Archiv der Kategorie: Interviews

Interview mit Jutta Weber-Bock anlässlich der Veröffentlich ihres Romans „Das Mündel des Hofmedicus“

Die Stuttgarter Schriftstellerin Jutta Weber-Bock hat am 8. September 2020 im Hospitalhof Stuttgart ihren ersten historischen Roman „Das Mündel des Hofmedicus“ vorgestellt.

Kurz zum Inhalt:

Stuttgart 1804. In einem Stuttgarter Gasthof bringt eine adelige Dame heimlich das Mädchen Christiane zur Welt. Der Hofmedicus nimmt es seiner Mutter weg und unterwirft es einem Erziehungsexperiment. Die Spielkarten Herzsieben und Ecksteinsieben spielen dabei eine geheimnisvolle Rolle. Bis zu ihrem achten Lebensjahr wächst Christiane kindgerecht in einer Pfarrersfamilie auf, dann wird sie von der Schwester des Hofmedicus nach Stuttgart geholt. Diese gibt sich als Christianes wahre Mutter aus. Beim geringsten Vergehen züchtigt sie das Kind. Christiane lernt, sich zu wehren. Der Hofmedicus unterstützt das Mädchen heimlich. Christianes Versuch, mit der Mutter Frieden zu schließen, nutzt ihr nichts, ihre Zeit bei der Schwester des Hofmedicus endet dramatisch. Mit siebzehn Jahren tanzt Christiane auf einem Maskenball und verliebt sich unglücklich. Aus Verzweiflung isst sie eine ganze Schokoladentorte, doch diese ist vergiftet. Zufall oder Mordversuch?
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Interview mit Sprecherin Eva Mattes über Elena Ferrantes „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“

Seit mehr als vier Jahren ist Eva Mattes die deutsche Stimme und – bei öffentlichen Lesungen auf der Bühne auch das „Gesicht“ – von Elena Ferrante. 177.000 Mal haben sich ihre Interpretationen der Ferrante-Werke bisher verkauft. Intensive 91 Stunden können Hörerinnen und Hörer mit ihnen verbringen.

Nun kommen weitere 11 Stunden und 37 Minuten hinzu. Denn in diesen Tagen erscheint Elena Ferrantes aktueller Roman „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ als Hörbuch im Hörverlag parallel zur Buchausgabe bei Suhrkamp.
Anlässlich der Studioaufnahmen ließ sich Eva Mattes von Regisseur Roman Neumann zu ihrer persönlichen Verbindung zur Autorin und deren Werken befragen, zu ihrem Umgang mit den Figuren, ihrem Eintauchen in die Stoffe.

Schnell wird deutlich: Auch für eine erfahrene und renommierte Schauspielerin sind die Geschichten Elena Ferrantes etwas ganz Besonderes, setzen vielschichtige Gefühle, Gedanken und Assoziationen frei.
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Interview mit Norbert Sternmut zu seinem Buch „Winterdienst“ (2020)

In einer Wohngruppe für schwer traumatisierte Kinder beginnt der Ich-Erzähler seinen Dienst als sozialpädagogischer Mitarbeiter im Winter auf einem abgelegenen Dorf. Trotz langer Erfahrung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gelangt er schnell an seine Grenzen. Jeder neue Tag wird zur absoluten Herausforderung. Doch wie die Kinder in der Gruppe kann auch er nicht einfach fliehen, scheint gefangen in einer aussichtslosen Lage.Winterdienst

Der Ich-Erzähler beginnt ein Tagebuch, schreibt seine Eindrücke nieder, doch die Sätze zerfließen, fließen ineinander, lösen sich auf, treten aus ihrer gewohnten Struktur. Die üblichen Zeichen verlieren ihre Bedeutung, verschwinden, verlieren ihren Grund und Boden. Die Form verliert sich, die Sprache passt sich dem Inhalt an.

Doch im Prozess findet eine Entwicklung statt. Die Kinder und der Ich-Erzähler nähern sich an. Am Ende der Erzählung feiern sie Weihnachten zusammen, beginnt ein neues Jahr, auf dem Dorf, im Winter.
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Interview mit Andreas Eschbach: das Corona-Update

Andreas Eschbach
Andreas Eschbach (c) Olivier Favre

Das Leben in den Zeiten von Corona…

… mit Andreas Eschbach

1.) Wie hat sich Ihr Alltag in der Bretagne in den letzten Wochen verändert?

Eigentlich nicht sehr. Sich hauptsächlich zu Hause aufzuhalten ist ja der alltägliche Lebensstil aller Schriftsteller. Wenn mal eine Epidemie ausbräche, die es erforderlich machte, sich den ganzen Tag in großen Gruppen im Freien aufzuhalten – das wäre hart!

2.) Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?

Wie üblich an meinem Schreibtisch. Der ohnehin mein Lieblingsplatz ist.

3.) Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Meine Frau.

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Anstiftung zum Selberdenken. Interview mit Ralf Isau

Ralf Isau (c) Isabelle Grubert
Ralf Isau (c) Isabelle Grubert

Buchwurm.info: Lieber Ralf, wie geht es Dir? Wo bist Du?

Ralf Isau: Danke, mir geht es gut. Ich bin gerade überall und nirgendwo. Kürzlich hat mich das „Haus der Technik“ in Essen zum Botschafter für den Deutschen Weiterbildungspreis ernannt. Mitte März ging es zur Buchmesse nach Leipzig. Und im Mai fliege ich nach Südkorea. Ich darf am Changwon International Children’s Literature Festival 2013 teilnehmen. An der Uni von Changwong halte ich eine Vorlesung zur deutschen Kinder- und Jugendliteratur im Allgemeinen sowie der Phantastik von Michael Ende und Ralf Isau im Besonderen. Anschließend geht es zum Goethe-Institut nach Seoul. Du siehst, ich bin ein Globetrotter in Sachen Literatur.

Manche Leser kennen Dich und Deine zahlreichen Werke noch nicht. Stell Dich doch bitte ein wenig selbst vor.

Ich bin Baujahr 1956, in Berlin geboren. Seit 30 Jahren lebe ich mit meiner Frau Karin in der Nähe von Stuttgart. (Eine ausführliche, mit Fotos dokumentierte Biografie findet sich unter der URL http://www.isau.de/vita.html.) Bücher der Phantastischen Literatur veröffentliche ich seit 1994. Alles begann mit dem „Drachen Gertrud“, einem Kinderbuch, das ich Michael Ende schenkte. Es hat ihm gefallen und er empfahl mich seinem Verlag. Seitdem sind fast 40 Bücher entstanden, fast alle im Genre der Phantastik. Viele davon wurden ins Ausland verkauft, in 14 verschiedene Länder. Mein neuer All-age-Roman „Die Masken des Morpheus“ erscheint am 18. März beim Verlag CBJ. (Mehr zum Roman ist unter http://www.isau.de/werk/masken.html nachzulesen.)

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Keine Anthologien mehr! Interview mit dem Wurdack Verlag

_Buchwurm.info: Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?_

_Ernst Wurdack:_ Ich sitze wie jeden Morgen in meinem Büro, beantworte Emails, Anfragen oder Bestellungen, die direkt über unseren Verlagsshop eingegangen sind. Danach lese ich Manuskripte, setze einen Titel, der im Frühsommer erscheinen soll, telefoniere mit Buchhändlern und mit Verlegerkollegen. Ich kann mich über zu wenig Arbeit wirklich nicht beschweren und mir macht meine Arbeit Spaß.

_Bitte erzählen Sie unseren Lesern, wer Sie sind und wie es dazu kam, dass Sie Ihren eigenen Verlag mit dieser speziellen Ausrichtung gegründet haben. War das nicht etwas risikoreich?_

Meine Welt waren immer schon die Bilder (siehe Biografie) und sie sind es immer noch. Neben der Arbeit für meinen Verlag erstelle ich auch Covergrafiken und Layouts für andere Verlage. Der Verlag selbst ist aus der Story-Olympiade hervorgegangen, einem Kurzgeschichtenwettbewerb, den ich 1999 mit aus der Taufe gehoben habe. Um die Bücher der Story-Olympiade in den Handel zu bringen, habe ich schließlich 2004 den Verlag gegründet.

Die Ausrichtung des Programms hat sich stetig entwickelt und immer wieder verändert. Inzwischen konzentrieren wir uns nur noch auf unsere Stärken – SF und phantastische Literatur -, alle anderen Sparten wie Jugendbuch, Fantasy, Comic und Krimi sind eingestellt.

Einen Verlag zu führen, ist natürlich immer risikoreich, aber man kann versuchen, durch Spezialisierung dieses Risiko überschaubar zu halten. Etwas, das ich im Laufe der Jahre lernen musste, ist, dass sich intensive Programmarbeit auszahlt. Die Leser honorieren diese Bemühungen. Wer glaubt, einen Verlag mit Kraut- und Rüben-Anthologien sowie Feld-, Wald- und Wiesenthemen betreiben zu müssen und zu können, wird scheitern. Das habe ich in den vergangenen Jahren schon so oft erlebt.

_Welche Rolle spielen Armin Rößler und Heidrun Jänchen für Ihren Verlag?_

Beide bilden zusammen mit Dieter Schmitt die SF-Redaktion. Sie gestalten das Programm, wählen aus, wer oder was in der SF-Reihe erscheint, lektorieren und wickeln die Korrespondenz mit den Autoren ab. Ohne Armin Rößler, Heidrun Jänchen und Dieter Schmitt, die über ein enormes Hintergrundwissen in Sachen SF verfügen, gäbe es in meinem Verlag keine SF. Sie haben völlig freie Hand und sie leisten wirklich gute Arbeit.

_Welche Highlights weist Ihr Verlagsprogramm auf? Befinden sich Titel darunter, die schon Auszeichnungen erhielten?_

Viele unserer Titel wurden in den vergangenen Jahren für den Deutschen Phantastik Preis, den Kurd Laßwitz Preis und den Deutschen Science Fiction Preis nominiert und waren stets auch ganz oben mit dabei, was uns einen guten Ruf in der SF-Gemeinde eingebracht hat. Das Highlight schlechthin waren Karsten Kruschels Romane |VILM 1| und |VILM 2|, die beide 2010 den Deutschen Science Fiction Preis gewinnen konnten. Das hat uns einen gewaltigen Schub und viele neue Leser beschert
.
Eine weiteres Highlight ist sicher die Neuauflage der |Mark Brandis Reihe|, die immer noch unglaublich viele Fans hat und die weitaus besser läuft, als ich es ursprünglich angenommen hatte.

_Spielen Ihre Anthologien eine besondere Rolle in Ihrem Programm, und falls ja, mit welchem Zweck?_

Nicht mehr. Da Micro-Verlage derzeit immer noch wie Pilze aus dem Boden schießen und mit BoD-Anthologien den Markt überschwemmen und Anthologien so in Verruf bringen, dass sie nicht einmal mehr in Kleinverlagsauflagen abzusetzen sind, habe ich mich dazu entschlossen, bis auf einen SF-Kurzgeschichtenband pro Jahr keine Anthologien mehr zu verlegen. Mit dem Aufkommen von eBooks bieten sich den Autoren doch so viele Möglichkeiten, Kurzgeschichten selbst direkt an den Leser zu bringen, da braucht es die Hilfe von Verlagen und Anthologien nicht mehr.

