Archiv der Kategorie: Sachbuch

Caroline Winnefeld – Best of Caro Calorie

Worum geht’s?

Du fühlst Dich nicht mehr wohl in Deiner Haut und möchtest ein paar Kilogramm Körpergewicht verlieren? Oder vielleicht bist Du sogar schon einen Schritt weiter und hast bereits an Gewicht verloren und benötigst nun Tipps, wie Du ganz ohne Verzicht und Diät Deine Figur halten kannst? Dann bist Du bei Caro genau richtig. In diesem Buch stellt sie ihre 100 liebsten und beliebtesten Rezepte vor – schnell, gelingsicher, gesund, kalorienbewusst UND vor allem lecker!

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Asterix Vox Populi – Antike Länder, Antike Sitten

ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2022 LES ÉDITIONS ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Die Handlung

Schon im Jahre 50 v. Chr. pflegten die Briten ihre Traditionen wie Teepause und Linksverkehr, während die Schweizer Banken und Fondues erfanden und die Vorfahren der Deutschen sich … streitlustig zeigten. So erzählen es jedenfalls die Abenteuer von Asterix, dem Gallier. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Und spannen die Römer wirklich? Bernard-Pierre Molin, Autor der populären Asterix-Sachbücher „Unbeugsame Lateinzitate“ und „Tempus Fugit“, nimmt uns ein weiteres Mal mit auf eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit und erklärt ebenso fundiert wie humorvoll, wie die Völker der Antike tickten.
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wieder möchte uns der Autor auf eine bebilderte Geschichtsstunde mitnehmen, indem er uns anhand der verschiedenen Völker aus den 39 vergangenen ASTERIX-Bänden erklärt, wie die unterschiedlichen Gemeinschaften entstanden sind.

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Kim Stanley Robinson – Die Romane des Philip K. Dick

Kritische Bewertung eines SF-Meisters

„Gründlichst recherchiert, mit allen akademischen Wassern gewaschen, setzt sich dieses Buch scharfsinnig mit der Science Fiction der 50er Jahre auseinander – eine der nützlichsten Untersuchungen von Philip K. Dicks dornenreichem Werk.“ Also schrieb John Clute in der „Encyclopedia of Science Fiction“ (1993). Allerdings verschweigt er ein paar Einschränkungen…

Der Autor Kim Stanley Robinson

Kim Stanley Robinson, geboren 1952, schreibt seit drei Jahrzehnten anspruchsvolle Science-Fiction, die sowohl naturwissenschaftlichen wie auch gesellschaftskritischen Ansprüchen gerecht wird. Seinen ersten Preis für einen Roman erhielt er 1984 für „The Wild Shore“, der den Beginn seiner Orange-County-Trilogie bildet. Für seine bahnbrechende Mars-Trilogie (Roter / Grüner / Blauer Mars) wurde er mit allen einschlägigen Preisen des Genres ausgezeichnet. Zurzeit schreibt er an einer Trilogie über die globale Erwärmung und ihre Folgen. Davon sind die ersten beiden Bände bereits erschienen.

Der Autor Philip K. Dick

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er in fast 30 Jahren 40 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung außerhalb der SF zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, der sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1663 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm).

Inhalte

Ich bemühe mich, den Leser dieses Beitrags nicht mit den Titeln der 44 Romane Philip Dicks zu bombardieren. Das ist schon der Fall in Robinsons Buch, und wer sich über die Romane an sich informieren will, findet ausreichendes Material unter http://www.philipkdick.com und den assoziierten Fan-Seiten.

Die Methode

Man sollte als Leser immer daran denken, dass dieses Buch ursprünglich nicht als Monografie für den freien Buchmarkt konzipiert war, denn 1984/85 war Robinson nur im SF-Genre bekannt (s. o.). Vielmehr haben wir es hier mit seiner Doktorarbeit für die Qualifizierung in der Literaturwissenschaft zu tun. Demzufolge finden sich im Buch über hundert Fußnoten und jede Menge Querverweise auf andere Literaturwissenschaftler und Kritiker, darunter so bekannte Namen wie Stanislaw Lem und Ursula K. Le Guin.

Aber auch mit maßgeblichen Theoretikern wie Darko Suvin, einem Marxisten, setzt sich Robinson auseinander, und das kann für den nicht mit Vorkenntnissen gesegneten Leser recht anstrengend sein. Auffallend ist zudem die hohe Zahl von Zitaten aus persönlichen Gesprächen, die der Autor führte, sowie die Referenz auf den Dick-Nachlass an der California State University (vor allem die reichhaltige „Box 24“).

Doch natürlich geht es Robinson nicht um Name-dropping, um sich mit den Lorbeeren seiner Beziehungen zu schmücken. Vielmehr zieht er die Meinung der Kollegen heran, um zu einem Urteil über die zahlreichen umstrittenen und abgelehnten Romane – und nur um diese geht es hier! – zu gelangen. Immer wieder spielt Robinson das akademische Pro-und-kontra-Spiel, wie es sich für einen Profi gehört. Erst nach Abwägung des Für und Widers trägt er seine eigene Einschätzung vor und weiß diese selbstverständlich angemessen zu begründen.

Die realistischen Romane

Viele Zuschauer von „Blade Runner“, „Paycheck“ und „Minority Report“ wissen weder, dass diese Geschichten alle dem Hirn eines einzigen Mannes entsprangen, noch ahnen sie, dass dieser Autor über ein halbes Dutzend Romane für den Markt der „realistischen“ Romane geschrieben hat. Wie schon erwähnt, sah Dick zu Lebzeiten nur einen einzigen dieser Romane veröffentlicht, nämlich „Eine Bande von Verrückten“ („Confessions of a Crap Artist“, geschrieben 1959, veröffentlicht 1975).

Robinson beginnt mit diesen Romanen, aber ich werde sie nicht alle herbeten. Diese 2865 Seiten sahen die Druckerpresse nicht, weil, so Robinson, sie alle völlig humorlos und zum größten Teil mit deprimierenden Einzelheiten ohne einen Anflug von guter Dramaturgie geschrieben waren. Wie man gut schreibt, lernte Dick erst im Laufe der Zeit in einzelnen Schritten – teils im Learning by Doing, teils von seinen Kollegen. Alfred Elton van Vogt beeinflusste ihn stark. (Das ist heute leider keine Empfehlung mehr, denn inzwischen rangiert van Vogt nur noch unter „politisch nicht korrekt“).

