
Watson vertritt für zwei Wochen einen befreundeten Landarzt in dessen Praxis und ist daher bei der Familie des Verreisten eingezogen. Die Gattin seines Freundes hat gerade zudem ihre Schwägerin, nebst deren sechsjährigem Sohn Nick, und Lucy, die angeheiratete Nichte der Schwägerin, bei sich zu Gast. Als der kleine Junge spurlos verschwindet, hat Lucy kein Alibi, dafür aber Blutflecken an ihrem Kleid und leider auch ein sehr gutes Motiv, das Kind beiseite geschafft zu haben. Watson zögert nicht, in dem Fall zu ermitteln … (Verlagsinfo) Die 106 Minuten dieses Hörspiel sind auf zwei CDs verteilt.
Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 16 Jahren.
Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
Die Autoren
1) Richard Austin Freeman (* 11. April 1862 in Marylebone, London, England; † 28. September 1943 in Gravesend, Grafschaft Kent, England) war ein britischer Kriminalschriftsteller. Er schrieb seine Romane und Kurzgeschichten auch unter dem Kürzel R. Austin Freeman, Austin Freeman und unter dem Pseudonym Clifford Ashdown.
2) Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen ca. 60 Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Schon 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als „Im Giftstrom“, 1924) folgen.
3) Marc Gruppe ist der Autor, Produzent und Regisseur der erfolgreichen Hörspielreihe GRUSELKABINETT, die von Titania Medien produziert wird.
„Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“
Folge 1: Im Schatten des Rippers
2: Spuk im Pfarrhaus
3: Das entwendete Fallbeil
4: Der Engel von Hampstead
5: Die Affenfrau
6: Spurlos verschwunden
7: Der Smaragd des Todes
8: Walpurgisnacht
9: Die Elfen von Cottingley
10: Der Vampir von Sussex / Das gefleckte Band / Der Fall Milverton / Der Teufelsfuß (Neuausgabe)
11: Das Zeichen der Vier (4/2014, Neuausgabe)
12: Ein Skandal in Böhmen (4/2014)
13: Der Bund der Rotschöpfe (5/14)
14: Eine Frage der Identität (9/14)
15: Das Rätsel von Boscombe Valley (10/14)
16: Der blaue Karfunkel
17: Die fünf Orangenkerne
18: Der Mann mit der entstellten Lippe
19: Der Daumen des Ingenieurs
20. Der adlige Junggeselle
21. Die Beryll-Krone
22. Das Haus bei den Blutbuchen
23. Silberblesse (6/16)
24. Das gelbe Gesicht (6/16)
25. Der Angestellte des Börsenmaklers (7/16)
26: Die „Gloria Scott“ (11/16)
27: Das Musgrave Ritual (12/16)
28: Eine Studie in Scharlachrot (2 CDs)
29: Die Junker von Reigate
30: Der bucklige Mann
31: Der Dauer-Patient
32: Der griechische Dolmetscher
33: Das graue Haus
34: Die quietschende Tür
35: Der Hund der Baskervilles (2 CDs)
36: Das unheimliche Pfarrhaus
37: Der verschwundene Kutscher
38: Das Haus mit den Zwingern
39: Eine Frage des Teers
40: Die dritte Botschaft
41: Mayerling (2 CDs)
42: Der Tote im Extra-Waggon
43: Der Zuträger
44: Der zweite Hund
45: Harry Price und der Fall Rosalie
46: Der Mann in Gelb
47: Das verlassene Haus
48: Der Gezeitenstrom
49: Das Grauen von Old Hall
50: Ludwig II. – Der Tod im Würmsee (2022)
51: Was das Feuer übrigließ
52: Der stille Tod
53: Der maskierte Tod
54: Tod eines Giftforschers
55: Geheimsache Styles Court
56: Der Mann im Speisewagen
57: Die vierte Flasche
58: Das Musikzimmer
59: Gottes Mühlen
60: Der zehnte Earl
61: Die Spuren auf der Treppe
62: Mr. Marburys Hände
63: Der Lumpensammler von Paris (6/24)
64: Der verschwundene Grafensohn (27.9.24)
65: Der Fall Harry Houdini
66: Der Frauenmörder von Boston
67: Watsons erster Fall
68: Blutiger Schnee in Bloomsbury Hill
69: Die Perle des Mandarins
70: Die Dame mit dem blauen Hut
71: Blaubarts Erbe
72: Der Aluminiumdolch
73: Die trügerische Spur
74: Botschaft aus dem Jenseits
75: Der Fall Oscar Brodski
Die Sprecher/Die Inszenierung
Die Sprecher und ihre Rollen:
Joachim Tennstedt: Sherlock Holmes
Detlef Bierstedt: Dr. John Watson
Regina Lemnitz: Mrs. Hudson
Herma Koehn: Jane Hanshaw
Petra Nadolny: Mabel Russell
Freya McMenemy: Nick
Uschi Hugo: Lucy Russell
Stephan Bosenius: Anderson, der Kutscher
Marc Gruppe: Vagabund
Valentin Stroh: Inspektor Brix
Glenn Goltz: Schmied
Bert Stevens: Der Fremde
Die Macher
Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden im Titania Medien Studio, bei Advertunes und in den Planet Earth Studios statt. Alle Illustrationen – im Booklet, auf der CD – trugen Ertugrul Edirne und Bastien Ephonsus (Cover) bei.
