Mitten in Terrania, der Hauptstadt der Erde, wächst eine gigantische Stele aus dem Nichts. Sie spuckt einen geheimnisvollen Mann aus, der sich Peregrin nennt. Er weist der Menschheit den Weg zu einer neuen Bedrohung – Perry Rhodan muss zu den Magellanschen Wolken aufbrechen, den rund 200.000 Lichtjahre von der Erde entfernten Zwerggalaxien.
Rhodan reist mit der SOL, dem mächtigsten Raumschiff der Menschheit. Am Rand der Galaxis stoßen die Menschen auf den Chronopuls-Wall, eine Barriere aus Sternen und Zeit. Sie soll die Milchstraße vor einer bislang unbekannten Gefahr beschützen.
Der mysteriöse Peregrin erweist sich als Gesandter einer fremden Macht. Im Zentrum der Großen Magellanschen Wolke wartet seine scheinbar unüberwindliche BURG. Wird sie von den falschen Kräften aktiviert, ist alles verloren … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Finde nur ich es ein wenig naiv, einem Hinweis eines einzelnen und vor allem unbekannten Fremden nach in die tiefsten Tiefen des Universums aufzubrechen? Was, wenn er genau das erreichen wollte, um dann mit mutmaßlichen Nachzöglingen bequem das SOL-System einzunehmen? Wäre ja nicht das erste Mal!
Auguste Dupin erfährt von einem mysteriösen Mord an einer Frau und ihrer Tochter in der Rue Morgue. Die Frauen sind bestialisch zugerichtet worden und die Polizei kann sich keinen Reim auf den Hergang der Tat machen, da Türen und Fenster des Zimmers von innen verschlossen waren. Doch dann berichten Zeugen von einem Streit zweier Fremder unmittelbar vor der Tat – und alle widersprechen einander. (Verlagsinfo)
Liebe, Leben, Luftballons
Ein ungeklärter Fall aus dem Polizeiarchiv hält die drei !!! in Atem: Vor 30 Jahren sorgte eine Einbruchserie für Aufruhr, bei der der Täter stets einen Luftballon am Tatort hinterließ. Als sich die Hinweise verdichten, dass Davids Opa in die Ereignisse verwickelt ist, nehmen die drei !!! die Ermittlungen auf. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Manche Einbrecher sind schon echt seltsam, was die Auswahl an Dingen angeht, die sie hinterlassen … Herzluftballons? Früher wars noch vermehrt rohe Gewalt und Handarbeit, um an Geld und Wertsachen zu kommen. Heutzutage werden über VPNs Server gehackt und Textdateien hinterlassen mit „Wir waren hier!“ … oder Schlimmeres. Da lässt sich schneller viel mehr verdienen. Aber, vor 30 Jahren war das noch ein bissi anders.
Providence, 1919: Was ist dran an den unheimlichen Gerüchten um das Haus der Familie Harris, das nach unzähligen Todesfällen, die es dort gab, nun nicht mehr bewohnt wird? Dr. Elihu Whipple und sein Neffe Howard wollen dem Rätsel auf die Spur kommen und beschließen, eine Nacht im Keller des Gebäudes zu verbringen, um das vermeintliche Böse auszurotten. Ihr Gegner erwartet sie dort bereits… … (Verlagsinfo)
Teil 1: London in den 1890er Jahren: Basil Hallward, ein talentierter Maler, verliebt sich in den jungen Dorian Gray und will seine faszinierende Jugend und Schönheit in einem Porträt festhalten. Dorian, durch den Anblick seiner selbst hingerissen, äußert den kühnen Wunsch, dass er nie altern, sondern das Bild dieses Schicksal auf sich nehmen solle. Dafür wäre er sogar bereit, seine Seele zu opfern …
Teil 2: Dorian Gray gibt sich, verführt durch den charismatischen Lord Henry Wotton, ganz den sinnlichen Gelüsten eines zügellosen Lebens hin und fällt in einen Strudel der Leidenschaften. Doch weder die Zeit noch die Exzesse hinterlassen Spuren auf seinem jugendlichen Gesicht. Einzig sein Porträt verändert sich auf eigentümliche Weise. Doch wer es zu Gesicht bekommt, ist des Todes … (abgewandelte Verlagsinfo) Wilde, Oscar / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Bildnis des Dorian Gray, Das (Gruselkabinett 36/37) weiterlesen →
Von Traumfänger, Lichtbringer und warnenden Fröschen
„Frei überlieferte Legenden, Geschichten, Mythen und Lieder der Indianer Nordamerikas entführen in längst vergessene Zeiten und warten darauf entdeckt zu werden. Nacherzählt von Wolfsheart (bürgerlich Bernhard Weilguni), der bereits verschiedene Preise für seine herausragenden Beiträge zur Native American Music erhielt und zwei Mal als erster Europäer mit dem weltweit höchsten Preis für indianische Musik, dem Native American Music Award in den USA geehrt wurde und sich für den Erhalt der Kultur der amerikanischen Ureinwohner einsetzt. Ein besonderes Anliegen ist es ihm auch, Kindern diese Kultur erlebbar zu machen.
Diese Sammlung, untermalt mit Flöten-, Trommel- & Naturklängen, bringt einen Einblick in das magische Weltbild der Ureinwohner Amerikas und vermittelt Kindern wertvolles, kulturelles Wissen.“ (Verlagsinfo)
Dieses Hörspiel bietet den ersten Fall in der legendären „Damen-Krimi“-Reihe aus den 1950er Jahren. Philip Odell, Privatschnüffler und ehemaliger Mitarbeiter des Secret Service, wird von der charmanten Heather McMara gebeten, den Tod ihres Bruders Ricky zu untersuchen. Der war zwar auch ihrer Meinung nach „ein Lump oder Schlimmeres“, an Selbstmord kann sie jedoch nicht glauben.
Bald schon bekommen Heather und Philip eine Ahnung davon, dass Ricky vielleicht nur der Strohmann in einem gefährlichen Netz aus Intrigen, Eifersucht und schmutzigen Geschäften war. Und auch für die beiden Ermittler wird der Fall immer bedrohlicher … (Verlagsinfo) Diese Lady-Krimi wurde verfilmt.
Während eines friedlichen Angelausflugs fällt Horne Fisher ein Auto direkt vor die Füße. Das Auto ist von einem Abhang gestürzt. Der Fahrer ist tot. Was ist geschehen? Zusammen mit seinem Begleiter, dem Journalisten Harold March, geht er der Spur des Autos nach und stellt fest: Es war gar kein Unfall …
_Der Autor_
Gilbert Keith Chesterton wurde 1874 geboren und starb 1936. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Journalist, doch bekannt wurde er mit seinen Romanen, den anarchistischen Phantasien „The Napoleon of Notting Hill“ (1900) und „The Man who was Thursday“ (1908). Insgesamt veröffentlichte er mehr als hundert Werke. Da er ein Liberaler war, geißelte er in seinen Schriften Dekadenz und Nihilismus und kritisierte Imperialismus, Konservativismus, Skeptizismus und Sozialismus, also praktisch alles, was damals in Mode war. Zu seinen Gegnern gehörte der Sozialist und Dramatiker George Bernard Shaw.
Ein bedeutender Einfluss ist seinem Freund John O’Connor zuzuschreiben, einem Priester, der ihn dazu brachte, 1922 zur römisch-katholischen Kirche überzutreten. (Deshalb rechnet ihn die Inklings-Gesellschaft zur Gruppe um J. R. R. Tolkien und C. S. Lewis.) O’Connor lieferte auch das Vorbild für einen von Chestertons größten Erfolgen: den gleichermaßen liebenswerten wie schlauen [Father Brown. 2362 Als einer der fleißigsten Schreiber aller Zeiten veröffentlichte Chesterton von 1925 bis zu seinem Tod seine eigene Zeitung, die „G. K.’s Weekly“. G. K. Chesterton war kinderlos verheiratet mit Frances Blogg. Er hatte ein große Vorliebe für Zigarren und gutes Essen, Letzteres ließ sich auch an seiner stattlichen Leibesfülle ablesen.
„The man who knew too much“ eröffnete 1922 die Serie mit Geschichten um Fischer und March. Das Ungewöhnliche an Fisher ist, dass er eigentlich gar kein Detektiv ist. Die kriminalistischen Geheimnisse kreuzen einfach zufällig seinen Weg und werden von ihm mit charmanter Trägheit enträtselt. Untertitel dieser ersten Episode: „Das Gesicht auf der Zielscheibe“.
_Der Sprecher_
Karlheinz Tafel liest die ungekürzte und mit Geräuschen und Musik angereicherte Textfassung.
Regie führte die Übersetzerin Daniela Wakonigg, die Tontechnik und Musikeinspielungen steuerte Peter Harrsch.
_Handlung_
Die 1920er Jahre: Der Journalist Harold March wandert zu dem Landsitz Torwood Park, um einer Einladung des Finanzministers nachzukommen. Der Minister will einige Sozialreformen initiieren, was einige politische Folgen haben dürfte. Doch die wunderbare Naturszenerie lenkt March von dem Objekt seiner beruflichen Neugier ab.
Die Schlucht eines Baches neben der Straße ist so malerisch, dass er sie sich genauer anschaut. Sein Blick fällt auf einen Zeitgenossen, der sich einer merkwürdigen Beschäftigung hingibt. Er fängt Fische mit einer Art Kescher, wirft sie aber alle wieder zurück ins Wasser. Der Mann bemerkt March und antwortet in einem sonderbar teilnahmslosen Tonfall, dass er das Phänomen der Phosphoreszenz untersuche, also die biologische Leuchtkraft bei Fischen usw. Dass er gebildet ist, belegt er durch einen kenntnisreichen und kritischen Vortrag über die Kubisten.
Allerdings wird sein Redeschwall jäh unterbrochen, als ein Quietschen, Scheppern und Krachen ertönt, erst oben von der Straße, dann den Steilhang herab, um sodann in einem Mordskrach zu ersterben. Das Auto verfehlt Mr. Fisher, wie er sich vorstellt, nur um Meter. Gleichmütig schaut er sich die Sache genauer an. Ein Toter liegt im Auto, so, so, offenbar Schädelfraktur, hm. Der Visitenkarte entnimmt Fisher unschwer den Namen des geräuschvoll zu Tode gekommenen Opfers: Sir Humphrey Turnbull, seines Zeichens ehemaliger Richter in London, der sich besonders für die Verfolgung von Ausländern einsetzte.
Fisher ersteigt den Steilhang und verfolgt oben die Spuren des Autos zwischen Felsen. Handelt es sich um Selbstmord oder um einen Unfall, fragt sich March. Haben die Bremsen versagt – oder wollte Turnbull seinem Leben ein Ende setzen? Weder das eine noch das andere, meint Fisher, erläutert das aber nicht weiter. Die Frage sei vielmehr, was Turnbull – oder „Puggy“, wie er neckisch genannt wurde – in Torwood Hall wollte. Der Landsitz gehört nämlich nicht dem Finanzminister, sondern einem der von Turnbull gehassten Ausländer, dem Kanadier Jefferson Jenkins, der sich für eine Grundstücksreform einsetzt.
Fisher geht auf das Haus zu, aber das ist eine Meile entfernt. Sie passieren einen Großwildjäger, der zur Jagd hier ist: John Burke. An dem Jäger und einem Wäldchen vorbei betreten sie eine Wirtschaft. Hier ließ sich der Verunglückte ein Paket Sandwiches machen. Warum, so fragt sich March, wenn Turnbull doch erwarten musste, dass er auf Torwood Hall ein Abendessen bekommen würde? Fisher gibt March Recht, aber was, wenn Turnbull nicht damit rechnete und die Sandwiches für den Notfall einpackte?
Der Finanzminister tritt ein. Auch er war auf der Jagd und lästert über seinen Gast Jenkins (wohlgemerkt: den Hausbesitzer), der ein miserabler Schütze sei. Doch die Beispiele, die er anführt, legen eher das Gegenteil nahe, findet Fisher. Zu Marchs Erstaunen behauptet Fisher dann ein Stück weiter die Straße hinauf: „Hier wurde Puggy wohl erschossen“. Auf Schleichwegen begibt sich Fisher sodann nicht zum Haupteingang, sondern in den hinteren Garten des Landsitzes, wo die zwei Besucher auf einen seltsam antiquierten Anblick stoßen: eine uralte Zielscheibe. So etwas benutzten nur die längst verschwundenen Viktorianer.
