Schlagwort-Archive: Stieg Larsson

David Lagercrantz – Verfolgung (Millennium 5)

Die Handlung:

Im Frauengefängnis Flodberga herrscht ein strenges Regiment. Alle hören auf das Kommando von Benito Andersson, der unangefochtenen Anführerin der Insassinnen. Lisbeth Salander, die eine kurze Strafe absitzt, versucht tunlichst, den Kontakt zu vermeiden, doch als ihre Zellennachbarin gemobbt wird, geht sie dazwischen und gerät ins Visier von Benitos Gang. Unterdessen hat Holger Palmgren, Lisbeth Salanders langjähriger Mentor, Unterlagen zutage gefördert, die neues Licht auf Salanders Kindheit und ihren Missbrauch durch die Behörden werfen. Salander bittet Mikael Blomkvist, sie bei der Recherche zu unterstützen. Die Spuren führen sie zu Leo Mannheimer, einem Finanzanalyst aus sehr wohlhabendem Hause. Was hat dieser mit Lisbeth Salanders Vergangenheit zu tun? Und wie soll sie den immer schärfer werdenden Attacken von Benito und ihrer Gang entgehen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Er hatte es angekündigt und er legt nach. David Lagercrantz schien von seiner Story so überzeugt, dass er nach dem Erfolg seines letzten MILLENNIUM-Romas direkt zwei weitere angekündigt hatte. Dieses ist also die erste Fortsetzung … die nächste soll 2019 erscheinen. Und bis dahin? Bis dahin hören wir mal, was uns der Sprecher diesmal zu erzählen hat. Die Prämisse klingt ja schon mal interessant, wenn auch das Thema „Gewalt in Gefängnissen“ literarisch und vor allem auch im TV bereits zuhauf beackert wurde. Aber Lisbeth ist kein Weichei … die wirds schon überstehen, oder?

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David Lagercrantz – Verschwörung. Millennium 4

Millennium 4: Fortsetzung oder Neuanfang?

Mikael Blomkvist steht vor einer Entscheidung. Böse Zungen behaupten, er sei nicht länger der Journalist, der er einst war. Lisbeth Salander hingegen ist aktiv wie eh und je. Die Wege kreuzen sich, als Frans Balder, einer der weltweit führenden Experten für Künstliche Intelligenz (KI), ermordet wird. Kurz vor seinem Tod hatte er Mikael Blomkvist brisante Informationen versprochen.

Als Blomkvist erfährt, dass Balder auch in Kontakt zu Lisbeth Salander stand, nimmt er die Recherche auf. Die Spur führt zu einem US-amerikanischen Softwarekonzern, der mit der NSA verknüpft ist. Mikael Blomkvist wittert seine Chance die Enthüllungsstory zu schreiben, die er so dringend braucht. Doch wie immer verfolgt Lisbeth Salander ihre ganz eigene Agenda. (Verlagsinfo)

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David Lagercrantz – Verschwörung (Millennium 4)

Die Handlung:

Die Hackerin Lisbeth Salander und der Journalist Mikael Blomkvist müssen sich erneut zusammentun, um einer neuen Gefahr entgegenzutreten. Spät nachts erhält Blomkvist einen Anruf von einem Informanten, der vorgibt, wichtige Informationen für die USA zu haben. Der Informant gibt weiter an, in Kontakt mit einer begabten Hackerin zu stehen, die Blomkvist nur allzu genau an jemanden erinnert. Er braucht dringend eine neue Story für MILLENNIUM und wendet sich an Lisbeth. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Da ist sie nun, die Fortsetzung, die eigentlich keine ist oder sein soll, dennoch aber eine Nummer am Ende trägt. Bei der Titelgebung ignoriert der Verlag wie gewohnt das Original und bleibt seiner Linie von „Ein-Wort-Titeln, die mit ‚V‘ beginnen“ treu. Nur beim Cover hat sich etwas verändert … das allerdings hat mich wirklich gewundert, hätte doch gerade hier die Laufkundschaft im Buchladen, die noch die alten Taschenbücher kennt, sofort die Verbindung zur MILLENNIUM-Trilogie von Stieg Larsson herstellen können.

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David Lagercrantz – Verschwörung (Millennium 4)

Die Handlung:

Die Hackerin Lisbeth Salander und der Journalist Mikael Blomkvist müssen sich erneut zusammentun, um einer neuen Gefahr entgegenzutreten. Spät nachts erhält Blomkvist einen Anruf von einem Informanten, der vorgibt, wichtige Informationen für die USA zu haben. Der Informant gibt weiter an, in Kontakt mit einer begabten Hackerin zu stehen, die Blomkvist nur allzu genau an jemanden erinnert. Er braucht dringend eine neue Story für MILLENNIUM und wendet sich an Lisbeth. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Da ist sie nun, die Fortsetzung, die eigentlich keine ist oder sein soll, dennoch aber eine Nummer am Ende trägt. Bei der Titelgebung ignoriert der Verlag wie gewohnt das Original und bleibt seiner Linie von „Ein-Wort-Titeln, die mit ‚V‘ beginnen“ treu.

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[NEWS] David Lagercrantz – Verschwörung (Millennium 4)

Die Weltbestseller von Stieg Larsson werden fortgesetzt

Die geniale Hackerin Lisbeth Salander und der kämpferische Journalist Mikael Blomkvist haben in drei Romanen Millionen von Lesern auf dem ganzen Erdball begeistert. Weltweit erstürmte die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson die Bestsellerlisten und verkaufte sich mehr als 80 Millionen Mal. 10 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Bandes und 11 Jahre nach dem tragischen Tod des Autors erscheint am 27. August 2015 weltweit die Fortsetzung unter dem Titel „Det som inte dödar oss” („Was uns nicht umbringt”). (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
Originaltitel: Det som inte dödar oss
Heyne

Stieg Larsson – The Girl with the Dragon Tattoo (Millennium Trilogy 1)

MillenniumTrilogy:

1 „The Girl with the Dragon Tattoo“
2 „The Girl Who Played with Fire“
3 „The Girl Who Kicked the Hornets‘ Nest“

Anspruchslos, aber spannend erzählt: eine doppelte Ermittlung

Mikael Blomkvist, Mitherausgeber des Enthüllungsmagazins „Millennium“, wird wegen Verleumdung des Industriellen Wennerström zu einer Geldbuße und einer Gefängnisstrafe verurteilt. Deshalb könnte ihn der Auftrag des Multimillionärs Henrik Vanger zumindest aus einer finanziellen Klemme befreien: Er soll das spurlose Verschwinden von dessen Lieblingsnichte Harriet vor fast 40 Jahren aufklären und eine Familienchronik verfassen. Der alte Vanger glaubt, dass Harriet ermordet wurde und der Mörder noch lebt – in den Reihen seiner eigenen Familie. Blomkvist beginnt zu ermitteln – und bekommt schon bald erste Drohungen zu hören.