_Ihre nächste SF-Anthologie mit dem Titel „Willkommen auf Aurora“ soll evtl. im Februar erscheinen. Mit welchen Highlights können die Freunde phantastischer Literatur rechnen?_

|Willkommen auf Aurora| ist keine Anthologie, sondern eine Sammlung mit kürzeren Erzählungen von Heidrun Jänchen. Folgen wird im ersten Halbjahr noch eine weitere Sammlung mit Geschichten von Michael K. Iwoleit, dem bereits drei Mal der Deutsche Science Fiction Preis verliehen wurde, sowie zwei Romane: |RAGE| von Steve Gerlach, einem australischen Autor, und |Whitby Vampyrrhic| von Simon Clark.

_Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? Wird es auch mal ein eigenes Buch von Ihnen, Herr Wurdack, geben?_

Momentan bereiten wir gerade das Herbstprogramm vor, aber es ist noch viel zu früh, um schon sicher sagen zu können, was dieses Jahr noch erscheinen wird und was erst im Frühjahr 2013. Sicher ist, dass ich die Anzahl der Titel pro Jahr ab 2014 deutlich verringern werde, um mehr Zeit für die einzelnen Buchtitel, die Arbeit mit meinen Stammautoren und Marketing und PR zu haben.

2011 waren es 20 Titel, 2014 werden es wohl nur noch acht sein. Weniger Titel pro Jahr mit deutlich höheren Auflagen ist mein Ziel.

Ein Buch von mir wird es definitiv nicht geben. Ich bin Verleger und kein Autor. Und ich habe auch gar keine Ambitionen, Autor zu werden.

_Was wünschen Sie sich am meisten?_

Dass ich noch lange schöne und interessante Bücher machen kann.

_Biografie Ernst Wurdack_

Geboren 1959, verheiratet, zwei Kinder und drei Enkelkinder, lebt und arbeitet in Nittendorf, unweit von Regensburg (Bayern).

BWL-Studium, dann viele Jahre bei KODAK-Fotoservices – im Labor, im Außendienst, als Seminarleiter und Berater für Portraitfotografen, zuletzt als Vertriebsleiter. Danach selbständig als Fotograf und Grafiker sowie als Verleger.

http://www.wurdackverlag.de/

(Das Interview führte Michael Matzer.)

Die Grenzgängerin. Interview mit Andreas Eschbach zu AQUAMARIN

Michael Matzer unterhielt sich auf der Frankfurter Buchmesse 2015 mit Andreas Eschbach über dessen jüngsten Roman AQUAMARIN.

Frage: Von der Wüste an den Ozean, und rund 140 Jahre in der Zukunft. Heißt das nun: Die Zukunft der Menschheit liegt im Meer?

Eschbach: Auf jeden Fall ist das Meer ein noch ziemlich unerschlossener, unbekannter Raum. Darauf hat uns ja vor einiger Zeit auch Frank Schätzing sehr prägnant aufmerksam gemacht. Und ehe man so Projekte angeht wie „Wir besiedeln den Mars“, wäre es vielleicht sinnvoll, sich mal zu überlegen, ob es nicht gescheiter wäre, erst einmal ein paar Städte auf dem Meeresgrund zu bauen. Ist nicht so weit weg und auch nicht so strapaziös, was den Transport und die Umweltbedingungen anbelangt. Und selbst die Antarktis zu besiedeln wäre weniger aufwendig als den Mars.

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Interview mit Renate Grubert, cbj-Verlag

_Buchwurm.info:_
Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr, Frau Grubert! Wie geht es Ihnen?

_Renate Grubert:_
Ausgezeichnet, lieber Herr Matzer!

_Buchwurm.info:_
Unsere Leser kennen Sie ja meist noch nicht. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen, zum Beispiel Ihren beruflichen Werdegang bis zur Position bei [|cbj|?]http://www.cbj-verlag.de

_Renate Grubert:_
Sehr gern. Ich bin eine Art Quereinsteiger – sowohl in Sachen Jugendbuch wie auch Pressearbeit. Denn ich habe zuerst ein Geografie-Studium mit Diplom abgeschlossen, dann als Kartografin promoviert und zuletzt ein weiteres Studium „Kinder- und Jugendliteratur“ an der Studien- und Beratungsstelle, Wien, mit Zertifikat beendet (übrigens mit einer Arbeit über Sciencefiction in der Kinder- und Jugendliteratur!). Nach kurzen Jahren in einer kartografischen Redaktion machte ich mich als Fachjournalistin für Kinder- und Jugendliteratur selbstständig und wechselte im Jahr 2000 als Presseleitung in den |Arena|-Verlag. Seit 2002 leite ich nun die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kinder- und Jugendbuchverlage |cbj| und |cbt| in der |Random House|-Gruppe.

_Buchwurm.info:_
Haben Sie Kinder, und wenn ja, wie viele? Ich finde diese Frage für die Leiterin eines Kinderbuchprogramms relevant. Ich nehme aber nicht an, dass Ihre Kinder das Programm mitgestalten …

_Renate Grubert:_
Meine drei schon erwachsenen Kinder lesen nach wie vor gern Kinder- und Jugendbücher! Sie sind zu echten All-Age-Lesern herangewachsen und sparen nicht mit Kommentaren, wenn es um unsere Bücher geht.

_Buchwurm.info:_
Womit beschäftigen Sie selbst sich in Ihrer Freizeit?

_Renate Grubert:_
Zeit mit der Familie und mit Freunden verbringen, Musik hören, Filme schauen und, wie könnte es anders sein: lesen!

_Buchwurm.info:_
Wann wurde denn das Kinder- und Jugendbuchprogramm von |Bertelsmann|/|Random House| aus der Taufe gehoben? Das dürfte schon fast zehn Jahre her sein, oder?

_Renate Grubert:_
Ihre Fragestellung ist unabsichtlich ein bisschen komplex. Kinder- und Jugendbücher gibt es nämlich bei Bertelsmann seit Verlagsgründung im Jahr 1835. In der wechselvollen Geschichte gilt als nächste Etappe das Jahr 1968, die Gründung des C. Bertelsmann Kinder- und Jugendbuchverlags. Dann ist 2001 wichtig: das Dach von |Random House|, unter dem wir seither firmieren. |cbj| gibt es in der jetzigen Form seit 2004, |cbt| seit 2008. Sie sehen, wir haben viele und tiefe Wurzeln!

_Buchwurm.info:_
Zu den größten Erfolgen zählt vermutlich die [|Eragon|-Trilogie.]http://www.eragon.de Können Sie eine Zwischenbilanz ziehen?

_Renate Grubert:_
Ja, |Eragon| ist ein prachtvolles Beispiel für Erfolg im Jugendbuchbereich. Wir sind stolz darauf, diese tolle Fantasy-Reihe bei |cbj| anbieten zu können. Ich weiß noch, was für ein Gefühl das war, als wir die erste und zweite Auflage von |Eragon 3|, „Die Weisheit des Feuers“, bereits über den Vorverkauf, also die im Buchhandel bestellten Exemplare, abgesetzt hatten. Und dann kam der 25. Oktober 2008, der Erstverkaufstag, an dem auf einen Schlag 133.274 Exemplare an unsere Leserinnen und Leser verkauft wurden – genial! Bestsellerplatzierung!

Zusammen mit Band 1 und Band 2 liegen die Verkäufe von |Eragon| bei etwa 2,5 Millionen deutschsprachigen Exemplaren.

_Buchwurm.info:_
Was ist zurzeit am meisten gefragt? Haben Sie Zahlen?

_Renate Grubert:_
Lassen Sie mich bei |cbj| und |cbt| bleiben. Im Jugendbereich laufen spitzenwertig: Thriller (Monika Feth „Teufelsengel“, Jay Asher „Tote Mädchen lügen nicht“) und Fantasy (Jenny-Mai Nuyen „Feenlicht“, Chiara Strazzulla „Dardamen“, auch der Frühjahrstitel von Alison Goodman „Eona“ ist schon bestens in Startposition), dazu weitere All-Age- und familiengängige Titel wie das „Dangerous Book for Boys“ (G. Iggulden), das „Secret Book for Girls“ (M.Pescowitz) und Lucy & Stephen Hawkings „Die unglaubliche Reise ins Universum“. Im Kinderbereich sind zu nennen: „Der kleine Drache Kokosnuss“ (Ingo Siegner) und vor allem unsere Sachbuch-Reihe „Frag doch mal die Maus“.

_Buchwurm.info:_
Wir sind besonders an phantastischer Literatur interessiert, also Fantasy, Unheimliches, Übernatürliches usw. Was halten Sie vom aktuellen Vampir-Hype?

_Renate Grubert:_
Hm. Vampire sind „in“, so viel ist sicher. Auch bei |cbt|, unserem Jugendbuchverlag, tummeln sich die Blutsauger (Smith, Wallner, Schweikert, um nur einige zu nennen). „Hype“ bedeutet immer, dass es einen Auslöser (hier: Stephenie Meyer) gab, der absolut faszinierend gewirkt hat, sodass große Nachfrage nach neuem Lesefutter besteht. Der Markt trägt der Nachfrage Rechnung – so ist der Ablauf.

_Buchwurm.info:_
Ich habe gehört, dass es dieses Jahr einen Einbruch im Bereich Fantasy geben soll – können Sie das bestätigen?

_Renate Grubert:_
Einbruch im Bereich der Fantasy? Nur wer Fantasy eng definiert, kann ein Zurückschrumpfen auf „normalen Produktionsumfang“ feststellen. Wer das fantastische Genre insgesamt anschaut, stellt eine Verlagerung fest: weg von den losgelösten Welten hin zu unseren real verankerten Erfahrungsgebieten. Auch das Thema „Vampire“ gehört da ein Stück weit mit hinein (sofern man es nicht gesamthaft dem Horror-Genre zuschlägt). Und natürlich auch die neue, kommende Welle, die „Mystery“ heißt. Wer so definiert, wird keinen Einbruch bei der Fantasy verzeichnen können.

_Buchwurm.info:_
Der Jugendbuchmarkt ist bekanntermaßen hart umkämpft. Um Ihrem Programm im Vergleich zu den Programmen anderer Verlage mehr Profil zu verleihen, haben Sie Kinder- und Jugendbuchreihen deutlich im Aussehen und im Händlerprospekt unterschiedlich gestaltet und positioniert. Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt diese Profilierung und mit welchen Zielen?

_Renate Grubert:_
Der Jugendbuchmarkt stellt sich nach wie vor als Wachstumssegment dar. Profilierung ist das A und O, denn sowohl der Buchhändler wie der Käufer will doch wissen, wo er was finden kann und wie das für ihn passende Novitäten-Angebot aussieht. Wir bemühen uns in jedem Programm neu, treffsicher klar zu machen, welches Buch, welches Produkt, für wen wichtig, ja unverzichtbar, ist. Darum auch der neuerliche Umbau unserer Kinder- und Jugendbuchverlage. |cbj| steht heute eindeutig fürs klassische Kinder- und Jugendbuch, und zwar im HC- (= Hardcover) und TB-Bereich (TB = Taschenbuch).

Mit |cbt| haben wir einen innovativen Jugendbuchverlag geschaffen, der in Richtung All Age geht (ebenfalls HC- und TB-Angebot). Und mit |cbj AVANTI| bauen wir in diesem Frühjahr 2010 einen Lesefutter-Verlag an, der unsere Reihen strukturiert und Viellesern ein eindeutiges Signal gibt.

