Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Die drei ??? – Fußball-Teufel (Band 164)

Zur Story

Lenni Carson ist ein wahres Fußballass bei den „Santa Ynez Rapids“ und wartet förmlich auf seine Entdeckung durch Talentscouts bzw. auf seine Berufung in die Profiliga. Die Scouts sind auch schon vor Ort. Doch wer ist die seltsam gewandete, pferdefüßige und nach Schwefel riechende Gestalt, die sich in der Nähe des Sportplatzes herumtreibt und selbst die drei Detektive in Angst und Schrecken versetzt – Vielleicht ist es doch der leibhaftige Teufel, wie Peter sofort mutmaßt? Schließlich soll Ex-Nationalfußballidol John Greyfox – mit dem Lenni Carson inzwischen stilistisch oft verglichen wird – gerüchteweise einen Pakt mit selbigen gehabt haben, bevor er plötzlich am Zenit seines Erfolges von der Bildfläche verschwand. Lenni will auch in letzter Zeit nichts mehr so recht gelingen und er scheint ob einiger merkwürdiger Vorfälle nervlich am Ende. Irgendwie muss der Schlüssel in einer geheimnisvollen Höhle in den nahen Wäldern liegen – einer offenbar alten indianischen Kultstätte und das wiederum passt zur Abstammung von Greyfox und Lenni. Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der beiden. Die drei ??? – Fußball-Teufel (Band 164) weiterlesen

Die drei ??? und das blaue Biest (Band 167)

Zur Story

Ein sehr alter Bekannter bittet die drei Fragezeichen um Hilfe bei einem kniffligen Problem: Andy Carson. Den Schaustellersohn kennen die Jungs, seit sie den Fall „schwarze Katze“ zu lösen hatten. Andy arbeitet inzwischen bei „Movie Empire“ einem riesigen Freizeitpark, der sich – wie der Name bereits richtig vermuten lässt – der Welt des Films verschrieben hat. Seit geraumer Zeit ereignen sich dort mysteriöse Anschläge, die von skurrilen Rätseltexten, welche man jeweils in der Nähe des Tatorts findet, begleitet werden. Das Gefahrenpotenzial erhöht sich dabei stetig, sodass es nur eine Frage der Zeit scheint, bis Personen zu schaden kommen. Bislang ging immer alles glimpflich ab, weswegen die Parkleitung die Sache auch noch unter der Decke halten kann. Zudem streunt angeblich ein mächtiges, blaues, raubtierhaftes Wesen durch den nächtlichen Park – der Beschreibung nach kann es sich um einen Mantikor handeln, dessen arabischer Name übersetzt „Menschenfresser“ bedeutet. Will jemand das „Movie Empire“ ruinieren oder sich der „einzigartige Gabbo“ gar für die Gefängnisstrafe von damals an Andy rächen? Die drei ??? und das blaue Biest (Band 167) weiterlesen

Die drei ??? und das Phantom aus dem Meer (Band 171)

Zur Story

Der neue Klient der drei Fragezeichen ist Mr. Salas und der kommt extra aus Paradise Cove in der Nähe von Malibu. Es scheint dort nicht alles ganz so paradiesisch zu sein, wie es der Name vermuten lässt. Sein sechsjähriger Sohn Colin hatte in einer Bucht die seltsame Begegnung mit einem alten, bärtigen Mann, der wie auf Stufen aus dem Meer zu entsteigen schien und ebenso auch wieder darin verschwand, nachdem er des Jungen gewahr wurde. Vater und Sohn sind darob natürlich ziemlich verstört und wüssten gern, was es damit auf sich hat. Justus, Peter und Bob beschließen also dem malerischen Küstendorf mal einen Besuch abzustatten und stoßen dabei gleich auf eine lokale Legende, die vermuten lässt, dass es sich bei der Erscheinung vielleicht um den Wiedergänger eines Selbstmörders handelt, der sich vor über Achtzig Jahren in der Bucht tragisch das Leben nahm. Insbesondere Justus glaubt keine Sekunde an einen ruhelosen Geist und fragt sich wer derlei Hokuspokus veranstaltet – und warum? Die drei ??? und das Phantom aus dem Meer (Band 171) weiterlesen

Die drei ???: Das Rätsel der Sieben – 7 Kurzgeschichten (Anthologie)

Nach dem erfolgreichen Launch der ersten Anthologie „Die drei ??? und die Geisterlampe“ mit 12 Kurzgeschichten, schiebt KOSMOS nun einen weiteren Band mit deren sieben nach – passenderweise hat man das gute Stück auch gleich mit „Das Rätsel der Sieben“ betitelt.

Die Storys

Der siebte Gast – André Minninger

Emily White, eine nette ältere Dame, engagiert die drei Fragezeichen, da sie sich hintergangen fühlt. Normalerweise gibt es regelmäßig jedes Jahr ein Märchentreffen, bei denen 7 Freundinnen kostümiert feiern, doch für dieses Jahr hat man das Fest abgesagt – aus fadenscheinigen und gelogenen Gründen, wie sie zufällig herausgefunden hat. Die Fete soll ganz offenbar ohne ihre Anwesenheit stattfinden. Doch warum? Mrs White lädt sich und die drei Jungs quasi selbst ein.

Bis um sieben zurück – Kari Erlhoff

Bob ist ernstlich krank und doch muss der dritte Detektiv in seinem arg angeschlagenen, fiebrigen Zustand ein schwieriges Rätsel lösen – Justus und Peter wurden entführt! Bis sieben Uhr hat er Zeit. Doch wie das bei Bob oft so ist, muss er so manchen Schlag auf den Schädel einstecken, welcher ihn jedes Mal in unterschiedliche Realitäten befördert. Was davon ist echt und was Fantasie?

Die drei ???: Das Rätsel der Sieben – 7 Kurzgeschichten (Anthologie) weiterlesen

Erin Morgenstern – Der Nachtzirkus



Worum gehts?

Der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Ein Zirkus, der ohne jede Ankündigung in die Städte kommt und nur bei Nacht geöffnet hat. Das Freudenfeuer, ein Feuer, das permanent brennt und den komplette Zirkus erhellt, wird von zahlreichen geheimnisvollen Zelten umsäumt. Doch hinter der scheinbar so friedlichen Zirkuswelt spielt sich ein übler Wettstreit zwischen zwei verfeindeten Magiern ab. Da sie diesen Kampf nicht vollenden konnten, bereiten sie nun ihre Kinder darauf vor, den Kampf aufzunehmen und zu beenden, was sie nicht geschafft haben. Doch diese Rechnung haben sie ohne die beteiligten Kinder gemacht, denn als diese sich schließlich begegnen, verlieben sie sich unsterblich ineinander. Doch in der Welt des Cirque des Rêves stellt dieses Gefühl ein scheinbar unüberwindbares Problem dar, und bekanntlich kommt ein Problem selten allein … Erin Morgenstern – Der Nachtzirkus weiterlesen

James, Mia – Schule der Nacht, Die (Ravenwood 1)

_|Ravenwood|:_

Band 1: _“Die Schule der Nacht“_
Band 2: „Gefangene der Dämmerung“

Auf eine neue Schule zu kommen, ist nie einfach. Wenn diese aber nicht zu einem passt und zu allem Überfluss auch noch ein Geheimnis zu hütet, ist es gleich dreimal kein Zuckerschlecken. Diese Erfahrung muss auch die Protagonistin von Mia James in „Die Schule der Nacht“, dem ersten Band der Ravenwood-Trilogie, machen.

April Dunne ist nicht sonderlich begeistert, als sie wegen des neuen Jobs ihres Vaters von Edinburgh nach London ziehen und ihr altes Leben und ihre Freunde hinter sich lassen muss. Dass sie von nun an auf eine teure Privatschule namens Ravenwood gehen soll, verschlimmert die Sache noch. Die Sechzehnjährige fühlt sich zwischen ihren hübschen, gut angezogenen und reichen Mitschülern schnell alleine. Zum Glück findet sie in Caro Jackson, einer Außenseiterin an der Ravenwood, schnell eine gute Freundin.

Viel Zeit für Schwermut bleibt April nicht. Bereits bei ihrer Ankunft geht es in ihrem Stadtviertel, dem teuren Highgate, hoch her. Ein berühmter Sänger wurde ermordet. Als April eines Abends über den Highgate-Friedhof läuft, wird sie beinahe Zeugin eines weiteren Mordes an einem jungen Mädchen – aber eben nur beinahe. Gabriel Swift, einer ihrer neuen Mitschüler, rettet sie unsanft davor, den Mord zu beobachten.

Von da an glaubt April, dass der gut aussehende Gabriel sie nicht leiden kann. Auch sonst benimmt er sich ihr gegenüber merkwürdig, doch da ist er nicht der Einzige. Nachdem bekannt wird, dass sie am Abend des Mordes am Tatort war, interessieren sich plötzlich einige der beliebtesten Ravenwoodschüler für sie. Diese neue Beliebtheit ist ungewöhnlich für sie und umso verwirrender, als sowohl Caro als auch Aprils Vater Andeutungen machen, dass an der Ravenwood nicht alles mit rechten Dingen zugeht. April möchte dies nicht glauben, aber dann wird ihr Vater ermordet …

_“Ravenwood – Die Schule der Nacht“_ ist nicht das erste und nicht das letzte Jugendbuch, das sich mit weiblichen Teenagern und finsteren Vampiren beschäftigt. Die Frage ist vielmehr, ob es diesem Thema etwas Neues hinzufügen kann oder nicht.

April Dunne als Hauptperson kann dazu nur wenig beitragen. Das junge Mädchen wirkt blass und hat zu wenige Kanten. Es ist nicht April, die die Geschichte erzählt. Vielmehr erzählt die Geschichte April. Sie ist einfach zu verständnisvoll und versteht Dinge zu schnell, um wie ein richtiger Teenager zu wirken. Es fehlt das Rebellische, Eigenständige, was sie hervorheben könnte. Sie wirkt meist mehr wie eine Statistin ihrer eigenen Geschichte.