Lisbeth Salander, 24-jährige Hackerin, stellt für Henrik Vanger Recherchen über Blomkvist und die Wennerström-Affäre an. Lisbeth ist eine Ermittlerin der Security-Firma Milton. Ihr Privatleben ist jedoch schwierig. Ihr neuer Vormund Nils Bjurman nutz die finanzielle Abhängigkeit Lisbeths zur Befriedigung perverser sexueller Neigungen. Sein Sadismus gipfelt in einer brutalen Vergewaltigung. Doch schon wenig später schlägt Lisbeth zurück …

Der Autor

Stieg Larsson, geboren 1954 in Umeå, Schweden, war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. 2004 starb Larsson mit 50 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. 2006 wurde ihm posthum der Skandinavische Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens verliehen. Inzwischen hat seine MILLENNIUM-Trilogie weltweit eine Millionenauflage erreicht, alle drei Teile wurden verfilmt, eine Fortsetzung liegt auf Eis.

1) Verblendung (2006)
2) Verdammnis
3) Vergebung

Handlung

Der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist steht vor Gericht. Er soll den Industriemanager Hans-Erik Wennerström in seinem Enthüllungsblatt „Millennium“ als Schwindler verleumdet haben. Das Gericht befindet ihn aufgrund der vorgelegten Beweise für schuldig und verurteilt ihn zu drei Monaten Haft, die er in einem halben Jahr antreten muss. Während sich alle Welt (bis auf Eingeweihte) wundert, warum er keinen Widerspruch erhebt, tritt er aus der Redaktion aus, um das Blatt zu schützen. Jetzt, kurz vor Weihnachten, freut er sich ein paar kuschelige Tage im Kreise der Familie seiner Schwester Annika. Er selbst ist schon längst geschiedener Single. Doch dazu kommt es nicht. Er erhält einen folgenreichen Anruf …

Lisbeth

Die Ermittlerin Lisbeth Salander, 24, hat Mikael im Auftrag eines Klienten von Milton Security observiert. Die Firma wiederum arbeitet diesmal für einen großen Kunden, der in Gestalt des Firmenanwalts Dirch Frode auftritt: die Vanger-Gruppe . Es ist eine wahrhaft dicke Akte, die Lisbeth dem Typen auf den Tisch legt. Sie hat’s nicht so mit Kommunikation und sagt keinen Piep, als er sie fragt, wie sie an das Material gekommen sei. Schließlich ist das ja ihr Job als professionelle Hackerin, oder, und wozu soll sie das an die große Glocke hängen? Die Frau im schwarzen Lederzeug, mit den Ringen in der Nase und dem Stachelhalsband starrt ihn bloß an, bevor sie aufsteht und geht. Etwas kann sie aber auf seine penetranten Fragen doch antworten. „Blomkvist wurde reingelegt.“ Weg ist sie.

Mikael

Der Anruf für Mikael kommt von Frode, dem Firmenanwalt des Industriekonzerns Vanger, der unter anderem Schiffe baut. Der schon 1976 in Rente gegangene Firmenchef Henrik Vanger bietet Mikael einen Job an. Also fährt er hinauf nach Nordschweden, wo sich Elch und Fuchs Gute Nacht sagen. Hier in Hedestad residiert den 82-jährige und kinderlose Henrik Vanger in einem noblen Herrenhaus auf einer Insel, umgeben von eigenen Wäldern und Seen – und den lieben Verwandten.

Für ein erkleckliches Salär, das sich im Erfolgsfall auf 5 Mio. Kronen belaufen könnte, soll Blomkvist dem Anschein nach eine Familienchronik schreiben, in Wahrheit aber nach der verschwundenen Quasi-Tochter Harriet suchen. Ein zweiter Grund: Vanger kann Blomkvist den Kopf seines Erzfeindes Wennerström auf einem Silbertablett servieren, denn der arbeitete vor 35 Jahren für Vanger. Aber es gibt noch einen dritten, viel wichtigeren Grund: Mikael kannte Harriet persönlich. Als er drei Jahre oder so war, stellte sie für ihn eine Art gute Fee und große Schwester dar, mit der er Vangers Anwesen unsicher machte.

Henrik Vanger vermisst Harriet, die er wie seine eigene Tochter liebte, seit 36 Jahren: Sie verschwand am 22.9.1966, und er glaubt, sie wurde ermordet. Seit jenem schicksalhaften Tag hat ihn die ergebnislose Suche nach ihr beschäftigt und vom Job abgelenkt. Er glaubt, sie sei ermordet worden. Nicht nur aus Sorge um Erbe und Nachfolge – Vangers Verwandte sollen keinen Pfifferling erben – will er nun Harriets Schicksal aufklären. Er will auch die Serie von Postsendungen abstellen, die jedes Jahr pünktlich zu Weihnachten aus aller Herren Länder eintreffen: gepresste Blumen. Auf dem Dachboden hat Vanger eine eindrucksvolle Galerie dieser Bilder toter Blumen aufgehängt. Verhöhnt ihn Harriets Mörder über alle die Jahrzehnte hinweg?

Doch wie findet man eine Verschwundene nach fast 40 Jahren? Man fängt dort an, wo sie zuletzt gesehen wurde. Die letzten Fotos zeigen Harriet im Herrenhaus und auf der Straße des nahen Dorfes bei einem Umzug am Tag der Kinder. Letzteres Foto stammt aus der Dorfzeitung. Der Besuch bei Polizeichef Morell ist ergebnislos, denn der sucht seit 40 Jahren vergeblich, doch dafür gibt das Archiv der Stadtzeitung umso mehr her. In mühseliger Grabarbeit findet Mikael die Negative für die Fotos, die der Fotograf seinerzeit auf der Straße schoss, auf der Harriet das letzte Mal zu sehen war. Harriet bewegt ihren Kopf wie in einem Film … und ihre Miene verdüstert sich! Sie hat jemanden gesehen, den sie ablehnt, vielleicht sogar hasst und fürchtet. Wer kann das gewesen sein? Ein Entführer, oder gar ihr Mörder?

