Man nennt sie die Altmutanten: acht menschliche Bewusstseine, die ein tragisches Schicksal verbindet. Über Jahrhunderte hinweg kämpften sie an der Seite Perry Rhodans für Terra, bis sie der sogenannten Second-Genesis-Krise zum Opfer fielen. Doch nur ihre Körper starben, während ihre Bewusstseine im Hyperraum weiterlebten. Das seltsame PEW-Metall erwies sich als ihre einzige Chance, wieder in den Normalraum zurückzukommen. Jetzt ist ihr einziges Ziel das „wirkliche Leben“ – und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Sie bringen den Supermutanten Ribald Corello und Alaska Saedelaere, den Mann mit dem Cappin-Fragment, in ihre Gewalt. Die beiden Verbündeten wider Willen erschaffen in einer uralten Geheimstation der Lemurer, tief unter dem Pazifischen Ozean, acht künstliche Körper.In diesen übereilt gezüchteten Hüllen wollen die Altmutanten überleben. Als die Körper absterben, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen den Zerfall. Perry Rhodan wagt alles, um seinen alten Freunden zu helfen. Doch die Altmutanten folgen nicht seinen Vorschlägen und verfolgen nun ihre eigenen Pläne … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wo waren wir? Auf der Flucht waren wir! Der Supermutant Corello wird fremdgesteuert und hat wiederum Alaska mitgenommen. Mit denen gehts in die Südsee, um schlafende Lemurer zu wecken … um genau was zu machen? Ich weiß es immer noch nicht. Egal, Corellos Herren werdens wissen. Und so produzieren wir ein paar synthetische Menschen und machen uns von Perry und seinen Leuten gejagt wieder aus dem Wasser.
Die Menschheit hat zu Beginn des Jahres 429 NGZ die großen Gefahren abgewehrt, die durch die Mächte des Chaos verursacht worden sind. Nun werden zahlreiche Terraner vom Sternweh ergriffen – mit den sogenannten Virenschiffen streben sie hinaus ins All.
In dieser Phase erreicht der Bote einer Superintelligenz die Erde: Sein Name ist Stalker, und er bietet einen Handel an. Doch sein Besuch sorgt für neue Unruhe in der Milchstraße … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Lang und ausführlich machen wir am Anfang der Lesung Bekanntschaft mit STALKER. Der vorgebliche Bote der Mächtigkeitsballung ESTARTU heißt eigentlich Sotho Tal Ker, aber Menschen lieben halt Abkürzungen und Sprachvereinfachungen.
Würde ich Suko noch einmal lebend wiedersehen? Seit Wochen suchte ich nach einer Spur meines Freundes, den der Ninja-Dämon Shimada durch ein Dimensionstor in sein Höllenschloss entführt hatte. Als ich schon glaubte, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte, schickte mir Shimada die Dämonentrommler – und kurz darauf war auch Sukos Freundin Shao verschwunden! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 364 gemacht, das erstmalig am 24. Juni 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Bild wurde übernommen, beim Titel wurde die aktuelle Rechtschreibung angewandt und „Schloss“ nicht mehr „Schloß“ geschrieben.
Tim, Karl, Gaby und Klößchen sind zum Baden am Moorsteiner See, als Karl ein mysteriöser Hilferuf ereilt, der sich rasant über Soziale Medien verbreitet. Ein Foto zeigt einen geknebelten Mann, der seine Augenbinde für ein schnelles Selfie etwas nach oben geschoben hat. Dem Bild ist ein eiliges „hilfe“ beigefügt. Soll das etwa ein schlechter Webwitz sein? Tim erkennt den Hintergrund der Aufnahme: Es handelt sich eindeutig um die Fischerhütte eines alten Bekannten gleich hier am Moorsteiner See! TKKG eilen zur Hütte, um das Opfer zu befreien, und werden in einen brenzligen Fall verwickelt, dessen Tragweite sie nicht erahnen konnten …(Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Dem geübten Hobby-Detektiv fällt nach dem Lesen des Klappentexts direkt die Frage ein: Wie kann ein geknebelter Mann eine Augenbinde verschieben? Und dann kommt die Frage danach, wie er geknebelt ein Selfie machen kann … so das Foto denn als solches erkennbar ist und nicht von jemand anderem aufgenommen sein könnte. Dem Knebler vielleicht?
Aus dem Tonstudio des Popstars Modena wurde ein Song gestohlen. Kann Modena ihrem Team nicht mehr vertrauen? Als Chorsänger getarnt begeben sich die drei ??? Kids auf die Spur des Diebes. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wie jetzt? Ein KIDS-Fall zum Mitsingen? So was gibts? Gibts! Und laut Verlag kann man sogar die Noten kaufen, damit man die Töne auch trifft und in die nächste Runde kommt … Ob das Justus, Peter und Bob wohl auch gelingt? Die Idee, undercover zu agieren, ist ja clever … aber, können sie auch gut genug singen, damit das Ganze nicht sofort auffliegt? Aber hey, es geht hier um Popmusik, da wird doch eh am Mischpult-Computer so lange an den Aufnahmen rumgepitcht, bis es stimmig klingt. Wirklich klassisch singen können muss da im Grunde kaum noch einer.
Beim Girls Computer Club wird der Laptop einer Teilnehmerin gestohlen. Doch Kim, Franzi und Marie, bemerken, dass sie nicht die einzige ist, die bestohlen wurde: Einige Jugendliche, die eine neue angesagte App spielen, werden durch das Spiel in eine verlassene Gegend gelockt und ausgeraubt! Die drei Detektivinnen beginnen zu ermitteln und geraten immer tiefer in das Netz dieses schwierigen Falls. Realität und Spiel scheinen sich zu vermischen … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Mädchen und Computer? Und ob! Nicht nur Jungs haben daran Interesse, es gibt auch MINTe Mädels. Ob man deshalb aber gefühlt 20 mega hippe Anglizismen in jeden Satz einbauen muss … ist Geschmackssache. Die gackernden Hasis, die am Anfang zu hören sind, brauchen das offenbar. Nicht nur unsere Detektivclubberinnen sind von denen schnell genervt, der Hörer auch.
In der Vorweihnachtszeit richtet eine Paketbombe an einer Schule nahe Pittsburgh ein Massaker an. Kinder sterben. Holly Gibney verfolgt die furchtbaren Nachrichten im Fernsehen. Der Reporter vor Ort erinnert sie an den gestaltwandlerischen Outsider, den sie glaubt vor nicht allzu langer Zeit zur Strecke gebracht zu haben. Ist jene monströse, sich von Furcht nährende Kreatur wiedererwacht?
Die titelgebende Geschichte »Blutige Nachrichten« – eine Stand-alone-Fortsetzung des Bestsellers »Der Outsider« – ist nur einer von vier Kurzromanen in Stephen Kings neuer Kollektion, die uns an so fürchterliche wie faszinierende Orte entführt. Mit einem Nachwort des Autors zur Entstehung jeder einzelnen Geschichte. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ok, wer den „Outsider“ von Stephen King noch nicht gelesen oder die HBO-Fernsehverfilmung noch nicht gesehen hat, brauchts nun nicht mehr zu tun, der Klappentext spoilert mehr oder weniger schon das Wichtigste. Wer das Buch aber gelesen hat, wird sich über ein Wieder-Wiedersehen mit Holly Gibney freuen, die wir vor dem „Outsider“ schon bei „Mr. Mercedes“ getroffen haben.
Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Flaschenpost“ begann die 7. Staffel und der Auftakt zur zweiten Geschichte innerhalb des großen POE-Epos. Die Vorgeschichte finden man in den vorangegangenen 27 Folgen sowie in dem Roman [„Lebendig begraben“,]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 erschienen bei |Bastei Lübbe|.
USA um 1850. Der Mann, der sich POE nennt und kein Gedächtnis besitzt, versucht nach den schrecklichen Erlebnissen in New York City, ein neues Leben zu beginnen. Er glaubt, er ist Poe, wer sonst? Sicher ruht auf dem Friedhof von Baltimore ein Namenloser. Poe und Leonie mieten Landors Landhaus in den nördlichen Wäldern von New York. Doch sie kommen dort nicht zur Ruhe: Über dem Landhaus liegt ein Fluch. Und Leonies Vergangenheit ist dunkler, als Poe ahnt.
Leonie ist nun vor den Geistern ihrer Vergangenheit nach New York City geflohen. Verzweifelt irrt sie durch die Straßen. Ein Mann in der Menge ist der rettende Anker, aber nur scheinbar … (Verlagsinfo)
Die POE-Serie:
#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein
Siebte Staffel (03/2008):
#26: Die Flaschenpost
#27: Landors Landhaus
#28: Der Mann in der Menge
#29: Der Kopf des Teufels
Das Taschenbuch ist unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.
_Die Inszenierung_
Ulrich Pleitgen tritt diesmal nicht auf.
Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.
Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Giuliana Ertl, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dicky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom STIL Studio verantwortlich.
|Das Titelbild|
Das monochrome Titelbild, das [Simon Marsden]http://www.simonmarsden.co.uk geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt vier männliche, schwarze Silhouetten vor einem hellen, leeren Hintergrund. Das Quartett steht unter den hängenden Zweigen einer Eiche, die hell von der Seite beschienen wird. Dass die Männer keine Merkmale und kein Gesicht aufweisen, entmenschlicht sie und rückt sie in das Reich des Geisterhaften und Unheimlichen.
Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Aldous Huxleys „doors of perception“.
|Das Booklet|
Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Eine kleine Biografie stellt die Sprecherin Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E. A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.
_Vorgeschichte_
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon 27 Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt.
Am Anfang rekapituliert Leonie / Berben sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.
_Handlung_
Leonie ist aus Landors Landhaus geflohen, nachdem sie einen Mann gesehen hat, den sie noch aus ihrer Heimat England kennt. Er ist ein „Meister der Verstellung an Körper und Seele“. Nun eilt sie voll Angst nach New York City, doch auch dort vermeidet sie jeden Kontakt, um nicht erkannt zu werden. Das führt dazu, dass sie von Straße zu Straße irrt, bis sie schließlich erschöpft Rast machen muss. Bei einem Trödler kauft sie Kleider aus zweiter Hand, mit denen sie sich verkleidet.
Sie driftet durch die anonyme Menschenmenge auf dem Bahnhofsvorplatz, als sie den Alten bemerkt. Sein weißes Haar und seine Brille lassen ihn ungewöhnlich aussehen, doch sein kalter, böser Blick ist abweisend. Auch er treibt wie entwurzelt durch die Menge. Ein erhaschter Blick auf Dolch und Diamant an seiner Weste entzünden ihre Phantasie. Sie folgt ihm wie ein Schatten durch die hereinbrechende Nacht, durch Nebel und enge Gassen, bis er schließlich ein Haus betritt, das leerzustehen scheint. Als sie aus dem Fenster eines leeren Zimmers im Obergeschoss blickt, spürt sie einen Schlag auf sich herabsausen …
Leonie erwacht in einem abgeschlossenen Zimmer und wartet, bis sie eine unsichtbare Stimme ihren Namen rufen hört: „Leonie, mein Liebling! Du Miststück!“ Ein Mädchen von etwa 16 Jahren bringt Essen und berichtet, der Kanarienvogel in seinem Käfig heiße ebenfalls Leonie. Das sind keine ermutigenden Nachrichten. Der Unsichtbare ist Gorn, der ihr wohlbekannte Meister der Verstellung, den sie aus England kennt. Er sollte eigentlich dafür hingerichtet werden, dass er ihre Eltern umgebracht hat.
Doch nun will er sie für sich, und er droht, ihren Verlobten Poe umzubringen …
_Mein Eindruck_
Der mittlere Teil der Handlung folgt erstaunlich getreu Poes literarischer Vorlage (siehe dazu [„Poes Meistererzähler“). 4832 Dies hat zwar seinen eigenen Charme und auch eine dramaturgische Funktion, aber eigentlich passiert ja nichts. Dieser Mittelteil könnte also relativ langweilig wirken. Doch erstens macht das Driften deutlich, dass Leonie inzwischen ziellos ist, zweitens Angst hat und drittens deshalb einem Lockvogel zum Opfer fällt, der ebenso wie sie zu sein scheint – ein verhängnisvoller Trugschluss.
Ganz nebenbei lernt der Hörer auch das Straßenleben einer amerikanischen Metropole kennen. Neben allerlei Fußgängern hören wir auch Droschken, eine Tram und sogar einen Omnibus rattern sowie eine Dampfeisenbahn mit Getöse abfahren. Neben anderen düsteren Orten landet Leonie auf ihrem Streifzug unter anderem in einer Opiumhöhle, wo sie versucht ist, sich einfach hinzulegen und auszuruhen.
Im dritten Teil der Handlung findet sich Leonie schließlich als Gefangene eines Unbekannten wieder, was sie natürlich ziemlich ängstigt. Doch nach einer Weile hat sie die Parameter ihrer Lage ziemlich gut erfasst und ihren Kidnapper als den alten Feind erkannt. Nun kann sie endlich handeln. Doch dafür muss sie selbst zu einer Verbrecherin werden. Keine leichte Wahl!
Auch wenn man kaum von einer Handlung reden kann, so hat mich diese Folge doch einigermaßen fasziniert. Sie ist in der ersten Hälfte voller Paranoia, doch die Raumangst der zweiten Hälfte mündet, wie so oft bei Leonie, in entschlossenes Handeln. Ihr Verbrechen ist dadurch gerechtfertigt, dass sie es begeht, um einen anderen Menschen vor dem Tod zu bewahren, nämlich ihren Verlobten, Mister Poe.
_Die Inszenierung_
|Die Sprecher:|
Miss Leonie Goron:
In der neuen Staffel tritt Iris Berben alias Leonie nicht mehr so energisch auf, sondern erscheint uns als mehrdimensionale Figur, die es zu ergründen gilt. Die weiteren Folgen legen ihre verborgenen Schichten offen und warten mit Überraschungen auf. Leonie hat uns (und Poe) beileibe nicht alles über sich erzählt. Zunehmend werden uns Einblicke in ihre Vergangenheit gewährt. Die Sprecherin stellt Leonie mit großem Einfühlungsvermögen dar, und das über die gesamte Episode hinweg. Das ist eine beeindruckende Leistung.
Dass sie ihre Leonie dabei in der ersten Hälfte als paranoid und gehetzt darstellt, liegt ausschließlich an der Handlung. Im letzten Viertel kehrt Leonie zu ihrer gewohnten Entschlossenheit zurück, ohne jedoch die Möglichkeit eines gegnerischen Angriffs auszuschließen. So bleibt die Spannung bis zuletzt erhalten.
Gorn:
Lutz Riedel ist es ein Leichtes, mit seiner tiefen Stimme einen Verbrecher wie Gorn entsprechend dämonisch darzustellen. Die Herausforderung besteht für ihn vielmehr darin, so freundlich zu tun, dass Leonie diesem Gorn, ihrem Kerkermeister, wieder vertraut. Als Gorn jedoch seine gewalttätige Seite aufblitzen lässt, verliert er dieses wieder. Schätzungsweise werden wir noch mehr von Mister Gorn hören.
|Geräusche|
Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.
Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Wie schon oben angedeutet, sind alle Gefährte der New Yorker Innenstadt zu hören. Ein Highlight ist sicherlich die Bahnhofszene mit der abfahrenden Dampflok. Ein weiterer Höhepunkt ist die Gestaltung der Opiumhöhle. Sie stützt sich jedoch stark auf die Musik, indem sie eine einlullende Flötenmelodie den Rauschzustand der Opiumraucher andeuten lässt.
|Musik|
Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung der ganzen Episode, denn in der Umgebung der Opiumhöhle und des Gefängniszimmers ist die Ausarbeitung der beklemmenden Atmosphäre besonders wichtig, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln und seine Emotionen zu steuern.
Die Emotionen der Hauptfigur werden relativ genau widergespiegelt. Doch statt der bekannten POE-Leitmotive muss der Komponist neue Elemente aufbieten, denn Leonie verfügt, so weit ich das erkennen konnte, über kein eigenes Leitmotiv. (Zeit dafür wäre es ja – nach 27 Episoden!) Die psychische und physische Qual in Leonies Kerker deutet ein völlig verstimmt klingendes Piano an.
Tiefe Bässe weisen auf sich nähernde Gefahr hin: Leonie fertigt ein Mordinstrument an. Die finale Actionszene wird musikalisch kaum entsprechend unterstützt, und die Nachwehen voll Anspannung sind mit einer tief gespielten Kirchenorgel unterlegt. Was dies ausdrücken soll, kann jeder für sich entscheiden.
Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.
|Der Song|
Der britische Schauspieler Christopher Lee singt „Elenore“, das schon auf der CD „Visionen“ zu finden ist. Hier liegt der EAP-Mix vor. Die Musik stammt wieder von Gaitte & Bertling, der deutsche Text von Marc Sieper. Sopran singen Rosemarie Arzt und Ricarda Lindner. Es spielt das Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte.
Christopher Lee wurde am 27. Mai 1922 in London geboren. Seine Schauspielkarriere begann 1947. Den meisten dürfte der britische Schauspieler als Dracula bekannt sein, den Lee 1958 das erste Mal verkörperte und damit weltberühmt wurde. Noch vor seiner Zeit als Schauspieler war Lee in diversen Opernhäusern zu hören – er genoss eine Ausbildung als Opernsänger. Einige seiner aktuellsten Rollen sind die des Saruman in „Herr der Ringe“ und Count Dooku in „Star Wars“. Insgesamt wirkte Lee in über 250 Filmen mit.