Aber etwas ist merkwürdig daran. Die Einschusslöcher sind frisch – und sie ergeben ein Muster: ein Gesicht. March beobachtet verdutzt, wie Fisher ein Fläschchen aus seiner Tasche holt und eine chemische Substanz in eben diese Einschusslöcher schmiert. Sodann begibt sich Fisher dahin, wo auch Marchs Bestimmungsort liegt: ins Innere des Hauses. Er benutzt jedoch nicht die Tür, sondern ein Fenster. Kuck an: eine Waffenkammer voller Gewehre. Was mag Fisher wohl noch alles finden, fragt sich March. Und wann er wohl endlich damit anfängt, ein paar Erklärungen für sein sonderbares Benehmen zu liefern.
_Mein Eindruck_
Henry Fisher ist zwar ein genialer, aber auch ein rätselhafter Schnüffler. Er scheint jede der hochgestellten Persönlichkeiten selbst zu kennen, und diese reden auch ungeniert mit ihm, doch welchem Beruf Fisher nachgeht, erfahren wir nicht. Auch scheint er ungewöhnlich teilnahmslos gegenüber den kriminellen Machenschaften auf Torwood Hall zu sein. Das hindert ihn aber nicht daran, dem Journalisten genau nachzuweisen, dass Humphrey Turnbull a) ermordet, b) gezielt erschossen, c) der Mord aber von niemandem bemerkt wurde und d) von niemandem aufgeklärt werden wird – außer von ihm. Und er könne nichts beweisen. Kein Wunder also, so Fisher, wenn er angesichts der Unantastbarkeit des Mörders – und seiner Komplizen? – jedes Interesse an dieser Klasse, diesem Fall und der Politik im Allgemeinen verloren habe.
Es ist schon ein trauriges Los, das Fisher gezogen zu haben scheint. Er verfügt über den nötigen Scharfsinn, um den Verbrechern auf die Schliche zu kommen, kann aber nichts gegen sie unternehmen, genauso wenig wie die Polizei, falls man sie einschaltet. Doch die Verbrecher sind nicht irgendwer. Es handelt sich um einen Sozialreformer und um den Finanzminister, der ebenfalls – wohl nicht ohne Grund – eine Reform plant. Beides sind Politiker, die sich vordergründig der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse verschrieben haben, aber im Hintergrund offenbar nicht vor der skrupellosen Beseitigung eines lästigen Kritikers zurückschrecken. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft der politischen Klasse erwarten.
Der Liberale Chesterton hatte für Sozialisten (s. o.) wie George Bernard Shaw und H. G. Wells (beide Mitglieder der Fabian Society) nichts übrig, er selbst befürwortete die Bodenreform und Umverteilung des Eigentums aus einer katholischen Perspektive (und stand deshalb gedanklich den Inklings um Tolkien und Lewis nahe, wenn er auch nicht zum Kreis dieser Autoren gehörte).
Andererseits stellt er aber Humphrey Turnbull, das Mordopfer, als einen Kritiker – er war Ex-Richter – dieser feinen Herrschaften hin. Warum beschreibt er ihn aber dann so negativ, indem er ihm das Gesicht eines „intellektuellen Affen“ verleiht? Chestertons Sympathien scheinen bei niemandem zu liegen, und das ist der hauptsächliche Schwachpunkt der Story.
Chestertons bekannteste Spürnase ist Father Brown, doch anders als Fisher hat Brown wenig mit Politikern zu tun, sondern mehr mit ganz „gewöhnlichen“ Bürgern (obwohl sich dazu ebenfalls Gegenbeispiele finden ließen). Unter seine verirrten Schäflein gerät aber ab und zu auch mal ein gestandener Verbrecher, z. B. in „Das blaue Kreuz“. Brown hat zwar keine Bekehrungsabsichten, aber doch eine enge Beziehung zu Moralvorstellungen der christlichen Lehre.
Dies geht Horne Fisher offenbar völlig ab. Er scheint im Gegenteil ein richtiger Nihilist zu sein. Und gegen diese Leute hatte Chesterton ebenfalls etwas. Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein Autor seinen Schnüffler der Kritik preisgibt. Aber nicht Fisher liefert die Perspektive auf diesen Fall, sondern ein Journalist. Dieser hält sich zwar mit kritischen Bemerkungen zurück, aber seine Distanziertheit ist nicht zu übersehen. Wenn Fisher abschließend sagt: „So laufen die Dinge eben“, so dürfte March und dem Hörer fast der Kragen platzen. Genau dies liegt in der Absicht des Autors.
|Der Sprecher|
Da in dieser Geschichte keinerlei weiblichen Figuren auftreten, hat der Sprecher Karlheinz Tafel relativ leichtes Spiel. Er muss lediglich den diversen männlichen Figuren eine jeweils markante Sprech- und Ausdruckweise verleihen, damit der Hörer sie auseinanderhalten kann. Klingen der Finanzminister und John Burke eigentümlich wie „alte Knaben“ à la Sir John in den Edgar-Wallace-Verfilmungen, so bietet Horne Fishers Stimme das Kontrastprogramm: Er spricht langsam, müde, schwach und völlig teilnahmslos, als habe er gerade einen Schlaganfall überlebt. Das ist aber gerade das Trügerische an ihm. So verdeckt er seinen Scharfsinn und überlistet besagte Herrschaften, indem er sie aus der Deckung lockt. Bis er dann den Schockeffekt einsetzt, und sie sich verraten. Eine raffinierte Taktik, die man diesem teilnahmslosen Schnüffler nicht zugetraut hätte.
Ein erhebliches Verständnisproblem konnte auch der ausgezeichnete Vortrag nicht verhindern. Wie heißt denn nun der Finanzminister? Mal heißt er Hoggs, dann wieder Howard Horn. Und mal heißt Turnbull „Puggy“ und John Burke einmal „Jack“. Wenigstens Jenkins bleibt stets Jenkins. Und was ich als „Tallwood Park“ notierte, heißt eigentlich laut Booklet „Torwood Park“. So habe ich es auch in der Inhaltsangabe geschrieben.
|Geräusche und Musik|
Der Vortrag wird von klassischen Instrumenten untermalt, die aber ungewöhnlich eingesetzt werden. Oboe oder Klarinette spielen ruhige, melancholische Kadenzen, aber die Streicher zupfen Pizzicati. Dann gibt es noch ein Instrument – vermutlich ein elektronisches – das ich mal als „Glasharfe“ bezeichnen möchte und das für die Erzeugung einer geheimnisvollen Stimmung zuständig ist.
Die Geräusche sind teils der Natur entnommen und teils der Technik. Der Kontrast ist zutiefst symbolisch und vom Autor sicherlich gewollt. Die idyllische Szenerie aus Insektengezirpe und Froschgequake wird jäh unterbrochen durch ein Quietschen, Scheppern und Krachen. Dabei fällt mir auf, dass das Qietschen – vermutlich von Bremsen – völlig unlogisch ist. Wenn Turnbull nämlich schon tot war, als sein Wagen in einer Kurve die Straße verließ, geradeaus weiterfuhr und den Abhang hinabraste, kann er auch keine Bremsen getreten haben. Auch die Reifen scheiden aus, weil sie nur quietschen, wenn eine Auto in die Kurve geht. Genau dies tat es aber nicht. Wie können sie also quietschen?
Sehr hübsch wird das Vergehen des Tages durch die sich ändernde Geräuschkulisse der Natur nachgebildet. In der Schlucht sind kaum Vögel zu hören, oben im Wald um Torwood herum aber jede Menge, insbesondere die diebischen Elstern (sehr passend). Als es Abend wird, ruft in der Dämmerung – reichlich früh – das Käuzchen. Sobald Fisher und March wieder in die Schlucht zurückgekehrt sind, sind wieder keine Vögel zu hören, weil es Nacht ist. Stattdessen erschallen das Quaken von Fröschen und das Zirpen von Insekten.
|Das Booklet|
Das vierseitige Booklet erfreut mit umfassenden Informationen über den Autor Chesterton (s. o.) und einer Inhaltsangabe, die nicht zu viel verrät. Als i-Tüpfelchen verrät das Booklet auch, wann und wo der Text zuerst erschien und gedruckt wurde – so viel Service findet man bei 1-CD-Hörbüchern selten. Ob der Text etwas mit der von Hitchcock zweimal verfilmten Story „Der Mann, der zu viel wusste“ zu tun hat (hat er nicht), wird nicht einmal der Erwähnung für würdig befunden.
Die Titelillustration zeigt einen Mann, der mit Pfeil und Bogen auf eine bemalte Zielscheibe zielt. An diesem Bild stimmt so einiges nicht. Der Mann zielt meilenweit vorbei, und der Winkel, in dem die Zielscheibe zu ihm steht, ist zu weit nach links gedreht. Der Bogen erscheint mir zu klein und die Sehne zu dick – allerdings fällt dies unter „künstlerische Freiheiten“.
_Unterm Strich_
Diese inszenierte Lesung hat mir wenig Spaß gemacht und einige Probleme bereitet – mehr dazu in den obigen Ausführungen. Horne Fisher ist allerdings ein Schnüfflername, den man sich merken sollte. Der Mann ist als Spürnase genial und in seinem Charakter ziemlich einmalig, wenn ich mich auch ein wenig an den behäbigen Nero Wolfe erinnert fühlte. Aber Wolfe verkriecht sich in seiner Wohnung und lässt seine(n) Assistenten die Fußarbeit erledigen – Fisher kraucht selbst durchs Unterholz und steigt in Häuser ein, die ihm nicht gehören. Dafür, dass er, wie er behauptet, „zu viel weiß“, wirkt er aber noch relativ ungefährdet. Vielleicht liegt es an seinem Nihilismus. Sympathisch ist er mir jedenfalls nicht. Aber der Autor hat es ja sowieso auf kritische Distanz zu ihm angelegt.
Das Hörbuch mit der inszenierten Lesung hat zwar einen hervorragend Sprecher zu bieten, aber verstanden habe ich den wirklichen Namen des Finanzministers dennoch nicht auf Anhieb. Und das Geräusch quietschender Bremsen oder Reifen ist völlig unlogisch, weil im Stück niemand lebendig genug ist, um auf das Bremspedal treten oder die Reifen in eine Kurve lenken zu können. Das Einzige, was inhaltlich für das Hörbuch spricht, sind der Fall, der Ermittler und der Sprecher, sonst aber wenig.
|Originaltitel: The man who knew too much, 1922
Aus dem Englischen übersetzt von Daniela Wakonig
60 Minuten auf 1 CD|
http://www.stimmbuch.de
Dies ist der zweite Fall der legendären „Damen-Krimi“-Reihe aus den 1950er Jahren. Philip Odell, Privatschnüffler und ehemaliger Mitarbeiter des Secret Service, sucht mal wieder Arbeit …
„Junger Mann mit bewegtem Vorleben gesucht“ – klar, dass sich Odell auf diese Annonce meldet. Und prompt mit seiner Freundin Heather MacMara in einen neuen Fall verwickelt wird, der sich als reichlich turbulent herausstellt und Heather viel Anlass gibt, eifersüchtig zu werden.
Während der Dichter Dante Dannewitz in der Bibliothek der Kleist-Villa seine düsteren Verse vorträgt, werden aus dem Safe im Schlafzimmer die wertvollen Familienjuwelen gestohlen. Am nächsten Tag nehmen Tim, Karl, Gaby und Klößchen die Spur in der Nachbarschaft der Familie Sauerlich auf. Sie rekonstruieren den Tathergang, legen verdeckte Motive frei und haben bald drei verdächtige Personen ausfindig gemacht. Aber ob unter ihnen wirklich der Täter ist? Wie sich herausstellt, muss Tim erst noch seine größte Angst überwinden, bevor die vier Detektive den kniffligen Fall lösen können. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Bevor sich der Hörspielfan.in ans Hören machen kann, schauen er und sie sich erst mal die neue Cover-Gestaltung an. Warum jetzt, nach unrunden 228 Folgen eine Neue und nicht direkt damals, als der Verlag die Serie in TKKG und TKKG JUNIOR aufgeteilt hat? Man weiß es nicht. Auf den ersten Blick siehts klinischer aus, unlebendiger, gradliniger, steriler und nüchterner. Das Logo mit der TKKG-Bande ist weg (auch auf der CD) und es steht nur noch „TKKG“ da. Laaaaaaaaaaangweilig! Die übliche Comic-Zeichnung des Covers gefällt mir vom Stil her allerdings gut, das ist auf jeden Fall moderner und wirkt plastischer als die alte Version. Auch aus dem alten TKKG-Blau ist jetzt ein dunkles Navy-Blau geworden (auch auf der CD).
