Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Joan D. Vinge – Bernsteinaugen und Zinnsoldaten. SF-Erzählungen

Klassische Frauen-Science-Fiction

Diese Story-Sammlung enthält die berühmtesten Erzählungen der HUGO-Preisträgerin Joan D. Vinge. Dazu gehören die zwei Titelstories „Bernsteinaugen“, mit der sie 1978 den HUGO Award errang, und „Der Zinnsoldat“ sowie „Das Kristallschiff“. Zu jeder Geschichte und zum gesamten Band liefert die Autorin jeweils ein Nachwort mit, das den jeweiligen Hintergrund zur Entstehung erläutert.

Joan D. Vinge – Bernsteinaugen und Zinnsoldaten. SF-Erzählungen weiterlesen

Tilde Michels – Es klopft bei Wanja in der Nacht

Worum geht’s?

Wanja bewohnt ein kleines Häuschen inmitten der Einöde. In einer kalten Winternacht klopft es abends plötzlich an seiner Tür. Ein frierender Hase bittet um seine Obhut. Wanja zögert nicht lange und bittet den Besucher herein. Doch es vergeht kaum eine Zeit, als es erneut an der Tür klopft. Dieses Mal steht ein Fuchs, und später noch ein Bär vor der Tür. Alle möchten ins Wanjas warmen Haus übernachten. Wanja fragt sich ob das wohl alles gut geht.

Tilde Michels – Es klopft bei Wanja in der Nacht weiterlesen

Kerstin Schütze – Alfa Andersfee und die große Feenprüfung

Worum geht’s?

Alfa ist ein ganz normales Feenmädchen – na ja, jedenfalls fast ganz normal. Sie hat zwar nicht so schöne lange und glänzende Haare wie die anderen Feen, aber dafür hat sie Flügel. Okay, diese glitzern zwar nicht so schön wie bei den anderen, aber immerhin hat sie überhaupt welche. Und auch ihre Kleidung unterscheidet sich ein wenig von der der anderen Feen. Sie hat eben nicht so farbenfrohe lange Kleider, sonders stattdessen zerschlissene Hosen, mit ausgebeulten Taschen. Kurz gesagt, Alfa ist halt einfach anders.

Kerstin Schütze – Alfa Andersfee und die große Feenprüfung weiterlesen

John Marrs – The One. Finde dein perfektes Match

Irr- und Abwege der Liebe im Internet

In der nahen Zukunft ist der Traum von der großen Liebe Wirklichkeit geworden. Dank der revolutionären Entschlüsselung eines bis dahin verborgenen genetischen Codes können die Menschen durch einen simplen Gentest ihren perfekten Partner finden. Das beschert der Welt Millionen glücklicher Paare und dem Online-Portal MatchyourDNA Milliarden auf dem Konto. Moment mal, Millionen glücklicher Paare? Nicht so ganz, denn auch Seelenverwandte haben Geheimnisse voreinander – und manche davon sind tödlicher als andere …(Verlagsinfo)

Der Roman ist inzwischen eine NETFLIX-Serie.

John Marrs – The One. Finde dein perfektes Match weiterlesen

Frederik Pohl – Mensch+. SF-Roman

Der betrogene Marsianer

Die einzige Hoffnung auf ein Überleben des Menschen besteht darin, eine Kolonie auf dem Mars zu errichten, bevor er die Erde vollends vernichtet hat. Doch es zeigt sich: Wenn er auf dem unwirtlichen Nachbarplaneten überleben will, ohne ständig auf Hilfsmittel angewiesen zu sein, muss er auf wesentliche Teile seines Menschseins verzichten und ein anderes Lebewesen werden, ein biotechnisch angepasstes Kunstgeschöpf.