Auch die Handlung selbst bietet wenig Neues. Die Autorin baut einen soliden, aber konventionellen Spannungsbogen, der einige Wendungen hat, aber nur wenige Überraschungen. Dass James bekannte Londoner Legenden wie Jack the Ripper in ihre Geschichte einzubauen versucht, ist eine gute Idee, die sie aber nicht konsequent genug durchzieht. Dank des flotten Erzähltempos und der verschiedenen Erzählstränge lässt sich „Die Schule der Nacht“ schnell und angenehm lesen. James schreibt gut und sauber. Ihr Schreibstil hat etwas Berichtendes und verzichtet auf Wortspielereien. Sie macht keinerlei handwerkliche Fehler, aber ein Pageturner ist die Geschichte trotzdem nicht. Erst das Ende verspricht mehr. Der Cliffhanger kommt überraschend und schafft es tatsächlich auf den letzten Seiten noch mal Spannung aufzubauen.

_Letztendlich lässt sich_ die Eingangsfrage einfach beantworten: Nein, Mia James kann dem Genre nichts Neues hinzufügen. Es fehlt ihr an originellen Ideen und der richtigen Hauptfigur. „Die Schule der Nacht“, der erste Band der „Ravenwood“-Reihe, kann in einem Wort als „solide“ beschrieben werden. Es ist nicht sonderlich gut, aber auch nicht sonderlich schlecht. James leistet sich keine groben Schnitzer, aber eben auch keine echten Überraschungsmomente.

|Taschenbuch: 603 Seiten
Originaltitel: By Midnight
Deutsch von Anja Galic
ISBN-13: 978-3442477715|
http://www.goldmann-verlag.de

Vukovic, Predi – Sheela und Marius

_Ambitioniertes_

Auch wenn man der Zielgruppe der 10- bis 12-Jährigen nicht angehört, hat man doch schon mal auf die Computerbildschirme dieser Generation geguckt und als Erstes kann man dort immer einen Charakter auswählen. So bieten die ersten Seiten auch eine solche Bildauswahl an. Da kann man dann entweder Prinzessin oder ihr Koboldfreund sein, Wüstenkönig oder Räuber, und am besten passt noch ins Bild, ein Zauberer mit infernalischen Kräften zu sein. Vukovic gibt an, die Kinder von den Bildschirmen weg in seine Phantasiewelt geholt zu haben, indem er ihnen Gutenachtgeschichten erzählte, die so einschlugen, dass weniger Begabte sie jetzt vorlesen können und auf den gleichen Effekt hoffen.

_Die Story_

Sheela ist eine Prinzessin in einem orientalischen Reich. Natürlich ist sie unsagbar schön und die Erbin eines Reiches, in dem es vorwiegend um Geld und Macht geht. Der Kobold Marius ist ihr einziger Freund, denn bei allen anderen kann sie nicht wissen, ob sie nur wegen ihrer Stellung im Reich gemocht wird. Märchenhaft auch, dass der Kobold Marius nur von ihr wahrgenommen werden kann, aber dennoch eines Tages mir-nichts-dir-nichts verschwindet. Mit Hilfe engelhafter Heerscharen nimmt sie es nun mit einer Reihe von Bösewichtern auf, die ihr auf der abenteuerlichen Suche nach Marius begegnen, in deren Folge sie dann selbst in Gefangenschaft gerät.

Eigentlich geht es immer um Lösegeld, dem zum Schluss ihr eigener Vater nachjagt und sich weniger darum schert, was aus seiner Tochter eigentlich wird. Die verschiedenen kriegerischen und zauberischen Kräfte beharken sich dann so, dass alles letztendlich in einem finalen Inferno endet und eigentlich nur das Pärchen nebst Pferd übrigbleiben. Die Vielfalt der widerstreitenden Kräfte scheint wieder ein bisschen der Computerwelt entlehnt, wo doch auch hinter jeder Ecke einer auftaucht, den es umzunieten gilt.

Auch wie im richtigen Märchen leben die Protagonisten heute noch, während allerdings alles ringsum zu Tode kommt, was in einem Märchen vielleicht nicht ganz so total stattzufinden pflegt.

_Dem gesetzten Leser … _

… ist es vielleicht ein gerüttelt Maß zu viel an Bösewichtern und er verliert leicht die Übersicht. An sprachlichem Appeal ist es einem ein bisschen zu wenig und man hat immer den Eindruck einer bewussten Erschöpfung in einfachster Ausdrucksweise. Ob sich das so einzuprägen versteht, dass es in den Kanon der Märchenwelt aufgenommen würde – das sollte das Urteil der Kinder entscheiden.

|Paperback, 64 Seiten
ISBN-13: 978-3842391611|
http://www.bod.de

Görtler, Carolin – Mein großes Märchenwimmelbuch

Weihnachten ist Geschenkezeit, und da kommt dieses wunderbare Märchenwimmelbuch gerade Recht. Auf insgesamt 24 großformatigen Pappseiten finden sich sieben Märchen der Gebrüder Grimm in mehr oder minder stark gekürzter Form, nämlich Rotkäppchen, Frau Holle, Schneewittchen, Aschenputtel, das tapfere Schneiderlein, Dornröschen und Hänsel und Gretel. Jedem Märchen ist eine riesige Doppelseite gewidmet. Schlägt man eine solche Doppelseite auf, so präsentiert sich das gesamte Märchen zunächst in einem einzigen Wimmelbild, das alle wesentlichen Stationen und Figuren der Geschichte zeigt und unzählige liebevolle Details darüber hinaus. Rechts und links lassen sich Seiten aufklappen, auf denen dann der zugehörige Märchentext steht, und zwar so gekürzt, dass sich jedes Märchen bequem in rund fünf Minuten vorlesen lässt. Dadurch eignet sich das Buch zum Vorlesen nicht erst für Kinder ab drei Jahren, wie vom Verlag angegeben, sondern durchaus auch schon für jüngere Kinder ab zwei oder zweieinhalb Jahren, die sich gerne vorlesen lassen und eine gewisse Aufmerksamkeitsspanne besitzen.

Die Textkürzungen sind mal mehr, mal weniger auffällig. Bei Schneewittchen beispielsweise berichten die ersten zwei Zwerge, dass von ihren Tellerchen gegessen oder auf ihrem Stühlchen gesessen wurde, aber dann springt die Geschichte sofort zum siebten Zwerg, der das hübsche Mädchen in seinem Bett entdeckt. Oder im Fall von Rotkäppchen will der mit Backsteinen gefüllte Wolf vor dem Jäger fliehen und fällt sogleich tot um, statt zu ertrinken, als er seinen Durst stillen will. Wer die Märchen kennt, bemerkt natürlich die Stellen, an denen gekürzt wurde und vermisst vielleicht das eine oder andere Detail. Aber für den Märcheneinstieg eignen sich die Texte ganz wunderbar. Gerade weil es zu jedem Märchen „nur“ ein Bild – wenn auch ein sehr detailreiches – gibt, finde ich es gut, dass die zugehörigen Texte nicht zu lang werden, denn ein kleines Kind wird sonst schnell ungeduldig und möchte umblättern, um etwas Neues zu sehen.

_Ein Riesenwimmelspaß_

Für unseren zweieinhalbjährigen Sohn gehört das große Märchenwimmelbuch bereits zum allabendlichen Zubettgehritual. Mindestens vier Märchen will er jeden Abend hören und während er die Texte vorgelesen bekommt, sitzt er ganz friedlich da und bestaunt die fantastischen Zeichnungen. Wenn er ein besonders schönes Detail entdeckt hat, zeigt er zwischendurch freudestrahlend darauf – sei es ein Gespenst in der Burg des Königs, eine Singschule hoch oben in einer Baumkrone oder zum Beispiel ein duschendes Schweinchen oder Frösche, die in einem kleinen Teich Boot fahren. Egal, wie lange man auch auf jedes der großformatigen Wimmelbilder schaut, man entdeckt immer noch etwas Neues. Während wir beim ersten Lesedurchgang zunächst nur die handelnden Charaktere gesucht und Schlüsselszenen des Märchens ausgemacht haben, gehen wir inzwischen gezielt auf die Suche nach lustigen Details oder auch Gegenständen, die absichtlich in den Bildern versteckt wurden.

Am Ende des Buches finden sich kleine Rätsel, bei denen man prüfen kann, ob man das eine oder andere Detail entdeckt hat. Diese Rätsel eignen sich tatsächlich eher für ältere Kinder, wir haben bislang noch keines in Angriff genommen, aber ich denke, das Märchenwimmelbuch wird bei uns noch sehr lange im Einsatz sein, sodass wir eines Tages auch zu den Rätseln vordringen werden.

Mit dem Märchenwimmelbuch stellt Carolin Görtler erneut eindrucksvoll ihr künstlerisches Talent unter Beweis. Hier ist alles handgemacht, jede Figur ist liebevoll gestaltet und passt stets zu den Texten. Als ich das Buch bestellt habe, habe ich mich durchaus gefragt, wie man ein gesamtes Märchen in nur einem Bild zeigen kann, denn unweigerlich gilt es dabei, für die handelnden Personen eine einzige Schlüsselszene auszuwählen und diese zu zeigen. Carolin Görtler hat diese Auswahl sehr gut gemeistert, denn stets erkennt man die Titelfiguren auf den ersten Blick und muss nicht etwa spekulieren, wer denn wohl diese oder jene Figur sein soll. Manchmal hätte man sich eventuell gewünscht, eine andere Szene zu sehen – beispielsweise Aschenputtel in ihrer Traumrobe oder das tapfere Schneiderlein bei einer seiner Prüfungen, aber stattdessen sieht man die Titelfiguren eben in der Szene, die sie charakterisiert: Dornröschen im Tiefschlaf, Aschenputtel auf dem staubigen Küchenboden vor dem Ofen, Frau Holle beim Betten aufschütteln oder den bösen Wolf aus Rotkäppchen im Bett der Großmutter. Was das Buch ausmacht, sind die vielen Details, die nicht unbedingt etwas mit dem Märchen zu tun haben, die aber sämtliche Bilder so lebendig machen. Zu diesem lebendigen Eindruck hat auch die Malerin Julia Sand-Ilhan beigetragen, die die wunderbaren Zeichnungen farbenfroh koloriert hat.