Handlung
Sehr zum Verdruss von Holmes packt Watson seine Koffer, um den Landarzt Dr. Hanshaw zu vertreten. Und er bekommt selbst eine Vertretung. Dass Mrs. Hudson dem sie verlassenden Arzt zwei ganze Körbe mit Lebensmitteln auf den Weg mitgibt, entlockt Holmes ein empörtes Schnauben. Watson ist zuversichtlich, dass ihn Jane Hanshaw und ihre Schwägerin Mabel Russell ihn gut bekochen werden.
Das ist auch in der Tat so, nur dass sich Mabel Russell als recht schwierig erweist. Was mag wohl an ihr nagen, fragt Watson. Mit ihr sind auch Lucy Russell und der sechsjährige Nick gekommen, so dass der Frühstückstisch in „Haus Sunningdale“ gut besetzt ist. Die Verwandtschaftsverhältnisse findet Watson, gelinge gesagt, verwirrend. Mabel hat ihren Mann Fred vor kurzem verloren, ungeduldig harrt sie der Eröffnung des Testaments, das sie anzufechten gedenkt. Wenn nur der zuständige Rechtsanwalt mal Zeit dafür hätte.
Auf einmal ist die Rede von einem Mr. Porter. Der sei Lucys Verlobter und ein Unteroffizier bei den Royal Engineers. Lucy selbst muss von 50 Pfund im Jahr leben. Dennoch wirkt sie längst nicht so vergrämt ihre Tante Mabel. Sie lädt Dr. Watson zu einem Ausflug in den nahen Wald ein, wo sie ihre Staffelei aufzustellen gedenkt, um die Birken zu malen.
Nick will unbedingt auch mit. Watson willigt ein, denn die auserkorene Stelle liegt auf dem Weg zu dem Dorf, wo Dr. Hanshaws Patienten leben. Die beiden Männer tragen das Malerwerkzeug, Lucy die Verantwortung. Lucy weist auf das „Haus des geheimnisvollen Fremden“ namens Lavender House hin, doch der besagte Mr. Chapman, der seit zwei Wochen dort wohne, ist nirgends zu erspähen. Dann trennen sich ihre Wege.
Watson besucht mehr Patienten als erwartet, daher erreicht er Lavender House später als gedacht, doch weil niemand zu sehen ist, wandert er weiter zum Haus Sunningdale. Doch dort sind Lucy und Nick ebenfalls nicht. Die entnervte Mabel besteht darauf, auf eine Suchexpedition zu gehen, doch da trifft Lucy ein. Sie sieht derangiert aus, und, OMG!, da sind Blutstropfen auf ihrem Kleid. Mabel klagt sie an, Nick getötet zu haben, doch Jane beruhigt sie. Offenbar hat die 23 Jahre junge Frau den Wald vergeblich nach Nick durchsucht.
Der Tatort zwischen Birkendickicht und Lavender House ist nach wie vor verlassen. Jetzt gerät Mabel in Panik und verrät Watson den Grund: Wenn Nick stirbt, würde Lucy durch das Testament eine reiche Frau, sie aber, Mabel, würde ziemlich leer ausgehen. Da entdeckt Watson Papierfetzen und Fetzen sowie eine Fährte, die in die Ferne führt: Offenbar hat hier fahrendes Volk gerastet und ist zu einer Kreuzung weitergezogen, womöglich Richtung London.