Roger Torraway ist das erste erfolgreiche Produkt des Mensch+-Programms. Man hat ihn seiner Männlichkeit beraubt und ihm ein Set neuer Sinnesorgane eingebaut. Er hat äußerlich nur noch wenig Ähnlichkeit mit einem Menschen, aber innerlich – und das ist sein Dilemma – ist er durch und durch Mensch, vor allem ein normal fühlender Mann geblieben. (Verlagsinfo)
Frederik Pohl – Mensch+. SF-Roman weiterlesen

Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Navigators of DUNE. Book 3 of the Schools of Dune / Die Navigatoren des Wüstenplaneten

Das DUNE-Universum: Kampf der Navigatoren

Über Jahrtausende hat sich die Menschheit im All ausgebreitet und Planeten besiedelt. Nun, da der Krieg gegen die Maschinen gewonnen ist und ein neues Imperium gegründet wurde, hängt die Zukunft der Galaxis von den Navigatoren ab – genmanipulierten Menschen, die mithilfe des Gewürzes vom Wüstenplaneten gewaltige Raumschiffe durchs All manövrieren. (Verlagsinfo)

Hinweis: Diese Rezension beruht auf der englischsprachigen Originalausgabe.

Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Navigators of DUNE. Book 3 of the Schools of Dune / Die Navigatoren des Wüstenplaneten weiterlesen

Michael Swanwick – Vakuumblumen. Cyberpunk-Roman

Abenteuer in einem seltsamen Sonnensystem

Dies ist die Geschichte von Rebel Elisabeth Mudlark, der geklonten „Tochter“ einer biogenetischen „Zauberkünstlerin“. Sie kommt im Auftrag ihrer „Mutter“ von den Kometenwelten der Oortschen Wolke ins Innere Sonnensystem, wo sich sehr viel verändert hat. „Vakuumblumen“ ist ein farbenprächtiger, tempo- und einfallsreicher Abenteuerroman, der die raumfahrende Menschheit in einem ganz anderen Blickwinkel zeigt als die Hochglanzprospekte der NASA und der Lagrange-Gesellschaft. (Verlagsinfo)

Michael Swanwick – Vakuumblumen. Cyberpunk-Roman weiterlesen

Robert A. Heinlein – Grumbles from the Grave. The Letters

Ein Denkmal aus Briefen

Robert A. Heinleins Witwe Virginia ist die Herausgeberin dieser Sammlung von Briefen des 1988 verstorbenen Großmeisters der Science Fiction. Aufgrund dieser Tatsache sollte man nicht vergessen, dass es sich hier kaum um besonders Heinlein-kritische Episteln handelt. Im Gegenteil: Wie der Titel schon nahelegt, „grummelt“ der Autor selbst noch aus dem Grab heraus.

Der Autor
Robert A. Heinlein – Grumbles from the Grave. The Letters weiterlesen

Paul Hoffman – Die letzten Gerechten

Die Trilogie:

Band 1: [„Die linke Hand Gottes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6336
Band 2: „Die letzten Gerechten“
Band 3: „Die Stunde des Erlösers

Triumphe des Bösen: Erlöser auf dem Vormarsch

Cale ist die linke Hand Gottes, der Engel des Todes. Er ist dazu bestimmt, jeden zu vernichten, der nicht des wahren Glaubens ist. Die Erlösermönche, allen voran sein ehemaliger Mentor Bosco, glauben der Prophezeiung, die besagt, dass Cale Gottes Gesandter ist. Erst wenn er seinen Auftrag vollbracht hat, wird Gott eine neue Welt erschaffen können mit den letzten gerechten Menschen dieser Welt. Aber Cale will nur ungern von seinen ehemaligen Unterdrückern für ihre Zwecke benutzt werden und lässt die Mönche erst einmal in dem Glauben, dass er für sie arbeitet. In Wirklichkeit hat er längst einen ganz anderen Plan … (Verlagsinfo)

Der Autor

Paul Hoffman hat nach seinem Anglistik-Studium in über zwanzig verschiedenen Berufen gearbeitet, unter anderem als Buchmacher, Kurierfahrer, Lehrer und als Gutachter für den Britisch Board of Film. Teile seines ersten Romans „The Wisdom of Crocodiles“ wurden mit Jude Law verfilmt. Als Drehbuchautor hat er neben vielen anderen mit Francis Ford Coppola gearbeitet. „Die linke Hand Gottes“ ist sein erster Roman bei Goldmann und der erste Teil seiner Trilogie, „Die letzten Gerechten“ der zweite Band. (Verlagsinfo)

