Archiv der Kategorie: Interviews

Interview mit Karsten Kruschel

_Buchwurm.info:_ Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Karsten Kruschel:_ Abgesehen von einer Bandscheibe unter Fluchtverdacht geht es mir gut. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer zu Hause vor dem iMac und will grade die Ideen ins neue Buchmanuskript einarbeiten, die mir im Wartezimmer der Röntgenabteilung gekommen sind.

_Buchwurm.info:_ Aus Ihrer Biografie (s. u.) ist zu erfahren, dass Sie schon früh zum Schreiben kamen, aber auch im Kabarett mitwirkten. Hing das eine mit dem anderen zusammen? Tut es das heute noch?

_Karsten Kruschel:_ Das Kabarett hatte mit dem Schreiben nichts zu tun. Allerdings ertappe ich mich beim Überarbeiten manchmal dabei, dass ich dem einen oder anderen wirklich dusseligen Witz beim Schreiben nicht widerstehen konnte. Das wird dann meist gestrichen. Spätestens beim Lektorat.

_Buchwurm.info:_ Was macht Ihnen am Erzählen den meisten Spaß?

_Karsten Kruschel:_ Das wunderbare Gefühl, wenn „es schreibt“: Wenn die Geschichte begonnen hat, sich selbst nach ihren eigenen, inneren Gesetzen weiterzuentwickeln, und ich als Autor staunend vor dem Ergebnis sitze. Natürlich hab ich anfangs einen Plan, aber an den halten sich die Figuren oft nicht. Es ist schon vorgekommen, dass ich einen Abschnitt schrieb und am nächsten Tag überrascht war, dass eine meiner Lieblingsfiguren dabei ins Gras beißen musste. Wenn ich feststelle, dass das für die Geschichte gut ist, bleibt es auch dabei.

_Buchwurm.info:_ Sie sind durch Ihre Doktorarbeit und Rezensionen ein Kenner der ost- wie auch westdeutschen Sciencefiction geworden. Ist Ihnen der literaturhistorische Hintergrund bewusst, wenn Sie schreiben oder ein Buch veröffentlichen?

_Karsten Kruschel:_ Das muss man trennen. Wenn ich schreibe (wenn „es schreibt“), ist mir die ganze Literaturgeschichte piepegal, und auch, ob jemand schon mal dieselbe Idee hatte. Was unbewusst alles mitspielt, kann ich nicht sagen.

Wenn ich überarbeite – und das ist der weitaus größte Teil des Schreibens -, ist das alles natürlich da. Da werden Sachen, die als unbewusstes Echo von Gelesenem in den Text gerutscht sind, rigoros gestrichen, oder sie werden in etwas Eigenes umgeformt, adaptiert, eingehegt.

Bei meinem Beitrag zur David-Bowie-Anthologie „Hinterland“ beispielsweise war mir schon klar, dass das Thema bereits bei Harrison vorkam, aber die Art, wie ich es verarbeitet habe, macht es zu etwas Eigenem. Das haben die Leser dann auch so gesehen.

_Buchwurm.info:_ Wer sind Ihre Lieblingsautoren und welche Ihre Lieblingsbücher in SF und Phantastik?

_Karsten Kruschel:_ Unter den Autoren natürlich Bradbury, außerdem Lem und die Strugazkis, Cordwainer Smith und James Tiptree jr., Wolfgang Jeschke und Iain Banks, J.G. Ballard, Jonathan Carroll und David R. Bunch, die Steinmüllers und die Brauns.

Bücher: Alle paar Jahre lese ich im Sommer hintereinanderweg erst den „Hobbit“ und dann den „Herrn der Ringe“. Dann fallen mir spontan ein (obengenannte Autoren ausgeschlossen): „Helliconia“ (von Brian W. Aldiss), „Die Jahre des schwarzen Todes“ (von Connie Willis), „Darwinia“ (von Robert Charles Wilson), „Das Mädchen, die goldene Uhr und der ganze Rest“ (von John D. MacDonald), „Ein Feuer auf der Tiefe“ (von Vernor Vinge), „Drachenpiloten“ (von Keith Roberts)…

_Buchwurm.info:_ Ihr in zwei Teile aufgespaltener Roman VILM hat Auszeichnungen und viel Anerkennung erfahren. Freut Sie das? Und was an dieser Anerkennung am meisten?

_Karsten Kruschel:_ Nicht übertreiben. EINE Auszeichnung hat er bekommen: Den Deutschen Science Fiction Preis.

Und natürlich freut mich das. Ich habe mich auch über den dritten Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis gefreut – da landet ein Debütroman selten so weit vorne.

Beim DSFP finde ich gut, dass dieser Preis von einer Jury vergeben wird, in der wirklich jeder Juror jedes nominierte Buch liest und in der über die Kandidaten diskutiert wird.

_Buchwurm.info:_ Wollten Sie mit VILM die Evolution einer neuen Gesellschaft schildern, einer Gesellschaft, die von ihrer Umwelt und ihrer Geschichte determiniert wird?

_Karsten Kruschel:_ Die ersten Kapitel entstanden u. a. aus dem Versuch,
a) einer als erstarrt und verkrustet empfundenen Gesellschaft eine vorzuhalten, in der ganz im Gegenteil sich ständig was bewegt und entwickelt; und
b) einer obrigkeitshörigen und obrigkeitsbestimmten Gesellschaft eine vorzuhalten, die prima ohne Obrigkeit auskommt.
Danach hat „es sich geschrieben“…

_Buchwurm.info:_ Wie wichtig sind Ihnen Ihre Figuren? Warum?

_Karsten Kruschel:_ Sehr. Die Figuren sind es, die den Leser in die Geschichte ziehen. Wenn ich einer Figur Leben einhauchen konnte, dann funktionert das auch. Übers Internet haben mir Leser geschrieben, dass sie immer noch mit Eliza mitleiden, weil das mit ihrer Pflaumenpflanzung nichts geworden ist (im letzten Kapitel von „Vilm. Der Regenplanet“) und dass sie immer noch Lafayette hinterhertrauert. Oder dass Leser auch beim zweiten Lesen vor Zorn beben, wenn sie das siebente Kapitel von „Vilm. Die Eingeborenen“ durchhaben. Ja, ich war beim Schreiben auch überrascht, dass Tom die Sache nicht überlebt.

_Buchwurm.info:_ Holen Sie auch andere Meinungen ein, bevor Sie ein Manuskript abgeben? Wie wichtig ist das?

_Karsten Kruschel:_ Gelegentlich liest meine Frau einen unveröffentlichten Text, oder jemand aus meinem Freundeskreis. Wichtig ist, dass ich den Text so lange liegenlasse, bis ich ihn als Fremder lesen kann. Dann geht das Überarbeiten los… Und dann ist da ja noch Heidrun Jänchen, die als Lektorin sehr genau hinschaut und mir schon mal vorrechnet, warum dies oder das nicht stimmen kann.

_Buchwurm.info:_ Recherchieren Sie für bestimmte Bücher? Nutzen Sie dazu Bibliotheken, das Internet oder gar Profis (so wie Peter Prange)?

Wer ist Peter Prange? Hab ich was verpaßt? Firefox an … Kurze Parallel-Recherche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und bei Wikipedia. Aha, „Das Bernstein-Amulett“… So mach ich das; sitze aber auch oft im Lesesaal der Deutschen Bücherei von Leipzig.

_Buchwurm.info:_ Würden Sie gerne mehr Bücher verkaufen? Sie haben ja schon die 4. Auflage von VILM verkauft.

_Karsten Kruschel:_ Um ausschließlich von der Belletristik leben zu können, müssten es schon noch ein paar mehr sein.

_Buchwurm.info:_ Welche Bedeutung kommt dabei dem jeweiligen Verlag zu, in Ihrem Fall Wurdack?

_Karsten Kruschel:_ Große Bedeutung. Ernst Wurdack sorgt dafür, dass die Texte ordentlich lektoriert werden; sie werden deutlich besser dadurch. Das Manuskript von Vilm ist z. B. um fast hundert Druckseiten erleichtert worden.

Der Wurdack-Verlag sorgt letzten Endes auch dafür, dass Leser überhaupt an ein Buch kommen, listet es bei Amazon und bei Libri und bei buch.de und so weiter. Außerdem ist Ernst Wurdack Grafiker und setzt den Text in einem ordentlichen, gut lesbaren Layout, in dem die Buchstaben Platz zum Atmen haben (andere kleine Verlage füllen dagegen Seiten mit Ameisengewimmel). Und Ernst Wurdack läßt mich beim Cover mitreden. Beim neuen Roman („Galdäa“) hat er sogar die Abdruckrechte für mein Wunschmotiv aus Polen herbeigeschafft.

_Buchwurm.info:_ Sie werden im April VILM 3 veröffentlichen, das den Titel „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ trägt. Bitte sagen Sie uns, worum es darin geht. Werden wir bekannten Figuren aus VILM 1+2 wiederbegegnen?

_Karsten Kruschel:_ Der neue Roman ist keine direkte Fortsetzung von Vilm, deswegen kommen keine bereits bekannten Figuren vor. Er handelt allerdings im selben Universum und bietet, eingepackt in eine Thriller-Handlung, Besuche auf Atibon Legba und einer Weltenkreuzerwerft sowie noch mehr Goldene und Karnesen. Insofern beantwortet er einige Fragen, die bisher offen geblieben waren.

Den Klappentext kann man bei Amazon nachlesen:
„Wir wollen diesen Krieg beenden. Das kann nur auf zwei Weisen geschehen. Entweder durch die völlige Harmonie der Beteiligten oder die totale Vernichtung einer der Parteien.“ – Tara SKhanayilhkdha Vuvlel TArastoydt, galdäische Konsulin auf Penta V.

Dabei behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, die Sicherheit sei schon vor Jahrzehnten wieder hergestellt worden. Allerdings geraten die Dinge in Bewegung, als ein Datenchaos die offiziellen Stellen lahmlegt und Michael Sanderstorm einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur kommt.

„Vielleicht ist die Einmischung der Goldenen Bruderschaft ein Akt der Verzweiflung und die die Maden wollen damit nur ihre Pfründe erhalten? Wie gewaltig ist eigentlich das Wespennest, in das wir da gestochen haben?“

Eine schwielige Hand packte seinen Nacken und schob ihn zu seinen Instrumenten und Rechnern hinüber. Eine leidenschaftslose, unbarmherzige Melodie, Verzweiflung und Sehnsucht, süß und scharf, unwiderstehlich, wenn jemand sie spielt, der am Rand eines glassplittergespickten Abgrunds steht.“

Kleine Abschweifung: Die Numerierung ist leider ein bißchen verwirrend geworden. Bei den ersten Galdäa-Ankündigungen stand „Dritter Roman aus dem Vilm-Kosmos“. Daraus wurde dann irgendwo als jetzige Bezeichnung „Vilm 03“ gebastelt, die sich im Internet, bei Distributoren und in Bibliothekskatalogen blitzartig ausgebreitet hat wie Tinte auf Löschpapier. Deswegen lasse ich es jetzt auch so. Viel zu aufwendig, diese Explosionswolke wieder in ihre Dynamitstange zurückzukriegen.

_Buchwurm.info:_ Woran arbeiten Sie gerade? Welche Pläne haben Sie?

_Karsten Kruschel:_ Ich schreibe gerade an dem tatsächlichen dritten Band über den Planeten des ewigen Regens – „Vilm. Das Dickicht“ (so der Arbeitstitel). Bis jetzt kommen Will, Eliza, Pak-46-erg und einige andere alte Bekannte vor …

„Emotio“ ist der Titel der nächsten Wurdack-Anthologie, die im Herbst 2011 erscheinen soll. Sie wird, wenn alles gutgeht, meine Geschichte „Violets Verlies“ enthalten.

Zu den Plänen: Eine Hörbuch-Version von Vilm, weitere Romane aus demselben Kosmos, ein in der Gegenwart handelnder Thriller phantastischer Natur, mehrere längere Erzählungen – und ein unveröffentlichtes Kinderbuch, das gerne zwischen zwei Buchdeckel möchte.

=======================
_Biografie_

Karsten Kruschel wuchs in Magdeburg auf, wo er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist sammelte – erst mit den Kritiküßchen des legendären Erich Hengstmann, dann mit den Pfeffis des nicht minder legendären Günter Kulbe. Größter Erfolg: Der Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“. Erste Veröffentlichungen mit dreizehn (oder so) in der Pionierzeitung „Trommel“, die heute glücklicherweise kaum mehr auffindbar sind. Mitglied im „Zirkel schreibender Arbeiter“ und aktiv in der FDJ-Poetenbewegung; mehrfach Teilnehmer beim Poetenseminar in Schwerin.

In Klein Wanzleben machte Kruschel eine Facharbeiterlehre und begann 1979 ein Studium der Pflanzenproduktion in Halle/Saale, das er nach einem Semester abbrach. Er arbeitete danach als Hilfspfleger in einer Magdeburger Nervenklinik, erste Erzählungen erschienen im Magazin „Neues Leben“. 1980 bis 1984 studierte er in Magdeburg Pädagogik mit der Fachrichtung Deutsch und Geschichte. Während dieser Zeit begann er damit, Rezensionen zu verfassen, die zuerst in der Volksstimme Magdeburg, später auch in anderen Publikationen erschienen. Studienabschluss mit einer Diplomarbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR.

Kruschel arbeitete ab 1984 als Lehrer in Leipzig-Grünau und absolvierte – kurz ehe er aus Altersgründen dem Wehrkreiskommando entgleiten konnte – den Grundwehrdienst in Eilenburg und Dresden (als Stabssoldat, Lazarettinsasse, Funker, Kfz-Lagerist, Wachsoldat, Küchenlagerist, Pförtner). Die übliche Beförderung zum Gefreiten gegen Ende dieser bewegten Zeit fand wegen fortgesetzter Renitenz nicht statt. 1985 war das erste eigene Werk erschienen, eine Erzählung.

1987 ging Kruschel nach einem kurzen Lehrer-Zwischenspiel (wieder Grünau) als wissenschaftlicher Assistent an die Pädagogische Hochschule Leipzig, wo er mit einer Arbeit über die Science-Fiction-Literatur der DDR promovierte.

Nach dem „Wende“ genannten Ereignis – vermutlich nicht durch seinen 1989 veröffentlichten Band mit Erzählungen verursacht – kam ihm zusammen mit der DDR auch die Hochschule abhanden. Er arbeitete als Projektleiter am „Institut für Bildungsreform und Medienerziehung“ und mehr als ein Jahrzehnt als Chefredakteur einer Baufachzeitschrift in Leipzig. Er hatte eine Zeitlang eine Wohnung in der Berliner Eilenburger Straße und einen Job als Public-Relations-Berater, dann schlug er sich einige Jahre in verschiedenen Call-Centern durch, ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte.

Seit seiner Kindheit schreibt Kruschel Prosa und Lyrik, später auch Essays und Literaturkritiken (Volksstimme, Leipziger Volkszeitung, Science Fiction Times, Das Heyne Science Fiction Jahr) sowie Beiträge für Nachschlagewerke und Lexika.
2009 erschienen die beiden Romane „Vilm. Der Regenplanet“ und „Vilm. Die Eingeborenen“ im Wurdack-Verlag. Das Buch wurde vom Internetportal phantastik-couch.de zum „Buch des Monats“ erklärt, für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert und 2010 mit dem Deutschen Science Fiction Preis als bester Roman des Jahres ausgezeichnet; eine Leseprobe ist als Lesung von Rena Larf (mp3, 28 Min., 40 MB) und als PDF-Download verfügbar.

Ein neuer Roman „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ ist für das 1. Quartal 2011 angekündigt.

_Bibliographie (aus der Wikipedia)_

|Eigenständige Publikationen |

* Raumsprünge, Erzählung (illustriert von Karl Fischer), Neues Leben, Berlin 1985
* Das kleinere Weltall, Science-Fiction-Erzählungen (illustriert von Dieter Heidenreich), Das Neue Berlin, Berlin 1989, ISBN 978-3-360-00245-7
* Bildschirm im Gegenlicht, Texte zur Medienerziehung, 1992 (mit Ralf Hickethier).
* Spielwelten zwischen Wunschbild und Warnbild. Utopisches und Dystopisches in der SF-Literatur der DDR in den achtziger Jahren, Sachbuch, edfc, 1995, ISBN 3-924443-77-7
* Vilm. Der Regenplanet, Roman, Wurdack, Juni 2009, ISBN 978-3938065-36-5
* Vilm. Die Eingeborenen, Roman, Wurdack, 2009, ISBN 978-3-938065-54-9

|Kurzgeschichten und Erzählungen (Auswahl)|

* Aussage des Assistenten, Neues Leben, 1979.
* Theorie der Kugelblitze, Neues Leben, 1979.
* Schach mit Otto, in „Aus dem Tagebuch einer Ameise“, hrsg. von Michael Szameit, 1985.
* … und stets das Vernünftigste tun, in „Lichtjahr 5“, hrsg. von Erik Simon, 1988. ISBN 3-360-00052-8
* Ein Fall von nächtlicher Lebensweise, in „Der lange Weg zum blauen Stern“, hrsg. von Michael Szameit, 1990. ISBN 3-355-01019-7
* Großartige Party, wirklich großartig, in „Johann Sebastian Bach Memorial Barbecue“, hrsg. von Wolfgang Jeschke. 1990. ISBN 3-453-04279-4
* Herrliche Zeiten, in „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-453-14912-2
* Regendrachen sterben, wenn die Sonne scheint, in „Lichtjahr 7“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-00-005005-1
* Barnabas oder Die Vorzüge kleiner Welten, in „Lotus Effekt“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2009. ISBN 3-938065-32-X
* Ende der Jagdsaison auf Orange, in „Die Audienz“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2010. ISBN 978-3-938065-62-4
* Vierte und Erste Sinfonie, oder: Müllerbrot, in „Hinterland. 20 Erzählungen, inspiriert von der Musik David Bowies“, hrsg. von Karla Schmidt, 2010. ISBN 978-3-938065-69-3

Copyright des Fotos: Thomas Schreiter

Der Schöpfer der Regendrachen

_Buchwurm.info:_ Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Karsten Kruschel:_ Abgesehen von einer Bandscheibe unter Fluchtverdacht geht es mir gut. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer zu Hause vor dem iMac und will grade die Ideen ins neue Buchmanuskript einarbeiten, die mir im Wartezimmer der Röntgenabteilung gekommen sind.

_Buchwurm.info:_ Aus Ihrer Biografie (s.u.) ist zu erfahren, dass Sie schon früh zum Schreiben kamen, aber auch im Kabarett mitwirkten. Hing das eine mit dem anderen zusammen? Tut es das heute noch?

_Karsten Kruschel:_ Das Kabarett hatte mit dem Schreiben nichts zu tun. Allerdings ertappe ich mich beim Überarbeiten manchmal dabei, daß ich dem einen oder anderen wirklich dusseligen Witz beim Schreiben nicht widerstehen konnte. Das wird dann meist gestrichen. Spätestens beim Lektorat.

_Buchwurm.info:_ Was macht Ihnen am Erzählen den meisten Spaß?

_Karsten Kruschel:_ Das wunderbare Gefühl, wenn „es schreibt“: Wenn die Geschichte begonnen hat, sich selbst nach ihren eigenen, inneren Gesetzen weiterzuentwickeln, und ich als Autor staunend vor dem Ergebnis sitze. Natürlich hab ich anfangs einen Plan, aber an den halten sich die Figuren oft nicht. Es ist schon vorgekommen, daß ich einen Abschnitt schrieb und am nächsten Tag überrascht war, daß eine meiner Lieblingsfiguren dabei ins Gras beißen mußte. Wenn ich feststelle, daß das für die Geschichte gut ist, bleibt es auch dabei.

_Buchwurm.info:_ Sie sind durch Ihre Doktorarbeit und Rezensionen ein Kenner der ost- wie auch westdeutschen Science Fiction geworden. Ist Ihnen der literaturhistorische Hintergrund bewusst, wenn Sie schreiben oder ein Buch veröffentlichen?

_Karsten Kruschel:_ Das muß man trennen. Wenn ich schreibe (wenn „es schreibt“), ist mir die ganze Literaturgeschichte piepegal, und auch, ob jemand schon mal dieselbe Idee hatte. Was unbewußt alles mitspielt, kann ich nicht sagen.

Wenn ich überarbeite – und das ist der weitaus größte Teil des Schreibens –, ist das alles natürlich da. Da werden Sachen, die als unbewußtes Echo von Gelesenem in den Text gerutscht sind, rigoros gestrichen, oder sie werden in etwas Eigenes umgeformt, adaptiert, eingehegt.

Bei meinem Beitrag zur David-Bowie-Anthologie „Hinterland“ beispielsweise war mir schon klar, daß das Thema bereits bei Harrison vorkam, aber die Art, wie ich es verarbeitet habe, macht es zu etwas Eigenem. Das haben die Leser dann auch so gesehen.

_Buchwurm.info:_ Wer sind Ihre Lieblingsautoren und welche Ihre Lieblingsbücher in SF und Phantastik?

_Karsten Kruschel:_ Unter den Autoren natürlich Bradbury, außerdem Lem und die Strugazkis, Cordwainer Smith und James Tiptree jr., Wolfgang Jeschke und Iain Banks, J.G. Ballard, Jonathan Carroll und David R. Bunch, die Steinmüllers und die Brauns.

Bücher: Alle paar Jahre lese ich im Sommer hintereinanderweg erst den „Hobbit“ und dann den „Herrn der Ringe“. Dann fallen mir spontan ein (obengenannte Autoren ausgeschlossen): „Helliconia“ (von Brian W. Aldiss), „Die Jahre des schwarzen Todes“ (von Connie Willis), „Darwinia“ (von Robert Charles Wilson), „Das Mädchen, die goldene Uhr und der ganze Rest“ (von John D. MacDonald), „Ein Feuer auf der Tiefe“ (von Vernor Vinge), „Drachenpiloten“ (von Keith Roberts)…

_Buchwurm.info:_ Ihr in zwei Teile aufgespaltener Roman VILM hat Auszeichnungen und viel Anerkennung erfahren. Freut Sie das? Und was an dieser Anerkennung am meisten?

_Karsten Kruschel:_ Nicht übertreiben. EINE Auszeichnung hat er bekommen: Den Deutschen Science Fiction Preis.

Und natürlich freut mich das. Ich habe mich auch über den dritten Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis gefreut – da landet ein Debütroman selten so weit vorne.

Beim DSFP finde ich gut, daß dieser Preis von einer Jury vergeben wird, in der wirklich jeder Juror jedes nominierte Buch liest und in der über die Kandidaten diskutiert wird.

_Buchwurm.info:_ Wollten Sie mit VILM die Evolution einer neuen Gesellschaft schildern, einer Gesellschaft, die von ihrer Umwelt und ihrer Geschichte determiniert wird?

_Karsten Kruschel:_ Die ersten Kapitel entstanden u. a. aus dem Versuch,

a) einer als erstarrt und verkrustet empfundenen Gesellschaft eine vorzuhalten, in der ganz im Gegenteil sich ständig was bewegt und entwickelt; und

b) einer obrigkeitshörigen und obrigkeitsbestimmten Gesellschaft eine vorzuhalten, die prima ohne Obrigkeit auskommt.

Danach hat „es sich geschrieben“…

_Buchwurm.info:_ Wie wichtig sind Ihnen Ihre Figuren? Warum?

_Karsten Kruschel:_ Sehr. Die Figuren sind es, die den Leser in die Geschichte ziehen. Wenn ich einer Figur Leben einhauchen konnte, dann funktionert das auch. Übers Internet haben mir Leser geschrieben, daß sie immer noch mit Eliza mitleiden, weil das mit ihrer Pflaumenpflanzung nichts geworden ist (im letzten Kapitel von „Vilm. Der Regenplanet“) und daß sie immer noch Lafayette hinterhertrauert. Oder daß Leser auch beim zweiten Lesen vor Zorn beben, wenn sie das siebente Kapitel von „Vilm. Die Eingeborenen“ durchhaben. Ja, ich war beim Schreiben auch überrascht, daß Tom die Sache nicht überlebt.

_Buchwurm.info:_ Holen Sie auch andere Meinungen ein, bevor Sie ein Manuskript abgeben? Wie wichtig ist das?

_Karsten Kruschel:_ Gelegentlich liest meine Frau einen unveröffentlichten Text, oder jemand aus meinem Freundeskreis. Wichtig ist, daß ich den Text so lange liegenlasse, bis ich ihn als Fremder lesen kann. Dann geht das Überarbeiten los… Und dann ist da ja noch Heidrun Jänchen, die als Lektorin sehr genau hinschaut und mir schon mal vorrechnet, warum dies oder das nicht stimmen kann.

_Buchwurm.info:_ Recherchieren Sie für bestimmte Bücher? Nutzen Sie dazu Bibliotheken, das Internet oder gar Profis (so wie Peter Prange)?

_Kruschel:_ Wer ist Peter Prange? Hab ich was verpaßt? Firefox an… Kurze Parallel-Recherche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und bei Wikipedia. Aha, „Das Bernstein-Amulett“… So mach ich das; sitze aber auch oft im Lesesaal der Stadtbibliothek von Leipzig.

_Buchwurm.info:_ Würden Sie gerne mehr Bücher verkaufen? Sie haben ja schon die 4. Auflage von VILM verkauft.

_Karsten Kruschel:_ Um ausschließlich von der Belletristik leben zu können, müßten es schon noch ein paar mehr sein.

_Buchwurm.info:_ Welche Bedeutung kommt dabei dem jeweiligen Verlag zu, in Ihrem Fall Wurdack?

_Karsten Kruschel:_ Große Bedeutung. Ernst Wurdack sorgt dafür, daß die Texte ordentlich lektoriert werden; sie werden deutlich besser dadurch. Das Manuskript von Vilm ist z. B. um fast hundert Druckseiten erleichtert worden.

Der Wurdack-Verlag sorgt letzten Endes auch dafür, daß Leser überhaupt an ein Buch kommen, listet es bei Amazon und bei Libri und bei buch.de und so weiter. Außerdem ist Ernst Wurdack Grafiker und setzt den Text in einem ordentlichen, gut lesbaren Layout, in dem die Buchstaben Platz zum Atmen haben (andere kleine Verlage füllen dagegen Seiten mit Ameisengewimmel). Und Ernst Wurdack läßt mich beim Cover mitreden. Beim neuen Roman („Galdäa“) hat er sogar die Abdruckrechte für mein Wunschmotiv aus Polen herbeigeschafft.

_Buchwurm.info:_ Sie werden im April VILM 3 veröffentlichen, das den Titel „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ trägt. Bitte sagen Sie uns, worum es darin geht. Werden wir bekannten Figuren aus VILM 1+2 wiederbegegnen?

_Karsten Kruschel:_ Der neue Roman ist keine direkte Fortsetzung von Vilm, deswegen kommen keine bereits bekannten Figuren vor. Er handelt allerdings im selben Universum und bietet, eingepackt in eine Thriller-Handlung, Besuche auf Atibon Legba und einer Weltenkreuzerwerft sowie noch mehr Goldene und Karnesen. Insofern beantwortet er einige Fragen, die bisher offen geblieben waren.

Den Klappentext kann man bei Amazon nachlesen:
„Wir wollen diesen Krieg beenden. Das kann nur auf zwei Weisen geschehen. Entweder durch die völlige Harmonie der Beteiligten oder die totale Vernichtung einer der Parteien.“ – Tara SKhanayilhkdha Vuvlel TArastoydt, galdäische Konsulin auf Penta V.

Dabei behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, die Sicherheit sei schon vor Jahrzehnten wieder hergestellt worden. Allerdings geraten die Dinge in Bewegung, als ein Datenchaos die offiziellen Stellen lahmlegt und Michael Sanderstorm einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur kommt.

„Vielleicht ist die Einmischung der Goldenen Bruderschaft ein Akt der Verzweiflung und die die Maden wollen damit nur ihre Pfründe erhalten? Wie gewaltig ist eigentlich das Wespennest, in das wir da gestochen haben?“

Eine schwielige Hand packte seinen Nacken und schob ihn zu seinen Instrumenten und Rechnern hinüber. Eine leidenschaftslose, unbarmherzige Melodie, Verzweiflung und Sehnsucht, süß und scharf, unwiderstehlich, wenn jemand sie spielt, der am Rand eines glassplittergespickten Abgrunds steht.“

Kleine Abschweifung: Die Numerierung ist leider ein bißchen verwirrend geworden. Bei den ersten Galdäa-Ankündigungen stand „Dritter Roman aus dem Vilm-Kosmos“. Daraus wurde dann irgendwo als jetzige Bezeichnung „Vilm 03“ gebastelt, die sich im Internet, bei Distributoren und in Bibliothekskatalogen blitzartig ausgebreitet hat wie Tinte auf Löschpapier. Deswegen lasse ich es jetzt auch so. Viel zu aufwendig, diese Explosionswolke wieder in ihre Dynamitstange zurückzukriegen.

_Buchwurm.info:_ Woran arbeiten Sie gerade? Welche Pläne haben Sie?

_Kruschel:_ Ich schreibe gerade an dem tatsächlichen dritten Band über den Planeten des ewigen Regens – „Vilm. Das Dickicht“ (so der Arbeitstitel). Bis jetzt kommen Will, Eliza, Pak-46-erg und einige andere alte Bekannte vor…

„Emotio“ ist der Titel der nächsten Wurdack-Anthologie, die im Herbst 2011 erscheinen soll. Sie wird, wenn alles gutgeht, meine Geschichte „Violets Verlies“ enthalten.

