Schlagwort-Archive: Sachbuch

Uwe Anton – Robert Silverberg. Zeiten der Wandlung (SF Personality 26 )

Gelungenes Porträt eines SF-Titanen

„Uwe Anton liefert einen ausführlichen Überblick zu Leben und Werk dieses außergewöhnlichen Schriftstellers. Abgerundet wird der Band durch ein[e] Ehrengastrede Silverbergs, die er auf der bisher einzigen World Science Fiction Convention (WorldCon) in Deutschland gehalten hat, sowie eine Bibliographie von [Übersetzer und Verleger] Joachim Körber.“ (ergänzte Verlagsinfo) Der WorldCon fand 1970 in Heidelberg statt.
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Moers/Meier/Bühring/Budéus – Die Beatles. Geschichte und Chronologie

Eine umfangreiche Beatles-Enzyklopädie

Dies ist die präzise und umfassende Chronologie des gesamten Schaffens einer Band aus Liverpool, die schließlich unter dem Namen „The Beatles“ doch noch recht bekannt wurde (statt unter „The Quarrymen“). Auf rund 700 Seiten Umfang liefert diese Chronologie eine Detailfülle, die den Leser schier erschlägt. Die Lust am Lesen kommt also erst am Detail. Man kann daher jede beliebige Seite außer dem Register aufschlagen und entdeckt interessante, kuriose oder einfach nur entdeckenswerte Informationen – und schon hat einen die Beatlemania am Wickel.
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Giles Smith – Lost in Music. Eine Pop-Odyssee

Eine Pop-Odyssee mit den Smiths

Der heutige Reporter und frühere „Popmusiker“ Giles Smith erzählt uns von seine lange währenden Liebesaffäre mit der Popmusik, die schon mit neun Jahren beim Hören eines T.Rex-Songs begann. Aber was heißt hier „Affäre“? Smith ist fest mit der kapriziösen Dame verheiratet, und das führte im Laufe der Jahre zu mehreren tragikomischen Situationen. Unterhaltsame, lesenswerte und informative Lektüre für jeden Pop-Fan (sind wir das nicht alle?) – und außerdem stellenweise saukomisch. In England zählt „Lost in Music“ neben Nick Hornbys „High Fidelity“ zum Standardwerk in Sachen Popliteratur.
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Charles Cross/Eric Flanagan/Neal Preston – Led Zeppelin – Heaven and Hell. An illustrated history

Mit dem Zeppelin durch Himmel und Hölle

Diese „bebilderte Geschichte“ einer der wichtigsten Rockbands bringt zahlreiche unbekannte Informationen, einige hilfreiche Tipps zum Plattensammeln sowie ein enorm interessantes Interview mit Gitarrist und Bandgründer Jimmy Page – interessant deshalb, weil er sich lange Zeit strikt weigerte, ausführliche Interviews zu geben, nachdem die Presse die Alben der Band niedergemacht hatte. Ebenso wichtig wie die Texte sind für mich als Fan die fantastisch guten Fotos von der band und ihren Mitgliedern – weit höhere Qualität als man nach einem Film wie „The song remains the same“ erwartet hätte!
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Luca Novelli – Newton und der Apfel der Erkenntnis

Biographie light: Newton, der Vater der modernen Physik

Sein Gravitationsgesetz revolutionierte die menschliche Sicht auf das Universum. Der Forscher Newton, Vater der klassischen Mechanik und der Himmelsmechanik, Pionier in Mathematik und Optik, gilt als einer der herausragendsten Wissenschaftler aller Zeiten.

Luca Novelli beschreibt das Leben des Genies von den Schultagen auf dem Land über das Studium im ehrwürdigen Cambridge, die großen Entdeckungen, Widrigkeiten und Auseinandersetzungen mit Kollegen bis hin zu seiner Tätigkeit als hochgeschätzter Beamter. Eine spannende Begegnung mit einem der großen Köpfe der Menschheitsgeschichte. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt diese szenische Lesung ab 10 Jahren.

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Novelli, Luca – Newton und der Apfel der Erkenntnis (Lesung)

_Biographie light: Newton, der Vater der modernen Physik_

Sein Gravitationsgesetz revolutionierte die menschliche Sicht auf das Universum. Der Forscher Newton, Vater der klassischen Mechanik und der Himmelsmechanik, Pionier in Mathematik und Optik, gilt als einer der herausragendsten Wissenschaftler aller Zeiten.

