Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Anna Brett – Kleine Tiere werden groß: Der Löwe

Worum geht’s?

Welches Kind interessiert sich nicht für Tiere? In diesem Buch geht es darum, wie Löwen leben. An der Seite eines Löwenmädchens kannst Du erleben, wie ein Tag in der Savanne als Löwe aussieht. Wann erwachen sie morgens? Was essen Löwen? Wer gehört alles zu einem Löwenrudel? Diese und noch viele weitere Fragen wirst Du am Ende des Buchs sicher beantworten können.

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Wenda Shurety – Einfach buddeln!

Worum geht’s?

Der neugierige Ben stellt sich die Frage, wie es wohl am anderen Ende der Welt aussieht. Da kommt ihm eine Idee – er fängt kurzerhand an ein Loch zu graben. Nach und nach kommen immer weitere Kinder aus der Nachbarschaft dazu und helfen fleißig mit. Sie alle sind schon ganz gespannt, was sie am Ende wohl entdecken werden.

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Prévost, Guillaume – steinerne Pforte, Die (Das Buch der Zeit 1)

_Bitte eine Münze! Zeitreise mit Sonnensteinen_

Wer Bücher liebt, lebt gefährlich. Das hätte sich der 14-jährige Sam niemals träumen lassen, als er eines Tages auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater ein mysteriöses Buch entdeckt. Seltsam: Seine Seiten sind alle gleich. Doch als Sam auf einen Stein, in den ein Sonnensymbol eingeritzt ist, eine Münze legt, wird er in eine andere Zeit transportiert.

Nach seiner Rückkehr will ihm seine Cousine Lilli helfen, damit Sams Vater nicht dem grausamen Herrscher Vlad Tepes in die Hände fällt. Denn dieser wird nun auf den Seiten des Buchs der Zeit dargestellt. Und die schlaue Lilli weiß aus dem Geschichtsunterricht: Vlad Tepes ist kein anderer als das Vorbild für den Inbegriff der Vampire: Dracula …

_Der Autor_

Guillaume Prévost, geboren 1964 auf der Insel Madagaskar, ist ein Geschichtsprofessor, der u. a. ein Werk über den Zweiten Weltkrieg veröffentlichte. Er hat mehrere Romane veröffentlicht, in denen er Fiktion und historische Persönlichkeiten kombinierte, darunter die „Die sieben Verbrechen von Rom“ (2000), in dem Leonardo da Vinci auftritt, sowie „Das Geheimnis der geheimen Kammer“ (die deutschen Titel stammen von mir).

„Das Buch der Zeit“ ist eine Jugendbuch-Trilogie, in der Prévost seine Hauptfigur in verschiedene Zeiten und Schauplätze schickt, wie es vor ihm Madeleine L’Engle („Die Zeitfalte“) getan hat.

_Handlung_

Der 14-jährige Samuel Faulkner ist ein ganz normaler Schüler in einer ganz normalen Stadt in Amerika. Jedenfalls bis zu dem Tag, an dem er versucht, eine Spur auf den Verbleib seines seit 13 Tagen verschollenen Vaters Allan zu finden. Sams Mutter ist schon gestorben, und so lebt er nun bei seinen Großeltern, neben dem Zimmer seiner fast gleichaltrigen Cousine Lilli.

|Der Sonnenstein|

Sam stibitzt die Schlüssel zum Antiquariatsbuchladen seines Vaters, der sich in einem heruntergekommenen Stadtviertel befindet, und stößt auf Vaters Anrufbeantworter auf eine ominöse Warnung des Nachbarn Max. Nach einer Weile des Suchens findet Sam hinter einer sehr guten getarnten Wand ein kleines Kämmerchen, in dem sich ein kleines rotes Buch und eine niedrige Steinstele befinden. In diesen Steinsockel ist eine sechsstrahlige Sonne eingraviert.

Leider gibt es keinen Hinweis, keinen Brief oder dergleichen, der Sam helfen würde, diese Funde zu verstehen. Aber er kann kombinieren. Und legt eine Münze mit einem Loch darin auf die Vertiefung in dem Stein, in die sie zu passen scheint. Eine sengende Hitze scheint seinen Arm zu verbrennen, dann erwacht er an einem anderen Ort …

|Iona, Irland|

Es ist die irische Insel Iona im Jahre des Herrn 800 – und am nächsten Tag wird sie von Wikingern überfallen. Ihm gelingt die Flucht mit einer weiteren Münze und einem Sonnenstein – nur um im Jahr 1916 vor der Festung Verdun zu landen, mitten im übelsten Bombardement. Doch auch hier gelingt es ihm, dem Schlimmsten zu entkommen, und mit einer neuen Münze – der Soldat nennt sie einen „Orden“ – reist er zur nächsten Station. Ist sein Vater wenigstens hier? Wo ist „hier“ überhaupt?

Während Sam herausfindet, dass er im Grabmal eines altägyptischen Priesters namens Setni gelandet ist, wird er Zeuge eines Komplotts, dem der Priester des Pharao Ramses III. zum Opfer fallen soll. Darf er in den Lauf der Geschichte eingreifen?

|Rückkehr|

Nach seiner Rückkehr in die Gegenwart ist der Wirbel natürlich groß, doch das Einzige, woran Sam denkt, ist sein Vater. Auf dem Dachboden findet er Zeitungsausschnitte, die belegen, dass sein Vater einst als Praktikant in Ägypten weilte, um in Theben bei Ausgrabungen eines gewissen Prof. Chamberlain zu helfen. Es gab einen Skandal, als Münzen aus dem Mittelalter gefunden wurden. Offenbar ist Allan Faulkner ein weit- und zeitgereister Mensch, der überall seine metallenen „Fahrscheine“ hinterlässt. Wozu? Na, um alte Bücher aufzutreiben, natürlich! Doch wo ist er jetzt?

Sams Cousine Lilli ist die Beste ihrer Klasse, und dank ihrer Kombinationsgabe erkennt sie schnell die entscheidenden Zusammenhänge. Demnach gibt das von Sam gefundene Buch, das auch sie gelesen hat, die Zeit und den Zielpunkt des Zeitreisenden an. Und mit einer Vertiefung im Sonnenstein kann man etwas damit transportieren, Bücher beispielsweise. Im Buch ist aktuell nur eine Information auf allen Seiten zu sehen: Vlad Tepes, der Herrscher der rumänischen Walachei aus dem 15. Jahrhundert, der für seine Grausamkeit den Beinamen Dracul erhielt.

Falls Sams Vater in Vlads Hände gefallen ist, so droht ihm höchste Gefahr! Von Max, dem Nachbarn, bekommt Sam eine Lochmünze, die genau in den Sonnenstein passt – seine Fahrkarte. Doch Lilli warnt ihn: Was, wenn Vlad Dracul seinen Vater gefangen hält? Dann droht auch Sam Gefahr, nicht wahr?

|Brügge|

Sam schlägt diese Warnung jedoch in den Wind, denn er hat nun wirklich Angst um seinen Vater, und mit einem sengenden Schmerz reist er in die Zielzeit. Verwirrt stellt er fest, dass er auf einem Friedhof gelandet ist. Zwar ist es das 15. Jahrhundert, doch man schreibt das Jahr 1430, und dies ist nicht die Walachei, sondern die schöne und stolze Handelsstadt Brügge …

_Mein Eindruck_

Dem Autor gelingt es, auf einfühlsame Weise die Gefühls- und Gedankenwelt von Sam darzustellen, und zwar so, dass sie einigermaßen glaubwürdig erscheinen. Natürlich hätte ein älterer Mensch zunächst an seinem Verstand gezweifelt, wenn er sich plötzlich in einer anderen Zeit und Umgebung wiedergefunden hätte. Sam ist jedoch widerstandsfähiger – und außerdem bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als sich schleunigst anzupassen. Denn sonst wird er entweder als Spion oder Teufel schnellstens zum Tode befördert. Immer wieder muss er deshalb seine in der Moderne erworbenen Einstellungen und Empfindungen einer völlig anders gearteten Gesellschaft anpassen, um überleben zu können.

Eine große Hilfe ist ihm dabei jedoch der Umstand, dass ihm die Zeitreise eine Art Übersetzungsprogramm mitgibt, so dass er in der Zielzeit auch die jeweilige Sprache verstehen und rudimentär sprechen kann. Wie dies zustande kommen soll, wird nicht erklärt, und auch Sam wundert sich darüber, aber wenn’s hilft, hat er sicher nichts dagegen. Dieser Bruch in der Logik ist das einzige Manko der Geschichte. Aber je mehr Sam über das Zeitreisen und die Sonnensteine herausfindet (z. B. bei einem Alchemisten in Brügge), desto mehr darf der Leser hoffen, dass auch dieses Rätsel gelöst wird.

Sams Reisen sind sowieso nur eine alternative Methode zu Schulausflügen, um fremde Länder und Sitten kennen zu lernen – mit dem Bonus, nun auch eine andere Zeit erkunden zu können. Der Geschichtsprofessor Prévost hat damit einen Weg gefunden, seinen Schülern Wissen aus seinem Spezialgebiet auf unterhaltsame und lehrreiche Weise nahe zu bringen. In seiner Methode schwankt der Autor, und es ist nicht sicher, ob er auf die übliche Mystik à la Katharer oder Illuminati hinauswill. Ohne weiteres ist er imstande, auch Einsteins Relativitätstheorie kurz mal praktisch zu erläutern – ohne dabei jedoch die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen. So tut der Autor so, als stünde die Erde im Weltraum an Ort und Stelle und alle Zeiten seien quasi übereinander gestapelt – eine völlig unrealistische und mittelalterlich-geozentrische Vorstellung.

Dass jedoch Sams Zeitreisen nur Schülerausflüge ohne Bedeutung wären, wird im letzten Drittel widerlegt. Erstens stößt Sam in Brügge auf ein Mädchen, das verblüffende Ähnlichkeit mit seiner Schulflamme Alicia Todds aufweist. Was wäre, wenn sie nicht den Jungen heiraten würde, den sie liebt? Würde dann Alicia nie geboren werden? Sam sieht sich veranlasst, korrigierend einzugreifen – eine moralische Entscheidung, die ihm leichtfällt. Doch was ist mit schwierigeren Entscheidungen?

Eine weitere Konsequenz des physischen Vorgangs des Zeitreisens ist ein Phänomen, das ich hier zum ersten Mal gefunden habe: ein temporaler Dopplereffekt. Dass er kurz hintereinander zweimal das Gleiche sieht und erlebt, wirkt auf Sam zunächst sehr verwirrend. Er weiß nicht, was nun real und was die Illusion ist. Oder ist beides echt? Was ihn zunächst stört, erweist sich im Finale, als er gegen seinen Erzfeind Monk einen Judo-Wettkampf bestreitet, als klarer Vorteil: Er weiß schon im Voraus, was sein Gegner als Nächstes tun wird!

Das Beste an diesem Buch ist also, dass sich Sam weiterentwickelt, sowohl körperlich (er wird stärker) als auch geistig (Dopplereffekt, Sprachen) und seelisch (mehr Empathie für seine Mitmenschen). Gut fand ich auch, dass er auf seine Cousine Lili angewiesen ist. Sie mag ihm zunächst zwar als nervige Zicke erscheinen („Mädchen!“), aber nur die Tatsache, dass sie an ihn denkt, rettet ihn vor dem Verlorengehen in den Tiefen der Zeit. Sagt er jedenfalls. Wir müssen es ihm glauben. Außerdem ist sie die Schlauere von ihnen beiden.

|Die Aufmachung|

Das Buch ist ganz in edlem Rot und Gold gehalten, und der Prägedruck vermittelt zusätzlich den Eindruck, man halte ein uraltes Buch in Händen. Hinzu kommt noch, dass der Buchrücken aussieht, als sei er bereits abgenutzt und abgestoßen – genau so, wie ein antiquarisches Buch eben aussehen würde.

Zwei goldfarbene schlüsselförmige Ornamente im unteren Drittel von Vorder- und Rückseite legen den Schluss nahe, dass es sich hier um einen Verschluss handeln könnte, der das Buch, wenn es wirklich ein altes wäre, zusammengehalten hätte. Auf der Vorderseite ist die altägyptische Version eines Sonnensteins zu sehen. So viel Design- und Druckaufwand ist sehr sympathisch und hebt das Buch aus der Masse der Jugendbücher heraus.

Leider hat der Verlag dafür an Informationen über den Autor gespart. Nirgends findet sich das kleinste Fitzelchen Info über den Geschichtsprofessor. Meine Information oben habe ich aus dem Internet und selbst übersetzt.