_Für Märchen ist man nie zu jung oder zu alt_

Ich konnte einfach nicht bis Weihnachten warten, um meinem Sohn dieses wunderbare Märchenwimmelbuch zu geben. Stattdessen haben wir gleich angefangen, es durchzublättern und die herrlichen Wimmelbilder zu betrachten. Seitdem vergeht kein Tag, an dem sich unser Sohn nicht mehrere Märchen daraus vorlesen lassen will. Die Märchentexte sind kindgerecht gekürzt, aber vor allem ist das Buch eine wahre Augenweide. Die Illustrationen sind einfach nur fantastisch und mit einer riesigen Liebe bis ins allerletzte Detail gezeichnet, sodass es immer neue Dinge zu entdecken gibt und das Vorlesen nicht langweilig wird, auch wenn die Texte immer die gleichen bleiben. Wer noch ein schönes Geschenk für Kind, Paten- oder Enkelkind sucht, sollte nicht zögern und seinem Sprössling dieses Buch schenken. Zum Vorlesen eignet sich das Märchenwimmelbuch ab zwei bis drei Jahren.

|Gebunden, 24 Seiten mit farbigen Illustrationen und Ausklappseiten
ISBN-13: 978-3-570-15436-6|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch

_Carolin Görtler bei |Buchwurm.info|:_
[„Tim will zum Fußball“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4945

John Stephens – Das Buch Rubyn (Die Chroniken vom Anbeginn 2)

Die Chroniken vom Anbeginn-Trilogie:

01 „Emerald“
02 „Rubyn
03 „Onyx“

Die Handlung:

Nachdem es den drei Geschwistern Kate, Michael und Emma erfolgreich gelungen ist, das erste der Bücher vom Anbeginn aus den Händen des finsteren Magnus zu retten, sind sie nun bereit für den zweiten Teil ihres Abenteuers. Dieses wird sie an der Seite ihres großväterlichen Freundes Dr. Pym erneut vor gewaltige Herausforderungen stellen, in ferne Welten und Zeiten führen und sie zwingen zu entscheiden, was ihnen wirklich wichtig ist im Leben. Und so kommen die tapfere Kate, der kluge Michael und die unerschrockene kleine Emma dem Geheimnis ihrer Familie und dem mächtigen Buch Rubyn langsam immer näher. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ein neuer Teil der Reihe und ein neues Buch, das es zu finden gilt. Und diesmal lässt die Übersetzerin des Verlags keinen Teil des Originaltitels weg, sie denkt sich einfach einen komplett Neuen aus und macht aus der „Feuerchronik“ direkt „Das Buch Rubyn“ … auch ’ne Möglichkeit, wenn auch keine, die ich nachvollziehen kann. Besonders wenn sich gegen Ende zeigt, warum der Roman im Original „The Fire Chronicle“ heißt und das Wort „Rubyn“ eine Wortneuschöpfung der Übersetzerin ist, die verständlicherweise zu keinem Zeitpunkt erklärt oder aufgelöst wird … wie sollte sie auch.

Wir steigen direkt ein in das schreckliche Leben der Kinder im Waisenhaus. Wobei „Kinder“ nicht mehr so ganz auf alle zutrifft, denn Kate ist mittlerweile schon 15. Nicht verändert haben sich allerdings ihre Lebensumstände und die Charaktere, die über sie im Alltag bestimmen. Und sofort ist der Stammleser wieder in der Welt der drei Geschwister.

Der Autor macht es seinen Lesern aber auch leicht, sich auf die Story einzulassen, besonders wenn sie den Vorgängerband gelesen haben und sich noch vage an die Charaktere erinnern können. Durch Handlung und Dialoge werden schnell Sympathien und Antipathien verteilt und der Leser ist schnell auf Seiten der Kinder, um ihnen wieder beizustehen. Das kann man dann auch recht schnell, denn fix wirds dramatisch und plötzlich ist Kate verschwunden und wir sind zusammen Michael, Emma und mit dem Zauberer Dr. Pym in Italien … das Abenteuer kann beginnen. Werden die drei Kate finden und die Prophezeiung erfüllen … oder sogar ihre Eltern finden? Was hat der fiese Magnus vor … davon ab, dass auch er die drei magischen Bücher in seinen Besitz bringen will? Und schon kommt wie bereits beim Vorgängerroman der direkte Vergleich zum HARRY- POTTER-Franchise in den Kopf des Lesers, denn auch Magnus als Hauptgegner sammelt eine Armee um sich … ob die wohl auch Death Eaters heißen?

Aber nicht nur Fragen gibts im „Buch Rubyn“, sondern auch Antworten. Besonders interessant für den Fan der Reihe sind die Infos zu der Herkunft und der Geschichte der drei magischen Bücher. Und auch wer Sir Hasi ist und warum er so heißt und warum er das gar nicht so toll findet, erfahren wir.

Und so folgen wir in dieser Geschichte hauptsächlich Michael, der auf der Suche nach dem „Buch Rubyn“ ist, danach, was es so besonders macht und nach seiner eigenen Bestimmung. Aber auch Kates Handlungsfaden ist spannend, hängt sie doch in der Vergangenheit fest und macht dort ein paar interessante Bekanntschaften. Und hüben wie drüben gibts allerlei Geschöpfe, die Fantasy-Fans auch gern mal kennenlernen würden … ok, nicht alle, manche nur von Weitem … schnell mal winken und dann weglaufen.

Es wird gekämpft, gestorben, entführt, wieder zum Leben erweckt und noch so einiges mehr. Perfekt für die Leinwand, nicht nur für die im Kopf des Lesers.

Der Autor

John Stephens ist als Drehbuchautor und Produzent bekannt geworden. Er wirkte nach seinem Studium an so erfolgreichen Fernsehserien wie Gossip Girl oder Gilmore Girls mit. Erst Philip Pullmans Goldener Kompass-Trilogie brachte ihn schließlich auf die Idee, sich dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern zu widmen. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Elfen, Drachen, Zauberer, Reisen an ferne Orte und in die Vergangenheit … all das und mehr steckt im zweiten Teil der „Chroniken vom Anbeginn“. Dank der flüssig zu lesenden Beschreibungen der Szenarien und der lebendigen Dialoge ist der Leser von Anfang an in der Story und fiebert jeder Begegnung und Wendung entgegen, die sich der Autor hat einfallen lassen.

Dabei gehts wie schon im ersten Teil durchweg spannend zur Sache und Langeweile kommt weder für die drei Geschwister noch für den Leser auf. Die Lesestunden vergehen wie im Flug, die Seiten blättern sich fast von allein um und es bleibt das Verlangen, dass John Stephens möglichst schnell den dritten Teil der Trilogie zu Ende bringt oder jemand endlich mit der Verfilmung des Stoffes anfangen möge, denn die „Chroniken vom Anbeginn“ sind bestes Hollywood-Material.

Und so hinterlässt uns des Autors Geschichte einen Cliffhanger, der uns wiederum traurig und erwartungsvoll zurücklässt. Alles wird gut … bestimmt … hoffentlich … es muss.

Hardcover: 496 Seiten
Originaltitel: The Fire Chronicle – Books of Beginning 2
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst
Mit Illustrationen von Jon Foster
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 10-13 Jahre
ISBN-13: 978-3570153932
www.randomhouse.de/cbjugendbuch
www.EmeraldAtlas.com

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

Schlieper, Birgit – Schmerzspuren

_Inhalt_

Als sich Ben zum ersten Mal mit dem Zirkel ritzt, tut es höllisch weh. Und höllisch gut. Er braucht dieses Ventil. Denn plötzlich ist nichts mehr, wie es war: Sein bester Kumpel Philipp ist weggezogen. Zu Hause hakt es gewaltig im Getriebe. Und in der Schule auch. Ben ist wütend, rastlos, ruhelos. Dann steigt auch noch Lea aus seiner Band aus. Wieder jemand, der ihn allein lässt. Da greift Ben zum Teppichmesser. Und weiß, dass er es wieder tun wird …

_Meinung_

Selbstverletzendes Verhalten (oder auch SVV) – eine Krankheit, die Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen anspricht. Es gibt bereits einige Bücher, die ich zu dem Thema gelesen habe, leider habe ich jedoch noch kein Buch erlebt, dass so schlecht umgesetzt wurde, wie dieses hier.

„Schmerzspuren“ wirkt leider sehr lieblos geschrieben, der Schreibstil ist zwar einigermaßen in Ordnung, allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sich die Autorin im Vorfeld ausführlich mit dem Thema SVV beschäftigt hätte. Zwar versucht sie, Bens Entscheidungen einigermaßen authentisch zu begründen, allerdings fehlen mir da zu sehr die Emotionen und die Hintergrundinformationen, die so ein Buch dringend benötigt.

Interessant ist es jedoch, dieses Thema einmal aus der Sicht eines Jungen zu lesen. Zwar konnte ich mit Ben als Charakter leider kaum etwas anfangen, aber dennoch wollte ich ihm eine Chance geben und mit ihm fühlen, ihn verstehen, aber leider war dies nicht möglich, da alles sehr lieblos und oberflächlich erzählt wird. Ich hatte mehrmals das Gefühl, als hätte sich die Autorin selbst nicht mit ihrem Protagonisten anfreunden können, da man ihn kaum kennen lernt. Zwar weiß man, dass es in seinem Leben nicht wirklich rund läuft, allerdings erfährt man nicht so viel über seine Gedanken, Gefühle und Beweggründe. Dadurch plätschert die Geschichte vor sich hin und bleibt nicht lange im Gedächtnis. Sehr schade, denn so ein Thema geht heutzutage eigentlich jeden Menschen etwas an.

Komisch wird es in der Mitte des Buches, wo es plötzlich nur noch um das Thema Musik und Band geht. Das selbstverletzende Verhalten rückt weit in den Hintergrund, sodass ich mich mehrfach beim Lesen gefragt habe, ob ich was verpasst hätte. Ich hätte mir von der Autorin ein bisschen mehr Interesse für das eigentliche Thema gewünscht, aber dies ist anscheinend zu viel verlangt.

Das Cover ist auch so eine Sache. Eigentlich ist das Thema SVV damit im Groben relativ gut getroffen, allerdings wirkt auch dies relativ lieblos. Eine Rasierklinge ist ja schön und gut, allerdings wird diese in dem Buch nicht einmal großartig behandelt. Ein anderes, etwas dunkleres Cover, hätte dem Buch mehr Dramatik verleiht. Die Kurzbeschreibung liest sich dagegen gut und war für mich der Grund das Buch zu lesen.

