Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Diane Cook – Die neue Wildnis. Zukunftsroman

Amerika in der nahen Zukunft: Zusammengepfercht in riesigen Megacities leiden die Menschen unter den Folgen der Überbevölkerung und des Klimawandels wie Smog, Dürreperioden und extreme Hitze. Aus Sorge um das Leben ihrer fünfjährigen Tochter Agnes nimmt die junge Mutter Bea an einem nie dagewesenen Regierungsexperiment teil: Gemeinsam mit zwanzig anderen Pionieren möchte sie in einem der staatlich geschützten Nationalparks, zu denen Menschen eigentlich keinen Zugang haben, im Einklang mit der Natur leben. Doch der Alltag in dieser neuen Wildnis wartet mit ganz eigenen Herausforderungen auf, und schon bald stoßen die Pioniere an ihre Grenzen … (Verlagsinfo)

Die Autorin

Diane Cook lebt mit ihrer Familie in Brooklyn, New York. Sie war Produzentin der Radiosendung »This American Life« und wurde 2016 mit einem Stipendium des National Endowment for the Arts ausgezeichnet. Ihr Debütroman »Die neue Wildnis« war ein großer Erfolg und wurde 2020 für den Booker Prize nominiert. (Verlagsinfo)

Handlung

Diane Cook – Die neue Wildnis. Zukunftsroman weiterlesen

Fritz Leiber – Schwerter und Teufelei. Geschichten um Fafhrd und den Grauen Mausling

Liebliche Tänzerinnen, teuflische Schneehexen

Durch Zeit und fremde Dimensionen von uns getrennt, träumt die alte Welt Nehwon vor sich hin. Nehwon mit seinen Meeren, Gebirgen, Eisöden, Steppen, Wüsten, Wäldern, Marschen, Kornfeldern, Ruinen, Burgen, Zitadellen und bewehrten Städten. Nehwon – eine Welt von kühnen Piraten, wilden Reitern frechen Dieben, düsteren Zauberern, glatzköpfigen Kultpriestern und beleibten Händlern – ist auch die Welt, in der der junge Krieger Fafhrd und der Graue Mausling, der Lehrling der Weißen Magie, leben. Beide Männer – jeder für sich – werden durch widrige Umstände gezwungen, ihren Wohnort zu verlassen und sich auf die Straße der Abenteuer zu begeben… (Amazon.de)

Fritz Leiber hat mit seinen „Schwerter“-Erzählungen in jahrzehntelanger Arbeit einen der interessantesten und spannendsten Zyklen der Fantasy geschaffen. Im Mittelpunkt das sehr ungleiche Anti-Heldenpaar Fafhrd und der Graue Mauser. Die beiden haben es auf ihrem Kontinent Newhon längst zu einem eigenen Zyklus im Reich der Graphic Novels geschafft. Der vorliegende Band führt die beiden Helden in separaten Abenteuern ein.
Fritz Leiber – Schwerter und Teufelei. Geschichten um Fafhrd und den Grauen Mausling weiterlesen

Alexander Kabakov – Kein Zurück. Zukunftsroman

Agenten als Redakteure

„Der 50jährige Ich-Erzähler, ein Journalist mit MG, legt in der Nacht in Moskau anno 1990 eine horrorvolle Wegstrecke zum Großen Platz zurück (bei uns besser bekannt als Roter Platz). Unterwegs schließt sich ihm Julia an, die in Moskau fremd ist und die ihm, wie sich herausstellt, seine Bezugsscheine rauben will. Dies wird aber nicht an einem Stück erzählt. Immer wieder eingeschoben sind Gespräche mit einem Agentengespann, die sich allerdings tarnen als Redakteure. Insgesamt sieben Mal wechseln sich die Szenen ab.“ (ergänzte Rezension auf Amazon.de, s.u.)

„Kein Zurück“ ist ein Kurzroman, den Kabakov für seine Freunde schrieb und von dem er wusste, dass er nicht in der UdSSR zu veröffentlichen war. Das Buch erschien bei uns kurz nach dem Fall der Mauer, ein warnendes Stück Polit-Literatur.

Der Autor
Alexander Kabakov – Kein Zurück. Zukunftsroman weiterlesen

Norbert Hummelt – 1922. Wunderjahr der Worte

Zeitpanorama: Literaten in kritischer Zeit

Aufbruch in die Moderne. 1922 ist ein Jahr von unglaublicher schöpferischer Energie: ein Wunderjahr der modernen Literatur. Eine Fülle literarischer Werke erscheint, die den Gang der Weltliteratur verändern.

In Paris wartet James Joyce voller Ungeduld auf die ersten Exemplare seines »Ulysses«. Virginia Woolf ist in London dabei, sich ihren eigenen Raum zu erschreiben. Rainer Maria Rilke vollendet, was er einst auf Schloss Duino begonnen hat. Katherine Mansfield steckt ihre ganze Kraft in ihre Short Stories. Und im englischen Seebad Margate findet T.S. Eliot radikale Töne für das widersprüchliche Lebensgefühl des noch jungen 20. Jahrhunderts.

Quer durch Europa begleitet Norbert Hummelt diese Autoren und Autorinnen durch ein aufregendes Schaffensjahr und fängt dabei die spannungsgeladene politische Stimmung der Zeit ein. (Verlagsinfo)

Norbert Hummelt – 1922. Wunderjahr der Worte weiterlesen

Jeff VanderMeer – Authority / Autorität (Southern Reach 2)

Spionage-Thriller mit Faktor X

Die Area X ist eine seit 30 Jahren unbewohnte, überwucherte Zone. Die geheime Regierungsorganisation „Southern Reach“ hat es sich zum Ziel gesetzt, sie zu erkunden. Elf Expeditionen, die über die Grenze geschickt wurden, scheiterten unter bestürzenden Begleitumständen. Aber inzwischen sind drei der vier Teilnehmer der zwölften Expedition zurückgekehrt, und ihre spärlichen Aussagen werden ausgewertet. Die Psychologin, die vormalige Leiterin von Southern Reach, ist verschollen. Die Biologin, die überlebt hat, scheint nicht sie selbst zu sein.