_Unterm Strich_

Bis auf die ungeklärte Tatsache, dass Sam einen eingebauten Sprachcomputer mitbekommt, ist dieses Buch für Leser um 14 Jahre ein rundum gelungenes Leseerlebnis. Der Held ist sympathisch und sehr menschlich: Er weiß auch nicht mehr als du und ich, geht mit Foto-Handys und E-Mails um wie alle und lernt am Schluss noch so viel dazu, dass ihm ein Sieg vergönnt ist. Die Fortsetzung dazu würde ich gerne lesen. Sie trägt den Titel „Das Buch der Zeit: Die sieben Münzen“.

Wem dieses Abenteuer gefällt, der sei auf die ähnlichen Zeitreiseabenteuer „Die Zeitfalte“ von Madeleine L’Engle und die Serie um |Justin Time| von Peter Schwindt hingewiesen (1. Zeitsprung; 2. Der Fall Montauk; 3. Das Portal; 4. Verrat in Florenz).

|Originaltitel: Le livre du temps 1. La pierre sculptée, 2006
297 Seiten
Aus dem US-Französischen von Anke Knefel|
http://www.arena-verlag.de

Justine Larbalestier – Magische Töchter (Cansino-Trilogie 1)


„Smallville“ in Sydney und New York

Seit die 14-jährige Reason Cansino denken kann, ist sie mit ihrer Mutter Sarafina auf der Flucht vor den dunklen magischen Ritualen, die angeblich von ihrer Großmutter Esmeralda praktiziert werden. Als sie in Sydney vom Jugendamt ins Haus Esmeraldas gesteckt wird, traut sie sich nicht, irgendetwas zu essen oder zu lesen – es könnte ja magisch verseucht sein.

Als sie jedoch mit einem gestohlenen Schlüssel die magische Hintertür von Esmeraldas Haus öffnet, steht sie plötzlich in einer tief verschneiten Stadt statt im Hochsommer Sydneys. In dieser Stadt, die sich als New York City entpuppt, erfährt sie etwas Schicksalhaftes: Magie gibt es wirklich. Sie ist gefährlich und sie kann töten. Denn ein gewisser Jason Blake ist hinter ihr her, um ihre unverbrauchten Magiereserven anzuzapfen …
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Paver, Michelle – Seelenesser (Chronik der dunklen Wälder 3)

_Spannende Vorzeit-Fantasy für Jung und Alt_

Die Wälder vor 6000 Jahren erstrecken sich von einem Ende der Welt zum anderen, voller lebendiger Seelen – außer einer … Der 12-jährige Torak, seine Freundin Renn und ein junger Wolf haben die Welt von einem gefährlichen Dämon befreit und auf den Inseln des Robbenclans einen Seelenesser, einen bösen Schamanen, getötet.

Zusammen mit Wolf und Renn jagt Torak in den Wäldern des Rabenclans, bei dem er eine neue Heimat gefunden hat. Da kehrt Wolf nicht von der Jagd zurück. Alle Spuren deuten darauf hin, dass Wolf von den dunklen Schamanen, den Seelenessern, entführt worden ist. Gemeinsam mit seiner Freundin Renn begibt sich Torak ohne zu zögern auf eine lebensgefährliche Suche ins ewige Eis und zu einer direkten Konfrontation mit jenen Schamanen, die schon seinen Vater töteten …

_Die Autorin_

Michelle Paver wurde als Tochter einer Belgierin und eines Südafrikaners in Zentralafrika geboren und kam als Kind nach England, wo sie heute in Wimbledon lebt. „Als Kind war ich begeistert von Tieren, Mythen und von Geschichten, wie die Menschen früher überlebten. Ich zog mit Pfeil und Bogen los und wünschte mir nichts sehnlicher als einen eigenen Wolf.“

Nachdem sie zunächst historische Romane für Erwachsene – wie etwa „Sophies Versprechen“ – geschrieben hatte, beschäftigte sie sich erneut mit der Geschichte eines Jungen und eines Wolfes, die sie 20 Jahre zuvor verfasst hatte. Die Geburtsstunde von Torak, dem Helden von „Wolfsbruder“, war gekommen. (Verlagsinfo)

„Wolfsbruder“ ist der erste von sechs Bänden der „Chronik der dunklen Wälder“. Darin werden Toraks Abenteuer im großen Wald und sein Kampf gegen die fünf Seelenesser beschrieben. „Wanderer zwischen den Welten“ ist Band Nr. 2, „Seelenesser“ der dritte Band.

1) Wolfsbruder
2) Torak – Wanderer zwischen den Welten
3) Seelenesser

_Handlung_

Torak jagt mit seiner Freundin Renn in den Wäldern des Rabenclans, bei dem er eine neue Heimat gefunden hat. Torak hat weder Vater noch Mutter, seitdem seine Mutter bei seiner Geburt starb und sein Vater das Opfer eines Dämonenbären wurde. Als schutzloser Junge wurde ein ebenso junger und unerfahrener Wolf sein bester Gefährte und er kann sich mit ihm in der gemeinsamen Wolfssprache verständigen. Wolf und Torak gehören geistig dem gleichen Rudel an, in dem Torak der Leitwolf ist. Und Torak hat herausgefunden, dass er selbst ein Seelenwanderer ist, der sich geistig in andere Wesen versetzen kann. Ein Erbe seines Vaters, der ein Schamane war?

|Wolf verschwindet|

Unter einem Baum findet Torak die Feder einer Adlereule im Schnee – ein böses Omen, das Unheil verkündet. Da verschwindet Wolf auch schon spurlos. Nur die Spuren seiner Entführer sind zu finden. Haben sie Toraks Rudelgefährten getragen? Ja, da sind Schlittenspuren. Sie führen nach Norden. Und wenig später haben Wolfs Entführer auch einen Otter und einen Luchs gefangen – alles Jäger, wie Torak auffällt. Was haben diese Entführer vor? Sind es etwa gar … Torak wagt den Gedanken kaum auszusprechen.

|Eine unheimliches Rätsel|

Mit wachsender Verzweiflung drängt Torak Renn zum Weitergehen, und nur einmal gibt er anderen Menschen eine Botschaft für Fin-Kedin mit, den Anführer des Rabenclans und Renns Onkel. Sie stoßen auf einen alten Streuner, der halb blind durch den Schneewald tapert, aber dennoch mit dem Steinmesser überraschend flink ist. Torak muss ihm sein Feuer-Zeug geben, aber dafür bekommt er eine rätselhafte Auskunft: „Schwarzes Eis, weiße Bären, rotes Blut! Sie suchen das Auge der Natter!“

Schon allzu bald müssen Renn und Torak erfahren, wie sich so ein Rätsel lösen kann. Sie geraten in einen Schneesturm, sobald sie den schützenden Wald verlassen, und nur ein Bewohner des arktischen Nordens rettet ihnen das Leben. Inuktiluk gehört zum Eisfuchsclan, und zu dessen Lager bringt er die beiden halberfrorenen Jugendlichen. Aber auf dem Weg werden sie von einem Eisbären angegriffen, und niemand kann einem drei Meter großen Raubtier wie diesem standhalten. Wenigstens kann Torak die Schlittenhunde retten.

|Am Eismeer|

Der Eisfuchsclan ist äußerst freundlich zu ihnen, denn die Seherin des Clans hat ihre Ankunft bereits vorhergesehen. Sie werden aufgepäppelt, mit tauglichen, warmen Kleidern versehen sowie mit Proviant und Booten. Inuktiluk führt sie zum Eisfluss, dem gefährlichen Gletscher. Der kalbt ständig, so dass die abbrechenden Eisschollen Wellen verursachen, die ein Boot umkippen können. Auch Eisberge schwimmen vor dem Gletscher, die ein lederbedecktes Boot leicht aufschlitzen können. Und schließlich ist da noch das schwarze Eis. Es ist das schlechteste und tückischste Eis, das es gibt, und wer hineingerät, der ist so gut wie verloren.

Als sich Torak und Renn mit ihrem Boot dem Ufer nördlich des Gletschers nähern, erblicken sie einen Berg mit einer charakteristischen Form. Außerdem hat er ein Loch, durch das die Sonne scheint, und vor dem Loch spaltet eine Steinsäule das „Auge der Natter“. Hier leben die Seelenesser. Und hier wartet auch Wolf darauf, dass Torak ihn befreit.

|Das Auge der Natter|

Ein Junge des Eisfuchsclans greift sie an, doch sie können ihn überwältigen. Als ihnen klar wird, dass er als Gehilfe der dunklen Schamanen dienen wollte, schicken sie ihn nach Hause. An seiner Statt verkleidet sich Torak als Eisfuchsjunge und Schamanengehilfe. Während Renn draußen die Stellung hält, begibt sich Torak in die Höhle der Seelenesser.

Er kann zwar Wolf nicht auf Anhieb finden, aber ihm wird schon bald mit Entsetzen klar, was sie vorhaben: Seshru, Thiazzi, Nef und die eulenartige Eostra wollen mit einem magischen Feueropal die Dämonen aus einer Felswand rufen, welche die dünne Nahtselle zur Anderen Welt bildet, in der die Dämonen gefangen sind. Und wenn ihnen die Dämonen gehorchen, wollen sie damit die Clans terrorisieren und unterjochen, um eine einheitliche Form der Verehrung des Weltgeistes durchzusetzen – mit ihnen als priesterliche Herrscher, versteht sich.

Nach dem ersten Opfer, das Torak mit durchführen muss – er kann die Seelenesser täuschen -, scheint sich die bewusste Stelle in der Höhlenwand wie weiches Leder zu spannen. Die Dämonen krallen sich bereits an den dünnwandigen Durchlass, um an das Licht des Feueropals zu gelangen, das sie rasend macht. Es ist sicher nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis sie durchbrechen – und auf die nichts ahnende Welt der Clans losgelassen werden …

_Mein Eindruck_

Ich habe auch diesen Teil der spannenden Vorzeit-Saga in kurzer Zeit gelesen. Die Darstellung ist sehr visuell orientiert, vom Dialog getragen und unglaublich detailreich, so dass ich mir die Szenen sehr gut vorstellen konnte. Offensichtlich hat die Autorin ausgiebig recherchiert, was sie schildert. Das bestätigt sie in ihrem erhellenden Nachwort. Außerdem bauen die Fakten wie eine lückenlose Kette aufeinander auf, um schließlich in ein spannendes Finale zu münden. Diesmal ist das Finale anders aufgebaut. Wenn sich Renn und Torak nach der Flucht aus der Höhle in Sicherheit glauben, so haben sie sich gewaltig getäuscht.

Besonders gut gefiel mir, dass sowohl Torak als auch Renn in schier ausweglose Situationen geraten. Die Panik droht sie zu überwältigen, doch es gelingt ihnen, ihren Verstand wieder einzuschalten und so die richtige Lösung für das aktuelle Problem zu finden. Nur an einer Stelle musste ich stutzen. Torak der Seelenwanderer hat seinen Geist – er nennt ihn seine drei Seelen – in den Geist des von den Schamanen gefangenen Eisbären wandern lassen, kommt nun aber nicht mehr heraus. Der Geist des Eisbären ist übermächtig. Dumm gelaufen! In der übernächsten Szene jedoch wird Torak wach und gelangt zu Bewusstsein, ohne jedoch zu erklären, wie ihm dies gelungen sein könnte.

|Über Seelen|

Das Konzept der drei Seelen ist diesmal tragend für die Handlung, und Torak setzt mehrmals seine neu (in Band 2) entdeckte Fähigkeit der Seelenwanderung ein. Dazu muss ich ein wenig mehr erklären, denke ich.

Da der Weltgeist alles umfasst, hat alles in der Natur eine Seele, auch Bäume. Nur der Mensch hat drei Seelen: die Namens-, die Clan- und die Weltgeistseele. Fehlt nur eine dieser Seelen, so erscheint sein Verhalten nicht geheuer, um nicht zusagen, wie das eines Verrückten. Denn sofort fehlt es diesem unvollständigen Menschen an Respekt vor seinen Mitkreaturen, seien es nun Clanmitglieder oder Tiere oder Bäume. Ja, bei manchen kann sich der Wahn dieses „seelisch“ verletzten Menschen gegen ihn selbst richten.

Nun dürfte es nach diesen Ausführungen nicht verwundern, dass es gewissenlosen Schamanen, den „Seelenessern“, gelingen kann, auch Kindern eine Seele zu nehmen und sie durch einen Dämon zu ersetzen, also eine bösartige Seele. Würde sich Torak als Seelenwanderer in sie hineinversetzen, könnte das für ihn äußerst gefährlich sein. Und die Dämonen, welche die Seelenesser aus der Anderen Welt locken, könnten versuchen, Toraks Seele zu übernehmen. Das würde Torak zu einem dämonischen Seelenwanderer machen, der zu fast allen Schandtaten fähig wäre. Zum Glück kann Torak die Seelenesser täuschen, bevor es dazu kommt.

|Zwei Konsequenzen|

Das Seelenkonzept führt dazu, dass unsere beiden Helden sich große Sorgen um ihren Rudelgefährten Wolf machen, der selbstredend ebenfalls über eine Seele verfügt. Interessant ist, dass Wolf seinen „Leitwolf“ beim Wiedersehen nicht mehr erkennt. Etwas stimmt nicht mit den beiden. Einerseits hat sich Torak durch seine Verkleidung und Verstellung in Geruch und Aussehen stark verändern müssen, andererseits hat Wolf sich durch eine Verletzung eine schlimme Krankheit (Wundbrand) zugezogen, die zunehmend seinen Verstand verwirrt.