Zu den Plänen: Eine Hörbuch-Version von Vilm, weitere Romane aus demselben Kosmos, ein in der Gegenwart handelnder Thriller phantastischer Natur, mehrere längere Erzählungen – und ein unveröffentlichtes Kinderbuch, das gerne zwischen zwei Buchdeckel möchte.

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_Biografie_

Karsten Kruschel wuchs in Magdeburg auf, wo er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist sammelte – erst mit den Kritiküßchen des legendären Erich Hengstmann, dann mit den Pfeffis des nicht minder legendären Günter Kulbe. Größter Erfolg: Der Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“. Erste Veröffentlichungen mit dreizehn (oder so) in der Pionierzeitung „Trommel“, die heute glücklicherweise kaum mehr auffindbar sind. Mitglied im „Zirkel schreibender Arbeiter“ und aktiv in der FDJ-Poetenbewegung; mehrfach Teilnehmer beim Poetenseminar in Schwerin.

In Klein Wanzleben machte Kruschel eine Facharbeiterlehre und begann 1979 ein Studium der Pflanzenproduktion in Halle/Saale, das er nach einem Semester abbrach. Er arbeitete danach als Hilfspfleger in einer Magdeburger Nervenklinik, erste Erzählungen erschienen im Magazin „Neues Leben“. 1980 bis 1984 studierte er in Magdeburg Pädagogik mit der Fachrichtung Deutsch und Geschichte. Während dieser Zeit begann er damit, Rezensionen zu verfassen, die zuerst in der Volksstimme Magdeburg, später auch in anderen Publikationen erschienen. Studienabschluß mit einer Diplomarbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR.

Kruschel arbeitete ab 1984 als Lehrer in Leipzig-Grünau und absolvierte – kurz ehe er aus Altersgründen dem Wehrkreiskommando entgleiten konnte – den Grundwehrdienst in Eilenburg und Dresden (als Stabssoldat, Lazarettinsasse, Funker, Kfz-Lagerist, Wachsoldat, Küchenlagerist, Pförtner). Die übliche Beförderung zum Gefreiten gegen Ende dieser bewegten Zeit fand wegen fortgesetzter Renitenz nicht statt. 1985 war das erste eigene Werk erschienen, eine Erzählung.

1987 ging Kruschel nach einem kurzen Lehrer-Zwischenspiel (wieder Grünau) als wissenschaftlicher Assistent an die Pädagogische Hochschule Leipzig, wo er mit einer Arbeit über die Science-Fiction-Literatur der DDR promovierte.

Nach dem „Wende“ genannten Ereignis – vermutlich nicht durch seinen 1989 veröffentlichten Band mit Erzählungen verursacht – kam ihm zusammen mit der DDR auch die Hochschule abhanden. Er arbeitete als Projektleiter am „Institut für Bildungsreform und Medienerziehung“ und mehr als ein Jahrzehnt als Chefredakteur einer Baufachzeitschrift in Leipzig. Er hatte eine Zeitlang eine Wohnung in der Berliner Eilenburger Straße und einen Job als Public-Relations-Berater, dann schlug er sich einige Jahre in verschiedenen Call-Centern durch, ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte.

Seit seiner Kindheit schreibt Kruschel Prosa und Lyrik, später auch Essays und Literaturkritiken (Volksstimme, Leipziger Volkszeitung, Science Fiction Times, Das Heyne Science Fiction Jahr) sowie Beiträge für Nachschlagewerke und Lexika.
2009 erschienen die beiden Romane „Vilm. Der Regenplanet“ und „Vilm. Die Eingeborenen“ im Wurdack-Verlag. Das Buch wurde vom Internetportal phantastik-couch.de zum „Buch des Monats“ erklärt, für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert und 2010 mit dem Deutschen Science Fiction Preis als bester Roman des Jahres ausgezeichnet; eine Leseprobe ist als Lesung von Rena Larf (mp3, 28 Min., 40 MB) und als PDF-Download verfügbar.

Ein neuer Roman „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ ist für das 1. Quartal 2011 angekündigt.

_Bibliographie (aus der Wikipedia)_

|Eigenständige Publikationen|

* Raumsprünge, Erzählung (illustriert von Karl Fischer), Neues Leben, Berlin 1985
* Das kleinere Weltall, Science-Fiction-Erzählungen (illustriert von Dieter Heidenreich), Das Neue Berlin, Berlin 1989, ISBN 978-3-360-00245-7
* Bildschirm im Gegenlicht, Texte zur Medienerziehung, 1992 (mit Ralf Hickethier).
* Spielwelten zwischen Wunschbild und Warnbild. Utopisches und Dystopisches in der SF-Literatur der DDR in den achtziger Jahren, Sachbuch, edfc, 1995, ISBN 3-924443-77-7
* Vilm. Der Regenplanet, Roman, Wurdack, Juni 2009, ISBN 978-3938065-36-5
* Vilm. Die Eingeborenen, Roman, Wurdack, 2009, ISBN 978-3-938065-54-9

|Kurzgeschichten und Erzählungen (Auswahl)|

* Aussage des Assistenten, Neues Leben, 1979.
* Theorie der Kugelblitze, Neues Leben, 1979.
* Schach mit Otto, in „Aus dem Tagebuch einer Ameise“, hrsg. von Michael Szameit, 1985.
* … und stets das Vernünftigste tun, in „Lichtjahr 5“, hrsg. von Erik Simon, 1988. ISBN 3-360-00052-8
* Ein Fall von nächtlicher Lebensweise, in „Der lange Weg zum blauen Stern“, hrsg. von Michael Szameit, 1990. ISBN 3-355-01019-7
* Großartige Party, wirklich großartig, in „Johann Sebastian Bach Memorial Barbecue“, hrsg. von Wolfgang Jeschke. 1990. ISBN 3-453-04279-4
* Herrliche Zeiten, in „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-453-14912-2
* Regendrachen sterben, wenn die Sonne scheint, in „Lichtjahr 7“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-00-005005-1
* Barnabas oder Die Vorzüge kleiner Welten, in „Lotus Effekt“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2009. ISBN 3-938065-32-X
* Ende der Jagdsaison auf Orange, in „Die Audienz“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2010. ISBN 978-3-938065-62-4
* Vierte und Erste Sinfonie, oder: Müllerbrot, in „Hinterland. 20 Erzählungen, inspiriert von der Musik David Bowies“, hrsg. von Karla Schmidt, 2010. ISBN 978-3-938065-69-3

Interview mit J. J. Preyer

|Buchwurm.info| sprach mit J. J. Preyer, einem österreichischen Autor von Sherlock-Holmes- und Jerry-Cotton-Romanen – aber natürlich nicht nur.

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Preyer:_
Es ist 4:40 Uhr. Ich habe soeben meinen Hund aus dem verschneiten Garten geholt und beginne jetzt zu schreiben, wie jeden Tag früh am Morgen. Mein Kopf muss ausgeruht sein, um vernünftig arbeiten zu können. Und ich bin ausgeruht heute morgen, voll Tatendrang.

_Buchwurm.info:_
Wie sind Sie zur Schriftstellerei gekommen? Haben Sie schon davor einen Beruf ausgeübt?

_Preyer:_
In meiner Kindheit lief nicht alles so, wie man sich das wünschen würde, also lernte ich, in eine Fantasiewelt abzutauchen, der ich durch das Schreiben Festigkeit verlieh. Die Zeitung unserer Stadt – es handelt sich um Steyr in Österreich – druckte, als ich vierzehn war, eine meiner Weihnachtsgeschichten. Ich las damals C. H. Guenters „Kommissar X“ und schrieb selbst einen ersten Krimi in ein liniertes Schulheft. Der Roman enthält schon viele Elemente meiner späteren Krimis.

Mit sechzehn erhielt ich das Angebot eines Redakteurs, bei seiner Wochenzeitung einzusteigen, er sehe Talent bei mir. Meine Eltern stellten sich quer, also beendete ich das Gymnasium, studierte Germanistik und Anglistik in Wien und wurde Gymnasiallehrer für Deutsch und Englisch. Und diesem Beruf ging ich lange Jahre nach, mit gelegentlichen Versuchen auszubrechen, unter anderem einem Jahr in Großbritannien, wo ich erst so richtig Englisch sprechen und schreiben lernte.

_Buchwurm.info:_
Warum und wozu wurden Sie auch Verleger?

_Preyer:_
Verleger wurde ich im Jahr 1996, als ich mich meinem ursprünglichen Berufswunsch wieder annähern wollte. Ich verlegte übrigens auch einen Roman des Journalisten, der meine erste Weihnachtsgeschichte veröffentlichte; ich machte den Wohnort C. H. Guenters ausfindig und brachte seine späten Romane heraus. Aber jetzt bin ich am eigentlichen Ziel angelangt: Ich schreibe wieder selbst, und das sehr intensiv, in den frühen Morgenstunden. Siehe oben.

_Buchwurm.info:_
Was ist Ihr bevorzugtes Literaturgenre? Wahrscheinlich Belletristik – und welches Untergenre?

_Preyer:_
Belletristik. Kriminalromane.

_Buchwurm.info:_
Sie haben drei Sherlock-Holmes-Abenteuer veröffentlicht. Was finden Sie an dieser Figur besonders interessant und anziehend?

_Preyer:_
Mich reizt das gesamte Personal der von Conan Doyle erfundenen Geschichten: Gut – Böse, Gescheit – Dumm aufgeteilt auf verschiedene Personen, ausgemalt mit verschiedenen Farbtönen zwischen den Extremen. Die Paarung Holmes – Watson wiederholt sich ja oft in Literatur und Film. Denken wir an Don Quixote und Sancho Pansa, an Laurel und Hardy, an Wiener Doppelconferencen*, an Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar.

*: Die Wiener Doppelconference bestand und besteht aus Kabarettnummern, in denen ein Gescheiter gegen einen Dummen antritt, mit den köstlichsten Verwicklungen, wobei meist am Schluss der Gescheite die Nerven wegwirft. Die besten Nummern waren die mit Karl Farkas und Ernst Waldbrunn. Auch ein Wikipedia-Artikel widmet sich in knappen Worten diesem Phänomen: http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelconf%C3%A9rence

_Buchwurm.info:_
Wollten Sie sich in die Annalen der Holmes-Literatur einschreiben?

_Preyer:_
Nein, das kann auf diesem Weg nicht gelingen. So etwas wäre nur mit völlig Eigenständigem möglich, an dem ich natürlich ebenfalls heftig arbeite. Weniger an schriftstellerischem Ruhm als an den Texten.

_Buchwurm.info:_
Wie ist es Ihnen gelungen, als Autor für die Jerry-Cotton-Heftromane schreiben zu können?

_Preyer:_
Ich schrieb einen Cotton-Roman und sandte ihn an die Redaktion. Dr. Florian Marzin sah Potenzial im Text, sandte mir exakte Anleitungen für einen nahezu perfekten Cotton zu, und ich versuchte das umzusetzen. Der Roman wurde veröffentlicht, und diesem folgten bisher drei weitere, die immer wieder in Kontakt mit dem Lektor auf Cotton-Linie gebracht wurden.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Preyer:_
Ich bin ein unruhiger Mensch, ich muss in Bewegung sein. Ob dies innere Bewegung ist, wie beim Schreiben, beim Ausdenken von Geschichten, bei langen Spaziergängen oder meinen monatlichen Reisen. Der Hund und ich begeben uns jeden Monat eine Woche auf eine Reise, um neue Eindrücke zu gewinnen.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? Wann erscheint Ihr nächstes Buch?

_Preyer:_
Mein nächster umfangreicher Roman erscheint Ende März 2011 im Wiener Verlagshaus |Hernals|. Titel: „Ludwigsmord“. Thema: Eine moderne Auseinandersetzung mit den Rätseln um den Tod König Ludwigs II. (des „Kini“, der Neuwschwanstein erbauen ließ.)

Soeben abgeschlossen habe ich einen Krimi, der in meiner Heimatstadt spielt. Und jetzt befasse ich mich mit einem möglichen vierten Fall meines Sherlock Holmes. Die jeweils neuesten Projekte J. J. Preyers verrät meine Homepage: [www.oerindur.at/preyer.htm.]http://www.oerindur.at/preyer.htm

_Buchwurm.info:_
Werden Sie weitere Holmes-Abenteuer verfassen?

_Preyer:_
Wenn mir etwas Interessantes einfällt und wenn der jetzige Holmes ([„Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic“,]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3898402916/powermetalde-21 die Red.) einigermaßen gut ankommt, wäre das möglich.

_Biografie:_

J. J. PREYER, geboren 1948 in Steyr, Österreich, als Josef Johann Preyer, laut Taufschein.

Ab dem 14. Lebensjahr literarische Veröffentlichungen.

Studium Deutsch, Englisch in Wien.

Lehrtätigkeit in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

1976 Auslandsjahr in Swansea in Wales.

1982 Initiator des Marlen-Haushofer-Gedenkabends, der durch die Teilnahme des Wiener Kulturjournalisten Hans Weigel den Anstoß zur Wiederentdeckung der Autorin gab.

Mitarbeit an der Kinderzeitschrift „KLEX“ von Peter Michael Lingens.

1996 gründete J. J. Preyer den |Oerindur|-Verlag, einen Verlag für lesbare Literatur und Krimis.

J. J. Preyer schreibt seit Jahresbeginn 2010 für die Romanserie JERRY COTTON im [|Bastei|-Verlag.]http://www.bastei-verlag.de/

_J. J. Preyer auf |Buchwurm.info|:_
[„Sherlock Holmes und die Shakespeare-Verschwörung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5513

Interview mit Christoph Marzi (11/2010)

_Buchwurm.info:_
Hallo, Herr Marzi, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns ein paar Fragen zu beantworten. Würden Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen? Wie ist der Mensch Christoph Marzi?

_Christoph Marzi:_
Ich bin 40 Jahre alt, 1,94 m groß – ach ja, und denke mir Geschichten aus, von denen manche zu Romanen werden und andere zu Kurzgeschichten. Die Beurteilung meiner Person überlasse ich aber lieber anderen Menschen.

_Buchwurm.info:_
Welchen Interessen und Hobbys widmen Sie sich in Ihrer Freizeit?

_Christoph Marzi:_
Ich schreibe Geschichten. Ich lese viel. Ich liebe Filme. Ansonsten führe ich ein ganz normales reales Leben fernab des Internets. Ach ja, seit einem halben Jahr habe ich Yoga für mich entdeckt. Allerdings würde ich das nicht als Hobby bezeichnen.

_Buchwurm.info:_
Wie kamen sie zum Schreiben, gab es da einen bestimmten Auslöser?

_Christoph Marzi:_
Einen direkten Auslöser gab es keinen. Ich habe irgendwann – genau genommen: im Alter von ca. 15 Jahren – einfach damit begonnen, die Geschichten aufzuschreiben, die ich mir bis zu diesem Zeitpunkt nur ausgedacht hatte. Ich weiß, dass das alles ein wenig unspektakulär klingt, aber am Ende ist es genau so passiert.

_Buchwurm.info:_
Wie teilen Sie sich Ihre Zeit zum Schreiben ein, und haben Sie dabei bestimmte Vorlieben?

_Christoph Marzi:_
Ich schreibe, wann immer ich die Zeit dazu finde. Wichtig ist mir, beim Schreiben Musik zu hören. Ich schreibe niemals, ohne das passende Musikstück als Begleitung zu haben. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz.

_Buchwurm.info:_
„Grimm“ ist ja wie „Heaven“ ein Jugendroman. Ist das Schreiben eines Jugendromans leichter oder schwerer als für die Zielgruppe der Erwachsenen–Fantasy? Was reizt Sie an der Fantasy insgesamt?

_Christoph Marzi:_
Wenn ich mich einer Geschichte widme, dann denke ich nicht unbedingt an diese Art der Einteilung. Ich mag dieses Schubladendenken nicht wirklich. Ich glaube vielmehr, dass die Grenzen diesbezüglich fließend sind – und sieht man von Romanen wie „Lyra“ oder „Fabula“ ab, die eindeutig für eine erwachsene Leserschaft gedacht waren, können die Geschichten in jedem Alter gelesen werden. Die Geschichte bestimmt immer der Tonfall, in dem sie erzählt wird. Für mich gibt es keinen Unterschied, erst recht keinen, der sich als „schwieriger“ oder „einfacher“ umschreiben ließe. Dass die Geschichten meist einen phantastischen Hintergrund haben, ergibt sich einfach. Es sind nun einmal diese Geschichten, die ich gerne schreibe, das ist alles. Insofern kehre ich intuitiv in diese Gefilde zurück. Warum? Fragen Sie nicht …

_Buchwurm.info:_
Wie lange haben Sie zum Schreiben für den aktuellen Roman „Grimm“ gebraucht?

_Christoph Marzi:_
Die reine Arbeit am Text hat ca. acht Wochen in Anspruch genommen. Dazu kommt aber natürlich die gesamte „Vorarbeit“, das „Herantasten“ an die Geschichte, die Recherche, all die Dinge, die eine Geschichte greifbar werden lassen. Man muss mit den Charakteren vertraut werden, muss sie kennenlernen. Und dann gibt es natürlich noch die Bearbeitung der ersten Manuskriptfassung. Die Bearbeitung dieser Überarbeitung. Plus das Lektorat. Und einige Pausen, in denen andere Dinge entstanden sind. Sie sehen also, man kann das zeitlich nicht so genau festlegen.

_Buchwurm.info:_
Was hat Sie zu „Grimm“ inspiriert?

_Christoph Marzi:_
Die alte Frage: „Was wäre, wenn …“ – Was wäre, wenn die Geschichten von einst gar keine Geschichten gewesen wären, sondern Wirklichkeit? Was wäre, wenn die Brüder Grimm einige seltsame Dinge getan hätten? Was wäre, wenn nichts mehr so sein würde, wie wir es kennen?

_Buchwurm.info:_
Würden Sie uns etwas über den Roman „Grimm“ erzählen?

_Christoph Marzi:_
Um möglichst geheimnisvoll zu klingen: Es geht darum, dass die Märchen, die wir als Kinder gehört haben, erneut zum Leben erwachen. Alle Kinder fallen in einen tiefen Schlaf. Wölfe und andere Gestalten tauchen auf. Und die siebzehnjährige Vesper Gold befindet sich plötzlich in einer Geschichte, die wie ein böser Traum anmutet. Neugierig geworden? Ich hoffe doch …

_Buchwurm.info:_
Wie zufrieden sind sie bisher mit dem Erfolg Ihrer Romane? Gab es Leserstimmen, die Sie besonders gefreut haben?

_Christoph Marzi:_
Ich schätze mich wirklich sehr glücklich, in den vergangenen Jahren eine treue Leserschaft gefunden zu haben. Was kann man sich Schöneres wünschen?! Und es ist jedes Mal ein aufregendes Gefühl herauszufinden, wie ein Roman oder eine Kurzgeschichte aufgenommen wird.

_Buchwurm.info:_
Was haben die Leser zukünftig zu erwarten, wird es eventuell Fortsetzungen zur uralten Metropole, „Heaven“ oder „Grimm“ geben? Oder schwebt Ihnen etwas Neues vor?

_Christoph Marzi:_
Derzeit arbeite ich an einem Roman, der in einem London spielt, das der Stadt, die einst einen Teil ihres Himmels verloren hatte, sehr ähnlich sieht. Danach werde ich mich einem völlig neuen Roman widmen. Eine Rückkehr in die uralte Metropole ist erst einmal nicht geplant. Aber man sollte ja niemals nie sagen …

_Buchwurm.info:_
Vielen Dank das Sie sich die Zeit genommen haben!

_Christoph Marzi:_
Vielen Dank für Ihr Interesse.

_Christoph Marzi auf |Buchwurm.info|:_

Interview: [»Man sollte Geheimnisse nur in Gedanken flüstern«]http://buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=90
[„Lycidas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1081
[„Lilith“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2070
[„Lumen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3036
[„Malfuria“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3398
[„Malfuria – Die Hüterin der Nebelsteine“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4167
[„Fabula“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4503
[„Somnia“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5446
[„Grimm“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6748

_Nadine Warnke_ für |Buchwurm.info|

Interview mit Jens Schumacher

_Interview mit Jens Schumacher, 50 Prozent des Autorenduos des „Elbenschlächter“ und des „Orksammler“, auf der Frankfurter Buchmesse 2010_

Jens Lossau (durch Krankheit leider verhindert – Schande über dich, Virus!) und Jens Schumacher haben zusammen eine Welt erdacht, die man definitiv mal kennenlernen sollte. Dass die beiden Autoren das zu zweit tun konnten und trotzdem etwas Homogenes dabei herauskam, liegt wohl vor allem daran, dass sie sich seit Sandkastentagen kennen und über lange Zeiträume hinweg dasselbe gelesen haben: Denkweise, Assoziationen und Humor ähneln sich so, dass das Endprodukt ihrer Bemühungen wie aus einem Guss wirk, während es gleichzeitig vom unterschiedlichen Talentschwerpunkt der Erschaffer profitiert.

Mehr zu diesen Themen in früheren Interviews (als Links schön zusammengefasst hier: http://lossaunews.blogspot.com/2010__04__01__archive.html und hier: http://lossaunews.blogspot.com/2010__05__01__archive.html ), jetzt gibt es ein paar neue Fragen – und zwar an Jens Schumacher. Auf die Behauptung hin, er und sein Kollege Lossau seien der Punk der Fantasy, hatte er einmal entgegnet, sie seien wohl eher der Heavy Metal der Fantasy. Äußerlich kommt das schon mal hin: von Kopf bis Fuß in Schwarz, bezopft und bärtig, mit Ringen an Ohr und Händen, hebt der Autor sich erfrischend von den ganzen Schlipsen ringsum ab. Man darf gespannt sein.

|Ihr erwähntet mehrfach, dass ihr gefragt wurdet, ob eure Bücher eine Art Schlag ins Gesicht der bisherigen deutschen Fantasy bedeuten sollen. Aus welcher Richtung kamen diese Fragen? Eher von Journalisten, oder hat sich tatsächlich mal ein empörter Autor gemeldet?|

Das waren witzigerweise eher Journalisten. Die Leser gehen eigentlich sehr cool damit um: Da kam bisher weder auf Veranstaltungen noch bei Leserrezensionen im Internet etwas Pikiertes zurück. Zwar gibt es auch ab und zu mal, etwa im Rahmen von Leserunden im Internet, Leute, denen nicht gefällt, was wir machen. Aber es kam niemand auf die Idee, das Buch sei eine Art Abrechnung mit der Fantasy. Von Autorenseite sogar noch weniger – da hatte ich eher den Eindruck (und wir stehen in Kontakt mit relativ vielen Autoren, Lossau und ich), dass diese zum Teil ein bisschen neidisch waren, weil wir einfach gemacht haben, worauf wir Lust hatten. Viele Autoren, gerade in der Fantasy, hätten durchaus ebenfalls mal Lust auf etwas wildere Stoffe, aber zuweilen muss man auf diesem Sektor eben gewisse Konventionen des Marktes bedienen oder bekommt vom Verlag gesagt: „Jetzt mach mal was mit Engeln“. Darauf pfeifen wir mit unseren IAIT-Romanen völlig. Einen Crossover aus Krimi und Fantasy gab es bisher nicht, das heißt, niemand konnte uns befehlen: „Jetzt macht mal so was!“ Und dass bei uns ab und zu ein paar Zähne fliegen oder Körperflüssigkeiten ausgetauscht werden, ist ja auch eher unüblich in diesem Genre. Doch: Die Autoren, mit denen wir bisher gesprochen haben, fanden unseren Ansatz cool. Aber wer weiß, vielleicht fällt unsere Kompromisslosigkeit auch irgendwann mal negativ auf uns zurück – beispielsweise, wenn die Reihe eingestellt wird, weil sie überhaupt nicht läuft! Ich denke, insgesamt waren das eher hypothetische Fragen, wirklich unterstellt hat man uns das nicht.

|Dass ihr zusammen schreibt, und das schon lange, ist klar. Was passiert, wenn ihr euch nicht einig seid, wenn einer eine Idee hat, die ihn begeistert, und der andere legt sein Veto ein? Müsst ihr beide allem hundertprozentig zustimmen, oder macht ihr Zugeständnisse?|

Wir einigen uns. Wir kennen uns mittlerweile über dreißig Jahre, und es gibt gewisse Bereiche, bei denen jedem klar ist, dass der andere mehr Ahnung davon hat. Lossau ist oft für das zuständig, was die Personen charakterlich ausmacht. Gerade bei Jorge merkt man einfach, dass da viel mehr Persönlichkeit drinsteckt als in Hippolit, der ein eher kontrollierterer Typ ist. Wenn ich auf die Idee käme, ein charakterisierendes Element zu kritisieren oder wenn ich einen Dialog, der den Charakter einer Person besonders transportieren soll, rausstreichen wollte, dann würden wir darüber diskutieren, und Lossau hätte wahrscheinlich das letzte Wort. Bei strukturellen Sachen dagegen, zum Beispiel, wenn ich sage: „Wir müssen hieraus zwei Kapitel machen und noch etwas dazwischenschneiden, sonst ist es zu lang, das will keiner lesen“, behalte tendenziell eher ich Recht, einfach, weil ich vierzig Bücher mehr geschrieben habe und mich ein bisschen mit so was auskenne. Hinzu kommt, dass wir unsere Bücher ja weit im Vorhinein konzipieren und dadurch Konflikten beim Schreiben aus dem Weg gehen können. Sobald wir am Ausarbeiten sind, gibt es ganz, ganz selten noch krasse Schwarz-Weiß-Entscheidungen zu treffen.

|Jetzt hast du es gerade schon angesprochen, dass Lossau eher am Feintuning der Charaktere feilt. Das ging aus bisherigen Interviews nicht klar hervor: Habt ihr die beiden Protagonisten zusammen erdacht, oder habt ihr sie aufgeteilt?|

Wir haben die Hauptfiguren tatsächlich beide zu gleichen Teilen konzipiert. Wie gesagt, bei Jorge ist in der Ausarbeitung dadurch, wie die Figur angelegt ist, noch mehr passiert, wo Lossau sich mit dem einbringen konnte, worin er besonders gut ist: Figuren memorabler zu machen und auch sympathischer – Jorge ist ja in all seiner Krudheit eigentlich eine sehr sympathische Figur, während Hippolit eher ein straighter Typ mit einem klar ausdefinierten Manko ist und gleichzeitig der Garant dafür, dass die Detektionshandlung vorankommt, damit es nicht nur Blödsinns- und Kneipenkapitel gibt.

Wir haben beide Hauptfiguren quasi auf dem Reißbrett entworfen und in der Ausarbeitung dann jeder schwerpunktmäßig eine davon übernommen. Lossaus Figuren haben meistens eine andere Art des Eigenlebens als meine. Das wäre auch, glaube ich, das Einzige, woran du, wenn du noch zehn Jorge-und-Hippolit-Romane gelesen hättest (die es momentan nicht gibt), auseinanderdividieren könntest, welche Passagen ursprünglich von wem stammen. Stilistisch gibt es ansonsten keine Unterscheidungsmerkmale mehr.