Ich wusste auch nicht, wie toll Christopher Lee singen kann – bis ich seine Aufnahme auf der CD „Visionen“ hörte. Der Gesang ist klassisch, die Orchesterbegleitung ebenso, zwei Soprane begleiten den Meister, streckenweise im Duett. Er gibt die dramatische Ballade „Elenore“, in der um die verlorene Liebste geklagt wird, zum Besten, und zwar mit viel Gefühl und Sinn fürs Dramatische. Man stelle sich eine schmissige Arie aus einem bekannten Musical vor, z. B. „Elisabeth“ – so umwerfend gut kommt das rüber. Die vorliegende Fassung wurde neu gemischt, um zur Instrumentierung des Hörspiels zu passen.
_Unterm Strich_
Die Schatten der Vergangenheit holen Leonie Goron alias Sander endgültig ein. Ihr alter Widersacher aus England hat sie erwischt und gefangen gesetzt. Da er Poe bedroht, muss sie schleunigst ausbrechen, doch das ist leichter gesagt als getan. So kommt es zu einer finalen Actionszene. Bestimmender für diese Episode ist jedoch Leonies lange Irrfahrt durch die Innenstadt, die getreulich der Poe’schen Vorlage folgt. Über den Unterhaltungswert ließe sich trefflich streiten, aber ich fand diesen Teil unerlässlich, um Leonie und ihren Widersacher zu verstehen.
Die akustische Umsetzung ist vom Feinsten, und man merkt in jeder Szene, wie viel Sorgfalt die Mitwirkenden und Macher aufgewendet haben, um die Episode reizvoll und stimmungsvoll zu gestalten. Ein Highlight ist für mich zweifellos Christopher Lees Song, auch wenn dieser eher Musical-Freunde ansprechen dürfte.
Die Reihe wird mit „Der Kopf des Teufels“ fortgesetzt.
|Basierend auf: The Man of the Crowd, 1840/45
58 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
Inmitten des Schwarzwalds nahe einem Friedhof liegt das Waldhotel König, in dem der deutsche BKA-Beamte Will Mallmann seinen Urlaub verbringt. Am Frühstückstisch begegnet er dem sonderbaren Archäologen Xaver Jurc, der in der Umgebung nach Zeugnissen der Etrusker sucht – und kurz darauf steigen die Toten aus ihren Gräbern!(Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 176 gemacht, der erstmalig am 25. Januar 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.
Nachdem die Menschheit die Schwarm-Krise erfolgreich bestanden hat, wenngleich unter großen Schäden, wird die Erde von politischen Konflikten erschüttert. Vor allem Perry Rhodan steht in der Kritik. Zu dieser Zeit erreicht ein terranisches Raumschiff die Erde: An Bord ist ein Wesen vom Planeten Asporc, und es bringt das Grauen mit sich.Es sind die „Stimmen der Qual“, die der Asporco zur Erde gebracht hat, eine unheimliche Macht, die sogar die fähigsten Mutanten der Menschheit zu einem Spielball macht. Vor allem der Supermutant Ribald Corello und Alaska Saedelaere, der Mann mit der Maske, werden von den seltsamen Kräften aus dem Raumschiff beherrscht.Perry Rhodan will die Hintergründe für das Geschehen ergründen. Ohne sich um die politische Diskussion zu kümmern, reist der Terraner mit dem Raumschiff TIMOR nach Asporc. Doch die fremde Macht, die sich dort austobt, kennt kein Erbarmen mit jenen, die sie herausfordern … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Neuer Zyklus, neues Glück. Und da wir in der letzten Silberlesung einen echten Abschluss erlebt hatten, ist jetzt der Tisch rein für die ALTMUTANTEN, denn so heißt der neue Zyklus. Viel zu erzählen scheints aber über die nicht zu geben, denn mit nur vier Lesungen ist dieser Zyklus recht kurz … im Vergleich zu einigen anderen. Aber, in der Kürze liegt die Würze und die altgedienten Mutanten waren mir eh schon immer ans Herz gewachsen und deren Abenteuer habe ich am liebsten erlebt. Wenn ich mir aber den Titel der Einstiegslesung so betrachte, dann scheint den Jungs und Mädels gar nicht gut zu gehen.
Vor Jahrmillionen verbreiteten sie das Leben im Universum – jetzt sind sie todbringende Waffen: die gigantischen Sporenschiffe der ehemaligen Mächtigen. Im Jahr 3587 stehen Perry Rhodan und seine Gefährten an Bord des Raumschiffes BASIS vor der unmittelbaren Konfrontation mit ihnen.Nur wenn die Besatzung der BASIS diesen Konflikt übersteht, kann die Mission fortgesetzt werden. Die Terraner an Bord müssen ihre Heimat vor dem drohenden Untergang bewahren und zu den Kosmokraten vorstoßen. Diese sind für die Manipulation des Kosmos verantwortlich – und damit für die Weltraumbeben, die in der Milchstraße zu fürchterlichen Zerstörungen führen.Rhodan muss auf :die andere Seite9 der mysteriösen Materiequellen gelangen, um mit den Kosmokraten in Kontakt zu treten. Doch jetzt droht ihm und seinen Begleitern in der weit entfernten Galaxis Erranternohre der Kampf gegen die Sporenschiffe … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diese Silberlesung heißt „Die Sporenschiffe“ … aber waren die nicht eigentlich schon Thema im letzten Zyklus PAN-THAU-RA? Absolut, aber im Perryversum ist mit ansteigender Silberbandnummer immer seltener etwas abgeschlossen, immer seltener eine Idee knackig zu Ende gebracht, ohne ziemlich breitgetreten zu werden und da wundert es nicht, dass wir auch hier wieder auf Altlasten stoßen.
Nach dem Tod seines Vaters, des wegen Hochverrats angeklagten Earl of Waringham, zählt der zwölfjährige Robin zu den Besitzlosen und ist der Willkür der Obrigkeit ausgesetzt. Besonders Mortimer, der Sohn des neuen Earl, schikaniert Robin, wo er kann. Zwischen den Jungen erwächst eine tödliche Feindschaft. Aber Robin geht seinen Weg, der ihn zurück in die Welt von Hof und Adel – an die Seite des charismatischen Duke of Lancaster – führt.
Doch das Rad der Fortuna dreht sich unaufhörlich, und während ein junger, unfähiger König England ins Verderben zu reißen droht, steht Robin plötzlich wieder seinem alten Todfeind gegenüber … (Verlagsinfo)
In Rocky Beach taucht eine schaurige Gestalt auf: Ein geflügeltes Wesen mit leuchtend roten Augen. Zeitgleich häufen sich die Unglücksfälle und Diebstähle in der beschaulichen Küstenstadt. Justus, Peter und Bob vermuten einen Zusammenhang und stürzen sich in die Ermittlungen, um das Geheimnis des Mottenmanns zu lüften. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Komische und gruselige „Männer“ gabs bei den Fragezeichen ja schon einige. Aus Eisen, ohne Kopf, ohne Augen und in Verkleidung steckten auch schon diverse Antagonisten der Jungs. Wer ist nun diesmal kostümiert unterwegs und welchen Vorteil verspricht er/sie sich denn davon? Und warum haben gefühlt alle immer rot-glühende Augen?
Ismael fliegt 2099 mit einer bizarren Mannschaft im Raumschiff „Cetus 7“ den Sternen entgegen. Dem Kapitän raubte vor 30 Jahren der Komet Leviathan das Augenlicht. Seitdem ist er – wie einst Ahab vom weißen Wal Moby Dick – besessen, sich mit dem Riesenkometen zu messen. Ob das wohl gut geht?
Der Autor
Raymond Bradbury, geboren 1920 (und immer noch quicklebendig!) in Waukegan, Illinois, ist einer der bekanntesten Erzähler der USA, und zwar nicht nur in der Science-Fiction, sondern auch im sogenannten Mainstream. Als Ray vierzehn Jahre alt war, übersiedelte seine Familie nach Kalifornien, wo er 1938 seinen Highschool-Abschluss machte. Diesen Verlust der Heimat hat er immer wieder verklärend thematisiert.
1937 kam er erstmals mit der Science-Fiction-Szene Kaliforniens in Kontakt, als er Ray Harryhausen (Film), Forrest Ackerman (Fandom) und Henry Kuttner (Autor) traf. Zum Teil konnte er seine Träume mit ihnen erfüllen. Harryhausen wurde zu einem der größten Trick- und Special-Effects-Könner auf dem Gebiet des phantastischen Films („Kampf der Titanen“ u.v.a.), während Bradbury später als Autor weit über die Grenzen des Genres hinaus bekannt wurde.
Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin („Star Wars Episode V“) Leigh Brackett beeinflusste ihn wesentlich in seiner Entwicklung. 1943 wurde sein Stil poetischer, nostalgisch und zeigte einen Hang zum Makabren. Die damals großen Magazine wie die „Saturday Evening Post“ sollen sich angeblich um seine Storys gerissen haben. Er schrieb für John Huston 1955/56 das Drehbuch zu „Moby Dick“.