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die in „Auslöschung“ geschildert wurde, befindet sich Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf der Organisation, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst und die Organisation, der er die Treue geschworen hat … (Verlagsinfo)

Der Autor
Jeff VanderMeer – Authority / Autorität (Southern Reach 2) weiterlesen

Wolfgang Jeschke / Ben Bova (Hrsg.) – Titan-11

Just say no: Invasion vergebens

Die Großen der Science-Fiction sind mit ihren Meisterwerken bereits in der so genannten „Science Fiction Hall of Fame“ verewigt, welche natürlich in Buchform veröffentlicht wurde (statt sie in Granit zu meißeln). Daher können Freunde dieses Genres noch heute die ersten und wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung eines Genres nachlesen und begutachten, das inzwischen die ganze Welt erobert und zahlreiche Medien durchdrungen hat.

In der vorliegenden Ausgabe des Auswahlbandes Nr. 11 von „Titan“, der deutschen Ausgabe der „SF Hall of Fame“, sind Novellen von Theodore Sturgeon, Henry Kuttner, Catherine L. Moore und Eric Frank Russell gesammelt.

_Die Herausgeber_

1) Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im |Kichtenberg|-Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science-Fiction-Reihe Deutschlands beim |Heyne|-Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und zum Teil für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Sein erster Roman [„Der letzte Tag der Schöpfung“ 1658 (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“. Zuletzt erschien „Das Cusanus-Spiel“ bei |Droemer|.

2) Ben Bova, Jahrgang 1932, ist ebenfalls schon über 70 und ein verdammt erfahrener Bursche. 1956 bis 1971 arbeitete er als technischer Redakteur für die NASA und ein Forschungslabor, bevor er die Nachfolge des bekanntesten Science-Fiction-Herausgebers aller Zeiten antreten durfte, die von John W. Campbell. Campbell war die Grundlage für das „Goldene Zeitalter der Science-Fiction“, indem er mit seinem Magazin „Analog Science Fiction“ jungen Autoren wie Asimov, Heinlein, van Vogt und anderen ein Forum gab. Hier entstanden der „Foundation“-Zyklus und andere Future-History-Zyklen.

Für seine Herausgeberschaft von |Analog| wurde Bova sechsmal (von 1973-79) mit einem der beiden wichtigsten Preise der Science-Fiction ausgezeichnet, dem |Hugo Gernsback Award|. Von 1978-82 gab er das Technik-&-Fiction-Magazin „Omni“ heraus. 1990-92 sprach er für alle Science-Fiction-Autoren Amerikas in seiner Eigenschaft als Präsident des Berufsvereinigung. Seit 1959 hat er eigene Bücher veröffentlicht, die sich oftmals an ein jugendliches Publikum richten, darunter die Kinsman- und Exiles-Zyklen.

Ebenso wie Robert Heinlein und Larry Niven ist Bova ein Verfechter der Idee, dass die Menschheit den Raum erobern muss, um überleben zu können. Und dies wird nur dann geschehen, wenn sich die Regierung zurückzieht und die Wirtschaft den Job übernimmt. Der Brite Stephen Baxter hat in seiner |Multiversum|-Trilogie diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt.

1992 begann Bova mit der Veröffentlichung seines bislang ehrgeizigsten Projekts: die Eroberung des Sonnensystems in möglichst detaillierter und doch abenteuerlicher Erzählform.

_Die Erzählungen_

1) _Henry Kuttner & C. L. Moore: Traubenlese_ (Vintage season, 1946)

Oliver Wilson wundert sich über die drei Leute, die sein Haus für den Monat Mai gemietet haben. Sie reden in hochgestochenem, deutlich artikulierendem Akzent und tragen ihre feinen, bunten Kleider, als wären sie Schauspieler und trügen Kostüme. Der Mann, als Einziger ganz in Schwarz, nennt sich Omerie, die Damen heißen Klia und Kleph. Keine Nachnamen. Und sie möchten nur dieses eine Haus, möglichst alleine für sich. Aber sie gestehen Oliver zu, dass er ein Zimmer bewohnen darf.

Das Trio führt sich auf wie Touristen, mit einem beobachtenden, unbeteiligten Blick. Als Klia und Omerie auf Fotosafari sind, wagt sich Oliver in das Zimmer von Kleph, denn er hat sich in sie verliebt. Ihr Zimmer ist jetzt extravagant eingerichtet, mit Chaiselongue und einer Überdecke auf dem Bett, die laufend andere Bilder zeigt. Interessanter Effekt. Noch interessanter ist allerdings Klephs Tee: Das Getränk euphorisiert, vertreibt alle Sorgen.

Zu schade, dass die Lady keinerlei Fragen beantwortet. Was wollen die Herrschaften hier in Kalifornien und woher kommen sie? Warten sie auf etwas Bestimmtes, vielleicht auf das Eintreten eines Ereignisses? Allmählich schwant Oliver, dass diese Leute nicht nur aus einem anderen Land kommen.

