Schlagwort-Archive: Random House Audio

[NEWS] John Lanchester – Die Mauer. Sonderausgabe

Joseph Kavanagh tritt seinen Dienst auf der Mauer an. Er gehört nun zu den jungen Menschen, die die Mauer unter Einsatz ihres Lebens gegen Eindringlinge verteidigen. Das Leben auf der Mauer verlangt Joseph einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie. Mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Und die sind gefährlich. Für ein Leben hinter der Mauer setzen sie alles aufs Spiel … (Verlagsinfo)

Gekürzte Lesung mit Johannes Klaußner
6 CDs, 7:04 Std. Spieldauern
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[NEWS] Robert Galbraith – Weißer Tod (Cormoran Strike 4)

Der private Ermittler Cormoran Strike ist zutiefst beunruhigt: Ein verstörter junger Mann bittet ihn um Hilfe bei der Aufklärung eines Verbrechens, das er – so glaubt er – als Kind mit angesehen hat. Billy hat offensichtlich psychische Probleme und kann sich nur an wenig im Detail erinnern, doch er und seine Worte klingen glaubwürdig. Bevor Strike ihn allerdings ausführlich befragen kann, ergreift der Mann panisch die Flucht. (Verlagsinfo)

Ungekürzte Lesung: 21:36 Std.
Sprecher: Dietmar Wunder
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John Grisham – Das Manuskript

Die Handlung:

Hurrikan Leo steuert mit vernichtender Gewalt auf Camino Island zu. Die Insel wird evakuiert, doch der Buchhändler Bruce Cable bleibt trotz der Gefahr vor Ort. Leos Folgen sind verheerend: Mehr als zehn Menschen sterben. Eines der Opfer ist Nelson Kerr, ein Thrillerautor und Freund von Bruce. Aber stammen Nelsons tödliche Kopfverletzungen wirklich vom Sturm? In Bruce keimt der Verdacht, dass die zwielichtigen Figuren in Nelsons neuem Roman realer sind, als er bisher annahm. Er beginnt zu ermitteln und entdeckt etwas, was weit grausamer ist als Nelsons Geschichten. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nach drei Jahren (Echtzeit-)Pause sind wir wieder zurück auf Camino Island. Das letzte Mal gings noch um einen raffinierten Diebstahl, diesmal um Mord … mutmaßlich. Ob das wohl wieder so eine entspannt-spannende Strandlektüre wird, wie der erste Inseltrip?

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Stephen King – Blutige Nachrichten

Die Handlung:

In der Vorweihnachtszeit richtet eine Paketbombe an einer Schule nahe Pittsburgh ein Massaker an. Kinder sterben. Holly Gibney verfolgt die furchtbaren Nachrichten im Fernsehen. Der Reporter vor Ort erinnert sie an den gestaltwandlerischen Outsider, den sie glaubt vor nicht allzu langer Zeit zur Strecke gebracht zu haben. Ist jene monströse, sich von Furcht nährende Kreatur wiedererwacht?

Die titelgebende Geschichte »Blutige Nachrichten« – eine Stand-alone-Fortsetzung des Bestsellers »Der Outsider« – ist nur einer von vier Kurzromanen in Stephen Kings neuer Kollektion, die uns an so fürchterliche wie faszinierende Orte entführt. Mit einem Nachwort des Autors zur Entstehung jeder einzelnen Geschichte. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, wer den „Outsider“ von Stephen King noch nicht gelesen oder die HBO-Fernsehverfilmung noch nicht gesehen hat, brauchts nun nicht mehr zu tun, der Klappentext spoilert mehr oder weniger schon das Wichtigste. Wer das Buch aber gelesen hat, wird sich über ein Wieder-Wiedersehen mit Holly Gibney freuen, die wir vor dem „Outsider“ schon bei „Mr. Mercedes“ getroffen haben.

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[NEWS] Marc Elsberg – GIER – Wie weit würdest du gehen?: Sonderausgabe

Wenn Reichtum für alle möglich wäre, man dafür aber von seinem eigenen Geld abgeben müsste, würdest du teilen?

Auf der ganzen Welt sind die Menschen in Aufruhr. Sie demonstrieren gegen die Folgen einer neuen Wirtschaftskrise, die Banken, Unternehmen und Staaten in den Bankrott treibt. Konflikte eskalieren. Bei einem Sondergipfel will man Lösungen finden. Der renommierte Nobelpreisträger Herbert Thompson soll eine Rede halten, die die Welt verändern könnte, denn angeblich hat er die Formel gefunden, mit der Wohlstand für alle möglich ist. Doch kurz davor sterben er und sein Assistent bei einem Unfall – aber es gibt einen Zeugen, der weiß, dass es Mord war, und der hineingezogen wird in ein gefährliches Spiel … (Verlagsinfo)

Gekürzte Lesung mit Dietmar Wunder
2 MP3-CDs, 8h 18min
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[NEWS] Charlotte Link – Die Rosenzüchterin

Charlotte Links Klassiker jetzt neu: stimmungsvoll gelesen von Gabriele Blum

Franca Palmer ist am Ende: In ihrer Ehe kriselt es und der Alltag überfordert sie. Sie flüchtet auf die Kanalinsel Guernsey, wo sie sich in einem alten Rosenzüchterhaus einmietet. Bald entwickelt sich zwischen ihr und der Gastgeberin Beatrice eine distanzierte Freundschaft. Die ältere Frau lebt auf dem Anwesen mit Helene Feldmann zusammen, der sie Hass und Abneigung entgegenbringt. Die Gründe dafür bleiben für Franca zunächst im Verborgenen. Und eines Tages, es ist der 1. Mai, gibt es eine Tote in Le Variouf … (Verlagsinfo)


Hörbuch MP3-CD (gekürzt), 3 CDs,
Laufzeit: ca. 18h 21min
Sprecherin: Gabriele Blum
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John Grisham – Die Wächter

Die Handlung:

In Seabrook, Florida wird der junge Anwalt Keith Russo erschossen. Der Mörder hinterlässt keine Spuren. Es gibt keine Zeugen, keine Verdächtigen, kein Motiv. Trotzdem wird Quincy Miller verhaftet, ein junger Afroamerikaner, der früher zu den Klienten des Anwalts zählte. Miller wird zum Tode verurteilt und sitzt 22 Jahre im Gefängnis. Dann schreibt er einen Brief an die Guardian Ministries, einen Zusammenschluss von Anwälten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren. Cullen Post übernimmt seinen Fall. Er ahnt nicht, dass er sich damit in Lebensgefahr begibt. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

John Grisham gehört zu den wenigen Autoren, die nicht nur nicht aufhören können/wollen zu schreiben, sondern dabei auch kontinuierlich hohe Qualität abliefern. Dabei hat Grisham zwar in der Masse „Anwalts-Romane“ geschrieben, aber hin und wieder auch mal etwas anderes versucht. „Die Wächter“ ist aber wieder ein Klassiker und hat auch das Zeug dazu, einer zu werden.

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[NEWS] Jessica Barry – Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod

Ein Flugzeug stürzt in den Rocky Mountains ab, einzige Überlebende ist die dreißigjährige Ally. Völlig auf sich gestellt, muss sie sich durch die Wildnis kämpfen. Doch jemand ist hinter ihr her – jemand, der finster entschlossen ist, dass niemand überleben wird.
(Verlagsinfo)

Gekürzte Lesung auf 2 CDs
Laufzeit: ca. 9h 42 min
Sprecher: Gabriele Blum, Yara Blümel

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Christopher Paolini – Eragon. Das Vermächtnis der Drachenreiter (Eragon 1)

Schönes Hörbuch: Fantasy als Megaseller

Als Eragon auf der Jagd einen blauen Stein findet, ahnt er nicht, dass dieser Fund sein Leben verändern wird. Er freut sich, denn vielleicht kann er den Stein gegen Essen für seine Familie eintauschen. Doch dann entschlüpft dem Stein ein Drachenjunges und beschert Eragon ein Vermächtnis, das älter ist als die Welt selbst … (Verlagsinfo)

Der Autor

Christopher Paolini lebt in Paradise Valley, Montana, dem „Big Sky State“. Vielleicht kann man deswegen dort so schöne Bücher schreiben. Paolinis Vorliebe für Science-Fiction und Fantasy soll ihn zu „Eragon“ inspiriert haben, das er mit 15 verfasste. Inzwischen ist Paolini 22 und auch der zweite Band erschienen: „Der Auftrag des Ältesten“. Mittlerweile ist der Roman mit Jeremy Irons, John Malkovich, Djimon Hounsou und Edward Speelers verfilmt worden und der Autor schreibt am dritten Band seiner Drachenreitertrilogie.

Der Sprecher

Andreas Fröhlich wurde 1965 in Berlin geboren und mit sieben Jahren im Kinderchor des SFB als Synchronsprecher entdeckt (einen seiner frühen Einsätze hat er in „Die Herren Dracula“). Von Anfang bis Mitte der 70er sammelte er erste Hörspielerfahrungen und übernahm 1979 den Part des „Bob Andrews“ in der Serie „Die drei Fragezeichen“. Es folgten Arbeiten als Schauspieler für Film und Fernsehen sowie diverse Auftritte auf der Theaterbühne.

Fröhlich ist leidenschaftlicher „Hörspieler“, arbeitet als Drehbuch- und Dialogautor sowie als Synchronregisseur (Jacksons „Herr der Ringe“, Petersens „Troja“). Als Synchronsprecher leiht er seine Stimme u. a. John Cusack, Edward Norton und Ethan Hawke. In der deutschen Fassung von Jacksons „Herr der Ringe“ sprach er die (schizophrene!) Rolle des Gollum.

Fröhlich liest die ungekürzte Fassung.


Handlung

Das Land Alagaësia stöhnt unter dem Joch des grausamen Königs Galbatorix, denn er hat alle Drachenreiter, die früher für Recht, Ordnung und Frieden sorgten, getötet oder vertrieben. In einem abgelegenen Tal gibt es jedoch zwei Menschen, die Alagaësias Schicksal verändern werden.

Eragon ist etwa 15 Jahre alt, als er sich eines Tages in die Berge aufmacht, um dort Nahrung für sich, seinen Onkel Garrow und seinen Bruder Roran zu beschaffen. Er stößt auf einen großen blauen Edelstein, der sich aus dem Nichts heraus in einer Explosion vor ihm materialisiert. Eragon steckt den Stein ein, denn er hofft, ihn gegen Nahrung eintauschen zu können. Doch der Schlachter weigert sich, den Stein als Bezahlung anzunehmen. Nach einer Weile muss Eragon feststellen, dass er ein Ei gefunden hat – aus dem plötzlich ein Drachenjunges schlüpft. Aber gehören die Drachen und ihre Reiter nicht schon längst der Vergangenheit an? Hat König Galbatorix sie nicht durch seine harte Herrschaft ausgerottet?

Wenig später erfährt Eragon von Brom, dem Geschichtenerzähler seines Dorfes, dass Galbatorix drei Dracheneier in Gewahrsam habe und nur darauf warte, dass die mächtigen Kreaturen schlüpfen. Und damit nicht genug: Ein Drachenjunges schlüpft nur, wenn sein Reiter es berührt. Der Junge ist jedenfalls glücklich über seinen neuen Kameraden und zieht den Drachen liebevoll auf, allerdings im Geheimen.

Schon bald überragt der Drache seinen Herrn – was aber kein Hindernis für die entstandene Freundschaft ist. Sie verständigen sich telepathisch, mit Gedankenkraft, und das kann niemand sonst, den Eragon kennt. Er behält es für sich. Erst als ihm Brom von den Drachenreitern erzählt, fragt Eragon seinen Drachen, ob ihm der traditionsreiche Name „Saphira“ gefallen würde – ja, denn der Drache ist eine Sie.