Als wir noch Kurzgeschichtensammlungen zusammen herausgebracht haben, kennzeichneten wir die einzelnen Geschichten nicht namentlich. Prompt gab es ein paar ganz Schlaue, die zuzuordnen versuchten, welche Story von wem stammte – und das war in allen Fällen falsch! Seitdem haben wir weiter an uns gearbeitet, und unsere Arbeitsweise bei einem gemeinsamen Roman ist selbstverständlich auch anders, als wenn wir allein schreiben. Ich habe in anderen Interviews schon gesagt, dass wir am Ende manchmal selbst nicht mehr wissen, was von wem stammt, weil wir so oft gemeinsam drübergegangen sind.

|Der erste Roman spielte in der Hauptstadt Nophelet, der zweite in der Totenstadt Torrlem, und wir haben zumindest schon von zwei Staaten erfahren, die an das Reich Sdoom angrenzen. Ist schon klar, wie groß das Ganze noch werden soll? Entwerft ihr eine komplette Welt?|

Wie ebenfalls schon verschiedentlich gesagt, bin ich kein großer Fan von Landkarten. Oder anders gesagt: Schon, schließlich lese ich Landkarten-Fantasy seit über dreißig Jahren. Aber ich bin der Ansicht, dass auf diesem Gebiet einfach alles gemacht wurde, was machenswert war. Hier wäre es aus meiner Sicht einfach sauschwer – und ich habe das im Jugendbuchbereich schon probiert, in einer Trilogie, wo es einen Großteil der Zeit um Questen und Rumgereise geht -, noch etwas richtig Originelles, Neues zu schaffen. Deswegen enthalten unsere Bücher keine Landkarten, deswegen ist die Geographie unserer Welt, auch wenn sie ab und an mal vorkommt, eher irrelevant für die Fälle an sich, um die es gerade geht.

|Dafür arbeitet ihr aber mit sehr ausdifferenzierten Beschreibungen.|

Ja, wir kennen unsere Welt auch sehr gut. Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass es vielleicht irgendwo Skizzen von Lorgonia gibt, aber tatsächlich wächst sie in den Details während der Handlung. Aber es ist bei uns definitiv nicht so, dass vorher DIN-A1-große Karten gemalt werden und man dann überlegt: Wo könnten sie jetzt noch hin? Nur einzelne Punkte standen von Beginn an fest, etwa, dass es irgendwo einen Stadtstaat geben sollte, in dem Zwerge wohnen, die ein sehr ausgechecktes Bankensystem errichtet haben und natürlich auch schürfen und irgendwelche Sachen unter Tage abbauen. Und dass dort irgendwann mal ein Roman spielen soll. Im kommenden dritten Band – denn erst dort wird er relevant für die aktuelle Geschichte – wird dieser Stadtstaat lokalisiert und seine Interaktion mit dem Rest des Königreichs dargestellt.

|Ihr habt ja beide häufig mit Coverillustratoren zusammengearbeitet. Und ihr habt eine sehr eindrucksvolle Tierwelt erschaffen – in den Romanen wuselt ja so einiges herum, dem man nicht nachts begegnen möchte, was aber sehr deutliche Bilder in den Kopf zaubert. Habt ihr mal drüber nachgedacht, einen Zeichner darauf anzusetzen?|

Eine Webseite mit lexikalischen Einträgen zu historischen Persönlichkeiten, Orten und eben Kreaturen wäre toll, ich hatte das damals schon zu meiner Fantasytrilogie „Ambigua“ angedacht. Leider gab und gibt es bei unseren Verlagen dafür momentan keinen Etat. Und selbst wenn man seine Illustratoren gut kennt, so wie wir, kann man nicht erwarten, dass jemand unentgeltlich aktiv wird. Schön wäre das natürlich schon, wenn es irgendwann mal so ein kleines Bestiarium gäbe – mit Matisrauden, Harschtipplern, Vulvatten und natürlich vor allem Krügerschweinen. Wie viele Anfragen haben wir schon bekommen nach Rezepten für gegrillte Krügerschweine!

|Du hast es gerade selber angesprochen mit der fiktiven Website und den Informationen zu den Romanen – ein paar Mal wurde bei Rezensenten der Wunsch nach einem Glossar laut, weil ihr ja doch so einige Worte habt, die keiner kennt, und die sind dann auch noch kursiv gedruckt. Habt ihr mit dem Gedanken gespielt?|

Da steh ich nicht so drauf. Was ich noch weniger mag, sind Personenlisten. Das kannst du bei Kinderbüchern machen, damit sich die Leser merken können, wer welche Figur ist. Ich finde es aber viel spannender, wenn sich die meisten ungewöhnlichen Bezeichnungen – bei uns zum Beispiel die Wochentage oder was die |Versiertheit| ist – dem Leser erst während der Lektüre des ersten Bandes nach und nach erschließen. Das Leseerlebnis in einer völlig neuen Welt ist spannender, wenn man kopfüber hineingeworfen wird: Die Dinge sind einfach, wie sie sind, ich muss selber dahintersteigen. Ich glaube indes nicht, dass wir mit unseren IAIT-Büchern diesbezüglich im oberen Drittel der Komplexität rangieren; der typische Fantasy- und SF-Leser ist doch ganz anderes gewöhnt. Und nach dem ersten Band („Der Elbenschlächter“) ist der zweite („Der Orksammler“) bereits viel leichter zugänglich. Das war der Plan: Wir zeigen die Welt aus der Sicht von Leuten, die darin aufgewachsen sind. Klar, dass Jorge nicht explizit denkt: „Born – der dritte Tag in einem zehntätigen Zyklus, der Zenit genannt wird; ein Zyklus umfasst 3333 Jahre“, sobald beispielsweise vom Blutigen Born im Jahre soundso des dritten Zyklus die Rede ist. Wen es interessiert, der stößt später ohnehin wieder darauf und kann sich allmählich zusammenreimen, was es damit auf sich hat.

Sicher hätte man zu einigen Ausdrücken ein Glossar anlegen können. Aber das hätte der lorgonischen Terminologie zu viel Relevanz eingeräumt – im Grunde ist das alles nur Beiwerk, das unsere Welt homogener machen soll. Ich glaube, das funktioniert auch ohne Verzeichnisse und Namenslisten.

Im Endeffekt sind unsere IAIT-Bücher dafür ja auch viel zu dünn. Wir haben extra eine typische Krimilänge gewählt und nicht das, was der unberufene deutsche Fantasy-Autor gern „episch“ nennt, wenn er mal wieder die Tinte nicht halten kann und 700 Seiten vollseiert mit etwas, das ebenso gut auf 350 gepasst hätte. Ich denke, am Ende vom „Elbenschlächter“ verstehst du auch so schon ziemlich viel von dem, was in Lorgonia abgeht.

|Magst du zum nächsten Band etwas sagen?|

Der dritte Band wird aller Voraussicht nach „Der Schädelbrecher“ heißen und im Zwergenmilieu spielen – und wie es bei uns mittlerweile üblich ist, werden wir dem Archetyp des Zwergs einige Facetten hinzuaddieren, die man so noch nicht kannte, sowohl physiognomisch als auch, was seine politische Gesinnung angeht oder wie er sich seine Zeit vertreibt. Der Roman wird erneut nicht in Nophelet spielen, auch wenn unsere beiden Ermittler am Anfang von dort aufbrechen, sondern in einem tief unter der Erde gelegenen Stadtstaat. Er wird der Krimi-lastigste der bisherigen drei Bände sein und sich nur um einen einzigen Mord drehen – allerdings einen Mord in einem von innen hermetisch verschlossenen Raum. Das bedeutet, wir streifen einen in der Kriminalliteratur sehr beliebten Topos, nämlich das Locked-Room-Mystery, und heben es in die Fantasywelt. Das Buch wird wieder ein gutes Stück anders werden als die vorigen, so wie das zweite etwas anders als das erste war. „Der Orksammler“ war beispielsweise viel fantasymäßiger, als es „Der Schädelbrecher“ werden wird: Da ging es um ein Monster, es wurde durch irgendwelche Wüsteneien geritten, es gab Heere und all solche Sachen. Das ist im „Schädelbrecher“ nicht der Fall. Es wird eher alles noch kleiner und noch komischer, es gibt noch mehr sonderbare Figuren – und ein Rätsel, das gelöst werden muss!

|Danke für das Gespräch.|

http://www.jensschumacher.eu
http://www.jenslossau.de
http://www.egmont-lyx.de

_Jens Schumacher/Jens Lossau auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Elbenschlächter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6361
[„Der Orksammler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6615
[„Das Mahnkopff-Prinzip“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1957

Interview mit der Inklings-Gesellschaft

|Prof. Dr. Dieter Petzold ist wissenschaftlicher Oberassistent des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Uni Erlangen und seit 1993 Herausgeber des Jahrbuchs der deutschen Inklings-Gesellschaft. Michael Matzer hat sich für |Buchwurm.info| mit Dieter Petzold über diese Gesellschaft und ihre Projekte unterhalten.|

_Buchwurm.info:_
Es gibt eine ganze Reihe von literarischen Gesellschaften in Deutschland, die sich mit der Phantastik befassen, die u. a. die Inklings in Oxford verfassten. In welcher Hinsicht unterscheidet sich die Inklings-Gesellschaft von solchen Gruppen?

_Prof. Dr. Dieter Petzold:_
Sie ist meines Wissens die älteste und damit traditionsreichste, denn sie wurde bereits 1982 gegründet. Sie verstand sich von Anfang an – und versteht sich noch immer – als eine Vereinigung, deren Mitglieder ein an wissenschaftlichen Standards orientiertes, weitgespanntes Interesse nicht nur an den [Inklings-Autoren,]http://de.wikipedia.org/wiki/Inklings sondern an Literatur und Kultur generell haben, wobei allerdings der Schwerpunkt auf Phantastik im weitesten Sinne liegt.

_Buchwurm.info:_
Sie veranstalten jährliche Mitgliederversammlungen und Tagungen. Welche Bedeutung haben diese Konferenzen?

_Petzold:_
Die jährlichen Symposien sehe ich als das Rückgrat der Aktivitäten der Inklings-Gesellschaft an. Sie stehen jeweils unter einem Thema, das zuvor von der Mitgliederversammlung (die in der Regel im Rahmen des jährlich stattfindenden Symposiums abgehalten wird) beschlossen wird. Daneben gibt es lokale Veranstaltungen (Lesungen, Diskussionsgruppen), die mehrmals jährlich auf lokaler Basis stattfinden.

_Buchwurm.info:_
Sie veröffentlichen jährlich ein Jahrbuch und ein oder zwei Rundbriefe. Welche Bedeutung haben diese Publikationen? Sind sie für Mitglieder kostenlos?

_Petzold:_
Die Rundbriefe informieren über aktuelle Ereignisse und Tätigkeiten der Gesellschaft und auch befreundeter Gesellschaften. Das Jahrbuch dokumentiert zum einen die jeweiligen Jahrestagungen, indem es die (überarbeiteten) Vorträge veröffentlicht. Hinzu kommen regelmäßig weitere wissenschaftliche Beiträge (Varia), sowie, seit einigen Jahren, eine Interpretation eines Gedichts phantastischen Inhalts (die Rubrik heißt „The Poet’s Eye“) und ein Essay, in dem ein weniger bekannter Autor (oder eine Autorin) phantastischer Texte vorgestellt wird („Favourite Authors“). Des Weiteren enthält das meist deutlich über 300 Seiten dicke Jahrbuch einen umfänglichen Rezensionsteil, in dem wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften vorwiegend (aber nicht ausschließlich) über phantastische Literatur besprochen werden. Die Beiträge sind zum größeren Teil auf Deutsch, doch enthalten alle Jahrbücher auch englischsprachige Beiträge, die meist von ausländischen AutorInnen stammen, aus Großbritannien und anderen europäischen Ländern, aber auch aus Amerika, Russland, ja sogar Ostasien.

Der Preis für das Jahrbuch und die Rundbriefe ist in dem (übrigens sehr günstigen) Mitgliedsbeitrag eingeschlossen.

_Buchwurm.info:_
Die Universen, die die zwei bedeutendsten Inklings, Tolkien und Lewis, schufen, expandieren in der globalen Mediensphäre immer weiter: Bücher, Games, Rollenspiele, Filme, Hörspiele und so weiter. Trägt die Inklings-Gesellschaft dieser erstaunlichen Entwicklung Rechnung?

_Petzold:_
In einzelnen Beiträgen ist dies immer wieder mal geschehen; ausgiebig wird sich die bevorstehende Tagung „Multimediale Metamorphosen: Die produktive Rezeption der Inklings im 21. Jahrhundert“ diesem Phänomen widmen. Wie ein Blick auf das [Programm]http://www.inklings-gesellschaft.de/programmheft__mail.pdf zeigt, geht es dort um Tolkien-Verfilmungen, um Superman im Lichte von C. S. Lewis‘ Theorie der Populärkultur, um das Tolkien-Fanwesen allgemein und die Fanfiction im Besonderen, um Computer- und Kartenspiele, um Hörspiele und -bücher, um Comics und um Bücher, die auf den Ideen und Geschichten Tolkiens aufbauen. Für diejenigen, die nicht nach Nürnberg kommen können: All dies wird auch im neuen Jahrbuch (Band 28 der Reihe), nachzulesen sein, das im Frühjahr 2011 im Verlag |Peter Lang| erscheinen wird.

_Buchwurm.info:_
Und worauf führen Sie diese anhaltende Entwicklung zurück?

_Petzold:_
Die multimediale produktive Rezeption von Erfolgsromanen ist ein Phänomen unserer Zeit, über dessen Ursachen man lange soziologische Spekulationen anstellen könnte. Ganz gewiss hängt es mit der technischen Machbarkeit zusammen, insbesondere mit der explosionsartigen Entwicklung der elektronischen Medien, sowie mit der Industrialisierung und Kommerzialisierung des Kulturwesens.

Weshalb gerade Tolkien mit seinem Herrn der Ringe zu einer solchen Flut von Sekundärprodukten angeregt hat? Es hängt wohl damit zusammen, dass er am Anfang der ganzen Fantasy-Bewegung steht, dass er – völlig überraschend und unbeabsichtigt – einen Nerv der Zeit getroffen hat, ein Bedürfnis nach ‚Romantik‘ als Ausgleich für die Nüchternheit unseres Alltags befriedigt. Und nicht zuletzt mit der schieren Qualität seiner Schriften. Tolkiens Meisterwerke kann man immer wieder mit Gewinn lesen, im Gegensatz zu den meisten Produkten der modernen Fantasy-Industrie.

_Buchwurm.info:_
Sicher gibt es noch mehr Inklings. Nennen Sie uns doch bitte die bekanntesten und warum Sie diese Mitglieder bedeutsam finden.

_Petzold:_
„Inklings“ nannte sich eine lose Gruppe von Akademikern, Autoren und literarisch Interessierten, die sich in den 1930er und 1940er Jahren in unregelmäßigen Abständen in Oxford trafen, um aus ihren im Entstehen begriffenen Werken vorzulesen und allgemeine literarische, philosophische und religiöse Themen zu diskutieren. Ihre heute berühmtesten Mitglieder sind _J. R. R. Tolkien_ und _C. S. Lewis_, aber auch der Verfasser „metaphysischer Thriller“ _Charles Williams_, die Krimi-Autorin und Verfasserin religionsgeschichtlicher und –philosophischer Texte _Dorothy Sayers_ und der Philosoph _Owen Barfield_ verdienen nach wie vor Beachtung. Ihre Leistungen zu würdigen, würde hier wohl zu weit führen. Wer sich dafür interessiert, könnte unter anderem in früheren Inklings-Jahrbüchern fündig werden, wo diese Autoren wiederholt behandelt wurden, so wie übrigens auch _George MacDonald_ und _G. K. Chesterton_ – Autoren des 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts, die zwar nicht zu den Inklings gehörten, diese aber in ihrem Denken und Schreiben maßgeblich beeinflusst haben.

_Buchwurm.info:_
Organisiert die Inklings-Gesellschaft „Pilgerreisen“ zu den „Wallfahrtsorten“ der Inklings, so etwa in Oxford? Oder gibt es wenigstens einen Online-Guide dafür?

_Petzold:_
Da es im Internet fast nichts gibt, das es nicht gibt, würde es mich wundern, wenn da nicht auch ein Guide zu den Heiligtümern Tolkiens und Lewis‘ zu finden wäre. Von der deutschen Inklings-Gesellschaft wurde dergleichen aber nicht produziert, und auch keine „Pilgerreisen“ veranstaltet. Wir sind halt kein Fanclub (for better or worse). Aber Fahrradtouren einzelner Mitglieder zu den „Inklings-Stätten“ hat es schon gegeben.

_Buchwurm.info:_
Welche Leistungsmerkmale kann die Homepage der Inklings-Gesellschaft vorweisen? Sind soziale Netzwerke wie |Facebook| berücksichtigt?

_Petzold:_
Die Inklings-Gesellschaft hat das Internet als Medium der Selbstdarstellung erst relativ spät für sich entdeckt. (27 Jahre sind für eine literarische Gesellschaft ein gesetztes Alter, da kann schon mal Tradition schwerer wiegen als die Jagd nach den neuesten Trends.) Unsere [Homepage]http://www.inklings-gesellschaft.de erfüllt, denke ich, ihren Zweck: Sie informiert aktuell und übersichtlich über die Tätigkeiten der Gesellschaft, ohne Schnörkel und modischen Schnickschnack.

_Buchwurm.info:_
Legt die Gesellschaft größeren Wert auf die Anerkennung und Analyse der Inklings in der akademischen Welt oder auf die Popularisierung der Inklings? Gibt es diesbezüglich Interessenskonflikte, z. B. wenn eine Verfilmung ansteht und Werbung geschaltet wird?

_Petzold:_
Die deutsche Inklings-Gesellschaft hatte schon immer einen gewissen Hang zur wissenschaftlichen Respektabilität. Man kann das belächeln, aber ich persönlich sehe keinen Anlass, dies grundlegend zu ändern: Schließlich müssen die Inklings-Autoren nicht erst popularisiert werden (siehe Fragen 4 und 5). Das heißt aber nicht, dass wir vor neuen Entwicklungen die Augen verschließen dürften. Dass wir das nicht tun, zeigt die kommende Tagung, aber auch ein Blick in unsere Jahrbücher, wo immer wieder auch Autoren, die im Trend liegen, z. B. _Terry Pratchett_, _Neil Gaiman_, _Matt Ruff_ oder auch _Stephenie Meyer_, behandelt werden.

Interessenskonflikte entstehen dabei nicht, denn auch die neuen Trends betrachten wir aus einem distanzierten, ‚wissenschaftlichen‘ Blickwinkel, und Werbung betreiben wir weder direkt noch indirekt. Im Übrigen tragen wir auch ganz moderne Fragen an unsere „klassischen“ Autoren heran, z. B. solche der Bioethik beim Symposium des Jahres 2008.

_Buchwurm.info:_
Stehen Mitglieder der Gesellschaft auf Tagungen und Symposien für Gespräche und Interviews zur Verfügung?

_Petzold:_
Aber ja doch, selbstverständlich. Je mehr, je lieber!

_Buchwurm.info:_
Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl der Gesellschaft, international wie lokal?

_Petzold:_
Die Mitgliederzahl ist über viele Jahre recht stabil geblieben, sie liegt derzeit bei rund 250. Davon wohnen etwa 60 im Ausland, nicht nur im europäischen. Sogar in Neuseeland, Kanada, Taiwan und Japan hat die Inklings-Gesellschaft Mitglieder.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Mit welchen Themen können Mitglieder und solche, die sich für die Gesellschaft interessieren, auf kommenden Jahreskonferenzen rechnen? Gibt es eine gewisse Kontinuität im Rückblick?

_Petzold:_
Nach dem populärkultur-orientierten Symposium 2010 steht 2011 wieder ein eher spezielles Thema an, und zwar soll es bei der Tagung in Leipzig um den „unbekannten _Conan Doyle_“ gehen, der eben nicht nur die berühmten Sherlock-Holmes-Geschichten schrieb, sondern auch eine Menge phantastischer Texte.

Wie’s danach weitergeht, wird die nächste Mitgliederversammlung im Oktober zeigen. Viel hängt auch immer vom ehrenamtlichen Einsatz einzelner Mitglieder ab.

Bei der Themenwahl war bisher Abwechslung wichtiger als Kontinuität. Das kann man an den Themen der letzten zehn Jahre ablesen, die im Übrigen zeigen, dass wir auch vor der Sciencefiction und der Gothic-Fiction nicht die Augen verschließen:

2009: Der Vampir: Von der Dämmerung der Gothic Novel bis zum Morgen-Grauen des Teenieromans
2008: Hybris und Heil: (Bio)ethische Fragen in phantastischer Literatur
2007: Entfesselte Kräfte: Technikkatastrophen und ihre Vermittlung
2006: Owen Barfield: Visions and Revisions
2005: George MacDonald
2004: Religion in der Fantasy und Science Fiction
2003: Technik – Mythos – Medien
2002: Phantastische Tierwelten
2001: Fremde Welten in Texten und Bildern
2000: Zukunft des Phantastischen – Phantastik des Zukünftigen

http://www.inklings-gesellschaft.de

Leseprobe zu »Die Bestie von Florenz«

… Spezis Überlegungen wurden von der Ankunft von Hauptkommissar Sandro Federico unterbrochen, der in Begleitung eines Staatsanwaltes namens Adolfo Izzo und den Leuten von der Spurensicherung erschien. Federico hatte die typisch römische, lockere Art und gab sich stets nonchalant und leicht amüsiert. Izzo hingegen war auf seinem ersten Posten und erschien gespannt wie eine Feder. Er sprang aus dem Streifenwagen und stürzte auf Spezi los. „Was haben Sie hier zu suchen?“, fragte er zornig.

„Ich arbeite.“

„Sie müssen den Tatort auf der Stelle verlassen. Sie können hier nicht herumstehen.“

„Schon gut, schon gut …“ Spezi hatte alles gesehen, was er sehen wollte. Er steckte Stift und Notizbuch ein, stieg in seinen Wagen und fuhr zurück zum Polizeipräsidium. Im Flur vor Cimminos Büro lief er einem Wachtmeister über den Weg, den er gut kannte; sie hatten sich hin und wieder einen Gefallen erwiesen. Der Polizist zog ein Foto aus der Tasche und hielt es ihm hin. „Wollen Sie es haben?“

Das Foto zeigte die beiden Opfer lebendig, Arm in Arm auf einer niedrigen Mauer sitzend.

Soezi nahm es. „Ich bringe es später am Nachmittag wieder zurück, wenn wir es kopiert haben.“

Cimmino nannte Spezi die Namen der beiden Opfer: Carmela De Nuccio, einundzwanzig Jahre alt, hatte für das Modehaus Gucci in Florenz gearbeitet. Der Mann hießt Giovanni Focci, war dreißig Jahre alt und Angestellter des örtlichen Stromversorgers. Die beiden waren verlobt. Ein Polizist, der an seinem freien Tag einen Sonntagsspaziergang in den Hügeln gemacht hatte, hatte die beiden um halb elf gefunden. Das Verbrechen war kurz vor Mitternacht geschehen, und es gab gewissermaßen einen Zeugen dafür: einen Bauern, der auf der anderen Straßenseite wohnte. Er hatte John Lennons „Imagine“ aus einem Auto gehört, das auf den Feldern geparkt war. Der Song war mittendrin plötzlich abgebrochen. Er hatte keine Schüsse gehört. Die Schüsse waren aus einer Pistole abgefeuert worden – die zurückgebliebenen Hülsen gehörten zu Geschossen der Winchester Serie H, Kaliber 22. Cimmino sagte, die beiden Opfer seien sauber und hätten keine Feinde, bis auf den Mann, den Carmela verlassen hatte, als sie Giovanni kennengelernt hatte.

„Es ist beängstigend“, sagte Spezi zu ihm. „Ich habe so etwas hier in der Gegend noch nie gesehen … Und wenn man erst daran denkt, was die Tiere mit ihr gemacht -“

„Welche Tiere?“, unterbrach ihn Cimmino.

„Die Tiere, die in der Nacht an der Leiche waren … die das Mädchen so verstümmelt haben … zwischen den Beinen.“

Cimmino starrte ihn an. „Tiere, von wegen! Der Mörder hat das getan.“

Spezi wurde eiskalt. „Der Mörder? Was hat er getan, auf sie eingestochen?“

Kommissar Cimmino antwortete ihm in besonders nüchternem Tonfall, vielleicht seine Art, das Grauen zurückzudrängen. „Nein, er hat nicht auf sie eingestochen. Er hat ihr die Vulva herausgeschnitten … und sie mitgenommen.“

Spezi verstand nicht sofort. „Er hat ihre Vulva mitgenommen? Wohin?“ Sobald er die Frage ausgesprochen hatte, wurde ihm klar, wie dumm sie sich anhörte.

„Sie ist einfach nicht mehr da. Er hat sie eben mitgenommen.“

|[Leseprobe]http://www.droemer-knaur.de/sixcms/media.php/201/LP__Die__Bestie__von__Florenz.pdf der ersten 17 Buchseiten als pdf-Datei|
http://www.prestonchild.de
http://www.knaur.de

Interview mit Frank Haubold

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Frank Haubold:_
Danke der Nachfrage, im Grunde gar nicht so schlecht, zumal es draußen tatsächlich doch noch Frühling geworden ist. Ich bin zu Hause und sitze – wie zumeist in den Abendstunden – am Computer. Im Moment denke ich darüber nach, welcher unfertige Text vielleicht doch noch zu retten ist.

_Buchwurm.info:_
Unsere Leser bei |Buchwurm.info| kennen Sie vielleicht noch nicht so gut. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

_Frank Haubold:_
Ich bin 55 Jahre alt und schreibe seit rund 20 Jahren überwiegend Kurzgeschichten und Erzählungen. Nach dem Abitur habe ich Informatik an der TU Dresden studiert und nach ein paar Jahren Berufspraxis an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau in einem Dorf namens Waldsachsen nahe der Stadt Meerane auf halber Strecke zwischen Gera und Chemnitz.

_Buchwurm.info:_
Wie kamen Sie zum Schreiben und was fasziniert Sie besonders am Genre der Sciencefiction und Fantasy?

_Frank Haubold:_
Ich denke, ich bin – wie vermutlich die meisten Autoren – irgendwann beim Lesen auf die Idee gekommen, eigene Texte zu verfassen. Man liest einen besonders gelungenen Roman oder eine Erzählung und denkt sich: Das möchtest du auch können. Es gehört allerdings eine gewisse Besessenheit dazu, diesen Wunsch dann auch in die Tat umzusetzen. Sciencefiction und Fantasy sind eigentlich Subgenres der Phantastik. Dieses Genre bietet dem Autor eine Fülle von Möglichkeiten, Dinge geschehen zu lassen, die normalerweise unmöglich scheinen. Daraus sollte man aber nicht den Rückschluss ziehen, dass phantastische Texte nichts mit der Realität zu schaffen haben.

_Buchwurm.info:_
Was war Ihr erstes Buch? Worum geht es darin und was hat Sie an diesem Thema besonders interessiert?

_Frank Haubold:_
Mein erstes Buch „Am Ufer der Nacht“ handelt von einem jungen Mann namens Robert, der von unheimlichen Träumen heimgesucht wird. Erst nach und nach findet er heraus, dass sie einem bestimmten Muster folgen und ihn letztlich in die Lage versetzen, sich gemeinsam mit seinen Freunden einer drohenden Katastrophe entgegenzustellen. Die Handlung ist überwiegend frei erfunden, dennoch trägt der Protagonist einige autobiographische Züge und einige der geschilderten Ereignisse haben tatsächlich so oder ähnlich stattgefunden.

_Buchwurm.info:_
Ihr neuestes Buch ist „Die Sternentänzerin“. Worum geht es in diesen Erzählungen und was war für Sie von besonderem Interesse an diesen Themen?

_Frank Haubold:_
Es handelt sich um eine Zusammenstellung von phantastischen Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2009, darunter die 2008 mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnete Geschichte „Heimkehr“. Mein Favorit ist allerdings die titelgebende Erzählung, die den Lebensweg der russischen Tänzerin Lena Romanowa beschreibt, die bei einem Gastspiel in ihrem Heimatort durch ein Attentat schwer verletzt wird und erst viele Jahre später aus dem Koma erwacht. Mit unglaublicher Energie lernt sie wieder laufen und sogar tanzen und feiert schließlich ein unglaubliches Comeback zwischen den Sternen. Ich habe – auch aufgrund der aufwendigen Recherchen – sehr lange an dieser Geschichte gearbeitet, denke aber, es war der Mühe wert.

_Buchwurm.info:_
Sind Sie mit dem Erfolg Ihrer Bücher bislang zufrieden? Welche Publikumsreaktionen haben Sie am meisten gefreut? Welche fanden Sie unverständlich?

_Frank Haubold:_
Erfreulicherweise sind die meisten Reaktionen positiv, aber das allein bestimmt nicht den (wirtschaftlichen) Erfolg eines Buches. Dazu bedarf es medialer Präsenz, eines bekannten Namens und eines gewissen Werbeetats seitens des Verlages. Was ich schreibe und bislang veröffentlichen konnte, sind im Grunde Außenseiter-Publikationen. Mein größter Erfolg war zweifellos der Gewinn des Deutschen Science-Fiction-Preises 2008 in beiden Kategorien mit dem Roman „Die Schatten des Mars“ und der Erzählung „Heimkehr“, und natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut. Unverständliche Reaktionen auf einzelne Texte gibt es auch hin und wieder, wobei die Vorstellung ohnehin illusorisch ist, als Autor alle Erwartungen bedienen zu können.

_Buchwurm.info:_
Ist es für Sie wichtig, engen Kontakt zu Ihrem Publikum zu halten, beispielsweise auf Conventions oder in einem Verband? Bietet Ihnen das Internet dazu inzwischen bessere Möglichkeiten?

_Frank Haubold:_
Da ich nicht unbedingt zu den Reiselustigsten gehöre, besuche ich nur wenige Conventions, verdanke diesen Treffen aber eine Reihe durchaus interessanter Begegnungen. Der Hauptteil der Kommunikation findet allerdings im Internet und per Mail statt. Ich bin in einigen Foren aktiv (nicht nur im Bereich der Phantastik), betreibe eine eigene Homepage und halte Kontakt mit zahlreichen Autorenkollegen und Lesern.

_Buchwurm.info:_
Warum erscheint Ihr Band „Die Sternentänzerin“ nicht in einem der „großen“ Verlage wie |Lübbe| oder |Heyne|, sondern in einem fast unbekannten wie |p.machinery|? Hat dies bestimmte Vorteile?

_Frank Haubold:_
Der Hauptvorteil ist zweifellos Umstand, dass das Buch überhaupt erscheint. Großverlage wie |Heyne| haben kein Interesse an Anthologien oder Collections, weil sie sich angeblich schlecht verkaufen. Das bewahrheitet sich dann im Einzelfall auch im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung, da diese Bücher kaum beworben und schon gar nicht aktiv in die Buchhandlungen gebracht werden. Das war in den 90er Jahren noch anders, wo man in fast jeder Buchhandlung auf die eine oder andere |Heyne|-Anthologie stieß. Heute läuft das Geschäft nach dem Motto: Nur nichts riskieren. Das ist aber kein Phänomen, das sich auf das Verlagswesen beschränkt.

_Buchwurm.info:_
Sie veröffentlichen beim [EDFC.]http://www.edfc.de/ Welche Bedeutung hat dieser Klub für Sie und für die Szene der phantastischen Literatur in Deutschland?

_Frank Haubold:_
Der EDFC Passau ist zweifellos einer der ältesten und renommiertesten Fantasy-Clubs in Deutschland, der über viele Jahre seine Mitglieder mit einer Fülle von Publikationen bedienen konnte, die von den Magazinen „Fantasia“ und „Quarber Merkur“ über Sekundärliteratur bis hin zu einer kleinen, aber exklusiven belletristischen Reihe reichte. Bedingt durch Mitgliederschwund und Mittelknappheit erscheinen die EDFC-Publikationen seit einiger Zeit allerdings nur noch in elektronischer Form, was nicht nur aus Autorensicht zu bedauern ist.