Luca Novelli beschreibt das Leben des Genies von den Schultagen auf dem Land über das Studium im ehrwürdigen Cambridge, die großen Entdeckungen, Widrigkeiten und Auseinandersetzungen mit Kollegen bis hin zu seiner Tätigkeit als hochgeschätzter Beamter. Eine spannende Begegnung mit einem der großen Köpfe der Menschheitsgeschichte. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt diese szenische Lesung ab 10 Jahren.

_Der Autor_

Luca Novelli, Autor und Illustrator, arbeitet als wissenschaftlicher Berater für die RAI, das staatliche italienische Fernsehen, und leitete zehn Jahre lang eine Zeitschrift für Grafik und Design.

Für die Reihe „Lebendige Biographien“ erhielt er 2004 den italienischen Andersen-Preis als bester populärwissenschaftlicher Autor. Diese Biografien der genialsten Denker und Erfinder aller Zeiten sind im Arena Verlag erschienen – und bei Audiolino als Hörbücher. (Verlagsinfo)

_Die Sprecher_

Jürgen Uter ist der Erzähler. Peter Kaempfe, der Sprecher der Erklär-Texte, lebt als Schauspieler, Regisseur und Autor in Bremen. Nach dem Schauspielstudium gründete er mit zwei Kollegen die Bremer „Shakespeare Company“ sowie das „Theater aus Bremen“, mit dem er bis heute international weit über 2000 Vorstellungen gab.

Daneben tritt er in Funk und Fernsehen auf, unter anderem im „Tatort“ und in der Kinderradiosendung „Bücherwurm grüßt Leseratte“ des Norddeutschen Rundfunks. Dank seiner ausdrucksstarken Stimme wurde er zu einem der erfolgreichsten Kommentatoren für Fernsehdokumentationen aller deutschen Sendeanstalten. Heute ist er in etlichen Hörspielen und Hörbüchern zu hören und tourt mit Live-Lesungen und einem Soloprogramm durch die Lande. (Verlagsinfo)

In weiteren Rollen diverse andere Sprecher u. a.

Michael Bentzien spielt die Solo-Gitarre: J. S. Bach, Vincenzo Galilei, Giuseppe Brescianello, Fernando Sor u. a..

Regie führte Rainer Gussek.

_Inhalte_

Isaac Newton (1642/43-1726), der genauso wie sein Vater heißt, hat zwei Geburtsdaten. Weil Engalnd noch nicht den neuen gregorianischen Kalender übernommt hat (das folgt erst ca. 1752), wird sein Datum noch nach dem julianischen Kalender berechnet: Es ist der Weihnachtstag 1642, also der 25.12. Nach gregorianischer Zeitrechnung kommt er am 4.1. 1643 zur Welt. Wenige Tage später wird König Charles I hingerichtet, und die Diktator des Oliver Cromwell beginnt. Sie dauert bis 1658, also fast 20 Jahre, und ist von Foltern, Verfolgung und Massakern gekennzeichnet. Der strenge Puritanismus Crommwells duldet weder kluge Frauen („Hexen“) noch fromme Katholiken, in den katholischen Ländern Irland und Schottland werden Tausende hingemetzelt.

Woolthorpe, Isaacs Geburtsort, liegt in Lincolnshire, unweit der Nordsee. Von Anfang an sehnt sich der Junge nach der Ferne, und als er Gelegenheit hat, die Bibliothek seines Onkels William, eines Vikars, zu lesen, macht er sich mit Gusto darüber her. Er wird Klassenbester und spricht und liest mit 16 fließend Latein, die Sprache der Gelehrten, der Wissenschaft – und der Kirche. Als sich schnell zeigt, dass er nicht zum Bauern taugt, geht er zur Universität Cambridge, damals noch ein Ableger der Uni in Oxford. Er muss dienen, um sich seinen Aufenthalt zu verdienen.

Schon als Junge hat er für die schöne Stieftochter von Apotheker Clark in Grantham Dinge gebastelt, darunter eine faltbare Laterne und jede Menge Sonnenuhren. Als er 1661 nach Cambridge kommt und den Eid ablegt, begeistert er sich schnell für die Lehren eines gewissen Cartesius aus Frankreich: René Descartes‘ Naturphilosophie basiert auf einem mechanistischen Weltbild aus diesseitiger Ursache und Wirkung, in dem eine höhere Macht keinen Platz hat. Das ist ebenso revolutionär – und ketzerisch – wie die Ansicht, die Erde kreise um die Sonne. Newton schert sich deshalb wenig um die veralteten, auf der Antike basierenden Lehrpläne und schließt sein Studium der Naturphilosophie, des Latein usw. 1665 ohne Auszeichnung ab.

