Schlagwort-Archive: Erotik

Raymond Jean – Die Vorleserin

Nur wenige kennen jenen verschmitzt-erotischen Film von Michel Deville aus dem Jahr 1988: „Die Vorleserin“. (Der Film wurde 1988 bei den Filmfestspielen in Montreal mit dem Großen Preis ausgezeichnet.) Aber er ist nicht nur eine Liebeserklärung an die Literatur und ihre Macht, sondern auch an die Erotik, die vom Akt des Vorlesens ausgehen kann. Denn Liebe und Lesen sind Verwandte: Beide stellen eine Reise dar, sagt Raymond Jean in seinem Werk, gleichgültig, ob es sich um Film, Buch oder – wie hier – um Hörspiel handelt.

Der Autor

Raymond Jean, geboren am 21. November 1925 in Marseille, ist ein französischer Schriftsteller, der zunächst vom Sozialrealismus und dem |Nouveau Roman| beeinflusst wurde. Außer „Die Vorleserin“ (1986), einer satirischen Sozialkomödie, verfasste er drei weitere Romane, darunter „Mademoiselle Bovary“ (1991), „Les Grilles“ (1963) und „La Vive“ (1968). Er arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Professor an der Universität der Provence. (Jedenfalls wurde sein Ableben noch nicht im Internet verzeichnet.) Erst durch den Erfolg des schönen Filmes von Michel Deville mit Miou-Miou in der Titelrolle wurde Raymond Jean mit seinem Werk bekannter.

Die Sprecher

Svenja Pages spricht Marie Constance, eine weitere bekannte Stimme ist Anne Moll. Ingesamt sind 14 Sprecher verzeichnet. |Radio Bremen| und |Saarländischer Rundfunk| produzierten das Hörspiel 1999 gemeinsam. Die Hörspielfassung stammt von Andreas Lammers, Regie führte Hans Helge Ott, und Rudolf Schmücker steuerte die Musik bei.

Handlung

Marie Constance, schon 34, hat ihr Studium abgebrochen, die Schauspielschule aufgegeben und lebt neben ihrem arbeitsbesessenen Mann Philippe in den Tag hinein. „Mach wenigstens etwas!“, drängt ihre beste Freundin Francoise. „Warum bietest du deine Dienste nicht einfach als Vorleserin an?“ Und das tut Marie Constance (MC) dann auch. Aber was soll sie vorlesen? Ihr alter „Meister“, das heißt ihr früherer Professor Roland, empfiehlt ihr Maupassant: „Die Hand“. Eine gruselige Erzählung.

Der Mann in der Anzeigenannahme der Zeitung rät ihr gleich, unzweideutig zu formulieren. Für was solle man sie denn halten? Also bietet sie nicht sich selbst, sondern lediglich ihre Vorlesedienste an. Die erste Kundin ist die Mutter des gelähmten Jungen Eric. Sie liest ihm „Die Hand“ vor, während ihr der Kleidsaum immer höher rutscht. Eric kommt mit einem schweren Asthmaanfall ins Krankenhaus, und MC fühlt sich schrecklich schuldig. Zum Glück strahlt Eric bald wieder. Der Kleidsaum darf künftig noch höher rutschen.

Kundin Nummer zwei ist die 82 Jahre alte Generalswitwe Dumesnil, kurz „Die Generalin“ genannt. Obwohl sie aus einer ungarischen Adelsfamilie stammt, ist sie glühende Verehrerin der Revolution und lässt MC prompt nur noch Karl Marx vorlesen. Welch grässliche Prosa, findet MC. Die Generalin schläft dabei regelmäßig ein.

Der dritte Kunde ist ein vielbeschäftigter Generaldirektor, der sich angeblich vorgenommen hat, etwas für seine Bildung zu tun. Nachdem er aber gestanden hat, seit einem halben Jahr von seiner Frau getrennt zu leben und sich nach weiblicher Gesellschaft zu sehnen, ist für MC der Fall klar. „Retten Sie mich!“ ruft Michel Dautrand. Sie bietet ihm hilfreich ihren Mund dar. Der weitere Weg führt ins Schlafzimmer. Denn Lesen ist wie die Liebe: beides ist eine Reise.

Die vierte Kundin ist eine gluckenhafte Geschäftsfrau mit einer total unterdrückten achtjährigen Tochter Clorinde. Dieser liest MC natürlich „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll vor. Während sie mit ihr anschließend in den Park spazieren geht, ruft die Mutter die Polizei und meldet eine Kindesentführung samt Juwelenklau …

Bei der Generalin geht es hingegen lustiger zu. Kur vor dem 1. Mai, sozusagen dem Feiertag der Revolution, spielt sie „Die Internationale“ ab und schwenkt eine rote Fahne. Marie Constance wird aufs Polizeirevier zitiert, wo man sie schon als notorische Unruhestifterin kennt, wie Kommissar Belloit meint. Das Einzige, was ihm an MC gefällt, sind offenbar ihr Beine.

Am 1. Mai schließlich kommt es zur Krise: Die Generalin zwingt MC, in der ersten Reihe der Arbeiterkundgebung mitzumarschieren. Und o weh! Da kommt auch die kleine Clorinde, um sich der Demonstration anzuschließen. Ihre Mutter wird außer sich sein. Prompt wird MC wieder aufs Revier zitiert. Die Anklage lautet auf Aufrührerei. Belloit warnt sie.

Doch es kommt noch schlimmer, und MC muss einsehen, dass auch ihre Toleranz beim Vorlesen eine Grenze kennt. Bei de Sade, den man sie vorzulesen bittet, hört der Spaß eindeutig auf.

Mein Eindruck

Marie Constance scheint, oberflächlich betrachtet, in mehrere amouröse, skurrile bis aberwitzige Situationen zu geraten. Da ist der querschnittsgelähmte Eric, die vernachlässigte Clorinde, die einsame Klassenkämpferin, der unter Sexentzug leidende Generaldirektor. Ihnen allen bringt die Literatur Linderung ihrer Leiden. Aber ist es wirklich das Vorgelesene und nicht vielmehr die Vorleserin selbst, die ihnen etwas gibt? Was könnte das sein?