_Buchwurm.info:_
Können Sie von Ihren Veröffentlichungen leben oder haben Sie noch einen anderen Broterwerb?

_Frank Haubold:_
Vom Erlös seiner Bücher leben zu können, ist eine angenehme Vorstellung, die aber nicht nur bei mir mit der Realität kollidiert. Es gibt wohl kaum einen mühsameren Broterwerb als den eines freischaffenden Schriftstellers. Da ich nur ungern unter Brücken schlafen möchte, arbeite ich tagsüber in einer Klinik als Abteilungsleiter im Bereich Medizintechnik und Informatik. Das regelmäßige Einkommen garantiert mir auf der anderen Seite eine gewisse Unabhängigkeit bei meiner schriftstellerischen Tätigkeit, was kein geringer Vorzug ist.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Frank Haubold:_
Wenn ich nicht gerade schreibe oder Texte redigiere, bin ich gern mit dem Fahrrad unterwegs, mache Urlaub im Süden und spiele – wenn auch mehr schlecht als recht – zwölfsaitige Gitarre. Musik (zwischen |Doors| und |Pink Floyd|) höre ich allerdings meist nur im Auto.

_Buchwurm.info:_
Was würden Sie sich für die Szene der phantastischen Literatur in Deutschland (SF, Fantasy, RPG etc.) wünschen, wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

_Frank Haubold:_
O je, auch das ist keine einfache Frage. Natürlich würde ich mir wünschen, dass jüngere Menschen mehr Sciencefiction oder überhaupt phantastische Literatur lesen, was dann auch dazu führen könnte, dass sich die großen Publikumsverlage in diesem Bereich stärker und vielleicht auch kompetenter engagieren. Ebenso wünschenswert wäre eine Abkehr vom gegenwärtigen Schubladendenken auch innerhalb der Phantastik-Szene, das dazu führt, dass viele SF-Anhänger kaum Horror oder Weird Fiction lesen und umgekehrt. Und fern der Realität würde ich gern Merlin, dem Magier, oder Graf Dracula dabei zusehen, wie sie all die überflüssigen König-Artus- und Vampir-Schinken in Bäume zurückverwandeln.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? Wann erscheint Ihr nächstes Buch?

_Frank Haubold:_
Wie bereits angedeutet, arbeite ich derzeit an mehreren Projekten, von denen die meisten allerdings noch nicht spruchreif sind. Unter Umständen ergibt sich demnächst die Möglichkeit zu einer Publikation in Großbritannien – eine Sammlung von Horrorgeschichten in Zusammenarbeit mit einer englischen Kollegin. Außerdem arbeite ich daran, meine im Januar bei |Atlantis| erschienene Erzählung „Die Gänse des Kapitols“ zu einem Roman, einer klassischen Space Opera, zu erweitern. Außerhalb des Genres plane ich gegenwärtig eine Anthologie unter dem Arbeitstitel „Der Traum vom Meer“, die aber noch in den Kinderschuhen steckt. Aktuelle Informationen, Rezensionen und Leseproben sind auf meiner Homepage [www.frank-haubold.de]http://www.frank-haubold.de zu finden.

_Bibliographie_

|_Buchausgaben:_|

_“Am Ufer der Nacht“_ (1997), Roman in Erzählungen.
_“Der Tag des silbernen Tieres“_ (mit Eddie M. Angerhuber, 1999), EDFC Passau. Unter anderem mit der Erzählung „Das Große Rennen“, 2. Platz beim Deutschen Science-Fiction-Preis 2000.
_“Das Tor der Träume“_ (Phantastische Erzählungen, 2001), EDFC Passau. Der Erzählungsband wurde für den Deutschen Phantastik-Preis 2002 nominiert, zwei Geschichten für den Deutschen Science-Fiction-Preis und für den Deutschen Phantastik-Preis.
_“Das Geschenk der Nacht“_ (Phantastische Erzählungen, 2003), EDFC Passau. Zwei Geschichten wurden für den Deutschen Science-Fiction-Preis 2004 nominiert, die Story „Die weißen Schmetterlinge“ zusätzlich für den Deutschen Phantastik-Preis 2004 (2. Platz).
[_“Wolfszeichen“_]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4716 (Phantastische Erzählungen, 2007), Edition Lacerta. Zwölf unheimliche Kurzgeschichten und Erzählungen aus den Jahren 1997 bis 2007.
[_“Die Schatten des Mars“_]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4726 (Episoden-Roman, 2007), EDFC Passau. Illustrierte Liebhaberausgabe (Hardcover, Leinen), ausgezeichnet mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis 2008
_“Die Sternentänzerin“_ (Collection, 2009), p.machinery Murnau. Zehn Science-Fiction-Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2009, Illustrierte Paperback-Ausgabe.

|_Als Herausgeber (Auswahl):_|

[_“Das schwerste Gewicht“_]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2352 (Jahresanthologie 2005, EDFC Passau)
[_“Die Jenseitsapotheke“_]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3256 (Jahresanthologie 2006, EDFC Passau)
_“Die Rote Kammer“_ (Jahresanthologie 2008, EDFC Passau)
_“Das Experiment“_ (Jahresanthologie 2009, EDFC Passau)

|_Erzählungen (Auswahl):_|

_Der Garten der Persephone_ (2001), in |“Reptilienliebe“, Heyne|
_Der Mann auf der Brücke_ (2001), in |“Weihnachtszauber“, Lübbe|
_Die Stadt am Fluß_ (2005) in [|“Der ewig dunkle Traum“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1899 BLITZ-Verlag|
_Die Legende von Eden_ (2005) in [|“Die Legende von Eden“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1990 Shayol|
_Das Orakel_ (2006) in |“Plasmasymphonie“, Shayol|
_Die Tänzerin_ (2007) in „Der Moloch“, Shayol
_Heimkehr_ (2007) in |“S.F.X.“, Wurdack|
_Die Gänse des Kapitols_ (2010) in |“Weltraumkrieger“, Atlantis|

Interview mit Lea Korte

_Buchwurm.info:_
Hallo, Frau Korte, wie geht es Ihnen, wo sind Sie gerade und was machen Sie?

_Lea Korte:_
Wie es mir geht, hat mich in einem Interview noch nie jemand gefragt – ich finde das sehr nett! Danke, es geht mir gut – wie auch nicht, wo der Frühling endlich zu seinem Recht kommt! 🙂 Ich bin in Spanien, wo ich seit fast zwanzig Jahren lebe, und ich plane einen neuen Roman, was immer sehr aufregend ist!

_Buchwurm.info:_
Unsere Leser bei |Buchwurm.info| kennen Sie vielleicht noch nicht so gut. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

_Lea Korte:_
Ich bin Jahrgang ’63, verheiratet, habe zwei Kinder (9 und 13), einen (reichlich!) verrückten Hund und eine schwarze Katze, die auch nicht viel normaler ist. Alles andere würde aber wahrscheinlich auch nicht zu uns passen. 😉

Mancher fragt sich nach meiner Anmerkung oben sicher, wie ich nach Spanien gekommen bin. Nun, mit zwölf war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal am spanischen Mittelmeer und habe damals ganz naiv beschlossen, dass ich später dort leben will – und das „Später“ sollte nicht erst im Rentenalter sein. Mit dem Schreiben war es ähnlich: Das war auch so ein früher, höchst naiver „Beschluss”, weil ich von den „Buddenbrooks“ so begeistert war. Dass später beides geklappt hat, zeigt, dass man seine Kinderträume manchmal doch in die Tat umsetzen kann.

Ja, ich schreibe Romane, derzeit vor allem historische Romane, und ich bleibe sicher auch dabei, denn die haben mich richtig gepackt. Mein Thema ist – wie sollte es anders sein – die spanische Geschichte, die voller Dramatik und spannender Geschichten ist – die ideale Grundlage also für Romane!

Lesen und Schreiben sind für mich sehr wichtig, so wichtig, dass ich darüber schon mal das eine oder andere vergesse, was man besser nicht vergessen sollte. 😉 Und seit ich mit den historischen Romanen angefangen habe, fesselt mich das Schreiben sogar noch mehr.

Wer noch mehr über mich und meine Arbeit wissen möchte, findet auf meiner Webseite http://www.leakorte.com und auf meinem Blog http://www.leakorte.wordpress.com ständig neue Informationen.

_Buchwurm.info:_
Wie kamen Sie zum Schreiben und was fasziniert Sie besonders am Genre des historischen Romans?

_Lea Korte:_
Zum Schreiben kam ich einmal, weil ich mich in die Figuren von Thomas Mann verliebt habe. Man kann sie laufen, gehen, weinen SEHEN – und dass man dies nur mit Worten erreichen kann, hat mich fasziniert. Gleich nach dem Studium habe ich ganz ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und hatte das große Glück, auf Anhieb einen Agenten zu finden, mit dem ich auch heute noch zusammenarbeite und dank dessen Vermittlung ich inzwischen sieben Bücher veröffentlicht habe.

Früher habe ich unter anderem Pseudonym sogenannte Frauenromane geschrieben, wobei der letzte eigentlich schon eher ein Entwicklungsroman war. Aber ich wollte irgendwie „mehr“. „Nur“ Geschichten zu erzählen war mir irgendwann zu wenig. Und so kam ich zu den historischen Romanen. Mein Ziel ist dabei, Vergangenem neues Leben einzuhauchen. Bei „Die Nonne mit dem Schwert“ habe ich Catalina de Erauso, die im 17. Jahrhundert wirklich gelebt hat, ihre Geschichte erzählen lassen; bei [„Die Maurin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6248 lasse ich die Leser die letzten 15 Jahre der Reconquista im 15. Jahrhundert anhand der Geschichte der (fiktiven) Zahra as-Sulami miterleben.

_Buchwurm.info:_
Worum genau geht in „Die Nonne mit dem Schwert“ und was hat Sie an diesem Thema besonders interessiert?

_Lea Korte:_
„Die Nonne mit dem Schwert“ war mein erster historischer Roman, der auf der Autobiografie von Catalina de Erauso beruht, also in großen Bereichen wahr ist. Das Mädchen war von seinen Eltern – gegen seinen Willen – ins Kloster gesteckt worden. Eines Tages ergibt sich für sie die Möglichkeit zu fliehen, die sie natürlich sofort wahrnimmt. Doch als Mädchen hat sie „draußen“ kaum Überlebenschancen. Sie stiehlt sich die Kleider eines Jungen, schneidet ihr langes Haar ab – und lebt fortan als Junge.

Im Gegensatz zu den „Hosenromanen“ haben wir es hier mit einer wahren Geschichte zu tun, in der man überdies sehr viel von der Geschichte der damaligen Zeit mitbekommt: Es ist die Zeit der Eroberung Südamerikas durch die Spanier, die Zeit der Inquisition – und die Kirche hat es Frauen damals verboten, das Haar „nach Sklavenart kurz geschoren“ und Männerkleider zu tragen. Kurz zuvor war Johanna von Orleans unter eben diesem Vorwand in England auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Und auch Catalina schwebt in ständiger Gefahr … Ihre Autobiografie trägt den Titel „Die Nonne Fähnrich“ – so dass man schon ahnen kann, was zumindest einen Teil ihres mehr als aufregenden Lebens ausmacht … Aber mehr will ich hier nicht verraten.

Für mich war es sehr spannend nachzuempfinden, wie sich Catalina nach der Flucht aus dem Kloster gefühlt haben muss. Ihre Verlorenheit, ihre Ängste – und den Mut, den sie finden musste, ihr Leben – und ein gefahrvolles noch dazu! – künftig allein zu meistern. Catalina de Erauso war in meinen Augen eine wirklich bemerkenswerte Frau!

_Buchwurm.info:_
Warum nehmen Sie an, dass dieses Thema auch heutige Leser besonders interessieren könnte oder sollte?

_Lea Korte:_
Catalina war eine Frau, die sich nicht mit der ihr vorgegebenen Rolle zufrieden geben wollte. Auch heute werden wir noch oft genug in Rollen gedrängt – und das hat mit Emanzipation gar nichts zu tun. Es sind die Erwartungen anderer, die uns eingrenzen – wenn wir es zulassen. Catalina hat beschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen, allen Gefahren zum Trotz. Ich finde, es ist eine Geschichte, die Mut macht, dass wir auch heute unser Leben selbst in die Hand nehmen sollten, egal, was andere denken.

_Buchwurm.info:_
Ihr neuestes Buch ist [„Die Maurin“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6248 Worum geht es darin und was war für Sie von besonderem Interesse an diesem Thema?

_Lea Korte:_
„Die Maurin“ spielt zu einer Zeit, die meine historische Lieblingsepoche ist: dem Ende der Reconquista. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Spanien, wie wir es heute kennen, noch sehr jung ist. Im 15. Jahrhundert existierte es noch nicht. Es gab es nur Kastilien, Aragón, Navarra – und Al-Andalus. Und in Al-Andalus regierten keine „Spanier“, sondern die Mauren, Muslime, die einst von den arabischen Ländern in Afrika gekommen waren und die dort zum Zeitpunkt meines Romans schon seit 700 Jahren herrschten.

Mich reizte vieles an dem Thema, aber vor allem die Konflikte zwischen Christen und Muslimen.

Zahra as-Sulami ist eine junge Frau, die zwischen diesen beiden Kulturen groß wird: Ihr Vater ist ein maurischer Adliger, ihre Mutter Kastilierin. Als Hofdame Aischa, der Sultanin von Granada, erhält sie besonders tiefe Einblicke in die sich zuspitzenden Konflikte zwischen den Mauren und den Kastiliern – und gerät bald sogar mitten zwischen die Fronten, und das mit dem Kopf und mit dem Herz …

_Buchwurm.info:_
Was fesselt den heutigen Leser an dieser Thematik?

_Lea Korte:_
Die Konflikte zwischen Muslimen und Christen sind auch aktuell ein höchst brisantes Thema. Da kann ein Blick in die Vergangenheit schon mal hilfreich sein: Im Maurenreich lebten Christen, Juden und Muslime nämlich über Jahrhunderte (!) friedlich und einvernehmlich zusammen, weil die Mauren in ihrem Reich den Toleranzgedanken groß geschrieben hatten. Ja, wir könnten viel lernen aus dieser Zeit – und es wäre schön, wenn der Roman zumindest einen kleinen Denkanstoß in diese Richtung geben könnte.

_Buchwurm.info:_
Als Erzählerin bleiben Sie in „Die Maurin“ weitgehend neutral. Fiel es Ihnen schwer, sich nicht für die eine oder andere Partei zu entscheiden?

_Lea Korte:_
Nun ja, ein bisschen mehr ist meine Sympathie vielleicht schon bei den Mauren, aber im Großen und Ganzen war es mir wichtig zu zeigen, dass es auf beiden Seiten Menschen gab, die es verdienen, dass man sie achtet, weil sie sich für friedliche Lösungen und ein friedliches und toleranteres Miteinander einsetzten. Es gibt nicht DEN Christen und auch nicht DEN Muslimen. Es gibt – für mich – nur den Menschen, der dahintersteht. Und Menschen (!) gab es auf beiden Seiten.

_Buchwurm.info:_
Greifen Sie bei Ihren historischen Recherchen auf besonders kompetente Quellen wie etwa eine Universitätsbibliothek zurück? Beschäftigen Sie auch gesonderte Forscher?

_Lea Korte:_
Bei „Die Maurin“ hatte ich nicht nur eine Universitätsbibliothek sondern auch ein „wandelndes Lexikon“ zur Unterstützung: Prof. Dr. Jordi Aguadé von der Universität Cadiz, der genau das Thema meines Romans als seinen Forschungsschwerpunkt hat, und seine Frau Laila, die eine Spezialistin für alle Fragen ist, die den Islam betreffen. Beide haben mir während des ganzen Romans beratend und überdies mit großem Elan zur Seite gestanden.

Für mich war es wichtig, nicht nur die Geschichte der fiktiven Zahra as-Sulami und ihrer Familie zu erzählen, sondern zugleich auch die Geschichte dieser letzten 15 Jahre der Reconquista – und das nicht einseitig, sondern mit einem Blick auf beide Seiten: die christlich-kastilische und die muslimisch-maurische.

_Buchwurm.info:_
Sind Sie mit dem Erfolg Ihrer Bücher bislang zufrieden? Welche Publikumsreaktionen haben Sie am meisten gefreut? Welche fanden Sie unverständlich?

_Lea Korte:_
Die Verkaufszahlen für „Die Maurin“ werde ich selbst erst im Herbst erhalten, aber ich weiß, dass „Die Maurin“ schon zwei Monate nach Erscheinen zum ersten Mal nachgedruckt wurde – was ja doch ein Zeichen dafür ist, dass sie sich gut verkauft. Auch „Die Nonne mit dem Schwert“ hat sehr viele Leser gefunden, zumal sie auch im |Club| (Bertelsmann) und bei |Weltbild| als Lizenz herauskam.

Die Leserreaktionen auf „Die Maurin“ sind bisher durchweg sehr positiv, was mich riesig freut. Nach den ersten Online-Leserunden kann ich überdies sagen, dass die Leser sich wirklich in das Buch hereingezogen gefühlt und besonders lobend erwähnt haben, dass ich nicht einfach nur eine Geschichte im Mittelalter erzähle, sondern es mir gelungen ist, der Geschichte der Reconquista mit Zahra neues Leben einzuhauchen, der Roman also Historisches und Fiktives so verbindet, dass der Leser quasi nebenbei und höchst unterhaltend auch noch Geschichtsunterricht bekommt.

Bei [www.amazon.de]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3426502305/powermetalde-21 sind einige der Rezensionen aus den Leserunden zu lesen, die eben diese Kommentare widerspiegeln. Meine Lieblingsrezension ist derzeit wohl die von Rita del’Agnese bei der histo-couch: http://www.histo-couch.de/lea-korte-die-maurin.html. Auf dieser Webseite wurde ich mit der „Maurin“ auch zum „Historikus“ des Monats März gewählt, was mich riesig gefreut hat und ich als besondere Ehre empfunden habe.

Auch anderen Webseiten ist „Die Maurin“ schon positiv aufgefallen: Bei http://www.historische-romane.de war ich im Februar Autor des Monats, bei http://www.lovelybooks.de ist „Die Maurin“ gerade auf Platz 4 der Frühlingsbücher 2010 gelandet und war damit der am besten platzierte historische Roman. Und „Die Maurin“ ist ja erst seit kurzem auf dem Markt. Unverständlich fand ich bisher noch keine Rezension, zumal sie ja bis dato alle erfreulich gut bis supergut waren.

_Buchwurm.info:_
Welchen Interessen und Hobbys widmen Sie sich in Ihrer Freizeit? Engagieren Sie sich auch sozial?

_Lea Korte:_
Mit einer Familie und einer so intensiven Arbeit wie dem Schreiben und Recherchieren für historische Romane ist man gut beraten, wenn die Arbeit zugleich auch Hobby ist. Bei mir ist es so: Auch in meiner „Freizeit“ lese und recherchiere ich. Als Freizeit betrachte ich die Zeit, die ich auf dem Sofa oder am Strand mit Lesen und Korrekturen verbringe, als Arbeit den Teil, den ich in meinem Arbeitszimmer erledige. 😉

Darüber hinaus spiele ich Klavier und unternehme gern etwas mit meiner Familie. Sozial engagiere ich mich vor Ort.

_Buchwurm.info:_
Welches Thema möchten Sie als nächstes aufgreifen?

_Lea Korte:_
Das Thema Muslime-Juden-Christen hat mich ziemlich gepackt, so dass ich wohl auch meinen nächsten historischen Roman in diesem Bereich ansiedeln werde. Auch nach der Reconquista gehen die Konflikte nämlich weiter, und eigentlich wird es dann sogar noch spannender! Genaueres aber weiß ich noch nicht, weil dies noch mit dem Verlag besprochen werden muss.

_Werkverzeichnis:_

1) Die Maurin, Droemer Knaur, Februar 2010
2) Die Nonne mit dem Schwert, Droemer Knaur, April 2007
3) Das steinerne Auge. Historischer Episodenroman.

http://www.leakorte.com
http://www.leakorte.wordpress.com
[facebook: Lea Korte – Historische Romane, Lea Korte]http://www.facebook.com/pages/Lea-Korte-Historische-Romane/274631567914
http://www.twitter.com/leakorte

Interview mit Markus Heitz

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Hoffentlich gut! Wo sind Sie und was machen Sie gerade?

_Markus Heitz:_
Danke, alles bestens. Bin zu Hause und überarbeite JUDASTÖCHTER.

_Buchwurm.info:_
Sind Sie von Ihrer Lesetour für [„Judassohn“]http://www.buchwurm.info/news/anzeigen.php?news__id=7394 bereits zurückgekehrt und haben Zeit für andere Projekte?

_Markus Heitz:_
Es war umgekehrt: Ich habe die Tour zu den JUDASTÖCHTERN gelegt. Wie man an meinem [Tourbericht]http://www.judassohn.com sehen kann, war ich unterwegs fleißig und habe auch am nächsten Buch gearbeitet.

_Buchwurm.info:_
Warum und wozu haben Sie auf Ihrer aktuellen Lesetour Musiker und eine Tänzerin engagiert? Wie ist die Resonanz des Publikums gewesen?

_Markus Heitz:_
|Knaur| wollte das Buch nicht im üblichen Rahmen präsentieren, sondern etwas Neues machen. So war der Gedanke an eine Tour plötzlich im Raum. Wir haben überlegt, welche Bands ich kenne, welche Bands infrage kommen und wie man verschiedene Szenen unterstützen bzw. anders darstellen könnte, beispielsweise einen Tanz (Dolchkampf, Fluch). So kamen wir zu (der Band) [Persephone]http://www.persephone-home.de und (der Tänzerin) Asherah Latifa. Die Resonanz darauf war sehr gut.

_Buchwurm.info:_
Sie haben bereits 2009 eine [Lesetour]http://www.die-zwerge-live.de mit dem Sprecher Johannes Steck unternommen, um Ihr Fantasy-Epos „Die Zwerge“ auf die Bühne zu bringen. Wie war der Erfolg dieser Multimedia-Show mit Musik, Video und Sound?

_Markus Heitz:_
Stimmt nicht ganz. Johannes hat das Zwergeprojekt alleine angestoßen und umgesetzt. Ich konnte mich hinsetzen und genießen. Der Erfolg gab seiner tollen Idee Recht, und es wird nun an eine Fortführung gedacht. Mehr darf ich dazu nicht sagen.

_Buchwurm.info:_
Stoßen Sie mit solchen Literatur-Shows in eine Marktlücke? Was sind die Gründe für Ihren Erfolg damit?

_Markus Heitz:_
Na ja, wenn man als Erster etwas tut, kann man damit auf die Schnauze fallen oder belanglos sein oder man wird gefeiert. Mit der JUDASSOHN-Tour hatten wir das Glück, sehr gut angenommen zu werden. Es gefiel den Leuten auch, mehr als eine Standard-Lesung zu bekommen – obwohl sie anfangs auch nicht wussten, was auf sie zukommt. Wir haben ein Konzept entwickelt, das angenommen wurde. Sollten das andere Autoren auch anpacken, würde mich das freuen. Es tut allen gut: dem Autor, den Künstlern, dem Werk und nicht zuletzt den Besuchern. Wir haben was Neues gewagt, und wir freuen uns, dass es gefallen hat. Aber mein Schwerpunkt liegt natürlich derzeit auf dem Schreiben.

_Buchwurm.info:_
Sie schrieben anfangs Heroic Fantasy, dann auch Phantastic Horror, jetzt versuchen Sie sich im Genre Science Fiction. Sind Sie ein Autor, der gerne experimentiert und seine Fähigkeiten testet?

_Markus Heitz:_
Immer diese Begrifflichkeiten. Ich würde eher sagen: Am Anfang war Fantasy (Ulldart), danach Cyberpunk (Shadowrun), danach High Fantasy („Zwerge“), danach kamen Horror („Ritus“ etc.), was heute Urban Fantasy/Mystery heißt, und Phantastik („Mächte des Feuers“). Früher hatte ich schon Kurzgeschichten in Sachen Space Fiction geschrieben, die Idee zum Roman COLLECTOR stammt aus dem Jahr 2003. Es war an der Zeit, den Stoff umzusetzen. Ich schreibe gerne, und schreiben ist Abwechslung. Sich nur auf eine Sparte zu beschränken, wäre Eigenzensur, wie ein Zehnkämpfer, den man nur laufen lässt, obwohl er mehr könnte. Es wird eines Tages auch Krimis oder rein humoristische Sachen von mir geben. Alles zu seiner Zeit.

_Buchwurm.info:_
Könnten Sie unseren Lesern bitte ein wenig über Ihren SF-Roman erzählen, der im September erscheinen soll? Wie lange haben Sie an diesem Projekt gearbeitet?

_Markus Heitz:_
Die Arbeit selbst war wie immer ein halbes Jahr. Es hat sich ergeben, dass ich mir letztes Jahr ein altes Rollenspiel namens JUSTIFIERS kaufen und es als Erweiterung der Romanwelt einsetzen konnte. Es kommt also ein klassisches Pen&Paper-Rollenspiel, Comics und ab Dezember eine eigene Taschenbuchserie JUSTIFIERS, bei der deutsche Autoren Romane in der JUSTIFIERS-Welt schreiben werden. Den Anfang macht [Christoph Hardebusch]http://www.hardebusch.net („Die Trolle“).

Der Roman [COLLECTOR]http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=320634 ist der Auftakt für dieses neue Universum und soll neugierig machen, indem er eine abgeschlossene Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht Kris, eigentlich ein Trucker, der durch einen unschönen Zufall in die Dienste eines Großkonzerns treten muss und als Pilot auf eine Erkundungsmission geschickt wird. Er und die Mannschaft sollen mehr über die COLLECTOR herausfinden. Die Collector sind eine technisch höher stehende Rasse, die den Menschen vorgerechnet hat, dass sie im Vergleich zu den übrigen Spezies im All zu wenige und vom Aussterben bedroht sind. So stellen die Collector etliche Planeten unter ihre Obhut und beginnen – gegen den Willen der Bevölkerung – mit allerlei chemischen und biologischen Stoffen ein Aufzuchtprogramm. Dass das die Menschen nicht lustig finden, liegt auf der Hand. Eine alte philosophische Frage wurde damit eingebunden, wenn man so möchte. Kris gerät mitten hinein – in die Intrigen der Konzerne, in Abenteuer, an die Liebe seines Lebens und an seinen Vater, den man für verschollen gehalten hat.

_Buchwurm.info:_
Was könnte Ihre bisherigen Leser daran gefallen, oder ist es Ihnen wichtiger, mit SF neue Käufer zu erreichen? (Die deutsche SF könnte sicherlich mehr Leser gebrauchen.)

_Markus Heitz:_
Wie immer habe ich die Story für mich geschrieben, weil das Erzählen und das Ausdenken mir Spaß gemacht haben. Wie viele „alte“ Leser ich damit erreiche, weiß ich nicht. Man sieht, dass es keine klassische Science Fiction ist, die möglichst viel wissenschaftlich erklären möchte, sondern es ist eine Space Opera, das volle Unterhaltungsprogramm mit dem kleinen Philosophieschwenk. Auf neue Leserschichten habe ich dabei nicht wirklich geschielt.

_Buchwurm.info:_
Sicherlich vernachlässigen Sie nicht Ihre Fantasy-Fans. Wird es einen fünften Band des ZWERGE-Zyklus geben? Falls ja, wann?

_Markus Heitz:_
Erstmal haben die |Albae| Vorfahrt. Mitte 2011 kommt der zweite Band, danach folgen noch zwei Bände, und was danach erscheint, darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Dass es einen fünften Zwerge-Band geben wird, [habe ich schon verkündet,]http://www.mahet.de/site/News-Beitrag.10.0.html werde mich aber auf ein Datum nicht festlegen.

_Buchwurm.info:_
Es gibt Gerüchte, wonach DIE ZWERGE verfilmt werden soll. Ist da etwas dran?

_Markus Heitz:_
Von wegen Gerüchte. Produzenten sind Hofmann&Voges, Drehbeginn Ende 2010, TV-Event, 2×90 Minuten für den ersten Band, Ausstrahlung Ende 2011. Das ist der aktuelle Stand.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Markus Heitz:_
Schreiben und kreativ sein. Kein Witz. Ein bisschen Sport noch.

_Buchwurm.info:_
Engagieren Sie sich sozial bzw. karitativ?

_Markus Heitz:_
Das ist nichts, was ich an große Glocken hänge.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? (Kreative Leute arbeiten ja immer an irgendetwas.)

_Markus Heitz:_
Aktuell an JUDASTÖCHTER, das [JUSTIFIERS Role Playing Game]http://www.zauberspiegel-online.de/index.php?option=com__content&task=view&id=4538&Itemid=11 wird noch betreut … und noch andere Dinge sind am Laufen.

_Buchwurm.info:_
Herzlichen Dank für das Interview!

http://www.judassohn.com
http://www.mahet.de
http://www.pakt-der-dunkelheit.de

_Markus Heitz auf |Buchwurm.info|:_

[Interview mit Markus Heitz]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=56
[„Gerechter Zorn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5983 (Die Legenden der Albae 1)
[„Ritus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2351 (Buch)
[„Ritus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3245 (Hörbuch)
[„Sanctum“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2875 (Buch)
[„Sanctum“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4143 (Hörbuch)
[„Blutportale“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6091 (Hörbuch)
[„Blutportale“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5528
[„Die Mächte des Feuers“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2997
[„Die Mächte des Feuers“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4655 (Hörbuch)
[„Kinder des Judas“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4306
[„Blutportale“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5528
[„Die Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2823
[„Die Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2941 (Hörbuch)
[„Die Rache der Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1958
[„Der Krieg der Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3074
[„Schatten über Ulldart“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=381 (Die Dunkle Zeit 1)
[„Trügerischer Friede“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1732 (Ulldart – Zeit des Neuen 1)
[„Vampire! Vampire!“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5866
[„05:58“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1056 (Shadowrun)
[„Die dritte Expedition“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2098

Interview mit Norbert Sternmut

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen?