Die Pest beraubt 1665 und 1666 England eines großen Teils der Bevölkerung, besonders in den Städten wütet das Virus, das durch Rattenflöhe übertragen wird. Das Große Feuer vom September 1666 zerstört 80% aller Gebäude innerhalb der Stadtmauern. Doch Newton hat sich schon 1665 nach Woolthorpe und Grantham in Sicherheit gebracht. Dort notiert er binnen 18 Monaten seine wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse, experimentiert mit Prismen usw. Er begründet die Infinitesimal- bzw. Differentialgleichung, stellt eine Theorie des Lichts (Teilchen) und der Schwerkraft auf. Christian Huygens, einer der größten Wissenschaftler seiner Zeit, widerspricht ihm: Licht besteht aus Wellen. Es dauert fast 250 Jahre, um herauszufinden, dass beide recht haben.

1667 öffnet die Uni Cambridge wieder, nachdem die Pest vorüber ist. Newton arbeitet sich vom Minor zum Major Fellow hoch und macht seinen Magisterabschluss. Statt zu faulenzen wie seine gut bezahlten Kollegen, richtet er ein Labor ein und erzeugt Arzneien nach alchimistischen Prinzipien. Wenigstens glaubt er nicht an Schwarze Magie, wenn auch seine Versuche, aus Blei Gold zu machen scheitern. Er schenkt der Royal Academy of Sciences ein neuartiges Teleskop, das mit Spiegeln statt Linsen arbeitet. Deshalb verzerrt es das Bild nicht, sondern ist viel genauer. Die Academy wählt ihn zum Mitglied. Hier trifft er auf seinen Dauerfeind Robert Hooke, der ihm alles neidet und vorwirft. Mit seinen ketzerischen religiösen Ansichten hält Newton deshalb wohlweislich hinterm Berg.

1682 erscheint der Komet, der später nach Edmund Halley, seinem bekanntesten Erklärer, benannt werden wird. Newton ist Halleys wichtigster Förderer. Newton berechnet die Flugbahn des Kometen und stellt das Universelle Gravitationsgesetz auf, das überall im Kosmos Gültigkeit haben soll. Natürlich attackiert ihn Hooke sofort mit anderen Ansichten.

1687 erscheint Newtons erstes und wichtigstes Buch, die „Principia Mathematica“. Er stellt die drei Newtonschen Gesetze auf, die bis Einstein Gültigkeit haben werden: 1) das Trägheitsgesetz, 2) das Beschleunigungsgesetz und 3) das Gesetz der Wechselwirkung. Die Folgen sind weitreichend: Die Tiden werden ebenso berechenbar wie das Gewicht, das sich je nach Ort von der Masse unterscheidet (auf dem Mond ein Sechstel der Erdschwere).

König James II, der katholische Nachfolger Cromwells, scheitert mit seiner Restauration, auch in Cambridge, und man importiert jetzt die Könige: William von Oranien, also aus den Niederlanden, heiratet Königin Mary. (Später importieren die Briten deutsche Monarchen aus Coburg-Sachsen-Gotha, und die in „Windsors“ umbenannten Deutschen sind ja bekanntlich immer noch auf dem Thron.) Doch nun hat das Parlament das Sagen, und die Monarchie existiert nur noch konstitutionell.

Der König macht den nunmehr in London wohnenden Newton zu seinem Münzwardein, das heißt zum Prüfer der königlichen Münzanstalt. Er deckt zahlreiche Betrügereien auf und macht sich unbeliebt, doch der König macht Falschmünzerei fortan zu einem Kapitalverbrechen. Eine lange Friedenszeit bricht an, die man später das Augusteische Zeitalter nennen wird. Es endet spätestens mit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), der eine neue Weltordnung etabliert – und Napoleon Bonaparte den Weg bereitet.

Newton erwirbt höchste Ehren und wird mit Titeln überhäuft. Sobald sein Intimfeind Robert Hooke gestorben ist, wagt er es, sein Buch über die Optik zu veröffentlichen – er ist ja jetzt auch Präsident der Royal Academy. Kritiker und Rivalen wie Leibniz macht er platt. Er hat immer noch nicht geheiratet, aber seine Nichte Catherine Barton führt ihm den Haushalt. Sie hat insgeheim ein Verhältnis zu Newtons Mentor und Gönner Charles Montague, dem Lord von Halifax, und erbt nach dessen Tod ungeheuere Ländereien. Als er am 20.3.1726 alter Zeitrechnung (also 31.3.1727 neuer Zeitrechnung) an einem Blasenstein und Quecksilbervergiftung (wegen der vielen Laborexperimente) stirbt, vererbt er ihr ein Vermögen, das nach heutigem Wert 10 Mio. Euro beträgt.

