Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Brater, Jürgen – Rätselhafte Körpervorgänge

_Hör-Lexikon: Warum Küssen blind und taub macht_

Warum, fragt das neunmalkluge Kind, schlafen unsere Hände und Füße ein, obwohl sie gar nicht müde sind? Warum haben Männer eine Glatze und wieso schnarcht man und woher kommen die X-Beine?

Welche Erklärungen hinter diesen und vielen anderen Phänomenen stecken, verraten uns der Comedy-Star Hennes Bender und seine zwei Unterstützer – unterhaltsam, aber kompetent. (Verlagsinfo) Lustig wird’s, wenn es darum geht, dass Küssen blind und taub macht …

_Der Autor_

Dr. Jürgen Brater, geboren 1948, studierte Medizin und Zahnmedizin und praktizierte bis 1996 in eigener Niederlassung. Seitdem ist er als Seminarleiter in der Aus- und Weiterbildung medizinischer Fachkräfte sowie als Fachautor tätig und schreibt unter anderem populäre medizinische Sachbücher. Er lebt in Aalen (BaWü). Bei Eichborn sind erschienen: „Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge“ (2001), „Lexikon der Sex-Irrtümer“ (bitte unbedingt vertonen!), „Bier auf Wein, das lass sein!“ sowie zuletzt „Generation Käfer“ (2005).

_Die Sprecher_

Hennes Bender, geboren 1968, startete seine Bühnenlaufbahn am Schauspielhaus in Bochum, bevor er sich mit Partner im Duo „Lengkeit gegen Bender“ für den Humor entschied. Eine eigene Roadshow, zwei Soloprogramme und diverse Comedy-Preise später hat der Entertainer jetzt das Hörbuch für sich entdeckt.

David Muscholl, geboren 1996 (er ist also erst neun!) in Mainz, ist Fan von SpongeBob, spielt im offensiven Mittelfeld bei TuS Marienborn und stellt seinen Eltern immer häufiger Fragen, die sie nicht beantworten wollen.

Elisabeth Verhoeven lebt in Mainz, ist Rezitatorin und Schauspielerin und arbeitet als freie Sprecherin für Hörfunk und Fernsehen. Aufsehen erregten laut Verlag ihre Interpretation des Melodrams „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ zusammen mit Hartmut Höll sowie die Uraufführung des „Nachtigallengesangs“ von Eduard Mörike.

_Inhalte_

Es gibt mehr rätselhafte Vorgänge in und an unserem Körper, als man denkt. Meist denkt man nicht dran, oder wenn doch, verdrängt man ganz schnell (z. B. das Furzen). Aber es gibt eben neugierige Zeitgenossen wie den neunjährigen David, die alles ganz genau wissen wollen. Selten, allzu selten gibt es verständnisvolle Erwachsene, die die Antworten auf seine Fragen kennen und – oh, Wunder! – sogar damit herausrücken. Auf diesem Hörbuch tun sie dies in aller Öffentlichkeit und zur allgemeinen Erbauung und Belustigung.

Die Fragen sind nach dem Alphabet sortiert, damit der Überblick nicht verloren geht. A wie … „Warum müssen wir beim Arzt ‚aaah‘ sagen statt e oder u?“ Weil nur bei diesem Laut der Gaumen und der Rachen so schön weit geöffnet werden, dass der Arzt sie bequem inspizieren kann.

Oder R wie … Rülpsen. Das ist das Ausstoßen verschluckter Luft. O wie … Ohrenschmalz dient dazu, abgeschilferte (tolles Wort!) Zellen, Haare und Schmutzpartikel im Ohr einzuhüllen und aus dem Gehörgang zu befördern. G…wie Gähnen. Es rührt nicht etwa vom Mangel an Sauerstoff her, der ausgeglichen werden soll, sondern erfolgt reflexartig auf einen Reiz hin.

|Frauen werden besonders berücksichtigt.|

Sind Frauen das schwache Geschlecht? Aber mitnichten! Östrogen schützt Frauen vor der Empfänglichkeit für Krankheiten, lässt sie früher erwachsen werden als Jungs und verleiht ihnen eine längere Lebensdauer. Allerdings macht es sie anfälliger für Knochenschwund (Osteoporose) und Depressionen. Es dürfte sie auch interessieren, wovon ihr Biorhythmus abhängig ist und wie sie ihr Immunsystem trainieren können.

Auch Babys werden bedacht. So wird zum Beispiel klipp und klar erklärt, dass die Muttermilch vor Herzinfarkt schützt und Stillen klug macht. Träumen Babys eigentlich, wenn sie so viel schlafen? Es sei ihnen gegönnt, denn Träumen ist absolut lebensnotwendig. Entzug der Traumphase beim Schlafen macht krank und depressiv. Andererseits ist Träumen total anstrengend, und deshalb sollte das Schlafzimmer immer gut belüftet sein.

|Männer|

… werden erstaunt sein zu erfahren, dass ein „Bierbauch“ gar nicht vom Bier selbst kommt, sondern davon, dass der Alkohol den Appetit anregt. Und dieser Appetit wird meist nicht durch Kaviar und Häppchen gestillt, sondern durch allerlei Fettiges und Deftiges. Vertragen Frauen mehr Alkohol als Männer? Und wirkt Bier oder Schnaps schneller? Dass Kartoffelchips süchtig machen, dürfte eh klar sein. Das liegt am Natriumglutamat.

In diesem Zusammenhang ist es sicherlich interessant zu erfahren, dass ein zu hoher Cholesterinspiegel gar nicht so ungesund ist, wie die Medizin immer behauptet hat. Viel gefährlicher ist offenbar ein zu niedriger Cholesterinspiegel (außerdem gibt es gutes und schlechtes Cholesterin). Ob das genetisch bedingt ist, wenn man mit einem hohen Cholesterinspiegel lange lebt, wird noch untersucht.

Außerdem werden Männer vor zu engen Jeans und einem Schlag in die Magengrube gewarnt. Ich glaube, das ist nicht mehr nötig. Aber weil Rauchen dumm macht, wie wir hier erfahren, ist die Warnung vielleicht doch nicht unnötig. Oder kommt Übergewicht etwa von „schweren Knochen“?

|Ganz allgemein|

Woher kommt eigentlich die Lust am Verbotenen? (Im Hintergrund hört man eine Polizeisirene.) Das liegt an einem psychologischen Reflex, mit dem sich der Einzelne wehrt. Man tut genau das Gegenteil von dem, was verlangt wird. Das wird Reaktans genannt. Und lässt sich natürlich vortrefflich zu Manipulation nutzen. Übrigens ändern sich Erinnerungen selbständig – also aufgepasst!

Zu den erstaunlichen Infos gehört die Tatsache, dass man im Laufe seines Lebens immer weniger Knochen im Leib hat. Sowas! Wo kommen die alle hin? Schließlich wacht ja keiner morgens auf und hat einen verlorenen Knochen neben seinem Bett liegen, oder? Nein, die Babies kommen mit rund 320 Knochen auf die Welt, diese verschmelzen im Lauf der Jahre miteinander, so etwa am Schädel, und verwachsen. Am Schluss bleiben bloß noch etwa 200 übrig. Eine ziemlich hohe Verlustrate! Das Leben ist das härteste …

Übrigens ist man am Morgen größer als am Abend. Der Grund: Die Wirbelsäule wird im Lauf des Tages zusammengestaucht, was am Morgen, wenn man ausgeruht ist, natürlich noch nicht der Fall ist. Beschwert euch bei der Schwerkraft!

|Erotik|

Wie kommt der Knutschfleck zustande? Peinliche Frage. Es handelt sich um eine Art Bluterguss, was ja schon ziemlich schmerzhaft klingt.

Und warum macht Küssen blind und taub (statt klug und glücklich)? Und das soll gesund sein? Nee, was die uns alles erzählen wollen!

_Mein Eindruck_

Das ist wirklich „Infotainment“ vom Feinsten. Abwechslung ist angesagt, und so spricht mal der Mann (Bender), mal die Frau (Verhoeven) und ein- oder zweimal sogar David eine der mehr oder weniger langen Erklärungen. Meistens stellt aber David die Fragen – das ist seine Paraderolle. Meistens hören wir dann eine kurze Demo wie etwa die Polizeisirene oder ein Schnarchen. Alles schön dezent natürlich. Jedenfalls ist der Hörer schon bald gespannt auf die nächste Demo.

Die Themen kommen, wie ich zu zeigen versucht habe, aus den verschiedensten Gebieten und sind mal mehr für Frauen, mal mehr für Männer von Belang. Erotik ist immer und überall interessant, genau wie das Verbotene. Ob das eine mit dem anderen etwas zu tun hat, sei jedem selbst überlassen.

|Die Sprecher|

Elisabeth Verhoeven spricht sehr deutlich und verständlich. Sie gibt die meisten Erklärungen, und das tut sie so melodiös, dass man ihr stundenlang zuhören könnte. Der junge David ist schon schwieriger zu verstehen, aber er ist alt genug, die schwierigen Wörter aus der Medizin und Biologie schon richtig auszusprechen und zu betonen.

Hennes Bender ist ein Spezialfall. Als sprachliches Allroundtalent ist er sehr wohl in der Lage, die Erklärungen mit dem nötigen dozierenden Ernst vorzutragen, aber des Öfteren geht mit ihm doch der Gaul durch. Er muss einfach mal demonstrieren, wie sich zahnloses Sprechen zwischen Unter- und Oberkiefer anhört. Er muss auch mal Schnarchen und Niesen, darf auch mal (aber nur einmal) furzen. Und von wem der Knutschfleck stammt, können wir uns nur ausmalen …

Nach der Schlussmusik und der Absage der Sprecher gibt es noch ein kleines Schmankerl. Es ist eine akustische Panne, was man halt beim Film neudeutsch als „goof“ bezeichnen würde. Bender lacht sich einen Ast, als Verhoeven ihre Erklärung des Küssens zu Ende gebracht hat (vorher wäre es ja unhöflich gewesen). „Küssen macht blind und taub, hihi, haha!“ Schon bald kann auch Verhoeven nicht mehr an sich halten. Und wer wissen möchte, was am Küssen so gefährlich ist, der muss eben selber hören – oder das Buch lesen (z. B. in der Stadtbücherei).

_Unterm Strich_

Nie habe ich mich unterhaltsamer informiert und aufgeklärt gefühlt. Die 66 Minuten gingen vorbei wie im Flug. Neben einigen uralten Fragen, die sich die Menschheit seit Adam und Eva stellt – vertragen Männer oder Frauen mehr Alkohol – waren doch auch eine Menge neuer Fragen zu beantworten, so etwa die nach dem korrekten Cholesterinspiegel: höher oder niedriger, was ist gesünder?

Die drei Sprecher – in Zusammenarbeit mit den Tonmeistern Arnd Esser und Martin Urrigshardt – meistern ihre Aufgabe bravourös, quasi eine kleine Familie vorzuspielen und sich die Fragen und Antworten wie Bälle zuzuwerfen. Dass „Papi“ Bender mal das stille Örtchen aufsucht, um youknowwhat zu erledigen, erscheint nur natürlich – einer muss ja für Spaß sorgen.

Aber ich bin fast sicher, dass das „Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge“ noch viel mehr und noch tausendmal peinlichere Körpervorgänge beschreibt. Sehr empfehlenswert. (Wer weiß, was da noch alles übers Küssen drinsteht …)

|66 Minuten auf 1 CD|

Ken Follett – Das Geheimnis des alten Filmstudios (Lesung)

Detektivisch: der Philip Marlowe von West Hinchley

So traurig hat Mick William seine Mutter noch nie zuvor gesehen. Das Haus, in dem sie wohnen, soll abgerissen werden – zusammen mit dem Filmstudio nebenan. Micks bestem Freund Izzi ist es auch nicht gleichgültig, was aus dem alten Studio wird. Und so ziehen die beiden los, das alte Filmstudio mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was sie dort entdecken, verschlägt ihnen den Atem … (Verlagsinfo)

Der Autor

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Per McGraup – Heimweh (Gruselkabinett 109)

Englische Geisterjäger in Kalifornien

London 1933: Alwyne und Colin Hargreaves, das medial begabte Ermittler-Duo aus „Heimgesucht“ und „Heimgekehrt“, reisen in ihrem dritten Abenteuer zu einem Kongress nach Kalifornien. Bei einem Abstecher zum berühmten viktorianischen Luxushotel del Coronado kommt ihnen sehr zugute, dass sie bereits weidlich Erfahrung mit Geister-Erscheinungen haben… (erweiterte Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Der Autor
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Preston, Douglas / Child, Lincoln – Dark Secret – Mörderische Jagd

_Todestanz verfeindeter Brüder_

|“Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder? Er aber sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?“|

Ein gnadenloser Killer tötet ein Opfer nach dem anderen. Nur ein Mann könnte den Todeslauf stoppen: FBI-Agent Aloysius Pendergast. Doch dieser gilt seit einem gefährlichen Einsatz in Italien („Burn Case“) als verschollen. Sein Partner Vincent D’Agosta von der New Yorker Polizei beginnt zu ermitteln – und stößt auf ein dunkles Geheimnis …

_Die Autoren_

Douglas Preston, Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums in New York City, hatte sich bereits als Sachbuchautor einen Namen gemacht, als er den Verlagslektor Lincoln Child kennenlernte. Gemeinsam schrieben sie 1995 den Wissenschaftsthriller „Relic“, der ein verfilmter Bestseller wurde. Danach folgten bislang sieben weitere Erfolgstitel: Preston liefert den wissenschaftlichen Hintergrund, Child arrangiert die Spannungsbögen. (Verlagsinfo)

|Preston & Child auf Buchwurm.info:|

[„Riptide – Mörderische Flut“ 71
[„Formula – Tunnel des Grauens“ 192
[„Ritual – Höhle des Schreckens“ 656
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ 1725
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ 2193 (Hörbuch)
[„Dark Secret – Mörderische Jagd“ 2809

_Der Sprecher_

Detlef Bierstedt ist die deutsche Stimmbandvertretung von George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG). Er hat unter anderem auch die Dick-Francis-Romane sowie Dan Browns „Diabolus“ gelesen.

Der Text wurde von Dr. Katharina Theml gekürzt. Die Intro- und Extro-Musik steuerten Horst-Günther Hank und Dennis Kassel bei. Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahmeleitung hatte Horst-Günther Hank inne.

_Handlung_

|New Orleans|

Der Literaturstudent Duane Michael wird im Hörsaal der Uni von New Orleans Zeuge eines schrecklichen Schauspiels. In Vertretung des alten Prof. Mayo hält heute Prof. Torrence Hamilton den Vortrag, Thema ist T. S. Eliots epochales Gedicht „Das Wüste Land“ von 1922. Doch kaum hat Hamilton ein paar Sätze vorgetragen, beginnt er sich zu verändern. Er sieht blass und schwitzt aus, sodann verängstigt, als habe er etwas Furchterregendes gesehen.

Er beginnt zu taumeln, verliert die Kontrolle, beginnt plötzlich sogar an seinem eigenen Gesicht zu kratzen. Das Auditorium starrt mit ungläubigen Augen auf das unbegreifliche Schauspiel, das keines ist. Der Professor schlägt sich ins Gesicht, bis Blut hervorspritzt, und dann tut er etwas völlig Unfassbares: Er reißt sich das Auge heraus. Da erst reagiert sein Assistent: „Ruft einen Arzt!“ Doch für den Professor kommt jede Hilfe zu spät. Das starke Nervengift, das ihm jemand verabreichte, hat seine Wirkung getan.

|Das Restaurant|

Horace Sattle, ein Vertreter für Maschinenteile, sitzt mit einem Kunden in einem französischen Restaurant in Manhattan, New York City. Horace ist gelangweilt. Da entdeckt er auf dem Oberlicht über sich einen Mann, der irgendwie von der Decke hängt, an dem Seil vermutlich, das ihm um den Hals geschlungen ist. Da, das Seil reißt, der Mann fällt – auf den Nachbartisch. Horace Sattle macht, dass er rauskommt, bevor die einsetzende Panik den Ausgang blockiert. Auf der Straße geht er gleich weiter. So aufregend hatte er sich den Aufenthalt in New York City aber nicht vorgestellt.