Die andere Konsequenz hat Renn zum Mittelpunkt. Sie ist bereit, sich für den Erfolg von Toraks Mission gegen die Seelenesser selbst zu opfern. Das wäre natürlich ein Tiefschlag für Torak und ihren Onkel Fin-Keddin, aber was sein muss, muss sein. Sie sieht nur diesen einen Weg, um die Welt vor dem Ansturm der von den Seelenessern losgelassenen Dämonen zu bewahren. Denn Renn hat etwas, das die Dämonen unbedingt haben wollen … An dieser Stelle wird die Handlung hochdramatisch, und deshalb darf nichts weiter darüber verraten werden.

|Zwei Identifikationsfiguren|

Mit Torak und Renn begegnen dem Leser zwei Figuren, mit denen sich Jugendliche beiderlei Geschlechts leicht identifizieren können. Torak ist intelligent und kennt alle Fährten, ist aber nicht gerade vom Glück verfolgt. Außerdem neigt er zu Ungeduld und wirkt mitunter etwas cholerisch. Renn hingegen ist selbstbewusst und eine phantastische Bogenschützin, doch leider kennt sie sich nicht so gut im Wald aus wie Torak – der Rabenclan bevorzugt die Uferzone von Flüssen. Als Ausgleich hat sie medizinische Kenntnisse, denn sie ging in die „Schamanenschule“. Leider läuft zwischen den beiden in romantischer Hinsicht herzlich wenig, wenn sie auch absolut loyal zueinander sind. Davon profitiert jedoch die Action.

Die dritte Hauptfigur bildet Wolf. Er hat nun endlich seinen eigenen Handlungsstrang zugemessen bekommen, und die Kapitel, in denen wir von seinem Schicksal erfahren mögen, zwar kurz sein, aber sie sind dennoch bewegend. Wolf sieht die Welt mit anderen Augen und gibt den Dingen seine eigenen Namen. So heißen Menschen für ihn „Schwanzlose“, und Torak ist demnach für ihn „Groß Schwanzlos“. Feuer ist für ihn „Das-helle-Licht-das-heiß-beißt“ und so weiter. Mit ein wenig Einfühlungsvermögen sollte es jedem Leser gelingen, Wolfs Bezeichnungen zu entschlüsseln.

|Authentisch|

Wie schmeckt ein Hirschherz? Wie riecht Kiefernharz? Welche Steine liegen am Grund eines Wasserfalls? Welcher Blätter- oder Rindenbrei heilt Blutungen, Fieber und Entzündungen? Alle diese Fragen gilt es zu beantworten, um ein realistisches Bild von der Vorzeit um 4000 vor Christus zu präsentieren. Und nur durch zahlreiche Reisen und ein paar kenntnisreiche Bücher, die die Autorin im Nachwort aufführt, ist es ihr gelungen, diesen Eindruck von Realismus zu vermitteln. Diesmal ging es zu vor allem zu den Inuit in Ostgrönland, wo die Autorin den Eisbären studierte. Andere Reisen führten sie nach Manitoba/Kanada, London, wo sie die Raben, und in die rumänischen Karpaten, wo sie die Wölfe beobachtete.

Diese Informationen liefert die Autorin nicht in langen essayartigen Absätzen, sondern integriert sie in die Dialoge der Figuren. So erzählt etwa der Jäger Inuktiluk von den realen Wesen der Arktis, und die Seherin und ihren Freundinnen berichten von den Wesen der Geisterwelt, die nicht weniger real sind.

Diese Fakten stehen nur scheinbar im Widerspruch zu den zahlreichen Praktiken der Religionsausübung durch Raben- und Wolfsclan. Die Menschen können an gute Geister und Totems („Clanhüter“) ebenso glauben wie an böse Geister, also Dämonen. Die Psychologie der Naturreligion ist für beides die gleiche. Es erfordert immer wieder eine Überwindung des eigenen Unglaubens im Leser, wenn er liest, wie sehr sich die verschiedenen Clans als Teil der Natur betrachten. Der Robbenclan in Band 2 etwa fühlt sich von der Gunst der Meermutter abhängig und die Ringelrobbe ist die Clanhüterin, ihr Totem, das sie als heilig verehren. In „Seelenesser“ ist es der Eisbär, der tabu ist.

|Die Landkarten|

… auf den vorderen und hinteren Cover-Innenseiten erleichtern stark die Orientierung. Zudem sind hier die Lebensräume und Lagerstandorte der zahlreichen Clans eingezeichnet. Wer die Namen mit der Geschichte in Beziehung setzt, kann leicht dem Weg folgen, den Torak & Renn nehmen. Der Weg selbst ist nicht eingezeichnet. Das würde wohl eher verwirren als helfen, weil der Weg so verschlungen ist.

Diesmal zeigen die Vorsatzseiten eine neue Karte: den Hohen Norden. Sogar das schwarze Eis ist eingezeichnet. Hier stellte ich eine kleine Ungereimtheit fest: Alle Namen wurden eingedeutscht, nur die Richtungsangabe Osten eben nicht: E steht weiterhin für das englische Wort „East“, und zwar in beiden Karten.

|Illustrationen|

Jedem Kapitel ist eine Vignette vorangestellt. So nennt man kleine Zeichnungen, die ein einzelnes Motiv aus dem folgenden Inhalt darstellen. Der Illustrator John Fordham hat es nicht nur durch reine Strichzeichnung fabelhaft geschafft, Wesen wie ein Hermelin oder einen Raben zum Leben zu erwecken, sondern sie auch noch dreidimensional – also mit Licht, Schatten und Zweigen etc. – in ihrer Umgebung zu präsentieren. Besonders häufig liefern Wölfe das Motiv für diese schönen Zeichnungen.

|Die Übersetzung|

… von Katharina Orgaß und Gerald Jung, die schon für die „Hermux Tantamoq“-Trilogie verantwortlich zeichneten, ist ausgezeichnet gelungen. Viele Ausdrücke, wie etwa „Klamm“ statt „Schlucht“ verraten Fachkenntnis. Das trifft besonders auch für die Namen der zahlreichen Pflanzen zu, etwa für Multebeeren und viele andere. Immer wieder ist mir die Treffsicherheit in den knappen Bezeichnungen positiv aufgefallen. Auch die Korrektheit des Gebrauchs des Verbums „stecken“ findet meinen Beifall. So etwa „steckte“ ein Messer nicht – es „stak“.

Nicht alles wurde komplett übersetzt. Was denn ein „Eisfluss“ ist, kann sich der Leser aber leicht aus dem Geschehen und der Beschreibung erschließen: ein Gletscher. Doch dieses Wort benutzten die Menschen damals nicht und wohl auch nicht die Autorin. Deshalb fanden die Übersetzer es besser, bei „Eisfluss“ zu bleiben. Ist ja auch anschaulicher als „Gletscher“ und macht zudem das Bezeichnete zu etwas mit einer Seele und einem Willen: In allen Flüssen leben Geister, ebenso wie in Bäumen. Daher ist beispielsweise auch die Rede von „Baumblut“ statt von Harz.

Tierkenner möchte ich fragen, ob es richtig ist, wenn man, wie auf Seite 10 zu finden, ein Fell als „gestromert“ bezeichnet. Da heißt es von Wolfs Winterfell, sein „Winterpelz sei grauschwarz gestromert mit fuchsroten Stellen“.

_Unterm Strich_

Für mich steht fest, dass ich die gesamte Saga über die Dunklen Wälder lesen werde. Erstens ist es nun erwiesen, dass die Autorin ihre Qualität konstant aufrechterhalten kann – und der Verlag unterstützt sie darin nach Kräften, wie die Buchaustattung zeigt. Und zweitens zeichnet sich nun eine komplexe Konfliktsituation für die Hauptfigur Torak ab. Die Seelenesser sind sieben Schamanen, und sein verstorbener Vater war einer von ihnen, wie Torak geschockt erfährt.

In Band 2 hat Torak auch erfahren, dass er die seltene Fähigkeit des Seelenwanderns hat. Diese wird von den machthungrigen Schamanen heiß begehrt. Doch war die Frage, ob sich Torak dieser Fähigkeit als würdig erweisen wird – oder wird er sie missbrauchen? Es ist wie mit dem Einen Ring, der Frodo ständig in Versuchung geführt hat. Wir können uns also freuen, dass dass es Torak gelingt, sein Talent nutzbringend einzusetzen. Von mir bekommt das Buch, wie schon „Wolfsbruder“ und „Wanderer zwischen den Welten“, die Höchstwertung.

|Originaltitel: Chronicles of Ancient Darkness – Souleater
316 Seiten
Aus dem US-Englischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/

Clive Barker – Abarat (Abarat-Zyklus 01)

Wunderwelt Abarat: Candy segelt zur 25. Stunde

Die 16-jährige Candy Quackenbush verschlägt es durch kuriose Umstände aus ihrem heimischen, aber todlangweiligen Chickentown, Minnesota, in die aufregende Inselwelt des Abarat. Hier bedeutet ein Ort eine bestimmte Zeit des Tages. Wer also von Insel zu Insel hüpft, bewegt sich nicht nur durch Raum, sondern auch durch Zeit. Es gibt Magier und Drachen, und beide Arten sind Candy nicht wohlgesinnt, wie sie zu ihrem Leidwesen feststellen muss. Aber sie findet auch hilfreiche Freunde.

Der Autor

Clive Barker, 1952 in Liverpool geboren, ist der Autor von bislang 18 Büchern, darunter die sechs „Bücher des Blutes“. Sein erstes Buch für Kinder trägt den Titel „The Thief of Always“ (Das Haus der verschwundenen Jahre). Er ist darüber hinaus ein bekannter bildender Künstler, Filmproduzent und -regisseur („Hellraiser 1″) sowie Computerspiel-Designer.

Er lebt in Beverly Hills, Kalifornien, mit seinem Lebenspartner, dem Fotografen David Armstrong, und ihrer Tochter Nicole. Sie teilen sich das Haus mit vier Hunden, fünf Goldfischen, fünfzehn Ratten, unzähligen wilden Geckos und einem Papagei namens Malingo.

Romane

The Damnation Game (1985)

Hellraiser series:
The Hellbound Heart (1986)
The Scarlet Gospels (2015)
Hellraiser: The Toll (2018)[40][41] (story only, written by Mark Alan Miller)

Weaveworld (1987)
Cabal (1988)

Books of the Art series:
The Great and Secret Show (1989)
Everville (1994)

Imajica (1991)
The Thief of Always (1992)
Sacrament (1996)
Galilee (1998)
Coldheart Canyon (2001)
Tortured Souls (2001).

The Books of Abarat:

Abarat (2002)
Days of Magic, Nights of War (2004)
Absolute Midnight (2011)

The Infernal Parade (2004). Novelette detailing the backstories of the characters of the series of six action figures of The Infernal Parade. In 2017 it was published with title Infernal Parade.
Mister B. Gone (2007)
Mr. Maximillian Bacchus And His Travelling Circus (2009)
Chiliad: A Meditation (2014)
Deep Hill (TBA)

Das 2002 veröffentlichte Kinderbuch „Abarat“ ist in der Originalfassung reich bebildert. Davon gibt bzw. gab es 2004 eine limitierte Luxusausgabe bei |Heyne|. Inzwischen ist „Second Book of Abarat: Days of Magic, Nights of War“ erschienen. Davon soll im Oktober ebenfalls eine reich illustrierte, limitierte und nummerierte Luxusausgabe bei |Heyne| erscheinen. „Tage der Wunder, Nächte des Zorns“ enthält 500 Seiten, steckt in einem stabilen Schuber und kostet schlappe 68 Euronen.

Mehr Informationen zum Autor gibt es in der Wikipedia Diese Rezension bezieht sich auf die englische Taschenbuchausgabe (siehe unten).

Handlung

Candy Quackenbush hätte nie gedacht, dass das Leben so langweilig sein könnte, aber es wurde immer schlimmer. Das Mädchen lebt mit seiner Mutter Melissa und seinem saufenden Vater Bill in einem Wohnwagen am Rande von Chickentown, Minnesota. Die Stadt ist, wie Name schon sagt, bemerkenswert: die Hühnerfabrik. Doch Candy ist anders die anderen: klüger, aufgeweckter, neugieriger.