Flucht

Doch der Frieden währt nicht lange. Zwei rätselhafte Wesen, die Ra’zac, tauchen im Dorf auf und foltern Garrow mit einem seltsamen Gift, das Verbrennungen verursacht. Eragons Onkel stirbt wenig später im Haus der Heilerin. Als er erfährt, dass diese wilden Reiter auf der Suche nach dem Drachenei sind, schwört er ihnen Rache und will abreisen. Mitten in seinen Reisevorbereitungen überrascht ihn Brom. Dieser bietet ihm seine Hilfe an und unterweist ihn in der Kunst des Drachenreitens – schließlich war er einst selbst einer der Drachenreiter. Eragon lernt einige magische Worte der Elfensprache, mit denen er Feinde abwehren, Wunden heilen und Gegenstände bewegen kann. Doch Brom warnt ihn: Magie verbraucht Energie, so wie jede Handlung. Und wenn man eine magische Handlung vollbringen will, die über die eigenen Kräfte geht, kann man unversehens daran sterben.

Die Drachin

Eragon lernt schnell, und sie reisen über die große Tiefebene und ans Meer. Dort hört Eragon mehr über die Varden, jene Rebellen, die in den Beor-Bergen des Südens dem König Widerstand leisten. Um zu den Varden zu gelangen, müssen sich also in den Süden. Am Ende seiner Unterweisung überreicht ihm Brom das Schwert Zarok, das von den Elfen geschmiedet wurde und einst einem Drachenreiter gehörte, dem Brom es abnahm. (Jener Drachenreiter war der Abtrünnige Morzan, der Vater von Murtagh.) Als Eragon, Brom und Saphira nach Dras-Leona ziehen, um die Ra’zac-Burg zu finden, schließt sich ihnen der junge Krieger Murtagh an. Er habe ebenfalls eine Rechnung mit den Ra’zac zu begleichen, behauptet er.

Die Gefährten geraten bei ihrer Flucht aus Dras-Leona jedoch in einen Hinterhalt von Urgalkriegern, der Brom das Leben kostet. Saphira verzaubert den Grabhügel in puren Diamant. Kurz vor seinem Tod eröffnet Brom Eragon, dass er selbst einmal ein Drachenreiter war, der jedoch seinen Drachen verlor. Bevor er stirbt, nimmt Brom Eragon das Versprechen ab, Saphira mit seinem Leben zu schützen. Denn zwischen Drache und Reiter besteht eine magische Lebensbindung: Ein Reiter kann ohne seinen getöteten Drachen weiterleben, doch ein Drache muss ohne seinen gefallenen Reiter unweigerlich sterben …

Gefangen

Zum Trauern bleibt keine Zeit. König Galbatorix weiß inzwischen, dass es einen neuen Drachenreiter gibt, und er setzt alles daran, Eragon in seine Gewalt zu bringen. In Gil’ead wird Eragon von dem Schattenzauberer Durza gefangen genommen. Doch Murtagh und Saphira gelingt es, ihn und eine verletzte Mitgefangene, die Elfenkriegerin Arya, zu befreien und auf Drachenschwingen zu entkommen.

Inzwischen ist das ganze Reich hinter ihnen her, und Eragon weiß nur noch einen Ausweg: Sie müssen durch die große Hadarac-Wüste zu den Beor-Bergen gelangen, die außerhalb der Reichsgrenzen liegen. Mühsam schleppen sie sich durch die Wüste und Arya, mit der Eragon in telepathischem Kontakt steht, droht an dem ihr vom Schattenzauberer verabreichten Gift zu sterben. Nach tagelangem Marsch erreichen sie endlich Trondjheim, die Stadt der Varden und Hauptstadt des Zwergenreiches. Arya kommt sofort in die Häuser der Heilung, doch Eragon wird zunächst einer telepathischen Prüfung unterzogen. Nur durch einen Trick, bei dem ihm Saphira hilft, kann er seine Geheimnisse vor den Prüfern verbergen. Und so kommt es, dass nicht bekannt wird, dass Murtagh der Sohn des abtrünnigen Drachenreiters Morzan ist.

EXKURS

Eragon erhält eine Audienz bei Ajihad, dem König der Varden. Ajihad erzählt ihm die Geschichte des Dracheneis. Brom hatte eines der Eier, die der König hortete, entwendet und nach Trondjheim gebracht. Daraufhin entbrannte ein Streit zwischen den Menschen und Elfen, wer den nächsten Drachenreiter stellen solle. Und so beschloss man als Kompromiss, das Ei ein Jahr lang bei den Elfen und im nächsten Jahr bei den Varden aufzubewahren. Die Elfenkriegerin Arya befand sich mit dem Ei auf dem Rückweg von Trondjheim nach Ellesméra, der Heimstatt der Elfen, als sie von Durzas Schergen angegriffen wurde. Ihre zwei Begleiter starben. Kurzerhand beförderte sie das Ei mit ihrer Magie an den einzig sicheren Ort, der ihr einfiel – in Broms Nähe, dessen Zufluchtsort sie kannte. Und so gelangte das Ei zu Eragon, und Saphira erkannte ihren Reiter …

EXKURS ENDE

Ajihad erklärt Eragon, er sei nun ihre Hoffnung, ein Symbol für Stärke und Macht und Zauberkräfte. Ajihad ermahnt den jungen Mann, sich dieser Verantwortung stets bewusst zu sein und ebenso seiner Rolle als Vorbild und Leitfigur, doch mehrere Fraktionen buhlen um Eragons Gunst und er trifft den König Zwerge.

Eines Morgens wird jedoch Alarm geschlagen. Eragons Feinde sind in die Tunnel, die zur Festung führen, gelangt: eine Heer aus Urgalmonstern, angeführt von Durza. Ein langer und harter Kampf entbrennt, in dem Eragon und Saphira alles geben müssen, was in ihnen steckt.

Mein Eindruck

Die aktuelle Verfilmung dieses Fantasyromans unterscheidet sich ganz erheblich von diesem Handlungsabriss, und so verwundert es nicht, dass der finale Showdown zwischen Eragon/Saphira und Durza völlig anders inszeniert worden ist. Während sich im Buch Eragon und Durza im Kampf der Schwerter, Körper und Geister gegenüberstehen, findet im Film die Auseinandersetzung ausschließlich in der Luft statt. Die beiden Kontrahenten sausen durch den Vulkanschlot von Farthen Dûr, als ritten sie eine Achterbahn, und das Ergebnis ist recht spektakulär. Anschaulicher jedenfalls als eine rein geistige Auseinandersetzung, wie sie im Buch den Ausschlag gibt.

Aber auch schon vorher sieht das Drehbuch eine Menge Kürzungen und Verdichtungen des Romanstoffes vor, so dass beispielsweise die Reise in die Hafenstadt Thirm völlig ausfällt und interessante Figuren wie die Heilerin Angela und die Werkatze Solembum, die sich bei Nacht in einen Jungen verwandeln kann, nicht auftauchen. Diese exotischeren Wesen machen den Reiz des Romans aus. Doch der Film muss seine Story auf hundert Minuten komprimieren, und wo grob gehobelt wird, fallen eben Späne.

Ärgern dürfte sich der Romanfreund auch über die grob vereinfachende Darstellung der Beziehung zwischen Saphira und ihrem Reiter. So ist Eragon keineswegs begierig darauf, seinen Drachen zu reiten, und als er sich beim ersten Ritt blutige Schenkel holt, ist es mit seiner Lust aufs Reiten für eine ganze Weile vorbei. Von solchen Strapazen ist im Film überhaupt nicht die Rede, sondern dort ist das Drachenreiten ein Spaß, den Kinder wie in Disneyland erleben, wenn sie Achterbahn fahren.

Und der Drache ist eine Art zu groß geratenes Kuscheltier, das alle möglichen Annehmlichkeiten bietet. Erst ganz am Schluss, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, dass sie kämpft, darf sich Saphira in eine maßgeschneiderte Rüstung werfen und die Feinde angreifen. Sie erscheint uns wie eine Freundin und mütterliche Beraterin für den jungen Eragon. Brom ist ihr männliches Gegenstück, der aus dem bäurischen Landei Eragon einen Krieger und Magier macht.

Im Buch sind diese Rollen zwar ebenso verteilt, doch Brom ist noch weitaus strenger mit Eragon, als es Jeremy Irons im Film jemals erlaubt wäre. Und Saphira zeigt im Buch häufig ihre kämpferische Seite, wenn sie beispielsweise auf Urgals losgeht. Paradebeispiel ist ihre Schlacht vor den Toren von Farthen Dûr, als Eragon, Arya und Murtagh vor einer Horde von Urgal-Verfolgern fliehen.

Die Elfen

Sehr interessant fand ich immer, wenn Eragon etwas über die Elfen erfährt. Seine Neugierde entspricht der von Sam Gamdschie, der schon immer Elben sehen wollte. Brom erzählt ihm über dieses Volk, woher es kam, welche seine Fähigkeiten sind und warum es gegen die Zwerge und Drachenreiter Krieg führte. Zu Eragons Zeiten haben sich die Elfen in den hohen Norden zurückgezogen und sich hinter magischen Barrieren versteckt. Ihre Königin könnte Eragon einiges über seine Mutter Selena und seinen unbekannten Vater erzählen. In diesem Punkt unterscheidet sich Eragon von anderen Fantasyhelden: Er ist zwar als Vollwaise aufgewachsen, verdient diese Bezeichnung aber nur scheinbar, denn seine Mutter lebt wohl noch, ebenso wie sein – noch – unbekannter Vater.

Die Zwerge

Im Vulkanschlot von Farthen Dûr haben sich die Zwerge auf dem zentralen Burgberg eine schöne Stadt erbaut: Trondjheim. Das Gebirge ringsum ist mit Tunneln durchzogen, und sie können es von einer Seite bis zur anderen durch- bzw. unterqueren, ohne an die Oberfläche zu müssen. Dieses Zwergenreich entspricht dem alten Moria mit der Hauptstadt Zwergenbinge, bevor die Orks und der Balrog sie zerstörten, Jahrhunderte bevor die neun Gefährten dort eintreffen. Hrothgar, der aktuelle König Trondjheims, erzählt Eragon von vielen Schlachten, in einer Empfangshalle, in der die Statuen von vierzig Vorgängern stehen. Das Königreich der Zwerge ist alt, etwa 8000 Jahre, und Eragon könnte hier einiges über die Kriege gegen die Elfen und Drachenreiter erfahren. Leider hat er dafür zu wenig Zeit.

Ausblick

Am Schluss erfährt Eragon mit seiner Traumsicht von einem „traurigen Weisen“, der ihn zu sich ruft. Dieser Mann lebt am Meer, wahrscheinlich unweit der Elfenhauptstadt Ellesméra. Dorthin muss sich Eragon auf den Weg machen, will er sein Schicksal erfüllen und Alagaësia von dem Tyrannen Galbatorix befreien. Diese Geschichte wird in dem Roman „Der Auftrag des Ältesten“ erzählt.

Der Sprecher

Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie er es vermag, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass es ihm gelingt, die optimale Ausdruckskraft hervorzubringen. Schon in der ersten Actionszene, Durzas Überfall auf Arya, hört man ihn zischen und kreischen. Erstaunlich, dass diese Stimme Durzas ungefähr 900 Minuten später genauso klingt wie am Anfang. Ich vermute, dass die Durza-Szenen in einem Durchgang aufgenommen und später entsprechend der Chronologie geschnitten wurden.