Der Leser sollte aber im Hinterkopf behalten, dass Dick immer wieder auf diese Manuskripte wie auf einen Steinbruch zurückgriff und zum Teil ganze Kapitel in seine SF-Romane übernahm, von den Figuren mal ganz abgesehen. Denn er fand heraus, dass er mit dieser Methode a) glaubwürdigere Handlungen in den SF-Romanen hinbekam und b) schneller produzieren konnte. Er arbeitete für einen Hungerlohn, der meist nur aus einem Vorschuss von 1500 $ (maximal 2000 $) für einen Roman bestand. Auf diese Weise schaffte Dick es, mehr als ein halbes Dutzend Romane pro Jahr fertigzustellen.

Die 50er Jahre

Neben dem ertraglosen Geschäft an den realistischen Romanen veröffentlichte Dick seit 1952 auch Erzählungen und ab 1955 auch SF-Romane. „Solar Lottery“ (Hauptgewinn: Die Erde) war sein erster, dem sieben weitere folgten, die Robinson alle im zweiten Kapitel abhandelt. Laut Robinson besteht ihr gemeinsamer Nenner darin, dass der Protagonist den Kampf gegen ein dystopisches System aufnimmt und es auf irgendeine Weise zu Fall bringt. Das ist natürlich reine Wunscherfüllung, denn der Held verfügt in der Regel nicht über die Mittel, um diesen Umsturz zu bewerkstelligen. Insofern waren diese Romane naiv.

Der Durchbruch

Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre vollzog sich – wie bei vielen anderen Autoren, z. B. Heinlein – bei Dick ein Wandel. Er schrieb noch den feinen Roman „Zeit aus den Fugen“ (1959), sein erstes Hardcover-Buch, doch dann begann er die einjährige Arbeit an seinem Durchbruch. Die Frucht dieser großen Anstrengung erschien 1962 unter dem Titel „The Man in the High Castle“ (Das Orakel vom Berge). Dieser Alternativweltroman – die Achsenmächte haben den 2. Weltkrieg gewonnen – brachte Dick endlich allgemeine Anerkennung und den HUGO Award der SF-Leser ein.

Um diesen Mega-Erfolg ausreichend erklärend zu können, reserviert Robinson nicht nur ein ganzes Kapitel dafür, sondern schaltet zuvor sogar noch ein separates Kapitel über das „Periodensystem der Elemente“ der Science-Fiction ein. Dieses Vorgehen erweist sich als sehr nutzbringend, denn später kann der Autor immer wieder auf diese grundlegenden Ausführungen verweisen. Unter „Elementen“ versteht Robinson die sattsam bekannten Versatzstücke der SF wie etwa Roboter (Androiden, Kyborgs etc.), Zeitreisen oder Parallelwelten und so weiter. Dick hat sie alle durchkonjugiert und sie auf seine Weise unterminiert bzw. persifliert. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass immer, wenn er Zeitreisen einsetzte, ein schlechter Roman dabei herauskam. Der Leser ist also gewarnt.

„Das Orakel vom Berge“ bedeutete in vielerlei Hinsicht einen Bruch mit den bisherigen Mustern in Dicks Romanen. Zum Beispiel gibt es in der Regel ein Netzwerk von Figuren, die zueinander in Beziehung stehen und deren Interaktion die Story so interessant macht. Dabei ist die häufigste Konstellation jene, in der ein „kleiner Protagonist“, der über wenig gesell- und wirtschaftliche Macht verfügt (häufig ein Handwerker oder Kleinunternehmer), in Konflikt mit einem „großen Protagonisten“ gerät (vielfach über Frauen), welcher über große gesell- und wirtschaftliche Macht verfügt.

Von diesem Muster gibt es Abweichungen: Wie Dick einem Kollegen schrieb, kann es einen „subhuman“ geben, der kaum über Charakteristika verfügt, und häufig gibt es einen „superhuman“ – wie etwa Palmer Eldritch, der von Aliens gesteuert wird – der selbst Macht über den „großen Protagonisten“ ausübt. Grob vereinfacht, entsprechen diese Ebenen dem Es, dem Ich und dem Über-Ich in Sigmund Freunds Einteilung der menschlichen Psyche. Dick hat diese Einteilung mit den Theorien von C.G. Jung erweitert, insbesondere was die Archetypen angeht. Wichtig ist auch die grundlegende Unterscheidung zwischen „idios kosmos“, der persönlichen Erfahrungswelt des Einzelnen, und dem „koinos kosmos“, der Erfahrungswelt, die die meisten Individuen teilen. Viele Konflikte resultieren daraus, z. B. in „Ubik“.

In „Das Orakel vom Berge“ gibt es zwar das bekannte Netzwerk von Figuren, und sogar Gute und Böse lassen sich unterscheiden, aber von einem großen Protagonisten kann nicht die Rede sein. Die wichtigste Figur ist Mr. Tagomi, und er ist der Einzige, der einen Akt des Widerstands gegen die deutschen Besatzer unternimmt: Er tötet zwei Männer. Die Ironie dabei: Tagomi gehört selbst der Bürokratie der japanischen Besatzer an. Seine wesentliche Rolle im Buch besteht darin, die wichtige Nachricht, dass die Nazis einen Atomkrieg mit Japan vorbereiten, an japanische Stellen weiterzuleiten. Das gelingt ihm nur um Haaresbreite. Dieser Roman kommt einem Mainstream-Roman so nahe wie nur möglich. Ironischerweise kommt darin ein Buch vor, das unseren Geschichtsverlauf beinahe genau beschreibt. Lediglich der Schluss des Romans ist misslungen, und Robinson erklärt genau die Gründe dafür.

„Die Mars-Romane“, „Der Sieg des Kapitalismus“, „Alles fällt auseinander“ und „Verschollen im All“

So lauten die Überschriften für die vier Kapitel, in denen sich Robinson mit Dicks Romanen der sechziger und siebziger Jahre befasst. Nach „Das Orakel vom Berge“ folgte eine der produktivsten Phasen in Dicks Schaffen. Er schrieb Meisterwerke wie „Marsianischer Zeitsturz“ (1964) und „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ (1965) sowie „Ubik“ (1969). Aber um sich und seine wechselnde Familie – er war mehrere Male verheiratet – über Wasser zu halten, schlachtete er eben auch seine alten Mainstream-Romane aus und erweiterte vorhandene Erzählungen.