Der Übersetzer

Dr. Karlheinz Dürr wurde 1947 in Lörrach/Baden geboren. Er ist Leiter des Fachreferats „Europa“ bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Nebenberuflich ist er in der politischen Erwachsenenbildung tätig. Als Deutschland-Koordinator des Europarats für Demokratie-Lernen ist er häufig in anderen europäischen Ländern unterwegs. Darüber hinaus hat er bislang über 60 Bücher aus dem Englischen bzw. Amerikanischen übersetzt und schreibt Kurzgeschichten für Kinder und Jugendliche. Er hat 3 Töchter und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Tübingen. (Verlagsinfo)

Handlung

Nach dem Fall von Memphis, der Hauptstadt des Weltreiches der Materazzi, befindet sich Thomas Cale, der abtrünnige Mönch des Erlöserordens, fest in den Händen Boscos, der Nr. 3 dieses Ordens. Der Kämmerer und Stratege, Toms Lehrmeister, ist die Nummer 3, will es aber nicht lange bleiben, sondern selber Papst werden. Und selbstverständlich soll ihm der brillante Verstand seines Zöglings auf den Stuhl Petri verhelfen.

In einem langen Monolog auf einer einsamen Bergspitze macht Bosco Thomas klar, dass er ihm mit Haut und Haar gehört, nirgendwohin entwischen kann. Das sieht Tom ein, schmiedet aber wie stets einen eigenen Alternativplan. Als Erstes soll seine Aufgabe sein, eine Elitetruppe auszubilden. Durch ein blödsinniges Missverständnis kommt es zur vollständigen Exekution dieser Elitetruppe. Dumm gelaufen.

Stattdessen schlägt Tom vor, die Verdammten zu rekrutieren, die in den Kerkern der Ordensburg ihrer Hinrichtung entgegensehen. Insbesondere will er den „Naturphilosophen“ und Erfinder Gerald Hooke für seine militärischen Zwecke haben. Durch eine listige Vertauschung gelingt dies sogar.

Als Erstes soll Tom in einem Feldzug gegen die antagonistischen Folk-Rebellen im südlichen Grenzgebiet neue Taktiken entwickeln, mit denen später der Rest der Welt unterworfen – und vernichtet! – werden kann. Denn der letztendliche Zweck des Glaubens an den Gehenkten Erlöser besteht darin, nicht nur alle Andersgläubigen auszurotten, sondern auch die Erlöser selbst dem Tod und somit der Erlösung zuzuführen. Ein wahres Himmelsfahrtskommando.

Durch Hookes Erfindungen, neuartigen Drill und vor allem durch seinen persönlichen Einsatz gelingt es Tom und seinen „Purgatoren“ (Reinigern), den Folk-Rebellen eine schwere Niederlage zuzufügen. Sie können fortan ihr Stammesgebiet nicht verlassen und bekommen kaum Nachschub, folglich bringen ihnen die folgenden Wintermonate eine schwere Hungersnot. Dieses Problem wäre erledigt.

Aber das nächst folgt sogleich. Die Antagonisten haben auf den Golanhöhen, die nur 150 Meilen von Chartres, der Heiligen Hauptstadt des Papstes, entfernt liegen, ein Söldnerheer der Lakonier aufgestellt. Die Lakonier sind die Spartiaten dieser Welt: Sie leben, um Krieg zu führen. Und sie sind allesamt homosexuell. Der greisenhafte Papst bestimmt den militärischen oberkommandierenden General Van Owen als Befehlshaber der Armee, die die Lakonier vernichten soll.

Obwohl die Lakonier nur 8000 Mann aufbieten und Van Owen fast doppelt so viele, verläuft die Schlacht auf dem Hochmoor ganz anders als erwartet. Tom hat inzwischen seinen Freund Vague Henri wieder bei sich und schaut sich die Sache mit seinen Purgatoren an. Er hat bereits vorausgesagt, wie die Schlacht ausgehen wird. Doch selbst er ist überrascht, wie schlimm es dann kommt. Bosco betraut ihn anschließend mit der Aufgabe, es den Lakoniern heimzuzahlen. Leichter gesagt als getan.

