Friedel Wahren & Erik Simon (Hg.) – Retter der Ewigkeit. Geschichten zwischen Diesseits und Jenseits


Schnurrige Stories aus der Anderwelt

Diese Anthologie umfasst humorvolle Stories zwischen dieser Wirklichkeit und der nächsten, zwischen Schein und Sein, Diesseits und Jenseits. Erik Simon und Friedel Wahren sind kenntnisreiche Herausgeber dieser ebenso bunten wie unterhaltsamen Sammlung.

„Eine weit verbreitete Verlegerweisheit besagt, dass sich Sammelbände mit Kurzgeschichten nicht verkaufen. Der Erfolg der Heyne-Anthologien, deren gemeinsamer Nenner ein Josh-Kirby-Titelbild und eine Story von Terry Pratchett ist, widerspricht dieser Behauptung! Fantasy-Leser scheint es nicht so sehr um Roman oder Story zu gehen, sondern um Qualität. Denn für Retter der Ewigkeit gilt das Gleiche wie für seine Vorgänger — die meisten Autoren sind hochkarätig, fast alle Geschichten ein Genuss.“ (Amazon.de-Review) Das Titelbid weckt das Interesse der Scheibenwelt-Fans.

Die Erzählungen

Teil I: Versuchen Sie das mal im wirklichen Leben

1) Terry Pratchett: #ifdebug+“world/enough“+“time“

Ein Computertechniker wird zu einem Tatort gerufen. Ein User der Künstlichen Realität wurde tot aufgefunden, und im Nebenzimmer liegt die verschrumpelte Leiche einer schwangeren Frau. Der Techniker soll herausfinden, ob ein technischer Defekt zum Tode des Users geführt hat. Das war zwar nicht der Fall, aber angesichts der Einschüchterungsversuche von Polizei und Angestellten erfindet er lieber etwas. Eigentlich war ein Virus daran schuld. Nun wandeln beide, die Frau und der männliche User, zunächst im virtuellen Raum der K.R., doch hat man die Frau bereits auch an verschiedenen Orten der realen Realität gesehen…

2) Jorge Luis Borges: Der Tintenspiegel

Der Arabienreisende Richard Francis Burton erfährt 1853 in Kairo folgende Geschichte, die den Tod des Gouverneurs elf Jahre zuvor erklärt.

Ein Zauberer, den der Gouverneur hatte verhaften lassen, versucht sich freizukaufen, indem er dem Grausamen mit Hilfe eines Spiegels aus Tinte, die er in dessen Handfläche gießt, alle gewünschten Dinge sehen lässt. Sein Kerkermeister wünscht sich zunächst schnelle Pferde (Araber), dann Europa usw. Doch ein Gesicht unter allen gesehenen Personen ist stets verhüllt. Eines Tages gelingt dem Gouverneur, diese Person unters (virtuelle) Henkersbeil führen zu lassen.

Trotz der Warnungen des Zauberers lässt man dem Opfer die Maske abnehmen: das Gesicht des Gouverneurs kommt zum Vorschein. Das Urteil wird dennoch vollstreckt – doppelt.

3) Howard Schoenfeld: Logisch aufgebaut

Ein Autor, Hillburt H. Aspasia, erfindet mit Frank eine Figur, die erst ein Karnickel, dann ein Piano aus dem Nichts erfinden kann, aber logisch aufgebaut, also richtig funktionstüchtig. Trickreich wird’s erst, als Frank ein Universum erfindet, in dem sich auch Aspasia befindet. Folglich kann Frank nun Autor sein und Aspasia sterben lassen. Doch dieser hat vorgesorgt und ein Double von sich erfunden, das sich an Frank rächt und danach das Mädchen bekommt.

4) Gregor Simsel: Retter der Ewigkeit

Die Story – eine Erstveröffentlichung – beginnt wie Kafkas berühmte Erzählung „Die Verwandlung„, in der sich der Prager Jüngling Gregor Samsa (siehe das Pseudonym des Autors) über Nacht in einen großen Käfer transformiert – nur dass hier der Protagonist sich nicht verwandelt, sondern mittels mehrer Schlüssel in unterschiedliche Szenen eindringen kann.

Dabei geht es stets um einen mysteriösen „Retter der Ewigkeit“ – einmal auf einem Raumschiff à la „Enterprise“, dann in der Höhle eines Zauberers, in der Zelle zweier Mönche, schließlich sogar in einem Rockkonzert und im Wilden Westen. Gregor hat Glück, dass er das alles überlebt. Dabei hieß „Retter der Ewigkeit“ doch bloß der TV-Streifen, den er bei Freunden sah – vielleicht wird es Zeit aufzuwachen?