_Buchwurm.info:_
In der aktuellen Händleraussendung für das Frühjahrs- und Sommerprogramm 2010 habe ich eine neue Reihe mit Romanen über Mädchen und Pferde gesehen („Bella Sara“). Kommen Hanni und Nanni wieder zurück?

_Renate Grubert:_
Hanni und Nanni hatten und haben begeisterte LeserInnen. Zu Recht, denn die Welt, die hier beschrieben wird, ist in einem bestimmten Alter prägend: Kinder lernen da fürs Leben. Mit „Bella Sara“, entwickelt von der dänischen Sozialpädagogin Gitte Odder Braendgaard, verhält es sich ähnlich. Hier lesen Mädchen Geschichten, die für sie wichtig sind, die Themen und Inhalte anbieten, die sie mögen, wie z. B. Freundschaft, Abenteuer mit Pferden, Zauberwelten, den Kampf Gut gegen Böse. Hier können sich Mädchen einerseits „wegträumen“, andrerseits werden Rollen angeboten, die sehr ausdifferenziert sind und gerade Mädchen vielerlei Anregung geben.

_Buchwurm.info:_
Sie haben auch Ihr Programm mit Wissensbüchern gut ausgebaut, so etwa mit Bänden über Dinosaurier und Astronomie. Diese Bücher sind sehr schön gestaltet, aber dennoch preisgünstig. Wie kommt diese preiswerte Leistung zustande, und nach welchen Aspekten wird die Reihe gestaltet?

_Renate Grubert:_
Ganz allgemein: Kindersachbücher dürfen einen gewissen Preis nicht übersteigen, wenn sie gut verkäuflich sein wollen. Der Markt funktioniert anders als beim Sachbuch für erwachsene Leser. Im Kinderbuch werden auch heute noch die meisten Titel als internationale Lizenzen eingekauft – entsprechend austauschbar sind die Bücher.

Dagegen hat |cbj| die Reihe [„Frag doch mal die Maus“]http://www.cbj-verlag.de/diemaus gesetzt, wo unverwechselbare Titel entwickelt werden. Wichtig sind der Charakter der Maus und das Prinzip der einfachen Maus-Fragen und –Antworten. Das kennt der Leser, dem vertraut er. Die Reihe ist außerordentlich beliebt und gut verkäuflich. Darum können wir – obwohl die Maus-Reihe eine kostspielige Eigenentwicklung ist – die Bücher tatsächlich günstig abgeben. Das Buchkonzept wurde übrigens in enger Zusammenarbeit mit dem WDR entwickelt, mit dem wir auch jeden einzelnen Titel abstimmen.

_Buchwurm.info:_
Jeder achte Deutsche (12 %) wird im Jahr 2014 noch Computer-Analphabet sein, besagt eine Befragung von IDC bei 1000 europäischen Personalentscheidern vom November 2009. Wider Erwarten ist besonders auch die junge Generation davon betroffen. Hat |cbj| Pläne, etwas dagegen zu unternehmen?

_Renate Grubert:_
Wir wissen um die sich öffnende Schere von Mediennutzern und solchen, die keine Medien nutzen. Als Verlag bieten wir immer die Hand und unterstützen die Kulturtechnik des Lesenlernens – vor allem durch entsprechende Programme und Bücher.

|Random House| gehört zudem zu den größten und aktivsten Leseförderern in Deutschland: Der Welttag des Buches wird seit zwölf Jahren vom Verschenkbuch „Ich schenk dir eine Geschichte“ geprägt, das bei |cbj| herausgegeben wird und das im letzten Jahr an 1,1 Millionen Kinder verschenkt wurde.

_Buchwurm.info:_
Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Zusammenarbeit mit der Presse im deutschsprachigen Raum gemacht?

_Renate Grubert:_
Über die Jahre habe ich im D–A–CH-Raum fast durchgehend gute Erfahrungen gemacht. Das Kinder- und Jugendbuch ist beliebt, man schätzt die Szenarien, die hier entwickelt werden. Allerdings verändern sich die Möglichkeiten der Präsentation von Büchern ganz allgemein. Schrumpfende Flächen im Printbereich, dafür attraktive Angebote im Internet.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Wo steht das Programm von |cbj| in 24 Monaten? Vielleicht gibt es ja schon Highlights, die Sie unseren Lesern ankündigen können.

_Renate Grubert:_
In 24 Monaten haben wir Januar 2012. Da blicken wir gerade auf Christopher Paolinis Abschluss der Eragon-Saga zurück, die wir für den Herbst 2011 erwarten …

http://www.cbj-verlag.de
http://www.randomhouse.de

Interview mit Michael de Larrabeiti

Michael de Larrabeiti ist Autor von drei Romanen über die Borribles, individualistische Jungs und Mädchen, deren größte Furcht es ist, dass sie, sobald man ihnen die spitzen Ohren stutzt, zu Erwachsenen aufwachsen werden. Im Herbst 2007 hat |Klett-Cotta| die Trilogie komplett in einem Band [neu aufgelegt.]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3608937870/powermetalde-21

Das Interview führte Michael Matzer.

_Buchwurm.info:_
Wann kam Ihnen zum ersten Mal die Idee zu den Borribles als Figuren in einer Geschichte?

_Michael de Larrabeiti:_
Das war, als ich meinen Kindern etwas vorlas. Damals hatte ich nur ein einziges Buch, einen Western, veröffentlicht, obwohl ich versucht hatte, fünf oder sechs Jahre lang auch anderes zu publizieren. Na ja, ich hatte andere Jobs, mit denen ich meine Familie ernähren konnte, so etwa als Techniker beim Film oder, in den siebziger Jahren, als Reiseführer in Frankreich – das hielt mich vom Schreiben ab.

Aber dann fragte ich mich, wie ich wohl ein Buch für Kinder schreiben würde. Die meisten Kinderbücher sind auf die Mittelschicht abgestellt, alle sind lieb, sie erleben Abenteuer, als ob sie in den Ferien wären … Und in Reaktion auf diese kuscheligen, gemütlichen Storys meinte ich, dass es doch nett wäre, wenn es eine Geschichte gäbe, die Kinder zeigt, wie sie wirklich sind: als kleine Leute; sie sind streitsüchtig, balgen sich, haben manchmal eine Freundschaft, die entsteht, und sonst mit all den Problemen, die andere Menschen auch haben.

Und es schien mir besser, dass ich eine solche Geschichte vor einem Hintergrund spielen lassen sollte, den ich kannte. Und das war eben die Zeit direkt vor und während des Krieges, als ich in London aufwuchs.

_Buchwurm.info:_
In Battersea?

_Michael de Larrabeiti:_
Ja, Süd-London. Heute ist es eine etwas bessere Gegend, wegen der Preise und allem, aber es gibt dort noch Bereiche, die recht rau sind. Und in den Dreißigern und Vierzigern war in der Nähe der Eisenbahnlinien alles ziemlich zerbombt. Ich war in London während der Luftangriffe und mochte das, es war wunderbar. Weil er so aufregend war, liebten die Kinder den Krieg, die Erwachsenen waren dauernd außer Haus, die Kinder also sich selbst überlassen. Nach den Angriffen pflegte ich rauszugehen und Bombensplitter zu sammeln. Ich war immer vorsichtig, dass so ein Splitter nicht zu heiß war. Es war toll.

_Buchwurm.info:_
Wie alt waren Sie da?

_Michael de Larrabeiti:_
Geboren wurde ich 1934, war also bei Kriegsbeginn sechs. Ich wuchs im Krieg auf.

_Buchwurm.info:_
Sie wuchsen in einem ausgebombten London auf?

_Michael de Larrabeiti:_
Ein paar Mal wurde ich aufs Land geschickt, aber ich hasste es, außerhalb Londons zu sein, weil dort eben der ganze Spaß war, all die Flugzeuge und so.

_Buchwurm.info:_
Gab es da irgendwo Borribles?

_Michael de Larrabeiti:_
Ja, denn, schau, wir waren alle Borribles. Weil wir auf der Straße lebten, sobald wir aus der Schule heimkamen. Das taten die meisten Kinder aus der Arbeiterschicht. Wir hatten viele Abenteuer, beispielsweise in Luftschutzkellern. Das waren unsere Häuser, auch nach dem Krieg. – Wenn man also darauf aufbaute, hatte man einen ganzen Borrible-Stamm.

_Buchwurm.info:_
Was mir bei der Lektüre der drei Bände besonders auffiel, war, dass die Borribles niemals erwachsen werden. Sie werden zwölf Jahre alt, und das war’s. Sie sind gegen Erwachsene, die ihnen die Ohren stutzen, so dass sie ebenfalls erwachsen werden. Was war der Grund dafür, die Borribles so zu gestalten? War das Ihr kritischer Kommentar zu Erwachsenen und der modernen Gesellschaft?

_Michael de Larrabeiti:_
Ich weiß nicht, ich glaube nicht, dass die Gesellschaft besonders modern ist. Mir scheint, dass die besten Geschichten von und über Kinder immer solche sind, in denen eine Art Krieg zwischen Kindern und Erwachsenen geführt wird, ganz bestimmt aber leben sie darin getrennte Leben, und sei es nur im Kopf. Wenn Sie an Huckleberry Finn denken: Sein Abenteuer findet nur zwischen ihm und dem Negersklaven Jim statt. Die Erwachsenen sind der Feind, weil sie Huck einfangen und zurück auf die Schule schicken wollen und den Sklaven zurück in die Sklaverei. In solchen Büchern bedeutet dieser Krieg auch eine Gefahr. Das ist mir viel zu ernst, wirklich, ich dachte nur an das Buch.

_Buchwurm.info:_
Also war Ihr Buch mehr zur Unterhaltung gedacht?

_Michael de Larrabeiti:_
Na, das ist doch natürlich.

_Buchwurm.info:_
Interessieren Sie sich sehr für Namen und die Geschichten zu ihnen?

_Michael de Larrabeiti:_
Ja, das ist sehr wichtig. Ich brauch‘ eine Ewigkeit, um einen Namen auszuwählen.

_Buchwurm.info:_
Die Borribles haben zum Beispiel diese besondere Anrede füreinander: „Du hast einen sehr schönen Namen. Ich bin sicher, es gibt eine tolle Geschichte, die daran hängt.“

_Michael de Larrabeiti:_
Ich spinne die Sache einfach weiter. Dinge, die ich als Kind erlebte, zum Beispiel. Für Kinder war es sehr wichtig, einen Spitznamen zu haben, der einem schmeichelte, nicht einen wie „Schielauge“ oder so. Man wollte einen Namen, der einen Sinn ergab und einen stolz machte. Gewöhnlich bekam man einen Spitznamen, weil man etwas getan hatte, wie etwa, eine Frucht von einem Marktstand zu stehlen.

_Buchwurm.info:_
Die Geschichte darüber wurde dann Teil der Identität.

_Michael de Larrabeiti:_
Der Identität des Kindes, ja. Das ist vielleicht der Grund, warum die Bücher so beliebt sind. Ich bekomme haufenweise Briefe von Kindern: „Oh, das ist genau richtig, ja – wir haben gerade Borrible-Abenteuer gehabt.“ Jedes Kind mag einen eigenen Namen, Abenteuer, das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.