Aber das Hochmoor an den Golanhöhen ist andererseits nur wenige hundert Meilen von Grenze der neutralen Schweiz entfernt – und von einer Frau, die Tom einst sehr viel bedeutet hat …

Unterdessen

Nach der verheerenden Schlacht von Silbury Hill und dem anschließenden Fall von Memphis an die Erlöser sind von den reichen und mächtigen Familien der Materazzi-Ritter nur noch rund 4000 Menschen übrig. Sie finden in Spanish Leeds Zuflucht, einer Stadt an der Grenze der Schweiz, wo auch Kitty der Hase, der Untergrundkönig von Memphis, sein Domizil hat. König Zog gewährt allen Asyl, doch Bose Ikard, sein Kanzler, will die Schmarotzer loswerden.

Unter den Flüchtlingen ist nach dem Tod ihres Vaters nunmehr Arbell Schwanenhals die Königin. Arbell ist hochschwanger, und das Kind scheint von ihrem Gemahl Conn zu sein, ihrem Cousin, der Tom sein Leben verdankt – ebenso wie Arbell übrigens. Tom hat noch eine Rechnung mit Arbell offen, denn nach dem Fall von Memphis verriet sie ihn, als sie mit Bosco sprach. Und seitdem sinnt er auf Rache.

Doch als dann Tom wirklich eintrifft, entwickeln sich die Dinge ganz anders als erwartet. Denn es ist nicht Conns Kind, das Arbell unter dem Herzen trägt …

Mein Eindruck

Dies ist Band 2 der „Cale“-Trilogie. Nach einem sehr schleppenden Anfang, der kaum durch schnelle Dialoge aufgelockert wird, kommt die Geschichte ab etwa Seite 70 allmählich in Fahrt. Da auch das Geschehen des ersten Bandes komplett rekapituliert wird, können Neueinsteiger etwas mit diesem Band anfangen. Ich halte es jedoch ratsam, den ersten Band der Trilogie gelesen zu haben. Nicht nur wegen des außerordentlichen Vergnügens, sondern vor allem, weil der Leser nur so die Gefühle nachvollziehen kann, die Tom für Arbell und Bosco hegt.

Engel des Todes

Der Anfang konzentriert sich deshalb so stark auf die Beziehung zwischen Tom und Bosco, weil nur so zu verstehen ist, wieso Tom nicht gleich wieder abhaut. Tom hat einen festen Platz in Boscos Plänen: als übermenschlichen Wesen, den Engel des Todes. Mit dieser Macht ausgestattet, könnte Tom wesentlich mehr ausrichten, als nur sich wie eine Maus zu verkriechen. Tatsächlich kann Tom praktisch fordern, was er will, und Bosco wird es ihm geben. Sogar Ketzer wie Gerald Hooke und andere Purgatoren. Durch Bosco hat Tom Zugriff auf geheime Vorgänge im Erlöserorden und Zugang zur höchsten Führungsebene. Das will er sich zunutze machen.

Action

Vorerst aber kann sich der abenteuerlustige Leser auf Toms drei Schlachten freuen: einmal gegen die Folk und zweimal gegen die Lakonier. Hier kommt der Actionfan auf seine Kosten. Immer wieder fiel mir bei der Beschreibung der Geografie auf, wie die Ortsbezeichnungen aus unserer Welt wild durcheinandergewürfelt werden, so als handle es sich hier um eine alternative Version unserer Geschichte. Die Golanhöhen liegen nicht im Libanon und Memphis nicht am Nil oder Mississippi. Auch das südafrikanische Veldt, eine Buschsavanne, ist nicht weit von der schottischen Hochmoorlandschaft der Golanhöhen entfernt.

Vorbilder

Andersherum jedoch gilt auch die Übertragung von anderen Namen auf bekannte Völkerschaften und Gruppen. Die Lakonier etwa sind eindeutig Lakedaimonier bzw. Spartiaten, also Elitekrieger, besitzen aber wie die Spartiaten als Sklaven die Heloten, genau wie im Vorbild. Lustigerweise tragen sie schottische Namen wie Jeremy Stuart-Clarke. Und aus dem Adjektiv „lakonisch“ lassen sich feine Wortspiele spinnen.

Die Schlacht gegen die Folk auf dem Veldt sind eindeutig dem Burenkrieg entnommen. Die Danksagung des Autors bezeichnet exakt die Quellen und Vorbilder für die Szene am Duffer’s Drift, einem U-förmigen Flusstal, und für das Konzentrationslager, das Cale für die Folk einrichten lässt. Die Hungersnot der Folk ist jener der Iren Mitte des 19. Jahrhunderts (und frühere) entnommen.