Bei der Darstellung der zwei Zwerge Orik und Hrothgar gelingen Fröhlich weitere gute charakterisierende Effekte. Die Zwerge, so ist stark anzunehmen, sind kleinwüchsig und leiden daher unter Atemnot. Deshalb schnaufen und schnauben sie bei jeder Gelegenheit, spätestens aber nach jedem zweiten Atemzug. Außerdem sind ihre Stimmen die tiefsten innerhalb des gesamten Personals, wobei die von Hrothgar, alldieweil er der König ist, noch einen Tick tiefer und knurriger klingt als jene von Orik – Gimli bzw. John Rhys-Davis diente hierfür offensichtlich als Vorbild.

Wie schon aus dem Handlungsabriss ersichtlich ist, kommunizieren eine Reihe von Leute per Telepathie, natürlich auch Saphira. Fröhlich musste sich überlegen, wie man telepathisches Sprechen vom normalen Vokalisieren unterscheidbar machen konnte und kam mit seinem Aufnahmeleiter auf den Gedanken, diese Dialoge einfach mit Hall zu unterlegen. Der Unterschied ist technisch nicht aufwändig und der Hall verleiht der Telepathie einen Hauch Magie und Mystik, was ja auch recht passend ist. Weder Geräusche noch Musik waren dafür notwendig. Hall wird bei jedem Geist-Lesen eingesetzt, also dann, wenn die Kommunikation einseitig ist.

Der einzige Aussprachefehler, den ich als solchen bezeichnen könnte, besteht in „Alagäsia“. Wenn mich nicht alles täuscht, dann sieht das Original die Aussprache „Alaga-esia“ vor, denn auf dem „e“ befindet sich ein Trema-Zeichen: ë. Der Doppelvokal ae wird also nicht wie ä, sondern wie a-e ausgesprochen.

Die Verpackung

Die 17 CDs sind jeweils einzeln in einem Sleeve verpackt, welches mit Informationen bedruckt ist. Auf den ersten Sleeves sind die Inhaltsangabe (nicht die oben formulierte!) zu finden sowie Angaben zu Autor, Sprecher, und Ausführenden – und natürlich Werbung. Alle CDs sind einem schönen blauen Klappkarton untergebracht. Bei so viel Text ist ein Booklet natürlich überflüssig.

Unterm Strich

Dies sind also die Geschichten, die sich fünfzehnjährige Teenager abends auf der Wohnzimmercouch zusammenfantasieren. Paolini, der in Montana nie eine Schule außer der seiner Eltern besuchte, schrieb sein erstes Buch und verkaufte es dann im Selbstvertrieb auf Märkten und dergleichen. Erst als er schon die beachtliche Stückzahl von etwa zehntausend Exemplaren abgesetzt und eine Welle von Mundpropaganda in Bewegung gesetzt hatte, schlug der New Yorker Verlag |Alfred Knopf| zu, der nicht unbedingt für Fantasy bekannt ist.

Knopf gehört zum Random House-Medienimperium, das von |Bertelsmann| geleitet wird. In dieser Phase des Buchvertriebs wurde „Eragon“ zum weltweiten Phänomen. Das erklärt auch den erstaunlich geringen Preis von 19,90 Euro für die Leinenausgabe. Auch der Preis von knapp 40 Euro (bei amazon z. B. Sogar unter 25 €) für ein Hörbuch aus 17 CDs ist relativ niedrig. Er ist nur durch die hohen Stückzahlen zu erklären.

Erfolgsrezept eines Tolkienjüngers

Gegen Paolinis Erfolg ist nichts einzuwenden, denn er hat sich ihn mit einem guten Fantasyroman erschrieben. Der Autor erfüllt mit seinem Buch alle Anforderungen, die man an einen Tolkienjünger nur stellen kann. Er stellt den Kampf des Guten gegen das Böse dar und lässt das Gute obsiegen – vorerst. Er entfaltet einen tief gestaffelten Hintergrund, er auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Und er bietet uns schreckliche Schurken, gegen die sich viele Anhänger des Guten verbünden müssen, so dass klar wird, worin überhaupt das Gute besteht und wie es moralisch zu rechtfertigen ist, wenn die Guten zur Waffe greifen und andere Wesen töten.

Durza entspricht in vielen Wesenszügen Saruman, der vom Glauben an das Gute abgefallen ist und nun dem Bösen dient. Doch zuerst fällt Durza / Saruman, bevor Galbatorix / Sauron zu Fall gebracht werden kann. Durzas Schergen sind Razacs und seine Verbündeten die Urgals, beide unschwer als nahe Verwandte der Orks und Uruk-hai zu erkennen. Kaum einer von ihnen wird einer Namensgebung gewürdigt. Merke: Einen Gegner, der keinen Namen hat und kein Mensch ist, kann man viel leichter töten, weil es dagegen kaum Skrupel gibt.

Diese Schwarzweißmalerei ist für mich der Hauptgrund, solche Fantasien abzulehnen. Besonders dann, wenn sich der Held von seinem getöteten Gegner abwendet, ohne mit der Wimper zu zucken. Einzige Ausnahme: Eragon nach seinem Showdown gegen Durza. Hier rehabilitiert sich der Autor in meinen Augen für seine klischeebeladene Geschichte. Aber Eragon ist natürlich noch weit davon entfernt, ein zweiter Elric zu werden. Sein Schwert Zarok mag zwar fluchbeladen sein, doch es ist keineswegs ein Seelentrinker wie Elric von Melnibonés gieriges Schwert Sturmbringer.

Das Hörbuch

Das von Andreas Fröhlich ausgezeichnet vorgetragene Hörbuch wird in einer schönen Verpackung und Aufmachung geliefert, enthält zwar kein Booklet, doch auf den Hüllen abgedruckten Texte liefern umfassende Hintergrundinformationen. Wer die knapp 40 Euro für die 17 CDs berappt, erhält also ein schönes Produkt. Doch halt: Inzwischen gibt es ja das gleiche Hörbuch auf wenigen MP3-CDs, und das ist um zehn Euro günstiger. Das Gleiche gilt für die Fortsetzung „Der Auftrag des Ältesten“.

Originaltitel: Eragon – Inheritance Book One, 2003
Aus dem Amerikanischen von Joannis Stefanidis
1200 Minuten auf 17 CDs bzw. 3 MP3-CDs

http://www.eragon.de/
http://www.eragon-derfilm.de/

|Siehe ergänzend dazu unsere Rezensionen zu:|

[„Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1247 (Buchrezension von Dr. Maike Keuntje)
[„Eragon – Der Auftrag des Ältesten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1975 (Buchrezension von Dr. Maike Keuntje)
[„Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“]http://www.powermetal.de/video/review-977.html (Kinofilm-Besprechung von Michael Matzer)

[NEWS] Anne Jacobs – Zeit des Aufbruchs (Das Gutshaus 3)

So langsam scheint Ruhe im Gutshaus eingekehrt zu sein. Franziska hat ihre alte Heimat wiedergefunden und in Walter ihre große Liebe. Ihre Enkelin Jenny tut alles, um sich mit dem alten Anwesen eine Zukunft aufzubauen, und ist glücklich mit Uli, der neuen Schwung in seinen Bootsverleih gebracht hat. Aber so rosig ist leider nicht alles: Das neu eröffnete Restaurant läuft nicht richtig, und bei Bauarbeiten im Keller tritt ein Fund zutage, der längst Vergangenes wieder lebendig werden lässt. Franziska befürchtet, dass er etwas mit ihrer Schwester zu tun haben könnte. Und sie fragt sich: Wird ihre Vergangenheit sie niemals loslassen? (Verlagsinfo)


Lesung auf 2 MP3-CDs
Laufzeit: ca. 13:45 Std.
Sprecherin: Daniela Hoffmann
Random House Audio

 

[NEWS] Dirk Müller – Machtbeben: Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten – Hintergründe, Risiken, Chancen

Dirk Müller ist sich sicher: Wir stehen vor der nächsten Weltwirtschaftskrise und einer gigantischen Umverteilung. Ob China, Russland, Nordkorea, Naher und Mittlerer Osten oder USA und Europa – Müller erklärt in seiner gewohnt verständlichen Art Hintergründe, Zusammenhänge und Konsequenzen der aktuellen Konflikte. Klug und glaubhaft schildert er den voraussichtlichen Ablauf dieser kommenden Weltwirtschaftskrise. Er zeigt, welche Rolle Digitalisierung und Automatisierung spielen, wo die Zukunft des Geldes, der Arbeit und der Gesellschaft liegt, und gibt wertvolle Tipps, wie wir diesen Umbruch nicht nur unbeschadet überstehen, sondern auch noch davon profitieren können – aktuell und hochspannend! (Verlagsinfo)

2 MP3-CDs
Autorenlesung, ca. 12:10 Std.
Random House Audio

 

Wladimir Kaminer – Liebeserklärungen

Humorvolle Geschichten über die Liebe von einem charmanten Menschenversteher:

Nichts bietet mehr Stoff für Komik, Dramen und Hochgefühle als die Liebe. Egal, ob es um Teenager geht, die einen Rockstar anhimmeln, bis die Illusion vom coolen Held an der Realität zerschellt. Oder ob das perfekt geplante romantische Date daran scheitert, dass der Angebetene es dank einer Fußballübertragung schlicht verpasst. Aber natürlich gibt es auch Happy Ends und glückliche Verbindungen, die ein Leben lang halten. Von den zahllosen Facetten der Liebe weiß Wladimir Kaminer ein Lied zu singen – und viele Geschichten zu erzählen: witzig, staunend und immer mit liebevollem Blick für die Schwächen des menschlichen Herzens. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wladimir Kaminer ist mir natürlich schon lange ein Begriff – geradezu legendär ist schließlich seine „Russendisko“, eine Erzählungssammlung, die ihn in Deutschland bekannt und berühmt machte. Seitdem hat der Schriftsteller bereits eine ganze Reihe weiterer Bücher veröffentlicht und einige seiner Werke für die Hörbuchfassung jeweils auch selbst gelesen.

Wladimir Kaminer – Liebeserklärungen weiterlesen

[NEWS] Jeffery Deaver – Der Todbringer: Ein Lincoln-Rhyme-Thriller

Der Tatort, mit dem sich Amelia Sachs konfrontiert sieht, ist einer der schrecklichsten ihrer Karriere: In einem Juweliergeschäft wurden einem branchenberühmten Diamantenhändler sowie einem jungen Paar die Kehlen durchgeschnitten. Noch im Todeskampf hielten die Verliebten sich an den Händen. Der Killer macht offenbar Jagd auf Paare und lauert ihnen in ihren glücklichsten Momenten auf. Und er scheint fest entschlossen, auch alle Zeugen aus dem Weg zu räumen, die den Ermittlern Lincoln Rhyme und Amelia Sachs – selbst frisch verheiratet – helfen könnten, das Morden zu stoppen. (Verlagsinfo)

MP3-CD
Sprecher: Dietmar Wunder
Random House Audio

 

[NEWS] Brigitte Riebe – Die Schwestern vom Ku’damm. Wunderbare Zeiten

Berlin, 1953: Während für Rike – die älteste Schwester – das Kaufhaus an erster Stelle steht, interessiert die mittlere Schwester Silvie nur das Vergnügen. Das Kaufhaus läuft bestens. Rike bemüht sich, nur das Neueste vom Neuen anzubieten: Petticoats, Nylonstrümpfe und Waren, die sie nach dem Vorbild italienischer Mode fertigen lässt. Doch die Dynamik in der Familie hat sich verändert. Die Wunden des Krieges sind verheilt und die Männer weigern sich, die Geschäfte allein den Frauen zu überlassen. Erst als Florentine, die Jüngste, gegen alles und jeden rebelliert und die Familie zu entzweien droht, wird Silvie klar, dass auch sie Verantwortung übernehmen muss … (Verlagsinfo)

Lesung
2 mp3-CDs, Laufzeit: ca. 8h 20
Sprecherin: Stefanie Stappenbeck
Random House Audio

 

Taylor Adams – No Exit

Inhalt

In den Bergen von Colorado gerät die junge Darby Thorne in einen Schneesturm und sucht Zuflucht in einem Motel. Dort trifft sie auf eine Gruppe von Schutzsuchenden. Darby scheint in Sicherheit zu sein. Doch auf dem Parkplatz macht sie eine schreckliche Entdeckung: Im Fond eines Vans sieht sie ein gefesseltes Mädchen. Wie Eiswasser schießt die Erkenntnis durch Darby: Der brutale Täter muss unter den Anwesenden sein. Aber es gibt keine Verbindung nach außen, keine Fluchtmöglichkeit. Darby muss das Mädchen retten – und die Nacht überleben … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Darby sitzt mit vier weiteren Schneeopfern in einer verlassenen Raststätte fest – ja in einer Raststätte, nicht in einem Motel! Ich wüsste wirklich gerne wie die Inhaltsangaben bei den Verlagen zustande kommen.