Als die Klassenlehrerin von ihr als Hausaufgabe verlangt, sie solle „etwas Interessantes“ über Chickentown herausfinden, kommen Dinge ins Rollen, die für Candy schicksalhaft werden sollen. Ihre Mutter Melissa schickt sie zum Hotel, in dem es ein Geisterzimmer geben soll. Und tatsächlich wird Zimmer Nr. 19, im alten Hotelflügel gelegen, niemals vermietet, sagt die Hotelbesitzerin Norma Lipnik. Hier hat Henry Murkitt, der Stadtgründer, seine letzten Tage verbracht – und ist ungesehen daraus verschwunden. Das Einzige, was er hinterließ, sind sein Sextant (ein Navigationsgerät) und sehr seltsame Flecken und Wellen auf den tapetenlosen Wänden. Echt unheimlich.

Die Klassenlehrerin ist von Candys Meisterwerk jedoch überhaupt nicht begeistert: Nichts als Unsinn im Kopf, das Kind! Und das Kind hat auch noch sein Klassenheft mit Wellen vollgemalt – das grenzt ja an Sachbeschädigung. Sie schickt Candy zum Zimmer des Rektors, doch dort kommt Candy nie an: Gezogen von einer unstillbaren Sehnsucht, stapft sie schnurstracks zur Schule hinaus, die Straßen hinunter und in die angrenzenden Wiesen. Seltsam – dort steht ein Leuchtturm, den sie nie zuvor bemerkt hatte.

In dem hohen Gras bewegt sich etwas, und wie sich herausstellt, ist es ein Besucher aus dem Abarat, jener direkt angrenzenden Parallelwelt, von der Candy bald mehr hören wird. John Mischief (= Schabernack), so nennt er sich, und auf seinem Kopf trägt er die kleinen Köpfe seiner sieben Brüder herum. Doch John warnt die junge Candy: Ihm sei ein schreckliches Ungetüm auf den Fersen, das ihn erledigen wolle.

Und tatsächlich müssen sie schnell fliehen, denn das erwähnte Ungetüm sieht sehr ungemütlich aus: ein Mittelding aus Krebs und Spinne, das über gefährlich aussehende Scheren verfügt. Es trägt den seltsamen Namen Mendelson Shape und gehorcht dem abaratischen Zauberer Christopher Carrion, dem Herrn von Mitternacht. Und Shape singt ein unheimliches Wiegenlied:

„O little one,
My little one,
Come with me,
Your life is done.
Forget the future,
Forget the past,
Life is over;
Breathe your last.“

Candy flieht die Treppe des Leuchtturms empor, doch Shape folgt ihr bis in die Spitze der Ruine, bis er sie packen kann. Im letzten Moment geben die morschen Planken des Rundgangs unter dem Gewicht nach, und beide fallen zu Boden. Mischief, der sich versteckt hatte, begrüßt Candy im Leben und stellt ihr eine schwierige Aufgabe. Sie soll mit einer türkisfarbenen Kugel eine Schale auf dem Leuchtturm treffen. Der Wurf gelingt, und ein magisches Licht verbreitet sich, das Shape in die Flucht schlägt. Mischief gibt Candy etwas sehr Seltsames: einen magischen Schlüssel, der keine Form hat, sondern sich in ihrem Unterbewusstsein einnistet. Sie darf absolut niemandem etwas von diesem Schlüssel verraten, egal was passiert.

Nun funkelt das abaratische Meer Izabella, und ein Boot wartet auf Mischief und Candy. Es bringt sie in die Inseltwelt des Abarat. Hier bedeutet ein Ort eine bestimmte Zeit des Tages. Wer also von einer der 24 Inseln zur nächsten hüpft, bewegt sich nicht nur durch Raum, sondern auch durch Zeit. Es gibt Magier (wie besagten Christopher Carrion auf der Insel Mitternacht) und Drachen, und beide Arten sind Candy nicht wohlgesinnt, wie sie zu ihrem Leidwesen feststellen muss. Aber sie findet auch hilfreiche Freunde, von denen Mischief nur einer ist.

Candys Abenteuer beginnen erst. Die Mächte von Nachtinseln und der Taginseln, die in ewigem Widerstreit liegen, versuchen sie jeweils auf ihre Seite zu ziehen, und so gerät Candys Leben in dieser Inselwelt recht bald zu einem turbulenten Abenteuer nach dem anderen.

Wie sie von ihrem Freund Samuel Klepp, dem Verleger und Redakteur der Zeitung „Klepps Almenak“, erfährt, gibt es eine geheimnisvolle fünfundzwanzigste Insel: die „25. Stunde“. Auf ihr steht ein hoher Turm namens Odom’s Spire. Als Candy am Ende des ersten Abarat-Buches hier ankommt, erlebt sie eine faustdicke Überraschung: Sie war schon einmal hier, und die drei Damen, die hier herrschen, kennen Chickentown und den verschwundenen Henry Murkitt ziemlich gut!

Mein Eindruck

Wie liest sich ein halbes Buch? Nun ja, auch nicht viel anders als ein ganzes, nur dass eben hier sämliche Illustrationen fehlen. Und das sind eine ganze Menge, wenn ich mir die englische Originalausgabe ansehe. Und doch könnte der Verdacht entstehen, dass die fehlenden Abbildungen eine Lücke hinterlassen haben könnten. Bei der Lektüre wünscht man sich in der Tat sehr häufig, dass man ein Bild von dem ungewöhnlichen Wesen hätte, das nun schon wieder beschrieben wird. Der Abarat ist voll von sehr seltsamen Wesen, und Clive Barker ist ein Autor, der bekannt dafür ist, über eine schier grenzenlose Vorstellungskraft zu verfügen.

Der Abarat

Diese ist auch wirklich notwendig, wenn ein Autor eine komplett neue Phantasiewelt erschafft. Schließlich gibt es schon so viele davon, und ein Autor sollte sich unbedingt etwas Neues einfallen lassen, um nicht als billiger Kopist zu gelten. Doch der Abarat ist eine ungewöhnliche Inseltwelt: jede Insel hat nur eine Tageszeit, nämlich eine bestimmte Stunde. Wie das geht, wenn die Sonne wandert? Nun, das dürfte wohl die falsche Frage sein, wenn man genauer darüber nachdenkt … Um sich in der Zeit zu bewegen, muss sich der Besucher von Abarat von Insel zu Insel fortbewegen. Witzig dabei ist, dass es auch eine 25. Stunde, eine Zeit außerhalb der Zeit, gibt. Was es damit auf sich hat, sollte man selbst nachlesen.

„Klepps Almenak“

Aus „Klepps Almenak“, der dem Buch als Anhang beigefügt ist, lassen sich über die 25 Inseln allerlei wissenswerte Dinge erfahren. Die Frage ist allerdings, ob sie auch stimmen, denn Klepps Interesse scheint sich keineswegs an wissenschaftlichen Kriterien zu orientieren. Er nimmt auch gerne unbestätigte Legenden und Sagen auf. Wichtig ist aber festzuhalten, dass der Abarat über seine eigene Geschichte verfügt und dass diese immer noch von widerstreitenden Kräften geformt wird.

Die Mächte des Bösen

Zu diesen Mächten gehört der schon erwähnte Herr von Mitternacht Christopher Carrion, ein wahrer Finsterling. Und wie es ihm zuwider ist, dass auf der Nachbarinsel ein Neureicher namens Rojo Pixler eine hell leuchtende Vergnügungsstadt errichtet hat. Commexo City erinnert stark an Disneyworld. Die Quelle von Pixlers Reichtum scheint in einem Allheilmittel zu liegen, das mich stark an Coca-Cola erinnert hat. Klar, dass Pixler sich auch den Rest des Inselreiches untertan machen will. Sein Vorbote ist eine Werbefigur namens Commexo Kid, was mich wiederum an Mickey Mouse erinnert. Dass Pixlers Vorhaben gelingt, darf zunächst bezweifelt werden, scheint doch Christopher Carrion über schier unbegrenzte Kräfte der Magie zu verfügen – und über eine verborgene Armee …

Candy, mehr als ein Mädchen

Je mehr Candy Quackenbush von sich reden macht, desto aufmerksamer werden diese beiden Mächtigen auf sie. Davon ahnt sie zum Glück nur wenig, denn sie bekommt immer nur die Schergen der Mächtigen zu sehen und zu spüren. Mendelson Shape war einer davon. Candy entpuppt sich als eine aufrechte Kämpferin, die sich dafür einsetzt, dass Menschen – äh, sagen wir mal: intelligente Wesen – frei leben dürfen und gerecht behandelt werden. Candy ist also ein Mädchen nach unserem Herzen. Doch damit handelt sie sich ziemlich viel Ärger ein, wie nicht anders zu erwarten.

Zusammen mit einem Sklaven namens Malingo (so heißt auch Barkers Papagei) entdeckt sie, dass sie im Abarat über Zauberkräfte verfügt. Sie kann beispielsweise einen Glyph beschwören. Das ist ein Transportmittel aus reiner Zauberkraft, das aber stabil genug ist, um Candy & Co. von A nach B zu bringen. Leider gehorcht es nicht nur ihrer Willenskraft, sondern auch der anderer, mächtigerer Piloten.

Schicksalsfäden im Hintergrund

Und wenn sie dann noch wie einst Alice ihren Grips anstrengt, stehen ihr praktisch alle Türen offen, so zum Beispiel diejenige, die in den gehemnisvollen Turm auf der 25. Stunde führt. Hier trifft sie auf die Damen, die uns im Prolog vorgestellt worden sind. Offenbar handelt es sich bei Diamanda, Mespa und Joephi so etwas wie Schicksalsgöttinnen. Nur dass sie eine mehr passive Rolle einzunehmen scheinen. Aber das kann man ja nie wissen. Ich finde es jedenfalls gut, dass es keine zentrale gute Persönlichkeit wie etwa Galadriel gibt. Leute wie die Elbenkönigin muten uns heute irgendwie völlig unrealistisch an.

Unterm Strich

„Abarat“ ist ein Füllhorn bezaubernder Einfälle, so etwa die Sache mit den 25 Inseln, mit den Glyphs und diversen Schreckgespenstern. Besonders gefielen mir die beiden Brüder Tempus Fugit und Julius Fugit. Candy ist eine Mischung aus Dorothy aus Kansas, einer angehenden Zauberin und Alice im Wunderland. John Mischief, dessen weitere Abenteuer parallel dazu erzählt werden, ist ein charmanter Tunichtgut, der sicher noch eine bedeutende Rolle in den nächsten Bänden spielen wird. (Meine Taschenbuch-Ausgabe enthält eine Vorschau auf den Folgeband „Days of Magic, Nights of War“.)

Ich würde das Buch ab einem Lesealter von 10 oder 12 Jahren empfehlen. Jüngere Leser könnten durch die unheimlichen Gestalten wie etwa Cristopher Carrion und Mendelson Shape zu sehr geängstigt werden. Aber ältere Kids dürften an den zahlreichen spannenden Episoden, wenn es für Candy ziemlich eng wird, großen Spaß haben. Sehr schön finde ich auch die zahlreichen Gedichte, die den Kapiteln und Buchteilen voranstehen. Oben habe ich bereits ein garstiges Wiegenlied zitiert. Darin verrät sich schon Barkers schräger Humor und seine Lust am „mischief“, daran, Schabernack anzurichten und Unruhe zu stiften. Die John Mischief könnte glatt ein Selbstporträt sein.

Ich warte schon ungeduldig auf die zwei Fortsetzungen, denn eine Welt wie der Abarat hält sicher noch zahlreiche Wunder und Schrecken bereit, die es zu entdecken gilt. Und vielleicht gibt es eines Tages sogar eine deutsche Taschenbuchausgabe zu zivilen Preisen.

Grundlage dieser Rezension ist:
Abarat, 2002;
HarperCollins Paperback 2004;
431 plus 26 Seiten Anhang plus eine Vorschau auf „Abarat 2: Days of Magic, Nights of War“, ISBN 0-00-651370-0

www.harpercollins.com

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)

Guillaume Prévost – Die sieben Münzen (Das Buch der Zeit 2)

Zeit-Abenteuer: Besuche in Pompeji und bei Dracula

Wer Bücher liebt, lebt gefährlich. Das hätte sich der 14-jährige Sam niemals träumen lassen, als er eines Tages auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater ein mysteriöses Buch entdeckt. Seltsam: Seine Seiten sind alle gleich. Doch als Sam auf einen Stein, in den ein Sonnensymbol eingeritzt ist, eine Münze legt, wird er in eine andere Zeit transportiert.