Denn es gibt auch die Gegenseite: der Kommissar Belloit, der MC zur Rebellin und Aufrührerin hochstilisiert, um sie zu warnen; der Medizin-Professor D’Arc, der an ihr Verantwortungsbewusstsein appelliert, um MC zu kontrollieren; schließlich die Geschäftsfrau, die sofort die Polizei ruft, wenn ihr Töchterlein an die frische Luft will. Die Krönung dieses Unterdrückungsapparates bildet das „Vorlese-Fest“, das drei ehrenwerte Männer für MC vorbereitet haben: ausgerechnet der Kommissar, der Arzt und ein Magistrat mit distinguierter Stimme (s. u.). Symbolisch für ihr Begehren steht der Marquis de Sade.

Diesen „Kontrollorganen“ steht Marie Constance gegenüber. Einfach indem sie ihre Dienste und ihre erotisierende Präsenz anbietet, setzt sie bei ihren älteren – und jüngeren – Kunden eine Befreiungsbewegung frei: Dem Generaldirektor gewährt sie entspannte Liebe, der Generalin einen Ausbruch von klassenübergreifender Solidarität, der 14-jährige Eric entdeckt die Wonnen der Erotik („Könnten Sie nächstes mal bitte ohne Höschen kommen, Madame?“) und die kleine Clorinde reißt sich von der Mutterhand los, um sich an MCs Seite in die Mai-Kundgebung einzureihen.

Dass so viel Erotik und Befreiung als aufrührerisch und befreiend angesehen wird, kann nicht ausbleiben. Die Kontrollorgane ergreifen die Initiative. Diese junge Dame hat bereits genug gesellschaftlichen Erfolg gehabt, nicht wahr? Belloit & Co. machen nun die Probe auf’s Exempel: Wenn MC sich ihren demütigenden Wünschen beugt, soll sie auch in die höchste Ebene der „ehrenwerten Gesellschaft“ aufgenommen werden dürfen – quasi als Stiefelleckerin. Denn darum geht es bei dem Zitat aus de Sades „120 Tage“ (und um noch viel Intimeres). Im Klartext: Die Aufrührerin wird ihrer Ehre und Selbstachtung beraubt, woraufhin man sie an die Kandare legt, wenn sie alles erfüllt, was man von ihr verlangt. Ob sich MC wohl darauf einlässt?

Wenn man Raymond Jeans Text von der gefälligen Verpackung befreit, enthüllt sich eine handfeste Kritik der bürgerlichen Gesellschaft. Die Hörspielbearbeitung durch Andreas Lammers beschneidet diese Aussage nicht, sondern arbeitet sie vielmehr heraus, ohne dabei die vorgetragene Literatur zu unterdrücken (das wäre ja noch schöner!).

Die Sprecher, die Inszenierung

Als Erstes hören wir Svenja Pages‘ angenehme (erotisierende?) Stimme, die ein Gedicht von Charles Baudelaire rezitiert, und zwar so, dass die Verse und Worte deutlich und einzeln zur Geltung kommen. Im ganzen Hörspiel wird nichts heruntergeleiert, im Gegenteil: Allen Sprechern hört man die Sprechausbildung aus der Schauspielausbildung an. Dies hat mehrere Effekte.

Der Intimität, die zwischen den beiden Freundinnen MC und Francoise durch raschen Wechsel und sogar Überlagerung hörbar wird, stehen die Szenen gegenüber, in denen MC quasi im „Außendienst“ ist. Der Kontrast zwischen den Gedanken, die MC äußert, und dem, was sie sagt und sich anhören muss, führt oft zu Ironie. Diese Ironie ist häufig sympathisch gegenüber den Profiteuren von MCs Vorlesediensten, allen voran Eric und der Generaldirektor, manchmal aber auch recht kritisch, so etwa gegenüber dem geilen Kommissar.

Manchmal tritt MC auf wie eine Agentin im Auftrag ihrer Majestät, der Literatur und Erotik. Sie verkleidet sich mit einem strengen Kostüm und einer Brille mit nicht-optischen Gläsern. Sie wappnet sich mit Rüstung und Lüge, doch sie passt nie ihre Stimme an. Darum können wir andererseits nachvollziehen, wie aus der Agentin eine verehrende Jüngerin der Venus wird, wenn sie mit dem Generaldirektor ins Bett geht. Schöner gehauchte Zitate hat man selten gehört. (Man stelle sie sich dann auch noch in Französisch vor!)

Die schönste Stimme aber hat meiner Meinung nach die „Generalin“, die einmal „die schönste Frau auf den Bällen der Militärattachées“ gewesen sein will. Ihre Stimme klingt rauchig, gereift wie alter Wein, und doch kraftvoll. In bizarr-ironischem Kontrast dazu steht ihre närrische Vorliebe für die knöchernen Sätze des deutschen Frühkommunisten Marx. Wenn er über Edelmetalle doziert, bekommt sie beinahe einen Anfall der Ekstase – davon wird sie zum Glück von der Demo draußen auf der Straße abgehalten. Man kann sich die Ungarin in ihrer Jugend gut als feuriges Frauenzimmer vorstellen.

Die einzige Stimme, die meiner Ansicht nach nicht passt, ist ausgerechnet die des jungen Eric, den MC so aufreizend mit Baudelaire und hochgerutschtem Rocksaum beglückt. Eigentlich sollte er mit 14 Jahren ja seinen Stimmbruch bereits hinter sich haben, doch sein Sprecher klingt leider, als hätte er diesen vokalen Einschnitt noch weit vor sich.

Der verschlagenste Profi-Sprecher ist gegen Schluss zu hören: Mit der distinguiertesten, gepflegtesten und offensichtlich ehrbarsten Stimme bittet Jürgen Thormanns Figur des Magistrats um das schlimmste Stück Literatur, das MC bis dato untergekommen ist. Natürlich kann dessen Inhalt dem Hörer nicht vorenthalten werden, da es ja als Beleg für die finsteren Absichten des Kunden dient. Jürgen Thormann ist der Beweis dafür, wie sehr eine ausgebildete Stimme den Eindruck von den wahren Absichten seiner Figur zu verschleiern vermag. Thormann ist ein echter Künstler. Leider enthüllt das mager ausgestattete Booklet nichts über seinen Namen; aber man kennt Thormann aus Fernseh- und Kinofilmen, in denen er britischen Adligen seine Stimme leiht.

Musik

Alle Episoden sind durch Pausenmusik abgetrennt. Dabei handelt es sich um sehr gefällige Caféhausmusik, Piano-Jazz mit brasilianischen Rhythmen und Hintergrundgesang. Da diese Rhythmen aber auch die angenehmen Szenen dezent begleiten, entsteht dabei eine heiter-beschwingte Stimmung, wie sie den Spätsommer-Episoden sehr angemessen ist. Bei ernsten Szenen hingegen fehlt die Musik, aus hoffentlich verständlichen Gründen.