Diese Erweiterungen führten mitunter zu einem Produkt, das Robinson als „Romane mit gebrochenem Buchrücken“ bezeichnet. Ihr Kennzeichen besteht darin, dass sich die Handlung an einem bestimmten Punkt – etwa nach der Hälfte oder nach zwei Dritteln – in eine völlig andere Richtung entwickelt, als das nach dem recht ordentlichen Beginn (dem Ausgangsmaterial) zu erwarten gewesen wäre. Und enttäuschend ist besonders, dass der Schluss nicht mehr zum Anfang zurückverweist. Beispiele für dieses Verfahren gibt es genügend, darunter „Die rebellischen Roboter“ (geschrieben 1961/62, Story veröffentlicht 1969, Roman veröffentlicht 1972) und „Das Jahr der Krisen“ (1966). Für den Leser bedeutet das also, genau nach den Juwelen unter den Kieselsteinen Ausschau zu halten.

Die Endphase: „Science Fiction und Realismus“

Bekanntlich starb Philip Dick im März 1982 an einem schweren Schlaganfall. Aber es gibt Anzeichen, dass sein Zusammenbruch Anfang 1974 schon auf einen Herzanfall zurückzuführen ist, der nicht als solcher diagnostiziert wurde. Man kann spekulieren, dass Dicks langjähriger Medikamentenverbrauch und Drogenmissbrauch zu dieser körperlichen Katastrophe führte. Sicherlich trug das dazu bei.

Die Folgen für seine Produktivität waren beträchtlich. Nach 1970 veröffentlichte Dick nur noch sechs neue Romane, einen Bruchteil des vorhergehenden Ausstoßes. Unter diesen sechs ragen zwei qualitativ heraus. „Die andere Welt“ lag schon seit Jahren im Safe von Dicks Anwalt, bevor das Buch 1974 veröffentlicht wurde. Und in „Der dunkle Schirm“, publiziert 1977 („A scanner darkly“, s. o.), beschrieb Dick die Welt der Drogen, in der sich ein Undercover-Agent zu behaupten versucht –vergeblich, wie so oft bei Dick.

Danach folgten nur noch vier größere Werke. Von diesen wurden 1981 lediglich die Romane der VALIS-Trilogie veröffentlicht, doch das Manuskript zu „The Owl in Daylight“ wurde nicht mehr fertig. Robinson interpretiert die drei VALIS-Romane (die Vorstufe „Radio Free Albemuth“ ist ihm kaum der Rede wert) haarklein und sehr eingehend. Da diese Trilogie praktisch Dicks Vermächtnis darstellt, ist diese intensive Beschäftigung damit absolut gerechtfertigt.

Der Roman „VALIS“ (Vast Active Living Intelligence System) bildet nach Robinsons Lesart einen Ausgangspunkt, von dem ausgehend die beiden Folgeromane „Die göttliche Invasion” und „Die Wiedergeburt des Timothy Archer” als zwei gleichwertige Ableitungen zu verstehen sind. Davon bietet „Die göttliche Invasion“ mehr SF-Elemente, während „Timothy Archer“ mit relativ realistischen Darstellungen aufwarten kann.

„Timothy Archer“ ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Es ist erst der zweite Roman nach „Die rebellischen Roboter“, der komplett in der Ich-Form erzählt wird, und der erste, in dem die Hauptfigur eine Frau ist. Angel Archer ist umso auffälliger, als sie eine Frauenfigur mit überwiegend positiven Zügen ist. Allzu viele Frauenfiguren Dicks sind entweder vom Typ „schwach und anhänglich“ oder „zickig und intrigant“. Angel, könnte man ironisch schließen, ist wirklich ein Engel. Mit ihr hat sich Dick bei den Frauen rehabilitiert. Ob Ursula K. Le Guins Beschwerde beim Autor dies bewirkt hat, wird von Robinson nahe gelegt, bleibt aber offen. (Dass Kritik durchaus fruchtete, belegt sein entschuldigendes Nachwort zu seiner umstrittenen Story „The Pre-Persons“.)

Anhang

Diese Ausgabe bietet bibliografische Angaben, für die besonders der deutsche Leser dankbar sein dürfte. Nach einer chronologischen Aufzählung der SF- und der realistischen Romane (unter ihnen auch „Radio Freies Albemuth“, das bei Moewig erschien) findet sich auch eine Liste mit Büchern, die Essays, Interviews, Auszüge aus der „Exegese“, Briefe und sogar ein Kinderbuch („Nick und der Glimmung“) umfassen.

Für die Erzählungen wird auf die vergriffene Haffmans-Ausgabe und den sehr guten, voluminösen Sammelband „Der unmögliche Planet“ verwiesen. Diese Situation ist nicht sonderlich befriedigend, und es wird wieder Zeit für eine Gesamtausgabe der Storys. Ob diese im Rahmen der ausgezeichnet edierten PKD-Edition von |Heyne| stattfinden wird, steht in den Sternen.

Mein Eindruck

Im Rahmen dieses Beitrags kann ich nur an der Oberfläche dessen kratzen, was Robinson über Dicks Romane zu sagen hat, aber ich hoffe trotzdem, dass ich einen Eindruck davon vermittle, wie umfangreich die Palette seiner Untersuchungsergebnisse ist. Sicherlich habe ich dabei das eine oder andere Element nicht berücksichtigt, so etwa die Entwicklung in Dicks Romanen von euphorischem Ansatz über politische Desillusionierung bis hin zu ontologischen und schließlich sogar theologischen Fragestellungen. Aber Robinson stellt stets den überragenden Einfallsreichtum und seinen Kampf gegen die ideologisch festgezurrten Fronten in der US-amerikanischen SF-Szene (besonders im einflussreichen Fandom) positiv heraus und hält Dick auch in den umstrittensten Werken bis zu einem gewissen Grad die Stange.