Nach seiner Rückkehr will ihm seine Cousine Lilli helfen, damit Sams Vater nicht dem grausamen Herrscher Vlad Tepes in die Hände fällt. Denn dieser wird nun auf den Seiten des Buchs der Zeit dargestellt. Und die schlaue Lilli weiß aus dem Geschichtsunterricht: [Vlad Tepes]http://de.wikipedia.org/wiki/Vlad__III.__Dr%C4%83culea ist kein anderer als das Vorbild für den Inbegriff der Vampire: Dracula …

Sieben Münzen, verstreut über Länder und Zeiten, müssen Sam und Lili zusammentragen, um Sams Vater aus Vlad Tepes‘ Gefangenschaft zu befreien. Aber sie werden offenbar von einem Mitglied der Geheimorganisation Akreos verfolgt, das alle Sonnensteine zerstört. Zum Glück werden die beiden Zeitreisenden vom Hüter der Sonnensteine, dem ägyptischen Priester Setni, in die Hintergründe eingeweiht. Nun erfährt Sam endlich, was sein gefangener Vater eigentlich in Draculas Burg Bran wollte: einen Armreif mit ganz besonderen Eigenschaften …
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Delaney, Joseph – Spook 2 – Der Fluch des Geisterjägers

_Spannendes Jugendbuch: Showdown unter Geisterjägern_

Der 13-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher zum Geisterjäger qualifiziert. Der Spook nimmt ihn in die Lehre und zeigt ihm, was Tom über Hexen, Boggarts und Poltergeister wissen muss.

_Der Autor_

Joseph Delaney lebt mit seiner Frau in der englischen Grafschaft Lancashire. Dass er kein junger Hüpfer mehr sein kann, wird daraus ersichtlich, dass er bereits vier Enkelkinder von seinen drei Kindern geschenkt bekam. Weitere biografische Details verrät das Buch kaum – nur dass er „mitten im Territorium der Boggarts“ wohnt und seine Heimatstadt einen Boggart beherbergt, welcher DER HAUSKLOPFER genannt wird. Der liege dort gebannt unter der Schwelle eines Hauses nahe der Kirche (genau wie im Roman beschrieben).

Der Autor hat sich die im Buch erwähnte Art von Hexen nicht aus den Fingern gesogen, sondern in seiner eigenen Nachbarschaft Vorbilder dafür gefunden. Im Jahr 1612 fand – vier Jahre vor Shakespeares Tod – in der Grafschaft Lancashire ein berühmter Hexenprozess statt, der es locker mit den späteren Salemer Hexenprozessen von 1692 aufnehmen konnte. Auch das Wort „boggart“ ist für die Gegend nahe der Grenze zu Schottland belegt.

_Vorgeschichte_

Der 13-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher etwas Besonderes. Sein Vater ist ein einfacher Bauer, aber seine Mutter stammt aus Griechenland und weiß Bescheid: Tom sollte etwas Besonderes lernen. Jemand muss das Land und seine Menschen vor den bösen Geistern beschützen – warum nicht Tom? Jemand muss es ja tun. Tom ist zudem der Jüngste und muss irgendetwas anderes tun als seine Brüder. Sein Bruder Jack wird den Hof erben und eine Familie gründen.

Deshalb kommt der Besuch von Mr. Gregory, dem Geisterjäger, gerade zur rechten Zeit. Er ist bereit, Tom für einen Monat auf Probe auszubilden, und wenn Tom danach bei ihm bleiben will, soll er fünf Jahre lang sein Lehrling sein. Tom ist nicht sicher, ob er diesen Job machen will, denn die Arbeit ist relativ stressig: Die Geister der Gehenkten im Wald und die Klopf- und Poltergeister in den Häuser können schon etwas auf die Nerven gehen. Außerdem will absolut niemand etwas mit Geisterjägern zu tun haben. Einsam sind die Tapferen.

Unheimliche Wesen erwarten Tom. Mr. Gregory zeigt sie ihm in den drei Gärten seines Sommerhauses nahe Chipenden. Da wären also die drei verschiedenen Sorten von Hexen (gutartige, bösartige, fälschlich beschuldigte und unwissende), mehrere Sorten von Boggarts – siehe Toms Tagebucheintrag dazu – und dann noch diverse Monster, Schemen und Geister. Alles klar? Ach, noch was: Tom soll sich ja vor Mädchen in spitzen Schuhen in Acht nehmen. Verstanden, mein Junge?

_Handlung_

Als Vorspiel bekommt Tom von seinem Meister den Auftrag, dessen Bruder, einen Pfarrer in einem entfernten Dorf, zu retten. Mr. Gregory, der Meister, ist krank und kann nicht selbst gehen. Tom bewährt sich bei der schwierigen Aufgabe, einen der blutgierigsten Reißer der Umgegend zur Strecke zu bringen …

Doch das kann das Leben des Pfarrers nicht retten und Mr. Gregory will natürlich zu dessen Beerdigung, um ihn zu ehren. Dabei haben sie seit 40 Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt. Wie auch immer: Blut ist dicker als Wasser, und so macht sich Mr Gregory mit Tom auf den Weg nach Priestown, jene Hafenstadt, wo man vor lauter betenden Priestern kaum sein eigenes Wort versteht, glaubt Tom. Und dass man hier auf Spooks sehr schlecht zu sprechen ist, versteht sich fast von selbst.

Es gibt sogar einen tüchtigen Inquisitor, einen blonden Krieger auf einem Schimmel, der hinter jedem nicht betenden und fromm brabbelnden Zeitgenossen einen Teufelsanbeter oder gar eine Hexe vermutet. Gleich am ersten Tag, nachdem sie sich getrennt haben, entdeckt Tom in der Prozession voller „Teufelsanbeter“, die verurteilt werden sollen, die junge Alice. Dabei ist sie gar keine richtige Hexe, sondern bloß bei ihnen aufgewachsen. Sein Herz sagt ihm, dass er das Mädchen, das ihm schon einmal geholfen hat, eine schlimme Hexe zur Strecke zu bringen, vor dem Scheiterhaufen retten muss.

Mr. Gregory, der sich ebenfalls versteckt, rät dringend davon ab, sich durch eine solche Rettungsaktion auffällig zu machen. Doch als bei der Beerdigung seines Bruders er und Tom von einer Bürgerin erkannt werden, schweben beide in Gefahr. Doch es gibt einen bestimmten, zweiten Grund, aus dem der Spook die Stadt nicht schnurstracks verlässt. Er will seine Aufgabe erfüllen und jenes Unwesen, das ihn vor Jahren schon einmal besiegte, endlich zur Strecke bringen.

Dabei handelt es sich um den so genannten Bane, einen mächtigen Dämon, der unter der Kathedrale von Priestown lebt und mit seinen Gedankenbefehlen schon so manchen braven Pfaffen in den Selbstmord getrieben hat. Doch der Bane wurde vor langer Zeit mit einer List in die Katakomben gesperrt, und er kann das Silbertor, das den Zugang versperrt, nicht selbst öffnen. Der Spook lässt heimlich einen Schlüssel zu dieser silbernen Pforte anfertigen, um bei nächster Gelegenheit in die Tunnel zu gehen und sich dem Dämon zu stellen.

Doch alles kommt anders. Mr. Gregory wird verhaftet, und nur durch Zufall kann Tom entkommen. Tom ist klar, dass sein Meister verhört werden wird – unter der gefürchteten Folter der Inquisition. Er muss ihn befreien, bevor es dazu kommt. Der Spook hat Tom eine einfache Karte gegeben, anhand derer Tom erkennt, dass er durch die Katakomben zu den Verliesen gelangen kann, wo sich sowohl der Meister als auch Alice befinden müssen. Aber das bedeutet natürlich auch, dass er es mit dem Bane aufnehmen muss …

_Mein Eindruck_

Der Schauplatz der Handlung ist das vorindustrielle 17. Jahrhundert. Hier gibt es zwar Kirchen, aber, wie es scheint, keinen einzigen Landbesitzer (außer Bauern) oder gar Ritter. Dass die Priester das Sagen haben, lässt darauf schließen, dass es bislang keine Reformation gegeben hat. Es muss aber Schlachten gegeben haben, sonst wäre der Wald bei Chipenden nicht voller Geister von Gehenkten …

Bislang war unser Blickwinkel auf das hier beschriebene Land eng begrenzt, doch das ändert sich nun. Die Fahrt nach Priestown und in den Norden des Landes sind Ausflüge nicht nur in geografischer, sondern auch in historischer Hinsicht. Im Norden lebte einst ein Volk von kleinwüchsigen Ureinwohnern, das die Urform des Bane als Gott verehrte. Doch der Bane degenerierte und wandelte sich in ein gieriges Ungeheuer, das jährlich Opfer verlangte. Als König Heys ihm alle seine Söhne nacheinander zum Opfer geben sollte, kam es zur Krise, die durch eine List mit der Verbannung des Bane unter die Kathedrale von Priestown endete. Um diesen Trick zu erfahren, reisen der Spook und sein Schüler in den Norden. Es ist also eine Reise in die Vergangenheit.

|Näheres über Tom Ward|

Wir erfahren immer mehr über Toms Familie. Dafür ist es höchste Zeit, denn wir haben bislang ziemlich wenig über Tom als Individuum erfahren, gerade so, als wolle uns der Autor davon abhalten, zu viel über ihn nachzudenken. (Ich wünschte, eine Frau hätte ihn eingehender beschrieben.) Deshalb ist es umso wichtiger, darauf zu achten, was andere über Tom sagen und denken.

Er hat ein gutes Gedächtnis, das ihm in brenzliger Lage mehr als einmal gute Dienste leistet, aber grundsätzlich fehlt es ihm noch an Menschenkenntnis und gesundem Menschenverstand, wahrscheinlich ein Resultat seines Aufwachsens auf einem abgelegenen Bauernhof. Doch er versteht Griechisch, das er von seiner Mutter gerlernt hat, sowie ein wenig Latein, das ihm Mr. Gregory beigebracht hat.

Aber wenigstens ist Tom kein Hasenfuß oder Dummkopf. In brenzliger Lage entwickelt er erstaunlichen Mut – den er sich wahrscheinlich selbst nicht zugetraut hätte – und eine Impulsivität, die den Gegner stets überrascht. Im Laufe seiner Entwicklung und Ausbildung können wir also noch mit weiteren Überraschungen rechnen. Seine Impulsivität hindert ihn daran, den Befehlen seines Meisters zu gehorchen. Daher bringt er sich selbst in Lebensgefahr. Gut so, denn dadurch wird die Geschichte erst so richtig spannend. Durch ihn und Alice gelangt der Bane in die Freiheit …

|Toms geheimnisvolle Mutter|

Dass wir nun mehr über Tom Wards Eltern erfahren, haben wir dem traurigen Umstand zu verdanken, dass sein Vater sehr krank ist und sein Gewissen erleichtern möchte. Er erzählt Tom, wie es kam, dass er, sein Vater, seine Mutter kennen lernte. Diese war einst als vermeintliche Hexe an einen Küstenfelsen gekettet worden. Doch nicht, um einem Meeresungeheuer als Frühstück zu dienen, sondern um von den Strahlen der aufgehenden Sonne verbrannt zu werden …

Dass Toms Mutter alles andere als ein gewöhnliches Hausmütterchen ist, wissen wir schon, denn die Frauen der Umgegend kommen zu ihr, wenn sie Rat im Kindbett und bei Krankheiten benötigen. Wenn das der Inquisitor wüsste! Tom ahnt nicht, dass seine Mutter auch den zweiten Blick hat und in die Zukunft schauen kann. Sie gibt ihm einen Brief mit, den er nur im Augenblick der höchsten Not öffnen darf. Dann jedoch kommt er genau richtig.

|Showdown|

Der Bane ist das große Böse in diesem Band – der Inquisitor ist das kleinere Übel – und folglich muss es zuletzt zur Strecke gebracht werden. Doch wie kann es gelingen, einen unsichtbaren Geist zu besiegen, der obendrein das Bewusstsein seines menschlichen Gegners beeinflussen und verwirren kann? An dieser Stelle macht es sich der Autor ein wenig zu einfach, wie mir scheint. Denn Tom widersteht auf wundersame Weise allen Anfechtungen, die der Bane ihm entgegenschleudert. Anfechtungen, denen die arme Alice sofort erlegen ist. Soll das wieder mal die moralische Schwäche von Mädchen belegen? Kein schöner Zug vom Autor. Zum Ausgleich gibt es aber wieder mal Toms Mama. Sie hat ihrem Sohnemann noch einen schönen Talisman auf den Weg gegeben, den er im Kampf gegen den Bane gut gebrauchen kann.

|Die Aufmachung|

Die Ausstattung dieses Bandes umfasst eine Menge nützlicher Texte und Bilder. Da wäre beispielsweise die Landkarte am Schluss, welche die Katakomben und Tunnel unter der Kathedrale von Priestown zeigt. Die Gänge sind in der Tat verschlungen, aber vielfach mit Symbolen wie „zerquetschte Katze“ gekennzeichnet. Die Karte hat nur einen Schönheitsfehler: Ihr fehlt ein Maßstab. Das kommt von der handschriftlichen Improvisation des Zeichners.