Warum, fragt das neunmalkluge Kind, schlafen unsere Hände und Füße ein, obwohl sie gar nicht müde sind? Warum haben Männer eine Glatze und wieso schnarcht man und woher kommen die X-Beine?
Welche Erklärungen hinter diesen und vielen anderen Phänomenen stecken, verraten uns der Comedy-Star Hennes Bender und seine zwei Unterstützer – unterhaltsam, aber kompetent. (Verlagsinfo) Lustig wird’s, wenn es darum geht, dass Küssen blind und taub macht …
_Der Autor_
Dr. Jürgen Brater, geboren 1948, studierte Medizin und Zahnmedizin und praktizierte bis 1996 in eigener Niederlassung. Seitdem ist er als Seminarleiter in der Aus- und Weiterbildung medizinischer Fachkräfte sowie als Fachautor tätig und schreibt unter anderem populäre medizinische Sachbücher. Er lebt in Aalen (BaWü). Bei Eichborn sind erschienen: „Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge“ (2001), „Lexikon der Sex-Irrtümer“ (bitte unbedingt vertonen!), „Bier auf Wein, das lass sein!“ sowie zuletzt „Generation Käfer“ (2005).
_Die Sprecher_
Hennes Bender, geboren 1968, startete seine Bühnenlaufbahn am Schauspielhaus in Bochum, bevor er sich mit Partner im Duo „Lengkeit gegen Bender“ für den Humor entschied. Eine eigene Roadshow, zwei Soloprogramme und diverse Comedy-Preise später hat der Entertainer jetzt das Hörbuch für sich entdeckt.
David Muscholl, geboren 1996 (er ist also erst neun!) in Mainz, ist Fan von SpongeBob, spielt im offensiven Mittelfeld bei TuS Marienborn und stellt seinen Eltern immer häufiger Fragen, die sie nicht beantworten wollen.
Elisabeth Verhoeven lebt in Mainz, ist Rezitatorin und Schauspielerin und arbeitet als freie Sprecherin für Hörfunk und Fernsehen. Aufsehen erregten laut Verlag ihre Interpretation des Melodrams „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ zusammen mit Hartmut Höll sowie die Uraufführung des „Nachtigallengesangs“ von Eduard Mörike.
_Inhalte_
Es gibt mehr rätselhafte Vorgänge in und an unserem Körper, als man denkt. Meist denkt man nicht dran, oder wenn doch, verdrängt man ganz schnell (z. B. das Furzen). Aber es gibt eben neugierige Zeitgenossen wie den neunjährigen David, die alles ganz genau wissen wollen. Selten, allzu selten gibt es verständnisvolle Erwachsene, die die Antworten auf seine Fragen kennen und – oh, Wunder! – sogar damit herausrücken. Auf diesem Hörbuch tun sie dies in aller Öffentlichkeit und zur allgemeinen Erbauung und Belustigung.
Die Fragen sind nach dem Alphabet sortiert, damit der Überblick nicht verloren geht. A wie … „Warum müssen wir beim Arzt ‚aaah‘ sagen statt e oder u?“ Weil nur bei diesem Laut der Gaumen und der Rachen so schön weit geöffnet werden, dass der Arzt sie bequem inspizieren kann.
Oder R wie … Rülpsen. Das ist das Ausstoßen verschluckter Luft. O wie … Ohrenschmalz dient dazu, abgeschilferte (tolles Wort!) Zellen, Haare und Schmutzpartikel im Ohr einzuhüllen und aus dem Gehörgang zu befördern. G…wie Gähnen. Es rührt nicht etwa vom Mangel an Sauerstoff her, der ausgeglichen werden soll, sondern erfolgt reflexartig auf einen Reiz hin.
|Frauen werden besonders berücksichtigt.|
Sind Frauen das schwache Geschlecht? Aber mitnichten! Östrogen schützt Frauen vor der Empfänglichkeit für Krankheiten, lässt sie früher erwachsen werden als Jungs und verleiht ihnen eine längere Lebensdauer. Allerdings macht es sie anfälliger für Knochenschwund (Osteoporose) und Depressionen. Es dürfte sie auch interessieren, wovon ihr Biorhythmus abhängig ist und wie sie ihr Immunsystem trainieren können.
Auch Babys werden bedacht. So wird zum Beispiel klipp und klar erklärt, dass die Muttermilch vor Herzinfarkt schützt und Stillen klug macht. Träumen Babys eigentlich, wenn sie so viel schlafen? Es sei ihnen gegönnt, denn Träumen ist absolut lebensnotwendig. Entzug der Traumphase beim Schlafen macht krank und depressiv. Andererseits ist Träumen total anstrengend, und deshalb sollte das Schlafzimmer immer gut belüftet sein.
|Männer|
… werden erstaunt sein zu erfahren, dass ein „Bierbauch“ gar nicht vom Bier selbst kommt, sondern davon, dass der Alkohol den Appetit anregt. Und dieser Appetit wird meist nicht durch Kaviar und Häppchen gestillt, sondern durch allerlei Fettiges und Deftiges. Vertragen Frauen mehr Alkohol als Männer? Und wirkt Bier oder Schnaps schneller? Dass Kartoffelchips süchtig machen, dürfte eh klar sein. Das liegt am Natriumglutamat.
In diesem Zusammenhang ist es sicherlich interessant zu erfahren, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel gar nicht so ungesund ist, wie die Medizin immer behauptet hat. Viel gefährlicher ist offenbar ein zu niedriger Cholesterinspiegel (außerdem gibt es gutes und schlechtes Cholesterin). Ob das genetisch bedingt ist, wenn man mit einem hohen Cholesterinspiegel lange lebt, wird noch untersucht.
Außerdem werden Männer vor zu engen Jeans und einem Schlag in die Magengrube gewarnt. Ich glaube, das ist nicht mehr nötig. Aber weil Rauchen dumm macht, wie wir hier erfahren, ist die Warnung vielleicht doch nicht unnötig. Oder kommt Übergewicht etwa von „schweren Knochen“?
|Ganz allgemein|
Woher kommt eigentlich die Lust am Verbotenen? (Im Hintergrund hört man eine Polizeisirene.) Das liegt an einem psychologischen Reflex, mit dem sich der Einzelne wehrt. Man tut genau das Gegenteil von dem, was verlangt wird. Das wird Reaktans genannt. Und lässt sich natürlich vortrefflich zu Manipulation nutzen. Übrigens ändern sich Erinnerungen selbständig – also aufgepasst!
Zu den erstaunlichen Infos gehört die Tatsache, dass man im Laufe seines Lebens immer weniger Knochen im Leib hat. Sowas! Wo kommen die alle hin? Schließlich wacht ja keiner morgens auf und hat einen verlorenen Knochen neben seinem Bett liegen, oder? Nein, die Babies kommen mit rund 320 Knochen auf die Welt, diese verschmelzen im Lauf der Jahre miteinander, so etwa am Schädel, und verwachsen. Am Schluss bleiben bloß noch etwa 200 übrig. Eine ziemlich hohe Verlustrate! Das Leben ist das härteste …
Übrigens ist man am Morgen größer als am Abend. Der Grund: Die Wirbelsäule wird im Lauf des Tages zusammengestaucht, was am Morgen, wenn man ausgeruht ist, natürlich noch nicht der Fall ist. Beschwert euch bei der Schwerkraft!
|Erotik|
Wie kommt der Knutschfleck zustande? Peinliche Frage. Es handelt sich um eine Art Bluterguss, was ja schon ziemlich schmerzhaft klingt.
Und warum macht Küssen blind und taub (statt klug und glücklich)? Und das soll gesund sein? Nee, was die uns alles erzählen wollen!
_Mein Eindruck_
Das ist wirklich „Infotainment“ vom Feinsten. Abwechslung ist angesagt, und so spricht mal der Mann (Bender), mal die Frau (Verhoeven) und ein- oder zweimal sogar David eine der mehr oder weniger langen Erklärungen. Meistens stellt aber David die Fragen – das ist seine Paraderolle. Meistens hören wir dann eine kurze Demo wie etwa die Polizeisirene oder ein Schnarchen. Alles schön dezent natürlich. Jedenfalls ist der Hörer schon bald gespannt auf die nächste Demo.
Die Themen kommen, wie ich zu zeigen versucht habe, aus den verschiedensten Gebieten und sind mal mehr für Frauen, mal mehr für Männer von Belang. Erotik ist immer und überall interessant, genau wie das Verbotene. Ob das eine mit dem anderen etwas zu tun hat, sei jedem selbst überlassen.
|Die Sprecher|
Elisabeth Verhoeven spricht sehr deutlich und verständlich. Sie gibt die meisten Erklärungen, und das tut sie so melodiös, dass man ihr stundenlang zuhören könnte. Der junge David ist schon schwieriger zu verstehen, aber er ist alt genug, die schwierigen Wörter aus der Medizin und Biologie schon richtig auszusprechen und zu betonen.
Hennes Bender ist ein Spezialfall. Als sprachliches Allroundtalent ist er sehr wohl in der Lage, die Erklärungen mit dem nötigen dozierenden Ernst vorzutragen, aber des Öfteren geht mit ihm doch der Gaul durch. Er muss einfach mal demonstrieren, wie sich zahnloses Sprechen zwischen Unter- und Oberkiefer anhört. Er muss auch mal Schnarchen und Niesen, darf auch mal (aber nur einmal) furzen. Und von wem der Knutschfleck stammt, können wir uns nur ausmalen …
Nach der Schlussmusik und der Absage der Sprecher gibt es noch ein kleines Schmankerl. Es ist eine akustische Panne, was man halt beim Film neudeutsch als „goof“ bezeichnen würde. Bender lacht sich einen Ast, als Verhoeven ihre Erklärung des Küssens zu Ende gebracht hat (vorher wäre es ja unhöflich gewesen). „Küssen macht blind und taub, hihi, haha!“ Schon bald kann auch Verhoeven nicht mehr an sich halten. Und wer wissen möchte, was am Küssen so gefährlich ist, der muss eben selber hören – oder das Buch lesen (z. B. in der Stadtbücherei).
_Unterm Strich_
Nie habe ich mich unterhaltsamer informiert und aufgeklärt gefühlt. Die 66 Minuten gingen vorbei wie im Flug. Neben einigen uralten Fragen, die sich die Menschheit seit Adam und Eva stellt – vertragen Männer oder Frauen mehr Alkohol – waren doch auch eine Menge neuer Fragen zu beantworten, so etwa die nach dem korrekten Cholesterinspiegel: höher oder niedriger, was ist gesünder?
Die drei Sprecher – in Zusammenarbeit mit den Tonmeistern Arnd Esser und Martin Urrigshardt – meistern ihre Aufgabe bravourös, quasi eine kleine Familie vorzuspielen und sich die Fragen und Antworten wie Bälle zuzuwerfen. Dass „Papi“ Bender mal das stille Örtchen aufsucht, um youknowwhat zu erledigen, erscheint nur natürlich – einer muss ja für Spaß sorgen.
