Schlagwort-Archive: Andreas Eschbach

Andreas Eschbach – Solarstation (Lesung)

Einfühlsame Lesung: Der Putzmeister als Detektiv

2015: Kostbar sind die Sonnensegel der japanischen Solarstation NIPPON. Von ihnen aus wird die Erde mit Energie versorgt. Als die Energieübertragung versagt, denken Leonard Carr und die Mannschaft der Station zuerst an eine technische Panne. Doch dann geschieht ein Mord, und ein fremdes Raumschiff dockt an.

Entsetzt erkennt die Besatzung, dass sie Spielball in einem Plan ist, der die Station zu einer nie dagewesenen Bedrohung werden lässt. Leonard hat nur eine Chance: Er kennt alle Geheimnisse der Solarstation und weiß beim Kampf, die Gesetze der Schwerelosigkeit für sich zu nutzen … (Verlagsinfo)

„Solarstation“ war nach [„Die Haarteppichknüpfer“ der zweite Roman Eschbachs. 1997 wurde er mit dem Kurd-Laßwitz-Preis der deutschen SF-Kritiker als bester deutscher SF-Roman 1996 ausgezeichnet.
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Andreas Eschbach – Die Wiederentdeckung (Lesung)

Eine kleine Lektion für Praktikanten

Auf dem Planeten Eswerlund gibt es einen Schrottplatz für Raumschiffe, und genau dort werden in einem ausgedienten Gleiter Karten der verschollenen Galaxie Gheera wiederentdeckt. Diese bislang unveröffentlichte Erzählung spielt im gleichen Universum wie „Die Haarteppichknüpfer“, dem Romandebüt des Autors Eschbach.

Der Autor

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Andreas Eschbach – NSA. Nationales Sicherheits-Amt

Die Liebe der Programmstrickerin

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene Bodenkamp arbeitet im NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt, und entwickelt dort Komputer-Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Deutschen Reichs überwacht werden. Erst als sie sich in einen Deserteur verliebt und ihn in Sicherheit bringt, regen sich Zweifel in ihr. Ihre Hilfsversuche bringen sie in Konflikt mit der Staatsdoktrin, sondern sie wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Eugen Lettke verwickelt. Dieser nutzt die perfekte Überwachungstechnik für seinen ganz privaten Rachefeldzug und überschreitet dabei zunehmend jede Grenze… (abgewandelte Verlagsinfo)

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Andreas Eschbach über die Erzählungen von James Tiptree jr. (Alice B. Sheldon)

Wanderungen entlang der Grenze des Wahnsinns
Von Andreas Eschbach

Falls Sie dieses Nachwort zum Erzählband „Houston! Houston!“ (Septime Verlag 2014) in der Hoffnung lesen, mehr über die Autorin [Alice B. Sheldon] zu erfahren, die unter dem Namen James Tiptree jr. zu Weltruhm gelangt ist, muss ich Sie enttäuschen: Das werden Sie hier nicht.

Was das anbelangt, muss ich Sie auf die Nachworte der übrigen Bände dieser Reihe verweisen, wo Berufenere, als ich es bin, sich dazu geäußert haben. In diesem Nachwort erfahren Sie lediglich etwas über den Autor Andreas Eschbach und darüber, welchen Einfluss die Storys von James Tiptree jr. auf diesen Autor gehabt haben. Was, zugegeben, nicht jeden interessieren mag; sollten auch Sie eher zu denen zählen, die angesichts dieser Perspektive mit den Schultern zucken und „Na und?“ denken, dann nutzen Sie Ihre Lebenszeit vermutlich besser, wenn Sie die Lektüre des vorliegenden Buches jetzt als abgeschlossen betrachten und sich anderen, interessanteren Dingen zuwenden.

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Andreas Eschbach – Quest. SF-Roman

„Quest“ ist eine Space-Opera mit nur einem Thema: die Suche nach dem Planeten des Ursprungs, nach dem Schöpfergott des Universums, nach dem Sinn des Lebens. Man sieht: Das sind reichliche hohe und viele Themen für einen Abenteuerroman. Und so verwundert es nicht, dass sich der Anteil an Abenteuern stark in Grenzen hält. Aber dafür hat der Roman andere Qualitäten vorzuweisen, beispielsweise glaubwürdige Figuren und zwei gute Liebesgeschichten.
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Interview mit Andreas Eschbach zu seinen neuen Romanen und zur Verfilmung von „Eine Billion Dollar“

Andreas Eschbach ist ein sehr fleißiger Autor, und seine Werke erscheinen bei Lübbe, Arena, Fischer TOR und in den bekannten PERRY-RHODAN-Heften. Allerdings kommen die Rezensenten kaum noch mit diesem Ausstoß hinterher. Lassen wir doch den Autor einfach seine jüngsten Werke, die seit „Eines Menschen Flügel“ erschienen sind, selbst vorstellen.

BUCHWURM: Was ist denn der Clou beim Plot deines Jugendromans „Gliss“, der 2021 im Arena-Verlag erschienen ist?

Andreas Eschbach: Der Clou ist zweifellos das geheimnisvolle Material dieses Namens, das den weitaus größten Teil des Planeten Hope bedeckt und sich dadurch auszeichnet, dass es darauf keinerlei Reibung gibt: Was aufs Gliss gerät und eine Eigenbewegung hat, rutscht weiter und weiter und umrundet, wenn es nicht zufällig auf ein Hindernis stößt – und Hindernisse sind ausgesprochen rar – den ganzen Planeten.

Und worum kämpfen die darin auftretenden Jugendlichen?

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[NEWS] Andreas Eschbach – Der schlauste Mann der Welt

Jens Leunich besitzt nur so viel, wie in zwei Koffer passt – und außerdem genug Millionen auf dem Konto, um sein ganzes Leben in den Luxushotels der Welt zu verbringen. Abgesehen davon tut er – nichts. Gar nichts. Denn nichts zu tun, hat er erkannt, ist der beste Weg, die Welt zu retten. Bloß ist nichts zu tun nicht so einfach, wie die meisten denken. Diese und andere schlaue Einsichten will er nun niederschreiben – doch ganz gegen seine Gewohnheiten muss er sich damit beeilen, denn er hat nur noch zehn Tage zu leben … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
Lübbe

[NEWS] Andreas Eschbach – Ausgebrannt

Die Menschheit vor ihrer größten Herausforderung: Das Ende des Erdölzeitalters steht bevor!
Als in Saudi-Arabien das größte Ölfeld der Welt versiegt und die Saudis alles daransetzen, die erschreckende Wahrheit zu vertuschen, kommt es nicht nur im Nahen Osten zu Unruhen. Die Menschheit steht plötzlich vor ihrer größten Herausforde­rung. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, bahnt sich an. Nur Markus Westermann glaubt an ein Wunder. Er glaubt, eine Methode zu kennen, wie man noch Öl finden kann. Viel Öl. Doch der Schein trügt … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 752 Seiten
Lübbe

[NEWS] Andreas Eschbach – Freiheitsgeld

Europa in nicht allzu ferner Zukunft. Die Digitalisierung ist weit fortgeschritten, Maschinen erledigen die meiste Arbeit, während ein bedingungsloses Grundeinkommen, das sogenannte „Freiheitsgeld“, dafür sorgt, dass jeder ein menschenwürdiges Leben führen kann. Als der Politiker, der das Freiheitsgeld eingeführt hat, tot aufgefunden wird, wirkt es zunächst wie ein Selbstmord. Doch dann wird der Journalist ermordet, der einst als sein größter Gegenspieler galt. Ahmad Müller, ein junger Polizist, ist in die Ermittlungen um beide Fälle involviert – und sieht sich mit übermächtigen Kräften konfrontiert, die im Geheimen operieren und vor nichts zurückschrecken, um eine Aufklärung zu vereiteln.
(Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 528 Seiten
Lübbe

[NEWS] Andreas Eschbach – Eine unberührte Welt: Inklusive neuer Geschichten

Mit 13 neuen Geschichten! Erfahren Sie, wie – und vor allem warum – man UFOs anlockt. Wie die Zukunft des autonomen Fahrens aussieht. Ob es im Garten Eden nicht zu langweilig ist. Wie gefährlich gut gemeinte Liebesbeweise sind und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir im Müll ersticken. Außerdem in diesem Band: eine apokryphe Geschichte um die Haarteppichknüpfer. Diese Neuauflage beinhaltet alle ursprünglichen 27 Erzählungen des Sammelbandes und wird um neue Geschichten erweitert, die der Autor seit der Erstveröffentlichung geschrieben hat. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 480 Seiten
Lübbe