In Sunningdale House teilen sich die Suchmannschaften auf. Watson nimmt die Kutsche, um zur Kreuzung zu gelangen. An einem Ort namens Belvedere Grange holt er endlich die Vagabunden ein, und einer von ihnen gibt ihm einen Tipp: ein Mann mit Halbglatze, in Begleitung einer jungen Dame. Das kann doch nicht sein, widerspricht Watson, denn Lucy ist ja nach Sunningdale zurückgekehrt. Und keine Spur vom kleinen Nick. Ach, wenn doch nur Holmes hier wäre, um aus diesem Kuddelmuddel endlich eine vernünftige Lösung zu ziehen!
Mein Eindruck
Der ersehnte Holmes taucht auch endlich auf, allerdings auf unerwartete Weise. Sonst wär’s ja keine Überraschung. Jane Hanshaw hat ihn hergebeten. Und er hat eine Menge an „Kuddelmuddel“ zu bereinigen. Er nimmt die Spur von Lucy und Nick im Wald auf. Auf seine übliche unorthodoxe Weise dringt er in Lavender House ein, wo ihn Inspektor Brix auf frischer tat ertappt – und sich begeistert zeigt, einen Meisterdetektiv erwischt zu haben.
Zusammen verfolgen sie die Spur, die zu einem relativ bekannten Ort namens Ascot führt. Dort finden bekanntlich königliche Pferderennen statt. Nicht ganz unerwartet ist dort auch ein Schmied aufzutreiben, der etliche Hinweise in petto hat. Die Spur führt zu einem „Gebäudekomplex“, in dem sich endlich der gesuchte Täter findet. Aber wo ist der kleine Nick abgeblieben? Das darf hier nicht verraten werden. Mit einem Wort: Diese Schnitzeljagd ist recht spannend. Und wenn sich Holmes mal wieder als Schauspieler betätigt, darf auch geschmunzelt werden.
Die Inszenierung
Die Rollen
Dr. Watson, gesprochen von Detlef Bierstedt, nimmt die Stelle des zweifelnden gesunden Menschenverstandes gegenüber Holmes ein, welcher ein getriebener Junkie der Vernunftarbeit zu sein scheint. Watson ist der Gemütsmensch, ein Jedermann mit dem Herz auf dem rechten Fleck und einer tiefen Zuneigung zum schönen Geschlecht, aber auch ein kenntnisreicher Mediziner. Außerdem fungiert er als Chronist, hat also Einfluss auf die Auswahl der hier präsentierten „geheimen“ Fälle des Meisterdetektivs. Mrs. Hudson ergänzt das Trio, das in Baker Street 221B logiert: Sie ist die moralische Instanz der beiden Detektive.
Sherlock
Was Joachim Tennstedt als Sherlock in diese Figur hineinlegt, ist sehr sympathisch und humorvoll – so als würde ein strahlender John Malkovich völlig entspannt aufspielen. In dieser Episode muss er jedoch von Mrs. Hudson erdulden, dass seine Paris-Fahrkarten in ihre Wäsche geraten sind. Anders als sonst muss sie zerknirscht ihren Fehler zugeben und um Verzeihung bitten.
Dr. Watson
Dr. John H(amish) Watson ist das genaue Gegenteil seines Freundes: jovial, höflich, frauenfreundlich und durchweg emotional, außerdem glücklich verheiratet. Leider sind seine logischen Schlüsse von dementsprechend unzulänglicher Qualität. Das war zu erwarten und dürfte keinen überraschen. Sobald eine schöne Frau auftritt, ist er von ihr hingerissen. Leider erhält er diesmal dafür keine Gelegenheit.
Nebenfiguren
Da es etliche Locations gibt, muss sich der Hörer mühen, die Figuren ihnen zuzuordnen. Da ist natürlich Baker Street 221B, dann aber gleich Haus Sunningdale in Surrey oder Sussex. Diesem schließt sich die „Wildnis“ eines nahen Waldes an, in dem ein weiteres Haus steht: „House Lavender“. Jenseits davon liegt ein Dorf, in dem Holmes schließlich den gesuchten Täter findet.
