den Tag.

S. 57: „Hilton schenkt ihr ein Lächeln, das[s] er seit Jahrzehnten…“: Das zweite S ist überflüssig.

S. 69: “UTC”: wird nicht erklärt, ist aber unschwer zu finden: Koordinierte Weltzeit und Zeitzone.

S. 92: „Sekte um den Holozän-Impaktor“: Ein Impakt ist ein Einschlag, ein Impaktor im Holozän folglich ein „Asteroid oder Komet, der während der aktuellen geologischen Epoche (dem Holozän der letzten ca. 11.700 Jahre) auf der Erde eingeschlagen ist. Ein bekanntes und viel diskutiertes Beispiel im deutschsprachigen Raum ist der hypothetische Chiemgau-Impakt mit dem zentralen Tüttensee-Krater.“

S. 97: “Reiter, den Schusswinden kalt lassen…“: Gemeint ist wohl eher SchussWUNDEN.

S. 127: “Also kleppere ich die Eier und spiele Geige für dich“ (sagt Adam Quinn zu seiner Frau Marie). Wiktionary meint: „Eier verquirlen: In manken Regionen sagt man „Eier kleppern“ oder „verkleppern“, wenn man Eier mit einer Gabel oder einem Schneebesen heftig schlägt, um Eigelb und Eiweiß zu vermischen.“

S. 129: “Adam, von Haus aus mit einer dicken mentalen Schutzsicht (!) ausgestattet…“: Es könnte sich auch um eine „Schutz-Schicht“ handeln.

S. 140: “der einzige Raum der Welt, in der (!) sich U-3125 befindet.“ Statt „in der“ sollte es „in dem“ heißen, denn der Raum ist männlich.

S.141: U-3215: Ab hier schreibt der Autor stets nicht mehr U3125, sondern 3215.

S. 142: “wird es immer mehr Manifestation[en] geben.“ Die Plural-Endung -en fehlt.

S. 196: “derselbe versteinerte Ausdruck von kaum unterdrückter Wu[t]…“ Das fehlende T wurde offenbar aus Platzgründen gestrichen.

S. 254: „Wenn wir hier raus sind, werden wir[d] das gleiche Gespräch nochmal führen.“ Das D ist überflüssig.

Unterm Strich

Es ist nicht ganz einfach, diesen Roman zu lesen, geschweige denn, all die schrägen Einfälle zu verstehen. Immerhin geht es in der ersten Hälfte um das bewegende Schicksal des Ehepaars Quinn. Insbesondere Marie konnte mein Interesse für sich gewinnen, denn die Welt, in der sie sich zu behaupten versucht, ist ebenso voller Wunder wie auch Schrecken. Maries körperlich Existenz endet mit einem großen Knall.

Nach der ersten Hälfte merkt der Leser deutlich, dass es sich um eine Sammlung vonn Kurzgeschichten handelt, denn nun stehen ganz andere Figuren im Vordergrund, die nach ihrem Auftritt keine Rolle mehr spielen. Einzige Ausnahme ist der Ingenieur Hix, der einen Plan hat, die Herrschaft der gefährlichen Memes zu beenden. Im Finale erlangen sowohl Adam als auch Marie Quinn wieder große Bedeutung.

Es wäre sinnlos und langweilig, all die vielen neuen Begriffe und Konzepte aufzuzählen, deshalb muss das oben Gesagte ausreichen. Der Anspruch an den Leser ist weiterhin hoch, und wer schon etwas Cyberpunk von William Gibson oder Virtuelle Realität von Aiki Mira kennt, ist ganz klar im Vorteil. Der Autor verschont den Leser mit Konzept aus dem Programmieren, und Codezeilen sucht man hier zum Glück vergebens.

Dafür gibt es hier jede Menge Zensur zu erdulden, unschwer erkennbar an schwarzen Balken, ja, sogar komplett geschwärzten Seiten. Das deutet auf eine kritisch-engagierte Stoßrichtung des Autors hin: Wer sind denn diese Herrschaften, die sich erdreisten, die Öffentlichkeit mit Zensurbalken zu bevormunden? Letzten Endes kämpft der Autor um die Freiheit des Geistes und seiner Ideen, und er lässt dafür seine Figuren größte Opfer bringen. Mir war dieser romantisch-pathetische Ansatz etwas zu lauwarm, aber die Bemühung ist zu würdigen. Alles andere wäre von einem Programmierer wohl etwas zu viel verlangt.

Gebunden: 317 Seiten
Originaltitel ‏: ‎There is no antimemetics division, 2025
Aus dem Englischen von Urban Hofstetter.
ISBN-13 ‏ : ‎ 9783453275539

www.heyne.de

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