Taylor Adams – No Exit weiterlesen

[NEWS] Andreas Pflüger – Geblendet (Jenny Aaron 3)

Eine adrenalingeladene Achterbahnfahrt durch die Finsternis und die gnadenlose Bilanz eines Lebens

Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron setzt alle Hoffnungen in eine Therapie, die ihr das Augenlicht zurückgeben soll. Doch die Männer, die im letzten Winter für sie starben, lassen sie nicht los. Aaron weiß, was sie ihnen schuldet und muss sich die Frage stellen, was wichtiger ist: ihr Augenlicht vielleicht wiederzubekommen oder die Abteilung, jene Spezialeinheit, der sie ihr Leben verschrieben hat, vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen? „Es ist niemals leicht” lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt mehr als je zuvor. Aber ist die Abteilung wirklich das, wofür Aaron sie immer hielt?

Nina Kunzendorf und Jenny Aaron – selten hat eine Stimme so gut gepasst. (Verlagsinfo)


Lesung
2 mp3-CDs, Laufzeit: ca. 13h 20
Sprecherin: Nina Kundenzorf

[NEWS] Robert Harris – München

September 1938 – in München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Im Gefolge des britischen Premierministers befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Er ist Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Die beiden verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen? (Verlagsinfo)

Lesung auf 1 MP3-CD
Laufzeit: ca. 7:58 h
Sprecher: Frank Arnold
Random House Audio

 

Austen, Jane – Northanger Abbey (Lesung)

_Ohne Grusel: langweilige Parodie auf den Schauerroman_

England um 1798: Die junge Catherine Morland wird in die Gesellschaft der Kurstadt Bath eingeführt und wird im Zuge eines Missverständnisses als wohlhabende Erbin angesehen. Sie ist eine leidenschaftliche Leserin von Schauer-Romanen und hofft darauf, dass ihr Leben auch einmal so aufregend sein wird wie das der Romanfiguren.

Sie verliebt sich in den faszinierenden jungen Gentleman Henry Tilney und macht die Bekanntschaft seiner Schwester Eleanor und Isabella Thorpes, die ebenso auf Schauerliteratur steht. Die Einladung zur schauerlichen alten Northanger-Abtei, in der die Tilneys wohnen, versetzt sie in helle Aufregung!

_Die Autorin_

Jane Austen (1775-1817), Tochter eines gutsituierten Landgeistlichen, wuchs mit einer Schwester und fünf Brüdern in der südenglischen Provinz von Hampshire auf. Da sie nicht heiratete, blieb sie trotz ihrer ausgezeichneten Bildung – der Konvention für ledige Frauen folgend – ein Leben lang an die Familie gebunden. Von 1801 bis 1809 lebte die Familie in Bath, das in „Northanger Abbey“ eine wichtige Rolle spielt. Es war der damalige Modekurort des Adels und des Großbürgertums. Die Sozialstudien, die sie unter den dort versammelten Familien betrieb, wurden richtungsweisend für ihre Romane.

|Werke:|

Lady Susan (1793, Fragment, erschienen 1871)
Northanger Abbey, 1. Fassung (1798, unveröffentlicht)
Sense and Sensibility (Verstand und Gefühl, 1811)
Stolz und Vorurteil (1813)
Mansfield Park (1814)
Emma (1816)
Northanger Abbey, 2. Fassung (1818)
Persuasion (1818)

_Die Sprecherin_

Fritzi Haberlandt, geboren 1975 in Berlin, feierte noch während ihrer Schauspielausbildung erste Bühnenerfolge mit dem amerikanischen Bühnenpionier Robert Wilson in Berlin und New York City. Ab 2000 erhielt sie mehrere Auszeichnungen. Zur Zeit, also 2004, ist sie am Hamburger Thalia-Theater fest engagiert, wo sie Frank Wedekinds „Lulu“ spielt. Sie trat in den Spielfilmen „Kal ist der Abendhauch, „Liegen lernen“ und „Erbsen auf halb sechs“ in beeindruckender Weise auf. Sie gewann sowohl den Bayerischen als auch den Deutschen Filmpreis.

Haberlandt liest eine gekürzte Fassung.

Regie führte Stefan Nickels in den d.c. Studios, Berlin.

_Handlung_

Catherine Morland wächst als eines von zehn Kindern eines relativ armen Landpfarrers in Wiltshire auf. Die Siebzehnjährige zeigt keinerlei Bemühungen oder Ansätze, geschweige denn Prädispositionen, eine Heldin zu werden. (Wie schade!) Allerdings beschäftigt sie sich weniger mit damenhaften als mit männlichen Beschäftigungen, doch ist sie sehr gut im Zeichnen, Schreiben, Lesen und Sticken – vom Bogenschießen mal abgesehen.

Als sie 17 Jahre alt ist, lässt sich ihre Mutter überreden, Catherine als Begleiterin ihrer freundlichen Nachbarn, der Landbesitzer Mr und Mrs Allen, auf ihren Besuch in die Kurstadt Bath mitzugeben. Dort will Mr Allen sechs Wochen ein kleines Zipperlein auskurieren. Bath, welch eine mondäne Atmosphäre im Vergleich zum ländlichen Wiltshire! Sogleich lassen sich Catherine und ihre Quasi-Gouvernante neue Kleider und Frisuren verpassen – man will ja nicht als Landei auftreten.

|In Bath|

Die ersten Tage vor Ort sind langweilig, da sie niemanden kennen und umgekehrt niemand sie kennt. Doch der Zeremonienmeister hat ein Erbarmen und stellt ihnen den adretten jungen Gentleman Henry Tilney vor, der sich wenigstens Catherines annimmt. Und als Mrs Allen ihre alte Schulfreundin Mrs Thorpe wiedersieht, findet Catherine in deren Tochter Isabella eine wahre Herzensfreundin. Zudem ist der Bruder John dieser Freundin ein Freund ihres eigenen Bruders James, der überraschenderweise ebenfalls in Bath weilt.

|Schauerromane|

Mit Isabella teilt Catherine ihre literarische Vorliebe für Schauerromane, angefangen von Ann Radcliffes „Die Geheimnisse von Udolpho“ aus dem Jahr 1794 über Radcliffes „Der Italiener“ von 1797 bis hin zu Matthew G. Lewis’ „The Monk“ aus dem Jahr 1796. In einem lebhaften Streitgespräch tauscht Catherine ihre Meinung mit dem ungestümen John Thorpe aus, doch aus dem Gespräch wird schnell ein Monolog Johns, der seine völlige Ahnungslosigkeit über das, was er da verzapft, offenbart. Aber wie könnte es ein Mauerblümchen wie Catherine es wagen, ihn zurechtzuweisen, noch dazu vor seiner Schwester? Dennoch hat sie einen schlechten Eindruck von diesem Prahlhans. Sie wird sich noch wundern, wozu er fähig ist. So beleidigt er seine eigene Mutter, eine Witwe, als „alte Hexe“.

|Ausfahrt|

An einem Ballabend sieht Catherine endlich Henry wieder. Er hat seine Schwester Eleanor mitgebracht, zu der Catherine sofort eine Zuneigung fasst. Sie verabreden sich zu einem gemeinsamen Spaziergang am nächsten Mittag. Doch als Catherine am nächsten Morgen bang aus dem Fenster schaut, droht ein Regenguss. Werden die Tilneys dennoch kommen? Aber gerade als es wieder sonnig wird, fährt eine Kutsche vor: John Thorpe, Isabella und James laden Catherine ein, nach Bristol zu fahren. Catherine lässt sich schweren Herzens überreden, denn es ist ihr zuwider, ein Versprechen zu brechen. Doch die Aussicht, ein richtiges Schloss besichtigen zu können, stimmt sie um.

Kaum rollen sie durch die Stadt, als sie auch schon die beiden jungen Tilneys erblickt. John Thorpe hat sie angelogen, als er sagte, sie wären in die andere Richtung gefahren, der Schuft! Er lacht bloß. Und das Schloss ist auch nicht schaurig. Wenigstens erhält sie schon bald im Theater Gelegenheit, sich bei Henry und Eleanor zu entschuldigen. Schon wieder fällt ihr John Thorpe auf. Der redet mit dem Vater der Tilneys, einem verwitweten General. Gleich darauf bekommt Catherine vom General das Kompliment übermittelt, sie sei das reizendste Mädchen in der Stadt. Oder hat John wieder mal geflunkert?

|Verliebt!|

Zwei Tage teilt Isabella der überraschten Catherine mit, sie habe sich in ihren Bruder James verliebt und erhoffe die Verlobung. Als James’ Eltern ihm ihre Erlaubnis erteilen, ist Isabella selig. John Thorpe zögert seinerseits auch nicht und scheint Catherine so etwas wie einen Antrag zu machen, nur wird er nie ganz deutlich. Aber sie hat den leisen Verdacht, er wolle sie wegen ihres Geldes heiraten. Welches Geld denn?

Die Tilneys stellen ihr Henrys Bruder, Hauptmann Frederick, vor und laden sie ein, mit ihnen auf Northanger Abbey ein paar Wochen zu verbringen. Erst wundert sich Catherine über die charmante Freundlichkeit des Generals, doch die Aussicht, eine richtige alte Abtei zu sehen, lässt sie begeistert zustimmen. Auch die Allens haben nichts dagegen, doch schon wieder macht John Thorpe Wirbel: Er verbreitet, er habe um Catherines Hand angehalten. Und obendrein scheint sich Isabella von ihrem Bruder James ab- und Frederick Tilney zuzuwenden. Wenn das kein Verrat ist!

Nur die Aussicht auf Northanger Abbey hält Catherine aufrecht. Endlich wird ihr Leben zu einem Roman und sie darin die Heldin spielen! Doch es soll alles ganz anders kommen …

_Mein Eindruck_

Die Autorin Jane Austen ist bekannter für ihre sogenannten Beziehungs- oder Gesellschaftskomödien wie etwa „Emma“. Aber sie war eine kluge und energische Pfarrerstochter, die den Stand der verarmten Landjunker gut kannte und mit dem Stand, dem Catherine Morland, aus eigener Anschauung vertraut war: dem der Landpfarrer. Mit „Northanger Abbey“ schrieb Jane Austen in zwei Anläufen – 1798 und 1816 (veröffentlicht posthum 1818) – eine Parodie auf die Welle von Schauerromanen, die die Jugend in ihren Kreisen zu verderben schien.

|Der Schauerroman|

Der Schauerroman oder richtiger „Gothic Fantasy“ entstand in wesentlicher Form mit Hugh Walpoles „Die Burg von Otranto“ anno 1765. Darin sind bereits die wesentlichen Elemente zu finden, die in jedem Schauerroman vorhanden sein müssen: 1.) Wie schon im Titel zu finden, muss es ein Gebäude voller Geheimnisse und Geschichten geben, entweder eine Burg oder eine Abtei. 2.) Zweitens tritt ein Held auf – nicht unbedingt der Erzähler, sondern ein Mitspieler – der herausfindet, dass auf seiner zum Untergang verdammten Familie ein uralter Fluch liegt, der aufgrund eines vergangenen Unrechts auf ihr lastet. 3.) Nun kommt es darauf an, den Fluch von der Familie – und somit auch von dem Gemäuer – zu nehmen. Dieser Versuch endet meist mit dem tragischen Tod der Hauptfigur, erlöst aber seine Nachkommen derart, dass ihnen eine befreite Zukunft beschieden ist. Zu diesen Nachkommen zählt in aller Regel eine unschuldige junge Frau, die es zu retten gilt.