[NEWS] Andreas Eschbach – Kelwitts Stern

Auf dem Planeten Jombuur ist es üblich, jedem Neugeborenen einen Stern zu schenken. Später dann besucht der junge Jombuuraner diesen Stern, um dort wie von einem Orakel zu erfahren, was das Leben für ihn bereithält. Eines Tages bekommt auch der unbekümmerte Kelwitt seinen Planeten geschenkt: die Erde. Auf seiner Orakelfahrt soll Kelwitt die Erde eigentlich nur umkreisen. Doch als er entdeckt, dass sie bewohnt ist, beschließt er entgegen allen Warnungen zu landen und bekommt es prompt mit Geheimdiensten und neugierigen Wissenschaftlern zu tun. Unterschlupf findet er auf der Schwäbischen Alb, bei Familie Mattek, was die Probleme nicht kleiner macht … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 416 Seiten
Lübbe

Andreas Eschbach – Der Letzte seiner Art (Lesung)

Ein ganz anderer Terminator

Es gibt eine ganze Reihe von Standardmotiven in der spekulativen Literatur, und eines davon ist der Kyborg. Die Abkürzung ist aus dem 1960 geprägten Begriff „kybernetischer Organismus“ abgeleitet. James Camerons „Terminator“ ist wohl der bekannteste Cyborg, aber vorher gab es schon den „Six Million Dollar Man“ in einer TV-Serie.

Regelmäßig finden die Cyborgs einen gewaltsamen Tod, ganz gleich, ob sie gut sind oder böse. Dass das Ende eines Terminators auch ganz anders aussehen kann, belegt Andreas Eschbach in seinem Roman „Der Letzte seiner Art“, der nun auch im Hörbuch vorliegt.
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[NEWS] Andreas Eschbach – Eines Menschen Flügel

Eine ferne Zukunft auf einem fernen, scheinbar paradiesischen Planeten – doch der Schein trügt. Etwas Mörderisches lauert unter der Erde. Daher haben die Siedler ihre Kinder gentechnisch aufgerüstet, sodass sie fliegen können. Es gibt jedoch weitere Rätsel: Noch nie haben die Menschen die Sterne gesehen. Der Himmel ist immer bedeckt, als würde sich dahinter etwas verbergen. Den Himmel, so heißt es, kann man nicht erreichen. Oder doch? Owen, einem Außenseiter, gelingt es – mit tödlichen Folgen …
(Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 1264 Seiten
Lübbe

Andreas Eschbach – Das Jesus-Video. Inszenierte Lesung

Hat ein Zeitreisender von Jesu Leben ein Video gedreht? Archäologen finden in Israel die Bedienungsanleitung für eine Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommt. Und befindet sich die Kamera mit dem Video ebenfalls in Israel?

Während der Projektleiter, ein Industrieller, vom Vatikan 10 Milliarden Dollar für seinen Fund haben will, kontert die römisch-katholische Kirche mit einem Kommando der Heiligen Inquisition. Steht ein Religionskrieg bevor?

Der Autor

Andreas Eschbach, geboren 1959, schrieb mit „Das Jesus-Video“ einen der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungs-Thriller: Er wurde von Pro7 verfilmt und als Hörbuch von Lübbe vertont. Inzwischen hat er neben Science-Fiction auch den spekulativen Wirtschafts-Thriller „Eine Billion Dollar“ und die Jugendbücher „Perfect Copy“ (über Kloning) und „Das Mars-Projekt“ veröffentlicht. Im September 2003 erschien sein neuester Roman „Der letzte seiner Art“, in dem es um einen Kyborgsoldaten im Ruhestand geht. Eschbach lebt in der Bretagne.

Der Sprecher

Matthias Koeberlin, geboren 1974, spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers. Als ausgebildeter Schauspieler weiß er seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Aber er kennt nicht die Aussprache jedes einzelnen ausländischen Namens – wer könnte es ihm verdenken? Daher betont er beispielsweise den Namen des Papst-Agenten Scalfaro falsch: Er sagt Scalfáro statt Scálfaro.

Handlung

Gibt es Zeitreisende – und wenn ja, wo sind sie geblieben? Haben sie was mitgebracht?

Stephen Foxx, Mitglied der New Yorker Explorer’s Society, findet bei archäologischen Ausgrabungen in Israel in einem 2000 Jahre alten Grab die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommen soll. Es gibt nur eine Erklärung (oder?): Jemand muss versucht haben, Videos von Jesus Christus zu machen. Der Tote im Grab wäre demnach ein Mann aus der Zukunft, dem es gelungen war, in die Vergangenheit zu reisen. Und irgendwo in Israel wartet eine Kamera samt Videoaufnahmen in einem sicheren Versteck darauf, gefunden zu werden.

Aber möglicherweise ist ja alles nur ein groß angelegter Schwindel. Schließlich hat ein Medienzar, John Kaun, seine Finger im Spiel. Er finanziert die Ausgrabung, und ein dubioser britischer „Wissenschaftler“ leitet die Grabungen. Als John Kaun dem Vatikan die noch nicht einmal gefundenen Videobänder gegen eine astronomische Summe verkaufen will, beginnt ein lebensbedrohliches Katz-und-Maus-Spiel für Stephen Foxx, das ihn zuletzt an den Rand des Verdurstens in der Wüste Negev führt.

Mein Eindruck

Eschbachs große erzählerischen Vorbilder sind Konsalik und Alistair McLean. Der Leser stößt dementsprechend allenthalben auf Kniffe und effektvolle Strukturen in Eschbachs extrem spannenden Thriller. Auffallend sind die vielen Cliffhanger-Schlüsse an Kapitelenden.

Flache Figuren

Leider sind seine Figuren notgedrungen entsprechend flach, geradezu stromlinienförmig. Sie erfüllen häufig nur dramaturgisch notwendige Funktionen. Nur Stephen Foxx‘ engste Freunde wie Peter Eisenhardt, Judith & Joshua Menes erfahren deutlichere Charakterisierung. Immerhin rettet seine stellenweise auftretende Selbstironie den Erzählton vor dem Abrutschen ins pathetische Drama. Am markantesten gelungen ist wohl der eremitische Vater eines der Ausgrabungshelfer – er gibt den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib der Videokamera, doch schließt er sich selbst vom Geschehen, ja vom Rest der Welt aus.

Bildungsreise durch Israel

Ganz nebenbei vermittelt der Erzähler eine ganze Menge an Bildungswissen und wertvollen Einsichten: nicht nur über das politische Pulverfass Israel – allein schon der PLAN für eine Grabung an der Klagemauer könnte einen Krieg auslösen! -, sondern auch über seine vieltausendjährige Geschichte, auf die sich unter anderem auch unsere abendländische Kultur gründet. Hier agiert der Erzähler mit Tonnen von Material auf leichtfüßige Weise, glänzt stellenweise mit ironischem Witz und originellen Einsichten. Dies macht dieses Hörbuch nicht nur zu einem spannendem Hörerlebnis, sondern zu einem Vergnügen, das nicht so schnell zu wiederholen ist.

Zickzack-Epiloge

In den Epilogen, die der Haupthandlung folgen, verkehrt sich das vermeintlich so traurige Ergebnis der Haupthandlung mehrfach in ihr Gegenteil. Hier stellt der Autor die Frage, ob es so wahnsinnig wichtig ist, ob das Jesus-Video „echt“ ist und dies die „Wahrheit“ für alle Christen sei. Natürlich werden diese absoluten Wertkategorien relativiert. Aber rein aus Spaß an der Freud an diesem Spiel baut sich dann doch so etwas wie eine Zeitschleife auf. Nicht von ungefähr lautet der letzte Satz des Romans „Die Geschichte beginnt.“ Und der Begriff „Geschichte“ hat an dieser Stelle natürlich mehrere Bedeutungen. Selbst wenn wir dieses Buch lesen, sind wir Teil der „Geschichte“.

Originelle Sprache

Immer wieder fällt die abwechslungsreiche und originelle Verwendung der deutschen Sprache auf. So viele passende Begriffe wird man in kaum einer Übersetzung aus dem angelsächsischen Raum finden. Wörter wie „Kugelblitz“, „Glutball“, „herumfuhrwerken“ sind außerhalb der deutschen Sprache – und sogar innerhalb – nur wenig gebräuchlich.

