Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

MacBride, Stuart – Knochensplitter (Logan McRae 7)

_|Logan McRae|:_

01 [„Die dunklen Wasser von Aberdeen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2917
02 [„Dying light“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6758
= [„Die Stunde des Mörders“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3739
03 [„Der erste Tropfen Blut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4940
04 [„Flesh House“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6760
= [„Blut und Knochen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5792
05 „Blinde Zeugen“
06 [„Dunkles Blut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7164
07 [„Shatter the Bones“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8190
= _“Knochensplitter“_

_Das geschieht:_

Der ohnehin hektische Alltag der Grampian Police im ostschottischen Aberdeen hat sich zum permanenten Ausnahmezustand gesteigert, seit vor sechs Tagen Alison McGregor und ihre sechsjährige Tochter Jenny entführt wurden. Sie hatten als Gesangsduo an der Fernseh-Casting-Show „Britain’s Next Big Star“ teilgenommen und die Zuschauer zu Tränen gerührt.

Die Kidnapper haben Mutter und Tochter aus ihrem Haus entführt. Sie stellen keine Lösegeldforderung, sondern fordern die Fans der Alisons auf, Geld zu sammeln, das sie nach Ablauf einer nicht genannten Frist einfordern werden. Sollte die Summe zu gering ausfallen, werden Alison und Jenny umgebracht. Um zu zeigen, dass es ihnen Ernst ist, schicken die Entführer der Polizei einen abgeschnittenen Kinderzeh.

Auch Detective Sergeant Logan McRae ist in die Fahndung eingespannt, obwohl ihm mindestens ein ungelöster Fall zusätzlich zu schaffen macht: Eine drogensüchtige Frau wurde wahrscheinlich von Gangstern entführt, die eine Geldschuld eintreiben wollen, und schwebt in Lebensgefahr. Ihr Lebensgefährte macht McRae dafür verantwortlich und droht mit gewaltsamen Konsequenzen.

Im Büro stößt McRae nicht nur die üblichen Kollegen vor die Köpfe. Der arrogante Superintendent Green von der „Serious Organized Crime Agency“ mischt sich in die Ermittlungen ein. Während McRaes unkonventionelle Vorgesetzte Roberta Steel dessen ‚Vorschläge‘ zu ignorieren weiß, tritt McRae in jedes mögliche Fettnäpfchen. Daheim fordert Freundin Samantha mehr Anwesenheit, die McRae nicht bieten kann, da sich umso stärker in den Fall McGregor verbeißt, je länger die Entführung dauert. Obwohl die Täter keinerlei verräterischen Indizien hinterlassen haben, kommt ihnen der zähe Beamte allmählich auf die Schliche. Allerdings vernachlässigt McRae dabei seine Deckung auf anderen Kriegsschauplätzen und muss bitter dafür büßen …

_Kollektiver & kommerzieller Irrwitz_

Über das Phänomen der TV-Casting-Shows haben sich Mahner ebenso wie Spötter in den vergangenen Jahren mehr als ausgiebig und oft sogar klug geäußert. Diese Veranstaltungen haben ihren Titel längst zur Travestie verkommen lassen, da die Teilnehmer nur vorgeblich gecastet, sondern in erster Linie vorgeführt und ausgebeutet werden.

Das Seltsame und Beunruhigende ist die krude Kumpanei, die zwischen den Teilnehmern, den Ausrichtern besagter Shows und deren Publikum existiert: Sie wissen alle um die Verlogenheit dieser Programme. Nach Jahren des immer gleichen Getöses haben auch die Dümmsten begriffen, dass die Teilnahme an oder gar der Sieg in einer solchen Show keineswegs mit dem Startschuss zu einer Märchenkarriere gleichzusetzen ist. Seit dem Zeitalter der römischen Arena-Kämpfe ist das Publikum keineswegs reifer geworden. Weiterhin giert es nach neuen Sensationen bzw. neuen Köpfen, auf wenn diese heute nicht mehr (oder noch nicht wieder) abgeschlagen werden. Kandidaten werden dennoch wie Gladiatoren verheizt; kaum hat man ihnen den Siegeslorbeer aufgesetzt, hetzt man sie in den nächsten Kampf. Ist der letzte Tropfen Blut aus ihnen herausgepresst, lässt man sie fallen.

Wie gesagt haben dies auch die Kandidaten selbst begriffen, was sie nicht abhält, sich in die sinnlose Schlacht zu stürzen. Stuart MacBride geht nun einen Schritt weiter – oder zurück, indem er das Vorbild der antiken Spiele nutzt, um abermals Blut fließen zu lassen. Dies geschieht unter einer simplen Fragestellung: Wie weit gehst du als Kandidat, um dem Teufelskreis zu entrinnen? MacBride findet eine konsequente, drastische und sehr unbehagliche Antwort.

|Alltäglicher Jammer im Glanz der Übertreibung|

Die Logan-McRae-Romane boten dem Leser schon immer harten Stoff. Ohnehin brutale Verbrechen werden bizarr bis zur Schmerzgrenze (und gern darüber hinaus) gesteigert. MacBrides Kritiker werfen ihm Zynismus auf der Suche nach dem grellsten Effekt vor. Sie übersehen – oder wollen übersehen -, dass die Intensität der Darstellung sehr wohl einen Zweck verfolgt: Den (Zeige-) Finger in die Wunde zu legen oder ihn gar predigend zu erheben, hat selten zur Besserung eines Missstandes geführt. Der Mensch ist durchaus willens zu helfen, doch er hasst es, belehrt oder gezwungen zu werden.

Seit jeher bietet Unterhaltung eine Möglichkeit, Nachdenklichkeit dort zu erzeugen, wo Eifer und Didaktik ins Leere laufen. MacBride mag auf einem selbst angefachten Vulkan tanzen, doch man gibt ihm Recht, wenn er konstatiert, dass die moderne Gesellschaft aus dem Lot geraten ist. In früheren Romanen hat er skrupelarme Politiker, profitfixierte Konzerne oder das organisierte Verbrechen karikiert und dennoch in ihrer alltäglichen Erbärmlichkeit offenbart. Dieses Mal nimmt MacBride gezielt die Medien bzw. die Mediengeilheit einer ihnen hörigen Gesellschaft aufs Korn, ohne dabei die üblichen Feindbilder zu vernachlässigen.

Denn das Verbrechen gedeiht deshalb so prächtig (und nicht nur in Aberdeen), weil die Mächtigen und Skrupellosen dieser Welt miteinander vernetzt sind. Eine Hand wäscht die andere. Den Letzten in dieser Kette beißen die Hunde, weshalb jede/r tunlichst bemüht ist, einen noch Schwächeren zu finden, den man dorthin schubsen kann. In „Knochensplitter“ ist die Reihe dieser Trittbrettfahrer besonders lang.

|Die Festungsmauern bröckeln|

Auf zunehmend einsamerem Posten steht das Gesetz oder besser: die Polizei, die in McRaes Welt des alltäglichen Wahnsinns dazu verurteilt ist, ihm Geltung zu verschaffen. In diesem Punkt folgt MacBride dem Beispiel des US-Kollegen Joseph Wambaugh, der vor allem in den 1970er und 80er Jahren in seinen Cop-Krimis sehr präzise nachgezeichnet hat, wie grundsätzlich und ursprünglich engagierte Männer und Frauen verrohen, zynisch werden und schließlich ausbrennen, wenn sie an sämtlichen Fronten unter Feuer genommen werden.

„Fort Apache“ nennen die Beamten ihr Polizeirevier in Heywood Goulds Cop-Krimi-Klassiker „The Bronx“ (1984), denn sie wähnen sich mitten im Feindesland. In Aberdeen ist man ähnlich isoliert. Längst hat der Feind jedoch auch im Inneren der Festung Fuß gefasst. Die Polizisten kämpfen nicht nur gegen eine Kriminalität, die sie allein in der Quantität der begangenen Taten überfordert. Immer wieder schwelgt MacBride in Szenen, die seine Polizisten im Kampf mit den Tücken einer Ausrüstung zeigen, die veraltet oder defekt ist oder gänzlich fehlt.

Der Verfall greift auf eine zunehmend abgestumpfte Gesellschaft über: |“Logan … schaute aus dem Fenster … Drei Stockwerke tiefer, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, pinkelte jemand in das offene Verdeck eines falsch parkenden Porsche – direkt vor dem Präsidium der Grampion Police. Ein solches Ausmaß an Dummheit konnte man nur bewundern.“| (S. 435) „Knochensplitter“ ist eine Fundgrube entsprechender Szenen: In Kleinigkeiten spiegelt sich der Vormarsch einer längst nicht mehr schleichenden Apokalypse wider.

Zum effektiven Helfershelfer wird die Bürokratie. „Rationalisierung“ wird beschönigend genannt, was realiter als Verteilung immer neuer Pflichten auf immer weniger Beamte umgesetzt wird. Der Papierkram nimmt auch im angeblich digitalen Zeitalter stetig zu, denn hungrige Anwälte und die Medien warten auf den kleinsten Fehler, um daraus Kapital zu schlagen. Dieses Mal sitzen McRae und seine (zu) wenigen Mitstreiter in einem ‚Büro‘, dessen unverputzte Wände mit Plastikfolien abgedeckt werden und deren Inventar die Beamten aus dem Sperrmüll ziehen müssen.

|Der Krug & der Brunnen|

Im siebten Band steigert sich das Trommelfeuer auf Logan McRae noch einmal. Er wird u. a. von einem Rottweiler angefallen und gleich mehrfach niedergeschlagen, man brennt seine Wohnung nieder, ständig regnet es, und jeder Vorgesetzte sitzt ihm nicht nur im Nacken, sondern an der Kehle. Zwar reagiert McRae lange mit der üblichen Mischung aus Resignation und mühsam verschleierter Unbotmäßigkeit, doch sein Panzer bekommt dieses Mal nicht nur Risse. Die ungerechte Welt dringt buchstäblich zu seinem ungeschützten Inneren vor. Das hat Folgen: McRae verbündet sich mit einem Gangsterboss, um einen Verdächtigen zu schnappen, dessen die Polizei nicht habhaft wird, um Selbstjustiz zu üben. Hier bleibt der Humor vollständig ausgeblendet.

Dies betrifft auch jene Szenen, in denen MacBride das erlittene Martyrium aus der Sicht der entführten Jenny beschreibt. Ohne Rücksicht auf ein Unbehagen, das die Misshandlung ’nur‘ eines fiktiven Kindes auskommen lässt, dokumentiert der Autor ein grausames Verbrechen, dessen düstere Wirkung durch eine Auflösung gesteigert wird, die Täter und Opfer zu Komplizen macht.

Wenn Polizisten im Buch oder Film ausgelaugt sind, kommt garantiert der Moment, indem sie den Bettel hinwerfen wollen. Dann muss der müde Krieger wieder aufgebaut werden. Außerdem ist er ohnehin ein Ritter, der ohne den Dienst für die Gerechtigkeit gar nicht leben könnte. Im Finale ist die Krise überwunden, der nächste Fall kann kommen. Wie es mit Logan McRae weitergeht, ist offen. Zumindest persönlich verlassen wir Leser ihn am absoluten Tiefpunkt seines Lebens. Der nächste Band ist bereits geschrieben. Es geht also weiter, aber ob oder besser: wie und mit einem (gegen alle Wahrscheinlichkeit sogar beförderten) McRae, bleibt spannungssteigernd ungewiss.

_Autor_

Stuart MacBride wurde im schottischen Dumbarton geboren. Die Familie zog wenig später nach Aberdeen um, wo Stuart aufwuchs und zur Schule ging. Studiert hat er an der University in Edinburgh, die er indes verließ, um sich in verschiedenen Jobs (Designer, Schauspieler, Sprecher usw.) zu versuchen. Nach seiner Heirat begann MacBride Websites zu erstellen, stieg bis zum Webmanager auf, stieg in die Programmierung ein und betätigte sich in weiteren Bereichen der Neuen Medien.

Stuart MacBride lebt heute wieder in Aberdeen.

|Gebunden: 510 Seiten
Originaltitel: Shatter the Bones (London : HarperCollinsPublishers 2011)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-13: 978-3-442-54699-2
Als eBook: 718 KB
ISBN-13: 978-3-641-09437-9|

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http://www.manhattan-verlag.de

|Als (ungekürztes) Hörbuch (gelesen von Detlef Bierstedt): 914 min.
ISBN-13: 978-3-8445-0876-5|
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Carter Dickson (= John Dickson Carr) – Die Treppe des Königs

Eine schöne aber durchtriebene Schauspielerin wird unter bizarren Umständen ermordet, die der Polizei so viele Rätsel stellen, dass man den exzentrischen aber genialen Privatdetektiv Merrivale an den Tatort ruft … – ‚Unmöglicher‘ Mord im alten englischen Landhaus, alle Anwesenden sind verdächtig, die Indizien vage: Rätselkrimi der alten Schule von einem John Dickson Carr auf der Höhe seines Könnens.
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Hannah, Sophie – fremde Haus, Das

Eines Nachts steht Connie auf und stöbert online in einem Immobilienportal. Sie entdeckt nicht nur Grundriss und Fotos von einer ganz bestimmten Immobilie, sondern auch noch einen Rundgang. Als ihr Mann Kit tief und fest schläft, klickt sie den Rundgang an. Im Wohnzimmer des Hauses entdeckt sie eine blutüberströmte tote Frau, die ihr verdächtig ähnlich sieht. Als sie ihren Mann weckt und der sich den gleichen Rundgang anschaut, ist das blutige Szenario verschwunden. Hat Connie sich die Frauenleiche nur eingebildet?

Die ganze Nacht schaut sie sich immer wieder das Video an, doch die Leiche bleibt verschwunden, dennoch will sie am nächsten Morgen ihren Bekannten Simon über den grausigen Fund informieren. Da dieser sich zurzeit in den Flitterwochen befindet, berichtet Connie Simons Freund, was sie in der Nacht erlebt hat.

Niemand schenkt ihr Glauben, denn die tote Frau taucht nicht wieder in dem Video auf. Doch dann meldet sich eine zweite Frau und erzählt, dass sie ebenfalls den blutigen Rundgang durch das Haus im Bentley Grove 11 in Cambridge gesehen hat. Was ist geschehen? Und was hat Kit zu verbergen, der seiner Frau keinen Glauben schenkt?

_Schrecken in der Nacht_

Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag: Connie entdeckt eine blutige Frauenleiche, die kurz darauf verschwunden ist. Doch damit nicht genug: Die Adresse Bentley Grove 11 in Cambridge ist ihr nicht fremd: Einige Monate zuvor entdeckte sie durch Zufall, dass genau diese Adresse im Navigationsgerät ihres Mannes als Heimatadresse gespeichert ist. Der wiederum streitet seitdem ab, irgendetwas mit dem Haus zu tun zu haben oder die Adresse selbst eingespeichert zu haben. Er unterstellt ihr so oft, sie habe die Adresse selbst eingegeben, dass Connie beginnt, an sich selbst zu zweifeln. Sie sucht eine Therapeutin auf und berichtet ihr von ihren Zweifeln. Als Leser fragt man sich unweigerlich, was geschehen ist und wie Sophie Hannah diese Rätsel auflöst. Der Spannungsbogen setzt also sofort ein und steigt schnell an.

Mit Cambridge verbindet Connie schlechte Erinnerungen: Einige Jahre zuvor hatten Kit und sie dort ihr Traumhaus entdeckt. Sie wollten es kaufen und aus Connies kleiner Heimatstadt und von ihrer Familie wegziehen. Doch dann ging es Connie immer schlechter. Als sie schließlich komplett zusammenbrach, gab ihr Mann den Plan auf, mit ihr nach Cambridge zu ziehen, da er gemerkt hat, dass sie sich nicht von ihrer Heimat und von ihrer merkwürdigen Familie lösen kann. Doch so ganz hat er Cambridge in Gedanken nie aufgegeben …

Zur gleichen Zeit, als Connie die tote Frau entdeckt, befindet sich Simon in den Flitterwochen. Kurzerhand hat er Charlie geheiratet – nur in Anwesenheit ihrer zwei Trauzeugen, nämlich ihrer Schwester Olivia und seinem Freund Chris Gibbs. Als die Flitterwöchner zu ihrem geheimen Reiseziel gestartet sind, trinken die beiden Trauzeugen noch einige Drinks zusammen und landen schließlich – obwohl verheiratet bzw. in einer festen Beziehung lebend – zusammen im Bett. Als Charlie das hört, ist sie entsetzt. Sie fühlt sich von ihrer Schwester hintergangen. Doch wieso eigentlich? Ist es Eifersucht, weil ihr frisch angetrauter Ehemann in den Flitterwochen nur ein einziges Mal mit ihr geschlafen hat und keinerlei körperliches Interesse an ihr zu haben scheint? Wir wissen es nicht.

Als Simon schließlich von seinen zwei besten Freunden erfährt, was Connie gesehen hat, bricht er die Flitterwochen ab. In welcher Beziehung Simon und Connie aber zueinanderstehen und wie sie sich kennen gelernt haben? Keine Ahnung.

_Rätsel über Rätsel_

Sophie Hannah stellt zahlreiche Protagonisten vor, die sich untereinander alle zu kennen scheinen. Doch in welcher Verbindung sie zueinanderstehen, bleibt meistens im Dunkeln. Die junge britische Autorin wirft viele Fragen auf und fesselt einen dadurch früh an ihr Buch. Nach etwa 150 Seiten allerdings beginnt sie, einige Dinge aus der Vergangenheit zu erklären. Das bremst die Spannung ziemlich aus, da sie es nicht schafft, die Geschehnisse aus der Vergangenheit so knapp einfließen zu lassen, dass sie den eigentlichen Handlungsfluss ungestört lassen.

Auch Hannahs Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig: Auf S. 25 stellt sie im Schnelldurchgang ihre zwei Hauptfiguren Kit und Connie vor und packt sämtliche Informationen, die zunächst wichtig sind, in einen einzigen Absatz. Der wiederum ist dadurch ein völliger Fremdkörper in der Geschichte. Das hätte man sicherlich geschickter lösen können (und müssen).

Es gibt viele verschiedene Handlungsstränge und dadurch lose Enden, die es zu verbinden gilt. Das Buch hat knapp 500 Seiten, doch leider schafft Sophie Hannah es nicht, sämtliche losen Enden miteinander zu verknüpfen. Viele Fragen bleiben offen, z. B. was Connie und Simon miteinander verbindet, dass er der erste Ansprechpartner für ihre Sorgen ist und er sogar seine Flitterwochen abbricht, um vor Ort zu sein. Und was hat er eigentlich für ein Problem mit seiner Frau? Und wieso nimmt diese ihrer Schwester es dermaßen übel, dass sie mit dem Trauzeugen im Bett landet? Fragen über Fragen, die völlig ungeklärt bleiben.

Immerhin löst Sophie Hannah schlussendlich das Rätsel um das blutige Video auf. Allerdings trägt sie hier recht dick auf. Alles wird schlüssig erklärt, aber dafür sind einige nicht sonderlich glaubwürdige Wendungen erforderlich, die mindestens eine Figur im Roman völlig unauthentisch wirken lassen. Ich finde es ja gut, dass sei eine logische Erklärung anbietet, doch hierfür muss sie ihre Geschichte ziemlich unglaubwürdig zurechtkonstruieren.

_Preiswürdig?_

Die junge britische Autorin Sophie Hannah wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, so ganz nachvollziehen kann ich das nach Lektüre ihres aktuellen Buches allerdings nicht. Der Spannungsbogen ist zwar über weite Strecken gut gelungen, da Sophie Hannah viele Fragen aufwirft, die der Leser natürlich beantwortet haben möchte. Doch übertreibt sie es dabei. Es gibt eigentlich kein Kapitel, in dem sie nicht neue Andeutungen macht, diese aber nicht aufklärt, so verkümmert man praktisch beim Lesen, da man sehr, sehr lange lesen muss, um erste Antworten zu erhalten. Und als am Ende zwar die Frage des blutigen Videos geklärt wird, vieles andere aber völlig offen bleibt, fühlt man sich ziemlich verschaukelt. Wieso um Himmels Willen stellt die Autorin so viele Protagonisten mitsamt ihren Problemen und Lebensgeschichten vor, wenn diese am Ende mit der eigentlichen Handlung rein gar nichts zu tun haben? Und wieso erklärt sie vieles nicht? So ist man am Ende recht unbefriedigt und wünscht sich, ein fähiger Lektor hätte die überflüssigen Handlungsstränge ausgemerzt, damit sich das Buch auf das Wesentliche konzentriert – nämlich die Geschichte von Kit und Connie.