Das Trio ist nicht jenes Volk, das bunt gekleidet ist und ebenfalls in Olivers Haus wohnen will. Eine „Madame Hollia“ will mitsamt ihrem Lakaien Kara das Haus kaufen. Nicht bloß mieten. Um das Trio zu vertreiben, lassen sie ein Gerät im Haus verstecken. Bevor es aktiviert wird, macht Oliver in Klephs Zimmer eine erschütternde Entdeckung. Madame Hollia hat Kleph ein Kästchen mit einem Kunstwerk eines gewissen Cenbe überreicht. Oliver hört dessen Musik und schaut nach, woher sie kommt. Kleph schaut sich eine Multimediashow an. Es ist aber nicht die Musik, die Oliver umhaut, sondern die visuelle Präsentation. Die Bilder zeigen Katastrophengebiete, Kriegsgebiete, Leidende aller Alter und Geschlechter. Was soll das? Ist das eine Art Passionsgeschichte? Und was hat Kleph in Canterbury getan? Wieder vertreibt Kleph Olivers verwirrte Sorgen durch ihren Spezialtee …

Die Nacht ist kurz. Oliver wird von Infraschallwellen geweckt, die Madame Hollias verstecktes Gerät erzeugt. In Panik und Angst suchen alle Bewohner nach diesem Gerät; erst als es deaktiviert ist, kehrt erleichterte Ruhe ein. Oliver hat herausgefunden, wann das Lied modern war, das Kleph aus Canterbury mitgebracht hat. Es stammt aus Chaucers „Canterbury Tales“: vom Ende des 14. Jahrhunderts! Diese Leute müssen Zeitreisende sein. Fragt sich nur, was sie hier wollen, auf was sie hier warten.

Oliver steht unter Hausarrest und unter Drogentee. Erst in tiefer Nacht weckt ihn ein ungeheurer Donnerschlag, der die Erde beben lässt. Ist dies das Ereignis, auf das die Touristen aus der Zukunft gewartet haben? Wird der Künstler Cenbe auch hiervon eine seiner schrecklichen Symphonien komponieren?

|Mein Eindruck|

Man stelle sich einfach mal vor, WIR wären diese Zeittouristen, die sich an dem Anblick von Katastrophen und Kriegen ergötzen. Jeden Tag bekommen wir solche Bilder vorgesetzt – die Autorin war 1946 in der gleichen Lage, denn der Zweite Weltkrieg war gerade vorübergegangen. Diese Zeittouristen vergnügen sich nicht nur an historischen Momenten – das tun die Dilettanten -, sondern schaffen daraus auch Kunstwerke – das tun die Kenner, solche wie Cenbe.

Die Frage, die für Opfer wie Oliver Wilson die entscheidende ist: Rechtfertigt der Wert dieses Kunstwerks, das in der Zukunft für künftige Zuschauer geschaffen wird, die vielen, vielen Opfer und ihre Leiden, die dafür fotografiert werden? Oliver verneint diese Frage natürlich. Es ist eine immens wichtige Frage, denn letzten Endes geht es hier um die Pornografie des Krieges und der Gewalt.

Ebenso wichtig ist Olivers Frage an Kleph und Cenbe, ob diese Reisenden, die ja in der Zeit reisen können, nicht auch die Ereignisse in der Vergangenheit ändern könnten? Könnten sie nicht das Schlimmste verhindern, indem sie die sicheren Opfer vor der kommenden Katastrophe warnen? Wäre dies nicht ihre moralische Pflicht gegenüber ihren Mitmenschen? Cenbe ist in der Lage, den Grund für sein Nichtstun in dieser Hinsicht zu erklären: Veränderungen in der Vergangenheit könnten die Zukunft ändern – und das dürfe niemand zulassen.

Ach ja, um welche Katastrophe es sich handelt? Ein Meteor schlägt in San Francisco ein, das in Flammen aufgeht – sehr malerisch, wie die Besucher finden. Sie sind schon längst beim nächsten Mega-Event (Kaiser Karls Krönung im Jahr 800), als die nachfolgende Seuche die Welt beinahe entvölkert …

„Traubenlese“ ist eine der erschütterndsten, am besten geschriebenen und klügsten Zeitreisegeschichten. Sie hat nur ein Manko. Oliver Wilson, der Chronist, hat so gut wie keine eigenen Charaktereigenschaften.

2) _Eric Frank Russell: … dann war’n sie alle futsch_ (And then there were none, 1951)

Das große terranische Raumschiff landet auf einer weiteren Welt, um sie in Besitz zu nehmen. Doch bei dieser läuft alles schief.

Als der Blieder-Raumantrieb die Bewältigung größter Distanzen in kurzer Zeit ermöglicht hatte, begaben sich zahlreiche Andersdenkende auf die vielen Welten dort draußen, um der engstirnigen und eng gewordenen Erde ein für allemal den Rücken zu kehren. Nun, 300 bis 500 Jahre später, hat es die Besatzung des Raumschiffs mit den Nachfahren dieser Dissidenten zu tun. Aber obwohl die Leute auf dieser Welt die Terraner ausgezeichnet verstehen können, unterscheiden sie sich von allen anderen Dissidenten. Die geplante Übernahme der Welt kommt kein bisschen voran.

Der irdische Botschafter lässt einen der Bauern von seinem Feld holen. Der Bauer weigert sich strikt, dem Befehl der Soldaten Folge zu leisten und sagt ein unverständliches Wort: „Meiob!“ Mit einem anderen Bauern haben die Soldaten ebenfalls kein Glück. Die Leute achten weder Rang noch Befehle, sondern sagen einfach: „Meiob!“ Da es keine Großstadt und somit keine Hauptstadt zu geben scheint, fliegt das Schiff zur nächsten Kleinstadt. Doch die Leute auf der Straße reagieren ebenso abweisend.

Der Botschafter wird wütender und greift schließlich zu einer verzweifelten Maßnahme. Er schickt Harrison los, der aussieht, als könnte er auf seinem Fahrrad – es ist das einzige in der ganzen Flotte – keiner Fliege etwas zuleide tun. Harrison soll kundschaften und herausfinden, wer der Bürgermeister, Sheriff, Kalif oder so etwas hier ist. Harrison muss feststellen, dass es so etwas hier nicht gibt. Genauso wenig wie Geld übrigens. Vielmehr halten sich die Bürger – sie nennen sich Gands und die Terraner Anti-Gands – einiges darauf zugute, dass sie frei sind und jederzeit „Ich will nicht“ sagen können.

