Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Navigators of DUNE. Book 3 of the Schools of Dune / Die Navigatoren des Wüstenplaneten

Das DUNE-Universum: Kampf der Navigatoren

Über Jahrtausende hat sich die Menschheit im All ausgebreitet und Planeten besiedelt. Nun, da der Krieg gegen die Maschinen gewonnen ist und ein neues Imperium gegründet wurde, hängt die Zukunft der Galaxis von den Navigatoren ab – genmanipulierten Menschen, die mithilfe des Gewürzes vom Wüstenplaneten gewaltige Raumschiffe durchs All manövrieren. (Verlagsinfo)

Hinweis: Diese Rezension beruht auf der englischsprachigen Originalausgabe.

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Robert A. Heinlein – Fremder in einer fremden Welt (ungekürzte Fassung)

In diesem Roman wird die Geschichte von Valentine Michael Smith erzählt, einem Menschen, der von Marsianern auf dem Mars aufgezogen wurde und nun als junger Mann zur Erde zurückkehrt. Es wird erzählt, wie er die zunächst fremde irdische Kultur erlebt – und wie er sie verändert.

Robert Anson Heinlein ist einer der bekanntesten Science Fiction-Autoren, und „Stranger in a Strange Land“ ist sein bekanntestes Buch, das auf dem Uni-Campus der sechziger Jahre Kultstatus erlangte. Als es 1961 erschien, brachte der Verlag allerdings nur eine gekürzte – man könnte auch sagen: zensierte – Version auf den Markt. Auf Wunsch der Verleger wurde der Roman zunächst in einer um ein Viertel gekürzten Version (dt. Titel Ein Mann in einer fremden Welt) veröffentlicht, in der unter anderem auch „anstößige“, also Sexszenen, gestrichen worden waren. Die restaurierte Fassung, die Bastei-Lübbe 1996 vorlegte, wurde erst 1991 veröffentlicht, zwei Jahre nach Heinleins Tod und betreut von seiner Witwe Virginia. „Der Titel des Romans ist dem Buch Exodus des Alten Testaments entnommen.“ (Wikipedia)

Der Autor
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Michael Swanwick – Vakuumblumen. Cyberpunk-Roman

Abenteuer in einem seltsamen Sonnensystem

Dies ist die Geschichte von Rebel Elisabeth Mudlark, der geklonten „Tochter“ einer biogenetischen „Zauberkünstlerin“. Sie kommt im Auftrag ihrer „Mutter“ von den Kometenwelten der Oortschen Wolke ins Innere Sonnensystem, wo sich sehr viel verändert hat. „Vakuumblumen“ ist ein farbenprächtiger, tempo- und einfallsreicher Abenteuerroman, der die raumfahrende Menschheit in einem ganz anderen Blickwinkel zeigt als die Hochglanzprospekte der NASA und der Lagrange-Gesellschaft. (Verlagsinfo)

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Robert A. Heinlein – Grumbles from the Grave. The Letters

Ein Denkmal aus Briefen

Robert A. Heinleins Witwe Virginia ist die Herausgeberin dieser Sammlung von Briefen des 1988 verstorbenen Großmeisters der Science Fiction. Aufgrund dieser Tatsache sollte man nicht vergessen, dass es sich hier kaum um besonders Heinlein-kritische Episteln handelt. Im Gegenteil: Wie der Titel schon nahelegt, „grummelt“ der Autor selbst noch aus dem Grab heraus.

Der Autor
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Paul Hoffman – Die letzten Gerechten

Die Trilogie:

Band 1: [„Die linke Hand Gottes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6336
Band 2: „Die letzten Gerechten“
Band 3: „Die Stunde des Erlösers

Triumphe des Bösen: Erlöser auf dem Vormarsch

Cale ist die linke Hand Gottes, der Engel des Todes. Er ist dazu bestimmt, jeden zu vernichten, der nicht des wahren Glaubens ist. Die Erlösermönche, allen voran sein ehemaliger Mentor Bosco, glauben der Prophezeiung, die besagt, dass Cale Gottes Gesandter ist. Erst wenn er seinen Auftrag vollbracht hat, wird Gott eine neue Welt erschaffen können mit den letzten gerechten Menschen dieser Welt. Aber Cale will nur ungern von seinen ehemaligen Unterdrückern für ihre Zwecke benutzt werden und lässt die Mönche erst einmal in dem Glauben, dass er für sie arbeitet. In Wirklichkeit hat er längst einen ganz anderen Plan … (Verlagsinfo)

Der Autor

Paul Hoffman hat nach seinem Anglistik-Studium in über zwanzig verschiedenen Berufen gearbeitet, unter anderem als Buchmacher, Kurierfahrer, Lehrer und als Gutachter für den Britisch Board of Film. Teile seines ersten Romans „The Wisdom of Crocodiles“ wurden mit Jude Law verfilmt. Als Drehbuchautor hat er neben vielen anderen mit Francis Ford Coppola gearbeitet. „Die linke Hand Gottes“ ist sein erster Roman bei Goldmann und der erste Teil seiner Trilogie, „Die letzten Gerechten“ der zweite Band. (Verlagsinfo)

Der Übersetzer

Dr. Karlheinz Dürr wurde 1947 in Lörrach/Baden geboren. Er ist Leiter des Fachreferats „Europa“ bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Nebenberuflich ist er in der politischen Erwachsenenbildung tätig. Als Deutschland-Koordinator des Europarats für Demokratie-Lernen ist er häufig in anderen europäischen Ländern unterwegs. Darüber hinaus hat er bislang über 60 Bücher aus dem Englischen bzw. Amerikanischen übersetzt und schreibt Kurzgeschichten für Kinder und Jugendliche. Er hat 3 Töchter und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Tübingen. (Verlagsinfo)

Handlung

Nach dem Fall von Memphis, der Hauptstadt des Weltreiches der Materazzi, befindet sich Thomas Cale, der abtrünnige Mönch des Erlöserordens, fest in den Händen Boscos, der Nr. 3 dieses Ordens. Der Kämmerer und Stratege, Toms Lehrmeister, ist die Nummer 3, will es aber nicht lange bleiben, sondern selber Papst werden. Und selbstverständlich soll ihm der brillante Verstand seines Zöglings auf den Stuhl Petri verhelfen.

In einem langen Monolog auf einer einsamen Bergspitze macht Bosco Thomas klar, dass er ihm mit Haut und Haar gehört, nirgendwohin entwischen kann. Das sieht Tom ein, schmiedet aber wie stets einen eigenen Alternativplan. Als Erstes soll seine Aufgabe sein, eine Elitetruppe auszubilden. Durch ein blödsinniges Missverständnis kommt es zur vollständigen Exekution dieser Elitetruppe. Dumm gelaufen.

Stattdessen schlägt Tom vor, die Verdammten zu rekrutieren, die in den Kerkern der Ordensburg ihrer Hinrichtung entgegensehen. Insbesondere will er den „Naturphilosophen“ und Erfinder Gerald Hooke für seine militärischen Zwecke haben. Durch eine listige Vertauschung gelingt dies sogar.

Als Erstes soll Tom in einem Feldzug gegen die antagonistischen Folk-Rebellen im südlichen Grenzgebiet neue Taktiken entwickeln, mit denen später der Rest der Welt unterworfen – und vernichtet! – werden kann. Denn der letztendliche Zweck des Glaubens an den Gehenkten Erlöser besteht darin, nicht nur alle Andersgläubigen auszurotten, sondern auch die Erlöser selbst dem Tod und somit der Erlösung zuzuführen. Ein wahres Himmelsfahrtskommando.

Durch Hookes Erfindungen, neuartigen Drill und vor allem durch seinen persönlichen Einsatz gelingt es Tom und seinen „Purgatoren“ (Reinigern), den Folk-Rebellen eine schwere Niederlage zuzufügen. Sie können fortan ihr Stammesgebiet nicht verlassen und bekommen kaum Nachschub, folglich bringen ihnen die folgenden Wintermonate eine schwere Hungersnot. Dieses Problem wäre erledigt.

Aber das nächst folgt sogleich. Die Antagonisten haben auf den Golanhöhen, die nur 150 Meilen von Chartres, der Heiligen Hauptstadt des Papstes, entfernt liegen, ein Söldnerheer der Lakonier aufgestellt. Die Lakonier sind die Spartiaten dieser Welt: Sie leben, um Krieg zu führen. Und sie sind allesamt homosexuell. Der greisenhafte Papst bestimmt den militärischen oberkommandierenden General Van Owen als Befehlshaber der Armee, die die Lakonier vernichten soll.

Obwohl die Lakonier nur 8000 Mann aufbieten und Van Owen fast doppelt so viele, verläuft die Schlacht auf dem Hochmoor ganz anders als erwartet. Tom hat inzwischen seinen Freund Vague Henri wieder bei sich und schaut sich die Sache mit seinen Purgatoren an. Er hat bereits vorausgesagt, wie die Schlacht ausgehen wird. Doch selbst er ist überrascht, wie schlimm es dann kommt. Bosco betraut ihn anschließend mit der Aufgabe, es den Lakoniern heimzuzahlen. Leichter gesagt als getan.

Aber das Hochmoor an den Golanhöhen ist andererseits nur wenige hundert Meilen von Grenze der neutralen Schweiz entfernt – und von einer Frau, die Tom einst sehr viel bedeutet hat …

Unterdessen

Nach der verheerenden Schlacht von Silbury Hill und dem anschließenden Fall von Memphis an die Erlöser sind von den reichen und mächtigen Familien der Materazzi-Ritter nur noch rund 4000 Menschen übrig. Sie finden in Spanish Leeds Zuflucht, einer Stadt an der Grenze der Schweiz, wo auch Kitty der Hase, der Untergrundkönig von Memphis, sein Domizil hat. König Zog gewährt allen Asyl, doch Bose Ikard, sein Kanzler, will die Schmarotzer loswerden.