William Smithbeck, Starreporter der „New York Times“, eilt zum Ort des Geschehens, doch die Polizei hat bereits alles abgesperrt. Da bemerkt er zu seinem Erstaunen, dass im 24. Stockwerk des Hochhauses, in dem sich das Restaurant mit der Leiche befindet, ein Fenster offensteht. Der Reporter kombiniert haarscharf: Aha, der Mann am Seil stürzte sich vielleicht aus diesem Fenster – um sich zu erhängen?! Oder wurde er gezwungen? Ein schlauer Versuch, sich als Pizzabote verkleidet einzuschmuggeln, misslingt leider, aber er sieht wenigstens so echt aus, dass er eine Pizzabestellung bekommt.

|Alte Freunde|

Detective Sgt. Vincent Dagosta von der New Yorker Mordkommission sitzt gerade mit seiner Freundin Detective Captain Laura Hayward zusammen, als ein Mr. Proctor ihn abholt. Es sei dringend. Dagosta wird zu einer ihm vertrauten Adresse gefahren: Hier wohnte einst sein Freund, FBI Special Agent Aloysius Pendergast, der seit sechs Wochen tot ist, ermordet in einem italienischen Schloss (vgl. „Burn Case“). Constance Green, Pendergasts Mündel, übergibt Dagosta einen Brief, in dem Pendergast seinen Freund anweist, alles Nötige zu unternehmen, um seinen Bruder Diogenes Pendergast zu stoppen. Diogenes habe angekündigt, am 28. Januar das „perfekte Verbrechen“ zu begehen. Das ist in einer Woche.

Mit Hayward besucht Dagosta die Mutter der zwei ungleichen Brüder, Cornelia Pendergast. Er erfährt mehr über den üblen Charakter von Diogenes – und dass dieser seit 20 Jahren tot sei! Spielt ihm Aloysius einen Streich? Wohl kaum bei einer so ernsten Sache, meint Dagosta. Die Telefonrecherche erbringt nichts. Es steht nur fest, dass Diogenes ein Mann mit reichlichen finanziellen Mitteln wäre, wäre er am Leben: Er erbte 87 Millionen Dollar, nachdem seine Eltern bei einem Hausbrand umkamen. Im Lift seines Apartmenthauses wird Dagosta von einem verkleideten Türsteher gekidnappt: Es ist Aloysius.

Nicht nur, dass er wieder lebt – Diogenes habe ihn aus seinem italienischen Schlossverlies befreit und ins Krankenhaus gebracht. Er verlangt, dass sich Dagosta von seiner Freundin trennt. Das fällt Dagosta sehr schwer, denn er weiß, dass Laura es nicht verstehen wird. Da hat er völlig Recht. Sie schreibt ihn ab. Fortan hängt seine Zukunft völlig von Aloysius Pendergasts Aktionen gegen Diogenes ab.

|Das Museum|

Das Museum of Natural History, New York City, 2 Uhr morgens. Margo Green, die neue Chefredakteurin der vom Museum herausgegebenen Fachzeitschrift „Museology“ gibt die Druckfahnen für die neueste, sehr umstrittene Ausgabe in der Museumsdruckerei ab und strebt dem Ausgang zu, als sie ein Geräusch hört. Aber sie macht sich keine Sorgen, denn das neue Sicherheitssystem ist topmodern. Das Geräusch kommt wieder, ein Klappern. Ein Wachmann würde nicht klappern, nicht wahr? Sie schaut sich die Sache näher an.

Sie ruft. Böse Erinnerungen werden wach. Vor sieben Jahren gab es hier im Museum für Naturgeschichte eine Mordserie. Da sie unbewaffnet ist, greift sie sich ein Teppichmesser, das die Handwerker liegengelassen haben, die den Ausstellungsraum neu einrichten. Plötzlich geht das Licht aus. „Wer ist da?“, ruft sie, und ein unbekannter Mann antwortet ihr mit sanften und distinguiert formulierten Worten. Doch er verspottet sie, kichert. Sie schwingt das Teppichmesser, zweimal, und verletzt ihn. Jetzt ist Schluss mit lustig! Es erfolgt sofort ein Gegenangriff, bei dem ihr Handgelenk gebrochen wird. Bei der Welle des Schmerzes, die aus der Verletzung hervorgerufen wird, bemerkt sie den Schlag in ihren Rücken fast nicht, dort, wo nun ein Messer steckt …

|Schlussfolgerung|

Laura Hayward sieht das Muster, das die Spuren ergeben, immer deutlicher vor sich. Aus seltenen Fasern, einzigartigen Seilknoten, Blutspuren am Messer Margo Greens und aus Spuren bei der Leiche des FBI-Agenten Mike Decker geht nur ein Ergebnis hervor: Alle vier Opfer haben mit einem einzigen Mann zu tun, zu dem alle Spuren passen: Aloysius Pendergast. Das FBI schaltet sich ein. Es will den Verräter aus seinen eigenen Reihen gnadenlos jagen.

_Mein Eindruck_

Aloysius Pendergast ist zwar ein seltsamer Kauz, aber er hat unsere Sympathien, denn erstens ist er ein sehr einfallsreicher Mann – ebenso wie sein Bruder Diogenes – und zweitens ist er fähig, aufrichtig zu lieben, und das unterscheidet ihn ganz erheblich von seinem Gegenspieler. Pendergast liebt sowohl Viola Mascarine, die italienische Geigenvirtuosin, als auch sein Mündel Constance Green (die wohl mit Margo Green verwandt sein könnte, aber das wird in dieser Textfassung nicht näher erläutert). Natürlich versucht Diogenes, diese beiden Damen gegen Aloysius zu verwenden, um ihn daran zu hindern, ihm beim „perfekten Verbrechen“ in die Quere zu kommen.

Wer sich nun fragt, warum dies einen Mann wie Pendergast kümmern sollte, verkennt ihn völlig. Er ist kein Rächer von Waisen und Witwen, sondern er steckt in einer argen Klemme, in die ihn sein Bruder hineinmanövriert hat: Alle vier Todesfälle des Januar scheinen auf Aloysius‘ Konto zu gehen, dafür hat Diogenes sorgfältig gesorgt. Wir werden daran erinnert, dass Diogenes seinen Bruder in ein italienisches Krankenhaus brachte und alle Zeit der Welt hatte, um Fasern, Haare, Blutproben an sich zu nehmen – DNS-Spuren, die die New Yorker Polizei nun eifrig auswertet. Laura Hayward hat bereits die nötigen Schlüsse gezogen. Aloysius kann nur auf einem Wege seine Unschuld beweisen: Er muss Diogenes präsentieren.

|Das perfekte Verbrechen|

Leichter gesagt als getan. Denn der Mann scheint so gut wie unsichtbar zu sein. Sogar die Art und Weise, wie er im Naturhistorischen Museum sein „perfektes Verbrechen“ begeht, lässt ihn nicht ins Licht treten. Vielmehr rätseln alle, welcher Museumsmitarbeiter dem Täter geholfen habe könnte. Denn jemand muss das nagelneue Sicherheitssystem ja ausgetrickst haben.

Mit einem weiteren Trick versucht Diogenes seinen Bruder kaltzustellen. Er lädt Viola Mascarine nach New York City ein, kidnappt sie und hält sie gefangen – eine Geisel, um Aloysius willfährig zu machen. Doch Aloysius hat Dagosta und weitere Helfer, die technisch versierter sind als sie beide zusammen. So gelingt es ihm, seinerseits Diogenes auszutricksen. Nun braucht er nur noch den Tausch seines Unterpfandes gegen Viola zu veranlassen. Showtime, Bruderherz!

|Ungleiche Brüder|

Obwohl wir den Charakter von Aloysius bereits zu kennen glauben, schüren die Vorfälle doch erhebliche Zweifel an seiner Integrität. Zugleich wecken eingehende Beschreibungen von Diogenes gewisses Verständnis für ihn, wenn nicht sogar Sympathie. Diogenes ist ein sehr intelligenter Mann, der nur ein Problem hat: Wie kann er seinem sinnlosen Leben auf diesem elenden Dreckklumpen von Planeten einen Sinn verleihen? Die einzige Antwort, die ihm – neben Suizid – einfällt, ist die Rache an seinem Bruder, der ihm in seinen Augen einiges an Wiedergutmachung schuldig ist. Dieser wunde Punkt wird ihm zum Verhängnis.

|Humoreinlage|

Wir bekommen eine hübsche Humoreinlage serviert. Zu seiner eigenen Sicherheit wird Reporter William Smithbeck in eine Irrenanstalt eingewiesen. Seine Versuche, dort wieder herauszukommen, um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren (das kann in Amerika ganz schnell gehen), sind rührend vergebens, denn sie werden von Direktor Tysander stets abgeschmettert. Nur den letzten Versuch lässt er gelten – aber da ist es schon der 29. und für Smithbeck besteht keine Gefahr mehr. Wie sich der Reporter als rebellischer Insasse aufführt, ist bemerkenswert und sehr ironisch.

|Der Sprecher|

Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt kompetent und deutlich artikuliert vorgetragen, so dass man dem Text mühelos folgen kann. Er muss sich nicht besonders anstrengen, denn die amerikanischen und italienischen Namen auszusprechen, ist diesmal kein großes Kunststück für einen Mann mit Allgemeinbildung. Mehrmals war ich von seiner Kenntnis der Aussprache bestimmter Begriffe und Namen beeindruckt. Allerdings spricht er den englischen Ortsnamen Threadneedle Street falsch aus. Statt [thridnidl] muss es [thrädnidl] lauten. Aber mehrmals musste ich auch über seine Betonung deutscher Wörter die Stirn runzeln.

Da sich die Anzahl der Figuren sich in Grenzen hält, gerät man nie in Gefahr, die Übersicht zu verlieren. Bierstedt versucht sein Möglichstes, die Figuren zu charakterisieren. Das gelingt ihm am besten bei den beiden Pendergast-Brüdern: Sie sollen laut Buch einen weichen Südstaatenakzent haben und klingen sanft und kultiviert. Die New Yorker Cops hingegen sind das genaue Gegenteil: hart und rau, mit einer tiefen Stimmlage. Es gibt nur eine Stimmlage, die noch tiefer ist: Direktor Tysander, ein richtig väterlicher Typ.

Alle Frauenfiguren sind mit der gleichen hohen, sanften Stimmlage charakterisiert – mit zwei Ausnahmen. Laura Hayward, die Polizistin, und Margo Green, die Chefredakteurin, klingen wesentlich energischer und tiefer als etwa Constance Green oder Viola Mascarine.

Bei so wenig Abwechslung in den Stimmlagen kommt es darauf an, die stimmliche Expressivität der jeweiligen Szene anzupassen und so den Ausdruck emotionaler und abwechslungsreicher zu gestalten. Dies gelingt dem Sprecher wesentlicher erfolgreicher, und so kann sich der Hörer über Jammern, Verzweiflung, Hysterie, Schniefen, Stammeln, Verlegenheit, Angst, Spott, Arroganz, Sarkasmus, Nervosität, Erleichterung, Erschütterung, Aufregung, Besorgnis, Freude und viele andere Gefühlsausdrücke freuen. Ganz eindeutig ist dies Bierstedts eigentliche Stärke.

|Musik|

Die Musik erklingt als In- und Outro nur am Anfang und Ende des Vortrags. Das Motiv aus Drums, Bässen und Streichern hat mich an nichts so sehr wie an das Titelmotiv von „Die purpurnen Flüsse“ erinnert. Geräusche gibt es hingegen keine.

|Zu lang, zu zerbrechlich|

Insgesamt erschien mir der Text, obwohl gekürzt, noch immer zu lang, und so manche charakterisierende Szene hätte wegfallen können. Inzwischen hat wohl auch der Verlag gemerkt, dass es nicht immer sechs CDs für einen Thriller sein müssen – fünf tun es genauso gut, so etwa bei „Der letzte Coup“ von James Twining. Diese Produktion vom September 2006 ist eine der letzten, die noch in der alten, gewohnten Jewel-Case-Ausstattung produziert wurde. Inzwischen werden die CDs in einer raffinierten neuartigen CD-Halterung untergebracht. Sie hat den Vorteil, dass die mittleren Halterungszähne nicht mehr abbrechen können – es gibt sie nicht mehr.

_Unterm Strich_

Dies ist auf den ersten Blick nur ein weiterer Thriller aus der Schreibfabrik Preston und Child, die schon solche Kracher wie „Relic“ verbrochen haben (der übrigens ebenfalls im New Yorker Naturgeschichtsmuseum spielt). Action, Geheimnis, ein Superverbrecher – es sind alle Zutaten vorhanden. Und diesmal versteigen sich die Autoren auch nicht zu abstrusen Ausflügen ins Übernatürliche. Alle Leute bleiben schön auf dem Teppich der erklärbaren Tatsachen. Klerikalthriller à la [„Sakrileg“ 1897 gibt es eh schon genügend.

|Sherlock|

Wenn Aloysius Pendergast der Sherlock Holmes dieser Kriminalhandlung ist, so spielt sein Bruder die dunklere Hälfte seines Ichs, nämlich Professor Moriarty, das Verbrechergenie. Sgt. Dagosta fällt die Rolle des Dr. Watson zu, und stets gilt es auch, eine junge Dame in Not vor dem Schlimmsten zu retten, und das ist diesmal Pendergasts Herzensdame Viola Mascarine (welch ein schöner Name).

|Ennui|

Was nach einem Plot aus dem viktorianischen Zeitalter klingt, ist es aber bei näherem Hinsehen nur noch hinsichtlich der bewährten Strukturen für Detektivgeschichten, die bislang nicht wesentlich weiter entwickelt worden sind (mit Ausnahme der Schwedenkrimis). Ganz dem 20. Jahrhundert gehört die Krankheit des |ennui| an, unter welcher der Existenzialist Diogenes Pendergast leidet, die völlige Sinnentleertheit des Daseins.

Nur der Gedanke an Rache und das Streben nach dem perfekten Verbrechen vermögen ihn noch zu motivieren. Er ist auch ein Ästhet, der sich an schönen Farben, festgehalten in kostbaren Objekten, zu erfreuen vermag. Nur die Methode, wie er an diese Objekte zu gelangen pflegt, ist höchst verwerflich. Das Hörbuch lässt für das Porträt dieses ungewöhnlichen Verbrechers trotz der Kürzungen noch genügend Raum, dass uns sein ungewöhnlicher Charakter deutlich wird. Danke, Dr. Hoven!

|Das Hörbuch|

Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt in gewohnter Weise kompetent gestaltet, bietet aber ansonsten keine Zutaten wie etwa Musikuntermalung oder gar eine Geräuschkulisse. Über Bierstedts Fehler in Aussprache und Betonung könnte ich mich aufregen, tu ich aber nicht.

Vielleicht ist es wegen der begrenzten Ausstattung hinsichtlich Musik und Geräuschen ein wenig preisgünstiger als ähnliche Produkte mit sechs CDs ausgefallen. Es kostet knapp 20 Euronen, drei weniger als das erste Hörbuch der Preston/Child-Serie und Aloysius Pendergast. Das ist doch mal ein Fortschritt.

|Originaltitel: Dance of Death, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Michael Benthack
427 Minuten auf 6 CDs|
http://www.luebbe-audio.de

Mari Jungstedt – Den du nicht siehst (Hörbuch)

Ferieninselhorror: der Rachezug des Axtmörders

Die schwedische Ferieninsel Gotland bereitet sich auf den Mittsommer vor, die Hochsaison für den Tourismus. Helena und Per haben Freunde zum Fest eingeladen, doch die Party endet in bitterem Streit. Im Morgengrauen bricht Helena zu einem Spaziergang am Meer auf. Stunden später wird ihre Leiche gefunden. Sie wurde mit einer Axt erschlagen und mit ihrer Unterwäsche geknebelt, ihr Hund liegt enthauptet daneben.

Alles sieht nach einem Eifersuchtsdrama aus, und Hauptkommissar Robert Anders nimmt Per in Haft. Doch die Ruhe ist trügerisch. Als auf dem Friedhof des Hauptortes Visby eine auf gleiche Weise ermordete Frau gefunden wird, ahnt Anders, dass er es mit einem Serienmörder zu tun hat. Verzweifelt sucht er nach einer Verbindung. Nur wenn er den Plan des Mörders kennt, kann er weitere Morde verhindern. Doch Politik und Presse setzen ihn zunehmend unter Druck.
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Bujor, Flavia – Orakel von Oonagh, Das

_Stark gekürzt: Hanni und Nanni als Revoluzzer_

Als Jade, Opale und Ambre an ihrem 14. Geburtstag die zu ihren Namen passenden, geheimnisvollen Steine überreicht bekommen, erkennen sie, dass ihnen eine große Aufgabe bevorsteht. Sie können sie nur gemeinsam bewältigen, obwohl sie dabei angeblich Gegnerinnen seien. Ein Orakel soll ihnen die Prophezeiung zu ihren Steinen deuten. Dazu müssen sie die bekannte Welt verlassen – und sehen sich unvermittelt in eine Fehde hineingezogen. Welche von ihnen wird den Erwählten finden, der das Land von seinem Joch befreit? Welche von ihnen wird die Gabe erkennen, dem Land zu neuem Leben zu verhelfen? Und welche von ihnen ist gefährlich wie der Tod?