Um etwas zu essen zu bekommen, verrichtet Harrison ein wenig Arbeit, bekommt dafür eine Obligation, „Ob“ genannt, von seinem Arbeitgeber ausgestellt und kann diese bei einem bestimmten Restaurantbesitzer, der viele Obs vom Arbeitgeber hat, gegen Essen einlösen. Der Restaurantbesitzer streicht ein Ob von seiner Ob-Liste. Ein transparentes System, das aber voraussetzt, dass jeder jeden kennt und deshalb nicht mit großen, zentralisierten Gemeinden funktioniert. Dass man hier keinen Besitz anhäufen kann, versteht sich von selbst, und eine Ob-Bank gibt es erst recht nicht.

Nachdem Harrison unverrichteter Dinge zurückgekehrt ist und Bericht erstattet hat, ist der Botschafter zwar frustriert, aber der Kapitän kann seine Matrosen nicht von ihrem ihnen zustehenden Landgang abhalten. Auch Harrison darf mit Sgt. Gleed wieder an Land: Es gibt noch mehr Aha-Erlebnisse, und nachdem der Restaurantbesitzer auch mit Sgt. Gleed gesprochen hat, weil er hofft, auch eingefleischte Anti-Gander überzeugen zu können, ist Gleed der Erste, der nicht mehr zurück an Bord will. Und beileibe nicht der letzte …

|Mein Eindruck|

Nur für den Fall, dass man das Verfassungsprinzip der Gander noch nicht kennt oder durchschaut hat: Es handelt sich um eine Gesellschaft, die nach Mahatma Gandhis Prinzip des passiven Widerstands lebt. Dass die Story nur vier Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens veröffentlicht wurde, legt die Vermutung nahe, dass der britische Autor Gandhis Methode nicht nur eingehend studiert hat, sondern es auch für möglich hält, dass sie in anderen Kolonien Seiner oder Ihrer Britischen Majestät angewendet werden könnte. Seine Novelle ist eine deutliche Warnung, aber zum Glück mit sehr viel Humor formuliert, so dass niemand den erhobenen Zeigefinger zu sehen bekommt, der sich dahinter verbirgt.

Zugleich führt er einige Klischees und Konventionen der amerikanischen SF ad absurdum. So etwa die Annahme, es genüge wie weiland in Manhattan zu sagen: „Take me to your leader!“ und dann werde sich alles schon mit dem Häuptling regeln lassen, beispielsweise mit Glasperlenketten und Pockendecken. Dummerweise haben die Gander weder König noch Häuptling, obendrein glauben sie auch noch frecherweise, dass kein Mensch mehr wert sei als der andere. Weshalb sich auch keiner herausnehmen könne, einem anderen Befehle erteilen zu dürfen. Die Sache mit der natürlichen Autorität können sich die Terraner also an die Backe kleben. Und die Idee von der Überlegenheit einer zentralen Regierung sowieso.

Vielmehr scheint die Basisdemokratie der Gander ausgezeichnet zu funktionieren. Natürlich kann ein Schmarotzer versuchen, die auf Obs basierende Wirtschaft zu missbrauchen, aber wie lange geht das gut? Die Fabel vom faulen Jack belegt das anschaulich. In 27 Städten konnte der faule Jack sein Parasitentum durchziehen, doch in der letzten war er schon so berüchtigt, dass er nur einen einzigen Tag lang die Obs, die man ihm anvertraute, missbrauchen konnte, dann gab ihm niemand mehr etwas. Er ging in die Wildnis, wo er sich schließlich erhängte.

Geschichten wie diese waren in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts sehr beliebt, denn sie illustrierten friedliche Alternativen zur bürgerlich-kapitalistischen und die Möglichkeit, dass diese Alternativen funktionieren konnten. Aus den politischen Kreisen dieser „Alternativen“ ging dann Die Grünen hervor.

Lange schaffte es diese Partei, Ideen wie Basisdemokratie, Gleichberechtigung, Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus und Gemeinbesitz zu realisieren, ja sogar intern durchzusetzen. Heute, rund 20 Jahre später, sind davon nur noch der Antimilitarismus, der Umweltschutz und die Gleichberechtigung übrig geblieben. Das finde ich schon ziemlich schade, andererseits sind Umweltschutz und Gleichberechtigung mittlerweile Regierungsprogramm oder sogar Verfassungsziel.

Man kann Mahatma „Die große Seele“ Gandhi, diesen halbnackten Baumwollspinner, romantisch finden, aber er hat auch einem Riesenreich wie Indien zur Unabhängigkeit verholfen, als er, als Anwalt, in Südafrika einfach mal „Ich will nicht“ sagte. Vielleicht sollte man darüber mal nachdenken.

3) _Theodore Sturgeon: Baby ist drei_ (Baby is three, 1952)

|Vorgeschichte|

Im ersten Teil des dreiteiligen Romans „Baby ist drei“ (More than human, 1954) werden die verschiedenen Personen der Geschichte vorgestellt. Das ist einmal der „fabelhafte Idiot“, der dem Kapitel seinen Titel gibt. Er kennt kein Ich, hat keine Sprache, lebt wie ein Tier im Wald. Als er von einem wohlmeinenden kinderlosen Farmerspaar aufgenommen wird, erwirbt er einen Namen, Lein (von ‚allein‘), Sprache (er lernt aber nie Schreiben) und Liebe – was wohl das Wichtigste ist. Die Talente des Idioten Lein sind Telepathie und Empathie, also Übertragung von Gedanken und Empfindungen.

Er trifft auf ebenfalls empathiefähige Menschen. Evelyn, die Unschuld aus einem abgeschieden gelegenen Herrenhaus stirbt nach Leins Einmischung in ihre Familie; doch später kommen die kleine Janie mit den telekinetischen Kräften (sie bewegt Dinge mit Gedankenkraft) und die beiden sprachgestörten farbigen Zwillinge Beanie und Bonnie, die teleportieren können: Sie bewegen sich selbst von Ort zu Ort per Gedankenkraft. Hinzukommen weitere Teile des entstehenden Gestaltwesens: ein mongoloides Baby, dessen Geist arbeitet wie ein Computer und das seine Ergebnisse telepathisch überträgt; und schließlich Gerry, ein Junge, der nur hassen kann.