Unter den Flüchtlingen ist nach dem Tod ihres Vaters nunmehr Arbell Schwanenhals die Königin. Arbell ist hochschwanger, und das Kind scheint von ihrem Gemahl Conn zu sein, ihrem Cousin, der Tom sein Leben verdankt – ebenso wie Arbell übrigens. Tom hat noch eine Rechnung mit Arbell offen, denn nach dem Fall von Memphis verriet sie ihn, als sie mit Bosco sprach. Und seitdem sinnt er auf Rache.

Doch als dann Tom wirklich eintrifft, entwickeln sich die Dinge ganz anders als erwartet. Denn es ist nicht Conns Kind, das Arbell unter dem Herzen trägt …

Mein Eindruck

Dies ist Band 2 der „Cale“-Trilogie. Nach einem sehr schleppenden Anfang, der kaum durch schnelle Dialoge aufgelockert wird, kommt die Geschichte ab etwa Seite 70 allmählich in Fahrt. Da auch das Geschehen des ersten Bandes komplett rekapituliert wird, können Neueinsteiger etwas mit diesem Band anfangen. Ich halte es jedoch ratsam, den ersten Band der Trilogie gelesen zu haben. Nicht nur wegen des außerordentlichen Vergnügens, sondern vor allem, weil der Leser nur so die Gefühle nachvollziehen kann, die Tom für Arbell und Bosco hegt.

Engel des Todes

Der Anfang konzentriert sich deshalb so stark auf die Beziehung zwischen Tom und Bosco, weil nur so zu verstehen ist, wieso Tom nicht gleich wieder abhaut. Tom hat einen festen Platz in Boscos Plänen: als übermenschlichen Wesen, den Engel des Todes. Mit dieser Macht ausgestattet, könnte Tom wesentlich mehr ausrichten, als nur sich wie eine Maus zu verkriechen. Tatsächlich kann Tom praktisch fordern, was er will, und Bosco wird es ihm geben. Sogar Ketzer wie Gerald Hooke und andere Purgatoren. Durch Bosco hat Tom Zugriff auf geheime Vorgänge im Erlöserorden und Zugang zur höchsten Führungsebene. Das will er sich zunutze machen.

Action

Vorerst aber kann sich der abenteuerlustige Leser auf Toms drei Schlachten freuen: einmal gegen die Folk und zweimal gegen die Lakonier. Hier kommt der Actionfan auf seine Kosten. Immer wieder fiel mir bei der Beschreibung der Geografie auf, wie die Ortsbezeichnungen aus unserer Welt wild durcheinandergewürfelt werden, so als handle es sich hier um eine alternative Version unserer Geschichte. Die Golanhöhen liegen nicht im Libanon und Memphis nicht am Nil oder Mississippi. Auch das südafrikanische Veldt, eine Buschsavanne, ist nicht weit von der schottischen Hochmoorlandschaft der Golanhöhen entfernt.

Vorbilder

Andersherum jedoch gilt auch die Übertragung von anderen Namen auf bekannte Völkerschaften und Gruppen. Die Lakonier etwa sind eindeutig Lakedaimonier bzw. Spartiaten, also Elitekrieger, besitzen aber wie die Spartiaten als Sklaven die Heloten, genau wie im Vorbild. Lustigerweise tragen sie schottische Namen wie Jeremy Stuart-Clarke. Und aus dem Adjektiv „lakonisch“ lassen sich feine Wortspiele spinnen.

Die Schlacht gegen die Folk auf dem Veldt sind eindeutig dem Burenkrieg entnommen. Die Danksagung des Autors bezeichnet exakt die Quellen und Vorbilder für die Szene am Duffer’s Drift, einem U-förmigen Flusstal, und für das Konzentrationslager, das Cale für die Folk einrichten lässt. Die Hungersnot der Folk ist jener der Iren Mitte des 19. Jahrhunderts (und frühere) entnommen.

Nacht der Langen Messer

Das dritte Viertel des Buches schildert nicht nur Cales Sieg über die Lakonier, sondern auch den anschließenden Umsturz Boscos in Chartres: Es ist eine Nacht der Langen Messer, der Boscos politische Feinde, wie auch unwillkommene Freunde zum Opfer fallen. Mit dem für Hoffman typischen Sarkasmus werden selbst geringste Morde geschildert. Doch dann gibt es für Bosco und seine Mörderbande ein böses Erwachen: Der Papst – man wagt es kaum auszusprechen – war eine Frau! Und führte die Kirche 20 Jahre lang, ohne dass es jemand merkte! Dementsprechend drastisch fallen Papst Boscos Edikte gegen die Frauen – und ehelichen Sex generell – aus.

Parallelwelt

Es ist klar, dass der Erlöserorden dieser Parallelwelt der römisch-katholischen Kirche zu ihren finstersten mittelalterlichen Zeiten entspricht. Wer „Der Name der Rose“ gelesen hat, wird hier viele parallele Entwicklungen und Elemente finden, so etwa die Abwesenheit von Frauen, die von den jungen Mönchen als wahre Wundertiere betrachten werden – und als Eingang zur Hölle. Auch Bücher sind nur für privilegierte Eingeweihte zugänglich, etwa für Tom Cale.

Unter Räubern

Was Frauen anbelangt, so bilden die Abenteuer von Toms Freund Kleist mit Daisy, einer geretteten Räubergeisel, einen heiteren Kontrapunkt zu den meist grimmigen Abenteuern Toms. Kleist lernt mit Daisy buchstäblich die Frauen und die Liebe kennen. Als sie ihm sagt, sie sei von ihm schwanger, muss sie ihm erst einmal erklären, wo die kleinen Kinder herkommen und gemacht werden. Er hat wirklich absolut keine Ahnung, woher auch?

Mit der listigen Daisy fällt Kleist, der Bogenschütze, wirklich unter die Räuber. Sie ist die Tochter von Suveri, einer Art Räuberhauptmann, der mit seinem diebischen Volk in den Bergen lebt, die nicht weit von Memphis entfernt sind. Die Klephten, wie sie sich nennen, berauben gewohnheitsmäßig die Molosser, welche aber wiederum den Erlösern, die jetzt in Memphis herrschen, tributpflichtig sind.

Als durch Kleists Kriegskunst die Klephten den Molossern derart zusetzen, dass sie keinen Tribut mehr entrichten können, schicken die Erlöser 500 Kriegermönche, um die Klephten zu bestrafen, will heißen: auszurotten. Es kommt zu dramatischen Szenen im Gebirge: Soll die Klephten abwarten und Tee trinken, wie sie das schon immer gemacht haben – oder sollen sie fliehen, wie Kleist, der Fremdling, es dringend anrät? Sie reagieren fast schon zu spät. Der Ausgang der folgenden Schlacht ist alle andere als erfreulich …

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Karlheinz Dürr ist von außergewöhnlich hoher Qualität. Der Text liest sich sehr flüssig und das Deutsch klingt natürlich und modern. Wieder sieht sich der junge Leser hin und wieder mit etwas ausgefallenen Ausdrücken konfrontiert, so etwa „Brayette“, einem Teil einer Ritterrüstung. Aber viel mehr gibt es diesbezüglich nicht.

Sehr gut hingegen fiel mir die etwas derbe Sprache. Da ist vielfach von, ähem, Hinterteilen die Rede und zwar in eindeutig sexuellem Kontext. Der Stil ist der heutigen Umgangssprache schon ziemlich angenähert, sodass jugendliche Leser keine Probleme damit haben dürften.

Druckfehler gibt es zum Glück nur zwei oder drei, die so geringfügig sind, dass ich sie nicht einzeln aufzuzählen brauche.

Unterm Strich

Dem schleppenden Anfang des Buches hätte ich nur drei Sterne gegeben, aber ab Seite 70 weiß sich der Autor rasch zu steigern, bis er mit drei Schlachten meinen Actionhunger zu stillen wusste. Ab Seite 130 las ich das Buch in einem Rutsch. Was nicht weiter schwerfiel, denn es passiert ständig etwas, das Spannung, Abwechslung und Unterhaltung liefert. Action, Sex, schwarzer Humor und viele neue Elemente heben diesen zweiten Band auf das Niveau des ersten Bandes.

Für seine Welt brauchte der Autor nur bei den Katholiken im finstersten Mittelalter nachzuschlagen, denn dort gab es ja auch Orden, Ketzer, Mönche, Kasteiung und vieles mehr – zumindest bis zu Reformation im 16. Jahrhundert. Der Erlöserorden ist ein ganz besonders strenger, der nur an die Vergänglichkeit des Fleisches und die Verdammtheit aller Menschen glaubt.

Die letzten vier Dinge des Originaltitels sind: Tod, Gericht, Himmel und höllische Leiden. Somit wird das Leben hienieden als nichtswürdig erachtet und nur das Jenseits ist etwas wert. Kein Wunder also, dass Bosco die Endzeit gekommen sieht – und tatkräftig an ihren Auswirkungen arbeitet. Deshalb ist Tom, sein Agent, der „Engel des Todes“, etwas Übermenschliches, das die Gläubigen um Heilung, Fürbitte und Erlösung anflehen.