_Die Autorin_

Flavia Bujor, Tochter einer Psychoanalytikerin und eines Bildhauers, hat ihren Roman „Das Orakel von Oonagh“ bereits mit zwölf Jahren geschrieben und ein Jahr später beendet. Ursprünglich als Fortsetzungsroman gedacht, hat sie diesen an ihre Klassenkameradinnen verteilt, bevor ein Verlag darauf aufmerksam wurde. Mittlerweile ist der Roman in über 16 Länder verkauft worden. Die Tochter rumänischer Einwanderer gibt als Lieblingsautoren J. R. R. Tolkien und Michael Ende an und lebt in Paris.

_Die Sprecherin_

Kornelia Boje, geboren in Berlin, ist Autorin, Schauspielerin, Regisseurin und Fotografin. Sie hat in vielen Städten Theater gespielt und für Rundfunksender gearbeitet. Boje ist als Synchronsprecherin tätig und hat viele Hörbücher eingesprochen. Heute lebt sie in München und Berlin.

Gabriele Kreis führte bei der Aufnahme im Eimsbütteler Tonstudio 2007 Regie. Die Titelillustration stammt von Dieter Wiesmüller.

_Ausgewählte Figuren_

Jade: Tochter des Herzogs von Divulyon, stolz, aber tatkräftig
Ambre: Bauernmädchen, liebt die Sonne und Geschichten, verträumt, aber hilfsbereit
Opale: Bürgerstochter, introvertiert und kühl, wächst bei ihrer Urgroßtante Eugénia auf
Adrien de Rivebel: hilft den Mädchen beim Übertritt in die andere Welt
Der Rat der Zwölf: herrscht über das LAND und wird angeführt von dem geheimnisvollen 13. Mitglied
Neophileus: ist der Urheber der Prophezeiung und stammt aus dem Volk der Clohryuner
Jean Losserand: ein junger Mann, der mit alten Büchern handelt
Amnhor: von Berufs wegen Heiler
Lloghin: noch ein Heiler
Loorine, Mairenith und Janelle: drei Nalyssen von nicht sehr gutem Charakter
Bumblinks: schalkhafte Waldwesen im Lande Mär
Ghibduls: merkwürdige Wesen von kleinem Wuchs
Orlaith: Tochter von Tivann de l’Orleys, dem Besitzer eines Zauberrings
Arthur de Farrière, Gohral Keull: freien um Orlaiths Hand
U.v.a.m.

_Handlung_

In einem Pariser Krankenhaus des Jahres 2002 träumt ein sterbenskrankes Mädchen namens JOA …

Die stolze Jade bekommt von ihrem Vater, dem Herzog, an ihrem 14. Geburtstag mitgeteilt, er sei gar nicht ihr richtiger Vater, gibt ihr einen schönen Stein aus – was wohl? – Jade und befiehlt, zwei andere Mädchen wie sie an einem bestimmten Ort zur vorbestimmten Zeit zu treffen. Nur so könne die Prophezeiung des Neophileus eingehalten werden. Dummerweise sagt er ihr nicht, was es mit dem Stein auf sich hat.

Die bürgerliche Opale hat gar keine Eltern, sondern ist bei ihrer Großtante Eugenia und deren Tochter Gina aufgewachsen. Die Blondine hat wasserblaue Augen und war noch nie verliebt. In den Sachen der Großtante stößt sie auf ein vergoldetes Buch mit dem Titel „Die Prophezeiung“ und einen Samtbeutel, in dem sich ein blau schimmernder Stein befindet. Als sie ihn berührt, sendet der Stein eine Botschaft an Unbekannte ab, eine telepathische Verbindung wird hergestellt, doch als Opale den Stein loslässt, bricht diese ab. Der Rat der Zwölf weiß nun, dass die Prophezeiung ins Werk umgesetzt wird. Die Großtante gibt Opale um Mitternacht den Stein und befiehlt ihr, zwei Mädchen zu treffen: „deine Gegnerinnen“.

Die bäuerliche Ambre (= Bernstein) ist traurig, als sie ans Sterbebett ihrer Mutter gerufen wird. Obwohl die Mutter ihr sagt, sie sei gar nicht ihre leibliche Mutter, weint Ambre um sie. Ambre bekommt einen gelblichen Stein in einem Beutel, bevor ihre Mutter mit einem Lächeln auf dem Gesicht zufrieden stirbt.

|Das Treffen|

Wie befohlen, treffen sich die jungen Frauen unter einem Baum um Mitternacht. Angeblich seien sie Gegnerinnen, glaubt Jade, doch Opale fragt, wozu sie dies sein sollen. Sie präsentieren ihre Steine, drücken sie gleichzeitig und werden mental zu einer Einheit. Sie sehen vor ihrem geistigen Auge ein Symbol aus Kurven und Spiralen. Sind die Steine auch Wegweiser? Jade fragt eine Bäuerin, bei der sie übernachten darf, nach dem Symbol. Sie soll in die Stadt gehen, zu ihrem Sohn Jean Losserand, der sei gelehrter als sie, aber er habe viele Feinde. Denn Jean war in dem magischen Reich, das Die Mär genannt wird, und dessen Zutritt der Rat der Zwölf verboten und durch ein Magiefeld verwehrt hat. Jean sei nach drei Jahren Gefängnis wieder frei und werde bewacht.

Opale empfängt eine mentale Botschaft: Vor ihnen liege die Stadt Nathyrnn, der Erwählte werde kommen, und sie drei würden sterben, Opale zuerst. Als die Steine ihnen keine Auskunft über diese Botschaft geben, durchschaut Jade sie als Lüge und besteht darauf, nach Nathyrnn zu gehen.

|Die Mär|

Ein Ritter, der sein Gedächtnis verloren hat und verletzt ist, begegnet einem Wesen in Menschengestalt, das sich als Elfohrys vorstellt. Der nur achtzehnjährige Ritter, ein Ovalyn, nennt sich Der Namenlose. Das freut Elfohrys, denn in der Prophezeiung wird der Erwählte auch Der Namenlose genannt. Als sie an den See der Qualen gelangen, erscheint eine Nixe und überreicht dem Namenlosen ein schönes Kästchen: Es ist leer. Was mag es wohl enthalten?

Der Ritter will in die ferne Stadt Thaar, doch Elfohrys empfiehlt ihm, zuerst zum Orakel des Oonagh zu gehen, um herauszubekommen, ob er sich auf dem richtigen Weg befinde. Der Ritter wird Ziel eines ersten geistigen Angriffs der kriegerischen Ghibduls, hat er doch deren Freunde, die Bumblinks, bekämpft. Weil der Ritter mit Hilfe des Kästchens den Angriff abwehren kann, beratschlagen die Ghibduls in ihrem Walddorf, wie sie ihn angreifen können. Der nächste Angriff findet den Namenlosen im Tiefschlaf vor, und der Ritter erwacht erst wieder gefesselt. Aber nur, um einer harten Prüfung unterzogen zu werden …

|Die Stadt Nathyrnn: Revolution No. 1|

Opale gelingt es, mit ihrem unverfrorenen Verhalten und einer faustdicken Lüge – sie sei Agentin des Rates der Zwölf – die Wache der Ordensritter zu überwinden und Zutritt zur Stadt Nathyrnn zu erlangen. Sie finden Losserands Buchladen ohne Probleme, doch dann müssen sie sein Misstrauen überwinden. Sind sie vielleicht Spione des Rates der Zwölf? Aber nein, denn Jade wettert gegen den Rat und erwähnt die Prophezeiung, die sie mittlerweile auswendig kennt: Der Erwählte wird kommen und die Armee des Lichts gegen die Armee der Finsternis führen, um in einer Schlacht die Mär von der Unterjochung durch den Rat zu befreien.

Losserand erkennt das Symbol, das die Mädchen ihm beschreiben, als das Symbol des Oonagh. Es stamme von einem magischen Wesen in der Mär, das in einer Kristallhöhle auf einem Berg lebt und in den Herzen der Menschen lesen könne. Doch um zum Oonagh zu gelangen, müssen sie erst einmal die Mär betreten, deren Zutritt der Rat verwehrt hat. Losserand rät ihnen, Adrien de Rivebel aufzusuchen. Er sei zwar erst 16 Jahre alt, ein Sohn von Rittern, der unbedingt in die Mär wolle.

Zur Erleichterung der Mädchen ist Adrien kein Träumer, sondern ein Mann mit Tatkraft – und er hat sogar einen Plan! Er habe zwar Oonagh getroffen, sei aber nicht der Erwählte, versichert er. Während sich Opale sofort in ihn verliebt, erläutert er Jade seinen Plan. Man müsse einen Schlafbann über die Stadt legen, sich selbst aber natürlich gegen dessen Wirkung schützen. Der Bann würde die Ordensritter außer Gefecht setzen, und vorher müsse man die Bewohner der Stadt zur Flucht auffordern, sobald die Wirkung des Banns nachließe. Das erweist sich als kein Problem, denn die magischen Steine verleihen den Mädchen die Kraft, per Telepathie die Botschaft vom Bann an alle Bewohner, die es interessieren soll, zu senden.

Der Plan gelingt, doch obwohl sie die Stadt Nathyrnn verlassen können, sind sie doch noch lange nicht in der Mär. Deren Grenze ist schon in Sichtweite, da treten deren Bewacher auf. Und selbst wenn sie diese überwinden könnten, wie sollen sie durch die magischen Grenze gelangen, die doch von den Märwesen aus genau diesem Grund errichtet wurde?

Wie die Mädchen herausfinden, gibt es nur eine Methode, ins magische Reich zu gelangen: Man muss an das Unmögliche glauben …

|Paris, 2002.|

Das Mädchen in seinem Krankenbett denkt an den Mann Elie Ador, den sie liebte und der sie verließ. Im Traum, den sie nun webt, heißt er Elyador und wird das Schicksal der Welt entscheiden …

_Mein Eindruck_

Wie schon oben deutlich gemacht, handelt es sich bei der Geschichte von Jade, Opale und Ambre keineswegs um ein Abenteuer aus quasi historischer Zeit, wie es noch Tolkien vorgeben konnte, als er seine Parallelwelt Mittelerde (übrigens nach nordischen Vorbildern) schuf. Sowohl die Welt, in der die Mädchen aufwachsen, als auch Die Mär selbst gehorchen zwar den Gesetzen der Physik, doch ansonsten sind sie ziemlich der bekannten Geschichte enthoben. Wo kommen die Ordensritter und der Rat der Zwölf her? Warum sich die Ratsmitglieder telepathisch verständigen? Dass es im Draußen Herzöge gibt und in Der Mär Ritter, macht überhaupt keinen Unterschied, denn beide haben für die Imagination der Autorin den gleichen Status: Es sind typisierte Figuren, auf die sie nach Belieben zurückgreifen kann.

Deshalb erübrigen sich Fragen, ob diese Figuren gesellschaftlich glaubwürdig und die Handlung realistisch sind. Genauso gut könnte man fragen, ob der Tod das Recht hat, in den Streik zu treten. Vielmehr stellen sich Fragen nach dem Warum und dem Wozu der Binnenhandlung um die drei Mädchen.

Wie in Fantasygeschichten üblich, befindet sich das magische Reich in Gefahr und die Welt im Allgemeinen in einem Ungleichgewicht. Dies bezieht sich darauf, dass der Rat der Zwölf die Freiheit im Draußen unterdrückt und sich anschickt, auch Die Mär mit Hilfe einer fünften Kolonne, der Armee der Finsternis, seiner Herrschaft zu unterwerfen. Doch wo sind sie, die rettenden Kräfte der Freiheit und des Lichts?

An diesem Punkt kommen die drei von der Prophezeiung ausgewählten Mädchen ins Spiel. Dumm nur, dass zwei ihrer Eltern ihnen erzählen, dass die jeweils anderen zwei ihre Gegnerinnen seien. Dass sie sich schließlich doch zusammenraufen, lässt uns erleichtert aufatmen. Aber was soll die Prophezeiung, dass eine von ihnen gefährlich sei wie der Tod und sie zum Sterben auffordern werde? (Vorausgesetzt, der Tod arbeitet gerade wieder.)

Es gibt also sowohl eine innere Spannung zwischen den drei Auserwählten als auch eine äußere Spannung, die durch die Frage entsteht, ob sie Die Mär retten können. Nun kommt ein weiterer Faktor X hinzu, nämlich der Erwählte. Welche von ihnen wird ihn finden und ihn gegen alle zu erwartenden Anfeindungen und Zweifel verteidigen? Kitzliger wird die Sache noch dadurch, dass der Erwählte selbst abstreitet, dies zu sein, sich Der Namenlose nennt, durch diverse Instanzen offenbart werden muss (die Ghibduls, die Ringprobe usw.) und schließlich dazu motivieren ist, die Armee des Lichts in die finale Schlacht gegen die Finsternis zu führen.

Dieser Werdegang erinnert stark an die Entwicklung, die auch Aragorn durchlaufen muss: vom anonymen Waldläufer zum Anführer einer Dreimanntruppe bis zum Heerführer und schließlich König. Auch Der Namenlose lebt im Exil, doch in dem der Erinnerung. Und was sich enthüllt, nachdem man ihm seine Erinnerung zurückgibt, stellt ihn auf eine harte Probe, auch in den Augen seiner Gefolgsleute. Als Opale ihn trotzdem unterstützt, offenbart sich, dass die drei Mädchen eine Autorität besitzen, die man ihnen nicht zugetraut hätte. Und zwar einfach deswegen, dass sie zwar besser ausstaffiert sein mögen und auch prophezeit sein mögen, aber ansonsten über keinerlei verdienstmäßige Rechtfertigung für ihr bestimmendes Auftreten vorbringen können. Hier verrät sich das Wunschdenken der Träumerin (lies: die sehr junge Autorin).

Im Unterschied zu Tolkien gibt es in der Handlung zwei wichtige Instanzen, die in kindlicher Gestalt dargestellt werden. Das ist zum einen das Orakel des Oonagh in seinem von allegorisch dargestellter Angst geschützten Berg. Und zum anderen ist dies der Tod, der hier überhaupt nicht als Sensenmann daherkommt, sondern als kleines Mädchen. Und weil es sich nicht angemessen geliebt fühlt, ist es kurzerhand bockig in den Streik getreten. Die drei Mädels können unter Beweis stellen, welche Mutterqualitäten in ihnen stecken, wenn sie das bockige Kind wieder dazu motivieren, die Leute bitteschön doch wieder sterben zu lassen. Es ist eine der komischsten und gelungensten Szenen des Buches.

Am Schluss hat sich die kranke Träumerin des Jahres 2002 selbst therapiert, denn der Traum hat ihr den Kummer um den verlorenen Elydor alias Elie Ador genommen. Nun kann sie neue Hoffnung schöpfen und sich neuen Aufgaben und Abenteuern zuwenden.

|Die Sprecherin|

Kornelia Boje ist hörbar ein „älteres Semester“ und klingt wie eine Märchentante. Das ist angesichts des hauptsächlich fantasymäßigen Inhalts der Geschichte recht passend. Ihr Vortrag strahlt sowohl Sympathie für die drei Heldinnen als auch die Autorität des über der Geschichte stehenden Chronisten aus. Die Revolutionen, die Heldinnen anzetteln, sind ja kein Spaziergang, und so ist es für die Sprecherin notwendig, auch die harten Seiten des magischen Reiches auf glaubwürdige Weise zu zeigen, beispielsweise die Prüfung des Namenlosen, ob er der Erwählte sei.

Es ist nicht einfach, die Stimmen dreier gleichaltriger junger Mädchen so zu variieren, dass sie unterscheidbar werden. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass sich Ambre und Opale stets recht sanft ausdrückten, Jade, die Adlige, hingegen stets recht energisch und befehlshaberisch. Das gilt aber nur generell, denn natürlich ist auch dies wiederum von der jeweiligen Stimmung abhängig. Als Jade erfährt, dass sie ihren „Vater“ verlassen soll, jammert sie erwartungsgemäß über dieses harte Los. Und Ambre sowie Opale klingen nicht immer niedergeschlagen und sanft, sondern auch mal fröhlich.