1777 bis 1798 gab es eine wahre Welle von Schauerromanen, die schließlich 1820 mit „Melmoth the Wanderer“ einen vorläufigen Abschluss fand, bevor die beiden Brontes das Schauerelement in ihren Romanen „Wuthering Heights“ und „Jane Eyre“ in den Mainstream integrierten und somit aufhoben. Erst Stevenson, Wilkie Collins, Bulwer-Lytton und andere belebten das Genre wieder gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Jane Austens Roman „Northanger Abbey“, den sie erstmals 1798 schrieb und 1816 überarbeitete, ist also eine direkte Reaktion auf die Gothic-Welle. Als rationalistische Aufklärerin hatte sie für das romantische Geraune der Gothic-Autoren überhaupt nichts übrig und machte sich daran, deren fantastische Konstrukte komplett auseinanderzunehmen.

|Der erste Teil|

Der erste Teil von „Northanger Abbey“ stellt uns eine schwärmerische Heldin vor, die noch nichts von ihrem Schicksal ahnt, aber zu gerne in eine Schauermär verwickelt werden würde. Alle Bedingungen für ein solches Drama scheinen gegeben, wenn es nach ihr geht, als sie in Isabella Thorpe eine Schwester im Geiste kennenlernt und mit den Tilneys die Bekanntschaft einer Familie macht, die ein düsteres Geheimnis zu verbergen scheint: die Ursachen für den Tod der Mutter.

Obendrein wirkt mit John Thorpe ein zu allerlei egoistischem Schabernack aufgelegter böser Geist, der beispielsweise dafür sorgt, dass die nichtsahnende Catherine für eine reiche Erbin gehalten wird. Kein Wunder also, dass der verwitwete General in ihr für seinen Sohn, den Landpfarrer Henry, eine höchst attraktive Partie erblickt und ihr großzügig einen Aufenthalt auf seinem titelgebenden Familiensitz einräumt.

|Der zweite Teil (ab Kapitel 16)|

Die schwärmerische Erwartung Catherines, deren Phantasie von ihren Schauerromanen geprägt ist, wird aufs Lächerlichste enttäuscht: Die vermeintliche „Beichte einer armen Seele“, die sie der widerspenstigen Truhe so hartnäckig abgerungen hat, entpuppt sich als – simple Wäscheliste.

Nicht genug damit, so wird sie bei ihrer nächsten Unternehmung auch noch zur Rede gestellt und ausgerechnet von ihrem angehimmelten Henry streng getadelt, als wäre sie eine Kriminelle. Er hat ja recht: Was gibt ihr das Recht, Mutters Tagebuch zu klauen? Offenbar sind in ihren Schauerromanen einige „unwichtige Details“ einfach weggelassen worden, wie zum Beispiel das Besitzrecht.

|John Thorpe|

Aber sie ist nicht die Einzige, die es mit der Wahrheit und anderen Idealen nicht so genau nimmt. Wie schon zu Beginn ist auch jetzt noch John Thorpe im Hintergrund tätig. Aus Rache für Catehrines vermeintliche Zurückweisung seines angeblich vorgebrachten Heiratsantrags nimmt er weder Rücksicht auf Wahrheit noch auf guten Ruf und zerstört so in General Tilney die Illusion, Catherine sei die reiche Erbin der Allens.

Der erboste General sieht sich getäuscht und wirft Catherine wütend hinaus: mittellos und ohne Gefährt, den Unbilden der Natur ausgesetzt. Nur der guten Eleanor verdankt sie einen fahrbaren Untersatz und das Geld für ein Ticket. Das Grauen hat durchaus einen Namen und der heißt mutwillige Täuschung.

|Isabella|

Auch Isabella, ihre Schwester im gruseligen Geiste, muss die Realität auf die harte Tour erfahren. Als sich Catherine von Isabella Thorpe verabschiedet, schien die Verlobung mit ihrem Bruder James Morland bereits so gut wie besiegelt. Dass sich nun Isabellas Herz zu rasch wandelt und sie den zwielichtigen Frederick Tilney vorzieht, erscheint Catherine wie auch Eleanor als „charakterlos“.

Auch Isabella ist wie ihr Bruder John hinter dem schnellen Rubel her statt ein Versprechen zu halten. Die Verlobung wird von James natürlich aufgelöst. Dass Isabella später dennoch schreibt, sie halte an James fest, erscheint Catherine wie der blanke Hohn. Catherine kann Isabellas Schwanken in Herzensangelegenheiten nicht verstehen; es ist Beleg für ihr eigenes schwärmerisches Denken, das sich selbst genug ist und lieber dem Geld hinterherläuft als ein Versprechen einzuhalten.

|Vergebung|

Der Vorzug der Erlösung wird nur der Heldin zuteil. Klar, dass man uns ihr Schicksal nicht vorenthalten darf. Die Missverständnisse klären sich auf, man entschuldigt sich und versöhnt sich miteinander. Ein Jahr nach dem Aufenthalt auf Northanger Abbey sind Catherine und Henry ein Paar, das friedlich und sicher auf seiner Pfarrei in Woodston lebt. Der Fluch, der auf den Tilneys lag, er existierte nicht und wenn doch, dann höchstens in Catherines Einbildung.

Obwohl die Sache für Catherine doch noch gut ausgeht, so ist doch die Kritik der Autorin an der Wirkung der übermäßigen Schauerlektüre nicht zu übersehen. Herzensbildung ist die eine Komponente sozial angemessenen Verhaltens, aber Vernunft eben die nötige zweite. Und daran mangelt es fast allen Figuren um Catherine herum, mit Ausnahme von Henry und Eleanor Tilney. Die Autorin zeigt, wie messerscharf sie in Bath die Sitten und Gebräuche studiert hat, vor allem die Mode der Gothic Fantasy.

_Die Sprecherin_

Die bekannte Schauspielerin müht sich redlich, dem sperrigen Text (der eh schon gekürzt wurde) Leben einzuhauchen. Doch die altertümliche Diktion vom Anfang des 19. Jahrhunderts und die Vielzahl der Figuren verwirren den Hörer eher als ihn zu unterhalten. Der feine ironische Humor, der bei der Austen allenthalben zu finden ist, kommt so leider kaum zum Tragen. Vor lauter Konzentration auf das Verständnis entgeht dem Hörer viel von den Beziehungen zwischen den Figuren, die die primäre Aussagekraft des Textes stützen.

Natürlich kommt es zu denkwürdigen Szenen, so etwa der seltsame Heiratsnatrag John Thorpes und die Szene, in der Catherine tatsächlich Lady Tilneys Tagebuch klauen will und Henry sie zur Rede stellt. Doch auch hier tut sich Haberlandt schwer, die Figuren durch Stimmhöhe und Redeweise zu charakterisieren. Vielleicht wäre dies einem männlichen Sprecher besser gelungen, etwa Simon Jäger.

Zudem scheint Haberlandt nicht mit einem tiefen Verständnis des Englischen oder einer näheren Bekanntschaft mit England gesegnet zu sein. Deshalb spricht sie englische Ortsnamen so aus, wie man das im Deutschen tun würde, aber niemals im Englischen. Zwei Beispiele dafür sind die Orte Putney (sie spricht U statt A) und Salisbury (ä statt °a).

Die Lesung ist weder mit Geräuschen noch mit Musik unterlegt, so dass ich darüber keine Worte zu verlieren brauche.

Ich sollte jedoch erwähnen, dass die CD-Hüllen mit diversen, hilfreichen Informationen bedruckt sind.
– über Jane Austen
– über Fritzi Haberlandt
– kurzer Handlungsabriss
– Mitwirkende / Credits

Wie man sieht, erfährt man hier nichts über den englischen Schauerroman. Deshalb habe ich oben ein wenig mehr darüber geschrieben.

_Unterm Strich_

Dies ist keine romantische Komödie, sondern vielmehr die Parodie des Schauer-Genres, doch eine kluge Autorin wie Jane Austen fädelt nicht nur das, was noch kommen soll, sorgfältig ein, sondern stellt auch bereits die Erwartungen des Zuhörers infrage. Sie tut dies sehr subtil, fast schon zu subtil, um sofort als Kritik erkannt zu werden. Im zweiten Teil ab Kapitel 16 zeigt sich die Kritik deutlicher.

Catherine findet keine Familie mit einem Fluch, sondern eine mit einem echten Trauma, nämlich dem Tod der Mutter. Sie findet keinen fiesen Abt, der den letzten Spross des Geschlechts ins Unglück treibt, sondern einen wütenden General, der von John Thorpe mutwillig getäuscht wurde und nun seinen Frust an der unschuldigen Catherine auslässt.

Wenn man der Siebzehnjährigen eines vorwerfen kann, so ist es ein eklatanter Mangel an sozialem und psychologischem Einfühlungsvermögen sowie an gesundem Menschenverstand. Dass es verantwortungslose Rüpel wie John Thorpe geben kann, scheint sie immer wieder zu verblüffen. Sie muss es mit einem Rauswurf bezahlen und der Angst um ihre erste Liebe.

|Das Hörbuch|

Die Lesung ist alles andere als mitreißend, wofür aber die Autorin nichts kann. Man muss dieses schöne Beispiel aufklärerischer Komödie und kritischer Parodie eben richtig auf die spannenden Szenen hin inszenieren, wie es etwa der Verlag Titania Medien getan hat. Fritzi Haberlandt gelingt es nicht, die Figuren zum Leben zu erwecken, denn sie sind weitgehend ununterscheidbar.

Nur wer viel Geduld mitbringt, vermag dem erfolgreichen Text in dieser Fassung etwas abzugewinnen. Doch dafür ist die Jugend von heute viel zu ungeduldig: Die Konditionierung durch Werbung und MTV-Clips trägt ihre Früchte. Dass Haberlandt viele englischen Ortsnamen nicht korrekt aussprechen kann, hat mich etwas enttäuscht. Jemand hätte ihr dabei helfen sollen.

|6 Audio-CDs mit einer Spielzeit von 420 Minuten
Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Ott
Gelesen von Fritzi Haberlandt
ISBN-13: 978-3866048010|
[www.randomhouse.de/randomhouseaudio]http://www.randomhouse.de/randomhouseaudio

Gerritsen, Tess – Blutmale

_Blutiger Okkultthriller: Angriff des Nephilim_

An Heiligabend wird in einem Bostoner Stadtteil die zerstückelte Leiche einer jungen Frau gefunden. Der Täter hat die Polizei selbst gerufen. Alles weist auf ein satanistisches Ritual hin, so etwa das lateinische Wort für „Ich habe gesündigt“ und drei umgedrehte Kreuze. Eve Kassovitz muss sich bei diesem Anblick übergeben, was ihr einige Sticheleien der männlichen Kollegen einbringt. Pathologin Maura Isles stellt zu ihrem Erstaunen fest, dass die gefundene linke Hand nicht zu dieser Leiche gehört, sondern zu einer, die sie noch finden müssen.