Lisbeth

Unterdessen meint es das Leben überhaupt nicht gut mit Lisbeth. Auf einem Parkplatz wird ihr geliebter Apple-MacBook irreparabel beschädigt. Sie braucht dringend Ersatz, doch ihr Hacker-Kumpel „Plague“ hat nur ein schlappes altes Modell. Besser als nix, denkt sie. Doch um Geld für ein neues Modell zu bekommen, muss Lisbeth ihren Vormund beknien. Die Ex-Insassin der Psychiatrie erfährt leicht erschüttert vom Herzinfarkt ihres bisherigen Vormunds Holger Palmgren. Sie muss den Mann aufsuchen, den die Vormundschaftsbehörde für sie ausgesucht hat, den Rechtsanwalt Nils Bjurman.

Für einen Blowjob rückt der schleimige Spießer lediglich 7000 Kronen heraus, was nicht im entferntesten für ein MacBook reicht. Als sie im zweiten Anlauf mehr verlangt, fesselt er sie aufs Bett und vergewaltigt sie anal. Nicht nur, dass dies höllisch wehtut. Lisbeth nimmt die gesamte Vergewaltigung mit einer versteckten Kamera auf – sie hat sich vorbereitet. Obwohl sie danach kaum aufrechtgehen kann, brennt sie den Film von der SD-Karte auf eine DVD.

Bei ihrem nächsten Besuch bei ihrem Vormund fesselt sie ihn und stellt ihn vor die Wahl: Entweder zahlt er jetzt pünktlich oder die Disc wandert an alle Behörden und alle seine Bekannten (die sie selbstverständlich längst gehackt hat). Als er einwilligt, tätowiert sie ihm eine dauerhafte Botschaft auf den Wanst …. Endlich kann sie sich wieder in den Laptop des nichtsahnenden Mikael einhacken und seine Festplatte kopieren. Ihr Interesse ist schon längst nicht mehr beruflicher Natur …

Mikael

Mikael hat in Harriets Bibel und Adressbuch fünf geheimnisvolle Eintragungen gefunden. Neben einem Kürzel, das wahrscheinlich einen Namen darstellt, steht eine Ziffernkombination. Wie die Polizei herausgefunden hat, handelt es sich nicht um Telefonnummern. Damit kann er nichts anfangen, doch als seine Tochter Pernilla zu Besuch kommt und eine Bemerkung fallen lässt, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Die Zahlen bezeichnen Bibelstellen. Aber nicht irgendwelche, sondern es geht darin um Huren, Hexen, Tiere, Verbrennen und andere unschöne Dinge.

Er braucht einen professionellen Ermittler. Als er sich mit dieser Bitte an Vanger und Frode wendet, zeigen die beiden herren ihm das Dossier, das Lisbeth Salander für sie über Mikael angelegt hat. Ihm fallen fast die Augen aus dem Kopf. Noch schlimmer: Darin befindet sich eine Version der Pressemitteilung über seinen Weggang, welche nie veröffentlicht wurde! Sie war also in seinen Laptop eingedrungen!

Doch wer ist diese Hackerin mit dem kryptischen Usernamen „Wasp“? Er besucht sie in Stockholm und bittet sie, mit ihm zusammenzuarbeiten, es solle ihr Schade nicht sein. Obwohl sie so schräg drauf ist, willigt sie ein und kommt Tage später mit dem Motorrad nach, um in seiner Hütte am Rande des Vanger-Anwesens zu nächtigen.

Diese abgesperrte Hütte hat Mikael, nicht faul, mit unzähligen Fotos von Hinweisen beklebt: Es ist die reinste Wonderwall. Lisbeth beguckt sich jedes kleinste Detail. Lisbeth hat in Mikaels Auftrag versucht, die Bibelstellen mit tatsächlichen Verbrechen in Schweden zu korrelieren, und ist fündig geworden. Mikael wusste bereits, dass der erste Mord 1949 hier in Hedestad begangen wurde. Das Opfer war eine Jüdin namens Rebecka Jacobssohn. Aktendurchsicht führt die beiden Ermittler zurück in die Jahre 1949 bis 1963. Immer sind es junge Frauen, die ihr Leben lassen mussten. Alle trugen jüdische Namen. Und immer war ein bestimmter Mann vor Ort …

Mein Eindruck

Die Handlung entpuppt sich als ziemlich horrormäßige Serienkiller-Ermittlung. Doch der Killer sitzt leider ganz in der Nähe der Ermittler, so dass diese beide selbst in Gefahr geraten. Lisbeth, schon unter dem freundlichen Einfluss Mikael etwas aufgetaut, verwandelt sich endgültig in seine Lebensretterin. Aber erst in allerletzter Sekunde. Und es ist aufgrund ihrer Vorgeschichte klar, dass sie für Vergewaltiger und Mörder keinerlei Gnade oder gar Barmherzigkeit übrighat.

Nun mag sich mancher fragen, was denn nun das Besondere an diesem Thriller sein soll. Es ist sowohl die Aufbereitung der Themen als auch die Themen selbst, die Buch und Verfilmung eine solche Faszination ausüben lassen.

Die Zubereitung der Themen Serienmörder, Rassenhass und Nazismus – auf die sich der Autor spezialisiert hatte – ist auf dem neuesten Stand der Technik. Hacker, Datenbanken, Bildmanipulation, Suchmaschinen und vieles mehr finden sich im Buch. Ein Glossar fehlt indes, und so muss der Leser diese Kenntnisse mitbringen.

Doch die Kernthemen ließen sich auch ohne IT recherchieren. Ein Trio von Magnatensöhnen schloss sich während des 2. Weltkriegs den Nazis an und kämpfte zum Teil sogar an deren Seite, so etwa im Finnischen Winterkrieg gegen die Sowjets. Aus ist’s mit dem Mythos der schwedischen Neutralität (immerhin verbrachten die deutschen sozialdemokratischen Politiker Herbert Wehner und Willy Brandt ihre Kriegszeit im angeblich sicheren schwedischen Exil).

Schlimmer noch: Diese drei Erben übernahmen den Rassenwahn der Nazis voll und ganz und lebten ihn auch aus. Mikael und Lisbeth finden heraus: Einer aus diesem Trio übt die Judenverfolgung auch heute noch aus, getarnt als Unfälle mit Todesfolge, doch welcher ist es? Konnte sich Harriet der Verfolgung entziehen? Als Mikael sie findet und sie zurück bringt, ist dies ein sehr bewegender Moment. Ironie des Schicksals: Ihre Mutter Isabella Vanger erleidet einen Zusammenbruch.