Das Dumme für Tom: Er glaubt nicht an diesen Mumpitz. Dieses Dilemma macht seine Figur so interessant. Vielleicht kann er also diesem finsteren Spuk in Band 3 ein Ende bereiten. Doch Boscos Auftragsmörder sind bereits auf seiner Fährte …

Broschiert: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3442312566
Originaltitel: The Last Four Things

http://www.penguinrandomhouse.de/

Paul Hoffman – Die linke Hand Gottes (Thomas Cale Trilogie 1)

_Die Trilogie_:

1) _“Die linke Hand Gottes„_ (2010)
2) „Die letzten Gerechten“ (2011)
3) Die Stunde des Erlösers

Actionreich, romantisch und spannend: Kriegermönche und die Liebe

Das heilige Kloster des Erlöserordens ist ein trostloser Ort, an dem Hoffnung und Freude unbekannt sind. Wer hierhergebracht wird, für den hat das Leben ein Ende. Die jungen Novizen, die diesen höllischen Ort betreten, müssen das schreckenerregende Regime der Mönche ertragen. Gewalt und Grausamkeit stehen an erster Stelle.

Thomas Cale ist einer dieser unglückseligen Klosterschüler. Er ist vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, da ist er sich nicht sicher. Niemand kann es ihm genau sagen. Schon lange hat er seinen richtigen Namen vergessen. Jetzt nennen sie ihn Cale. Er kann sich an sein früheres Leben nicht wirklich erinnern, und er weiß nicht, was ihn noch alles erwarten wird, aber eines weiß er: Niemals werden sie ihn unterkriegen. Seine Zeit wird kommen, und dann wird er sich rächen … (Verlagsinfo)

Der Autor

Paul Hoffman hat nach seinem Anglistik-Studium in über zwanzig verschiedenen Berufen gearbeitet, unter anderem als Buchmacher, Kurierfahrer, Lehrer und als Gutachter für den Britisch Board of Film. Teile seines ersten Romans „The Wisdom of Crocodiles“ wurden mit Jude Law verfilmt. Als Drehbuchautor hat er neben vielen anderen mit Francis Ford Coppola gearbeitet. „Die linke Hand Gottes“ ist sein erster Roman bei Goldmann und der erste Teil seiner Trilogie. (Verlagsinfo)

Handlung

Das Kloster der Mönche des Erlöserordens liegt in einer Einöde irgendwo in Europa. Der orden führt seit Jahrhunderten Krieg gegen die Ketzer der „Antagonisten“ und bildet alle seine Zöglinge zu Kriegern aus, die man später an der Front einsetzen kann. Auch Thomas Cale ist so ein Krieger Cale, doch er zeichnet sich besonders aus: Er wird vom Kriegsmeister Bosco persönlich ausgebildet. Damit er sich auf seine Kenntnisse in Strategie, Geographie und Waffenkunde nichts einbildet, bestraft ihn Bosco regelmäßig schmerzhaft. Cale lernt, niemandem zu vertrauen und sein Herz zu verschließen.

Somit ergeht es Thomas keinen Deut besser als 500 anderen Zöglingen in der Schlafhalle der Ordensburg. Und auch seine zwei Kumpels Kleist, der Rattenjäger, und Vague Henri, der ewig Unentschiedene, erfreuen sich keiner Privilegien; auch sie müssen den Fraß namens „Eingeschlafene Füße“ täglich hinunterwürgen. Deshalb planen sie ihre Flucht schon lange. Heute ist ein besonderer Tag: Kleist hat einen alten Schlüssel zu einer verborgenen Tür entdeckt – eine Sensation, denn die Mönche verabscheuen Türen.

Der Gang hinter der verborgenen Tür ist elend lang, endet unter einer Luke, führt zu einer zweiten Luke und dieser Gang wiederum führt zu einer Balustrade. Und hier stoßen die drei Kumpane unvermittelt auf das Paradies: Frauen! Noch dazu nackte Frauen! Diese sündigen Gefäße des Teufels, wie die Doktrin lautet, planschen in einem Becken, bekommen gut zu essen und lachen – lachen! – in einem fort. Unglaublich! Die drei Freunde schleichen sich heimlich von dannen und landen in einer Küche, die vor Köstlichkeiten überquillt. Noch mehr Paradiesgaben! Auch die Flucht mit gefüllten Taschen gelingt rechtzeitig zum Abendgebet.

Nachdem sie sich an den ungewohnten Speisen den Magen verdorben haben, verbringen sie eine schlaflose Nacht. Thomas beschließt, die Flucht zu wagen. Doch zuvor braucht er Vorräte und Werkzeug. Als er in die Kammer des Zuchtmeisters späht, entdeckt er einen grausigen Vorgang. Der Zuchtmeister seziert einen Körper – und es ist der eines der beiden Mädchen, die sie gestern entdeckten! Sie lebt noch, wie er an der zitternden Hand feststellen kann. Neben ihr wimmert ein zweites, geknebeltes Mädchen – das nächste Opfer. Von Grauen und Zorn gepackt tötet Thomas den Zuchtmeister mit einem Stich in die Oberschenkelarterie; der Mann ist nur verwundert, während er verblutet: Wie konnte ein Zögling ihm so etwas antun?

Thomas versteckt das zweite Mädchen bei seinen Freunden im Tunnel und flieht über die Burgmauer in die Einöde der Scablands. Schon wenige Stunden später wird das Verschwinden der drei Akuluthen ebenso entdeckt wie die Leiche des sezierten Mädchens. Die Hunde erreichen Thomas um ein Haar noch rechtzeitig, doch er springt in einen See und rettet sich in einen Lehmtagebau. Der Lehm, so hat er herausgefunden, überdeckt seinen eigenen Geruch. Kaum ist die Jagd abgeblasen, holt er seine Freunde heraus. Zusammen mit dem Mädchen machen sie sich auf den Weg durch die Scablands, um nach Memphis zu gelangen.

Memphis

Memphis ist die stolze Hauptstadt des größten Reiches dieser Welt. Dort herrschen die adligen Materazzi über zahlreiche Vasallen und Provinzen. Gerade als die vier Freunde dem Kanzler, Lord Leopold Vipond, dieses Reiches das Leben retten wollen, verhaftet eine Patrouille die Flüchtlinge. Diese geben sich als Zigeuner aus. Klar, dass sie zunächst im Kerker des Geheimdienstes des Kanzlers landen. Dort trifft Thomas den Söldner Idris Pukke wieder, dem er das Leben geschenkt hat. Der Tunichtgut ist der Halbbruder des Kanzlers und soll in dessen Auftrag die vier seltsamen Neuankömmlinge ausspionieren.

Lord Vipond nimmt es mit Verwunderung auf, dass Thomas – nach vielen Verhören – ihm berichtet, dass die Erlösermönche zum Krieg rüsten. Doch sicherlich nur gegen die „Antagonisten“, oder“ Bosco würde sich doch niemals mit den gepanzerten, mächtigen Materazzi anlegen?

Thomas verschweigt ihm wohlweislich, dass er in Boscos Strategielehre einen Plan für genau diesen Angriff ausarbeiten musste. Er ahnt nicht, dass Bosco bereits den Abt mit einem Kissen erstickt hat und nun den Plan Schritt für Schritt umsetzt. Außerdem heuert er in Memphis zwei Meuchelmörder und setzt sie auf Thomas an …

Was soll man bloß mit diesen vier Fremdlingen, die keine Ahnung von Kultur haben, anfangen, fragt sich Lord Vipond. Kleist und Vague Henri steckt er in die Küche und Riba gibt er seiner Nichte Jane als Unterunterunterdienerin. Doch dieser Cale ist ein anderes Kaliber, wie ihm scheint. Er steckt ihn in die Kampfschule. Dort, so hofft er, werden ihm die adligen Jünglinge der Materazzi Manieren und Demut beibringen.

Kurz nachdem Cale einer jungen Frau, die er später als Arbell Schwanenhals, die Tochter des Marschalls, kennenlernt, das Leben gerettet hat, gerät er mit Conn Materazzi, dem stolzesten und besten der Jünglinge aneinander. Es kommt zu einem Duell mit weitreichenden Folgen für ganz Memphis …

Mein Eindruck

Für den Schauplatz dieses Geschehens liefert der Autor keine Landkarte. Die muss man sich schon im Kopf zusammenstellen. Und dafür findet man zahlreiche widersprüchliche Hinweise. Memphis liegt hier weder am Nil noch am Mississippi, sondern irgendwo in Nordwesteuropa am Meer. Es herrscht über ein Reich, das im Norden von kriegerischen Norwegern bewohnt wird, und offenbar irgendwo im heißen Süden endet, wo der Vulkan von Delphi Feuer speit.

Die Ritter

Allerdings hat Memphis eine gemeinsame Grenze mit dem Erlöserorden. Diese war bis jetzt unumstritten, doch jetzt zieht der neue Abt Bosco in eine merkwürdig neue Art von Krieg. Die Materazzi, die den italienischen und französischen Rittern des Spätmittelalters entsprechen, wissen mit solchen Vorstößen einfach nichts anzufangen. Seit fünfzig Jahren waren sie nicht mehr im Krieg, und davor haben ihre Panzerreiter jeden Gegner niedergewalzt.

Der Krieg der Mönche

Was aber soll man davon halten, wenn ein ganzes Dorf von mehr als tausend Menschen massakriert wird – von nur einem Mann?! Wofür, warum, wozu, fragt sich Lord Vipond zitternd, als er das Mordinstrument betrachtet, einen Handschuh mit eingenähter krummer Klinge. Und wozu wurde eine Militärakademie angegriffen, dann sogar eine befestigte Stadt? Es ergibt alles keinen militärischen Sinn – bis ihm der Urheber dieses Palns, Cale, die Augen dafür öffnet.