Die Grabprozession, die ihn in Westminster Abbey zur letzten Ruhe geleitet, ist extrem umfangreich, und, wie wir aus Dan Browns Roman „Sakrileg“ wissen, befand sich der Dichter Alexander Pope in der Menge. In Newtons Grabmal sind ein Prisma, ein Teleskop und eine Karte des Sonnensystems eingelassen. Sein Erbe: ein geordnetes Universum, das von universellen Gesetzen regiert wird. Lang lebe die Mathematik.

_Mein Eindruck_

Das Hörbuch geht leicht verständlich vor, von der Geburt bis zum Tod der Hauptfigur. Da gibt es keine Schnörkel, keine Rückblenden. Und die Musik mit der klassischen Gitarre lädt zum Speichern und Verdauen des soeben Gehörten ein, so dass dies eines der gemütlichsten Hörbücher ist, die ich seit Langem gehört habe. Das Glossar im Booklet liefert dem neugierigen – oder verwirrten – Hörer etliche Erklärungen, so etwa zu Grundbegriffen, Phänomenen und Personen der Zeitgeschichte wie Leibniz. Was kann also schiefgehen? Eigentlich nichts.

Andererseits. Es müsste ja auch ein verborgener Mensch namens Newton existiert haben. Mehr als einmal erwähnt der Erzähler, Newton haben religiöse Ansichten und Überzeugungen besessen, die im Widerspruch zu den akzeptierten Lehren seiner Zeit standen. Seine Mitgliedschaft bei den Freimaurern ist mittlerweile bekannt, wird aber ebenso wenig thematisiert oder erläutert wie seine ketzerischen Ansichten, den Unitarismus. Daran lässt sich ablesen, dass diese „Biographie light“ wirklich nur die Oberfläche kratzt. Man sollte sie eher als Einladung verstehen, sich näher mit diesem Menschen zu beschäftigen.

Gut fand ich hingegen, dass Newtons Epoche nicht unter den Teppich gekehrt, sondern vielmehr zu einem biografischen Faktor gemacht wird. Wenn es die Pest nicht gegeben hätte, wäre er nie aufs Land gereist und hätte dort nie seine „Principia Mathematica“ ausgetüftelt. Wenn es das Great Fire of London anno 1666 gegeben hätten, hätte es keinen Bedarf an Wiederaufbau mit neuen Ideen gegeben. Der große Brand, so wird klar, stellt eine Zäsur zwischen dem mittelalterlichen und dem neuzeitlichen London dar. Es ist Newtons große Chance.

Zu diesen neuen Ideen gehören, wie erwähnt, die drei Newtonschen Gesetze rund um die Universalkraft der Gravitation. Auch mit der Optik hat er sich eingehend befasst, wie detailliert erklärt wird. Dass er sich mit Alchemie beschäftigte, wird erwähnt, aber nicht weiter vertieft. Wie jedoch die Wikipedia deutlich macht, hatten alchimistische Ideen, die Newton aus 370 Büchern schöpfte, beträchtlichen Einfluss auf seine Grundideen der Orbitalmechanik und des Spektrums (was „Erscheinung“ bedeutet). Während er sich öffentlich politisch korrekt gab, betrieb er also insgeheim verbotene Forschungen.

_Die Sprecher_

Mein Eindruck ist naturgemäß eng mit der akustischen Präsentation der Inhalte verbunden. Wir haben es mit einer quasi-szenischen Lesung zu tun, die wie ein Hörspiel daherkäme, wenn es eine dramatische Handlung besäße. So aber bekommen wir eine Vielzahl von Stimmen präsentiert. Da ist zum einen ein Erzähler, der die Einleitung und den Begleittext spricht.