In letzter Zeit ist es still um Bradbury geworden, aber von ihm erscheinen immer noch aufwändig gemachte Novellen- und Storybände. Ridley Scott hat in seinem Film „Blade Runner“ eine Hommage eingebaut: Das Hotel, in dem der Showdown stattfindet, heißt „The Bradbury“. Und der Regen fällt wie in Bradburys Story „The Day It Rained Forever“ unablässig.
Seine wichtigsten Werke:
[Fahrenheit 451 400 (1953, verfilmt 1966 von F. Truffaut)
Der illustrierte Mann (1951, verfilmt 1968 mit Rod Steiger, dt. Titel: „Der Tätowierte“)
[Die Mars-Chroniken 1294 (1946-50, verfilmt 1980 mit Rock Hudson)
Die Sprecher und ihre Rollen
Ismael: Jürgen Goslar
Kapitän: Wolfgang Büttner
Quell: Günther Stutz
Redleigh: Heinz Stoewer
Rogers: Olaf Bison
Ellery Colworth: Anfried Krämer
Der Warner: Max Noack
Der Kleine: Yodok Seidl
Das Hörspiel hat Regisseur H. B. Fortuin 1969 für den Hessischen Rundfunk eingerichtet. Die Musik besorgte Tristram Cary.
Handlung
„Nennt mich Ismael.“ Man schreibt das Jahr 2099, und Ismael Jones, unser Erzähler, berichtet, dass er als erstes Kind im Weltraum geboren wurde und seine Eltern Ex-Marsianer waren. Sein Vater nannte ihn Ismael nach dem wandernden Gottessucher aus der Bibel. Und tatsächlich versteht sich Ismael als ein Wanderer, über Gras- und andere Meere, wie etwa die des unendlichen Kosmos, des Sternenmeers.
Eines Tages wird er im Raumfahrer-Wohnheim einem Zimmergenossen namens Quell zugewiesen. Quell ist drei Meter hoch und ein Telepath, er stammt von einer Inselwelt im Andromedanebel, wo Tiermenschen aufwachsen. Ismael fragt uns: „Was ist menschlich?“ Statt zu streiten, beschließen sie, lieber Freunde zu werden. Sie suchen eine neue Heuer, und ihre Wahl fällt auf die „Cetus 7“ (cetus = Wal), denn sie ist das größte jemals gebaute Raumschiff.
Hätten sie doch nur ein anderes Schiff gewählt! Ein „Warner“ namens Elias tut genau das: Er warnt sie vor dem Kapitän der Cetus 7, einem verrückten Albino, dem ein Unfall mit einem Kometen namens Leviathan die Augen ausgebrannt habe. Doch sie hören nicht auf ihn und helfen, das Schiff auszurüsten. Es ist eine seltsame Crew: zumeist Gnome und Zwerge, gezüchtete Genies, die allzu gerne spielen. Nur wenige Menschen sind an Bord, und der Käptn ist nirgends zu sehen. Vor dem Ablegen besuchen sie einen Gottesdienst und lauschen der Predigt des robotischen Pater Ellery Colworth, der schon seit hundert Jahren tot ist. Seine Botschaft: Alles ist Gottes Schöpfung, deshalb gilt es, alles Leben zu achten.
Am 2. August ’99 geht’s los. Vom Käptn hat Ismael nur ein seltsames Geräusch gehört: sein Körperradar, das der Blinde benötige, heißt es. Nach fünfzig Tagen nähert sich die Cetus 7, gesteuert vom Ersten Offizier Redleigh, einem Planeten im Sternbild Schwan. Doch statt ihn zu erkunden, befiehlt der Käptn eine Inspektion. Erstmals bekommt Ismael ihn zu Gesicht, den Albino mit dem Wärmesensor vor den Augen. Er kommt ihm unheimlich vor, wie „der Geist von Hamlets Vater, der neue Gespenster ausbrütet“.
Wer den Kometen Leviathan als Erster sichtet, bekommt eine Belohnung. Alle dreißig Jahre kommt das Ungetüm in diese Raumgegend, wo es einst dem Käptn das Augenlicht raubte. Dafür will er sich rächen und das Monster, diese „Lawine des Nichts“, für immer zerstören. Das ist der heilige Auftrag der Besatzung der Cetus 7. Und der Kapitän schwört sie gnadenlos darauf ein: den Kometen zerstören oder beim Versuch sterben. Es ist Wahnsinn.
Doch wo bleibt dabei die Achtung vor allen Geschöpfen Gottes, die Pater Colworth predigte, fragt der Erste Offizier. Das sei doch Gotteslästerung. Nichts da, bügelt der Kapitän die Kritik Redleighs nieder. Der Leviathan beging vielmehr als Erster eine Gotteslästerung an des Käptns Fleisch! Und für seine Rache sei er bereit, sich selbst zu opfern.
Die Monomanie des Kapitäns manifestiert sich immer wieder. Sie lassen einen Mond mit wundervollen toten Städten ebenso links liegen wie zwei irdische Raumschiffe. Nichts darf von der Jagd auf das Ungeheuer ablenken. Ismaels telepathischer Freund Quell ist von einer düsteren Vorahnung erfüllt; er „hört“ Stimmen von Toten und lässt sich eine Totenrüstung anfertigen (keinen Sarg).
Nach einem Hinweis von einem anderen Kapitän kommt es endlich zur finalen Konfrontation. Doch sie verläuft viel schrecklicher, als Ismael sich das hätte ausmalen können. Denn Leviathans furchtbare Kraft liegt nicht so sehr in seiner „körperlichen“ Erscheinung, sondern vielmehr in seiner Beeinflussung der Zeit …
Mein Eindruck
Die Zeit ist das zugrunde liegende Hauptthema der Erzählung, die 1968 zuerst veröffentlicht wurde. Das Universum wird hier endlich als das begriffen, was zu begreifen am schwersten fällt: Dass relativistische Zeit nicht immer die gleiche Rolle spielt und stets relativ zum Ort und zum Betrachter existiert.
Der Leviathan, der alle dreißig Jahre in die Nähe der Erde fliegt, ist wie ein Pendel der Regelmäßigkeit, während alles andere vergeht und verschwindet. Ganz besonders natürlich der Mensch. Deshalb muss der Kapitän aufbegehren. Allein schon der Flug mit Lichtgeschwindigkeit, den die Cetus unternimmt, entfernt die Besatzungsmitglieder mit relativistischer Geschwindigkeit von allen ihren momentanen Zeitgenossen. Sie stranden in ihrer eigenen Zeit, die sie wie in einer Kapsel mit sich nehmen: eine zusammengeschweißte Gruppe.
Sie begegnen auf ihrem Flug durch die Sternenmeere den „verlorenen Kindern der Zeit“: Radio- und Fernsehbotschaften aus dem Jahr 1939. Wir hören Reden des „Führers“, eine Ansprache von Chamberlain aus dem Jahr 1938, dann das Lied „Lili Marleen“ und dergleichen mehr. Doch für den Kapitän hat dies natürlich keine Bedeutung. Sollte es aber, ist er doch ebenfalls ein Rattenfänger, der seine Anhänger in den Untergang führt und den Rest der Welt mitreißt.
Und dann die erste Begegnung mit Leviathan. Seine unheimliche Weiße setzt Strahlen frei, die gemäß der Phantasie des Autors die Zeit krümmen. Die Cetus 7 gerät in ein Sargassomeer der Zeit, dümpelt in einer Flaute irgendwo im Abseits dahin, bevor sie sich aus eigener Kraft wieder befreit. Erneuter Angriff auf den Kometen, das große weiße Ungeheuer, zu dem der Kapitän es hochstilisiert.
Und als Ergebnis versprengt das große weiße Geheimnis die kleinen Menschlein in alle Zeiten, sei es in die Zeit Shakespeares oder in die Lincolns. Nur Quell in seiner Totenrüstung und Ismael, obwohl gestrandet in der Zeit, können hoffen, jemals wieder von einem Raumschiff gefunden zu werden. Und da Ismael uns Bericht erstattet, gelingt ihm das wohl auch. Er ist nicht nachtragend. Leviathan ist eben nur ein Geschöpf Gottes, nicht etwa Shiva selbst, der Gott der Zerstörung. Wer immer wieder vergeblich versucht, gegen das Universum aufzubegehren wie einst Faust und viele Heroen mehr, das sind gebrochene und wütende Menschen wie der Kapitän. Und dabei werden sie eins mit ihrem Ziel, das sie aufnimmt.