Und Cale ist es auch, denn Vipond binnen drei Tagen einen Gegenplan liefern muss, soll der Angriff der Erlösermönche nicht ungestraft bleiben. Diese Anfrage hat Cale stets vermeiden wollen, doch schließlich wurde sein Geheimnis doch offenbart, nicht zuletzt durch Kleist und Vague Henri. Er und seine Freunde haben den Sohn des regierenden Marschalls, den taubstummen Simon Materazzi, nicht nur in Kampftechnik unterrichtet, sondern ihm auch die Gebärdensprache beigebracht, sodass er sich nun fließend mit Hilfe eines Dolmetschers verständigen kann. Dafür haben sie sich in den Augen des Marschalls und seiner Tochter Arbell, hohes Verdienst erworben.

Unstandesgemäße Liebe

Thomas‘ Herz hat schon immer nach Arbell getrachtet, seit er sie auf einer Mauertreppe vor dem Sturz in den Abgrund bewahrte. Doch er hat es nicht leicht: Er als Mönch kennt die Frauen eigentlich gar nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Liebe der Materazzi-Frauen kompliziert ist. Der Codex verlangt von ihnen, schön zu sein, um Freier anzuziehen, diese dann aber möglich abweisend und hochmütig zu behandeln. Das ist die Minne der Ritter. Bevor sich also Arbell für ihn interessieren kann, muss sie sich erst grundlegend ändern. Dafür sorgt ihre neue Dienerin Riba.

Die mollige Riba aus der Ordensburg bildet zu den Materazzifrauen einen scharfen Kontrast. Riba ist keineswegs auf den Kopf gefallen, aber dazu erzogen worden, den Herren der Schöpfung alles recht zu machen. Folglich kann sie sich vor Verehrern kaum retten. Was ihr prompt den Rauswurf durch ihre erste Herrin, Jane Vipond, einbringt. Nun wirkt sie als Spionin der Marschallin in den Gemächern Arbells.

VORSICHT, SPOILER!

Arbells Geheimnis

Denn Arbell wird von der Außenwelt abgeschirmt. Welches Geheimnis verbergen Arbell und ihre drei Leibwächter Cale, Kleist und Vague Henri, will die Marschallin herausbekommen. Der Grund ist einfach: Boscos Mönche haben Arbell bereits einmal entführt. Beim zweiten Versuch werden sie sie töten, ist sich Cale sicher. Es dauert nicht lange, bis die Mönche zusammen mit Leuten aus der Unterwelt der Stadt mitten in den Palast eindringen …

Finale

Im ausgedehnten Finale des Romans gelangen der Krieg gegen die Erlöser und die Liebesbeziehung zu Arbell in ein kritisches Stadium. Obwohl Arbell ihren Beschützer Cale innig zu lieben gelernt hat, fürchtet sich doch ein kleiner Teil von ihr immer noch vor ihm. Gar zu kaltblütig war er beim Töten des Kampfmeisters Solomon in der Arena. Wird er nun auch in der Entscheidungsschlacht gegen die Erlöser ebenso kalt töten?

Azincourt reloaded

Der unerwartete Verlauf dieser Entscheidungsschlacht wird bis ins kleinste Detail erklärt, um die Bedeutung dieses Ereignisses klarzumachen. Die gepanzerten Materazzi-Ritter sind den erschöpften, kranken und kaum bewaffneten Mönchlein 5 zu 1 überlegen, noch dazu in jeder waffentechnischen Hinsicht. Die erste Phase der Schlacht folgt dem Muster der Schlacht von Azincourt aus dem Jahr 1415. Jeder, der schon mal Kenneth Branaghs Verfilmung von Shakrespeares Drama „Henry V“ gesehen hat, weiß, wie die Schlacht verlief: Ein englischer Pfeilregen machte den Pferden und Rittern der Franzosen den Garaus.

Gar so einfach kann es jedoch nicht gewesen sein. Gegen den Reiterangriff haben die Mönche Stöcke in die Erde getrieben, in die die Pferde wie in Spieße rennen. Schon bald stapeln sich die Ritter und pferde, die in ihren Panzern wie Einsiedlerkrebse gefangen sind. Sie ersticken jämmerlich, weil immer weitere ruhmessüchtige Materazzi nachrücken und auf die Gefallenen gepresst werden. Es ist das gleiche Phänomen wie bei der Duisburger Loveparade 2010. Kleine Mönchskommandos haben leichtes Spiel. Cale gelingt es, einen einzigen Ritter freizuzerren: nicht Simon, sondern Conn Materazzi, seinen Duellgegner.

Eine reife Frucht

Der Leser sollte für diese Schlacht schon ein wenig militärisches Verständnis, eine gewisse Aufgeschlossenheit mitbringen. Sie zu verstehen, macht einem der Autor leicht. Die Folgen der Schlacht sind verblüffend: mehr als 40.000 Ritter und Schwertkämpfer müssen gefallen sein, folglich ist die Hauptstadt praktisch unverteidigt, als Flotte und Heer der Mönche vor den Toren auftauchen. Die Beherrscherin der halben Welt fällt kampflos. Die Folgen für Thomas und Arbell sind drastisch. Mehr soll nicht verraten werden …

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Reinhard Tiffert ist von außergewöhnlich hoher Qualität. Der Text liest sich sehr flüssig und das Deutsch klingt natürlich. Allerdings sieht sich der junge Leser hin und wieder mit etwas ausgefallenen Ausdrücken konfrontiert, darunter „Koberer“ (Esswarenverkäufer), „Gimpel“ (leichtgläubiger Einfaltspinsel) und „Lollarde“ (Anhänger der Vorreformation).

Druckfehler gibt es zwar zum Glück keine, aber ein vergessenes Wort taucht auf Seite 422 NICHT auf: „… gewiss würde man früher oder [später] öffentlich Maßnahmen gegen ihn fordern.“ Dass hier etwas fehlt, hätte dem Korrektor, sofern vorhanden, auffallen müssen.

Unterm Strich

Ich habe diese knapp 500 Seiten in nur zwei Tagen gelesen, so unterhaltsam und flüssig ging die Lektüre vonstatten. Der Autor verbindet die sattsam bekannte Kultur asketischer Mönche, wie wir sie aus „Der Name der Rose“ kennen, mit dem Kriegshandwerk. Das führt unsere drei Mönchsrenegaten unweigerlich zum Militär in Memphis und zur Teilnahme an einer Entscheidungsschlacht gegen die Erlösermönche – mit überraschendem Ausgang. Diese Schlachtschilderung ist einer von vielen Actionhöhepunkten, die mir die Lektüre spannend werden ließen.

Sehr schön gefiel mir Thomas‘ Romanze mit Arbell Schwanenhals. Erst fürchtet sie diesen Killer, dann lehnt sie den Rüpel ab, schließlich verliebt sie sich sterblich in ihn. Doch ihrer beider Liebe wird am Schluss vom perfiden Abt Bosco auf eine schwere Probe gestellt. Kann Thomas sie jemals zurückgewinnen? Vielleicht nur, wenn er Memphis die Freiheit zurückgibt. Cale Kampf beginnt im nächsten Band von Neuem.

Hardcover: 480 Seiten
Originaltitel: The Left Hand of God
Aus dem Englischen von Reinhard Tiffert
ISBN-13: 9783442312320

http://www.penguinrandomhouse.de/

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Jules Verne – Paris im 20. Jahrhundert. Zukunftsroman

Zeitflaschenpost: Jules Vernes erster und letzter Roman

Vielen von uns ist Jules Verne als der Autor zahlreicher Jugendbücher vertraut. Dass er dies nicht von Anfang an war, beweist dieser lange verschollene Roman von 1863, Vernes erstes größeres Werk. Nachdem das Manuskript von Vernes Verleger abgelehnt worden war, lagerte es rund 85 Jahre in einem verschlossenen Tresor ohne Schlüssel. Zur Zeit wird es jedoch in zahlreiche Sprachen übersetzt, denn das Interesse an Verne ist weiterhin ungebrochen.

„Die Erzählung handelt von einem jungen Mann, Michel, der in einer Welt aus gläsernen Wolkenkratzern, Hochgeschwindigkeitszügen, gasbetriebenen Automobilen, Taschenrechnern und einem weltweiten Kommunikationsnetz lebt. Im Gegensatz zum Siegeszug von Naturwissenschaft und Technik werden Literatur, Musik und Bildende Kunst allerdings verachtet. Michel, Träger eines Preises für lateinische Literatur, wird in dieser Welt nicht glücklich und nimmt ein tragisches Ende.“ (Wikipedia.de)

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Vernor Vinge – Die Tiefen der Zeit. SF-Erzählungen

In die schnellen Zonen des Denkens

Dieser 800-Seiten-Schmöker versammelt die besten und wichtigsten Erzählungen von Professor Vernor Vinge, einem der am meisten ausgezeichneten US-Autoren der Zukunftsliteratur. Hier finden sich unter anderem folgende Geschichten:

– Die Geschichte von dem Agenten der Erde, der auf einer Siedlerwelt einen Atomkrieg verhindern muss.
– Die Geschichte von dem Studenten, dessen Haustier sich als Angehöriger einer raumfahrenden Rasse entpuppt und ihn mit zu den Sternen nimmt.
– Die Geschichte vom Programmierer, der mit geklauter Computerzeit den „Herrn der Ringe“ im Rechner verfilmt.
Und viele andere Erzählungen.