Strukturell ist die Geschichte eine Odysse durch verwandte Szenen, sprachlich jedoch eine humorvoll-ironische Persiflage auf den klischeebelasteten Online- und Mediensalat, den sich jeder von uns so reinzieht. Ausgezeichnete Unterhaltung.

Teil II: Auf und davon

Wie sich herausstellt, stellt die Flucht in die Fantasiewelt stets eine Kritik an der aktuellen Realität dar.

5) Marion Zimmer Bradley: Der Tag der Schmetterlinge

Eine recht romantische Erzählung, die zur Kategorie „Wunscherfüllung“ gehört. MZB kam auf die idee, als sie die Angestellten beobachtete, die in die New Yorker Börse zur Arbeit gingen. Diana ist so eine Angestellte, doch in letzter Zeit hat sie merkwürdige Wachträume, in denen sie nackt durch eine idyllische Natur wandelt, umgeben von Schmetterlingen. Ihr kommen Zweifel an der Schönheit und Berechtigung der Stadt und ihrer Architektur.

Erst nachdem sich auch ihre Kollegin und ihr Verlobter Peter mit ähnlichen Wachträumen geständig gezeigt haben, rückt die pflichtbewusste Diana mit ihren eigenen Träumen heraus. Der Tag, an dem der große Gott Pan erwacht und die Natur erweckt, ist angebrochen…

6) Cyril Kornbluth: Dreizehn Uhr

Ein wunderschöne, altmodische Fantasy-Story, die in unserer Realität beginnt.

Peter Packer ist Konstrukteur, doch als er eine von seinem Großvater geerbte Uhr findet, auf der es 13 schlägt, findet er sich in einem Zauberland wieder. Die junge attraktive Hexe Melicent bittet ihn um Beistand gegen den bösen Zauberer Amarish, der alle nichtlizenzierten Zauberer verfolgt und einsperrt. Wie sich zeigt, hat Peters Großvater eine Menge damit zu tun: Er hat das Zauberland nach den Leitsätzen der freien Marktwirtschaft umgekrempelt: mit den Ellenbogen. Da muss er wohl etwas falsch aufgefasst haben. Nun ist guter Rat teuer.

7) Alfred Bester: Die Nummer mit dem Verschwinden (Disappearing Act)

General Carpenter ist ein Militärexperte für Public Relations. Er zettelt den Krieg für den Amerikanischen Traum an, und er kriegt ihn. Nach dem ersten atomaren Schlagabtausch müssen die Menschen in den Untergrund gehen. Etwa im Jahr 2112 stößt die Verwaltung auf ein merkwürdiges Phänomen in einem der vielen amerikanischen Militärhospitäler: Trakt T ist gar kein reguläres Trakt. Tatsächlich sollte er gar nicht existieren. Und keiner weiß, was sich darin befindet.

Wirklich keiner? General Carpenter, Herr über sämtliche Experten der Streitkräfte, lässt den zuständigen Psychotherapeuten Dr. Edsel Dimmock herbeischaffen. Der druckst herum, und das kann General Carpenter überhaupt nicht leiden. „Raus mit der Sprache! Welche Fälle liegen in Trakt T?“ Endlich rückt Dimmock mit der Sprache heraus: Leute, die verschwinden.

Was soll das heißen, fragt der General. Nur das: Wir wissen nicht, wohin sie verschwinden, aber sie bleiben immer länger fort. Carpenter lässt drei der Verschwindibusse einfangen, unter Drogen setzen und ausquetschen. Sie verschwinden bloß wieder, kehren gleich wieder zurück und ebenso unbrauchbar wie zuvor. Auch die Dimmock-Folter nützt nichts.

Der General lässt sechs seiner Experten in Trakt T einschleusen. Sie stoßen auf den Namen Jim Brady. Ein weiter Experte benennt Diamond Jim Brady als bekannten Boxer des 20. Jahrhunderts. Es gibt weitere Hinweise: auf einen gewissen Präsidenten Eisenhower und einen Autobauer namens Henry Ford. Historische Figuren oder nicht? Carpenter lässt einen Historiker aus einem der Arbeitslager kommen.