_Buchwurm.info:_
In Ihren Borrible-Büchern kombinieren Sie Ihre eigenen Erlebnisse also mit Fantasyfiguren, den Rumbels, Wendels usw.

_Michael de Larrabeiti:_
Das ist nur eine Weiterentwicklung dessen, was man als Kind tut. Wenn du beispielsweise die Straße runtergehst, trittst du nicht auf die Linien zwischen den Gehsteigplatten, denn wenn du auf die Linie trittst, kommt ein Wolf raus und holt dich. Jede Stadt ist unerforscht, wenn man keine Karte davon hat, wohin du also auch kommst, gibt es ein neues Abenteuer. Und eine Stadt zu durchqueren, beispielsweise zum Elephant & Castle (eine Londoner U-Bahn-Station), ist eine Expedition.

Ein Kind lebt in dieser Welt der Phantasie/Fantasy, befindet sich dauernd in ihr und außerhalb. „Geh runter zum Laden und kauf einen Laib Brot, hier ist das Geld!“ – das ist sehr realistisch, du musst runter zum Laden. Aber auf dem Weg dorthin entscheidest du dich vielleicht doch für den anderen Weg und dafür, auf all die Linien zwischen den Gehwegplatten zu treten, nur um zu sehen, ob es da tatsächlich Wölfe gibt.

Und in diesem Abenteuer lebt das Kind. Das ist auch, worin sich mein Buch bewegt. Das Buch ist realistisch und zugleich „fantasy“ und bewegt sich vom einen zum anderen. Ich schreibe und lese keine Fantasy, es ist alles real und wahr.

_Buchwurm.info:_
Betrachten Sie die häufige Gewalt in Ihren Romanen nicht manchmal mit einem kritischen Auge? Wenn wir beispielsweise an die Beschreibung des Kampfes mit Eisenkopf denken …

_Michael de Larrabeiti:_
Flinthead. Toller Name. „Eisenkopf“ ist die Übersetzung?

_Buchwurm.info:_
Ja. Sein Kopf wird mit einem Spaten abgeschlagen, überall spritzt das Blut, die zwei kämpfen da unten im Schlamm usw. Verabscheuen Kinder so was denn nicht?

_Michael de Larrabeiti:_
Sie mögen es!

_Buchwurm.info:_
Erscheint es in ihrer Vorstellungskraft natürlich oder ist es aufregend …?

_Michael de Larrabeiti:_
Also, schau mal, Kinder nicht so blöd, wie die Erwachsenen meinen, und sie kennen den Unterschied zwischen einer Geschichte und dem wirklichen Leben, und sie wissen, dass sie nicht einen Spaten nehmen werden, auf die Straße rausgehen und jemanden, den sie nicht ausstehen können, mit diesem Spaten erschlagen werden. – Und außerdem gibt es in jeder guten Abenteuergeschichte Gewalt. Man lese nur mal „Die Schatzinsel“, „Der Junker von Ballantrae“ (beide von Robert Louis Stevenson) und so weiter.

_Buchwurm.info:_ Märchen …

_Michael de Larrabeiti:_
Das muss man nicht erst sagen. Als ich in der Schule war, haben sie mir „Macbeth“ zu lesen gegeben; jemals gelesen? Abgeschlagene Köpfe, erstochene Leute, das Blut, wenn Macbeth Duncan tötet, aber es war okay, weil es ja Shakespeare war und damit große Kunst! Es ist genau dasselbe.

_Buchwurm.info:_
Lassen Sie uns über die Zukunft reden. Wird es ein viertes Borrible-Buch geben?

_Michael de Larrabeiti:_
Ich glaube nicht. Das heißt, wenn nicht diese Amerikaner, die die Filmrechte gekauft haben, zu mir kommen und sagen: „Wie fänden Sie eine Viertelmillion Pfund? Wir brauchen ein viertes Buch.“ Dann wäre ich schon in Versuchung. Ich habe das Skript für die Fernsehfassung des ersten Bandes geschrieben. Die Filmproduktionsfirma |Working Title| (sie machte u. a . „Mein wunderbarer Waschsalon“ sowie „Sammy & Rosie tun es“) wollten das fürs britische Fernsehen produzieren.

Aber ich will eigentlich andere Sachen machen. Mein nächstes Buch wird ein realistischer Roman über ein Kind sein. An meiner provencalischen Geschichtensammlung „Das Zaubergärtlein“ arbeitete ich etwa zwei Jahre. (Sie erschien 1989, ebenfalls bei |Klett-Cotta|.)

_Buchwurm.info:_
Ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch.

_Michael de Larrabeiti:_
Es war mir ein Vergnügen. Hat mir Spaß gemacht, über mich selbst zu reden.

_Biografie von Michael de Larrabeiti_

Michael de Larrabeiti wurde 1934 in London geboren und wuchs im Stadtteil Battersea auf, genau in der Gegend also, wo die Borribles leben.

Er arbeitete als Englischlehrer in Casablanca, als Fremdenführer in Frankreich, als Kameramann in Asien, als Schafhirte in der Provence und studierte zwischendurch in Paris, Oxford und Dublin. Er ist Autor mehrerer Romane und Erzählbände. Mehr Info: http://en.wikipedia.org/wiki/Michael__de__Larrabeiti.

Mit den Borribles erlangte er Ruhm bei jungen und erwachsenen Lesern.

Mehr Info: http://en.wikipedia.org/wiki/The__Borrible__Trilogy und http://de.wikipedia.org/wiki/Borribles.

Die Borribles-Trilogie besteht aus den drei Romanen:

1) »Auf zur großen Rumbeljagd«,
2) »Im Labyrinth der Wendels«,
3) »Die Schleppnetzfahndung«.

|Normale Kinder werden ganz langsam zu Borribles, beinahe ohne es zu bemerken. Aber eines Tages wachen sie auf und es ist geschehen. Es ist gleichgültig, wo sie herkommen, wenn sie nur das haben, was man »schlechte Voraussetzungen« nennt. Ein Kind verschwindet aus der Schule, und es spricht sich herum, dass es einfach unbelehrbar war. Oder es gibt Geschrei im Supermarkt, und ein Kind, auf frischer Tat als Ladendieb ertappt, wird vom Hausdetektiv abgeschleppt. Solch ein Kind wird vielleicht ein Borrible; es versteckt dann seine spitzen Borribleohren unter einer Mütze und lässt sich nie mehr erwischen. Denn erwischt zu werden, ist das Ende für einen Borrible. Borribles sind Ausgestoßene, die in verlassenen Häusern und Fabriken Unterschlupf finden. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen Ausgestoßenen genießen sie ihr Leben und würden mit niemandem anderen tauschen.| (Verlagsinfo)

Werke:

* The Borribles (1976, dt. Auf zur Großen Rumbeljagd!)
* The Borribles Go for Broke (1981, dt. Im Labyrinth der Wendels)
* The Borribles: Across the Dark Metropolis (1986, dt. Die Schleppnetzfahndung)
* The Redwater Raid (1972)
* A Rose Beyond the Thames (1978)
* The Bunce (1980)
* Full Marks (1981)
* Jeeno, Heloise and Igamor, the Long, Long Horse (1983)
* The Hollywood Takes (1983)
* Journal of a Sad Hermaphrodite (1992)
* Foxes‘ Oven (2002)
* PRINCESS DIANA’S REVENGE (2006)

Seine offizielle Homepage: http://www.michaeldelarrabeiti.com.

http://www.hobbitpresse.de

Interview mit Nina Wolfframm

|Buchwurm.info-Mitarbeiter Michael Matzer führte ein Interview mit Nina Wolfframm, ihres Zeichens Marketing-Mitarbeiterin des Gmeiner-Verlags, der seinen Sitz in Messkirch bei Sigmaringen/Donau hat.|

_Buchwurm.info:_
Trifft es zu, dass Ihr Verlagsprogramm vor allem aus Krimis besteht? War dies von Anfang das Ziel des Verlegers?

_Nina Wolfframm:_
Seit der Gründung des Verlags im Jahre 1986 hatte das Programm immer eine regionalspezifische Ausrichtung. Um den landes- und regionalgeschichtlichen Sachbuchbereich durch einen entsprechenden belletristischen Bereich zu ergänzen, entschlossen wir uns, eine Krimireihe zu etablieren, die ausschließlich Originalausgaben deutschsprachiger Autoren umfasst, die an realen Handlungsorten im deutschsprachigen Raum spielen. Der große Erfolg dieser Reihe führte dazu, dass sich der Gmeiner-Verlag heute ganz klar als Krimiverlag positioniert. Zeitgenössische und historische Kriminalromane machen 90 Prozent unseres Verlagsprogramms aus.

_Buchwurm.info:_
Trifft es zu, dass die Mehrzahl dieser Krimis eine starke lokale Berücksichtigung eines kleinen begrenzten Schauplatzes hat – im Sinne von Lokalkolorit?

_Nina Wolfframm:_
Der Gmeiner-Verlag hat sich auf Themenkrimis mit Lokalkolorit (alle Romane spielen an realen Handlungsorten) spezialisiert. Dabei sollte der Krimi aber auch ein Thema aufgreifen, das eine ausreichend große Zielgruppe anspricht, sich auch überregional gut vermarkten lässt und möglichst aktuelle Bezüge hat.

_Buchwurm.info:_
Versprechen Sie sich davon mehr Erfolg beim Krimipublikum? Ist dieser Erfolg bereits eingetreten, geplant oder zufällig?

_Nina Wolfframm:_
Unsere Absatzzahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, auch die Anzahl der Neuerscheinungen steigt stetig an. 2004 erschienen lediglich 15 neue Kriminalromane, inzwischen werden jährlich etwa 60 neue Taschenbuch-Krimis veröffentlicht.

_Buchwurm.info:_
Worauf führen Sie den Erfolg dieses Lokalkoloritprinzips zurück? Gibt es dafür mehrere Faktoren?

_Nina Wolfframm:_
Leser können sich mit Orten, die sie gut kennen, und Themen, über die sie in ihrer Tageszeitung lesen oder auf der Straße sprechen, wunderbar identifizieren. In unseren Krimis kommt genau das zum Tragen: Das lokale bzw. regionale Milieu wird in den Büchern sehr realistisch beschrieben. Dazu gehören die kulturellen Besonderheiten wie die Mentalität der Menschen, ihre Sprache, Bräuche, Traditionen und Eigenheiten, und natürlich auch die realen, genau nachvollziehbaren Schauplätze. Dieser authentisch anmutende Regionalbezug in Verbindung mit einer unterhaltsam-spannenden Geschichte aus der scheinbar heilen Provinz, in die nach erfolgreicher kriminalistischer Aufklärung natürlich wieder die gewohnte Ruhe und Ordnung einkehrt, spricht Einheimische, aber auch Gäste der Region an und ist sicher das Erfolgsgeheimnis unserer Krimis.

_Buchwurm.info:_
Gibt es Interesse seitens TV- oder Kinoproduzenten, solche Krimis verstärkt zu verfilmen? Ähnlich wie „Bulle von Tölz“ oder „Rosenheim-Cops“?

_Nina Wolfframm:_
Für mehrere unserer Titel interessieren sich Filmproduzenten, es wurden bereits Verfilmungsoptionen vergeben. Es gibt auch Hörspiele zu einigen unserer Krimis, zum Beispiel ein Mundart-Hörspiel von Manfred Bomms „Schattennetz“.