Insgesamt war das Buch durchaus spannend, kann sich aber nicht vom Mittelmaß abheben, da es zu viele handwerkliche Fehler aufweist. Schade.

|Taschenbuch, 495 Seiten
ISBN-13: 978-3-404-16769-2|
http://www.luebbe.de

Masello, Robert – Knochengrube

_Das geschieht:_

Während Paläontologe Carter Cox für das Naturgeschichtliche Museum des Los Angeles County die Knochen vorzeitlicher Tiere aus dem zähen Natur-Asphalt der La Brea Tar Pits zieht, beschäftigt sich Gattin Elizabeth, Kunsthistorikerin im Dienst des J.-Paul-Getty-Museums in nahen Brentwood, mit einer Jahrhundert-Entdeckung, einem vor tausend Jahren entstandenen Bestiarium, das ihr der wahrlich geheimnisvolle Eigentümer bringt.

Mohammed al-Kalli steht nicht nur einem uralten arabischen Adelsgeschlecht vor, sondern ist auch nach seiner Flucht aus dem Irak ein unermesslich reicher Mann geblieben. Außerdem sind die al-Kallis seit mehr als einem Jahrtausend Hüter einiger wahrhaft fabelhafter Wesen. In einem privaten, von der Außenwelt sorgfältig abgeschirmten Zoo halten sie mythische aber quicklebendige Kreaturen wie den Mantikor, den Greifen oder den Basilisken. Al-Kalli hat sie ins Exil retten können. Doch in der kalifornischen Fremde kränkeln die Wesen. Verzweifelt sucht al-Kalli Hilfe, ohne sein Geheimnis zu lüften. Er hofft auf Hinweise in dem uralten Buch „Edens wilde Tiere“. Elizabeth soll es für ihn übersetzen. Zusätzlich gedenkt al-Kalli ihren Gatten zu Rate zu ziehen, der zwar kein Tierarzt aber irgendwie doch ein Spezialist für urzeitliches Getier ist.

Dummerweise erregt al-Kalli die Anwesenheit der tumben Ex-Soldaten Greer und Sadowski. Sie haben sich ebenfalls in Los Angeles niedergelassen, wo sie sich mit kleinen Diebstählen (Greer) und der Vorbereitung der arischen Revolution (Sadowski) die Zeit vertreiben. Nun planen sie, sich am Eigentum des Einwanderers zu vergreifen, ohne freilich über dessen ‚Zoo‘ Bescheid zu wissen. Wie der Zufall (in Gestalt des ideenarmen Autors) spielt, treffen die meisten Figuren der oben skizzierten Handlung in einer turbulenten Nacht in al-Kallis Bestiarium aufeinander, das nur wenige lebendig wieder verlassen werden …

_Knochentrockene Spannungs-Lektüre_

550 durchaus kleinbuchstabig bedruckte Buchseiten stellen eine Herausforderung dar. Man stellt sich ihr als Leser nur, wenn das Thema Interesse erregt. Für die Freunde der Phantastik ist dies hier gegeben, denn wer wäre nicht neugierig, Basilisken, Mankitore u. a. Fabelwesen in Hollywood umgehen zu sehen? Was sie ausgerechnet dorthin verschlägt, müsste der Autor klären, doch dies wird zu einer der deprimierend zahlreichen Herausforderungen, an denen Robert Masello scheitert.

Dabei gelang ihm ein klassischer Einstieg, der lumpige US-Soldaten in „Three-Kings“-Manier im Irak-Krieg zeigt, der ihnen vor allem die Möglichkeit bietet, sich fern der Heimat und ihrer misstrauischen Gesetzeshüter die eigenen Taschen zu füllen. In dieser Umgebung hätte Masello die gesamte Handlung ansiedeln sollen. Bereits der Exodus, der den Hüter der Bestien und seine Brut ausgerechnet nach Kalifornien bringt, wird zu einem der Logikbrüche, die der Leser nur mühsam überwindet. Masello schweigt sich über das „Wie“ klugerweise einfach aus; er scheint die Ansicht zu vertreten, dass Geld einfach alles möglich macht – den Schmuggel nashorngroßer Ungeheuer inklusive.

Solche Hürden würde ein guter Autor hinter sich lassen, indem er auf das Gaspedal drückt. Masello kann nur auf einen leistungsschwachen Motor zurückgreifen, der nie auf Tempo kommt. Sobald die erwähnte Einleitung ihr Ende gefunden hat, schaltet er zurück und später viel zu oft in den Leerlauf. Spannung kann auf diese Weise nicht aufkommen.

|Viele Einfälle, wenig Handlungsrelevanz|

Masello versucht dies durch ein Füllhorn von Ideen auszugleichen, unter denen er freilich den Plot begräbt. Die meisten der angerissenen Themen stellen nur künstliche Verwicklungen dar, die mit dem eigentlichen Geschehen nur marginal oder gar nichts zu tun haben bzw. es künstlich auf Länge bringen. „Knochengrube“ wirkt wie ein schlampig und überprall gefüllter Reisekoffer, der schier aus den Nähten platzt.

Viele Seiten schildern Carter Cox, der in seinen geliebten Teergruben nach Urzeit-Knochen wühlt und dabei zufällig einen menschlichen Pechvogel ausgräbt, der einst dem Rand zu nahe gekommen war. Obwohl es der deutsche Titel suggeriert, gibt es keinerlei zwingenden Zusammenhang mit der ursprünglichen Handlung. Masello arbeitet sich stattdessen an einem seiner Lieblingsthemen ab: Wie steht es um die hehre (Natur-) Wissenschaft in einer Gegenwart, die auch die Forschung vor allem ökonomisch sowie multimedial tauglich wünscht? Seine Befürchtungen ehren ihn, doch er fasst sie trivial und klischeeplump und vor allem so ausführlich in Worte, dass sie ins Kontraproduktive umschlagen.

Seine Weitschweifigkeit bekommt Masello generell nie in den Griff. Er hat über die von ihm aufgegriffenen Themen recherchiert, wie er in einem Nachwort angibt, kann sich aber nicht von dem erworbenen Wissen trennen, sondern zwingt es der Handlung auf, statt es bei Bedarf einfließen zu lassen. Das Ergebnis ist als Roman weder Fisch noch Fleisch, sondern in erster Linie zäh.

|Mr. Saubermann & Mrs. Langweilig|

Das Ehepaar Cox – Carter & Elizabeth – stellt sich Masello als Verbindung zwischen Indiana Jones und Lara Croft vor. Er gräbt nach Knochen, sie wühlt nach vergessenen Schriftstücken. Wie es im realen Wissenschaftler-Leben höchst selten aber im Wissenschafts-Thriller glücklicherweise ständig geschieht, stolpert unser Paar regelmäßig über Sensationelles. Damit ist beileibe nicht die wissenschaftliche Sensation gemeint, die nebenbei und eher pflichtschuldig unter dem Motto „Lesen heißt hier auch lernen“ abgehandelt wird, sondern die daraus resultierenden Verwicklungen.

Die sind in der Regel politischer, militärischer oder religiöser Art, weil besagte Forscher über Mysterien stolpern, die stets missgelaunte und mächtige Munkelmänner lieber ungelüftet sähen. Dies führt zuverlässig zu ausgedehnten Verfolgungsjagden, in denen der wissenschaftliche Aspekt mit der Logik weit zurückbleibt. In der Krise mutieren auch Carter & Elizabeth zu Indiana & Lara. Mit der Linken fahren sie Bösewichten in die Parade, mit der Rechten wehren sie hungrige Fabelbestien ab. Die Füße bedienen Gas- und Bremspedal, denn im großen Finale muss u. a. in rasanter Fahrt Baby Joey auf einem brennenden Hügelhaus gerettet werden.

Wenn zwischenzeitlich tatsächlich in Feldlager, Labor oder Archiv gearbeitet wird, kommt wie gesagt garantiert etwas Interessantes zum Vorschein. Ansonsten müssen sich Carter & Elizabeth als redliche Wissenssucher, die sie sind, mit bürokratischen Vorgesetzten, leicht beleidigten Geldsäcken u. a. Lästlingen auseinandersetzen, über die sie schließlich als wahre Idealisten und Gutmenschen zuletzt lachen und dabei der Forschung manchen großen Dienst erweisen.

Das alles drückt sich als Figurenzeichnung kaum auf die Buchseiten durch. Carter & Elizabeth sind kluge, hübsche, unendlich fade Gutmenschen und hohle Helden wider Willen. Dies fällt im Umfeld dieses Romans nicht auf, denn hier tummeln sich ausschließlich Pappkameraden. Klischees reihen sich an Dummheiten, die in diesem Salventakt unerträglich werden.

|Was tun sie hier, warum gibt es sie?|

Dazu trägt bei, dass es für viele der umständlich und aufwendig eingeführten Figuren keinerlei Existenzberechtigung gibt. Dies schließt fatalerweise Elizabeth Cox als Hauptfigur ein. Kapitel um Kapitel hockt sie in ihrem Büro und entschlüsselt ein uraltes Manuskript. Was sie dabei herausfindet, ist für das Geschehen völlig unerheblich, was als eigener Handlungsstrang aufgezogen wurde, endet kläglich ohne Höhepunkt.

Dem Hauptstrang ergeht es nur marginal besser. Man sollte meinen, Masello konzentriere sich auf die Fabelbestien. Mit ihnen weiß er jedoch nichts anzufangen. Meist lungern sie kränklich in ihren geheimen Käfigen herum und fressen höchstens einen Saddam-Schergen, den ihnen der US-vorurteilsreich geschilderte Finsterling al-Kalli vorwirft. Deshalb wringt sich Masello einen dritten Handlungsstrang aus dem Hirn, der nun gar keinen Sinn mehr ergibt: Zwei ausgebrannte Veteranen wollen al-Kalli erst berauben; dann lässt sich der eine vom anvisierten Opfer anheuern, während der andere mit faschistoiden Redneck-Kumpeln einen Weltenbrand anzettelt. Später tauchen sie aber doch im al-Kalli-Bestiarium auf, weil dort ohne sie die Handlung endgültig zum Stillstand käme.

Dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt ein mysteriöser Supermann namens „Arius“. Ihm sind Carter & Elizabeth erstmals im Roman „Das letzte Relikt“ (Fischer-TB 18844) begegnet. Seitdem ist er so etwas wie ihr Schutzengel. Heuer geistert er durch das Naturgeschichtliche Museum und begräbt dort die Knochen aufgefundener Ur-Amerikaner, weil diese unter die Erde und nicht in eine Vitrine gehören. Anbiedernder Schwachsinn dieser Art ist leider stark vertreten in dieser elend ausgewalzten, sich in ziellosen Mäandern ihrem Ende entgegen schleppenden Geschichte, die wohl auch deshalb unter der Bezeichnung „Mystery-Thriller“ läuft, weil niemand eine Ahnung hat, wieso Robert Masello immer wieder neue, nach bekanntem Muster gestrickte Gähn-Garne auf den Buchmarkt bringen kann.

_Verfasser_

Robert Masello wurde 1952 in Evanston, US-Staat Illinois, geboren. An der Princeton University studierte er Kreatives Schreiben. Ab 2002 hielt er als Gastdozent Vorlesungen über Literatur am Claremont McKenna College. Seit 2008 ist Masello, nun in Santa Monica, Kalifornien, ansässig, hauptberuflich Autor, der nicht nur Romane und Sachbücher, sondern auch Artikel für Zeitungen und Zeitschriften schreibt. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre arbeitete Masello für das Fernsehen; er schrieb u. a. für die Serien „Poltergeist – Die unheimliche Macht“, „Sliders – Das Tor in eine fremde Dimension“ und „Charmed“.

|Taschenbuch: 544 Seiten
Originaltitel: Bestiary (New York : Berkley Books 2006)
Übersetzung: Maria Poets
ISBN-13: 978-596-18864-2
Als eBook: 1036 KB
ISBN-13: SBN: 978-3-10-400785-4|

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James, Julie – Undercover ins Glück

_|FBI/US Attorney|-Serie: _

01. [Für alle Fälle Liebe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7911 (Something about you , 2010)
02. _Undercover ins Glück_ (A lot like love, 2011)
03. Wiedersehen macht Liebe (About that night, 2012) (erscheint auf Deutsch am 11.04.2013)
04. Love Irresistibly (2013) (noch ohne dt. Titel)

_Inhalt:_

Als Nick McCall nach einer monatelangen verdeckten Ermittlung wieder in Chicago eintrifft, freut er sich auf eine paar entspannte Tage im Kreise seiner Familie, hatte er doch seit Jahren schon keinen Urlaub mehr. Aber dann wird er zu seinem Chef gerufen, der ihm mitteilt, dass der nächste Einsatz schon auf ihn wartet. Der mächtige Mafia-Boss wäscht sein Geld dank eines feinen Restaurants. Um dort Wanzen anbringen zu können, müssen sie in das Büro des Inhabers kommen. Nur so schnell führt da kein Weg rein. Der einzige Weg ist, eine Abendveranstaltung zu besuchen, während der der Besitzer abgelenkt wird. Die Möglichkeit bietet sich schneller, als er sich denken kann, denn Jordan Rhodes, Weinhändlerin, kann mit ihrer Hilfe ihren Bruder aus dem Gefängnis holen, was sie dann auch widerwillig macht. Die Aktion soll nur einen Abend dauern, aber nach Komplikationen muss sie ihre Hilfe auf mehrere Tage ausweiten. Immer näher kommen sich dabei Nick und Jordan, da sie weiterhin das glückliche Paar mimen müssen. Dabei kommen sie aber auch dem Mafioso näher und auch der Inhaber des Restaurants kommt den beiden in die Quere. Also ist klar, dass es zu Spannungen zwischen den beiden kommt …

_Meinung:_

Nick McCall ist ein typischer amerikanischer FBI-Agent, harte Schale, weicher Kern. Jordan Rhodes ist dagegen eine weiche Frau, die die Öffentlichkeit zu meiden versucht. Allerdings finde ich sie ein bisschen zu blasiert, jedenfalls am Anfang, aber je weiter man im Buch vorankommt, desto besser lernt man sie kennen und auch die Gründe für ihr Verhalten. Wen ich aber in diesen Buch am besten fand, ist der Bruder von Jordan, Kyle. Der ist ein witziger, spontaner Typ, der wegen Liebeskummer ein paar Tage Twitter lahmgelegt hat. Eine klasse Idee für das Buch, muss ich schon sagen. Die Autorin schafft es wieder, den Leser mit in diese Welt zu ziehen, die ihn auch schon im ersten Band in ihren Bann gezogen hat. Gefahren und Gefühle sind so aufeinander abgestimmt, dass keine Irritationen aufkommen. Die Spannung, die sich im Laufe des Buches aufbaut, wird am Ende gut gelöst, wenn der Fall aufgeklärt wird. Die Szenen sind bildlich dargestellt und gut zu verfolgen, der Schreibstil passt dazu hervorragend, denn Julie James versteht sich darauf, Humor, Spannung und Leidenschaft zu vereinen, ohne dass es lächerlich wirkt. Auch der Perspektivwechsel zwischen den Hauptfiguren des Buches ist sehr gut gelungen. An sich ist die Geschichte gut geschrieben und doch gehen die Gefühle wie Angst, Unsicherheit und Glück, der Protagonisten nicht unter. Dieses Buch lässt sich optimal alleine lesen, obwohl es Teil einer Serie ist. Aber besser ist es, wenn man das erste Buch der Serie vorher liest, weil einige Protagonisten daraus auch hier wieder auftauchen.

_Fazit: _

Julie James hat es wieder geschafft, einen tollen Roman zu schreiben. Die Protagonisten und die Handlung sind spannend und in sich schlüssig, sodass man viel Vergnügen hat, die Geschichte zu lesen. Die Spannung baut sich langsam auf und wird, je weiter man im Buch kommt, größer. Am Ende folgt zwar kein großer Knall, aber ein gutes Finale für das Buch. Warum kein großer Knall folgt? Es folgen ja noch mehrere Bücher, also muss das große Finale dann beim letzten Buch erfolgen.

Im dritten Teil, der voraussichtlich im April 2013 erscheinen wird, geht es dann um Kyle Rhodes.

|Taschenbuch: 352 Seiten
Originaltitel: A Lot Like Love (2011)
ISBN-13: 978-3802586804|
http://www.egmont-lyx.de

Simmons, Dan – Eiskalt erwischt (Joe Kurtz 1)

_|Kurtz-|Trilogie_:

1) _Eiskalt erwischt_ (Hardcase, 2001);
2) Bitterkalt (Hard Freeze, 2002)
3) Kalt wie Stahl (Hard as Nails, 2003)

_Das geschieht:_

Weil er den Mörder seiner Partnerin kurzerhand aus dem Fenster eines Hochhauses geworfen hatte, wurde Privatdetektiv Joe Kurtz zu einer zwölfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die hat er jetzt abgesessen und kehrt in seine Heimatstadt Buffalo, US-Staat New York, zurück. Ohne sich um den Verlust seiner Lizenz oder die Vorgaben der Bewährungshelferin zu kümmern, nimmt Kurtz seine Geschäfte wieder auf. Das neue Büro richtet er im Keller unter einem Porno-Shop ein, und erster Kunde wird Mafiaboss Byron Farino, dessen Sohn Kurtz im Knast kennengelernt hatte.

Farino hat nach einem Attentat an Macht verloren. Deshalb muss er wütend aber ratlos mit ansehen, wie seine Schmuggeltransporter aus Kanada überfallen werden. Außerdem ist sein Buchhalter verschwunden, dessen Unterlagen über die farinoschen Geschäfte in Juristenhand großen Schaden anrichten könnten. Farino heuert Kurtz deshalb tatsächlich an, zumal er einen Verräter in seiner ‚Familie‘ wittert.

In diesem Zusammenhang gibt es eine ganze Reihe von Kandidaten, zu denen u. a. Farino-Anwalt Leonard Miles und Byrons Tochter Sofia gehören, die unbedingt den Platz ihres Vaters übernehmen will. Außerdem meldet sich die Vergangenheit bei Kurtz: Manny Levine, dessen Bruder ihm einst vor den Pistolenlauf geriet, will Rache. Ebenfalls hinter Kurtz her ist der korrupte Detective Hathaway von der Mordkommission.

Sie müssen sich quasi anstellen, denn die aufgeschreckten Gegner der Farino-Familie setzen gleich mehrere hochkarätige oder wenigstens hochgradig irre Killer auf Kurtz an, der sich der Mordattacken des Psychopathen-Duos Kibunte & Cutter, des chamäleonhaften „Dänen“ und der grenzdebilen „Beagle Boys“ erwehren muss. Allerdings erwartet und gibt Kurtz im Gegenzug kein Pardon, und er ist findig genug, nicht nur zu überleben, sondern auch seinem Auftrag nachzugehen sowie ganz eigene, sorgfältig verborgen gehaltene Pläne zu verfolgen. Zwischenfälle kommen jedoch vor, und irgendwann droht auch der gewiefteste Fuchs seinen Verfolgern in die Falle zu gehen …

_Verbrechen kann ein Job sein_

Dan Simmons ist zumindest seinem deutschen Publikum primär als Horror- und Science-Fiction-Autor bekannt. Schon in diesen beiden Genres leistet er nicht nur Großes, sondern auch Erstaunliches; während man einen Stephen King nach wenigen Absätzen erkennt, gibt sich Simmons nicht nur stilistisch wesentlich wandlungsfähiger. Ein erstes Signal dafür, dass man auch außerhalb der Phantastik mit Simmons rechnen muss, gab es hierzulande im Jahre 2000. In „Fiesta in Havanna“, einem in den USA im Jahre zuvor unter dem wesentlich einfallsreicheren Titel „The Crook Factory“ erschienenen Historien-Thriller, jagt Ernest Hemingway 1942 vor der Küste Kubas japanische und nazideutsche Agenten.