Es ist ja schon übel genug, dass Schweden sich den Nazis anschlossen und Juden ermordeten, aber es handelt sich nicht um irgendwelche Leute, sondern um eine der angesehensten und einflussreichsten Familien des Königreichs. Dass diese Leute immer noch weitermorden können, erscheint unvorstellbar. Stieg Larsson hat es gewagt, es seinem Lehrmeister Mankell nachzumachen und dessen „Tanzlehrer“-Antifascho-Krimi zu übertrumpfen. Das Ergebnis ist ziemlich umwerfend, auch für mich, sobald ich meinen Unglauben ob dieser anklagenden Darstellung aufgegeben hatte. Herrenmenschen, Frauen- und Judenkiller – „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, sagt der Dichter.

Wennerström

Die Vanger werden jedoch einem heutigen, modernen Bösewicht gegenübergestellt. „Hans Erik Wennerström ist ein Schwindler“, behauptet Henrik Vanger und kann es beweisen. Aber auch Mikael hat einen Beweis, nur beging er den Fehler, seiner eigenen Quelle zu misstrauen und in eine Falle Wennerströms zu tappen. Auf einmal waren alle seine Belege wertlos, selbst wenn die Hälfte davon zutraf.

Nun bietet ihm jedoch Lisbeth Salander Wennerströms Imperium auf einem Silbetablett an. Sie hat Wennerströms private Festplatte auf einen Server im Netz kopiert und bekommt alles mit, was der Milliardär auf seine Kiste eingibt oder abruft. Mikael ist jedoch verwirrt: Die Wennerström-Gruppe ist ein schier undruchdringliches Konglomerat von Briefkastenfirmen, die sich alle gegenseitig besitzen, so dass Geldflüsse fast nicht nachvollziehbar sind.

Auch dieses Rätsel löst Lisbeth, denn sie hat einen Grund gefunden, es Wennerström heimzuzahlen: Auch er ist „ein mann, der Frauen hasst“ (siehe den Originaltitel). Wie der Film nur am Schluss kurz andeutet, startet sie eine clevere Aktion, um den Magnaten um seine Millionen zu erleichtern. Im Buch machen diese Aktion und Mikaels Gegenangriff über 100 Seiten aus. Mikael triumphiert.

Die Figuren

Mikael „Kalle“ Blomkvist ist ebenso eine Figur von Astrid Lindren wie Lisbeth Salander, die eine dunkle Pippi Langstrumpf darstellt. Während mir der idealistisch veranlagte Blomkvist zu zurückhaltend gespielt wird, geht von Lisbeth eine starke Präsenz aus. (Es ist, als wäre Mikael eine Frau und Lisbeth der Kerl – das lag in Larssons Absicht) Ihre Undurchsichtigkeit und potentielle Gewalttätigkeit macht sie zu einer wandelnden Bombe. Das Drachentattoo auf ihrem Rücken bekommt Mikael, als sie ihn liebt, zum Glück nicht zu sehen.

Die als Psychopathin schon als Kind entmündigte Frau mit autistischen Zügen entwickelt sich auf spannende Weise, lässt sich sogar von Mikael berühren und kann sich schließlich dazu durchringen, ihre Mutter im psychiatrischen Pflegeheim zu besuchen – eine eindringlich und still aufgenommene Szene – und später (in Folge 3) ihren einstigen Vormund Palmgren, den sie wirklich mag.

Die übrigen Figuren sind in erster Linie Funktionsträger: der Anwalt, der Vormund, der Polizeichef und so weiter. Die einzigen Ausnahmen sind sicher Henrik Vanger, Harriet und der Mörder. Der Mörder agiert mit sichtlich unbewegtem und darum umso furchterregenderen Gesicht seine Todesfantasien aus. Die intensivste Gemütsregung legt er erst an den Tag, als er Mikael foltert.

Unterm Strich

Stieg Larssons Thriller funktioniert einerseits als packende Spannungsliteratur, wie sie vom Autor fortwährend zitiert wird. Er nennt Val MacDermid, Sue Grafton, Dorothy Sayers und andere als Vorbilder. Ja er lässt Mikael sogar Harriets Verschwinden als „Locked-room mystery“ bezeichnen, denn die Insel der Vangers war durch einen Unfall auf der Brücke stundenlang abgeschnitten. Wie konnte währenddessen ein Mädchen spurlos verschwinden?

Wie eine Reportage vor realem Hintergrund liest sich auch die Entwicklung des Enthüllungsmagazins „Millennium“ und wir erhalten Einblick in Larssons eigenes berufliches Ethos: Was darf ein Journalist und was nicht? Er führt Mikael in ein kaum überwindbares berufliches Dilemma. Mikael muss sich entscheiden, ob er als Journalist Harriets schreckliches Schicksal enthüllt – oder ob er als menschliches Wesen ihre Privatsphäre achtet und sie weiter ihr Leben führen lässt – inzwischen an der Spitze des Vanger-Konzerns.

Der Roman stellt auch ein Stück Gesellschaftsporträt dar – auch die Schweden haben, wie die Schweizer, ihre Lebenslüge. Ist es bei den Schweizern das sogenannte „Bankgeheimnis“ und die Neutralität, so waren die Schweden im 2. Weltkrieg zwar angeblich auch neutral, aber sie nährten den Rechtsextremismus, den Rassenwahn und die Nazis ebenso wie viele andere Regimes in Süd- (Spanien, Italien) und Osteuropa (Rumänien). Das Unfassbare ist im Buch nicht, dass dies bis heute vertuscht wurde, sondern dass die Taten gegen Jüdinnen und andere „minderrassige Frauen“ bis heute andauern.

Ein zweites Ziel der Kritik besteht in der Figur Wennerström, der mit Steuermitteln ein Gemischtwarenimperium aufgebaut hat, das mit Drogen-, Waffen- und Menschenhändlern ebenso Geschäfte macht wie mit osteuropäischen Aufbauprojektleitern. Es sind furchtlose Leute wie Lisbeth Salander, die dunkle Variante von Pippi Langstrumpf, nötig, um Wennerström den Stecker rauszuziehen.

Am Schluss bekommen nicht nur die Börse von Stockholm ihr Fett weg, sondern auch alle Lakaien Wennerströms und jene Journalisten, die ihn nach dem Augenschein als „Ehrenmann“ achteten und sogar verehrten – nicht zuletzt auch Wennerströms Spion in der Millennium-Redaktion.