_Buchwurm.info:_
Wie entwickeln Sie Ihr Verlagsprogramm weiter?

_Nina Wolfframm:_
Unsere Autorinnen und Autoren sind ausgesprochene „Serientäter“. Die meisten bringen jährlich einen neuen Kriminalroman heraus, manche sogar halbjährlich. Und wir sind immer auf der Suche nach neuen viel versprechenden Autoren.
Unsere im Herbst 2007 gestartete Reihe historischer Kriminalromane kommt bei den Lesern sehr gut an und soll weiter ausgebaut werden.

_Buchwurm.info:_
Können Sie Highlights nennen, auf die sich unsere Leser freuen dürfen, beispielsweise zu Weihnachten?

_Nina Wolfframm:_
Ein Highlight der 27 Neuerscheinungen in diesem Herbst ist sicher der neue Krimi von Erich Schütz: „Judengold“ ist ein fesselnde Geschichte, die bereits im Dritten Reich begann. Jüdisches Kapital wurde damals in die Schweiz verschoben und soll heute gewaschen zurück nach Deutschland gebracht werden.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist unser Überraschungserfolg im Herbst, der Kriminalroman „Alpendöner“ unseres Debütautors Willibald Spatz. Ein frecher, witziger Allgäu-Krimi jenseits romantisch verklärter Alpenidylle.

http://www.gmeiner-verlag.de

Interview mit Uta-Maria Heim

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Uta-Maria Heim:_
Danke, mir geht es gut. Ich habe Feierabend, ich sitze zu Hause am Laptop und beantworte Ihre Fragen.

_Buchwurm.info:_
Ich kenne Sie vor allem als Lyrikerin, jetzt auch als Krimiautorin. Sie haben für Ihren Krimi „Das Rattenprinzip“, der 1991 bei |Rowohlt| erschien, den Deutschen Krimipreis bekommen. Warum schreiben Sie gerade Krimis? Wollen Sie etwas Bestimmtes damit ausdrücken oder erreichen?

_Uta-Maria Heim:_
Ich schreibe Krimis, weil man in diesem Genre die komplexesten und spannendsten Geschichten erzählen kann. Es macht mir Spaß, Irritationen zu schaffen, mit Fiktionen zu spielen.

_Buchwurm.info:_
Worum geht es in Ihrem neuesten Krimi „Wespennest“? Angeblich handelt es sich um eine Fortsetzung zu „Das Rattenprinzip“? Kommt Claudi wieder vor?

_Uta-Maria Heim:_
Schauen Sie doch einfach mal rein! Das Buch sticht nicht …

_Buchwurm.info:_
Sie arbeiten als Hörspieldramaturgin. Was hat sich der Laie unter dieser Tätigkeit vorzustellen und wie kann man sie erlernen?

_Uta-Maria Heim:_
Es ist eine Redakteurstätigkeit, die künstlerisches und organisatorisches Geschick erfordert. Sie ist sehr komplex und schwer zu erklären. Sogar meine Freunde wissen nicht, was ich da tue, aber sie wissen, dass ich es sehr, sehr gern mache. Das ist entscheidend. Ach ja: Dramaturgin wird man beispielsweise durch ein Studium und ein Volontariat und möglichst viel benachbarte Berufserfahrung. Man sollte aber auch gewisse vorteilhafte Vorlieben, Veranlagungen, Begabungen und Tugenden mitbringen, die mehr sind als Training. Das gilt für jeden Beruf.

_Buchwurm.info:_
Welche Stoffe bearbeiten Sie als Dramaturgin am liebsten? Oder haben Sie da keinen Einfluss auf die Auswahl?

_Uta-Maria Heim:_
Ich bearbeite als Dramaturgin gar nicht, ich vergebe dafür Aufträge und erstelle zusammen mit dem Bearbeiter / der Bearbeiterin die Endfassung des Manuskripts. Die Auswahl lege ich in Absprache mit meinen Kolleginnen und Kollegen hier in der Redaktion fest. Bei Originalhörspielen schickt ein Autor / eine Autorin ein fertiges Manuskript ein und wir prüfen, ob sich das Stück für unser Programm eignet. Falls ja, wird es im Studio von einem Produktionsteam mit meist namhaften Schauspielerinnen und Schauspielern produziert.

_Buchwurm.info:_
Sie haben auch historische Romane geschrieben, die im |Berliner Taschenbuch Verlag| (BVT) erschienen („Ruth trifft Ruth“, „Schwesterkuss“). Warum haben Sie auch solche Bücher geschrieben? Waren sie als Versuche oder Experimente gedacht?

_Uta-Maria Heim:_
Nein, historische Romane habe ich nicht geschrieben. Romane schon. Es waren vier, glaube ich. Sie sind auch nahe am Spannungsgenre angesiedelt, aber keine Krimis. Die Grenzen sind da für mich allerdings fließend.

_Buchwurm.info:_
Sie sind auch Lyrikerin. 1991 erschien beispielsweise „Süden und Irrtum“ im Flugasche Verlag in Stuttgart. Schreiben Sie noch Lyrik und wenn ja, warum? Haben Sie etwas davon veröffentlicht?

_Uta-Maria Heim:_
Ich habe bis zur Jahrtausendwende viele Gedichte veröffentlicht, verstreut in z. T. großartigen Anthologien usw. Aber ich hatte nicht das Potenzial für einen weiteren Gedichtband. Das lyrische Sprechen ist etwas ganz Eigenes. 1998 habe ich den letzten Gedichtzyklus geschrieben, während eines Italien-Stipendiums. Danach ging nichts mehr.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Uta-Maria Heim:_
Lesen, schreiben, kochen, joggen. Mit den Menschen zusammen sein, die mir am Wichtigsten sind.

_Buchwurm.info:_
Noch mal zurück zum „Rattenprinzip“, das ich mit großem Vergnügen gelesen habe [(vgl. Rezension bei |Buchwurm.info|).]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5903 Ich kann verstehen, dass man den Krimi als Kultbuch handelt, denn die Lesergemeinde, die das Schwäbisch und Alemannisch, das darin hin und wieder gesprochen wird, verstehen kann, ist ja etwas eingeschränkt. Aber diese Leser freuen sich natürlich über den Wiedererkennungseffekt. War das so geplant? Fühlen Sie sich als Alemannin?

_Uta-Maria Heim:_
Natürlich war das geplant. Und auch wieder nicht. Ich hab halt gemacht, was ich konnte und wollte. Eine echte Alemannin bin ich nicht, eine Schwäbin aber auch nicht – ich bin auf der Grenze zwischen Baden und Württemberg aufgewachsen. Mein Vater sagte immer: „Mirsinnnind“. Wir sind nichts. Wir haben keine richtige Identität und fühlen uns ordentlich zerrissen. Für mich würde ich sagen: Schön zerrissen.

_Buchwurm.info:_
Im „Rattenprinzip“ zeigen Sie sich als bestens informiert über den Lokaljournalismus in der Landeshauptstadt Stuttgart. Waren Sie selbst als Journalistin tätig?

_Uta-Maria Heim:_
Klar. Aber das ist zwanzig Jahre her!

_Buchwurm.info:_
Im „Rattenprinzip“ zeigen Sie die Verbindung von Kulturprodukten und ihren industriellen Sponsoren auf, insbesondere der Autoindustrie. Bestimmte Blätter, literarische Institutionen und kulturelle Veranstaltungen mussten sich offenbar diesem Sponsorendruck stellen und standen vor der Wahl, ob sie überleben oder sich gängeln lassen wollten. Die Literaturzeitschrift |Flugasche| etwa befand sich kurz vorm Aus, weil Land und Stadt die Förderung einstellten.

_Uta-Maria Heim:_
Das ist traurig. Es trifft halt immer die Falschen. Heute hat kein Mensch mehr Probleme mit privatem Sponsoring. Ich auch nicht. Die Probleme, die wir haben, sind in ganz anderen Dimensionen angesiedelt. Und damit beschäftigt sich eben das „Wespennest“.

_Buchwurm.info:_
Wie sehen Sie diese Situation damals? Lässt sie sich mit heute vergleichen?

_Uta-Maria Heim:_
Das Ganze ist eine Entwicklung, die vermutlich unausweichlich war und bleibt. Mit der deutsch-deutschen Wende, um die sich das „Rattenprinzip“ ja dreht, wurde ein Prozess eingeleitet, der noch lange nicht zu Ende ist. Direkt vergleichen lassen sich die Umstände damals mit denen heute nicht mehr – es sei denn, man vergleicht Birnen mit Äpfeln. Wobei es falsch wäre zu sagen, früher war alles besser. Heute ist alles besser. Mit den Problemen ist auch das Problembewusstsein gestiegen, was den Durchschnitt der Bevölkerung angeht. Und eine kleine Elite wächst mit. Mehr kann man nicht erwarten, zumindest derzeit noch nicht.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? Wann erscheint Ihr nächstes Buch?

_Uta-Maria Heim:_
Ich schreibe derzeit an keinem Buch und plane nichts. Im Frühjahr erscheint voraussichtlich mein Krimi „Totenkuss“, der schon lange fertig herumliegt. Dann ist ein ganzer Kosmos von Geschichten, die mit dem „Rattenprinzip“ angefangen haben und alle locker ineinander greifen, für mich abgeschlossen. Was kommen wird, weiß ich nicht. Falls ich wieder was schreibe, hätte ich Lust auf etwas ganz anderes. Es müsste etwas sein, das mich umhaut.

Die Fragen stellte Michael Matzer.

_Zur Autorin_

Uta-Maria Heim, geboren 1963 in Schramberg, Schwarzwald, lebt als Dramaturgin und Autorin in Baden-Baden. Sie schrieb zahlreiche Romane, Krimis, Hörspiele und Features. Für ihre Arbeiten erhielt sie Auszeichnungen wie den Deutschen Krimi-Preis, der Förderpreis Literatur des Kunstpreises Berlin und den Friedrich-Glauser-Preis.

„Das Rattenprinzip“ war ihr erster Roman und Krimi. Er erschien erstmals 1991 bei Rowohlt und avancierte schnell zum sogenannten „Kultbuch“ [(siehe Rezension auf Buchwurm.info)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5903 . Die Fortsetzung von 2009 trägt den Titel „Wespennest“. Beide Romane erscheinen im |Gmeiner|-Verlag, Meßkirch.