Die Intonierungen der Männerfiguren sind dementsprechend tiefer, doch sie sind fast ununterscheidbar, denn sogar die Männer sind meist Jungs zwischen 16 und 18 Jahren. Ganz anders hingegen Jades Vater, der Herzog, sowie die diversen Mitglieder des Rates der Zwölf. Ganz besonders gefiel mir Bojes Darstellung des 13. Ratsmitglieds, das sich stets im Hintergrund gehalten hat. In dessen Präsenz findet ja der Showdown statt, während draußen auf dem Schlachtfeld die Armeen aufeinander treffen. Das namenlose Ratsmitglied ist eine Mischung aus Saruman und Gríma Schlangenzunge: kalt, spöttisch, verächtlich, einschmeichelnd – kurzum, ein Ausbund an Manipulation und Bosheit.

Ganz anders hingegen der Oonagh. Das Orakel erscheint in Gestalt eines Jungen, dessen Stimme angemessen hoch wie die eines Kindes ist. Es gibt noch ein weiteres Kind, nämlich den Tod. Dort äußert sich die Kindlichkeit in einer sich steigernden Komik.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele anführen, aber eines ist klar: Boje vermag ihren stimmlichen Ausdruck flexibel sowohl den Figuren als auch den Szenen anzupassen und stets den richtigen emotionalen Ausdruck zu präsentieren. Man sollte mehr von ihr hören.

|Geräusche bzw. Musik|

Der Hörer wird schon am Anfang auf das Hörbuch eingestimmt, mit einem sanften Klang, der von einem mir unbekannten Instrument erzeugt wird (es könnte sich um eine metallene Schüssel handeln, deren Rand gestrichen wird). Dieser Sound wird durchgehend wiederholt, wechselt aber auch je nach Bedarf mit einem leisen „Ping!“ ab, wie es von einem Triangel erzeugt wird. Diese Klänge – ein Mittelding aus Musik und Geräusch – werden als Interpunktion eingesetzt, um die einzelnen Szenen voneinander abzusetzen. Die Gesetzmäßigkeit, nach der diese Interpunktion erfolgt, hat sich mir aber nicht erschlossen.

Völlig andersartig ist die klangliche Zeichensetzung bei den kurzen Szenen, die im Krankenhaus spielen. Am Anfang hören wir den Pulsschlag eines Herzens, der allmählich verklingt. Am Ende der Szene fällt eine Tür ins Schloss, was andeuten könnte, dass die Visite eines Arztes oder einer Krankenschwester beendet ist.

Das einzige Geräusch, das ich wirklich als solches bezeichnen könnte, ist das Zwitschern von Vögeln, als der Namenlose und Elfohrys durch die Botanik der Mär wandern.

|ACHTUNG: Kürzungen|

Ich war in der glücklichen Lage, den Vortrag mit der Buchvorlage vergleichen zu können. Dabei fielen mir massive Kürzungen auf, die sich Pi mal Daumen geschätzt auf rund 40 bis 50 Prozent des Originaltextes erstrecken. Will heißen: Dies ist nur das halbe Buch!

Ganz besonders ist die Kürzung an der Tatsache abzulesen, dass ein komplettes Kapitel fehlt. Von den drei „Nalyssen“ Loorine, Janelle und Mairénith findet sich daher keine Spur. Das ist allerdings, was den roten Faden anbelangt, kein großer Verlust, und die Übersichtlichkeit profitierte vielleicht davon. Aber wer sich allein das Hörbuch anhört, sollte wissen, dass er auf einen Teil des Buches verzichtet.

_Unterm Strich_

Die meisten Leser dürften sich wohl nur für die Binnenhandlung interessieren und darüber wundern, wie zusammenhanglos und episodisch diese aufgebaut ist, wie viele Allegorien es gibt und dass die ganze Sache wohl nicht besonders gut durchdacht ist. Macht überhaupt nichts. Denn dies alles ist ja eh nur ein Traum eines Mädchen im Paris Jahres 2002, und Träume haben per se die Lizenz zum Unlogischsein.

Dabei ist die Rahmenhandlung nicht bloß ein Vorwand, um dem Leser eine lange Nase zu drehen, sondern steht in innerem Zusammenhang zum Traum, also der Fantasy, denn sonst könnten nicht die Namen von Elyador = Elie Ador und Joana = JOA = Jade, Opale, Ambre auf beiden Ebenen quasi identisch sein.

Der Leser bzw. Hörer kann sich also daran freuen, dass es eine ganze Reihe von charmanten und humorvollen Szenen gibt, an die man sich auch später noch gerne erinnert, weil sie mit aufrichtiger Emotion aufgeladen sind, so etwa die Ringprüfung, die Begegnung mit dem Tod und die finale Auseinandersetzung mit dem 13. Magier.

|Das Hörbuch|

Der Hörer sollte sich darüber im Klaren sein, dass die gebotene Fassung gegenüber dem Original beträchtlich gekürzt worden ist. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn der rote Faden in der Geschichte tritt umso deutlicher hervor. Dadurch kommt kaum jemals Langeweile auf, sondern die Handlung schreitet stets zügig voran – derart zügig, dass sich der Hörer nach einer Weile fragt, ob die drei Heldinnen jemals eine Verschnaufpause gegönnt bekommen.

Die Sprecherin macht ihre Sache, wie ich finde, sehr gut und trägt den Text mit dem gebotenen gefühlsmäßigen Engagement vor. Diverse Klänge dienen auf kuriose Weise der Interpunktion zwischen den einzelnen Szenen, die ziemlich schnell wechseln, ganz besonders am Anfang. Der Hörer erhält eine Orientierung und weiß Bescheid, dass nun die eine Szene endet und die nächste beginnt. Schade, dass irgendwelche sonstigen Geräusche fast völlig (Vogelzwitschern, Türschlagen) ausgeblendet wurden.

|Originaltitel: La prophétie des pierres, 2002
Aus dem Französischen übersetzt von Roseli und Saskia Bontjes van Beek
317 Minuten auf 4 CDs|
http://www.hoerbuch-hamburg.de

Jilliane Hoffman – Mädchenfänger (Lesung)

Showdown mit dem Picasso-Mörder

„PS: Freue mich auf morgen“, lautete die letzte Mail von ElCapitan an Lainey. Seitdem ist die Dreizehnjährige nicht mehr nach Hause gekommen. FBI-Agent Bobby Dees glaubt nicht daran, dass Lainey einfach nur abgehauen ist, und er weiß, wovon er spricht: Dees‘ Tochter Katy ist vor einem Jahr verschwunden, und er sucht immer noch nach ihr. Als Dees ein verstörendes Gemälde zugespielt wird, sieht er seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Es zeigt eine junge Frau, die gefoltert wird. Sie hat kein Gesicht, doch in einer Ecke erkennt er Laineys Schultasche … (Verlagsinfo)
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Perry Rhodan – Der Tod eines Kriegers (Silber Edition 162)

Die Handlung:

Die Ewigen Krieger stammen aus den fernen Galaxien der Superintelligenz ESTARTU und herrschen in der Milchstraße. Doch immer mehr Galaktiker wehren sich gegen sie.
So stellen sich die Haluter gegen Sotho Tyg Ian, den Anführer der Besatzungstruppen. Zur gleichen Zeit schmiedet der geheimnisvolle Große Bruder eine neue Koalition. Unter seiner Federführung bereitet sich der Widerstand auf einen Schlag vor, der die Macht des Sothos entscheidend schwächen soll.
Auch in der kleinen Galaxis Fornax spitzt sich die Lage zu. Galaktiker sind auf der Spur der mysteriösen Wissenden. Was wissen die heimlichen Herrscher über die katzenähnlichen Kartanin? Was sind ihre düsteren Geheimnisse? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Welcher Krieger hier stirbt, das erfahren wir erst mal noch nicht. Los gehts in einer Pyramide, was ich wesentlich spannender fand als die folgende Sitzung des Galaktikums, auf der Julian Tifflor vorschlägt, dass die Haluter austreten.

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Connelly, Michael – Dunkler als die Nacht

_Unter Verdacht: Gegen Harry Bosch wird ermittelt!_

Die bizarre Bilderwelt des Hieronymus Bosch scheint die entscheidenden Hinweise zur Aufklärung eines Mordes in Los Angeles zu geben. Diesmal arbeiten Michael Connellys zwei Oberschnüffler Harry Bosch und Terry McCaleb erst gegeneinander, dann zusammen an einem Fall, der ihnen beiden das Genick brechen könnte.

_Der Autor_

Michael Connelly war jahrelang Polizeireporter in Los Angeles und lernte das Polizeigewerbe von außen kennen. Bekannt wurde er mit seinen Romanen um die Gesetzeshüter Harry Bosch und Terry McCaleb, zuletzt besonders aufgrund der Verfilmung von „Das zweite Herz / Blood Work“ durch Clint Eastwood. Zuletzt erschienen „Der Mandant“, „Vergessene Stimmen“ und „Die Rückkehr des Poeten“ auf Deutsch.

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[„Vergessene Stimmen“ 2897
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[„Der Poet“ 2642

_Der Sprecher_

Engelbert von Nordhausen wurde 1948 in Schmölln, Thüringen, geboren, seine Kindheit verbrachte er in West-Berlin. Ab 1966 nahm er Schauspielunterricht, bekam 1969 sein erstes Engagement an der Landesbühne Iserlohn, es folgten das Theater Saarbrücken, die Freie Volksbühne Berlin und das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. 1988 begann seine Zeit als Dialogregisseur und Dialogbuchautor für die Synchronbranche, die bis heute währt.

Nordhausen ist die deutsche Stimmbandvertretung für die Hollywoodschauspieler Gene Hackman, Samuel L. Jackson und Bill Cosby.

Regie führte wie stets Stefan Hackenberg. Er studierte Jura, Anglistik und Germanistik in Köln. Ab 1986 war er Literaturdozent und Autor, ab 2000 arbeitete redaktionell und journalistisch für Fachmagazine, Hörfunksendungen wie die „Ohrenweide“ (WDR) und wurde Regisseur für Computerspiele (!) und bei künstlerischen Hör-Produktionen. Er bearbeitet Drehbücher, Hörbücher und Hörspiele. Lebt seit Jahren „bewusst“ in der Eifel. (Verlagsinfo)

_Handlung_

Harry Bosch, den Connelly-Leser schon aus mehreren Romanen kennen, soll diesmal als Hauptfigur der Anklage in einem Gerichtsverfahren gegen den allseits bekannten Hollywood-Regisseur David Storey aussagen, der sich für unantastbar hält. Das Medieninteresse ist entsprechend groß. Storey soll im Sexrausch eine junge Schauspielerin umgebracht und ihren Tod anschließend als Selbstmord durch autoerotische Strangulation inszeniert haben. Storeys wichtigster Helfer ist ein bulliger Ex-Polizist, Privatdetektiv und Kautionsvermittler namens Rudy Tafero, der im Hintergrund gegen Bosch und McCaleb agiert.

Terry McCaleb, Experte für Serienmorde und ehemaliger FBI-Angehöriger, lebt nun – mit zweitem Herzen und seiner Familie – auf der friedlichen Insel Catalina vor L. A., als eines Tages die leitende Polizistin Jaygee Winston bei ihm auftaucht, um ihn um beratenden Beistand bei einem ganz anderen Mord zu bitten. Der saufende Gelegenheitsarbeiter Edward Gunn wurde in einem Ritualmord getötet, bei dem er sich selbst erdrosselte.

Es ist McCaleb, der die Nachbildung einer Eule im Tatortvideo entdeckt. Aber in der Wohnung Gunns ist sie, als er mit Winston nachsieht, nicht mehr zu finden. Bei einer Erkundung des Areals entdeckt McCaleb sie auf dem Dach des Nebenhauses, das der Hausmeister ebenfalls verwaltet. Es ist ein umgebauter Vogelschreck, und die Firma, die sie in Kalifornien vertreibt, kann auch den Käufer nennen. Leider sind die Angaben alle gefälscht, aber sie passen ins Schema.

Die Eule und andere Symbole und Bildinschriften stammen alle aus dem Werk des flämischen Malers Hieronymus Bosch, und sogar der nackte Mann, dessen Füßen auf seinen Rücken gefesselt sind und der sich mit einer Schlinge um den Hals selbst stranguliert, kommt in Boschs Bildern vor. Doch warum musste Gunn überhaupt sterben? Da stößt McCaleb auf den Hinweis, dass es sein Ex-Kollege Harry Bosch, mit dem er im POET-Fall zusammengearbeitet hat, war, der Gunn in der Nacht vor dessen Tod in der Ausnüchterungszelle besucht hat. Bosch glaubt, dass Gunn vor sechs Jahren eine Prostituierte umgebracht hat. Und weil Boschs eigene Mutter eine Prostituierte war und ermordet wurde, schiebt Bosch nun einen Hass auf alle Nuttenmörder. Alles klar, Herr Kommissar?

McCaleb glaubt nicht an Zufälle. Er entdeckt zu seiner Bestürzung auch noch Folgendes: Detective Hieronymus „Harry“ Bosch trägt den gleichen Namen wie der mittelalterliche Maler, der eigentlich Jerome (= Hieronymus) van Aiken hieß, sich aber nach seiner Heimatstadt t’Hertogenbosch Hieronymus Bosch nannte. McCalebs Verdacht fällt unweigerlich auf Harry Bosch, und er muss an Winston weitergeben, was er entdeckt hat. Unglücklicherweise muss Winston ihre Information auch an das FBI weitergeben, und dessen hartnäckige Abteilung für Bürgerrechte schaltet sich ein. Allerdings fühlen währenddessen McCaleb und Winston bei Bosch und dessen Ex-Kollegin Kizmin Ryder so ungeschickt und auffällig vor, dass es Bosch nicht schwerfällt, zwei und zwei zusammenzuzählen. Die beiden sind auf seiner Fährte und glauben wohl am Ende noch, er hätte Gunn auf dem Gewissen, oder?

Gleich am nächsten Tag tritt ein findiger Reporter von „The New Times“ auf Bosch zu und bittet um einen Kommentar zu der Tatsache, dass das FBI gegen ihn ermittle. Bosch bleibt ganz cool und warnt McEvoy, seine Quellen ganz genau zu prüfen und sich zu fragen, welche Motive dahinterstecken, Bosch kaltzustellen. Denn sobald die „New Times“ hinausposaunen würde, dass Bosch unter Mordverdacht stehe, sei seine Aussage gegen David Storey keinen Pfifferling mehr wert. Und Storey könnte weitermorden. McEvoy gibt Bosch eine Galgenfrist, dann will er die Story bringen.

Zum Glück kann Bosch McCaleb von seiner Unschuld überzeugen und auch das Motiv ad absurdum führen. Gemeinsam bemühen sie sich zusammen mit Winston, die Verbindungen zwischen den zwei Mordfällen aufzudecken. Und als der hartnäckige McCaleb jemandem bei seinen Ermittlungen zu heftig auf die Zehen tritt, ist Bosch gefragt, um ihm in letzter Sekunde das Leben zu retten.

_Mein Eindruck_

Man merkt es dem spannenden und kunstvoll konstruierten Thriller durchweg an, dass Connelly jahrelang als Polizeireporter in L. A. gearbeitet hat. Nicht nur vermag der Autor Schauplätze und Menschen genau zu charakterisieren, er kennt auch die Methoden der Schnüffler wie der Verbrecher. Er kann das zentrale Gerichtsverfahren, das den roten Faden liefert, minutiös nachzeichnen und als kriminalpolitischen Schauplatz verständlich machen. Allerdings vermittelt er in der Mitte des Buches dabei den Eindruck, ein Gerichtsdrama zu liefern. Das legt sich zum Glück wieder, so dass der Showdown den Leser bzw. Hörer wirklich fesseln kann.

Mit Bosch und McCaleb tauchen zwei Figuren Connellys auf, deren Innenleben laufend erklärt wird. Leser, die schon Connellys Romane „Der Poet“ und „Das zweite Herz“ gelesen haben, werden die beiden Figuren, besonders McCaleb, weitaus besser verstehen, als es der Autor in „Dunkler …“ ermöglicht. „Dunkler …“ bedient nicht so stark voyeuristische Instinkte wie etwa Thomas Harris mit seinen Hannibal-Romanen.