_Fazit_

Insgesamt hat mich „Schmerzspuren“ sehr enttäuscht. Das wichtigste Thema wird oberflächlich behandelt, das Thema Musik dagegen deutlich detaillierter, sodass ich mich oftmals fragen musste, was mir die Autorin mit der Geschichte überhaupt sagen wollte. Eine Kaufempfehlung kann ich daher leider nicht aussprechen. Wer sich jedoch für das Thema SVV interessiert, sollte „Schmerzverliebt“ (Kristina Dunker), „Rote Linien“ (Brigitte Blobel) oder „Liebt mich!“ von Dianne Bates lesen.

|Taschenbuch: 160 Seiten
ISBN 978-3570305768|
http://www.randomhouse.de/cbt
http://www.birgitschlieper.de

Katie Kacvinsky – Dylan & Gray

First Comes Love:

Band 1: „Dylan & Gray“
Band 2: „Second Chance“
Band 3: „Finally, forever“

Inhalt

Gray ist ein cooler Typ. Er läuft nur mit seinem iPod auf den Ohren rum und interessiert sich nicht sonderlich für das, was um ihn herum passiert. Dylan ist das pure Gegenteil: Sie sprüht vor Energie, steckt voller Ideen und vor allem will sie aus jedem Tag etwas Besonderes machen. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein – und doch bemerken sie einander, lernen sich kennen, freunden sich an und verlieben sich schließlich ineinander. In Dylans klapprigem Auto erkunden sie die Wüste in der Sommerhitze, sie schreiben eine Ode auf einen Kaktus und adoptieren einen zotteligen Hund. Doch irgendwann ist der Sommer zu Ende. Gray winkt ein Sportstipendium an einem weit entfernten College. Und auch Dylan hat Pläne: Sie will die Welt sehen und weiter jeden Tag wie ein Wunder erleben. Die beiden erleben, wie leicht es ist, sich zu verlieben – und wie viel schwerer es sein kann, sich zu verzeihen und wiederzufinden, wenn man sich einmal verloren hat.

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Thiemeyer, Thomas – Logan und Gwen (Das verbotene Eden 2)

Das verbotene Eden:

Band 1: David und Juna“
Band 2: „Logan und Gwen“
Band 3: „Magda und Ben“

Gwens Leben ist völlig aus der Bahn geraten. Juna hat sie verlassen … für einen Mann! Um sich von ihren Schuldgefühlen abzulenken, meldet Gwen sich freiwillig für ein Himmelfahrtskommando. Und gerät prompt in Gefangenschaft!

Wie sich in dieser Fortsetzung zu |Das verbotene Eden| herausstellt, ist die Frage, wie es mit David und Juna weitergeht, gar nicht relevant. Letztlich geht es darum, wie es mit den Zurückgebliebenen weitergeht. Dabei tauchen natürlich auch ein paar neue Charaktere auf.

Gwen war schon immer eher der häusliche, sorgende Typ. Nicht umsonst will sie unbedingt Heilerin werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie völlig harmlos ist. Gwen weiß sich durchaus durchzusetzen, und wenn es drauf ankommt, beweist sie auch Mut und Kampfgeist.

Auch Logan sieht man den Kämpfer nicht unbedingt an. Er ist weder besonders groß noch besonders muskelbepackt. Dafür benutzt er im Gegensatz zu vielen anderen auch seinen Kopf. Außerdem ist er ziemlich gut darin, andere einzuschätzen. Und wie David hat er ein ausgeprägtes Gespür für richtig und falsch.

Cedric, dem Sohn von Logans Warlord, geht dieses Gespür vollkommen ab. Er ist ein hinterhältiger, eitler, ehrgeiziger Egomane, der Begriffe wie Verantwortung, Fairness oder Diplomatie unter P wie Papierkorb ablegt. Unnötig zu erwähnen, dass ein solcher Mensch ausgesprochen rachsüchtig reagiert, wenn jemand ihm einen Strich durch die Rechnung macht.

Schon bei der Charakterzeichnung des ersten Bandes fiel mir auf, dass Thiemeyers Charaktere nur mäßig Schattierungen aufweisen. Von Anfang an ist klar, wer die Guten und wer die Bösen sind, Grauzonen fehlen. Obwohl die Figuren ansonsten gut und nachvollziehbar angelegt sind, empfand ich diesen Punkt zunehmend als störend, vielleicht auch deshalb, weil die Personenkonstellation sich in beiden Büchern so sehr ähnelt: Für Juna und David kamen Gwen und Logan, für den Abt der Benediktiner kam Logans Vater Gunnar, für Amon kam Cedric. Eine Weiterentwicklung einzelner Charaktere wäre da womöglich hilfreich, getan hat sich diesbezüglich leider nichts. Selbst Edana, die nach den Vorfällen an der Raffinerie so überraschend mild reagierte, ist wieder genau dieselbe erbarmungslose Männerhasserin wie zuvor.

Auch die Handlung weist spürbare Parallelen auf. David wurde von den Frauen gefangen genommen, diesmal ist es Gwen, die in die Hand der Männer gerät; Amon war auf Juna eifersüchtig, Cedric ist eifersüchtig auf Logan. Das zieht sich durch nahezu die gesamte Grundhandlung. Die beiden Teile unterscheiden sich kaum darin, was geschieht, höchstens darin, wie es geschieht.

Dazu kommt, dass das Hauptaugenmerk natürlich auf Logan und Gwen liegt. Und auch diesmal hat sich der Autor viel Zeit damit gelassen, zunächst einmal die jeweilige Situation der beiden zu zeigen, ehe er sie zusammentreffen lässt. Bis es so weit ist, ist das halbe Buch gelesen. Richtig ernst wird es für die beiden erst auf den letzten hundert Seiten.

Da sich die Handlung so eingehend mit Logan und Gwen beschäftigt, bleibt für das Geschehen im Hintergrund, die Entwicklung hin zu einem erneuten Krieg, nicht mehr viel Raum, sodass die eigentliche Weiterentwicklung der Geschichte nahezu untergeht.

Einziger wirklich neuer und daher interessanter Aspekt waren die Zusammenhänge mit der Figur des Wanderers. Mit ihm ist allerdings ein Punkt ins Licht gerückt, den ich schon im ersten Band als unlogisch empfunden habe. Bereits dort fragte ich mich, warum die Stadt und ihre Umgebung keinen Kontakt zum Rest der Welt haben. Jetzt werden erstmals Wanderer erwähnt, Männer, die man in ihrer Funktion mit mittelalterlichen Barden und reisenden Geschichtenerzählern vergleichen könnte. Und doch erscheint mir das zu wenig. Gut, reisen ist gefährlich, aber das hat die Menschen noch nie davon abgehalten herauszufinden, was hinter dem Horizont liegt. Gibt es denn niemanden, der wissen will, wie das Leben in anderen Gegenden der Welt aussieht? Warum hat weder der Inquisitor noch der Rat der Frauen je versucht, dort vielleicht Verbündete zu finden? Neue Ressourcen zu erschließen? Verlorengegangenes Wissen aufzustöbern? Diese extreme Isolation erscheint mir höchst unwahrscheinlich.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass das Buch nicht wirklich schlecht war. Auch der erste Band war ja nicht schlecht. Aber so richtig gefangennehmen konnte es mich auch nicht. Was im ersten Band noch einen erheblichen Teil der Faszination ausmachte, nämlich das Setting, ist jetzt bereits bekannt. Die neuen Figuren weisen starke Ähnlichkeit zu denjenigen auf, die nicht mehr dabei sind, gebliebene Figuren haben sich zu wenig entwickelt. Und die Handlung ist in ihren Grundzügen ebenfalls nahezu dieselbe. So las die Geschichte sich großteils wie ein riesiges Déjà-vu.

Ich hoffe deshalb sehr, dass der dritte Band etwas frischen Wind mitbringt. Der Titel „Magda und Ben“ klingt schon mal vielversprechend, und sei es nur, weil da offenbar Personen im Mittelpunkt stehen werden, die alt sind und bereits eine gemeinsame Vergangenheit haben. Wenn dazu noch etwas Bewegung in das Denken und Fühlen des einen oder anderen Charakters kommt, etwas mehr von der großen weiten Welt und etwas mehr Dynamik in die Ereignisse – immerhin droht da ein Krieg! – dann könnte der Abschluss der Trilogie durchaus noch einmal interessant werden.

Thomas Thiemeyer stammt aus Köln und arbeitete nach einem Geologie- und Kunststudium zunächst als Grafiker und Illustrator, eher er sich vermehrt dem Schreiben zuwandte. Sein Debutroman „Medusa“ erschien im Jahr 2004, seither hat er eine ganze Anzahl weiterer Romane geschrieben, nicht nur Thriller, sondern auch den Jugendbuchzyklus Die Chroniken der Weltensucher, der inzwischen aus vier Bänden besteht. Wann der letzte Teil von Das verbotene Eden erscheint, steht noch nicht fest.

Gebundene Ausgabe: 463 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-65325-8

http://www.droemer-knaur.de/home
http://www.thiemeyer.de/

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Moss, Alice – Mortal Kiss – Ist deine Liebe unsterblich? (Mortal Kiss 1)

_|Mortal Kiss|:_

Band 1: _“Mortal Kiss – Ist deine Liebe unsterblich?“_
Band 2: „Mortal Kiss – Wem gehört dein Herz?“

_Inhalt_

In der Kleinstadt Winter Mill scheint die Zeit stillzustehen. Bereits im September ist die Stadt vollkommen eingeschneit, was mehr als unüblich ist. Zudem ist die Stadt verunsichert, weil sich eine Gruppe von Bikern in den Wäldern niedergelassen hat. Viele Einwohner sehen eine Gefahr in sie und meiden sie, wo sie nur können. Nur Faye und ihre Tante Pam sind da anderer Meinung und geben den Bikern eine Chance. Doch als dann eine Leiche in den Wäldern gefunden wird, wissen auch sie nicht, wem sie trauen sollen.
Mit Mercy und ihrem Sohn Lucas kommt neuer Schwung in die Stadt und die Menschen können den Mord vergessen. Mercy, eine reiche und prominente Frau, ist direkt das Stadtthema und jeder möchte mehr über sie erfahren. Wieso ist ausgerechnet sie in so eine Kleinstadt gezogen?