Sodann enthält Thomas J. Wards Notiz- bzw. „Tagebuch“ (es enthält keine Datumsangaben) jede Menge zusammengefasste Informationen über den Bane, berühmte Reißer, die zwielichtige Alice und den Inquisitor. Von Alice hat Tom Wissen über bestimmte Pflanzen erhalten. Diese Liste hier ergänzt jene im Vorgängerband, „Der Schüler des Geisterjägers“.

Der Buchumschlag ist einem alten Folianten nachgebildet. Die Farbe entspricht dem von dunkelrotem Leder, in das in erhabenen Buchstaben die diversen Titel eingeprägt wurden. Auch die Titelillustration des Spooks – mit einem genial gestalteten Licht-und-Schatten-Spiel – ist geprägt. Unter dem Obertitel „Spook“ erkennt man eine englische Ziffer „7“. Englisch deshalb, weil ihr der Querstrich fehlt, den die kontinentale Ziffer 7 aufweist. Auf der Rückseite ist ein Stückchen „Pergament“ angebracht. Darauf steht: „Bonus: Enthält Tom Wards geheimes Tagebuch“.

|Die Übersetzung|

Wie schon erwähnt, erweckt die Wortwahl der Übersetzung den Eindruck, als sei Tom erst neun statt 13. Ständig wird seine Mutter auf kindliche Weise als „Mama“ bezeichnet. Ist er ein Muttersöhnchen, fragt man sich unwillkürlich.

_Unterm Strich_

Auch diesen Band der Spook-Reihe habe ich wieder in nur wenigen Stunden verschlungen. Obwohl das Buch rund 350 Seiten Umfang hat – die letzten Seiten sind nicht nummeriert -, handelt es sich um viel weniger Text, als man erwartet. Denn jeder Kapitelanfang ist erstens von einer Leerseite angekündigt und zweitens mit einer ein- oder sogar zweiseitigen Illustration geschmückt. Auf diese Weise kann man ruckzuck vier Seiten bewältigen.

Das Geschehen ist durchweg entweder spannend oder bewegend oder informativ. So versteht es der Autor, den Leser dauerhaft bei der Stange zu halten. Die Szenen sind anschaulich und entbehren manchmal nicht einer gewissen unterschwelligen Komik und Ironie. Die gewalttätigen Szenen halten sich stark in Grenzen, denn sowohl die beiden Spooks als auch Alice sind völlig unbewaffnet. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Toten gäbe, schließlich ist ja auch der Bane los.

Am interessantesten unter den Figuren ist zweifellos Alice, die in den Augen Toms ständig auf der Grenzlinie zwischen der Seite des Lichts und der des Dunkels hin und her wandelt, eben ganz wie ein normaler, moralisch schwacher Mensch. Sie ist der Joker im Spiel der beiden Spooks, und so ein Joker sorgt mit schöner Regelmäßigkeit für Überraschungen. Die moralischen Zweifelsfälle, die sie Tom zu Bewusstsein bringt, stellen auch den Leser vor knifflige Fragen: „Wie würde ich mich in diesem Zweifelsfall verhalten?“

Fantasy und Horror vereinen sich in diesem Buch mit der historischen Realität, die durch die nordenglischen Hexenprozesse von 1612 verbürgt ist. Für dreizehnjährige Leser ist es gut geeignet, sowohl für Jungs als auch für Mädchen. Und jedem Leser bietet das spannende und actionreiche Finale genug Ansporn, auch die hoffentlich noch kommenden Bände in der Serie über den Geisterjäger zu lesen.

|Originaltitel: The Wardstone Chronicles – The Spook’s Curse, 2005
ca. 350 Seiten
Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen
Illustriert von Patrick Arrasmith|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/

Kai Meyer – Der Dornenmann. Sieben Siegel 04

„Die Sieben Siegel“:
01 „Die Rückkehr des Hexenmeisters
02 „Der schwarze Storch
03 „Die Katakomben des Damiano
04 „Der Dornenmann
05 „Schattenengel
06 „Die Nacht der lebenden Scheuchen
07 „Dämonen der Tiefe
08 „Teuflisches Halloween
09 „Tor zwischen den Welten
10 „Mondwanderer

SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)

Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.

Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:

Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)

Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“

Mondhexe und Dornenmann: mächtige Gegner für Junghexen

Kyra, Nils, Lisa und Chris erforschen ein uraltes Geheimnis, das auf magische Weise mit ihrem eigenen Schicksal verbunden ist – das Geheimnis der sieben Siegel. Die Mondfinsternis dauert nur wenige Minuten. Dann liegt Giebelstein wieder verschlafen im kalten Licht des Vollmonds. Doch der Frieden trügt: Die Finsternis hat eine schaurige Kreatur geboren. Mit peitschenden Zweigen aus messerscharfen Dornen bedroht sie Kyra und ihre Freunde und ist nur der Vorbote eines dämonischen Plans … (Verlagsinfo)

Dieser vierte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
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Markus Osterwalder – Bobo Siebenschläfers allerbeste Rezepte: Das Kochbuch für die ganze Familie

Worum geht’s?

Bobo erfreut als sympathischer Siebenschläfer seit Jahren viele Kinder. Umso schöner, dass man nun aufgrund seiner Lieblingsrezepte den ganzen Tag an ihn denken kann. Denn in diesem Buch, sind seine 50 liebsten Rezepte aufgeführt – passend zu jeder Tageszeit.

Zum Frühstück mag er nämlich am liebsten Quarkbrötchen mit Hasis Lieblingsmarmelade, in seiner Brotdose befinden sich fruchtige Energiebällchen und zum Mittagessen gibts seine allerliebste Nudelsoße. Natürlich mag Bobo sehr gerne Snacks am Nachmittag, auch diese Rezepte hat er in dieses Buch gepackt.

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Kai Pannen: Leselöwen 2. Klasse – Drei Freunde retten die Schule

Ben hat Geburtstag und das Geburtstagskind dürfte traditionell das Klassenmaskottchen mit nach Hause nehmen. Aber wer spielt denn in der dritten Klasse noch mit einem Stoffdino? Also bleibt das Plüschtier in der Krims-Krams-Kiste. Zum Glück, denn in der Nacht ist es besonders wichtig, dass die Klassenmaskottchen Dino, Hörnchen und Mümmel auf ihre Schule aufpassen. Bald gilt es sogar, ihr Zuhause vor einem fiesen Einbrecher zu schützen. In der fantasievollen Geschichte von Kai Pannen sind die Klassenmaskottchen nämlich im Geheimen lebendig, wenigstens solange wie die Kinder an sie glauben.

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Sage, Angie – Septimus Heap – Flyte

_Mäßig: Duell der Zauberlehrlinge_

Wir erinnern uns: Der Schwarzmagier DomDaniel ist besiegt und Septimus Heap, der siebte, verschollen geglaubte Sohn der Heaps, ist wieder da. Er dient als Zauberlehrling bei der Außergewöhnlichen Zauberin Marcia Overstrand, während seine beste Freundin und Adoptivschwester Jenna sich auf ihre Aufgaben als künftige Königin vorbereitet. Nur Simon Heap, der Bruder der beiden, hat sich dem Dienst an DomDaniel verschrieben und will diesem wieder zu alter Macht verhelfen – mit sich selbst als künftigem Zauberlehrling. Er setzt einen perfiden Plan ins Werk, an dessen Beginn Jennas Entführung steht …

_Die Autorin_

Geboren 1952, wuchs Angie Sage in Thames Valley, London, und Kent auf, studierte später Grafikdesign und Illustration an der Art School in Leicester und arbeitet heute als Illustratorin von zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern. Bisher war sie vor allem durch Bilderbücher bekannt. Nach dem Kinderbuch „Monkeys in the Jungle“ trat sie mit der „Septimus Heap“-Reihe wieder als Autorin in Erscheinung. Mit [„Septimus Heap, Book One: Magyk“ 2469 legte sie ihren ersten großen Roman vor, der gleich auf Platz 1 der New York Times Bestsellerliste landete. Heute lebt sie mit ihrer Familie als Autorin und Illustratorin in Cornwall.

_Handlung_

Alles könnte so friedlich sein auf der riesigen Burg, welche die Acker- und die Tieflande überblickt. Septimus Heap widmet sich seinen Studien als Zauberlehrling der Außergewöhnlichen Zauberin Marcia Overstrand. Doch er wird immer wieder von einer schwarzen, haarigen Spinne gebissen, so dass Marcia ihn schließlich heilen muss. Sie selbst ist auch nicht wenig beunruhigt durch den seltsamen Schatten, der ihr auf Schritt und Tritt folgt. Wer hat ihn geschickt und worin besteht seine Aufgabe? Die Zeit wird’s weisen.

Da prescht eines Morgens Septimus‘ unzufriedener Bruder Simon durchs Burgtor, treibt seinen Rappen durch die Blumenbeete, an seinen verblüfften Eltern vorbei und schnappt sich seine Adoptivschwester Jenna, die Königstochter. Alle Proteste helfen Jenna nichts. Sie hat einen wichtigen Termin einzuhalten, denn sie soll am nächsten Tag, an Mittsommer, Zwiesprache mit dem Drachenboot in den Marram-Marschen halten, so wie jede der Königinnen vor ihr. Und nun kommt dieser Simon und schnappt sie vom Fleck weg!

Während Simons Mutter noch an einen Scherz glaubt, erkennt Septimus ganz richtig, was hier vor sich geht. Er stellt sich Simons Pferd in den Weg, bevor er die Stadt unter der Burg verlassen kann, und zwingt es mit seinem Blick zu erstarren. Leider ist sein Wille noch nicht stark genug – Simon bricht den Bann und reitet mit Jenna davon.

Septimus ist sehr besorgt, denn wer weiß, wohin Simon sie bringt. Doch absolut keiner will ihm glauben, dass etwas Schreckliches geschehen sei. Bis er endlich an die Werft gelangt und bei seinem Bruder Nicko Gehör findet. Nicko weiß auch, was zu unternehmen ist: Sie brauchen einen Fährtensucher, den er im Wald kennen gelernt hat. Dieser Wolfsjunge lebt bei seinen Brüdern, die mit den Wendronhexen im großen Wald leben. Allerdings dürfen sie nicht den Wolverinen begegnen, sonst könnte es gefährlich werden. Septimus stimmt dem Plan zu und packt. Dabei nimmt er ein wichtiges Andenken mit, das er von Jenna hat: einen grünen Stein. Damit hat es eine besondere Bewandtnis.

Simon bringt Jenna in die düsteren Ödlande, wo zwischen schwarzgrauen Schieferbrüchen eine Schlucht liegt, in deren Wänden die gefährlichen Landwürmer hausen. Am Steilhang der Schlucht führt ein schmaler Steig hinauf zu Simons Observatorium. Vor einer Geheimtür im Fels hält Simon an, spricht einen Satz rückwärts, und die Tür öffnet sich. Es nützt Jenna nichts, sich zu sträuben: Sie muss mit in den Berg, als Simons Gefangene.

Doch Septimus hat ihr am Morgen halb im Scherz einen Charm geschenkt, den sie nun einsetzt. Der Charm, magischer Gegenstand, vermag jegliche Materie in Schokolade zu verwandeln. Noch nie war Jenna der Zauber von süßer Schokolade so willkommen wie hier in ihrer Gefängniszelle!

_Mein Eindruck_

Mir sind bislang nur wenige Romane untergekommen, die fast die Hälfte ihres Umfangs benötigen, um die Handlung in Fahrt zu bringen. Jules Vernes [„Die Jagd auf den Meteor“ 3354 war so eines, und „Flyte“ ebenfalls. Bis Jenna in Sicherheit ist und Septimus wiedersieht, vergehen 250 Seiten. Man könnte auch behaupten, damit sei ein kleiner Roman abgeschlossen, doch leider hat diese Episode schlicht gar nichts mit dem vorangegangenen Buch zu tun. Sie wurde lediglich eingeschoben, um Jenna und Septimus etwas zu tun zu geben und zwei Bekanntschaften zu machen, die später noch von Bedeutung sind. Ich betrachte diese 250 Seiten als Prolog.

Erst als Jenna dann jenes Ritual mit dem Drachenboot vollziehen kann, auf das sie sich tags zuvor vorbereitet hat, beginnt die eigentliche Handlung. Diese knüpft folgerichtig an jene Geschehnisse an, von denen in [„Septimus Heap – Magyk“ 2469 die Rede war. Und natürlich führt das Ritual zu erheblichen Veränderungen in der Realität der Kinder: Das Drachenboot kann fliegen! Eben wie ein richtiger Drache.