Professor Scrim war ein Philosoph, der den Fehler machte, den Krieg für den Amerikanischen Traum anzuzweifeln. Wie auch immer, er soll sich jetzt diese Sache ansehen. Diese „Sache“ kommt Scrim immer kurioser vor, je länger er sich damit beschäftigt. Sein Rapport verblüfft den General: „Zeitreisende?“ Eine unglaubliche Waffe, meint der General, und sämtliche Experten pflichten ihm bei. Wenn man eine Armee per Zeitreise hinter feindliche Linien schicken könnte, noch bevor die Schlacht überhaupt angefangen hat. Wow! Die Möglichkeiten übersteigen den Verstand.

Nicht bloß einfache Zeitreisende, wendet Scrim ein , sondern Leute, die in eine Zeit reisen, die ihren eigenen Träumen entspricht: Anachronismen en masse sind die Folge. „Da haben Sie Ihren Amerikanischen Traum, Sir“, meint Scrim. Aber wie könnte man gewöhnlichen Leuten diese Fähigkeit verleihen, will der General wissen. Scrimm antwortet, dass ein Poet dies wohl vermöge. General Carpenter lässt einen Poeten suchen. Er wartet bis heute, dass einer gefunden wird…

Mein Eindruck

In seiner unnachahmlichen Art demonstriert Alfred in dieser berühmten Erzählung, wie sich Expertentum und Poesie konträr gegenüberstehen. Der Poet bzw. kreative Künstler vermag Träume in konkrete Formen umzusetzen, doch der Spezialist wird nur mit totem Wissen abgefüllt, das nur einen Zweck hat: abgerufen zu werden. Experten werden stets als gehärtete und geschärfte Instrumente dargestellt. Doch für den Poeten gilt, er sei der einzige, der zwischen den zeitreisenden Schockpatienten und Carpenters Experten vermitteln könne.

Die umwerfende, bittere Ironie besteht nun darin, dass der Krieg des Generals, den er für den „Amerikanischen Traum“ zu führen behauptet (es könnten genauso gut „bessere Mausefallen“ sein) dazu geführt, genau diesen Traum abzuschaffen – und die Träumer obendrein. Diese sind einerseits „Poeten“, andererseits solche Schockpatienten, wie sie im Trakt T vorzufinden sind; falls man sie antrifft.

Eine Komponente fehlt noch, die ich nicht erwähnt habe. Es gibt drei sehr schöne Szenen, in denen drei der Patienten des Trakts T in der Vergangenheit auftauchen, um dort zu wirken. George Hammer ist ein wichtiger Politiker des viktorianischen London und nennt Disraeli seinen Freund. Lola Machan ist eine Mata Hari in der Epoche des Julius Caesar und prophezeit dem Diktator Roms einen baldigen Tod. Und Nathan Riley hat Wetten abgeschlossen, die im 20. Jahrhundert allesamt große Gewinne abwerfen, so dass er dem jungen Henry Ford helfen kann, das Automobil nicht nur zu erfinden, sondern auch in Massen zu produzieren.

Alles in allem ist die Story eine der besten der gesamten fünfziger Jahre, und das will angesichts der Konkurrenz durch Philip Dick und Robert Silverberg einiges heißen.

8) Ray Bradbury: Das Kinderzimmer (The Veldt)

Auf schockierende Weise entledigen sich zwei kleine Kinder ihrer Eltern. Zunächst lernen sie von der virtuellen Realität, dann können sie sie programmieren. Das Veldt: das ist die afrikanische Savanne, mit Nashörnen und Giraffen, aber auch mit Löwen. Und wer sich hineinbegibt, kann darin umkommen.+++ Dies ist eine der meistgedruckten Stories überhaupt.

Teil III: Das Allerwirklichste

Das Fernsehen erzeugt bekanntlich seine eigene Wirklichkeit. Die ist für viele Konsumenten inzwischen so wirklich – siehe Big Brother -, dass die primäre Realität dagegen verblasst.

9) Carl Amery: Nur einen Sommer gönnt ihr Gewaltigen (1984)

Eine beklemmende Vision von einem der besten Schriftsteller und Philosophen Deutschlands.

In einem totalen Überwachungsstaat wird der junge Nikol Helder registriert, der Anarchistenliteratur ausleiht und 11 kg Puderzucker gekauft hat. Die Überwachungskameras und –mikros nehmen alles auf und sobald eine emotionale Schwelle, der „ET-Wert“, überschritten ist, etwa bei einem Banküberfall, leitet die Sicherheitsbehörde die Bilder direkt weiter an die Mediennetze, ans Fernsehen. Ein feiner Deal. Doch er funktioniert nur, solange sich das beobachtete Subjekt unbeobachtet weiß. Als Nikol eine kriminelle Tat simuliert, wird eine Performance draus, aus dem Dokument eine Show – das Objekt triumphiert.