Wenige Tage später ist auch Eve Kassovitz tot, und in ihrer Nähe sind drei umgedrehte Kreuze an eine Tür geschmiert. Die Tür gehört zur Luxusvilla von Anthony Sansone, der eine „Mephisto-Stiftung“ leitet, die sich nach eigenen Angaben der internationalen Verbrechensbekämpfung widmet. Doch Jane Rizzoli traut ihm ebenso wenig wie Maura Isles, die von Sansones bohrendem Blick eingeschüchtert wird. Und Janes Mann kann partout nichts über Sansone herausfinden. Er hat offenbar mächtige Beschützer …

_Die Autorin_

Tess Gerritsen war eine erfolgreiche Internistin, bevor sie mit dem Medizinthriller „Kalte Herzen“ einen großen Erfolg errang. Es folgten mehrere mittelmäßige Thriller wie „Roter Engel“, die durchaus spannend zu unterhalten wissen.

Mit dem Bestseller „Die Chirurgin“ ist ihr auch der Durchbruch in Deutschland gelungen, denn dieser Thriller ist noch eine ganze Klasse härter: Der Mörder entfernt seinen weiblichen Opfern die Gebärmutter. Die Fortsetzung trägt den Titel „Der Meister“, und „Todsünde“ ist der dritte Roman mit Detective Jane Rizzoli vom Boston Police Department. „Body Double“ trägt in der Übersetzung den treffenden Titel „Schwesternmord“. „Blutmale“ ist der sechste Roman in ihrer Serie um Detective Jane Rizzoli und die Rechtsmedizinerin Dr. Maura Isles.

Gerritsen lebt mit ihrem Mann, dem Arzt Jacob Gerritsen, und ihren beiden Söhnen in Camden, im US-Bundesstaat Maine.

|Tess Gerritsen bei Buchwurm.info:|

[„Scheintot“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3913
[„Schwesternmord“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1859
[„Todsünde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=451
[„Der Meister“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1345
[„Die Chirurgin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1189
[„Akte Weiß: Das Geheimlabor“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2436
[„Roter Engel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1783

_Die Sprecherin_

Mechthild Großmann, geboren in Münster, spielte u. a. in Bremen, Stuttgart und Bochum Theater. Seit 1979 ist sie in Produktionen des weltberühmten Wuppertaler Tanztheaters von Pina Bausch in verschiedenen Schauspielrollen zu sehen. Sie drehte mit Fassbinder und spielte in zahlreichen Kino-und TV-Produktionen. Seit 2002 ist sie als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im Münsteraner „Tatort“ zu sehen. Ihre tiefe unverkennbare Stimme prägte bereits mehrere Audioproduktionen bei Random House Audio.

Die Aufnahme der Hörbuchfassung von Edgar Weiß leitete Ergin Music, Hamburg, unter der Regie von Sabine Buß.

_Handlung_

|PROLOG|

Als der Archäologe Montague Saul zu Grabe getragen wird, nehmen dessen Bruder Peter und seine Frau Amy den Halbwaisen bei sich auf, denn dessen Mutter, Montagues Frau, scheint sich nicht um ihn zu kümmern, wie der fünfzehnjährige Junge erhofft. Mit gefühllosem Interesse beobachtet der Junge, der nun in eine neue Familie kommt, seinen elfjährigen Cousin Teddy, einen Bücherwurm, und seine sechzehnjährige Cousine Lilly, die ihn ganz besonders genau mustert.

Als Lily sich mit ihren Freundinnen auf dem Rasen hinter dem Haus sonnt, bemerkt sie befremdet, wie ihr neuer „Bruder“ die halbnackten Mädchen ungeniert betrachtet. Als sie ihn zur Rede stellt, zeigt er weder Scham noch Reue. Stattdessen entdeckt sie bei ihm das „Ägyptische Totenbuch“, in dem es um Tote und Gräber geht. Ein seltsamer Typ, ihr Cousin. Als er behauptet, darin stünden Zaubersprüche, mit denen man Tote zum Leben erwecken könne, schaut sie ihn nur mitleidig an und geht wieder, während ihre Freundinnen spöttisch kichern.

Als sie weg sind, durchsucht er Lillys Zimmer und besorgt sich ihre Haare aus der Bürste. Als alle zum Eisessen fort sind, bleibt er als Einziger daheim und entdeckt in Peters Arbeitszimmer eine Pistole, offenbar ein Erbstück. Er legt sie zurück. Niemand darf etwas merken. In der Nacht träumt er von seiner Mutter, die ihn „den Auserwählten“ nennt. Sie habe ihn die richtigen Rituale ihrer Jahrtausende alten Sippe gelehrt und er solle sie üben.

In der Vollmondnacht des 1. Augusts schlachtet er nackt eine Ziege im Wald und wäscht sich im nahen See. Als er zurückkehrt, erwartet ihn Lilly auf dem Rasen und will wissen, was er getrieben hat. Als er behauptet, nackt im See geschwommen zu haben, und er sie an der Taille berührt, haut sie ihm eine runter. Diese Demütigung soll sie ihm büßen. Sie und ihre ganze dämliche Familie …

|Haupthandlung|

Die Pathologin Dr. Maura Isles war gerade in einem katholischen Weihnachtsgottesdient, den der von ihr heimlich geliebte Polizeipfarrer Daniel Brophy zelebrierte, als sie einen Anruf von der Mordkommission des Bostoner Police Department (BPD) erhält. Als sie am Tatort eintrifft, wird sie bereits von Detective Barry Frost vorgewarnt. Es sei ziemlich schlimm. Sie sieht, wie sich Detective Eve Kassovitz vor der Haustür in den Schnee übergibt. Drinnen ist es in der Tat schlimm. Die Schlafzimmerwände sind völlig blutbespritzt. Detective Jane Rizzoli bemerkt überflüssigerweise: helles arterielles Blut. Will heißen: Das Opfer war nur bewusstlos und lebte noch, als ihm der Täter die Kehle durchschnitt.

Der Täter war gründlich: Er trennte den Kopf ebenso ab wie einen Arm und eine Hand. Die Hand hat Isles zu ihrem Schreck bereits auf dem Esszimmertisch unter einer Serviette entdeckt. Der Tisch ist für vier Personen gedeckt – in einem Single-Haushalt … Der Kopf liegt auf dem Boden in einem roten Kreis, in dem fünf schwarze Kerzen stehen. Das Opfer heißt Laurie Ann Tucker und arbeitete im Naturwissenschaftlichen Museum. Ein Nobody. In ihrem Spiegel steht das in Spiegelschrift geschriebene Wort „PECCAVI“. Auf Latein bedeutet es „Ich habe gesündigt“.

Das Telefon klingelt. Wieso klingelt es mitten in der Nacht? Frost geht ran – aufgelegt. Eine Bostoner Nummer, die Rizzoli sofort anwählt: keine Antwort. Sie wählt die Nummer, die davor im Speicher des Telefons abgelegt wurde. Es ist der Anschluss von Dr. Joyce P. O’Donnell. Wie interessant! Ein Vampir …

Rizzoli und Frost fahren sofort hin. Die Neuropsychiaterin O’Donnell vertritt als Gutachterin Serienmörder, deshalb ist Rizzoli nicht gut auf sie zu sprechen. O’Donnell behauptet, von nichts zu wissen, da sie bei einem Freund war, sie will aber nicht sagen, wer dieser Freund ist. Verdächtig. Und den Anruf des Unbekannten habe sie leider schon gelöscht, da er keine Botschaft hinterließ. O’Donnell macht sich einen Spaß daraus, Rizzoli aufzuziehen und offenbart, was sie alles über Rizzolis Privatleben weiß. Als Rizzoli wütend geht, ist sie überzeugt, dass O’Donnell lügt. Was, wenn sie den Killer nach dem Anruf traf? Zuzutrauen sei es ihr. Wahrscheinlich wollte ihr der Killer ein Präsent machen, als Zeichen seiner Verehrung.

Maura Isles entdeckt, dass die linke Hand vom Esstisch nicht zur Leiche von Tucker passt. Ergo muss sie zu einer anderen Leiche gehören, die noch zu finden wäre. Die Fingerabdruckfahndung ergibt nichts. Aber wo ist Tuckers eigene Hand? Diese Frage wird beantwortet, als Isles tags darauf zu einer Luxusvilla in einer Nobelgegend gerufen wird. Man habe die Leiche von Detective Eve Kassovitz gefunden. Kassovitz erhielt einen Stich direkt ins Herz, der Täter schnitt ihr die Augenlider ab. Auf der Hintertür der Villa finden sich wieder drei umgedrehte Kreuze und ein Augensymbol, das zu Eves eigenen Augen passt. Wie sich herausstellt, ist es das „allsehende Auge des Horus“, des altägyptischen Sonnengottes. Und Tuckers vermisste Hand findet sich in einem Beutel darunter.

Doch was soll diese ganze Inszenierung? Und was hatte die Polizistin hier zu suchen? Rizzoli vermutet, dass sich Kassovitz profilieren wollte, um die Schmach des Kotzens an einem Tatort wieder auszugleichen. Deshalb sei sie O’Donnell ohne Kollegen zu diesem Haus gefolgt, was sich als verhängnisvoll erwies. „Dieses Haus“ – das ist die Villa von Anthony Sansone, wo die Psychologin an einer Dinnerparty teilnahm. Der Butler tritt aus der Tür und lädt Isles im Namen seines Herrn zu einem Kaffee ein.

Wie Isles feststellt, ist Anthony Sansone ein Mann von großem Charisma. Er blickt sie mit bohrendem Blick an, als er versucht, sie auszufragen. Er weiß sehr viel über die beiden Fälle. Offenbar hat er viele Quellen. Er erzählt nur sehr wenig von dem Klub, den er leite und der sich der internationalen Verbrechensbekämpfung widme. Das Böse trage viele Masken, doziert er, und die meisten seien freundlich. So wie die seines venezianischen Vorfahren aus dem Jahr 1561: Antonino sei zwar ein Priester gewesen, habe aber Schreckliches getan, das man durchaus als „böse“ bezeichnen könne. Rizzoli findet heraus, dass Sansone eine 1905 gegründete „Mephisto-Stiftung“ leitet, und Mephisto war bekanntlich ein Diener Satans. Na, toll.

