Schlagwort-Archive: Goldmann

[NEWS] Karen Swan – Der Zauber eines Wintertages

Vor fünf Jahren hat die Londoner Fotografin Lee alle Brücken hinter sich abgebrochen. Inzwischen haben sie und ihr kleiner Sohn Jasper in Amsterdam ein neues Zuhause und viele gute Freunde gefunden. Kurz vor Weihnachten begegnet Lee einem Mann, der ihr Herz höherschlagen lässt: dem attraktiven Kinderbuchautor Sam, der bei einem Fotoshooting im Krankenhaus den Nikolaus spielt. Als der erste Schnee fällt und Amsterdams Grachten zufrieren, kommen Lee und Sam sich näher. Doch ein Geheimnis aus Lees Vergangenheit droht ihr Glück zu zerstören. Ob das Fest der Liebe eine zweite Chance für sie bereithält? (Verlagsinfo)

Taschenbuch ‏ : ‎ 560 Seiten
Goldmann

[NEWS] Max Bentow – Der Mondscheinmann: Ein Fall für Nils Trojan 8 – Psychothriller

Lilienblüten auf dem Boden, Kerzen brennen und erhellen die Umrisse einer toten Frau, geschminkt und frisiert. Das Einzige, was die perfekte Inszenierung stört, sind die vielen Schnecken, die leise über das morbide Stillleben gleiten. Dies ist das Bild, das sich Kommissar Nils Trojan und seinem Team bietet, als sie in einer Berliner Wohnung eintreffen. Wenig später wird ein zweites Opfer im Wald aufgefunden, und wieder ist der Tatort inszeniert wie ein Andachtsraum. Trojan stürzt sich in die Ermittlungen und merkt zu spät, dass sein Gegner ein Spiel mit ihm spielt – ein Spiel, das so sanft wie eine Klaviersonate beginnt und mit dem sicheren Tod endet … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 416 Seiten
Goldmann

[NEWS] Fredrik Backman – Eine ganz dumme Idee

Eine Kleinstadt in Schweden, kurz vor dem Jahreswechsel: An einem grauen Tag findet sich eine Gruppe von Fremden zu einer Wohnungsbesichtigung zusammen. Sie alle stehen an einem Wendepunkt, sie alle wollen einen Neuanfang wagen. Doch dieser Neuanfang verläuft turbulenter als gedacht. Denn wegen der ziemlich dummen Idee eines stümperhaften Bankräubers werden auf einmal alle Beteiligten zu Geiseln. Auch wenn davon niemand überraschter ist als der Geiselnehmer selbst. Es folgt ein Tag voller verrückter Wendungen und ungeahnter Ereignisse, der die Pläne aller auf den Kopf stellt – und ihnen zeigt, was wirklich wichtig im Leben ist … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 464 Seiten
Goldmann

[NEWS] Jenny Bayliss – Ein Winter voller Liebe

Eigentlich ist Kate glücklich mit ihrem Leben in einem kleinen Dorf im idyllischen Kent. Sie backt für das Café ihres besten Freundes und designt Stoffe für ein Londoner Edelkaufhaus. Als ihre beste Freundin aber beschließt, Kate bei einer großen Dating-Weihnachtsaktion anzumelden – zwölf Dates mit zwölf verschiedenen Männern –, wird ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt. Plötzlich interessieren sich alle, vom Pub-Besitzer bis zum Postboten, für ihr Liebesleben. Und während Kate sich fragt, ob ihr vielleicht wirklich ein Mann im Leben gefehlt hat, weiß die Dorfgemeinschaft längst, wer schon immer für sie bestimmt war … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 528 Seiten
Goldmann

[NEWS] Elizabeth Kostova – Das dunkle Land

Alexandra Boyd kommt eigentlich in die bulgarische Hauptstadt Sofia, um dort Englisch zu unterrichten. Doch dann gelangt sie durch Zufall in den Besitz eines Holzkästchens mit der Asche eines Verstorbenen. Damit beginnt eine abenteuerliche Suche nach der Familie des Toten, die Alexandra immer tiefer hineinführt in das wilde, ihr fremde Land und immer weiter hinab in dessen Geschichte. Nach und nach enthüllt sich auf den Stationen ihrer Reise das Schicksal des Verstorbenen, Stoyan Lazarov – eines begnadeten Musikers, dessen Leben von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts und von einer großen Liebe bestimmt war. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 736 Seiten
Goldmann

[NEWS] Michael Palin – Erebus: Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See

19. Mai 1845, Greenhithe, England: Sir John Franklin macht sich mit 134 Männern und zwei Schiffen, der Terror und der Erebus, auf den Weg ins arktische Eis, um den letzten weißen Fleck der Nordwestpassage zu kartieren. Drei Jahre später verschwinden die Schiffe, ihr Schicksal und das ihrer Crews bleibt mehr als anderthalb Jahrhunderte lang ein Rätsel – bis 2014 vor der Nordküste Kanadas ein wahrhaftiger Schatz gefunden wird: das Wrack der HMS Erebus. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten
Goldmann

Paul Hoffman – Die letzten Gerechten

Die Trilogie:

Band 1: [„Die linke Hand Gottes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6336
Band 2: „Die letzten Gerechten“
Band 3: „Die Stunde des Erlösers

Triumphe des Bösen: Erlöser auf dem Vormarsch

Cale ist die linke Hand Gottes, der Engel des Todes. Er ist dazu bestimmt, jeden zu vernichten, der nicht des wahren Glaubens ist. Die Erlösermönche, allen voran sein ehemaliger Mentor Bosco, glauben der Prophezeiung, die besagt, dass Cale Gottes Gesandter ist. Erst wenn er seinen Auftrag vollbracht hat, wird Gott eine neue Welt erschaffen können mit den letzten gerechten Menschen dieser Welt. Aber Cale will nur ungern von seinen ehemaligen Unterdrückern für ihre Zwecke benutzt werden und lässt die Mönche erst einmal in dem Glauben, dass er für sie arbeitet. In Wirklichkeit hat er längst einen ganz anderen Plan … (Verlagsinfo)

Der Autor

Paul Hoffman hat nach seinem Anglistik-Studium in über zwanzig verschiedenen Berufen gearbeitet, unter anderem als Buchmacher, Kurierfahrer, Lehrer und als Gutachter für den Britisch Board of Film. Teile seines ersten Romans „The Wisdom of Crocodiles“ wurden mit Jude Law verfilmt. Als Drehbuchautor hat er neben vielen anderen mit Francis Ford Coppola gearbeitet. „Die linke Hand Gottes“ ist sein erster Roman bei Goldmann und der erste Teil seiner Trilogie, „Die letzten Gerechten“ der zweite Band. (Verlagsinfo)

Der Übersetzer

Dr. Karlheinz Dürr wurde 1947 in Lörrach/Baden geboren. Er ist Leiter des Fachreferats „Europa“ bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Nebenberuflich ist er in der politischen Erwachsenenbildung tätig. Als Deutschland-Koordinator des Europarats für Demokratie-Lernen ist er häufig in anderen europäischen Ländern unterwegs. Darüber hinaus hat er bislang über 60 Bücher aus dem Englischen bzw. Amerikanischen übersetzt und schreibt Kurzgeschichten für Kinder und Jugendliche. Er hat 3 Töchter und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Tübingen. (Verlagsinfo)

Handlung

Nach dem Fall von Memphis, der Hauptstadt des Weltreiches der Materazzi, befindet sich Thomas Cale, der abtrünnige Mönch des Erlöserordens, fest in den Händen Boscos, der Nr. 3 dieses Ordens. Der Kämmerer und Stratege, Toms Lehrmeister, ist die Nummer 3, will es aber nicht lange bleiben, sondern selber Papst werden. Und selbstverständlich soll ihm der brillante Verstand seines Zöglings auf den Stuhl Petri verhelfen.