Im Film wird Mikaels Liebesaffäre mit Cecilia Vanger völlig ignoriert, doch sie ist in ihren Folgen durchaus beachtlich. Es gäbe noch zahlreiche weitere Nebenhandlungen aufzuzählen, so etwa die zahlreiche Liebesszenen Mikaels mit Lisbeth, Cecilia und Erika Berger, der Mitherausgeberin. Pernilla Blomkvist taucht im Film ebenfalls nicht auf, ebensowenig der grässliche Tod von Mikaels Katze. Der Leser hat also von der Geschichte wesentlich mehr als der Filmzuschauer.

Die englische Übersetzung

Die englische Fassung, die ich in nur drei bis vier Tagen gelesen habe, ist extrem leicht zu lesen, weil britischer Stil hier überhaupt keine Rolle spielt. Im Gegenteil: Anspruchsloser kann man sich Erzählstil kaum noch vorstellen. Die Übersetzung wurde offenbar nicht von einem Briten angefertigt, sondern von einem recht kompetenten Schweden. Leider hat es der Übersetzer nicht für nötig befunden, die zahlreichen schwedischen Institutionen und kulturellen Bräuche / Produkte zu erklären. Was ist ein „glögg“? Wann ist das Lucia-Fest? Und viele Fragen mehr. Ein Glossar wäre sehr hilfreich für das Verständnis gewesen.

Taschenbuch: 533 Seiten
ISBN-13: 978-1847245458
www.quercusbooks.co.uk

 

Stieg Larsson – Vergebung (Millennium 3)

Ein Jahr mussten die Leser warten, um endlich zu erfahren, wie das große Finale von Stieg Larssons „Millennium-Trilogie“ aussieht. Nun liegt mit „Vergebung“ der heiß ersehnte letzte Band der Reihe vor. „Verdammnis“, der Vorgängerband, endete derart abrupt mitten in der Handlung, dass man als Leser schon etwas unbefriedigt und ungeduldig wartend zurückblieb. „Vergebung“ knüpft unmittelbar an die Geschehnisse in „Verdammnis“ an.

Lisbeth Salander wird mit einer Kugel im Kopf in die Notaufnahme eines Göteborger Krankenhauses gebracht. Sie hat die Auseinandersetzung mit Alexander Zalatschenko, dem kriminellen russischen Ex-Spion, nur knapp überlebt. Und kaum ist sie aus dem Gröbsten raus und so langsam auf dem Wege der Besserung, da soll ihr auch schon der Prozess gemacht werden. Auch wenn sich die Mordanschuldigungen nicht erhärtet haben, so wird Lisbeth doch noch eine ganze Reihe von Taten zur Last gelegt, für die sie sich vor Gericht verantworten soll.

Der schwedische Geheimdienst setzt derweil alles daran, die Ermittlungen so zu beeinflussen, dass der Prozess nach ihren Wünschen enden wird. Lisbeth soll mundtot gemacht werden und für möglichst lange Zeit in der Psychiatrie verschwinden. Doch Lisbeth hat noch einen starken Verbündeten: Mikael Blomkvist. Mikael sammelt fleißig Beweise für Lisbeths Unschuld und versucht das Komplott gegen sie möglichst lückenlos aufzudecken. Doch das ist kein leichtes Unterfangen. Von höchster Stelle werden Mikael Steine in den Weg gelegt. Doch Mikael setzt alles daran, die Sache restlos aufzuklären …

Nachdem Stieg Larsson schon mit den beiden Vorgängerbänden „Verblendung“ und „Verdammnis“ zwei äußerst spannende Romane abgeliefert hat, sind die Erwartungen an das Finale logischerweise groß. Nachdem er am Ende des zweiten Teils ein wenig über das Ziel hinaus geschossen ist und Lisbeth im Licht der Ereignisse plötzlich wie ein mutierter Superheld erschien, wird die Handlung mit Beginn des dritten Teils wieder etwas bodenständiger.

Für Spannung ist dennoch von Beginn an reichlich gesorgt. Zunächst einmal müssen die Ärzte Lisbeths Leben retten, und kaum, dass es ihr dann etwas besser geht, muss sie auch schon anfangen, um ihre Sicherheit zu fürchten. Währenddessen sammelt Mikael Material, um die letzten Lücken in seiner Story abzudichten. Auch hier ist für Spannung stets gesorgt, denn die Gegenspieler vom Geheimdienst sind über die zu erwartende Bedrohung im Bilde und man erwartet jederzeit Aktionen, die eine Veröffentlichung des Materials vereiteln sollen.

Man weiß inzwischen, dass die Bösewichte skrupellos genug sind, um sich und ihre Machenschaften auch mit drastischen und endgültigen Maßnahmen zu schützen, und so hält Larsson den Spannungsbogen über Hunderte von Seiten auf konstant hohem Niveau. Selbst wenn er einen Nebenplot eröffnet, bleibt die Geschichte temporeich und durchgängig fesselnd. Der hauptsächliche Nebenplot dreht sich um die „Millennium“-Chefredakteurin Erika Berger, die ihren neuen Posten bei einer großen Tageszeitung antritt.

Larsson baut immer wieder Sprünge ein, so dass man ständig auf dem Laufenden darüber ist, was in anderen Erzählsträngen passiert. Auf diese Weise hält er den Leser dicht am Geschehen und lässt „Vergebung“ damit zu einem echten „Page-Turner“ werden. Man kommt einfach nicht los von dem Buch, und ich muss sagen, dass ich schon lange nicht mehr so schnell durch knapp 850 Seiten gekommen bin, wie bei diesem Buch. Man kann einfach nicht die Finger davon lassen, und die Versuchung ist groß, alles andere um sich herum umgehend zu vergessen.

Der konsequent aufstrebende Spannungsbogen ist damit schon mal die wichtigste Qualität von „Vergebung“. Eine weitere liegt, wie schon in den Vorgängerbänden, in der Figurenskizzierung. Lisbeth Salander hat vor allem mit „Verdammnis“ an Profil gewonnen, und obwohl sie dabei am Ende wie ein mutierter Superheld wirkt, bleibt sie als Figur interessant. Sie ist eine äußerst ambivalente Figur – unglaublich scharfsinnig und klug, wenngleich sie in Sachen soziale Kompetenz so ihre Defizite hat. Sie hat etwas eigenwillige moralische Ansichten, aber ist im Grunde ein ehrlicher Mensch. Es ist gerade auch die Figur der Lisbeth Salander, die den Reiz der Geschichte ausmacht. In „Vergebung“ zu sehen, welche Maßnahmen sie ergreift, um sich selbst den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, trägt sehr zum Lesegenuss bei.