Zwischen den Stühlen

Aber Robinson befindet sich in einer Position, die für einen amerikanischen SF-Autor selten ist. Er kann sich zugleich auf einen großen Fundus an europäischer Forschungsliteratur stützen, den ihm seine akademische Beschäftigung mit der SF zugänglich gemacht hat. Aus einem dadurch relativierten Blickwinkel kann er einschätzen, wie ideologisch beeinflusst nicht nur fast die gesamte US-amerikanische SF-Produktion ist, sondern auch die kritische Rezeption dieser Produktion. Manche Kritiker haben sich die Ideologie des wichtigsten SF-Herausgebers John W. Campbell zu Eigen gemacht und greifen nun ihrerseits Abweichler an.

Zu den europäischen Kritikern, auf die sich Robinson stützen kann, gehören zum einen Stanislaw Lem mit mehreren Essays und dem Buch „Science Fiction – ein hoffnungsloser Fall, mit Ausnahmen“ (Suhrkamp Taschenbuch) und zum anderen Prof. Darko Suvin, der mit seiner „Poetik der Science Fiction“ (Suhrkamp Taschenbuch 1977) einen wichtigen Beitrag über den Verfremdungseffekt geliefert hat. Diesen Ansatz setzt Robinson recht produktiv ein, um Dicks subversive Werke zu beurteilen.

Metaphern mit V-Effekt

Robinson gelangt über den Begriff der Metapher zu einer Erklärung der aktuellen Relevanz der Science-Fiction. Denn die verrückten Welten, die Dick entwirft, sind keineswegs Selbstzweck und oder zum Amüsement gedacht. Sie sind häufig Umkehrungen existenter Verhältnisse, auch Extrapolation nach dem Motto: „Wenn das so weitergeht, dann …(könnte es einmal so enden)“. Noch wichtiger sind die Welten als Metaphern für versteckte Verhältnisse, die einem Erwachsenen aber durchaus in den USA begegnen können. So nimmt Dick zum Beispiel den Ausdruck „Die Arbeiter werden von den Reichen absichtlich unten und kurz gehalten“ wörtlich und beschreibt eine Welt, in der Arbeiter unter der Erde leben müssen, während feudale Herrschaften das Privileg des Sonnenlichts genießen. Eine Propaganda- und Illusionsmaschinerie sorgt dafür, dass die Arbeiter mit ihrem Los zufrieden sind und nicht rebellieren.

Wurzeln

Wie man sieht, gehört also auch die Satire zu den Wurzeln der Dick’schen SF. Die Satire soll den zeitgenössischen Leser darüber stutzig machen, wie es denn in seiner eigenen Umgebung mit solchen oder ähnlichen Missständen aussieht. Robinson ist über die anderen Wurzeln sehr gut im Bilde: abenteuerliche Reisegeschichte, Utopie, wissenschaftliche Phantastik und vieles mehr gehören dazu. Doch John W. Campbell wollte seinen Autorenstall nur Storys schreiben lassen, die eine verwirklichbare wissenschaftliche Lösung hatten. Dabei ließ er gerne Überlichtantrieb und Zeitreisen gelten, obwohl dies (bis dato) ziemlich unwissenschaftliche Konzepte sind. Als Dick zu schreiben anfing, gelangte er schon sehr bald dahin, diese ideologischen Vorgaben des „Goldenen Zeitalters“ in subversiver Weise zu bekämpfen. Angesichts des anhaltenden Erfolgs von Asimov und Heinlein ist seine Bemühung also bis heute von Bedeutung.

Leerstellen

Robinson sah die Aufgabe seiner Dissertation nicht in der Berücksichtigung von biografischen Aspekten in Dicks Werk. Deshalb finden sich zahlreiche Leerstellen in seiner Darstellung. Sie fallen allerdings nur demjenigen Leser auf, der etwas über die Wechselwirkung zwischen Werk und Leben dieses Autors wissen möchte. Wer Näheres etwas über Dicks Leben bei Robinson sucht, läuft geradezu ständig gegen eine Mauer. Dies ist die Grenzmauer, die Robinson um sein Thema gezogen hat. Wer sie durchbrechen will, muss also Biografien lesen. Eine der neueren, die ich persönlich kenne, ist die von Lawrence Sutin: „Divine Invasions. A Life of Philip K. Dick“ (1989, neues Vorwort 2005, ISBN 0786716231). Eine weitere wichtige Quelle sind die Ausgaben von „Exegese”, der Briefe, Essays und Interviews, die im Anhang erwähnt sind.

Eine weitere Leerstelle betrifft Erzählungen. Es müsste eigentlich jedem Filmfan auffallen, dass bislang keine Rede von jenen Texten war, auf denen die eingangs erwähnten Filme beruhen. Woher kommen also „Paycheck“, „Impostor“, „Minority Report“, „Screamers“ und – nicht zu vergessen – „Total Recall“? Die Erzählungen, aus denen sie entwickelt wurden, fehlen in Robinsons Darstellung, weil auch sie jenseits der Grenzmauer seines Themas liegen. Nur selten erfahren wir von ihnen als Ausgangsmaterial für spätere Romane (s. o.), die einen „gebrochenen Buchrücken“ aufweisen. Berühmte Geschichten wie „Der Glaube unserer Väter“ werden am Rande erwähnt, aber leider nicht näher analysiert. Dies wäre ein sehr lohnendes Forschungsgebiet.

Die Übersetzung

Jakob Schmidts Übertragung des Originals finde ich sehr gelungen. Sie kommt den Erwartungen des deutschen Lesers an eine verständliche Textfassung sehr entgegen, indem sie unnötige Fremdwörter ebenso vermeidet wie komplizierte Schachtelsätze. Auch dass die Fußnoten jeweils auf der gleichen Seite auftauchen statt am Ende des Buchs, finde ich gut: Das erspart das Nachschlagen und Hinundherblättern.

Es gibt noch ein paar winzige Fehlerchen, die in der zweiten Auflage zu beheben wären. Der britische Autor von „Der Sternenschöpfer“ heißt nicht Olaf Stapleton, sondern Stapledon (S. 27). Und ein Bischof wird immer noch mit nur einem F am Schluss geschrieben, trotz anders gerichteter Bemühungen (Seiten 252 ff und anderswo).