Nacht der Langen Messer

Das dritte Viertel des Buches schildert nicht nur Cales Sieg über die Lakonier, sondern auch den anschließenden Umsturz Boscos in Chartres: Es ist eine Nacht der Langen Messer, der Boscos politische Feinde, wie auch unwillkommene Freunde zum Opfer fallen. Mit dem für Hoffman typischen Sarkasmus werden selbst geringste Morde geschildert. Doch dann gibt es für Bosco und seine Mörderbande ein böses Erwachen: Der Papst – man wagt es kaum auszusprechen – war eine Frau! Und führte die Kirche 20 Jahre lang, ohne dass es jemand merkte! Dementsprechend drastisch fallen Papst Boscos Edikte gegen die Frauen – und ehelichen Sex generell – aus.

Parallelwelt

Es ist klar, dass der Erlöserorden dieser Parallelwelt der römisch-katholischen Kirche zu ihren finstersten mittelalterlichen Zeiten entspricht. Wer „Der Name der Rose“ gelesen hat, wird hier viele parallele Entwicklungen und Elemente finden, so etwa die Abwesenheit von Frauen, die von den jungen Mönchen als wahre Wundertiere betrachten werden – und als Eingang zur Hölle. Auch Bücher sind nur für privilegierte Eingeweihte zugänglich, etwa für Tom Cale.

Unter Räubern

Was Frauen anbelangt, so bilden die Abenteuer von Toms Freund Kleist mit Daisy, einer geretteten Räubergeisel, einen heiteren Kontrapunkt zu den meist grimmigen Abenteuern Toms. Kleist lernt mit Daisy buchstäblich die Frauen und die Liebe kennen. Als sie ihm sagt, sie sei von ihm schwanger, muss sie ihm erst einmal erklären, wo die kleinen Kinder herkommen und gemacht werden. Er hat wirklich absolut keine Ahnung, woher auch?

Mit der listigen Daisy fällt Kleist, der Bogenschütze, wirklich unter die Räuber. Sie ist die Tochter von Suveri, einer Art Räuberhauptmann, der mit seinem diebischen Volk in den Bergen lebt, die nicht weit von Memphis entfernt sind. Die Klephten, wie sie sich nennen, berauben gewohnheitsmäßig die Molosser, welche aber wiederum den Erlösern, die jetzt in Memphis herrschen, tributpflichtig sind.

Als durch Kleists Kriegskunst die Klephten den Molossern derart zusetzen, dass sie keinen Tribut mehr entrichten können, schicken die Erlöser 500 Kriegermönche, um die Klephten zu bestrafen, will heißen: auszurotten. Es kommt zu dramatischen Szenen im Gebirge: Soll die Klephten abwarten und Tee trinken, wie sie das schon immer gemacht haben – oder sollen sie fliehen, wie Kleist, der Fremdling, es dringend anrät? Sie reagieren fast schon zu spät. Der Ausgang der folgenden Schlacht ist alle andere als erfreulich …

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Karlheinz Dürr ist von außergewöhnlich hoher Qualität. Der Text liest sich sehr flüssig und das Deutsch klingt natürlich und modern. Wieder sieht sich der junge Leser hin und wieder mit etwas ausgefallenen Ausdrücken konfrontiert, so etwa „Brayette“, einem Teil einer Ritterrüstung. Aber viel mehr gibt es diesbezüglich nicht.

Sehr gut hingegen fiel mir die etwas derbe Sprache. Da ist vielfach von, ähem, Hinterteilen die Rede und zwar in eindeutig sexuellem Kontext. Der Stil ist der heutigen Umgangssprache schon ziemlich angenähert, sodass jugendliche Leser keine Probleme damit haben dürften.

Druckfehler gibt es zum Glück nur zwei oder drei, die so geringfügig sind, dass ich sie nicht einzeln aufzuzählen brauche.

Unterm Strich

Dem schleppenden Anfang des Buches hätte ich nur drei Sterne gegeben, aber ab Seite 70 weiß sich der Autor rasch zu steigern, bis er mit drei Schlachten meinen Actionhunger zu stillen wusste. Ab Seite 130 las ich das Buch in einem Rutsch. Was nicht weiter schwerfiel, denn es passiert ständig etwas, das Spannung, Abwechslung und Unterhaltung liefert. Action, Sex, schwarzer Humor und viele neue Elemente heben diesen zweiten Band auf das Niveau des ersten Bandes.