Besonders interessant ist vielleicht in diesem Zusammenhang, nun, da die Anklänge an „Moby Dick“ unübersehbar sind, dass es der Autor selbst war, der zusammen mit Regisseur John Huston das Drehbuch zur famosen Verfilmung von 1956 ablieferte. Diese Arbeit, die er 1955/56 in London verrichtete, hinterließ sicherlich einen bleibenden Eindruck bei Bradbury. Und nur ein Dutzend Jahre später wurde daraus die vorliegende Erzählung. Diese hat der Hessische Rundfunk in ein Hörspiel umgesetzt.
Die Sprecher
Es gibt drei oder vier Kategorien von Sprechern. Sie lassen sich gemäß ihrer Einstellung zum numinosen Leviathan einteilen. Da sind einmal die romantischen Träumer wie Ismael und Quell. Sie achten den Kometen als Gottes Schöpfung, bewundern auf eine passive Weise die Wunder des Weltraum. Ihnen diametral gegenüber steht der Kapitän, ein reiner Tatmensch, der keinen Zweifel an der Notwendigkeit zur Vernichtung des Kometen aufkommen lässt.
Und doch gibt es Zweifler. Zu ihnen gehört der Erste Offizier, der sogar an Meuterei denkt und den Kapitän, den er für offensichtlich wahnsinnig hält, mit der Pistole bedroht. In die gleiche Kategorie gehört der Warner Elias, dessen Worte Ismael und Quell in den Wind schlagen. Als letzte Kategorie könnte man diejenigen Crewmitglieder zählen, die kaum zu Wort kommen und einfach nur Mitläufer sind.
Der wichtigste Sprecher in diesem Reigen ist natürlich derjenige, der die Handlung am meisten bewegt: der Kapitän. Selbst wenn er nicht körperlich anwesend ist, so beherrscht sein Geist doch sein Schiff und die gesamte Besatzung. Durch die Weißheit seiner Haut, seine Blindheit, die Kyborg-Gerätschaften ist er als Über-Mensch ausgewiesen, und seine angeblichen Visionen heben ihn sowieso in den Status eines religiösen Führers empor. Einem solchen Mann zu trotzen, grenzt schon an Frevel.
Wolfgang Büttner füllt diese faustische Ahab-Figur mit einem enormen Stimme aus, die zum schmeichelnden Raunen ebenso fähig ist wie zum tobenden Brüllen. Das klingt dann sehr theatralisch. Und zudem kann er hier einen ellenlangen Monolog halten, als sei er Hamlet, der seines Vaters Tod kontempliert. Aber so wird „Ahab“ als ein gequälter Mensch sicht- und hörbar, der in der Vernichtung seines Zerstörers endlich Erlösung aus seiner Qual finden will. Untergang ist Befreiung. Galt das auch für Hitler? Diese Radiozitate aus den Jahren 1938/39 wurden nicht zufällig ausgewählt.
Jürgen Goslar als Ismael hingegen ist der genaue Gegensatz. Er hat stets etwas Heiteres, Insichruhendes in seiner Stimme, und wir können uns auf ihn verlassen, denn offensichtlich hat ihn „Ahabs“ Wahnsinn nicht angesteckt. Beim Angriff bleibt er als Einziger auf der Cetus 7 zurück. Er ist der außenstehende Beobachter, der nur berichtet, aber nicht wertet. Quell trägt ihm zu, was zwischen dem Kapitän und seinem Ersten Offizier vor sich geht. Wir müssen uns selbst einen Reim darauf machen, was passiert.
Musik und Geräusche
Die Musik wurde vollständig auf einem elektronischen Instrument erzeugt, das ich als Laie für einen Synthesizer halte. Für eine Orgel wären diese Töne und Klangfarben jedenfalls sehr ungewöhnlich, klassische Instrumente kommen überhaupt nicht vor. Da Synthis heutzutage völlig out sind, klingt diese Klanguntermalung ebenfalls antiquiert, und zwar so sehr, dass sie an „Raumpatrouille Orion“ erinnert und, wie die Kultserie, einen gewissen Retro-Charme ausübt. Die wenigen Geräusche, die vorkommen, sind nicht der Rede wert.
Unterm Strich
Obwohl das Hörspiel in der Art seiner Darstellungstechniken seine Entstehungszeit nicht verleugnen kann, so bietet es doch eine recht interessante Geschichte, die im Grunde von überzeitlicher Bedeutung ist: Der tätige Mensch muss es mit den Kräften des Kosmos aufnehmen, will er es wagen, dorthin vorzudringen. Und so ist das Scheitern immer ganz nahe im Bereich des Möglichen. Dass eine Raumreise aber auch die Begegnung mit dem Göttlichen sein kann, will jedoch dem Kapitän der „Cetus 7“ nicht in den Sinn: Er hält den Kometen Leviathan für eine Ausgeburt der Hölle.
Die recht geschickt und nah am Vorbild erzählte Geschichte ähnelt Herman Melvilles „Moby Dick“ bis ins Detail, denn Bradbury schrieb schließlich das Drehbuch für John Hustons famose Verfilmung des Romans. Wer sich jedoch ebenso deftige Action erhofft wie im Film, der wird vom Hörspiel ziemlich enttäuscht sein. Das Vergnügen ist eher intellektueller Natur, wenn auch die Regie versuchte, die Konfrontationen zur Erzeugung von Spannung zu nutzen. Der Erfolg dieser Bemühung hält sich in Grenzen.
Für Science-Fiction-Freunde ist das Hörspiel eine Gelegenheit, mal wieder eine Story aus dem Storyband „I sing the body electric!“ zu genießen. Doch schon 1968 war Bradburys Erzählkunst nicht mehr ganz taufrisch – kein Wunder, nach 30 Jahren ständiger Produktion (und der Mann schreibt heute noch!). Die große Erleuchtung oder Entdeckung sucht man deshalb in der Story vergeblich.
Originaltitel: Leviathan, 1968
Übersetzung von Hanns A. Hammelmann
80 Minuten auf 1 CD
Wer erinnert sich nicht mit Schaudern an den Film „Friedhof der Kuscheltiere“? Vielleicht sogar an dessen Fortsetzung von 1992? Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) produzierte 1999 ein stimmungsvolles Hörspiel, das dem Film durchaus das Wasser reichen kann – und das es seit einiger Zeit auch auf CD gibt.
Tatsächlich dringt der Horror des Endes noch stärker zum Zuhörer durch, denn keine Bilder bevormunden seine Vorstellungskraft – diese wird vielmehr selbst aktiv, wodurch der Horror umso unmittelbarer wirkt.
Tierliebhaber seien gewarnt: Wiederauferstandene Katzen gehören nicht ins Haus oder in die Nähe von Kindern!
_Der Autor_
Was kann man noch über Stephen King, einen der erfolgreichsten Autoren der Welt, sagen, was nicht schon jeder weiß? Er hat 1973 seinen ersten Roman, „Carrie“, verkauft, den er nachts in einem Wohnwagen schrieb, während er tagsüber als unterbezahlter Englischlehrer arbeitete. Der Rest ist Geschichte, wie es so schön heißt. Die [wikipedia]http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen__King hält reichlich Informationen zum Autor und seinem Werk für den Interessierten bereit.
_Die Sprecher_
Zu den Sprechern gehören Lászlo Kish, Christin Marquitan, Manfred Steffen und andere. Lászlo Kish spielte als Kommissar in diversen Tatort-Krimis mit. Manfred Steffen vermittelt den alten, väterlichen Nachbarn Jud hervorragend.
_Handlung_
Als neuer Universitätsarzt zieht der junge Louis Creeds (ein sprechender Name, denn „creed“ bedeutet ‚Glaube‘) mit seiner Frau Rachel, seiner Tochter Ellie und seinem Sohn Gage nach Ludlow, Maine. Ein wunderbares Haus in einer herrlichen Landschaft erwartet die Familie. Einziger Haken: Das Haus liegt direkt an einer viel befahrenen Landstraße, auf der Tanklaster und so weiter vorüberdonnern. Rachel macht sich große Sorgen. Als sie noch klein war, starb ihre Schwester Zelda, und seitdem macht sie sich deswegen Vorwürfe. Sie weigert sich sogar strikt, über die Tatsache des Todes auch nur zu reden.
Ein erstes Opfer der Straße landet auf Lous Operationstisch. Der junge Victor Pascoe scheint aber seltsamerweise schon vor seinem Unfall tot gewesen zu sein. Und er warnt Lou eindringlich vor dem hinteren Teil des Friedhofs der Kuscheltiere …
Schon bald wird die geliebte Katze der Creeds, Winston Churchill, überfahren. Die Beerdigung des Tierchens im hinteren, abgesperrten Teil des uralten, geheimnisvollen Indianerfriedhofs, den die Dorfkinder auf einem Schild als „Pet Sematary“ (Schoßtierfriedhof) bezeichnet haben, bleibt nicht ohne Folgen. „Church“ (= Kirche) kehrt lebendig zurück, ein bisschen aggressiv und nicht nur ein bisschen böse. Und da das Tier ganz und gar nicht gut riecht, bittet Ellie, das Viech rauszuschmeißen. Das hindert es aber nicht daran, zurückzukehren.