In einem langen Monolog auf einer einsamen Bergspitze macht Bosco Thomas klar, dass er ihm mit Haut und Haar gehört, nirgendwohin entwischen kann. Das sieht Tom ein, schmiedet aber wie stets einen eigenen Alternativplan. Als Erstes soll seine Aufgabe sein, eine Elitetruppe auszubilden. Durch ein blödsinniges Missverständnis kommt es zur vollständigen Exekution dieser Elitetruppe. Dumm gelaufen.

Stattdessen schlägt Tom vor, die Verdammten zu rekrutieren, die in den Kerkern der Ordensburg ihrer Hinrichtung entgegensehen. Insbesondere will er den „Naturphilosophen“ und Erfinder Gerald Hooke für seine militärischen Zwecke haben. Durch eine listige Vertauschung gelingt dies sogar.

Als Erstes soll Tom in einem Feldzug gegen die antagonistischen Folk-Rebellen im südlichen Grenzgebiet neue Taktiken entwickeln, mit denen später der Rest der Welt unterworfen – und vernichtet! – werden kann. Denn der letztendliche Zweck des Glaubens an den Gehenkten Erlöser besteht darin, nicht nur alle Andersgläubigen auszurotten, sondern auch die Erlöser selbst dem Tod und somit der Erlösung zuzuführen. Ein wahres Himmelsfahrtskommando.

Durch Hookes Erfindungen, neuartigen Drill und vor allem durch seinen persönlichen Einsatz gelingt es Tom und seinen „Purgatoren“ (Reinigern), den Folk-Rebellen eine schwere Niederlage zuzufügen. Sie können fortan ihr Stammesgebiet nicht verlassen und bekommen kaum Nachschub, folglich bringen ihnen die folgenden Wintermonate eine schwere Hungersnot. Dieses Problem wäre erledigt.

Aber das nächst folgt sogleich. Die Antagonisten haben auf den Golanhöhen, die nur 150 Meilen von Chartres, der Heiligen Hauptstadt des Papstes, entfernt liegen, ein Söldnerheer der Lakonier aufgestellt. Die Lakonier sind die Spartiaten dieser Welt: Sie leben, um Krieg zu führen. Und sie sind allesamt homosexuell. Der greisenhafte Papst bestimmt den militärischen oberkommandierenden General Van Owen als Befehlshaber der Armee, die die Lakonier vernichten soll.

Obwohl die Lakonier nur 8000 Mann aufbieten und Van Owen fast doppelt so viele, verläuft die Schlacht auf dem Hochmoor ganz anders als erwartet. Tom hat inzwischen seinen Freund Vague Henri wieder bei sich und schaut sich die Sache mit seinen Purgatoren an. Er hat bereits vorausgesagt, wie die Schlacht ausgehen wird. Doch selbst er ist überrascht, wie schlimm es dann kommt. Bosco betraut ihn anschließend mit der Aufgabe, es den Lakoniern heimzuzahlen. Leichter gesagt als getan.

Aber das Hochmoor an den Golanhöhen ist andererseits nur wenige hundert Meilen von Grenze der neutralen Schweiz entfernt – und von einer Frau, die Tom einst sehr viel bedeutet hat …

Unterdessen

Nach der verheerenden Schlacht von Silbury Hill und dem anschließenden Fall von Memphis an die Erlöser sind von den reichen und mächtigen Familien der Materazzi-Ritter nur noch rund 4000 Menschen übrig. Sie finden in Spanish Leeds Zuflucht, einer Stadt an der Grenze der Schweiz, wo auch Kitty der Hase, der Untergrundkönig von Memphis, sein Domizil hat. König Zog gewährt allen Asyl, doch Bose Ikard, sein Kanzler, will die Schmarotzer loswerden.

Unter den Flüchtlingen ist nach dem Tod ihres Vaters nunmehr Arbell Schwanenhals die Königin. Arbell ist hochschwanger, und das Kind scheint von ihrem Gemahl Conn zu sein, ihrem Cousin, der Tom sein Leben verdankt – ebenso wie Arbell übrigens. Tom hat noch eine Rechnung mit Arbell offen, denn nach dem Fall von Memphis verriet sie ihn, als sie mit Bosco sprach. Und seitdem sinnt er auf Rache.

Doch als dann Tom wirklich eintrifft, entwickeln sich die Dinge ganz anders als erwartet. Denn es ist nicht Conns Kind, das Arbell unter dem Herzen trägt …

Mein Eindruck

Dies ist Band 2 der „Cale“-Trilogie. Nach einem sehr schleppenden Anfang, der kaum durch schnelle Dialoge aufgelockert wird, kommt die Geschichte ab etwa Seite 70 allmählich in Fahrt. Da auch das Geschehen des ersten Bandes komplett rekapituliert wird, können Neueinsteiger etwas mit diesem Band anfangen. Ich halte es jedoch ratsam, den ersten Band der Trilogie gelesen zu haben. Nicht nur wegen des außerordentlichen Vergnügens, sondern vor allem, weil der Leser nur so die Gefühle nachvollziehen kann, die Tom für Arbell und Bosco hegt.

Engel des Todes

Der Anfang konzentriert sich deshalb so stark auf die Beziehung zwischen Tom und Bosco, weil nur so zu verstehen ist, wieso Tom nicht gleich wieder abhaut. Tom hat einen festen Platz in Boscos Plänen: als übermenschlichen Wesen, den Engel des Todes. Mit dieser Macht ausgestattet, könnte Tom wesentlich mehr ausrichten, als nur sich wie eine Maus zu verkriechen. Tatsächlich kann Tom praktisch fordern, was er will, und Bosco wird es ihm geben. Sogar Ketzer wie Gerald Hooke und andere Purgatoren. Durch Bosco hat Tom Zugriff auf geheime Vorgänge im Erlöserorden und Zugang zur höchsten Führungsebene. Das will er sich zunutze machen.