Als Maura Isles die Leiche der unglücklichen Eve Kassovitz obduziert, stößt sie in ihrer Kehle auf etwas, das man dort hineingesteckt hat: eine Muschel. Pisania maculosa, so der Experte, komme vor allem bei den Azoren und im östlichen Mittelmeer vor. Rizzoli fällt auf, dass auch die rote Farbe, die bei Tucker für den Kreis verwendet wurde, ein seltener Ockerton war, den es nur in Südzypern gibt. Und das Auge des Horus führt ins nahe Ägypten. In Rizzolis Kopf beginnt sich ein Bild zu formen …

Aber wo kam Tuckers fremde Hand her? Die Antwort auf diese Frage erreicht Rizzoli aus dem Ort Purity, der im oberen Staat New York liegt. Rizzoli fährt mit Maura Isles hin. Isles hat nach einer Liebesnacht mit Daniel Brophy einige unheilvolle Symbole an ihrer Haustür gefunden und ist sehr nervös. In Purity stößt Anthony Sansone zu ihnen, und Rizzoli wundert sich abermals, wie es dieser Mann schafft, über alles an diesem Fall auf dem Laufenden zu sein. Ein Polizist öffnet ihnen das Haus, in dem die Leiche von Sara Palmley gefunden wurde. Das Schlafzimmer sieht, wieder mal, wie ein Schlachthaus aus. Sara musste lange leiden, bevor sie sterben durfte. Wozu hat der Mörder sie gefoltert? Was wollte er wissen?

|Florenz / Siena / Rom|

Seit acht Monaten ist Lily Saul auf der Flucht. Sie bleibt an keinem Ort, an dem sie als Fremdenführerin oder Antiquariatsverkäuferin arbeitet, länger als drei Monate. In Siena konnte sie gerade noch rechtzeitig vor einem Schatten fliehen, der sich in ihrem Zimmer aufhielt, das sie in einem viertklassigen Hotel der Innenstadt genommen hatte. Nun ist sie in Rom angekommen, verdient gutes Trinkgeld mit den Touristen, denen sie die Unterwelt Roms zeigt. Bis heute. Am Ausgang der Basilika stehen drei Männer, die sie professionell einkreisen. Verdammt, er hat sie gefunden! Aber es gibt kein Entkommen …

_Mein Eindruck_

In ihrem neuesten Thriller wendet sich die Autorin an ein neues Publikum. Es ist fast das gleiche Publikum, das sich für Dan Browns [„Sakrileg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1897 begeistern konnte und nun nach weiteren mystischen Erfahrungen in der von der Bibel kolportierten Geschichtsschreibung sucht. Und dies bedeutet im Klartext: die Kreationisten.

|Kreationismus|

Unter Kreationismus versteht man in den USA – und zunehmend auch in Europa! – die an Schulen und Universitäten verbreitete Lehrmeinung, dass die Geschichte der Welt, wie sie die Bibel darstellt, die Wahrheit ist und das, was Darwin lehrt, nur ein Irrglaube. Um die Evolutionstheorie zu widerlegen, lassen sich dozierende Kreationisten einiges einfallen. Dieser Unsinn soll hier nicht weiter ausgebreitet werden. Es genügt zu sagen, dass man in den USA diese Glaubensrichtung der fundamentalistischen Christen ernst nehmen muss. Sie verbannen Bücher aus den Bibliotheken, errichten kreationistische Freizeitparks und verdrehen auch sonst jede Menge Köpfe.

|Nephilim|

Die Autorin kommt den Kreationisten scheinbar entgegen, indem sie die Idee von den Nephilim aufgreift, zu denen sich der Killer im Hause Saul und in Boston rechnet. Die Nephilim werden im Buch Genesis (Kap. 6, Vers 2-4), im apokryphen Buch Henoch, bei Jesaja und im Buch der Jubiläen erwähnt. Diese Quellen zitiert Lily im Verlauf der Handlung. Die Nephilim sind die Wächter, die über die sündhaften Menschen wachen. Sie sind zum Beispiel für die Opferung des im Buch Mose erwähnten Sünden-Bocks zuständig, der, beladen mit den Sünden der Israeliten, in die Wüste geschickt wird, um dort den wilden Tieren und den Wächtern zum Opfer zu fallen. Dies ist, wie Rizzoli und Isles herausfinden, der Grund, warum in Purity Ziegen verschwanden – der Nephilim hat sie geopfert. Wohin er auch kommt, hinterlässt er sein Zeichen: einen dreieckigen gehörnten Kopf mit den Schlitzaugen einer Ziege, manchmal mit einer Sense in der Hand.

|Die Wächter|

Doch woher nehmen die Nephilim das Recht, über die Menschen zu wachen und zu richten? Im Buch Genesis heißt es, sie seien die Kinder, die aus der Verbindung zwischen Engeln des Herrn mit Menschenfrauen hervorgegangen. Wohlgemerkt: Es handelt sich natürlich um gefallene Engel. Durch ihre engelhafte Abstammung beanspruchen sie eine höhere Stellung als die gewöhnlichen Menschen, die ständig Sünden begehen. Wenn ein Nephilim einen Menschen tötet, so ist dies in seinen Augen kein Verbrechen, sondern ein Dienst an Luzifer (dem „Lichtbringer“) und am Obernephilim Azazel: Das Sündige wird ausgemerzt. Daher auch der lateinische Spruch „PECCAVI: Ich habe gesündigt.“ Die drei umgedrehten Kreuze sind die von Golgatha, wo Jesus neben zwei anderen Sündern gekreuzigt wurde. Die Invertierung markiert die Kreuze als Satan geweiht.

|Die Darstellung|

Dieses ganze System präsentiert die Autorin als routinierte Erzählerin natürlich nicht geballt, denn das wäre viel zu langweilig und unglaubwürdig. Rizzoli fungiert als Stimme der Vernunft und zweifelt grundsätzlich alles an, was ihr Anthony Sansone und Lily Saul in dieser Hinsicht auftischen. Lily ist überzeugt, dass ihr Cousin, der Killer, kein Mensch sei, und da sie sich diesbezüglich mit Sansone einig ist, schließt sie sich den Dämonenjägern der Mephisto-Stiftung an. Sie ist die letzte ihrer Familie, die letzte, die sich an die Vorgänge vor zwölf Jahren erinnert.

Rizzoli bleibt trotzdem auf dem Teppich, denn das Gesetz kennt nur Menschen, keine Engel oder Dämonen. Dass Rizzoli auch nicht an Verschwörungstheorien glaubt, wird ihr allerdings um ein Haar zum Verhängnis. Angeblich um Lily vor dem Killer in Sicherheit zu bringen, schafft sie Lily in eine von Edwina Falway, Sansones Stiftungskollegin, empfohlene Berghütte. Dort findet unversehens der Showdown statt, denn die Berghütte stellt sich als raffiniert aufgestellte Falle heraus. Der Leser bzw. Hörer erlebt hier einige hübsche Überraschungen. Zum Beispiel, dass Lily gleich in zweifacher Hinsicht heldenhaft handeln kann.

|Biblische Ideologie|

Nephilim, Kreationisten, Golgatha – was soll der ganze Zinnober? An der Schnittstelle zwischen Kreationismus und mystisch verbrämter Bibelhistorie à la „Sakrileg“ greift die Autorin ein düsteres und obskures Kapitel in der Bibel heraus, um meiner Meinung nach zu zeigen, dass sich mit dem entsprechenden geistigen Rüstzeug jeder Psychopath erzeugen und lenken lässt.

Immer wieder schreibt der fünfzehnjährige Saul-Neffe (sein Name soll hier nicht verraten werden), wie sehr ihn seine Mutter ausgebildet und geprägt hat. Mit zehn Jahren musste er beispielsweise seine erste Ziege schlachten, dann kamen viele weitere Rituale hinzu. Dass er den ganzen Nephilim-Mumpitz – „Du bist der Auserwählte“ – nun verinnerlicht hat, verwundert nicht.

|Werdegang eines Nephilim|

Uns durch sein Tagebuch Einblick in seine Seele zu gewähren und so verstehen zu lassen, ist ein trickreicher Schachzug der Autorin. Ein Junge, der goldblond und blauäugig ist – würden wir ihm nicht ebenfalls vertrauen, ihm niemals die Morde zutrauen, die er begeht? Wie Sansone nicht müde wird zu erwähnen: Das Böse kann ein freundliches, schönes Gesicht haben. Blond auf blauäugig – das erinnert an den Mist von arischem Übermenschentum. Die Nephilim und der Kreationismus treffen sich an dieser Stelle mit den staatsfeindlichen Untergrundmilizen in Montana und Oregon, die als „Aryan Brotherhood“ auftreten.

Einen solchen Killer auftreten zu lassen, dient der Autorin meines Erachtens dazu, ihn und alles, wofür er steht, kritisierbar zu machen. Leser und Hörer, die nur die Oberfläche beachten, begeistern sich vielleicht für die simple Thrillerhandlung, die schnurstracks von A nach B führt. Aber dass dieser Killer sich einer höheren Wächterrasse zugehörig fühlt, sollte einige Alarmglocken schrillen lassen.

|Kritik der Autorin|

Eine Absicht der Autorin könnte darin liegen, die Auslegung der Bibel doch bitteschön etwas kritischer anzugehen. Denn am Ende glauben doch einige Wirrgeister an die Existenz von Wächterwesen, die Sünder für ihre Missetaten bestrafen. Maura Isles, eine der Hauptfiguren, ist eine solche Sünderin, denn sie hat mit einem Priester geschlafen, so dass dieser sein Keuschheitsgelübde brach. Prompt taucht an ihrer Tür das Zeichen des Azazel auf. Soll deshalb Isles das Urteil der Wächter demütig abwarten? Mitnichten! Wie dieser Konflikt auf psychologischer Ebene gelöst wird, zeigt die Autorin anschaulich und anrührend.

|Die Sprecherin|

(Hinweis: Am Anfang des Hörbuch wird weder der Titel noch der Sprecher vorgestellt, wie stets bei |Random House Audio|.) Mechthild Großmann hat eine so tiefe und rauchige Stimme, dass ich zunächst dachte, der Sprecher wäre männlich. Wenig später war ich nicht mehr sicher und wunderte mich, wie es ein Mann fertigbringt, gleichzeitig wie eine Frau zu klingen.

Erst als Maura Isles‘ Rolle zu sprechen anfing, wurde eindeutig, dass die Sprecherin weiblich ist. Maura Isles ist eine der zwei Frauen, die eine hohe Stimme haben. Die andere ist Lily Saul. Sowohl Edwina Falway als auch – diese erst recht – Jane Rizzoli sprechen mit tiefen, „männlichen“ Stimmen. Das mag dem einen oder anderen Hörer seltsam vorkommen.

Dass alle männlichen Figuren mit tiefen Stimmlagen gesprochen werden, dürfte zu erwarten gewesen sein. Hier stößt der Hörer auf recht wenige Variationen in der Stimmlage, und nur die Sprechweise verrät, dass die Figur gewechselt hat.

Wenn es um den Ausdruck von Emotionen geht, erweist sich die Sprecherin als einfühlsame Sprechkünstlerin. Dass Jane Rizzoli energisch und wütend sein kann, überrascht nicht, denn dies gehört schließlich zu ihrem Job. Aber Maura Isles ist ein ganz anderer Typ als Rizzoli. Isles ist 41 Jahre alt, alleinstehend und, nach einer gescheiterten Ehe, einsam und unwillig, mit einem Mann etwas anzufangen. Nichtsdestoweniger hat sie sich in Daniel Brophy verliebt, ausgerechnet in einen katholischen Priester. Deutlich ist ihre Sehnsucht und Zärtlichkeit herauszuhören, als Brophy neben ihr steht und sie sich fragt, ob sie mit ihm ins Bett gehen soll.

Eine schöne Szene, die mir ebenso in Erinnerung geblieben ist wie das Verhör, das Rizzoli der nach Amerika gebrachten Lily Saul zumutet. Lily versucht, Rizzolis Druck psychisch standzuhalten, und zunächst klingt sie wechselweise verzweifelt und teilnahmslos – nach dem Motto: „Was soll dieser Aufwand, es ist ja eh zwecklos.“ Als Rizzoli sie weiterhin mit absurden Unterstellungen provoziert (wir brauchen nicht ins Detail zu gehen), dementiert Lily wütend und weinerlich, ihre Stimme kippt schließlich in ein hysterisches Lachen um, bevor sie vollends aufgibt und mit Rizzoli kooperiert. Solche emotionalen tours des forces findet man selten so gut in Hörbüchern inszeniert.

_Unterm Strich_

Die Handlung ist wie üblich bei Gerritsen sehr spannend, aber leider auch voller ziemlich blutiger Schauplätze. Detective Jane Rizzoli, frischgebackene Mutter (siehe „Scheintot“) à la Maria, und Dr. Maura Isles, frischgebackene Sünderin, versuchen einen skrupellosen und offensichtlich besessenen Serienmörder zu fassen. Doch der Schlüssel zur Lösung der Rätsel, die die Symbole an den Tatorten darstellen, liegt nicht in der Gegenwart, sondern in einer zwölf Jahre zurückliegenden Vergangenheit. Diese erschließt sich uns teils durch die das Tagebuch des Killers als fünfzehnjährigem Jungen, teils durch das Geständnis seiner Cousine Lily gegenüber Rizzoli. Das Puzzlespiel erzeugt ebenso viel Spannung wie der abschließende Showdown, der mit einigen bösen Überraschungen aufwartet.