Unterm Strich

Das Hörspiel bietet eine sehr gefällige und heiter-beschwingte, leicht ironisierende Darbietung des Textes. Doch eine genauere Strukturanalyse ergibt, dass es sich bei „Die Vorleserin“ durchaus um ein handfestes Stück Kritik der bürgerlichen Gesellschaft handelt. Aber sowohl Leute, die sich unterhalten lassen wollen, als auch Hörer, die auf die tiefere inhaltliche Seite achten, kommen auf ihre Kosten. Die Episoden sind kurzweilig, überschaubar, skurril und aussagekräftig genug, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln. Und manche Stellen sind wirklich o lalá.

Das Hörbuch

Das Hörspiel ist sehr professionell inszeniert, alle Sprecher bis auf eine Ausnahme klingen passend und professionell. Die Musik trägt die entspannt-verspielte Grundstimmung voran: Es ist Sommer … Möge die ‚Vorleserin‘ auch den Weg in eure Stuben finden.

Umfang: 58 Minuten auf 1 CD

Victor Hugo (zugeschrieben) – Der Roman der kleinen Violette. Erotischer Roman

Lesbenakt im Doppelpack

Die kleine, noch unschuldige Violette, kaum fünfzehn Jahre alt, sucht spät in der Nacht vor den Nachstellungen des Mannes der Wäschehändlerin Beruchet, bei der sie arbeitet, Zuflucht bei dem wohlhabenden Junggesellen Christian. Zu ihm hat sie Vertrauen: die denkt an nichts Böses, wenn er sie küsst – auf eine besondere Art.

Christian bringt Violette in seine Junggesellenwohnung in der Rue Saint-Augustin, in der er schon viele herrliche Nächte verbracht hat. Doch Violettes Unschuld und ihr kindliches Vertrauen rühren ihn: Sehr behutsam lehrt er sie das „Alphabet der Liebe“.

Aber da ist die „Frau Gräfin“, die bei Madame Beruchet ihre Korsetts und Peignoirs kauft und Gefallen an der kleinen Violette gefunden hat. Sie kauft nur Wäschestücke, die durch Violettes Hände gegangen sind…Die Gräfin liebt die kleinen Mädchen, die noch von keinem Mann berührt wurden, und sie setzt alles daran, Violette für sich zu gewinnen.

Und so beginnt eine ungewöhnliche Dreiecksgeschichte, ein pikantes Liebesspiel, dem sich noch Florence, eine liebestolle lesbische Schauspielerin, zugesellt. (Verlagsinfo)…

Victor Hugo (zugeschrieben) – Der Roman der kleinen Violette. Erotischer Roman weiterlesen

E. D. – Evasduft. Erotischer Roman

O là là! Odor di femina

Die wirklich aufregenden Genüsse sucht und findet der Kenner bei den Frauen und Mädchen auf dem Lande. – Auf seinem großen Landgut im südlichen Frankreich sucht der Held des Buches, des Großstadtraffinements müde, neue Liebesabenteuer in den Armen draller Landmädchen und Bäuerinnen. Bei ihnen findet er den wahren „Evasduft“, den „Geruch, der mit dem Geschlecht des Weibes untrennbar verbunden“ ist.

Für einen Louisdor sind die Frauen und Mädchen ihrem gnädigen Herrn froh zu Diensten: die erfahrene Pächtersfrau Colette, der feurige Rotkopf Janine, und die hübsche Marianne (Janine und Marianne treiben es auch miteinander), die noch unschuldige Susanne und Madelon, die Verlobte eines Knechts aus dem Nachbardorf. Sie alle kommen dem Gebieter gern entgegen: und da die Frauen auf dem Lande keine Hosen tragen, macht man auch keine Umstände – man hebt einfach die Röcke…

Aber da sind auch noch die Baronin Hermine von K. mit ihrem Windhund Mirza und die durchtriebene Zofe Graziosa. Das Trio begeht geradezu Tollheiten. (Verlagsinfo)…
E. D. – Evasduft. Erotischer Roman weiterlesen

Dorian Cleavenger – The Art of Dorian Cleavenger (1997-2001)

Fantasy Art von Julie Strain bis Heavy Metal

Fantasy Art findet immer weitere Verbreitung: in Magazinen, auf CD-Covern, in Filmen und Spielen. Man denke nur an „Heavy Metal“ und „Tomb Raider“. Einer der Künstler hat seit 1998 besonders von sich reden gemacht: Dorian Cleavenger. Dies ist einer seiner ersten deutschen Bildbände. Es folgten noch zahlreiche weitere.
Dorian Cleavenger – The Art of Dorian Cleavenger (1997-2001) weiterlesen

Boris Vallejo – The Art of Boris Vallejo

Ein Loblied auf Conan und Julie Bell

Boris Vallejo war von den 1980er Jahren bis zur Jahrtausendwende mit ziemlicher Sicherheit der meistpublizierte Fantasykünstler der Welt. Seine Motive zieren nicht nur Spiele oder Bücher, sondern auch Spielkarten, Filmposter und alle möglichen anderen Medien, inklusive Motorhauben von Rennwagen. Im Internet existieren zahllose Fanseiten, auf denen Anhänger seiner Kunst ihre Bilder ausstellen.

Der aus ursprünglich aus Peru stammende Künstler startete seine Laufbahn in New York City, wo er immer noch sein Hauptquartier hat. Er begannt mit Titelillustrationen für den DelRey-Fantasy-Verlag, der in erster Linie Drachen und Krieger als Motiv verlangte. In den meisten Bildern von Boris Vallejo herrschen jedoch weibliche Figuren vor.