Für seine Welt brauchte der Autor nur bei den Katholiken im finstersten Mittelalter nachzuschlagen, denn dort gab es ja auch Orden, Ketzer, Mönche, Kasteiung und vieles mehr – zumindest bis zu Reformation im 16. Jahrhundert. Der Erlöserorden ist ein ganz besonders strenger, der nur an die Vergänglichkeit des Fleisches und die Verdammtheit aller Menschen glaubt.

Die letzten vier Dinge des Originaltitels sind: Tod, Gericht, Himmel und höllische Leiden. Somit wird das Leben hienieden als nichtswürdig erachtet und nur das Jenseits ist etwas wert. Kein Wunder also, dass Bosco die Endzeit gekommen sieht – und tatkräftig an ihren Auswirkungen arbeitet. Deshalb ist Tom, sein Agent, der „Engel des Todes“, etwas Übermenschliches, das die Gläubigen um Heilung, Fürbitte und Erlösung anflehen.

Das Dumme für Tom: Er glaubt nicht an diesen Mumpitz. Dieses Dilemma macht seine Figur so interessant. Vielleicht kann er also diesem finsteren Spuk in Band 3 ein Ende bereiten. Doch Boscos Auftragsmörder sind bereits auf seiner Fährte …

Broschiert: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3442312566
Originaltitel: The Last Four Things

http://www.penguinrandomhouse.de/

Paul Hoffman – Die linke Hand Gottes (Thomas Cale Trilogie 1)

Actionreich, romantisch und spannend: Kriegermönche und die Liebe

Das heilige Kloster des Erlöserordens ist ein trostloser Ort, an dem Hoffnung und Freude unbekannt sind. Wer hierhergebracht wird, für den hat das Leben ein Ende. Die jungen Novizen, die diesen höllischen Ort betreten, müssen das schreckenerregende Regime der Mönche ertragen. Gewalt und Grausamkeit stehen an erster Stelle.

Thomas Cale ist einer dieser unglückseligen Klosterschüler. Er ist vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, da ist er sich nicht sicher. Niemand kann es ihm genau sagen. Schon lange hat er seinen richtigen Namen vergessen. Jetzt nennen sie ihn Cale. Er kann sich an sein früheres Leben nicht wirklich erinnern, und er weiß nicht, was ihn noch alles erwarten wird, aber eines weiß er: Niemals werden sie ihn unterkriegen. Seine Zeit wird kommen, und dann wird er sich rächen … (Verlagsinfo)

Paul Hoffman – Die linke Hand Gottes (Thomas Cale Trilogie 1) weiterlesen

Jules Verne – Paris im 20. Jahrhundert. Zukunftsroman

Zeitflaschenpost: Jules Vernes erster und letzter Roman

Vielen von uns ist Jules Verne als der Autor zahlreicher Jugendbücher vertraut. Dass er dies nicht von Anfang an war, beweist dieser lange verschollene Roman von 1863, Vernes erstes größeres Werk. Nachdem das Manuskript von Vernes Verleger abgelehnt worden war, lagerte es rund 85 Jahre in einem verschlossenen Tresor ohne Schlüssel. Zur Zeit wird es jedoch in zahlreiche Sprachen übersetzt, denn das Interesse an Verne ist weiterhin ungebrochen.

„Die Erzählung handelt von einem jungen Mann, Michel, der in einer Welt aus gläsernen Wolkenkratzern, Hochgeschwindigkeitszügen, gasbetriebenen Automobilen, Taschenrechnern und einem weltweiten Kommunikationsnetz lebt. Im Gegensatz zum Siegeszug von Naturwissenschaft und Technik werden Literatur, Musik und Bildende Kunst allerdings verachtet. Michel, Träger eines Preises für lateinische Literatur, wird in dieser Welt nicht glücklich und nimmt ein tragisches Ende.“ (Wikipedia.de)