Aber ich bin fast sicher, dass das „Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge“ noch viel mehr und noch tausendmal peinlichere Körpervorgänge beschreibt. Sehr empfehlenswert. (Wer weiß, was da noch alles übers Küssen drinsteht …)
Detektivisch: der Philip Marlowe von West Hinchley
So traurig hat Mick William seine Mutter noch nie zuvor gesehen. Das Haus, in dem sie wohnen, soll abgerissen werden – zusammen mit dem Filmstudio nebenan. Micks bestem Freund Izzi ist es auch nicht gleichgültig, was aus dem alten Studio wird. Und so ziehen die beiden los, das alte Filmstudio mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was sie dort entdecken, verschlägt ihnen den Atem … (Verlagsinfo)
London 1933: Alwyne und Colin Hargreaves, das medial begabte Ermittler-Duo aus „Heimgesucht“ und „Heimgekehrt“, reisen in ihrem dritten Abenteuer zu einem Kongress nach Kalifornien. Bei einem Abstecher zum berühmten viktorianischen Luxushotel del Coronado kommt ihnen sehr zugute, dass sie bereits weidlich Erfahrung mit Geister-Erscheinungen haben… (erweiterte Verlagsinfo)
|“Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder? Er aber sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?“|
Ein gnadenloser Killer tötet ein Opfer nach dem anderen. Nur ein Mann könnte den Todeslauf stoppen: FBI-Agent Aloysius Pendergast. Doch dieser gilt seit einem gefährlichen Einsatz in Italien („Burn Case“) als verschollen. Sein Partner Vincent D’Agosta von der New Yorker Polizei beginnt zu ermitteln – und stößt auf ein dunkles Geheimnis …
_Die Autoren_
Douglas Preston, Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums in New York City, hatte sich bereits als Sachbuchautor einen Namen gemacht, als er den Verlagslektor Lincoln Child kennenlernte. Gemeinsam schrieben sie 1995 den Wissenschaftsthriller „Relic“, der ein verfilmter Bestseller wurde. Danach folgten bislang sieben weitere Erfolgstitel: Preston liefert den wissenschaftlichen Hintergrund, Child arrangiert die Spannungsbögen. (Verlagsinfo)
|Preston & Child auf Buchwurm.info:|
[„Riptide – Mörderische Flut“ 71
[„Formula – Tunnel des Grauens“ 192
[„Ritual – Höhle des Schreckens“ 656
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ 1725
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ 2193 (Hörbuch)
[„Dark Secret – Mörderische Jagd“ 2809
_Der Sprecher_
Detlef Bierstedt ist die deutsche Stimmbandvertretung von George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG). Er hat unter anderem auch die Dick-Francis-Romane sowie Dan Browns „Diabolus“ gelesen.
Der Text wurde von Dr. Katharina Theml gekürzt. Die Intro- und Extro-Musik steuerten Horst-Günther Hank und Dennis Kassel bei. Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahmeleitung hatte Horst-Günther Hank inne.
_Handlung_
|New Orleans|
Der Literaturstudent Duane Michael wird im Hörsaal der Uni von New Orleans Zeuge eines schrecklichen Schauspiels. In Vertretung des alten Prof. Mayo hält heute Prof. Torrence Hamilton den Vortrag, Thema ist T. S. Eliots epochales Gedicht „Das Wüste Land“ von 1922. Doch kaum hat Hamilton ein paar Sätze vorgetragen, beginnt er sich zu verändern. Er sieht blass und schwitzt aus, sodann verängstigt, als habe er etwas Furchterregendes gesehen.
Er beginnt zu taumeln, verliert die Kontrolle, beginnt plötzlich sogar an seinem eigenen Gesicht zu kratzen. Das Auditorium starrt mit ungläubigen Augen auf das unbegreifliche Schauspiel, das keines ist. Der Professor schlägt sich ins Gesicht, bis Blut hervorspritzt, und dann tut er etwas völlig Unfassbares: Er reißt sich das Auge heraus. Da erst reagiert sein Assistent: „Ruft einen Arzt!“ Doch für den Professor kommt jede Hilfe zu spät. Das starke Nervengift, das ihm jemand verabreichte, hat seine Wirkung getan.
|Das Restaurant|
Horace Sattle, ein Vertreter für Maschinenteile, sitzt mit einem Kunden in einem französischen Restaurant in Manhattan, New York City. Horace ist gelangweilt. Da entdeckt er auf dem Oberlicht über sich einen Mann, der irgendwie von der Decke hängt, an dem Seil vermutlich, das ihm um den Hals geschlungen ist. Da, das Seil reißt, der Mann fällt – auf den Nachbartisch. Horace Sattle macht, dass er rauskommt, bevor die einsetzende Panik den Ausgang blockiert. Auf der Straße geht er gleich weiter. So aufregend hatte er sich den Aufenthalt in New York City aber nicht vorgestellt.
William Smithbeck, Starreporter der „New York Times“, eilt zum Ort des Geschehens, doch die Polizei hat bereits alles abgesperrt. Da bemerkt er zu seinem Erstaunen, dass im 24. Stockwerk des Hochhauses, in dem sich das Restaurant mit der Leiche befindet, ein Fenster offensteht. Der Reporter kombiniert haarscharf: Aha, der Mann am Seil stürzte sich vielleicht aus diesem Fenster – um sich zu erhängen?! Oder wurde er gezwungen? Ein schlauer Versuch, sich als Pizzabote verkleidet einzuschmuggeln, misslingt leider, aber er sieht wenigstens so echt aus, dass er eine Pizzabestellung bekommt.
|Alte Freunde|
Detective Sgt. Vincent Dagosta von der New Yorker Mordkommission sitzt gerade mit seiner Freundin Detective Captain Laura Hayward zusammen, als ein Mr. Proctor ihn abholt. Es sei dringend. Dagosta wird zu einer ihm vertrauten Adresse gefahren: Hier wohnte einst sein Freund, FBI Special Agent Aloysius Pendergast, der seit sechs Wochen tot ist, ermordet in einem italienischen Schloss (vgl. „Burn Case“). Constance Green, Pendergasts Mündel, übergibt Dagosta einen Brief, in dem Pendergast seinen Freund anweist, alles Nötige zu unternehmen, um seinen Bruder Diogenes Pendergast zu stoppen. Diogenes habe angekündigt, am 28. Januar das „perfekte Verbrechen“ zu begehen. Das ist in einer Woche.
Mit Hayward besucht Dagosta die Mutter der zwei ungleichen Brüder, Cornelia Pendergast. Er erfährt mehr über den üblen Charakter von Diogenes – und dass dieser seit 20 Jahren tot sei! Spielt ihm Aloysius einen Streich? Wohl kaum bei einer so ernsten Sache, meint Dagosta. Die Telefonrecherche erbringt nichts. Es steht nur fest, dass Diogenes ein Mann mit reichlichen finanziellen Mitteln wäre, wäre er am Leben: Er erbte 87 Millionen Dollar, nachdem seine Eltern bei einem Hausbrand umkamen. Im Lift seines Apartmenthauses wird Dagosta von einem verkleideten Türsteher gekidnappt: Es ist Aloysius.
Nicht nur, dass er wieder lebt – Diogenes habe ihn aus seinem italienischen Schlossverlies befreit und ins Krankenhaus gebracht. Er verlangt, dass sich Dagosta von seiner Freundin trennt. Das fällt Dagosta sehr schwer, denn er weiß, dass Laura es nicht verstehen wird. Da hat er völlig Recht. Sie schreibt ihn ab. Fortan hängt seine Zukunft völlig von Aloysius Pendergasts Aktionen gegen Diogenes ab.
|Das Museum|
Das Museum of Natural History, New York City, 2 Uhr morgens. Margo Green, die neue Chefredakteurin der vom Museum herausgegebenen Fachzeitschrift „Museology“ gibt die Druckfahnen für die neueste, sehr umstrittene Ausgabe in der Museumsdruckerei ab und strebt dem Ausgang zu, als sie ein Geräusch hört. Aber sie macht sich keine Sorgen, denn das neue Sicherheitssystem ist topmodern. Das Geräusch kommt wieder, ein Klappern. Ein Wachmann würde nicht klappern, nicht wahr? Sie schaut sich die Sache näher an.
Sie ruft. Böse Erinnerungen werden wach. Vor sieben Jahren gab es hier im Museum für Naturgeschichte eine Mordserie. Da sie unbewaffnet ist, greift sie sich ein Teppichmesser, das die Handwerker liegengelassen haben, die den Ausstellungsraum neu einrichten. Plötzlich geht das Licht aus. „Wer ist da?“, ruft sie, und ein unbekannter Mann antwortet ihr mit sanften und distinguiert formulierten Worten. Doch er verspottet sie, kichert. Sie schwingt das Teppichmesser, zweimal, und verletzt ihn. Jetzt ist Schluss mit lustig! Es erfolgt sofort ein Gegenangriff, bei dem ihr Handgelenk gebrochen wird. Bei der Welle des Schmerzes, die aus der Verletzung hervorgerufen wird, bemerkt sie den Schlag in ihren Rücken fast nicht, dort, wo nun ein Messer steckt …
|Schlussfolgerung|
Laura Hayward sieht das Muster, das die Spuren ergeben, immer deutlicher vor sich. Aus seltenen Fasern, einzigartigen Seilknoten, Blutspuren am Messer Margo Greens und aus Spuren bei der Leiche des FBI-Agenten Mike Decker geht nur ein Ergebnis hervor: Alle vier Opfer haben mit einem einzigen Mann zu tun, zu dem alle Spuren passen: Aloysius Pendergast. Das FBI schaltet sich ein. Es will den Verräter aus seinen eigenen Reihen gnadenlos jagen.
_Mein Eindruck_
Aloysius Pendergast ist zwar ein seltsamer Kauz, aber er hat unsere Sympathien, denn erstens ist er ein sehr einfallsreicher Mann – ebenso wie sein Bruder Diogenes – und zweitens ist er fähig, aufrichtig zu lieben, und das unterscheidet ihn ganz erheblich von seinem Gegenspieler. Pendergast liebt sowohl Viola Mascarine, die italienische Geigenvirtuosin, als auch sein Mündel Constance Green (die wohl mit Margo Green verwandt sein könnte, aber das wird in dieser Textfassung nicht näher erläutert). Natürlich versucht Diogenes, diese beiden Damen gegen Aloysius zu verwenden, um ihn daran zu hindern, ihm beim „perfekten Verbrechen“ in die Quere zu kommen.
Wer sich nun fragt, warum dies einen Mann wie Pendergast kümmern sollte, verkennt ihn völlig. Er ist kein Rächer von Waisen und Witwen, sondern er steckt in einer argen Klemme, in die ihn sein Bruder hineinmanövriert hat: Alle vier Todesfälle des Januar scheinen auf Aloysius‘ Konto zu gehen, dafür hat Diogenes sorgfältig gesorgt. Wir werden daran erinnert, dass Diogenes seinen Bruder in ein italienisches Krankenhaus brachte und alle Zeit der Welt hatte, um Fasern, Haare, Blutproben an sich zu nehmen – DNS-Spuren, die die New Yorker Polizei nun eifrig auswertet. Laura Hayward hat bereits die nötigen Schlüsse gezogen. Aloysius kann nur auf einem Wege seine Unschuld beweisen: Er muss Diogenes präsentieren.
|Das perfekte Verbrechen|
Leichter gesagt als getan. Denn der Mann scheint so gut wie unsichtbar zu sein. Sogar die Art und Weise, wie er im Naturhistorischen Museum sein „perfektes Verbrechen“ begeht, lässt ihn nicht ins Licht treten. Vielmehr rätseln alle, welcher Museumsmitarbeiter dem Täter geholfen habe könnte. Denn jemand muss das nagelneue Sicherheitssystem ja ausgetrickst haben.
Mit einem weiteren Trick versucht Diogenes seinen Bruder kaltzustellen. Er lädt Viola Mascarine nach New York City ein, kidnappt sie und hält sie gefangen – eine Geisel, um Aloysius willfährig zu machen. Doch Aloysius hat Dagosta und weitere Helfer, die technisch versierter sind als sie beide zusammen. So gelingt es ihm, seinerseits Diogenes auszutricksen. Nun braucht er nur noch den Tausch seines Unterpfandes gegen Viola zu veranlassen. Showtime, Bruderherz!
|Ungleiche Brüder|
Obwohl wir den Charakter von Aloysius bereits zu kennen glauben, schüren die Vorfälle doch erhebliche Zweifel an seiner Integrität. Zugleich wecken eingehende Beschreibungen von Diogenes gewisses Verständnis für ihn, wenn nicht sogar Sympathie. Diogenes ist ein sehr intelligenter Mann, der nur ein Problem hat: Wie kann er seinem sinnlosen Leben auf diesem elenden Dreckklumpen von Planeten einen Sinn verleihen? Die einzige Antwort, die ihm – neben Suizid – einfällt, ist die Rache an seinem Bruder, der ihm in seinen Augen einiges an Wiedergutmachung schuldig ist. Dieser wunde Punkt wird ihm zum Verhängnis.
|Humoreinlage|
Wir bekommen eine hübsche Humoreinlage serviert. Zu seiner eigenen Sicherheit wird Reporter William Smithbeck in eine Irrenanstalt eingewiesen. Seine Versuche, dort wieder herauszukommen, um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren (das kann in Amerika ganz schnell gehen), sind rührend vergebens, denn sie werden von Direktor Tysander stets abgeschmettert. Nur den letzten Versuch lässt er gelten – aber da ist es schon der 29. und für Smithbeck besteht keine Gefahr mehr. Wie sich der Reporter als rebellischer Insasse aufführt, ist bemerkenswert und sehr ironisch.
|Der Sprecher|
Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt kompetent und deutlich artikuliert vorgetragen, so dass man dem Text mühelos folgen kann. Er muss sich nicht besonders anstrengen, denn die amerikanischen und italienischen Namen auszusprechen, ist diesmal kein großes Kunststück für einen Mann mit Allgemeinbildung. Mehrmals war ich von seiner Kenntnis der Aussprache bestimmter Begriffe und Namen beeindruckt. Allerdings spricht er den englischen Ortsnamen Threadneedle Street falsch aus. Statt [thridnidl] muss es [thrädnidl] lauten. Aber mehrmals musste ich auch über seine Betonung deutscher Wörter die Stirn runzeln.