Das wichtigste Modell für diese Frauenbilder ist Vallejos Lebensgefährtin Julie Bell – rund ein Drittel seiner Frauenbilder zeigt ihre athletischen weiblichen Formen.
Boris Vallejo – The Art of Boris Vallejo weiterlesen

Roché, Henri-Pierre – Jules und Jim (Lesung)

Die Geschichte von „Jules und Jim“ und Kathe ist durch François Truffauts Film von 1961/62 bereits Legende geworden: eine „amour fou“ zu dritt. Zwei junge Literaten, der Deutsche Jules (gespielt von Oskar Werner) und der Franzose Jim, beide verliebt ins Leben und die Liebe, lernen sich 1907 (!) in Paris kennen und teilen fortan ihre Tage. Nichts kann sie trennen, bis eines Tages Kathe kommt, die aufregendste Frau, die ihnen je begegnet ist. Sie (gespielt von Jeanne Moreau) liebt beide, erst Jules, dann Jim, dann wieder Jules. Sie kann nicht ohne Jim leben, aber auch nicht ohne Jules. Bis zur letzten Konsequenz …

|Der Autor|

Henri-Pierre Roché, 1879-1959, war jahrelang Berater und Agent in der Pariser Kunstszene, später Kritiker, Übersetzer und Schriftsteller. In seinem 1953 erschienenen Roman „Jules et Jim“ verarbeitet er seine Freundschaft zu dem deutschen Schriftsteller Franz Hessel. Beide lieben ein Leben lang im Wechsel dieselbe Frau: die Malerin Helen Grund, spätere Hessel.

|Die Sprecherin|

Eva Mattes spielte an allen großen Bühnen Deutschlands und war in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen, u. a. als „Tatort“-Kommissarin Klara Blum. Filmfreunden ist sie vor allem als eine der Lieblingsschauspielerinnen von Rainer Werner Fassbinder in Erinnerung, sie spielte aber auch neben Klaus Kinski in Büchners „Woyzeck“ (Wim Wenders). Für |Hörbuch Hamburg| hat sie u. a. das Nixenmärchen „Undine“ von Friedrich de la Motte Fouqué gelesen.

Das Titelbild zeigt das Trio Jules, Jim und Kathe in einer Szene des Films, die am Strand spielt.

|Hinweis|

Es ist anfangs ein wenig verwirrend, dass der Franzose Jim einen englischen Namen trägt und der Deutsche Jules einen französischen. Man kann nur annehmen, dass der Autor nicht wollte, dass der Leser die beiden Männer automatisch einem bestimmten Land zuordnet, nur weil sie einen entsprechenden Namen tragen. Sie könnten auch ganz andere Namen tragen. Kathe hingegen ist weder ein deutscher noch ein französischer oder englischer Name, hat aber Anklänge an die Namen Käthe und Katharina bzw. Catherine.

_Handlung_

Man schreibt das Jahr 1907, in dem die Welt noch in Ordnung zu sein scheint. Der Weltkrieg ist noch weit entfernt. Jim stammt aus Paris und nimmt seinen zu Besuch weilenden Freund Jules auf einen Ball mit, denn Jules braucht hier ein Mädchen. Er hat zwar schon drei in München, woher er stammt, doch warum soll er in der Fremde einsam sein? Die beiden Freunde schreiben Gedichte und übersetzen aus der Sprache des jeweils anderen.

Als Jim den Besuch erwidert, werden die Schönheitsideale der beiden ebenso klar wie ihre charakterlichen Eigenschaften. Jules ist geduldig, aber nicht so fordernd wie Jim, und macht gerne den Spielleiter, allerdings fehlt ihm eine gewisse Festigkeit in seinen Entschlüssen. In Jims Augen ist Luzie eine „gotische Schönheit“, der die Strenge einer Äbtissin eignet.

Gertrud hingegen reißt gern Bäume aus, ist eine ledige Mutter (skandalös für die damalige Zeit), ein verbannter Freigeist und eine „griechische Schönheit“. Lina, Jules‘ Freundin Nr. 3, findet keineswegs Jims Interesse und scheidet sozusagen aus dem Spiel aus. Da wir die Geschehnisse aus Jims Sicht (auch der Autor ist Franzose) betrachten, erkennen wir schnell seine Eigenschaften: Er ist kein Kostverächter, sondern weiß zuzupacken. Allerdings ist die Freundschaft zu Jules für ihn sehr wertvoll.

|Prototyp|

Luzie, Jules und Jim – dieses Dreieck ist bereits eine Vorform dessen, was später folgen soll. Es bestehen keinerlei Geheimnisse zwischen den dreien, und das ist das Wichtigste für diese Art von Liebesfreundschaft. Luzie lehnt Jules‘ Heiratsantrag ab, meint aber, zu dritt wären sie ideal für sie. Es folgen philosophische Ausführungen über Relativität und Absolutheit, die für eine „ménage à trois“ relevant sind.

|Prägung|

Eine weitere Vorstufe für das, was kommen soll, ist die Griechenlandreise. Gemeinsam besuchen Jules und Jim die antiken Stätten und ziehen durch die Bars von Athen, wo sie die Schönheiten mit Gertrud und Luzie vergleichen. Als penetrant dogmatischer Führer schließt sich ihnen der rassistische Albert an, der später noch vielfach auftauchen wird, denn er wird von Kathe als Waffe gegen Jules & Jim benutzt. In Delphi haben Jules & Jim ein Aha-Erlebnis: Sie bewundern eine antike griechische Statue. Das Lächeln der Frau zieht sie in ihren Bann: Es ist göttlich, bezaubernd, aber auch ein wenig kalt und gnadenlos.

|Kathe|

Daher sind sie quasi wie vom Blitz getroffen, als sie unter den vier Berlinerinnen, die sie in Paris besuchen kommen, eine Frau entdecken, die exakt das gleiche Lächeln aufweist wie jene Statue. Es ist Kathe. Am Nationalfeiertag verkleidet sich die junge Frau als Junge, den alle Thomas nennen müssen. „Sein“ Lächeln ist schön und grausam zugleich in seiner Unschuld. Die Pariser lassen sich von der Verkleidung nicht lange narren.

Jules verliebt sich in die blonde „germanische Schönheit“, die sowohl ihn als auch Jim um den kleinen Finger wickelt. Als Jim erfährt, dass sein Freund Kathe heiraten will, hat er Bedenken. Jim kennt sich mit Frauen aus, denn er hat – nach zahllosen Affären, versteht sich – selbst eine heimliche Geliebte in Paris. Nach der Hochzeit kommt es zu einer Krise, als Kathe ohne ersichtlichen Grund in die Seine springt und Probleme mit dem Schwimmen zu haben scheint.