Jules Verne – Paris im 20. Jahrhundert. Zukunftsroman weiterlesen

Vernor Vinge – Die Tiefen der Zeit. SF-Erzählungen

In die schnellen Zonen des Denkens

Dieser 800-Seiten-Schmöker versammelt die besten und wichtigsten Erzählungen von Professor Vernor Vinge, einem der am meisten ausgezeichneten US-Autoren der Zukunftsliteratur. Hier finden sich unter anderem folgende Geschichten:

– Die Geschichte von dem Agenten der Erde, der auf einer Siedlerwelt einen Atomkrieg verhindern muss.
– Die Geschichte von dem Studenten, dessen Haustier sich als Angehöriger einer raumfahrenden Rasse entpuppt und ihn mit zu den Sternen nimmt.
– Die Geschichte vom Programmierer, der mit geklauter Computerzeit den „Herrn der Ringe“ im Rechner verfilmt.
Und viele andere Erzählungen.

Der Autor
Vernor Vinge – Die Tiefen der Zeit. SF-Erzählungen weiterlesen

Nancy Farmer – Das Skorpionenhaus

Bewegendes Schicksal in gefahrvoller Welt

22. Jahrhundert: Wenn Matt in den Spiegel schaut, sieht er nicht nur sich… Als er Freunde sucht, findet er Verrat. Als er die Wahrheit erfährt, ist er auf der Flucht. Denn Matt ist kein gewöhnlicher Junge. Er ist der Klon des mächtigsten Mannes der Welt. Sein Schicksal ist das Skorpionenhaus.

Matt ist in der Zukunft geboren, hinein in eine Welt, die ihn verabscheut. Denn Matt ist ein Klon. In einer Gesellschaft, die keine Skrupel kennt, gerät er in ein gefährliches Netz aus Intrigen und Täuschungen. (Verlagsinfo)

Die amerikanische Originalausgabe von „Das Skorpionenhaus“ wurde im Oktober 2002 mit dem „National Book Award„, dem wichtigsten US-amerikanischen Literaturpreis, ausgezeichnet.

Im Oktober 2004 wurde „Das Skorpionenhaus“ mit dem „Buxtehuder Bullen“ als bestes Jugendbuch des Jahres 2003 ausgezeichnet.

Die Autorin
Nancy Farmer – Das Skorpionenhaus weiterlesen

Timothy Zahn – Die Blackcollar-Elite (Blackcollar 01)

Militär-Action für Heinlein-Fans

Die Menschheit hat den interstellaren Krieg gegen die Ryqril verloren, eine mächtige, technisch überlegene Kriegerrasse, die ein Planetensystem nach dem anderen überrennt und jeden Widerstand mit Atomwaffen und Kapfgas brutal unterdrückt.

Die Blackcollars, einst eine Elitegruppe des von Menschen besiedelten Sternenreiches, sind in den Untergrund gegangen und halten sich seit 30 Jahren zurück, um die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden. Sie verfügen auch über kein Backlash mehr, eine für ihre Ausbildung notwendige Kampfdroge, die ihre Reflexe um ein vielfaches beschleunigt.

An einer anderen galaktischen Front sind die Ryqril inzwischen auf einen ebenbürtigen Gegner gestoßen und sind erheblich geschwächt. Für die Menschen bedeutet dies einen Silberstreif am Horizont.

Allan Caine von der Erde, selbst kein Blackcollar, startet zu einer geheimen Mission, um die Blackcollars für einen Guerillakrieg zu gewinnen, doch die ehemaligen Elitesoldaten sind alt geworden und scheinen resigniert zu haben.… (Verlagsinfo)

Timothy Zahn – Die Blackcollar-Elite (Blackcollar 01) weiterlesen

John Gardner – Grendel. Phantastischer Roman

Kains Kind und der Drache der Weisheit

In diesem Klassiker der phantastischen Literatur erscheint die altenglische Sage um Beowulf unter vertauschten Vorzeichen. Gardner schreibt aus der Perspektive Grendels, des Monsters, eines wilden und einsamen Wesens, das mit seiner Mutter in einer Höhle lebt. Grendel ist hin- und hergerissen zwischen seinem wilden, animalischen Tötungstrieb und einem herausragenden Verstand, der ihn zur Sprache und zu einem komplexen Verständnis der Welt befähigt. Er wird zum Beobachter der Veränderung seiner Umgebung durch die Menschen, als diese den Wald nahe seiner Höhle besiedeln.