Logischer Fehler

Ein Fehler ist auffallend, eine Fehlkalkulation in der Zeit: Die letzte Szene findet fünfeinhalb Jahre nach der Haupthandlung statt. Dort heißt es, die Videokamera käme in drei Jahren auf den Markt. Als der Zeitreisende auftaucht, sind die fünfeinhalb Jahre vergangen, die Kamera ist bereits seit zweieinhalb Jahren erhältlich. Dennoch wurde sie vom Verkäufer als „das Neueste vom Neuen“ empfohlen. Heute erscheinen zweieinhalb Jahre als eine Ewigkeit für einen Innovationszyklus.

Die musikalische Inszenierung

Diese Romanlesung ist sehr wirkungsvoll. Zum einen trägt ein ausgebildeter Schauspieler sie vor, zum anderen wurde sie mit dem Original-Soundtrack der ProSieben-Verfilmung inszeniert. Das bedeutet, dass jede CD mit einem Intro und einem Extro versehen ist, das den Zuhörer nach Israel versetzt. Das heißt auch, dass entsprechende Stimmen und Musikinstrumente erklingen, die in das jeweilige Milieu passen. Geräusche tauchen kaum auf. Sie würden auch nur stören, denn zwei „Tonspuren“ sind das Maximum, das das menschliche Gehör als erträglich empfindet (Grundkurs Tontechnik). Jede weitere Tonebene muss, wie jeder Spielfilm zeigt, entsprechend zurückgenommen werden.

Die letzte CD weist noch ein weiteres Schmankerl auf: den originalen Abschluss-Song, gesungen von einer Künstlerin. Unter „vocals“ gibt die Hörbuchbeilage „Anna“ an, mehr nicht. Die Musik selbst wurde komponiert, arrangiert, programmiert und aufgenommen von Egon Riedel (www.ego-n.de).

Unterm Strich

Die Hörbuchfassung vereint meines Erachtens das Beste aus beiden Fassungen: Gelesen wird die Buchfassung, aber mit der Musik und der Hauptrolle der ProSieben-Verfilmung. Der Film zeigt eine Variation der Geschichte und legt viel Wert auf Action und Tempo. Wer das Buch mag, kann man über den Film wohl nur den Kopf schütteln.

Deshalb bietet die Hörbuchfassung sozusagen das Original, aber multimedial aufbereitet: eine Rundumerfahrung, die die Längen des Buches hinter sich lässt (Redaktion: S. Scheibler), um zielstrebig zur Sache zu kommen (soweit das bei einer Katz-und-Maus-Jagd überhaupt möglich ist).

Umfang: 410 Minuten auf 6 CDs

Michael Matzer © 2003ff

Eschbach, Andreas / Kaiser, Kerstin / Päschk, Christian / Prangenberg, Klaus – blauen Türme, Die (Das Marsprojekt 2. Inszenierte Lesung)

_Inszenierte Lesung: Neues vom Geheimnis des Mars_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle zwischen 13 und 15 Jahren alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Doch im Jahr 2086 sollen sie gemeinsam mit anderen Marssiedlern zur Erde zurückkehren, weil machthungrige Politiker behaupten, das Marsprojekt sei gescheitert. Die Vorbereitung zur Stilllegung der Forschungsstation laufen bereits auf Hochtouren – aber die vier Jugendlichen sind fest entschlossen, auf dem Roten Planeten zu bleiben. Besonders Elinn, die aus medizinischen Gründen auf der Erde nicht überleben könnte. Sie büchsen aus und kommen einem verborgenen Geheimnis des Planeten auf die Spur.

Band 2: Seit ihrer Entdeckung der blauen Türme ist der Mars in aller Munde. Wer hat die Türme erbaut und wozu? Wissenschaftler und Journalisten reisen an, um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Die Marssiedlung wächst rasant, doch mit den Raumschiffen von der Erde kommen nicht nur Freunde des Marsprojekts. Ein Saboteur treibt sein Unwesen, um die Forschungsarbeiten zum Stillstand zu bringen und den Abbruch des Projekts herbeizuführen. Doch die vier Freunde kommen ihm auf die Schliche – und erhalten Hilfe von unerwarteter Seite …

Es handelt sich um eine inszenierte Lesung, die mit Musik und Geräuschen versehen ist.

_Der Autor_

Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, bevor er als Software-Entwickler und Berater arbeitete. Schon als Junge schrieb er seine eigenen Perry-Rhodan-Storys, bevor er mit „Die Haarteppichknüpfer“ 1984 seine erste Zeitschriftenveröffentlichung landen konnte.

Danach dauerte es noch elf Jahre bis zur Romanfassung von „Die Haarteppichknüpfer“, danach folgten der Actionthriller „Solarstation“ und der Megaseller „Das Jesus-Video“, der mit dem renommierten Kurd-Laßwitz-Preis für den besten deutschsprachigen Science-Fiction-Roman des Jahres 1998 ausgezeichnet und fürs Fernsehen verfilmt wurde.

Seitdem sind unter anderem die Romane „Eine Billion Dollar“, „Perfect Copy“, „Exponentialdrift“, „Die seltene Gabe“, „Das Marsprojekt 1-3“ sowie „Der Letzte seiner Art“ erschienen, einige davon zudem als Hörbuch. Auch das Sachbuch „Das Buch der Zukunft“ gehört zu seinen Publikationen. Eschbach hat mehrere Anthologien, darunter „Eine Trillion Euro“, herausgegeben und eine Reihe von literarischen Auszeichnungen erhalten. Heute lebt er mit seiner Familie als freier Schriftsteller in der Bretagne.

Das Marsprojekt:

01: [Das ferne Leuchten 1102
01: [Das ferne Leuchten 5497 (inszenierte Lesung)
02: [Die blauen Türme 1165
03: [Die gläsernen Höhlen 2484
04: [Die steinernen Schatten 4301
05: [Die schlafenden Hüter 5266

Mehr von Andreas Eschbach auf |Buchwurm.info|:

[„Ausgebrannt“ 3487 (Buchfassung)
[„Ausgebrannt“ 4942 (Hörbuch)
[„Der Nobelpreis“ 2060
[„Die Wiederentdeckung“ 3211 (Hörbuch)
[„Die Haarteppichknüpfer“ 1556
[„Quest“ 1459
[„Perfect Copy – Die zweite Schöpfung“ 1458
[„Der Letzte seiner Art“ 1250
[„Der Letzte seiner Art“ 317 (Hörbuch)
[„Die seltene Gabe“ 1161
[„Eine Billion Dollar“ 653
[„Das Jesus-Video“ 267 (Hörbuch)
[„Exponentialdrift“ 187

_Die Sprecherin_

Marie Bierstedt, Jahrgang 1974, trat ab Mitte der 80er Jahre in TV-Serien wie „Praxis Bülowbogen“ oder „Ein Heim für Tiere“ auf. Sie ist unter anderem die deutsche Stimme von Kirsten Dunst („Spider-Man“), Kate Beckinsale und Natalie Portman. Sie ist vielen Deutschen zudem als deutsche Stimmbandvertretung von Alyson Willow Hannigan in „Buffy“ vertraut.

Der Text wurde von Klaus Prangenberg gekürzt, Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahme leitete Christian Päschk. Die Musik steuerte der bekannte Profi Andy Matern bei. Die Inszenierung besorgten Fabian Frischkorn und Horst-Günther Hank.

_Der Komponist_

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu-Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik-Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

_Vorgeschichte_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle so um die 14-15 Jahre alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Vor allem Elinn hat einen besonderen Draht zu ihrer fremdartigen Umgebung entwickelt – sie sieht ein Leuchten, das andere nicht wahrnehmen. Und sie findet Steine, die für sie wie Landkarten von einer bestimmten Gegend – dem Löwenkopf – aussehen, auch wenn sie anderen nichts sagen. Aber sie hat Recht, wie sich zeigen soll.

Doch eines Tages bekommen die Kids mit, welche geheimen Pläne die Erdregierung und der Marsgouverneur mit der Kolonie haben: Sie wollen sie schließen! Während Kostengründe vorgeschoben werden, geht es den dahinter stehenden Politikern nur um noch mehr Einfluss auf der Erde. Schon bald laufen die Vorbereitungen zu Stilllegung der Forschungsstation auf Hochtouren.