Wir werfen dennoch einen Blick auf grausige Szenen, die aus dem Serienkillerfilm „Sieben“ stammen könnten – nichts für zarte Gemüter. Vielmehr richtet Connelly unser Augenmerk auf ganz normale Schnüffelarbeit bei Dutzenden von Zeugen an zahlreichen Orten. Erst hierdurch wird die Stadt Los Angeles als Organismus lebendig und erlebbar, mitunter sogar mit komischen Untertönen. Der Autor zeigt wie schon zuvor ein feines Gespür für Rhythmus: Solche heiteren Momente wechseln sich stets mit Hochspannung ab, aber auch mit bewegenden Szenen. Bosch gesteht zum Beispiel, dass er an der Ermordung seines ehemaligen Chefs Harvey Pounds Schuld hat. So etwas gibt nicht jeder Cop zu, schon gar nicht einer, gegen den wirklich gerade wegen Mordes ermittelt wird.

Man fragt sich nach sechs Jahren, ob die Klischees, die Connelly hier präsentiert, wirklich der Realität entsprechen. Das FBI beispielsweise ist grundsätzlich verbohrt und seine Agenten sind ziemliche Idioten. Dass eine Frau in die Ermittlungen eingeschaltet ist, grenzt schon fast an ein Alibi. Und dass Bosch zufällig in der Gegend ist, als McCaleb gerade das nächste Opfer des Gunn-Mörders werden soll, grenzt schon an göttliches Eingreifen.

|Der Maler|

Das wichtigste Bild, das Bosch im Roman erwähnt, ist „Der Garten der Lüste“, das heute im Madrider Prado hängt – ein riesiges Triptychon, das den Garten Eden, die Welt und die Hölle zeigt. Darauf sind mehrere Symbole für göttliche Strafe zu sehen, Eulen beispielsweise, denn Eulen stehen für Weisheit. Connelly zieht eine deutliche Parallele zwischen den Zuständen im Moloch L. A. und der Darstellung der Welt durch Hieronymus Bosch. Diese Korrespondenz mag zunächst etwas platt erscheinen, aber es ist für einen amerikanischen Thriller doch recht ungewöhnlich, Kunstwerke als Indiziengeber einzusetzen, zumal europäische. Aber Boschs Vorname lautet tatsächlich nicht Harry, sondern Hieronymus.

Der Buchtitel bezieht sich auf die Dunkelheit, mit der die Hölle gemalt ist: „a darkness more than night“ sagt der deutsche Restaurator im Getty Museum, der an einem Bosch-Gemälde arbeitet. Es ist die Dunkelheit der Verzweiflung und Verdammnis, darf man annehmen. „Bosch kannte alle Dämonen.“

|Die Übersetzung|

Die Übersetzung von Sepp Leeb ist gewohnt gut, doch ein wenig erstaunt das Titelbild: Da sitzt eine schwarze Krähe wie von Hitchcock auf einer Holzkugel. Im Buch hingegen ist ständig von Eulen als Verkörperungen des Bösen die Rede. Der Grund für die Wahl der Krähe dürfte darin zu suchen sein, dass Eulen heute als Symbol der Weisheit („Eulen nach Athen tragen“) gelten, Krähen aber nun deren üblen Ruf geerbt haben.

|Der Sprecher|

Wer einmal Filme mit Samuel L. Jackson gesehen hat (und wer hat das nicht?), erinnert sich wohl noch die tiefe Stimme der deutschen Stimmbandvertretungen des bekannten Schauspielers. In vielen Jackson-Filmen wird diese gesprochen von Engelbert von Nordhausen. Dieser ungewöhnliche Name, der an alte Ritterburgen denken lässt, soll nicht dazu verleiten, den Sprecher zu unterschätzen. Man wird schnell eines Besseren belehrt, wenn man Zeuge der Flexibilität wird, mit der der Sprecher sein Sprechinstrumentarium handhabt.

Schon in der ersten Szene, dem PROLOG, erklingt die Stimme von Harry, die die tiefste im ganzen Ensemble von „Figuren“ der Handlung darstellt. Gleich darauf ertönt das heisere Quengeln des Säufers Edwin Gunn in der Ausnüchterungszelle. Merke: Bosch ist auch noch in der Silvesternacht im Dienst. Als Kontrastprogramm beginnt die erste Szene, als McCalebs Frau Graciela mit einer sanften, geradezu lieblichen Stimme nach ihrem Mann ruft. Sie kündigt Sergeant Winston an. McCaleb klingt müde und behäbig im Unterschied zu der alerten Polizistin.

Viele Frauengestalten – nicht alle – sprechen so sanft wie Graciela, so etwa Mrs. Penelope Fitzgerald, Chefrestauratorin im Getty Museum. Die Zeugin Annabel Crowe hingegen klingt jung und naiv, eine typische Nachwuchsschauspielerin, die sich nach oben schläft (und der dies im Bett von Storey fast zum Verhängnis wird).

Fast ebenso tief wie Bosch dröhnt das Organ von Richter Hewton, der im Prozess gegen Storey den Vorsitz führt und auch schon mal ziemlich ungehalten rufen kann, wenn die Dinge nicht so laufen, wie er sich das vorstellt. Das muss er auch mehrmals tun, denn die Schurken im Stück machen ihm das Leben alles andere als leicht. Storey beispielsweise ist einfach nur ein verächtlicher Mistkerl, der am liebsten Bosch dorthin schicken würde, wo der Pfeffer wächst.

Mit seinen vielseitigen Mitteln gelingt es dem Sprecher, nicht nur die Figuren zum Leben zu erwecken, sondern sie auch jeweils einer Situation anzupassen. So brechen die Zeuginnen regelmäßig in Tränen aus, und bei Annabel Crowe klingt das schon ziemlich echt. Und auch Harry Bosch kann sich von einer anderen Seite zeigen. Einmal lacht er, das klingt dann ziemlich düster und nicht sonderlich heiter. Regelrecht verblüfft hat mich der Sprecher, als er auch einen Yuppie zu gestalten weiß. Der Drehbuchautor Hendricks klingt schon ziemlich tuntenhaft, als er mit seiner kultivierten und distinguierten Stimme sich selbst lobt, bis es nicht mehr auszuhalten ist.

Eindeutig meine Favoriten unter den vom Sprecher gestalteten Rollen sind Harry Bosch und Terry McCaleb. Man merkt einfach, dass im unter(st)en Tonbereich die Stärke von Nordhausen liegt. Seine Fähigkeiten werten das Hörbuch gegenüber dem Printmedium eindeutig auf. Außerdem wurden im Hörbuch die langen Passagen über den Maler Bosch zusammengestrichen, denn sie lenken meines Erachtens nur vom Plot ab.

_Unterm Strich_

In diesem Roman führt der Autor in mehr oder weniger geschickter Weise seine beiden Oberschnüffler McCaleb und Bosch zusammen, allerdings zunächst als Kontrahenten. Dabei erweist sich Bosch seinem Zunftkollegen als haushoch überlegen. Und es liegt nicht daran, dass McCaleb durch sein schwaches, transplantiertes Herz gehandikapt ist. Es ist nur so, dass Bosch niemandem vertraut und deshalb durch McCalebs Fragen, die auffällig unsachlich sind, stutzig wird.

Immer wieder erweist sich der Autor als sachkundiger Vermittler von kriminalistischem Wissen. So flicht er wie beiläufig ein, wie nützlich doch ein Strafzettel sein kann. Auf diese Weise entdecken Winston und McCaleb nicht nur, was ihr Hauptverdächtiger zu einem bestimmten Zeitpunkt getrieben hat, sondern mit einem Strafzettel wurde auch der Serienkiller „Son of Sam“ alias Sam Berkowitz in New York City dingfest gemacht.

Die Krönung des Gerichtsdramas, in das Bosch verwickelt ist, bildet jene Szene, als er Storey unter die Nase reiben kann, was mit dessen Machenschaften außerhalb des Gerichtssaal passiert ist. Sie gingen alle den Bach runter. Die Ironie bei dieser Szene: Es sind nicht die eigentlich zuständigen jungen Staatsanwälte, die den Angeklagten überführen, sondern der alte Hase, der auch abseits des Hauptschauplatzes erfolgreich zu agieren weiß.

Mir hat das Hörbuch ausnehmend gut gefallen, weil es diese verschlungenen Handlungsfäden durch diverse Kürzungen sauber herausarbeitet und dem Hörer so leichter verständlich macht. Der zweite dicke Pluspunkt ist der Sprecher, wie Bosch ein alter Hase im Geschäft. Engelbert von Nordhausen gelingt es, die Figuren zum Leben zu erwecken und ihre Darstellung zudem situationsbedingt anpassen. Dabei hilft ihm seine Schauspielerausbildung, und als Dialogregisseur war er vielleicht sogar an der Bearbeitung des Textes beteiligt.

|Originaltitel: A Darkness more than Night, 2001
Aus dem US-Englischen übersetzt von Sepp Leeb
376 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-86538-677-9
ASIN: B000QFBU1M|
http://www.delta-music.com

John Sinclair – 162 – Das Vampir-Internat

Die Handlung:

Ein Internat am Rande von London, in dem Schüler angeblich schwarze Messen abhalten und sich in Vampire verwandeln, um das Lehrpersonal zu attackieren. – Was sich nach der überbordenden Fantasie einer panischen Lehrerin anhörte, entpuppte sich als ein Hilferuf in größter Not … denn in der Schule war das Erbe des Sternenvampirs Acron erwacht! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
401 gemacht, das erstmalig am 10. März 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

John Sinclair – 162 – Das Vampir-Internat weiterlesen

J.R.R. Tolkien – Bauer Giles von Ham (Lesung)

Seit 2005 ist eine der besten Geschichten John R. R. Tolkiens auch auf CD als Hörbuch zu haben, und das zu einem günstigen Preis und in guter Qualität.

Die Geschichte ist voll Humor, wenn nicht sogar voll Ironie, und beschreibt den Einbruch des Fantastischen in die ländliche Gesellschaft des englischen Mittelalters – bei „Bauer Giles“ in Gestalt eines Drachen. Ungewöhnlich für Fantasygeschichten: In „Farmer Giles“ findet eine Revolution von unten statt! Gewöhnlich wird in Fantasy der Zustand der Harmonie wiederhergestellt, was sie häufig so schrecklich konservativ erscheinen lässt. Nicht so bei Tolkien!

Geeignet ab 7 Jahren.

Handlung
J.R.R. Tolkien – Bauer Giles von Ham (Lesung) weiterlesen

Becker, Rolf & Alexandra / Preissler, Peter M. – Gestatten, mein Name ist Cox: Eben war die Leiche noch da (Hörspiel)

Verbrecherjagd zum Takt der Discomusik

Moment – war da nicht eben noch eine Leiche? Na egal, denn wer Paul Cox kennt, wundert sich sowieso über gar nichts mehr. In diesem neuen verzwickten Fall liegt der Londoner Gelegenheitsdetektiv kaum in der Badewanne, als er auch schon unfreiwillig in einem Mordfall und Aktienraub verwickelt wird. Und wer ist wieder mal der Hauptverdächtige? Natürlich Cox himself.

Becker, Rolf & Alexandra / Preissler, Peter M. – Gestatten, mein Name ist Cox: Eben war die Leiche noch da (Hörspiel) weiterlesen

Malory, Thomas / Schalk, Gustav / Hackenberg, Stefan / Neuhaus, Volker – König Artus\‘ Tafelrunde: Parzival

_Tragikomisch: „Du sollst gerochen werden!“_

Obwohl Parzival abseits der königlichen Höfe aufgewachsen ist, kann seine Mutter nicht verhindern, dass es ihn an den Hof von König Artus zieht. Gekleidet wie ein Narr, macht er sich auf den Weg und beschwört durch sein unbedachtes Verhalten Unglück und Tod herauf …

_Der Autor_

Sir Thomas Malory wurde vielleicht 1416 geboren und starb eventuell 1471, aber beide Daten sind unsicher. Auch ist nicht völlig gesichert, ob es sich bei ihm um Sir Thomas Malory of Newbold Revel in der englischen Grafschaft Warwickshire handelt. Sein berühmtestes Werk, welches er im Gefängnis vor 1471 geschrieben haben muss, ist das Epos „Le morte d’Arthur“. Es wurde erst 1485 gesammelt und vom berühmten Buchdrucker William Caxton, dem Herausgeber der King-James-Bibel, veröffentlicht.

Malory stützte sich in seiner Darstellung der Artuslegende auf die Geschichten des Vulgata-Zyklus aus dem 13. Jahrhundert, auf das mittelenglische Gedicht „Morte Arthure“, auf das französische „Perlesvaus“ (= Parzival) und das englischen Strophengedicht „Le morte Arthur“ aus dem 15. Jahrhundert. Bemerkenswert ist in dieser Aufzählung von Quellen das Fehlen von Chretien des Troyes‘ arthurischen Werken. Chretien vollendete sein Epos „Perceval, ou Le conte de Graal“ aus dem Jahr 1182 nicht. Der Percival- oder Perceval-Stoff wurde im Königreich Burgund Anfang des 13. Jahrhunderts und von Wolfram von Eschenbach weiterentwickelt (1200-1210). Eschenbachs Version lieferte die Vorlage für Richard Wagners Oper „Parsifal“ (1882).

In der Fantasyliteratur diente die Story vom weltfremden Bauernjungen, der es zum Ritter und transzendenten König bringt, vielfach als Vorlage, so etwa in Lloyd Alexanders [TARAN-Zyklus 2850 und in David Eddings „Belgariad“ und deren Fortsetzungen. Dies bietet sich an, weil es im walisisch-keltischen Epenzyklus „Mabinogion“ eine Story namens „Peredur“ gibt, die sich auf die gleiche keltische Quelle wie Chretien de Troyes bezog. Hier wie dort kommt stets der Fischerkönig vor, der erlöst werden muss und sich als Jesusgestalt verstehen lässt.

Über Gustav Schalk, der offenbar der Bearbeiter der Malory-Version ist: Lehrer, Schriftsteller („Dr. Biedermann und sein Zögling“, Roman, 1886; „Stacheldrahtzäune“, Roman, 1910; „Parzival“, 1914).“

Immerhin: Die ersten Zeilen stammen aus dem Mittelhochdeutschen und sind höchstwahrscheinlich Wolfram von Eschenbachs Epos entnommen.

_Der Sprecher_

Thomas Friebe wirkt als Sprecher seit vielen Jahren an Produktionen für Hörfunk, TV und Werbung mit. Seine Stimme kennt man laut Verlag aus den Programmen der großen privaten und öffentlich-rechtlichen Sender. Er arbeitet zudem als Synchronsprecher und war an zahlreichen Hörspiel- und Hörbuchproduktionen beteiligt. (Verlagsinfo)

Regie führte bei dieser Hörbuchproduktion Stefan Hackenberg.

_Handlung_

Es war einst ein Ritter namens Gamuret, der heiratete in Bagdad eine Mohrin, die gebar ihm einen Sohn namens Feirefiz. Das heißt so viel wie „bunter Sohn“. Rastlos ritt Gamuret jedoch wieder in die Lande, gewann ein Turnier und begehrte die Prinzessin Herzeleide zur Frau. Doch als ihn der Kalif von Bagdad zum Dienst rief, folgte er dem Ruf, die Frau zurücklassend. Er fiel und sah Herzeleides schönen Sohn Parzival niemals. Herzeleide entschied, dass Parzival fern der Welt im Wald Saltane aufwachsen solle.

Parzival wird ein guter Jäger und Bogenschütze. Angesichts einen geschossenen Singvogels trauert er und geht zu seiner Mutter. Sie erzählt ihm von einem mächtigen Mann namens Gott und dessen Widersacher namens Teufel, der ein Verderber der Menschen sei. Parzival nimmt sich dies, wie alles, was seine Mutter sagt, zu Herzen. Als dann vier Ritter in den einsamen Wald kommen, staunt der Prinz sie an: Bestimmt sind sie der liebe Gott und seine Diener, oder? Er wirft sich in den Sand und bittet um Gottes Segen. Der aber sagt, er sei nur ein Ritter. Da will auch Parzival ein Ritter werden. Der Ritter fordert ihn auf, zu König Artus zu kommen.