„Bizarr“ ist das Schlüsselwort. Die Kombination einer schnörkellos, beinahe dokumentarisch erzählten Geschichte mit möglichst absurden Ereignissen und Figuren übernahm Simmons für seine 2001 gestartete Joe-Kurtz-Trilogie, deren Bände in schneller Folge bis 2003 erschienen.

Bis der erste schräge Zeitgenosse auftritt, meint der Leser in Simmons einen würdigen Nachfolger des inzwischen verstorbenen Donald E. Westlake gefunden zu haben. Dieser veröffentlichte zwischen 1962 und 2008 unter dem Pseudonym „Richard Stark“ 24 kriminelle Abenteuer des Berufsverbrechers Parker. Als lakonischer Profi geriet dieser immer wieder in die Bredouille, weil selbst der beste Plan nie perfekt gelang, sondern durch menschliches Versagen und mit dramatischen Folgen scheiterte.

|Irrwitz als Normalzustand|

Joe Kurtz könnte Parkers Bruder im Geiste sein. Auch ihm ist das Gesetz nur dort ein Maßstab für sein Verhalten, wo es ihm definiert, wie tief unter dem Radar von Polizei und Justiz er agieren muss. Kurtz kennt keine Gewissensbisse. Moralisch sieht er ausschließlich dem eigenen Kodex verantwortlich, der denkbar simpel ist: Gesetzeshüter werden ausgetrickst, Verbrecher betrogen und notfalls ohne Federlesens umgebracht. Freunde hat Kurtz nur wenige. Sie allein können auf seine bedingungslose Unterstützung rechnen. Im Fall seiner ermordeten Kollegin hat er nach eigenem Urteil versagt. Er richtet den Täter deshalb nicht nur förmlich hin, sondern akzeptiert die folgende Gefängnisstrafe, statt sich ihr durch Flucht zu entziehen.

Generell geht Kurtz stets vom Schlimmsten aus. Aufgrund seiner Lebensweise liegt er damit richtig. Die Vergangenheit ist längst nicht so tot wie diverse Pechvögel, die Kurtz in die Quere gekommen sind. Blutrachedurstige Zeitgenossen heften sich dem wieder freien Kurtz umgehend an die Fersen. Gleichzeitig ist er eifrig damit beschäftigt, sich neue Feinde zu machen: Immer in Bewegung bleiben und frontal auf den Feind losgehen, lautet seine Devise.

Simmons weiß dies sehr bildhaft zu verdeutlichen. Großartig gelang ihm beispielsweise die Episode in dem leeren Kühlhaus, das Kurtz zeitweise als Unterschlupf dient: Er hat das Innere mit Fallen gespickt, da er mit ungebetenem ‚Besuch‘ rechnet. Als dieser tatsächlich erscheint, ist der Empfang entsprechend ruppig. Simmons hat keine Angst vor drastischen Gemetzeln, die er in ihrer Wirkung durch rabenschwarzen Humor ins Groteske übersteigert. Es sind also keine simplen Killer, die ihm zu Leibe rücken, sondern die „Beagle Boys“, vier ebenso gewalttätige wie strohdumme Brüder. Ihr Spitzname lässt sich übersetzen: Die „Beagle Boys“ sind die „Panzerknacker“, die ihr Leben dem Versuch geweiht haben, Dagobert Ducks Geldspeicher zu leeren.

|Gauner aus der Geisterbahn|

Die „Beagle Boys“ belegen die ganz und gar nicht nüchterne Machart der Kurtz-Krimis. Faktisch gibt sich ein ganzer Reigen von Freaks die Klinke in die Hand. Simmons‘ Killer töten ihre Opfer nicht einfach. Selbst der „Däne“, der sich als Geschäftsmann betrachtet, liebt es, sich extravagant zu verkleiden, wenn er zur mörderischen Tat schreitet. Psychopathen wie Kibunte und Cutter sind überlebensgroße Zerrbilder realer Schreckgestalten.

Simmons demonstriert mit der Figurenzeichnung, dass er „Eiskalt erwischt“ absichtlich mit beachtlichen Trash-Elementen auflädt. (In diese Kategorie fällt auch die eine, isoliert in der bzw. quer zur Handlung stehende Sex-Szene dieses Romans, die Simmons genüsslich über die Grenze zur Plump-Pornografie und damit in die Lächerlichkeit treibt.) Also schaltet Kurtz seine Feinde nicht einfach aus. Er nimmt um des Effektes wegen durchaus eine winterliche Nachtfahrt zu den Niagara-Fällen in Kauf, um einen Schurken besonders grausig enden zu lassen.

Mit solchen Episoden lenkt Simmons den Leser von dem komplexen Spiel ab, das Kurtz mit seinen Feinden spielt. Jeder belauert und betrügt hier jeden. Kurtz ist keine Ausnahme, doch da er in der Minderzahl ist, muss er einen besonders hohen Einsatz wagen. „Eiskalt serviert“ ist mehr als eine willkürliche Häufung möglichst abstruser Action- und Splatter-Szenen. Dahinter steckt ein sauber konstruierter Plot, dessen Ablauf Simmons spannungstreibend in die Länge zieht, indem er Kurtz mehr als einen Knüppel zwischen die Beine wirft.

|Dieses Mal erfreulich: Fortsetzung folgt|

Das Finale ist erwartungsgemäß turbulent und wendungsreich. Ihm folgen gleich zwei böse Überraschungen, die für ein grandioses Crescendo aus Gewalt und Gegengewalt sorgen. Und obwohl das Blut in breiten Strömen floss, bleibt Kurtz mindestens ein besonders unheimlicher Gegner erhalten. Da eine Fortsetzung folgt, darf sich der Leser auf weitere Unterhaltung der politisch erfreulich unkorrekten Art freuen.

Mit „Eiskalt erwischt“ setzt der Festa Verlag die jüngst gestartete Reihe „Festa Crime“ denkbar gelungen fort. Hier bleiben Kuschel-Krimis außen vor; es geht in jeder Hinsicht rau und gewalttätig zu. Dass dies der Unterhaltung keineswegs abträglich ist, macht Dan Simmons exemplarisch deutlich. Gut übersetzt und schön gestaltet sorgt „Eiskalt erwischt“ nicht nur für zusätzliches Vergnügen, sondern macht auch neugierig auf weitere „Festa-Crime“-Bände.

_Autor_

Dan Simmons wurde 1948 in Peoria, Illinois, geboren. Er studierte Englisch und wurde 1971 Lehrer; diesen Beruf übte er 18 Jahre aus. In diesem Rahmen leitete er eine Schreibschule; noch heute ist er gern gesehener Gastdozent auf einschlägigen Workshops für Jugendliche und Erwachsene.

Als Schriftsteller ist Simmons seit 1982 tätig. Fünf Jahre später wurde er vom Amateur zum Profi – und zum zuverlässigen Lieferanten unterhaltsamer Pageturner. Simmons ist vielseitig, lässt sich in keine Schublade stecken, versucht sich immer wieder in neuen Genres, gewinnt dem Bekannten ungewöhnliche Seiten ab.

|Paperback: 331 Seiten
Originaltitel: Hard Case (New York : St. Martin’s Minotaur 2001)
Übersetzung: Michael Plogmann
Cover: yellowfarm
ISBN-13: 978-3-86552-186-6|
http://www.dansimmons. com
http://www.festa-verlag.de

Agatha Christie – Hercule Poirots Weihnachten

Das geschieht:

Über Gorston Hall in der englischen Grafschaft Middleshire herrscht Simeon Lee. Auf den Diamantenfeldern Südafrikas hat er sein Vermögen auf die harte Tour gemacht. Schwäche ist ihm verhasst, seine Gattin hat er durch ständige Affären früh ins Grab gebracht, die meisten seiner zahlreichen Kinder sind im Streit gegangen. Nur der gutmütige Alfred ist mit Ehefrau Lydia beim Vater geblieben, der ihnen das Leben mit boshaftem Vergnügen zur Hölle macht. Agatha Christie – Hercule Poirots Weihnachten weiterlesen

Parker, Robert B. – Bitteres Ende. Ein Auftrag für Spenser

Der Detektiv gegen die wirklich Reichen

Ein Klopfen an Spensers Bürotür kann nur eines bedeuten: ein neuer Fall für den lakonischen Privatdetektiv. Dieses Mal sucht die Rechtsanwältin Elizabeth Shaw seine Hilfe. Vier Mandantinnen – bildhübsch und unverschämt reich – teilen ein Geheimnis: Sie alle hatten eine Affäre mit Gary Eisenhower, der sie nun damit erpresst. Spenser soll ihn davon abbringen – wenn nötig mit Gewalt. Als allerdings die erste Leiche auftaucht, geht es nicht mehr nur um außereheliche Affären, sondern um Mord.

Zusammen mit seiner cleveren Lebensgefährtin Susan Silverman und dem taffen Hawk ermittelt er auf gewohnt unkonventionelle Weise. Dabei stößt er auf Ungereimtheiten und stellt fest, dass Schuld und Unschuld manchmal doch enger zusammenhängen als gedacht. (Verlagsinfo)

Dies ist der 37. Auftrag des engagierten Privatdetektivs.

Der Autor

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 60 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der Spenser-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Die Spenser-Reihe (bei Pendragon):

1) Trügerisches Bild
2) Die blonde Witwe
3) Der stille Schüler
4) Bitteres Ende
5) Hundert Dollar Baby
6) Der gute Terrorist
7) Alte Wunden

Kein Spenser-Krimi, aber dennoch ungemein spannend: „Wildnis“ (2012)

Handlung

Über eine Anwältin wenden sich vier junge Gattinnen von reichen Männern an Spenser. Die Angelegenheit ist äußerst delikat und erfordert höchste Diskretion. Sollte auch nur ein Sterbenswörtchen davon an die Öffentlichkeit dringen, wären die Karrieren der Gatten der Damen gefährdet, und sie selbst stehen natürlich für eine Zeugenaussage oder Anzeige bei der Polizei nicht zur Verfügung. Kompliziert, gibt Spenser zu.

Um was geht es überhaupt, fragt er die vier Grazien. Sie haben alle mit dem gleichen Liebhaber geschlafen, einem überaus gutaussehenden Kerl, der sich Gary Eisenhower nennt. Zunächst ohne Bezahlung, doch kürzlich habe er angefangen, sie alle zu erpressen. Mit Ton- und Videoaufzeichnungen, die er veröffentlichen oder an die Gatten schicken könnte. Seine Geldforderung ist nicht von Pappe: 25.000 Dollar pro Monat. Nicht viel für wirklich Reiche, aber wenn die Dame nicht selbst darüber verfügen kann, dann wird das zum Problem – der Gatte darf ja nichts merken.

Also muss der amouröse Erpresser gestoppt werden. Soll Spenser ihm gut zureden, ihn zusammenschlagen oder gar töten? Die Damen scheinen wenig von den Gesetzen zu halten und würden auch Mord in Kauf nehmen. Bevor es dazu kommt, will Spenser den Erpresser selbst unter die Lupe nehmen. Da er weder korrekte Telefonnummer noch eine Adresse des Erpressers hat, schreibt er sich im Fitness-Club ein, den alle Damen frequentierten. Bingo, wenige Wochen später taucht ein passender Typ auf.

Eisenhower nennt sich auch E. Herzog und lebt in einem Wohnblock, zu dem er ihm leicht folgen kann, nachdem Eisenhower ihn, Spenser, beschatten wollte. Und Eisenhower hat in keiner Weise die Absicht, mit seinem Treiben aufzuhören. Warum auch? Es läuft alles wie geschmiert und keiner kann ihm am Zeug flicken. Aber Spenser bekommt Besuch von einem Schläger namens Boo und einem Mietkiller namens Zel: Sie wollen wissen, was Spenser wegen Beth Jackson neugierig gemacht hat, der Frau ihres Auftraggebers Chet Jackson. Spenser kann sie von seinen lauteren Absichten überzeugen.

Chet Jackson ist nicht überrascht darüber, dass seine Frau fremdgeht. Anderseits kann er sie auch nicht davon abhalten, ohne die Ehe zu gefährden. Und an die Polizei will er sich auch nicht wenden, denn offenbar sind seine Geschäfte weit jenseits von „koscher“. Das zwingt Spenser dazu, eine härtere Gangart einzuschlagen: Er bittet den Gangsterboss Tony Marcus um einen Gefallen …

Mein Eindruck

In seinen letzten Spenser-Krimis vor seinem Tod im Januar 2010 beschäftigte sich der Autor verstärkt mit Verbrechen, die auf Abweichungen vom „normalen“ Verhalten basieren – er selbst würde solche Festlegungen niemals treffen. Nicht zufällig sind diese Abweichungen Auswüchse des modernen Lebens seit dem 20. Jahrhundert.

Auf der einen Seite leben junge Frauen an der Seite von älteren oder gar schwulen Männern, verschaffen sich aber geduldete sexuelle Vergnügungen in den Armen eines Gigolos wie „Gary Eisenhower“. Diese Frauen sind keineswegs zu bedauern oder gar zu bemitleiden. Sie verwöhnen ihren Lover auch gerne mit Zuwendungen, jedenfalls solange er sie nicht erpresst.

Der Gigolo wiederum findet überhaupt nichts dabei, die Früchte von den Bäumen anderer Leute zu pflücken. Er würde es nicht mal Mundraub nennen, sondern er nimmt lediglich das, was sich ihm in Hülle und Fülle darbietet, ohne auch nur über Gefühle und dergleichen nachzudenken. Gary Eisenhower ist rund um die Uhr beschäftigt, wie Spenser durch Observation feststellen kann. Estelle, eine Trainerin im Fitness Clubs, treibt ihm die „Klientinnen“ sozusagen zu, und das schon zehn Jahre lang: eine lukrative Partnerschaft, um die reichen Schnepfen auszunehmen.

Selbst noch dann, als Spenser den hoffnungslosen Fall längst abgegeben hat, verfolgt er das Schicksal von Eisenhower, Estelle und Beth Jackson. Es ist sein absurd wirkender Versuch, eine unkorrigierbare Sache zu korrigieren, mit unzulänglichen Mitteln. Denn er ist weder Papst noch Präsident, weder Polizist noch Richter. Erst als die Leichen auftauchen, kann er auf die Unterstützung der Cops rechnen, besonders auf Quirk, den Leiter der Mordkommission.

„The totally rich“

Was ihm am meisten zu schaffen macht, ist die Verlogenheit und Heuchelei der reichen Klasse. Die erpressten Damen und Gatten wollen keinesfalls Öffentlichkeit, weil sie die Bloßstellung fürchten. Dabei gibt es einen positiven Fall, wie gerade durch die Öffentlichmachung von Eisenhowers Treiben das Verbrechen beendet und das Opfer aus seinen Klauen befreit werden konnte: Die Rektorin eines kleinen Colleges tat dies selbst. Spenser und seine Freundin Susan Silverman sind von Clarise Richardson immens beeindruckt. Sie nahm das Ende ihrer Karriere und die öffentliche Ächtung in Kauf, um sich selbst zu befreien und ihre Ehe zu retten.

Doch solches Vorgehen kommt für Beth Jackson, die Millionenerbin, nicht in Frage. Sie hat als echte Goldgräberin Erfolg auf der ganzen Linie: das Geld ihres Gatten, die Freiheit der Witwe (obwohl sie natürlich Trauer heuchelt) und noch dazu den Spaß im Bett ihres Lovers Eisenhower. Könnte es besser laufen? Und doch wird ihr genau dies zum Verhängnis, denn sie hat nicht damit gerechnet, dass sie jemand einen Gefallen für die Drecksarbeit schuldet, die er für sie erledigt hat. Gefühllosigkeit und Verantwortungslosigkeit werden der „treulosen Tomate“ zum Verhängnis …

Unterm Strich

„Bitteres Ende“ ist einer der ersten Parker-Krimis, die ich nicht in einem Sitz durchlesen konnte. Die Handlung, ausgebreitet über fast ein halbes Jahr, zieht sich nicht nur in die Länge, sondern dreht sich auch – zunächst jedenfalls – um ein fast vernachlässigbares Verbrechen: das Erpressen untreuer Ehefrauen. Eine fast schon absurde Szene ist jene in Chet Jacksons Büro, als ein Gangsterboss von Jackson verlangt, die Untreue seiner Ehefrau zu beenden, wolle er weiterhin im Geschäft bleiben.

Hat sich Spenser jetzt selbst zum Moralapostel ernannt, fragte ich mich. Doch dann tauchen doch noch diverse Leichen auf, und Spenser erledigt seine Arbeit: Er schnüffelt in der Vergangenheit von Beth Jackson nach. Sie kommt aus einem Kaff im Nirgendwo, wie so viele der Schauspielerinnen in den Spenser-Krimis – mehr Schein als Sein, gewissenlos, aber zielbewusst. Es ist im Grunde nur eine Frage der Zeit, weiß der Spenser-Kenner, bis ihr diese Skrupellosigkeit das Genick brechen wird. Nicht immer obsiegt die Gerechtigkeit in den Krimis, allenfalls der poetischen Gerechtigkeit wird Genüge getan.

Insgesamt also nicht der flotteste Spenser-Krimi, aber ein reifes Alterswerk. Dennoch ragt selbst ein mittelguter Parker immer noch weit über die Masse der Krimiliteratur weltweit hinaus.

Taschenbuch: 224 Seiten
Originaltitel: The Professional
ISBN-13: 9783865322586
http://www.pendragon.de

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) „Night Passage“
2) „Trouble in Paradise“
3) „Death in Paradise“
4) „Stone Cold“
5) „Sea Change“
6) „High Profile“
7) „Stranger in Paradise“
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Die „Spenser“-Reihe:

01 „The Godwulf Manuscript“
02 „God Save The Child“
03 „Mortal Stakes“
04 „Promised Land“
05 „The Judas Goat“
06 „Looking for Rachel Wallace“
07 „Early Autumn“
08 „A Savage Place“
09 „Ceremony“
10 „The Widening Gyre“
11 „Valediction“
12 „A Catskill Eagle“
13 „Taming a Sea-Horse“
14 „Pale Kings and Princes“
15 „Crismon Joy“
16 „Playmates“
17 „Stardust“
18 „Pastime“
19 „Double Deuce“
20 „Paper Doll“
21 „Walking Shadow“
22 „Thin Air“
24 „Small Vices“
25 „Sudden Mischief“
26 „Hush Money“
27 „Hugger Mugger“
28 „Potshot“
29 „Widow’s Walk“
30 „Back Story“
31 „Bad Business“
32 „Cold Service“
34 „Hundred Dollar Baby“
35 „Now and Then“
36 „Rough Weather“
37 „Chasing the Bear“
38 „The Professional“
39 „Painted Ladies“
40 „Sixkill“

Ed McBain – Schrot und Horn

Schrot und Horn Cover kleinEin Ehepaar wird geradezu in Stücke geschossen, eine Barfrau endet mit einem Messer in der Brust: Zwei scheinbar beliebige Fälle des 87. Polizeireviers entpuppen sich als Stationen eines Verbrechens, das einem neuen Höhepunkt entgegensteuert … – Zumindest in Deutschland gehört dieser 23. Band zu den weniger bekannten Romanen der berühmten McBain-Serie, was seiner realistischen Eindringlichkeit keinerlei Abbruch tut: ein zeitloser Lektüre-Genuss.
Ed McBain – Schrot und Horn weiterlesen

Parker, Robert B. – Trügerisches Bild. Ein Auftrag für Spenser

_Unter Kunstdieben – ein Fall für Spenser_

Der Kunstprofessor Dr. Ashton Prince braucht Spensers Hilfe. Ein wertvolles Gemälde wurde aus dem Hammond Museum gestohlen. Die Diebe fordern ein Lösegeld. Der Privatdetektiv soll den Kunsthistoriker bei der Geldübergabe beschützen. Doch hierbei läuft alles schief. Prince wird durch eine Explosion getötet und das kostbare Bild fällt den Flammen zum Opfer.