Dieses Häuflein Menschen, das einsam und geschützt in einer Hütte im Wald lebt, entdeckt erst spät (eigentlich nur Lein, dann Gerry), dass es sich vom Rest der Menschheit erheblich unterscheidet. Einzeln sind die Kinder und Lein schwach, doch zusammen können sie mehr vollbringen als ein durchschnittlicher Mensch.

|Die Story|

Im zweiten Teil „Baby ist drei“ findet eine Psychiatersitzung statt, die dazu dienen soll, dass Gerry herausfindet, was mit ihm nicht stimmt: Er hat einen Menschen getötet. Mal hält er sich für 15 (meistens), dann wieder für acht Jahre alt, dann ist er 33. Feststeht zumindest, dass er über telepathische und hypnotische Kräfte verfügt. Ein paar Jahre sind inzwischen vergangen, und er hat den verstorbenen Lein als Leiter der Gruppe abgelöst.

Der Satz „Baby ist drei“ löst in seinem Geist eine Blockade aus, die die Frage auf die Antwort verschließt, warum er Miss Kew, die „Erzieherin“ des Gestaltwesens, getötet hat. Wie sich herausstellt, ist Miss Kew die Schwester jener Evelyn, der Lein damals so verhängnisvoll begegnete, Alicia. Der Leser fragt sich die ganze Zeit, warum Alicia gegenüber Lein eine Verpflichtung hatte, seine Gruppe in ihrem Haus aufzunehmen – sie kannte ihn doch gar nicht, oder? Das Geheimnis hinter dem Satz „Baby ist drei“ ist für sie verhängnisvoll, zeigt aber Gerry, wer er in Wirklichkeit ist. Diese Szenen sind extrem spannend und halten viele überraschende Erkenntnisse bereit.

Mein Eindruck

„Baby ist drei“ bzw. „Die Ersten ihrer Art“ gehört zu den zehn berühmtesten und wohl auch besten Science-Fiction-Romanen überhaupt. Es ist ein hervorragendes Beispiel für die Bearbeitung des Themas Homo gestalt, bei dem mehrere Mutanten ihre Talente kombinieren und so eine parapsychische Union und neue Daseinsform bilden.

Mich hat der Roman – und die vorliegende Story – vor allem deshalb beeindruckt, weil Sturgeon es versteht, auf sprachlich wunderschöne und doch einfache Weise eindringlich klarzumachen, was jedes Mitglied der Gruppe ausmacht und worin ihre Besonderheit in der Koexistenz besteht: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Die in beinahe märchenhaftem Tonfall erzählte Handlung erscheint dadurch realistisch.

Erst so kann man das Anliegen des Autors akzeptieren, seine Forderung nach einer menschenwürdigen Zukunft, die auch einen Platz für die Andersartigkeit hat, für Mutanten. Man merkt der Erzählung Sturgeons Liebe für Kinder an und dass er über ein tiefes Verständnis für sie verfügt. Und daher ist klar, dass er jedem Kind, und sei es noch so andersartig, eine Chance verschaffen möchte, mehr Glück, mehr Erfüllung zu finden, beispielsweise in der Gemeinschaft des Kollektivwesens Homo gestalt.

_Unterm Strich_

Die drei Beiträge dieses Auswahlbandes sind sehr unterschiedlich, belegen aber allesamt, wozu gute und gut geschriebene Science-Fiction in der Lage ist. „Traubenlese“ ist ein indirekt formulierte Warnung vor den Folgen eines Kometeneinschlags, der aber genauso gut der Atomkrieg sein könnte. 1946 wusste man bereits sehr gut, wozu eine Atombombe in der Lage ist.

Die zweite Geschichte, von dem Engländer Eric Frank Russell, ist ebenfalls eine direkte Reaktion auf die Zeitgeschehnisse und verlegt den friedlichen Aufstand der Inder (bis 1947) auf eine ferne Welt. Dort bietet die Gesellschaft der Gander den Matrosen des terranischen Schiffes wesentlich mehr Selbstverwirklichungschancen als die knauserig-autoritäre Erde es jemals tun würde. Die Matrosen desertieren in Scharen, und um nicht noch mehr davon beim „Landurlaub“ zu verlieren, muss das Schiff schleunigst das Weite suchen, will es überhaupt noch funktionstüchtig bleiben.

Die dritte Geschichte ist klassischer Sturgeon: eine Story über gesellschaftliche Außenseiter, die aber für sich einen weiteren Sprung in der geistigen und gesellschaftlichen Evolution des Menschen genommen haben. Mutantengeschichten gab es in den 1950er Jahren massenweise, denn viele Autoren fragten sich damals, was wohl Radioaktivität wie etwa vom Fallout einer Atom- oder Wasserstoffbombe mit dem menschlichen Erbgut anrichtet. Eine Variante dieser Geschichten brachte Monster wie Godzilla hervor, die andere aber das Kollektivwesen „Homo gestalt“.

Die Geschichten nehmen keinesfalls in Anspruch, die Zukunft vorherzusagen, wie es vielleicht noch die Generation vor 1945 getan hatte. Aber die Autoren warnten vor gewissen Möglichkeiten in Technik (häufig) und Gesellschaft (selten) oder stellten Chancen bestimmter Entwicklungen zur Diskussion. In „Titan-11“ sind einige der besten Beispiele dafür zu finden, so dass sie, ohne zu viel vorauszusetzen, einen idealen Einstieg in das Genre bieten.