Und schließlich spricht noch Newton himself in der Ich-Perspektive. Das ist für mich der wichtigste Beitrag gewesen, denn hier erfahren wir endlich, wie es bei Newtons so zuging. Diverse Stimmen kommentieren Newton und Ereignisse, und auch Robert Hooke trägt den einen oder anderen – recht komischen – Satz bei. Auch Hochrufe gehören zum Repertoire der Stimmen.

|Geräusche|

Im Gegensatz zum „Einstein“-Hörbuch sind bei „Newton“ kaum irgendwelche Geräusche zu registrieren. Vielleicht wurden sie als störend in den Hintergrund gedrängt. Mal hören wir Newton zeichnen, mal einen Biss in den berühmten Apfel. Applaus brandet bei den beliebten öffentlichen Hinrichtungen auf – ein makabrer Kommentar auf Newtons Epoche.

|Die Musik|

Eine prominente Zutat ist die Musik, die man nicht ohne Weiteres erwarten würde. Der Konzertgitarrist Michael Bentzien spielt Lauten- und Gitarrenstücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert: von J. S. Bach, Fernando Sor, Giuseppe Brescianello, Vincenzio Galilei u. a. Die meisten Stücke, die als Pausenfüller oder im Hintergrund gespielt werden, sind ruhig und heiter, manche auch getragen und gravitätisch, wenige flott und dynamisch. Die Gitarre spielt das Intro und das Outro, ist also durchaus wichtig. Eine warme, heitere und abgeklärte Stimmung durchzieht die ganze Lesung.

Ganz am Schluss ist noch der Audiolino-Jingle zu hören. Er klingt wie eine Kadenz auf einem Glockenspiel.

|Das Booklet|

… enthält ein Glossar der wichtigsten Begriffe, von A wie Alchimie bis Z wie Zentripetalkraft. Man erfährt aber auch etwas über kompliziertere Begriffe wie etwa die Refraktion (in Prismen) oder den Halleyschen Kometen, der alle 75,3 Jahre an der Erde vorüberfliegt.

_Unterm Strich_

Die inszenierte Lesung ist für junge Leser gedacht, die an die großen Erfinder und Forscher herangeführt werden sollen. Daher darf man weder umfassende noch tiefschürfende oder gar komplizierte Zusammenhänge erwarten. Immerhin aber ergibt sich aus Newtons Biografie ein oberflächlicher Eindruck: Ein neugieriger Bursche, der durch die klassischen Schriften mit größeren Ideen in Kontakt kommt und klar erkennt, dass er ein öffentliches und ein geheimes Leben führen muss, um Erfolg in beiden haben zu können.

In diesem Licht wirkt die Bestattungszeremonie umso ironischer, denn sie ehrt nur den öffentlichen Menschen Newton, nicht den Ketzer und Alchimisten Newton. Kein Geringerer als John Maynard Keynes, der immerhin ein einflussreiches Wirtschaftsmodell erfand, nannte Newton den „letzten Magier seiner Zeit“ und nicht etwa den ersten Wissenschaftler. Man sollte beide Erscheinungen – Spektren – dieses Forschers zusammensehen, will man ihn ganz verstehen. Zum Glück geht das Hörbuch auch auf seine allzu menschlichen Seiten ein, etwa auf das geckenhafte Auftreten, das Niederhalten von Rivalen und die intensive Imagepflege.

|Das Hörbuch|

Diese inszenierte Lesung lebt vor allem von den Stimmen und der Musik. Die Stimmen präsentieren Newton und seine Landsleute, während die Musik seine Zeit zumindest anklingen lässt. Ob die gespielten Stücke so richtiges Barock sind, wage ich zu bezweifeln, aber sie sind sehr angenehm zu hören – ganz besonders für Gitarristen wie mich. Bach (1685-1750) etwa kommt erst nach Newtons Tod richtig zur Geltung, und Sor (1778-1839) gehört ins 19. Jahrhundert. Brescianello hingegen lebte von ca. 1690 bis 1758, starb in Stuttgart und ist schon eher als Zeitgenosse Newtons zu bezeichnen. Wie auch immer: Die Gitarrenstücke laden zum Verdauen der vielen Fakten aus Newtons Leben und Ideengut ein.

|Audio-CD mit 70:27 Minuten Spieldauer
Originaltitel: Newton e la formula dell‘ antigravità, 2008;
Aus dem Italienischen von Anne Braun
ISBN-13: 978-3867371339|
http://www.audiolino.de

Sibley, Brian – Hobbit, Der. Eine unerwartete Reise. Das offizielle Filmbuch

_Humorvolle, tiefe Einsichten in die HOBBIT-Produktion_

Das Filmbuch schildert die Entstehung des Films in Bild und Text und nimmt den Leser mit hinter die Kulissen. Das ausführliche »Making of« vermittelt das Gefühl, unmittelbar an der Entstehung des Films teilzunehmen – ein Spaß für die ganze Familie. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Der Brite Brian Sibley hat bereits das erste Buch über die filmhistorischen Hintergründe von Peter Jacksons „Herr der Ringe: Die Gefährten“ geschrieben. Das Buch wurde verdientermaßen ein internationaler Bestseller. Der Filmfan findet darin (die einzigen) wirklich nützlichen Filminformationen, die in Buchform vorliegen, also nicht im Internet oder im Magazin von Fanclubs veröffentlicht wurden.