Action

Vorerst aber kann sich der abenteuerlustige Leser auf Toms drei Schlachten freuen: einmal gegen die Folk und zweimal gegen die Lakonier. Hier kommt der Actionfan auf seine Kosten. Immer wieder fiel mir bei der Beschreibung der Geografie auf, wie die Ortsbezeichnungen aus unserer Welt wild durcheinandergewürfelt werden, so als handle es sich hier um eine alternative Version unserer Geschichte. Die Golanhöhen liegen nicht im Libanon und Memphis nicht am Nil oder Mississippi. Auch das südafrikanische Veldt, eine Buschsavanne, ist nicht weit von der schottischen Hochmoorlandschaft der Golanhöhen entfernt.

Vorbilder

Andersherum jedoch gilt auch die Übertragung von anderen Namen auf bekannte Völkerschaften und Gruppen. Die Lakonier etwa sind eindeutig Lakedaimonier bzw. Spartiaten, also Elitekrieger, besitzen aber wie die Spartiaten als Sklaven die Heloten, genau wie im Vorbild. Lustigerweise tragen sie schottische Namen wie Jeremy Stuart-Clarke. Und aus dem Adjektiv „lakonisch“ lassen sich feine Wortspiele spinnen.

Die Schlacht gegen die Folk auf dem Veldt sind eindeutig dem Burenkrieg entnommen. Die Danksagung des Autors bezeichnet exakt die Quellen und Vorbilder für die Szene am Duffer’s Drift, einem U-förmigen Flusstal, und für das Konzentrationslager, das Cale für die Folk einrichten lässt. Die Hungersnot der Folk ist jener der Iren Mitte des 19. Jahrhunderts (und frühere) entnommen.

Nacht der Langen Messer

Das dritte Viertel des Buches schildert nicht nur Cales Sieg über die Lakonier, sondern auch den anschließenden Umsturz Boscos in Chartres: Es ist eine Nacht der Langen Messer, der Boscos politische Feinde, wie auch unwillkommene Freunde zum Opfer fallen. Mit dem für Hoffman typischen Sarkasmus werden selbst geringste Morde geschildert. Doch dann gibt es für Bosco und seine Mörderbande ein böses Erwachen: Der Papst – man wagt es kaum auszusprechen – war eine Frau! Und führte die Kirche 20 Jahre lang, ohne dass es jemand merkte! Dementsprechend drastisch fallen Papst Boscos Edikte gegen die Frauen – und ehelichen Sex generell – aus.

Parallelwelt

Es ist klar, dass der Erlöserorden dieser Parallelwelt der römisch-katholischen Kirche zu ihren finstersten mittelalterlichen Zeiten entspricht. Wer „Der Name der Rose“ gelesen hat, wird hier viele parallele Entwicklungen und Elemente finden, so etwa die Abwesenheit von Frauen, die von den jungen Mönchen als wahre Wundertiere betrachten werden – und als Eingang zur Hölle. Auch Bücher sind nur für privilegierte Eingeweihte zugänglich, etwa für Tom Cale.

Unter Räubern

Was Frauen anbelangt, so bilden die Abenteuer von Toms Freund Kleist mit Daisy, einer geretteten Räubergeisel, einen heiteren Kontrapunkt zu den meist grimmigen Abenteuern Toms. Kleist lernt mit Daisy buchstäblich die Frauen und die Liebe kennen. Als sie ihm sagt, sie sei von ihm schwanger, muss sie ihm erst einmal erklären, wo die kleinen Kinder herkommen und gemacht werden. Er hat wirklich absolut keine Ahnung, woher auch?

Mit der listigen Daisy fällt Kleist, der Bogenschütze, wirklich unter die Räuber. Sie ist die Tochter von Suveri, einer Art Räuberhauptmann, der mit seinem diebischen Volk in den Bergen lebt, die nicht weit von Memphis entfernt sind. Die Klephten, wie sie sich nennen, berauben gewohnheitsmäßig die Molosser, welche aber wiederum den Erlösern, die jetzt in Memphis herrschen, tributpflichtig sind.

Als durch Kleists Kriegskunst die Klephten den Molossern derart zusetzen, dass sie keinen Tribut mehr entrichten können, schicken die Erlöser 500 Kriegermönche, um die Klephten zu bestrafen, will heißen: auszurotten. Es kommt zu dramatischen Szenen im Gebirge: Soll die Klephten abwarten und Tee trinken, wie sie das schon immer gemacht haben – oder sollen sie fliehen, wie Kleist, der Fremdling, es dringend anrät? Sie reagieren fast schon zu spät. Der Ausgang der folgenden Schlacht ist alle andere als erfreulich …

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Karlheinz Dürr ist von außergewöhnlich hoher Qualität. Der Text liest sich sehr flüssig und das Deutsch klingt natürlich und modern. Wieder sieht sich der junge Leser hin und wieder mit etwas ausgefallenen Ausdrücken konfrontiert, so etwa „Brayette“, einem Teil einer Ritterrüstung. Aber viel mehr gibt es diesbezüglich nicht.

Sehr gut hingegen fiel mir die etwas derbe Sprache. Da ist vielfach von, ähem, Hinterteilen die Rede und zwar in eindeutig sexuellem Kontext. Der Stil ist der heutigen Umgangssprache schon ziemlich angenähert, sodass jugendliche Leser keine Probleme damit haben dürften.

Druckfehler gibt es zum Glück nur zwei oder drei, die so geringfügig sind, dass ich sie nicht einzeln aufzuzählen brauche.

Unterm Strich

Dem schleppenden Anfang des Buches hätte ich nur drei Sterne gegeben, aber ab Seite 70 weiß sich der Autor rasch zu steigern, bis er mit drei Schlachten meinen Actionhunger zu stillen wusste. Ab Seite 130 las ich das Buch in einem Rutsch. Was nicht weiter schwerfiel, denn es passiert ständig etwas, das Spannung, Abwechslung und Unterhaltung liefert. Action, Sex, schwarzer Humor und viele neue Elemente heben diesen zweiten Band auf das Niveau des ersten Bandes.

Für seine Welt brauchte der Autor nur bei den Katholiken im finstersten Mittelalter nachzuschlagen, denn dort gab es ja auch Orden, Ketzer, Mönche, Kasteiung und vieles mehr – zumindest bis zu Reformation im 16. Jahrhundert. Der Erlöserorden ist ein ganz besonders strenger, der nur an die Vergänglichkeit des Fleisches und die Verdammtheit aller Menschen glaubt.

Die letzten vier Dinge des Originaltitels sind: Tod, Gericht, Himmel und höllische Leiden. Somit wird das Leben hienieden als nichtswürdig erachtet und nur das Jenseits ist etwas wert. Kein Wunder also, dass Bosco die Endzeit gekommen sieht – und tatkräftig an ihren Auswirkungen arbeitet. Deshalb ist Tom, sein Agent, der „Engel des Todes“, etwas Übermenschliches, das die Gläubigen um Heilung, Fürbitte und Erlösung anflehen.