Da sich die Anzahl der Figuren sich in Grenzen hält, gerät man nie in Gefahr, die Übersicht zu verlieren. Bierstedt versucht sein Möglichstes, die Figuren zu charakterisieren. Das gelingt ihm am besten bei den beiden Pendergast-Brüdern: Sie sollen laut Buch einen weichen Südstaatenakzent haben und klingen sanft und kultiviert. Die New Yorker Cops hingegen sind das genaue Gegenteil: hart und rau, mit einer tiefen Stimmlage. Es gibt nur eine Stimmlage, die noch tiefer ist: Direktor Tysander, ein richtig väterlicher Typ.
Alle Frauenfiguren sind mit der gleichen hohen, sanften Stimmlage charakterisiert – mit zwei Ausnahmen. Laura Hayward, die Polizistin, und Margo Green, die Chefredakteurin, klingen wesentlich energischer und tiefer als etwa Constance Green oder Viola Mascarine.
Bei so wenig Abwechslung in den Stimmlagen kommt es darauf an, die stimmliche Expressivität der jeweiligen Szene anzupassen und so den Ausdruck emotionaler und abwechslungsreicher zu gestalten. Dies gelingt dem Sprecher wesentlicher erfolgreicher, und so kann sich der Hörer über Jammern, Verzweiflung, Hysterie, Schniefen, Stammeln, Verlegenheit, Angst, Spott, Arroganz, Sarkasmus, Nervosität, Erleichterung, Erschütterung, Aufregung, Besorgnis, Freude und viele andere Gefühlsausdrücke freuen. Ganz eindeutig ist dies Bierstedts eigentliche Stärke.
|Musik|
Die Musik erklingt als In- und Outro nur am Anfang und Ende des Vortrags. Das Motiv aus Drums, Bässen und Streichern hat mich an nichts so sehr wie an das Titelmotiv von „Die purpurnen Flüsse“ erinnert. Geräusche gibt es hingegen keine.
|Zu lang, zu zerbrechlich|
Insgesamt erschien mir der Text, obwohl gekürzt, noch immer zu lang, und so manche charakterisierende Szene hätte wegfallen können. Inzwischen hat wohl auch der Verlag gemerkt, dass es nicht immer sechs CDs für einen Thriller sein müssen – fünf tun es genauso gut, so etwa bei „Der letzte Coup“ von James Twining. Diese Produktion vom September 2006 ist eine der letzten, die noch in der alten, gewohnten Jewel-Case-Ausstattung produziert wurde. Inzwischen werden die CDs in einer raffinierten neuartigen CD-Halterung untergebracht. Sie hat den Vorteil, dass die mittleren Halterungszähne nicht mehr abbrechen können – es gibt sie nicht mehr.
_Unterm Strich_
Dies ist auf den ersten Blick nur ein weiterer Thriller aus der Schreibfabrik Preston und Child, die schon solche Kracher wie „Relic“ verbrochen haben (der übrigens ebenfalls im New Yorker Naturgeschichtsmuseum spielt). Action, Geheimnis, ein Superverbrecher – es sind alle Zutaten vorhanden. Und diesmal versteigen sich die Autoren auch nicht zu abstrusen Ausflügen ins Übernatürliche. Alle Leute bleiben schön auf dem Teppich der erklärbaren Tatsachen. Klerikalthriller à la [„Sakrileg“ 1897 gibt es eh schon genügend.
|Sherlock|
Wenn Aloysius Pendergast der Sherlock Holmes dieser Kriminalhandlung ist, so spielt sein Bruder die dunklere Hälfte seines Ichs, nämlich Professor Moriarty, das Verbrechergenie. Sgt. Dagosta fällt die Rolle des Dr. Watson zu, und stets gilt es auch, eine junge Dame in Not vor dem Schlimmsten zu retten, und das ist diesmal Pendergasts Herzensdame Viola Mascarine (welch ein schöner Name).
|Ennui|
Was nach einem Plot aus dem viktorianischen Zeitalter klingt, ist es aber bei näherem Hinsehen nur noch hinsichtlich der bewährten Strukturen für Detektivgeschichten, die bislang nicht wesentlich weiter entwickelt worden sind (mit Ausnahme der Schwedenkrimis). Ganz dem 20. Jahrhundert gehört die Krankheit des |ennui| an, unter welcher der Existenzialist Diogenes Pendergast leidet, die völlige Sinnentleertheit des Daseins.
Nur der Gedanke an Rache und das Streben nach dem perfekten Verbrechen vermögen ihn noch zu motivieren. Er ist auch ein Ästhet, der sich an schönen Farben, festgehalten in kostbaren Objekten, zu erfreuen vermag. Nur die Methode, wie er an diese Objekte zu gelangen pflegt, ist höchst verwerflich. Das Hörbuch lässt für das Porträt dieses ungewöhnlichen Verbrechers trotz der Kürzungen noch genügend Raum, dass uns sein ungewöhnlicher Charakter deutlich wird. Danke, Dr. Hoven!
|Das Hörbuch|
Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt in gewohnter Weise kompetent gestaltet, bietet aber ansonsten keine Zutaten wie etwa Musikuntermalung oder gar eine Geräuschkulisse. Über Bierstedts Fehler in Aussprache und Betonung könnte ich mich aufregen, tu ich aber nicht.
Vielleicht ist es wegen der begrenzten Ausstattung hinsichtlich Musik und Geräuschen ein wenig preisgünstiger als ähnliche Produkte mit sechs CDs ausgefallen. Es kostet knapp 20 Euronen, drei weniger als das erste Hörbuch der Preston/Child-Serie und Aloysius Pendergast. Das ist doch mal ein Fortschritt.
|Originaltitel: Dance of Death, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Michael Benthack
427 Minuten auf 6 CDs|
http://www.luebbe-audio.de
Die schwedische Ferieninsel Gotland bereitet sich auf den Mittsommer vor, die Hochsaison für den Tourismus. Helena und Per haben Freunde zum Fest eingeladen, doch die Party endet in bitterem Streit. Im Morgengrauen bricht Helena zu einem Spaziergang am Meer auf. Stunden später wird ihre Leiche gefunden. Sie wurde mit einer Axt erschlagen und mit ihrer Unterwäsche geknebelt, ihr Hund liegt enthauptet daneben.
Alles sieht nach einem Eifersuchtsdrama aus, und Hauptkommissar Robert Anders nimmt Per in Haft. Doch die Ruhe ist trügerisch. Als auf dem Friedhof des Hauptortes Visby eine auf gleiche Weise ermordete Frau gefunden wird, ahnt Anders, dass er es mit einem Serienmörder zu tun hat. Verzweifelt sucht er nach einer Verbindung. Nur wenn er den Plan des Mörders kennt, kann er weitere Morde verhindern. Doch Politik und Presse setzen ihn zunehmend unter Druck. Mari Jungstedt – Den du nicht siehst (Hörbuch) weiterlesen →
Als Jade, Opale und Ambre an ihrem 14. Geburtstag die zu ihren Namen passenden, geheimnisvollen Steine überreicht bekommen, erkennen sie, dass ihnen eine große Aufgabe bevorsteht. Sie können sie nur gemeinsam bewältigen, obwohl sie dabei angeblich Gegnerinnen seien. Ein Orakel soll ihnen die Prophezeiung zu ihren Steinen deuten. Dazu müssen sie die bekannte Welt verlassen – und sehen sich unvermittelt in eine Fehde hineingezogen. Welche von ihnen wird den Erwählten finden, der das Land von seinem Joch befreit? Welche von ihnen wird die Gabe erkennen, dem Land zu neuem Leben zu verhelfen? Und welche von ihnen ist gefährlich wie der Tod?
_Die Autorin_
Flavia Bujor, Tochter einer Psychoanalytikerin und eines Bildhauers, hat ihren Roman „Das Orakel von Oonagh“ bereits mit zwölf Jahren geschrieben und ein Jahr später beendet. Ursprünglich als Fortsetzungsroman gedacht, hat sie diesen an ihre Klassenkameradinnen verteilt, bevor ein Verlag darauf aufmerksam wurde. Mittlerweile ist der Roman in über 16 Länder verkauft worden. Die Tochter rumänischer Einwanderer gibt als Lieblingsautoren J. R. R. Tolkien und Michael Ende an und lebt in Paris.
_Die Sprecherin_
Kornelia Boje, geboren in Berlin, ist Autorin, Schauspielerin, Regisseurin und Fotografin. Sie hat in vielen Städten Theater gespielt und für Rundfunksender gearbeitet. Boje ist als Synchronsprecherin tätig und hat viele Hörbücher eingesprochen. Heute lebt sie in München und Berlin.
Gabriele Kreis führte bei der Aufnahme im Eimsbütteler Tonstudio 2007 Regie. Die Titelillustration stammt von Dieter Wiesmüller.
_Ausgewählte Figuren_
Jade: Tochter des Herzogs von Divulyon, stolz, aber tatkräftig
Ambre: Bauernmädchen, liebt die Sonne und Geschichten, verträumt, aber hilfsbereit
Opale: Bürgerstochter, introvertiert und kühl, wächst bei ihrer Urgroßtante Eugénia auf
Adrien de Rivebel: hilft den Mädchen beim Übertritt in die andere Welt
Der Rat der Zwölf: herrscht über das LAND und wird angeführt von dem geheimnisvollen 13. Mitglied
Neophileus: ist der Urheber der Prophezeiung und stammt aus dem Volk der Clohryuner
Jean Losserand: ein junger Mann, der mit alten Büchern handelt
Amnhor: von Berufs wegen Heiler
Lloghin: noch ein Heiler
Loorine, Mairenith und Janelle: drei Nalyssen von nicht sehr gutem Charakter
Bumblinks: schalkhafte Waldwesen im Lande Mär
Ghibduls: merkwürdige Wesen von kleinem Wuchs
Orlaith: Tochter von Tivann de l’Orleys, dem Besitzer eines Zauberrings
Arthur de Farrière, Gohral Keull: freien um Orlaiths Hand
U.v.a.m.
_Handlung_
In einem Pariser Krankenhaus des Jahres 2002 träumt ein sterbenskrankes Mädchen namens JOA …
Die stolze Jade bekommt von ihrem Vater, dem Herzog, an ihrem 14. Geburtstag mitgeteilt, er sei gar nicht ihr richtiger Vater, gibt ihr einen schönen Stein aus – was wohl? – Jade und befiehlt, zwei andere Mädchen wie sie an einem bestimmten Ort zur vorbestimmten Zeit zu treffen. Nur so könne die Prophezeiung des Neophileus eingehalten werden. Dummerweise sagt er ihr nicht, was es mit dem Stein auf sich hat.
Die bürgerliche Opale hat gar keine Eltern, sondern ist bei ihrer Großtante Eugenia und deren Tochter Gina aufgewachsen. Die Blondine hat wasserblaue Augen und war noch nie verliebt. In den Sachen der Großtante stößt sie auf ein vergoldetes Buch mit dem Titel „Die Prophezeiung“ und einen Samtbeutel, in dem sich ein blau schimmernder Stein befindet. Als sie ihn berührt, sendet der Stein eine Botschaft an Unbekannte ab, eine telepathische Verbindung wird hergestellt, doch als Opale den Stein loslässt, bricht diese ab. Der Rat der Zwölf weiß nun, dass die Prophezeiung ins Werk umgesetzt wird. Die Großtante gibt Opale um Mitternacht den Stein und befiehlt ihr, zwei Mädchen zu treffen: „deine Gegnerinnen“.