Der Titel ist die erste Zeile (und bleibt nicht die einzige im Text) aus Friedrich Hölderlins Gedicht „An die Parzen“. Die Parzen sind die griechischen Göttinnen, die den Schicksalsfaden spinnen, weben und abschneiden. Im Gedicht triumphiert der Dichter, dass ihm ein einziges Lied gelungen ist; danach könne er ruhigen Gewissens abtreten. Die Parallelen sind offensichtlich.

Eine wirkliche gelungene Story, sehr kenntnisreich und sprachlich ausgefeilt.

10) Alan Dean Foster: Was treibt das einfache Volk?

Eine schwache Story zu einem harten Thema: Volksbelustigung. In Fosters Zukunft ist die Fernsehsendung interaktiv; die Zuschauer stimmen per Knopfdruck ab, wie es weitergeht. Das Prinzip ist dem von Brot und Spiele aus dem alten Rom nachempfunden – und genauso blutig. Denn die Waffen und Kugeln sind echt, und die Verletzungen der Darsteller auch. Sie landen alle auf der Intensivstation; manche schaffen es leider nicht mehr zum nächsten Auftritt.

David Texas ist TV-produzent, und als er sich in die bildschöne Schauspielerin Oriel verliebt, weiß er, auf was er sich eingelassen hat. Leider sind seine Rettungsversuche fruchtlos.

Obwohl es um Leben und Tod geht, plätschert die Handlung so dahin. Vor allem die Hauptfigur des David ist uninteressant, weil willensschwach und letztlich unterliegend.

11) J.G. Ballard: Anleitung zum virtuellen Tod (1992)

Der innovative Autor J.G. Ballard aus Großbritannien listet einfach nur das Fernsehprogramm für den 23.12.1999 auf. Dies ist jedoch eine bitterböse Mischung aus Hard- und Softporno, hirnlosen Talk- oder Gameshows usw. Der Clou zum Schluss um 5 Uhr morgens: eine Gameshow, in der Bittsteller aus der Dritten Welt um Almosen betteln dürfen.

Teil IV: Jenseits, gleich nebenan

12) Theodore Sturgeon: Gestern war Montag (aber heute ist Mittwoch…)

Sturgeon war einer der besten Storyschreiber der Science Fiction überhaupt. Kein Wunder, dass diese Geschichte so genial ist. In dieser Story kommen Himmel und Hölle (wenn auch im Hintergrund) vor und eine gut ausgebaute virtuelle Realität, die jeder von uns kennt, denn hier gilt Shakespeares Wort: „all the world’s a stage.“

Der Automechaniker Harry ging am Montag zu Bett, wacht aber am Mittwoch auf. Er geht zu seinem Job, doch dort sind irgendwelche Wichtel dabei, seinen Job zu machen! Iridel, der herbeigerufene Aufseher, erklärt, was passiert ist: Harry ist in der Bühnendekoration für den Mittwoch aufgewacht statt in der für den Dienstag. Über Harrys Fall mus der „Produzent“ entscheiden. Leider macht danach Iridel einen kapitalen Fehler und so landet Harry statt im Dienstag im Montag! Er kommt sich vor wie in der Hölle. Es ist die Hölle…

13) John Shirley: Fahrkarte zum Himmel (Ticket to heaven)

Himmel, Hölle und Diesseits werden in dieser Story als gleichermaßen real betrachtet, und man kann sich zwischen ihnen bewegen. Dies ermöglicht der sogenannte Eden Club, eine Art Reisebüro, -veranstalter und Bahnhof in einem. Der Reisende, der es sich leisten kann, nimmt in einem bequemen, ihn umschließenden Sessel Platz und ab geht die Post – buchstäblich.

Nach einigen Monaten bemerkt der Werbemanager des Eden Club, dass es mit dem Energieniveau der Erde beträchtlich bergab geht; schon stürzen die ersten Armenviertel ein. Als er den Grund herausfindet, sinnt er auf Abhilfe. Und da es für jeden Energietransfer einen Ausgleich geben muss, aber dieser nicht mehr die Erde beeinträchtigen darf, gibt’s nur eins: die Luxus-Reisen des Eden Club führen künftig in die Hölle.

Das soziale und moralische Problem der ungerechten Verteilung von Armut und Reichtum hebt Shirley einfach auf die metaphysische Ebene. Etwas plump in der Idee, aber geschickt erzählt.