_Inhalte_

Brian Sibley ist so etwas wie der offizielle Hofberichterstatter für dieses Filmprojekt von New Line Cinema/Warner/MGM. Er war in den Weta-Werkstätten und den Studios in Neuseeland vor Ort – viele schöne Fotos zeugen davon. Dementsprechend authentisch sind die Infos, die er mitgebracht hat: alle aus erster Hand (im Gegensatz zu manchem Zeug, das man im Web so findet).

In den schön gestalteten und mit zahlreichen Fotos illustrierten Kapiteln beschreibt er haarklein, was es zu dem jeweiligen Thema zu wissen gilt und stellt die Verantwortlichen mit Bild vor. Wenn es beispielsweise um Maskenbildnerei und Haardesign geht, bekommt man nicht nur die maßgeblichen Leute wie Peter King vorgestellt, sondern darf auch die Ergebnisse ihrer Arbeit begutachten. Man kann sich beispielsweise fragen, wie viel Arbeit in dem mit Vogeldreck bekleckerten Bart von Radagast steckt.

Die lebhaften und mit bemerkenswerten Zitaten gespickten Mini-Berichte und Porträts lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen: die Schauspieler, die Crew und die Abteilungen. Haar- und Kostümdesign wäre so eine Abteilung, aber der Kameramann Andrew Lesnie oder der Bewegungschoreograph Terry Notary zählen zur Crew. Dass Andy Serkis, der Mann der die FILMFIGUR Gollum erschuf, nun auch Filmregisseur (für die Second Unit) geworden ist, habe ich hier zum ersten Mal erfahren. Eine ausgezeichnete Wahl, finde ich, denn Serkis bringt ungewöhnliche Ideen neben viel Theater- und Schauspielerfahrung mit.

Die dritte Kategorie ist die bei Weitem umfangreichste: die Schauspieler. Den Anfang macht der Darsteller der Titelfigur, also Martin Freeman. Extra für ihn wurde der Drehbeginn um mehrere Monate verschoben, denn er war in die 2. Staffel der TV-Serie „Sherlock“ eingebunden (und steckt mittlerweile schon in den Arbeiten an der 3. Staffel).

Ihm folgen Richard Armitage als Thorin Eichenschild und Sir Ian McKellen als Gandalf (siehe das Titelbild). McKellen hat natürlich ein wesentlich abgeklärteres Bild von den Dreharbeiten an diesem zwei Jahre dauernden Filmprojekt als seine jungen Kollegen. Aber alle drei Teile des HOBBIT wurden am Stück gedreht, von mehreren Teams, in Neuseelands Natur und in den Studios.

|Die Zwerge|

Am besten gefallen mir die Porträts der 13 Zwerge, denn erstens ist jeder Zwerg verschieden und zweitens haben die jeweiligen Schauspieler ihre ganz eigenen Ansichten: über das Projekt, das sie meist total fantastisch halten (es gibt ja auch viel dabei zu verdienen); die Zwerge als Spezies (mitunter recht sonderbare Zeitgenossen) und über ihre jeweilige Figur. Nori etwa ist ein notorischer Dieb und Rebell, der sich fragt, warum die Expedition NOCH EINEN Dieb benötigt.

Bifur, dargestellt von William Kircher, hingegen läuft mit einer Orkaxt in der Stirn herum und hat deswegen erhebliche Probleme mit der aktuellen Wirklichkeit. Der Unterschied zwischen dem Bewerbungsfoto und dem Endergebnis von Make-up, Haardesign und Kostümierung könnte nicht größer sein. Dass John Callen, Darsteller des schwerhörigen Oin, schon 65 Jahre alt ist, sieht man ihm deswegen keineswegs an.

Adam Brown, Darsteller des jungen Ori, dem Chronisten, tauchte in „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ übrigens als Skelett an Balins Grab auf, das eben diese Chronik in seinen bleichen Händen hält: das Buch von Mazarbûl. Adam, ein Mann mit viel Humor, scherzt über seine erfolgreiche Abmagerungskur für diese prominente Rolle als Skelett.