Der Titel des Buches – „Flyte“ – ist auch sein Programm: Es geht ums Fliegen. („Flyte“ könnte man als veraltete Schreibweise des Wortes „flight“ = Flug auffassen.) Es ist schon schlimm genug, dass Simon Heap mit Hilfe eines Charms fliegen kann, um so das Drachenboot zu attackieren. Es ist klar, dass auch Septimus dringend Flugunterricht benötigt. Wie sich herausstellt, kann er dazu seinen Jungdrachen Feuerspei abrichten und obendrein Simons Flug-Charm entwenden und „upgraden“. Nun hat Septimus die Oberhand und zeigt Simon, was eine Harke ist.

Doch Simon, der hauptsächliche Bösewicht in diesem Band, scheint noch zwei Asse im Ärmel zu haben. Er kennt sich bestens in den Tunneln aus, die unter der Stadtburg verlaufen und beispielsweise auch in den Zauberturm von Marcia Overstrand führen. In diesen eisigen Tunneln treiben sich zwar Geister herum, aber die gibt es im Zauberturm ja auch zur Genüge, so dass sie Simon nicht schrecken.

Simon verfolgt einen Plan, den Septimus erst sehr spät erkennt, fast schon zu spät. Dazu gehören ein Skelett aus dem Sumpf, eine Schattenfängermaschine, der Schatten selbst und eine geheime Zutat, die hier nicht verraten werden darf.

Immer wieder hat mich verblüfft, dass die Kinder, die lediglich elf Jahre alt sind, sich aufführen und reden, als wären sie schon fünfzehn oder sechzehn. Sicherlich besteht ein Anspruch auf eine gewisse gebildete Ausdrucksweise, die an die Stelle von Babysprache tritt. Doch es ist vor allem das Verhalten der Kinder, das nicht so sehr präpubertären Jungs und Mädels angemessen erscheint, als vielmehr Jugendlichen, die schon wissen, wie man zuschlägt. Diesen Eindruck verstärken die Zeichnungen von Mark Zug, die jedem Kapitel wie eine Vignette voranstehen. Die Jungs sehen wie Krieger oder Jäger aus, die Mädels wie junge Damen.

|Feminismus – was war das noch gleich?|

Die unerklärliche Diskrepanz setzt sich fort in den kriegerischen Aktionen von Simon vs. Septimus, die im Widerspruch zu einer ständig kreischenden und schreienden Jenna stehen. In Gefahr hat sie lediglich die Aufgabe, verbal durchzudrehen, auf dass die männlichen Mitglieder ihrer Gruppe alarmiert werden und etwas TUN.

Frauen scheinen meist die Aufgabe des Fühlens und Erlebens zu haben, Männer hingegen die des Tuns, besonders wenn es um die Verteidigung eben jener hilflosen Frauen geht. Es gibt nur eine Ausnahme von dieser Regel: Tante Zelda, die Hüterin des Drachenboots. Und vielleicht noch die Anführerin der Wendronhexen, doch diese weise alte Frau tut nichts, sondern erteilt nur Rat. Selbst Marcia Overstrand, die Zauberin, stellt sich als besonders begriffsstutzig heraus.

Man könnte glatt seinen Glauben daran verlieren, dass so etwas wie Feminismus und Emanzipation jemals stattgefunden hat. Ansonsten werden nämlich uralte Rollenbilder bestätigt. Was einer der Gründe sein könnte, warum sich die Septimus-Heap-Bücher so gut verkaufen. Mit guter Literatur hat das nichts zu tun.

|Die Übersetzung|

Ein Ball prallt nicht ab, er „dotzt“ an das Fenster. Wie man sieht, kommt hier die Umgangssprache zu ihrem Recht. Aber auch die alte Poetensprache: Auf Seite 200 redet die weise Hexe (s. o.) nicht etwa von Gefahren, sondern von „Fährnissen“. Was man sich allerdings unter „Wolverinen“ vorstellen soll, ist zunächst nicht klar. Jedenfalls haben sie nichts mit dem X-Man Wolverine zu tun, so viel steht fest. Aber Vielfraße, wie die deutsche Übersetzung von „wolverine“ nahelegt, sind es auch nicht. Dafür sind sie zu schlau und zu menschenähnlich. Sagen wir der Einfachheit halber: Es sind Wölfe mit besonderen Fähigkeiten. Aber wozu sie dann „Wolverinen“ nennen?

_Unterm Strich_

Ich habe schon wesentlich spannendere Fantasyromane gelesen. „Flyte“ erreicht auf der nach oben offenen Matzer-Skala der Spannung nicht einmal eine zwei. Wieder und wieder ertappte ich mich dabei, dass ich einfach einige Seiten überschlagen wollte – und konnte der Versuchung nicht widerstehen. Die Schilderung ist auch einfach zu dröge und vorhersehbar. Obwohl hier Sechzehnjährige handeln und der Verlag angibt, das Buch sei für Elfjährige geeignet, könnten es Achtjährige es ebenso gut verstehen, ohne dass ihnen die Bedeutung der Sätze entginge. Ich war jedenfalls chronisch „überqualifiziert“.

Sicher, es mag ein paar nette Szenen geben, doch sie sind derart kindgerecht inszeniert, dass schon zu Beginn klar ist, wie sie ausgehen werden. Die Augsburger Puppenkiste ist bestimmt lustiger. Zudem hat mich gewundert, warum im Hörbuch zu „Magyk“ drei Karten zu finden sind, in der gedruckten Ausgabe von „Flyte“ aber nur eine großmaßstäbliche Landkarte. Weder eine Karte der Burg noch der Stadt drumherum ist zu finden. Das finde ich ein echtes Manko, denn wer den Vorgängerband nicht kennt, kann mit Bezeichnungen wie „Die Anwanden“ überhaupt nichts anfangen.

Fazit: Dieser zweite Band ist eher mäßig. Wer Spannung und ein intelligentes Abenteuer sucht, wird woanders eher fündig.

|Originaltitel: Septimus Heap. Book Two: Flyte, 2006
474 Seiten
Aus dem Englischen von Reiner Pfleiderer
Illustriert von Mark Zug|
http://www.hanser-verlag.de/

Snicket, Lemony – dunkle Allee, Die (Eine Reihe betrüblicher Ereignisse 6)

Selten war ein Buchserientitel treffender formuliert: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“. Sie brechen nacheinander über drei Waisen herein, die Baudelaire-Kinder. Band 6 führt sie in das irrsinnig große Penthaus ihrer neuen Vormünder Esmé und Jerome Elend. Doch das Leben im Luxus hat seine Tücken, und auch Graf Olaf ist nicht weit entfernt. Natürlich glaubt ihnen mal wieder niemand.

|Der Autor|

Verlagsinfo: „Lemony Snicket wurde in einem kleinen Ort geboren, in einem Landstrich, der heute unter Wasser steht. Mittlerweile lebt L. S. in der Stadt. In seiner Freizeit sucht er die Orte auf, an denen auch die Baudelaire-Kinder sich aufzuhalten gezwungen waren, um möglichst wahrheitsgetreu über ihr Schicksal berichten zu können. Wer will, kann L. S. im Internet unter http://www.lemonysnicket.de besuchen. Aber wir warnen dringend davor.“ So weit der Text im Buch. Nicht sonderlich aufschlussreich.

Der Zyklus „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“:
1) Der schreckliche Anfang
2) Das Haus der Schlangen
3) Der Seufzersee
4) Die unheimliche Mühle
5) Die Schule des Schreckens
6) Die dunkle Allee

|Der Illustrator|

„Brett Helquist wurde in Ginado, Arizona, geboren, wuchs im Orem, Utah [dem Mormonenstaat], auf und lebt heute New York City. Er studierte Kunst an der Brigham Young University [in Utah] und arbeitet seither als Illustrator für die „New York Times“ und viele andere Publikationen.“ (Die Einfügungen in eckigen Klammern stammen von mir.)

_Vorgeschichte_

Zunächst führten die drei Baudelaire-Kinder eine sorgenfreie Existenz. Sie verbringen den Schicksalstag am Strand und freuen sich des Lebens, jedes nach seinen Vorlieben. Violet, mit 14 Jahren die älteste von ihnen, denkt an eine neue Erfindung, denn sie hat die Fähigkeiten eines Ingenieurs.

Klaus, mit zwölf Jahren der zweitälteste des Trios, ist ein Bücherwurm und Wissenssammler – ein wandelndes Lexikon, aber nicht unfehlbar oder gar allwissend. Und schließlich wäre da noch die kleine Sunny, die noch ein Kleinkind ist, in alles hineinbeißt und kaum ein vollständiges Wort zu sagen vermag, geschweige denn ein verständliches. Aber Sunnys markante Aussprüche werden jedes Mal vom Autor übersetzt.

Doch an besagtem Schicksalstag brennt das Haus ihrer Eltern, in dem sie behütet und geliebt aufwuchsen, vollständig nieder. Der Nachlassverwalter Mr. Poe, ein ewig kränkelnder Bankangestellter, weiß mit den Kindern nichts anzufangen und bringt sie zu einem Vormund nach dem anderen, zuerst zu Graf Olaf, der nur ihr Vermögen will, dann zu Onkel Monty, der vorzeitig das Zeitliche segnet, und schließlich zu Tante Josephine Anwhistle, die am Seufzersee wohnt.

Doch die Kinder fürchten, dass Graf Olaf, der bereits in mehreren Verkleidungen hinter ihnen her war, auch diesmal einen Weg finden wird, die Vormundschaft über sie zu erringen. Zwar soll Violet erst das Familienvermögen erben, wenn sie 18 und volljährig ist, doch Graf Olaf kennt einen Weg, dies zu umgehen: Er muss Violet nur heiraten und das Vermögen gehört ihm.

_Handlung_

Mr. Poe, ihr hustender Vermögensverwalter, bringt die drei Waisen zur nächsten Station ihres Leidensweges. Aus der „Schule des Schreckens“ sind sie rausgeflogen, nachdem „Trainer Dschingis“ seinen Plan hatte erfolgreich umsetzen können. Leider verloren sie dabei auch ihre einzigen Freunde, die Quagmeirs, die er entführte. „Er“ ist natürlich Graf Olaf in einer seiner tausend Verkleidungen.

Das neue Domizil befindet sich in der Dunklen Allee, Hausnummer 667, also in einer recht vornehmen Gegend, unweit ihres abgebrannten Elternhauses. Doch die Straße trägt ihren Namen völlig zu Recht, wie sie schnell herausfinden. Die Dunkelheit hat auch gewisse Herzen erfasst.

Nachdem sie sich die Treppen ins 48. oder 84. Stockwerk hinaufgeschleppt haben, weil der Fahrstuhl außer Betrieb ist, werden sie am Penthaus freudig von Onkel Jerome Elend begrüßt. Er ist ja so ein netter Kerl, der ihnen gerne etwas Gutes tun und ihnen die Wünsche von den Augen ablesen würde – wenn da nicht seine grässlich vornehme Frau Esmé wäre. Esmé Elend – der Name spricht ihrem Reichtum Hohn – ist nicht nur die „sechstwichtigste Finanzberaterin der Stadt“, sondern richtet sich auch strikt danach, was in ist und was out.

Fahrstühle, so viel haben die Waisen mühselig bemerkt, sind momentan mega-out. Auch künstliche Beleuchtung, weshalb die zwei Bewohner des Penthauses kaum zu erkennen sind – die „dunkle Allee“ trägt ihren Namen zu Recht. Zum Glück sind Waisen noch in – mit der Betonung auf „noch“. Schnell lernen die Waisen, was eine „Marotte“ ist: eine persönliche Eigentümlichkeit. Dass statt Mineralwasser „Aquamartinis“ (siehe unten) serviert werden, geht ja noch an, aber dass alle Kinder, auch Babys wie Sunny, Nadelstreifenanzüge tragen müssen, führt zu ernsthaften Zweifeln am Geisteszustand ihrer Vormünder. Die Wohnung ist so groß, dass sie sich darin verirren.

Esmé geht leidenschaftlich gerne zu Auktionen. Nein, nicht zu eBay, denn in den Baudelaire-Romanen kommt Internet nicht vor. Sie geht zu richtigen Auktionen, wo sich die oberen zehntausend treffen. Sie kauft nicht, sondern nimmt ein. Direkt in ihre Handtasche. Der weltbeste Auktionator ist in ihren Augen Gunther, der so komisch redet. Doch als er endlich auftaucht, kann die lange, hagere Gestalt mit dem Monokel und den Stiefeln die Baudelaires keine Sekunde lang täuschen: Graf Olaf!

Dann beginnt das gleiche traurige Spiel von Neuem: Sie versuchen die doofen Erwachsenen zu überzeugen, welch schrecklicher Mensch dieser Gunther ist, doch keiner glaubt ihnen, weil er sich so gut verkleidet hat. Esmé schickt Jerome mit den Kindern ins Café Salmonella, wo man nur Lachs (salmon) zu essen bekommt und alles eklig nach Lachs schmeckt. Sogar die Kellner sehen wie Lachse aus. Derweil gehe sie, Esmé, mit Gunther den neuen Auktionskatalog durch.