Die bäuerliche Ambre (= Bernstein) ist traurig, als sie ans Sterbebett ihrer Mutter gerufen wird. Obwohl die Mutter ihr sagt, sie sei gar nicht ihre leibliche Mutter, weint Ambre um sie. Ambre bekommt einen gelblichen Stein in einem Beutel, bevor ihre Mutter mit einem Lächeln auf dem Gesicht zufrieden stirbt.
|Das Treffen|
Wie befohlen, treffen sich die jungen Frauen unter einem Baum um Mitternacht. Angeblich seien sie Gegnerinnen, glaubt Jade, doch Opale fragt, wozu sie dies sein sollen. Sie präsentieren ihre Steine, drücken sie gleichzeitig und werden mental zu einer Einheit. Sie sehen vor ihrem geistigen Auge ein Symbol aus Kurven und Spiralen. Sind die Steine auch Wegweiser? Jade fragt eine Bäuerin, bei der sie übernachten darf, nach dem Symbol. Sie soll in die Stadt gehen, zu ihrem Sohn Jean Losserand, der sei gelehrter als sie, aber er habe viele Feinde. Denn Jean war in dem magischen Reich, das Die Mär genannt wird, und dessen Zutritt der Rat der Zwölf verboten und durch ein Magiefeld verwehrt hat. Jean sei nach drei Jahren Gefängnis wieder frei und werde bewacht.
Opale empfängt eine mentale Botschaft: Vor ihnen liege die Stadt Nathyrnn, der Erwählte werde kommen, und sie drei würden sterben, Opale zuerst. Als die Steine ihnen keine Auskunft über diese Botschaft geben, durchschaut Jade sie als Lüge und besteht darauf, nach Nathyrnn zu gehen.
|Die Mär|
Ein Ritter, der sein Gedächtnis verloren hat und verletzt ist, begegnet einem Wesen in Menschengestalt, das sich als Elfohrys vorstellt. Der nur achtzehnjährige Ritter, ein Ovalyn, nennt sich Der Namenlose. Das freut Elfohrys, denn in der Prophezeiung wird der Erwählte auch Der Namenlose genannt. Als sie an den See der Qualen gelangen, erscheint eine Nixe und überreicht dem Namenlosen ein schönes Kästchen: Es ist leer. Was mag es wohl enthalten?
Der Ritter will in die ferne Stadt Thaar, doch Elfohrys empfiehlt ihm, zuerst zum Orakel des Oonagh zu gehen, um herauszubekommen, ob er sich auf dem richtigen Weg befinde. Der Ritter wird Ziel eines ersten geistigen Angriffs der kriegerischen Ghibduls, hat er doch deren Freunde, die Bumblinks, bekämpft. Weil der Ritter mit Hilfe des Kästchens den Angriff abwehren kann, beratschlagen die Ghibduls in ihrem Walddorf, wie sie ihn angreifen können. Der nächste Angriff findet den Namenlosen im Tiefschlaf vor, und der Ritter erwacht erst wieder gefesselt. Aber nur, um einer harten Prüfung unterzogen zu werden …
|Die Stadt Nathyrnn: Revolution No. 1|
Opale gelingt es, mit ihrem unverfrorenen Verhalten und einer faustdicken Lüge – sie sei Agentin des Rates der Zwölf – die Wache der Ordensritter zu überwinden und Zutritt zur Stadt Nathyrnn zu erlangen. Sie finden Losserands Buchladen ohne Probleme, doch dann müssen sie sein Misstrauen überwinden. Sind sie vielleicht Spione des Rates der Zwölf? Aber nein, denn Jade wettert gegen den Rat und erwähnt die Prophezeiung, die sie mittlerweile auswendig kennt: Der Erwählte wird kommen und die Armee des Lichts gegen die Armee der Finsternis führen, um in einer Schlacht die Mär von der Unterjochung durch den Rat zu befreien.
Losserand erkennt das Symbol, das die Mädchen ihm beschreiben, als das Symbol des Oonagh. Es stamme von einem magischen Wesen in der Mär, das in einer Kristallhöhle auf einem Berg lebt und in den Herzen der Menschen lesen könne. Doch um zum Oonagh zu gelangen, müssen sie erst einmal die Mär betreten, deren Zutritt der Rat verwehrt hat. Losserand rät ihnen, Adrien de Rivebel aufzusuchen. Er sei zwar erst 16 Jahre alt, ein Sohn von Rittern, der unbedingt in die Mär wolle.
Zur Erleichterung der Mädchen ist Adrien kein Träumer, sondern ein Mann mit Tatkraft – und er hat sogar einen Plan! Er habe zwar Oonagh getroffen, sei aber nicht der Erwählte, versichert er. Während sich Opale sofort in ihn verliebt, erläutert er Jade seinen Plan. Man müsse einen Schlafbann über die Stadt legen, sich selbst aber natürlich gegen dessen Wirkung schützen. Der Bann würde die Ordensritter außer Gefecht setzen, und vorher müsse man die Bewohner der Stadt zur Flucht auffordern, sobald die Wirkung des Banns nachließe. Das erweist sich als kein Problem, denn die magischen Steine verleihen den Mädchen die Kraft, per Telepathie die Botschaft vom Bann an alle Bewohner, die es interessieren soll, zu senden.
Der Plan gelingt, doch obwohl sie die Stadt Nathyrnn verlassen können, sind sie doch noch lange nicht in der Mär. Deren Grenze ist schon in Sichtweite, da treten deren Bewacher auf. Und selbst wenn sie diese überwinden könnten, wie sollen sie durch die magischen Grenze gelangen, die doch von den Märwesen aus genau diesem Grund errichtet wurde?
Wie die Mädchen herausfinden, gibt es nur eine Methode, ins magische Reich zu gelangen: Man muss an das Unmögliche glauben …
|Paris, 2002.|
Das Mädchen in seinem Krankenbett denkt an den Mann Elie Ador, den sie liebte und der sie verließ. Im Traum, den sie nun webt, heißt er Elyador und wird das Schicksal der Welt entscheiden …
_Mein Eindruck_
Wie schon oben deutlich gemacht, handelt es sich bei der Geschichte von Jade, Opale und Ambre keineswegs um ein Abenteuer aus quasi historischer Zeit, wie es noch Tolkien vorgeben konnte, als er seine Parallelwelt Mittelerde (übrigens nach nordischen Vorbildern) schuf. Sowohl die Welt, in der die Mädchen aufwachsen, als auch Die Mär selbst gehorchen zwar den Gesetzen der Physik, doch ansonsten sind sie ziemlich der bekannten Geschichte enthoben. Wo kommen die Ordensritter und der Rat der Zwölf her? Warum sich die Ratsmitglieder telepathisch verständigen? Dass es im Draußen Herzöge gibt und in Der Mär Ritter, macht überhaupt keinen Unterschied, denn beide haben für die Imagination der Autorin den gleichen Status: Es sind typisierte Figuren, auf die sie nach Belieben zurückgreifen kann.
Deshalb erübrigen sich Fragen, ob diese Figuren gesellschaftlich glaubwürdig und die Handlung realistisch sind. Genauso gut könnte man fragen, ob der Tod das Recht hat, in den Streik zu treten. Vielmehr stellen sich Fragen nach dem Warum und dem Wozu der Binnenhandlung um die drei Mädchen.
Wie in Fantasygeschichten üblich, befindet sich das magische Reich in Gefahr und die Welt im Allgemeinen in einem Ungleichgewicht. Dies bezieht sich darauf, dass der Rat der Zwölf die Freiheit im Draußen unterdrückt und sich anschickt, auch Die Mär mit Hilfe einer fünften Kolonne, der Armee der Finsternis, seiner Herrschaft zu unterwerfen. Doch wo sind sie, die rettenden Kräfte der Freiheit und des Lichts?
An diesem Punkt kommen die drei von der Prophezeiung ausgewählten Mädchen ins Spiel. Dumm nur, dass zwei ihrer Eltern ihnen erzählen, dass die jeweils anderen zwei ihre Gegnerinnen seien. Dass sie sich schließlich doch zusammenraufen, lässt uns erleichtert aufatmen. Aber was soll die Prophezeiung, dass eine von ihnen gefährlich sei wie der Tod und sie zum Sterben auffordern werde? (Vorausgesetzt, der Tod arbeitet gerade wieder.)
Es gibt also sowohl eine innere Spannung zwischen den drei Auserwählten als auch eine äußere Spannung, die durch die Frage entsteht, ob sie Die Mär retten können. Nun kommt ein weiterer Faktor X hinzu, nämlich der Erwählte. Welche von ihnen wird ihn finden und ihn gegen alle zu erwartenden Anfeindungen und Zweifel verteidigen? Kitzliger wird die Sache noch dadurch, dass der Erwählte selbst abstreitet, dies zu sein, sich Der Namenlose nennt, durch diverse Instanzen offenbart werden muss (die Ghibduls, die Ringprobe usw.) und schließlich dazu motivieren ist, die Armee des Lichts in die finale Schlacht gegen die Finsternis zu führen.
Dieser Werdegang erinnert stark an die Entwicklung, die auch Aragorn durchlaufen muss: vom anonymen Waldläufer zum Anführer einer Dreimanntruppe bis zum Heerführer und schließlich König. Auch Der Namenlose lebt im Exil, doch in dem der Erinnerung. Und was sich enthüllt, nachdem man ihm seine Erinnerung zurückgibt, stellt ihn auf eine harte Probe, auch in den Augen seiner Gefolgsleute. Als Opale ihn trotzdem unterstützt, offenbart sich, dass die drei Mädchen eine Autorität besitzen, die man ihnen nicht zugetraut hätte. Und zwar einfach deswegen, dass sie zwar besser ausstaffiert sein mögen und auch prophezeit sein mögen, aber ansonsten über keinerlei verdienstmäßige Rechtfertigung für ihr bestimmendes Auftreten vorbringen können. Hier verrät sich das Wunschdenken der Träumerin (lies: die sehr junge Autorin).
Im Unterschied zu Tolkien gibt es in der Handlung zwei wichtige Instanzen, die in kindlicher Gestalt dargestellt werden. Das ist zum einen das Orakel des Oonagh in seinem von allegorisch dargestellter Angst geschützten Berg. Und zum anderen ist dies der Tod, der hier überhaupt nicht als Sensenmann daherkommt, sondern als kleines Mädchen. Und weil es sich nicht angemessen geliebt fühlt, ist es kurzerhand bockig in den Streik getreten. Die drei Mädels können unter Beweis stellen, welche Mutterqualitäten in ihnen stecken, wenn sie das bockige Kind wieder dazu motivieren, die Leute bitteschön doch wieder sterben zu lassen. Es ist eine der komischsten und gelungensten Szenen des Buches.
Am Schluss hat sich die kranke Träumerin des Jahres 2002 selbst therapiert, denn der Traum hat ihr den Kummer um den verlorenen Elydor alias Elie Ador genommen. Nun kann sie neue Hoffnung schöpfen und sich neuen Aufgaben und Abenteuern zuwenden.
|Die Sprecherin|
Kornelia Boje ist hörbar ein „älteres Semester“ und klingt wie eine Märchentante. Das ist angesichts des hauptsächlich fantasymäßigen Inhalts der Geschichte recht passend. Ihr Vortrag strahlt sowohl Sympathie für die drei Heldinnen als auch die Autorität des über der Geschichte stehenden Chronisten aus. Die Revolutionen, die Heldinnen anzetteln, sind ja kein Spaziergang, und so ist es für die Sprecherin notwendig, auch die harten Seiten des magischen Reiches auf glaubwürdige Weise zu zeigen, beispielsweise die Prüfung des Namenlosen, ob er der Erwählte sei.
Es ist nicht einfach, die Stimmen dreier gleichaltriger junger Mädchen so zu variieren, dass sie unterscheidbar werden. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass sich Ambre und Opale stets recht sanft ausdrückten, Jade, die Adlige, hingegen stets recht energisch und befehlshaberisch. Das gilt aber nur generell, denn natürlich ist auch dies wiederum von der jeweiligen Stimmung abhängig. Als Jade erfährt, dass sie ihren „Vater“ verlassen soll, jammert sie erwartungsgemäß über dieses harte Los. Und Ambre sowie Opale klingen nicht immer niedergeschlagen und sanft, sondern auch mal fröhlich.
Die Intonierungen der Männerfiguren sind dementsprechend tiefer, doch sie sind fast ununterscheidbar, denn sogar die Männer sind meist Jungs zwischen 16 und 18 Jahren. Ganz anders hingegen Jades Vater, der Herzog, sowie die diversen Mitglieder des Rates der Zwölf. Ganz besonders gefiel mir Bojes Darstellung des 13. Ratsmitglieds, das sich stets im Hintergrund gehalten hat. In dessen Präsenz findet ja der Showdown statt, während draußen auf dem Schlachtfeld die Armeen aufeinander treffen. Das namenlose Ratsmitglied ist eine Mischung aus Saruman und Gríma Schlangenzunge: kalt, spöttisch, verächtlich, einschmeichelnd – kurzum, ein Ausbund an Manipulation und Bosheit.