Das Autorenfoto schoss Joachim E. Röttgers

http://www.gmeiner-verlag.de

_|Bibliografie|_

_ROMANE UND KRIMINALROMANE_

• Das Rattenprinzip, Reinbek bei Hamburg 1991 und Meßkirch 2008
• Süden und Irrtum, Stuttgart 1991
• Der harte Kern, Reinbek bei Hamburg 1992
• Die Kakerlakenstadt, Reinbek bei Hamburg 1993
• Die Widersacherin, Zürich [u. a.] 1993
• Der Wüstenfuchs, Reinbek bei Hamburg 1994
• Die Wut der Weibchen, Reinbek bei Hamburg 1994
• Bullenhitze, Reinbek bei Hamburg 1995
• Durchkommen, Leipzig 1996
• Die Zecke, Reinbek bei Hamburg 1996
• Sturzflug, Hamburg 1998
• Dackel Maiers erster Fall, Aarau [u. a.] 1999
• Engelchens Ende, Reinbek bei Hamburg 1999
• Glücklich ist, wer nicht vergißt, Reinbek bei Hamburg 2000
• Ihr zweites Gesicht, Reinbek bei Hamburg 2000
• Ruth sucht Ruth, Berlin 2002
• Schwesterkuß, Berlin 2002
• Dreckskind, Meßkirch 2006
• Totschweigen, Meßkirch 2006
• Wespennest, Meßkirch 2009

|Herausgeberschaft:|
• Bloody Mummy, Reinbek bei Hamburg 1997
• Der Schuß im Kopf des Architekten, Ludwigsburg 2000

_LYRIK UND KURZPROSA_

Neue Balladen von dünnen Männern, Gedichte, Stuttgart 1985
Fahrt in den See, Warmbronn 1987
Vergelt’s Gott, Stuttgart 1990
Süden und Irrtum, Gedichte, Stuttgart 1991.

_STORYS_

|zahlreiche verstreute Veröffentlichungen, zuletzt u.a.:|

Lisa Kuppler (Hg.): Mord isch hald a Gschäft. Von Silvija Hinzmann, Gudrun Weitbrecht, Uta-Maria Heim, Martina Fiess u. a. (Argument Verlag 2004)

Lisa Kuppler (Hg.): A Schwob, a Mord?: Schwabenland, Krimiland. Von Martina Fiess, Monika Geier, Madeleine Giese, Uta-Maria Heim u. a. (Argument Verlag 2008)

Interview – Andreas Eschbach über seine Romane „NSA“ und „Perry Rhodan“


Buchwurm.org: In deinem Roman „NSA – Nationales Sicherheits-Amt“ geht es um die Bedingungen, unter denen Liebe in einem totalitären System der computerisierten Überwachung existieren kann; a) Helene: Liebe vs. Kontrolle; b) Lettke: Rache und Kontrolle. Sind das zwei Varianten, wie sich NSA-Kontrolle auswirken kann?

Andreas Eschbach : Totalitarismus ist eine Herrschaftsform, die dich in eine mechanische Gesellschaftsform einzwängt. Dagegen steht Liebe als Ausdruck des Menschseins an sich: das nicht Mechanisierbare, das nur existiert, wenn es echt ist. Man kann Liebe nicht synthetisieren und auf Flaschen ziehen, auch nicht vortäuschen. Dann ist es keine Liebe. Insofern hat der Totalitarismus nicht speziell mit Digitalisierung zu tun; die Digitalisierung erleichtert ihn nur, erweitert die Möglichkeiten, die dieser hat, um den Lebensimpuls abzutöten, prädiktiv, mit Gesichtserkennung und Vorauswissen, was der Beobachtete vorhaben könnte.
Interview – Andreas Eschbach über seine Romane „NSA“ und „Perry Rhodan“ weiterlesen

Interview mit der Inklings-Gesellschaft

|Prof. Dr. Dieter Petzold ist wissenschaftlicher Oberassistent des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Uni Erlangen und seit 1993 Herausgeber des Jahrbuchs der deutschen Inklings-Gesellschaft. Michael Matzer hat sich für |Buchwurm.info| mit Dieter Petzold über diese Gesellschaft und ihre Projekte unterhalten.|

_Buchwurm.info:_
Es gibt eine ganze Reihe von literarischen Gesellschaften in Deutschland, die sich mit der Phantastik befassen, die u. a. die Inklings in Oxford verfassten. In welcher Hinsicht unterscheidet sich die Inklings-Gesellschaft von solchen Gruppen?

_Prof. Dr. Dieter Petzold:_
Sie ist meines Wissens die älteste und damit traditionsreichste, denn sie wurde bereits 1982 gegründet. Sie verstand sich von Anfang an – und versteht sich noch immer – als eine Vereinigung, deren Mitglieder ein an wissenschaftlichen Standards orientiertes, weitgespanntes Interesse nicht nur an den [Inklings-Autoren,]http://de.wikipedia.org/wiki/Inklings sondern an Literatur und Kultur generell haben, wobei allerdings der Schwerpunkt auf Phantastik im weitesten Sinne liegt.

_Buchwurm.info:_
Sie veranstalten jährliche Mitgliederversammlungen und Tagungen. Welche Bedeutung haben diese Konferenzen?

_Petzold:_
Die jährlichen Symposien sehe ich als das Rückgrat der Aktivitäten der Inklings-Gesellschaft an. Sie stehen jeweils unter einem Thema, das zuvor von der Mitgliederversammlung (die in der Regel im Rahmen des jährlich stattfindenden Symposiums abgehalten wird) beschlossen wird. Daneben gibt es lokale Veranstaltungen (Lesungen, Diskussionsgruppen), die mehrmals jährlich auf lokaler Basis stattfinden.

_Buchwurm.info:_
Sie veröffentlichen jährlich ein Jahrbuch und ein oder zwei Rundbriefe. Welche Bedeutung haben diese Publikationen? Sind sie für Mitglieder kostenlos?

_Petzold:_
Die Rundbriefe informieren über aktuelle Ereignisse und Tätigkeiten der Gesellschaft und auch befreundeter Gesellschaften. Das Jahrbuch dokumentiert zum einen die jeweiligen Jahrestagungen, indem es die (überarbeiteten) Vorträge veröffentlicht. Hinzu kommen regelmäßig weitere wissenschaftliche Beiträge (Varia), sowie, seit einigen Jahren, eine Interpretation eines Gedichts phantastischen Inhalts (die Rubrik heißt „The Poet’s Eye“) und ein Essay, in dem ein weniger bekannter Autor (oder eine Autorin) phantastischer Texte vorgestellt wird („Favourite Authors“). Des Weiteren enthält das meist deutlich über 300 Seiten dicke Jahrbuch einen umfänglichen Rezensionsteil, in dem wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften vorwiegend (aber nicht ausschließlich) über phantastische Literatur besprochen werden. Die Beiträge sind zum größeren Teil auf Deutsch, doch enthalten alle Jahrbücher auch englischsprachige Beiträge, die meist von ausländischen AutorInnen stammen, aus Großbritannien und anderen europäischen Ländern, aber auch aus Amerika, Russland, ja sogar Ostasien.

Der Preis für das Jahrbuch und die Rundbriefe ist in dem (übrigens sehr günstigen) Mitgliedsbeitrag eingeschlossen.

_Buchwurm.info:_
Die Universen, die die zwei bedeutendsten Inklings, Tolkien und Lewis, schufen, expandieren in der globalen Mediensphäre immer weiter: Bücher, Games, Rollenspiele, Filme, Hörspiele und so weiter. Trägt die Inklings-Gesellschaft dieser erstaunlichen Entwicklung Rechnung?

_Petzold:_
In einzelnen Beiträgen ist dies immer wieder mal geschehen; ausgiebig wird sich die bevorstehende Tagung „Multimediale Metamorphosen: Die produktive Rezeption der Inklings im 21. Jahrhundert“ diesem Phänomen widmen. Wie ein Blick auf das [Programm]http://www.inklings-gesellschaft.de/programmheft__mail.pdf zeigt, geht es dort um Tolkien-Verfilmungen, um Superman im Lichte von C. S. Lewis‘ Theorie der Populärkultur, um das Tolkien-Fanwesen allgemein und die Fanfiction im Besonderen, um Computer- und Kartenspiele, um Hörspiele und -bücher, um Comics und um Bücher, die auf den Ideen und Geschichten Tolkiens aufbauen. Für diejenigen, die nicht nach Nürnberg kommen können: All dies wird auch im neuen Jahrbuch (Band 28 der Reihe), nachzulesen sein, das im Frühjahr 2011 im Verlag |Peter Lang| erscheinen wird.

_Buchwurm.info:_
Und worauf führen Sie diese anhaltende Entwicklung zurück?

_Petzold:_
Die multimediale produktive Rezeption von Erfolgsromanen ist ein Phänomen unserer Zeit, über dessen Ursachen man lange soziologische Spekulationen anstellen könnte. Ganz gewiss hängt es mit der technischen Machbarkeit zusammen, insbesondere mit der explosionsartigen Entwicklung der elektronischen Medien, sowie mit der Industrialisierung und Kommerzialisierung des Kulturwesens.

Weshalb gerade Tolkien mit seinem Herrn der Ringe zu einer solchen Flut von Sekundärprodukten angeregt hat? Es hängt wohl damit zusammen, dass er am Anfang der ganzen Fantasy-Bewegung steht, dass er – völlig überraschend und unbeabsichtigt – einen Nerv der Zeit getroffen hat, ein Bedürfnis nach ‚Romantik‘ als Ausgleich für die Nüchternheit unseres Alltags befriedigt. Und nicht zuletzt mit der schieren Qualität seiner Schriften. Tolkiens Meisterwerke kann man immer wieder mit Gewinn lesen, im Gegensatz zu den meisten Produkten der modernen Fantasy-Industrie.

_Buchwurm.info:_
Sicher gibt es noch mehr Inklings. Nennen Sie uns doch bitte die bekanntesten und warum Sie diese Mitglieder bedeutsam finden.

_Petzold:_
„Inklings“ nannte sich eine lose Gruppe von Akademikern, Autoren und literarisch Interessierten, die sich in den 1930er und 1940er Jahren in unregelmäßigen Abständen in Oxford trafen, um aus ihren im Entstehen begriffenen Werken vorzulesen und allgemeine literarische, philosophische und religiöse Themen zu diskutieren. Ihre heute berühmtesten Mitglieder sind _J. R. R. Tolkien_ und _C. S. Lewis_, aber auch der Verfasser „metaphysischer Thriller“ _Charles Williams_, die Krimi-Autorin und Verfasserin religionsgeschichtlicher und –philosophischer Texte _Dorothy Sayers_ und der Philosoph _Owen Barfield_ verdienen nach wie vor Beachtung. Ihre Leistungen zu würdigen, würde hier wohl zu weit führen. Wer sich dafür interessiert, könnte unter anderem in früheren Inklings-Jahrbüchern fündig werden, wo diese Autoren wiederholt behandelt wurden, so wie übrigens auch _George MacDonald_ und _G. K. Chesterton_ – Autoren des 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts, die zwar nicht zu den Inklings gehörten, diese aber in ihrem Denken und Schreiben maßgeblich beeinflusst haben.

_Buchwurm.info:_
Organisiert die Inklings-Gesellschaft „Pilgerreisen“ zu den „Wallfahrtsorten“ der Inklings, so etwa in Oxford? Oder gibt es wenigstens einen Online-Guide dafür?

_Petzold:_
Da es im Internet fast nichts gibt, das es nicht gibt, würde es mich wundern, wenn da nicht auch ein Guide zu den Heiligtümern Tolkiens und Lewis‘ zu finden wäre. Von der deutschen Inklings-Gesellschaft wurde dergleichen aber nicht produziert, und auch keine „Pilgerreisen“ veranstaltet. Wir sind halt kein Fanclub (for better or worse). Aber Fahrradtouren einzelner Mitglieder zu den „Inklings-Stätten“ hat es schon gegeben.

_Buchwurm.info:_
Welche Leistungsmerkmale kann die Homepage der Inklings-Gesellschaft vorweisen? Sind soziale Netzwerke wie |Facebook| berücksichtigt?