Doch es ist nicht der sonst so autoritäre Jules, der ins Wasser springt und sie rettet, sondern sein Freund Jim. Während Jules geknickt ist, verschwindet Jim, bevor sich ihm Kathe an den Hals werfen kann. Sie triumphiert wie ein siegreicher General. Wieder einmal hat sie ihre Eigenständigkeit behauptet, einfach indem sie den einen gegen den anderen ausgespielt hat. Und wo dies nicht geht, holt sie sich andere Liebhaber ins Bett (nicht ins eheliche, versteht sich), so etwa den erwähnten Albert und andere.

|Nach dem Krieg|

Der Krieg vergeht ebenso wie weitere Jahre, und die drei Liebhaberfreunde sehen sich wieder. Doch das Gleichgewicht im Dreieck verschiebt sich permanent, und so sind die Freuden stets auch mit Leid vermischt. Jim trägt’s philosophisch und erntet die Früchte, die Kathe ihm gewährt, wohingegen Jules sich zu einem duldenden Benediktinermönch entwickelt, der in seiner literarischen Arbeit aufgeht.

|Lebenstaumel|

Doch mit dem fortschreitenden Alter entwickelt Kathe zunehmend Gedanken an Selbstmord. Denn der „Lebenstaumel“, der ihr Lebenselixier ist, lässt sich nun nicht mehr so einfach durch risikoreiche Spiele erringen. Bücher wie Kleists „Penthesilea“ und Goethes „Wahlverwandschaften“ gaben früher Jim Hinweise auf Kathes Interessen.

Aber auf den Reisen an den Atlantik, nach Paris und Venedig erweist sich Kathe als zunehmend abwesend, wenn auch nicht abweisend. Sie hat etwas vor. Jim ahnt, dass es etwas Drastisches sein wird, denn das war schon immer Kathes Art, sich ihr Lebendigsein zu bestätigen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

_Mein Eindruck_

Wenn man Truffauts Film gesehen und sich über die jungen Schauspieler gefreut hat, ist man etwas erstaunt darüber, dass die Dreiecksgeschichte zwischen Jules, Jim und Kathe sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Die Figuren wirken aber auch am Schluss keineswegs alt, sondern so dynamisch wie am Anfang. Das liegt natürlich an Kathe, die sich immerzu bestätigen muss, dass sie eine lebendige Frau ist und sich dazu allerlei Eskapaden leistet.

Es liegt aber auch daran, dass die Außenwelt lediglich in einer Art Chiffren vorkommt, quasi als Kulisse für das Beziehungsgeflecht des Trios. Nur am Rande erfährt man also, dass ein Weltkrieg stattgefunden hat und dass es in Deutschland eine Hyperinflation gibt. Der Eindruck entsteht, dass die ménage à trois der einzige Kosmos ist, der zählt. (Dieser Eindruck mag im Buch ein anderer sein, denn es ist anzunehmen, dass der Text so gekürzt wurde, dass sich die Geschichte auf das Trio konzentriert.) Doch das Trio muss sich an einer Stelle mit der Bürokratie herumschlagen, ob es will oder nicht. Bürgerliche Beziehungen werden eben anders geregelt, meistens schwarz auf weiß.

|Anschaulich|

Weil sich der Text auf die Handlungen konzentriert, ist der Stil anschaulich wie ein Kinofilm und wir folgen den Aktionen der Figuren mit Interesse, ohne dass langweilige Erklärungen die Szene stören würden. Nur selten erfahren wir daher – meist von Jim -, wie sich Jules und Kathe in ihren jeweiligen bürgerlichen Existenzen entwickeln. Aber auch philosophische Betrachtungen über das Wesen einer bzw. dieser ménage à trois sind sehr selten; zumindest kann ich mich an kaum eine erinnern. Wenn jemand reflektiert, dann ist dies in der Regel Jim, unser Mann vor Ort. (Es ist ein französischer Roman für französische Leser, und Jim ist eben Franzose.) Seine Gedanken sind kein Selbstzweck, sondern stellen a) die Chronik der Ereignisse dar und b) sind sie Teil der Interaktion im Trio.

|Unmoralisch? Nie im Leben!|

An keiner einzigen Stelle kommt Jim die Idee, dass die ménage à trois etwas Unmoralisches sein könnte. Warum auch? Das Buch selbst ist ja das Manifest des Autors, dass er solche Beziehugnen nicht als unmoralisch, sondern lediglich als schwierig aufrechtzuerhalten ansieht. Die Probleme liegen nicht auf der moralischen, sondern auf der psychologischen Ebene. Für die Zeitgenossen lag die Herausforderung wohl eher in der Vorstellung, dass nicht nur Männer mehrere Geliebte haben können, sondern auch Frauen. Solche Frauen werden von der Gesellschaft geächtet, wie es der armen Gertrud in München widerfährt.

Auch Kathe kann nicht der freien Liebe frönen, ohne sich alsbald durch eine Heirat den Mantel der Respektabilität umzuhängen, danach aber – sobald die Kinder da sind – mit ihrer Praxis der freien Liebe fortzufahren. Dass Jules sie dabei mehr oder weniger freiwillig deckt, kommt ihr zugute, wirft aber kein gutes Licht auf den Zustand ihrer Ehe. Sie schlafen in getrennten Betten, was bereits alles sagt. Dafür erhält Jim seine Chance, mit Kathe schöne Tage zu verleben.

Es ist nicht so, dass die beiden Männer eines Tages beschlossen hätten, dass sie sich Kathe teilen, als wäre sie eine Schlampe. Vielmehr verhält es sich wohl so – eine Frage der Interpretation -, dass es Kathe selbst ist, die sich das Recht auf Wahlfreiheit vorbehält. Darin bestätigt sich ihr Status als „Löwin“ und „Göttin“, als die sie von Jim tituliert wird. Sie ist ein höheres Wesen, und die beiden Männer sind schon durch ihr Delphi-Erlebnis vorgeprägt, sie dementsprechend zu behandeln. Weil aber keiner von beiden einen absoluten Anspruch auf sie erheben mag oder kann, funktioniert die ménage à trois überhaupt erst.

|Die Relativitätstheorie|

Wenn es keine Absolutheit gibt, herrscht Relativität. Darüber reflektiert Jim mehrere Minuten lang. Wenn aber alle Beziehungen und die darin vermittelten Gefühle der Wertschätzung und Herabsetzung relativ sind, dürfen sie auch nicht verabsolutiert werden. Jim weiß also, dass sich Kathe sowohl rächen als auch ihn wieder willkommen heißen wird. Diese Gewissheit der Ungewissheit begleitet ihn ständig, wenn er mit Kathe zusammen ist. Und weil alles schon am nächsten Tag vorbei sein kann, genießt er den Moment, der ihm geschenkt oder von ihrer Majestät Kathe gewährt wird, bis zur Neige. Dementsprechend intensiv ist seine Erfahrung des Lebens.