Das Dumme für Tom: Er glaubt nicht an diesen Mumpitz. Dieses Dilemma macht seine Figur so interessant. Vielleicht kann er also diesem finsteren Spuk in Band 3 ein Ende bereiten. Doch Boscos Auftragsmörder sind bereits auf seiner Fährte …

Broschiert: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3442312566
Originaltitel: The Last Four Things

http://www.penguinrandomhouse.de/

[NEWS] Samantha Downing – Meine geliebte Schwester

Schon seit Ewigkeiten hat Beth ihre Geschwister Portia und Eddie nicht mehr gesehen. Auch weil die drei alles andere als eine idyllische Kindheit hatten. Als das Testament ihres Großvaters sie jetzt zu einer gemeinsamen Reise quer durch Amerika nötigt, fügen sie sich daher nur widerwillig. Denn auch die Route weckt böse Erinnerungen: Zwanzig Jahre zuvor verschwand hier unter mysteriösen Umständen Beths geliebte Schwester Nikki. Was damals wirklich geschah, droht nun ans Licht zu kommen – und macht aus dem Familienausflug einen Trip in die Hölle … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 480 Seiten
Goldmann

Paul Hoffman – Die linke Hand Gottes (Thomas Cale Trilogie 1)

_Die Trilogie_:

1) _“Die linke Hand Gottes„_ (2010)
2) „Die letzten Gerechten“ (2011)
3) Die Stunde des Erlösers

Actionreich, romantisch und spannend: Kriegermönche und die Liebe

Das heilige Kloster des Erlöserordens ist ein trostloser Ort, an dem Hoffnung und Freude unbekannt sind. Wer hierhergebracht wird, für den hat das Leben ein Ende. Die jungen Novizen, die diesen höllischen Ort betreten, müssen das schreckenerregende Regime der Mönche ertragen. Gewalt und Grausamkeit stehen an erster Stelle.

Thomas Cale ist einer dieser unglückseligen Klosterschüler. Er ist vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, da ist er sich nicht sicher. Niemand kann es ihm genau sagen. Schon lange hat er seinen richtigen Namen vergessen. Jetzt nennen sie ihn Cale. Er kann sich an sein früheres Leben nicht wirklich erinnern, und er weiß nicht, was ihn noch alles erwarten wird, aber eines weiß er: Niemals werden sie ihn unterkriegen. Seine Zeit wird kommen, und dann wird er sich rächen … (Verlagsinfo)

Der Autor

Paul Hoffman hat nach seinem Anglistik-Studium in über zwanzig verschiedenen Berufen gearbeitet, unter anderem als Buchmacher, Kurierfahrer, Lehrer und als Gutachter für den Britisch Board of Film. Teile seines ersten Romans „The Wisdom of Crocodiles“ wurden mit Jude Law verfilmt. Als Drehbuchautor hat er neben vielen anderen mit Francis Ford Coppola gearbeitet. „Die linke Hand Gottes“ ist sein erster Roman bei Goldmann und der erste Teil seiner Trilogie. (Verlagsinfo)

Handlung

Das Kloster der Mönche des Erlöserordens liegt in einer Einöde irgendwo in Europa. Der orden führt seit Jahrhunderten Krieg gegen die Ketzer der „Antagonisten“ und bildet alle seine Zöglinge zu Kriegern aus, die man später an der Front einsetzen kann. Auch Thomas Cale ist so ein Krieger Cale, doch er zeichnet sich besonders aus: Er wird vom Kriegsmeister Bosco persönlich ausgebildet. Damit er sich auf seine Kenntnisse in Strategie, Geographie und Waffenkunde nichts einbildet, bestraft ihn Bosco regelmäßig schmerzhaft. Cale lernt, niemandem zu vertrauen und sein Herz zu verschließen.

Somit ergeht es Thomas keinen Deut besser als 500 anderen Zöglingen in der Schlafhalle der Ordensburg. Und auch seine zwei Kumpels Kleist, der Rattenjäger, und Vague Henri, der ewig Unentschiedene, erfreuen sich keiner Privilegien; auch sie müssen den Fraß namens „Eingeschlafene Füße“ täglich hinunterwürgen. Deshalb planen sie ihre Flucht schon lange. Heute ist ein besonderer Tag: Kleist hat einen alten Schlüssel zu einer verborgenen Tür entdeckt – eine Sensation, denn die Mönche verabscheuen Türen.

Der Gang hinter der verborgenen Tür ist elend lang, endet unter einer Luke, führt zu einer zweiten Luke und dieser Gang wiederum führt zu einer Balustrade. Und hier stoßen die drei Kumpane unvermittelt auf das Paradies: Frauen! Noch dazu nackte Frauen! Diese sündigen Gefäße des Teufels, wie die Doktrin lautet, planschen in einem Becken, bekommen gut zu essen und lachen – lachen! – in einem fort. Unglaublich! Die drei Freunde schleichen sich heimlich von dannen und landen in einer Küche, die vor Köstlichkeiten überquillt. Noch mehr Paradiesgaben! Auch die Flucht mit gefüllten Taschen gelingt rechtzeitig zum Abendgebet.

Nachdem sie sich an den ungewohnten Speisen den Magen verdorben haben, verbringen sie eine schlaflose Nacht. Thomas beschließt, die Flucht zu wagen. Doch zuvor braucht er Vorräte und Werkzeug. Als er in die Kammer des Zuchtmeisters späht, entdeckt er einen grausigen Vorgang. Der Zuchtmeister seziert einen Körper – und es ist der eines der beiden Mädchen, die sie gestern entdeckten! Sie lebt noch, wie er an der zitternden Hand feststellen kann. Neben ihr wimmert ein zweites, geknebeltes Mädchen – das nächste Opfer. Von Grauen und Zorn gepackt tötet Thomas den Zuchtmeister mit einem Stich in die Oberschenkelarterie; der Mann ist nur verwundert, während er verblutet: Wie konnte ein Zögling ihm so etwas antun?

Thomas versteckt das zweite Mädchen bei seinen Freunden im Tunnel und flieht über die Burgmauer in die Einöde der Scablands. Schon wenige Stunden später wird das Verschwinden der drei Akuluthen ebenso entdeckt wie die Leiche des sezierten Mädchens. Die Hunde erreichen Thomas um ein Haar noch rechtzeitig, doch er springt in einen See und rettet sich in einen Lehmtagebau. Der Lehm, so hat er herausgefunden, überdeckt seinen eigenen Geruch. Kaum ist die Jagd abgeblasen, holt er seine Freunde heraus. Zusammen mit dem Mädchen machen sie sich auf den Weg durch die Scablands, um nach Memphis zu gelangen.