Als Faye nach einer Party von Wölfen angriffen wird, scheint sich endgültig alles um sie herum zu verändern. Die Bürger der Stadt verändern sich und wirken wie hypnotisiert und Faye wird von Lucas und Finn, einem der Biker, umgarnt. Doch für wen wird sie sich entscheiden? Und wieso scheint die Stadt wie verzaubert?

_Meinung_

„Mortal Kiss“ war für mich mehr oder weniger ein Experiment, denn normalerweise bin ich nicht unbedingt ein Fan von Geschichten, die Werwölfe thematisieren. Allerdings hat mich dieses Buch dann doch sehr überrascht, denn diese Geschichte ist weit mehr, als eine einfache Fantasy-Geschichte. Die Geschichte lebt hauptsächlich von den Charakteren, die in dem Buch erwachsen werden und ihre Sicht der Dinge ändern. Vorurteile lösen sich auf und man erkennt, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint.

Alice Moss hat mich mit ihrem Schreibstil überzeugt. Sie schreibt flüssig, mitreißend und auch die teilweise saloppe Jugendsprache kam gut rüber, ohne aufgesetzt zu wirken. „Mortal Kiss“ ist Alice Moss‘ erstes Buch.

Die Geschichte legt sich nicht auf eine Perspektive fest und wechselt immer hin und her, was mir die Charaktere direkt näher gebracht hat. Ihre Gedanken sind zum Großteil nachvollziehbar und trotz der vielen Fantasyelemente sehr authentisch.

Vor allem die Charaktere haben mir nach anfänglichen Schwierigkeiten ganz gut gefallen. Vor allem Faye ist ein Mädchen, dass man schnell ins Herz schließt. Durch den frühen Tod ihrer Mutter lebt sie mit ihrem Vater und ihrer Tante zusammen. Da ihr Vater beruflich oft wochenlang aus der Stadt raus ist, kümmert sich ihre Tante Pam wie eine Mutter um sie, was Faye sichtlich gut tut. Sie ist intelligent, zielstrebig und verlässt sich nicht nur auf ihr Herz. Trotzdem ist sie an manchen Stellen doch sehr naiv, besonders was ihre Gefühle für Finn und Lucas betrifft. Beide kennt sie nur ein paar Tage, entwickelt aber zum Teil derartig starke Gefühle, sodass ich da nur mit dem Kopf schütteln konnte.

Gefühlstechnisch ist es bei Liz genauso, wobei Liz noch eine Spur naiver als Faye ist. So malt sie sich z. B. direkt bei ihrer ersten Begegnung mit Lucas aus, wie sie zusammenkommen und das Traumpaar der Schule werden. Viele Sympathiepunkte hat sie während der Geschichte nicht bei mir gesammelt.

Lucas und Finn können unterschiedlicher nicht sein. Beide haben einen unterschiedlichen Lebensstil und andere Ziele im Leben, lassen sich aber von der gleichen Macht beherrschen, was nur nicht auf dem ersten Blick klar ist. Deutlich sympathischer war mir hier Finn. Er ist weniger aufdringlich und strahlt etwas Düsteres aus, was direkt mein Interesse geweckt hat. Lucas ist mir dagegen zu aufdringlich und selbstsicher gewesen. Leider gibt es in diesem Buch ein paar größere Logikfehler.

Beispiel: Faye flüchtet aus dem Wald und lässt ihr Handy fallen. Da sie vor den Wölfen große Angst hat, rennt sie einfach weiter, ohne das Handy zurückzuholen. Als sie an der Straße ankommt, wird sie direkt von Finn gefunden und nach Hause gebracht.Am nächsten Tag schreibt ihr Liz eine SMS, die sie direkt beantwortet. Wie kann das sein? Es wird nirgendwo erwähnt, dass das Handy zurückgeholt wurde oder sie ein neues hat. Und sollte sie ein neues Handy haben: Woher sollte Liz ihre Nummer haben?

„Endlich bekam Faye ihr Handy zu fassen, doch die verfrorenen Finger verfehlten die Wahltasten, und das Gerät fiel ihr aus der Hand und verschwand im Schnee. Faye schluchzte auf, traute sich aber nicht, stehen zu bleiben, sondern rannte weiter, mobilisierte all ihre Kräfte.“ (Seite 77)

„Sie zog ihr Handy aus der Tasche und bat Faye per SMS, ins Einkaufszentrum zu kommen, weil sie ein Geschenk für sie habe. Dann wartete sie nervös auf Antwort, denn vielleicht war Faye ja so wütend auf sie, dass sie ihre Nachricht ignorierte oder sie schrieb ihr – schlimmer noch – zurück, sie wolle sie nie wieder sehen […] In diesem Moment vibrierte ihr Handy in der Tasche. Angespannt öffnete Liz die Nachricht, lächelte dann aber: ‚Komme, so schnell ich kann‘, stand auf dem Display.“ (Seite 97/98)

Knapp 100 Seiten später wird dann mal endlich auf das verloren gegangene Handy eingegangen: Faye hat angeblich ihr neues Handy verloren, wieso ihre beste Freundin aber ausgerechnet dann eine SMS an die alte Handynummer schreibt, wird nicht aufgelöst.

Etwas irritiert hat mich auch das Cover. Im Prinzip passt es schon sehr gut zur Geschichte und ist auch liebevoll gestaltet, aber das Mädchen auf dem Cover kann nicht Faye sein, denn diese wird im Buch als dunkelhaarig beschrieben. Da wäre es besser gewesen, wenn man sich für das Cover eine andere weibliche Person ausgesucht hätte.

_Fazit_

Insgesamt konnte mich „Mortal Kiss“ trotz einiger Fehler von sich überzeugen und zum Ende hin sogar überraschen. Ob eine Fortsetzung tatsächlich nötig ist, bezweifel ich, dennoch werde ich auch diese höchstwahrscheinlich lesen, weil mir Faye einfach wahnsinnig sympathisch ist. Besonders empfehlenswert für Fans von Maggie Stiefvater und Stephenie Meyer.

|Gebundene Ausgabe: 347 Seiten
Originaltitel: Mortal Kiss
Ins Deutsche übertragen von Anna Serafin
ISBN 978-3863960186|
http://www.egmont-ink.de

Jarzab, Anna – kalte Herz der Schuld, Das

_Inhalt_

Es waren vier Schüsse mitten ins Herz, die Carly töteten. Ein Jahr ist seit dem Mord vergangen und der vermeintliche Täter sitzt im Gefängnis. Doch es gibt zwei Menschen, die an dieser allzu leichte Wahrheit zweifeln: Neily, Carlys damaliger Exfreund und Audrey, ihre beste Freundin und – Tochter des Mörders! Die beiden beginnen Fragen zu stellen und entblättern nach und nach die düsteren Geheimnisse, die Carlys Tod umgeben – eine Spirale von Schuld, Schweigen und Selbstzerstörung tut sich auf. Alle Spuren erzählen von den ungeahnten Abgründen, in die ihre Freundin sich stürzte … und führen zu ihrer Clique an der Eliteschule von Brighton. Was wusste Carly? Und wer wollte sie zum Schweigen bringen?

_Meinung_

„Das kalte Herz der Schuld“ hat mich direkt angesprochen, als ich es in den Händen hielt. Das wunderschöne Cover und die Kurzbeschreibung waren sehr vielversprechend, sodass ich recht schnell mit dem Lesen begonnen habe – und es hat sich gelohnt.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Geschichte wird schnell und leicht erzählt und trotz der Dicke des Buches kam keine Langeweile auf. Allerdings habe ich mir ein bisschen mehr Spannung gewünscht, denn diese ist trotz der gut ausgearbeiteten Ermittlungen und all dem Hinterfragen deutlich zu kurz gekommen. Einen Pluspunkt gibt es allerdings dafür, dass die Geschichte aus der Sicht von Neily und Audrey erzählt wird, statt aus einer neutralen Perspektive. Ebenfalls gelungen sind die Protagonisten.

Neily und Audrey konnten mich von Anfang an überzeugen. Sie wollen den Tod ihrer Freundin und Cousine nicht wahrhaben und glauben nicht daran, dass der mutmaßliche Täter tatsächlich der Mörder ist. Sie hinterfragen die bisherigen Ermittlungen und versuchen die Wahrheit herauszufinden. Dabei werden sie jedoch von der Polizei im Stich gelassen, sodass sie selbst Nachforschungen anstellen. Diese werden – wie auch die Beiden selbst – authentisch dargestellt und ich konnte ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. Aber auch die verstorbene Carly lernt man gut kennen, denn es werden viele Rückblicke gezeigt, die vor ihrem Tod stattfanden.

Ein kleiner Kritikpunkt – neben der oftmals fehlenden Spannung – sind die vielen Klischees, mit denen man sich als Leser auseinandersetzen muss. Die Autorin hat quasi nichts ausgelassen: Drogen, Alkohol, Gewalt, Liebeskummer, High School, Freundschaften, falsche Freunde. Dies kann zwar ab und an interessant sein, jedoch waren mir das doch ein paar Klischees zu viel auf einmal.

Allerdings hat mich die Autorin auch so manches Mal in die Irre geführt, denn die Geschichte – speziell das Ende – ist alles andere als vorhersehbar. Zwar hatte ich hier und da meine Vorahnungen, allerdings musste ich so manchen Gedanken wieder verwerfen. Auch die Emotionen konnten mich begeistern. Neily und Audrey führen oftmals sehr melancholische Gespräche miteinander, um herauszufinden, was mit Carly geschehen ist. Allerdings können sie auch recht locker miteinander umgehen, was sarkastische Gespräche beweisen. Man merkt beiden jedoch an, wie groß ihr Gefühlschaos ist und mit welcher Leidenschaft sie an die Ermittlungen herangehen.