Niemand der Erwachsenen ahnt jedoch, dass die vier Freunde fest entschlossen sind, auf dem Mars zu bleiben. Selbst Carl, der auf der Erde studieren wollte, gibt seine Pläne auf. Und besonders Elinn könnte auf der Erdoberfläche wegen der dreimal höheren Schwerkraft gar nicht überleben, sondern müsste in einer Orbitalstation wie in einem Gefängnis ihr Leben fristen.

Mit dem intelligenten Zentralcomputer AI-20 auf seiner Seite entführt das Quartett einen großen Marsrover und fährt 180 Kilometer zur asiatischen Station. Dumm gelaufen: Die Chinesen machen ihren Laden ebenfalls dicht! Aber die haben wenigstens noch ein schickes Flugzeug, mit dem man entdecken könnte, was sich hinter dem Löwenkopf verbirgt …

_Handlung_

Urs Pigrato muss mit seiner Mutter von Genf zum Mars umziehen, wo sein Vater Statthalter der Erdregierung ist. Urs ist 15 Jahre alt und fühlt sich in den Netzwerken der Erde sehr wohl, wo er sich gerne im Virtu, der Virtuellen Realität, dem Magnet Scooting hingibt, einem Virtu-Sport. Nach drei Monaten Nichtstun trifft die Ladung von rund 80 Passagieren endlich auf der nackten Kugel aus Staub und Fels ein, die man den Roten Planeten nennt. Urs ist nicht begeistert, aber wegen der vielen Neuheiten ziemlich aufgeregt. Hier wird er die nächsten sechs Jahre seines Leben verbringen.

|Einsamkeit|

Als er seine Freunde im Virtu kontaktieren will, erlebt er eine bittere Enttäuschung: Weil die Kommunikationsverzögerung zwischen Erde und Mars rund 15 Minuten beträgt, ist die Teilnahme an Virtu-Spielen ausgeschlossen, denn dazu braucht man Reaktionen in Echtzeit. Bleibt also nur die E-Mail. Und die ist unzuverlässig, weil die KI AI-20, die sonst alles in der Siedlung steuert, keinen Zugriff auf das Mailsystem hat. Einen Tag lang ist gar kein Mailverkehr möglich; irgendjemand muss eine Riesen-Mail überspielt haben. Der Journalist Wim Van Leer entschuldigt sich zwar für seine Auftraggeber, aber die haben angeblich nichts geschickt. Sein Vater seufzt bloß: Er habe ständig mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen.

|Die blauen Türme|

Zu seinem Verdruss schneiden ihn die vier anderen Kinder. Er kann sich ungefähr denken, warum: Sie halten ihn für einen Spion seines Vaters. Der hat auch tatsächlich eine solche Andeutung gemacht, aber Urs hat das Ansinnen rundweg abgelehnt. Als Ausgleich nimmt ihn sein Vater zum Camp der Forscher an den blauen Türmen mit.

Sie sind fast 300 Meter hoch, drehen sich in 411 Stunden einmal um ihre Achse – jeder entgegengesetzt zum anderen – und scheinen absolut nichts zu bewirken. Aber sie sind durch einen Schirm so getarnt, dass man sie nicht entdeckt, wenn man höher als 2900 Meter fliegt – ein interessantes Rätsel. Zu seiner Verwunderung entdeckt Urs daneben das Flugzeug der Asiatischen Forschungsstation. Es ist hier gestrandet, denn keiner kann es zurückbringen. Irgendwie schade, findet Urs.

|Katastrophen|

In der Asiatischen Forschungsstation tritt ein Notfall ein: Schimmel verstopft die Lüftungsanlage. Urs‘ Vater schickt den zuständigen Ingenieur mit einem Kanister Fungizid zu den Asiaten. Doch seine Bemühungen sind vergeblich, denn der Schimmel ist so aggressiv, dass er sich rasend schnell ausbreitet und die Substanz der Wände angreift. Die Asiaten müssen die Station aufgeben, so dass es in der Siedlung noch enger wird. Hoffentlich findet der Schimmel nicht seinen Weg in die Siedlung. Quarantäne wird verhängt.

Nach einem Willkommensfest begibt sich Urs mit seinem Freund, dem russischen Kraftwerksingenieur Jurij Glenkow, zum südlichen Fusionsreaktor. Sie stellen nichts Ungewöhnliches fest und fahren mit dem Rover zurück Richtung Siedlung, um danach den Nordreaktor zu inspizieren. Doch auf halber Strecke bricht Glenkow bewusstlos zusammen. Urs gelingt es in letzter Sekunde, eine Kollision mit einem der zahlreichen Felsen zu vermeiden und den Rover zu stoppen – dabei erweist sich sein Training im Magnet-Scooting als nützlich.

Doch was nun? Er kann ja seinen Freund nicht hier draußen in der Wüste sterben lassen. Doch die einzige Person, die seinen Notruf aufzufangen in der Lage ist, ist Ariana DeJones, die Tochter des Siedlungsarztes. Sie lässt sich von Urs die Symptome schildern und diagnostiziert einen hypoglykämischen Schock, denn Glenkow ist Diabetiker und hat Unterzucker. Er befindet sich praktisch im Koma. Sie muss zu ihm hinfahren und zwei Spritzen verabreichen.

Es gelingt ihr, Urs‘ Rover im Nirgendwo zu orten und Glenkow zu helfen. Zusammen fahren sie und Urs zurück zur Siedlung. Dort stellen der neue Sicherheitschef Eikanen und der Arzt DeJones fest, dass Glenkow offenbar mit einem falsch eingestellten Insulininjektor getötet werden sollte. Es ist ein Mordanschlag. Doch wer hat es auf ihn abgesehen? Und wozu?

_Mein Eindruck_

In dieser ersten Fortsetzung des Zyklus hat der Autor die Kinderkrankheiten des Vorgängers „Das ferne Leuchten“ ausgemerzt und erzählt wesentlich professioneller und geschickter. Um für Abwechslung zu sorgen, wechselt er ständig die Szene, doch die Hauptfigur bleibt immer die gleiche: Urs Pigrato bewertet die Verhältnisse in der Siedlung mit dem frischen, unverstellten Blick des Außenseiters. Deshalb fallen ihm manche Dinge als ungewöhnlich auf, so etwa als Erstes der Gestank „wie auf einem Bauernhof“.

Nur hin und wieder wendet sich die Erzählung den vier ursprünglichen Kindern zu, die allmählich das Gewissen plagt: Es war schließlich bloß Carls Plan, Urs zu schneiden, und jetzt müssen alle den Preis dafür zahlen. Besonders Elinn ist gegen dieses fiese Vorgehen. Wider Erwarten spät finden daher Urs und Ariana zusammen und werden ein Freundespaar. Sie macht ihn mit den anderen bekannt, was diesen zu einer Fülle von Infos über das Leben auf der Erde verhilft.

Durch den Gedankenaustausch kommen sie endlich auch darauf, dass es einen Saboteur in der Siedlung geben muss: Er hat bereits die Asiatische Forschungsstation vernichtet und treibt nun sein Unwesen in der Siedlung. Aber wer ist es? Der Verdacht fällt auf den Journalisten Wim van Leer. Aber liegen sie dabei richtig? Ein Irrtum könnte sich als verhängnisvoll erweisen.

Ariana merkt wenig später, dass Urs verschwunden ist. Eine Suchaktion verläuft ergebnislos, doch Ariana fällt das merkwürdige Verhalten des Springbrunnens auf dem Zentralplatz auf. Es ist, als würde er dem Pulsschlag eines Herzens folgen …

_Die Inszenierung_

Der Text, den Marie Bierstedt, vorträgt, unterscheidet sich erheblich vom Buch. Mir ist ausgefallen, dass sich die gekürzte Lesung vor allem auf die Mars-Kinder konzentriert. Deshalb wurden alle Szenen, die in der Asiatischen Station spielen – und das sind eine ganze Reihe – ersatzlos gestrichen. Wenn also an manchen Stellen die Rede von Schimmel ist, so weiß der Hörer nicht, wie sich dessen Auftauchen real auswirkt. Denn dazu fehlen ja die Schilderungen. Auch wissenschaftliche Erklärungen wie etwa zur Nanotechnik wurden auf ein Minimum reduziert.