Memphis

Memphis ist die stolze Hauptstadt des größten Reiches dieser Welt. Dort herrschen die adligen Materazzi über zahlreiche Vasallen und Provinzen. Gerade als die vier Freunde dem Kanzler, Lord Leopold Vipond, dieses Reiches das Leben retten wollen, verhaftet eine Patrouille die Flüchtlinge. Diese geben sich als Zigeuner aus. Klar, dass sie zunächst im Kerker des Geheimdienstes des Kanzlers landen. Dort trifft Thomas den Söldner Idris Pukke wieder, dem er das Leben geschenkt hat. Der Tunichtgut ist der Halbbruder des Kanzlers und soll in dessen Auftrag die vier seltsamen Neuankömmlinge ausspionieren.

Lord Vipond nimmt es mit Verwunderung auf, dass Thomas – nach vielen Verhören – ihm berichtet, dass die Erlösermönche zum Krieg rüsten. Doch sicherlich nur gegen die „Antagonisten“, oder“ Bosco würde sich doch niemals mit den gepanzerten, mächtigen Materazzi anlegen?

Thomas verschweigt ihm wohlweislich, dass er in Boscos Strategielehre einen Plan für genau diesen Angriff ausarbeiten musste. Er ahnt nicht, dass Bosco bereits den Abt mit einem Kissen erstickt hat und nun den Plan Schritt für Schritt umsetzt. Außerdem heuert er in Memphis zwei Meuchelmörder und setzt sie auf Thomas an …

Was soll man bloß mit diesen vier Fremdlingen, die keine Ahnung von Kultur haben, anfangen, fragt sich Lord Vipond. Kleist und Vague Henri steckt er in die Küche und Riba gibt er seiner Nichte Jane als Unterunterunterdienerin. Doch dieser Cale ist ein anderes Kaliber, wie ihm scheint. Er steckt ihn in die Kampfschule. Dort, so hofft er, werden ihm die adligen Jünglinge der Materazzi Manieren und Demut beibringen.

Kurz nachdem Cale einer jungen Frau, die er später als Arbell Schwanenhals, die Tochter des Marschalls, kennenlernt, das Leben gerettet hat, gerät er mit Conn Materazzi, dem stolzesten und besten der Jünglinge aneinander. Es kommt zu einem Duell mit weitreichenden Folgen für ganz Memphis …

Mein Eindruck

Für den Schauplatz dieses Geschehens liefert der Autor keine Landkarte. Die muss man sich schon im Kopf zusammenstellen. Und dafür findet man zahlreiche widersprüchliche Hinweise. Memphis liegt hier weder am Nil noch am Mississippi, sondern irgendwo in Nordwesteuropa am Meer. Es herrscht über ein Reich, das im Norden von kriegerischen Norwegern bewohnt wird, und offenbar irgendwo im heißen Süden endet, wo der Vulkan von Delphi Feuer speit.

Die Ritter

Allerdings hat Memphis eine gemeinsame Grenze mit dem Erlöserorden. Diese war bis jetzt unumstritten, doch jetzt zieht der neue Abt Bosco in eine merkwürdig neue Art von Krieg. Die Materazzi, die den italienischen und französischen Rittern des Spätmittelalters entsprechen, wissen mit solchen Vorstößen einfach nichts anzufangen. Seit fünfzig Jahren waren sie nicht mehr im Krieg, und davor haben ihre Panzerreiter jeden Gegner niedergewalzt.

Der Krieg der Mönche

Was aber soll man davon halten, wenn ein ganzes Dorf von mehr als tausend Menschen massakriert wird – von nur einem Mann?! Wofür, warum, wozu, fragt sich Lord Vipond zitternd, als er das Mordinstrument betrachtet, einen Handschuh mit eingenähter krummer Klinge. Und wozu wurde eine Militärakademie angegriffen, dann sogar eine befestigte Stadt? Es ergibt alles keinen militärischen Sinn – bis ihm der Urheber dieses Palns, Cale, die Augen dafür öffnet.

Und Cale ist es auch, denn Vipond binnen drei Tagen einen Gegenplan liefern muss, soll der Angriff der Erlösermönche nicht ungestraft bleiben. Diese Anfrage hat Cale stets vermeiden wollen, doch schließlich wurde sein Geheimnis doch offenbart, nicht zuletzt durch Kleist und Vague Henri. Er und seine Freunde haben den Sohn des regierenden Marschalls, den taubstummen Simon Materazzi, nicht nur in Kampftechnik unterrichtet, sondern ihm auch die Gebärdensprache beigebracht, sodass er sich nun fließend mit Hilfe eines Dolmetschers verständigen kann. Dafür haben sie sich in den Augen des Marschalls und seiner Tochter Arbell, hohes Verdienst erworben.

Unstandesgemäße Liebe

Thomas‘ Herz hat schon immer nach Arbell getrachtet, seit er sie auf einer Mauertreppe vor dem Sturz in den Abgrund bewahrte. Doch er hat es nicht leicht: Er als Mönch kennt die Frauen eigentlich gar nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Liebe der Materazzi-Frauen kompliziert ist. Der Codex verlangt von ihnen, schön zu sein, um Freier anzuziehen, diese dann aber möglich abweisend und hochmütig zu behandeln. Das ist die Minne der Ritter. Bevor sich also Arbell für ihn interessieren kann, muss sie sich erst grundlegend ändern. Dafür sorgt ihre neue Dienerin Riba.

Die mollige Riba aus der Ordensburg bildet zu den Materazzifrauen einen scharfen Kontrast. Riba ist keineswegs auf den Kopf gefallen, aber dazu erzogen worden, den Herren der Schöpfung alles recht zu machen. Folglich kann sie sich vor Verehrern kaum retten. Was ihr prompt den Rauswurf durch ihre erste Herrin, Jane Vipond, einbringt. Nun wirkt sie als Spionin der Marschallin in den Gemächern Arbells.

VORSICHT, SPOILER!

Arbells Geheimnis

Denn Arbell wird von der Außenwelt abgeschirmt. Welches Geheimnis verbergen Arbell und ihre drei Leibwächter Cale, Kleist und Vague Henri, will die Marschallin herausbekommen. Der Grund ist einfach: Boscos Mönche haben Arbell bereits einmal entführt. Beim zweiten Versuch werden sie sie töten, ist sich Cale sicher. Es dauert nicht lange, bis die Mönche zusammen mit Leuten aus der Unterwelt der Stadt mitten in den Palast eindringen …

Finale

Im ausgedehnten Finale des Romans gelangen der Krieg gegen die Erlöser und die Liebesbeziehung zu Arbell in ein kritisches Stadium. Obwohl Arbell ihren Beschützer Cale innig zu lieben gelernt hat, fürchtet sich doch ein kleiner Teil von ihr immer noch vor ihm. Gar zu kaltblütig war er beim Töten des Kampfmeisters Solomon in der Arena. Wird er nun auch in der Entscheidungsschlacht gegen die Erlöser ebenso kalt töten?