Trotz der entsetzten Proteste seiner Mutter, die ihn nicht wie seinen Vater verlieren möchte, will sich Parzival auf den Weg zu Artus machen. Doch listig macht sie ihm eine Rüstung, die wie ein Narrenkleid aussieht. Als Pferd bekommt er einen alten Klepper und als Helm eine Schellenkappe. Zum Abschied gibt sie ihm eine Menge guter Ratschläge mit auf den Weg, bevor sie an gebrochenem Herzen stirbt.

|Parzivals Weg zu König Artus|

In einem Lager von Zelten stößt er auf eine schöne Schlafende, die er ohne zu zögern küsst. Schließlich gehört dies zu den mütterlichen Ratschlägen, oder nicht? Die Dame erschrickt zwar, doch seine kindliche Art beschwichtigt sie. Er nimmt ihren Ring entgegen, obwohl sie droht, ihr Gatte werde ihn erschlagen. Als Parzival fort ist, kehrt Herzog Orilus zurück und bemerkt, dass seiner Braut der Ring fehlt. Er nennt ihre Entschuldigungen Lügen. Unterdessen gelangt Parzival mit der Hilfe eines Fischers, den er mit einer goldenen Spange bezahlt, nach Nantes, wo König Artus Hof hält.

Doch als er sich der Städt nähert, reitet der rotgekleidete Ritter Yter von Gahefis heran, der Artus beraubt hat. Er schickt den närrischen Parzival als seinen Boten in die Stadt, um Artus herauszufordern. Da Parzival den König offensichtlich nicht kennt, übergibt er Yters Botschaft einem Ritter, der sich als Artus ausgibt. Parzival will jedoch unbedingt Ritter werden und bietet Artus an, für ihn in den Kampf zu reiten. Artus‘ Seneschall Kai rät, dieses Angebot anzunehmen. Und wenn Parzival siegen sollte – was er für ziemlich unwahrscheinlich hält -, dann gehöre Yters Rüstung natürlich Parzival und er werde Ritter.

Wir wissen ja schon, dass Parzival ein guter Jäger ist. Er wirft seinen verlässlichen Speer und streckt Yter damit nieder. Mit der Hilfe des Knappen Iwanet gelingt es ihm, Yters Rüstung diesem aus- und sich anzuziehen. Über dem Narrenkleid. Fortan reitet er als Roter Ritter durch die Lande.

|Parzival bei Gurnemanz|

Als ersten Mann lernt er Gurnemanz von Graharz kennen, der zu seinem Lehrmeister wird. Als Parzival beim Gastmahl erzählt, erkennt der Kreis, dass diesem jungen Springinsfeld offenbar die inneren Werte eines Ritters fehlen, von Weisheit ganz zu schweigen. Zu den Tugenden zählen unter anderem Keuschheit, Sittsamkeit und Unschuld. Gewarnt sei er vor diversen Lastern, und er solle seine Ehre über sein Leben stellen. Als König solle er Milde und Gerechtigkeit üben. Zum Schluss gibt Gurnemanz dem frischgebackenen Ritter aber einen verhängnisvolle Rat: Frage nicht so viel! Auch dies nimmt sich Parzival zu Herzen und übt sich ansonsten in Kampf- und Minnedisziplinen. Hierbei lehrt ihn Gurnemanz‘ Tochter Liatza, die sich in den blonden, blauäugigen Jüngling verliebt, doch der merkt leider rein gar nichts von ihrer Liebesglut.

|Parzival bei Königin Condwiramur|

Bei Abschied erzählt ihm Gurnemanz von seinen drei Söhnen, die alle im Kampf gefallen seien, und von seiner Nichte, Königin Condwiramur von Brobarz, die in der Stadt Belriga seit Jahr und Tag belagert werde. Ohne Schwierigkeiten reitet Parzival in die Stadt ein, wo die Menschen bereits hungern, und betritt die Burg, wo er die Königin wunderschön findet und sich auf der Stelle in sie verliebt. Er überbringt Gurnemanz‘ Grüße und lernt Condwiramurs Onkel kennen, darunter Kiot. Dann fordert er den Feind heraus, besiegt den Seneschall Kungrun des feindlichen Königs Chlamides.

Doch nach einer Atempause, während der Parzival die Königin heiratet, beginnt Chalmides die Belagerung Belrigas erneut. Nach einigem Hin und Her fordert Chlamides Parzival zum Zweikampf heraus, den Parzival selbstredend gewinnt. Doch er verschont Chlamides‘ Leben unter der Bedingung, dass er sich in den Dienst einer Dame namens Kunevara in Nantes stelle. Chlamides wird dort Ritter, sehr zum Ärger von Seneschall Kai, der von den Heldentaten dieses närrischen Roten Ritters nicht sonderlich angetan ist.

|Parzival auf der Gralsburg, 1. Durchgang|

Damit er seine Mutter wiedersehen kann, verabschiedet sich Parzival von seiner Frau, die darob betrübt ist. Im Abendlicht erreicht der Rote Ritter müde einen See, wo er auf einen seltsamen Fischer stößt. Der Mann sieht verhärmt aus, trägt aber edle Kleider. Er schickt den Ritter zur Burg Montsalvasch von König Titurel, die unter dem Befehl des Ritters Amfortas steht. Als Parzival deren Tore erreicht, bewundert er den riesigen Karfunkel, der rot auf der höchste Turmspitze funkelt. Indem er sich auf den Fischer beruft, wird Parzival willkommen geheißen und bewirtet. In einem Saal voller Pracht sitzt zu seinem Erstaunen der Fischer selbst auf dem Thron. Doch der Mann sagt nichts und Parzival fragt eingedenk Gurnemanz‘ verhängnisvollem Rat „Frag nicht so viel!“ ebenfalls nichts.

Auch als ein Diener eine blutige Lanze bringt, entlockt dies Parzival noch keine Frage. Schließlich erscheinen auch noch Jungfrauen, die alle etwas hereintragen, die schönste von ihnen trägt eine hell strahlende Schale. Obwohl die Jungfer Parzival erwartungsvoll anschaut, macht er immer noch nicht den Mund auf. Amfortas seufzt auf seinem Thron, die Jungfern treten ab, die Ritter sind betrübt, doch Parzival sieht ein bedeutsames Bild: einen Greis mit tiefem Frieden im Gesicht. Was mag es nur bedeuten? Am Schluss bringt ein Knappe ein schönes Schwert als Geschenk des Königs.

|Der Fluch|

Am nächsten Morgen ist die Burg wie ausgestorben, und Parzival reitet mit vielen ungestellten Fragen von dannen, doch nachdem sich das Tor hinter ihm geschlossen hat, hört er eine Stimme: „Tor! Stein statt Herz! Parzival wird’s büßen!“ Der solchermaßen Verfluchte gelangt in den schönen Wald Plinizol, wo König Artus gerade sein Jagdlager aufgeschlagen hat. Schnee fällt, viel Schnee. Doch in seiner Umnachtung bemerkt Parzival nichts davon. Erst als Artus‘ Jagdfalke eine Gans im Fluge schlägt und drei Blutstropfen in den Schnee fallen, stoppt Parzival wie hypnotisiert, denn er erinnert sich an seine Königin. Condwiramur wartet auf ihn.

Da man in Artus‘ Lager den seltsam träumenden Ritter bemerkt hat, reitet Ritter Segramors mit des Königs Erlaubnis zu ihm, um ihn herauszufordern. Segramors zu besiegen, ist für Parzival ein Kinderspiel, und Seneschall Kai sorgt für den Spott. Aber als er selbst den Roten Ritter aufs Korn nimmt, wird er schwer verletzt. Da ahnt Ritter Gawan, wer der Rote Ritter wohl sein könnte: Parzival! Als Gawan die Blutstropfen bedeckt, erwacht Parzival aus seiner Trance und wird in Artus‘ Lager gebracht. Lady Kunevare dankt ihrem Gönner und berichtet, dass sie König Clamides heiraten wolle.

|Cundrie|

Da reitet auf einem Maultier eine hässliche Alte ins Lager. „Wehe!“ krächzt sie, „Parzival ist verflucht!“ Cundrie, die Gralsbotin, zeigt auf ihn. „Du bist der Mann!“ Nachdem sie erklärt hat, worin seine Schuld gegenüber dem Gralskönig besteht, setzt sie hinzu, dass seine Mutter Herzeleide gestorben sei. Vor Gram weint Parzival bitterlich. Cundrie gebietet ihm, Buße zu tun, doch Parzival fragt in aller Unschuld erneut, worin seine Schuld bestehe. Cundrie bezichtigt ihn, mit Gott rechten zu wollen und ermahnt ihn erneut zu Buße, bevor sie davonreitet. Parzival irrt im Land umher, bis er Reue verspürt. Dann macht er sich erneut auf den Weg zum Gral, doch wie ihn finden?

|Parzival vor der Gralsburg, 2. Durchgang|

In einem verschneiten Wald an einem Karfreitag stößt der Rote Ritter auf einen Zug Pilger, einen Ritter und dessen Familie. Als Parzival nach der Gralsburg fragt, schickt der Ritter nach seinem Seelenarzt Trefrazent, der Parzival vermessen nennt. Als Parzival ihm von seinem schweren Los erzählt, berichtet ihm Trefrazent von seinem eigenen Abstieg im Leben. Nebenbei erwähnt er, dass dieser Wald schon zur Gralsburg gehöre. Er, Trefrazent, sei der Bruder von Parzivals Mutter Herzeleide, und auch der König Amfortas sei sein Onkel. Ach, was Parzival diesem nur angetan habe, als er ihn nicht von seinem Leid erlöste, das ihm ein heiliger Speer durch eine Wunde zufügte! Wie konnte er nur Amfortas‘ Leid so missachten? Parzivals Zeit der Prüfung sei noch nicht vorüber, und er werde noch viele Menschen erlösen müssen, bevor er Frieden finden könne.

|Feirefiz|

Geläutert verlässt Parzival Trefrazent und stößt zu König Artus, der ihn in seine Tafelrunde aufnimmt. Am Meer begegnet Parzival einem glanzvollen Ritter, der sofort angreift. Lanzen brechen, Schwerter klirren, doch die Kämpfer sind einander gleich an Kraft und Geschick, doch Parzivals Schwert bricht entzwei. Der Fremde gewährt Gnade und erzählt, er komme aus dem Orient, bewundere aber die Ritter der Franken. Er nennt sich Feirefiz von Anjou. Aber auch Aprzival beansprucht den Titel von Anjou, also müsse Feirefiz wohl sein Bruder sein. Als dieser endlich seinen Helm abnimmt, um sein Gesicht zu enthüllen, entdeckt Parzival, dass es schwarz und weiß gefleckt ist. Wahrhaftig, sein Halbbruder! Sie geloben einander Freundschaft.

Von Ritter Gamuret, ihrem gemeinsamen Vater, gibt es leider keine endgültige Nachricht. Doch als sie in Artus‘ Lager zurückgekehrt sind, wartet dort schon die Gralsbotin Cundrie auf Parzival: „Heil dir! Der Fluch ist von dir genommen. Dein Herz ist geläutert, die Schuld getilgt. Der Gral ruft dich, damit du sein Hüter und der König der Burg seiest.“ Dort werde er an Condwiramurs Seite mit seinen zwei Söhnen, darunter Lohengrin, herrschen. Feirefiz darf auf die dritte Fahrt zur Gralsburg mit.

|Parzival in der Gralsburg, 3. Durchgang|

Die Botin führt die zwei Ritter zur Burg, wo die Tempelritter sie begrüßen und hineingeleiten. Amfortas wartet auf seinem Thron. Als die Jungfrauen erneut in den Saal hereinschreiten, bringt die Schönste, Reponse de Joie, die Schale des Grals selbst. Da stellt Parzival endlich die ersehnte Frage an Amfortas: „Was fehlt dir?“ Amfortas seufzt auf und ist geheilt. Als er Parzival als einen Nachfolger einsetzt, leistet ihm der frischgebackene Gralsritter den Treueschwur.

|Wiedersehen|

Vor der Burg wartet schon Königin Condwiramur mit ihren Söhnen auf Parzivals Ankunft. Als Parzival zu ihrem Lager reitet, das ihr Onkel Kiot bewacht, stellt sich Parzival vor und wird hineingeleitet. Im Zelt sieht er drei rosige Gesichter der Schlafenden, die ihn an die drei Blutstropfen im Schnee gemahnen. Condwiramur erwacht und begrüßt ihren Gemahl mit Freude. Sie stellt ihn seinen Söhnen vor: Kardeis ist der ältere und soll über das Königreich Brobarz herrschen, doch Parzival bestimmt Lohengrin zu seinem Nachfolger auf der Gralsburg. Kiot soll Kardeis‘ Seneschall sein.

|Bekehrung|

Feirefiz begrüßt die Neuankömmlinge ebenfalls und schließt sich dem Fest auf der Burg an. Doch woher kommen all diese Speisen, fragt er. Vom Gral, antwortet Amfortas. Aber ich kann ihn nicht sehen, antwortet Feirefiz. Kein Wunder, denn Feirefiz ist ja schließlich ein Heide. Wie kann ich ein Christ werden, fragt Feirefiz. Na, so wie Reponse könne er sich taufen lassen, lautet die Antwort. Er lernt wie Reponse, ein guter Christ zu sein, lässt sich taufen. Endlich sieht auch er den Gral. Er freit um Reponse und nimmt sie nach ihrer Einwilligung zur Frau.

Nach der Hochzeit kehrt Feirefiz mit Reponse de Joie in seine Heimat zurück. Condwiramur wird auf der Gralsburg ihre Nachfolgerin. Eines Tages will auch der alte Greis Titurel Abschied von der Burg nehmen und sagt zu Amfortas‘ Nachfolger: „Gottes Segen auf dein und deiner Frau Haupt und für eure Herrschaft.“ Dann stirbt Titurel. Der Gralsritter Lohengrin, Parzivals Sohn, lässt sich als König am Rhein nieder und führt in seinem Wappen einen Schwan als Sinnbild.

_Zur Gralsgeschichte_

Das zentrale Motiv, um das es in der Story Parzivals geht, ist der Gral und die Zeremonie, in der er präsentiert wird. Denn Parzival lädt ja den Fluch auf sich, indem er es unterlässt, nach Sinn und Grund dieser Zeremonie zu fragen und so den siechen Fischerkönig Amfortas, den Gralshüter, zu erlösen.

Laut der „Encyclopedia of Fantasy“ bezeichnete das Wort „grail“ oder „graal“ in Altfranzösisch ein Serviertablett bei einem Diner. Chretien de Troyes übernahm diesen Begriff unverfälscht, begründet aber die Zeremonie nicht. Was hat es beispielsweise mit dem blutigen Speer und dem Schwert auf sich? Chretien verknüpft den Gral auch nicht mit Christus, sondern stützte sich vermutlich auf eine keltische Erzählung über Fruchtbarkeitsriten. Dort ist die blutende Lanze als phallisches Symbol für den Lebensspender bekannt und der Kessel Ceridwens als der Schoß, aus dem Leben entspringt.

In der keltische Artuslegende „Preiddeu Annwfyn“ aus dem Jahr 900 stehlen Artus und seine Mannen einen Kessel der Fülle aus der irischen Unterwelt Annwn. Dieser Kessel der Fülle, auch als Kessel der Wiedergeburt bezeichnet, war in der keltischen Mythologie einer der vier magischen Gegenstände der Macht und im Besitz der Göttin Ceridwen. Er stand für Wohlstand, Frieden und vor allem für Fruchtbarkeit, die angesichts der Plagen Mitte des 6. Jahrhunderts in England keineswegs selbstverständlich waren. Die anderen Objekte der Macht waren das Schwert Fragarach der Verteidiger, der Stein des Schicksals und der Speer des Lichtgottes Lugh. (Hier taucht der Speer wieder auf.)

All dies änderte sich, als der Burgunder Richard de Boron ca. 1212 den Gral mit Christus verknüpfte. Sein Gral-Epos „Joseph d’Arimathie“ (ca. 1200) scheint allerdings verschollen zu sein. Bei Boron ist der Gral jener KELCH, aus dem Jesus beim Letzten Abendmahl trank. Mehr noch: Der Kelch enthielt das Blut Christi, vielleicht weil darin Jesu Blut bei der Kreuzigung aufgefangen wurde. Daher auch Sangreal, Sangrail und Sangraal: heiliger Gral. Der Kelch steht als Symbol für das Leben, aber während der Zeit der Kreuzzüge auch als Symbol für ewiges Leben. Boron schrieb also christliche Propaganda.