Der Autor
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Nancy Farmer – Das Skorpionenhaus

Bewegendes Schicksal in gefahrvoller Welt

22. Jahrhundert: Wenn Matt in den Spiegel schaut, sieht er nicht nur sich… Als er Freunde sucht, findet er Verrat. Als er die Wahrheit erfährt, ist er auf der Flucht. Denn Matt ist kein gewöhnlicher Junge. Er ist der Klon des mächtigsten Mannes der Welt. Sein Schicksal ist das Skorpionenhaus.

Matt ist in der Zukunft geboren, hinein in eine Welt, die ihn verabscheut. Denn Matt ist ein Klon. In einer Gesellschaft, die keine Skrupel kennt, gerät er in ein gefährliches Netz aus Intrigen und Täuschungen. (Verlagsinfo)

Die amerikanische Originalausgabe von „Das Skorpionenhaus“ wurde im Oktober 2002 mit dem „National Book Award„, dem wichtigsten US-amerikanischen Literaturpreis, ausgezeichnet.

Im Oktober 2004 wurde „Das Skorpionenhaus“ mit dem „Buxtehuder Bullen“ als bestes Jugendbuch des Jahres 2003 ausgezeichnet.

Die Autorin
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Timothy Zahn – Die Blackcollar-Elite (Blackcollar 01)

Militär-Action für Heinlein-Fans

Die Menschheit hat den interstellaren Krieg gegen die Ryqril verloren, eine mächtige, technisch überlegene Kriegerrasse, die ein Planetensystem nach dem anderen überrennt und jeden Widerstand mit Atomwaffen und Kapfgas brutal unterdrückt.

Die Blackcollars, einst eine Elitegruppe des von Menschen besiedelten Sternenreiches, sind in den Untergrund gegangen und halten sich seit 30 Jahren zurück, um die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden. Sie verfügen auch über kein Backlash mehr, eine für ihre Ausbildung notwendige Kampfdroge, die ihre Reflexe um ein vielfaches beschleunigt.

An einer anderen galaktischen Front sind die Ryqril inzwischen auf einen ebenbürtigen Gegner gestoßen und sind erheblich geschwächt. Für die Menschen bedeutet dies einen Silberstreif am Horizont.

Allan Caine von der Erde, selbst kein Blackcollar, startet zu einer geheimen Mission, um die Blackcollars für einen Guerillakrieg zu gewinnen, doch die ehemaligen Elitesoldaten sind alt geworden und scheinen resigniert zu haben.… (Verlagsinfo)

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John Gardner – Grendel. Phantastischer Roman

Kains Kind und der Drache der Weisheit

In diesem Klassiker der phantastischen Literatur erscheint die altenglische Sage um Beowulf unter vertauschten Vorzeichen. Gardner schreibt aus der Perspektive Grendels, des Monsters, eines wilden und einsamen Wesens, das mit seiner Mutter in einer Höhle lebt. Grendel ist hin- und hergerissen zwischen seinem wilden, animalischen Tötungstrieb und einem herausragenden Verstand, der ihn zur Sprache und zu einem komplexen Verständnis der Welt befähigt. Er wird zum Beobachter der Veränderung seiner Umgebung durch die Menschen, als diese den Wald nahe seiner Höhle besiedeln.

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Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Haus Atreides, Das (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 1)

Frank Herberts Sohn Brian hat zusammen mit dem Bestsellerautor Kevin J. Anderson (STAR WARS etc.) eine Trilogie als Vorgeschichte geschrieben, die bei |Heyne| seit Mai 2001 als „Die frühen Chroniken“ erscheint – damals zeitlich passend zur TV-Premiere von „DUNE“.

„Das Haus Atreides“ ist der erste Band, „Das Haus Harkonnen“ der zweite, und „Das Haus Corrino“ bildet den Abschluss. Dieser letzte Band ist im Mai 2002 erstmalig auf Deutsch erschienen, der Termin für die Neuauflage aller drei Bände ist der November 2005.

Für Fans des „Wüstenplanet“-Zyklus (oder auch nur des ersten Bandes) ist diese neue Trilogie natürlich ein absolutes Muss. Doch auch SF-Lesern, die DUNE nicht kennen, bringt die Trilogie das Vergnügen, eine flotte, komplexe und spannende Story zu lesen.

Allerdings – und das ist das große Manko – haben die Autoren, um ihre Story nicht zu überfrachten, auf zahlreiche Hintergrundinformationen verzichtet. Entweder liest man also den [ersten DUNE-Roman]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3453186834/powermetalde-21 in der gelungenen |Heyne|-Ausgabe von 2001, oder man greift zu der Wüstenplanet-Enzyklopädie aus den 80er-Jahren. Dies scheint sogar für ausgefuchste DUNE-Fans wie mich hin und wieder ratsam. Wünschenswert wäre jedenfalls ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen. Tipp: Dies findet sich im ersten Band des Originalzyklus.

_Handlung_

Insgesamt erzählt die Trilogie die Geschichte der Ereignisse, die zu der Katastrophe auf Arrakis führten, als Herzog Leto Atreides ermordet wurde, Arrakeen erst von den Harkonnens erobert und dann vom Imperator besetzt wurde. Dies führte dann zum Aufstand der Fremen unter Letos Sohn Paul und zur Niederlage des Imperator und der Vernichtung des Hauses Harkonnen.

Doch am Anfang von „Haus Atreides“ ist jene Katastrophe nur in Grundzügen zu ahnen, denn die Story spielt binnen zweier Jahre rund zwei Generationen davor. Im Mittelpunkt stehen zwei junge Männer: Leto Atreides, der Erbe des Hauses Atreides, und Shaddam, der Kronprinz des Imperiums. Leto ist gerade mal 16 Jahre alt, als ihn sein charismatischer Vater, Herzog Paulus Atreides, auf den Planeten Ix schickt, wo dessen alter Freund und Kampfgenosse Dominic Vernius ein technologisches Wirtschaftsimperium aufgebaut hat. Leto soll Dominics Familie kennen lernen, aber auch mal andere Luft als die des ländlichen Caladan schnuppern.

Auf der anderen Seite also Shaddam mit seinem Schatten und skrupellosen Ratgeber, dem kriecherischen Hasimir Fenring. Shaddam ist schon über 30 und will endlich regieren. Er hat bereits seinen älteren Bruder beseitigt, nun muss auch sein 150-jähriger Vater Elrood dran glauben. Zwei lange Jahre dauert das Sterben des Imperators, nachdem Fenring ihn vergiftet hat – schließlich soll alles wie eine Krankheit und nicht wie ein Mord aussehen.

Während seines Siechtums sieht Elrood auf Fenrings Drängen hin die Chance, dem verhassten Dominic Vernius eins auszuwischen und zugleich die Abhängigkeit des Imperators vom Spice zu beenden: zwei Fliegen mit einer Klappe!
Elrood – und später Shaddam – stiften die allen Völkern verhassten (und daher unverdächtigen) Bene-Tleilaxu-Genetiker an, synthetisches Spice herzustellen, zu einem astronomischen Preis, versteht sich. Sollte dies gelingen, hätten die Harkonnens, die zur Zeit die Spice-Gewinnung kontrollieren und riesige Gewinne scheffeln, ausgespielt, ebenso die Raumgilde, der größte Konsument von Spice. Da auch alle anderen adligen Häuser Spice in Mengen konsumieren, könnte ein Imperator, der Syntha-Spice kontrolliert, alle anderen unter seine Knute zwingen, denn das alte Spice wäre viel zu teuer, um neben dem neuen bestehen zu können – Marktwirtschaft, sie funktioniert auch noch in 10.000 Jahren!

Doch wo das Syntha-Spice entwickeln? Elrood hat die geniale und extrem zynische Idee, ihnen den Planeten Ix des Hauses Vernius zu überlassen: Die islamischen Fanatiker, die ixianische Computer-Maschinen hassen, dürfen Ix überfallen. Leto Atreides erlebt die verheerende Invasion, auf die das Haus Vernius in keiner Weise vorbereitet ist, hautnah und entkommt in letzter Sekunde mit Freunden.

Dies ist der erste Höhepunkt des Buches, doch der zweite bahnt sich gleich darauf an: Die Harkonnens, seit Jahrhunderten Erzfeinde der Atreides, haben es auf Paulus und Leto abgesehen. In einer perfiden Aktion schieben sie nach Paulus‘ Ermordung dem neuen Herzog Leto einen Angriff auf die Tleilaxu in die Schuhe (um so die Entwicklung des konkurrierenden Syntha-Spice zu sabotieren). Dieser Angriff im Inneren eines neutralen Gilde-Raumschiffes soll und könnte einen Krieg auslösen. Doch Leto ist schlauer: Er lässt sich des Hochverrats und Mordes angeklagen, wobei er die Zukunft seines Hauses aufs Spiel setzt …

Dies sind nur zwei von rund einem halben Dutzend Handlungssträngen. Die Bene Gesserit arbeiten am Übermenschen, dem Kwisatz Haderach, indem sie sich Genmaterial von Baron Vladimir Harkonnen besorgen – zwei (!) sehr amüsante Episoden. – Pardot Kynes, der imperiale Planetologe auf Arrakis, schließt sich den Fremen an und setzt sein Terraformungsprogramm in die Wirklichkeit um – sehr schöne Episoden voll Romantik und Vision. – Der acht Jahre alte Duncan Idaho entkommt dem Harkonnen-Planeten Giedi Prime, flieht nach Caladan und wird in die Dienste der Atreides genommen. Dies ist der Beginn seines langen treuen Kriegsdienstes für die Atreides. – Ein junger Ixianer entwickelt im Untergrund ein geniales Gerät, mit dem Navigatoren der Raumgilde erstmals Ferngespräche übertragen können. – Alles in allem eine Menge vielversprechender Anfänge!