Azincourt reloaded

Der unerwartete Verlauf dieser Entscheidungsschlacht wird bis ins kleinste Detail erklärt, um die Bedeutung dieses Ereignisses klarzumachen. Die gepanzerten Materazzi-Ritter sind den erschöpften, kranken und kaum bewaffneten Mönchlein 5 zu 1 überlegen, noch dazu in jeder waffentechnischen Hinsicht. Die erste Phase der Schlacht folgt dem Muster der Schlacht von Azincourt aus dem Jahr 1415. Jeder, der schon mal Kenneth Branaghs Verfilmung von Shakrespeares Drama „Henry V“ gesehen hat, weiß, wie die Schlacht verlief: Ein englischer Pfeilregen machte den Pferden und Rittern der Franzosen den Garaus.

Gar so einfach kann es jedoch nicht gewesen sein. Gegen den Reiterangriff haben die Mönche Stöcke in die Erde getrieben, in die die Pferde wie in Spieße rennen. Schon bald stapeln sich die Ritter und pferde, die in ihren Panzern wie Einsiedlerkrebse gefangen sind. Sie ersticken jämmerlich, weil immer weitere ruhmessüchtige Materazzi nachrücken und auf die Gefallenen gepresst werden. Es ist das gleiche Phänomen wie bei der Duisburger Loveparade 2010. Kleine Mönchskommandos haben leichtes Spiel. Cale gelingt es, einen einzigen Ritter freizuzerren: nicht Simon, sondern Conn Materazzi, seinen Duellgegner.

Eine reife Frucht

Der Leser sollte für diese Schlacht schon ein wenig militärisches Verständnis, eine gewisse Aufgeschlossenheit mitbringen. Sie zu verstehen, macht einem der Autor leicht. Die Folgen der Schlacht sind verblüffend: mehr als 40.000 Ritter und Schwertkämpfer müssen gefallen sein, folglich ist die Hauptstadt praktisch unverteidigt, als Flotte und Heer der Mönche vor den Toren auftauchen. Die Beherrscherin der halben Welt fällt kampflos. Die Folgen für Thomas und Arbell sind drastisch. Mehr soll nicht verraten werden …

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Reinhard Tiffert ist von außergewöhnlich hoher Qualität. Der Text liest sich sehr flüssig und das Deutsch klingt natürlich. Allerdings sieht sich der junge Leser hin und wieder mit etwas ausgefallenen Ausdrücken konfrontiert, darunter „Koberer“ (Esswarenverkäufer), „Gimpel“ (leichtgläubiger Einfaltspinsel) und „Lollarde“ (Anhänger der Vorreformation).

Druckfehler gibt es zwar zum Glück keine, aber ein vergessenes Wort taucht auf Seite 422 NICHT auf: „… gewiss würde man früher oder [später] öffentlich Maßnahmen gegen ihn fordern.“ Dass hier etwas fehlt, hätte dem Korrektor, sofern vorhanden, auffallen müssen.

Unterm Strich

Ich habe diese knapp 500 Seiten in nur zwei Tagen gelesen, so unterhaltsam und flüssig ging die Lektüre vonstatten. Der Autor verbindet die sattsam bekannte Kultur asketischer Mönche, wie wir sie aus „Der Name der Rose“ kennen, mit dem Kriegshandwerk. Das führt unsere drei Mönchsrenegaten unweigerlich zum Militär in Memphis und zur Teilnahme an einer Entscheidungsschlacht gegen die Erlösermönche – mit überraschendem Ausgang. Diese Schlachtschilderung ist einer von vielen Actionhöhepunkten, die mir die Lektüre spannend werden ließen.

Sehr schön gefiel mir Thomas‘ Romanze mit Arbell Schwanenhals. Erst fürchtet sie diesen Killer, dann lehnt sie den Rüpel ab, schließlich verliebt sie sich sterblich in ihn. Doch ihrer beider Liebe wird am Schluss vom perfiden Abt Bosco auf eine schwere Probe gestellt. Kann Thomas sie jemals zurückgewinnen? Vielleicht nur, wenn er Memphis die Freiheit zurückgibt. Cale Kampf beginnt im nächsten Band von Neuem.

Hardcover: 480 Seiten
Originaltitel: The Left Hand of God
Aus dem Englischen von Reinhard Tiffert
ISBN-13: 9783442312320

http://www.penguinrandomhouse.de/

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Joy Fielding – Home, Sweet Home

Maggie McKay zieht nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrer Familie nach Palm Beach Gardens in eine kleine Sackgasse. Die Gegend ist freundlich und die Nachbarn scheinen nett und unauffällig. Doch bald zeigt der Blick hinter die Kulissen, dass hier einiges im Argen liegt: Da ist der arbeitslose Ehemann, der seiner ahnungslosen Ehefrau vorspielt, er habe einen neuen Job an Land gezogen. Da ist der vermeintlich liebevolle und erfolgreiche Ehemann, dessen Frau verdächtig häufig kleine Unfälle im Haushalt hat. Oder da ist die ältere Frau, deren Enkel sich häufiger mal an ihrer Geldbörse zu schaffen macht.

Auch für Maggie erfüllt sich der Traum vom Neuanfang nicht, denn auch nach dem Umzug kann sie die traumatischen Erlebnisse an ihrem früheren Wohnort nicht vergessen, woraufhin ihr Ehemann sie sitzenlässt. Als auf einem Nachbarschaftsfest ein Streit eskaliert und kurz darauf ein Schuss zu hören ist, wird deutlich, dass Maggie hier nicht in einer friedlichen Nachbarschaft gelandet ist…

Joy Fielding – Home, Sweet Home weiterlesen

[NEWS] Harlan Coben – Nichts bleibt begraben

Vor über zwanzig Jahren wurde Patricia Lockwood während eines Raubüberfalls entführt und schwer misshandelt. Ihr gelang die Flucht, doch ihr Peiniger wurde nie gefasst. Auch die damals gestohlenen Gemälde blieben verschollen. Bis in einem New Yorker Apartment neben einer Leiche eines der Bilder gefunden wird – und der Koffer, den der Entführer Patricia zu packen zwang. Zeit für Patricias Cousin, Windsor Horne Lockwood III, den Dingen auf den Grund zu gehen: Win, wie seine wenigen Freunde ihn nennen, ist hochintelligent, skrupellos und wild entschlossen, den Fall zu lösen. Einen Fall, der die dunkelsten Geheimnisse seiner Familie ans Tageslicht zu bringen droht … (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 464 Seiten
Goldmann