Der anonyme Autor von „Perlesvaus“ gab dem Gral im frühen 13. Jahrhundert die Macht der Verjüngung. Im Vulgata-Zyklus der Artuslegende wurde aus dem einstigen Tablett endgültig ein Kelch. Sir Thomas Malory (s. o.) formulierte in „Le morte d’Arthur“ (1485) die einflussreichste Version der Gralslegende.

Artus‘ Königreich ist im Niedergang begriffen, denn Seuchen und Verfall greifen um sich. Manche sagen, dass der Grund darin lag, dass Sir Balin beim Töten von Sir Pelham die Lanze des Longinus verwendete, die eigentlich für das Spenden von Leben steht. Die Seuche erzeugt ein Ödland, und dessen Symbol ist der sieche Fischerkönig, der in der Gralsburg lebt. Artus betet um ein Zeichen, und in Camelot erhalten er und seine Ritter eine Vision des Heiligen Grals. Die Ritter machen sich auf, um den Gral zu finden und zu verstehen, nicht ihn zu besitzen.

Weder Sir Gawain noch Lancelot sind erfolgreich, da beide unrein sind (Lancelot treibt es ja mit Guinevere). In manchen Versionen sind Bors und Perceval (Parzival) erfolgreich, bei Sir Thomas Malory aber nur Sir Galahad. Was uns die Frage stellen lässt, wieso die vorgelesene Version die von Malory sein soll und nicht die von Eschenbach. Tatsächlich wird Malorys Name an keiner Stelle auf dem Hörbuch erwähnt!

Wie auch immer: Sir Galahad macht alles richtig: Er löst das Rätsel des Grals, verhilft dem Fischerkönig zur Genesung und bringt auf diese Weise dem Land wieder Wohlstand und Gesundheit zurück. Dadurch wurde die Gralsqueste ein Symbol für ein persönliches Leben, in dem der Lebende nach Vollendung strebt statt sich körperlich auf eine Reise zu begeben. Die Vollendung kann vielerlei Gestalt annehmen, so etwa moralisch, sittlich, ethisch, erotisch, besonders häufig aber in spiritueller Hinsicht. In der Literatur befindet sich der Protagonist häufig auf der Suche nach einem heiligen Gegenstand. Womit wir wieder bei den alten keltischen Objekten der Macht wären.

_Mein Eindruck_

Wie oben aus meinen Zwischenüberschriften zu ersehen, ist die ziemlich lange Geschichte Parzivals in etliche Abschnitte aufgeteilt und erreicht in diesen Stationen praktisch alle Standards, die wir heute von Fantasyabenteuern gewöhnt sind, in denen junge Männer oder Frauen sich so lange entwickeln, bis sie ihre volle Macht erreicht haben. Natürlich bleiben Rückschläge nicht aus, aber diese dienen einem Lernprozess, um eine höhere Ebene der Erkenntnis der Welt zu erreichen. So ergeht es ja Frodo und Sam bzw. Aragorn nicht anders.

So vertraut uns heute die Story anmutet, so fremd ist für uns allerdings die Sprache, in der sie präsentiert wird. In meinem Handlungsabriss habe ich die Alterümlichkeit der Formulierungen schon etwas anklingen lassen, aber im Original klingen sie noch um einiges seltsamer. Wenigstens ist es kein Mittelhochdeutsch, das uns Herr Schalk auftischt, aber eine Phrase wie „Du sollst gerochen werden!“ ist unfreiwillig komisch. Heute benutzen wir „gerochen“ für das Verb „riechen“ statt für „rächen“, wie der Autor es versteht. Das Partizip von „rächen“ lautet heute „gerächt“.

Ein weiterer V-Effekt tritt im Erscheinen eines veralteten Phänomens ein, das als „Minne“ bezeichnet wird. Die Minne ist die höfische Form der Liebe. Will heißen, ein Ritter bekundet zwar seine Liebe (ob er wirklich verliebt ist, steht auf einem anderen Blatt) zu einer edlen Dame (und nur zu einer solchen), die seiner Ehre und Minne würdig ist. Diese Dame wiederum wartet eine gewisse Zeit der Schicklichkeit, bis sie dem Ritter huldvoll ihre Gunst erweist – oder auch nicht. In Ritterfilmen wirft die entsprechende Dame ihr Handtüchlein dem Ritter zu Füßen, welches es selbstredend aufzuheben und an seine Lanze zu heften hat. Es gibt noch viele weitere Formen der Minne, die man aber alle bei Wikipedia nachschlagen kann.

_Der Sprecher_

Da das Hörbuch weder über Geräusche noch über Musik verfügt, ist es allein dem Sprecher überlassen, mit seinem Vortrag den Hörer zu bewegen und zu unterhalten. Nun ist aber Thomas Friebe zwar ein ausgewiesener Synchronsprecher, aber seine Kunst stellt er nur an wenigen Stellen eindrucksvoll unter Beweis. Er porträtiert den jungen Parzival mit einer etwas höheren Stimmlage, wie er sie auch für weiblichen Figuren wie etwa Condwiramur reserviert.

Sei es Jammern, Klagen oder Jubeln – hier tut sich Friebe keinen Zwang an. Er kann herausfordernd rufen wie ein angreifender Ritter, aber auch heiser krächzen wie die alte Gralsbotin Cundrie bzw. Kundry. Natürlich klingt auch der Greis Gurnemanz entsprechend ältlich und heiser. Mit zurückhaltenden Mitteln gelingt also dem Sprecher eine gewisse Charakterisierung der Figuren.

Aber das hat seine Grenzen: Nie wird eine individuelle Kennzeichnung erreicht, sondern stets nur eine Typisierung – der / die Alte krächzt, die Menge jubelt, der Ritter ruft und so weiter. Typen bereiten leider keine Überraschungen, weder in positiver noch in negativer Hinsicht. Man könnte also von einem „klassischen“ Vortrag sprechen, der keinerlei Ecken und Kanten aufweist. Das betrifft auch das Eingangszitat in Mittelhochdeutsch. Es klang für mich völlig fehlerlos.

_Unterm Strich_

Diese Prosa-Präsentation des „Parzival“-Epos stammt zwar von Gustav Schalk, geht aber entweder auf Sir Thomas Malory zurück, wie die einschlägigen Webseiten behaupten, oder auf Wolfram von Eschenbach, wie ich vermute (siehe den Abschnitt „Gralsgeschichte“). Auf dem Hörbuch selbst steht weder der eine noch der andere Name, sondern nur „Gustav Schalk“.

Der Prosatext ist wesentlich verständlicher als ein Erzählgedicht in Versen, wie es ein Epos wäre. Folglich fiel es mir leicht, der Story vom Aufstieg des Ritters Parzival zu folgen. Unfreiwillig komisch waren die veralteten Formulierungen wie „Du sollst gerochen werden!“ Am Schluss wird die Geschichte sehr fromm und ziemlich langweilig, weil alle heiraten oder bekehrt werden oder König, Prinz oder sonstwas werden.

Aber davor gibt es eine Menge Zweikämpfe. Dumm nur, dass wir vorher schon wissen, wie sie ausgehen, denn Parzival gewinnt immer. Das hätte man etwas spannender gestalten können. Schüler und Studenten finden aber jetzt immerhin einen leichten Zugang zu dem alten Epos aus dem 12. und 13. Jahrhundert; vielleicht haben sie sogar Spaß daran.

Das Hörbuch zeichnet sich durch nichts so sehr aus wie durch seinen klassischen Stil, der alle individuellen Ecken und Kanten vermeidet. Der Sprecher zeichnet keine Individuen, sondern Typen. Das ist zwar pädagogisch wertvoll, aber wenig unterhaltsam. Hier gibt es also keine Überraschungen.

|120 Minuten auf 2 CDs|
http://www.delta-music.com

Sonia Rossi – Fucking Berlin (Lesung)

Kein Schamdreieck: Zwischen Uni, Heim und Bordell

Sonia, die Mathematikstudentin, verkauft im Nebenjob ihren Körper im Bordell. Sie redet darüber, wie sie in das Rotlichtmilieu geriet, wie es dort zugeht und mit welchen Männern sie es zu tun bekommt. Und wie kommt sie mit ihrem Privatleben klar? Die freimütige Schilderung ihres Doppellebens ist ein autobiografisches Bekenntnis zur Ware Liebe.

Die Autorin

Sonia Rossi wurde 1982 in Italien geboren. Sie lebt in Berlin, arbeitet in der IT-Branche und hat einen Sohn. Ihr zweites Buch, „Dating Berlin. Auf der Suche nach Mr. Right“, ist von 2010. Von 2014: „Kinderwunsch-Tage“. epubli (E-Book).
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Georges Simenon – Maigret – Die besten Fälle

Der Mann mit der Pfeife: Nostalgisches Krimivergnügen

Diese Sonderedition enthält fünf klassische Maigret-Hörspiele, die in den Jahren 1958 und 1961 von deutschen Rundfunksendern produziert wurden. Auffällig ist die aufwändige Produktionsweise des Bayerischen Rundfunks. Der Zuhörer kann fünf Fälle des Kommissars mit der Pfeife miterleben, als säße er im Kino.

Der Autor
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Ken Follett – Die Säulen der Erde (Lesung)

Statt eines kompletten Hörspiels von überladener Ästhetik, wie es der WDR produzierte, lieferte der |Lübbe|-Verlag 2003 die aufs Wesentliche konzentrierte Lesung des eigentlichen Buchtextes, allerdings zu einem besonders günstigen Preis: knapp 20 Euro – bei Amazon nur 15 – für ein Dutzend CDs mit 13,5 Stunden Unterhaltung. Gelesen wird das Hörbuch von einem der besten Synchronsprecher hierzulande, nämlich von Joachim Kerzel.

Der Autor
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Howard Phillips Lovecraft – Pickmans Modell (Gruselkabinett 58)

Die Grenze zwischen Kunst und Horror

Die Gemälde von Richard Upton Pickman schockieren die Bostoner Kunstwelt. Es sind Darstellungen abscheulicher Wesen in nicht minder grauenerregenden Situationen. Henry Thurber ist mit der einzige im eher konservativen Kunstverein, der nicht von den Bildern abgestoßen, sondern im Gegenteil sehr von ihnen fasziniert ist … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor
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Schüller, Maria Franziska / verschiedene Autoren – Stunde Null in Deutschland, Die

_Außen- und Innenansicht von Katastrophe und Neuanfang_

Deutschland in Trümmern, hunderttausende sind vom Hungertod bedroht, Millionen irren auf der Suche nach Heimat umher. Befreier und Befreite stehen sich gegenüber in einem Land, das sich nicht befreit, sondern besiegt fühlt, das großteils die Gräuel des Naziregimes verleugnet und Verantwortung und Demokratie erst noch lernen muss.

Das Hörbuch umfasst Augenzeugenberichte, Reportagen, Verlautbarungen und literarische Erinnerungen aus und über die Jahre 1944 bis 1948. Ein Hörbild aus der Zeit, als Deutschland auch psychisch in Trümmern lag, eine akustische Reise in eine Zeit, in der sich Wut, Erschrecken, Verdrängung und Scham mit Überlebenswillen, Hoffnung und bisweilen Galgenhumor mischte. (Verlagsinfo) Die vielfältige Musik ergänzt die Wortbeiträge.

_Die Autoren_

Heinrich Böll ist einer der wenigen deutschen Nobelpreisträger für Literatur gewesen und stets ein Mahner für Ehrlichkeit, Misstrauen gegen Mächtige und für den aufrechten Gang. Er protestierte ca. 1982 gegen den Nachrüstungsbeschluss der NATO und gegen die Stationierung von Pershing-Raketen in Mutlangen. Seine Romane „Ansichten eines Clowns“ (mit Helmut Griem) und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (mit Angela Winkler) wurden erfolgreich verfilmt. Sein wichtiges Oeuvre ist noch wesentlich umfangreicher und gerät zunehmend in Vergessenheit.

Hans Werner Richter gründete zusammen mit Böll und Grass den literarischen Zirkel „Gruppe 47“, die für die deutsche Nachkriegsliteratur von größter Bedeutung war. In ihrem Umfeld tauchen auch die im Hörbuch repräsentierten Autoren Ilse Aichinger, Georg Stefan Troller und evtl. Dieter Forte auf. Günter Lamprecht (Sprecher, s. u.) schrieb seine Memoiren relativ spät, wohingegen Wolfgang Borchert zu den wichtigsten Nachkriegsautoren zählt. Sein Stück „Draußen vor der Tür“, das das Schicksal eines Kriegsheimkehrers erzählt, wurde sofort verfilmt.

_Die Sprecher_

Claudia Amm: arbeitete u. a. am Schauspielhaus Bochum und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit Regisseuren wie Dieter Dorn und Claus Peymann. Seit Jahren ist sie auch im TV zu sehen, so etwa im „Tatort“ und in Michael Verhoevens „Gegen die Regel“.

Sascha Icks: geboren 1967. Sie ist eine der wandlungsfähigsten Sprecherinnen für Film, Funk und Hörspiel. Zurzeit spielt Icks am Schauspiel Frankfurt/M.

Rudolf Kowalski: geboren 1948 im Ruhrgebiet. Er wurde durch Filme wie „Der Campus“ von Sönke Wortmann und „Echte Kerle“ von Rolf Silber bekannt. Bekannt wurde er vor allem als Lebensgefährte von Kommissarin „Bella Block“.

Günter Lamprecht: Geboren 1930, wurde er am Max-Reinhardt-Seminar ausgebildet und spielte am Theater in Bochum, Hamburg und Berlin. Im TV war Lamprecht u. a. als Franz Biberkopf in Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ zu sehen und als SFB-„Tatort“-Kommissar Franz Markowitz.

Josef Tratnik: Geboren 1947, studierte er Theaterwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Köln. Nach dem Staatsexamen war er als Deutschlehrer tätig. 1977 kehrte er zum Theater zurück und ist seitdem von der Bühne, aus Film und Fernsehen und als Sprecher bei TV-Dokumentationen, Hörspielen und Hörbüchern nicht mehr wegzudenken.

Regie führte Maria Franziska Schüller, und als Tonmeister fungierte Jürgen Garbitowski. (Alle Angaben sind dem Booklet entnommen.)

|Das Booklet|

… stellt die Sprecher einzeln vor (s.o.), listet die wichtigsten (aber nicht alle) Beiträge der zwei CDs auf und schließt mit zwei Seiten „Rechtenachweise“ für die Wort- und Musikbeiträge ab. Außerdem ist eine Reihe von Interviewpartnern aufgeführt, unter denen besonders eine „Frau Wucherpfennig“ hervorsticht.

_Inhalte_

Das Hörbuch behauptet – wie so viele Dokumentationen anlässlich des 60. Jahrestags des Kriegsendes in Deutschland – dass es eine „Stunde Null in Deutschland“ gegeben habe. War das wirklich der Fall? Was hat man sich aus heutiger Sicht unter einer „Stunde Null“ vorzustellen? Gab es so etwas wie ein menschenleeres Deutschland jemals – oder eine andere Art von Vakuum, etwa des Rechts?

Die Beiträge auf dem Hörbuch sollen diesen Anspruch belegen. Wohlan denn: Stellen wir sie in den thematischen Blöcken vor, in die sie gegliedert wurden.

|“Schuld?“|

Am 8. Mai ’45 verkündeten deutsche und alliierte Sender, dass die deutschen Streitkräfte bedingungslos kapituliert hätten. Seltsamerweise bedeutete dies nicht das Ende von Kampfhandlungen. Offenbar gab es weiterhin Partisanenorganisationen („Werwölfe“), die Sabotageakte verübten und auf die eigene Bevölkerung schossen, ganz besonders dann, wenn diese sich den Alliierten mit aufgezogener weißer Fahne ergaben.

Das muss der Ich-Erzähler in Heinrich Bölls Romanauszug „Wo warst du, Adam?“ am eigenen Leib erfahren. Sein Elternhaus ist das einzige im Dorf mit einer weißen Fahne. Gerade als er aus dem Krieg heimkehrt, geht der Beschuss mit einem Granatwerfer los – es müssen deutsche Partisanen sein. Er wirft sich in Deckung und muss hilflos mit ansehen, wie die sechste Granate ins Dach seines Elternhauses einschlägt und es verwüstet. Die siebte Granate findet ihn. Die weiße Fahne bedeckt seine Leiche.