_Norbert Sternmut:_
Es geht gut genug. Es geht mir so weit gut, wenn ich arbeiten kann, in meinen Projekten bin, wie ich es gerade bin, also geht es gut.

_Buchwurm.info:_
Wo sind Sie gerade und was machen Sie gerade? Schreiben Sie ein Gedicht?

_Norbert Sternmut:_
Ich arbeite stets an neuen Gedichten, so auch jetzt, nachdem ich den Gedichtband „Nachtlichter“ gerade abgeschlossen habe, der zur Leipziger Buchmesse 2010 im |Pop|-Verlag, Ludwigsburg erscheinen wird. |Die Lesung ist am 19. März in Leipzig.|

Des Weiteren arbeite ich am neuen Gedichtband, den wir als Veröffentlichung für das Jahr 2012 mit dem |Pop|-Verlag einplanen.

Für das Jahr 2011 ist mit dem |Wiesenburg|-Verlag das nächste Prosamanuskript unter dem Titel „Wildwechsel“ geplant, eine Art Tagebuch, in dem ich einmal die sogenannte fiktive Ebene verlasse und durchaus konkret über mein sogenanntes „wahres Dasein“ in Vergangenheit und Gegenwart berichte. Das ist für mich eine ganz neue Form, ganz ohne Metaphern und irgendwelche Verstellungen.

_Buchwurm.info:_
|Buchwurm.info| hat Sie bereits einmal [vorgestellt,]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=77 deshalb können wir diesen Part überspringen und gleich medias in res gehen. Inzwischen haben Sie zwei Gedichtbände und einen Roman vorgelegt. Ich würde mich freuen, wenn Sie „Seelenmaschine“, „Fadenwärme“ und „Norm@n“ jeweils kurz charakterisieren könnten; zum Beispiel, welche Bedeutung „Norm@n“ als Abschluss einer Trilogie zukommt.

_Norbert Sternmut:_
Insgesamt ist die Romantrilogie aus „Der Tote im Park“, „Marlies“ und „Norm@n“ für mich ein zentraler Bestandteil meines Werks. Ein Mittelstück und ein Hauptstück. Zumal ich kaum annehmen kann, noch mal eine entsprechende Trilogie zu schreiben, über die „Natur der Dinge“ hinaus.

Also bleibt für mich „Der Tote im Park“ ein zentrales Romanwerk, wie etwa „Sprachschatten“ im Bereich der Lyrik. Dass ich die Trilogie geschrieben habe, war für mich wichtig, auch wenn sie zunächst gar nicht als Trilogie geplant war.

Wichtig, ich muss meine Bücher schreiben, kann mich meinem Dasein nur schreibend nähern. Die geschriebenen Bücher bleiben dann alleine zurück, ungelesen meist, aber es kommt mir scheinbar auch nicht unbedingt darauf an, dass sie jetzt und hier gelesen werden. Ich denke, irgendwann werden sie gelesen, und da bin ich mir auch einigermaßen sicher, auch wenn jetzt noch nicht unbedingt ihre Zeit gekommen ist.

Weiterhin will ich meinen „Charakter“ eher nach vorne beschreiben. Die Trilogie, das sind drei Bücher, die ich entlassen habe, wie die anderen auch. Jetzt versuche ich mir neue Ziele zu setzen, neue Erkenntnisse und innere Wahrheiten zu finden. So überlebe ich, so lange es geht, verfolge durchaus hartnäckig einen Weg, den ich als meinen Weg sehe, versuche nicht vollständig „verrückt“ zu werden.

Aber meine Trilogie ist mir wichtig.

Wie auch „Seelenmaschine“ oder der Band „Fadenwürde“, der aus bestimmten Gründen nicht „Fadenwärme“ heißt. „Fadenwürde“ erinnert an den Band „Fadensonnen“ von Celan und wurde von einem Bob-Dylan-Song „Dignity“ inspiriert. Hier geht es um die „Würde des Menschen am Faden“, auch um meine eigene Seelenanalyse, wie oft in den letzten Büchern.

Dass ich aus dem psychoanalytischen Unbewussten schöpfe, wird gerade in „Fadenwürde“ deutlich. Auch, dass ich Themen aufgreife, die gerne verdrängt werden. Dass all diese Zusammenhänge in den Gedichten eher über das Gefühl als über den Verstand zu erschließen sind, wenn überhaupt, sage ich hier und dort.

_Buchwurm.info:_
„Seelenmaschine“ und „Fadenwürde“ greifen aktuelle Befindlichkeiten und sogar Ereignisse der öffentlichen Welt auf. Worauf ist dieses Interesse zurückzuführen?

_Norbert Sternmut:_
Ich bin Teil der „öffentlichen Welt“! Auch ich bin ein Mensch, der sich den Eindrücken der aktuellen Wirklichkeit unterworfen sieht. Und als Schriftsteller will auch ich durchaus Stellung zu aktuellen Fragen beziehen, auch wenn ich kein Kommentator einer Tagespolitik bin, auch kein regionaler Schreiber; dass ich kein Schriftsteller bin, der aus einer örtlichen Heimat schöpft, einer nationalen Zuordnung.

Wie ich in „Seelenmaschine“ beschrieb, komme ich alleine auf die Sprache als Heimat zurück, schöpfe weniger aus Wurzeln, eher aus Entwurzelungen und fehlenden Haltbarkeiten.

Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch ich das Wort „Klima“ in den Mund nehme. Ob es etwas hilft, ist eine andere Frage. Immerhin arbeite ich in meinen Projekten mit Jugendlichen und Arbeitslosen künstlerisch und sozialarbeiterisch in der Jetztzeit, befinde mich nicht in einem „Elfenbeinturm“.

Und das Interesse daran? Ich bin Sozialpädagoge! Und Schriftsteller! Künstler und Maler! Alles aus der Zeit heraus, aber nicht alleine daraus. Gerade auch aus dem Verlust der Zeit heraus, die seit meiner Krebserkrankung in der Jugend in meinem Bewusstsein liegt. Also lebe ich heute, weil ich nicht anders kann, weil ich also in diese Formel „geworfen“ wurde, bin ich mir dessen bewusst, so weit wie möglich, dass es womöglich nichts bedeutet, bei allem Interesse.

Also starte ich dieses und jenes Projekt und bin sozialarbeiterisch tätig, weil ich mir aus philosophischen Gründen keine Kugel durch den Kopf schießen will. Also versuche ich mich anderweitig zu beschäftigen.

_Buchwurm.info:_
Sie haben die Literaturgruppe „Sternmut-Literatur-Bunt“ (SMLB) gegründet, die mit anderen Literaturgruppen zusammenarbeitet. Was tun die Teilnehmer dieser Gruppe, wer sind diese und wie sieht die Kooperation mit anderen Gruppen aus?

_Norbert Sternmut:_
Nein, ich arbeite hier nicht grundsätzlich mit anderen Literaturgruppen zusammen! Wir sind eine nette Gruppe und ich lade mir interessante Menschen ein, und es finden bewegende Diskussionen statt, aber es ist „mein Ding“. Es ist mir auch durchaus wichtig, dass ich die Entscheidungen trage und entscheide, wen ich einlade, wichtig, dass es mir Freude macht, in der Hoffnung, dass sich die Freude auf andere bei SMLB überträgt.

Ich will Menschen einladen, die etwas anderes als das sagen, was üblich ist und von außen konditioniert ist. Marionettentheater soll es bei SMLB eher nicht geben. Das haben wir bereits an jeder Ecke.

Es hat sich schon eine kleine, eingeschworene Gemeinde gefunden, die sich mit der Gruppe identifiziert. Es ist bereits eine durchaus dynamische Gruppe entstanden. Junge Künstler kommen, Rapper, Drogenselbsthilfegruppen, Bildhauer. Wir sind bis ins Jahr 2011 mit Veranstaltungen ausgebucht. Es gibt keinen Mangel an Menschen, die sich präsentieren wollen. Also bedient SMLB ein öffentliches Bedürfnis. Es bietet eine Auftrittsmöglichkeit für interessante Menschen, Künstler, Gruppen. Und daher funktioniert SMLB sehr gut.

_Buchwurm.info:_
Sie nahmen an einem österreichischen Lyrikwettbewerb teil. Waren Sie zufrieden mit Ihrem Abschneiden und der Organisation dieses Wettbewerbs?

_Norbert Sternmut:_
Ja, ich war zufrieden mit meinem Abschneiden, zumal ich den Lyrikwettbewerb gewonnen habe. Und als Sieger hatte ich auch an der Organisation keine Einwände, zumal sie, nach meinem Verständnis, zum richtigen Ergebnis gekommen ist.

Insgesamt habe ich keine rechte Beziehung zu Schreibwettbewerben und Preislisten. Ich will „mein Werk“ schreiben und neben dem anderen bleibt im Allgemeinen keine Zeit mehr zur Bewerbung für irgendwelche Preise. Ich denke auch, dass ich ein gespaltenes Verhältnis dazu habe. Ich habe bisher nicht viele Preise bekommen, was verständlich ist, ich denke manchmal, irgendwie könnten es mehr sein, aber ich bewege mich selbst nicht dahin, bewerbe mich nicht. Also kann ich auch nicht erwarten, dass ich Preise für mein Werk bekomme, weil fast jeder Preis es verlangt, dass der Autor bzw. der Verlag des Autors sich selbst bewirbt.

Manchmal denke ich, ich sollte mich mehr für literarische Preise bewerben, doch dann schreibe ich wieder an irgendwelchen Gedichten, für die es wissentlich keinen Markt gibt, für die ich keinen Preis bekommen werde. Immerhin, denke ich mir, schau an, was du machst, kann sich auch nicht jeder leisten. Nein, zu dieser Preisvergabegeschichte habe ich sicherlich ein gespaltenes Verhältnis.

_Buchwurm.info:_
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, so etwa in Lyrik, Prosa Buchmessen, Zeitschriften, Wettbewerben oder privat?

_Norbert Sternmut:_
Im März 2010 bin ich auf der Buchmesse Leipzig, um mein neues Buch „Nachtlichter“ zu präsentieren. „Sternmut-Literatur-Bunt“ läuft erfolgreich und ist für einige Jahre geplant. Im Jahr 2011 wird ein neuer Prosaband im |Wiesenburg|-Verlag unter dem Titel „Wildwechsel“ erscheinen. Für 2012 ist der neue Lyrikband „Spiegelschrift“ im |Pop|-Verlag geplant.

|Das schriftliche Interview führte Michael Matzer im Februar 2010.|

_Kurzbiografie_ zu _Norbert Sternmut:_ http://www.sternmut.de

Geboren 1958 in Stuttgart als Norbert Schmid, lebt in Ludwigsburg. Arbeitet in Nürtingen als Diplom-Sozialpädagoge in der psychosozialen Betreuung von Jugendlichen innerhalb der Berufsvorbereitung. Literarische Arbeiten in den Bereichen: Lyrik, Prosa, Theaterstück, Rezension. Veröffentlichung seit 1980 im gesamten deutschsprachigen Raum. Beiträge in 70 Anthologien. 20 Einzeltitel (Romane, Geschichten, Lyrikbände, Theaterstücke). Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS). Stipendien des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Gerlingen. Künstlerische Arbeiten: Radierungen, Gemälde.

_Norbert Sternmut auf |Buchwurm.info|:_

[„Triebwerk. Gedichte“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3752
[„Marlies“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1935
[„Der Tote im Park“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3751

Interview mit Jörg Kaegelmann, BLITZ-Verlag

_Buchwurm.info:_
Hallo, wie geht es Ihnen? Wo sind Sie und was machen Sie gerade?

_Jörg Kaegelmann:_
Zu sagen, wo ich gerade bin, ist bei mir schwierig. Zumindest bin ich immer online, um direkt auf Kundenanfragen reagieren zu können.

_Buchwurm.info:_
Könnten Sie sich unseren Lesern, die Sie noch nicht persönlich kennen, bitte selbst vorstellen? Vor allem interessiert die Frage, wie und warum Sie zum |BLITZ|-Verlag kamen.

_Jörg Kaegelmann:_
Den |BLITZ|-Verlag, der mir gehört, gibt es seit 15 Jahren. Davor musste ich mich – seit 1979 – um die Videothekenkette, ebenfalls |BLITZ|, kümmern.

_Buchwurm.info:_
Dass Sie mit Ihrem Verlag Geld verdienen wollen, dürfen wir getrost als gegeben voraussetzen. Aber wie haben Sie das breite Programm, das sie laut Prospekt und Webseite anbieten, über die letzten Jahre weiterentwickelt, und welche Nischen besetzen Sie damit im deutschen Buchmarkt?

_Jörg Kaegelmann:_
In den 15 Jahren sind mehrere hundert Titel erschienen. Bedingt durch limitierte Sammlerauflagen, sind die meisten jedoch bereits vergriffen und nur noch zu hohen Sammlerpreisen antiquarisch zu erwerben. Das Programm und die Zielrichtung haben vom ersten Tag an variiert und sich ständig weiterentwickelt. Als Kleinverlag ist es eben wichtig, gerade die Nischen zu besetzen, die sich anbieten, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Der Schwerpunkt wird wohl immer die Phantastik in allen ihren vielfältigen Möglichkeiten bleiben.

_Buchwurm.info:_
Vielleicht ist am besten, wenn Sie den Status quo beschreiben.

_Jörg Kaegelmann:_
Gerade ist eine zweite Verlagshomepage online gegangen: [Hammer-Krimis.de.]http://www.Hammer-Krimis.de Hier gibt es z. B. klassische Krimis über Sherlock Holmes. Dann neue Texte zu der Mystery-Thriller-Serie „Larry Brent, Die geheimen Akten der PSA“. Ebenso werden die alten Abenteuer (Serienstart 1968) erstmalig chronologisch korrekt aufbereitet und neu veröffentlicht.

Neue Texte gibt es auch zu weiteren Kult-Krimi-Reihen aus den vergangenen Jahrzehnten:

– „Die Schwarze Fledermaus“ und „Mister Dynamit“.

– Demnächst erscheinen exklusiv die „Totenhaus“-Romane von Barbara Büchner.

– Ab diesem Frühjahr werden Krimis und Thriller mit regionalem Bezug erscheinen. Besonders hervorheben möchte ich da zwei sehr außergewöhnliche Texte: „Marterpfahl“ von Stefan Melneczuk und „Dunkle Nordsee“ von Jens Lossau.

Auf [Phantastische-Buchwelt.de]http://www.Phantastische-Buchwelt.de erscheint ebenfalls in erstmaliger Bearbeitung die Fantasy-Saga von „Dan Shocker MACABROS“. Wolfgang Hohlbeins „Schattenchronik“ und die ebenfalls inzwischen abgeschlossene Reihe „Edgar Allan Poes Phantastische Bibliothek“.

Dem Sciencefiction-Leser bietet |BLITZ| die Serie „Star Voyager“ an; die nahtlose Fortsetzung von „Raumschiff PROMET“ und „TITAN, Sternenabenteuer“.

Das Highlight: „Meisterwerke der dunklen Phantastik“ von Frank Rainer Scheck.

Dazwischen interessante Einzelromane wie „Das Eulentor“ von Andreas Gruber. Der Titel wurde letztes Jahr mit dem Vincent-Preis ausgezeichnet.

„Jihad“, ein Thriller aus der nahen Zukunft von Peter Brendt, der durch seine U-Boot-Romane (Ullstein) bekannt wurde.

„Necrologio“, eine Anthologie, herausgegeben von Jörg Kleudgen, sowie deutsche Phantastik der Gegenwart.

_Buchwurm.info:_
Wie wollen Sie diese Taschenbuchreihen über die nächsten 24 Monate weiterentwickeln?

_Jörg Kaegelmann:_
Taschenbuch-Reihen gab es bei |BLITZ| nie, und die Paperback-Reihen sind bis auf „Macabros“ und „Larry Brent“ abgeschlossen. Zukünftig wird also fast alles nur noch in exklusiven Sammler-Editionen erscheinen, zum Teil limitiert auf nur wenige 100 Exemplare.

_Buchwurm.info:_
Ich habe mich bei der Lektüre der neuen Hardcover-Bände der Sherlock-Holmes-Bibliothek sehr gut unterhalten gefühlt. Nichts gegen Hardcover, im Gegenteil, aber inhaltlich und im Umfang bewegen sich diese Bände praktisch auf dem Standard der Taschenbuchreihe der Criminal-Bibliothek. Warum also jetzt Hardcover?

_Jörg Kaegelmann:_
Inhaltlich wird noch mehr auf bestmögliche Qualität geachtet. Das Lektoratsteam wurde erweitert; es wird alles dafür getan, um dem Leser einen optimalen Lesegenuss zu bieten.

Bedingt durch die limitierte Auflage richtet sich |BLITZ| mehr an den bibliophilen Sammler, und der bevorzugt nun mal Hardcover. Die Produktion eines |BLITZ|-Hardcovers ist durch die Fadenbindung viel aufwendiger und kostenintensiver. Die Bücher kann man in 100 Jahren noch aufklappen und lesen, während Taschenbücher sich nach mehrmaligem Gebrauch gerne mal auflösen.

_Buchwurm.info:_
Ich habe erstmals auch einen SF-Titel in Ihrem Prospekt gefunden, denn E. C. Tubbs ist ein klingender Name für Klassikerfans wie mich. Was bedeutet die Aufnahme dieses Titels für die Entwicklung Ihres Programms?

_Jörg Kaegelmann:_
E. C. Tubb ist ein Urgestein der SF-Szene. Mit der Serie „Star Voyager/Titan“ versuche ich ein back-to-the-roots: Space Opera vom Feinsten.

_Buchwurm.info:_
Suchen Sie weitere Autoren und falls ja, was können Sie ihnen bieten? Beispielsweise einen florierenden Verlag?

_Jörg Kaegelmann:_
Korrekte und sachliche Teamarbeit bis ins Detail.

_Buchwurm.info:_
Ich habe neulich gehört, dass dem Fantasymarkt – und dazu zählen manche Marktbeobachter auch das Horror-Genre – in 2010 ein Einbruch droht, vermutlich wegen des Auslaufens der Romantic-Vampire-Welle. Was halten Sie davon?

_Jörg Kaegelmann:_
Kein Platz für Kuschel-Vampire! Artgerechte Haltung! Im Ernst: Unsere Dark-Fantasy-Serie „Schattenchronik“ (letztes Jahr erschien Band 1: „Das Erwachen“) geht bereits genau in diese Richtung. Protagonist ist ein Vampir-Cop, er hasst Vampire. Von daher ist |BLITZ| gut gerüstet. 😉

_Buchwurm.info:_
Haben Sie Freizeit? Wenn nicht, warum nicht?

_Jörg Kaegelmann:_
Gute Frage, da müsste ich tatsächlich mal drüber nachdenken.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade?

_Jörg Kaegelmann:_
An der Frühjahrsauslieferung 2010, in Hoffnung auf einen guten Start der beiden Thriller „Marterpfahl“ und „Dunkle Nordsee“.

http://www.BLITZ-Verlag.de

Interview mit Renate Grubert, cbj-Verlag

_Buchwurm.info:_
Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr, Frau Grubert! Wie geht es Ihnen?

_Renate Grubert:_
Ausgezeichnet, lieber Herr Matzer!

_Buchwurm.info:_
Unsere Leser kennen Sie ja meist noch nicht. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen, zum Beispiel Ihren beruflichen Werdegang bis zur Position bei [|cbj|?]http://www.cbj-verlag.de

_Renate Grubert:_
Sehr gern. Ich bin eine Art Quereinsteiger – sowohl in Sachen Jugendbuch wie auch Pressearbeit. Denn ich habe zuerst ein Geografie-Studium mit Diplom abgeschlossen, dann als Kartografin promoviert und zuletzt ein weiteres Studium „Kinder- und Jugendliteratur“ an der Studien- und Beratungsstelle, Wien, mit Zertifikat beendet (übrigens mit einer Arbeit über Sciencefiction in der Kinder- und Jugendliteratur!). Nach kurzen Jahren in einer kartografischen Redaktion machte ich mich als Fachjournalistin für Kinder- und Jugendliteratur selbstständig und wechselte im Jahr 2000 als Presseleitung in den |Arena|-Verlag. Seit 2002 leite ich nun die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kinder- und Jugendbuchverlage |cbj| und |cbt| in der |Random House|-Gruppe.

_Buchwurm.info:_
Haben Sie Kinder, und wenn ja, wie viele? Ich finde diese Frage für die Leiterin eines Kinderbuchprogramms relevant. Ich nehme aber nicht an, dass Ihre Kinder das Programm mitgestalten …

_Renate Grubert:_
Meine drei schon erwachsenen Kinder lesen nach wie vor gern Kinder- und Jugendbücher! Sie sind zu echten All-Age-Lesern herangewachsen und sparen nicht mit Kommentaren, wenn es um unsere Bücher geht.

_Buchwurm.info:_
Womit beschäftigen Sie selbst sich in Ihrer Freizeit?

_Renate Grubert:_
Zeit mit der Familie und mit Freunden verbringen, Musik hören, Filme schauen und, wie könnte es anders sein: lesen!

_Buchwurm.info:_
Wann wurde denn das Kinder- und Jugendbuchprogramm von |Bertelsmann|/|Random House| aus der Taufe gehoben? Das dürfte schon fast zehn Jahre her sein, oder?

_Renate Grubert:_
Ihre Fragestellung ist unabsichtlich ein bisschen komplex. Kinder- und Jugendbücher gibt es nämlich bei Bertelsmann seit Verlagsgründung im Jahr 1835. In der wechselvollen Geschichte gilt als nächste Etappe das Jahr 1968, die Gründung des C. Bertelsmann Kinder- und Jugendbuchverlags. Dann ist 2001 wichtig: das Dach von |Random House|, unter dem wir seither firmieren. |cbj| gibt es in der jetzigen Form seit 2004, |cbt| seit 2008. Sie sehen, wir haben viele und tiefe Wurzeln!

_Buchwurm.info:_
Zu den größten Erfolgen zählt vermutlich die [|Eragon|-Trilogie.]http://www.eragon.de Können Sie eine Zwischenbilanz ziehen?

_Renate Grubert:_
Ja, |Eragon| ist ein prachtvolles Beispiel für Erfolg im Jugendbuchbereich. Wir sind stolz darauf, diese tolle Fantasy-Reihe bei |cbj| anbieten zu können. Ich weiß noch, was für ein Gefühl das war, als wir die erste und zweite Auflage von |Eragon 3|, „Die Weisheit des Feuers“, bereits über den Vorverkauf, also die im Buchhandel bestellten Exemplare, abgesetzt hatten. Und dann kam der 25. Oktober 2008, der Erstverkaufstag, an dem auf einen Schlag 133.274 Exemplare an unsere Leserinnen und Leser verkauft wurden – genial! Bestsellerplatzierung!

Zusammen mit Band 1 und Band 2 liegen die Verkäufe von |Eragon| bei etwa 2,5 Millionen deutschsprachigen Exemplaren.

_Buchwurm.info:_
Was ist zurzeit am meisten gefragt? Haben Sie Zahlen?

_Renate Grubert:_
Lassen Sie mich bei |cbj| und |cbt| bleiben. Im Jugendbereich laufen spitzenwertig: Thriller (Monika Feth „Teufelsengel“, Jay Asher „Tote Mädchen lügen nicht“) und Fantasy (Jenny-Mai Nuyen „Feenlicht“, Chiara Strazzulla „Dardamen“, auch der Frühjahrstitel von Alison Goodman „Eona“ ist schon bestens in Startposition), dazu weitere All-Age- und familiengängige Titel wie das „Dangerous Book for Boys“ (G. Iggulden), das „Secret Book for Girls“ (M.Pescowitz) und Lucy & Stephen Hawkings „Die unglaubliche Reise ins Universum“. Im Kinderbereich sind zu nennen: „Der kleine Drache Kokosnuss“ (Ingo Siegner) und vor allem unsere Sachbuch-Reihe „Frag doch mal die Maus“.

_Buchwurm.info:_
Wir sind besonders an phantastischer Literatur interessiert, also Fantasy, Unheimliches, Übernatürliches usw. Was halten Sie vom aktuellen Vampir-Hype?

_Renate Grubert:_
Hm. Vampire sind „in“, so viel ist sicher. Auch bei |cbt|, unserem Jugendbuchverlag, tummeln sich die Blutsauger (Smith, Wallner, Schweikert, um nur einige zu nennen). „Hype“ bedeutet immer, dass es einen Auslöser (hier: Stephenie Meyer) gab, der absolut faszinierend gewirkt hat, sodass große Nachfrage nach neuem Lesefutter besteht. Der Markt trägt der Nachfrage Rechnung – so ist der Ablauf.

_Buchwurm.info:_
Ich habe gehört, dass es dieses Jahr einen Einbruch im Bereich Fantasy geben soll – können Sie das bestätigen?

_Renate Grubert:_
Einbruch im Bereich der Fantasy? Nur wer Fantasy eng definiert, kann ein Zurückschrumpfen auf „normalen Produktionsumfang“ feststellen. Wer das fantastische Genre insgesamt anschaut, stellt eine Verlagerung fest: weg von den losgelösten Welten hin zu unseren real verankerten Erfahrungsgebieten. Auch das Thema „Vampire“ gehört da ein Stück weit mit hinein (sofern man es nicht gesamthaft dem Horror-Genre zuschlägt). Und natürlich auch die neue, kommende Welle, die „Mystery“ heißt. Wer so definiert, wird keinen Einbruch bei der Fantasy verzeichnen können.

_Buchwurm.info:_
Der Jugendbuchmarkt ist bekanntermaßen hart umkämpft. Um Ihrem Programm im Vergleich zu den Programmen anderer Verlage mehr Profil zu verleihen, haben Sie Kinder- und Jugendbuchreihen deutlich im Aussehen und im Händlerprospekt unterschiedlich gestaltet und positioniert. Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt diese Profilierung und mit welchen Zielen?

_Renate Grubert:_
Der Jugendbuchmarkt stellt sich nach wie vor als Wachstumssegment dar. Profilierung ist das A und O, denn sowohl der Buchhändler wie der Käufer will doch wissen, wo er was finden kann und wie das für ihn passende Novitäten-Angebot aussieht. Wir bemühen uns in jedem Programm neu, treffsicher klar zu machen, welches Buch, welches Produkt, für wen wichtig, ja unverzichtbar, ist. Darum auch der neuerliche Umbau unserer Kinder- und Jugendbuchverlage. |cbj| steht heute eindeutig fürs klassische Kinder- und Jugendbuch, und zwar im HC- (= Hardcover) und TB-Bereich (TB = Taschenbuch).

Mit |cbt| haben wir einen innovativen Jugendbuchverlag geschaffen, der in Richtung All Age geht (ebenfalls HC- und TB-Angebot). Und mit |cbj AVANTI| bauen wir in diesem Frühjahr 2010 einen Lesefutter-Verlag an, der unsere Reihen strukturiert und Viellesern ein eindeutiges Signal gibt.

_Buchwurm.info:_
In der aktuellen Händleraussendung für das Frühjahrs- und Sommerprogramm 2010 habe ich eine neue Reihe mit Romanen über Mädchen und Pferde gesehen („Bella Sara“). Kommen Hanni und Nanni wieder zurück?

_Renate Grubert:_
Hanni und Nanni hatten und haben begeisterte LeserInnen. Zu Recht, denn die Welt, die hier beschrieben wird, ist in einem bestimmten Alter prägend: Kinder lernen da fürs Leben. Mit „Bella Sara“, entwickelt von der dänischen Sozialpädagogin Gitte Odder Braendgaard, verhält es sich ähnlich. Hier lesen Mädchen Geschichten, die für sie wichtig sind, die Themen und Inhalte anbieten, die sie mögen, wie z. B. Freundschaft, Abenteuer mit Pferden, Zauberwelten, den Kampf Gut gegen Böse. Hier können sich Mädchen einerseits „wegträumen“, andrerseits werden Rollen angeboten, die sehr ausdifferenziert sind und gerade Mädchen vielerlei Anregung geben.

_Buchwurm.info:_
Sie haben auch Ihr Programm mit Wissensbüchern gut ausgebaut, so etwa mit Bänden über Dinosaurier und Astronomie. Diese Bücher sind sehr schön gestaltet, aber dennoch preisgünstig. Wie kommt diese preiswerte Leistung zustande, und nach welchen Aspekten wird die Reihe gestaltet?

_Renate Grubert:_
Ganz allgemein: Kindersachbücher dürfen einen gewissen Preis nicht übersteigen, wenn sie gut verkäuflich sein wollen. Der Markt funktioniert anders als beim Sachbuch für erwachsene Leser. Im Kinderbuch werden auch heute noch die meisten Titel als internationale Lizenzen eingekauft – entsprechend austauschbar sind die Bücher.

Dagegen hat |cbj| die Reihe [„Frag doch mal die Maus“]http://www.cbj-verlag.de/diemaus gesetzt, wo unverwechselbare Titel entwickelt werden. Wichtig sind der Charakter der Maus und das Prinzip der einfachen Maus-Fragen und –Antworten. Das kennt der Leser, dem vertraut er. Die Reihe ist außerordentlich beliebt und gut verkäuflich. Darum können wir – obwohl die Maus-Reihe eine kostspielige Eigenentwicklung ist – die Bücher tatsächlich günstig abgeben. Das Buchkonzept wurde übrigens in enger Zusammenarbeit mit dem WDR entwickelt, mit dem wir auch jeden einzelnen Titel abstimmen.