Die gesamte Spannung der Buches läuft im Grunde auf einen Punkt hinaus: den Prozess gegen Lisbeth. Als der dann vorbei ist, fällt damit die Spannung logischerweise erst einmal ab. Aber dennoch setzt Larsson noch einen weiteren Finalpunkt, der auf den letzten Metern erneut an der Spannungsschraube dreht.

Und so kann man das Buch am Ende im Grunde sehr zufrieden zuschlagen und den Puls langsam wieder runterfahren. „Vergebung“ ist das durch und durch spannende Finalspektakel der „Millennium-Trilogie“. So wirklich nennenswerte Kritikpunkte mögen mir da nicht einfallen, außer vielleicht, dass ich an den Tagen, an denen ich mit dem Buch beschäftigt war, etwas wenig geschlafen habe.

„Vergebung“ ist ein stimmiger und sehr lesenswerter Schlussakkord einer größtenteils wirklich gut durchkomponierten Trilogie, die gerade auch durch ihre ausgefeilte Figurenzeichnung überzeugt. Wer es spannend mag, für den führt vor allem nach diesem fulminanten Finale eigentlich kein Weg daran vorbei, alle drei Bände der Reihe zu lesen. Sie bauen ohnehin aufeinander auf, so dass von einem Quereinstieg dringend abzuraten ist.

Stieg Larsson (* 15. August 1954 als Karl Stig-Erland Larsson in Umeå, Schweden; † 9. November 2004 in Stockholm) war ein schwedischer Journalist, Schriftsteller und Herausgeber des antifaschistischen Magazins „EXPO“. Er galt weltweit als einer der führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. Noch vor seinem Tod konnte er drei Kriminalromane fertigstellen, die jedoch erst posthum veröffentlicht wurden. Stieg Larsson starb 2004 an den Folgen eines Herzinfarktes. 2006 erhielt er posthum den skandinavischen Krimipreis |Glasnyckeln| für „Verblendung“, welches ein Jahr zuvor bereits vom schwedischen Buchhandel zum besten Buch des Jahres gewählt worden war.

Im März 2008 sollen die Dreharbeiten für die Verfilmungen der Millennium-Trilogie beginnen. Für den ersten Teil „Verblendung“ sind ein Kinofilm (Premiere wahrscheinlich 2009) und zwei je 90 Minuten lange Teile für das Fernsehen geplant. Die Bände „Verdammnis“ und „Vergebung“ werden nur fürs Fernsehen verfilmt. In den Hauptrollen werden Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace-Norén als Lisbeth Salander zu sehen sein.

Stieg Larssons Millennium-Trilogie:

„Verblendung“ (Män Som Hatar Kvinnor, 2005; dt. von Wibke Kuhn; Heyne 2006)
„Verdammnis“ (Flickan som lekte med elden, 2006; dt. von Wibke Kuhn; Heyne 2007)
„Vergebung“ (Luftslottet som sprängdes, 2007; dt. von Wibke Kuhn; Heyne 2008)

Stieg Larsson – Verdammnis (Millennium 2)

Mit „Verblendung“ erschien 2006 der erste Teil von Stieg Larssons „Millennium-Trilogie“. Hier durfte der Leser erstmals dem Journalisten Mikael Blomkvist und der raffinierten Hackerin Lisbeth Salander bei den Ermittlungen über die Schulter schauen. In Larssons aktuellem Roman „Verdammnis“ kann der Leser nun sehen, wie es mit Blomkvist und Salander weitergeht.

Nachdem Mikael Blomkvist in „Verblendung“ mit der Aufdeckung eines Skandals reichlich Schlagzeilen gemacht und für sein Magazin „Millennium“ einen wahren Knüller gelandet hat, besteht nun Aussicht auf die nächsten heißen Schlagzeilen. Der junge Journalist Dag Svensson bietet „Millennium“ eine absolut wasserdichte Knüllerstory zum Thema Mädchenhandel an. Junge russische Frauen werden zur Prostitution gezwungen und „dürfen“ in Schweden gegen ihren Willen für „Zerstreuung“ bei hohen Amts- und Würdenträgern sorgen.

Svensson kennt die Namen der Täter und kann alles belegen. Blomkvist und seine Kollegen bei „Millennium“ bereiten die Veröffentlichung dieses Skandals vor. Eher zufällig bekommt auch Lisbeth Salander Wind von der Geschichte und schaltet sich in die Recherchen ein, denn pikanterweise scheint es eine Verbindung zwischen Lisbeths Betreuer Nils Bjurman und dem Mädchenhandel zu geben.

Wenig später werden Dag Svensson und seine Freundin und auch Nils Bjurman ermordet aufgefunden; auf der Tatwaffe sind ausgerechnet Lisbeths Fingerabdrücke zu finden. Sie gerät ins Fadenkreuz der Ermittler und taucht unter, während Mikael Blomkvist die wahren Hintergründe der Morde aufzudecken versucht. Dabei stößt er auf einige haarsträubende Details aus Lisbeths Vergangenheit …

Nachdem Stieg Larsson mit „Verblendung“ einen außerordentlich vielversprechenden Auftakt zu seiner „Millennium-Trilogie“ hingelegt hat, ist die Lektüre des Nachfolgebandes „Verdammnis“ logischerweise mit entsprechend hohen Erwartungen verknüpft. In Schweden schlug die Veröffentlichung der Trilogie hohe Wellen. Die Verfilmung ist in Arbeit (angedacht sind drei TV-Zweiteiler und ein Kinofilm) und die schwedische Akademie für Krimi-Literatur zeichnete „Verdammnis“ mit dem Preis als besten Krimi des Jahres 2006 aus. Für den Autor kommen diese Ehrerbietungen leider zu spät, denn er starb 2004 an den Folgen eines Herzinfarkts.

Mit „Verdammnis“ führt Larsson konsequent fort, was er mit „Verblendung“ begonnen hat. Man taucht schnell wieder in die Handlung ein und hat die Protagonisten Blomkvist und Salander sofort wieder bildlich vor Augen. Wie schon bei „Verblendung“ geht Larsson auch diesmal den Spannungsbogen wieder ganz gemächlich an. Er widmet sich einem ausgiebigen Portrait seiner Figuren, wobei Lisbeth Salander im Mittelpunkt des Interesses steht. Und die ist alles andere als langweilig, so dass die ausführliche Figurenbetrachtung absolut nicht stört.