Dass ein Stichwortregister fehlt, ist ein schmerzliches Manko. Ich musste ständig bei Sutin nachschlagen, wollte ich das Jahr finde, in dem ein Roman geschrieben oder veröffentlicht wurde. Sicher, es gibt eine Werkchronologie: Aber hier kommt das Jahr zuerst, dann das Werk. Um vom Werk aufs Jahr zu kommen, muss man also fast die ganze Chronologie durchsuchen. Den Zeitpunkt, an dem es geschrieben wurde, kann man überhaupt nicht erschließen. Dabei liegen z. B. zwischen dem Schreiben von „We Can Build You“ (Die rebellischen Roboter) und seiner Veröffentlichung immerhin zehn Jahre. Diese Diskrepanz berücksichtigt übrigens Robinson nicht in seiner Einteilung der Romane, und so behauptet er fälschlich, die beiden Hauptfiguren in „Die rebellischen Roboter“ stammten aus „Simulacra“ (1964), dabei war es genau umgekehrt.

Was sich Robinson als Akademiker verkneifen muss, darf sich Sutin erlauben: eine subjektive Wertung von Dicks Werken. So erhält beispielsweise „We Can Build You“ eine positive Platzierung mit sechs von zehn möglichen Punkten. Natürlich begründet Sutin seine Bewertung – und liefert zugleich noch wertvolle Hintergrundinfos zum Buch. Wer hätte gedacht, dass „Die rebellischen Roboter“ mal mit, mal ohne Ted Whites Zusatzschlusskapitel abgedruckt wird?

Unterm Strich

Diese Monographie ist ein ganz wesentlicher Beitrag zur literaturwissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Ganz recht: Dick wird nicht mehr „nur“ als SF-Autor angesehen, sondern man entdeckt endlich auch seine realistischen Romane als Werke von eigenständigem Wert.

Kim Stanley Robinson befindet sich wie kaum ein anderer in einer Position, sich sowohl mit dieser als auch mit der SF-Seite Dick kritisch auseinander zu setzen. Er ist sowohl Autor als auch Literaturwissenschaftler, kennt also beide Ghettos: das der SF (inklusive Fandom) und das der Academia, der universitären Welt. Und er nimmt keineswegs ein Blatt vor den Mund. Wer würde sich trauen, das Ende eines Meisterwerks wie „Das Orakel vom Berge“ für misslungen zu erklären? Wahrscheinlich nur wenige.

Es ist ein wenig schade, dass sein Buch zwei Leerstellen hinsichtlich des Leben und der Erzählungen aufweist, aber seine Aufgabe ist ja schon im Titel ausgedrückt: „Die ROMANE des Philip K. Dick“, und nichts sonst. Auch ist zu berücksichtigen, dass sein letzter Forschungsstand der des Jahres 1985 ist (Fußnoten belegen dies).

Die deutsche Ausgabe ist durchaus hilfreich, bis zu einem gewissen Grad, und vor allem die bibliografische Arbeit dürfte nicht einfach gewesen sein. Wenn man sich auf den einschlägigen Webseiten umsieht, stößt man immer wieder auf nicht korrekte Angaben. Was hier für die nächste Auflage noch zu tun wäre, ist ein Stichwortregister, das auch wissenschaftlichen Anforderungen standhält. Dann könnte aus diesem Taschenbuch ein Standardwerk werden.

Originaltitel: The novels of Philip K. Dick, 1984/2005
267 Seiten
Aus dem US-Englischen von Jakob Schmidt
ISBN-13: 9783926126511

www.shayol.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Udo Kellner, Sven Olaf Frahm, Christian Mawrin & Matthias Krams – Kurzlehrbuch Pathologie

Worum geht’s?

Das umfangreiche Gebiet der Pathologie wird auf diesen knapp 600 Seiten kompakt zusammengefasst. Auf alle prüfungsrelevanten Fragen, findet der Leser hier die passende Antwort. Die sehr übersichtliche Struktur und Gliederung des Buchs vereinfacht das Lernen und macht es sogar recht angenehm.

Neben vielen aussagekräftigen Abbildungen, findet man zahlreiche Key Points und Merksätze, in denen die wichtigsten Fakten kurz und einprägend aufgeführt werden.

Jedem Print-Exemplar liegt ein Code zur digitalen Freischaltung des Buchinhalts bei, so dass sie auf allen gängigen mobilen Endgeräten unterwegs abrufbar sind.

Udo Kellner, Sven Olaf Frahm, Christian Mawrin & Matthias Krams – Kurzlehrbuch Pathologie weiterlesen

Katharina Vlcek – Amazonien. Entdecke die Wunder des Regenwaldes

Wunderschön gezeichnete Illustrationen, interessante, kurzweilige Texte und wichtige Zusammenhänge einfach erklärt: Das großformatige Bilderbuch „Amazonien“ aus dem Haupt Verlag macht neugierig auf den artenreichsten Lebensraum auf der Welt.

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Kurdo Baksi – Mein Freund Stieg Larsson

Der Mann, der sich Stieg nannte

„Dieses Buch ist keine Huldigung an einen Freund. Jeder, der sich Stieg Larsson kannte, trägt sein eigenes Bild von ihm in sich. Dasselbe gilt auch für die, die ihm nahestanden. (…) Es besteht die Gefahr, dass Stiegs Kampf um die Menschenrechte nach seinem großen Erfolg als Autor nicht mehr die verdiente Aufmerksamkeit erhält. Dieser Kampf aber war ein wichtiger Teil von Stieg, und ich hoffe, dass ich ihn mit diesem Buch angemessen beschrieben habe. (Verlagsinfo)

Der Autor
Kurdo Baksi – Mein Freund Stieg Larsson weiterlesen

Stefanie Nonnenmann und Wolfgang Niedermeier – Handbuch Ultrawandern

50, 100 oder gar noch mehr Kilometer am Stück zu laufen, klingt eigentlich nach einer ziemlich absurden Idee. Und dennoch boomen Veranstaltungen solcher Ultrawanderungen hierzulande immer mehr. Bei manchen dieser Events gehen mehrere tausend Menschen an den Start mit dem Wunsch, die eigenen Grenzen auszuloten und darüber hinaus zu gehen. Doch was braucht man eigentlich, um solche Distanzen zu packen? Die richtige Ausrüstung? Konsequentes Training? Mentale Stärke? Einen gesunden Körper? Tatsächlich gehört all dies dazu.

Stefanie Nonnenmann und Wolfgang Niedermeier haben sich beim gemeinsamen Training für den Münchner Megamarsch 2018 kennengelernt und absolvieren seitdem fast alle Wanderungen gemeinsam. Auf einer dieser Wanderungen entstand in einer besonders langen Nacht die Idee zu diesem Buch, in dem sich unzählige Tipps und Hinweise für den Einstieg ins Ultrawandern finden.