_Buchwurm.info:_
Jeder achte Deutsche (12 %) wird im Jahr 2014 noch Computer-Analphabet sein, besagt eine Befragung von IDC bei 1000 europäischen Personalentscheidern vom November 2009. Wider Erwarten ist besonders auch die junge Generation davon betroffen. Hat |cbj| Pläne, etwas dagegen zu unternehmen?

_Renate Grubert:_
Wir wissen um die sich öffnende Schere von Mediennutzern und solchen, die keine Medien nutzen. Als Verlag bieten wir immer die Hand und unterstützen die Kulturtechnik des Lesenlernens – vor allem durch entsprechende Programme und Bücher.

|Random House| gehört zudem zu den größten und aktivsten Leseförderern in Deutschland: Der Welttag des Buches wird seit zwölf Jahren vom Verschenkbuch „Ich schenk dir eine Geschichte“ geprägt, das bei |cbj| herausgegeben wird und das im letzten Jahr an 1,1 Millionen Kinder verschenkt wurde.

_Buchwurm.info:_
Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Zusammenarbeit mit der Presse im deutschsprachigen Raum gemacht?

_Renate Grubert:_
Über die Jahre habe ich im D–A–CH-Raum fast durchgehend gute Erfahrungen gemacht. Das Kinder- und Jugendbuch ist beliebt, man schätzt die Szenarien, die hier entwickelt werden. Allerdings verändern sich die Möglichkeiten der Präsentation von Büchern ganz allgemein. Schrumpfende Flächen im Printbereich, dafür attraktive Angebote im Internet.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Wo steht das Programm von |cbj| in 24 Monaten? Vielleicht gibt es ja schon Highlights, die Sie unseren Lesern ankündigen können.

_Renate Grubert:_
In 24 Monaten haben wir Januar 2012. Da blicken wir gerade auf Christopher Paolinis Abschluss der Eragon-Saga zurück, die wir für den Herbst 2011 erwarten …

http://www.cbj-verlag.de
http://www.randomhouse.de

Interview mit Andreas Eschbach

_Buchwurm.info:_
Wie geht es dir? Hoffentlich gut! Was machst du zurzeit?

_Andreas Eschbach:_
Danke der Nachfrage, es geht mir recht gut, und wie eigentlich immer schreibe ich gerade – diesmal ist es der nächste Jugendroman, der wieder im |Arena|-Verlag erscheinen wird. Mehr kann ich darüber aber, wie üblich, noch nicht verraten.

_Buchwurm.info:_
Wie jedes Jahr hast du deinen Roman rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse veröffentlicht – das lukrativste Podium hierzulande. Diesmal heißt der Roman [„Ein König für Deutschland“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5856 Warum und wie kritisierst du darin das bestehende deutsche Wahlrecht?

_Andreas Eschbach:_
Ich kritisiere nicht das deutsche Wahlrecht, ich kritisiere in hoffentlich ebenso unmissverständlicher wie überzeugender Weise die Idee, Wahlen mithilfe von Computern abzuhalten. Mein Roman erzählt in zugegebenermaßen grotesker Weise – aber wie kann man anders über Politik schreiben als in der Form einer Groteske? -, was passieren könnte, wenn man das tut und mal wirklich ein paar Dinge schieflaufen.

Wobei der Roman, wenn ich es zu entscheiden gehabt hätte, wenigstens zwei Monate früher erschienen wäre, nicht erst zwei Wochen vor der Bundestagswahl. Aber so etwas entscheidet bekanntlich jeweils der Verlag.

_Buchwurm.info:_
Hoffst bzw. glaubst du, dass dein Roman ein klein wenig mehr zur Bewusstseinsbildung vor den Wahlen beigetragen hat? Schließlich hat die Piraten-Partei immerhin zwei Prozent errungen! Oder hatte deren Erfolg andere Gründe?

_Andreas Eschbach:_
Wem immer die Piraten-Partei das verdankt: Bestimmt nicht meinem Roman. Ich muss gestehen, ich weiß nicht mal, wofür die Piraten-Partei steht, und ehrlich gesagt finde ich eine politische Gruppierung, die sich so einen Namen gibt, suspekt. Was kommt als nächstes? Die Bankräuber-Partei? Die Panzerknacker-AG?

Was die Bewusstseinsbildung anbelangt, hatte ich eher den Eindruck einer gewissen Konvergenz zwischen dem allgemeinen und meinem persönlichen Denken, denn noch während ich an dem Roman geschrieben habe, hat das Bundesverfassungsgericht den Einsatz von Wahlcomputern verboten – zumindest mal die bisher verwendeten Geräte. Nachdem entsprechende Klagen in der Vergangenheit immer abgewiesen wurden, ist das zumindest ein Fortschritt.

_Buchwurm.info:_
In den Romanen „Ausgebrannt“, „Der Nobelpreis“ und „Eine Billion Dollar“ hast du ebenfalls reale Phänomene kritisch betrachtet. Ist als nächstes die Fußball-WM in Südafrika dran? Oder hat die strategische Themenauswahl andere Gründe und Zwecke? Wozu erzählt man?

_Andreas Eschbach:_
Ich erzähle, weil in mir eine Geschichte entstanden ist, die erzählt werden will. Und da ich ein Bewohner dieser Welt bin, sind es manchmal reale Begebenheiten, die die Entstehung einer Geschichte anregen. Die Abhängigkeit unseres alltäglichen Lebens von einem zur Neige gehenden, unersetzbaren Rohstoff wie dem Erdöl, zum Beispiel. Die Bedeutung des Geldes für unser Dasein. Und so weiter. Wenn das so aussieht, als wählte ich meine Themen »strategisch«, dann sieht das wirklich nur so aus. Ich habe jedenfalls keinen Zwanzigjahreskalender mit Jahrestagen, Olympischen Spielen und dergleichen an der Wand hängen, vor dem ich grüble, was wann ein »heißes Thema« werden könnte. Das würde auch gar nicht funktionieren.

Nein, es ist mein Ideen-Notizbuch, das jeweils bestimmt, was ich als nächstes schreibe. Diejenige Idee, die am weitesten gediehen ist, wird das nächste Projekt – ganz einfach.

_Buchwurm.info:_
Wie lange recherchierst du für so einen Roman – und wo bzw. womit? Wäre es nicht recht hilfreich, eine Uni in der Nähe zu haben?

_Andreas Eschbach:_
Och, ich habe eine Universität in der Nähe. Brest ist Universitätsstadt, die „Université de Bretagne Occidentale“ ist im Stadtbild unübersehbar. Das ist kein Problem. Überhaupt ist Recherche für mich kein Problem – wir leben schließlich im Informationszeitalter; wenn ich was rausfinden will, dann finde ich es auch heraus, und meistens dauert das nur ein paar Minuten und kostet nur ein paar Mausklicks.

Das Problem, das ich mit Recherche habe, ist, dass dieses Thema heutzutage wahnsinnig überbewertet wird. Wie oft lese ich „ein guter Roman, und so gut recherchiert!“ Das ist doch Stuss! Woher will ein Rezensent wissen, wie viel oder wie gut ein Autor recherchiert hat? Vielleicht hat er ja alles schon gewusst! Oder alles erfunden? Auch das wäre legitim, denn wenig ist für einen Roman unwichtiger als reale Fakten. Fakten können einen auf Ideen bringen, das stimmt. Und man nutzt bisweilen Fakten, um die geschilderte Handlung realistischer und damit packender erscheinen zu lassen. Aber das ist es dann auch schon. Ein Roman ist keine Reportage. Er ist Erfindung. Alles darin darf erfunden sein, und es kann trotzdem ein großartiger Roman sein. Umgekehrt kann ein Roman bis zum Hemdknopf der Hauptfigur und der Abfahrtszeit seines Zuges recherchiert und trotzdem grottenschlecht sein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Oder anders gesagt: Ich würde lieber für meine Phantasie gelobt als für meine Recherche.

_Buchwurm.info:_
Schreibst du lieber Romane als Erzählungen? Es gibt ja auch einen Storyband von dir, der den Titel „Eine unberührte Welt“ trägt.

_Andreas Eschbach:_
Richtig. Und die einfache Antwort lautet: Ja, ich schreibe lieber Romane. Es ist auch schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal eine Story geschrieben habe. Ich schreibe lieber Romane, nicht zuletzt, weil ich das besser kann als Storys.

_Buchwurm.info:_
Du hast ja auch Romane für Jugendliche geschrieben, so etwa den fünfteiligen Marsprojekt-Zyklus, der sukzessive im Taschenbuch veröffentlicht wird. Wirst du diese Tradition fortführen?

_Andreas Eschbach:_
Na ja – das Wort „Tradition“ ist da jetzt vielleicht etwas stark. Ich schreibe eben ab und zu auch Romane für jugendliche Leser, aber das tue ich nicht, um irgendeine »Tradition« zu pflegen, sondern weil ich entsprechende Ideen habe. Solange ich die habe und man mich lässt, werde ich das vermutlich weiter machen.

_Buchwurm.info:_
Kannst du dir deine Romane und Erzählungen auch als Graphic Novel vorstellen?

_Andreas Eschbach:_
Ich kann mir viel vorstellen. Ist sozusagen mein Beruf.

_Buchwurm.info:_
Warum gibt es diese Grafikromane noch nicht?

_Andreas Eschbach:_
Weil das jemand anders machen muss, nicht ich. Sprich: Das ist eine Frage, die Du Comiczeichnern stellen musst.

_Buchwurm.info:_
Zurzeit kommen Multimedia-Romane auf, die dem Leser auch Videoclips im Internet liefern. Was hältst du von dieser Form der Literatur?

_Andreas Eschbach:_
Spielerei. Marketing-Gags. So was mag mal ganz lustig sein, aber die Zukunft des Romans ist es bestimmt nicht.

_Buchwurm.info:_
Hörbücher gibt es von deinen Mainstream- und Marsprojekt-Romanen sowie von zwei Storys („Eine Trilion Dollar“ und „Die Wiederentdeckung“). Würdest du dir auch Hörbücher von deinen ersten phantastischen Romanen wie „Die Haarteppichknüpfer“, „Solarstation“ und „Quest“ wünschen?

_Andreas Eschbach:_
Also – ich bin nicht der Hörbuchtyp. Mir würde nichts fehlen, gäbe es keine. Es sind andere, die sich Hörbücher wünschen, und warum sollte ich etwas dagegen haben? Aber meine eigenen Hörbücher sind die einzigen, die ich mir anhöre. Wobei ich finde, dass Ulrich Noethen, der schon „Ausgebrannt“ glänzend gelesen hat, sich im „König für Deutschland“ noch einmal übertrifft.

Was mir allerdings, um das auch mal loszuwerden, sauer aufstößt, ist, dass es immer mehr Rezensionen gibt, deren Verfasser mich in aller Öffentlichkeit kritisieren, ich hätte dieses oder jenes nicht erklärt oder zu Ende gebracht, und ich denke dann, wieso? Hab ich doch! Bis ich draufkomme, dass diese Leute sich nur das Hörbuch angehört haben, anstatt das Buch zu lesen. Und sich nicht klar machen, dass praktisch alle Hörbücher gekürzte Fassungen sind. Dass da mal was unter den Tisch fällt, sollte nicht überraschen.

_Buchwurm.info:_
Der amerikanische Markt ist für einen deutschen Autor von großer Bedeutung …

_Andreas Eschbach:_
Nein. Wie kommst du auf diese Idee? Der deutsche Markt ist für einen deutschen Autor von großer Bedeutung. Der amerikanische Markt kann sehr gut für sich selber sorgen.

_Buchwurm.info:_
Welchen Erfolg hast du denn jenseits des Großen Teiches? Orson Scott Card hat dich ja ebenfalls empfohlen.

_Andreas Eschbach:_
Ja, und ohne diese Empfehlung wäre nichts aus der amerikanischen Ausgabe der „Haarteppichknüpfer“ geworden. Die hat erstaunlich viele und vorwiegend sehr gute Kritiken erhalten – man könnte unbescheiden auch das Wort „enthusiastisch“ verwenden -, ich erhalte immer wieder Mails von Lesern aus den USA, Großbritannien oder Australien, die nach mehr fragen – aber leider waren die Verkaufszahlen offenbar nicht so, dass sich der Verlag zu weiteren Übersetzungen ermutigt gesehen hat.

Nichtsdestotrotz geht immer wieder was. Zurzeit bin ich in zwei Anthologien mit Kurzgeschichten vertreten. Und unabhängig davon bin ich grundsätzlich zuversichtlich, denn dass Bücher wie »Jesus Video« oder »One Trillion Dollars« in den USA unverkäuflich sein sollen, kann man sich ja nun beim besten Willen nicht vorstellen. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Verleger drüben das merkt …

Okay, und natürlich ermutigt die aktuelle Krise niemanden zu Experimenten. Die amerikanischen Verlage schon gar nicht, die davon wesentlich [härter; Erg. d. Red.] getroffen worden sind als die europäischen.

_Buchwurm.info:_
Inspiriert dich deine Wahlheimat Bretagne nicht dazu, dich mal an einem Fantasyroman für Young Adults zu versuchen?

_Andreas Eschbach:_
Bis jetzt nicht. Aber man soll nie „nie“ sagen. Ich schon gar nicht …

_Buchwurm.info:_
Was sind deine liebsten Freizeitbeschäftigungen in der Bretagne (mal vom Reisen nach Übersee abgesehen)?

_Andreas Eschbach:_
Aber Michael! Du weißt doch genau, dass ein Schriftsteller keine Freizeit hat. Oder nur Freizeit, je nachdem. Wie ein Kriminalkommissar ist man immer im Dienst, Tag und Nacht,

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeitest du gerade? (Kreative Leute arbeiten ja immer an irgendetwas.)

_Andreas Eschbach:_
Das neue Jugendbuch, erster Band einer neuen Reihe, von der ich mir viel verspreche, habe ich ja schon erwähnt. Da liegt die Arbeit allerdings schon weitgehend hinter mir. Das Projekt, an dem ich gerade konzipiere, wird der nächste Roman bei |Lübbe| – und nein, er wird nicht von der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika handeln …

http://www.andreaseschbach.de

_Mehr von Andreas Eschbach auf |Buchwurm.info|:_

[Ein König für Deutschland]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5856
[Der Nobelpreis]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2060
[Ausgebrannt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3487
[Ausgebrannt – Hörbuch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4942
[Quest]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1459
[Die Haarteppichknüpfer]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1556
[Das Jesus-Video – Hörbuch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=267
[Der letzte seiner Art]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1250
[Der letzte seiner Art – Hörbuch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=317
[Eine Billion Dollar]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=653
[Exponentialdrift]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=187
[Das Marsprojekt – Das ferne Leuchten (Bd. 1)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1102
[Das Marsprojekt – Die blauen Türme (Bd. 2)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1165
[Das Marsprojekt – Die gläsernen Höhlen (Bd. 3)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2484
[Das Marsprojekt – Die steinernen Schatten (Bd. 4)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4301
[Das Marsprojekt – Die schlafenden Hüter (Bd. 5)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5266
[Die seltene Gabe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1161
[Perfect Copy]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1458

Interview mit Michael K. Iwoleit

_Buchwurm.info:_
Hallo, Michael, wo bist du und was machst du gerade? Ich hoffe, es geht dir gut.

_Michael Iwoleit:_
Ich befinde mich gerade an meinem Arbeitsplatz in Wuppertal und beschäftige mich mit diversen Dingen, die in diesem Jahr noch unerledigt geblieben sind, unter anderem den Antworten für dieses Interview. Nach einem Jahr, das nicht nur für mich, sondern für die SF-Szene als Ganzes sehr unglücklich verlaufen ist – ich erwähne nur die vielen Todesfälle, national und international -, sind die Ansprüche ans Literarische, Geschäftliche und ans Wohlergehen deutlich heruntergeschraubt, aber ich habe fürs neue Jahre einige vielversprechende Projekte ins Auge gefasst und blicke einstweilen zuversichtlich in die nähere Zukunft. Zurzeit arbeite ich an einer neuen Novelle, die in meiner ersten Kurzgeschichtensammlung erscheinen soll, und an einem umfangreichen Romankonzept.

_Buchwurm.info:_
Viele Leser kennen dich noch nicht. Stell dich doch bitte ein wenig selbst vor!

_Michael Iwoleit:_
Geboren wurde ich 1962 in Düsseldorf und lebe heute in Wuppertal. Nach einer Ausbildung zum Biologisch-technischen Assistenten habe ich einige Semester Philosophie, Germanistik und Sozialwissenschaft studiert und dann für zwei Jahre am Botanischen Institut der Universität Düsseldorf gearbeitet.

Seit 1989 bin ich hauptberuflicher Autor, Übersetzer, Kritiker und Herausgeber vor allem im Bereich Sciencefiction und phantastische Literatur. Nebenher habe ich als Texter für Werbung und Softwareindustrie gearbeitet. Ich habe ca. 30 Erzählungen veröffentlicht, vier Romane und zahlreiche literarische und populärwissenschafliche Essays. Einige meiner Storys erschienen im Ausland, darunter in den USA, in Polen, Kroatien, England und Italien.

2002 habe ich mit Ronald M. Hahn und Helmuth W. Mommers das Magazin [Nova]http://www.nova-sf.de/ gegründet, das sich der zeitgenössischen deutschsprachigen Sciencefiction widmet und das ich heute mit Ronald M. Hahn und Frank Hebben herausgebe. Einen gewissen Bekanntheitsgrad habe ich mit meinen Novellen erreicht, für die ich dreimal den deutschen Science-Fiction-Preis und einmal den Kurd-Laßwitz-Preis erhalten habe.

_Buchwurm.info:_
Bist du zurzeit mehr Autor und Übersetzer oder mehr Herausgeber? (Wahrscheinlich Letzteres, wenn der Launch von [InterNova]http://inter.nova-sf.de/ bevorsteht.)

_Michael Iwoleit:_
Im Moment bin ich hauptsächlich mit meinen eigenen literarischen Projekten beschäftigt. Wie meine Mitherausgeber arbeite ich ohnehin nur nebenher und, weil beide Magazine keine Gewinne abwerfen, nur aus Spaß an |Nova| und |InterNova|. Dass wir, ungeachtet der zunehmenden Belastung durch den Hauptberuf, inzwischen schon seit sieben Jahren ein unabhängiges Publikationsforum für deutsche SF in Gang gehalten haben – auch wenn nicht immer alles reibungslos läuft – erstaunt niemanden so sehr wie uns. Wir hoffen, dass es noch eine Weile so weitergehen und irgendwann vielleicht sogar eine zweite Herausgebergeneration das Magazin weiterführen wird. Mit Frank Hebben haben wir, was das angeht, ja schon einen vielversprechenden Mann an Bord geholt.

_Buchwurm.info:_
Hat die Welt auf das SF-Magazin [InterNova]http://inter.nova-sf.de/ gewartet, das im Januar 2010 als Online-Magazin neu gestartet werden soll? Was zeichnet das Magazin gegenüber anderen und vor allem gegenüber seinem Schwestermagazin |Nova| aus?

_Michael Iwoleit:_
2005 erschien eine Print-Ausgabe von |InterNova|, die sich leider so schlecht verkauft hat, dass wir das Magazin in dieser Form nicht weiterführen konnten. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Idee, die wir mit |InterNova| verfolgen, sich auch online keiner besonderen Popularität erfreuen wird.

Die Idee selbst scheint mir aber nach wie vor so interessant, dass ich sie auf keinen Fall aufgeben will (auch wenn sich die Realisierung von [InterNova online]http://inter.nova-sf.de/ aufgrund widriger Umstände lang verzögert hat): |InterNova| präsentiert herausragende SF-Storys von Autoren aus all den Ländern, die zwar über eine kreative lokale SF-Produktion verfügen, aber aufgrund der kommerziellen Übermacht der englischsprachigen Autoren selten außerhalb ihres Heimatlandes präsentiert werden.

Englische und amerikanische Autoren sind zwar nicht ausgeschlossen, der Schwerpunkt liegt aber auf Autoren aus Ost- und Nordeuropa, Südamerika und Asien. Wir haben für dieses Projekt Kontakte zu Autoren aus über zwanzig Ländern geknüpft, und in jedem Land fanden sich interessante Autoren auf internationalem Niveau.

Ich wünsche mir, dass wir mit |InterNova| eine kleine Gegenstimme zu einer Auffassung von Sciencefiction etablieren können, die SF im Wesentlichen als eine amerikanische Literaturform mit ein paar exotischen Anhängseln betrachtet. Diese Auffassung ist weder durch die Vielfalt noch die Qualität internationaler Sciencefiction gerechtfertigt.

_Buchwurm.info:_
Und warum sind alle Beiträge in Englisch? Wendet sich das Magazin nicht auch an deutsche Leser?

_Michael Iwoleit:_
Als internationales SF-Magazin richtet sich |InterNova| auch an ein internationales Publikum, und Englisch ist die einzige Sprache, die von einem nennenswerten Anteil der internationalen SF-Leserschaft verstanden wird. Ich sehe darin eigentlich kein großes Problem, denn auch in Deutschland gehen immer mehr Leser dazu über, ganz oder teilweise englische Originale zu lesen – was sicher etwas mit dem, im Verhältnis zu früheren Jahren, zurückgegangenen Angebot an deutschen Übersetzungen zu tun hat -, und solche Leser werden auch mit |InterNova| keine Schwierigkeiten haben. Es könnte sein, dass |InterNova| später auch deutsche und vielleicht sogar spanische Übersetzungen anbieten wird, aber dazu müssen wir zunächst sehen, wie sich das Projekt entwickelt und in welchem Maße freie Mitarbeiter an einer Kooperation interessiert sind.

_Buchwurm.info:_
Ich kenne dich als langjährigen Autor für die Erzählbände des Verlags [Heyne]http://www.randomhouse.de/heyne/ , die Anfang des Jahrtausends eingestellt wurden. Wie würdest du deine thematische Ausrichtung beschreiben bzw. worum geht es dir beim Erzählen?

_Michael Iwoleit:_
Beim Schreiben spielen so viele Motivationen eine Rolle, dass sich diese Frage kaum mit wenigen Worten beantworten lässt. Zunächst einmal ist es immer wieder ein aufregendes und sehr befriedigendes Erlebnis, einem anfangs noch vagen Gebilde, dem Keim einer Geschichte, die einem unfertig durch den Kopf geht, eine konkrete, sinnliche Form zu verleihen, die von anderen nachvollzogen werden kann.

Ich gehöre dabei zu den Autoren, denen die Atmosphäre, die Stimmungen, die Bilder und psychischen Zustände in einer Geschichte wichtiger sind als die vordergründige Handlung. Ich arbeite deshalb oft sehr lang an einer Story, vor allem in stilistischer Hinsicht, und bevor es mir nicht gelungen ist, die Nuancen herauszuarbeiten, die mir von Anfang an vorgeschwebt haben, kann ich eine Geschichte nicht abschließen und muss viele Passagen immer wieder neu schreiben. Die Sprache ist mitunter ein sehr widerspenstiges Material, und oft ist es mehr eine Frage des Fleißes und der Hartnäckigkeit, bis man den Erzählton getroffen hat, der zu einer Geschichte gehört.

Ich bin schon einige Male gefragt worden, ob es in meinen Storys eine thematische Leitlinie gibt.

Wenn ich es auf eine knappe Formel bringen müsste, würde ich sagen, dass mein Hauptthema das Problem der Identität ist. Die meisten meiner Protagonisten machen auf diese oder jene Weise eine Ich-Auflösung durch. Ihnen werden falsche Erinnerungen untergeschoben, sie machen körperliche oder seelische Transformationen durch, ihre psychische Integrität wird angegriffen usw.

Als Autor wählt man Motive danach aus, wie erzählerisch reizvoll sie einem erscheinen, deshalb kann ich wenig dazu sagen, warum mich ausgerechnet solche Ideen immer wieder faszinieren. Aber vielleicht wird sich irgendwann einmal ein Kritiker finden, der meine Erzählungen interessant genug für eine genauere Analyse hält und hier eine Interpretation anbietet.

_Buchwurm.info:_
Ich habe deinen Roman [„Psyhack“]http://shop.fabylon-verlag.de/themes/kategorie/detail.php?artikelid=3&kategorieid=4&source=1 gelesen und rezensiert. Was wolltest du mit dieser Geschichte sagen und welche Leser wolltest du mit dem Roman erreichen?

_Michael Iwoleit:_
Zunächst ging es mir darum, Möglichkeiten zu realisieren, die in der Urfassung des Story – einer Novelle, für die ich 2006 den Deutschen Science-Fiction-Preis erhalten habe – unberücksichtigt geblieben sind. Gewöhnlich halte ich nichts davon, eigene Stoffe mehrfach zu bearbeiten.

In diesem Fall aber wurden soviele Themen in der Novellenfassung nur gestreift – etwa die politischen Aspekte, vor allem die Konzepte hinter dem Parzellen-Projekt -, dass mir eine Ausarbeitung lohnend erschien. Auch das Ende der Kurzfassung hat mir selbst nie recht gefallen, und ich habe bei der Romanfassung die Gelegenheit genutzt, die Geschichte auf eine Weise aufzulösen, die mehr bietet als das obligatorische unhappy end.

Der ganzen SF-Motive ungeachtet, handelt es sich um eine sehr menschliche Geschichte, und ich hoffe, dass darin der Reiz des Romans besteht: Es geht um einen Menschen, der mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird und einen Weg finden muss, mit seinem Leben und seiner Schuld ins Reine zu kommen.

Ich habe mir erhofft, dass der Roman für Leser interessant sein könnte, die wie ich der Meinung sind, dass eines der Lieblingsthemen der aktuellen Sciencefiction – der Upload eines menschlichen Bewusstseins, also seine Umwandlung in ein Software-Gebilde, das beliebig manipuliert werden kann – oft noch sehr oberflächlich behandelt wird. Wenn es mir gelungen ist, das Thema zum Vehikel für eine menschlich anrührende Geschichte mit psychologischen Tiefgang zu machen, dann habe ich mein Ziel erreicht.

_Buchwurm.info:_
Ich fand die Geschichte klasse, aber warum hast du sie denn im Mittelteil rückwärts erzählt?

_Michael Iwoleit:_
Die Idee, die psychische Rekonstruktion des Protagonisten in umgekehrter Chronologie zu erzählen, ist mir beim Schreiben gekommen. Ich habe mich vorher mit meiner Verlegerin Uschi Zietsch (|Fabylon|-Verlag) darüber beraten, und sie hat mich zu dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise ermutigt, die durchaus einige Leser irritiert hat. Bei genauer Lektüre des Romans, glaube ich, erscheint diese Erzählweise plausibel.

Es ging darum, den Helden bis an den Anfang seiner Geschichte zurückzuführen und ihn in einen Zustand zu versetzen, der ihm einen Neuanfang ermöglicht. Betrachtet man die Geschichte aus dem Blickwinkel des Protagonisten, aus seiner Bewusstseinslage heraus, scheint mir die umgekehrte Erzählweise die einzig logische. Im Übrigen wird der Roman dadurch auch formal sehr viel interessanter.

_Buchwurm.info:_
Wie reagierten die Leser auf diese Geschichte? Hast du viele Exemplare davon verkaufen können?

_Michael Iwoleit:_
Die Reaktionen der Leser und Kritiker waren überwiegend positiv. Insbesondere hat mich gefreut, dass mir offenbar gelungen ist, die menschlichen Aspekte der Geschichte so intensiv und nachvollziehbar darzustellen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Überdurchschnittlich gut verkauft hat sich der Roman nicht. Wie die meisten zeitgenössischen deutschen SF-Bücher hat auch mein Roman nicht viel mehr als etwa 500 Leser erreicht. Mehr war realistischerweise nicht zu erwarten.

_Buchwurm.info:_
Gibt es für dich noch viele Publikationsmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum? Wie entwickelt sich der Markt? Oder muss man als Autor zunehmend auf Online-Medien ausweichen?

_Michael Iwoleit:_
Als hauptberuflicher Autor, der darauf angewiesen ist, mit seinen Arbeiten Einnahmen zu erzielen, verschlechtern sich die Bedingungen auf dem SF-Markt leider immer mehr. Es gibt einen großen und sehr lukrativen Markt für deutschsprachige Fantasy, aber kaum noch einen für deutschsprachige Sciencefiction. Deutsche SF-Autoren, die kommerzielle Erfolge gelandet haben – vor allem Andreas Eschbach und jüngst Frank Schätzing -, kann man an einer Hand abzählen, und es bleiben noch Finger übrig.

Das meiste, was sich an literarisch interessanten Entwicklungen in der deutschen SF abspielt, findet im semiprofessionellen Bereich statt, also bei Verlagen wie |Wurdack| oder Magazinen wie |Exodus| oder |Nova|, die zwar mit professionellem Qualitätsanspruch arbeiten, aber froh sein können, wenn die Produkte ihre eigenen Produktionskosten wieder einfahren.

Auch wenn ein baldiger Einbruch des Fantasy-Markts vorausgesagt wird, mache ich mir wenig Hoffnung, dass sich die Bedingungen für deutsche SF in absehbarer Zeit bessern werden. Es könnte damit zusammenhängen, dass die Sciencefiction in einer Welt, die selbst immer SF-artiger erscheint, an Interesse und Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Die SF ist auf dem Weg, zu einem Zweig der allgemeinen Literatur zu werden, und wenn überhaupt, so finden sich hier vielleicht auch Chancen für deutsche SF-Autoren.

_Buchwurm.info:_
Mit welchen Veröffentlichungen können wir in nächster Zukunft von dir rechnen?