Spenser fühlt sich bei seiner Ehre gepackt. Er will den Fall aufklären – auch ohne Auftraggeber. Geht es hierbei nur um ein wertvolles Gemälde oder steckt noch viel mehr dahinter? Und welche Rolle spielt die Herzberg-Stiftung, die sich das Aufspüren von Nazi-Beutekunst auf die Fahnen geschrieben hat? (erweiterte Verlagsinfo)

Dies ist der letzte Spenser-Krimi, den Parker noch kurz vor seinem Tod vollendete.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der Spenser-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Die |Spenser|-Reihe bei Pendragon:

1) Trügerisches Bild
2) Die blonde Witwe
3) Der stille Schüler
4) Bitteres Ende
5) Hundert Dollar Baby
6) Der gute Terrorist
7) Alte Wunden

Kein Spenser-Krimi, aber dennoch ungemein spannend: „Wildnis“ (2012)

_Handlung_

Der Kunstprofessor Ashton Prince heuert Spenser an, um ihm dabei zu helfen, ein berühmtes gestohlenes Gemälde wiederzubeschaffen: einen alten holländischen Meister. Die Diebe fordern ein Lösegeld und Prince soll es übergeben. Spenser spielt bei der Übergabe praktisch nur den Leibwächter. Weil das nach einem einfachen Job aussieht, willigt er sofort ein.

Die Übergabe findet auf einer Autobahnbrücke statt. Weil Spenser darunter parken und nicht mitgehen soll, sieht er nicht, wie der Professor den Geldkoffer übergibt, auch nicht, an wen. Erst als Prince mit einem kleinformatigen, flachen Paket zurückkehrt, das das Gemälde sein könnte, sieht er ihn wieder. Da explodiert das Paket und zerfetzt den Mann. Spenser ist sauer: Er hat in seiner Aufgabe versagt, den Mann zu schützen. Deshalb betrachtet er es nun als seine Pflicht, dem Mord auf den Grund zu gehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Bild gehörte dem Hammond-Museum in Boston. Doch weder deren Präsident noch sein Anwalt Morton Lloyd wollen irgendwelche Auskünft erteilen. Und in der Versicherung der Uni arbeitet eine ehemalige FBI-Mitarbeiterin namens Winifred Minor. Auch sie hält sich bedeckt. Doch was für ein Zufall: Ihre Tochter Melissa studiert an der Waltham Universität, an der Ashton Prince lehrte. Und wie Melissas Kommilitoninnen tuscheln, war sie seine Geliebte. Ein paar Zufälle zu viel für Spensers Geschmack.

Die Frau des Professors, eine Dichterin, informiert ihn, dass Ashton Prince nicht der richtige Name des Professors war, sondern vielmehr Ascher Prinz lautete. Der Schürzenjäger des Waltham College war Jude, aber er schämte sich dieser Herkunft. Sein Vater Amos Prinz kam ins KZ Auschwitz. Dafür war Prince eine Koryphäe in Sachen alte holländische Meister und Fälschungen. Von einem Professor in New York City erfährt Spenser, dass Prince völlig unterbezahlt und überbeschäftigt war. Er hätte eine bessere Stellung haben können, warum blieb er dann an einem Provinz-College?

|Die Geschichte des Gemäldes|

Der New Yorker Professor erzählt Spenser die Geschichte des Gemäldes (und wie sich später herausstellt, hat Prince darüber seine Doktorarbeit geschrieben). Der holländische Maler Frans Hermenszoon starb mit 27 im 17. Jahrhundert und kreierte lediglich acht Bilder, wovon „Die Dame mit dem Fink“ das einzige war, das überlebte. Dementsprechend unersetzbar und wertvoll ist es. Nach zwei Jahrhunderten im Besitz der Familie wurde es an den Amsterdamer Kunsthändler Judah Herzberg verkauft.

Doch nach weiteren zwei Jahrhunderten wurden Herzberg und seine Familie 1940 von den Nazis deportiert und ins KZ Auschwitz gebracht, wo alle bis auf den neunjährigen Sohn Isaac umgebracht wurden. Er verschwand mit einem Freund namens Amos Prinz, dem Vater von Ascher Prinz alias Ashton Prince. Die Nazis hatten die reichhaltige Herzberg-Sammlung konfisziert. Aber die beiden holten das Bild aus seinem Versteck im Herzberg-Haus und verkauften es für einen Appel und ein Ei an einen unbekannten Kunsthändler in Rotterdam. Ende der vierziger Jahre tauchte es im Hammond Museum auf. Aber warum ausgerechnet dort?

|Anschlag|

Er lässt Staatsanwältin Rita Fiore Erkundigungen über Morton Lloyd einziehen. Etwas ist faul an diesem Mann, denn Lloyd war es, der Prince den Kontakt mit dem Hammond Museum vermittelte, um das gestohlene Bild wiederzubeschaffen – und so in Lebensgefahr brachte.

Spensers Nachdenken wird erheblich gestört, als zwei bewaffnete Söldner in seinem Büro auf ihn lauern. Nur sein treuer Hund Pearl warnt ihn vor den Eindringlingen. Nach einem Erkundungsgang schließt Spenser seine Bürotür vorsichtig auf, ohne einzutreten, und legt sich flach auf den Korridor davor.

Wie erwartet stürmen die Killer um sich schießend auf den Gang heraus, wo Spenser sie mit gezielten Schüssen ausschalten kann. Dass beide die gleiche eintätowierte KZ-Häftlingsnummer tragen, ist nicht gerade alltäglicher Anblick. Captain Healy von der Staatspolizei findet heraus, dass sie aus Holland kommen, der Heimat von Prinz und Herzberg – und des Bildes. Und die Häftlingsnummer war die, welche Judah Herzberg in Auschwitz tragen musste …

Der Mordanschlag involviert natürlich die Bostoner Polizei, doch Frank Belson macht ebenso wenig Schwierigkeiten wie Healy oder Belsons Chef Quirk. Allerdings bleibt es nicht bei diesem ersten Anschlag. Fortan lebt Spenser gefährlich – und seine Freundin Susan ebenfalls …

_Mein Eindruck_

Der Kunstmarkt ist auch nicht mehr das, was er mal war. Zumindest der für die Beutekunst, um die es im vorliegenden Spenser-Krimi geht. Denn das Bild „Dame mit Fink“ wurde von den Nazis geraubt und nach dem Krieg erst verkauft und dann den Amis übergeben. Oder auch nicht, aber mehr darf nicht verraten werden. In der Tat bleiben die Umstände der Verwicklungen von Ashton Prince, Ariel Herzberg und Anwalt Lloyd bis fast zum Finale im Dunkeln. Deshalb ist mal wieder gute alte Detektivarbeit angesagt, und Spenser erledigt sie wie stets mit großer Geduld und Hartnäckigkeit.

Dass sich ein amerikanischer Krimiautor überhaupt einmal mit dem Kunstmarkt beschäftigt, finde ich ja schon lobens- und bemerkenswert. Doch wenn Parker dies tut, weiß man, dass man etwas Besonderes erwarten darf. Nämlich nicht nur fundiertes Sachwissen, sondern auch ein menschliches Drama, das zunächst hinter dem Thema steht, dann aber im Finale den Ausschlag gibt. Schließlich drehen sich alle Geschichten, die es zu erzählen wert sind, nicht um Sachen, sondern um Menschen.

Der Roman ist für einen Parker-Krimi ungewöhnlich ernst und tragisch. Zwar versuchen Spenser und sein Kumpan Hawk wie immer, sie gegenseitig aufzuziehen, aber die Anschläge auf Spenser und die weiteren Leichen lassen auch Spenser das Lachen vergehen. Vielleicht liegt der Ernst des Tons daran, dass der Holocaust an den Juden, also die Konzentrationslager, ein zu ernstes und düsteres Element sind, als dass der Autor auf einer heiteren Note weitererzählen könnte. Zumal es bei der Beutekunst nicht nur um Menschenleben und Schicksale, sondern auch um viel Geld geht.

Die Figuren in diesem Roman verhalten sich nicht immer so, wie es sich Otto Normalbürger wünscht oder wenigstens vorstellt. Der Kunstsachverständige ist ein Betrüger, der Anwalt ein Schwindler und der Beutekunstjäger ein gemeiner Dieb. Aber auch die Ermittler haben keine weiße Weste. Winifred Minor war beim FBI, verliebte sich aber in den Kunstdieb – und ließ ihn nicht nur laufen, sondern half ihm sogar. Nicht ganz das Verhalten, das sich J. Edgar Hoover gewünscht hätte. Der Autor scheint sein Menschenbild weiterentwickelt zu haben: Es ist multidimensionaler geworden und lässt mehr Möglichkeiten als früher zu.

_Unterm Strich_

Wie so oft fängt Spensders neuer Fall ganz einfach an, entwickelt sich dann aber rasant zu einer Angelegenheit auf Leben und tod. Kunst killt, im wahrsten Sinne des Wortes. Während Spenser noch den Hintergrund seines Klienten prüft, ist der Gegner schon zwei Schritte weiter. Und als sich immer weitere Merkwürdigkeiten eröffnen, kristallisiert sich mit schauriger Gewissheit heraus, was der unbekannte Mörder wirklich vorhat – und dass Spenser dies unbedingt verhindern muss.

Der einzige Grund für Kritik ist der langsame Mittelteil und die Kompliziertheit des Plots. Diese Wertung ist jedoch höchst subjektiv, denn für manch anderen Leser liegt wahrscheinlich genau in dieser Unvorhersehbarkeit der Reiz eines guten Krimis. Also, jedem das Seine.

|Originaltitel: Painted Ladies, 2010
Aus dem US-Englischen von Frank Böhmert
ISBN-13: 978-3865322531|
http://www.pendragon.de

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836
[„Wilderness“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6956

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Die „Spenser“-Reihe:

01 [„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
02 [„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951
03 [„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
04 [„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
05 [„The Judas Goat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6953
06 [„Looking for Rachel Wallace“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6954
07 „Early Autumn“
08 „A Savage Place“
09 [„Ceremony“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6952
10 „The Widening Gyre“
11 „Valediction“
12 [„A Catskill Eagle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7066
13 [„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
14 „Pale Kings and Princes“
15 „Crismon Joy“
16 [„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
17 [„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
18 „Pastime“
19 „Double Deuce“
20 [„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
21 [„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
22 [„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
24 [„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
25 „Sudden Mischief“
26 „Hush Money“
27 „Hugger Mugger“
28 [„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
29 [„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
30 [„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
31 [„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
32 [„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
34 [„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
35 [„Now and Then“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7117
36 [„Rough Weather“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7118
37 [„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
38 [„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
39 [„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
40 [„Sixkill“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7320

Simmons, Dan – Eiskalt erwischt (Joe Kurtz 1)

_|Kurtz-|Trilogie_:

1) Eiskalt erwischt (Hardcase, 2001);
2) Bitterkalt (Hard Freeze, 2002);
3) Kalt wie Stahl (Hard as Nails, 2003)

_Der Detektiv zwischen allen Fronten: schlau und eiskalt_

Joe Kurtz ist ein entlassener Sträfling und ehemaliger Privatdetektiv, der versucht, ein halbwegs ehrliches Leben zu führen. Das ist aber in einer Stadt wie Buffalo im Bundesstaat New York gar nicht so einfach. Denn nur die Mafia kann Joe einen lukrativen Job geben. Und die hat bekanntlich eine Menge Feinde.

Dan Simmons ist bekannt geworden mit dem Horror-Roman „Sommer der Nacht“, der auch für „A Winter Haunting“ den Hintergrund bildet. Noch erfolgreicher wurde er allerdings mit Science-Fiction-Romanen: „Hyperion“ und „Hyperions Sturz“ sowie „Endymion“ und „Endymion – Die Auferstehung“ fanden ein großes Publikum. Diese Tradition setzte er im Herbst 2003 mit seinem Roman „Ilium“ fort, in dem griechische Götter eine wichtige Rolle spielen. (Die Fortsetzung trägt den Titel „Olympos“ und kommt Mitte 2005 auf den Markt.)

Außerdem ist Dan Simmons ein Verfasser exzellenter Kriminalthriller (z.B. „Darwin’s Blade/Schlangenhaupt“) und Kurzgeschichten (z. B. „Styx“ bei Heyne). Mit „Hardcase“ hat er eine Krimireihe um den „gefallenen“ Privatdetektiv Joe Kurtz gestartet, die mit „Hard Freeze“ und „Hard as Nails“ fortgesetzt wurde.

|Buffalo, N.Y.|

Simmons wuchs selbst in Buffalo, dem Schauplatz der drei Kurtz-Thriller, auf, bevor er 1974 nach Boulder in Colorado umzog. Buffalo, im Norden des Bundesstaates New York gelegen, eignet sich nicht von ungefähr hervorragend für die Serie. Die Stadt liegt an den Niagara-Fällen, einem mächtigen Symbol. Außerdem ist die kanadische Grenze gleich um die Ecke, was Buffalo für Drogen- und andere Schmuggler sehr interessant macht.

_Handlung_

Joe Kurtz ist ein harter Brocken. Er hat kein einfaches Leben als früherer Privatdetektiv und langjähriger Gefängnisinsasse, der sich nun mit einer Webfirma für Datenrecherche über Wasser halten will. Mittlerweile plagt ihn chronischer Geldmangel, und so nimmt er doch wieder einen Fall an.

Die Mafiafamilie der Farinos hat Joe durch deren Sprössling Steven kennengelernt, der von allen nur geringschätzig Little Skags genannt wird. Joe stellt sich bei Stevens Paps vor, dem Paten. Leider ist dieser Don schon über siebzig und seit einem Anschlag auch noch auf einen Rollstuhl angewiesen. Von seinen vier Kindern scheint nur die rassige Sophia seine Nachfolge antreten zu können. Sohn Nr. 2 hat bereits das Zeitliche gesegnet, und Tochter Nr. 2 hat sich in ein italienisches Kloster verabschiedet.

Don Farino hat ein kleines Problem mit seinem Buchhalter: Buell Richardson ist seit einer Woche verschwunden. Gründe und Verbleib sind unklar. Außerdem gibt es da noch ein weiteres „kleines Problem“ an der nahen Grenze zu Kanada: Farinos Schmuggeltransporte werden in letzter Zeit von Unbekannten angegriffen und geplündert. Joe würde sich gerne auch dieses Problems annehmen, gegen ein kleines Honorar, versteht sich. Das einzige Detail, das ihn beunruhigt, ist der Umstand, dass sich Farinos Anwalt Lawrence Miles vehement gegen Joe Kurtz‘ Verpflichtung einsetzt. Dieser Typ hat offenbar Dreck am Stecken.

Und ob! Kaum ist Kurtz aus dem Haus, trifft sich Miles mit einem Killer namens Malcolm Kibunte, der in Buffalo ein kleines Drogenimperium aufgebaut hat. Miles ahnt nicht, von wem die Drogen stammen, aber dieses Yaba, das Kibunte vertickt, ist verheerender für die Jugend in den Ghettos als Crack oder Crystal Meth. Und das will was heißen. Kibunte setzt sich mit einem durchgeknallten Albino mit dem sprechenden Namen „Cutter“ auf Kurtz‘ Fährte …

_Mein Eindruck_

Dies ist ein klassischer Hardboiled-Thriller, und zwar derart klassisch, dass man schon nach wenigen Seiten weiß, dass der Autor alles richtig macht. Sein Kniff besteht natürlich darin, die dadurch geweckten Erwartungen zu unterlaufen und am Schluss noch einen draufzusetzen, genau dann, wenn der Leser meint, erleichtert aufatmen zu können. Dann erwischt ihn die neueste Story-Wendung eiskalt und der Autor schleppt seinen Leser bis zum Abgrund …

|Die Schwächen des harten Helden|

Manchmal erinnert der schweigsame und kaltblütige Joe Kurtz an Mike Hammer, den ebenso kaltblütigen und gewaltbereiten Serienhelden, den Stacy Keach kongenial in den Detektivfilmen verkörperte. Dann aber erweist sich, dass Kurtz keineswegs aus Stein besteht, der die Schurken gnadenlos zur Strecke bringt, sondern dass er auch ein Herz besitzt – er kann es nur nicht zeigen.

So bangt er beispielsweise um seine zwölfjährige Tochter Rachel, die bei ihrem Stiefvater als Halbwaise aufwächst. Der Grund: Rachel hat vor elf Jahren, kurz bevor Joe in den Knast einfuhr, ihre Mutter Samantha verloren. Und Sammy war Joes geliebte Partnerin in dem gemeinsamen Detektivbüro. Joe tötete daraufhin den Killer Levine. Levines Bruder hat ihm seinerseits Rache geschworen.

Nun tut sich Joe mit Arlene, seiner früheren Sekretärin, zusammen und macht eine Agentur für die Internetsuche nach früheren Schulkameraden (besonders weiblichen) auf. Arlene kümmert sich fürsorglich um Joes Wohl, aber nicht im Bett. Um dieses Detail kümmert sich Farinos Tochter Sophia, wenn auch nur für eine Nacht.

Und Joe hat noch eine schwache Stelle: Er besucht regelmäßig die Stadtstreicher, wo sich ehemalige College-Professsoren bei eisiger Kälte um eine Feuerstelle kauern und sich lateinische und griechische Zitate um die Ohren hauen. Einer der beiden war sein geistiger Mentor. Der brachte ihn dazu, die Story über die Eroberung Trojas zu lesen. Und das zahlt sich bei Joes neuestem Auftrag aus.

|Comedy, Babe!|

Aber Malcolm Kibunte geht zu Plan B über und engagiert vier Neonazis aus Alabama, die Beagle Brothers, um Joe kaltzumachen. Dieser Abschnitt ist pure Komödie. Die vier Brüder, allesamt Ex-Knackis aus dem tiefsten Süden, sind völlig unterbelichtet und radebrechen ein schauderhaftes Kauderwelsch. Doch als Kibunte ihnen Knarren und Gadgets vom Feinsten und Modernsten („Laserscheiß, Mann!“) anbietet, wenn sie ihm „einen kleinen Gefallen“ täten, fangen sie an zu sabbern.

Als das Quartett dann mit Nachtsichtbrillen, Kevlarwesten und Maschinengewehren in dem verlassenen Lagerhaus, wo sich Joe häuslich eingerichtet hat, aufkreuzt, wird es bereits erwartet. Nun zeigt sich, wer über a) gesunden Menschenverstand und b) Kenntnisse in Kampftaktik verfügt. Als einer der Beagle Brothers meint, eine gigantische Fledermaus stürze sich aus dem sechsten Stockwerk auf ihn, bricht das Chaos aus.

Dies ist die vielleicht am filmischsten geratene und effektvollste Episode in einem von solchen Szenen vollen Thriller. Allerdings handelt es sich dabei doch nur um solides Handwerk, denn es mangelt doch ein wenig an Originalität. Ähnliche Szenen sind auch in „Hard Freeze“ zu finden.

|Vorbilder|

Auch eine andere Szene gemahnte mich an Vorbilder. In Robert Redfords Agententhriller „Die drei Tage des Kondor“ taucht Max von Sydow als ein schwedischer Auftragskiller auf. Er macht nur seinen Job, mehr nicht, je nachdem, wer ihn bezahlt. Bei Simmons heißt dieser ausländische Killer „Der Däne“. Er arbeitet im Auftrag der Farinos, aber nur bis zu einem gewissen Punkt, wie sich in einem immens spannenden Showdown zeigt.

Die Szene, als Arlene in ihrem Büro von einem verwundeten Killer gesucht wird und fummelnd zu einer unvertrauten Nachtsichtbrille greifen muss, erinnerte mich an den Showdown von „Das Schweigen der Lämmer“. Clarice Starling muss sich eines unsichtbaren Gegners erwehren, der den Vorteil hat, sie durch eine Nachtsichtbrille sehen und auf sie zielen zu können. Natürlich kennt auch Simmons diese Szene und unterläuft die Erwartungen des Lesers, indem er seine Szene ganz anders enden lässt.