Ganz anders hingegen der Oonagh. Das Orakel erscheint in Gestalt eines Jungen, dessen Stimme angemessen hoch wie die eines Kindes ist. Es gibt noch ein weiteres Kind, nämlich den Tod. Dort äußert sich die Kindlichkeit in einer sich steigernden Komik.
Ich könnte noch viele weitere Beispiele anführen, aber eines ist klar: Boje vermag ihren stimmlichen Ausdruck flexibel sowohl den Figuren als auch den Szenen anzupassen und stets den richtigen emotionalen Ausdruck zu präsentieren. Man sollte mehr von ihr hören.
|Geräusche bzw. Musik|
Der Hörer wird schon am Anfang auf das Hörbuch eingestimmt, mit einem sanften Klang, der von einem mir unbekannten Instrument erzeugt wird (es könnte sich um eine metallene Schüssel handeln, deren Rand gestrichen wird). Dieser Sound wird durchgehend wiederholt, wechselt aber auch je nach Bedarf mit einem leisen „Ping!“ ab, wie es von einem Triangel erzeugt wird. Diese Klänge – ein Mittelding aus Musik und Geräusch – werden als Interpunktion eingesetzt, um die einzelnen Szenen voneinander abzusetzen. Die Gesetzmäßigkeit, nach der diese Interpunktion erfolgt, hat sich mir aber nicht erschlossen.
Völlig andersartig ist die klangliche Zeichensetzung bei den kurzen Szenen, die im Krankenhaus spielen. Am Anfang hören wir den Pulsschlag eines Herzens, der allmählich verklingt. Am Ende der Szene fällt eine Tür ins Schloss, was andeuten könnte, dass die Visite eines Arztes oder einer Krankenschwester beendet ist.
Das einzige Geräusch, das ich wirklich als solches bezeichnen könnte, ist das Zwitschern von Vögeln, als der Namenlose und Elfohrys durch die Botanik der Mär wandern.
|ACHTUNG: Kürzungen|
Ich war in der glücklichen Lage, den Vortrag mit der Buchvorlage vergleichen zu können. Dabei fielen mir massive Kürzungen auf, die sich Pi mal Daumen geschätzt auf rund 40 bis 50 Prozent des Originaltextes erstrecken. Will heißen: Dies ist nur das halbe Buch!
Ganz besonders ist die Kürzung an der Tatsache abzulesen, dass ein komplettes Kapitel fehlt. Von den drei „Nalyssen“ Loorine, Janelle und Mairénith findet sich daher keine Spur. Das ist allerdings, was den roten Faden anbelangt, kein großer Verlust, und die Übersichtlichkeit profitierte vielleicht davon. Aber wer sich allein das Hörbuch anhört, sollte wissen, dass er auf einen Teil des Buches verzichtet.
_Unterm Strich_
Die meisten Leser dürften sich wohl nur für die Binnenhandlung interessieren und darüber wundern, wie zusammenhanglos und episodisch diese aufgebaut ist, wie viele Allegorien es gibt und dass die ganze Sache wohl nicht besonders gut durchdacht ist. Macht überhaupt nichts. Denn dies alles ist ja eh nur ein Traum eines Mädchen im Paris Jahres 2002, und Träume haben per se die Lizenz zum Unlogischsein.
Dabei ist die Rahmenhandlung nicht bloß ein Vorwand, um dem Leser eine lange Nase zu drehen, sondern steht in innerem Zusammenhang zum Traum, also der Fantasy, denn sonst könnten nicht die Namen von Elyador = Elie Ador und Joana = JOA = Jade, Opale, Ambre auf beiden Ebenen quasi identisch sein.
Der Leser bzw. Hörer kann sich also daran freuen, dass es eine ganze Reihe von charmanten und humorvollen Szenen gibt, an die man sich auch später noch gerne erinnert, weil sie mit aufrichtiger Emotion aufgeladen sind, so etwa die Ringprüfung, die Begegnung mit dem Tod und die finale Auseinandersetzung mit dem 13. Magier.
|Das Hörbuch|
Der Hörer sollte sich darüber im Klaren sein, dass die gebotene Fassung gegenüber dem Original beträchtlich gekürzt worden ist. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn der rote Faden in der Geschichte tritt umso deutlicher hervor. Dadurch kommt kaum jemals Langeweile auf, sondern die Handlung schreitet stets zügig voran – derart zügig, dass sich der Hörer nach einer Weile fragt, ob die drei Heldinnen jemals eine Verschnaufpause gegönnt bekommen.
Die Sprecherin macht ihre Sache, wie ich finde, sehr gut und trägt den Text mit dem gebotenen gefühlsmäßigen Engagement vor. Diverse Klänge dienen auf kuriose Weise der Interpunktion zwischen den einzelnen Szenen, die ziemlich schnell wechseln, ganz besonders am Anfang. Der Hörer erhält eine Orientierung und weiß Bescheid, dass nun die eine Szene endet und die nächste beginnt. Schade, dass irgendwelche sonstigen Geräusche fast völlig (Vogelzwitschern, Türschlagen) ausgeblendet wurden.
|Originaltitel: La prophétie des pierres, 2002
Aus dem Französischen übersetzt von Roseli und Saskia Bontjes van Beek
317 Minuten auf 4 CDs|
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„PS: Freue mich auf morgen“, lautete die letzte Mail von ElCapitan an Lainey. Seitdem ist die Dreizehnjährige nicht mehr nach Hause gekommen. FBI-Agent Bobby Dees glaubt nicht daran, dass Lainey einfach nur abgehauen ist, und er weiß, wovon er spricht: Dees‘ Tochter Katy ist vor einem Jahr verschwunden, und er sucht immer noch nach ihr. Als Dees ein verstörendes Gemälde zugespielt wird, sieht er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Es zeigt eine junge Frau, die gefoltert wird. Sie hat kein Gesicht, doch in einer Ecke erkennt er Laineys Schultasche … (Verlagsinfo) Jilliane Hoffman – Mädchenfänger (Lesung) weiterlesen →
Die Ewigen Krieger stammen aus den fernen Galaxien der Superintelligenz ESTARTU und herrschen in der Milchstraße. Doch immer mehr Galaktiker wehren sich gegen sie.
So stellen sich die Haluter gegen Sotho Tyg Ian, den Anführer der Besatzungstruppen. Zur gleichen Zeit schmiedet der geheimnisvolle Große Bruder eine neue Koalition. Unter seiner Federführung bereitet sich der Widerstand auf einen Schlag vor, der die Macht des Sothos entscheidend schwächen soll.
Auch in der kleinen Galaxis Fornax spitzt sich die Lage zu. Galaktiker sind auf der Spur der mysteriösen Wissenden. Was wissen die heimlichen Herrscher über die katzenähnlichen Kartanin? Was sind ihre düsteren Geheimnisse? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Welcher Krieger hier stirbt, das erfahren wir erst mal noch nicht. Los gehts in einer Pyramide, was ich wesentlich spannender fand als die folgende Sitzung des Galaktikums, auf der Julian Tifflor vorschlägt, dass die Haluter austreten.
_Unter Verdacht: Gegen Harry Bosch wird ermittelt!_
Die bizarre Bilderwelt des Hieronymus Bosch scheint die entscheidenden Hinweise zur Aufklärung eines Mordes in Los Angeles zu geben. Diesmal arbeiten Michael Connellys zwei Oberschnüffler Harry Bosch und Terry McCaleb erst gegeneinander, dann zusammen an einem Fall, der ihnen beiden das Genick brechen könnte.
_Der Autor_
Michael Connelly war jahrelang Polizeireporter in Los Angeles und lernte das Polizeigewerbe von außen kennen. Bekannt wurde er mit seinen Romanen um die Gesetzeshüter Harry Bosch und Terry McCaleb, zuletzt besonders aufgrund der Verfilmung von „Das zweite Herz / Blood Work“ durch Clint Eastwood. Zuletzt erschienen „Der Mandant“, „Vergessene Stimmen“ und „Die Rückkehr des Poeten“ auf Deutsch.
Engelbert von Nordhausen wurde 1948 in Schmölln, Thüringen, geboren, seine Kindheit verbrachte er in West-Berlin. Ab 1966 nahm er Schauspielunterricht, bekam 1969 sein erstes Engagement an der Landesbühne Iserlohn, es folgten das Theater Saarbrücken, die Freie Volksbühne Berlin und das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. 1988 begann seine Zeit als Dialogregisseur und Dialogbuchautor für die Synchronbranche, die bis heute währt.
Nordhausen ist die deutsche Stimmbandvertretung für die Hollywoodschauspieler Gene Hackman, Samuel L. Jackson und Bill Cosby.
Regie führte wie stets Stefan Hackenberg. Er studierte Jura, Anglistik und Germanistik in Köln. Ab 1986 war er Literaturdozent und Autor, ab 2000 arbeitete redaktionell und journalistisch für Fachmagazine, Hörfunksendungen wie die „Ohrenweide“ (WDR) und wurde Regisseur für Computerspiele (!) und bei künstlerischen Hör-Produktionen. Er bearbeitet Drehbücher, Hörbücher und Hörspiele. Lebt seit Jahren „bewusst“ in der Eifel. (Verlagsinfo)
_Handlung_
Harry Bosch, den Connelly-Leser schon aus mehreren Romanen kennen, soll diesmal als Hauptfigur der Anklage in einem Gerichtsverfahren gegen den allseits bekannten Hollywood-Regisseur David Storey aussagen, der sich für unantastbar hält. Das Medieninteresse ist entsprechend groß. Storey soll im Sexrausch eine junge Schauspielerin umgebracht und ihren Tod anschließend als Selbstmord durch autoerotische Strangulation inszeniert haben. Storeys wichtigster Helfer ist ein bulliger Ex-Polizist, Privatdetektiv und Kautionsvermittler namens Rudy Tafero, der im Hintergrund gegen Bosch und McCaleb agiert.
Terry McCaleb, Experte für Serienmorde und ehemaliger FBI-Angehöriger, lebt nun – mit zweitem Herzen und seiner Familie – auf der friedlichen Insel Catalina vor L. A., als eines Tages die leitende Polizistin Jaygee Winston bei ihm auftaucht, um ihn um beratenden Beistand bei einem ganz anderen Mord zu bitten. Der saufende Gelegenheitsarbeiter Edward Gunn wurde in einem Ritualmord getötet, bei dem er sich selbst erdrosselte.
Es ist McCaleb, der die Nachbildung einer Eule im Tatortvideo entdeckt. Aber in der Wohnung Gunns ist sie, als er mit Winston nachsieht, nicht mehr zu finden. Bei einer Erkundung des Areals entdeckt McCaleb sie auf dem Dach des Nebenhauses, das der Hausmeister ebenfalls verwaltet. Es ist ein umgebauter Vogelschreck, und die Firma, die sie in Kalifornien vertreibt, kann auch den Käufer nennen. Leider sind die Angaben alle gefälscht, aber sie passen ins Schema.
Die Eule und andere Symbole und Bildinschriften stammen alle aus dem Werk des flämischen Malers Hieronymus Bosch, und sogar der nackte Mann, dessen Füßen auf seinen Rücken gefesselt sind und der sich mit einer Schlinge um den Hals selbst stranguliert, kommt in Boschs Bildern vor. Doch warum musste Gunn überhaupt sterben? Da stößt McCaleb auf den Hinweis, dass es sein Ex-Kollege Harry Bosch, mit dem er im POET-Fall zusammengearbeitet hat, war, der Gunn in der Nacht vor dessen Tod in der Ausnüchterungszelle besucht hat. Bosch glaubt, dass Gunn vor sechs Jahren eine Prostituierte umgebracht hat. Und weil Boschs eigene Mutter eine Prostituierte war und ermordet wurde, schiebt Bosch nun einen Hass auf alle Nuttenmörder. Alles klar, Herr Kommissar?
