Röhr, Matthias / Larmann, Ralh – Meine letzten 48 Stunden mit den Böhsen Onkelz

Die |Onkelz| sind Geschichte. Wohl nicht nur, weil die Band auf ihrem Zenit (zumindest verkaufstechnisch gesehen) aufhören wollte, sondern weil es intern saftig krachte. Immer mehr Details nimmt man mit der Zeit wahr, und wieder scheint die komplette Wahrheit der |Onkelz| hinter den Kulissen verborgen zu bleiben.

Einen kleinen Einblick hierin und in den Höhepunkt der mehrere Dekaden andauernden |Onkelz|-Geschichte liefert uns nichtsdestoweniger Gitarrist Matthias „Gonzo“ Röhr, der über die kompletten zwei Tage des |Onkelz|-Festivals (vom Frühstück des ersten Tages über den Soundcheck bis zum eigentlichen Konzert) auf dem Lausitzring Buch geführt hat und einiges zu berichten weiß. Dabei handelt es sich nicht um ein normales Buch an sich, wir haben es hier mit einem Bildband mit äußerst ausführlichen und mehr oder weniger ausschweifenden Kommentaren zu tun.

Sehr positiv ist schon einmal die Tatsache, dass Gonzo zu keiner Sekunde versucht, einen Schriftsteller zu imitieren. Er schreibt und beschreibt die Dinge einfach frei von der Leber weg und gewährt uns somit einen emotionalen und spannenden Einblick ohne viel Drumherum. Viele Bilder entstehen im Kopf, obwohl der Fantasie sowieso Grenzen gesetzt sind, da zu so gut wie jedem Text auch das passende Bild mitgeliefert wird.

Im Format A4+ werden auf 96 Seiten im Hardcover qualitativ wirklich hochwertige Aufnahmen aufgetischt, die allen Ferngebliebenen des Festivals und natürlich auch Anwesenden sehr sympathisch und direkt rübergebracht werden.

Ein Manko habe ich persönlich dennoch gefunden und empfunden: Die Eindrücke des Konzerts sind eher mager beschrieben, und auf die dargebotenen Songs wird einzeln fast nicht eingegangen. Was hätte mich zum Beispiel die Meinung Gonzos zum zensierten ‚N*tten M*nn‘, das trotz hoher angedrohter Geldstrafen ein letztes Mal dargeboten wurde, interessiert. Überhaupt ist der Auftritt der am wenigsten berücksichtige Teil in diesem Buch. Aber immerhin erscheint ja in Kürze die DVD.

Besonders dem jahrelanger „Verfolger“ der |Onkelz| werden sich sehr viele Details – besonders zwischen den Zeilen gelesen -, auch was Gonzos Streit mit Stephan Wildner (b.) angeht, offenbaren, die ansonsten wohl unter dem Mantel des Schweigens verborgen geblieben wären.

So bleibt nur ein Fazit: Ein gelungener Biographie/Foto-Cocktail und vor allem ein nettes Gimmick für alle |Onkelz|-Fans und/oder Festival-Besucher.

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