Originaltitel: Science Fiction Hall of Fame Band 2/A, 1973
222 Seiten
Aus dem US-Englischen von Uwe Anton
www.heyne.de

Stephen Baxter – Zeit (Das Multiversum 1)

Botschaften aus der Zukunft, Reisen in eine Milliarden Jahre entfernte Zukunft: „Zeit“ (orig.: „Manifold: Time“) ist ein Science-Fiction-Roman voller effektvoller Ideen, die sich der Autor jedoch nicht aus den Fingern gesogen hat. Sein Nachwort belegt seine fundierten wissenschaftlichen Quellen. Das muss nicht bedeuten, dass diese Ideen innerhalb der Science-Fiction neu sind, vielmehr beutet Baxter sie auf neue Weise aus.

Der Autor
Stephen Baxter – Zeit (Das Multiversum 1) weiterlesen

Jeff Noon – Pollen (Manchester-Trilogie 02)

Bizarr-komische Zukunftsvision

Manchester irgendwann in der nahen Zukunft. Merkwürdiges kündigt sich an, als der Taxifahrer Coyote nach einer illegalen Fahrt plötzlich tot aufgefunden wird. In seiner von einem Lächeln verzogene Schnauze steckt ein Blumenstrauß, und die Shadowpolizistin Sibyl Jones stellt erstaunt fest, daß sich die letzten Gedanken des Opfers um Blumen gedreht haben müssen. Das ist jedoch nur der Anfang: Schon bald verwandelt sich ganz Manchester in eine blühende Gartenstadt, in welcher der Pollenflug nie gekannte Ausmaße erreicht und die Bevölkerung in den kollektiven Niesreiz stürzt.

Doch als die ersten Todesopfer des unbezwingbaren Heuschnupfens zu beklagen sind, begreifen die Menschen, daß ihre Stadt in ernster Gefahr schwebt. Zu den wenigen, die gegen die Killer-Pollen offenbar resistent sind, gehören Sibyl und Boda. Gemeinsam machen sie sich zum Ursprungsort der Pollen auf, zu jener geheimnisvollen Zone außerhalb Manchesters, aus der auch Coyotes letzter Fahrgast stammte. Das Schicksal der gesamten Stadt liegt in der Hand der beiden Frauen… (Verlagsinfo)
Jeff Noon – Pollen (Manchester-Trilogie 02) weiterlesen

Raymond Feist / Janny Wurts – Die Auserwählte & Die Stunde der Wahrheit (Kelewan-Saga 1)

„Nur wenige Gongschläge trennen die junge Mara von einem Leben hinter Klostermauern, da erfährt sie, dass ihr Vater und ihr Bruder auf der barbarischen Welt Midkemia im Kampf getötet wurden und dass sie jetzt das neue Oberhaupt des Hauses Acoma ist. Unterstützt von einer Handvoll treuer Soldaten und Bediensteter muss sie sich einer Aufgabe stellen, die schwieriger kaum sein könnte. Doch Mara ist entschlossen, die Acoma zu alter Größe zurückzuführen. Sie fasst einen waghalsigen Plan …“ So weit also der Klappentext; den kann man so stehen lassen.

Die Autoren
Raymond Feist / Janny Wurts – Die Auserwählte & Die Stunde der Wahrheit (Kelewan-Saga 1) weiterlesen

Mark Robson – Spionin, Die (Die Gilde von Shandar, Band 1)

Handlung

Gilden scheinen eine sichere Sache in der Fantasyliteratur zu sein. Immer mehr Trilogien oder Serien beschäftigen sich mit derartigen Zünften, wobei die Reichweite von legalen Zusammenschlüssen bis hin zu eher umtriebigen Vereinen wie zum Beispiel der Gilde von Shandar in dem Buch „Die Spionin“ von Mark Robson reicht. Selbige setzt sich aus Auftragsmördern zusammen, die das Töten gegen Geld zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben und das Reich von Shandar damit in Angst und Schrecken versetzen.

Die Gilde hat es geschafft hat, den Kaiser von Shandar so zu beeinflussen, dass er nach ihrer Pfeife tanzt. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Ein militärischer Putsch sorgt dafür, dass die Guten wieder an die Macht kommen, aber natürlich machen sich der Anführer Surabar, der daraufhin der neue Herrscher wird, und die Spionin Femke ein paar große Feinde. Besonders Femke ist Shalidar, dem gefährlichsten der Auftragsmörder, ein Dorn im Auge. Sie hat seinen Anschlag auf Surabar verhindert, was Shalidar natürlich nicht besonders gefällt.

Als Femke den Auftrag des Herrschers erhält, ins benachbarte Thrandor zu reisen, um dort Friedensverhandlungen zu führen, nützt Shalidar dies aus, um das Mädchen in die Tinte zu reiten. Er bringt den besten Freund von Malo, dem Kaisers von Thrandor, um und arrangiert die Beweise so, dass Femke als Täterin dasteht. Die Spionin muss flüchten, doch Shalidar bleibt ihr auf den Fersen und sorgt dafür, dass man ihr noch weitere Taten anhängt und ihr auf der Spur bleibt. Da naht ungeahnte Hilfe aus Shandar: Der junge Lord Danar, der in ein Alter Ego der Meisterspionin verliebt ist, will Femke helfen, doch das gestaltet sich schwierig. Zum einen ist Lord Danar nicht unbedingt der Erfahrenste im Spionagewesen, und zum anderen scheint Shalidar ihnen stets einen Schritt voraus zu sein …

Mein Eindruck

„Die Spionin“ hat mit anderen Fantasybüchern nicht nur das Auftreten einer Gilde gemein. Auch der Kosmos, den Robson aufbaut, ähnelt sehr stark dem in Werken von beispielsweise Tamora Pierce oder Trudi Canavan. Ein Hauch Mittelalter, eine Ahnung Magie und Ritter, Spione und Edelmänner – Robsons Rezeptur ist recht einfach, dabei aber nicht unbedingt ausgereift. Alles wirkt eindimensional, manchmal sogar unentschieden. Das zeigt sich vor allem bei der Frage nach Magie und bei der Gilde. Magie spielt in Shandar nur eine geringe Rolle, doch es scheint sie zu geben, sie wird jedenfalls am Rande gestreift – mehr aber auch nicht. Es wird so gut wie gar nichts dazu erklärt, woher der Hexenmeister Lord Vallaine kommt und was ihn und seine Magie ausmacht. Ähnliches gilt für die Gilde. Sie wird zwar genannt, bleibt aber im Hintergrund, da Femkes eigentlicher Gegenspieler Shalidar ist. Als Leser wundert man sich, wieso die Trilogie mit „Die Gilde von Shandar“ überschrieben ist, wenn es doch eigentlich eher um Femke geht und man über die Auftragsmörder selbst nicht viel erfährt. Es wird nicht klar, wer ihr alles angehört, was ihr Ziel ist und wieso sie so gefährlich ist.