Denn eins ist klar: Nach der Anmeldung zu der ersten Ultrawanderungen steht man in aller Regel vor einem Berg von Fragen, weil man nicht genau weiß, wie man sich dieser Mammutaufgabe stellen soll. Hier bieten die beiden erfahrenen Ultrawanderer genau den richtigen Einstieg, indem sie ausführlich von der Suche nach der richtigen Ausrüstung berichten, Tipps für das Finden des richtigen Schuhwerks und der passenden Socken geben und vor allem auch vor den beliebtesten Anfängerfehlern warnen.
Stefanie Nonnenmann und Wolfgang Niedermeier – Handbuch Ultrawandern weiterlesen

Karl Shaw – Lexikon der Geschmacklosigkeiten


Trivial Pursuit ohne Grenzen des Geschmacks

Jeder kennt das Guinness-Buch der Rekorde. Bei vielen Lesern hinterlässt diese Sammlung seltsamer Weltrekorde ein Gefühl der Enttäuschung. Der Grund: Zu viel Sport und zu wenig Spinnereien werden präsentiert. Anders dagegen ist „Das Lexikon der Geschmacklosigkeiten“: Hier geht es um die zwölf ekelhaftesten Getränke aller Zeiten, die acht grausamsten römischen Kaiser oder zehn kreative Verwendungsmöglichkeiten für Formaldehyd. (Amazon.de)

Der Autor

Weitere Werke von Karl Shaw sind:

The Mammoth Book of Losers
Royal Babylon
Mad, Bad, And Dangerous to Know
The First Showman
Tasteless and Outrageous
5 People Who Died During Sex
Deadly & Dangerous: Kings and Queens
10 Ways to Recycle a Corpse
Curios Hiccups With Small Fires
Giant Bathroom Reader
The Mammoth Book of OddBalls and Eccentrics
und so weiter.
Sie sind alle im Kindle-Shop zu erwerben.

Inhalt
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Colin Fletcher – Wanderer zwischen den Zeiten. Allein im Grand Canyon

Ein wahrer Zeitreisender

In Wanderer durch die Zeit gibt Colin Fletcher seine Erfahrungen und tiefgehenden Eindrücke wieder, die er sammelte, als er als erster Mensch den Grand Canyon der Länge nach durchwanderte. Mit 30 Kilogramm Gepäck machte sich Fletcher 1963 allein auf die 400 Meilen lange Odyssee, die durch weitgehend unbekanntes Land führte und zwei Monate dauerte. (Verlagsinfo) Das Buch wurde unter die 100 besten Sachbücher des letzten Jahrtausends (!) gewählt.

Der Autor

Über Colin Fletcher (1922-2007) findet der interessierte Leser einen informativen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia.
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Elke Brüns – Game of Thrones. 100 Seiten

„Dracarys! Valar Morghulis!“

Von Dorne über Winterfell bis jenseits der Mauer, von den Eiseninseln über die Sklavenbucht bis nach Asshai – die Welt, die George R. R. Martin erschuf, ist komplex. Verrat, Macht und Intrigen und obendrauf noch Untote und Drachen. Doch was ist der Suchtfaktor von Game of Thrones? Warum schauen wir dem Kampf zwischen Targaryen, Starks, Lennisters & Co. so gebannt zu?

Elke Brüns folgt dem tödlichen Spiel um die Macht, beleuchtet Charaktere und Themen – und findet die Fakten & Fiktionen der erfolgreichsten Fantasy-Serie aller Zeiten. (Verlagsinfo)

Die Autorin

Elke Brüns ist habilitierte Literaturwissenschaftlerin. Sie lehrt Neuere Deutsche Literatur an der NYU Berlin. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten befassen sich mit Gender, Psychosexualität, deutscher Geschichte, Film und Armut; zudem schreibt sie für Zeitungen sowie Zeitschriften und produziert Radiobeiträge.
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Matt Dickinson – Die weiße Hölle. Actionthriller

Actiondrama am dritten Pol

Seit Jahren träumt Sebastian Turner davon, den Mount Everest zu besteigen – und mit einem Gleitschirm vom Gipfel herunterzusegeln. Um die Einschaltquoten seines privaten TV-Senders hochzutreiben, soll seine Freundin Josie live über die Gipfeltour berichten.

Doch am Tag der letzten Aufstiegsetappe tobt auf dem Everest ein heftiger Sturm, und es kommt zur Katastrophe. Fassungslos erfährt Josie vor laufender Kamera, dass Sebastian vermisst wird. (Verlagsinfo)

Der Autor

Matt Dickinson is a film-maker and writer who is best known for his award-winning novels and his documentary work for National Geographic Television, Discovery Channel and the BBC. Dickinson was one of the climbers caught in the 1996 Mount Everest disaster (!). In 2003 he was the co-writer and director of „Cloud Cuckoo Land“ — an independent British movie.“ (Quelle: en.wikipdia.org)

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Thomas Sparr – Todesfuge. Biographie eines Gedichts

Entstehung und Wirkungsgeschichte eines Jahrhundertgedichts

Paul Celans Gedicht „Todesfuge“ gilt als Jahrhundertgedicht. Entstanden unter dem unmittelbaren Eindruck der Ermordung von Celans Eltern durch die Nationalsozialisten, ist es eines der frühesten literarischen Zeugnissen der Shoah. Atmosphärisch dicht zeichnet Thomas Sparr die Geschichte dieses Gedichts nach, das auf besondere Weise auch die Biographie Celans birgt. (Verlagsinfo)

Der Autor
Thomas Sparr – Todesfuge. Biographie eines Gedichts weiterlesen

Dave Barry – Die Achse des Blöden. Eine politische Evolutionstheorie der USA

US-Politik als Entertainment

Kaum zu glauben, aber nach Umfragen seriöser Meinungsforschungsinstitute halten mehr als 54 % aller Amerikaner die United States Constitution für ein (erfolgloses) Eishockey-Team. Mit anderen Worten: Kaum ein Amerikaner hat seine Verfassung je gelesen. Obwohl sie ihm doch u. a. das Recht einräumt, unwichtige Post ungeöffnet wegzuschmeißen. Dave Barry dagegen kennt die Verfassung. Und er weiß auch, was es mit der amerikanischen Politik insgesamt auf sich hat: Worum ging es bei der Boston Tea Party wirklich? Was ist der Unterschied zwischen einem Chief Secretary und einem Chief Chief Secretary? Wie wird man Präsident? Und was bestimmt die Geschicke der amerikanischen Nation wirklich? (Verlagsinfo)
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Gilles Lagarde – Als die Fotografie den Sex entdeckte