Es hilft auch nichts, dagegen aufzubegehren. Denn Kathe weiß sich auf subtile Weise zu rächen und ihre beiden Männer wieder auf ihren Platz zu verweisen: Sie nimmt sich einen anderen Lover, sei es der aufgeblasene Albert oder ein Engländer. Diese Eskapaden bereiten ihren Männern nicht nur Verdruss, sondern zunehmend auch Besorgnis. Auf welche Stufe der männlichen Gesellschaft wird sich Kathe noch herablassen? Und wird sie eines Tages völlig wegbleiben und ihre Kinder im Stich lassen?

|Authentisches Lebensmodell|

Der Autor schildert also die Dreiecksbeziehung nicht nur als ein Modell der freien Liebe, sondern als Lebensmodell. Dieses lässt sich über Jahrzehnte hinweg aufrechterhalten, wenn auch nur unter Mühen. Doch der Lohn ist ebenso groß wie die Mühe, die man in diese besondere Beziehung investiert. Diese Beziehung hat sich Roché nicht aus den Fingern gesogen, sondern Kathe und Jules haben reale deutsche Vorbilder aus jener Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und dreimal darf man raten, wer sich hinter Jim verbirgt (siehe den Abschnitt „Der Autor“ oben).

_Die Sprecherin_

Eva Mattes verfügt über eine relativ tiefe, aber einschmeichelnd sanfte Stimme, die sie wohldosiert einzusetzen weiß. Das Vortragstempo ist genau richtig, und sie schafft es, den Sätzen eines Abschnittes eine Art Spannungsbogen und Zusammenhang zu verleihen. Das ist auch sehr notwendig, denn der Text selbst bietet nur wenig Spannungselemente. Die beinahe einzige Ebene der Spannung befindet sich auf der der Psychologie. Nur selten ergeben sich Actionszenen wie jene, in der Jim und Kathe um einen Revolver streiten.

Weil es so wenig oberflächliche Spannung gibt, muss der Vortrag die unterschwellige Anspannung reflektieren. Aber wie soll die Sprecherin das bewerkstelligen, ohne durch Übertreibung lächerlich zu wirken oder sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen? Mattes hält sich daher – wie jeder gute Sprecher – zurück und überlässt es dem Hörer, aus den vorgetragenen Ereignissen eine Entwicklung herauszulesen und entsprechende Gefühle dafür zu entwickeln. Ihr Vortrag erfordert – ebenso wie das Buch – den mündigen Leser und Hörer.

_Unterm Strich_

„Jules und Jim“ schildert ein interessantes Modell für Liebe und Leben, das von François Truffaut kongenial und mit eigener Aussage verfilmt wurde. Doch der Roman verweigert sich absichtlich jeglichen Ansprüchen auf Unterhaltung, indem er keine Spannungsbögen größerer Art im Stile eines Kriminalromans oder einer Groschenromanze anbietet. Der Autor interessiert sich vor allem dafür, wie diese Dreierbeziehung in der Realität und auf der psychologisch-menschlichen Ebene funktionieren kann.

Dabei stellt er von vornherein keine Erwartungen oder gar Bedingungen auf, sondern schildert, was da kommt. Das Ergebnis ist ein angenehmer Bericht der laufenden Ereignisse, die sich durchaus dramatisch zuspitzen können. Doch der Schluss ist folgerichtig eben kein von langer Hand herbeigeführtes Finale inklusive Showdown, sondern kommt quasi aus dem Nichts: so wie manche Entscheidungen von Menschen nirgendwoher zu kommen scheinen. Der Schluss mag traurig stimmen, aber wer auch nur einen Funken Sympathie für die drei Hauptfiguren entwickelt hat, wird das Geschehen akzeptieren.

Eva Mattes hatte vielleicht ihre liebe Not mit der Darbietung des Textes, aber sie entledigt sich ihrer Aufgabe mit Anstand. Sie hält sich zurück, obwohl es nur wenig Spannungsbögen oder Dramatik gibt, vielmehr trägt sie die Ereignisse vor, als handle es sich um alltägliche Routine. Jede andere Vortragsweise würde nämlich werten, und damit würde sich die Sprecherin auf die fragwürdige Seite moralischer Zensur begeben.

Es mag nämlich genügend Zeitgenossen (immer noch oder schon wieder) geben, die wie in den fünfziger Jahren, als das Buch erschien, mit Verdammung über dieses herziehen würden, in der Meinung, nur die Ehe zwischen Mann und Frau – ohne einen Dritten, versteht sich – sei die EINZIGE legitime Form des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau. George W. Bush würde ihnen zweifellos beipflichten.

Gegen diese Engstirnigkeit wendet sich der Roman ebenso wie das Hörbuch. Insofern handelt es sich um ein literarisches Stück Aufklärung: Es zeigt ein erfolgreiches Alternativmodell auf, das den bevormundeten Zeitgenossen einen Ausweg aus ihrer potenziellen Ehe-Misere aufzeigt. Eine ménage à trois verwechselt der Autor nie mit Zügellosigkeit nach dem Bäumchen-wechsel-dich-Prinzip. Das würde Kathe zu einer Schlampe degradieren. Und daher ist seine ménage à trois auch kein Freibrief für „freie Liebe“ zwischen jedermann und -frau. In Zeiten von AIDS käme das auch wenig gut an.

|223 Minuten auf 3 CDs
Originaltitel: Jules et Jim, 1953
Aus dem Fanzösischen übersetzt von Peter Ruhff|

Anonymus – Frank und ich. Erotischer Roman

Mädchen in Hosen & die Freuden der Rute

Durch Zufall lernt er den jungen Mann kennen und lädt ihn auf seinen Landsitz ein. Durch Zufall merkt er dort, dass sein gast ein reizendes junges Mädchen ist, das an der Liebe großen Gefallen findet. (Verlagsinfo) Ein spätviktorianisches Sittengemälde aus dem Jahr 1902, das teilweise BDSM-Freunde anspricht.
Anonymus – Frank und ich. Erotischer Roman weiterlesen

Charlene Teglia – Nacht der Begierde. Werwölfin-Roman

Heiße Nächte einer Werwolf-Bigamistin

Chandra ist einer von wenigen weiblichen Werwölfen, und sie ist dazu bestimmt, das Rudel zu führen. Doch vorher muss sie einen Partner wählen. Den Platz an ihrer Seite würde jeder der Werwölfe gerne einnehmen. Schnell entbrennt ein heißer Kampf um Chandras Gunst. Mit wilder Leidenschaft versucht jeder der Männer, sie für sich einzunehmen. Für Chandra beginnt eine Zeit voll animalischer Lust. Doch am Ende muss sie eine schwere Entscheidung treffen… (Verlagsinfo) „Animal Attraction“ ist der Startband der „Neuri-Chroniken“.