Der nette Nachbar der Creeds, Jud Crandall (Manfred Steffen), erzählt Lou nach ein paar freundschaftlichen Bieren, dass es nicht immer nur Tiere waren, die im abgesperrten Bereich des Friedhofs beerdigt worden waren. Jud selbst begrub dort im Jahr 1930 seinen geliebten Hund Spot. Aber als der Zweite Weltkrieg Leichen zurück nach Ludlow brachte, konnte der alte Betterman den Tod seines Sohnes Tim nicht verwinden. Jud und seine Freunde wurden eines Tages gerufen, um einen Zwist im Hause Betterman zu schlichten: Da war der alte Betterman, aber auch sein Sohn Tim, und der roch weder gut noch sah er sehr appetlich aus. Zwei Tage später sei das Betterman-Haus niedergebrannt. – Eine deutlichere Warnung könnte Jud eigentlich nicht aussprechen.
Aber dann wird auch Louis‘ und Rachels innig geliebter Sohn Gage ein Opfer des Straßenverkehrs, und der Horror kann beginnen. Denn weder Lou noch Rachel sind in der Lage, sich mit seinem Tod abzufinden. Sobald er Rachel mit Ellie zu ihren Eltern nach Chicago geschickt hat, denkt Lou darüber nach, wie er die Wiederaufstehung in die Hand zu nehmen hat.
Leider hat er in seinen Plänen nicht berücksichtigt, dass Ellie immer wieder prophetische Träume hat. Sie kann ihre Mutter dazu bewegen, in ihr Haus in Ludlow zurückzukehren. Was sie dort erwartet, soll hier nicht verraten werden.
_Mein Eindruck_
„Friedhof der Kuscheltiere“ ist sozusagen Stephen Kings schaurige Variation der alten Lazarus-Geschichte. Während der Schauplatz, gewissermaßen die Bühne des Geschehens, äußerst realistisch geschildert ist, verbreiten die eigentlichen Ereignisse das Gefühl, es mit etwas Unheiligem zu tun zu bekommen.
Wie sein Name schon sagt, ist Creed der Vertreter des rechten Glaubens, der durch die Liebe zu seinem Sohn vom Glauben abfällt, so dass er einen unheiligen Akt begeht, der fürchterliche Folgen zeitigt. Sein Kater Winston Churchill trägt nicht umsonst den Kosenamen Church. Die Kirche bzw. ihr orthodoxer Glaube sowie ihre Anweisungen für ein gottgefälliges Leben gehen nämlich mit dem Begraben Churchs und seiner Wiederauferstehung als Erstes über Bord. Aber warum sind die Zombies allesamt böse?
Nun wird es knifflig. Victor Pascoe und Jud Crandall warnen Lou Creed eindringlich. Dennoch schlägt er ihre Warnungen in den Wind. Warum? Weil er die spirituelle Instanz nicht anerkennt, die im hinteren Teil des Friedhofs waltet: der boshafte Indianergeist des Wendigo. Hier bestatteten die Micmac-Indianer ihre Toten. Aber es ist gut möglich, so Crandall und Creed, dass diese Stätte schon vor 2000 Jahren oder noch früher benutzt worden war. Und damals herrschten vielleicht noch schlimmere Geister als der Wendigo.
Lou spielt also ganz bewusst mit dem Feuer. Obwohl er als weißer Christ keine Ahnung von den indianischen oder „heidnischen“ Totengeistern hat, will er sich ihr Wirken nutzbar machen, indem er ihnen seinen Sohn bewusst opfert, als wäre er Abraham und sein Sohn Isaak. Doch er kennt nicht den Preis, den er für dessen Wiederauferstehung entrichten muss.
Man könnte also die Geschichte als religiöses Gleichnis deuten. Das soll den Zuhörer aber nicht daran hindern, die Geschichte intensiv zu erleben und den Grusel immer wieder von neuem zu genießen.
|Die Sprecher, die Musik, der Sound, die Hülle|
Alle Sprecher, selbst die ganz jungen, klingen wie professionelle Schauspieler. Lászlo Kish, Christin Marquitan und Manfred Steffen sprechen die Hauptrollen. Bei Marquitan und Steffen hatte ich das Gefühl, eine Filmszene anzuhören, so realistisch spielen sie ihre Rollen. Kish ist ein Sonderfall: Er ist gleichzeitig auch der Ich-Erzähler, und wir verfolgen neunzig Prozent des Geschehens durch seine Wahrnehmung. Nur gegen Ende wechselt der Blickpunkt zu Rachel und zu Jud. Die ausgefuchste Szenengestaltung stammt von Gregory Evans, Regie führte Johann M. Kamps.
Die Musik von Renaud Garcia-Fons erklingt in Stereo und setzt erstens auf den dezent aufspielenden Kontrabass und zweitens auf die ausgetüftelten Soundeffekte, die besonders in den Friedhofszenen einen gruseligen Rundumeindruck liefern. Dies schafft perfekt jene unheilvolle Atmosphäre, aus der dann die grausigen Szenen des Endes hervorbrechen. Ich konnte mich jedenfalls eines nicht ganz wohligen Schauderns erwehren. Zusammen mit der Stimme des völlig durchgeknallten Louis Creed geht das ganz schön an die Nerven. Und selbst die letzte Dialogzeile hält noch einen Schock bereit. Klasse!
Die Hülle für die CDs ist aus Pappe und bedruckt. Die Vorderseite zeigt eine Filmszene aus „Pet Sematary 2“: den Eingang zum Friedhof, in dem ein Junge steht. Die Rückseite bietet diverse Infos.
_Unterm Strich_
Auf nur drei CDs – insgesamt 180 Minuten – entwickelt das Hörspiel eine derartig unheilvolle Stimmung, dass es für so manchen Zuhörer zu viel sein könnte. Dabei treten die echten Horrorszenen erst im letzten Drittel auf. Die Spannung, was nun mit den einzelnen Zombies und mit Lou Creed geschieht, bleibt bis zur letzten Zeile aufrechterhalten.
_Stephen King bei |Buchwurm.info|_ (Auswahl):
[„Brennen muss Salem – Illustrierte Fassung“ 3027
[„Friedhof der Kuscheltiere“ 3007 (Audio)
[„Puls“ 2383
[„Trucks“ 2327 (Audio)
[„Colorado Kid“ 2090
[„The Green Mile“ 1857 (Audio)
[„Das Leben und das Schreiben“ 1655
[„Atemtechnik“ 1618 (Audio)
[„Todesmarsch“ 908
[„Der Turm“ 822 (Der Dunkle Turm VII)
[„Der Sturm des Jahrhunderts“ 535
[„Tommyknockers – Das Monstrum “ 461
[„Achterbahn“ 460
[„Danse Macabre – Die Welt des Horrors“ 454
[„Christine“ 453
[„Der Buick“ 438
[„Atlantis“ 322
[„Das Mädchen“ 115
[„Im Kabinett des Todes“ 85
[„Duddits – Dreamcatcher“ 45
Mitten in der Nacht lief mir auf einer einsamen Landstraße das Mädchen Laura Ascot vor den Wagen – und flüchtete in die Dunkelheit! Sekunden später huschte an ihrer Stelle ein Wolf zwischen den hohen Gräsern der Böschung entlang. Ich folgte seiner Spur und geriet in einen Kampf, in dem sich Werwölfe und Vampire als erbarmungslose Gegner gegenüberstanden … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
372 gemacht, das erstmalig am 19. August 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Darf man Metallfässer in einen Waldsee der Millionenstadt werfen? TKKG sind der Meinung „Auf keinen Fall“ – und stecken damit schon knietief in ihrem nächsten Abenteuer. Auf der Spur von zwei Umweltsündern bekommen die Nachwuchsdetektive Hilfe von unerwarteter Seite. Gemeinsam mit der mutigen Sana können sie den Schlupfwinkel der Gangster ausfindig machen, geraten dabei jedoch in höchste Gefahr. Es gibt nämlich noch einen weiteren Schurken, mit dem sie nicht gerechnet haben … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Die Frage, ob man Metallfässer in einen Waldsee werfen darf oder nicht, dürfte für jeden vernunftbegabten Menschen keine sein. Wobei es auch da Ausnahmen gibt und die nur Euro-Zeichen in den Augen haben. Für die ist es nur ein Problem, dabei erwischt zu werden.
Magisch: Mit dem Grünen Mann durch die Zeit der Trauer
Nach dem Tod ihrer Mutter leben die beiden Schwestern Molly und Hanna bei den Großeltern auf dem Dorf. Doch das Leben auf dem Land, die Dorfschule, all das ist nicht so leicht für die Mädchen aus der Stadt Newcastle. Molly, die Leseratte, flüchtet sich in Fantasien von einem seltsamen Mann, der von wilden Reitern verfolgt wird. Einbildung? Hirngespinste?