Wenn man das deutsche Cover mit dem Originalcover vergleicht, so gewinnt hier klar die deutsche Ausgabe, die zwar verspielter ist, aber dennoch sehr nahe am Thema liegt. Auch die Kurzbeschreibung hat mir gut gefallen und hat nicht in die Irre geführt. Allerdings hat mir der Titel nicht so ganz zugesagt und ich habe auf eine bessere Übersetzung gehofft.

_Fazit_

Insgesamt ist „Das kalte Herz der Schuld“ ein Jugendthriller, der sich gut lesen lässt, aber nicht die erhoffte Spannung und Nervenkitzel vorweisen kann, die ich erwartet habe. Allerdings sind die Charaktere so gut gelungen, dass man gerne über die fehlende Spannung hinweg sehen kann. Empfehlenswert!

|Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: All Unquiet Things
Ins Deutsche übertragen von Ursula Höfker
ISBN 978-3570307670|
http://www.randomhouse.de/cbt
http://www.annajarzab.com

Fehér, Christine – Schwarze Stunde

_Inhalt_

Zwölfte Klasse, Studienfahrt. Eine Schülerin fehlt, als alle am Frühstückstisch sitzen: die gerade 18 gewordene Valerie, der man nachsagt, zwischen ihr und dem Englisch-Referendar Corvin Schwarze sei was am Laufen. Da kommt die Polizei in den Raum: Valerie wurde schwer verletzt gefunden – jemand hat sie von einer Klippe gestürzt. Aber wer? War es ihr Ex-Freund Manuel, der nie über die Trennung hinwegkam? Ihre Freundin Alena, die ihr die Heimlichtuerei verübelt? Die Klassenlehrerin Frau Bollmann, die selbst in Corvin Schwarze verliebt war? Oder etwa Corvin selbst, der nicht akzeptieren wollte, dass Valerie Abstand von ihm suchte?

_Meinung_

Christine Fehér – eine Autorin, die man einfach nicht ignorieren kann. Nach „Dann bin ich eben weg“, „Elfte Woche“ und „Dornenliebe“ ist „Schwarze Stunde“ mein viertes Jugendbuch von ihr. Leider ist „Schwarze Stunde“ allerdings auch das schwächste Buch, welches ich von der Autorin kenne.

Der Schreibstil ist wie immer große Klasse. Christine Fehér versteht es, ihre Leser an die Seiten zu fesseln, um mit den Charakteren mitzufiebern. Ihre Sprache ist leicht, flüssig und spannend. Die Geschichten sind immer aus dem Leben heraus und geben nie den Anschein, unauthentisch oder übertrieben dargestellt zu sein. Christine Fehér hat mich zudem bislang immer mit ihren Charakteren begeistern können. Dies war bei „Schwarze Stunde“ leider nicht so, denn ich wurde mit Valerie alles andere als warm.

Sie hat eine leicht schroffe Art, die mit Sicherheit nicht jeden Leser anspricht. Ihre stellenweise gleichgültige und patzige Art konnte mich nicht begeistern, sodass ich auf so mancher Seite ziemlich genervt von ihr war. Sie ist alles andere als ein leichter Mensch, was u.a. durch ihre Erfahrungen herführt, allerdings ist in meinen Augen nicht alles damit entschuldbar. Lediglich im Zusammenspiel mit Corvin war sie für mich erträglich.

Sie lernt Corvin auf dem Flug von England nach Deutschland kennen und lieben, was sie jedoch nicht ahnt: Er wird ihr neuer Referendar.

Natürlich ist dies keine einfache Situation für die Schülerin und auch Corvin muss einiges überdenken, allerdings müssen sie sich auch mit dem Hass und den Zweifeln anderer Menschen auseinandersetzen, denn Valeries Ex Freund macht ihr das Leben zur Hölle und auch ihre Freundin Alena kann mit ihrem Neid und Eifersüchteleien nicht Ruhe geben.

Corvin ist ebenfalls nicht unbedingt der angenehmste Protagonist, den ich mir vorstellen konnte. Zwar gibt er zusammen mit Valerie ein gutes Bild ab, allein ist er jedoch sehr gewöhnungsbedürftig, da er sich gar nicht wie eine Respektperson benimmt, sondern noch sehr kindisch und naiv. Es ist zwar schön, wenn man eine Band mag, aber stellenweise kam er mir doch wie ein Groupie vor, den man sich in dem Alter nicht mehr unbedingt vorstellen mag. Dass dies so kommentarlos hingenommen wurde, hat mich sehr gewundert.

Aber nicht nur Neid, Eifersucht und Liebeskummer spielen hier eine Rolle, sondern auch Mobbing und Selbstfindung. Bei manchen Menschen in Valeries Klasse merkt man schnell, dass sie noch nicht wissen, wer sie sind und wohin ihr Weg gehen soll. Für sie ist daher oftmals Mobbing die einzige Lösung, ohne dabei auf andere zu achten. So wird nicht nur Valerie ein Opfer dessen, sondern auch andere. Gleichzeitig ist in diesem Buch vieles nicht so, wie es scheint. Manche Szenen kamen absolut unerwartet, sodass ich so manches Mal von der Autorin überrascht wurde. Auch das Ende hat mich überrascht und war alles andere als vorhersehbar. Allerdings muss man sagen, dass die Geschichte doch stellenweise alles andere als spannend ist. Zwar wurde der Spannungsbogen von der Autorin an einigen Stellen recht hoch gehalten, an anderen kam so gut wie keine Spannung auf. Für die Handlung selbst hätte ich mir weitaus mehr Spannungsmomente gewünscht.

Die Covergestaltung ist recht schlicht und einfach gehalten, dennoch passt sie sehr gut zur Schule und die Anzahl der Striche weist darauf hin, dass es jeder sein könnte, dem man hier etwas ankreiden könnte. Auch die Kurzbeschreibung liest sich gut, verrät aber meiner Meinung nach schon bereits zu viele Verdächtige. Ein bisschen geheimnisvoller hätte das Ganze sein dürfen.

_Fazit_

Insgesamt hat mich „Schwarze Stunde“ leider nicht so überzeugen können, wie ich es im Vorfeld erwartet habe. Zwar ist die Handlung durchaus gelungen, aber Valerie war mir ein kleiner Dorn im Auge, den ich während der Geschichte nur schwer ertragen konnte. Da Christine Fehér jedoch eine wunderbare Autorin ist, kommt man auch um dieses Buch nur sehr schwer herum.

|Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN 978-3570160817|
http://www.randomhouse.de/cbt
http://www.feher-buch.de

Spychalski, Patrycja – Ich würde dich so gerne küssen

_Inhalt_

In der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag lernt die eigenwillige Frieda jemanden kennen, den sie einfach nicht vergessen kann: Jeffer, einen gut aussehenden, rebellischen Jungen und – wenn sie den warnenden Stimmen glauben soll – Herzensbrecher. Als ihre Eltern verreisen, schlägt Frieda all die wohlmeinenden, vernünftigen Ratschläge in den Wind und zieht kurzerhand bei Jeffer ein. Gemeinsam feiern sie, hören Musik, reden bis tief in die Nacht – nicht mehr. Beide spüren, dass sie etwas wirklich Besonderes verbindet, doch genau das macht ihnen Angst, zumal Frieda nicht versteht, was dieser ungewöhnliche Junge an ihr findet. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert …

_Meinung_

Da ich bereits einige positive Rezensionen zu dem Buch gelesen habe und dieses schon länger auf meiner Wunschliste stand, habe ich die Chance ergriffen und mir das Buch in der OnLeihe meiner Stadtbücherei ausgeliehen.

Aus der anfänglichen Freude entstand allerdings schon recht schnell pure Enttäuschung, denn leider strotzt das Buch nur vor lauter unsympathischen Charakteren und einer Handlung, bei der ich mehrfach den Kopf schütteln musste.

Der Schreibstil an sich ist ganz nett, das Buch liest sich einfach und schnell und es kam trotz der Handlung kaum Langeweile auf. Allerdings sind mir die vielen Wiederholungen sehr negativ aufgefallen. Auf nahezu jeder zweiten bis dritten Seite wird erwähnt, dass sich die Protagonistin eine Zigarette ansteckt oder mit anderen Kette raucht. Ob dies für ihre 17 Jahre in einem Jugendbuch wirklich so vorbildlich ist, sei mal dahingestellt.

Frieda ist ein Mädchen, das ich bis zur letzten Seite so gut wie gar nicht kennengelernt habe. Man erfährt zwar ihren Wunsch, endlich schön zu sein, aber das war es auch. Sie wird nur sehr oberflächlich thematisiert und man lernt eher Sachen über sie kennen, die nicht wirklich auf Dauer relevant sind. So erfährt man, dass sie gerne raucht, Musik hört und ihre Eltern liebt, aber auch froh ist, wenn sie mal weg sind. Über ihre beste Freundin weiß man genauso wenig. Sie geht auf so ziemlich jede Party, die es in und um Berlin gibt, und schleppt haufenweise Männer ab. Beide sind unglaublich oberflächlich und naiv, sodass es mir nicht gelungen ist, eine von ihnen ins Herz zu schließen.

Gleiches gilt für Jeffer, den man ebenfalls so gut wie gar nicht kennen lernen durfte. Er liebt die Musik, seine Freiheit, spielt mit Menschen und mag sich auf nichts und niemanden festlegen. Er sieht Frieda vom ersten Moment als seine Seelenverwandte an, ohne etwas über sie zu wissen. Er hat haufenweise Groupies und Menschen, die ihn mögen, allerdings weiß er diese überhaupt nicht zu schätzen, sodass diese nie wissen, woran sie bei ihm sind. Da gibt es zum Beispiel Kiki, die seine Mutter sein könnte. Sie unglaublich wehleidig und naiv und lebt zudem in ihrer eigenen Welt, gleichzeitig ist sie aber auch in Jeffer verliebt, ohne den eigentlichen Grund dafür zu wissen.