Die Autorin
Charlene Teglia – Nacht der Begierde. Werwölfin-Roman weiterlesen

Peter Verhelst – Das Muskelalphabet. Roman

Anspruchsvolle, erotische Phantastik

Ein junger Mann hat es sich zur Aufgabe gemacht, die kostbaren Bestände einer unterirdischen Bibliothek aus dem 16. Jahrhundert zu ordnen. Allein in dem unheimlichen Gewölbe und umgeben von alten Grabstatuen, verrichtet er seine Arbeit als Archivar – und wird plötzlich mit höchst mysteriösen Ereignissen konfrontiert… (verlagsinfo)

Wie geht mann mit einer jungen rothaarigen Frau um, die sich in einen Engel verwandeln will? Mann verliebt sich Hals über Kopf mit Haut und Haar in sie. So eine Frau ist Lore in Peter Verhelsts Roman „Das Muskelaphabet“. Ein junger Archivar schreibt hier sein Tagebuch über die merkwürdigen und tragischen Ereignisse, die ihm nicht nur mit Lore zustoßen.

Der Autor
Peter Verhelst – Das Muskelalphabet. Roman weiterlesen

Tanith Lee – Vazkor (Birthgrave-Trilogie 2)

König Oedipus als Actionheld und Zauberer

Jahrtausende nach dem Ende der Zivilisation wird die Welt von wilden Stämmen beherrrscht, den Krarls. Unter ihren Kriegern tut sich Tuvek hervor, der als einziger im Stamm schwarzes Haar besitzt. Als seine Mutter gestorben ist, offenbart ihm die Heilerin, dass er keineswegs der Sohn des Häuptlings ist, sondern das untergeschobene Kind einer fremden Sklavin: Vazkor. Nun muss er nach seiner wahren Bestimmung suchen, nach seiner wirklichen Mutter.

Die Autorin
Tanith Lee – Vazkor (Birthgrave-Trilogie 2) weiterlesen

Tanith Lee – Im Herzen des Vulkans (Birthgrave-Trilogie 1)

Frühe feministische Fantasy

Die Angehörige einer beinahe verschwundenen Rasse von Superwesen erwacht im Herzen eines Vulkans. Draußen wird sie aufgrund ihrer übermenschlichen Kräfte als Göttin verehrt. Sie stellt erstaunt fest, dass nicht nur ihre Berührung, sondern allein ihr Name heilen können. Denn ein Dämon im Vulkan hat ihr vorausgesagt, dass sie überall das Böse verbreiten werde.

Sie entdeckt, dass es noch weitere Abkömmlinge der alten Rasse auf der Welt gibt. Doch sie wird von ihnen nur benutzt, als Frau wie als Zauberin. Sie wird versklavt und gedemütigt, aber sie nicht auf bei ihrer Suche nach ihrem Ursprung und ihrer Bestimmung. (aus der Verlagsinfo)

Mit dieser Trilogie hat sich die Engländerin Tanith Lee (geb. 1947, gest. 2015) auf Anhieb den Ruf erworben, neben C. J. Cherryh und Katherine Kurtz die wichtigste Vertreterin der gehobenen epischen Fantasy zu sein. (ergänzte Verlagsinfo)

Die Autorin
Tanith Lee – Im Herzen des Vulkans (Birthgrave-Trilogie 1) weiterlesen

Michael Moorcock – Gloriana oder Die unerfüllte Königin (revidierte Fassung)

Preisgekrönte Fantasykomödie

In einem England des 16. Jahrhunderts, das es nie gab, lebt die unerfüllte Königin Gloriana. Obwohl ihr Reich sich bis nach Asien erstreckt und die Wissenschaft floriert, ist sie unglücklich: Sie kommt nie zum Höhepunkt. Das will Quire ändern, einer der zahllosen Geheimagenten des Lordkanzlers Montfallcon. Quire verbündet sich mit dem ärgsten Feind des Kanzlers und verführt die Königin, um das Reich zum Einsturz zu bringen. Doch er hat nicht mit Glorianas Reaktion gerechnet…

Der Roman wurde mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet.

Der Autor

Michael Moorcock – Gloriana oder Die unerfüllte Königin (revidierte Fassung) weiterlesen

Elizabeth A. Lynn – Die Tänzer von Arun (Die Chroniken von Tornor 2)

Chearas in Arun: Konfliktlösung im Geist der Harmonie

Im Galbareth, der fruchtbaren Ebene von Arun, haben sich im Laufe der Jahrzehnte Menschen, die über besondere mentale Gaben verfügen, über Telepathie, die Kunst des Gedankenlesens und der Telekinese, zu einer Gemeinschaft zusammengefunden. Sie nennen sich „cheari“, die „Tänzer“, weil sie sich blitzschnell durch Gedankenkontakt verständigen und die Absichten ihrer Feinde rechtzeitig durchschauen können – bis auch in den Reihen ihrer Gegner, den räuberischen Bewohnern der Asech-Steppe, mental begabte Krieger auftauchen.

Dies ist die Geschichte von Kerris, dem verwaisten Sohn eines berühmten Kriegsherrn, der als Kind durch einen Schwerthieb einen Arm verlor. Als Krieger ungeeignet, weiß er seinem Leben keinen Sinn zu geben, bis ihn sein Bruder Kel in die Gemeinschaft der „cheari“ einführt und er einen Meister findet, der eine mentale Gabe in ihm weckt, die mächtiger ist als jedes Schwert und die keines starken Arms bedarf, um einen Gegner zu überwinden. Doch im einst friedlichen Elath lauern erbarmungslose Gegner – und jetzt ist es an Kerris, dem Tod ins kalte Auge zu sehen… (KNAUR-Verlagsinfo)
Elizabeth A. Lynn – Die Tänzer von Arun (Die Chroniken von Tornor 2) weiterlesen

Michael Moorcock – Das Bordell in der Rosenstraße (Von Bek 3)

Der Zusammenbruch der westlichen Zivilisation

Ein kurzer, elegischer Roman aus der Familienchronik derer von Bek, die sich im 17. Jahrhundert mit Luzifer eingelassen hatte. Seine „realistische“ Handlung spielt am Fin de siècle anno 1900 und direkt vor dem Ersten Weltkrieg, der das alte Europa in Schutt und Asche versinken lässt. Für diese bedrohte Kultur steht das diskrete Bordell in der Rosenstraße der fiktiven Stadt Mürenburg, irgendwo dort, wo die Grenzen von Russland, Deutschland und Österreich zusammenstoßen. Das erinnert an die reiche, vielfältige Vorkriegskultur in Czernowitz, wo Schriftsteller wie Paul Celan und Rose Ausländer aufwuchsen.