Lisbeth ist eine wunderbar ambivalente Figur mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. Sie ist scharfsinnig und gewitzt, moralisch, aber nicht gesetzestreu, und schlägt aus dem Umstand, dass sie aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung immer wieder unterschätzt wird, Kapital. Im Grunde reicht schon allein die Betrachtung von Lisbeth dazu, einen Roman zu füllen. Sie ist die Figur, in der sich die Spannung bündelt, die den Plot zusammenhält und um die sich alles dreht. Ihre Person hat schon im ersten Band gewisse Fragen aufgeworfen, denen Larsson sich nun ausgiebiger widmet.

Der Blick in Lisbeths Vergangenheit ist dabei gleichermaßen spannend wie düster. Stück für Stück kommt eine unheimliche Wahrheit ans Tageslicht, deren ganzes Ausmaß durchaus erschreckend ist. Der um Realismus besorgte Leser wird hier aber auch so manchen Kritikpunkt finden. Manches mag ein wenig zu konstruiert klingen, und auch die Figur der Lisbeth Salander, die manchmal wie eine moderne Ausgabe einer technikbegabten und aggressiven Pippi Langstrumpf wirkt, erscheint teils ein wenig zu überzeichnet. Dennoch geht von der Figur eine nicht zu leugnende Faszination aus, die den Leser zu fesseln vermag.

Und so versetzt auch der teils etwas konstruiert wirkende Plot der Euphorie nicht mehr als einen kleinen Dämpfer. Am Ende schießt Larsson zwar ein wenig über das Ziel hinaus, lässt Salander zu sehr wie einen mutierten Superhelden erscheinen, der Übermenschliches zu leisten vermag, und reizt damit ihre Möglichkeiten bis an die Grenze aus, dennoch ist „Verdammnis“ absolut spannende Kost mit „Pageturner“-Potenzial.

Der gemächliche Start täuscht ein wenig darüber hinweg, aber wenn der Krimi-Plot erst einmal richtig losgeht, zieht Larsson kontinuierlich die Spannungsschraube an. Wechselnde Perspektiven tragen das Ihre zur Spannung bei, und so entwickelt „Verdammnis“ sich zu einem Roman, den man kaum aus der Hand legen mag und bei dem man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, Larsson hätte auch nur eine Seite zu viel geschrieben. Er hält den Spannungsbogen bis zum letzten Augenblick straff gespannt.

Das Ende der Geschichte kommt dann etwas abrupt und der Leser wird ohne Vorwarnung und ohne dass eigentlich die Handlung richtig abgeschlossen wird, aus der Geschichte gerissen. Das lässt ihn etwas unbefriedigt zurück, sorgt aber gleichzeitig auch schon für Vorfreude auf den dritten Band der Trilogie.

Für Quereinsteiger ist die „Millennium-Trilogie“ übrigens gänzlich ungeeignet. Die Handlung baut aufeinander auf und in „Verdammnis“ werden viele Details ausgeplaudert, die man vor der Lektüre von „Verblendung“ definitiv nicht wissen sollte.

Bleibt unterm Strich trotz kleinerer Mängel und einem etwas überzogenen Finale immer noch ein sehr guter Eindruck zurück. Stieg Larsson hat auch mit dem zweiten Band der „Millennium-Trilogie“ die Erwartungen voll erfüllt und einen zweiten, durchgängig spannenden Roman abgeliefert. Lisbeth Salander ist eine absolut beeindruckende Figur, wenngleich sich zum Ende von „Verdammnis“ ein wenig das Gefühl breit macht, Larsson hätte ihre Figurenzeichnung nun etwas überspannt.

Dennoch ein Thriller, der von Anfang bis Ende die Spannung auf einem so hohen Niveau hält, dass man das Buch kaum zur Seite legen mag. Und so siegt am Ende eben doch die freudige Erwartung des dritten Teils der Trilogie über das Stirnrunzeln wegen dier vereinzelten Kritikpunkte an „Verdammnis“.

 

Stieg Larsson – Verblendung (Millennium 1)

Wenn man den Pressestimmen im Klappentext Glauben schenkt, dann dürfte „Verblendung“ von Stieg Larsson eine der vielversprechendsten Thriller-Veröffentlichungen des Jahres sein. Der kritische Leser mag da gleich entgegenhalten, dass ebendiese Pressestimmen allesamt von schwedischen Zeitungen mit unaussprechlichen und nach Ikea-Katalog klingenden Namen kommen, doch für den |Heyne|-Verlag war dies kein Hindernis, „Verblendung“ schon mal im Vorfeld als Thrillerveröffentlichung des Jahres zu lobpreisen. Ob das alles nur leere Versprechungen sind oder in dieser Lobhudelei wirklich ein Fünkchen Wahrheit steckt, soll der folgende Text klären.

Ganz beschaulich fängt der Roman an, als der Journalist Mikael Blomkvist den Auftrag erhält, eine Familienchronik im Auftrag des Patriarchen Henrik Vanger zu schreiben. Die Vangers stehen einem der größten schwedischen Konzerne vor, einem komplexen Familienimperium, das tief in der schwedischen Geschichte verwurzelt ist.

Für Mikael kommt dieser Auftrag gerade zur rechten Zeit, gibt er ihm doch die Möglichkeit, nach seiner Verurteilung wegen übler Nachrede aus dem Rampenlicht der Stockholmer Pressewelt abzutauchen. Mikael hatte in einem Artikel für sein Magazin „Millennium“ über zwielichtige Geschäfte des Großindustriellen Hans-Erik Wennerström berichtet, aber in der darauf folgenden Gerichtverhandlung den Kürzeren gezogen.

So richtet Mikael sich also auf der beschaulichen Insel Hedeby ein, um an Vangers Familienchronik zu schreiben. Was nur Henrik Vanger und er selbst wissen, ist, dass dies nur ein Scheinauftrag ist. In Wirklichkeit soll Mikael herausfinden, was aus Vangers vor vierzig Jahren verschwundenen Großnichte geworden ist. Harriet Vanger war in Henrik Vangers Augen eine wichtige Hoffnung für die Zukunft des Vangerschen Konzerns. Doch Harriet verschwand während einer Familienzusammenkunft auf der Insel unter mysteriösen Umständen. Seitdem hat sie niemand mehr gesehen. Henrik Vanger vermutet einen Mord.