Der Verlauf der Handlung ist stellenweise sehr suspekt. Frieda übernachtet einfach so bei Jeffer, ohne ihn zu kennen und zieht wenig später einfach so für zwei Wochen bei ihm ein, während ihre Eltern die zweiten Flitterwochen genießen. In der Zeit wohnt einfach ihre beste Freundin in der Wohnung ihrer Eltern und es ist allen Beteiligten egal, was dort überhaupt veranstaltet wird. Dazu schwänzt Frieda für glatte drei Wochen die Schule und verbringt den Tag mit Parties, Zigaretten und Alkohol. Für viele Jugendliche ist das mit Sicherheit einmal verlockend, aber ist dies wirklich authentisch, wenn Frieda zuvor ein recht normales und (laut ihrer Aussage) recht langweiliges Mädchen war?! Meiner Meinung nach nicht, erst recht nicht, als sie immer mehr zugibt, dass sie Jeffer eigentlich gar nicht kennt und ihn als unauthentisch ansieht. Dazu reagieren ihre Eltern unglaublich cool, als sie erfahren, was Frieda in ihrer Abwesenheit alles angestellt hat. Ein bisschen mehr Erziehung und der Hinweis, dass man nicht alles darf, hätte ich als Botschaft sehr nett gefunden.

Das Ende hat mir jedoch gefallen, da es recht untypisch für den Verlauf war. Es war überraschend, hat mich halbwegs berührt und so habe ich trotz aller Kritikpunkte mit den meisten Charakteren Frieden geschlossen. Auch wenn das Buch mich nicht überzeugen konnte, hat es mich nach dem Lesen dennoch für eine gewisse Zeit beschäftigt, denn ich musste lange über das Ende nachdenken und habe mich gefragt, ob man wirklich damit zufrieden sein kann, da es ausnahmsweise mal kein typisches „Mädchen findet Junge“-Ende war. – Zumindest nicht in der Art und Weise, wie man es aus anderen Jugendbüchern gewohnt ist.

Die Covergestaltung gefällt mir gut, passt aber nicht so wirklich zum Buch. Zwar gibt es die dargestellte Szene tatsächlich, allerdings strahlt diese eine gewisse Romantik aus, die man in diesem Buch nicht vorfinden kann. Von daher hätte ich mir eine andere Szene gewünscht, die mehr zu Jeffer und Frieda gepasst hätte. Die Kurzbeschreibung ist auch ein Kritikpunkt, da sich diese nicht unbedingt bewahrheitet, vor allem, was den letzten Satz angeht. Dort steht, dass ein Kuss alles verändert, was aber sehr irreführend ist, da sich (Achtung Spoiler!) im Prinzip rein gar nichts ändert.

_Fazit_

Insgesamt konnte mich „Ich würde dich so gern küssen“ leider nicht überzeugen. Meine Erwartungen an das Buch waren eindeutig zu hoch und die Charaktere waren alles andere als sympathisch. Empfehlen kann ich das Buch an alle Leser, die Rock ’n Roll und Berlin mögen und nicht unbedingt auf eine Liebesgeschichte eingestellt sind.

|Taschenbuch: 272 Seiten
ISBN 978-3570307809|
http://randomhouse.de/cbt

Cohn, Rachel / Levithan, David – Dash & Lilys Winterwunder

_Inhalt_

Drei Tage vor Weihnachten entdeckt der 16-jährige Dash in einer Buchhandlung ein rotes Notizbuch, in dem ein Mädchen namens Lily den Finder zu einem geheimnisvollen Such-und-Find-Spiel auffordert – vorausgesetzt, dieser ist ein männlicher Jugendlicher. Dash nimmt die Herausforderung an, doch er spielt das Spiel nach seinen Regeln …

In den folgenden Tagen schicken sich Dash und Lily abwechselnd quer durch das weihnachtliche Manhattan. Über das Notizbuch tauschen sie ihre Gedanken, Träume, Abneigungen und Vorlieben aus und kommen sich dadurch näher, ohne sich jedoch zu begegnen. Immer unbändiger wird der Wunsch, den anderen endlich kennenzulernen, und doch macht ihnen der Gedanke daran auch Angst. Und so zögern sie das erste Treffen hinaus, bis es fast zu spät ist …
(Verlagstext)

_Meine Meinung_

Weihnachten – das Fest der Liebe. Zumindest für die meisten Menschen. Betrachtet man jedoch den Verlauf von „Dash & Lilys Winterwunder“, kann man gleich noch viele weitere Merkmale an dem Fest entdecken. Für mich als Weihnachtsmuffel war dieses Buch zunächst eine riesengroße Überwindung, die ich jedoch gerne meistern wollte. Da ich bereits „Das Wörterbuch der Liebenden“ von David Levithan gelesen habe, war ich gleich doppelt neugierig, denn bereits in diesem Buch ist mir sein außergewöhnlicher Schreibstil aufgefallen.

Die beiden Autoren haben bereits den verfilmten Roman „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“ sowie „Naomi & Ely – Die Liebe, die Freundschaft und alles dazwischen“ zusammen geschrieben.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich flüssig, die Sprache ist unglaublich schön und stellenweise melancholisch und humorvoll, sodass ich mich bei dem Buch sehr schnell wohlgefühlt habe. Durch den regelmäßigen Perspektivenwechsel lernt man die Charaktere sehr gut kennen und findet sie direkt sympathisch.

Das Buch ist alles andere als ein typisches Jugendbuch. Zwar sind die nötigen Elemente dafür reichlich vorhanden, aber dennoch ist das Buch weitaus tiefgründiger als so manch anderes Jugendbuch. Dies beginnt schon mit der recht schönen Aufgabe, die Dash direkt zu Anfang erhält. Es ist gut durchdacht, stimmig und hat mich sehr fasziniert.

Wirklich schön gemacht sind auch die vielen Details, die das Buch umso interessanter und wertvoller machen. Dash ist ein großer Bücherwurm und verschlingt Unmengen an Büchern, was besonders auf mich unglaublich sympathisch wirkt. Dazu das Rätsel direkt zu Anfang, welches sehr gut durchdacht ist. Eine ganz wichtige Rolle spielt das rote Notizbuch, das abwechselnd durch Dash und Lily den Besitzer wechselt. Darin tauschen sie ihre Gedanken aus und schicken sich gegenseitig quer durch New York. Als Leser kann man sich dadurch selbst mal schnell als New Yorker Tourist fühlen. Noch interessanter ist dabei, dass sich die beiden Jugendlichen zwar quer durch New York schicken und ihre Gedanken schriftlich austauschen, sich aber dabei nicht sehen können. Sie machen sich dadurch ihr ganz eigenes Bild von dem anderen, ohne zu wissen, ob sich ihre ‚Wunschperson‘ dabei auch erfüllen wird.

Das eigentliche Wunder entpuppt sich als direkt mehrere Wunder, die man jedoch nicht unbedingt als Wunder empfindet, da leider oftmals vergessen wird, dass auch die vielen kleinen Situationen im Leben zählen und prägen können. Andere wirken dagegen etwas überspitzt und machen das Buch an wenigen Stellen etwas unrealistisch.

Die Charaktere selbst sind ebenfalls ein großes Highlight. Dash und Lily sind sehr sympathisch, für ihr Alter sehr reif und in gewisser Weise Außenseiter. Sie sind authentisch, haben ihre Schwächen und durchlaufen ihre Höhen und Tiefen wie jeder andere Mensch auch. Besonders schön ist auch zu sehen, wie unterschiedlich sie sind, aber dennoch irgendwo auf einer Wellenlänge schwimmen. So ist Lily eher die Romantikerin und Träumerin, die Weihnachten liebt und Dash eher der Weihnachtsmuffel, der das Fest nicht einmal mit seinen Eltern verbringen will und Heiligabend und die Feiertage als Tage, wie jede andere auch, betrachtet. Bei den Beiden habe ich mich unglaublich wohl gefühlt und konnte mich nur schwer von ihnen trennen.

Das Cover hat mir leider gar nicht gefallen. Zwar ist dies zunächst recht schön, wenn man dieses jedoch mit dem Originalcover vergleicht, frage ich mich, wieso man dies nicht einfach übernommen hat, denn es passt so schön zu der Geschichte. Leider hat sich der deutsche Verlag mit dem neuen Cover keinen Gefallen getan, allerdings muss man schon zugeben, dass dies in gewisser Weise schon passend ist. Die Kurzbeschreibung liest sich dagegen sehr gut, verrät aber stellenweise etwas zu viel, was so manchen Leser im Nachhinein eventuell stören könnte.

_Fazit_

Insgesamt konnte mich „Dash & Lilys Winterwunder“ nach anfänglichen Schwierigkeiten überzeugen und hat mir ein paar wunderbare Lesestunden beschert. Sympathische Charaktere und eine gut durchdachte Handlung machen dieses Buch auch außerhalb der Weihnachtszeit zu einem Highlight. Empfehlenswert!

|Broschiert: 320 Seiten
Originaltitel: Dash and Lily’s book of Dares
Ins Deutsche übertragen von Bernadette Ott
ISBN 978-3570161166|
http://www.randomhouse.de/cbt
http://www.rachelcohn.com/rachel-david

Julie Cross – Sturz in die Zeit (Tempest 1)

_|Tempest|-Trilogie:_

Band 0: „Tomorrow is Today“ (kostenlose Prequel-Kurzgeschichte, ohne dt. Übersetzung)
Band 1: _“Sturz in die Zeit“_
Band 2: „Vortex“ (15.01.2013)
Band 3: – angekündigt –

_Die Handlung:_

Jackson Meyer, Student in New York, hält sich für einen ganz normalen Neunzehnjährigen, bis er zufällig feststellt: Er kann für ein paar Stunden in der Zeit zurückreisen. Alles ist nur ein harmloser Spaß, bis eines Tages die Katastrophe passiert: Zwei Fremde überfallen ihn und seine Freundin Holly – und erschießen Holly. In seiner Panik stürzt Jackson in die Vergangenheit und landet plötzlich zwei Jahre vor dem Ereignis. Von da an hat er nur eines im Sinn: zurückzukommen und Holly zu retten. Er wird ALLES dafür tun. ALLES – für seine große Liebe. (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

So dramatisch sich der Klappentext liest, so plastisch lässt die Autorin den Leser die Situation auch empfinden. Zwar ist der Roman aus der von nur wenigen Lesern geschätzten Ich-Perspektive des Protagonisten Jackson heraus geschrieben, das hat aber den Vorteil, dass man emotional viel mehr mit eingebunden ist. Denn durch den flüssigen Erzählstil und die leicht zu lesende Übersetzung fliegt der Leser geradezu über die Seiten und mit Jackson zusammen durch die Zeit. Und so haben wir keinen Info-Vorsprung und auch nur die Puzzleteile zur Verfügung, die Jackson in der Vergangenheit sammelt, und müssen zusammen mit ihm die seltsamen Umstände klären, die zu dem Schuss auf Holly geführt haben.