Merkwürdig ist nur, dass die Fantasien der Zehnjährigen der Legende vom Eichenkönig ähneln, der, so die Sage, jedes Jahr sterben muss, um wenig später wiedergeboren zu werden. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, von Winter und Sommer, aber auch von Sich-Verlieren und Sich-Wieder-Finden. (Erweiterte Verlagsinfo)
Die Autorin
Sally Nicholls, geboren 1983 in Stockton, studierte Philosophie und Literatur. Sie verfasste ihren Debütroman „Wie man unsterblich wird“ mit nur 23 Jahren. Er erschien 2008 in England und wurde bereits mit mehreren großen Literaturpreisen ausgezeichnet und in 18 Sprachen übersetzt (siehe meinen Bericht zum Hörbuch). Sally Nicholls lebt in London. (Verlagsinfo)
Die Sprecherin
Ulrike Claudia Tscharre (* 15. Mai 1972 in Urach) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie besuchte von 1996 bis 1998 die Akademie für darstellende Kunst in Ulm. Im Fernsehen war sie erstmals als Susanne in der ARD-Serie Ina und Leo zu sehen. Sie gab ihr Kinodebüt 2004 in „Schöne Frauen“ als Karin Leiser unter der Regie von Sathyan Ramesh. Seitdem wirkte sie in zahlreichen TV-Produktionen mit. 2007 spielte sie an der Seite von Christoph Maria Herbst die weibliche Hauptrolle in der Comedy-Serie „Hilfe! Hochzeit! Die schlimmste Woche meines Lebens“. 2008-2009 drehte sie unter der Regie von Dominik Graf den Krimi-Mehrteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ in der Rolle der Sabine Jaschke, 2009 übernahm sie die Hauptrolle in dem TV-Melodram „Letzter Moment“. Außerdem ist sie als Sprecherin bei Hörspielen und Hörbuch-Produktionen, wie „Der Schwarm“ und Henning Mankells „Wallander“-Reihe als Linda Wallander zu hören. Ulrike C. Tscharre lebt in Berlin. (Quelle: Wikipedia)
Die Musiker
Für die Produktion zeichnete Rudi Mika verantwortlich, der auch die Musik auswählte und selbst an Geige, Mandoline, Mundharmonika, Kantele und diversen Gitarren zu hören ist. Neben ihm spielen fünf weitere Musiker diverse Instrumente.
Für den Ton des Textes im auraton Studio zu Berlin war Patrick Ehrlich zuständig. Die Musikeinspielungen fanden im subtone Studio zu Dortmund statt, wo der Musiker Ralf Kiwitt Ton und Technik steuerte.
Handlung
Molly Alice Brooke ist die jüngere von zwei Schwestern, die seit dem Tod ihrer Mutter bei den Großeltern draußen auf dem Land leben müssen, weil ihr Vater, ein freier Journalist in Newcastle, sich nicht alleine um sie kümmern kann. Abgesehen davon, dass sie die Stadt und alle ihre Freunde vermissen, müssen Molly und Hannah auch noch in die doofe Dorfschule, wo alle Kinder ungeachtet ihres Alters von nur einer Lehrerin unterrichtet werden. Wenigstens kriegt Moll im Laden ihres Großvaters immer einen Tee und kann eines ihrer vielen Bücher lesen. Niemand kann es jedoch Hannah rechtmachen. Sie liest auch nie was.
Die Begegnung
Hannah will abhauen, Moll muss ihr folgen. Doch die Straßen in Northumberland können vor allem in Dörfern sehr dunkel sein. Nur der Mond beleuchtet ihren Weg, als Moll ihre Schwester plötzlich aus den Augen verliert und spät abends nach Hause zurückgehen muss. Da hört sie Schritte, Reiter und das Hallen eines Horns und Hundegebell. Die Wilde Jagd ist unterwegs! Moll schließt die Augen, bis der Lärm verhallt ist. Als sie eine Böschung hinabrutscht, fangen starke Arme sie auf. Der Mann, hinter dem die Jäger her waren, beruhigt sie.
Sie sieht, wie jung er ist. Entsetzt starrt sie auf seine blutenden Wunden, da er weder Hemd noch Schuhe trägt. Er rät ihr, nach Hause zu gehen. Sie entgegnet, ihre Mom sei tot. Er warnt sie vor der Wilden Jagd, und Moll stolpert benommen zum Haus ihrer Großeltern. Sie erzählt alles ihrer Oma, die sie tröstet. Doch wo war Hannah, die auf sie achtgeben sollte, die ganze Zeit? Moll fühlt sich von ihr verraten.
Das Abbild
Auf einem Schulausflug der Schule erblickt Moll in der alten Dorfkirche eine Statue, deren Gesicht ihr bekannt vorkommt: So sah der Mann in der vergangenen Nacht aus. Miss Shelley erklärt ihr, dies sei der Grüne Mann. Er sei das Symbol für Wiedergeburt und finde sich deshalb sogar auf manchen Grabplatten abgebildet. Es sei ein uralter Gott, der jeden Winter sterbe und im Jrühjahr wiedergeboren werde. Diese Vorstellung findet Moll grässlich. Man sollte was dagegen tun.
Wiedersehen
Als Moll später an den Ort ihrer Begegnung zurückkehrt, folgt sie einer Blutspur. Über Zäune und durch Gatter gelangt sie zu einer baufälligen Scheune, die zunächst leer zu sein scheint. Doch dann hört sie ihn: „Ich bin hier.“ Er sieht genauso schlimm aus wie gestern, doch er behauptet, es gehe ihm gut und er brauche nichts. Kaum sieht sie einmal nicht hin, ist er verschwunden. Und als sie Hannah den Grünen Mann zeigen will, ist er natürlich nicht zu erblicken. Hannah ist wütend und spottet. Molly verteidigt sich, ihre Mutter Diana, gestorben mit 39 im August, hätte ihr geglaubt. Sie wusste, dass die Welt ein seltsamer, wundervoller Ort ist.
Beim nächsten Besuch in der Scheune staunt sie: Ein Babybaum wächst neben dem grünen Mann, und Gras und Efeu wachsen da, sogar eine Glockenblume. Als sie diese nach Hause bringt, wundert sich Jack, der Gärtner: „Hm, eine Glockenblume im Oktober!“ Sie fragt ihn, ob er an Magie glaube. Er überlegt: „Ja, aber nur in Bäumen.“ Sie fragt sich, welche Wünsche ihr ein Gott wohl erfüllen würde.
Als am Samstag Dad zu Besuch, fragt sie ihn, ob sie nicht wieder bei ihm leben könne. Sie würde kochen und putzen und alles. Doch er winkt ab, dass dies nicht gutgehen würde. Ein Besuch beim Grünen Mann tröstet sie über die Zurückweisung hinweg. Sie hat eine ganze Fragenliste angefertigt. Der Baum wächst zu einer stattlichen Eiche heran, die dem Dach entgegenstrebt. Er selbst sieht jetzt älter aus. Seinen Namen weiß er nicht. Älter sei er als eine Eichel. Und ihm werde nie kalt. Na, toll.
Aber er sagt etwas Besorgniserregendes: „Der Stechpalmenkönig, mein Verfolger, wird stärker.“ Und er hustet schrecklich. Moll fragt ihn, ob er, als Gott der Wiedergeburt, auch ihre Mutter wieder lebendig machen könne. Er verschwindet. Miss Shelley sagt, der Stechpalmenkönig sei wieder Eichenkönig bzw. der Grüne Mann auch ein Gott. Er sei dessen Gegengewicht und herrsche im Herbst und Winter. Moll findet, dieser König sei böse. Und die Wilde Jagd? Von der gebe es verschiedene Geschichten.
Fortan gilt Molly Alice Brooke offiziell als plemplem. Denn sie ist die Einzige, die den Grünen Mann in der Scheune sehen kann. Aber noch ist das Jahr nicht zu Ende…
Mein Eindruck
Molly wird sogar von ihrem Dad verdächtigt, unerlaubten, ja unmoralischen Verkehr mit einem echten Mann zu haben, und schaltet die Polizei ein. In dieser komischen Episode wird natürlich kein Mann gefunden. Aber Dad ist wütend auf seine Großeltern, die angeblich die Kinder verkommen lassen. Unfreiwillig muss er sich um die Erziehung seiner Töchter kümmern, und das führt zu einer neuen, erfreulicheren Entwicklung. Es besteht also Hoffnung, dass die zwei Mädchen in die Stadt zurückkehren.