Als Mikael nach einigen Wochen der Ermittlungen wider Erwarten eine erste Spur entdeckt, wird ihm die junge Ermittlerin Lisbeth Salander zur Seite gestellt. Lisbeth, die mit sehr eigenwilligen Methoden arbeitet und sich nie in die Karten gucken lässt, stellt sich als überaus pfiffige und kompetente Assistentin heraus. Gemeinsam kommen die beiden auf die Spur eines alten Familiengeheimnisses und bringen sich durch ihr Wissen schließlich selbst in Gefahr. Wie schwer die Wahrheit wirklich wiegt, die die beiden zutage fördern werden, ahnen sie dabei selbst noch nicht, aber sie werden sich wünschen, dieses grausige Geheimnis niemals aufgestöbert zu haben …

Der Handlungsabriss von „Verblendung“ verspricht schon außerordentlich spannende Lektüre. Obwohl Larsson den Handlungsbogen ganz gemächlich spannt, zieht er den Leser gleich tief in die Geschichte hinein. Er erzählt auf eine schlichte und lockere Art, schafft es aber, den Leser von Anfang an mitzureißen. „Verblendung“ ist ein Buch, das den Anschein erweckt, als würde es sich quasi von selbst lesen. Leichtfüßig huscht man mit den Augen über die Seiten und zieht dabei unmerklich mit der Zeit das Lesetempo an – bis man irgendwann an den Punkt kommt, dass man „Verblendung“ nicht mehr gerne aus der Hand legen mag.

Dabei ist es nicht einmal die Spannung, die den Leser von der ersten Seite gefangen nimmt. Vielmehr sind es die Figuren, mit denen man mitfiebert. Larsson widmet sich erst einmal in aller Ruhe dem Leben seiner beiden Protagonisten Mikael und Lisbeth. In aller Ruhe erzählt er ihre Vorgeschichte (die in beiden Fällen durchaus interessant ist) und sorgt damit für eine vergleichsweise enge Bindung zwischen Leser und Figuren. Larsson geht es ganz offensichtlich nicht einfach nur darum, oberflächliche Spannung zu erzeugen und den Leser in einem atemlosen Plot mitzureißen, er legt seine Geschichte auf etwas mehr Tiefe an.

Mikael und Lisbeth sind zwei Figuren, die für sich genommen schon reichlich unterhaltsam sind. Beide haben ihre ganz ureigenen Macken. Bei Mikael ist es ein permanentes, offenes Dreiecksverhältnis, das er nun schon seit Jahren mit Freundin und Chefredakteurin Erika pflegt. Bei Lisbeth ist es ihre mangelnde soziale Kompetenz. Lisbeth ist aktenkundig und wird betreut, ist in ihrem Job als Ermittlerin für eine Security-Firma aber unübertroffen. Mikael und Lisbeth sind in ihrer ganzen Art und Weise ein interessanter Gegensatz, und auch dieser ist es, der auf den Leser einen Reiz ausübt und ihn bei der Stange hält.

Mit dem Thrillerplot lässt sich Larsson dagegen Zeit, aber das kann er sich durchaus leisten, denn auch so bleibt die Geschichte stets interessant. Mikaels Arbeit gleicht der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Immer wieder geht er Akten und Polizeiberichte durch, die vor ihm schon andere zigmal durchgekaut haben. Natürlich ist dem Leser klar, dass Mikael irgendwann etwas finden wird, aber dadurch, dass Larsson diesen Moment hinauszögert, steigert er die Spannung.

Als Mikael dann die erste Spur entdeckt, beginnt Larsson kontinuierlich an der Spannungsschraube zu drehen. Mit viel Liebe zum Detail schildert er Mikaels mühselige Vorgehensweise zur Rekonstruktion der Geschehnisse von vor vierzig Jahren. Als dann die ersten Drohungen gegen das Ermittlerduo von unbekannter Adresse kommen, steigt die Spannung zu ihrem Höhepunkt an. Larsson enthüllt eine grausige Familiengeschichte, und das Wissen darum ist für beide Protagonisten gleichermaßen belastend.

Der Spannungshöhepunkt ist dann schon weit vor Ende des Buches erreicht. Schon 150 Seiten vor dem Ende des Romans ist der Fall geklärt – größtenteils schlüssig aufgelöst und bis auf in kleineren Details durchaus glaubwürdig. Doch auch nach diesem vermeintlichen Ende gibt es noch einiges Spannendes zu lesen. Auch wenn der Fall abgeschlossen ist, so gibt es für die Protagonisten doch noch Vieles zu tun. Auch hier steigt die Spannung zum Ende hin dann noch einmal gewaltig an und endet mit einem Tusch, der die Romankomposition wunderbar abrundet.

Vom Aufbau her kann man „Verblendung“ durchaus als sehr gelungene Spannungslektüre sehen. Der Plot ist dicht und fein gewoben, der Leser fiebert mit den Figuren mit und der Erzählstil ist so eingängig und leichtfüßig, dass man bei der Lektüre gerne mal die Zeit vergisst. Man bekommt einen Einblick in den Journalistenalltag und blickt den Figuren bei all ihren Aktivitäten stets über die Schulter. Man ist nah am Geschehen, schmunzelt und leidet mit den Protagonisten, die sehr bildhaft und trotz ihrer merkwürdigen Eigenarten lebensnah erscheinen.

„Verblendung“ ist der Auftakt zu Larssons „Millennium-Trilogie“. In Schweden hat sich der Roman so ordentlich verkauft, dass die Verfilmung offenbar bereits in Arbeit ist. Die Filmrechte hat sich übrigens die gleiche Produktionsfirma gesichert, die auch schon Mankells Wallander-Krimis verfilmt hat. Larsson ist mit „Verblendung“ für den „Gläsernen Schlüssel“, den schwedischen Krimipreis, nominiert worden. Larsson selbst war seines Zeichens Journalist und Herausgeber des schwedischen Magazins „EXPO“ – also selbst ein kleiner Mikael Blomkvist. Vielleicht wirkt auch deswegen das Leben von Blomkvist so authentisch. Larsson starb leider schon 2004 fünfzigjährig an den Folgen eines Herzinfarkts.

Kurzum: Mit „Verblendung“ ist Stieg Larsson ein überaus spannend erzählter Roman geglückt. Ob das Ganze nun wirklich die Thriller-Veröffentlichung des Jahres ist, werden wir wohl erst am Jahresende wissen. Dennoch kann man „Verblendung“ getrost weiterempfehlen. Man fiebert mit den Figuren mit, schließt sie in sein Herz und mag sie am Ende des Romans gar nicht mehr verlassen. Der Spannungsbogen strebt kontinuierlich aufwärts und trotzdem besitzt Larsson die Professionalität, seinen Roman gewissermaßen ruhig angehen zu lassen. Freunden spannender Lektüre absolut zu empfehlen, denn mit diesem Buch vergisst man die Zeit.