_Petzold:_
Die Inklings-Gesellschaft hat das Internet als Medium der Selbstdarstellung erst relativ spät für sich entdeckt. (27 Jahre sind für eine literarische Gesellschaft ein gesetztes Alter, da kann schon mal Tradition schwerer wiegen als die Jagd nach den neuesten Trends.) Unsere [Homepage]http://www.inklings-gesellschaft.de erfüllt, denke ich, ihren Zweck: Sie informiert aktuell und übersichtlich über die Tätigkeiten der Gesellschaft, ohne Schnörkel und modischen Schnickschnack.

_Buchwurm.info:_
Legt die Gesellschaft größeren Wert auf die Anerkennung und Analyse der Inklings in der akademischen Welt oder auf die Popularisierung der Inklings? Gibt es diesbezüglich Interessenskonflikte, z. B. wenn eine Verfilmung ansteht und Werbung geschaltet wird?

_Petzold:_
Die deutsche Inklings-Gesellschaft hatte schon immer einen gewissen Hang zur wissenschaftlichen Respektabilität. Man kann das belächeln, aber ich persönlich sehe keinen Anlass, dies grundlegend zu ändern: Schließlich müssen die Inklings-Autoren nicht erst popularisiert werden (siehe Fragen 4 und 5). Das heißt aber nicht, dass wir vor neuen Entwicklungen die Augen verschließen dürften. Dass wir das nicht tun, zeigt die kommende Tagung, aber auch ein Blick in unsere Jahrbücher, wo immer wieder auch Autoren, die im Trend liegen, z. B. _Terry Pratchett_, _Neil Gaiman_, _Matt Ruff_ oder auch _Stephenie Meyer_, behandelt werden.

Interessenskonflikte entstehen dabei nicht, denn auch die neuen Trends betrachten wir aus einem distanzierten, ‚wissenschaftlichen‘ Blickwinkel, und Werbung betreiben wir weder direkt noch indirekt. Im Übrigen tragen wir auch ganz moderne Fragen an unsere „klassischen“ Autoren heran, z. B. solche der Bioethik beim Symposium des Jahres 2008.

_Buchwurm.info:_
Stehen Mitglieder der Gesellschaft auf Tagungen und Symposien für Gespräche und Interviews zur Verfügung?

_Petzold:_
Aber ja doch, selbstverständlich. Je mehr, je lieber!

_Buchwurm.info:_
Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl der Gesellschaft, international wie lokal?

_Petzold:_
Die Mitgliederzahl ist über viele Jahre recht stabil geblieben, sie liegt derzeit bei rund 250. Davon wohnen etwa 60 im Ausland, nicht nur im europäischen. Sogar in Neuseeland, Kanada, Taiwan und Japan hat die Inklings-Gesellschaft Mitglieder.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Mit welchen Themen können Mitglieder und solche, die sich für die Gesellschaft interessieren, auf kommenden Jahreskonferenzen rechnen? Gibt es eine gewisse Kontinuität im Rückblick?

_Petzold:_
Nach dem populärkultur-orientierten Symposium 2010 steht 2011 wieder ein eher spezielles Thema an, und zwar soll es bei der Tagung in Leipzig um den „unbekannten _Conan Doyle_“ gehen, der eben nicht nur die berühmten Sherlock-Holmes-Geschichten schrieb, sondern auch eine Menge phantastischer Texte.

Wie’s danach weitergeht, wird die nächste Mitgliederversammlung im Oktober zeigen. Viel hängt auch immer vom ehrenamtlichen Einsatz einzelner Mitglieder ab.

Bei der Themenwahl war bisher Abwechslung wichtiger als Kontinuität. Das kann man an den Themen der letzten zehn Jahre ablesen, die im Übrigen zeigen, dass wir auch vor der Sciencefiction und der Gothic-Fiction nicht die Augen verschließen:

2009: Der Vampir: Von der Dämmerung der Gothic Novel bis zum Morgen-Grauen des Teenieromans
2008: Hybris und Heil: (Bio)ethische Fragen in phantastischer Literatur
2007: Entfesselte Kräfte: Technikkatastrophen und ihre Vermittlung
2006: Owen Barfield: Visions and Revisions
2005: George MacDonald
2004: Religion in der Fantasy und Science Fiction
2003: Technik – Mythos – Medien
2002: Phantastische Tierwelten
2001: Fremde Welten in Texten und Bildern
2000: Zukunft des Phantastischen – Phantastik des Zukünftigen

http://www.inklings-gesellschaft.de

Interview mit Norbert Sternmut

Buchwurm.info:
Wie geht es Ihnen?

Norbert Sternmut:
Es geht gut genug. Es geht mir so weit gut, wenn ich arbeiten kann, in meinen Projekten bin, wie ich es gerade bin, also geht es gut.

_Buchwurm.info:_
Wo sind Sie gerade und was machen Sie gerade? Schreiben Sie ein Gedicht?

_Norbert Sternmut:_
Ich arbeite stets an neuen Gedichten, so auch jetzt, nachdem ich den Gedichtband „Nachtlichter“ gerade abgeschlossen habe, der zur Leipziger Buchmesse 2010 im |Pop|-Verlag, Ludwigsburg erscheinen wird. |Die Lesung ist am 19. März in Leipzig.|

Des Weiteren arbeite ich am neuen Gedichtband, den wir als Veröffentlichung für das Jahr 2012 mit dem |Pop|-Verlag einplanen.

Für das Jahr 2011 ist mit dem |Wiesenburg|-Verlag das nächste Prosamanuskript unter dem Titel „Wildwechsel“ geplant, eine Art Tagebuch, in dem ich einmal die sogenannte fiktive Ebene verlasse und durchaus konkret über mein sogenanntes „wahres Dasein“ in Vergangenheit und Gegenwart berichte. Das ist für mich eine ganz neue Form, ganz ohne Metaphern und irgendwelche Verstellungen.

_Buchwurm.info:_
|Buchwurm.info| hat Sie bereits einmal [vorgestellt,]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=77 deshalb können wir diesen Part überspringen und gleich medias in res gehen. Inzwischen haben Sie zwei Gedichtbände und einen Roman vorgelegt. Ich würde mich freuen, wenn Sie „Seelenmaschine“, „Fadenwärme“ und „Norm@n“ jeweils kurz charakterisieren könnten; zum Beispiel, welche Bedeutung „Norm@n“ als Abschluss einer Trilogie zukommt.

_Norbert Sternmut:_
Insgesamt ist die Romantrilogie aus „Der Tote im Park“, „Marlies“ und „Norm@n“ für mich ein zentraler Bestandteil meines Werks. Ein Mittelstück und ein Hauptstück. Zumal ich kaum annehmen kann, noch mal eine entsprechende Trilogie zu schreiben, über die „Natur der Dinge“ hinaus.

Also bleibt für mich „Der Tote im Park“ ein zentrales Romanwerk, wie etwa „Sprachschatten“ im Bereich der Lyrik. Dass ich die Trilogie geschrieben habe, war für mich wichtig, auch wenn sie zunächst gar nicht als Trilogie geplant war.

Wichtig, ich muss meine Bücher schreiben, kann mich meinem Dasein nur schreibend nähern. Die geschriebenen Bücher bleiben dann alleine zurück, ungelesen meist, aber es kommt mir scheinbar auch nicht unbedingt darauf an, dass sie jetzt und hier gelesen werden. Ich denke, irgendwann werden sie gelesen, und da bin ich mir auch einigermaßen sicher, auch wenn jetzt noch nicht unbedingt ihre Zeit gekommen ist.

Weiterhin will ich meinen „Charakter“ eher nach vorne beschreiben. Die Trilogie, das sind drei Bücher, die ich entlassen habe, wie die anderen auch. Jetzt versuche ich mir neue Ziele zu setzen, neue Erkenntnisse und innere Wahrheiten zu finden. So überlebe ich, so lange es geht, verfolge durchaus hartnäckig einen Weg, den ich als meinen Weg sehe, versuche nicht vollständig „verrückt“ zu werden.

Aber meine Trilogie ist mir wichtig.

Wie auch „Seelenmaschine“ oder der Band „Fadenwürde“, der aus bestimmten Gründen nicht „Fadenwärme“ heißt. „Fadenwürde“ erinnert an den Band „Fadensonnen“ von Celan und wurde von einem Bob-Dylan-Song „Dignity“ inspiriert. Hier geht es um die „Würde des Menschen am Faden“, auch um meine eigene Seelenanalyse, wie oft in den letzten Büchern.

Dass ich aus dem psychoanalytischen Unbewussten schöpfe, wird gerade in „Fadenwürde“ deutlich. Auch, dass ich Themen aufgreife, die gerne verdrängt werden. Dass all diese Zusammenhänge in den Gedichten eher über das Gefühl als über den Verstand zu erschließen sind, wenn überhaupt, sage ich hier und dort.

_Buchwurm.info:_
„Seelenmaschine“ und „Fadenwürde“ greifen aktuelle Befindlichkeiten und sogar Ereignisse der öffentlichen Welt auf. Worauf ist dieses Interesse zurückzuführen?

_Norbert Sternmut:_
Ich bin Teil der „öffentlichen Welt“! Auch ich bin ein Mensch, der sich den Eindrücken der aktuellen Wirklichkeit unterworfen sieht. Und als Schriftsteller will auch ich durchaus Stellung zu aktuellen Fragen beziehen, auch wenn ich kein Kommentator einer Tagespolitik bin, auch kein regionaler Schreiber; dass ich kein Schriftsteller bin, der aus einer örtlichen Heimat schöpft, einer nationalen Zuordnung.

Wie ich in „Seelenmaschine“ beschrieb, komme ich alleine auf die Sprache als Heimat zurück, schöpfe weniger aus Wurzeln, eher aus Entwurzelungen und fehlenden Haltbarkeiten.

Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch ich das Wort „Klima“ in den Mund nehme. Ob es etwas hilft, ist eine andere Frage. Immerhin arbeite ich in meinen Projekten mit Jugendlichen und Arbeitslosen künstlerisch und sozialarbeiterisch in der Jetztzeit, befinde mich nicht in einem „Elfenbeinturm“.

Und das Interesse daran? Ich bin Sozialpädagoge! Und Schriftsteller! Künstler und Maler! Alles aus der Zeit heraus, aber nicht alleine daraus. Gerade auch aus dem Verlust der Zeit heraus, die seit meiner Krebserkrankung in der Jugend in meinem Bewusstsein liegt. Also lebe ich heute, weil ich nicht anders kann, weil ich also in diese Formel „geworfen“ wurde, bin ich mir dessen bewusst, so weit wie möglich, dass es womöglich nichts bedeutet, bei allem Interesse.

Also starte ich dieses und jenes Projekt und bin sozialarbeiterisch tätig, weil ich mir aus philosophischen Gründen keine Kugel durch den Kopf schießen will. Also versuche ich mich anderweitig zu beschäftigen.

_Buchwurm.info:_
Sie haben die Literaturgruppe „Sternmut-Literatur-Bunt“ (SMLB) gegründet, die mit anderen Literaturgruppen zusammenarbeitet. Was tun die Teilnehmer dieser Gruppe, wer sind diese und wie sieht die Kooperation mit anderen Gruppen aus?