Aber wir wollen natürlich wissen, was aus dem Grünen Mann wird. Es ist völlig klar, dass er eine Einbildung Mollys ist, aber was, wenn es ihn tatsächlich gäbe? Für Molly macht es keinen Unterschied, und so stellt sie sich seinen Werdegang vor. Er kämpft im Winter mit seinem Widersacher, dem Stechpalmenkönig, wird alt unterliegt und verschwindet aus der Scheune. Doch zur Tagundnachtgleiche des Frühjahrs ist er wieder da, stark und heiter. Und er ist jetzt der Anführer der Wilden Jagd! Molly steigt auf sein feuriges Pferd, und zusammen jagen jetzt sie zur Abwechslung den Stechpalmenkönig…
Heilender Mythos
Diese Einbindung des Mythos in Mollys subjektives Erleben – alles wird im unmittelbaren Präsens erzählt – kann nur funktionieren, weil wir wissen, dass Molly sehr viel liest und sich deshalb gern in ihre fiktiven Welten verliert. Dort endet alles immer mit einem Happyend und alles hat seine Ordnung, begründet sie ihre Einstellung. Doch im Hinblick auf den Grünen Mann, der ein weitverbreiteter britischer Mythos ist, wird Molly enttäuscht: Er muss erst sterben, um im Frühjahr wiedergeboren zu werden. Man sollte etwas dagegen unternehmen, findet Moll. Denn er ist der einzige Mensch, der sie in ihrer Trauer getröstet hat, so wie es ein richtiger Vater tun sollte.
Der Auslöser für diese Phantasie ist der Tod von Mollys Mutter. Sie liebte ihre Mom Diana Elwanor Brooke sehr, und der Tod kam sehr plötzlich durch ein Aneurysma, also eine Art Gehirnschlag, als Diana gerade mal 39 Jahre alt war. So etwas ist ein enormer Schock für die junge Molly, doch die ältere Hannah reagiert völlig anders: mit Wut auf die Ungerechtigkeit der Welt. Interessanterweise sind es gleichermaßen Hannahs Wutausbrüche wie auch Mollys vermeintliches Fremdgehen mit einem Mann, die ihren Daddy dazu bringen, sich besser um sie zu kümmern.
Die eigentliche Lehre des Mythos besteht darin, dass er zwei Seiten hat. Der grüne Mann, den wir im Herbst zusammen mit Molly bedauern, weil unter dem Angriff des Stechpalmenkönigs sterben muss, ist der gleiche, der im Frühjahr wieder jung auftaucht und nun seinerseits den Stechpalmenkönig erbarmungslos als Anführer der Wilden Jagd verfolgt.
Ewiger Kreislauf
Offensichtlich lässt sich nicht sagen, dieser sei gut und jener sei böse, wenn sich doch ihre Rollen Jahr für Jahr immer wieder umkehren. Molly ist ebenso verwirrt wie wir. Und das ist der Sinn der Sache. Wir können nicht sagen, dass Mom Dianas Tod schlecht oder gut war, denn allein schon diese Kategorisierung ist gegenüber einer Naturgewalt – mythologisiert als Grüner Mann – unsinnig. Daher ist auch nicht sinnvoll, ewig zu trauern. Denn Werden und Vergehen entsprechen dem Lauf der Dinge, der dem ewigen Kreislauf (festgehalten im Mythos) gehorcht.
Der Mythos, den die Autorin in ihre Geschichte gewoben hat, ist nur notwendig, weil er eine Geschichte darstellt, die selbst kleine Kinder verstehen können, und für sie eine wichtige Lehre bereithält. Je einfacher ein Mythos, desto beständiger ist er. So wie der vom Garten Eden und einem Goldenen Zeitalter der Unschuld. So etwas hat es ja auch nie gegeben.
Die Sprecherin
Ulrike Claudia Tscharre hat eine sehr flexible und ausdrucksstarke Stimme, der man sofort anmerkt, dass sie einer Schauspielerin gehört. Hannah spricht ganz anders als die sanfte Molly, nämlich energisch und vielfach wütend. Wenn ein Mann wie Jack spricht, senkt sie ihre Tonhöhe stark ab. Sprechen die Schulkinder, gibt es immer was zu lachen.
Sie kann auch ihr Sprechtempo unvermittelt steigern oder verlangsamen, stockend oder gar im Stakkato hetzend – das ist spannend. Mit Hilfe eines Filters klingt ihre Stimme verzerrt wie durch ein altes Telefon. Kurzum: Dieser Vortrag erweckt die Geschichte und ihre Figuren zum Leben.
Die Musik
Die Musikbeiträge bilden einen wesentliche Bestandteile des Hörbuchs. Sie füllen die Pausen zwischen Szenen, erklingen aber manchmal auch im Hintergrund des Vortrags. Die Beiträge bestehen meist aus schottischen, irischen und nordenglischen Volksmusikstücken. Im Booklet sind folgende Stücke aufgeführt:
– „John Barleycorn must die“ (englisch)
– „Sally Gardens“ (irisch)
– „The Trees They Grow So High“ (englisch)
– „The Harvest Home“ (Hornpipes, irisch)
– „Molly Brannigan“ (irisch)
– „Annie Laurie“ (schottisch)
– „Bonnie At Morn“ (schottisch)
– „Peggy Gordon“ (schottisch)
– „In the Bleak Midwinter“ von Gustav Holst (1974-1934)
– „O Little Town of Bethlehem“ von Lewis H. Redner (1831-1908)
Die Musik erklingt in der Regel zwischen den Szenen des Hörspiels. Vielfach ist die Wirkung erleichternd, weil sie so heiter und beschwingt ist, manchmal aber auch besinnlich und ruhig. Als integraler Bestandteil des Hörbuchs ergänzt sie den Vortrag ideal, quasi komplementär, aber auch kontrastiv.
Unterm Strich
Wer nun meint, nur weil es um die Verarbeitung eines Todesfalls gehe, müsse die Geschichte ebenfalls todtraurig und melancholisch sein, der irrt gewaltig. Denn Molly und Hannah müssen sich mit vielen neuen Dingen auseinandersetzen und gewinnen Freunde in der Schule, die ihnen viel Spaß bereiten – oder sie total abnerven. Dazu bietet die Geschichte viele lustige Szenen, vor allem wenn sie das Thema des Grünen Mannes ironisch durch die Brille der zynischen Vernunft beleuchten.
So bilden Humor, Phantasie, Musik und Mythos ein unterhaltsames und lehrreiches Gewebe aus vielerlei Themen. Man sollte allerdings ein wenig Aufgeschlossenheit gegenüber alten geschichten und Phantasie aufbringen, sicherlich auch gegenüber britischer Folk Music – die im Übrigen ausgezeichnet dazu passt. Am Schluss ist Moll gewachsen, körperlich wie auch seelisch, und wir begleiten sie bei diesem Prozess und ihrer seelischen Reifung.
Das Hörbuch
Die als Schauspielerin ausgebildete Sprecherin erweckt die Figuren zum Leben und kann ebenso gut dynamische Szenen schaffen, die den Hörer in ihren Bann schlagen. Soe muss ein Vortrag sein. Die ideale Ergänzung bildet die Musik. Sie besteht vielfach aus nordenglischen (dem Schauplatz der Handlung), schottischen und irischen Volksweisen, ergänzt durch zwei weitere Stücke.
Im Lied „John Barleycorn Must Die“ steckt eine weitere Verkörperung des Grünen Mannes. Es gibt unzählige Aufnahmen davon, doch diejenige, die die Gruppe Traffic (mit Steve Winwood als Sänger) in den Siebzigern aufnahm, ist eine der besten und längsten.
4 Audio-CDs mit 233 Minuten Spieldauer
Originaltitel: Season of Secrets
Aus dem Englischen übersetzt von Birgitt Kollmann
ISBN-13: 978-3893533381 http://www.oetinger.de
_Sally Nicholls bei |Buchwurm.info|:_
[„Wie man unsterblich wird – Jede Minute zählt“ (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6118
Das Hörspiel des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) aus dem Jahr 2001 beruht auf den zwei Romanen „Prometheus. Die Titanenschlacht“ und „Prometheus. Die Zeugung“ des DDR-Autors Franz Fühmann (siehe unten).
Fühmann, schon immer ein Freund der literarischen Gattung Mythos, verarbeitet die ältesten griechischen Sagen über die Entstehung von Himmel und Erde, die Titanen, ihre Niederlage gegen die (neuen) Götter, das Schicksal des Prometheus und seine Erschaffung der Menschen. Wie es danach weiterging, muss man bei Gustav Schwab nachlesen, denn Fühmanns Romane blieben unvollendet.
Aus Übermut und Neugier hat Amélie eine Stelle bei einem japanischen Unternehmen angenommen. Als Dolmetscherin, so glaubte sie, doch sie wird wegen ungebeten guter Leistungen alsbald strafversetzt – in die Buchhaltung. Dort wird ihr ein Crashkurs in Sachen Hierarchie erteilt. Da wird ihr klar: Eine Frau, zumal eine Langnase aus Europa, kann nur ganz unten einsteigen. Und noch tiefer fallen. Amélies letzte Wirkungsstätte sind daher folgerichtig die Toiletten. Und an diesem Örtchen verbringt sie die lustigste Zeit ihres Lebens.