Playgirls der Belle Époque

Der Reiz halber Entblößung und völliger Nacktheit vor halb verblasstem Interieur – welcher Nostalgie-Gourmet könnte da widerstehen? Wir wissen nicht, ob es ein professioneller, geschäftstüchtiger Fotograf war oder ein Liebhaber, der erstmals eine nackte Frau auf die Platte bannte. Sicher ist hingegen, dass die Möglichkeiten, geheime Reize beliebig oft reproduzieren zu können, wenn man nur ein williges Objekt für sein Objektiv fand, um die (20.) Jahrhundertwende eine Schar erotomaner Fotoaspiranten auf den Plan rief.

Aus der Fülle ihrer Beute schöpfte ein Sammler – aus dessen Fundus wiederum die schönsten Fotos für den vorliegenden Band ausgewählt wurden. Die schönsten erotischen Fotos der Jahrhundertwende. Die Einführung verfasste sehr kenntnisreich und elegant Wolfgang Mohrhenn, der zahlreiche zeitgenössische Quellen zitiert.

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King, Stephen – Das Leben und das Schreiben

_Bestsellerautor – gewusst wie!?_

Kann ich hier lernen, wie man einen Bestseller schreibt? Vermutlich nicht ganz, aber der Meister sagt uns, wie er dazu kam und gibt ein paar hilfreiche Tipps – zumindest wie man’s besser macht als bisher.

Hier hat einer der erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts seine wichtigsten Einsichten zusammengefasst. Es ist ein persönliches, geradezu intimes Buch, andererseits aber auch ein Sachbuch mit brauchbaren Ratschlägen für angehende Autoren.

_Inhalte_

Nach nicht weniger als drei (!) Vorwörtern legt King endlich los: mit einem von zwei biographischen Teilen. Die Zweiteilung rührt natürlich von jenem schmerzhaften und einschneidenden Unfall im Sommer 1999 her. Davor hatte King bereits die Hälfte des Buches fertig.

Er erzählt zunächst, wie er überhaupt dazu kam, Geschichten zu mögen, viel zu lesen und schließlich selbst welche zu erfinden und festzuhalten. Seine Mutter bestärkte ihn darin ebenso sehr, wie es später seine Frau Tabitha tun sollte. Die Episode, wie sein erster veröffentlichter (nicht geschriebener) Roman „Carrie“ entstand, ist schon häufig erzählt worden – ich brauche sie nicht nochmals wiederzugeben. Interessanter ist da schon, wie er sein Handwerk verbesserte, etwa indem er als Sportreporter bei der Lokalzeitung arbeitete und zudem richtiges Redigieren lernte. Weitere Tipps bekam er von ablehnenden Lektoren der Zeitschriften, denen er seine Storys anbot („2. Fassung = 1. Fassung minus 10 %“ und dergleichen). An diese Ratschläge hält sich King noch heute.

|Schreiben ist Telepathie|

Sodann erklärt er, was Schreiben ist: „Telepathie natürlich“. Und er weiß diese erstaunliche Auffassung gut zu begründen. Im folgenden Teil beschreibt er den Inhalt der drei Ebenen des „Werkzeugkastens“ eines Schriftstellers. Dazu gehören natürlich allen voran die Sprache, die Grammatik und die Stilistik. Für ihn ist die kleinste Bucheinheit nicht das Wort oder der Satz, sondern der Absatz.

|Do it yourself!|

Der folgende Teil „Über das Schreiben“ ist sicherlich der wichtigste, wenn man selbst schriftstellerische Ambitionen hat – und die werden wohl die meisten Käufer dieses Buches mitbringen. Alle von Kings Ratschlägen sind brauchbar, manche sogar genial. Häufig hebt der frühere Englischlehrer den Finger, hebt sogar das Verbotsschild in die Höhe, doch die häufig eingesetzte Selbstironie schwächt diese wichtigtuerischen Posen immer wieder ab.

Ich selbst kann zahlreichen von Kings Ratschlägen nur zustimmen, schließlich habe ich selbst über zehn Jahre in Schreibwerkstätten und –seminaren (auf deren Nutzen geht er selbstverständlich ebenfalls ein) verbracht und meine Resultate vorgelesen und begutachten lassen. Nie jedoch wurden mir dort solche gut begründeten Tipps gegeben.

Eine Kostprobe: Vermeide Adverben wie die Pest! Beispiele wären „mutig widersprechen“, „herzzerreißend schluchzen“ usw. Adverben fügen einem bereits vorhandenen Verb oder einer Äußerung nur einen unterstreichenden Aspekt hinzu, sind also von vornherein relativ überflüssig, es sei denn, das Adverb erweitert die Bedeutung des Verbs oder der Äußerung („sagte er nachdrücklich“). Adverbialkonstruktionen kann man natürlich zu einem Stilmerkmal machen (etwa wie in den sog. „Swifties“), man kann es damit aber auch übertreiben und so einen ironischen Effekt erzielen.

|Falltüren der Prosa|

Natürlich gibt es in der Prosa noch zahlreiche weitere Falltüren, die es aufzuspüren und zu vermeiden gilt. King bietet angehenden Autoren auch in ihren Publikationsbemühungen Hilfe an: Man darf ihm bestimmte Manuskripte an www.stephenking.com schicken. Er warnt vor gierigen Agenten und tückischen Verlagsverträgen (etwa bei Doubleday!). Eine Leseliste bietet weiterführende Tipps zu Büchern, die der Meister gut findet oder fand. Dazu gehört vor allem seine Stilbibel „Elements of Style“.

|Die Biografie erschüttert|

Absolut erschütternd ist hingegen der zweite Teil seiner Biografie zu lesen, also über den Unfall selbst, bei dem er fast starb, und die Zeit der Rekonvaleszenz bis zu jenem Tag, an dem er wieder an diesem Buch schreiben konnte.