Übrigens gibt es nicht 13 Darsteller der Zwerge, sondern 52! Jeder Zwerg hat nicht nur seinen Normaldarsteller, sondern auch zwei Größen- und ein Stuntdouble. Folglich gibt es für jede Figur nicht nur ein Kostüm, sondern vier und entsprechend viele Accessoires usw.

|Die Waffen|

Da es alle Filmfiguren auch als Actionfiguren zu kaufen gibt, sind ihre Attribute sehr wichtig. Dazu gehören, besonders für Jungs, immer auch die jeweilige Waffe. Alle sind unterschiedlich bewaffnet, doch manche Waffe ist berühmt, weil sie bereits in der RINGE-Trilogie vorkam. Dazu gehören die Schwerter Glamdring und Stich, die von Gandalf bzw. Bilbo/Frodo geführt werden.

Neu kommt das Elbenschwert Orkrist hinzu, das in Thorins Händen wohl noch einige Orkschädel spalten dürfte (sein Griff ist aus Drachenzahn, und man fragt sich, wo Peter Jackson den entsprechenden Drachen auftrieb). Auf S. 147 ist die Inschrift auf Stich übersetzt: „Stich heiße ich, der Spinnen Tod bin ich.“ Gleiches hätte ich gern auch für Glamdring gesehen, das auf dem Titelbild abgebildet ist.

Gloin hält bereits die Streitaxt, die man in der RINGE-Trilogie in den Händen seines Sohnes Gimli sieht. Die Figuren sind also bis ins letzte Detail durchdacht, und die Schauspieler hatten großen Anteil daran. So erfuhr ich verblüfft, dass diese Zwerge aus drei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen: aus der Arbeiterklasse, der Mittelschicht und natürlich aus der Adelsschicht, so etwa Thorin und Balin. Das führt zu einigen ironischen Seitenhieben unter den Zwergen.

|Neue Optik|

3D oder nicht 3D – das war die Frage. Ian McKellen ist begeistert von der 3D-Technik, und Peter Jackson hätte seine RINGE-Trilogie und „King Kong“ am liebsten schon dreidimensional gedreht. Dieser Minubericht erklärt die neuen Effekte in leicht verständlichen begriffen.

„Das Böse Auge“ wird die neue Kamera genannt, die die höhere Bildwiederholrate 48 fps erzeugt kann. Hier kommt die Digitaltechnik voll zum Tragen und beschleunigt und vereinfacht alle Bildverarbeitungsvorgänge. Aber sie hat auch unvorhergesehene Folgen: Jeder winzigste Fehler ist sofort zu sehen – im Make-up, im Kostümgewebe und sogar im Schliff von Schwertklingen. Da man sehen würde, dass die Filmschwerter stumpfe Kanten haben, muss man jetzt mit gefährlichen scharfen Klingen drehen! Hoffentlich erfährt die Versicherung nichts davon. Die würde sofort ihre Prämien verdoppeln.

_Mein Eindruck_

Die Berichte, Bilder und Features, die Sibley zusammengestellt hat, bilden in ihrer Gesamtheit das Puzzle eines Gesamtbildes, das sich vielleicht erst nach mehrmaligem Lesen einprägt. Es gibt aber bereits eine Ahnung von der unglaublichen Anstrengung, die Jacksons überdimensionales Projekt bedeutet hat. Die schieren Zahlen können einen glatt überwältigen: mehrere tausend Paar Hobbitfüße – was bedeutet das schon? Tausende von Kleidergarnituren – jeweils in unterschiedlichen Maßstäben, damit Hobbits immer kleiner als Menschen etc. aussahen. Und natürlich hunderte von Perücken (aus Bristol, GB) und Bärten (aus London).

Viel wichtiger als all diese Fakten war mir jedoch zu erfahren, was sich die maßgeblichen Leute bei diesem gigantischen 18-Monate-Projekt gedacht haben. Denn die Querelen mit den Urheber- und Lizenzrechten zogen sich ja über Jahre hin, und schließlich ging das MGM-Studio fast bankrott, was wiederum den ersten Regisseur Guillermo del Toro veranlasste, das Handtuch zu werfen.

Nun setzt Peter Jackson, eh schon als Produzent involviert, seine ganz persönliche Sichtweise auf Mittelerde und den HOBBIT in nicht nur zwei, sondern drei Filme um. Denn, so gibt er zu Protokoll, nur so, mit der eigenen inneren Beteiligung, macht es ihm Spaß, diese drei Filme zu realisieren. Und das ist der Grund, warum vieles, das die Zuschauer im ersten HOBBIT-Film sehen, ihnen so vertraut vorkommt. Ein Guillermo-del-Toro-Film hätte bestimmt ganz anders ausgesehen.