McCaleb glaubt nicht an Zufälle. Er entdeckt zu seiner Bestürzung auch noch Folgendes: Detective Hieronymus „Harry“ Bosch trägt den gleichen Namen wie der mittelalterliche Maler, der eigentlich Jerome (= Hieronymus) van Aiken hieß, sich aber nach seiner Heimatstadt t’Hertogenbosch Hieronymus Bosch nannte. McCalebs Verdacht fällt unweigerlich auf Harry Bosch, und er muss an Winston weitergeben, was er entdeckt hat. Unglücklicherweise muss Winston ihre Information auch an das FBI weitergeben, und dessen hartnäckige Abteilung für Bürgerrechte schaltet sich ein. Allerdings fühlen währenddessen McCaleb und Winston bei Bosch und dessen Ex-Kollegin Kizmin Ryder so ungeschickt und auffällig vor, dass es Bosch nicht schwerfällt, zwei und zwei zusammenzuzählen. Die beiden sind auf seiner Fährte und glauben wohl am Ende noch, er hätte Gunn auf dem Gewissen, oder?
Gleich am nächsten Tag tritt ein findiger Reporter von „The New Times“ auf Bosch zu und bittet um einen Kommentar zu der Tatsache, dass das FBI gegen ihn ermittle. Bosch bleibt ganz cool und warnt McEvoy, seine Quellen ganz genau zu prüfen und sich zu fragen, welche Motive dahinterstecken, Bosch kaltzustellen. Denn sobald die „New Times“ hinausposaunen würde, dass Bosch unter Mordverdacht stehe, sei seine Aussage gegen David Storey keinen Pfifferling mehr wert. Und Storey könnte weitermorden. McEvoy gibt Bosch eine Galgenfrist, dann will er die Story bringen.
Zum Glück kann Bosch McCaleb von seiner Unschuld überzeugen und auch das Motiv ad absurdum führen. Gemeinsam bemühen sie sich zusammen mit Winston, die Verbindungen zwischen den zwei Mordfällen aufzudecken. Und als der hartnäckige McCaleb jemandem bei seinen Ermittlungen zu heftig auf die Zehen tritt, ist Bosch gefragt, um ihm in letzter Sekunde das Leben zu retten.
_Mein Eindruck_
Man merkt es dem spannenden und kunstvoll konstruierten Thriller durchweg an, dass Connelly jahrelang als Polizeireporter in L. A. gearbeitet hat. Nicht nur vermag der Autor Schauplätze und Menschen genau zu charakterisieren, er kennt auch die Methoden der Schnüffler wie der Verbrecher. Er kann das zentrale Gerichtsverfahren, das den roten Faden liefert, minutiös nachzeichnen und als kriminalpolitischen Schauplatz verständlich machen. Allerdings vermittelt er in der Mitte des Buches dabei den Eindruck, ein Gerichtsdrama zu liefern. Das legt sich zum Glück wieder, so dass der Showdown den Leser bzw. Hörer wirklich fesseln kann.
Mit Bosch und McCaleb tauchen zwei Figuren Connellys auf, deren Innenleben laufend erklärt wird. Leser, die schon Connellys Romane „Der Poet“ und „Das zweite Herz“ gelesen haben, werden die beiden Figuren, besonders McCaleb, weitaus besser verstehen, als es der Autor in „Dunkler …“ ermöglicht. „Dunkler …“ bedient nicht so stark voyeuristische Instinkte wie etwa Thomas Harris mit seinen Hannibal-Romanen.
Wir werfen dennoch einen Blick auf grausige Szenen, die aus dem Serienkillerfilm „Sieben“ stammen könnten – nichts für zarte Gemüter. Vielmehr richtet Connelly unser Augenmerk auf ganz normale Schnüffelarbeit bei Dutzenden von Zeugen an zahlreichen Orten. Erst hierdurch wird die Stadt Los Angeles als Organismus lebendig und erlebbar, mitunter sogar mit komischen Untertönen. Der Autor zeigt wie schon zuvor ein feines Gespür für Rhythmus: Solche heiteren Momente wechseln sich stets mit Hochspannung ab, aber auch mit bewegenden Szenen. Bosch gesteht zum Beispiel, dass er an der Ermordung seines ehemaligen Chefs Harvey Pounds Schuld hat. So etwas gibt nicht jeder Cop zu, schon gar nicht einer, gegen den wirklich gerade wegen Mordes ermittelt wird.
Man fragt sich nach sechs Jahren, ob die Klischees, die Connelly hier präsentiert, wirklich der Realität entsprechen. Das FBI beispielsweise ist grundsätzlich verbohrt und seine Agenten sind ziemliche Idioten. Dass eine Frau in die Ermittlungen eingeschaltet ist, grenzt schon fast an ein Alibi. Und dass Bosch zufällig in der Gegend ist, als McCaleb gerade das nächste Opfer des Gunn-Mörders werden soll, grenzt schon an göttliches Eingreifen.
|Der Maler|
Das wichtigste Bild, das Bosch im Roman erwähnt, ist „Der Garten der Lüste“, das heute im Madrider Prado hängt – ein riesiges Triptychon, das den Garten Eden, die Welt und die Hölle zeigt. Darauf sind mehrere Symbole für göttliche Strafe zu sehen, Eulen beispielsweise, denn Eulen stehen für Weisheit. Connelly zieht eine deutliche Parallele zwischen den Zuständen im Moloch L. A. und der Darstellung der Welt durch Hieronymus Bosch. Diese Korrespondenz mag zunächst etwas platt erscheinen, aber es ist für einen amerikanischen Thriller doch recht ungewöhnlich, Kunstwerke als Indiziengeber einzusetzen, zumal europäische. Aber Boschs Vorname lautet tatsächlich nicht Harry, sondern Hieronymus.
Der Buchtitel bezieht sich auf die Dunkelheit, mit der die Hölle gemalt ist: „a darkness more than night“ sagt der deutsche Restaurator im Getty Museum, der an einem Bosch-Gemälde arbeitet. Es ist die Dunkelheit der Verzweiflung und Verdammnis, darf man annehmen. „Bosch kannte alle Dämonen.“
|Die Übersetzung|
Die Übersetzung von Sepp Leeb ist gewohnt gut, doch ein wenig erstaunt das Titelbild: Da sitzt eine schwarze Krähe wie von Hitchcock auf einer Holzkugel. Im Buch hingegen ist ständig von Eulen als Verkörperungen des Bösen die Rede. Der Grund für die Wahl der Krähe dürfte darin zu suchen sein, dass Eulen heute als Symbol der Weisheit („Eulen nach Athen tragen“) gelten, Krähen aber nun deren üblen Ruf geerbt haben.
|Der Sprecher|
Wer einmal Filme mit Samuel L. Jackson gesehen hat (und wer hat das nicht?), erinnert sich wohl noch die tiefe Stimme der deutschen Stimmbandvertretungen des bekannten Schauspielers. In vielen Jackson-Filmen wird diese gesprochen von Engelbert von Nordhausen. Dieser ungewöhnliche Name, der an alte Ritterburgen denken lässt, soll nicht dazu verleiten, den Sprecher zu unterschätzen. Man wird schnell eines Besseren belehrt, wenn man Zeuge der Flexibilität wird, mit der der Sprecher sein Sprechinstrumentarium handhabt.
Schon in der ersten Szene, dem PROLOG, erklingt die Stimme von Harry, die die tiefste im ganzen Ensemble von „Figuren“ der Handlung darstellt. Gleich darauf ertönt das heisere Quengeln des Säufers Edwin Gunn in der Ausnüchterungszelle. Merke: Bosch ist auch noch in der Silvesternacht im Dienst. Als Kontrastprogramm beginnt die erste Szene, als McCalebs Frau Graciela mit einer sanften, geradezu lieblichen Stimme nach ihrem Mann ruft. Sie kündigt Sergeant Winston an. McCaleb klingt müde und behäbig im Unterschied zu der alerten Polizistin.
Viele Frauengestalten – nicht alle – sprechen so sanft wie Graciela, so etwa Mrs. Penelope Fitzgerald, Chefrestauratorin im Getty Museum. Die Zeugin Annabel Crowe hingegen klingt jung und naiv, eine typische Nachwuchsschauspielerin, die sich nach oben schläft (und der dies im Bett von Storey fast zum Verhängnis wird).
Fast ebenso tief wie Bosch dröhnt das Organ von Richter Hewton, der im Prozess gegen Storey den Vorsitz führt und auch schon mal ziemlich ungehalten rufen kann, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er sich das vorstellt. Das muss er auch mehrmals tun, denn die Schurken im Stück machen ihm das Leben alles andere als leicht. Storey beispielsweise ist einfach nur ein verächtlicher Mistkerl, der am liebsten Bosch dorthin schicken würde, wo der Pfeffer wächst.
Mit seinen vielseitigen Mitteln gelingt es dem Sprecher, nicht nur die Figuren zum Leben zu erwecken, sondern sie auch jeweils einer Situation anzupassen. So brechen die Zeuginnen regelmäßig in Tränen aus, und bei Annabel Crowe klingt das schon ziemlich echt. Und auch Harry Bosch kann sich von einer anderen Seite zeigen. Einmal lacht er, das klingt dann ziemlich düster und nicht sonderlich heiter. Regelrecht verblüfft hat mich der Sprecher, als er auch einen Yuppie zu gestalten weiß. Der Drehbuchautor Hendricks klingt schon ziemlich tuntenhaft, als er mit seiner kultivierten und distinguierten Stimme sich selbst lobt, bis es nicht mehr auszuhalten ist.
Eindeutig meine Favoriten unter den vom Sprecher gestalteten Rollen sind Harry Bosch und Terry McCaleb. Man merkt einfach, dass im unter(st)en Tonbereich die Stärke von Nordhausen liegt. Seine Fähigkeiten werten das Hörbuch gegenüber dem Printmedium eindeutig auf. Außerdem wurden im Hörbuch die langen Passagen über den Maler Bosch zusammengestrichen, denn sie lenken meines Erachtens nur vom Plot ab.
_Unterm Strich_
In diesem Roman führt der Autor in mehr oder weniger geschickter Weise seine beiden Oberschnüffler McCaleb und Bosch zusammen, allerdings zunächst als Kontrahenten. Dabei erweist sich Bosch seinem Zunftkollegen als haushoch überlegen. Und es liegt nicht daran, dass McCaleb durch sein schwaches, transplantiertes Herz gehandikapt ist. Es ist nur so, dass Bosch niemandem vertraut und deshalb durch McCalebs Fragen, die auffällig unsachlich sind, stutzig wird.
Immer wieder erweist sich der Autor als sachkundiger Vermittler von kriminalistischem Wissen. So flicht er wie beiläufig ein, wie nützlich doch ein Strafzettel sein kann. Auf diese Weise entdecken Winston und McCaleb nicht nur, was ihr Hauptverdächtiger zu einem bestimmten Zeitpunkt getrieben hat, sondern mit einem Strafzettel wurde auch der Serienkiller „Son of Sam“ alias Sam Berkowitz in New York City dingfest gemacht.
Die Krönung des Gerichtsdramas, in das Bosch verwickelt ist, bildet jene Szene, als er Storey unter die Nase reiben kann, was mit dessen Machenschaften außerhalb des Gerichtssaal passiert ist. Sie gingen alle den Bach runter. Die Ironie bei dieser Szene: Es sind nicht die eigentlich zuständigen jungen Staatsanwälte, die den Angeklagten überführen, sondern der alte Hase, der auch abseits des Hauptschauplatzes erfolgreich zu agieren weiß.
Mir hat das Hörbuch ausnehmend gut gefallen, weil es diese verschlungenen Handlungsfäden durch diverse Kürzungen sauber herausarbeitet und dem Hörer so leichter verständlich macht. Der zweite dicke Pluspunkt ist der Sprecher, wie Bosch ein alter Hase im Geschäft. Engelbert von Nordhausen gelingt es, die Figuren zum Leben zu erwecken und ihre Darstellung zudem situationsbedingt anpassen. Dabei hilft ihm seine Schauspielerausbildung, und als Dialogregisseur war er vielleicht sogar an der Bearbeitung des Textes beteiligt.
|Originaltitel: A Darkness more than Night, 2001
Aus dem US-Englischen übersetzt von Sepp Leeb
376 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-86538-677-9
ASIN: B000QFBU1M|
http://www.delta-music.com
Ein Internat am Rande von London, in dem Schüler angeblich schwarze Messen abhalten und sich in Vampire verwandeln, um das Lehrpersonal zu attackieren. – Was sich nach der überbordenden Fantasie einer panischen Lehrerin anhörte, entpuppte sich als ein Hilferuf in größter Not … denn in der Schule war das Erbe des Sternenvampirs Acron erwacht! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
401 gemacht, das erstmalig am 10. März 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.