_Unterm Strich_

Wer einen hammerharten Thriller ohne Faxen sucht, wird mit „Eiskalt erwischt“ kompetent bedient und bestens unterhalten. Wie in jedem Hardboiled-Thriller seit Dashiel Hammett und Mickey Spillane („Mike Hammer“) wird auch hier nicht lange philosophiert und gequasselt, sondern gehandelt. Wo gehobelt wird, fallen Späne, und wo wie hier grob gehobelt wird, fallen die Späne reihenweise. Dan Simmons ist ein erprobter und gewiefter Autor. Er kennt alle Tricks des Erzählens, und so ist auch „Eiskalt erwischt“ gespickt mit Überraschungen, die die Spannung gehörig anheizen.

Dass sich Simmons nach Themen aus dem Bereich des Futuristischen, Mystischen und Übernatürlichen nun dem Krimi zugewandt hat, tut dem Genre gut und nützt dem Leser. Das war schon in dem genialen „Schlangenhaupt“ festzustellen, das hoffentlich bald verfilmt wird. Zwar gehorchen im Vergleich dazu die Kurtz-Romane allen Vermarktungsregeln des Genres, doch hier und da blitzen typisch Simmons’sche Elemente auf, wie etwa philosophische Killer, diebische Mafiaprinzessinnen und als Penner lebende Princeton-Professoren.

Der ironische Humor ist extrem trocken und unterkühlt. Das dürfte so manchem Leser gar nicht auffallen, und wenn doch, muss es ihm nicht mal gefallen. Aber wie die Klingonen zu sagen pflegen: Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt serviert. Und wie die Klingonen taucht auch hoffentlich bald auch Joe Kurtz in einem Film auf. Das hat „Jack Reacher“ hat inzwischen auch geschafft – der kommt ab Januar in Gestalt von Tom Cruise in unsere Kinos.

Das Titelbild, das der Festa-Verlag hat anfertigen lassen, ist stilistisch an Comic Books angelehnt, wie mir scheint. Man hätte ja auch ein Foto von einem kalten Wintermorgen nehmen können. Der Tropfen Blut an Kurtz‘ Klinge sollte dem zartbesaiteten Leser zur Warnung dienen.

|Taschenbuch: 333 Seiten
Originaltitel: Hardcase (2001)
ISBN 978-3-86552-186-6|
http://www.festa-verlag.de

_Dan Simmons bei |Buchwurm.info|:_
[„Terror“ 4278
[„Ilium“ 346
[„Olympos“ 2255
[„Sommer der Nacht“ 2649
[„Im Auge des Winters“ 2956
[„Kinder der Nacht“ 4618
[„Lovedeath“ 2212
[„Die Feuer von Eden“ 1743
[„Das Schlangenhaupt“ 1011
[„Welten und Zeit genug“ 790
[„Endymion – Pforten der Zeit“ 651
[„Fiesta in Havanna“ 359
[„Hardcase“ 789
[„Hard Freeze“ 819
[„Hard as Nails“ 823
[„Drood“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5906

Brodrick, William – Schweigen des Mönchs, Das

_Die Pater-Anselm-Romane:_

(2003) Die sechste Klage |(The Sixth Lamentation)| – List TB 60610
(2006) Die Gärten der Toten |(The Gardens of the Dead)| – List TB 60820
(2008) Das Schweigen des Mönchs |(A Whispered Name)| – List TB 60996
(2011) |The Day of the Lie| (noch kein dt. Titel)

_Das geschieht:_

Herbert Moore, der mehr als ein halbes Jahrhundert dem Gilbertiner-Kloster Larkwood in der englischen Grafschaft Suffolk als Prior vorstand, hinterließ ein seltsames Erbe. Zwei Identifikationsmarken des Soldaten Owen Doyle aus dem Ersten Weltkrieg geben ein besonderes Rätsel auf: Sollte Doyle gefallen sein, hätte ein Kamerad mindestens eine dieser Marken als Beweis des Todes an den Vorgesetzten aushändigen müssen.

Noch merkwürdiger ist ein Brief, der Moore als Mitglied eines Generalfeldgerichts nennt, das im September des Jahres 1917 den irischen Freiwilligen Private Joseph Flanagan der Fahnenflucht schuldig sprach und damit zum Tode verurteilte. Der für seine Milde bekannte Prior lässt sich mit dem strengen Offizier der Northumberland Infantry nicht in Einklang bringen. Moores Nachfolger beauftragt deshalb den Mönch Anselm mit Nachforschungen.

Anselm war vor seinem Eintritt ins Kloster Jurist und kennt sich mit den Gepflogenheiten der Militärjustiz wenigstens ansatzweise aus. Ausgedehnte Archivforschungen vertiefen das Geheimnis: Die Akte Flanagan wurde offenkundig manipuliert und enthält keinen Hinweis auf ein tatsächlich vollstrecktes Todesurteil. Flanagan selbst war im Prozess der Lüge überführt worden. Er hatte sich nur zeitweise von seiner Truppe entfernt. Was er in diesen Stunden getan hatte, wollte er nicht aussagen, obwohl vor allem Moore ihn inständig um Aufklärung bat: In einem Krieg, der bereits Millionen Menschenleben gefordert hatte, wollte kein Soldat einen Kameraden hinrichten. Mildernde Umstände hätten Flanagan retten können.

Doch der Soldat schwieg. Die Erinnerung an dieses Ereignis begleitete und bedrückte Herbert Moore sein ganzes langes Leben. Anselm gelingt es beinahe ein Jahrhundert später, die spärlichen Hinweise zu bündeln und auszuwerten. Sie enthüllen ein Drama, dessen Ende wider Erwarten noch offen ist …

_Das beinahe vergessene nationale Trauma_

Am 25. Juli 2009 starb 38 Tage nach Vollendung seines 111ten Geburtstags Harry Patch. Er war der letzte noch lebende englische Soldat gewesen, der in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs (1914-1918) gekämpft hatte. Mit ihm verschwand der letzte Zeitzeuge, der aus erster Hand von den Schrecken dieses Krieges hatte berichten können, den man in England den „Großen Krieg“ nennt, weil er stärker als der IErsten Weltkrieg noch immer im kollektiven Gedächtnis verankert und Teil einer eigenen Erinnerungskultur geworden ist.

Von den 7,5 Mio. Soldaten, die für Großbritannien kämpften, fielen zwar ’nur‘ 850.000 im Gefecht (bei ca. 10 Mio. kriegstoten Soldaten insgesamt), doch diese Männer gehörten den jüngeren Generationen an, die demografisch fassbar deutlich ausgedünnt wurde. Die heimkehrenden Kämpfer hatten zwar überlebt, aber sie blieben nicht selten für den Rest ihres Lebens von ihren Erfahrungen gezeichnet. Auf Umwegen und in der Regel ungern erfuhren die Daheimgebliebenen von den unerhörten Schrecken eines Krieges, der als fröhlicher Waffengang begonnen hatte, um sich schon bald in ein Schlachtfest zu verwandeln.

Von der Nordsee bis in die Schweiz erstreckte sich ein bizarres System von Schützengräben, in denen sich die Gegner manchmal nur wenige Meter entfernt gegenüberlagen. Vier Kriegsjahre ging es weder voran noch zurück; erfolgreiche Vorstöße wurden unter großen Opfern erreicht, und meist musste das eroberte Terrain bald wieder aufgegeben werden. Nässe, Kälte, Schlamm, Läuse, Krankheiten: Selbst wenn nicht gekämpft wurde, starben die Soldaten.

Zu den körperlichen Strapazen kam der psychische Terror. Viele Männer hielten dem Druck nicht stand und verloren buchstäblich den Verstand. Den pragmatischen Militärs galten sie als ‚Feiglinge‘ und ‚Drückeberger‘, und auch in der Heimat wurden sie als Schwächlinge verachtet. Im Erholungsurlaub schwiegen auch jene, die es besser wussten, weil sie nicht über das erlebte Grauen sprechen konnten oder ihre Familien und Freunde erschrecken wollten. So blieb es nach Kriegsende. Erst Jahrzehnte später wurde der Ersten Weltkrieg nicht nur als Todesmühle, sondern auch als Trauma einer ganzen Generation begriffen.

|Großer Ehrgeiz, kleine Geschichte|

Dies ist das Fundament, auf dem William Brodrick den dritten Roman seiner Serie um den Ermittler-Mönch Anselm gründet. Damit tut er des Guten wahrscheinlich mehr als ein bisschen zu viel, denn obwohl „Das Schweigen des Mönchs“ wie vom Verfasser geplant über die eigentliche Handlung hinauswirkt, verheddert sich Brodrick in einem Thema, das ihm wichtiger als eine spannende Geschichte ist.

So werden jedenfalls jene Leser urteilen, die das Prädikat „Kriminalroman“, das dem Cover der deutschen Ausgabe aufgedruckt wurde, buchstäblicher definieren als der Verlag. Verständlicherweise drückt dieser sich davor, „Das Schweigen …“ als Historienroman zu präsentieren, der inhaltlich nicht nur um Begriffe wie Schuld und Sühne kreist, sondern sich auch darin erschöpft: Obwohl die Handlung über viele Kapitel im Ersten Weltkrieg spielt und entsprechende Szenen enthält, geht es Brodrick nur vorgeblich um ein klassisches Krimi-Rätsel und dessen von turbulenten Ereignissen begleitete Lösung.

In gewisser Weise wandelt Brodrick auf den Spuren von Gilbert Keith Chesterton (1874-1936). Dessen Father Brown war ebenfalls an den Motiven des Täters stärker interessiert als an der Aufklärung eines Kriminalfalls, die Brown nicht selten zur seelsorgerischen Betreuung geriet. Erst Kino und Fernsehen verdümmlichten Brown zum schlauköpfigen Pfäfflein, das mit frommem Augenaufschlag zum HERRN sowie zum ulkigen Ärger verknöcherter Vorgesetzten den Detektiv spielte.

|Im toten Winkel der Humanität|

Diese Klischees glänzen – und dieses Verb kommt hier mit Absicht zum Einsatz – bei Brodrick durch Abwesenheit. Es ist sogar der Prior, der Anselm in Marsch setzt, um Nachforschungen anzustellen, die mit ziemlicher Sicherheit aus kirchenpolitischer Sicht Unerfreuliches über den hochgeehrten Herbert Moore zu Tage bringen werden. Die Wahrheit steht über der Eitelkeit, so lautet eine der Lehren, die Brodrick nicht religionspädagogisch, sondern unaufdringlich einfließen lässt.

Selbstverständlich müssen Themen wie Schuld und Sühne einen Geistlichen besonders intensiv beschäftigen. Das Klosterleben ist in Larkwood zwar der Kontemplation gewidmet, doch die Mönche sind gestandene Männer, die oft auf ein weltliches Vorleben zurückblicken und folglich mit dem Profanen aber Menschlichem vertraut sind. Dies ermöglicht die ambivalente Betrachtungsweise einer ungesühnten Schuld, die womöglich gar keine Schuld ist.

Hier entwickelt „Das Schweigen des Mönchs“ jene Sogwirkung, die dieses Buch nach Ansicht der „Crime Writers‘ Association“ 2008 in den Rang des jahresbesten Kriminalromans erhob. Die Ereignisse von 1917 fallen in ein juristisches und moralisches Niemandsland. Brodrick gelingt es, den psychischen Aspekt dieser Ausnahmesituation plastisch darzustellen. Flanagan ist kein Deserteur, sein Tod bleibt ohne Abschreckungseffekt in einem Krieg, der zum industrieähnlichen Abschlachten verkommen ist. Dazu gehört eine Bürokratie, die sich unberührt vom Kriegsalltag verselbstständigt hat und Gnade nicht einmal für die eigenen Soldaten vorsieht.

|Täter & Opfer in einer Person|

Schicht um Schicht löst Brodrick die miteinander verbackenen Schichten aus Historie und Erinnerung, Wahrheit und Täuschung. Dieser Prozess benötigt Zeit, die der Verfasser sich nimmt und nutzt, die eigene Problematik einer solchen Untersuchung zu verdeutlichen: Die Grenzen sind über viele Jahrzehnte beinahe unkenntlich verwischt. Der Fall des Soldaten Flanagan, der einmal das Richtige tun wollte und dadurch erst recht Freunde und Kameraden in bittere Gewissensnöte brachte, steht für viele ähnliche Vorfälle, wie Brodrick in einem Nachwort kurz erläutert.

Folgerichtig ist die Auflösung des eigentlichen Rätsels kein finaler Höhepunkt, sondern wirkt in dieser Geschichte eher wie eine Pflichtschuld, die dem Krimi-Genre erbracht wird. An der Ungeheuerlichkeit einer weitgehend verdrängten aber von den Zeitgenossen nie wirklich bewältigten Vergangenheit ändert sich dadurch nichts. Dies ist die Summe unzähliger Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die das Format (aber auch das Korsett) des üblichen Kriminalromans sprengen.

_Autor_

William Brodrick wurde 1960 in Bolton in der englischen Grafschaft Lancashire geboren. 1971 emigrierte die Familie nach Kanada, zog später ins australische Queensland und kehrte schließlich nach England zurück.

Bereits in Kanada hatte sich Brodrick intensiv mit dem katholischen Glauben beschäftigt. 1979 trat er dem Augustinerorden bei, wurde Novize in einer Abtei im irischen Dublin und später in eine Pfarrei in London versetzt. Hier studierte Brodrick Philosophie und Theologie.

Dem abgeschiedenen Mönchsdasein zog er auf Dauer die Arbeit für bedürftige Menschen vor. 1985 verließ Brodrick den Orden kurz vor dem Ablegen der Ewigen Gelübte und kümmerte sich um Obdachlose. Außerdem studierte er Jura, ließ sich 1991 als Rechtsanwalt nieder, heiratete und gründete eine Familie.

Seinen ersten Roman veröffentlichte Brodrick 2003. „The Sixth Lamentation“ (dt. „Die sechste Klage“) war gleichzeitig der erste Fall des Mönches Anselm, der anders als sein geistiger Vater Rechtsanwalt war und erst später Mönch geworden ist. Die kontinuierlich fortgesetzte Reihe profitiert von Brodricks juristischen Kenntnissen ebenso wie von seinen Erfahrungen als Mönch. Für „A Whispered Name“ (dt. „Das Schweigen des Mönchs“), den dritten Anselm-Roman, wurde der Autor von der britischen „Crime Writers‘ Association“ (CWA) 2009 mit einem „Gold Dagger Award“ für den besten englischsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet.

|Taschenbuch: 430 Seiten
Originaltitel: A Whispered Name (London : Little, Brown Book Group 2008)
Übersetzung: Ulrike Bischoff
ISBN-13: 978-3-548-60996-6|
http://www.ullsteinbuchverlage.de

Fielding, Joy – Herz des Bösen, Das

Sie wird einfach nicht müde. Auch mit 67 Jahren gehört Joy Fielding immer noch zu den festen Größen im Thriller/Drama-Genre. Immer noch erschafft sie zumeist weibliche Hauptcharaktere, die von der Persönlichkeit her kompliziert, vielschichtig und glaubhaft sind. In diesem Bereich macht der guten Frau niemand was vor.

Valerie Rowe, Hauptcharakter des neuen Werks von Joy Fielding, hängt der guten alten Zeit mit ihrem Ex-Mann hinterher und muss sich mit ihrer Tochter im Teenageralter herumschlagen (Technik, Jungs; Valerie steckt noch in den 70ies fest und hat ihre festen, ganz eigenen Ansichten). Das gipfelt in einem Ausflug mit Ex-Mann, seiner Geliebten und Vals Tochter. Ein Wochenende in dem Waldgebiet, in dem vor kurzem ein grausamer Mord die Bevölkerung erschüttert hat.

„Das Herz des Bösen“ zeichnet sich, wie schon „Schlafe nicht, wenn es dunkel wird“, abgesehen von der fehlenden Logik, durch einen trickreichen Hauptcharakter aus, der die Geschichte trägt, den Leser an die Hand nimmt und durch ihre Erlebnisse führt. Valerie ist tiefsinnig, vielschichtig und Joy Fielding lässt uns, wie gehabt, an der Denkweise ihrer Hauptperson teilhaben. Dabei fällt Val aber für Fielding’sche Verhältnisse ungewohnt naiv aus. Intelligent ist sie, keine Frage, aber ihre Gedanken kreisen zu sehr um Vergangenes. Rückblicke sind interessant, wenn sie den Charakteren mehr Tiefe und Leben verleihen. Die Rückblicke und Erinnerungen in „Das Herz des Bösen“ drehen sich aber in der Regel um Unwichtiges, um Sachen, die man aus dem normalen Handlungsverlauf erschließen kann. Und wenn dann zum gefühlt hundertsten Mal Bezug auf ihre frühere Ehe genommen wird, dann ist das einfach zu viel des Guten.

Aber der aktuelle Roman ist auch eine ganze Ecke spannender geworden. Sie bewegt sich zwar nicht mehr auf dem Niveau ihres absoluten Bestsellers „Lauf, Jane, lauf!“, aber Dramatik und Spannung haben doch deutlich zugenommen. Das macht irgendwo auch den Reiz ihrer Bücher aus – die weiblichen, immer leicht unterschiedlichen, aber im Grunde sympathischen Hauptpersonen, gemischt mit einer kriminellen Spannung und nahezu aus dem Nichts auftretender Gewalt. Nicht exzessiv, wie beispielsweise in dem umstrittenen Roman [„American Psycho“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=764 (jedoch ähnlich in ihrer Spontaneität), aber ausreichend, um den letzten Satz ungläubig noch einmal zu lesen.

Gelungen ist neben dem recht flotten, nachvollziehbaren Finale und dem Ergebnis dessen, was sich da aufgebaut hat, auch die Einleitung, der Prolog. Der gibt auch schon einen tollen Ausblick auf die Art und Weise, wie Joy Fielding die Geschichte von „Das Herz des Bösen“ erzählt (Stichwort: plötzliche Gewalt). Das Tempo wechselt insgesamt recht oft zwischen flotter Action (immer im Rahmen eines Joy-Fielding-Romans; dies ist kein Buch, in dem actionreiche Handlungen im Vordergrund stehen) und viel Handlung in kurzer Zeit und schier endloser Charakterporträtierungen.

Leider fällt die Übersetzung gelegentlich negativ auf. Der Satzbau wirkt stellenweise eins-zu-eins aus dem Englischen übernommen, ohne ihn wirklich unserer Grammatik und unserem Satzbau anzupassen. Selten sind auch einfach Fehler in der direkten Wortübersetzung vorhanden. Das trübt den insgesamt doch zufriedenstellenden Lesefluss ein wenig.

„Das Herz Des Bösen“ ist ein gutklassiker Joy-Fielding-Roman geworden. Die Handlung ist etwas fieser als in den vorherigen Werken, Valerie ist eine teils sentimental naive, teils interessante, aber nie zu humorvolle Hauptperson, Nebencharaktere besitzen den richtige Grad an Hintergrundgeschichte und fügen sich besser als in vergleichbaren Werken in die Handlung ein, harmonieren wundervoll miteinander, und spannend ist das Paket auch noch. Nicht ihr bestes Werk, aber auf einem sehr guten Weg, zu ihrer alten Stärke zu finden. Ideal für den dunklen Winter oder für abends im spärlich beleuchteten Schlafzimmer.

Originaltitel: Shadow Creek
Übersetzung: Kristian Lutze
Gebundene Ausgabe, 384 Seiten
ISBN-13: 978-3-442-31270-2
http://www.randomhouse.de/goldmann/

_Joy Fielding auf |Buchwurm.info|:_
[„Schlaf nicht, wenn es dunkel wird“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=556
[„Träum süß, mein Mädchen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4396
[„Nur der Tod kann dich retten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4933
[„Die Katze“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5789

_Dennis Hogrefe_

Agatha Christie – Tragödie in drei Akten / Nikotin [Hercule Poirot 16]

Der scheinbar zufällige Tod eines Geistlichen erweist sich als Glied einer komplex verschlungenen Kette krimineller Taten, mit der einer alten Tragödie mörderisch neues Leben eingehaucht wird … – Im 16. Roman um den Privatermittler Hercule Poirot zeigt sich Agatha Christie auf der Höhe ihrer Krimi-Kunst: Plot, Story und Figurenzeichnung wirken nicht altmodisch, sondern zeitlos. 
Agatha Christie – Tragödie in drei Akten / Nikotin [Hercule Poirot 16] weiterlesen

M. C. Bolin – Staatsfeind Nr. 1. Roman zum Film

Im Spinnennetz der Überwacher

Robert Clayton Dean, ein junger Staranwalt in Washington D.C., gerät ahnungslos in den Besitz eines Videos, das einen Top-Beamten des mächtigen US-Geheimdienstes NSA mit einem politischen Mord in Verbindung bringt. Ohne Motive oder Hintergründe zu kennen, gerät der Jurist plötzlich in das Visier skrupelloser NSA-Agenten, die mit allen Mitteln modernster High-Tech-Überwachung sein Leben zerstören. Dean verliert seinen Job, seine Frau und seinen guten Ruf: seine gesamte Identität.