Georg M. Oswald berichtet in der kurzen Erzählung „Das Loch“, wie der frühere Blockwart „Onkel Otto“ gegen den Protest von Tante Sofie ein Loch im Garten gräbt. Wozu bloß? Nun, es ist der 8. Mai, Hitler ist den „Heldentod“ gestorben, und Otto und Sofie werfen alle Nazi- und Partei- und Blockwartabzeichen ins Loch, decken es schön wieder zu. Nur das Parteigeschenk zur Hochzeit, das will Tante Sofie unbedingt behalten …

Auch der „kleine PG“ (= Parteigenosse) im gleichnamigen Song von Heinz Gase schafft den Übergang offenbar mühelos: „Er war nur von außen braun“, ein scheinheiliger Mitläufer, aber Blockwart gewesen. Auf einmal will niemand ein Nazi gewesen sein, jeder hatte mindestens einen Juden versteckt und selbstverständlich ausländische Sender gehört. Die Redakteurin Martha Gellhorn wundert sich zunehmend über ihre Landsleute.

|“Alltag: Überleben I“|

Die Versorgungslage war für die allgemeine Bevölkerung katastrophal, Hungern an der Tagesordnung, man war von den ausgegebenen Rationen abhängig. Nicht so hingegen die reichen Vorstadtbürger, über die Robert Thompson Bell berichtet: Ihre Villen waren im April ’45 nicht einmal angekratzt, und die Vorratskeller voll – ein krasser Kontrast zu den Szenen in der „Totenstadt“ Frankfurt am Main. Margret Boveri berichtet in „Ich stehle Holz“, auf welche Weise sich das Verhalten ändern kann, wenn man auf illegale Beschaffung angewiesen ist: Man verliert sämtliche Skrupel und allenfalls noch Schicksalsgenossen können auf Rücksichtnahme hoffen. Aber auch das könnte sich ändern.

Das Stehlen erstreckt sich auf das so genannte „Ährenlesen“ bei der Ernte, und entsprechende Appelle der Behörden werden zitiert. Der Schleich- und Tauschhandel greift rasend schnell um sich, besonders als auch noch die Flüchtlingsströme aus dem Osten eintreffen. Doch wie dem Chaos Herr werden, fragt sich Pell. Seltsamerweise haben die überlebenden Deutschen den Dreh mit der Organisation des Chaos heraus. Auf dem Gelände der IG-Farben-Fabrik übernehmen die ehemaligen Direktoren wieder das Kommando, und die Amis müssen zusehen, dass sie dort wieder – oder vielmehr: noch – etwas zu sagen haben!

|“Befreite“|

Apropos Flüchtlinge. Selbst wenn es sich um Leute handelt, die von den Alliierten aus einem KZ oder Gefängnis befreit worden sind, muss das noch nicht bedeuten, dass die Befreiten auch überleben. So berichtet Martha Gellhorn aus Dachau im Mai 45, dass sich die Überlebenden vor Freude in den noch geladenen Elektrozaun geworfen hätten, um die Amis zu begrüßen, oder sie haben sich an den ersten Rationen so den Bauch vollgeschlagen, dass ihr geschwächter Körper das nicht aushalten konnte. Viele von ihnen waren Opfer medizinischer Experimente, von denen Gellhorn ein polnischer Arzt berichtet. Jedes Experiment forderte Hunderte von Todesopfern.

Andrzej Szypiorski berichtet in „Meine drei Kriegsenden“, wie es ihm nach der Befreiung aus dem KZ Sachsenhausen erging. Nur wegen einer Verletzung musste er nicht auf den Todesmarsch mit, sondern konnte die Russen begrüßen. Er wanderte nach Berlin-Köpenick, wo man ihm schnellstens aus dem Weg ging, war er doch jemand, dem man Unrecht getan hatte – wer weiß, wie er sich rächen würde?

|“Auf der Suche“|

Millionen von Menschen irren in ganz Europa umher, auf der Suche nach ihren Verwandten oder Lieben. Nach einer Vermisstenmeldung beschreiben Hans Werner Richter und Stig Dagermann, welche überragende Bedeutung auf einmal Zügen zukommt. Sie seien die sichtbaren Zeichen für die Mentalität eines Volkes, meint Richter. Erinnerungen an die Züge voller Juden auf dem Weg in die Vernichtungslager kommen auf. Und Dagermann erzählt, dass die bayerischen Behörden sogar andere Deutsche von bayerischem Staatsgebiet ausgewiesen hätten. Diese Züge landeten dann wieder auf gut Glück irgendwo im nichtbayerischen Raum. Davon erzählt der schwarzhumorige Song „Zug nach Kirchenroda“, der mit der flotten Melodie von „Chattanooga Choo Choo“ die erste CD beschließt.

|“Begegnung“|

Schwarzhäutige Menschen sehen die meisten Deutschen zum ersten Mal in ihrem Leben. Das trifft auch für die Hauptfigur in Dieter Fortes Erzählung „Der Junge mit den blutigen Schuhen“ zu. In der CD-Sektion „Hunger nach Kultur“ erfahren wir, was der Junge bei den fremden Besatzern noch alles findet: nicht nur Schokolade in Form von Hershey Bars (die lernte sogar ich noch in den Sechzigern kennen), sondern auch Zigaretten und vor allem Kinofilme und Jazz-Musik. Günter Lamprecht erzählt wehmütig von Glenn Miller und Konsorten. Neben jenem seltsamen neuen Ding namens „Frieden“ brachten die Fremden aber auch „Demokratie“.

|“Alltag: Überleben II“|

Der „Frieden“ sah zunächst so aus, dass jeder offenbar alles zu klauen versuchte, was nicht niet- und nagelfest war und sich somit zu Geld machen ließ. Dabei lief Günter Lamprecht einmal sogar einer Sowjetpatrouille in die Arme, die sich über seine amerikanischen Präservative wunderten. Er kam aber noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Eines der düstersten Kapitel ist jedoch die weithin verbreitete Ausnutzung der schutzlosen Lage deutscher Frauen. Ihre Männer waren entweder gefallen oder in Gefangenschaft und die Kinder waren noch nicht groß genug, um sie zu verteidigen. So kam es, dass zahlreiche alliierte Soldaten die günstige Lage ausnutzten, und zwar nicht nur die Russen, sondern auch Briten, wie eine Quelle bezeugt.

Andererseits hatten die Frauen, die auf diese Weise ausgenutzt wurden, ein wenig Glück, weil sie im Ausgleich für ihre „Dienste“ Lebensmittel und zahlreiche Importartikel wie Strumpfhosen aus Nylon von den Soldaten („Fräuleins im Gelände“ von Ottmar Katz) erhielten. Ja, diese Frauen wurden sogar von ihren Familien oder Nachbarn dazu angehalten, so zum Überleben der Gemeinschaft beizutragen. Am eindrucksvollsten sind die Erzählung einer anonymen Berliner Frau, die sich in dieser Lage befindet, und Wolfgang „Draußen vor der Tür“ Borcherts Geschichte „Die drei dunklen Könige“.

|“Neuanfang?“|

Und wie steht es um die junge Demokratie? Nicht allzu gut, sollte man meinen, wenn man den Einlassungen der diversen Zeugen zuhört. Laut Hans Werner Richter verachtet man die Demokratie und fühlt sich als gedemütigter Deutscher auch noch im Recht. Demokratie steht für Bürokratie, Hunger und alles Schlechte; man kennt das ja von der Weimarer Republik. Der Begriff „Entnazifizierung“, der wichtige Prozess der Verfolgung von Kriegsverbrechern und Nazimitläufern, klingt wie „Entlausung“, also das, was einem in einem Lager widerfährt. Siehe auch den Abschnitt „Schuld?“

Diese Entnazifizierungsverfahren sind eine einzige Farce, denn die Zeugen, die für den Angeklagten eintraten, sind alle für ein paar hundert Mark pro Nase gekauft, die „kleinen Männer“ kommen alle frei. Und wie Stig Dagermanns Erzählungen bezeugen, werden allzu häufig private Fehden vor einer solchen „Spruchkammer“ ausgetragen: Denunziantentum ergänzt die Korruption. Immerhin droht einer der im Hörbuch zitierten Bürgermeister damit, Hakenkreuz-Schmierereien mit der Todesstrafe zu ahnden. Das tut er sicher nicht ohne Grund. Die Demokratie hat es schwer.

Gemäß Georg Stefan Troller schwanken die Deutschen zwischen mehrere widerstreitenden Gefühlen: Man darf keinen Stolz aufs Deutschsein zeigen, will sich aber auch nicht so richtig schämen für die Gräueltaten, die im Namen dieses Volkes begangen worden sind. Selbstmitleid greift um sich, das eine ganze Menge Arschkriechertum rechtfertigt.

Während die Amis noch vor „fanatischen Deutschen“ warnen, ruft Ilse Aichinger anno ’46 zum Misstrauen auf. Aber gegen wen oder was? Fazit: „gegen uns selbst“! Denn in den Menschen warte die Bestie, die Schlange darauf, die Oberhand zu gewinnen. Um überhaupt noch vertrauenswürdig erscheinen zu können, so Aichinger, müssten wir wachsam gegen unsere eigenen Schwächen sein.

_Mein Eindruck_

Manche Beiträge machen betroffen, andere wieder wütend – es ist das reinste Wechselbad. Aber so ist das eben mit dem Wechsel zwischen Außen- und Innenansicht. Das eine relativiert das andere, setzt es in einen anderen Zusammenhang, wirft ein anderes Licht darauf. Merkwürdigerweise verliert dadurch aber sogar das leidvolle Schicksal mancher deutschen Frau, die sich – aus welchen Gründen auch immer – prostituiert hat oder (immer wieder) vergewaltigt wird, an Gewicht und Bedeutung, weil schon das nächste Schicksal wartet, beachtet zu werden, vielleicht ein hungerndes Kind, ein verlorener Kriegsheimkehrer. Ich kann daher nur empfehlen, immer wieder mal eine Pause einzulegen, um das Gehörte in seiner Besonderheit wirken zu lassen.

Bis auf ein einziges Beispiel – Ilse Aichingers Appell – bleiben wir von Texten mit erhobenem Zeigefinger verschont, die es natürlich ebenfalls massenhaft gegeben hat. Die erzählten Schicksale und Beobachtungen sprechen für sich – mehr als beredt. Politisch gefärbte Texte sind praktisch keine zu finden – ich wüsste keinen, den ich eindeutig einem politischen Spektrum zuordnen könnte (stand Böll automatisch links, nur weil er in Mutlangen protestierte?).

Man müsste von einer apolitischen Präsentation reden, wäre nicht von vornherein klar, dass das Ganze an sich eine politische Botschaft ist. Eine politisch korrekt zusammengestellte Botschaft, die sich an das Erinnerungsvermögen der Gegenwart wendet. Ob die alten Kampfgenossen aus der Waffen-SS wohl diesen Appell vernehmen? Ich bezweifle es. Möge er zumindest die junge Generation erreichen.

Eine Präsentation wie diese ist stets eine Auswahl und als solche bis zu einem gewissen Grad subjektiv gefärbt. Um einen möglichst objektiven bzw. vollständigen Eindruck zu erhalten, was damals als „die Wirklichkeit“ und als „die Wahrheit“ galt, müsste so ein Hörbuch ja mindestens zehn CDs umfassen – man denke nur mal an Kempowskis „Echolot“-Projekt. Das ist nicht gerade eine attraktive Größe für das Hörpublikum. Eine Auswahl auf nur zwei CDs unterzubringen, ist ein wagemutiges Kunststück.

Ist es geglückt? Ich denke, ja, wenn man die Einschränkungen berücksichtigt. Und als Zeitdokument kann es die junge Generation vielleicht mehr als die Erinnerungen der wegsterbenden Kriegs- und Nachkriegsgeneration über das damalige Geschehen informieren. Wir erfahren nichts über die Einrichtung der Besatzungszonen und über die Gründung der Bundesrepublik Deutschland sowie der Deutschen Demokratischen Republik. Das steht auf einem anderen Blatt: auf dem der Stunde Eins.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die oben genannten Sprecher sind allesamt kompetente Vortragende, doch einer der Text ragt aus der Menge heraus, der von Günter Lamprecht. Er singt den „Chattanooga Choo Choo“, als hätte er gestern den Song zum ersten Mal gehört, und die Freude ist ihm anzumerken. Ein anderer Text, der mir im Gedächtnis blieb, ist „Die drei dunklen Könige“ von Wolfgang Borchert. Er wird von Kowalski oder Tratnik vorgelesen. Borchert wendet die bedrückende Lage einer deutschen Familie auf das Fest der drei Könige an, doch in diesem Winter kommen die Könige aus der Fremde nicht um zu verehren, sondern um zu vergewaltigen. Der Schrei des Kleinkindes vereitelt dieses Vorhaben.

Es gibt noch mehrere O-Töne, die wirklich zu Herzen gehen, aber man muss wohl einiges Leid selbst erlebt haben, um nachfühlen zu können, was diese Menschen damals durchgemacht haben. Dass sie es immer wieder durchgestanden haben, nötigt höchsten Respekt ab.

_Unterm Strich_

Ist das jetzt der notwendige Nachhilfeunterricht in Sachen „Stunde Null“? Oder doch nur ein kleiner illustrativer Splitter im großen Gemälde jener Zeit? In Ermangelung von Vergleichsmöglichkeiten nehme ich keine Wertung vor. Ich kann nur sagen, dass die vielfältigen Beiträge, die ich oben näher beschrieben habe, einen guten Eindruck von den Verhältnissen in der einfachen Bevölkerung vermitteln. Politik wird links liegen gelassen, dieses Feld zu beackern, ist offensichtlich Sache von Historikern.

Doch das, was viele Deutsche damals erlebten, ist heute unvorstellbar. Wenn man heute von Krieg redet, so stellt man sich Stellvertreterkriege in Irak oder Afghanistan vor, nicht irgendwo mitten im dicht besiedelten Europa. Das Hörbuch macht zumindest erahnbar, welche verheerenden Folgen ein moderner Krieg hat, nicht nur direkt im Kampfgeschehen, sondern vor allem im Nachhinein.

Und das Hörbuch macht auf die seltsamen Praktiken während der „Denazifizierung“ aufmerksam, bei denen die Verhandlungen unter anderem wie Reality-Shows genossen wurden. Ein „Neuanfang“ mit Bekenntnis zu „Schuld“ und „Demokratie“? Man wundert sich, dass die Bundesrepblik überhaupt aus der Taufe gehoben werden konnte – und vor allem, wer ihre „Paten“ waren. Wahrscheinlich gab es „Angebote, die man nicht ablehnen konnte“.

Als Zeitdokument ist das Hörbuch sehr zu empfehlen, als Unterhaltung nur bedingt, denn es ist selten spannend und nie actionreich. Dafür überwiegen die bewegenden Szenen umso mehr.

|156 Minuten auf 2 CDs|

Doyle & MacNeile – Eine Frage des Teers (Sherlock Holmes Folge 39)

Die gestohlene Tiara

Eine verschwundene Tiara ruft den Meisterdetektiv auf den Plan, denn ausgerechnet bei einer kurzen Aufbewahrung in einem ungesicherten Schreibtisch wird das wertvolle Schmuckstück gestohlen. Die Zahl derer, die das Versteck der Tiara kannten, erscheint auf den ersten Blick durchaus überschaubar. Ein Motiv hat indes nur eine der Personen. Holmes zweifelt jedoch daran, dass die Lösung des Falles so einfach ist… (Verlagsinfo) Doyle & MacNeile – Eine Frage des Teers (Sherlock Holmes Folge 39) weiterlesen

James Patterson – Der Zerberus-Faktor (Maximum Ride 2)

Showdown mit der Doppelgängerin

Die Tierärztin Frances O’Neill entdeckt eines Tages in Colorados Wäldern ein genmanipuliertes Wesen, das aussieht wie ein Mädchen mit Engelsflügeln. Tatsächlich kann Maximum, so nennt sich diese Kombination aus Mensch und Vogel, fliegen, wie man sich das von Engeln vorstellt. Der Haken dabei ist natürlich, dass es sich bei Max um das Ergebnis verbotener Experimente eines illegalen Genlabors handelt, das den Decknamen „Die Schule“ trägt. Und dass Max und ihresgleichen enorm wertvolle Organismen darstellen, die entsprechend gejagt werden. Frances gewährt Max und ihren Freunden Unterschlupf und Schutz, wodurch sie selbst in die Schusslinie gerät.

Das Pandora-Projekt:

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