Diese Kürzungen sind aber gar nicht mal so schlecht, denn sie tragen dazu bei, die Szenen, in denen die Kinder auftauchen, anschaulich zu machen. Abstraktes bleibt weitestgehend außen vor. Das klappt besonders in der zweiten Hälfte sehr gut, in der ersten weniger. Zweitens dienen die Kürzungen dazu, die spannende Zentralhandlung auf den Saboteur und dessen Bekämpfung zu lenken, so dass sich der jugendliche Zuhörer eher darüber Gedanken machen kann als etwa über ekligen Schimmel. Ein zweiter zentraler Strang ist das Schicksal des Neulings Urs Pigrato. Er soll erklären, wie es dazu kommt, dass sich das Marskind Arianna de Jones in den Erdenwurm verliebt.

|Die Sprecherin|

Wenn man an Natalie Portman, Kate Beckinsale und Kirsten Dunst denkt, so hat man schon einen guten Eindruck von Marie Bierstedts Stimme im geistigen Ohr. Die Frau ist ja kein unbeschriebenes Blatt, sondern schon an unzähligen Hörspielproduktionen teilgenommen, häufig neben Detlef Bierstedt. In letzter Zeit hat sie viele Hörbücher aufgenommen, so etwa die Maximum-Ride-Serie von James Patterson. Wie im „Mars-Projekt“ steht dort eine Gruppe von Jugendlichen im Mittelpunkt der Handlung.

Die Sprecherin verleiht jedem Mitglied der Kindergruppe eine charakteristische Ausdrucksweise. Elinn beispielsweise, die Jüngste, klingt kindlich und, wenn sie über Marsianer spricht, etwas träumerisch. Kein Wunder, dass sie von den Erwachsenen belächelt oder gar gehänselt wird. Die Erwachsenen haben fast alle tiefere Stimmen.

|Fehler|

Leider macht Marie Bierstedt ein paar Fehler, die einem Astronomen die Haare zu Berge stehen lassen. Dazu gehört ihre französische Aussprache des lateinischen Namens „Valles Marineris“ (Täler des Seefahrers): Sie spricht „wall marineris“. Vielleicht hätte ihr mal jemand sagen sollen, dass auf dem Mars nur lateinische und englische Namen vorkommen, auch wenn das die Franzosen gewaltig ärgert. Diesen Fehler hat sie schon beim ersten Hörbuch gemacht.

Ebenfalls unplausibel erscheint mir ihre englische Aussprache des holländischen Namens Win van Leer: Sie sagt [wim wän li:r], als läge Leer irgendwo im Wilden Westen. Möglicherweise liegt eine Verwechslung mit dem englischen Verb „to leer“, also lüstern oder hinterlistig schielen, vor. Beides ergibt keinen Sinn. Wie sich herausstellt, ist Wim van Leer ein ehrlicher Journalist, auch wenn er zwischenzeitlich unter Verdacht gerät.

|Geräusche und Effekte|

Mit Geräuschen ist die Tonregie sehr sparsam umgegangen. Wir hören keine Schritte, keine Türen, sondern allenfalls mal einen medizinischen Alarm oder ein Düsentriebwerk. Auch ein elektromagnetisch entfachter Tornado kommt zu Gehör, mit einem Zischen und Grollen.

Mehr als einmal spricht Bierstedt die Rolle der KI AI-20, die auch für Kommunikation und Türen zuständig ist. Dann wird Bierstedts Text durch eine Effekt so verzerrt, dass sie monoton und synthetisch wie eine Maschine klingt. Offenbar haben die Sounddesigner keine gute Meinung von künftigen Künstlichen Intelligenzen. Sie lassen AI-20 wie einen hirnamputierten Roboter klingen.

|Musik|

An der Musik kann man ablesen, wie gut der Komponist Andy Matern wirklich ist. Er hat jeden Stil drauf und setzt zahlreiche elektronische Instrumente ein. Mit dynamischen Passagen voll Bass und Trommeln untermalt angespannte Situationen oder beschwört Spannung herauf. Mit cooler, relaxter Musik (Swing-Stil) entspannt er den Hörer und verleiht der jeweiligen Szene einen harmlosen, wenn nicht sogar heiteren Anstrich, so etwa auf der Feier. Und eine mystische Musik beschwört das Gefühl herauf, man sei dem Geheimnis der Marsianer ganz nahe.

Diese wechselnden Stimmungen sind höchst willkommen, denn der Vortrag der Sprecherin, so abwechslungsreich er auch sein mag, mutet dem jugendlicher Hörer auf Dauer doch etwas trocken an. Die Musik ist eindeutig ein ebenbürtiger Partner des Vortrags.

_Unterm Strich_

Die Geschichte ist spannend, im letzten Drittel sogar actionreich, und so einfach zu verstehen, wie es jedes Jugendbuch sein sollte. Was ich mir aber noch wünschen würde, wären mehr Ausflüge über die Oberfläche des Mars. Diese scheinen nur den Erwachsenen vorbehalten zu sein. Aber das wird sich im dritten Band ändern: Carl geht auf eine folgenreiche Expedition.

Ein tiefes Geheimnis liegt über diesen Exkursionen, denn vor Jahren verschwand der Vater von Carl und Elinn Faggan auf einer Expedition spurlos, und man erklärte ihn für tot. Was aber, wenn es Lebensräume unter der Marsoberfläche gäbe? Dann könnten sie vielleicht ihren Vater wiederfinden. Ein weiteres Rätsel bilden die Artefakte, die offenbar nur Elinn zu finden in der Lage ist. Am Schluss zeigen sich zwei neue solche Marsobjekte: Auf dem einen steht „Urs“, auf dem anderen „Elinn“ …

|Die inszenierte Lesung|

Marie Bierstedt erweckt die Figuren zum Leben und macht sie unterscheidbar. Besonders den grantigen, stets mürrischen Gouverneur Tom Pigrato erkannte ich jederzeit. Das Gleiche gilt natürlich für den russischen Ingenieur Jurij Glenkow mit seinem typischen Akzent. Die Figuren zeigen viele Emotionen und wirken dadurch auf glaubwürdige Weise menschlich.

Die Geräusche halten sich sehr in Grenzen, was aber durch die vielseitige und fast stets präsente Musik Andy Materns mehr als ausgeglichen wird. Schade, dass Marie Bierstedt wenig Ahnung in Sachen Physik und Astronomie hat.

|298 Minuten auf 4 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3668-5|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.andreaseschbach.de
http://www.wellenreiter.la

Eschbach, Andreas / Kaiser, Kerstin / Roelvink, Verena / Prangenberg, Klaus – ferne Leuchten, Das (Das Marsprojekt 1. Inszenierte Lesung)

_Serien-Auftakt: Die Zukunft der Mars-Kinder_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle zwischen 13 und 15 Jahren alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Doch im Jahr 2086 sollen sie gemeinsam mit anderen Marssiedlern zur Erde zurückkehren, weil machthungrige Politiker behaupten, das Marsprojekt sei gescheitert. Die Vorbereitung zur Stilllegung der Forschungsstation laufen bereits auf Hochtouren – aber die vier Jugendlichen sind fest entschlossen, auf dem Roten Planeten zu bleiben. Besonders Elinn, die aus medizinischen Gründen auf der Erde nicht überleben könnte. Sie büchsen aus und kommen einem verborgenen Geheimnis des Planeten auf die Spur.

Es handelt sich um eine inszenierte Lesung, die mit Musik und Geräuschen versehen ist.

_Der Autor_

Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, bevor er als Software-Entwickler und Berater arbeitete. Schon als Junge schrieb er seine eigenen Perry-Rhodan-Storys, bevor er mit „Die Haarteppichknüpfer“ 1984 seine erste Zeitschriftenveröffentlichung landen konnte.

Danach dauerte es noch elf Jahre bis zur Romanfassung von „Die Haarteppichknüpfer“, danach folgten der Actionthriller „Solarstation“ und der Megaseller „Das Jesus-Video“, der mit dem renommierten Kurd-Laßwitz-Preis für den besten deutschsprachigen Science-Fiction-Roman des Jahres 1998 ausgezeichnet und fürs Fernsehen verfilmt wurde.