M. C. Bolin – Staatsfeind Nr. 1. Roman zum Film weiterlesen

Smith, Roger – Blutiges Erwachen

_Liebe, Drogen, Chaos: Showdown in Kapstadt_

Es ist Sommer in Kapstadt. Nach einem Überfall vor ihrer Haustür nutzt ein amerikanisches Ex-Model die Gelegenheit, ihren verhassten Mann loszuwerden und erschießt ihn kaltblütig. Dadurch gerät sie jedoch ins Fadenkreuz rivalisierender Gangs. Dies ist der Auslöser für eine brutale Irrfahrt durch die Ghettos von Kapstadt eine gnadenlose Welt aus Fressen und Gefressenwerden. (Deutsche Verlagsinfo von HEYNE)

_Der Autor_

Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Während der südafrikanischen Apartheitsjahre gründete er ein politisches, hautfarbenübergreifendes Künstlerkollektiv. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Smith lebt in Kapstadt. (Verlagsinfo)

_Handlung_

Es ist wieder mal eine heiße Nacht in Kapstadt. Das amerikanische Ex-Model Roxy Palmer sitzt mit ihrem Gatten, dem südafrikanischen Waffenschmuggler Joe Palmer, in einem schicken Restaurant. Sie weiß zufällig, dass sein aktueller Geschäftspartner ein Kannibale ist. Dennoch wahrt der Schwarze aus dem Kongo die feinen Manieren eines Zivilisierten – bis er in den Dschungelkrieg zurückkehrt.

Als Roxy und Joe wieder in ihrem schicken deutschen Luxusauto zu ihrem Haus an den Hängen über der Stadt zurückkehren, werden sie von zwei Schwarzen verfolgt, die aus der Siedlung Cape Flats kommen. Es sind Godwynn, der Anführer, und Disco, ein hübscher Exhäftling und Meth-Junkie. Disco wird bereits im Gefängnis dringend von seinem Bandenchef und Lover Piper vermisst. Disco glaubt, einer der beiden Chefs von Cape Flats, Manson, habe Goddy beauftragt, den Benz der Palmers zu stehlen. Doch Goddy dreht sein Ding auf eigene Rechnung.

Der Überfall geht schnell und effizient vonstatten: Die beiden Insassen vor dem Gittertor ihrer Nobelhütte abzupassen und zu bedrohen, ist ein Klacks, denkt Goddy. Die Frau sieht zum Anbeißen aus, findet Disco, aber Goddy hat Schwierigkeiten: Er muss Joe, der sich wehrt, zu Boden schlagen. Dann rasen sie mit dem geklauten Benz und ihrem eigenen Auto von dannen.

Was sie erst am nächsten Tag mitbekommen: Es hat dabei einen Toten gegeben. Wie kann das sein? Sie ahnen nicht, dass Roxy die Gunst der Stunde ergriffen hat, um mit dem prügelnden Tyrannen an ihrer Seite abzurechnen, wegen dessen Brutalität sie ihr ungeborenes Baby verlor. Mit seiner eigenen Waffe hat sie ihm ein drittes Auge in die Stirn gestanzt. Eine Augenblicksentscheidung. Sie warf die Pistole den Hang hinunter in die Büsche. Joe wurde offiziell natürlich von den Räubern getötet. Am nächsten Tag holt die Polizei sie ab, um ihre Aussage aufzunehmen.

Was Roxy nicht ahnt: Joe hat einem seiner Söldner, die für ihn im Irak gekämpft haben, den Lohn geschuldet. Nun kommt Billy Afrika zurück nach Cape Flats, um seine Frau Barbara und seine Tochter zu besuchen. Die wollen ihn nicht hier haben. Er findet heraus, dass all der Lohn, den er Barbara geschickt hat, an den Bandenchef Manson gegangen ist. Mit dem kann er sich nicht anlegen.

Aber Billy weiß, wo er noch Geld zu bekommen hat: bei Joe Palmer. Doch als er dessen Haus betritt, das seltsamerweise nicht abgesperrt ist, findet er eine gefesselte und verängstigte Roxy Palmer in einer ausgeraubten Wohnung vor …

_Mein Eindruck_

„Wake up dead/Blutiges Erwachen“ ist ebenso ein Thriller wie ein Gesellschaftsporträt des heutigen Südafrika. Die Befreiung von der Apartheid ist nur scheinbar gelungen. Noch immer leben in Kapstadt die Schwarzen und Ärmsten unten in den sandigen, windigen Cape Flats, während es sich ob in den sonnigen Hügeln die weißen Reichen gutgehen lassen.

Verbrechen und Korruption blühen allenthalben. Die Cops werden von den Gangstern geschmiert, und die Gangster verhökern zwölfjährigen Teeniegirls ihre Drogen. Komplette Drogenküchen zur Produktion von Methamphetamin stehen in den Flats, unbehelligt von ernsthaften Kontrollen, und wenn kontrolliert wird, dann nur zum Schein. Und um die Drogen bezahlen zu können, gehen die Mädchen schon mit zwölf oder 13 auf den Strich. Spätestens mit 20 geben sie den Löffel ab.

Drinnen im Gefängnis von Pollsmoor herrscht hingegen strenge Hierarchie. Piper („der Schlitzer“) ist der „General“, der über alle Angehörigen der Gang 28 den Befehl führt. Wie beim Militär müssen Frischlinge erst eine Mutprobe bestehen, bevor sie aufgenommen werden oder im Rang aufsteigen können. Und die Mutprobe besteht meist in einem Mord. Waffen sind meist zugefeilte Löffel. Die Wärter sind Teil der Hierarchie und versorgen den „General“ mit allem, was er braucht: Tabak, Meth und Lovern.

Doch Piper vermisst seine „Frau“, nämlich Disco. Der vorbereitete Ausbruch setzt eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang, die unausweichlich zur finalen Auseinandersetzung zwischen Piper und seinem ehemaligen Opfer Billy Afrika führt. Disco und Roxy spielen dabei eine Nebenrolle: Piper will Disco, und Billy will Roxy.

Und Roxy will den Geldkoffer, den der „Kannibale“ in Joes Mercedes gelegt hat, eine Viertelmillion Rand. Genug für einen Neustart, findet sie, mit dem Jungen, den sie bei den Auseinandersetzungen mit Piper und Disco, die sie als Köder für Billy Afrika benutzen, sozusagen geerbt hat. Der Junge ist der Sohn des einzigen nicht korrupten Polizisten in der ganzen Handlung. Doch dieser kommt leider Piper in die Quere.

Doch es gibt zahlreiche Zufälle in Kapstadt, die den Verlauf dieser Konfrontation unvorhersehbar machen. Da ist Manson, der sich Billy Afrika schnappt. Dann bricht ein Bandenkrieg zwischen Manson und der Gang der 26 aus. Schließlich mischen sich auch noch die ukrainische Freundin des „Kannibalen“ und eine Blondinenmörderin ein. Der Autor hat die Rolle des Zufalls und des Faktors X deutlich erkannt. Daher sollte sich der Leser davor hüten anzunehmen, er kenne bereits den Ausgang der Handlung.

_Die Übersetzung _

Ich konnte keine Fehler in der deutschen Übersetzung, die für den Tropen-Verlag (bei Klett-Cotta) angefertigt wurde, finden. Die beiden Übersetzer (s. u.) haben auch die sprachlichen Unterschiede, die zwischen Schwarzen und Weißen in der Handlung bestehen, mit großer Detailtreue und adäquat in deutsche Ausdrucksweise übertragen. Disco und Goddy etwa radebrechen einen Slang, wohingegen Roxy und Joe sich deutlich gediegener ausdrücken.

Das Titelbild der deutschen Ausgabe zeigt ein OKAPI-Klappmesser, wie es in der Handlung von Piper vielfach als Mordwerkzeug eingesetzt wird. Es wird ausschließlich in Südafrika produziert. Daher finde ich dieses Motiv äußerst passend. Durch eine spezielle Drucktechnik wird beinahe ein dreidimensionaler Effekt erzielt, der die Chrom- und Stahlteile des Messers noch plastischer hervortreten lässt.

_Unterm Strich_

Der „Body count“ ist ziemlich hoch in diesem Südafrika-Thriller, und der Leser sollte sich auf blutigste und brutalste Szenen gefasst machen. Der Faktor Zufall führt auch zu Szenen bizarrer Konfrontationen und Schüssen aus dem scheinbaren Nichts, die wiederum merkwürdige Folgen haben.

Keiner der Handlungsstränge ist daher vorhersehbar. Deshalb muss sich der Leser entscheiden: Findet er diesen Erzählstil spannend – oder einfach nur beliebig. Ich habe mich fürs Urteil „spannend“ entschieden und es nicht bereut: Die zweite Hälfte habe ich in einer einzigen Sitzung „verschlungen“.

|Taschenbuch: 368 Seiten
Originaltitel: Wake up dead, 2010
Tropen-Verlag, Klett-Cotta, 2010; Heyne, München, 2011
Übersetzt aus dem südafrikanischen Englisch von Jürgen Bürger und Peter Torberg
ISBN-13: 978-3453435650|
http://www.heyne.de

Craig Rice – Mord im Gerichtshof

rice-mord-im-gerichtshof-cover-1981-kleinIn einer abgelegenen Kleinstadt gerät ein Urlauber-Paar in einer Mordserie; während die örtliche Polizei gern auf die beiden Sündenböcke zurückgreifen würde, nimmt Privatdetektiv Malone auf solche Befindlichkeiten keine Rücksicht … – Band 5 der erfolgreichen Serie um John J. Malone ist unterhaltsam verworren und karikiert das US-Provinzleben im Stil der zeitgenössischen „Screwball“-Komödien: lesenswert.
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Child, Lee – Underground (Jack Reacher 13)

_Die |Jack Reacher|-Romane:_

Band 1: „Größenwahn“
Band 2: [„Ausgeliefert]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=905
Band 3: [„Sein wahres Gesicht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2984
Band 4: [„Zeit der Rache“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=906
Band 5: [„In letzter Sekunde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=830
Band 6: „Tödliche Absicht“
Band 7: [„Der Janusmann“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3496
Band 8: [„Die Abschussliste“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4692
Band 9: [„Sniper“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5420
Band 10: [„Way Out“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5893
Band 11: [„Trouble“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6756
Band 12: [„Outlaw“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7640
Band 13: _“Underground“_

_Das geschieht:_

Auf seinem unendlichen und ziellosen Streifzug durch die USA ist Jack Reacher, ehemaliger Militärpolizist, aktuell in New York City. Als er in der U-Bahn sitzt, fällt ihm eine Frau auf, die alle Profilanforderungen einer Selbstmord-Attentäterin erfüllt. Reacher will sie aufhalten, doch in der Tasche von Susan Mark ist keine Bombe, sondern eine Pistole, mit der sie sich in den Kopf schießt.

Reacher fühlt sich für diesen Selbstmord mitverantwortlich. Außerdem wird er provoziert: Da Susan Marks eine Zivilangestellte des Pentagons war, nehmen ihn arrogante Bundesagenten in die Mangel; sie wollen feststellen, ob Marks, die geheime Dateien aus dem Verteidigungsministerium kopiert hat und deshalb unter Beobachtung stand, ihm eine Abschiedsbotschaft oder gar eine Kopie zukommen ließ. Wenig später stellen vier private aber ebenfalls unfreundliche Sicherheitsleute im Auftrag eines unbekannten Auftraggebers ähnliche Fragen.

Statt die Sache auf sich beruhen zu lassen, wird Reachers Neugier geweckt. Einige unvorsichtige Bemerkungen haben ihn auf die Spur des ehemaligen Elitesoldaten John Sanson gebracht, der nun im Kongress sitzt und sich um einen Senatoren-Posten bewirbt. Reacher nutzt seine Kenntnisse über den militärischen Verwaltungsapparat und findet heraus, dass Sanson vor beinahe drei Jahrzehnten an einer Geheimmission in Afghanistan teilnahm, die aus heutiger Sicht politisch absolut unkorrekt war.

Der Auftraggeber der Sicherheitsleute (s. o.) offenbart sich: Die ehemalige sowjetische Politkommissarin Swetlana Hoth und ihre Tochter Lila suchen nach einem US-Soldaten, der einst der Mutter das Leben gerettet hat. Für Reacher klingt dies allzu fantastisch. Er ermittelt weiter – und erregt den Zorn der US-Heimatschutzbehörde, die ihn als ‚Staatsfeind‘ verschwinden lassen will. Aber Reacher lässt nicht locker. Er ist einer Verschwörung auf der Spur, die zu Al-Qaida führt, wo man diese Verbindung um wirklich jeden Preis gekappt sehen will …

_Hässliche neue Welt_

Seit 1997 ist Jack Reacher unterwegs. Er hat sich aus einem System ausgeklinkt, das keine Verwendung mehr für ihn und sein besonderes Talent hatte: Reacher ist ein ausgezeichneter Ermittler, der Indizien sichern, erkennen und miteinander verknüpfen kann. Schon während er noch seinen Dienst als Militärpolizist leistete, erregte er den Widerwillen besagten Systems, weil ihm Ergebnisse über die Vorschriften gingen.

Als Privatmann hat Reacher seinen Job nur offiziell aufgegeben. Nach eigener Auskunft reist er durch die Vereinigten Staaten, um sich das Land anzuschauen. Tatsächlich ist er jedoch nicht |“heute hier, morgen dort“| – |“here today, gone tomorrow“|, wie es der Originaltitel andeutet. Stattdessen wartet er auf Kriminalfälle, die einen klugen Kopf über starken Schultern erfordern. Reacher schaut nicht weg, sondern mischt sich ein, wenn er Zeuge von Verstößen wird, der sich – in dieser Reihenfolge – gegen das Menschenrecht, seinen Ehrenkodex und das Gesetz richtet, wie er es definiert.

Damit exponiert sich Reacher nicht nur gegen ohnehin kriminelle Zeitgenossen, sondern auch gegen die etablierten Vertreter von Recht und Ordnung. Hier stellt Autor Lee Child seit einiger Zeit eine unheilvolle Veränderung fest, die er an einem Datum festmachen kann: Die Ereignisse des 11.09.2001 bzw. „Nine-Eleven“ brachten nicht nur den Terrorismus ganz großen Stils in die USA, sondern führten auch zu einer ‚legalen‘ Aufweichung der Menschenrechte. Der „patriot act“ gestattet Geheimdiensten und Bundesbehörden einen vom Gesetz normalerweise so nicht gestatteten Zugriff auf verdächtige Personen: Sie KÖNNTEN Terroristen sein bzw. mit Terroristen zusammenarbeiten und dürfen deshalb nicht nur aus dem Verkehr gezogen, sondern auch einem ‚verschärften‘ Verhör unterworfen werden.

|Die neue Dimension des Terrors|

Als Ergebnis sieht Child zwei gleichermaßen gefährliche Phänomene: Auf der einen Seite ist der globale Terror weiterhin akut, während auf der anderen Seite entfesselte Terrorjäger Gesetz und Menschenrechte aushebeln können, dies auch tun und weitere Privilegien fordern. Deshalb kämpft Reacher nicht nur gegen al-Qaida, sondern auch gegen jene, die auf seiner Seite stehen müssten.

Natürlich ist Reacher ein Vigilant, dessen Gerechtigkeitstrip selbst gegen fixiertes Recht verstößt. Da er der Held einer Serie unterhaltender Thriller ist, kann ihm das nicht vorgeworfen werden. Child nutzt jedoch die Chance, auf die moralische Schieflage hinzuweisen, in welche US-Politik und -Justiz geraten sind, indem er die Folgen in seine Geschichte einfließen lässt. Das Ergebnis ist mindestens so beängstigend wie der simple Kampf gegen eine Horde messerschwingender Meuchelmörder: Der Staat führt Krieg gegen seine eigenen Bürger. Sie werden in „Underground“ von den Polizeibeamten Jacob Mark und Theresa Lee verkörpert, die anders als Reacher nach den Regeln spielen und trotzdem in die Mühlen einer außerhalb geregelter Kontrollen agierenden ‚Schutzbehörde‘ geraten.

Das Prädikat „politisch korrekt“ kann „Underground“ also nicht für sich beanspruchen – dies auch deshalb, weil Child über Reacher Farbe bekennt: Die Schuld für die beschriebene Barbarisierung liegt für ihn letztlich bei den Strippenziehern des Terrors, hier also al-Qaida. Letztlich verhält sich Reacher wie eine Kampfdrohne ohne Fernsteuerung: Im großen Finale rottet er die Terroristenbrut aus, weil nur dies gerechte Strafe, Warnung und Verhütung künftigen Unheils gewährleistet.

|Spannungsschraube mit vielen Windungen|

Bis es soweit ist, wird der Leser auf manche falsche Spur geführt. Ausgewiesene Twist-Spezialisten wie Jeffery Deaver müssten angesichts der Leichtigkeit, mit der Child nicht einmal oder zweimal, sondern immer wieder die Handlungsachse in andere Richtungen biegt, eigentlich vor Scham in den Boden versinken. „Underground“ bietet keineswegs ’nur‘ Action der glaubwürdigen Art, sondern kann auch als Rätsel-Krimi bestehen. Worum es in dieser Geschichte geht, bleibt nach dem Willen des Verfassers bis zuletzt offen. Der Leser nimmt es mit der gewünschten Reaktion – fieberhafte Neugier – wahr und lässt sich gern von Childs an der Nase herumführen (auch wenn es heißt, zügig den Anschluss zu halten, um das Riechorgan vor aus Rasanz geborenen Dehnstreifen zu bewahren).

Die Action der Reacher-Romane ist eine Lektion in Sachen erwartungsvoller Spannung. Vorzugsweise gerät unser Held dort in die Bredouille, wo das Gelände übersichtlich oder sogar leer wirkt: eine U-Bahnstation, eine Nebenstraße, ein Kellerraum. Sorgfältig listet Child auf, was sich dort befindet und aus welchem Material es besteht. Solche Informationen sind wichtig, denn es verschärft die Frage, wie sich Reacher aus dieser hoffnungslosen Situation herauswinden wird.

Es gelingt ihm, weil er ein Profi ist, der anders als der Normalbürger die Möglichkeiten erkennt, die ein simples Stück Holz, ein Sack voller Müll oder ein Gummischuh bergen. Reacher beobachtet, ordnet ein, zieht Schlüsse, trifft Entscheidungen, kalkuliert Probleme ein. Die Konsequenz, mit der Child die in Worte fasst, mildert angenehm das Klischee von Reacher, dem Supermann, der zwar zeitweilig aufgehalten aber nie ausgeschaltet werden kann. Stattdessen ist der Leser bereit zu glauben, dass Reachers Fähigkeiten auf guter Ausbildung, Intelligenz und Wachsamkeit beruhen.

Tatsächlich ist dies eine (Selbst-) Täuschung. Ein Einzelkämpfer wie Reacher ist eine Wunsch- (bzw. Albtraum) Gestalt. Hin und wieder wird deutlich, dass sich die Bewohner seiner Welt wie auf Schienen bewegen. Er kann ihre Handlungen ein wenig zu deutlich und zuverlässig vorausahnen – das Privileg des Serienhelden, der für seine spannenden Taten mehr geliebt wird als für die Wahrung der Realität, die bekanntlich stets für böse Überraschungen gut ist. Lee Child hält in seinem 13. Reacher-Abenteuer die Zügel (wieder) fest in der Hand. Durchhänger, Seifenoper-Einschübe oder Tritte auf die Handlungsbremse gibt es nicht, was sich kurz & bündig so zusammenfassen lässt: Reacher bürgt weiterhin für Lektüre-Spaß.