_Norbert Sternmut:_
Nein, ich arbeite hier nicht grundsätzlich mit anderen Literaturgruppen zusammen! Wir sind eine nette Gruppe und ich lade mir interessante Menschen ein, und es finden bewegende Diskussionen statt, aber es ist „mein Ding“. Es ist mir auch durchaus wichtig, dass ich die Entscheidungen trage und entscheide, wen ich einlade, wichtig, dass es mir Freude macht, in der Hoffnung, dass sich die Freude auf andere bei SMLB überträgt.

Ich will Menschen einladen, die etwas anderes als das sagen, was üblich ist und von außen konditioniert ist. Marionettentheater soll es bei SMLB eher nicht geben. Das haben wir bereits an jeder Ecke.

Es hat sich schon eine kleine, eingeschworene Gemeinde gefunden, die sich mit der Gruppe identifiziert. Es ist bereits eine durchaus dynamische Gruppe entstanden. Junge Künstler kommen, Rapper, Drogenselbsthilfegruppen, Bildhauer. Wir sind bis ins Jahr 2011 mit Veranstaltungen ausgebucht. Es gibt keinen Mangel an Menschen, die sich präsentieren wollen. Also bedient SMLB ein öffentliches Bedürfnis. Es bietet eine Auftrittsmöglichkeit für interessante Menschen, Künstler, Gruppen. Und daher funktioniert SMLB sehr gut.

_Buchwurm.info:_
Sie nahmen an einem österreichischen Lyrikwettbewerb teil. Waren Sie zufrieden mit Ihrem Abschneiden und der Organisation dieses Wettbewerbs?

_Norbert Sternmut:_
Ja, ich war zufrieden mit meinem Abschneiden, zumal ich den Lyrikwettbewerb gewonnen habe. Und als Sieger hatte ich auch an der Organisation keine Einwände, zumal sie, nach meinem Verständnis, zum richtigen Ergebnis gekommen ist.

Insgesamt habe ich keine rechte Beziehung zu Schreibwettbewerben und Preislisten. Ich will „mein Werk“ schreiben und neben dem anderen bleibt im Allgemeinen keine Zeit mehr zur Bewerbung für irgendwelche Preise. Ich denke auch, dass ich ein gespaltenes Verhältnis dazu habe. Ich habe bisher nicht viele Preise bekommen, was verständlich ist, ich denke manchmal, irgendwie könnten es mehr sein, aber ich bewege mich selbst nicht dahin, bewerbe mich nicht. Also kann ich auch nicht erwarten, dass ich Preise für mein Werk bekomme, weil fast jeder Preis es verlangt, dass der Autor bzw. der Verlag des Autors sich selbst bewirbt.

Manchmal denke ich, ich sollte mich mehr für literarische Preise bewerben, doch dann schreibe ich wieder an irgendwelchen Gedichten, für die es wissentlich keinen Markt gibt, für die ich keinen Preis bekommen werde. Immerhin, denke ich mir, schau an, was du machst, kann sich auch nicht jeder leisten. Nein, zu dieser Preisvergabegeschichte habe ich sicherlich ein gespaltenes Verhältnis.

_Buchwurm.info:_
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, so etwa in Lyrik, Prosa Buchmessen, Zeitschriften, Wettbewerben oder privat?

_Norbert Sternmut:_
Im März 2010 bin ich auf der Buchmesse Leipzig, um mein neues Buch „Nachtlichter“ zu präsentieren. „Sternmut-Literatur-Bunt“ läuft erfolgreich und ist für einige Jahre geplant. Im Jahr 2011 wird ein neuer Prosaband im |Wiesenburg|-Verlag unter dem Titel „Wildwechsel“ erscheinen. Für 2012 ist der neue Lyrikband „Spiegelschrift“ im |Pop|-Verlag geplant.

|Das schriftliche Interview führte Michael Matzer im Februar 2010.|

Der Autor

Norbert Sternmut
Norbert Sternmut

Norbert Sternmut (= Norbert Schmid), geboren 1958, lebt in Ludwigsburg und arbeitet als Sozialpädagoge. Der Theaterautor, Rezensent, Maler, Lyriker und Romanschreiber erhielt Stipendien vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Gerlingen. Er veröffentlichte zwanzig Einzeltitel seit 1980 und ist in über 50 Anthologien vertreten. Als Maler trat er mit 75 Ausstellungen an die Öffentlichkeit. Der gelernte Werkzeugmacher wurde nach einem Studium zwischen 1982 und 87 Sozialpädagoge und ist seit 1993 in der Bildungsarbeit im Bildungszentrum Stuttgart tätig. Mehr Infos gibt’s auf seiner Website www.sternmut.de.

Seit 1980 hat Sternmut eine ganze Reihe von Lyrikbänden veröffentlicht, darunter die von mir vorgestellten Bücher „Photofinish“, „Triebwerk“ und „Absolut, du“. In dem Band „88 Rätsel zur Unendlichkeit“ arbeitete er mit dem Grafiker Volker Funke zusammen: Die Rebus-artigen Rätselgrafiken harmonierten mit den frei assoziierenden Gedichttexten Sternmuts. Eine Webseite ergänzte das multimediale Werk auf der Zeit angemessene Weise.

Auf der Prosaseite ist seine Romantrilogie hervorzuheben, zu der „Der Tote im Park“ (1999), „Marlies“ (2003) und sein Roman mit dem Titel „Norm@n“ gehören. Eine Reihe von z.T. phantastischen Erzählungen erschienen in dem Band „Das Zeitmesser“ (Rainar Nitzsche Verlag, Kaiserslautern, 1997).

_Norbert Sternmut auf |Buchwurm.info|:_

[„Triebwerk. Gedichte“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3752
[„Marlies“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1935
[„Der Tote im Park“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3751

Deutsche Lokalkrimis alle auf einer Google Map

Krimis mit regionalen Ermittlerteams erfreuen sich großer Beliebtheit – egal ob im TV oder in Buchform. Diese Begeisterung für Lokalkrimis greift BücherTreff.de  seit Kurzem auf und stellt für Krimileser eine Deutschlandkarte des Verbrechens vor.

 

Lokalkrimis lt. buerchertreff.de

 

In akribischer Kleinarbeit trug das BücherTreff-Team, unterstützt vom Schwarmwissen der Community über 3.400 Lokalkrimis aus über 200 Regionen zusammen und verortete die Einsatzorte der über 640 Ermittler(-teams) auf einer interaktiven Deutschlandkarte.

Neben der Kartografie wertete das Team die Fälle für eine literarische Kriminalstatistik aus: So führt NRW die Liste der gefährlichsten Bundesländer an. Die Städte Hamburg, gefolgt von München und Berlin belegen die ersten Plätze unter den Krimi- bzw. Verbrecherhochburgen. Am friedlichsten geht es im Saarland zu und die aktivste Ermittlerin kommt aus Dortmund.

Herr Kreuzer, wie kamen Sie auf die Idee, eine Google-Karte zu Lokalkrimis zu erstellen?

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Interview mit Norbert Sternmut (2018)

Norbert Sternmut
Norbert Sternmut

Herr Sternmut, seit 2009 betreuen und moderieren Sie die monatliche Veranstaltungsreihe „Sternmut-Literatur-Bunt“ (SMLB). Ist deren Einzugsbereich an AutorInnen nur auf die Region Ludwigsburg beschränkt?

Sternmut: „Sternmut-Literatur-Bunt“ (SMLB) ist nicht auf die Region Ludwigsburg beschränkt. Die Veranstaltungsreihe ist auch nicht auf AutorInnen beschränkt. Wir stellen in erster Linie AutorInnen, aber auch MalerInnen, MusikerInnen, ganze Musik- und Theatergruppen vor. In der Konzeption schrieb ich, dass Menschen mit einer „Vorstellung“ vorgestellt werden. Das bedeutet für mich, dass sie ihr Eigenes präsentieren, einmal von Vorträgen zu anderen KünstlerInnen abgesehen. Ich frage danach, ob der Autor, die Autorin, der Künstler, die Künstlerin etwas zu sagen hat und von dem überzeugt ist, was sie/er produziert. Eine andere Beschränkung gibt es nicht.

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Interview mit Krimiautor Jean-Louis Glineur

Hallo, Jean-Louis, du hast kürzlich deinen zweiten Krimi „Panik in der Nordeifel“ veröffentlicht. Worum geht es darin?

Glineur: die Story beginnt mit dem Auftauchen zweier pensionierter Studienräte. Diese berichten dem Privatermittler Alwin Schreer von dem Mord an deren Ex-Kollegen Sturm und Kling, die auch in Rente waren. Die Angst der früheren und ach der aktuellen Lehrerschaft eines Schleidener Gymnasiums ist riesig. Das Lehrerkollegium fürchtet eine gegen die Schule gerichtete Aktion

Erschwerend kommt hinzu, dass die brutal ermordeten Lehrer Sturm und Kling in einer rechtsextremen Partei aktiv war, zu deren Gründen vor allem Kling gehörte.

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Interview mit Jennifer Heine auf der Frankfurter Buchmesse 2015 am 16.10.2015

Buchwurm.info: Hallo Jennifer. Wie geht es dir und wie gefällt es dir hier auf der Buchmesse?

Jennifer Heine

Jennifer Heine: Hallo, also im Moment ist mir heiß (*lacht*), aber sonst ist hier alles wie erwartet. Es ist voll aber noch nicht so voll wie morgen.

„The Callie Santas Chronicles – Alphablut“ ist dein Debütroman und einige Leser werden dich noch nicht kennen. Magst du dich bitte kurz vorstellen?

Ich bin die Jennifer, werde nächsten Monat 28 Jahre alt und komme aus Leverkusen. Ich habe einen sechsjährigen Sohn und bin hauptberuflich Bürokauffrau. Und bin eigentlich ganz witzig.

Und ganz nebenbei hast du einen Roman geschrieben.

Nebenbei, hmm … (*guckt zweifelnd*)

Hast du einen Lieblingsautor oder einen Autor zum Vorbild?

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Mein persönlicher Besuch der Frankfurter Buchmesse 2015

Am 16. Oktober besuchte ich Frankfurter Buchmesse. Hier mein Bericht.

Meine erste Station ist das Lesezelt, denn hier soll Andreas Eschbach (http://www.andreaseschbach.de) aus seinem neuen Jugendroman AQUAMARIN (http://www.arena-verlag.de/artikel/aquamarin-978-3-401-60022-2) vorlesen. Das Zelt ist rund, an den Rändern sind Sitzecken aufgebaut und in der Mitte des Runds sitzt ein zahlreich erschienenes Publikum. Es ist zu etwa 99 Prozent weiblich. Das entspricht ungefähr dem gefühlten Durchschnitt des Publikums in den Belletristikhallen 3.0 und 3.1.

Eschbach liest den Anfang und eine weitere Passage aus seinem Roman, während ein Fotograf ihn aufdringlich umschleicht. Die Lektorin des Arena-Verlags (http://www.arena-verlag.de) stellt dem Schriftsteller ein paar freundliche Fragen, die sich der Autor ausgiebig zu beantworten bemüht. Er verrät auch, dass es eine Fortsetzung geben soll – und dass AQUAMARIN gar nicht der von ihm gewählte Arbeitstitel ist, sondern der vom Verlagsmarketing gewählte. Tja, so kann’s gehen. Aber mal ehrlich: Durch den Arbeitstitel die Pointe preiszugeben, war auch nicht besonders schlau von ihm.

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