Denn, je mehr Jackson in der Vergangenheit bohrt, desto komplexer wird die ganze Geschichte. Das war nicht einfach nur ein Einbruch, der schiefgelaufen ist, irgendwas ist da faul. Und nicht nur das, plötzlich wird ihm sogar sein eigener Vater suspekt. Jackson ist verwirrt, der Leser ist verwirrt, aber beide sind extrem gespannt darauf, was er als Nächstes herausfinden wird. Denn es ist recht schnell nicht einfach nur noch eine Liebesgeschichte, eine Zeitreisegeschichte oder eine Wer-hats-getan-Geschichte, es ist viel mehr und vermischt sich zu einem wirklich fesselnden, spannenden und clever durchdachten Konstrukt.

Auch ist es spannend für den Leser, die Liebesgeschichte zwischen Holly und Jackson selbst für ihn neu zu erleben. Am Anfang des Buches sind sie bereits ein Paar, nach seinem Sprung in die Vergangenheit lernen sie sich wieder neu kennen. Aber unter anderen Umständen und Voraussetzungen.

Und immer bevor der Roman zu einer Teen-Schnulze werden kann, werden Jackson und der Leser wachgerüttelt und an die seltsamen Dinge erinnert, in die sein Vater verstrickt zu sein scheint. Wer sind die Männer, die Holly im Jahr 2009 erschießen werden? Warum hat Jackson diese Fähigkeit? Warum erkennen ihn in der Vergangenheit andere, die genau zu wissen scheinen, wer und was er ist und woher er kommt … gibt es noch andere wie ihn? Was hat die CIA damit zu tun? Wer sind die „Feinde der Zeit“? Was ist TEMPEST? Diese und noch viel mehr Fragen werden aufgeworfen. Die meisten werden auch beantwortet.

Er ist verwirrend, er ist spannend, er ist romantisch, er ist gefährlich, er ist zärtlich und schüchtern, er ist schnell und gewalttätig und vor allem raubt dieser Roman seinen Lesern Zeit, denn die fliegt beim Lesen nur so dahin, aber sie wird gern geopfert.

Das Einzige, was mich ein wenig genervt hat, war die Herumreiterei auf dem Altersunterschied zwischen den beiden im Jahr 2007, als wäre er 50 und sie 12. Da merkt man, dass das Buch unter „amerikanischen Umständen“ geschrieben wurde. Bei uns würde und könnte niemand etwas dagegen haben, dass ein 19-Jähriger eine 17-jährige Freundin hat. Im Buch wird es von Jackson selbst so tabuisiert als wäre es Kinderschändung. Für deutsche Verhältnisse absolut nicht nachvollziehbar und an jeder Stelle des Buches für einen kopfschüttelnden Stirnrunzler gut.

Auch die Liebesgeschichte selbst ist keine normale Boy-meets-Girl-Story, denn eigentlich ist Jackson ein Player, der erst spät … vielleicht sogar zu spät … zu schätzen weiß, was er an Holly hatte und auch an seiner verstorbenen Schwester, es ihr aber nie gesagt hat. Alles Gefühle, die unter die Haut gehen, ihm und dem Leser, denn plötzlich bekommt Jackson durch seine Fähigkeit die Chance etwas zu tun … kann er die Vergangenheit vielleicht doch verändern, um die Zukunft neu zu schreiben?

|Zeitreisen für Autoren, die es sich leicht machen wollen … oder?|

Werden beim Lesen schnell Erinnerungen an „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wach, was in der Story selbst auch als Vergleich herangezogen wird, so erinnert die gefühlvolle Dramatik an „Die Frau des Zeitreisenden“ und die Action an „Jumper“. Und jetzt kommt der Teil mit dem „sich etwas leicht machen“: Jacksons Sprünge haben keinerlei Auswirkungen … weder auf die in der Vergangenheit besuchten Personen noch auf die Geschichte der Welt. Einzig sein Wissen verändert sich durch die Besuche in der vergangenen Zeit, weil er eher zu Recherchezwecken hin- und herspringt.

Und auch sein MIT-schlauer Freund Adam, der sich genauso wie seine im echten Leben bereits verstorbene Schwester irgendwie ein wenig fix davon überzeugen lässt, dass Jackson wirklich aus der Zukunft stammt, kann nicht wirklich mit für den Leser befriedigenden Antworten aufwarten, was die fehlenden Zeitparadoxe betrifft. Es gibt halt keine.

Auch muten die Sprünge selbst ziemlich merkwürdig an. Dass er springt, ist ja ok und spannend … aber, wieso ist er dann körperlich weiterhin die ganze Zeit über in seiner „Homebase“, dem Platz, von dem aus er springt? Schließlich taucht er ja nicht als beobachtender Geist in der Vergangenheit auf, sondern physisch und er kann auch mit anderen Leuten interagieren. Die aber, wie bereits erwähnt, erinnern sich praktischerweise an nichts mehr, sobald Jackson wieder in seiner „Homebase“ angekommen ist.

Und ab der Mitte des Buches wird auch diese Meinung des Lesers durch den weiteren Storyverlauf zwangsredigiert und Logiklücken werden geschlossen. Denn auch das Zeitspringen selbst ist nicht so einfach und unkomplex, wie man dachte … und das ist gut so und erhöht ab diesem Punkt die Lesegeschwindigkeit noch mal erheblich, weil die Autorin an der Action-Schraube dreht und Jackson immer mehr über sich und seine Vergangenheit herausfindet.

|Das Prequel|

Wer des Schul-Englischen mächtig ist, der kann und sollte sich im Internet kostenlos die Prequel-Teaser-Kurzgeschichte „Tomorrow is Today“ als Nachschlag zum Buch downloaden. Diesen hat die Autorin vor der Veröffentlichung des Buches in den USA unter das Internet-Volk gestreut. Diese Seiten hätten sich auch prima als Vorgeschichte in der deutschen Ausgabe von TEMPEST gemacht, sind hier aber leider nicht enthalten oder anderweitig als Übersetzung im Angebot des Verlages gelandet. In einer anderen Zeitleiste sind sie es bestimmt!

Eine deutsche Version liegt vor, sie durfte nur aufgrund der Kostenlosigkeit des Originals nicht zusammen mit dem Buch verkauft werden. Sie ist als herunterladbare PDF-Datei in das Gewinnspiel eingebaut worden. Bis man sie aber findet, muss man einige Stationen auf der Rätselreise hinter sich gebracht haben.

_Die Autorin _

Julie Cross wurde in Heielberg geboren und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Illinois, in der Nähe von Chicago. Dies ist ihr erster Roman. (Verlagsinfo)

_Mein Fazit:_

Eine Lovestory mit Zeitreiseaspekten ist zwar nicht neu, diese hier hat aber ihre eigene Dramatik und entwickelt ihre ganz eigene Dynamik. Denn auch wenn Jackson in der Vergangenheit (erstmal) nichts verändern kann, so wird sein eigenes Leben verändert, denn wenig scheint tatsächlich so zu sein, wie Jackson es beim ersten Erleben gedacht hat.

„Sturz in die Zeit“ ist ein romantisch packender Zeitsprung-Teen-Action-What-the-f-Pageturner, der schnell fesseln kann und eine ganz besonders emotionale Spannung aufbaut. Die nimmt sogar ab Mitte des Buches immer weiter zu und lässt seine Leser am Ende aufgewühlt, traurig, freudig und vor allem neugierig auf die Fortsetzung zurück. Der nächste Band der Trilogie steht absolut auf meiner Liste.

|Hardcover: 512 Seiten
Originaltitel: Tempest
Aus dem Englischen von Birgit Schmitz
ISBN-13: 978-3841422095|
http://www.fischerverlage.de
http://juliecross.blogspot.de
http://www.sturz-in-die-zeit.de

Die drei ??? und der verschollene Pilot (Band 163)

Zur Story

Die Überführung eines Autos für Onkel Titus führt die drei Fragezeichen in die Anuella Mountains, wo sie im dichten Nebel beinahe von der Straße abkommen. Peter hatte es auch besonders eilig, da Kelly im Zielort in einem Ferienzeltlager befindet und der dritte Detektiv die Konkurrenz knackiger Surflehrer fürchtet – dementsprechend locker saß auch der Gasfuß. Ein ziemlich kauziger Einheimischer geleitet sie zu einem vollkommen heruntergekommenen Hotel, wo das Trio erst einmal Rast einlegen will. Zwangsweise. Denn bei der dichten Suppe fährt man sich als Ortsunkundiger hier bestimmt über kurz oder lang tot. Scheinbar verlassen liegt die gespenstisch stille Absteige vor ihnen. Keine Menschenseele weit und breit – doch was hatte der seltsame Mann ihnen noch aufgetragen auszurichten? „Sagt Hunterman, er soll endlich aufgeben!“ Was auch immer der schräge Nachbar auch damit andeuten wollte – er hat wirklich nicht unrecht.

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Die drei ??? – Im Schatten des Giganten (Band 165)

Zur Story

„Hier wohnen Jene. Und sie töten.“ So lautet jedenfalls die Übersetzung des indianischen Wortes „Yosemite“ – und eben hierher in den gleichnamigen Nationalpark, hat es die drei Detektive verschlagen. In den Schatten des Giganten, dem berühmten „El Capitan“ und dem nicht minder beeindruckenden „Half Dome“. Es ist Herbst und Journalist Bill Andrews – Bobs Vater – schickt sich an eine Story über einen brandneuen Rettungshubschrauber zu verfassen, dafür besucht er die Helitack-Staffel des YOSAR (YOsemite Search And Rescue) mit dessen Leiterin, Jeanne Chase, er befreundet ist. Die drei ??? dürfen ihn auf diese Reise begleiten – unter der Voraussetzung diesmal keinerlei irgendwie gearteten Ermittlungen anzustellen und sich wirklich mal zu erholen. Und die gewaltige Naturkulisse ist genau dafür denkbar gut geeignet.

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