Als sie zurückkehren, stellt sich ihnen ein Rätsel. Esmé hatte ihnen verboten, in die Wohnung zurückzukommen, solange Gunther noch da ist. Okay. Da der Portier im Erdgeschoss sagt, Gunther habe das Haus nicht verlassen, bleiben sie unten, um auf Gunther zu warten. Jerome geht schon mal hoch. Nach einer Weile erscheint Esmé und wundert sich. Gunther sei doch schon längst weg. Sie könnten also endlich raufkommen.

Wo ist Gunther abgeblieben, wenn er doch das Haus nicht über die Treppe und die Haustür verlassen hat? Klaus kommt heftig ins Grübeln. Wenn alle anderen Möglichkeiten ausscheiden, bleibt nur noch eine Lösung übrig, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag. Also sprach Sherlock. Die Baudelaires machen sich auf die Suche.

_Mein Eindruck_

Die folgenden Kapitel sind voll spannender Ermittlungen, grotesker Ergebnisse, einem Wiedersehen mit den vermissten Quagmeirs und einem perfekten Showdown während einer Auktion. So viel Action sollte es öfters geben, finde ich. Und der zunehmende Umfang der Romane lässt mehr erhoffen: Dieser Band hat etwa 50 Seiten mehr als Band 4.

|Das Element der Überraschung|

Wieder einmal lernen die Baudelaires wichtige Lektionen fürs Leben. So zum Beispiel, dass das Periodensystem der chemischen Elemente unvollständig ist. Es fehlt das Element der Überraschung. Dieses Element spielt in vielen Szenen eine entscheidende Rolle, wie sich herausstellt. Jeder sollte sich eingehend und frühzeitig, besonders Kinder, mit dem Element der Überraschung vertraut machen.

|Der unfaire Vorteil|

Und dann wäre da noch der unfaire Vorteil. Der unfaire Vorteil liegt in den Augen der Baudelaires meistens auf der Seite der Erwachsenen – was angesichts der geringen Größe der Kinder und ihres geringen Alters natürlich höchst unfair ist. Aber wer hat je behauptet, dass das Leben gerecht wäre? Also müssen sich die Baudelaires – wieder einmal – etwas einfallen lassen, um den unfairen Vorteil auszutricksen. Was ihnen auch mit den unwahrscheinlichsten Mitteln gelingen wird, so viel sei schon mal verraten.

|Gib dem Bösen eine Chance|

Auch das Abenteuer, das sie in „Die dunkle Allee“ bestehen müssen, beweist ihnen, dass das Böse in Gestalt von Graf Olaf und seinen Schergen nur triumphieren kann, wenn die Schwächen der Mitmenschen das zulassen. Esmé zum Beispiel. Sie ist die Verkörperung von Egoismus und Habgier, aber auch ein Spielball der Mode. Sie hechelt allem hinterher, was in ist und was out. Die Größe ihres gigantischen Penthauses reicht ihr nicht. Sie würde am liebsten noch Waisenkinder auf der Auktionen versteigern, wenn das nicht ungesetzlich wäre. Besitz befriedigt ihre emotionale Hohlheit.

Das macht sie zur Tyrannin über ihren Mann, den netten und gütigen Jerome: ein großer Junge. Er ist schwach, weil er es nie zu einem Streit kommen lassen will. Daher kuscht er immer und erfüllt jede von Esmés Launen. Seine Menschenkenntnis ist dementsprechend eingeschränkt. Graf Olaf täuscht ihn mit links. Eigentlich ist es sehr schade um Jerome. Vielleicht werden ihm im Verlauf der Handlung noch die Augen für die Realität geöffnet.

Was Wunder also, dass unsere braven drei Kids Probleme haben zu beurteilen, was wirklich, wahr und echt ist und was nicht. Gunther beispielsweise ist ein falscher Fuffziger. Aber kann eine Wohnung, die über 71 Schlafzimmer und 849 Fenster verfügt, echt sein? Mal ehrlich. Und kann ein Fahrstuhl, der nur eine Tür hat, aber keine Kabine, real sein? Wohl kaum.

Wieder ist Sherlock Klaus gefragt, der Forscher. Wenn es um Erfindungen geht, ist Violet gefragt. Leider kommen ihre Erfindungen nicht immer zur richtigen Zeit: Sie ist ihrer Zeit manchmal voraus. Dieses Schicksal teilt sie mit vielen Genies. Und Sunny? Sie ist ebenfalls genial, aber wenn’s drauf ankommt, setzt sie lieber die vier Zähne ein, die sie schon hat. Ergo: Graf Olaf hat keine Chance. Oder?

_Unterm Strich_

Band 6 ist also voller Action, spannender Ermittlungen, unheimlicher Situationen, falscher Identitäten und grotesker Leute und Orte. Es vergeht kein Kapitel, in dem nicht für genügend Nervenkitzel gesorgt wird. Besonders lustig sind die ersten Kapitel, in denen die Baudelaires das Zerrbild einer Luxuswohnung vorfinden, wie sie sich die unteren zehntausend ungefähr vorstellen. Auch dass hier die Mode eine ebenso große Rolle spielt wie der Klatsch und die Jagd nach Geld, entspricht den Erwartungen. Dadurch, dass diese Luxusleute dann Martinis trinken, die aus Wasser bestehen, in dem eine Olive schwimmt, und später „Petersiliensoda“, werden sie schön lächerlich gemacht.

Wirklich schlau hingegen sind die beiden wichtigsten Lektionen: die über das „Element der Überraschung“ und den „unfairen Vorteil“. Wer ihnen mit geeigneten Mitteln entgegentritt, hat bessere Chancen, im Leben zu bestehen. Das Buch ist also nicht nur lustig, sondern auch lehrreich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Weil die Quagmeirs vorkommen, ist es wohl am besten, Band 5 und 6 zusammen und hintereinander zu lesen. Eigentlich selbstverständlich, aber nicht jeder hat beide Bände vorliegen oder kann sie gar in chronologischer Reihenfolge lesen. Schön, dass der Umfang immer weiter zunimmt: Hier gibt’s mehr Buch fürs Geld.

|Originaltitel: A Series of Unfortunate Events – The Ersatz Elevator, 2000
Aus dem US-Englischen übersetzt von Birgitt Kollmann|

Michelle Paver – Seelenwanderer (Chronik der dunklen Wälder 2)

Spannende Vorzeit-Fantasy für Jung und Alt

Die Wälder vor 6000 Jahren erstrecken sich von einem Ende der Welt zum anderen, voller lebendiger Seelen – außer einer … Der 12-jährige Torak, seine Freundin Renn und ein junger Wolf haben die Welt von einem gefährlichen Dämon befreit. Jetzt bedroht eine geheimnisvolle Krankheit die Bewohner des Weiten Waldes. Die Befallenen wirken wie besessen und bringen den Tod – nicht zuletzt auch sich selbst. Torak macht sich auf, um ein Heilmittel zu finden. Sein Weg führt ihn zum Robbenclan an der Westküste.

Die Autorin

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Stefanie Hasse – Master Class – Blut ist dicker als Tinte

Inhalt

Bei einem exklusiven Schreibwettbewerb in Cornwall will Literaturstudentin Riley ihr Talent als Autorin unter Beweis stellen, doch stattdessen wird sie unfreiwillig zur Protagonistin eines echten Thrillers … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ich bin begeistert: “Master Class – Blut ist dicker als Tinte” ist herrlich rätselhaft, unheilvoll sowie mitreißend! Perfekt geeignet zum Ein- und Abtauchen in eine aufregende Welt!
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Lemony Snicket – Der Seufzersee (Eine Reihe betrüblicher Ereignisse 3)

Selten war ein Buchserientitel treffender formuliert: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“. Sie brechen nacheinander über drei Waisen herein, die Baudelaire-Kinder. Band 3 erzählt von ihren schrecklichen Abenteuern am großen Seufzersee, wo ihnen der fiese Kapitän Talmi nachstellt, um an ihr Vermögen zu gelangen.

„Lemony Snicket ist Amerikas Antwort auf Joanne K. Rowling und Harry Potter.“ – Buchreport

Der Autor

Verlagsinfo: „Lemony Snicket wurde in einem kleinen Ort geboren, in einem Landstrich, der heute unter Wasser steht. Mittlerweile lebt L. S. in der Stadt. In seiner Freizeit sucht er die Orte auf, an denen auch die Baudelaire-Kinder sich aufzuhalten gezwungen waren, um möglichst wahrheitsgetreu über ihr Schicksal berichten zu können.
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Die drei ??? Kids – Ferienrätselbuch

Die Handlung:

Ob am Strand, in den Bergen oder daheim im Garten: Mit diesem Buch erleben Kids-Fans garantiert spannende Ferien. Die Zahlen- und Buchstabenrätsel, lustige Fehlersuchbilder, knifflige Labyrinthe und Puzzles sind ein genialer Zeitvertreib und trainieren ganz nebenbei logisches Denken, Ausdauer und Motorik. Die Spiele und Rätsel sind liebevoll illustriert und ein neuer Kurzratekrimi mit den Kultdetektiven ist natürlich auch dabei! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Tja, der Klappentext hat mir ja eigentlich schon die ganze Arbeit abgenommen. Da bräuchte ich nur noch „Was da steht“ schreiben und gut is‘.

Von der Stärke her, find ich das Buch prima zum Herumtragen, vom Durchmesser her hätte ichs mir kleiner vorgestellt. Jacken- oder gar Hosentaschen-tauglich ists nämlich nicht. Eher etwas für den Rucksack.

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Die drei ??? Kids Sachwissen – Diebstahl im All (Band 1)

Die Handlung:

Einem Wissenschaftler werden wichtige Forschungen zu einem neuen Planeten gestohlen. Justus, Peter und Bob starten die Ermittlungen … Bei diesem außergewöhnlichen Kids-Krimi erfahren die drei Detektive jede Menge Interessantes über das Weltall und die Planeten! Auf Extraseiten erklären sie ihren Fans, was sie gelernt haben, z. B. über das Sonnensystem, Galaxien und Schwarze Löcher oder über Astronauten und ihr Training. Viele farbige Fotos und Zeichnungen machen komplizierte Zusammenhänge verständlich und den Fall noch spannender. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Was „Schlau wie 4“ als Hörspielreihe für EUROPA ist, soll jetzt offenbar das neue „Die drei ??? Kids Sachwissen“ für die jüngere Ausgabe der Detektei aus Rocky Beach werden. Also, eine Story, die rund um Sachwissen-Druckbetankung geschrieben wurde, sich aber nie zu aufdringlich anfühlt, sondern eher wie neugierig gestellte Fragen mit interessanten Infos. Und was bietet sich da neben den üblichen Dinosauriern für den Anfang an? Das Weltall!

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Die drei ??? Kids – Geheime Zeichen (Band 95)

Die Handlung:

In die Villa einer reichen Familie wurde eingebrochen. Bei der Untersuchung des Tatorts fällt den drei ??? Kids ein merkwürdiges Kreidezeichen auf. Genau so eines hatten sie erst kurz zuvor am Zaun vom Schrottplatz entdeckt. Die drei Detektive finden heraus, dass es sich um typische Gaunerzinken handelt, mit denen Diebe ihre Kumpane auf gute Beute oder andere Dinge hinweisen. Jetzt heißt es, den nächsten Einbruch verhindern und die Übeltäter schnappen! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ist „den Zaun streichen“ wohl schlimmer, als den Schrott.. sorry, Wertstoffhandelhof aufzuräumen? Tante Mathilda lässt keine Langeweile aufkommen und spannt die Jungs ein. Die werden darauf direkt von Kommissar Reynolds abgezogen, um ihn zu unterstützen.

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Die drei ??? Kids – Falsche Vampire (Band 94)

Die Handlung:

Flatterhafte Wesen werden am Nachthimmel gesichtet, Schafherden geraten in Panik und eine Person hat sogar markante rote Punkte am Hals. Treibt etwa ein Vampir in Rocky Beach sein Unwesen? Justus, Peter und Bob starten ihre Ermittlungen. Bei einer Fledermaus-Forschungsstation erfahren die Detektive viel Wissenswertes über die fliegenden Säugetiere. Doch die vermeintlichen Fledermaus-Attacken gehen weiter und für die drei ??? Kids beginnt eine gruselige Vampirjagd. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Falsche Vampire? Gabs/gibts denn echte? Ok, abgesehen von den Fledermäusen halt. Solche flattern offenbar auch in Rocky Beach herum. Ein Bewohner ist sogar so verunsichert, dass er vorsorglich erst mal Knoblauch kauft … man weiß ja nie.

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