Der Autor

Michael Moorcock – Das Bordell in der Rosenstraße (Von Bek 3) weiterlesen

Juan Muntaner – Scharlachrote Nächte. Erotische Erzählungen

Schneeweiße Federn, scharlachrote Hintern

Anne und Cathérine, Sylvia und Véronique, Hilda und Lucile sind die leidenschaftlichen geschöpfe dieser phantastischen Erzählungen. Angetrieben von der rätselhaften Macht des Blutes sind sie auf der Suche nach dem einzigen, alles verzehrenden Genuss, der ihren überreizten Sinnen Erfüllung schenken soll und Frieden.“ (Verlagsinfo)

Juan Muntaner – Scharlachrote Nächte. Erotische Erzählungen weiterlesen

Paula Lambert – Eine Frau mit Penetrationshintergrund. Roman

Aus dem Lotterbett ins Kloster

Paula hatte sie alle: Esoteriker, High- Performer und Elektriker. Fazit: Sie kennt viele Männer, mit denen sie Sex haben kann, aber sie kennt keinen, der bei ihr bleibt. Das muss sich ändern. Gutmensch Korbinian wäre genau der Richtige, doch der findet Paula viel zu oberflächlich. Also begibt sich Paula in ein Kloster auf Sinnsuche – die tatsächlich zu einer durch und durch sinnlichen Erfahrung wird … (Verlagsinfo)

Die Autorin
Paula Lambert – Eine Frau mit Penetrationshintergrund. Roman weiterlesen

Anonymus – Das Haus der Sappho (Anandria)

Ein Manifest der lesbischen Liebe

Ende des 18.Jahrhunderts erregte in Frankreich ein Buch Aufsehen, das heute zu den berühmtesten lesbisch-erotischen Werken zählt. Es berichtet, wie ein Landmädchen (ca. 1770) in die Hände einer berüchtigten Kupplerin gerät und von ihr als „Mademoiselle Sappho“ einem Kreis adliger Lesbierinnen ausgeliefert wird, die in einem eigens dazu eingerichteten Tempel seltsame Orgien feiern.

Die reizvoll sinnlichen Szenen des Buches gewinnen an sittenhistorischem Wert, wenn man weiß, dass es sich nicht etwa um freie Erfindungen handelt, sondern um beglaubigte Vorgänge, die sich um 1770 in den höchsten Kreisen der Pariser Gesellschaft ereigneten. …

Um den Leser zu verwirren, hat der Moewig-Verlag Antoine Pithons Roman „Das Quartier der Sappho“ ebenfalls „Das Haus der Sappho“ betitelt.

Anonymus – Das Haus der Sappho (Anandria) weiterlesen

Emmanuelle Arsan – Emmanuelle oder Die Schule der Lust (Emmanuelle 1)

Wunderwelt des Sexus in Bangkok

Emmanuelle folgt ihrem Mann Ende der fünfziger Jahre nach Bangkok und lernt dort die französische Kolonie der Diplomaten kennen. (Sie wurden vermutlich aus der verlorenen frz. Kolonie Indochina hinausgeworfen.) Weil ihr Mann nur wenig Zeit für sie hat, lässt sie sich mit anderen Frauen, Mädchen und einem mysteriösen Mann ein. Sie erfährt ihre Bekehrung zu Polygamie und Bisexualität. „Dieser erste Band des erotischen Meisterwerks wurde mit Sylvia Kristel in der Hauptrolle verfilmt…“ (Verlagsinfo)

„Emmanuelle“ war ab 1959 (s.u.) jahrelang ein französischer Underground-Bestseller und ist mittlerweile in mindestens zehn Sprachen übersetzt. Die Verfilmung durch Just Jaeckin erregte 1974 weltweites Aufsehen und führte in Paris monatelang zu langen Schlangen an der Kinokasse. In Deutschland wurde der Film sofort verboten.

Der Autor bzw. die Autorin

Emmanuelle Arsan – Emmanuelle oder Die Schule der Lust (Emmanuelle 1) weiterlesen

Anonymus – Bekenntnisse einer deutschen Buhlerin. Zwei Romane

Werdegänge sinnlicher Frauen im 18. Jahrhundert

„Erotische Raritäten sind die beiden in diesem Band vereinten Erzählungen „Bekenntnisse einer deutschen Buhlerin“ und „Amors Wege“. Die Berliner Bordellbesitzerin Elise Schubitz galt Ende des 18. Jahrhunderts als „Königin unter den Prostituierten“, während die zweite Erzählung den Werdegang eines jungen Mädchens schildert, das ebenfalls als Dirne endet. (Verlagsinfo)

Die junge Elise beobachtet schon früh ihre Nachbarn beim Sex. Dieses Ereignis regt ihre Phantasie so sehr an, dass sie den gesehenen Szenen zusammen mit ihrer Schwester nacheifert. In der Folge schildert Elise ihre sexuellen Begegnungen mit verschiedenen Partnern und Kunden. (zu den „Schubitz“-Memoiren)
Anonymus – Bekenntnisse einer deutschen Buhlerin. Zwei Romane weiterlesen

Davernos – Julie. Eine Meisterin der Liebe

Früh übt sich, was ein Meister, pardon: eine Meisterin werden will: Julie. Schon als Heranwachsende verspürt die hübsche Julie heftiges Liebesverlangen. Zunächst sind es noch recht harmlose Spiele, die sie mit anderen Mädchen erprobt. Bald aber geht sie zu den viel interessanteren der Erwachsenen über und sammelt bei ihnen, unermüdlich aktiv, die reizvollsten Erfahrungen.

Bisexuell veranlagt, verführt Julie in der Folge Jungen und Mädchen auf jede nur denkbare Weise: die unschuldige Judith, John, den Bruder ihrer „Spielgefährtin“ Maud, und seine Kameraden. Sie treibt es mit der Erzieherin Germaine und dem Gärtner Bacchio und schließlich, nach dem Spiel zu zweit, zu dritt, zu viert, in schrankenloser Ausgelassenheit mit einem halben Dutzend junger Burschen… (Verlagsinfo Goldmann)

Die Autorin
Davernos – Julie. Eine Meisterin der Liebe weiterlesen