_Mein Eindruck_

Statt in die alten Erzählstrukturen (wie etwa lange innere Monologe) zurückzufallen, die anno 1965 modisch waren, als „Der Wüstenplanet“ erschien, setzen heutige Autoren wie Anderson lieber auf moderne Erzählmittel, hohe Geschwindigkeit in der Handlung und wenig Ballast, was den Hintergrund angeht.

Das hat sicherlich Vor- und Nachteile, kommt aber unterm Strich dem heutigen Leser entgegen. Mir jedenfalls hat die flotte Szenenfolge so gut gefallen, dass ich die letzten gut zweihundert Seiten nicht mehr aus der Hand legen wollte und bis um zwei Uhr morgens durchlas.

Was die Übereinstimmung mit dem ersten Zyklus angeht, so hat Brian Herbert als Erbe des großen Autors sehr auf die Richtigkeit geachtet. Er hat sogar die Stammtafeln des Hauses Corrino korrigiert.

Viel Neues ist hingegen nicht zu entdecken, außer dass dem Haus Vernius nun eine zentrale Rolle in der ersten Hälfte zufällt. Für alte Fans ist dieser Umstand Anlass zu Kritik: zu wenig Tiefgang, sagen sie. Macht nichts, sage ich. Denn die Leserschaft, die neu erschlossen werden soll, kann mit philosophischen Diskursen kaum noch etwas anfangen – dafür sind die kurzen Motti vor jedem Kapitel zuständig. Möge sich mit den in diesen Zitaten geäußerten Geisteshaltungen auseinandersetzen, wer will. Sie hindern zumindest nicht am flüssigen Lesen der spannenden Geschichte.

|Das Prequel zur Vorgeschichte|

Ich erwartete nach dieser Trilogie noch eine weitere Vorgeschichte – und in der Tat kam dann die Trilogie „Die Legende“ hinterher. Denn es sind zahlreiche Verweise auf die Vergangenheit des Imperiums eingeflochten. Während des Butlerschen Dschihads gegen die Computer und ihre Verfechter, Hersteller und Anwender kam es zu mehreren Schlachten, deren größte und entscheidende wohl die von Corrin gewesen sein muss. Und hierbei kam es zum Verrat der Harkonnens und dem getreuen Eintreten von Atreides und Vernius für die Sache des Imperiums. Diese Geschichte musste unbedingt noch erzählt werden – Brian Herbert und Kevin J. Anderson legten wieder selbst Hand an. Der Abschlussband „Die Schlacht von Corrin“ steht ebenfalls ab November 2005 in den Buchläden.

|Originaltitel: DUNE: House Atreides, 1999
Aus dem US-Englischen übertragen von Bernhard Kempen|

Hamilton, Peter F. – Drachenfeuer (Der Drachentempel 2)

_Drachentöter sind auch nicht mehr das …_

Der Held des zweigeteilten Bandes findet endlich den Schatz, den er gesucht hat. Und der Fund zwingt ihn dazu, die Welt zu verändern und die Menschen zu befreien.

_Der Autor_

Der britische Science-Fiction-Autor Peter F. Hamilton wurde hierzulande mit seinem sechsbändigen Armageddon-Zyklus bekannt, in dem sich eine galaktische Zivilisation der Menschen einer tödlichen Bedrohung gegenübersieht. Nach dem Erzählband „Zweite Chance auf Eden“ folgte die Duologie „Der Drachentempel“ („Fallen Dragon“, 2001). Inzwischen erschienen noch auf Deutsch „Unendliche Grenzen“ (2003) sowie [„Der Dieb der Zeit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=593 (2004).

_Handlung des zweiten Bandes (Kapitel 11 bis Schluss)_

Der Roman „Fallen Dragon“ wurde vom deutschen Verlag in zwei Bände aufgeteilt. Ich gebe hier den Inhalt bis zum Ende des zweiten Bandes wieder.

|Autarke Schottinnen|

Der Anfang des zweiten Bandes scheint zunächst überhaupt nichts mit der Haupthandlung zu tun zu haben, erweist sich aber am Schluss als ausschlaggebend. Denn die Hauptfigur, Lawrence Newton, lernt wieder einmal eine Frau kennen und lässt sich mit ihr auf eine Affäre ein. Er hat aber nicht damit gerechnet, dass sie es todernst meint.

Joona Beaumont kommt aus Schottland und ist eine Aktivistin. Sie demonstriert vor dem holländischen Hauptquartier des Großkonzerns Zantiu-Braun gegen dessen Politik. In diesem Gebäude will sich Lawrence für die Offizierslaufbahn qualifizieren. Er bemerkt die schöne Demonstrantin und grüßt sie, zunächst ironisch. Dann gibt er ihr Drinks aus. Sie landen zwar zusammen im Bett, aber Joona ist ganz anders als die hübschen Mädels, die Lawrence gewohnt ist, für eine Nacht aufs Zimmer zu nehmen.

Doch Zantiu-Braun lehnt ihn trotz guter Prüfungsergebnisse (im Simulator usw.) wegen mangelnder Anteile am Konzern ab, was ihm sehr ungerecht erscheint. Aus Frust fährt er mit Joona nach Schottland, zu ihrer geliebten Großmutter Jackie. Joona lehnt ihre Mutter ab (und damit unbewusst Lawrences Grundeinstellung). Ihr Vater ist weiß Gott wo.

Jackie verkauft Pullover aus selbst produzierter Wolle von selbst gehüteten Schafen in den schottischen Hochtälern. Ihre Philosophie, die Joona völlig übernommen hat, lautet: Mach dich von der gleichmachenden Kultur der Großkonzerne („Unikultur“ genannt) unabhängig und sorge für dich selbst, so weit es geht. Folglich zieht sie ihr eigenes Gemüse usw. Es ist der Urgedanke der Grünen und Alternativen aus den Siebzigerjahren, in die Tat umgesetzt.

Doch als der an Synthetiknahrung gewöhnte Sternenkrieger Lawrence herausfindet, dass das, was er auf seinem Sandwich isst, echtes Fleisch von echten Angusrindern ist, kotzt er sich die Seele aus dem Leib und flüchtet, so schnell ihn die Beine tragen können.

|Niederlagen|

Auf der von Zantiu-Braun eroberten Welt Thallspring entwickeln sich die Dinge zusehends zu Ungunsten der Eroberer. Prime, die subversive Software der Widerstandsbewegung, erlaubt deren Mitgliedern einige spektaktuläre Sabotageakte. Der vorläufig größte Coup zielt auf die moralische Integrität und Glaubwürdigkeit der Eroberer. Der junge Skin-Söldner Hal aus Newtons Platoon kommt vor Liebessehnsucht fast um und besorgt sich einen illegalen Besuch in einem obskuren Bordell. Am nächsten Morgen wird er verhaftet. Der Grund: Er habe die Tochter des Bürgermeisters vergewaltigt. Es gebe weder ein Taxi, das er benutzt habe, noch ein Bordell, wo er sich vergnügt habe.

Hal, der notgeile Bauerntrampel, mag toben und betteln, wie er will, niemand glaubt ihm (außer Newton). Auf Drängen des Bürgermeisters und des Gouverneuers wird er zum Tode durch Erschießen verurteilt. Denn das Prime hat alle gegenteiligen, Hals Version stützenden Daten aus dem Zentralcomputer gelöscht. Doch Newton lässt den hingerichteten Söldner nicht im Stich.

In einem Rückblick auf Newtons Kampagnen kommt nun erstmals (etwa auf Seite 160) die Sprache auf ein Dorf im Hinterland Thallsprings, wo nach seiner Meinung nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Arnoon Village ist ein Bilderbuchdorf mit Häusern, die besser ausgestattet sind als eine Gouverneursvilla. Und das mitten im Dschungel? Newton selbst vereitelt eine Vergewaltigung und lernt Denise, die Schwester des Beinaheopfers, kennen. Denise ist der spätere Kopf der Widerstandsgruppe auf Thallspring.

Ein dritter Rückblick zeigt Newtons Platoon bei der verheerenden Kampagne auf dem Planeten Santa Chico. Die bis an die Zähne bewaffneten Söldner sind froh, dass sie mit heiler Haut aus dieser Hölle entkommen können. Der Grund: Die beschleunigte Evolution des Planeten hat die ursprünglichen menschlichen Siedler binnen weniger Generationen derartig umgestaltet, dass sie mit ihrer Umwelt optimal umgehen und sie ihre eigene Weiterentwicklung steuern können. Riesige, von Menschen gesteuerte „Elefanten“ namens Makrorexe rennen die Platoons nieder, Flugsaurier attackieren die Raumfähren und Hubschrauber.

|Der Drachenfund|

Nach der Hal-Episode, die die Unfähigkeit seines Arbeitgebers bloßgestellt hat, macht sich Newton mit einer kleinen Gruppe Getreuer auf in die Berge von Arnoon Province. Doch Denise und der Widerstand haben etwas dagegen. Ein schweres Gefecht dezimiert die Schatzsucher erheblich.