_Die Übersetzung _

Der Text ist erfreulich flüssig zu lesen, und der gewählte Sprachstil ist weder akademisch noch leutselig, sondern sowohl sachlich als auch von menschlicher Wärme geprägt. Die Zahl der Druckfehler – immer ein heikler Punkt in solchen schnell produzierten Begleitbüchern – hält sich erfreulicherweise in Grenzen. Fehler wie „William Kicher“ statt „William Kircher“ sind eher lustig als ärgerlich.

Es ist immer knifflig, ein Buch, das derart viele Werktitel zitiert, ins Deutsche zu übertragen. Viele erwähnte Titel sind noch unübersetzt oder nur in Neuseeland / Australien bekannt. Die Übersetzerin hat daher nicht jeden Werktitel übertragen, sondern vielfach den O-Titel stehen lassen. Aber wichtig war natürlich, jeden einzelnen Tolkientitel mit deutschem Titel zu nennen – Tolkien ist ja fast komplett ins Deutsche übertragen worden (mit Ausnahme von acht Bänden der „History of Middle-Earth“).

_Unterm Strich_

Für Leute, die wissen wollen, wie das Riesenprojekt der Filmtrilogie verwirklicht wurde und welche digitalen und künstlerischen Tricks dabei zum Einsatz kamen, ist dieses Buch ein Muss. Allerdings kommen wirkliche Fachleute hier ein wenig zu kurz. Um wirklich technische Details zu erfahren, sollten sie die „Chroniken“ zum HOBBIT erwerben. Die erste solche CHRONIK ist erhältlich, kostet aber nochmal zwölf Euro mehr als der vorliegende Band, nämlich knapp 30 Euro. Da kommen also noch einige Schmankerln für Sammler.

Auch für Film- und Tolkienfans, die sich mit der Darstellung bestimmter Figuren, wie etwa Bilbo, Radagast oder Thorin Eichenschild, auseinandersetzen wollen, bietet dieses Buch wertvolle Informationen aus erster Hand, nämlich Interviews. Diese sind stets durch filmografische Fakten unterlegt, die den jeweiligen Schauspieler mit seinen Werken vorstellen. Ned Brophy etwa war schon in den RINGE-Filmen in unterschiedlichsten Rollen beteiligt, vom Ork bis zum Elb, doch einen Zwerg darf er nun zum ersten Mal spielen.

Leute, die einen Sinn für Humor haben, werden sich an den zahlreichen kuriosen Fakten und Aussagen der Schauspieler und Crew-Mitglieder ergötzen, die Brian Sibley zusammengetragen hat (und die bei einem Projekt dieser Dimension nicht ausbleiben können). Aber sie seien auch gewarnt: Der Humor, den angelsächsische Schauspieler besitzen, ist mitunter pechschwarz. Das ist ganz besonders beim Motion-Capture-Darsteller des Orkkönigs, Barry Humphries, gut zu bemerken. Und auch Brian Sibley ist keineswegs unempfänglich für den Reiz des Hässlichen und Bizarren.

|Was fehlt|

Derjenige Zuschauer, der den Film gesehen hat, dürfte einige Figuren vermissen. Es handelt sich ausnahmslos um Figuren, die rein im Computer erschaffen wurden, nämlich:
– Smaug
– der Totenbeschwörer (Sauron)
– Azog, der Albino-Ork
– die Adler Thorondors
– Warge & Wargreiter
– The Bunny Wagon (Radagasts Karnickelschlitten, wird aber zumindest begründet)

Aber die drei Trolle findet man ebenso erläutert wie Gollum und den Orkkönig – sie wurden durch Motion Capture zum Leben erweckt. Und gerade zu den Trollen findet sich im Buch eine lustige Geschichte. Die sollte man aber selbst nachlesen. Ein kurioses Foto ist auf Seite 165 zu sehen: Martin Freeman trägt ein Lichtschwert. Möglicherweise hat er sich in den falschen Film verirrt und sollte eigentlich in STAR WARS Episode 7, die Disney plant, auftreten.

|Broschiert: 168 Seiten
Originaltitel: The Hobbit: The Official Movie Guide
Aus dem Englischen von Birgit Herden
ISBN-13: 978-3608939965|
http://www.klett-cotta.de