In einem der Nachträge kann man dem Meister über die Schulter schauen. „Siehst du: So sah die 1. Fassung der Story aus – und jetzt schau her: So sieht die 2. Fassung aus.“ Er begründet die Änderungen und macht deutlich, worauf es ihm bei seinem Handwerk ankommt. Diese Story ist unter dem Titel „1408“ in der Hörbuch-Trilogie „Blut und Rauch“ zu finden, die es bei |Random House Audio| gibt.

_Mein Eindruck_

Dieses lehrreiche Buch gibt nicht nur durch Erfahrung erworbene und erprobte Ratschläge an Jungautoren weiter, sondern erzählt auch viele Geschichten – nicht nur Kings eigene, die allein schon sehr interessant ist, aber auch die vieler anderer Leute (seine Familie, seine Frau, die Schulen, die Verleger usw.).

Für Bücherwürmer wie mich sind auch Kings Bemerkungen über andere Schriftsteller und ihre Produkte sehr wertvoll. Sie erfüllen eine ähnliche Funktion wie eine Rezension. Dabei scheut der Autor auch nicht vor handfester, aber berechtigter Kritik zurück. Er hat eben seinen Standpunkt und weiß ihn gewohnt eloquent zu vertreten.

Auf jeden Fall ist das Buch sehr kurzweilig zu lesen, sofern man sich für das Schreiben und die Vorgänge dabei interessiert. Andere Leser dürften vor allem von den biografischen Teilen und den Lesetipps profitieren.

|Originaltitel: On Writing, 2000
Aus dem US-Englischen übertragen von Andrea Fischer|

Hannes Fricke – Jimi Hendrix. 100 Seiten (zum 50. Todestag)

Niemand, der miterlebt hat, wie Jimi Hendrix kometengleich am Pop-Himmel erschien, wird seine erste Begegnung mit dem Ausnahmemusiker je vergessen: Jimi Hendrix WAR Musik, seine E-Gitarre und er verschmolzen miteinander, die Musik durchströmte seinen Körper.

Hannes Fricke schildert Hendrix‘ kurze Karriere in allen Facetten, kommentiert die berühmten Auftritte in Monterey und Woodstock, analysiert eingehend Hendrix‘ Spieltechnik. Jimi Hendrix wurde am 18. September 1970 vor 50 Jahren tot aufgefunden. Am 27. November 2017 wäre er 75 Jahre alt geworden. (Verlagsinfo)

Der Autor
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Bill Bryson – Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers

Worum gehts?

Unser ganzes Leben verbringen wir in unserem ganz eigenen und persönlichen Haus – unserem Körper. Was für uns alle auf eine Art und Weise ganz selbstverständlich ist, funktioniert nur durch eine erstaunliche Aneinanderreihung vieler verschiedener Abläufe. Zumindest in den meisten Fällen, funktioniert einmal etwas nicht so reibungslos, werden wir krank. Bill Bryson beschreibt in seinem neusten Werk die wunderbare Geschichte unseres menschlichen Körpers – und das vom Kopf bis zu den Füßen.

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Britta Teckentrup – Sechs Beine oder mehr

Worum gehts?

Es kribbelt und krabbelt. Es zippelt und zappelt. Es kreucht und fleucht. Tauche ein in die wuselige Welt der Insekten und Krabbeltiere. Sie haben mindestens 6 Beine. Sie schwimmen durchs Wasser, schweben durch die Lüfte und graben sich unter der Erde ein. Es gibt unzählig viele Insekten – und Spinnenarten. Sie alle haben ihre Daseinsberechtigung und erfüllen Aufgaben, auch wenn sie noch so klein sind. In diesem Buch lernt man einen Teil der Insekten kennen und erfährt, was jeder einzelne Mensch dazu beitragen kann, dass diese Gattungen nicht aussterben – wo sie doch so wichtig sind für unser Ökosystem.

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Asterix – Tempus Fugit – Wahre Mythen und falsche Fakten

ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Die Handlung

Wie viel Wahrheit steckt eigentlich in den Asterix-Abenteuern? Gab es wirklich unbeugsame Gallierstämme, die sich gegen die Besatzer auflehnten? Boomte die Hinkelsteinindustrie und waren Schnurrbärte und Flügelhelme der letzte modische Schrei? Die Macher von Asterix – Unbeugsame Lateinzitate prüfen über 70 „Fakten“ aus den Comics auf ihre historische Authenzität und fördern dabei allerhand Verblüffendes zutage. Keine trockene Geschichtsstunde, sondern unterhaltsam erzählte, reich bebilderte Lektüre – ideales Lesefutter für alle Asterix-Freunde! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Auch wenn der Tod von Albert Uderzo in diesem Jahr keinen ASTERIX-Fan zum Lachen bringt, so braucht er dennoch nicht auf neue Abenteuer zu warten, sondern kann mit diesem Band in Erinnerungen schwelgen, die noch von Uderzo gezeichnet wurden.

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Frank H. Netter – Atlas der Anatomie (7. Auflage)

Verlagsinfo zum Buch:

Netters Atlas der Anatomie beweist seit Jahren, dass Anatomielernen auch locker sein kann. Die preisgekrönten Abbildungen im typischen Netter-Stil führen Sie idealdidaktisch vom Leichten zum Schweren, von vereinfachten Darstellungen zu komplexen Strukturen. Detailreich beschriftet und von bestechender Klarheit und Präzision – so wird Anatomie greifbar!

Praktisch: Die gesamte Anatomie in einem Band – ideal zum Mitnehmen in den Präpkurs
• Typisch Netter: Die Abbildungen treffen genau die Mischung aus realistischer Darstellung und didaktisch einprägsamer Schemazeichnung
• Schrittweise regionale Herangehensweise
• Umfangreich: Über 2000 aussagekräftige Abbildungen
• Zahlreiche klinische Bilder und Röntgenbilder helfen Ihnen in der ärztlichen Praxis (

Mein Eindruck:

Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren erschien die 25-Jahre-Jubiläumsausgabe des „Netter“ als Auflage 6. Nun scheints an der Zeit für ein Update zu sein. Wer also Fan der schönen und detaillierten Zeichnungen im Netter-Stil ist und noch eine der älteren Ausgaben besitzt, könnte durchaus verleitet sein, sich mal wieder einen aktuellen Anatomie-Atlas zuzulegen.

Und wer noch keinen hatte, aber fürs Studium einen braucht, der sollte hier mal einen Blick riskieren.

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