John Gardner – Grendel. Phantastischer Roman weiterlesen

Robert A. Heinlein – Das geschenkte Leben. SF-Roman

Leiden und Freuden der Superreichen

Johann Sebastian Smith ist reich. So reich, dass er sich alles im Leben kaufen kann. Sogar das Leben selbst. Als er im stolzen Alter von fünfundneunzig Jahren im Sterben liegt, beschließt der geistig topfitte Smith sein Gehirn in einen anderen Körper transplantieren zu lassen. Die Operation ist ein voller Erfolg: Der alte, gebrechliche Mann erwacht im gesunden, jungen Körper … einer schönen Frau! (Verlagsinfo) Aus dem geistigen Duo wird jedoch alsbald ein Trio…

Der Autor
Robert A. Heinlein – Das geschenkte Leben. SF-Roman weiterlesen

Philip José Farmer – Der Steingott erwacht. SF-Roman

Odysseus als Feldherr: Wider den Weltenbaum!

Odysseus Sinclair, ein Mann aus unserer Zeit, erwacht, ohne sich an das Gewesene erinnern zu können, denn er hat 20 Millionen Jahre in Stasis verbracht. Die Welt, in der er erwacht, unterscheidet sich von seiner eigenen ganz erheblich. Die Tiere herrschen wieder – und ein allgegenwärtiger Baum, der über alle herrscht. Odysseus erlebt jede Menge Abenteuer.

Der Autor
Philip José Farmer – Der Steingott erwacht. SF-Roman weiterlesen

Philip José Farmer – Die Irrfahrten des Mr. Green. SF-Roman

Der Bürger als Odysseus

Gestrandet auf einer grünen, wilden, von Barbaren bevölkerten Welt, kämpft der antiheroische Terraner Alan Green ums Überleben. Nach Jahren der Sklaverei im herzoglichen Palast hört er von einem Kaufmann, im fernen Estorya seien zwei außerweltliche „Dämonen“ mitsamt ihrer Rakete gefangengenommen worden – endlich ein Lichtblick! Green macht sich auf, um mit der Rakete diese Welt zu verlassen. Doch bis dahin gilt es viele Gefahren zu überstehen.

Der Autor
Philip José Farmer – Die Irrfahrten des Mr. Green. SF-Roman weiterlesen

Robert A. Heinlein – Starship Troopers. Der Roman zum Film von Paul Verhoeven

Interstellare Käferjagd

Starship Troopers“ ist einer der umstrittensten Romane in der Science Fiction überhaupt. Durch seine militaristische, antidemokratische Haltung rief dessen Autor, Robert Heinlein, auf Jahre hinaus heftige Kritik hervor, die zu dem preisgekrönten Antikriegsroman „Der ewige Krieg“ (1974) von Joe Haldeman, aber auch zu Parodien wie Harry Harrisons „Der Chinger-Krieg“ (1965 als „Bill the Galactic Hero“) führte. Dennoch bekam der Autor dafür 1960 einen HUGO Award.
Robert A. Heinlein – Starship Troopers. Der Roman zum Film von Paul Verhoeven weiterlesen

Jack Campbell – Jenseits der Grenze (Die verschollene Flotte 7)

Auf zu den Aliens! Ein Himmelfahrtskommando?

Admiral John „Black Jack“ Geary ist ein Volksheld, seit er den Krieg gegen die Syndiks gewonnen hat. Das hat ihm einige Politiker zum Feind gemacht, die lebende Helden sehr unbequem finden. Der Krieg ist zwar vorbei, doch Geary und seine Erste Flotte erhalten den Auftrag, die Aktivitäten der Aliens am anderen Ende des Syndik-Raums zu untersuchen. Jetzt, da die Syndik-Welten nicht mehr vereint sind, könnte jede einzelne Spezies eine größere Gefahr darstellen als zuvor.

Geary weiß, dass das Oberkommando und die Regierung seine Loyalität zur Allianz infrage stellen. Daher drängt sich ihm der Verdacht auf: Hat man ihn und seine Leute absichtlich auf ein Himmelfahrtskommando geschickt? (Verlagsinfo)

Jack Campbell – Jenseits der Grenze (Die verschollene Flotte 7) weiterlesen