14) Wesentlich witziger erzählt ist da schon Nelson Bonds „Hader im Hades“.

Der Gewerkschaftsagitator Harry Bragglestons hat den wirklich dummen Fehler begangen, einen Streik vorzuschlagen, während sich die USA gegen Japse und Nazis verteidigen mussten. Klar, das ihm dies 200.000 Jahrhunderte in der Hölle einbringt. Dort entdeckt er allerdings genügend Gelegenheiten, bei denen sein spezielles Talent gefragt ist und organisiert den großen infernalischen Streik. Seine Majestät, der Fürst der Hölle, ist beeindruckt von so viel Unverschämtheit und lässt den Wicht vor sich zitieren. Nur um ihn sogleich eine Station weiter zu schicken, und seinen persönlichen Dämon dazu. Doch wie einen Streik im Himmel organisieren? Hier ist ja jeder zufrieden! Ja, Harry, das ist die wahre Hölle.

Teil V: Virtuelle Engel

15) R.A. Lafferty: Eine Sekunde der Ewigkeit

Der Engel Boshel, ein rechter Schussel, hat aus Versehen bei der Schöpfung des Alls den Zufall eingeführt. Ohne Zögern ahndet Erzengel Michael die Missetat: Die geniale Strafe besteht darin, dass Boshel mit Schimpansen ausgestattet wird, die solange auf Schreibmaschinen tippen müssen, bis per Zufall alle 37,5 Bände von Shakespeares Werken entstanden sind – und zwar fehlerlos. Das dauert eine Weile. Tatsächlich solange, dass ein kleiner Vogel, der alle 1000 Jahre seinen Schnabel an einem Felsblock von einem Lichtjahr Kantenlänge wetzt, diesen Fels bis auf drei Viertel reduziert hat, als Boshel endlich Erfolg beschieden ist. Wirklich?

Eine Story, in der die Unmenge von Zeit im Universum eindrucksvoll zur Geltung kommt.

16) Howard L. Gold: Was kosten Flügel?

Das hat er nun davon: Harvey hat dem Staat zwei Dollar zurückgezahlt und ist noch Jungfrau. Nun hat er nicht nur einen Heiligenschein, sondern schöne große Engelsflügel, immerhin jeder anderthalb Meter lang. Seine Freundin Liz ist er los – er ist ein wenig auffällig für ein behagliches Privatleben, nicht wahr? Doch als auch sonst niemand etwas auf Erden mit einem Engel anfangen kann, hilft nur eines: die Änderung des Heiligenstatus‘. Leichter gesagt als getan.

17) Robert Silverberg: Basileus

… ist zu einer der besten Fantasy-Stories aller Zeiten gewählt worden. Das scheint mir irgendwie übertrieben. Dennoch hat der Plot seinen Reiz.

Cunningham ist Programmierer bei der Nationalen Verteidigung, mit der Aufgabe, echte anfliegende Raketen von unechten zu unterscheiden, damit die Verteidigungsanlagen rechtzeitig in Alarmbereitschaft versetzt werden können. Doch irgendwie ist er auf die fixe Idee verfallen, Engel zu erschaffen, natürlich nur im Computer. Mittlerweile hat er aus den historischen Quellen schon viel Material entnommen, das es ihm ermöglichte, 1119 Engel zu erschaffen und auf seiner Festplatte abzulegen. Dummerweise entwickeln die Engelsprogramme ein gewisses Eigenleben, und als er einen Administrationsengel namens Basileus (griech. für „der Hirte“) erschaffen will, erwählen die Engel ihn als Basileus: Seine Aufgabe: zu richten über die Welten…

Unterm Strich

Wie schon anno 2000 der Erzählband „Schöne Bescherungen„, so bietet auch diese neue Anthologie einige der intelligentesten und kurzweiligsten Stories zu den verschiedenen Themen. Man muss die Autoren keineswegs kennen, um ihre Geschichten genießen zu können. Der Herausgeber Erik Simon stellt in seinen Einleitungen die AutorInnen vor und charakterisiert kurz die jeweilige Erzählung.

Lediglich bei einigen wenigen Geschichten kam mir das Niveau zu seicht vor: bei denen von Marion Zimmer Bradley und von Alan Dean Foster. Sicher hätte sich dafür leicht Ersatz finden lassen.

Taschenbuch: 414 Seiten.
Diverse Übersetzer.
ISBN 9783453199231

www.heyne.de

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