Ähnlich verhält es sich mit den Figuren. Sie wirken ebenfalls eher schattenhaft und es fällt schwer, wirkliche Charakterzüge zu erkennen. Das merkt man besonders bei Femke, der besten Spionin des Reiches. Obwohl ein solcher Titel geradezu dazu einlädt, eine starke, vielleicht freche Frauenfigur zu zeichnen, wirkt Femke sonderbar brav und distanziert. Es fällt schwer, Zugang zu ihr zu finden, und das macht sie nicht unbedingt sympathisch und einzigartig erst recht nicht. Ähnlich ist es bei den Nebenfiguren, die häufig sehr stereotyp wirken: Lord Danar beispielsweise, ein Herzensbrecher vom Dienst, den plötzlich die großen Gefühle packen. Oder Shalidar, der durch und durch gewiefte Mörder, der keinerlei positive Eigenschaften zu haben scheint.

Robsons Schreibstil gelingt es, einige der Negativpunkte wieder wettzumachen. Die Handlung an und für sich ist recht simpel gestrickt, aber durchaus spannend. Hin und wieder scheint Femkes Situation ausweglos, aber ihr fallen stets Lösungen ein, die intelligent, aber nicht unglaubwürdig sind. Trotzdem rückt die Story recht stark in den Hintergrund, es sind die Beschreibungen, die glänzen. Robson beweist ein gutes Händchen für die Actionszenen, die er sehr detailliert schildert, wobei er sich aber nicht in unnötigen Sätzen verstrickt. Er benutzt dazu ein nüchternes, umfangreiches Vokabular, das er unauffällig, aber geschickt zu verbinden weiß. Es dauert zwar eine Weile, bis man merkt, wie gut das Buch geschrieben ist, doch dann lässt es einen nicht mehr so schnell los. Besonders brillant sind einige der Dialoge, in denen sich Femke einen Schlagabtausch mit Shalidar und Co liefert. Die wörtlichen Reden strotzen nur so vor Redegewandtheit und guten Wortspielen und bereiten dadurch eine Menge Spaß.

Letztendlich können ein paar gute Dialoge aber kein ganzes Buch retten. Die Welt, in der „Die Spionin“ spielt, und die Figuren sind und bleiben eine blasse Angelegenheit. Eventuell schafft Robson es, einige der Fehler im weiteren Verlauf der Reihe auszubügeln, aber der erste Band ist eher beim Durchschnitt anzusiedeln.

Taschenbuch: 382 Seiten
Originaltitel: Imperial Spy
Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen
ISBN-13: 978-3-570-30533-1

http://www.cbt-jugendbuch.de

Harry Harrison – Die Barbarenwelt (Todeswelten 3)

Diplomatie mit Hinterlist

Die Bewohner des Planeten Felicity (Glückseligkeit) machen dem Namen ihrer Wohnstatt keine Ehre: Sie kämpfen und töten, Mitleid kennen Sie nicht. Jason dinAlt glaubte, hier ein neues Leben beginnen zu können, da sein bisheriger Heimatplanet Pyrrus unaufhaltsam auf eine Katastrophe zusteuerte. Doch das perfekte Konzept, das er für diesen Killerplaneten ausgearbeitet hat, kann er völlig in den Wind schreiben. Die Realität auf Felicity übertrifft seine schlimmsten Erwartungen… (variierte Verlagsinfo)

Der Autor
Harry Harrison – Die Barbarenwelt (Todeswelten 3) weiterlesen

C. J. Cherryh – Fortress of Dragons (Galasien-Zyklus 4)

Ritter, Damen, Zauberer: Entscheidungsschlachten

Am Schluss von „Fortress of Owls“ hat Tristen, durch Magie gelenkt, im Schneesturm zwei Frauen gefunden: die verbannten Ladies Orien und Tarien Aswydd, die vormaligen Herzoginnen von Amefel. Nun enthüllt Tarien, dass sie von König Cefwyn ein Kind erwarte – und es wird ein Zauberer! Orien indes steht keineswegs auf der Seite des Guten, sondern arbeitet für eine dunkle Macht – und sie will das Kind für sich haben…
C. J. Cherryh – Fortress of Dragons (Galasien-Zyklus 4) weiterlesen

Tove Alsterdal – Erdschwarz



Worum geht’s?

In einem leerstehenden Haus in den verlassenen Wäldern von Angermanland wird die Leiche eines Mannes gefunden. Augenscheinlich ist er verhungert, außerdem fehlen an seiner linken Hand zwei Finger. Zur gleichen Zeit wird in einer etwas anderen Gegend ebenfalls ein Mann gefunden – eingeschlossen in einem Keller, sollte er dort auf seinen Tod warten.

Ein neuer Fall für die junge Polizistin Eira Sjödin. Sie ist die perfekte Ermittlerin in diesen Mordfällen, da niemand anders sowohl die Gegend als auch die Menschen so gut kennt wie sie. Und dann wird plötzlich ein Mann vermisst. Von da an ist Eira persönlich betroffen, sie ist bereit ihr Leben zu riskieren, um den Mann zu finden.