Seitdem sind unter anderem die Romane „Eine Billion Dollar“, „Perfect Copy“, „Exponentialdrift“, „Die seltene Gabe“, „Das Marsprojekt 1-3“ sowie „Der Letzte seiner Art“ erschienen, einige davon zudem als Hörbuch. Auch das Sachbuch „Das Buch der Zukunft“ gehört zu seinen Publikationen. Eschbach hat mehrere Anthologien, darunter „Eine Trillion Euro“, herausgegeben und eine Reihe von literarischen Auszeichnungen erhalten. Heute lebt er mit seiner Familie als freier Schriftsteller in der Bretagne.

Das Marsprojekt:

01: [Das ferne Leuchten 1102
02: [Die blauen Türme 1165
03: [Die gläsernen Höhlen 2484
04: [Die steinernen Schatten 4301
05: [Die schlafenden Hüter 5266

Mehr von Andreas Eschbach auf |Buchwurm.info|:

[„Ausgebrannt“ 3487 (Buchfassung)
[„Ausgebrannt“ 4942 (Hörbuch)
[„Der Nobelpreis“ 2060
[„Die Wiederentdeckung“ 3211 (Hörbuch)
[„Die Haarteppichknüpfer“ 1556
[„Quest“ 1459
[„Perfect Copy – Die zweite Schöpfung“ 1458
[„Der Letzte seiner Art“ 1250
[„Der Letzte seiner Art“ 317 (Hörbuch)
[„Die seltene Gabe“ 1161
[„Eine Billion Dollar“ 653
[„Das Jesus-Video“ 267 (Hörbuch)
[„Exponentialdrift“ 187

_Sprecherin & Inszenierung_

Marie Bierstedt, Jahrgang 1974, trat ab Mitte der 80er Jahre in TV-Serien wie „Praxis Bülowbogen“ oder „Ein Heim für Tiere“ auf. Sie ist unter anderem die deutsche Stimme von Kirsten Dunst („Spider-Man“), Kate Beckinsale und Natalie Portman. Sie ist vielen Deutschen zudem als deutsche Stimmbandvertretung von Alyson Willow Hannigan in „Buffy“ vertraut.

Der Text wurde von Klaus Prangenberg gekürzt, Regie führten Kerstin Kaiser & Verena Roelvink, für die Musik steuerte Andy Matern bei. Die Inszenierung besorgten Fabian Frischkorn und Horst-Günther Hank.

_Handlung_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle so um die 14-15 Jahre alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Vor allem Elinn hat einen besonderen Draht zu ihrer fremdartigen Umgebung entwickelt – sie sieht ein Leuchten, das andere nicht wahrnehmen. Und sie findet Steine, die für sie wie Landkarten von einer bestimmten Gegend – dem Löwenkopf – aussehen, auch wenn sie anderen nichts sagen. Aber sie hat Recht, wie sich zeigen soll.

Doch eines Tages bekommen die Kids mit, welche geheimen Pläne die Erdregierung und der Marsgouverneur mit der Kolonie haben: Sie wollen sie schließen! Während Kostengründe vorgeschoben werden, geht es den dahinter stehenden Politikern nur um noch mehr Einfluss auf der Erde. Schon bald laufen die Vorbereitungen zu Stilllegung der Forschungsstation auf Hochtouren.

Niemand der Erwachsenen ahnt jedoch, dass die vier Freunde fest entschlossen sind, auf dem Mars zu bleiben. Selbst Carl, der auf der Erde studieren wollte, gibt seine Pläne auf. Und besonders Elinn könnte auf der Erdoberfläche wegen der dreimal höheren Schwerkraft gar nicht überleben, sondern müsste in einer Orbitalstation wie in einem Gefängnis ihr Leben fristen.

Mit dem intelligenten Zentralcomputer AI20 auf seiner Seite entführt das Quartett einen großen Marsrover und fährt 180 Kilometer zur asiatischen Station. Dumm gelaufen: Die Chinesen machen ihren Laden ebenfalls dicht! Aber die haben wenigstens noch ein schickes Flugzeug, mit dem man entdecken könnte, was sich hinter dem Löwenkopf verbirgt …

_Mein Eindruck_

In Eschbachs erstem Zukunftsroman für ein jugendliches Publikum versucht er, nicht die Fehler seiner berühmten deutschen Vorgänger zu machen, allen voran Hans Dominik. Dort lieferte die Technik stets den Schlüssel zu allen Problemen, und bei Otto Gail war der Mondflug kein Problem. Eschbach, ein ehemaliger Raumfahrtstudent, weiß natürlich viel mehr über die realen Bedingungen, auch auf dem Roten Planeten. Er versucht, den Leser für die Frage zu interessieren, wie sich Jugendliche auf einer fremdartigen und menschenfeindlichen Welt verhalten.

Bei der Weltkonstruktion kann man ebenso viele Fehler machen wie bei der Beschreibung von Menschen. Beides will wohlüberlegt sein. Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Autoren, die ein fremdes Habitat bereits beschrieben haben, und dazu gehören besonders Arthur C. Clarke, Isaac Asimov und Robert A. Heinlein. Natürlich hat auch die amerikanische Raumfahrtbehörde Unmengen von Literatur dazu produziert, und es hat zwei Experimente für ein autarkes Habitat auf der Erde gegeben. Fazit: Die Sache ist knifflig und erfordert exakte Planung.

Doch das dürfte den jugendlichen Leser weniger interessieren, sondern er darf das Problem als gelöst voraussetzen. Sonst würde die Marssiedlung ja gar nicht mehr existieren, oder? (En passant lässt der Autor eine Chronologie der Mars-Eroberung einfließen: Die erste bemannte Landung erfolgte demnach im Jahr 2019.) Viele wichtiger sind die Besonderheiten, die Marsmenschen aufweisen, also besonders die hier geborenen und aufgewachsenen.

Unter ihnen stellt sich die zwölfjährige Elinn als etwas ganz Besonderes heraus: Sie kann auf der Erde höchstes 60 Tage überleben, weil sich ihre Lungen zu sehr dem Mars angepasst haben. Dass sie aber auch noch einen besonderen Sinn entwickelt hat, mit dem sie das „Leuchten“ wahrnimmt, das die anderen nicht sehen, macht Elinn zu einer Art Seherin. Man sollte auf sie achten.

Elinn beschwört beim Plan der Erdpolitiker, die Marssiedlung zu schließen, ein massives Problem herauf, denn schließlich kann man sie nicht alleine zurücklassen. Eine Alternative wird geboten: die Unterbringung auf der neuen Raumstation der Erde. Doch das würde auf eine Art Einzelhaft hinauslaufen. Für ihren Bruder Carl ist das keine Alternative, sondern eine Notsituation. Mit diesem Argument bringt er die KI AI20 auf seine Seite und zur Kooperation.

Der Autor verliert sich ein wenig in den Argumentationskriegen um dieses Problem und verschenkt so wertvolle Sympathiepunkte. Worauf der Streit hinausläuft, ist wichtig: auf Carls Plan, bei den Chinesen um Asyl zu bitten. Auch das ist nicht wirklich interessant, aber die Chinesen haben viel bessere Technik als die Marssiedlung, wodurch ein wichtige Kenntnis gelingt: Elinns Löwenkopf gibt es wirklich – aber er ist getarnt! Jetzt endlich kann die Action losgehen.

Sie mündet in einem Showdown vor Ort und einer Offenbarung, die alle Spielregeln verändert. Beides geht bei Eschbach häufig Hand in Hand. Die Figuren anderer Autoren haben Epiphanien, doch sie bleiben meist persönlicher Natur. Eschbachs Offenbarungen ändern das Universum bzw. vielmehr dessen Wahrnehmung durch den Menschen. (Man denke an das Taschenuniversum der Haarteppichknüpfer, das in den Allgemeinraum zurückkehrt.) Fortan denken die Menschen darin auf einem anderen Niveau, agieren auf einem neuen Spielbrett.

Nun kommt es darauf an, sich den neuen Bedingungen anzupassen – oder Zerstörung heraufzubeschwören. Die Gegner des Wandels – sie wird hier „Heimkehrbewegung“ genannt – werden im nächsten Band „Die blauen Türme“ aktiv. Dieser Agententhriller verspricht spannender zu werden als der erste Band.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecherin|

Wenn man an Natalie Portman, Kate Beckinsale und Kirsten Dunst denkt, so hat man schon einen guten Eindruck von Marie Bierstedts Stimme im geistigen Ohr. Die Frau ist ja kein unbeschriebenes Blatt, sondern schon an unzähligen Hörspielproduktionen teilgenommen, häufig neben Detlef Bierstedt. In letzter Zeit hat sie viele Hörbücher aufgenommen, so etwa die [Maximum-Ride-Serie 4026 von James Patterson. Wie im „Mars-Projekt“ steht dort eine Gruppe von Jugendlichen im Mittelpunkt der Handlung.