_Michael Iwoleit:_
Ich hoffe, dass ich die Arbeit an meiner ersten Kurzgeschichtensammlung, die ich aufgrund einer Erkrankung aufschieben musste, in Kürze beenden kann. Das Buch ist unter dem Titel „Die letzten Tage der Ewigkeit“ bei |Wurdack| vorgesehen und enthält bekannte und weniger bekannte Erzählungen aus den letzten zehn Jahren sowie eine neue, umfangreiche Novelle.

_Michael K. Iwoleit auf |Buchwurm.info|:_
[„Psyhack“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5162

Interview mit Willibald Spatz

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Willibald Spatz:_
Gut. Daheim am Schreibtisch, Tasse Kaffee, bereit zu antworten.

_Buchwurm.info:_
Die Angaben in der Autoreninfo des |Gmeiner|-Verlags sind äußerst mager. Könnten Sie sich bitte unseren Lesern etwas ausführlicher vorstellen?

_Willibald Spatz:_
Ich bin Bio- und Chemielehrer an einer Augsburger Schule. Studiert habe ich in Würzburg und während des Studiums habe ich angefangen, Theatertexte zu schreiben. Würzburg hat eine sehr lebendige und gute freie Szene – deshalb war es immer einfach, diese Texte einem Publikum vorzuführen. Vor vier Jahren verschlug es mich nach Kempten, dort gibt es keine so gut ausgebaute Bühnen-Infrastruktur, deshalb habe ich angefangen, einen Roman zu schreiben, also einen Text, den man nicht aufführen muss, damit er funktioniert.

Inzwischen wohne ich auf dem Land bei Augsburg, da könnte man wieder gut Theater machen, aber im Moment komme ich kaum dazu. Es gibt allerdings bald einen Film, bei dem ich ein bisschen mitgewirkt habe. (Mehr Information unter [www.sumosam.de).]http://www.sumosam.de

_Buchwurm.info:_
Was soll ich mir denn unter dem Studienfach „Kulturkritik“ vorstellen? Ich finde allein schon die Vorstellung, eine ganze Kultur kritisieren lernen zu können, ziemlich – öhm – faszinierend. Sind Sie jetzt ein Doktor?

_Willibald Spatz:_
Kulturkritik ist eine Abkürzung, ausgeschrieben heißt der Studiengang „Theater-, Film- und Fernsehkritik“. Dabei handelt es sich um ein kulturjournalistisches Aufbaustudium an der Bayerischen Theaterakademie. Man soll da lernen, wie man fürs Feuilleton schreibt. Am Schluss bekommt man dann ein Zertifikat.

_Buchwurm.info:_
Konnten Sie Ihre Erkenntnisse aus dem Fach „Kulturkritik“ stets eins zu eins anwenden, wenn Sie nun für die Publikationen schreiben?

_Willibald Spatz:_
Ja, konnte ich. Der Schwerpunkt dieses Studiums liegt nämlich auf Schreibseminaren, bei denen man diverse journalistische Formen übt. Kann man dabei auch Krimischreiben lernen? Nein, nicht direkt, aber es schadet auch nicht.

_Buchwurm.info:_
Worum geht es in Ihrem neuen Krimi [„Alpendöner“?]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6066 Der Titel weckt ja vielfältige Assoziationen in Richtung Culture Clash …

_Willibald Spatz:_
Ein Mann kommt in die Fremde, genauer nach Kempten im Allgäu, wo man mit Fremden nicht viel anfangen kann. Das merkt der Mann und auch andere Fremde, die sich dem Anschein nach schon integriert hätten, denen aber noch mal richtig eins reingewürgt werden soll, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht willkommen sind. Der Mann und die anderen Fremden finden zusammen in ihrer Ausgeschlossenheit. Es kommt also zu einem Culture Clash, aber definitiv nicht aufgrund von nationalen Grenzen. Die Barrieren, an denen es knallt, sind imaginär und zwischen den Menschen hochgezogen.

Damit’s ein Krimi wird, passiert ein Mord und ein Kommissar tritt auf, aber die wahre Action findet im Inneren der Handelnden statt.

_Buchwurm.info:_
Was ist denn der Held Birne für einer? Warum sollte er uns interessieren?

_Willibald Spatz:_
Birne ist selbst auf der Suche, er hat keine Ahnung, wohin er soll mit sich. Das unterscheidet ihn ein bisschen von anderen Krimihelden, die meist ganz eindeutig auf der Seite des Guten, manchmal auch auf der bösen Seite stehen. Birne kann das nicht, weil er nicht weiß, was gut und böse ist und täglich neue Antworten findet.

Das macht die Figur für mich spannend, auch im Hinblick auf andere Figuren – denen kann man mit dieser Hauptperson auch immer wieder neu begegnen, keiner muss seine Rolle bis zum Ende spielen, jeder darf ständig neue Facetten zeigen. Am Schluss ist uns mitunter der Bösewicht sympathischer als der ständig Gute und wir hören auf, die anderen zu bewerten, sie nach zwei Sekunden in eine Schublade zu stecken, aus der wir sie erst wieder lassen, wenn sie uns was Großes spendiert haben.

_Buchwurm.info:_
Welche Rolle spielt Humor für diesen Roman bzw. für Ihre anderen Werke?

_Willibald Spatz:_
Humor kommt vor, allerdings nicht um Gags zu produzieren und Leser für ein paar Sekunden zu Lachern zu machen. Im Gegenteil ganz klassisch: Die komischsten Gestalten sind die tragischsten. Wir nehmen sie alle so ernst, wie sie sich selbst ernst nehmen und stellen plötzlich fest, dass sie nur noch zum Lachen sind. Dann lacht auch der Leser (oder Zuschauer im Theater), obwohl er vielleicht lieber weinen wollte.

Veröffentlicht ist im Moment nur der „Alpendöner“, im Februar folgt „Alpenlust“, dazu gäbe es eine Menge an Theaterstücken, die nicht verlegt sind.

_Buchwurm.info:_
Wollen Sie mit Krimis sowohl unterhalten als auch Missstände ansprechen?

_Willibald Spatz:_
Angesprochen sind im „Alpendöner“ die Ausgrenzung Fremder und eine treffend als Pädophobie bezeichnete und aus Großbritannien rüberschwappende Angst vor Jugendlichen, die uns dazu bringt, sie tagsüber in Einrichtungen wegzusperren, anstatt zu versuchen, sie in ihren Bedürfnissen zu verstehen.

In „Alpenlust“ geht es um die Kontrolle, die der Staat über uns ausüben will, und die Angst vor Terror, die er uns deswegen einzureden versucht. – Das alles sind gesellschaftliche Missstände, die mich bewegen. Natürlich wäre es gut, wenn Leser der Bücher anfangen würden, sich Fragen zu stellen und auch Dinge in Frage zu stellen. Aber ich halte die Wirkung, die ein Roman haben kann, leider für sehr begrenzt. Ich glaube, man müsste für mehr Effekt noch expliziter schreiben. Das mag ich nicht. Unterhalten will ich. Ja.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen? Sind Sie politisch engagiert?

_Willibald Spatz:_
Gelegentlich kann ich hier auch noch musikalisch tätig werden bei den Bands „Turboblues“, „Fressen“, „Gnadenkapelle Höges Gold“ und „Herbe Sahne“. Ich bin in keiner politischen Vereinigung, wenn Sie das mit politischem Engagement meinen.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Der Verlag kündigt Ihren nächsten Birne-Krimi „Alpenlust“ für Februar 2010 an. Das klingt nach Jodelgrüßen aus der Lederhose, also einem Porno. Richtig oder falsch? Wenn nicht, warum? Vielleicht wollen Sie ja neue Leserschichten erreichen. 😉

_Willibald Spatz:_
Ganz im Gegenteil. Der Krimi ist streng protestantisch, zu Geschlechtsverkehr kommt es nur in Ausnahmefällen. Aber da ist dennoch eine ständige Lust auf einen fremden Körper, die den Roman schwül durchweht und die Hauptpersonen ganz kirre macht. Die stellen dann Dinge an, die sie mit ein bisschen Triebdruck weniger hätten sein lassen.

Mehr Event-Informationen über mich finden Sie auf der Homepage http://www.friedrich-pilsner.de.

Interview mit Peter Prange

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade? Sie haben ja vor knapp drei Monaten einen neuen Roman veröffentlicht und sind vielleicht auf Lesereise.

_Peter Prange:_
Danke der Nachfrage. Die Lesereise zur „Gottessucherin“ ist ers tmal beendet, bis Weihnachten gibt es nur noch ein paar Pressetermine. Vor allem freue ich mich darauf, drei Tage vor Heiligabend meinen Roman in der NDR-Talksendung „DAS!“ vorzustellen, auf der berühmten roten Couch. Ansonsten bin ich dahin zurückgekehrt, wo ich als Schriftsteller hingehöre: an meinen Schreibtisch in Tübingen, im Zentrum der Weltabgeschiedenheit. Nach dem Roman ist schließlich vor dem Roman.

_Buchwurm.info:_
Sie haben Romanistik, Germanistik und Philosophie studiert und einen Doktorhut in Philosophie. Haben Sie das Gefühl, dass diese Studien Sie auf Ihre jetzige Tätigkeit als Autor von historischen Romanen vorbereitet haben? Fließen diese Vorkenntnisse in Ihre Romane ein?

_Peter Prange:_
Ein bisschen Bildung kann sicher nicht schaden, wenn man historische Romane schreibt. Meine Geschichten spielen ja nicht in Phantasialand, sondern stets in einer konkreten geschichtlichen Wirklichkeit, und in der sollte ein Autor sich immerhin so gut auskennen, dass seine Romangestalten sich darin überzeugend zurecht finden. Aber mindestens ebenso wichtig wie Sachkenntnis ist Menschenkenntnis. Und da habe ich eine der besten Schulen durchlaufen, die man sich nur wünschen kann: im Bettengeschäft meiner Eltern. Wenn man Verkaufsgespräche im Schlafzimmer führt, lernt man Menschen unglaublich schnell und intensiv kennen, mit all ihren Vorlieben und Macken. Davon zehre ich bis heute.

_Buchwurm.info:_
Sie haben acht historische Romane geschrieben, wie ich Ihrer Bibliografie entnehme (s. u.). Hätten Sie nicht mit dieser tollen Vorbildung genauso gut auch exzellente Detektivromane schreiben können?

_Peter Prange:_
Mein Großvater sagte immer, man dürfe nur dem Metzger trauen, der seine eigene Leberwurst isst. Entsprechend schreibe ich meine Bücher nach dem Leberwurstprinzip – sprich, nur solche Romane, die ich selber gerne lesen würde. Und da mich Detektivgeschichten als Leser nicht interessieren, kommt mir auch als Autor keine in den Sinn.

_Buchwurm.info:_
Haben Sie sich das Genre „historischer Roman“ herausgesucht, oder hat sich das irgendwie ergeben?

_Peter Prange:_
Dass ich Autor von historischen Romanen bin, habe ich buchstäblich aus der Zeitung erfahren, durch eine Rezension zu meiner „Philosophin“. Ich war darüber selber überrascht, ohne Quatsch, weil ich nie in Genre-Kategorien gedacht habe. Mich interessieren einfach große Geschichten aus der Geschichte – Geschichten, in denen Menschen über sich selbst hinaus wachsen und an die Grenzen des Menschenmöglichen gehen. Ob diese Geschichten nun im 16. Jahrhundert spielen, wie die „Gottessucherin“, oder im 20. Jahrhundert, wie mein erster Roman „Das Bernstein-Amulett“, ist mir dabei völlig gleich.

_Buchwurm.info:_
Verfolgen Sie mit dem Verfassen historischer Romane eine bestimmte Absicht, vielleicht in aufklärerischer Hinsicht?

_Peter Prange:_
Große Geschichten aus der Geschichte haben die Menschen schon immer fasziniert. Weil bei allen Veränderungen des Lebens die entscheidenden Antriebskräfte stets dieselben sind: Liebe und Hass, Gier, Neid und Eifersucht, Streben nach Schönheit und Reichtum, Ruhm und Macht – all die großen Gefühle und Leidenschaften, zu denen Menschen fähig sind. Aus diesem Grund können wir Jahrtausende alte Dramen nachempfinden und verstehen.

Doch das allein macht eine Geschichte aus der Geschichte in meinen Augen noch nicht erzählenswert. Entscheidend ist, ob sie für uns heute noch von Bedeutung ist, ob sie uns widerspiegelt in unserem eigenen Selbstverständnis. Solche Geschichten möchte ich erzählen: Geschichten, die uns eine Ahnung vermitteln, wie wir wurden, was wir sind, Geschichten, die uns Mut und Lust machen auf das große Abenteuer des eigenen Lebens.

_Buchwurm.info:_
Viele Ihrer Romane drehen sich um Frauenfiguren, so etwa [„Die Principessa“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2074 das ich als Hörbuch rezipiert habe. Was ist der Grund dafür? Finden Sie, dass Frauen der Geschichte bislang zu kurz gekommen sind? Nach welchen Kriterien wählen Sie diese Frauen aus?

_Peter Prange:_
Autoren sind Menschen, die über das schreiben, was sie am meisten interessiert. Und ich habe Frauen schon immer interessanter gefunden als Männer. Nicht nur im Leben, auch in Romanen. „Richtige“ Männer handeln zielgerichtet, konsequent, logisch. Wie langweilig! Frauen sind dagegen – in einem positiven Sinn – viel widersprüchlicher, chaotischer, emotionaler. Sie machen das Leben spannend und bunt. Mit einem Wort: Sie sind die geborenen Romanfiguren.

_Buchwurm.info:_
Lässt sich dies auch in Ihrer „Weltenbauer-Trilogie“ finden? Ich kann mir darunter gar nichts vorstellen. Bitte klären Sie unsere Leser darüber auf, warum Sie diesem Thema gleich eine Trilogie widmeten und wie Sie es umsetzten.

_Peter Prange:_
Mit der Weltenbauer-Trilogie habe ich versucht, eine Kulturgeschichte der europäischen Neuzeit in Gestalt von drei – hoffentlich – unterhaltsamen Romanen zu schreiben. Jeder Roman spielt in der Hauptstadt einer Epoche, in der die Welt neu erfunden wurde. Das gemeinsame Thema ist die Suche des Menschen nach dem Paradies.

Das Rom des 17. Jahrhunderts ist noch ganz geprägt von der christlichen Idee eines jenseitigen Paradieses, doch Architektur und Kunst vermitteln uns einen Vorschein der Herrlichkeit und Pracht, die uns nach dem Tod erwartet. Davon erzähle ich in der „Principessa“, die die Rivalität der beiden größten Barockbaumeister Bernini und Borromini zum Gegenstand hat.

Mit einem solchen jenseitigen Paradies wollen die Aufklärer im Paris des 18. Jahrhunderts sich nicht begnügen – sie wollen das Paradies auf Erden. Die Anleitung dazu ist die Enzyklopädie von Diderot und d’Alembert, ein Handbuch der irdischen Glückseligkeit. Von dem epochalen Kampf um ihre Entstehung handelt „Die Philosophin“.

„Die Rebellin“ schließlich spielt in London, der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts, und hat die erste Weltausstellung zum Thema. Diese war nichts Geringeres als der Versuch, das Programm der Enzyklopädie vom irdischen Paradies mit den Mitteln von Naturwissenschaft und Technik Wirklichkeit werden zu lassen – Ausdruck einer Zeit, die wie keine andere Fluch und Segen des Fortschrittsglaubens widerspiegelt.

Warum ich diese Geschichten aus der Perspektive dreier Frauen erzähle? Gerade weil die Hauptakteure der tatsächlichen historischen Ereignisse Männer waren, führen uns die Frauen viel besser an den jeweiligen Stoff heran. Durch ihre Augen erleben wir sowohl die Abenteuerlichkeit und Großartigkeit, aber auch die Befremdlichkeit und Bedrohlichkeit der Geschehnisse viel intensiver, als wenn ich diese allein durch die Perspektive der Protagonisten selber wiedergegeben hätte.

_Buchwurm.info:_
Um was geht es in Ihrem neuesten Roman „Die Gottessucherin“?

_Peter Prange:_
Der Roman erzählt die dramatische Lebensreise der Gracia Mendes Mitte des 16. Jahrhunderts, in einer Epoche also, in der alle Zeichen auf Umbruch stehen. Amerika wird entdeckt, Wirtschaft und Handel erleben eine erste Globalisierung, die Wissenschaften boomen, die Christenheit wird durch die Reformation gespalten. All diese Ereignisse haben das Schicksal meiner Heldin geprägt, so wie sie umgekehrt auch Einfluss auf diese Ereignisse genommen hat.

Als zwangsgetaufte Jüdin erbt Gracia Mendes, gerade fünfundzwanzig Jahre alt, eine Handelsfirma, die so bedeutend ist wie die der Fugger. Doch ihr Reichtum schützt sie nicht vor der Verfolgung durch die Inquisition. Ihre Flucht führt sie vom westlichsten Zipfel Europas, Lissabon, über die Stationen Antwerpen und Venedig bis nach Konstantinopel, dem östlichsten Zipfel des Kontinents und Hauptstadt des einzigen Landes, in dem Juden damals ihren Glauben frei praktizieren konnten.

Unter Einsatz ihres Lebens rettet sie nicht nur sich und ihre Angehörigen vor dem Tod, sondern auch Tausende ihrer Glaubensbrüder und –schwestern, indem sie Königen und Päpsten die Stirn bietet. Dabei ist sie alles andere als eine Heilige. Vielmehr ist sie eine Frau, die mit derselben Leidenschaft wie für den Glauben auch für die Liebe und ihr Lebensglück kämpft. Kurz: eine Frau, wie sie nur alle hundert Jahre einmal vorkommt und die man ohne Übertreibung als die überragende Frauengestalt der europäischen Renaissance bezeichnen kann.

Obwohl sie von ihren Zeitgenossen als „neue Esther“ gefeiert wurde, die wie die Esther aus dem Alten Testament ihr Volk vor Verfolgung und Ausrottung bewahrt, ist Gracia Mendes heute so gut wie unbekannt. Diese Frau und ihr atemberaubendes Leben aus dem Dunkel der Geschichte an die Oberfläche des historischen Bewusstseins zu heben – das war das Abenteuer meines Romans.

_Buchwurm.info:_
Finden Sie, Sie hatten eine Art Standortvorteil durch die Nähe zu Tübingen, als sie den Roman „Die Gottessucherin“ recherchierten?

_Peter Prange:_
Nicht nur bei diesem, sondern bei allen meinen Romanen erweist sich Tübingen als Glücksfall für meine Arbeit. Tübingen |hat| keine Universität, Tübingen |ist| eine Universität – die Stadt mit der größten Gelehrtendichte pro Quadratmeter Deutschlands. Es gibt kaum eine Frage, auf die man in Tübingen keine Antwort findet. Bei der Arbeit an der „Gottessucherin“ haben mir gleich drei Judaisten geholfen, mich in die faszinierende Welt der jüdischen Glaubensrituale und Bräuche einzufinden.

_Buchwurm.info:_
Treiben Sie regelmäßig viel Aufwand für Ihre Romane? Wie rechtfertigen Sie dies, z. B. gegenüber Ihrer Familie und Ihrem Verlag?

_Peter Prange:_
Die Recherche macht natürlich einen großen Teil der Arbeit aus. Ich reise zu den Schauplätzen, konsultiere die verschiedensten Experten, vergrabe mich in Bibliotheken. Doch das empfinde ich nicht als Last, sondern als Lust, weil ich dabei ungeheuer viel lerne. Den Verlag freut’s auch, der Aufwand geht ja zu meinen Kosten. Nur die Familie, das gebe ich zu, hat manchmal unter meiner Recherchewut zu leiden.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Peter Prange:_
Reiten, soweit der vom Schreibtisch strapazierte Rücken es zulässt. Bei diesem Sport sind übrigens ganz ähnliche Qualitäten gefragt wie beim Schreiben, vor allem Einfühlungsvermögen. Außerdem koche ich gerne, besonders für Freunde.

_Buchwurm.info:_
Engagieren Sie sich auch sozial, etwa bei Wohltätigkeitsorganisationen?

_Peter Prange:_
In Tübingen befindet sich die Bundesgeschäftsstelle von „Terre des femmes“. Für diese Organisation, die sich um die Rechte von Frauen kümmert, habe ich verschiedene Benefizveranstaltungen mit anderen Autoren durchgeführt. Das tue ich sehr gerne – schließlich verdanke ich fast alles Gute in meinem Leben Frauen: angefangen von der Frau, die mich geboren hat, über die Frau, die das Leben mit mir teilt, bis zu den Frauen in meinen Romanen, die mir und meiner Familie ja unser Auskommen sichern. Und an diesem Wochenende (5. und 6.12.2009) moderiere ich, zusammen mit der ARD-Moderatorin Bernadette Schoog, eine Benefizveranstaltung der „Aktion Sahnehäubchen“, einer Organisation der Tübinger Caritas, die Kinder aus Not leidenden Familien vor Ort beim Start ins Leben unterstützt.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? Wann erscheint Ihr nächstes Buch?

_Peter Prange:_
Das wird jetzt noch nicht verraten – da bin ich abergläubig [sic!]. Aber wer sich auf dem Laufenden halten möchte: Die neuesten Informationen zu meiner Arbeit gibt’s stets im Internet unter [www.peterprange.de.]http://www.peterprange.de

_Über den Autor und sein Werk (Verlagsangaben)_

Peter Prange, geboren 1955, studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Göttingen, Perugia, Paris und Tübingen. Zum Dr. phil. promovierte er mit einer Arbeit zur Philosophie und Sittengeschichte der Aufklärung. (Steckbrief) Nach Ausflügen in Wissenschaft und Wirtschaft gelang ihm der Durchbruch als Romanautor mit der deutsch-deutschen Familiengeschichte „Das Bernstein-Amulett“ (1999; als ARD-Zweiteiler verfilmt 2004).

Inzwischen hat er sich auch international einen Namen gemacht: Seine Bücher wurden in insgesamt 19 Sprachen übersetzt. Nach den Erfolgen von „Die Principessa“ und „Die Philosophin“, die monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste standen, findet die „Weltenbauer-Trilogie“ mit „Die Rebellin“ ihren glänzenden Abschluss.

2007 erschien „Der letzte Harem“ – der Roman schildert aus der Sicht zweier Haremsfrauen die zusammenbrechende Welt des osmanischen Reichs sowie die Geburt der modernen Türkei. In seinem neusten Werk „Die Gottessucherin“ entwirft Peter Prange ein großartiges Panorama des 16. Jahrhunderts, in dem Gracia Mendes, eine der außergewöhnlichsten Frauen der europäisch-jüdischen Geschichte, im Mittelpunkt steht.

Peter Prange lebt mit Frau und Tochter als freier Schriftsteller in Tübingen.

ROMANE

1) FREMDE HEIMAT, 1989, zusammen mit Peter Yeldham
2) DIE STRAUß DYNASTIE, 1991, Neuausgabe Taschenbuch 1999
3) DAS BERNSTEIN-AMULETT, Scherz Verlag 1999, Neuausgabe Knaur Taschenbuch 2002
4) DIE PRINCIPESSA, Droemer 2002
5) DIE PHILOSOPHIN, Droemer 2003
6) DIE REBELLIN, Droemer 2005. Weitere Informationen: http://www.peter-prange.de/peterprange/extras/weltenbauer-trilogie
7) DER LETZTE HAREM , Droemer 2007
8) DER HAREM. SINNLICHE BEGEGNUNG IM SERAIL (Anthologie), Droemer 2008
9) DIE GOTTESSUCHERIN – erschien am 9. September 2009 bei Droemer

SACHBÜCHER

1) WERTE. VON PLATO BIS POP Alles, was uns verbindet. 2006 Droemer (WERTE-Blog)

2) DAS PARADIES IM BOUDOIR.
Glanz und Elend der erotischen Libertinage im Zeitalter der Aufklärung, 1990

3) WAS DIE WELT IM INNERSTEN ZUSAMMENHÄLT
Goethe-Brevier zur Jahrtausendwende; 1999

4) SIEBEN WEGE ZUM MISSERFOLG – und eine Ausnahme von der Regel. 2000
Neuausgabe Taschenbuch 2002

Internationale Gesamtauflage nach Verlagsangaben: über 2,5 Millionen Exemplare.

Interview mit Nina Wolfframm

|Buchwurm.info-Mitarbeiter Michael Matzer führte ein Interview mit Nina Wolfframm, ihres Zeichens Marketing-Mitarbeiterin des Gmeiner-Verlags, der seinen Sitz in Messkirch bei Sigmaringen/Donau hat.|

_Buchwurm.info:_
Trifft es zu, dass Ihr Verlagsprogramm vor allem aus Krimis besteht? War dies von Anfang das Ziel des Verlegers?

_Nina Wolfframm:_
Seit der Gründung des Verlags im Jahre 1986 hatte das Programm immer eine regionalspezifische Ausrichtung. Um den landes- und regionalgeschichtlichen Sachbuchbereich durch einen entsprechenden belletristischen Bereich zu ergänzen, entschlossen wir uns, eine Krimireihe zu etablieren, die ausschließlich Originalausgaben deutschsprachiger Autoren umfasst, die an realen Handlungsorten im deutschsprachigen Raum spielen. Der große Erfolg dieser Reihe führte dazu, dass sich der Gmeiner-Verlag heute ganz klar als Krimiverlag positioniert. Zeitgenössische und historische Kriminalromane machen 90 Prozent unseres Verlagsprogramms aus.

_Buchwurm.info:_
Trifft es zu, dass die Mehrzahl dieser Krimis eine starke lokale Berücksichtigung eines kleinen begrenzten Schauplatzes hat – im Sinne von Lokalkolorit?

_Nina Wolfframm:_
Der Gmeiner-Verlag hat sich auf Themenkrimis mit Lokalkolorit (alle Romane spielen an realen Handlungsorten) spezialisiert. Dabei sollte der Krimi aber auch ein Thema aufgreifen, das eine ausreichend große Zielgruppe anspricht, sich auch überregional gut vermarkten lässt und möglichst aktuelle Bezüge hat.

_Buchwurm.info:_
Versprechen Sie sich davon mehr Erfolg beim Krimipublikum? Ist dieser Erfolg bereits eingetreten, geplant oder zufällig?

_Nina Wolfframm:_
Unsere Absatzzahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, auch die Anzahl der Neuerscheinungen steigt stetig an. 2004 erschienen lediglich 15 neue Kriminalromane, inzwischen werden jährlich etwa 60 neue Taschenbuch-Krimis veröffentlicht.

_Buchwurm.info:_
Worauf führen Sie den Erfolg dieses Lokalkoloritprinzips zurück? Gibt es dafür mehrere Faktoren?

_Nina Wolfframm:_
Leser können sich mit Orten, die sie gut kennen, und Themen, über die sie in ihrer Tageszeitung lesen oder auf der Straße sprechen, wunderbar identifizieren. In unseren Krimis kommt genau das zum Tragen: Das lokale bzw. regionale Milieu wird in den Büchern sehr realistisch beschrieben. Dazu gehören die kulturellen Besonderheiten wie die Mentalität der Menschen, ihre Sprache, Bräuche, Traditionen und Eigenheiten, und natürlich auch die realen, genau nachvollziehbaren Schauplätze. Dieser authentisch anmutende Regionalbezug in Verbindung mit einer unterhaltsam-spannenden Geschichte aus der scheinbar heilen Provinz, in die nach erfolgreicher kriminalistischer Aufklärung natürlich wieder die gewohnte Ruhe und Ordnung einkehrt, spricht Einheimische, aber auch Gäste der Region an und ist sicher das Erfolgsgeheimnis unserer Krimis.

_Buchwurm.info:_
Gibt es Interesse seitens TV- oder Kinoproduzenten, solche Krimis verstärkt zu verfilmen? Ähnlich wie „Bulle von Tölz“ oder „Rosenheim-Cops“?

_Nina Wolfframm:_
Für mehrere unserer Titel interessieren sich Filmproduzenten, es wurden bereits Verfilmungsoptionen vergeben. Es gibt auch Hörspiele zu einigen unserer Krimis, zum Beispiel ein Mundart-Hörspiel von Manfred Bomms „Schattennetz“.

_Buchwurm.info:_
Wie entwickeln Sie Ihr Verlagsprogramm weiter?

_Nina Wolfframm:_
Unsere Autorinnen und Autoren sind ausgesprochene „Serientäter“. Die meisten bringen jährlich einen neuen Kriminalroman heraus, manche sogar halbjährlich. Und wir sind immer auf der Suche nach neuen viel versprechenden Autoren.
Unsere im Herbst 2007 gestartete Reihe historischer Kriminalromane kommt bei den Lesern sehr gut an und soll weiter ausgebaut werden.

_Buchwurm.info:_
Können Sie Highlights nennen, auf die sich unsere Leser freuen dürfen, beispielsweise zu Weihnachten?

_Nina Wolfframm:_
Ein Highlight der 27 Neuerscheinungen in diesem Herbst ist sicher der neue Krimi von Erich Schütz: „Judengold“ ist ein fesselnde Geschichte, die bereits im Dritten Reich begann. Jüdisches Kapital wurde damals in die Schweiz verschoben und soll heute gewaschen zurück nach Deutschland gebracht werden.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist unser Überraschungserfolg im Herbst, der Kriminalroman „Alpendöner“ unseres Debütautors Willibald Spatz. Ein frecher, witziger Allgäu-Krimi jenseits romantisch verklärter Alpenidylle.

http://www.gmeiner-verlag.de

Interview mit Uta-Maria Heim

_Buchwurm.info:_
Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Uta-Maria Heim:_
Danke, mir geht es gut. Ich habe Feierabend, ich sitze zu Hause am Laptop und beantworte Ihre Fragen.