Als Einzigem gelingt es Newton, den Drachentempel zu erreichen, allerdings mehr tot als lebendig. Dort macht er Bekanntschaft mit dem vom Himmel gefallenen Alien, das als „Der Drache“ bezeichnet wird und dessen fremde Nanotechnologie die Angehörigen des Widerstands zu allen möglichen übermenschlichen Taten befähigt.

|Newtons Entscheidung|

Nun muss Newtons auf der Grundlage seiner bisherigen Erfahrungen mit dem Universum, das die Konzerne und ihre Skins geschaffen haben, überlegen, wie die überragende Technologie, die der Drache bereitgestellt hat, sinnvoll genutzt werden kann. Bei dieser Entscheidung hilft ihm der Hintergrund, den der Drache und Denise über das Universum der Drachen, das Ring-Universum, liefern.

Newtons Entscheidung bedeutet das Ende der Konzerne und Freiheit für Menschen wie Joona Beaumont und die Evolution auf Santa Chico. Doch bevor es so weit ist, muss er sich mit einem hartnäckigen Verfolger namens Simon Roderick auseinandersetzen, dem Vorstandsvorsitzenden des Superkonzerns Zantiu-Braun.

Der Showdown findet im Orbit um den Roter-Riese-Stern Aldebaran statt. Denn dies ist die Heimat der Drachen …

_Mein Eindruck_

|Der Drachentöter und der Hort|

Die Geschichte erinnert nicht von ungefähr an die Sage von Siegfried dem Drachentöter, die ihrerseits wieder auf isländischen Vorbildern beruht. Allerdings wandelt der Autor die Sage beträchtlich ab. Der Drache ist nicht der eifersüchtige Hüter des Schatzes, sondern ein bereitwilliger Geber von neuem Wissen – er ist der Schatz selbst. Selbstredend sollte man ihn nicht zerstören, sondern vielmehr vor Leuten, die ihn für ihre eigenen Machtzwecke missbrauchen wollen, bewahren.

|Bösewichte und Kritik|

In der Folge ist Newton mit den Kräften eines Siegfried ausgestattet, und er setzt die Drachenmacht zu Zwecken ein, die in seinen Augen „gut“ sind. Simon Roderick hingegen erscheint nun als habgierige und neidische Gestalt à la Alberich und Hagen, die es auf Newton und seinen Drachen abgesehen haben. Roderick ist der Repräsentant der Globalisierung bzw. eines global operierenden Konzerns. Man braucht nur „Zantiu-Braun“ durch „Microsoft“ zu ersetzen und sieht den Bezug zur aktuellen Wirklichkeit des Lesers.

Rodericks und ZB’s Rolle sind deutliche Hinweise darauf, was der Autor kritisiert: Die „Unikultur“, die nimmersatte Konzerne über die ganze von ihnen beherrschte Welt verbreiten. Die Globalisierungsgegner im Buch, wie etwa Joona Beaumont und die Anführerin auf Santa Chico, haben durchaus einige Argumente, die für sie sprechen: Sie gehen Wege, die den Companys nicht passen, die aber für die Menschheit als solche wichtig und sogar notwendig sein können, zumal auf anderen Welten als der alten, ausgelaugten Erde.

Zum Glück bleiben alle Liebeshändel und Frauenzweikämpfe, die man sattsam aus der Nibelungen-Saga kennt, bei Hamilton außen vor. Allerdings findet auch Newton kein Liebesglück bei der schönen Guerillakämpferin Denise – das wäre ja ein unerträgliches Klischee. Stattdessen scheint er zu Roselyn zurückzuwollen, jener Frau, die ihm „einst das Herze brach“. Na ja.

|Offene Frage|

Was am Schluss umgeklärt bleibt: Es wurde zwar gesagt, woher Newton sein eigenes Prime, also die Alien-Software, hatte. Doch bleibt verschwiegen, woher Newtons Freund Vince das Prime hatte. Eine Verbindung zu Arnoon Village wird nämlich nicht gezogen. Wir müssen annehmen, dass der gute Vince das Prime aus dem globalen Datapool gefischt hatte, was doch recht unwahrscheinlich erscheint: Der Datapool wird laufend von den KIs der Konzerne überwacht.

Mag der Showdown auch toll gewesen sein, so schafft es der Autor doch nicht ganz, alle losen Fäden zu verknüpfen und einen befriedigenden Schluss zurechtzuzimmern. Wahrscheinlich hatte er nicht wie Prof. Tolkien zwölf Jahre Zeit für sein Werk.

|Die Übersetzung|

Zur Übersetzung kann ich nur das bereits in der ersten Besprechung Gesagte wiederholen. Ich habe auch im zweiten Band Fehler gefunden (Seiten 328, 447, 493 und 621). So hat der Übersetzer das englische Wort „holiday resort“ nicht als Ferien- oder Freizeitanlage übersetzt, sondern als „Ferien-Ressort“. Dumm nur, dass im Deutschen ein „Ressort“ etwas ganz anderes meint.

_Unterm Strich_

Als moderne Abwandlung der Sage vom Helden Siegfried und dem Drachenhort reüssiert diese Duologie als eine abenteuerliche Söldner- und Piratenstory, die in der Gründung einer neuen Weltordnung mündet. So ist’s recht. So haben die griechischen Prometheus-&-Co.-Mythen angefangen. Und aus diesem Holz sind eigentlich die besten Heldensagen geschnitzt, wenn man sich einmal die Geschichte der „heroischen“ Unterhaltungsliteratur ansieht.

Hamiltons Romanen liegt es fern, diese Mythen und Motive infrage zu stellen oder gar subversiv zu hinterfragen. Vielmehr kombiniert er ihre Elemente zu etwas Neuem, das für den heutigen jugendlichen Leser sowohl fesselnd als auch interessant ist. Wer nicht zu hohe Ansprüche an solche Unterhaltungs-Science-Fiction stellt, dürfte mit der Duologie „Der Drachentempel“ zufrieden sein.

Robert A. Heinlein – Das geschenkte Leben. SF-Roman

Leiden und Freuden der Superreichen

Johann Sebastian Smith ist reich. So reich, dass er sich alles im Leben kaufen kann. Sogar das Leben selbst. Als er im stolzen Alter von fünfundneunzig Jahren im Sterben liegt, beschließt der geistig topfitte Smith sein Gehirn in einen anderen Körper transplantieren zu lassen. Die Operation ist ein voller Erfolg: Der alte, gebrechliche Mann erwacht im gesunden, jungen Körper … einer schönen Frau! (Verlagsinfo) Aus dem geistigen Duo wird jedoch alsbald ein Trio…

Der Autor
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Philip José Farmer – Der Steingott erwacht. SF-Roman

Odysseus als Feldherr: Wider den Weltenbaum!

Odysseus Sinclair, ein Mann aus unserer Zeit, erwacht, ohne sich an das Gewesene erinnern zu können, denn er hat 20 Millionen Jahre in Stasis verbracht. Die Welt, in der er erwacht, unterscheidet sich von seiner eigenen ganz erheblich. Die Tiere herrschen wieder – und ein allgegenwärtiger Baum, der über alle herrscht. Odysseus erlebt jede Menge Abenteuer.

Der Autor
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Bruce Sterling – Brennendes Land

Polit-SF: Alles ist machbar, lieber Nachbar!

Es ist November 2044, und wieder einmal soll ein Amerikanischer Präsident gewählt werden. Doch die USA sind im Grunde längst unregierbar geworden – die Administration in Washington ist bankrott, die meisten Städte befinden sich in Privatbesitz, und weite Teile des Landes unterstehen militärischer Verwaltung. Und dann bricht mitten in eine bizarre Wahlkampagne auch noch die Nachricht von einer wissenschaftlichen Entdeckung, die den American Way of Life grundlegend verändern wird… (Amazon.de)

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Philip José Farmer – Die Irrfahrten des Mr. Green. SF-Roman

Der Bürger als Odysseus

Gestrandet auf einer grünen, wilden, von Barbaren bevölkerten Welt, kämpft der antiheroische Terraner Alan Green ums Überleben. Nach Jahren der Sklaverei im herzoglichen Palast hört er von einem Kaufmann, im fernen Estorya seien zwei außerweltliche „Dämonen“ mitsamt ihrer Rakete gefangengenommen worden – endlich ein Lichtblick! Green macht sich auf, um mit der Rakete diese Welt zu verlassen. Doch bis dahin gilt es viele Gefahren zu überstehen.

Der Autor
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Robert A. Heinlein – Starship Troopers. Der Roman zum Film von Paul Verhoeven

Interstellare Käferjagd

Starship Troopers“ ist einer der umstrittensten Romane in der Science Fiction überhaupt. Durch seine militaristische, antidemokratische Haltung rief dessen Autor, Robert Heinlein, auf Jahre hinaus heftige Kritik hervor, die zu dem preisgekrönten Antikriegsroman „Der ewige Krieg“ (1974) von Joe Haldeman, aber auch zu Parodien wie Harry Harrisons „Der Chinger-Krieg“ (1965 als „Bill the Galactic Hero“) führte. Dennoch bekam der Autor dafür 1960 einen HUGO Award.
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Hamilton, Peter F. – Sternenträume (Der Drachentempel 1)

_Auch die Zukunft braucht Söldner und Piraten!_

Abenteuer auf fremden Welten – wer würde die nicht gerne lesen und sogar selbst erleben? Der Held des Zweiteilers „Der Drachentempel“ erlebt beides, doch ganz anders, als er sich dies vorgestellt hat.

_Der Autor_

Der britische Science-Fiction-Autor Peter F. Hamilton wurde hierzulande mit seinem sechsbändigen Armageddon-Zyklus bekannt, in dem sich eine galaktische Zivilisation der Menschen einer tödlichen Bedrohung gegenübersieht. Nach dem Erzählband „Zweite Chance auf Eden“ folgte die Duologie „Der Drachentempel“ („Fallen Dragon“, 2001). Inzwischen erschienen noch auf Deutsch „Unendliche Grenzen“ (2003) sowie [„Der Dieb der Zeit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=593 (2004).