Die Sprecherin verleiht jedem Mitglied der Kindergruppe eine charakteristische Ausdrucksweise. Elinn beispielsweise, die Jüngste, klingt kindlich und, wenn sie über Marsianer spricht, etwas träumerisch. Kein Wunder, dass sie von den Erwachsenen belächelt oder gar gehänselt wird. Die Erwachsenen haben fast alle tiefere Stimmen, besonders natürlich die europäischen Männer wie etwa Tom Pigrato. Nur Yin Xi von der Station der Chinesen hat eine höhere Stimme, die fast schon weiblich wirkt.

Sehr gelungen fand ich den französischen Akzent von Madame Irène Dumelle. Dem Ingenieur Juri Glenko ist der russische Akzent deutlich anzuhören. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die synthetische Maschinenstimme der Künstlichen Intelligenz AI20. Dabei wird Bierstedts Stimme sowohl monoton als auch mit einem elektronischen Sound unterlegt – ein raffinierter Effekt.

|Fehler|

Leider macht Marie Bierstedt ein paar Fehler, die einem Wissenschaftler und Astronomen die Haare zu Berge zu Berge stehen lassen. So spricht sie statt des korrekten Ge für die Gravitations-Maßeinheit tatsächlich von „Gramm“, als ob sich die Gravitation wiegen lassen würde. Nun, man hat schon oft Masse und Gewicht durcheinandergebracht.

Ein weiterer Fehler, den sie wiederholt macht, ist die französische Aussprache des lateinischen Namens „Valles Marineris“ (Täler des Seefahrers): Sie spricht „wall marineris“. Vielleicht hätte ihr mal jemand sagen sollen, dass auf dem Mars nur lateinische und englische Namen vorkommen, auch wenn das die Franzosen gewaltig wurmt.

|Geräusche|

Mit Geräuschen ist die Tonregie sehr sparsam umgegangen. Wir hören keine Schritte, keine Türen, sondern allenfalls mal einen Alarm oder ein Düsentriebwerk. Das war’s schon. Die „Inszenierung“ der Lesung scheint sich mehr auf die Musik zu beziehen.

|Musik|

An der Musik kann man ablesen, wie gut der Komponist Andy Matern wirklich ist. Er hat jeden Stil drauf und setzt fast jedes Instrument ein. Mit dynamischen Passagen untermalt angespannte Situationen oder beschwört Spannung herauf. Mit cooler, relaxter Musik (Swing) entspannt er den Hörer und verleiht der jeweiligen Szene einen harmlosen, wenn nicht sogar heiteren Anstrich. Und eine mystische Musik beschwört das Gefühl herauf, man sei dem Geheimnis der Marsianer ganz nahe.

Diese wechselnden Stimmungen sind höchst willkommen, denn der Vortrag der Sprecherin, so abwechslungsreich er auch sein mag, mutet dem jugendlicher Hörer auf Dauer doch etwas trocken an. Die Musik ist eindeutig ein ebenbürtiger Partner des Vortrags.

_Unterm Strich_

Der Autor von „Das Jesus-Video“ legt hier sein erstes Jugendbuch vor. Die Geschichte von den rebellischen Marskindern zeichnet sich durch genaue Charakterisierung und eine glaubwürdige Schilderung ihrer fremdartigen Umgebung aus.

Die Handlung ist mäßig spannend und und setzt mehr auf Entdeckungen und Argumente als auf Konfrontation. Sie zeigt gewaltlose Wege zur Konfliktbewältigung auf, bei der vor allem Argumentation, Computerwissen und Einfallsreichtum zum Tragen kommen – eine feine Sache.

Das gewaltfreie Buch ist für die jugendliche Zielgruppe also durchaus geeignet. Eltern mit pubertierenden Sprösslingen können dieses Buch des bekannten Bestsellerautors unbesehen kaufen. Action-Junkies kommen hier allerdings weniger auf ihre Kosten und müssen bis zum letzten Viertel warten, bis es richtig losgeht.

|Die inszenierte Lesung|

Marie Bierstedt erweckt die Figuren zum Leben und macht sie unterscheidbar. Besonders den grantigen, stets mürrischen Gouverneur Tom Pigrato erkannte ich jederzeit. Das Gleiche gilt natürlich für die Französin Dumelle mit ihrem typischen Akzent. Die Figuren zeigen viele Emotionen und wirken dadurch auf glaubwürdige Weise menschlich. Die Geräusche halten sich sehr in Grenzen, was aber durch die vielseitige und fast stets präsente Musik Andy Materns mehr als ausgeglichen wird. Schade, dass Marie Bierstedt ihre Ahnungslosigkeit in Sachen Physik und Astronomie durch zwei Fehler offenbart.

|300 Minuten auf 4 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3603-6|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.andreaseschbach.de
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[FEATURE] Andreas Eschbach – Die Haarteppichknüpfer

Die Erzählung wurde 1984 von der Stuttgarter Literaturzeitschrift „Flugasche“ (Verlag Reiner Brower) erbeten und in deren Themenheft „KINDER“ abgedruckt. Der Autor hat sie mehrfach auf Lesungen mit großem Anklang vorgetragen. Sie wurde mit dem Literaturpreis des Science-Fiction-Clubs Deutschland ausgezeichnet sowie mit dem belgischen Prix Bob Morane und dem französischen Grand Prix de l’Imaginaire. Mit Hilfe eines Stipendiums (s. u.) konnte Eschbach eine Reihe weiterer Erzählungen über das Universum der Haarteppichknüpfer schreiben und zu einem Episodenroman verknüpfen, den er 1995 zunächst im Münchener Schneekluth-Verlag als Hardcover veröffentlichte. Sein nächster Roman war „Das Jesus-Video“. Der Rest ist Geschichte.

Andreas Eschbach – Die Haarteppichknüpfer

Knoten um Knoten, tagein, tagaus, ein Leben lang, immer die gleichen Handbewegungen, immer die gleichen Knoten in das feine Haar schlingend, so fein und winzig, dass die Finger zittrig wurden mit der Zeit und die Augen schwach von der Anstrengung des Sehens – und die Fortschritte waren kaum zu merken; wenn er gut vorankam, entstand in einem Tag ein neues Stück seines Teppichs, das vielleicht so groß war wie sein Fingernagel. So hockte er an dem knarrenden Knüpfrahmen, an dem schon sein Vater gesessen war und vor ihm dessen Vater, in der gleichen gebeugten Haltung, die alte, halbblinde Vergrößerungslinse vor den Augen, die Arme auf das abgewetzte Brustbrett gestützt und nur mit den Fingerspitzen die Knotennadel führend.
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Interview mit Andreas Eschbach: das Corona-Update

Andreas Eschbach
Andreas Eschbach (c) Olivier Favre

Das Leben in den Zeiten von Corona…

… mit Andreas Eschbach

1.) Wie hat sich Ihr Alltag in der Bretagne in den letzten Wochen verändert?

Eigentlich nicht sehr. Sich hauptsächlich zu Hause aufzuhalten ist ja der alltägliche Lebensstil aller Schriftsteller. Wenn mal eine Epidemie ausbräche, die es erforderlich machte, sich den ganzen Tag in großen Gruppen im Freien aufzuhalten – das wäre hart!

2.) Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?

Wie üblich an meinem Schreibtisch. Der ohnehin mein Lieblingsplatz ist.

3.) Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?

Meine Frau.

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Eschbach, Andreas – Exponentialdrift

Der Autor

Andreas Eschbach, geboren 1959, schrieb mit „Das Jesus Video“ einen der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungs-Thriller: Er wurde von Pro7 verfilmt und als Hörbuch von Lübbe vertont. Inzwischen hat er neben Science-Fiction auch den spekulativen Wirtschafts-Thriller „Eine Billion Dollar“ und die Jugendbücher „Perfect Copy“ (über Klonen) und „Das Mars-Projekt“ veröffentlicht. Im September 2003 erschien sein neuester Roman „Der letzte seiner Art“, in dem es um einen Cyborgsoldaten im Ruhestand geht. Eschbach lebt nahe Stuttgart.