_Buchwurm.info:_
Ich kenne Sie vor allem als Lyrikerin, jetzt auch als Krimiautorin. Sie haben für Ihren Krimi „Das Rattenprinzip“, der 1991 bei |Rowohlt| erschien, den Deutschen Krimipreis bekommen. Warum schreiben Sie gerade Krimis? Wollen Sie etwas Bestimmtes damit ausdrücken oder erreichen?

_Uta-Maria Heim:_
Ich schreibe Krimis, weil man in diesem Genre die komplexesten und spannendsten Geschichten erzählen kann. Es macht mir Spaß, Irritationen zu schaffen, mit Fiktionen zu spielen.

_Buchwurm.info:_
Worum geht es in Ihrem neuesten Krimi „Wespennest“? Angeblich handelt es sich um eine Fortsetzung zu „Das Rattenprinzip“? Kommt Claudi wieder vor?

_Uta-Maria Heim:_
Schauen Sie doch einfach mal rein! Das Buch sticht nicht …

_Buchwurm.info:_
Sie arbeiten als Hörspieldramaturgin. Was hat sich der Laie unter dieser Tätigkeit vorzustellen und wie kann man sie erlernen?

_Uta-Maria Heim:_
Es ist eine Redakteurstätigkeit, die künstlerisches und organisatorisches Geschick erfordert. Sie ist sehr komplex und schwer zu erklären. Sogar meine Freunde wissen nicht, was ich da tue, aber sie wissen, dass ich es sehr, sehr gern mache. Das ist entscheidend. Ach ja: Dramaturgin wird man beispielsweise durch ein Studium und ein Volontariat und möglichst viel benachbarte Berufserfahrung. Man sollte aber auch gewisse vorteilhafte Vorlieben, Veranlagungen, Begabungen und Tugenden mitbringen, die mehr sind als Training. Das gilt für jeden Beruf.

_Buchwurm.info:_
Welche Stoffe bearbeiten Sie als Dramaturgin am liebsten? Oder haben Sie da keinen Einfluss auf die Auswahl?

_Uta-Maria Heim:_
Ich bearbeite als Dramaturgin gar nicht, ich vergebe dafür Aufträge und erstelle zusammen mit dem Bearbeiter / der Bearbeiterin die Endfassung des Manuskripts. Die Auswahl lege ich in Absprache mit meinen Kolleginnen und Kollegen hier in der Redaktion fest. Bei Originalhörspielen schickt ein Autor / eine Autorin ein fertiges Manuskript ein und wir prüfen, ob sich das Stück für unser Programm eignet. Falls ja, wird es im Studio von einem Produktionsteam mit meist namhaften Schauspielerinnen und Schauspielern produziert.

_Buchwurm.info:_
Sie haben auch historische Romane geschrieben, die im |Berliner Taschenbuch Verlag| (BVT) erschienen („Ruth trifft Ruth“, „Schwesterkuss“). Warum haben Sie auch solche Bücher geschrieben? Waren sie als Versuche oder Experimente gedacht?

_Uta-Maria Heim:_
Nein, historische Romane habe ich nicht geschrieben. Romane schon. Es waren vier, glaube ich. Sie sind auch nahe am Spannungsgenre angesiedelt, aber keine Krimis. Die Grenzen sind da für mich allerdings fließend.

_Buchwurm.info:_
Sie sind auch Lyrikerin. 1991 erschien beispielsweise „Süden und Irrtum“ im Flugasche Verlag in Stuttgart. Schreiben Sie noch Lyrik und wenn ja, warum? Haben Sie etwas davon veröffentlicht?

_Uta-Maria Heim:_
Ich habe bis zur Jahrtausendwende viele Gedichte veröffentlicht, verstreut in z. T. großartigen Anthologien usw. Aber ich hatte nicht das Potenzial für einen weiteren Gedichtband. Das lyrische Sprechen ist etwas ganz Eigenes. 1998 habe ich den letzten Gedichtzyklus geschrieben, während eines Italien-Stipendiums. Danach ging nichts mehr.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Uta-Maria Heim:_
Lesen, schreiben, kochen, joggen. Mit den Menschen zusammen sein, die mir am Wichtigsten sind.

_Buchwurm.info:_
Noch mal zurück zum „Rattenprinzip“, das ich mit großem Vergnügen gelesen habe [(vgl. Rezension bei |Buchwurm.info|).]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5903 Ich kann verstehen, dass man den Krimi als Kultbuch handelt, denn die Lesergemeinde, die das Schwäbisch und Alemannisch, das darin hin und wieder gesprochen wird, verstehen kann, ist ja etwas eingeschränkt. Aber diese Leser freuen sich natürlich über den Wiedererkennungseffekt. War das so geplant? Fühlen Sie sich als Alemannin?

_Uta-Maria Heim:_
Natürlich war das geplant. Und auch wieder nicht. Ich hab halt gemacht, was ich konnte und wollte. Eine echte Alemannin bin ich nicht, eine Schwäbin aber auch nicht – ich bin auf der Grenze zwischen Baden und Württemberg aufgewachsen. Mein Vater sagte immer: „Mirsinnnind“. Wir sind nichts. Wir haben keine richtige Identität und fühlen uns ordentlich zerrissen. Für mich würde ich sagen: Schön zerrissen.

_Buchwurm.info:_
Im „Rattenprinzip“ zeigen Sie sich als bestens informiert über den Lokaljournalismus in der Landeshauptstadt Stuttgart. Waren Sie selbst als Journalistin tätig?

_Uta-Maria Heim:_
Klar. Aber das ist zwanzig Jahre her!

_Buchwurm.info:_
Im „Rattenprinzip“ zeigen Sie die Verbindung von Kulturprodukten und ihren industriellen Sponsoren auf, insbesondere der Autoindustrie. Bestimmte Blätter, literarische Institutionen und kulturelle Veranstaltungen mussten sich offenbar diesem Sponsorendruck stellen und standen vor der Wahl, ob sie überleben oder sich gängeln lassen wollten. Die Literaturzeitschrift |Flugasche| etwa befand sich kurz vorm Aus, weil Land und Stadt die Förderung einstellten.

_Uta-Maria Heim:_
Das ist traurig. Es trifft halt immer die Falschen. Heute hat kein Mensch mehr Probleme mit privatem Sponsoring. Ich auch nicht. Die Probleme, die wir haben, sind in ganz anderen Dimensionen angesiedelt. Und damit beschäftigt sich eben das „Wespennest“.

_Buchwurm.info:_
Wie sehen Sie diese Situation damals? Lässt sie sich mit heute vergleichen?

_Uta-Maria Heim:_
Das Ganze ist eine Entwicklung, die vermutlich unausweichlich war und bleibt. Mit der deutsch-deutschen Wende, um die sich das „Rattenprinzip“ ja dreht, wurde ein Prozess eingeleitet, der noch lange nicht zu Ende ist. Direkt vergleichen lassen sich die Umstände damals mit denen heute nicht mehr – es sei denn, man vergleicht Birnen mit Äpfeln. Wobei es falsch wäre zu sagen, früher war alles besser. Heute ist alles besser. Mit den Problemen ist auch das Problembewusstsein gestiegen, was den Durchschnitt der Bevölkerung angeht. Und eine kleine Elite wächst mit. Mehr kann man nicht erwarten, zumindest derzeit noch nicht.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Woran arbeiten Sie gerade? Wann erscheint Ihr nächstes Buch?

_Uta-Maria Heim:_
Ich schreibe derzeit an keinem Buch und plane nichts. Im Frühjahr erscheint voraussichtlich mein Krimi „Totenkuss“, der schon lange fertig herumliegt. Dann ist ein ganzer Kosmos von Geschichten, die mit dem „Rattenprinzip“ angefangen haben und alle locker ineinander greifen, für mich abgeschlossen. Was kommen wird, weiß ich nicht. Falls ich wieder was schreibe, hätte ich Lust auf etwas ganz anderes. Es müsste etwas sein, das mich umhaut.

Die Fragen stellte Michael Matzer.

_Zur Autorin_

Uta-Maria Heim, geboren 1963 in Schramberg, Schwarzwald, lebt als Dramaturgin und Autorin in Baden-Baden. Sie schrieb zahlreiche Romane, Krimis, Hörspiele und Features. Für ihre Arbeiten erhielt sie Auszeichnungen wie den Deutschen Krimi-Preis, der Förderpreis Literatur des Kunstpreises Berlin und den Friedrich-Glauser-Preis.

„Das Rattenprinzip“ war ihr erster Roman und Krimi. Er erschien erstmals 1991 bei Rowohlt und avancierte schnell zum sogenannten „Kultbuch“ [(siehe Rezension auf Buchwurm.info)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5903 . Die Fortsetzung von 2009 trägt den Titel „Wespennest“. Beide Romane erscheinen im |Gmeiner|-Verlag, Meßkirch.

Das Autorenfoto schoss Joachim E. Röttgers

http://www.gmeiner-verlag.de

_|Bibliografie|_

_ROMANE UND KRIMINALROMANE_

• Das Rattenprinzip, Reinbek bei Hamburg 1991 und Meßkirch 2008
• Süden und Irrtum, Stuttgart 1991
• Der harte Kern, Reinbek bei Hamburg 1992
• Die Kakerlakenstadt, Reinbek bei Hamburg 1993
• Die Widersacherin, Zürich [u. a.] 1993
• Der Wüstenfuchs, Reinbek bei Hamburg 1994
• Die Wut der Weibchen, Reinbek bei Hamburg 1994
• Bullenhitze, Reinbek bei Hamburg 1995
• Durchkommen, Leipzig 1996
• Die Zecke, Reinbek bei Hamburg 1996
• Sturzflug, Hamburg 1998
• Dackel Maiers erster Fall, Aarau [u. a.] 1999
• Engelchens Ende, Reinbek bei Hamburg 1999
• Glücklich ist, wer nicht vergißt, Reinbek bei Hamburg 2000
• Ihr zweites Gesicht, Reinbek bei Hamburg 2000
• Ruth sucht Ruth, Berlin 2002
• Schwesterkuß, Berlin 2002
• Dreckskind, Meßkirch 2006
• Totschweigen, Meßkirch 2006
• Wespennest, Meßkirch 2009

|Herausgeberschaft:|
• Bloody Mummy, Reinbek bei Hamburg 1997
• Der Schuß im Kopf des Architekten, Ludwigsburg 2000

_LYRIK UND KURZPROSA_

Neue Balladen von dünnen Männern, Gedichte, Stuttgart 1985
Fahrt in den See, Warmbronn 1987
Vergelt’s Gott, Stuttgart 1990
Süden und Irrtum, Gedichte, Stuttgart 1991.

_STORYS_

|zahlreiche verstreute Veröffentlichungen, zuletzt u.a.:|

Lisa Kuppler (Hg.): Mord isch hald a Gschäft. Von Silvija Hinzmann, Gudrun Weitbrecht, Uta-Maria Heim, Martina Fiess u. a. (Argument Verlag 2004)

Lisa Kuppler (Hg.): A Schwob, a Mord?: Schwabenland, Krimiland. Von Martina Fiess, Monika Geier, Madeleine Giese, Uta-Maria Heim u. a. (Argument Verlag 2008)

Interview mit Bernd Perplies

_Martin Schneider:_
Hallo Bernd, stell dich den Lesern doch am besten einfach mal kurz vor.

_Bernd Perplies:_
Hallo! Also, ich wurde 1977 in Wiesbaden geboren, studierte Filmwissenschaft, Germanistik, Buchwissenschaft und Psychologie in Mainz und arbeite heute drei Tage die Woche im Deutschen Filminstitut – DIF in Frankfurt am Main. Darüber hinaus bin ich freiberuflich als Übersetzer und Journalist tätig, unter anderem für das Rollenspiel-Portal |Ringbote.de|, das Genre-Magazin |Space View| und für |Pegasus Spiele|. Und im August 2008 ist mein Debütroman [„Tarean – Sohn des Fluchbringers“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5678 erschienen. Seitdem widme ich mich zunehmend der Schreiberei, denn das ist es, was ich eigentlich immer machen wollte.

_Martin:_
Also ich muss dir zu einem erstaunlich starken Debütroman gratulieren. Hattest du damit gerechnet, dass „Tarean“ bei der Leserschaft so gut ankommt?

_Bernd:_
Gehofft habe ich es natürlich. Man schreibt ein Buch schließlich nicht in der Erwartung, dass alle Welt es in der Luft zerreißt. Aber sicher war ich mir diesbezüglich keineswegs. Was einem selbst oder dem engen Familienkreis gefällt, muss noch lange nicht in den Augen der großen Leserschaft bestehen. Insofern bin ich sehr froh darüber, dass der überwiegende Teil derer, die das Buch gelesen haben, viel Spaß mit Tarean und seinen Abenteuern hatten.

_Martin:_
Für unsere Leser, die „Tarean“ noch nicht gelesen haben: Worum geht es denn genau?

_Bernd:_
Die Geschichte handelt von dem Jungen Tarean, dessen Vater Anreon, ein Ritter des Kristalldrachenordens, vor sechzehn Jahren, während einer Schlacht der westlichen Reiche gegen das Wolflingheer des Hexenmeisters Calvas, unwillentlich dem Bösen zum Sieg verhalf. Seitdem gilt Tareans Vater, der in dieser Nacht sein Ende fand, unter den Menschen als „Fluchbringer“. Mit diesem schweren Erbe muss Tarean aufwachsen. Irgendwann reift in Tarean das Gefühl, dass es nur eine Möglichkeit gibt, den Namen seines Vaters reinzuwaschen: Er muss den Hexer für seine Taten zur Rechenschaft ziehen. Voll naiver Entschlossenheit und ausgerüstet mit dem magischen Schwert Esdurial macht er sich auf den Weg nach At Athanoc, zur Festung des Hexenmeisters. Auf dem Weg erlebt er so einige Abenteuer, und er lernt in dem Irrlicht Moosbeere, der Albin Auril und dem Werbären Bromm neue Freunde kennen, die ihm fortan zur Seite stehen.

_Martin:_
Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Hauptfigur zum „Sohn des Fluchbringers“ zu machen?

_Bernd:_
Im Grunde stand schon von Anfang an fest, dass es ein junger Protagonist werden würde, der auszieht, um einen Fehler, den sein Vater begangen hat, wiedergutzumachen. Vielleicht weil mir vor zehn Jahren, als ich die Idee ursprünglich hatte, ein junger, relativ unerfahrener Held noch deutlich näher stand als ein alter Veteran (was nicht heißen soll, dass ich mich heute alt fühle 😉 ). Außerdem sind mir Figuren, die eher von Enthusiasmus als Können angetrieben werden, irgendwie sympathischer als zynische Profis. Eine Alternative dazu gab es auch eigentlich nie, sodass ich nicht sagen würde, dass ich mich bewusst dafür entschieden habe, den „Sohn des Fluchbringers“ zur Hauptfigur der Geschichte zu machen, denn genau genommen |ist| er die Geschichte.

_Martin:_
Du bist ja auch Chefredakteur unseres Partnermagazins [ringbote.de.]http://www.ringbote.de Denkst du, die Arbeit dort hat dir beim Schreiben sehr geholfen? Was wolltest du beim Schreiben vermeiden, was dir vielleicht als Rezensent bei anderen Romanen nicht gefallen hat?

_Bernd:_
Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde, zu behaupten, meine Arbeit beim |Ringboten| hätte meine Art, Romane zu schreiben, beeinflusst. Ich schreibe schon viel länger selbst Kurzgeschichten, als ich die Werke anderer Autoren rezensiere. Es hat aber mit Sicherheit nicht geschadet, in den letzten Jahren viele Bücher gelesen und mir auch eine Meinung darüber gebildet zu haben. Man erkennt dadurch schon irgendwann, was einem selbst gefällt und was nicht. Ich mag beispielsweise Trilogien nicht, die praktisch mitten im Satz mit den Worten „Fortsetzung folgt“ (in einem Jahr) enden. Daher ist jeder „Tarean“-Band irgendwie in sich abgeschlossen, auch wenn insgesamt eine größere Geschichte erzählt wird.

_Martin:_
Das hat mir auch sehr gut gefallen: dass dein Roman zwar als Mehrteiler angelegt, die Geschichte aber eigentlich abgeschlossen ist. Man hat also kein unbefriedigendes Gefühl am Ende des Buches wie bei so vielen anderen Mehrteilern. Das war also von dir explizit so gewollt?

_Bernd:_
Ja. Es gefällt mir, wie gesagt, selbst nicht, wenn ich ein Buch zuklappen muss, und alle Antworten sind noch offen (weil die Reihe ja weitergeht). Ich habe nichts dagegen, wenn es Handlungsfäden gibt, die interessante Geschichten in Folgebänden ergeben können. Aber einen Teilabschluss sollte ein Roman schon haben. Im Falle von „Tarean“ war Band eins allerdings anfangs gar nicht als Trilogie geplant. Er sollte als Einzelroman bestehen können, denn schließlich wusste ich nicht, ob es jemals eine Fortsetzung geben würde. Erst als der Verlag (|LYX|) meinte, er würde gerne eine Trilogie daraus machen, habe ich eine entsprechende Ausweitung der Handlung vorgenommen, wobei auch Band zwei, der ja demnächst erscheint, eine relativ in sich geschlossene Episode in der Entwicklung von Tarean darstellt.

_Martin:_
Positiv aufgefallen ist mir zudem, dass du einen erfrischenden Fantasy-Mix hinbekommen hast, ohne die ständigen selben Stereotypen zu benutzen. Eben nicht dieselben Elfen, Orks und Zwerge, sondern eben ein Irrlicht, einen Werbären, die Taijirin und als Gegner eben die Grawls.

_Bernd:_
Sagen wir so: Ich habe es versucht. Natürlich werden kritische Stimmen die Alben Elfen nennen, die Grawls Orks und die Setten Zwerge. Aber es war durchaus mein Anliegen, nicht einfach nur die typischen Fantasy-Völker zu bedienen. Vor allem in der Protagonisten-Riege wollte ich ungewöhnliche Charaktere zusammenzuführen. Und auch die sonstigen Figuren sollten zumindest einen gewissen Kniff haben. So sind die Alben nicht alle Bogen schießende, edle Waldbewohner, sondern im Grunde Menschen mit grauer Haut und glühenden Augen, die durchaus auch mal als Tagediebe unterwegs sind. Die Wolflinge ähneln in ihrer Art viel eher Werwölfen als Orks. Und die Setten graben keine Stollen unter der Erde, sondern haben ein Faible für die Alchemie und technische Basteleien (auch wenn manche von ihnen Bärte tragen, gerne Bier trinken und Monstern mit dem Hammer eins überziehen).

_Martin:_
Ich muss sagen, nicht nur das hat mich sehr positiv an Robert Jordans [„Rad der Zeit“-Saga]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2470 erinnert. Hat er dich beeinflusst, und welche Autoren schätzt du generell besonders?

_Bernd:_
Der Vergleich ist natürlich eine große Ehre, aber um ehrlich zu sein, habe ich Robert Jordan nie gelesen. Viele Leute denken, „Tarean“ wäre stark von Fantasy-Romanen inspiriert. Tatsächlich lese ich aber kaum Fantasy. Ich mag viel lieber Science-Fiction-Romane, etwa Arthur C. Clarke, Ben Bova, Charles Sheffield und dergleichen. Insgesamt lese ich allerdings (auch bedingt durch meine Arbeit für den |Ringboten|) zu bunt, um eine uneingeschränkte Begeisterung für einzelne Autoren entwickelt zu haben. Ich liebe die Vielfalt innerhalb der Genre-Grenzen der Phantastik. Allerdings mochte und mag ich durchaus bestimmte Aspekte verschiedener Autoren. Tad Williams bewundere ich beispielsweise für seine unglaubliche Fähigkeit zur blumigen Sprache. Terry Pratchetts absurder Humor (in seinem Frühwerk) ist genau mein Ding. Und H. P. Lovecrafts kosmisches Grauen vermag mich immer wieder zu fesseln.

_Martin:_
Magst du einen deiner Charaktere am liebsten? Also ich hab mich ja ein wenig in Moosbere verknallt.

_Bernd:_
Die Kerntruppe (Tarean, Auril, Bromm und Moosbeere) habe ich absichtlich so geschrieben, dass ich mit jedem von ihnen gerne befreundet wäre. Ich mag Tareans naiven Eifer, die Welt retten zu wollen. Auril hat ihren Reiz, weil sie einerseits ihren Mann zu stehen vermag, andererseits aber auch sehr gefühlvoll ist. Einen Kumpel wie Bromm, der zwar ein bisschen mürrisch wirkt, doch wie ein Fels in der Brandung hinter einem steht, wenn man ihn braucht, wünscht sich wohl jeder. Und Moosbeere gewinnt natürlich durch ihre liebenswerte Verrücktheit und ihre völlig arglose Körperlichkeit (wenn sie mit jemandem Kuscheln will, dann tut sie es einfach) alle Herzen.

Oft sind es auch die Nebenfiguren, mit denen ich unglaublich viel Spaß habe und die ich mit regelrechtem Bedauern nach nur wenigen Seiten wieder aus der Geschichte entlasse. In „Erbe der Kristalldrachen“ sind etwa der Sette Gridoman, ein schurkischer kleiner Kerl, und der geradezu forsche Steinerne Tâch’thurt solche Figuren.

_Martin:_
Wie bist du beim Anlegen deiner Charaktere vorgegangen? Hast du sie lange geplant, oder hat sich das meiste beim Schreiben entwickelt?

_Bernd:_
Das meiste entwickelt sich beim Schreiben, wobei das mit jedem Folgeroman etwas weniger der Fall ist. Am Anfang hatte ich nur ein paar Vorstellungen, was für Figuren ich gerne im Ensemble haben würde: den neugierigen Jungen, die Frau, in die er sich verlieben wird, den hünenhaften Beschützer, den liebenswerten Sidekick. In einem frühen Entwurf waren Tarean, Auril, Bromm und Moosbeere auch noch völlig andere Gestalten, und ich habe durchaus eine Weile darüber gebrütet, welche Konstellation am besten funktionieren würde.

Je länger ich allerdings mit den Figuren unterwegs bin, desto mehr über ihren Hintergrund muss ich festlegen und entwickeln, damit die Charakterentwicklung stimmig bleibt. Für Band zwei habe ich Aurils Background praktisch komplett ausgearbeitet. Auch Moosbeeres Hintergrund ist mittlerweile ziemlich weit gediehen. Allein Bromm ist noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt – mal sehen, ob sich das in Band drei ändert.

_Martin:_
Als Rollenspielkenner bist du hierbei sicherlich auch ein wenig inspiriert worden, oder? Gerade auch die Namen Riva und Winhall klingen schon nach einer kleinen Hommage an „Das Schwarze Auge“ …

_Bernd:_
Ich bin vom Rollenspiel insofern inspiriert worden, als ich manchen Figuren und Orten, die ich früher mit Freunden ersonnen habe (wir haben jahrelang unsere eigene Fantasy-Welt bespielt und bewandert), in „Tarean“ kleine Cameos gönne. Diese dürften aber nur eine Handvoll Menschen auf der ganzen Welt wiedererkennen. Was den Fall „DSA“ angeht, so handelt es sich ehrlich gesagt um zufällige Namensgleichheiten, die ich auch vermieden hätte, wären sie mir beim Schreiben bewusst gewesen. Zwar habe ich „Das Schwarze Auge“ eine kurze Weile gespielt, aber ich kenne mich in Aventurien viel zu wenig aus, als dass ich absichtliche Verweise in dieser Richtung gemacht hätte. Zumal ich Hommagen, die sich in tatsächlichen Namen widerspiegeln, eher uninspiriert finde. Riva ist, um einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu geben, eine lautmalerische Verballhornung von engl. „river“ (= Fluss). Wînhall soll einfach nur Wiesenhalle bedeuten, wobei der Zirkumflex auf dem i den Ausfall eines nachfolgenden „s“ anzeigt (beim Wechsel vom Alt- zum Neufranzösischen gab es das beispielsweise). Und wo wir schon dabei sind: Albernia hat auch nichts mit der gleichnamigen aventurischen Grafschaft zu tun, sondern ist schlicht das Land der Alben. 🙂

_Martin:_
Du bist ja studierter Filmwissenschaftler. Liege ich arg falsch, wenn mich das Ende des Buches an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnert?

_Bernd:_
Nein, diesmal nicht. 🙂 Wobei allerdings viele Leute das Gewicht der Hommage überbewerten. Ich gebe zu, dass mich die Gestalt des Imperators in seinem hohen Thronsaal stets fasziniert hat, und ich wollte schon immer einen Bösewicht ähnlicher Güteklasse in einer Geschichte unterbringen. Möglicherweise hat mich diese Begeisterung um ein oder zwei allzu leicht erkennbare Zitate übers Ziel hinausschießen lassen. Es würde allerdings zu weit gehen, zu versuchen, in dem Grimmwolf Darth Vader, in Tarean Luke, in At Arthanoc den Todesstern, in dem Albenheer die Rebellen, in dem Glutlanddrachen einen Supersternenzerstörer und in den Vogelmenschen die Ewoks wiederzuerkennen. Tatsächlich verläuft auch die Situation im Thronsaal völlig anders als das Finale von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Aber dass ich ein großer Fan des „Star Wars“-Universums bin, will ich gar nicht verhehlen. Und wer genau liest, wird auch immer wieder kleine Momente aus den Filmen von George Lucas finden. Und aus „Babylon 5“. Und aus der „Robin Hood“-TV-Serie aus den 80ern. Und aus „Terminator 2“. Und aus „Gremlins“. Ich mache das übrigens nicht, weil ich es nicht anders könnte, sondern weil es mir Spaß macht, unsere modernen Mythen in meist augenzwinkernder Art in meine Geschichten einzuflechten. (Nichts anderes haben Genre-Autoren schon immer gemacht, wenn sie sich am Stoff biblischer, griechischer, römischer oder germanischer Sagen bedient haben.)

_Martin:_
Mitte April erschien ja der zweite Band „Erbe der Kristalldrachen“. Kannst du uns dazu einen kleinen Ausblick geben?

_Bernd:_
Ich sage es mal mit dem Pressetext, der ohnehin bereits auf meiner Website nachzulesen ist (Vorsicht: Spoiler!): Die Geschichte spielt ein halbes Jahr nach dem Sieg über den Hexenmeister Calvas. Tarean weilt als Gast der Vogelmenschen in den Wolkenbergen, als er einen Hilferuf erhält, der ihn gemeinsam mit dem Irrlicht Moosbeere, Prinz Iegi und dessen Nistschwester Raisil zurück zu den Ruinen von At Arthanoc bringt. Dort finden die Gefährten in einer von Magie verborgenen Höhle tief unter den Trümmern der Hexerfeste einen eingekerkerten Kristalldrachen. Um ihn und seinesgleichen zu befreien, muss Tarean in die fernen Glutlande aufbrechen, wo sich der Eingang zu den Dunkelreichen befinden soll, jener sagenumwobenen Unterwelt, von der Tarean bislang glaubte, sie existiere nur in Erzählungen. In dieses Reich nämlich haben der Herr der Tiefe und sein einstiger Schüler, der Hexenmeister Calvas, vor hundert Jahren die Kristalldrachen verbannt. Tarean steht eine weitere Reise voller Gefahren bevor, eine Reise, während der nicht nur unerwartete neue Verbündete seinen Weg kreuzen, sondern auch alte Freundschaften auf die Probe gestellt werden. (Und bevor jemand fragt: Ja, Auril und Bromm sind auch wieder mit von der Partie.)

_Martin:_
Hast du schon weitere Projekte in Aussicht? Welche weiteren Romane sind geplant?

_Bernd:_
Nun zunächst steht natürlich „Tarean 3“ an, der im Herbst erscheinen soll. Dann bin ich mit |Pegasus Spiele| in Gesprächen über ein weiteres Abenteuerspielbuch der „Hexer von Salem“-Reihe. (Wer sich gerade fragt, wovon ich spreche: Ich habe mit Christian Humberg ein Abenteuerspielbuch namens „Das schleichende Grauen“ geschrieben, das auf der Welt von Wolfgang Hohlbeins „Hexer von Salem“ basiert und den Leser/Spieler ins Berlin des Jahres 1922 versetzt.) Das wird aber vermutlich nichts vor 2010. Ansonsten ist eine Menge angedacht, aber noch nichts spruchreif. Ich würde der reinen Fantasy aber gerne für eine Zeit den Rücken kehren und als nächstes ein Genre-Crossover machen, etwa Urban-Fantasy oder eine Geschichte um Magier im viktorianischen England.

_Martin:_
Dann sind meine Fragen hiermit erschöpft. Ich danke dir recht herzlich für das Interview, und jetzt möchte ich dir noch die obligatorische Gelegenheit geben, das Wort an unsere Leser zu richten.

_Bernd:_
Ich habe es zwar schon verschiedentlich gesagt, wiederhole es aber gerne immer wieder: Danke, dass es euch gibt! Gäbe es nicht so viele eifrige Leseratten und Bücherwürmer, die gerne lesen – in den letzten Jahren speziell Fantasy-Romane -, würde es jungen deutschen Autoren wie mir viel schwerer fallen, in der Verlagslandschaft Fuß zu fassen. Oh, und speziell an alle, die [„Tarean – Sohn des Fluchbringers“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5678 schon gelesen haben: Ihr wolltet mehr Drachen, mehr Seiten, mehr Charakterentwicklung, mehr Moosbeere – kriegt ihr alles in „Erbe der Kristalldrachen“!

http://www.bernd-perplies.de