_Handlung des ersten Bandes (bis Kapitel 10)_

Der Roman „Fallen Dragon“ wurde vom deutschen Verlag in zwei Bände aufgeteilt. Ich gebe hier den Inhalt bis zum Ende des ersten Bandes wieder, also bis zum 10. Kapitel. Es geht leider nicht ohne ein paar Vorausverweise auf den zweiten Band.

Lawrence Newton wächst in der Familie eines wohlhabenden Kolonialpolitikers auf dem Planeten Amethi auf. Allerdings interessiert er sich als typischer Pubertierender weder für Politik noch für gute Schulnoten, sondern vor allem für interaktive Games. Auch die Science-Fiction-Serie „Flight: Horizon“ hat es ihm angetan. In dieser erforschen kühne Menschen die Tiefen des Weltraums; man kennt das ja aus „Star Trek“ und seinen Ablegern.

Eines Tages nimmt ihn sein Vater verblüffenderweise zu einem Ausflug in ein Kongresshotel mit. Dort lernt Lawrence die umwerfend schöne Roselyn kennen, die gerade als irische Einwanderin von der Erde eingetroffen ist. Die beiden haben eine tiefe, leidenschaftliche Liebesaffäre und gehen sogar zusammen auf die Hochschule. Seine Leistungen verbessern sich zusehends – die Beamtenlaufbahn steht ihm offen.

Bis zu jenem Tag, an dem Roselyn aus Versehen eine kleine Information entschlüpft, die Lawrence klar macht, dass ihn sein Vater hinsichtlich der Forschungsexpeditionen der Erde belogen hat. Keine große Sache. Doch dann belauscht er auch, dass Roselyn von seinem Vater engagiert worden ist, um seine schulischen Leistungen zu verbessern und ihn ganz allgemein auf „den richtigen Weg“ zu bringen. Für Lawrence bricht eine Welt zusammen, und er verlässt seine Heimatwelt.

Als einfacher Söldner für den Megakonzern Zantiu-Brown nimmt er an planetenumspannenden Feldzügen teil. ZB nämlich kauft tief verschuldete Kolonialplaneten auf, um so einen Gewinn zu „realisieren“. Diese „Gewinnrealisierung“ ist nichts anderes als moderne Piraterie im 23. Jahrhundert. Die Söldner erwerben bei diesen Kampagnen Anteile an ihrem Arbeitgeber und haben Aufstiegschancen (diese sind beschränkt, wie der zweite Band zeigt).

Der Autor beschreibt haarklein, wie die überlegene Ausrüstung der ZB-Söldner, der Skins, aufgebaut und zusammengesetzt ist. Unterm Strich handelt es sich um eine kybernetische Aufrüstung von Körper und Geist des Söldners in körperlicher, waffentechnischer und kommunikativer Hinsicht. Skins sind praktisch unangreifbare Halbgötter. Auf den eroberten Welten sind sie dementsprechend verhasst.

Die neueste Kampagne führt die Skins auf die grüne Welt Thallspring, wo man sie ebenfalls mit einem Steinhagel empfängt, doch der Gouverneur gibt klein bei. Denn erstens drohen die ZB-Schiffe damit, einen tödlichen Gammastrahler einzusetzen und zweitens legt man ausgewählten Geiseln Halsbänder um, die sich auf Funkbefehl in tödliche Sprengkapseln verwandeln.

Doch etwas ist diesmal anders. Es gibt nämlich eine organisierte Widerstandsbewegung im Untergrund der Städte von Thallspring. Zunächst sehen die Attacken, denen Skins zum Opfer fallen, wie einfache Unfälle aus, doch dann wird einer entführt. Wer steckt dahinter? Wie konnte es geschehen, dass die Datenbanken und -verbindungen der Söldner, ja, sogar die Künstlichen Intelligenzen manipuliert werden konnten? Simon Roderick, der Statthalter Zantiu-Browns auf Thallspring, und Lawrence Newton, inzwischen Sergeant der Skins, sind sehr beunruhigt. Doch es kommt noch schlimmer.

_Mein Eindruck_

Nach den Angaben des Klappentextes hört Newton „Gerüchte von einem geheimnisvollen Drachentempel, einem mythischen Platz, wo vor vielen Jahrtausenden ein fremdes Wesen vom Himmel abgestürzt sein soll und wo nun Priester einen ungeheuren Schatz horten“.

Mal vom holprigen Deutsch dieses Satzes abgesehen, so stimmt davon nur die Hälfte und nichts davon findet sich in diesem ersten Band des Romans. Insofern kann man das Buch mit Recht als eine Mogelpackung bezeichnen. Lawrence schöpft Verdacht auf Seite 160 des zweiten Band und findet die Wahrheit erst auf Seite 330 heraus. Das ist also noch eine Weile hin.

Statt um eine Schatzsuche und ein mysteröses Alien geht es zunächst einmal um die verratene Jugendliebe des jungen Lawrence, um die fragwürdige Piratenpolitik Zantiu-Browns und um die Hintergründe der Widerstandsbewegung auf Thallspring. Deren Anführerin Denise erzählt nämlich den Kindern von Thallspring eine merkwürdige Sage aus einem gewissen „Ring-Universum“ – wo sie diese Geschichte wohl her hat?

Ansonsten hat dieser erste Band große Ähnlichkeit mit einem Söldnerroman, der lediglich um zwei Dimensionen angereichert worden ist. Und im zweiten Band bricht eine kleine Gruppe dieser Söldner eigenmächtig zu einer kleinen Schatzsuche auf. Immerhin führt dies dann aber zu einer kompletten Veränderung des von Menschen besiedelten Universums (mehr dazu in der entsprechenden Rezension).

|Die Übersetzung|

Wie schon beim Armageddon-Zyklus, klebt der Übersetzer Axel Merz manchmal zu sehr am Original und überträgt eins zu eins ins Deutsche, besonders dann, wenn der Originalausdruck keine Entsprechung in einem einzelnen Wort zu haben scheint. Für den deutschen Leser, der den Originalausdruck nicht kennt oder nicht erschließen kann, macht dies aber das Verständnis einer Übersetzung schwierig oder diese sogar doppeldeutig.

Beispiele. Gleich auf Seite 7 geht’s schon los: „Es war der Weg der Dinge in Kuranda.“ Eine wörtliche Übertragung aus dem Englischen. Nun, man kann sich vorstellen, was gesagt werden soll. Aber im Deutschen würde man sagen „so liefen die Dinge nun mal in Kuranda“.

Aber es gibt auch sachliche Fehler wie etwa „Bilbo Bentlin“ (statt „Beutlin“) und sogar komplette falsche Wörter, so etwa „ich“ statt „ist“ auf der letzten Seite des zweiten Bandes. Auch das Wort „extradieren“ (S. 531, Band 1) sucht man im DUDEN vergebens, denn es muss „extrudieren“ heißen wie im restlichen Buch auch – oder „extrahieren“, aber nicht an dieser Stelle.

_Unterm Strich_

Hamilton gelingt es wie schon im Armageddon-Zyklus auch diesmal wieder, eine spannende Söldner-Actionhandlung mit einer anrührenden Lebensgeschichte (nämlich der von L. Newton) zu verbinden und diesem Komplex durch die Mythen aus dem Ring-Universum eine gewisse Überhöhung zu verleihen, so dass der Leser Anteil sowohl am kleinsten Element, einem Individuum, als auch am größten Komplex, dem Universum, nimmt und sich am Schluss das eine in das andere einordnet und es verändert. Das ist clever gemacht und an kaum einer Stelle langweilig.

Besonders junge Leser, die sich mit L. Newton identifizieren können, werden den Roman spannend und interessant finden. Das sind nach Hamiltons Vorstellung offenbar Leser, die sowohl Tolkiens Romane kennen, als auch Science-Fiction-Serien im TV und Computer-Games mögen. Und da der Kampf der Söldner und ihre Schatzsuche im Vordergrund stehen, dürften die von ihm gewünschten Leser vor allem männlich sein.

Trotz aller Fehler usw. habe ich den Roman und seine Fortsetzung in wenigen Tagen verschlungen, denn die Bücher sind geschickt erzählt (Gegenwart wechselt mit Vergangenheit ab) und mit netten Einfällen gespickt. Besonders gefiel mir die Figur des Lawrence Newton. So stellt man sich den männlichen Helden par excellence vor, doch er ist zum Glück nicht frei von menschlichen Fehlern (ich sage nur: Roselyn!).

Die Fortsetzung trägt den Titel „Drachenfeuer“ (Nr. 23255).

Wolfgang Jeschke – Der letzte Tag der Schöpfung. SF-Roman

Idee genial, aber fatal: Den Scheichs das Öl abgraben!

Im Mittelmeerraum werden immer wieder Gegenstände gefunden, die aus fernster Vergangenheit stammen, aber aus Materialien bestehen, die es erst heute gibt oder gar erst in Zukunft geben wird – ein Rätsel.

Diese Funde bestärken die US-Regierung in der Annahme, dass sie mit dem geheimsten ihrer Projekte Erfolg haben wird, dem ehrgeizigen Plan, Menschen und Material mittels Zeitmaschinen fünf Millionen Jahre in die Vergangenheit zu schicken, das arabische Öl anzuzapfen und in die Gegenwart heraufzupumpen. (Verlagsinfo) Mit einem Vorwort von Frank Schätzing.
Wolfgang Jeschke – Der letzte Tag der Schöpfung. SF-Roman weiterlesen