So mancher Leser bzw. Hörer, der in der Bibel nicht bewandert ist oder überhaupt nichts von deren Inhalt hält, dürfte nicht gewillt sein, den entsprechenden Passagen in Gerritsens Buch zu folgen und sie ernst zu nehmen. Das erachte ich aber als unbedingt erforderlich. Denn nur hierdurch steigert sich das Buch über das Niveau eines gewöhnlichen blutigen Thrillers hinaus. Auf dieser „bibelfesten“ Ebene wendet sich das Buch an christliche Fundamentalisten. Es scheint die Fantasien der Kreationisten zu bedienen, ruft aber im Subtext dazu auf, die Bibelauslegung kritischer anzugehen. Diese Kritik der Autorin hat mir mehr gefallen als die Schlafzimmer, in denen das Blut bis an die Decke gespritzt ist.

|Das Hörbuch|

Der Vortrag der Sprecherin ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig (s. o.), doch nach einer Weile stellt man fest, dass ihre relativ emotionale Interpretation die Figuren zum Leben erweckt und man sich die Szenen lebhafter vorstellen kann. Der weiterhin hohe Preis der |Random House|-Hörbücher mindert den Gesamteindruck.

|Originaltitel: The Mephisto Club, 2006
Aus dem US-Englischen übersetzt von Andreas Jäger
455 Minuten auf 6 CDs|
http://www.random-house-audio.de
http://www.tess-gerritsen.de

Bernuth, Christa von – Damals warst du still (Lesung)

Eine Mordserie beschäftigt die Kripo, und Kommissarin Mona Seiler muss sich schnell etwas einfallen lassen, um weitere Opfer zu verhindern. Denn die Wörter, die den ersten beiden Opfern in die Haut geritzt wurden, bilden erst den Anfang eines Satzes: „DAMALS WARST…“

_Die Autorin_

Christa von Bernuth, geboren 1961, ist freie Journalistin und lebt zusammen mit ihrem Freund und zwei Katzen in München. Bereits mit ihrem ersten Roman „Die Frau, die ihr Gewissen verlor“ lotete sie laut Verlag seelische Tiefen aus. In ihrem zweiten Roman „Die Stimmen“ führte sie die Figur der Mona Seiler ein. Der Roman wurde von RTL als Pilotfilm einer neuen Krimiserie verfilmt. Die Hauptrolle spielt Mariele Millowitsch.

_Die Sprecherin_

Mariele Millowitsch, die Tochter des bekannten Kölner Originals Willy Millowitsch, stand schon als Kind im Kölner Millowitsch-Theater auf der Bühne. Neben dem Studium der Tiermedizin trat sie immer mal wieder auf der Bühne auf und nahm Schauspielunterricht. 1983 ging sie ein Jahr lang mit einem Düsseldorfer Satire-Kabarett auf Tournee. Ab 1989 war sie drei Jahre lang in einer TV-Quizshow zu sehen. 1995/96 gelang ihr beim ZDF der TV-Durchbruch, woraufhin sie etliche Preise einheimste, darunter den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen sowie den Deutschen Fernsehpreis. Als Kommissarin Mona Seiler war sie bislang in „Die Stimmen“ und „Untreu“ zu sehen. „Damals warst du still“ soll laut Verlag Ende 2004 verfilmt werden.

_Handlung_

Samuel, der Sohn des Familientherapeuten Fabian Plessen, ist tot, gestorben an einer Überdosis Heroin. Drogenfahnder David Gerulaitis und sein Partner Janosch Kleiber finden Samuels Leiche. In den Bauch ist das Wort „WARST“ geritzt, die Zunge ist herausgeschnitten. Kaum hat Kriminalhauptkommissarin Mona Seiler in Sachen Plessen zu ermitteln begonnen, taucht eine zweite Leiche mit ähnlichen Merkmalen auf. Sonja Martinez ist nach einer Woche schon stark verwest, dennoch ist das Wort deutlich zu erkennen, das auf ihrem Bauch steht: „DAMALS“. Doch Sonja war bei Plessen in Behandlung.

Mona Seiler schleust Gerulaitis in eine der Therapiegruppen ein, und was er dort erlebt, erschüttert ihn zutiefst. In dem Seminar ordnen die Teilnehmer nacheinander die anderen zu jener Familienkonstellation an, die ihnen innerhalb des Rollenspiels angemessen erscheint. Als David merkt, dass seine „Schwester“ ganz nah bei ihm stehen sollte, bricht er das Seminar ab. Er ist an die inzestuöse Liebe zu seiner jüngeren Schwester Danae erinnert worden. Als er später ihr Bild in der Wohnung eines Junkies findet, haut es ihn um: Danae ist selbst in der Drogenszene. Hat er das zugelassen? Um diese Scharte auszuwetzen, durchsucht er Plessens stattliches Anwesen und wird fündig…

Derweil kämpft Mona Seiler sozusagen an der Heimatfront. Ihr Kollege Hans Fischer will sie demontieren, und ihr Interimschef Berkamer unterstützt eine ganz andere Theorie als die von einem Familiengeheimnis, das Plessen umgibt. In Zürich hat sich ein ehemaliger Patient Plessens umgebracht. Paolo Gianfrancos Witwe bezichtigt indirekt Plessens unorthodoxe Heilmethoden der Schuld an Paolos Freitod. Berkamer ist von Gianfrancos Schuld überzeugt.

Doch der Profiler Kern ist sich da nicht so sicher: Die eingeritzten Worte auf den Leiche ergeben garantiert einen Satz: „DAMALS WARST [DU xxx]“. Das lässt auf einen Serientäter schließen, doch das Profil passt nicht zu Gianfranco.

Es wird weitere Tote geben, wenn Mona Seiler sich nicht durchsetzen kann…

_Mein Eindruck_

„Damals warst du still“ ist der Versuch, einen Serienkrimi zu einem Psychothriller aufzupeppen. Was im Buch gelingen mag, scheitert leider im Hörbuch. Das liegt zum Großteil an der Sprecherin, auf die ich gleich zu sprechen komme. Aber auch die Umsetzung der Handlung trägt ihren Teil dazu bei.

Die Geschichte beginnt schon recht ordentlich. Der Werdegang eines achtjährigen Ich-Erzählers lässt nichts Gutes erwarten. Er beginnt mit dem Sezieren von Tieren. Die Identität dieses Menschen wird erst am Schluss des Hauptteils enthüllt, gerade noch rechtzeitig. Die Gründe für die Mordserie werden erst im Epilog, einem lange gesuchten Brief, verständlich. Ein gewisser Spannungsbogen ist also vorhanden.

Auch die Zutaten für den Psychothriller finden sich. Da sind zum einen die detailliert geschilderten Mordszenen selbst, die an Thrill nichts zu wünschen übrig lassen. Und da sind zum anderen die Therapiestunden des Fabian Plessen. Er ist selbst schon siebzig Jahre alt, kommt also wohl kaum als Täter in Betracht. Fahnder Gerulaitis macht selbst unangenehme Bekanntschaft mit den Folgen der Plessen-Methode: Schuldgefühle, Alpträume, unvernünftiges Verhalten sind die Folge. Warum sollen andere Kursteilnehmer nicht ebenso entgleisen?

Da hat Gerulaitis völlig Recht. Leider kommt ihm diese Erkenntnis ein ganz klein wenig zu spät, um ihn noch retten zu können. Er gerät in eine lebensgefährliche Situation. Wird es Mona Seiler gelingen, ihn rechtzeitig rauszuhauen?

Mit Kommissarin Seiler beginnt der Serienkrimi, der leider, leider im Hörbuch den Großteil der Handlung bestimmt. Die Polizeiarbeit steht im Vordergrund. Und das bedeutet auch, dass Seiler sich mit Konkurrenz im eigenen Haus auseinander setzen muss. Statt ihrer Intuition folgen zu dürfen, muss sie sich deshalb mit einem Verdächtigen beschäftigen, auf den ihr Chef setzt, um die öffentliche Meinung zufrieden zu stellen, will heißen: die Medien.

Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis sie sich freigekämpft hat, so dass sie endlich hinter Gerulaitis, ihrem in Lebensgefahr schwebenden Undercover-Ermittler, herjagen kann. Es ist schon etwas frustrierend, diese internen Kämpfe miterleben zu müssen. Gehört das zum Realismus des Krimis? Na, danke auch. Wenigstens kommt Seiler in die Gänge und auf die richtige Spur -sie hat eben Ahnung von Familienangelegenheiten, wo sie doch selbst eine hat. Ihre psychologischen Einsichten sind ungewöhnlich intelligent und feinfühlig. Aber wird sie auch rechtzeitig zur Stelle sein?

_Die Sprecherin_

Mariele Millowitsch hat unüberhörbar eine Ausbildung erhalten. Sie ist eine Schauspielerin, aber keine Synchronsprecherin, soweit ich informiert bin. Aus mehreren Gründen fand ich ihren Vortrag schwer zu ertragen:

1) Der Sound wurde falsch aufgenommen. Die Höhen sind überbetont, so dass ich die Bass-Stufe an meiner HiFi-Anlage zuschalten musste, die eigentlich nur für laute Partys gedacht ist. Da klang ihre Stimme schon wesentlich erträglicher und nicht mehr wie Hundegebell.

2) Recht gewöhnungsbedürftig ist die Vortragsweise, in der die Sprecherin zahlreiche Pausen macht und Worte überdeutlich ausspricht. Dadurch wird das Gesagte zwar gut verständlich, aber der Redefluss klingt völlig künstlich.

3) Die Sprecherin intoniert die Sätze von Frauen und Männern völlig verschieden. Frauen klingen gefühlvoll, weich und leise. Männer klingen, als würden sie auf dem Kasernenhof brüllen: Hundegebell. Und das trifft sogar auf den siebzigjährigen Plessen zu!

4) Ebenso unangemessen wie diese diskriminierende Intonierung ist auch die Betonung mancher Sätze. Es ist ein Unterschied, ob der Satz „Gibt es noch etwas, was Sie sagen wollen?“ auf diese oder jene Weise vorgelesen wird. Die Betonung kann beispielsweise auf „gibt“ liegen oder auf „noch“. Der Unterschied in der Bedeutung sollte klar sein, doch nicht so bei Millowitsch. Ich könnte noch weitere Beispiele anführen.

_Unterm Strich_

Ich bezweifle, ob diese Hörspielumsetzung hundertprozentig im Sinne der Autorin ist. Diese hat zwar ohne Zweifel saubere Arbeit geleistet, was Krimi- und Psychothriller-Handlung angeht, doch das, was im Hörbuch noch übrig geblieben ist, will den an Thomas Harris und Peter Robinson geschulten Hörer nicht zufriedenstellen. Der rechte Grusel will sich nicht recht einstellen.

Das ist schade, denn die Ursache der Mordserie betrifft deutsche Schicksale, wie sie im 2. Weltkrieg zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten erleiden mussten. Insofern ist die Story eine beachtenswerte Verarbeitung deutscher Geschichte – auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs.

Die Hauptverantwortung für den Erfolg eines Hörbuchs trägt der Vortragende. Mariele Millowitschs Vortrag bereitete mir aus den oben genannten Gründen keinerlei Vergnügen, sondern vielmehr Frust. Einen Teil der Schuld trägt auch die falsche Aussteuerung des Originalsounds, der sich erst nach Zuschaltung der Bass-Stufe (sozusagen der Tieftöner) als erträglich erwies.

Meine Empfehlung daher: Lieber das Buch lesen oder warten, bis auch dieser Seiler-Krimi im Fernsehen gezeigt wird.

Umfang: 450 Minuten auf 6 CDs, (zu stark) gekürzte Lesung