_Autor_

Lee Child wurde 1954 im englischen Coventry geboren. Nach zwanzig Jahren Fernseh-Fron (in denen er u. a. hochklassige Thriller-Serien wie „Prime Suspect“/“Heißer Verdacht“ oder „Cracker“/“Ein Fall für Fitz“) betreute, wurde er 1995 wie sein späterer Serienheld Reacher ‚freigestellt‘.

Seine Erfahrungen im Thriller-Gewerbe, gedachte Child nun selbstständig zu nutzen. Die angestrebte Karriere als Schriftsteller ging er generalstabsmäßig an. Schreiben wollte er für ein möglichst großes Publikum, und das sitzt in den USA. Ausgedehnte Reisen hatten ihn mit Land und Leuten bekannt gemacht, sodass die Rechnung schon mit dem Erstling „Killing Floor“ (1997, dt. „Größenwahn“ aufging. 1998 ließ sich Child in seiner neuen Wahlheimat nieder und legt seither mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks in jedem Jahr ein neues Reacher-Abenteuer vor; zehn sollten es ursprünglich werden, doch zur Freude seiner Leser ließ der anhaltende Erfolg Child von diesem Plan Abstand nehmen.

Man muss die Serie übrigens nicht unbedingt in der Reihenfolge des Erscheinens lesen. Zwar gibt es einen chronologischen Faden, doch der ist von Child so konzipiert, dass er sich problemlos ignorieren lässt. Jack Reacher beginnt in jedem Roman der Serie praktisch wieder bei null.

|Gebunden: 446 Seiten
Originaltitel: Gone Tomorrow (London : Bantam Press 2009)
Übersetzung: Wulf Bergner
ISBN-13: 978-3-7645-0368-0|
http://www.leechild.com
http://www.randhomhouse.de/blanvalet

|eBook: 714 KB
ISBN-13: 978-3-641-06115-9

Hörbuch: 433 min. (6 Audio-CDs, gekürzte Lesung)
Gelesen von Frank Schaff
ISBN: 978-3-8371-1596-3|
http://www.randomhouse.de/Hoerbuch

|Hörbuch-Download: 798 min. (ungekürzte Lesung)
Gelesen von Frank Schaff
ISBN-13: 978-3-8371-1618-2

Hörbuch-Download: 433 min. (gekürzte Lesung)
Gelesen von Frank Schaff
ISBN-13:978-3-8371-1617-5|

Ludlum, Robert; Lustbader, Eric Van – Bourne-Befehl, Der (Jason Bourne 9)

_Die |Bourne|-Serie:_

1) Die Bourne-Identität (The Bourne identity)
2) Das Bourne-Imperium (The Bourne Supremacy)
3) Das Bourne-Ultimatum (The Bourne Ultimatum)
4) [Das Bourne-Vermächtnis]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5355 (The Bourne Legacy; von Eric Lustbader)
5) [Der Bourne-Betrug]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5537 (The Bourne Betrayal; von Eric Lustbader)
6) The Bourne Sanction / [Das Bourne Attentat]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6125 (von Eric Lustbader, 2008)
7) The Bourne Deception / Die Bourne-Intrige (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2009)
8) The Bourne Objective / [Das Bourne-Duell]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7652 (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2010)
9) _Der Bourne-Befehl_ ([The Bourne Dominion]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8078 , von Eric Lustbader, 2011)
10) The Bourne Imperative (von Eric Lustbader, 2012)

_Jason Bourne vs. Severus Domna: Showdown in Damaskus_

Severus Domna, eine mächtige internationale Organisation, schickt sich an, der amerikanischen Wirtschaft einen vernichtenden Schlag zu versetzen. Doch zuvor muss der Mann beseitigt werden, der ihr als Einziger gefährlich werden kann: Jason Bourne. Severus Domna ruft zum Mord an ihm auf. Ausgerechnet Bournes russischer Freund Boris Karpow wird auf den amerikanischen Topagenten angesetzt. Erst kürzlich zum Chef des russischen Nachrichtendienstes FSB-2 ernannt, verdankt Karpw seinen Aufstieg der Führungsspitze von Severus Domna. Kann Bourne seinem Freund noch trauen? Findet Karpow einen Weg aus der tödlichen Zwickmühle? Diesmal führen alle Wege nach Damaskus, wo sich aller Schicksal entscheidet …

_Die Autoren_

1) |Eric Van Lustbader|, geboren 1946, ist der Autor zahlreicher Fernost-Thriller und Fantasyromane. Er lebt auf Long Island bei New York City und ist mit der SF- und Fantasylektorin Victoria Schochet verheiratet. Sein erster Roman „Sunset Warrior“ (1977) lässt sich als Science-Fiction bezeichnen, doch gleich danach begann Lustbader, zur Fantasy umzuschwenken.

1980 begann Lustbader mit großem Erfolg seine Martial-Arts & Spionage-Thriller in Fernost anzusiedeln, zunächst mit Nicholas Linnear als Hauptfigur, später mit Detective Lieutenant Lew Croaker: The Ninja; The Miko; White Ninja; The Kaisho usw. Zur China-Maroc-Sequenz gehören: Jian; Shan; Black Heart; French Kiss; Angel Eyes und Black Blade. Manche dieser Geschichten umfassen auch das Auftreten von Zauberkraft, was ihnen einen angemessenen Schuss Mystik beimengt.

Zuletzt erschien bei uns die Kundala-Trilogie: „Der Ring der Drachen“, „Das Tor der Tränen“ und „Der dunkle Orden“. Da diese Fantasy ebenfalls in einem orientalisch anmutenden Fantasyreich angesiedelt ist, kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück, allerdings viel weiser und trickreicher. Kürzlich hat er noch einmal eine Wendung vollziehen und schreibt nun die Thriller seines verstorbenen Kollegen Robert Ludlum fort, so etwa „Die Bourne-Verschwörung“. 2007 erschien der Mystery-Thriller „Testamentum“ in der Art von Dan Browns „The Da Vinci Code“. Danach veröffentlichte Lustbader Fortsetzungen von Robert Ludlums BOURNE-Serie.

2) |Robert Ludlum| wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

_Handlung_

Die weltumspannende Geheimorganisation Severus Domna ist immer noch hinter Jason Bourne her. Denn er ist der Mann, der sie um einen sagenhaften Goldschatz betrogen hat, mit dem sie das westliche Währungssystem zerstören wollte. Nun wählt sich Benjamin el-Arian, der Leiter der Gruppe, ein neues Ziel aus: die strategischen US-Ressourcen an seltenen Erden, die in Kalifornien entdeckt wurden. Gelingt es ihm, die Vorräte in Indigo Ridge zu zerstören, könnten die Amerikaner keine Mobiltelefone, Tablet-PCs und Hightech-Waffen mehr bauen – sie müssten die Chinesen um diese Rohstoffe bitten, die bislang 97 Prozent der Vorräte kontrollieren und sie künstlich verknappen.

|Bourne|

Während Benjamin el-Arian eine weitere, gut getarnte Attentäterin auf den Weg schickt, begegnet Bourne im Camp eines kolumbianischen Drogenlords einem Mann, dem er Schlimmes angetan hat: Jalal Essai. Ihm gehörte der Laptop, der brisante Informationen über Severus Domna und deren Pläne enthielt und den er für Alex Cross, den Treadstone-Chef, stahl. Dabei verletzte Bourne ein muslimisches Gebot. Inzwischen aber hat sich Essai von Severus Domna losgesagt, weil diese ihm seine Tochter geraubt haben, und will sich widerwillig mit Bourne verbünden. Sein Ziel: Rache. Als erste Leistung verrät er Bourne, wen die Agenten el-Arians auf Bourne angesetzt haben: seinen guten Freund Boris Karpow.

|Karpow|

Erst kürzlich zum Chef des mächtigen russischen Sicherheitsdienstes FSB-2 ernannt, verdankt Boris Karpow seinen Aufstieg der Führungsspitze von Severus Domna. Doch er ist dafür einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, mit seinem Kollegen Cherkesow. Dieser verlangt im Gegenzug von Karpow das Unvorstellbare: Er soll seinen Freund Jason Bourne eliminieren. Karpow ist bestürzt und wendet sich an seinen ältesten Freund und Mitkämpfer. Iwan Wolkin rät ihm herauszufinden, was ein Test ist und was ein Opfer.

Die Wege von Bourne und Karpow kreuzen sich in der Altstadt der syrischen Hauptstadt Damaskus. Kann Bourne dem Russen, dem er einst das Leben rettete, noch trauen? Und findet Boris Karpow einen Weg, sich aus der tödlichen Zwickmühle zu befreien? Ihnen bleibt nicht viel Zeit, denn schon bald sehen sie sich mit ihren größten Widersachern konfrontiert.

|Unterdessen|

Christopher Hendricks ist der neue Verteidigungsminister der USA und hat klammheimlich das ehemalige CI-Programm „Treadstone“ reaktiviert. Die einzigen beiden Agenten, die ihm zur Verfügung stehen, sind allerdings bislang nur die beiden geschassten CI-Agenten Soraya Moore, Jason Bournes Busenfreundin, und Peter Marks, ein exzellenter Computerermittler.

Der US-Präsident betraut Hendricks damit, die Security für Indigo Ridge, die kalifornische Mine für Seltene Erden, aufzubauen und zu leiten. Was Hendricks verwundert, ist der Umstand, dass die Firma NeoDyme, die diese Mine vermarktet, an der Börse derartig viel Erfolg hat, obwohl man vom Vorleben ihres Direktors Roy FitzWilliam wenig weiß. Als er Peter Marks auf FitzWilliams ansetzt, wird Peter um ein Haar Opfer einer Autobombenexplosion, gleich darauf wird er entführt. Nur Jason Bournes Freunde Tyrone und Deron können ihn vor einem höchst unerfreulichen Ende bewahren.

Nichtsahnend freundet sich Christopher Hendricks unterdessen mit seiner neuen Gärtnerin an. Diese Maggie Penrod ist bezaubernd, und da er noch immer seiner verstorbenen Frau Amanda nachhängt, fühlt er sich auf einmal recht einsam. Kann Arbeit allein ein Leben ausfüllen, fragt er sich? Wohl kaum. Zum Verdruss seiner Leibwächter trifft er sich mit Maggie immer öfter. Und zudem setzt sie ihm einen Floh ins Ohr: Er solle die Security von Indigo Ridge doch dem neuen CI-Direktor Danziger überlassen, denn der werde sich damit schon bald bis auf die Knochen blamieren. Doch Hendricks ahnt nicht, dass Benjamin El-Arian „Maggie“ geschickt hat, um Hendricks erst bloßzustellen und dann zu eliminieren …

|Paris|

Soraya Moore lebt unterdessen auf Alarmstufe Rot: Einer ihrer Kontakte in Paris wurde ermordet. Um herauszufinden, wer dahinter steckt, arbeitet sie erst mit einem jüdischen Inspektor der französischen Polizei zusammen, dann, als die Spur in die arabische Welt weist, mit ihrem ehemaligen Geliebten Amun Chaltoum, dem Chef des ägyptischen Geheimdienstes. Sie hätte es besser wissen sollen, als einen Juden und einen Araber Seite an Seite zu engagieren. Sie gehen sich um ein Haar gegenseitig an die Gurgel.

Doch der Auftrag ist zu wichtig. Er führt direkt zur Tarnorganisation The Monition Club von Severus Domna, die von El-Arian geleitet wird. Monsieur Donatien Marchand scheint harmlos genug, doch als Amun eine Wanze in dessen Büro anbringt, belauschen sie, wie er einen Mord in Auftrag gibt – und das Ziel sollen sie und ihre beiden Kollegen sein. Als sie Marchand in einen völlig von Arabern bewohnten Vorort folgen, tappen sie direkt in eine tödliche Falle …

_Mein Eindruck_

Dieser Band von Bournes Abenteuern führt einige Fäden, die mit Severus Domna zu tun haben, zu ihrem Ende. Die uralte Geheimorganisation der Römer sollte ursprünglich Okzident (dafür steht „Severus“, nach Kaiser Septimus Severus) und Orient (dafür steht seine syrische Gemahlin Domna) zusammenführen. Doch unter dem Angriff einer russischen Untergrundorganisation namens Almaz entschloss sich ihr Leiter, Benjamin El-Arian, sich mit einem scheinbar gemäßigten Muslimführer namens Semid Al-Qahhar zusammenzutun. Das war ein schwerer Fehler, denn Semid ist in Wahrheit ein islamistischer Terrorist, der versucht, Severus Domna für seine Zwecke zu missbrauchen. Und diese Pläne sehen den Sturz des amerikanischen Imperiums vor. Daher sein geplanter Angriff auf Indigo Ridge.

Diese Mine für Seltene Erden, die für neuartige Waffensysteme strategische Bedeutung haben, muss um jeden Preis geschützt werden, geht es nach dem US-Präsidenten. Deshalb die dortige Zentrale von Chris Hendricks, dem Verteidigungsminister, und seiner neuen Geliebten Maggie Penrod alias Skara Noren. Wie schon so häufig in Lustbaders Romanen wird die Liebe selbst dem entschlossensten Krieger zum Verhängnis, wenn er in dieser Hinsicht einen wunden Punkt aufweist. Und Hendricks hängt immer noch der verblichenen Amanda nach – dies ist seine Achillesferse. Und Skara nutzt sie weidlich aus, indem sie ihn überredet, die Security für Indigo Ridge abzugeben.

|Alles hängt zusammen|

Jason Bourne hat Skaras Mutter ermordet. Es war ein Auftrag Treadstones und ein völlig sinnloser Racheakt Alex Conklins dafür, dass Cristien Noren, Skaras Vater, ihn töten wollte. Skara hat zwei Zwillingsschwestern. Mikaela wollte das Geheimnis um ihren verschwundenen Vater Cristien lüften und kam dabei um, doch Kaja hat überlebt, indem sie nach Kolumbien ging. Hier lebte sie fünf Jahre mit einem Mann der Severus Domna zusammen – bis er abtrünnig wurde. Jason Bourne rettet das Paar und bringt es zu Don Fernando Herrera ins spanische Cadiz. Nun erfährt er erstmals von dem, was seine Tat, an die er sich krampfhaft zu erinnern versucht, angerichtet hat. Doch weil Kaja nicht weiß, wo Skara ist, kann er Treadstone 2.0 nicht vor ihr warnen. Und so tappen Treadstones neuer Herr Chris Hendricks ebenso wie dessen Mitarbeiter Peter Marks und Soraya Marks in tödliche Fallen.

|Alle Wege führen nach Damaskus|

Durch Jalal Essai weiß Bourne, dass sein Freund Karpow von Severus Domna angestiftet worden ist, ihn zu töten. Alle Wege führen nun zum östlichen Hauptquartier dieser Organisation: Es liegt in der verwinkelten Altstadt von Damaskus. Mehrere Showdowns, einer gewalttätiger als der vorhergehende, reihen sich hier crescendoartig aneinander, bis eine gewaltige Explosion die syrische Hauptstadt erschüttert. (Ein Vorausverweis auf den aktuellen Bürgerkrieg?) Unterdessen geht auch in Paris die Ermittlung Soraya Moores auf die Zielgerade …

Wie man sieht, ist für jede Menge Spannung, Intrige, Romantik und verdammt viel Action gesorgt. Aus Sicht des amerikanischen Lesers ist der ungewöhnlichste Aspekt an den Bourne-Büchern, dass sie fast durchweg im Ausland spielen, den Leser also an die exotischsten Orte führen. Um dieses Szenario zu genießen, ist seitens des Lesers ein Bildungsniveau erforderlich, das weit über das der Oberschule hinausgeht. Auch der Einsatz von Hightech ist in den Bourne-Romanen extrem hoch, so dass auch hier die Kenntnisse auf hohem Niveau sein sollten. Andererseits weiß heute jeder „Digital Native“, was ein USB-Stick, eine DVD und eine Webcam ist.

|Cliffhanger|

Durch ständige Cliffhanger wird der Leser erfreulicherweise dazu angehalten, weiterzublättern, um herauszufinden, wie es mit dem jeweiligen Erzählstrang weitergeht. Es wechseln sich mindestens vier Stränge ab: Bourne, Soraya, Karpov und Hendricks, Hie und da gibt es noch eine Nebenfigur, an deren Gedanken, Meinungen und Vergangenheit wir teilhaben dürfen. Die bei Weitem interessanteste Nebenfigur ist Skara Noren. Sie hat nämlich laut ihrer Schwester Kaja nicht nur eine Persönlichkeit, sondern gleich sechs verschiedene. Deshalb eigne sie sich ja auch so gut als Agentin und Attentäterin.

|Multiple Persönlichkeiten|

Das dissoziative Persönlichkeits-Syndrom ist keine Erfindung von Romanautoren, sondern eine medizinisch anerkannte Tatsache. Sie wurde schon in den achtziger Jahren von Daniel Keyes in Romanen ausgeschlachtet, später dann von Jonathan Nasaw. Dann aber war die Idee ein wenig ausgelutscht. Wohl deshalb hält sich Lustbader in der Schilderung dieser Dissoziation sehr zurück.

Gut möglich, dass gekürzt wurde. So erfahren wir nie, wie die sechs Personas in Skaras Kopf heißen, worin sie sich unterscheiden, welche Vorteile ihr Einsatz bietet und welches Ende sie nehmen. Dies müssen wir erschließen. Und der Epilog gibt dazu die besten Anregungen. Skara war nämlich gar nicht Skara, und sie war auch nie Maggie Penrod …

|Action|

Ein Mann liest die Bourne-Bücher ja vor allem wegen der Actionszenen, nicht etwa wegen der vielfach verschlungenen Intrigen. Auch im Kino ist Bourne der Kämpfer par excellence, und Matt Damon machte in allen drei bisherigen Filmen einen fantastischen Job. Ich kann zwar nicht erkennen, welche Kampfsportarten er alle kombiniert, weil ich ein Laie bin, der nur Judo kann, aber im Buch geht es definitiv karatemäßig zur Sache.

Und zwar stets mit tödlichen Folgen. Da werden reihenweise Genicke gebrochen, Kehlköpfe zerschmettert und Nasen eingeschlagen. Auch Boris Karpov ist in dieser Hinsicht keine Zimperliese. Wenn es Bourne dann doch mal trifft, ist das meist nur eine Fleischwunde. Und Soraya Moore? Es ist ein Wunder, wie sie sich mit einer massiven Gehirnerschütterung auf den Beinen halten und den Feind in der Höhle des Löwen stellen kann. Peter Marks ergeht es keinen Deut besser. Doch er hat wenigstens einen Schutzengel.

_Die Übersetzung _

Mitllerweile schlampt der Autor nicht mehr so wie bei seinen ersten vier Bourne-Romanen. Zumindest in den Originalausgaben. Entsprechende Fehler habe ich in meinen Rezensionen moniert. Sie wurden zum Glück in den deutschen Ausgaben allesamt korrigiert. Die vermeintliche Lücke, die ich im Kapitel 14 des Originals entdeckt zu haben glaubte, existiert nicht. Das hat mir ein Blick auf S. 232 in der Übersetzung bestätigt.

Am Anfang von Kapitel 25 wird kurz auf ironische Weise der Bob-Dylan-Song „Like a rolling stone“ zitiert: „How does it feel – to be on your own, no direction home?“ In der Übersetzung wird diese Zeile, die zu den berühmtesten der Popkultur gehört, wortwörtlich übersetzt, so dass keinerlei Assoziation an Bob Dylan übrigbleibt: >>“Na, wie fühlt man sich so“, spöttelte Zatschek. „So ganz allein, so weit weg von daheim?“<<

In Kapitel 32 taucht erstmals die Waffenbezeichnung AK-74 auf. Zuerst dachte ich, es könnte sich um einen Zahlendreher handeln und es müsste eigentlich „AK-47“ heißen, das berühmte Maschinengewehr der sowjetischen Armee. Das trifft jedoch nicht zu. Schon ein kurzer Blick in den entsprechenden Artikel der Wikipedia belehrte mich eines Besseren: Das AK-74 gibt es schon seit den siebziger Jahren (http://de.wikipedia.org/wiki/AK-74). Es ist das Standardgewehr der russischen Armee.