Hintergrund

Das Buch beinhaltet ein umfangreiches „Making-of“ und erzählt, wie es zustande kam.
Frank Schirrmacher, der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), bat Eschbach um eine Serie in Form eines Fortsetzungsroman, wie ihn Charles Dickens anno 1837 schrieb. Die Folgen sollten wöchentlich in der Sonntagsausgabe erscheinen. Diese Form ist insofern einzigartig, als weder Stephen King noch W. Hohlbein so etwas machten, als sie ihre Romane in sechs Folgen – je eine pro Monat – schrieben, noch die Autoren jener in Fortsetzungen abgedruckten Romane. Denn deren Bücher lagen bereits fix und fertig vor, bevor sie aufgeteilt wurden.
Eschbach schildert seine Schwierigkeiten mit dieser Form und wie er sie bewältigte. Er betrachtet diesen Roman daher als Experiment

Handlung

Auf der Pflegestation einer deutschen Klinik erwacht ein Mann, der seit vier Jahren im Wachkoma gelegen hat. Die Welt und seine Frau Evelyn kennen ihn als Bernhard Abel, Programmierer. Doch die Welt um ihn herum kommt dem Mann seltsam verändert vor. In seinem Bewusstsein vermischen sich Erinnerungen Abels mit denen eines anderen Wesens. In ihm reden Stimmen durcheinander, die er zum Teil nicht versteht – so etwa das seltsame Wort „Exponentialdrift“. Und mit sich selbst, seiner angeblichen Abel-Identität, kann er sich am wenigsten identifizieren.

Evelyn Abel, die mittlerweile einen Liebhaber namens Wolfgang Lentz hat, möchte Bernhard, als sie ihn besucht, eigentlich nur ihm die Scheidung bitten. Sie hat allen Besitzstand wegen Abels Pflegekosten verloren und lebt in einer mickrigen Innenstadtwohnung. Doch als sie ihm gegenübersteht, nimmt er sie in die Arme und ist ein neuer Mensch. Allerdings ist sie überrascht, als er ihr gesteht, dass er denkt, er sei ein Außerirdischer, den es in den Körper eines Erdenmenschen verschlagen hat. Ist das eine Wahnvorstellung ähnlich der des Mathematikers Nash, dem Helden in dem Film „A Beautiful Mind“?

Dr. Röber jedenfalls, der Neurologe, der Abel behandelt, ist fasziniert. Bis er von einem Mann besucht wird, der sich auffallend für Abel interessiert und den Röber vor Jahren einmal gesehen hat: ein Armin Pallens – ebenfalls ein Patient, der aus dem Wachkoma erwachte, vor elf Jahren. Und elf Jahre davor gab es noch einen Fall. Röber kommt einer Verschwörung auf die Spur: Sind die Außerirdischen bereits unter uns?

Bernhard Abel ebenfalls. Denn er und Wolfgang Lentz, Evelyns neuer Freund, sind ehemalige Kollegen in einer Softwarefirma, die Steuerungsprogramme für Radioteleskope in aller Welt liefert. Und Lentz ist einer von vier Freunden, die der Erde mit Hilfe dieser Radioteleskope eine ganz besondere Überraschung bereiten wollen. Mit einer guten Absicht. Natürlich.

Mein Eindruck

Die rund 200 Seiten des Romans sind binnen weniger Stunden verschlungen, so spannend ist die sich herausschälende Story um zwei konkurrierende Verschwörungen. Dass jedem Kapitel ein paar aktuelle Nachrichtenmeldungen aus den Jahren 2001 und 2002 vorangestellt sind, spart weiteren Lesestoff ein. Es waren ja turbulente Zeiten, mit dem 11. September, Afghanistankrieg und so weiter.

Auch die 42 Folgen selbst bieten einiges an Rätseln, und Cliffhanger-Schlüsse zwingen praktisch zum Weiterblättern. Zwischendurch verschwinden Figuren und andere tauchen ganz unvermittelt auf, aber dies liegt in der Natur der Form des aktuell ausgerichteten Fortsetzungsromans begründet – siehe das Making-of. Von einem idealen Roman kann man hier jedenfalls nicht sprechen: Es ist und bleibt ein Experiment.

Zwischendurch fielen Eschbach ein paar witzige Szenen und Glanzlichter ein, so etwa die reichlich abgehoben wirkenden Science-Fiction-Fans in Dortmund oder der verzweifelnde Programmierer, dem Sonderzeichen in Passwörtern offenbar eine unvorstellbare Entweihung des Hacker-Kodexes sind.

Der Begriff „Exponentialdrift“ ist eine Erfindung Eschbachs, das gibt er zu. Es hat absichtliche Anklänge an die Wegenersche Kontinentaldrift der Landschollen, also etwas Unaufhaltsames und Unbeeinflussbares. Übertragen wird diese Eigenschaft auf die Ausbreitung des Menschen über das gesamte Universum. Laut Berechnung, die im Making-of-Teil grafisch dargestellt ist, würde die Menschheit, angefangen ab 2010, bis zum Jahr 3225 die gesamte heimische Milchstraße besiedeln und bis 4395 das gesamte bekannte Universum mit seinen 100 Mrd. Galaxien. Dieses Wachstum ist also exponentiell.

Nun ist natürlich die Frage berechtigt, ob diese Expansion dem Rest des Universums gefallen würde. Angesichts der Tatsache, dass der Mensch auf der Erde schon hunderttausende von Tier- und Pflanzenarten ausgerottet hat, wohl eher nicht. Entsprechend seiner Natur wird er mit dem Rest des Universums ebenso verfahren. Die Konsequenzen, die sich daraus für die Außerirdischen ergeben, sind ebenso offensichtlich wie zwingend. (Mehr darf ich hier nicht verraten, sonst ist die Pointe weg.)

Unterm Strich

Dies ist, obwohl ein Experiment, ein idealer Unterhaltungsroman für gebildete Leser – „dahinter steckt ein kluger Kopf“ könnte auf dem Buchdeckel stehen. Der Autor greift in seiner Story aktuelle, wenn nicht sogar jeweils tagesaktuelle Ereignisse auf (Fußball-WM) und versteht diese nutzbringend einzubauen.

Das Buch ist in wenigen Stunden gelesen. Dennoch kann man etwas nach Hause nehmen: Die Erkenntnis, wie eigenartig die Spezies Mensch auf ihrem Raumschiff Erde ist, welches mit 1600 km/h zum Sternbild Herkules rast. Und dass diese Eigenart dem Rest des Universums ganz schön Angst einjagen könnte. Herrje, sie jagt sogar uns selbst Angst ein, wie die grausigen Nachrichtenschnipsel belegen (11. September, Flugzeugunglücke, Chemieskandale, Asteroiden-Beinahetreffer usw.).

All dies führt hoffentlich dazu, dass der Leser die Vorgänge auf dieser Welt von einer höheren Warte aus betrachtet und entsprechend nachdenkt. Er kann sich ja trotzdem vom Buch unterhalten lassen. Es sind diese zwei Aspekte, die Schirrmacher veranlassten, Eschbach mit dem Romanprojekt für die Sonntagsausgabe der FAZ zu betrauen.

Homepage des Autors: http://www.andreaseschbach.de/

Michael Matzer (c) 2003ff

Die Grenzgängerin. Interview mit Andreas Eschbach zu AQUAMARIN

Michael Matzer unterhielt sich auf der Frankfurter Buchmesse 2015 mit Andreas Eschbach über dessen jüngsten Roman AQUAMARIN.

Frage: Von der Wüste an den Ozean, und rund 140 Jahre in der Zukunft. Heißt das nun: Die Zukunft der Menschheit liegt im Meer?

Eschbach: Auf jeden Fall ist das Meer ein noch ziemlich unerschlossener, unbekannter Raum. Darauf hat uns ja vor einiger Zeit auch Frank Schätzing sehr prägnant aufmerksam gemacht. Und ehe man so Projekte angeht wie „Wir besiedeln den Mars“, wäre es vielleicht sinnvoll, sich mal zu überlegen, ob es nicht gescheiter wäre, erst einmal ein paar Städte auf dem Meeresgrund zu bauen. Ist nicht so weit weg und auch nicht so strapaziös, was den Transport und die Umweltbedingungen anbelangt. Und selbst die Antarktis zu besiedeln wäre weniger aufwendig als den Mars.

Die Grenzgängerin. Interview mit Andreas Eschbach zu AQUAMARIN weiterlesen