Tove Alsterdal – Erdschwarz weiterlesen

Ronald M. Hahn – Sherlock Holmes und die geheimnisvolle Wand

Holmes gegen die großen Alten: Lovecraft lässt grüßen

1880, Dunwich, Massachusetts. Der junge Sherlock Holmes besucht seinen ehemaligen Studienfreund Basil Bishop. Im Landhaus der Bishops nahe Dunwich tauchen am ersten gemeinsamen Abend höchst merkwürdige Gäste auf, die schier unglaubliche Ereignisse hervorrufen. Der zukünftige Meisterdetektiv gerät unversehens in seinen ersten Fall, der absolut unlösbar scheint. (Erweiterte Verlagsinfo)
Ronald M. Hahn – Sherlock Holmes und die geheimnisvolle Wand weiterlesen

Hans Joachim Alpers / Werner Fuchs (Hrsg). – Die 50er Jahre 2 (1955-59) (Bibliothek der besten SF-Stories)

Klassische SF-Autoren für Sammler und Einsteiger

Diese zweite Anthologie mit den besten SF-Stories der 50er Jahre aus dem Hohenheim-Verlag deckt die zweite Hälfte des Jahrzehnts ab, das als Goldenes Zeitalter der Magazin-SF in die Annalen einging. Die technikgläubigen und patriotischen 40er Jahre sind passé, die Kritik an gewissen Missständen nimmt zu und verschafft sich literarischen Ausdruck. Neue Autoren wie Kornbluth erstrahlen in dieser Dekade und verschwinden plötzlich wieder. Alte Knaben wie Asimov und Heinlein schlagen sich mit Jugendwerken und kleineren Werken durch, bringen aber auch Klassiker wie „Foundation“ (als Zusammenfassung der in den 40ern publizierten Storys) hervor.
Hans Joachim Alpers / Werner Fuchs (Hrsg). – Die 50er Jahre 2 (1955-59) (Bibliothek der besten SF-Stories) weiterlesen

Piers Anthony – Der Gott von Tarot. Tarot-Trilogie 1

Zwischen Tarotspiel und Gottessuche

Auf dem Planeten Tarot hat sich eine neue Religion etabliert, die eine Besonderheit aufweist: Die Existenz ihres Gottes lässt sich beweisen. Allerdings ist es ein schrecklicher Gott. Pater Paul, ein junger Abenteurer von der Erde, soll im Auftrag seines Ordens erkunden, was hinter alldem steckt. Und er riskiert dabei mehr als nur sein Leben… (erweiterte Verlagsinfo)
Piers Anthony – Der Gott von Tarot. Tarot-Trilogie 1 weiterlesen

Daniel Keyes – Blumen für Algernon

Tragisch: aus dem Dunkel ins Licht – und wieder zurück

Charlie Gordon, ursprünglich kaum des Lesens mächtig, ist zu Forschungszwecken operiert worden und entwickelt eine überragende Intelligenz. An ihm und der Maus Algernon – das erste Lebewesen, das mit derselben Methode erfolgreich behandelt wurde – scheint sich ein Wunder zu vollziehen. Doch alsbald nimmt beider Schicksal eine dramatische Wendung … (Verlagsinfo)

Diese Textfassung folgt der Originalausgabe von 1966 und weicht daher in zahlreichen Schreibungen von der Übersetzung in der Heyne-Ausgabe ab, deren Vorlage 1970 in der Nymphenburger Verlagshandlung, München, erschien.

Der Autor
Daniel Keyes – Blumen für Algernon weiterlesen

Robert A. Heinlein – Farnhams Oase. Sechs Amerikaner auf einer Reise in die Zukunft

Versklavte Amerikaner

Farnham, ein umsichtiger Makler, hat vorgesorgt. Er überlebt mit fünf Gefährten einen atomaren Angriff, weil er sich zu Friedenszeiten einen Bunker gebaut hat. Doch sein scheinbar so sicherer Bunker wird in eine Welt der Zukunft gescheudert … (Verlagsinfo)

Dieser Roman ist unter dem Titel „Reise in die Zukunft“ 1967 als Heyne SF 3087 und 1977 als Heyne SF 3535 erschienen. Bastei-Lübbe veröffentlichte 1994 die ungekürzte Fassung.

Robert A. Heinlein – Farnhams Oase. Sechs Amerikaner auf einer Reise in die Zukunft weiterlesen

C. J. Cherryh – Fortress of Owls (Galasien-Zyklus 3)

Ritter & Magie: Mord in der Kathedrale

Zauberei liegt in der Luft! Wie sonst wäre es zu erklären, dass Tristen bei einem Ausritt mit seinen getreuen Amefel-Fürsten erst auf eine geisterhafte Wahrsagerin trifft, die ihn als König tituliert, und dann mitten im dicksten Wetter just auf den befreundeten Südbaron Lord Cevulirn von Ivanor? Cevulirn wurde nach einem tödlichen Duell gebeten, den Königshof zu verlassen und sucht nun Anschluss an Tristen, um diesem beizustehen.
C. J. Cherryh – Fortress of Owls (Galasien-Zyklus 3) weiterlesen

C. J. Cherryh – Fortress of Eagles (Galasien-Zyklus 2)

Gefahr und Verrat an allen Fronten

Cefwyn ist nunmehr König von Ylesuin, herrscht in der Hauptstadt Guelemara und verfolgt zwei Pläne: seine Braut Ninévrisë offiziell zu heiraten, die schöne Regentin von Elwynor; und zweitens, sein Reich Ylesuin mit Elwynor zu vereinen, zu einem Reich, das einst als glorreiches Galasien bekannt war. Zwei ehrenvolle Pläne fürwahr, indes es gibt erheblichen Widerstand, nicht zuletzt übernatürlicher Art…

C. J. Cherryh – Fortress of Eagles (Galasien-Zyklus 2) weiterlesen