[NEWS] Un-su Kim – Die Plotter

Raeseng ist Profikiller, seit ihn Old Raccoon als Kind bei sich aufnahm und ausbildete. Aufgewachsen an einem geheimen Rückzugsort in Seoul, einer Bibliothek voller alter Bücher, gehört er zur Killer-Elite Koreas. Denn Old Raccoon ist ein Plotter. Als Kopf der Organisation »Library of Dogs« hat er seit Jahrzehnten alle politisch gewollten Exekutionen in Korea geplant. Doch als die Macht der Diktatur schwindet, gerät auch der Einfluss der Plotter ins Wanken – und eine neue Generation beginnt, ihr eigenes tödliches Netzwerk aufzuziehen. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 416 Seiten
Goldmann

[NEWS] Clare Pooley – Montags bei Monica

Julian ist es leid, seine Einsamkeit vor anderen zu verstecken. Der exzentrische alte Herr schreibt sich seine wahren Gefühle von der Seele und lässt das Notizheft in einem kleinen Café liegen. Dort findet es Monica, die Besitzerin. Gerührt von Julians Geschichte, beschließt sie, ihn aufzuspüren, um ihm zu helfen. Und sie hält ihre eigenen Sorgen und Wünsche in dem Büchlein fest, ohne zu ahnen, welch heilende Kraft in diesen kleinen Geständnissen liegt: Als das Notizbuch weiterwandert, wird aus den sechs Findern ein Kreis von Freunden. Monicas Café wird dabei ihr zweites Zuhause, und auf Monica selbst wartet dort das ganz große Glück … (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 480 Seiten
Goldmann

[NEWS] Marc Engelhardt – Ich bin dann mal nackt: Eine Reise zu den unverhüllten Kulturen unserer Welt

Splitternackt ins Meer springen, nahtlos Sonne tanken und mit den Kleidern alle Zwänge des Alltags ablegen: Lange waren solche kleinen Freiheiten nicht mehr so wertvoll wie heute, und so beliebt. Nacktsein liegt im Trend. Das gilt für die Nude Cruise auf dem Kreuzfahrtschiff genauso wie für Nackt-Yoga-Sessions oder Wandern barfuß bis zum Hals in der Natur. Mit dem Abwerfen der Kleidung entkommen wireiner Welt, in der Körper zur Ware geworden sind. Und so beschließt der Journalist Marc Engelhardt, der neuen Faszination des Nacktseins nachzugehen. In bester Reportertradition begibt er sich auf eine Reise um die Welt – natürlich unbekleidet. So läuft er in Japan hüllenlos durch den Wintersturm, um mit hundert anderen das Glück zu suchen, geht bei 35° Grad im Schatten in der Stadt der Nackten am Cap d’Agde auf Schaufensterbummel und findet in Marokko heraus, warum Nacktheit in der arabischen Welt ebenso wichtig ist wie Verhüllung. Eine unterhaltsame und hochspannende Kulturgeschichte über die ganze Welt des Nacktseins.
(Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 288 Seiten
Goldmann

Robert A. Heinlein – Podkayne of Mars: Her Life and Times / Bürgerin des Mars


Tragisch: eine Heldin des Mars?

Podkayne, ganze 15 Erdjahre jung, ist auf dem republikanischen Mars aufgewachsen, doch ihr sehnlichster Wunsch ist es, der Kapitän eines Erkundungsschiffes zu werden. Zusammen mit ihrem Onkel, Senator Tom, und ihrem unausstehlichen jüngeren Bruder Clark unternimmt sie eine Reise zur Erde, um sich dort für die entsprechende Laufbahn zu bewerben. Doch schon diese Reise verläuft völlig anders als erwartet.

Der Autor
Robert A. Heinlein – Podkayne of Mars: Her Life and Times / Bürgerin des Mars weiterlesen

Neal Stephenson – Diamond Age – Die Grenzwelt

Bilderbücher für Millionen: geniale Vision

Für „Diamond Age“ wurde Neal Stephenson von den amerikanischen SF-Lesern mit dem HUGO Award 1996 ausgezeichnet und kam auch bei den deutschen Lesern ganz gut an, landete allerdings nicht unter den ersten Plätzen des Kurd-Laßwitz-Preises, der von der deutschen SF-Kritik vergeben wird. Der Verlag stellt Stephenson in eine Reihe mit Quentin Tarantino – ein Versuch, dem Roman bereits jetzt Kultstatus anzudichten. Und ein Grund mehr, diesem Werk kritisch zu begegnen.

Handlung

Neal Stephenson – Diamond Age – Die Grenzwelt weiterlesen

[NEWS] Joy Fielding – Home, sweet home

Nach einem traumatischen Erlebnis zieht Maggie mit ihrer Familie nach Palm Beach Gardens in Florida. Sie hofft, in der gepflegten Gegend mit den freundlichen Nachbarn ihre Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch dann verlässt sie ihr Mann, und auch die Idylle ihres Viertels erweist sich als trügerisch: Eine lautstarke Auseinandersetzung im Haus gegenüber, zwielichtiger Besuch nebenan, spitze Bemerkungen bei einem gemeinsamen Grillfest. Schnell gerät Maggie zwischen die Fronten und muss um ihre und die Sicherheit ihrer Kinder fürchten. Und als an einem heißen Sommermorgen der Knall eines Schusses die Stille zerreißt, ist allen klar: Hier ist mehr passiert als ein gewöhnlicher Nachbarschaftsstreit … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe : 480 Seiten
Goldmann

[NEWS] Robyn Crawford – I Will Always Love You: Mein Leben mit Whitney Houston

Im Musikbusiness gibt es kaum einen größeren Superstar, als Whitney Houston es gewesen ist. Nachdem ihr 1985 veröffentlichtes Debütalbum sie auf Anhieb an die Spitze katapultierte, führte Whitney zwei Jahrzehnte lang die internationalen Charts an und begeisterte und berührte Fans auf der ganzen Welt. Eine Person begleitete sie von Anfang an auf diesem Weg: ihre beste Freundin Robyn Crawford. In ihrem Buch enthüllt Robyn erstmals die Geschichte ihres gemeinsamen Lebens. Voller Wärme, einfühlsam, ehrlich und mit einem liebevollen Auge fürs Detail berichtet sie von ihrem Kennenlernen als Teenager in den 1980er Jahren und ihrer sich entwickelnden Beziehung, während Whitney ihr erstes Album aufnahm und Robyn ihre Basketballkarriere voranbrachte. Zusammen nahmen sie es mit den Herausforderungen des Lebens auf, mit großen Gefühlen und schmerzhaften Verlusten. »I Will Always Love You« ist die berührende Geschichte einer engen Freundschaft, großen Liebe und den Preis des Erfolgs – erzählt von dem Menschen, der Whitney Houston am engsten verbunden war. (Verlagsinfo)