Bis auf die rabiate Mabel Russell und den Täter sind alle Figuren recht harmlos. Holmes und Inspektor Brix sorgen für Ordnung und Festnahmen. Die entsprechenden Stimmen passen zu den Figuren. Inspektor Brix erweist sich erstaunlicherweise als das Gegenteil von Inspektor Lestrade: Er bewundert den Meisterdetektiv.
Geräusche
Eine große Vielfalt von Geräuschen verwöhnt das Ohr des Zuhörers. Der Eindruck einer real erlebten Szene entsteht in der Regel immer. In der Baker Street 22B hört man Papierrascheln, klappernde Teetassen, gluckernden Tee, allenthalben knisterndes Kaminfeuer. In der Wohnung des Arztes Hanshaw, Haus Sunningdale, sind diverse Geräusche zu vernehmen, die vom Frühstück stammen, das fünf Personen gleichzeitig zu sich nehmen. Wir wissen ja, dass Watson den Freuden des Lebens sehr zugetan ist, und brauchen uns nicht zu wundern, wenn er nicht nur ein Ei, sondern zwei verdrückt. Der kleine Nick hat ihn sofort durchschaut.
Die ländlichen Locations sind mit entsprechenden geräuschen ausgestattet, so etwa ratternden Kutschen, wiehernden Pferden, quietschenden Türen und natürlich Vogelgezwitscher. Die Schlussszene findet in einem „Gebäudekomplex“ statt, der eine völlig andere Akustik aufweist, eine mit viel Hall.
Der Einsatz einer Soundbar ist sehr zu empfehlen, um die vielfältigen Hintergrundgeräusche zu erfassen, so etwa auf den Spaziergängen im Wald: Hier gibt es zahlreiche Naturgeräusche zu entdecken. Dann kann der Hörer alle Nuancen auskosten. Die meisten Soundbars sind mit mehreren Klangprofilen versehen und lassen sich entsprechend dem Hörspiel auf das „VOICE“-Profil einstellen, das die Stimmen hervorhebt. Wer es etwas etwas gruseliger mag, kann die Bassverstärkung, also den Subwoofer, einschalten. Meine Soundbar von einem japanischen Hersteller hat, wie ich froh entdeckte, drei Bassstufen, so dass ich das Maximum an tiefen Tönen herausholen kann.
Die Musik
Das Intro, eine Art flott-dezente Teemusik, bildet den heiter-beschwingten Auftakt des Hörspiels, während Watson seine Einleitung vorträgt, was die Natur der „geheimen Fälle“ anbelangt. Von einem Score im klassischen Sinn kann keine Rede mehr sein. Hintergrundmusik dient nur dazu, eine düstere oder angespannte Stimmung zu erzeugen, und zwar nur dort, wo sie gebraucht wird. Wenn Watson sich charmant für Miss Lucy Russell interessiert, erklingt romantische Hintergrundmusik. Diese heitere Stimmung in Haus Sunningdale dauert allerdings nur bis zu Nicks Verschwinden an. Intermezzi erklingen zwischen den Ortswechseln.
Die Sorge um Nick wird von einem tiefen Dröhnen und dem Ticken einer Uhr markiert. Die Heiterkeit ist wie weggewischt. Mabel tobt, Lucy schluchzt, und dann die fatale Anklage: „Mörderin!“ Die Musik wird am „Tatort“ erst dissonant, dann düster. Nachdem Watsons Begegnung mit den Vagabunden einen verwertbaren Hinweis geliefert hat, wird die Musik wird beschwingter, ja, sogar rhythmisch.
Nachdem die finanzielle Krise aufgedeckt worden und Holmes eingetroffen ist, kehrt die Handlung zum „Tatort“ zurück. Die Spur führt erst zum Lavender House, das Holmes auf den Kopf stellt, dann ins Dorf. In Ascot, dessen Pferderennbahn hier keine Rolle spielt, wird die Musik erst langsam, bevor sie ins Finale gelangt. Erst dann beruhigt sich die Hintergrundmusik, bevor sie im Outro wieder ihre gewohnte Heiterkeit erlangt.
Das Booklet
Das Titelmotiv zeigt eine Szene, die einen interessanten dreidimensionalen Effekt aufweist. Zu sehen ist ein Pfad, der durch einen relativ dunklen Wald führt. Im Hintergrund lichtet sich der Wald, im Vordergrund ist es dunkel, denn Äste liegen über den Pfad gekreuzt. Ein kleiner Junge geht gerade durch eine Pfütze im Pfad und scheint auf die Helligkeit am Ende des Pfades zuzugehen. Es ist vermutlich der kleine Nick. Dieses gelungene Motiv stammt von Bastien Ephonsus.
Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS und der HOLMES-Reihe verzeichnet. Diese Vorschau wird online auf der neugestalteten Homepage bestens dargeboten. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Die CD und der Einleger sind mit den Sherlock-Holmes-Motiven versehen, die die Reihe von Anfang an begleitet haben.
Von Herbst 2023 bis Mitte 2026
185: Lovecraft: Die Musik des Erich Zann (September 23)
186: ETA Hoffmann: Der Ghoul (Oktober 23)
187: Blackwood: Die Weiden (November 23)
188: Seidel: Der Hexenmeister
189: McGraup: Heimlich
190: Grimm: Schauermärchen 1
191: Grimm & Bechstein: Schauermärchen 2 (9/24)
192: Lovecraft: Gefangen bei den Pharaonen (Okt. 24)
193: Heron: Flaxman Low – Der Fall Yand Manor House (11/24)
194: E.F. Benson: Das Geständnis des Charles Linkworth (3/2025)
195: Upward & McGraup: Heimtückisch (04/2025)
196: Heron: Flaxman Low – Saddler’s Croft (05/2025)
197: Lovecraft: Das Grauen von Dunwich (27.3.2026)
198: Poe: Der schwarze Kater
199: Blackwood: Der Wendigo
200: Walpole: Das Schloss von Otranto
Unterm Strich
Die auf zwei CDs verteilte Handlung beginnt recht heiter und scherzhaft, doch mit der Kindesentführung kippt nicht nur die Stimmung: Es wird eine finstere Verschwörung aufgedeckt. Natürlich geht es um das Vermächtnis des verstorbenen Frederick Russell, der eine Klausel von fataler Tragweite in sein Testament aufgenommen hatte.
Sollte der kleine, kränkliche Nick sterben, so würden seine Verwandten wie etwa Jane, Mabel und Lucy, aber auch sein Bruder Percy (der für tot gehalten wird) zum Zuge kommen. Diese Klausel ist das Fundament der anschließenden Verschwörung gegen Nick. Warum ausgerechnet Nick, mag sich der Zeitgenosse fragen. Nun, Nick hat das Vorrecht, weil er der einzige MÄNNLICHE Nachkomme Fredericks ist.
Dieser geschlechtsspezifische Aspekt lenkt die Aufmerksamkeit des Hörers auf die Verteilung der weiblichen und männlichen Akteure im Stück. Die drei Damen auf Sunningdale House – Jane, Mabel und Lucy – werden alle als hilflose Wesen dargestellt, doch die Männer teilen sich in Helfer – Holmes, Watson und Inspektor Brix – und Täter (der nicht verraten werden darf) auf. Das Kind steht zwischen beiden Gruppen. Der spannende Reiz liegt nun darin, den Täter ausfindig zu machen und die Gefahr zu beseitigen.
Die Aufklärung des Falls und die Aufdeckung der Verschwörung machen die Spannung aus. Werden die Damen schließlich nicht nur das Kind und ihren Seelenfrieden wiedererlangen, aber auch das ihnen zustehende Erbteil Fredericks erhalten? Holmes muss wieder seinen ganzen Einfallsreichtum aufwenden, um den – oder die – Täter dingfest zu machen.
Das Hörspiel
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. So wechselt beispielsweise regelmäßig die Klangkulisse zwischen Exterieur – die Straßen, das Land und der Wald – und verschiedenen Interieurs, also die Häuser und Wohnungen.
Die Sprecherriege für diese HOLMES-Reihe ist höchst kompetent und renommiert zu nennen, handelt es sich doch um die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie John Malkovich (Tennstedt) und George Clooney (Bierstedt), auch Uschi Hugo, Bodo Primus, Helmut Zierl und Regina Lemnitz sind mir als Synchronsprecher vertraut. Wie gewohnt übernehmen die beiden Macher Marc Gruppe und Stephan Bosenius kleine Rollen. Denn es ist nicht einfach, vielbeschäftigte Synchronsprecher für solche Minirollen zu engagieren, erstens wegen der schwierigen Terminierung, zweitens wegen der geringen Entlohnung.
Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für spannende Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars Clooney und Malkovich vermitteln das richtige Kino-Feeling.