Die deutsche Übersetzung dreht das Rad der Zeit zurück. Ab Seite 535 heißt es wieder „AK-47“. Kalaschnikow baute das Gewehr anno 1947. Mehr dazu unter dem Wikipedia-Artikel (http://de.wikipedia.org/wiki/AK-47). Was soll der Leser davon halten? Es ist kein Beinbruch, wenn da nun AK-47 steht, aber Experten könnten doch die Stirn runzeln, wenn sie wissen, dass diese Antiquität bereits 1974 durch das AK-74 abgelöst wurde.

_Unterm Strich_

Dies ist mittlerweile der neunte BOURNE-Roman, so dass man mit Fug und Recht von einer Serie sprechen kann. Der jüngste Roman „The Bourne Imperative“ erschien Sommer 2012 und kommt wohl erst in einem Jahr nach Deutschland. Da das Gesetz der Serie herrscht, sollte der Leser ein paar Dinge beachten. Er kann nicht einfach mit diesem Roman einsteigen, denn dann verstünde er nur Bahnhof. Es gibt weder ein Glossar, ein Personenverzeichnis, noch Fußnoten. Quer- und Zurückverweise sind die einzige Hilfe, die er bekommt.

|München-Bashing|

Zweitens erscheinen mehrere Schauplätze in regelmäßigen Abständen. Dazu gehören Washington, D. C., als Sitz von CI, Regierung und Treadstone. Aber auch München ist ständig vertreten: Es ist das Reich des Bösen. Ein Sündenpfuhl, in dem hirnlose Säufer Sauerkraut und Wurst mampfen. Sie werden von einer nahezu allgegenwärtigen Polizeitruppe beschützt, die unseren Helden, hier ist es Karpov, in Bedrängnis bringt – und stark an die Gestapo erinnert. Dabei sitzt der wahre Feind in der Münchner Moschee, von wo er ein Spinnennetz von hier ausgebildeten Terroristen dirigiert.

Nein, Bashing ist kein bayerischer Vorort von München, sondern die Spezialität des Autors. Sogar die Bank des Bösen heißt Nymphenburger Landesbank. Das München-Bashing ist absolut ernstzunehmen. Und wem dies nicht gefällt, sollte keinen BOURNE-Roman mehr von Lustbader mehr lesen.

|Zensiert?|

Trotz dieser Eigenheiten hat mich auch dieser BOURNE-Roman außerordentlich gut unterhalten. Die Action gibt es massenweise, die Romantik kommt ebenfalls nicht zu kurz. Und wenn inzwischen der Sex und so einiges hinsichtlich der Psychologie weggekürzt worden sind, so lag das sicher nicht an Lustbader, sondern am Verlag. So erging es ihm ja bei den deutschen, zensierten Ausgaben seiner Romane „Der Ninja“, „Die Miko“ und „Schwarzes Herz“ (siehe dazu meine Berichte).

Im Übrigen waren den (amerikanischen) Lesern die beiden ersten BOURNE-Romane von Lustbader zu lang, vor allem wegen der ausführlichen Psychologie- und Biografie-Passagen. Diese hat der Autor also gestrafft und führt sie nur noch skizzenhaft aus. So liest sich der Text nun sehr straff und flott. Man sieht also, dass auch Leser Zensur ausüben können. Über Twitter steht der Autor in ständigem Dialog mit seinem Lesepublikum.

|Die Serie|

Im Epilog kommt das Gesetz der Serie wieder zum Tragen. Auch Jason Bourne hat nicht alles herausbekommen, was Severus Domna, Almaz, Treadstone und die Russen angeht. Dafür haben zwei schlaue alte Herren gesorgt, die inzwischen ihre eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht haben. Der Kampf um Indigo Ridge, so scheint es, hat gerade erst begonnen.

|Die Übersetzung |

Bis auf zwei Eigenheiten, die ich oben erwähnt habe, finde ich die deutsche Übersetzung sehr gelungen. Auf den Stichproben, die ich gelesen habe, ist sie korrekt und flüssig zu lesen. Die Mehrschichtigkeit, das Markenzeichen von Lustbaders Erzählstil, ist durchaus wiederzuerkennen und dürfte auch dem deutschen Leser keine Schwierigkeiten bereiten. Schön wäre natürlich ein Personenverzeichnis gewesen, um es dem Einsteiger in die Serie einfacher zu machen, aber man kann nicht alles haben.

Das Titelbild entspricht genau dem der amerikanischen Vorlage. Im dynamischen und fotografischen Darstellungsstil reiht es sich in den Titelbildstil ein, der sich mittlerweile für die ganze Serie durchgesetzt hat. Wahrscheinlich hat sich dies der amerikanische Verlag auch vertraglich zusichern lassen.

|Hinweis|

Keines der oben erwähnten Bücher in der BOURNE-Reihe hat irgendetwas mit der Handlung des vierten Jason-Bourne-Films zu tun. Es ist also sinnlos, hier eine Buchvorlage zu suchen. Und der Leser findet in dem Film einen optischen Mehrwert, den er in den Büchern nicht bekommt.

|Gebunden: 560 Seiten
Originaltitel: The Bourne Dominion (2011 )
Aus dem US-Englischen übersetzt von Mag. Norbert Jakober
ISBN-13: 978-3453266940|
http://www.heyne.de

_Robert Ludlum bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Paris-Option“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1068
[„Die Ambler-Warnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3493
[„Das Osterman-Wochenende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6841

MacBride, Stuart – Knochensplitter (Logan McRae 7)

_|Logan McRae|:_

01 [„Die dunklen Wasser von Aberdeen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2917
02 [„Dying light“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6758
= [„Die Stunde des Mörders“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3739
03 [„Der erste Tropfen Blut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4940
04 [„Flesh House“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6760
= [„Blut und Knochen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5792
05 „Blinde Zeugen“
06 [„Dunkles Blut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7164
07 [„Shatter the Bones“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8190
= _“Knochensplitter“_

_Kidnapper, Huren und kleine Mädchen – Aberdeen steht Kopf_

Das schottische Gesangsduo Alison und Jenny McGregor war ein vielversprechender Kandidat für die Talentshow „Britain’s Next Big Star“. Doch seit sechs Tagen sind Mutter und Tochter verschwunden. Entführt, wie eine Lösegeldforderung deutlich macht. Lösegeld, das von ganz Großbritannien binnen 14 Tagen aufgebracht werden soll, sonst …

Die Ermittlung der Grampian Police Force in Aberdeen hat keinerlei Anhaltspunkte. Bis am sechsten Tag ein kleiner abgeschnittener Kinderzeh die Forderungen der Entführer drastisch unterstreicht.

_Der Autor_

Stuart MacBride war schon alles Mögliche: ein Grafikdesigner, dann ein Anwendungsentwickler für die schottische Ölindustrie und jetzt Kriminalschriftsteller. Mit seiner Frau Fiona lebt er in Nordostschottland. Seine Krimis um Detective Sergeant Logan McRae spielen in Aberdeen.

Werke:

1) Cold Granite (2005) = Die dunklen Wasser von Aberdeen
2) Dying light (2006) = Die Stunde des Mörders
3) Broken skin (2007; US-Titel: Bloodshot) = Der erste Tropfen Blut
4) Flesh House (2008) = Blut und Knochen
5) Blind eye = Blinde Zeugen (2009)
6) Halfhead (2009, SF)
7) Dark Blood (2010) = Dunkles Blut
8) Shatter the Bones (2011) = Knochensplitter
9) Sawbones (2011)
10) Birthdays for the Dead (2012)

_Handlung_

Logan McRae rast mit Sgt. Rennie um die Kurve. Reifen quietschen, Rennie keucht angstvoll auf. „Noch 90 Sekunden …“ McRae drückt auf die Tube, donnert durch Aberdeens Vororte, brettert um Kreisverkehre, donnert über Schwellen, nur um die Deadline zu schaffen, die die Entführer gesetzt haben. Der Auspufftopf verabschiedet sich von der metallischen Gemeinschaft des Polizeiwagens, als McRae mit Karacho über eine weitere Schwelle düst. Sie schaffen es nicht zur bezeichneten Telefonzelle: „zwei Minuten über der Zeit“, verkündet Rennie düster. Was werden sie in der Zelle finden?

Alison und Jenny MacGregor, ein vielversprechendes Gesangsduo aus Mutter und kleiner Tochter, ist entführt worden. England und Schottland haben gerade mal 14 tage Zeit, um das erhebliche Lösegeld für die gekidnappten aufzubringen. Unterdessen muss die Aberdeener Polizei, die Grampian Police Force, alles unternehmen, um den Forderungen der Entführer nachzukommen – und zugleich die Suche vorantreiben. Bislang erfolglos. Deshalb auch der rasende Eifer von Detective Sergeant Logan McRae, der es wirklich gerne bald zum Detective Inspector bringen würde.

In der Zelle befindet sich ein gelbes Päckchen. McRae öffnet es mit behandschuhten Händen, weil er hofft, dass er einen weiteren Hinweis findet. Doch der Inhalt ist ein höhnischer Zettel – und ein abgeschnittener Kinderzeh. Gehörte er Jenny? Rennie dreht es den Magen um, während McRae flucht. Die Laboruntersuchung der DNS bestätigt den finsteren Verdacht: Das Körperglied gehörte der kleinen Jenny. Die Presse tobt und will Blut sehen. Oder wenigstens einen Verdächtigen. Besonders nachdem einer Ihren, der geschniegelte Reporter Colin Miller, ein Schreiben der Erpresser mitten in der Pressekonferenz präsentiert hat.

Schon am nächsten Morgen muss McRae die Wohnung einer Familie von Drogensüchtigen und Dealern stürmen. Es wird ein Desaster, denn Shuggie Webster, der Kopf der Bande, kann entkommen. Und Trisha Brown, seine drogensüchtige Frau, beschuldigt McRae, sie vergewaltigt zu haben. Für Logan ist es also mal wieder Zeit, die allseits beliebte Dienstaufsicht zu beehren. Da freut er sich schon tierisch drauf.

Doch alles, was Trisha Brown will, sind die beschlagnahmten Drogen. Die Ziegelsteine von Heroin haben die Websters nämlich auf Pump gekauft, und die Verkäufer wollen jetzt ihre Ware zurück – oder das Geld. Shuggie Webster ist noch längst nicht über alle Berge. Das muss McRae schmerzhaft feststellen, als Shuggie ihn in eine Falle lockt, seinen Rottweiler auf ihn hetzt und sich sein Polizeiauto schnappt. Logan beschleicht ein finsterer Verdacht. Könnte der Drogendealer am Ende hinter der Entführung der MacGregors stecken, um das Lösegeld zu verwenden, seine Drogenlieferanten zu bezahlen?

Die weiterhin ergebnislose Ermittlung zieht nach dem Willen der Gewaltigen an der Spitze immer weitere Kreise. Sexuelle Missetäter zu interviewen, ist ebenso wenig ergiebig wie appetitlich, und das Befragen von Alisons ehemaligen Mitstudenten fördert ein paar seltsame Gestalten zutage, darunter eine angehende Stalkerin. Doch die Entführung, bei der keine einzige DNS-Spur hinterlassen wurde, war so professionell durchgezogen, dass McRae seine Zweifel hat, die Studenten könnten auch nur den Pudel einer Oma entführen.

|Unterdessen|

Die Monster sind ganz in Weiß gekleidet. Die sechsjährige Jenny beobachtet sie, wenn sie mit diesen Roboterstimmen miteinander sprechen. Sie tragen Skibrillen, Schals, Gummihandschuhe sowie Duschhauben an den Schuhen. Alles in Weiß. Sie tragen Namensschilder, die sie gut lesen kann, während sie angekettet auf dem Bett liegt. Darauf steht SYLVESTER, TOM, DAVID, COLIN und PATRICK.

DAVID ist der schreckliche Anführer, der Mummy im anderen Zimmer immer wehtut, bis sie weint. Nach einer Weile kommt COLIN nicht mehr, der ihr immer so sanft ihre Spritzen geben hat. Nun muss SYLVESTER das erledigen, und er ist ein Stümper. So wie jetzt. Die Biene sticht, und Jennys Gedanken wandern ins Nimmerland …

|Feuer unterm Hintern|

Es ist nachts um drei, als McRae von einem Geräusch an der Wohnungstür geweckt wird. Er steht auf und schaut nach. Die Klappe für die Post ist geöffnet und jemand füllt ein Kondomm voll Benzin. Logan schreckt auf – er weiß, was das bedeutet. Er ruft nach seiner Freundin Samantha, doch sie schläft fest. Das weiße Kondom wird gefüllt, dann folgt ein kratzendes Geräusch: ein Streichholz wird angerissen.

Fürs Eingreifen ist es zu spät, daher spurtet Logan zurück ins Schlafzimmer, ruft dabei ständig Samanthas Namen. Auf einmal dröhnt ein Donnerschlag. Die Tür des Schlafzimmers, die Logan gerade schließen will, wird von der Explosion aus den Angeln gerissen und er unter ihr begraben …

|Seitenwechsel|

Als Logans Wohnung in Brand gesetzt und dabei seine Freundin Samantha schwer verletzt wird, ist eine rote Linie ganz klar überschritten worden. Nun ist die Sache persönlich. McRae setzt alles daran, die verschiedenen Rätsel aufzuklären – und wendet sich an das organisierte Verbrechen in Aberdeen. Dort empfängt man ihn mit offenen Armen, wie einen verlorenen Sohn …

_Mein Eindruck_

Nach vielen Anläufen und unzähligen Anschissen seitens seiner Vorgesetzten schafft es der Held Logan McRae, endlich vom Underdog-Dasein eines Detective Sergeant in den nahezu erhabenen Rang eines Detective Inspector aufzusteigen. Ehrenhalber und interimsmäßig, wie sich sein Chef beeilt hinzuzufügen. Trotzdem: Endlich heimst McRae Lorbeeren. Er wagt nicht zu verraten, auf welche Weise – er hat sich mit der Unterwelt eingelassen und fast einen Menschen getötet. Ein geradezu faustischer Pakt. Kein Wunder, dass ihn sein Gewissen plagt.

Andererseits ist sein „Sündenfall“ gerechtfertigt: Trisha Brown ist ebenso entführt worden wie die beiden MacGregors. Nur dass sich um die Junkie-Hure keine Sau kümmert, am allerwenigsten die Medien. Trishas Mutter Helen wirft McRae diese Ungerechtigkeit völlig zu Recht vor. Aber was soll er machen? Niemand verlangt für eine verschwundene Hure Lösegeld oder setzt auch nur eine Belohnung aus. Wie sich herausstellt, erfordert es McRaes ganze Schläue und körperliche Einsatzbereitschaft, um Trisha zu finden und zu befreien.

Im Unterschied dazu scheint Alison Macgregor nahezu ein Engel zu sein. Kein Wunder, dass die Millionen Fans dieses C-Promis bereit sind, nicht weniger als 9 Millionen Pfund (etwa 10,4 Mio. Euro) auf ein Konto ihres Senders zu überweisen, um sie freizubekommen. Merkwürdig ist jedoch, dass Alisons Entführer nie festgelegt haben, welche Summe ihnen als ausreichend erscheint. Warum dieser Umstand nie zur Sprache gebracht wird, kann ich mir nicht erklären. Ist dieser Aspekt etwa zu banal? Mir scheint er gegen die Professionalität der Entführer zu sprechen.

Wie immer wirft das Schicksal in Gestalt von dämlichen Vorgesetzten unserem Helden jede Menge Knüppel zwischen die Beine, um ihn an einem simplen Erfolg zu hindern. Da könnte ja jeder dahergelaufene Detective Sergeant den Bossen die Lorbeeren klauen! Soweit darf es nicht kommen, denn würde ja die Hierarchie infragestellen.

Ganz besonders hervortut sich ein Berater für das organisierte Verbrechen. Der Typ mit dem vielsagenden Namen „Mr. Green“ scheint mehr auf TV-Heldentum interessiert zu sein als an vernünftiger Polizeiarbeit. Durch Drohungen verschreckt er beispielsweise einen als Pädophilen registrierten Arbeiter namens Frank Baxter. Als Greens Drohungen publik werden und in den Zeitungen landen, taucht Baxter unter – nun ist er keine Hilfe mehr. Er kommt nicht weit. In Dundee entdecken ihn harte Kerle und machen Kleinholz aus ihm.

Das Generalthema ist die kritische Beleuchtung der Auswirkungen, die die Medien TV und Presse auf das Bewusstsein der Menschen in Aberdeen – der Autor spricht nie für andere Gegenden – haben. Der Medienhype macht aus einer Beinahehure wie Alison MacGregor eine Heilige, während echte Huren, die McRae befragt, unbemerkt belästigt werden und im Nichts verschwinden können. Die Heiligsprechung Alisons erzeugt eine weitere, weitaus gefährlichere Spezies von Fan: eine Stalkerin. Sie wird sich als Alisons Nemesis erweisen.

Eine Weile sieht es so aus, als hätten entweder Pädophile oder Alisons Mitstudenten mit der Entführung zu tun. Die Verbindung zu der Science-Fiction-Fernsehserie „Dr. Who“, die in Großbritannien seit zig Jahren läuft, ist doch recht auffällig. Und im Gegensatz zu Logan McRae verstehen wir nun auch, warum sich die Entführer in eine Art Raumanzug gekleidet haben. Die Umhüllung verhindert auch, dass sie irgendwelche DNS-Spuren hinterlassen. Schlaue Bürschlein.

Doch die knallharte Wahrheit, auf die Mr. Green Logan McRae und DS Rennie stoßen, ist weitaus erschütternder. Wirklich zu Herzen gingen mir jene Szenen, deren Zeuge wir aus der Perspektive der sechsjährigen Jenny MacGregor werden. Die Entführer amputieren ihr die beiden kleinen Zehen – das Video wird der BBC zugespielt, so dass die Cops das Nachsehen haben. Ganz England ist geschockt – und spendet Lösegeld wie verrückt. Die Spritzen, die Jenny nun bekommt, sollen eine Infektion verhindern. Die Szenen sind nichts für zartbesaitete Gemüter. Aber alles andere wäre bei einem Autor wie Stuart MacBride wirklich ein Wunder.

_Die Übersetzung _

Das englischsprachige Original erschwert, wie ich selbst gelesen habe, nicht nur durch den schottischen Dialekt die Übersetzung, sondern auch weil es mit Druckfehlern gespickt ist. Die sollen uns hier nicht kümmern, denn bei meiner Lektüre der deutschen Ausgabe konnte ich keinen einzigen Fehler entdecken. Man kann also hierzulande unbeschwert loslesen. Selbst schwierigste Ausdrücke und Dialektsätze konnte Andreas Jäger glaubwürdig in unsere Sprache übertragen.

_Unterm Strich_

Ich kenne fast alle Thriller von MacBride bis auf den jüngsten und muss sagen, dass mich „Knochensplitter“ keineswegs vom Hocker gerissen hat. Der Plot lässt sich in zweieinhalb Zeilen zusammenfassen – aber das trifft wohl auf die meisten Krimis zu. Deswegen wirkte der Krimi auf mich über weite Strecken hinweg aufgebläht und substanzlos, ganz besonders in der ersten Hälfte. Okay, hier kommt häufig die schwarze Komödie zu ihrem Recht.

Ab der Mitte, als das Video mit den amputierten Zehen gezeigt wird tritt eine Wendung ein, und spätestens mit dem Brandanschlag auf McRaes Wohnung ist das Maß des Erträglichen voll – McRae ergreift verzweifelte Maßnahmen ohne Rücksicht auf Verluste. Die Ermittlung steigert sich zum ersten Finale, das der Rettung von Trisha Brown gilt, und dem zweiten Finale, das der Rettung der MacGregors gilt.

Der Epilog liefert noch einmal eine bittere Pointe, die typisch ist für MacBrides ultrarealistischen und zugleich anklagenden Stil. Angesichts des Gehalts der zweiten Hälfte fand ich mich schließlich doch noch genügend zufriedengestellt.

|Hardcover: 510 Seiten
Originaltitel: Shatter the bones (2011)
Übersetzt von Andreas Jäger
ISBN-13: 978-3442546992|
http://www.randomhouse.de/manhattan