Broschiert : 416 Seiten
Goldmann

[NEWS] Liz Fenwick – Sturm über Cornwall

Boskenna – stolz thront das Anwesen der Familie Trewin an Cornwalls rauer Steilküste. Als die Hausherrin Joan im Sterben liegt, kehren ihre Tochter Diana und ihre Enkelin Lottie dorthin zurück. Nach Jahren der Entfremdung sind sie gekommen, um sich zu verabschieden und ihren Frieden mit der Vergangenheit zu machen. Doch stattdessen erwartet sie die Enthüllung eines tragischen Geheimnisses, das Joan jahrzehntelang bewahrt hat. Es führt zurück ins Jahr 1962, zu den dramatischen Geschehnissen einer lauen Sommernacht, die seither einen dunklen Schatten auf das Leben der ganzen Familie werfen … (Verlagsinfo)


Taschenbuch : 528 Seiten
Goldmann

Noon, Jeff – Pollen

Bizarr-komische Zukunftsvision

Manchester irgendwann in der nahen Zukunft. Merkwürdiges kündigt sich an, als der Taxifahrer Coyote nach einer illegalen Fahrt plötzlich tot aufgefunden wird. In seiner von einem Lächeln verzogene Schnauze steckt ein Blumenstrauß, und die Shadowpolizistin Sibyl Jones stellt erstaunt fest, daß sich die letzten Gedanken des Opfers um Blumen gedreht haben müssen. Das ist jedoch nur der Anfang: Schon bald verwandelt sich ganz Manchester in eine blühende Gartenstadt, in welcher der Pollenflug nie gekannte Ausmaße erreicht und die Bevölkerung in den kollektiven Niesreiz stürzt.

Doch als die ersten Todesopfer des unbezwingbaren Heuschnupfens zu beklagen sind, begreifen die Menschen, daß ihre Stadt in ernster Gefahr schwebt. Zu den wenigen, die gegen die Killer-Pollen offenbar resistent sind, gehören Sibyl und Boda. Gemeinsam machen sie sich zum Ursprungsort der Pollen auf, zu jener geheimnisvollen Zone außerhalb Manchesters, aus der auch Coyotes letzter Fahrgast stammte. Das Schicksal der gesamten Stadt liegt in der Hand der beiden Frauen… (Verlagsinfo)

Der Autor

Der britische Schriftsteller Jeff Noon, der sich in dieser Fortsetzung der zwei klassischen Alice-Romane „Zenith O’Clock, writer [= righter] of wrongs“ nennt, ist der einfallsreiche Autor der phantastischen Romane „Vurt“ (dt. „Gelb“), „Pollen“ (dt. gleich) und „Nymphomation“ (noch nicht übersetzt). Sie spielen alle in seiner Heimatstadt Manchester. Und dies ist auch zum großen Teil der Schauplatz der wundersamen Ereignisse in „Automated Alice“.

Dieser phantastische Roman „Pollen“ bildet den zweiten Band der sogenannten Manchester-Trilogie von Jeff Noon, die mit „Gelb“ begann und mit „Nymphomation“ abgeschlossen wurde:

Gelb (O-Titel: Vurt)
Pollen (Pollen)
Nymphomation (immer noch nicht übersetzt)

Inzwischen hat Noon, nicht faul, bereits einen weiteren Science-Fiction-Roman vorgelegt: „Automated Alice“ („Alice im Automatenland“). Außerdem erschienen bis 2004:

Pixelsalat (O-Titel: Pixel Juice)
Needle in the Groove (unübersetzt)
Falling out of cars (dito)

Handlung

Manchester in der nahen Zukunft. Die virtuelle Realität des Vurt beherrscht die Ideen und Träume der Menschen in der verfallenden Großstadt. In den Vurt kann man sich per drogengetränkter Federn begeben – manche sind gelb und tödlich, manche nur hip. Aus dem Vurt kommen seltsame Wesen, über den Vurt können manchen Menschen besser kommunizieren – per Telepathie – als mit den armen vurt-losen, daher quasi feder-losen Dodos.

Es gibt eine Vorstufe des Vurt, den Shadow. Er funktioniert mit Empathie. Sibyl Jones ist eine Shadowpolizistin und ein Dodo. Sie kommt einer Mordserie auf die Spur. Ihre Ermittlungen werden allerdings von der eigenen Behördenspitze behindert. Dort ist man nicht daran interessiert, den Mord an einem harmlosen Taxifahrer aufzuklären. Allerdings hatte der Cabby zwei merkwürdige Passagiere, die aus dem Niemandsland außerhalb der Stadt kamen und nun verschwunden sind. In seinem Mund wächst eine Pflanze.

Auch die Xcab-Fahrerin Boda ist an der Aufklärung des Mordes interessiert: Der tote Cabby war ihr Freund. Er hatte zwar Frau und Kind, aber Boda ficht das nicht an. Boda hat den Stadtplan Manchesters über den Vurt quasi eingebaut, über den Vurt steht sie auch mit der Zentrale in Verbindung.

Wie sich herausstellt, ist die Zentrale namens Columbus in einer Allianz mit der Polizeispitze und mit einem Vurtwesen, das sich als „Herrscher des Hades“ beschreiben ließe. Es war eines der Passagiere des toten Cabby. Der andere ware seine junge Braut, Persephone. Sie wollen mit den Pollen der Pflanzen, den sie verbreiten, den Vurt der Stadt übernehmen.

Im einzigen Piratensender Manchesters spielt der DJ Gumbo-Ya-Ya Oldies aus den Golden Sixties und verkündet täglich den steigenden Pollengehalt in der Luft. Gumbo scheint ständig auf Hasch high zu sein – ein wahrer Lichtblick, dieser Typ, in der grauen, bedrohlicher werdenden Vurtualität der anderen. Gumbo bringt Bodas Anliegen, die Suche nach ihrem Cabby, zur Sprache. Und er findet heraus, dass Sibyl Jones ihre Mutter ist.

Im weiteren Verlauf der Handlung – der hier nicht veraten werden soll – vereiteln Boda, Gumbo, Jones, all die Vurtwesen, die Robohunde und die Zombies mehr oder weniger gemeinsam den Erfolg der Intrige von Hades, Persephone, Columbus und Polizeispitze.

_Mein Eindruck_

Die Manchester-Trilogie – und so auch „Pollen“ – gehört sicher zu den innovativsten und phantasievollsten Büchern in der SF der letzten Jahre. Zum Glück hält sich Noon nicht mit den technischen Feinheiten der Polleninvasion aus dem „Vurt“ auf, sondern weiß dem Leser die Innenwelt der Charaktere nahe zu bringen, allen voran das Schicksal von Sibyl Jones und Boda.

So wird aus seiner Geschichte nicht ein Spiel um seiner selbst willen, sondern ein Drama mit menschlicher und sogar tragischer Tiefe – mit einem Hauch von Philip K. Dick und William Gibson. Empfehlenswert für Leser, die nicht vor dem Ungewöhnlichen und Unwissenschaftlichen zurückschrecken.

Die Übersetzung von Ute Thiemann transportiert – wie schon in „Gelb“ – die Sprache und Noons Wortschöpfungen kongenial ins Deutsche.