Archiv der Kategorie: Storys

Leipziger Buchmesse 2016 – Ich war dabei

Leipziger Messemännchen begrüßt seine Besucher
Leipziger Messemännchen begrüßt seine Besucher

Vom 17. bis zum 20. März hieß es in der ganzen sächsischen Stadt wieder „Leipzig liest“. Klar, dass eine Leseratte wie ich es bin, dabei nicht fehlen durfte. Und so stürzte ich mich an zwei Tagen, dem 17. und 18. März, ins Messegetümmel. Neben der Buchmesse selbst und vielen Begleitveranstaltungen, wie zum Beispiel der 22. Leipziger Antiquariatsmesse und des 6. Bibliothekskongresses, war mein persönliches Highlight die zum dritten Mal stattfindende Manga-Comic-Con (MCC) in Halle 1. Dort verbrachte ich meine verfügbare Zeit zu 2/3. Es gab so viel zu entdecken und zu bestaunen, denn die MCC wird von den Cosplayern liebend gerne genutzt um sich mal wieder so richtig in Schale zu werfen und seiner Lieblingsmanga/-anime/-comic-Figur Leben einzuhauchen.

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[FEATURE] Norbert Sternmut – Norm@n

NORM@N (Romanauszug)

1. Kapitel

Von vorne. Hinten. Danke. Blutspritzer und Semantik. Neurologie und Psychologie. Sprache und Verwaltung. Philosophie. Norman und seine Mutter, die in einem Stuhl sitzt, leblos, abgemagert, sinngemäß, zweifelhaft, staubig. Der beste Freund eines Mannes ist seine Mutter. Wenn der weiße Flieder wieder blüht. Der weise Prophet über die weite Steppe wandert, leicht schwankend, wissend jeweils, ich weiß nicht, kennen Sie Uschi? Nein, es ist nicht so, dass ich hier in dieser Gegend mein Glück gefunden hätte, dass ich hier Hühner züchtete, ein Haus baute, Kinder zeugte. Nicht so, dass ich hier eine Fahne in den Wind hielt, mich mit den Regeln anfreunden konnte, heimisch geworden wäre. Nicht vor diesem Himmel, diesen himmlischen Wolken, vor dieser Sonne, diesen sonnigen Aussichten, wie gesagt wird, teilweise: Sonnige Aussichten. Meine Frau Regina sagt, ich sollte wieder schreiben. Ich kann ihnen nicht alles erklären, was sich täglich ergibt, müsste wieder schreiben, kann nur ein Muster abgeben, gehe fremd, sinngemäß, nein, so will ich es nicht sagen, werde wieder schreiben. Regina sagt, sie würde noch verrückt, aber sie weiß nicht, was geschieht. Weil keiner weiß, was geschieht! In den Wüsten, Steppen, Fußgängerzonen. Die Stimmen? Ich würde Stimmen hören, hörte ich sagen, aber es ist nicht alles zu glauben, was gesagt wird, was ich höre, teilweise: Sonnige Aussichten!
Es ist nicht so, dass ich hier in dieser Gegend fündig geworden wäre, eine Firma gründete, Weizen erntete, Gerste, Hafer. Nein.
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[FEATURE] Andreas Eschbach – Die Haarteppichknüpfer

Die Erzählung wurde 1984 von der Stuttgarter Literaturzeitschrift „Flugasche“ (Verlag Reiner Brower) erbeten und in deren Themenheft „KINDER“ abgedruckt. Der Autor hat sie mehrfach auf Lesungen mit großem Anklang vorgetragen. Sie wurde mit dem Literaturpreis des Science-Fiction-Clubs Deutschland ausgezeichnet sowie mit dem belgischen Prix Bob Morane und dem französischen Grand Prix de l’Imaginaire. Mit Hilfe eines Stipendiums (s. u.) konnte Eschbach eine Reihe weiterer Erzählungen über das Universum der Haarteppichknüpfer schreiben und zu einem Episodenroman verknüpfen, den er 1995 zunächst im Münchener Schneekluth-Verlag als Hardcover veröffentlichte. Sein nächster Roman war „Das Jesus-Video“. Der Rest ist Geschichte.

Andreas Eschbach – Die Haarteppichknüpfer

Knoten um Knoten, tagein, tagaus, ein Leben lang, immer die gleichen Handbewegungen, immer die gleichen Knoten in das feine Haar schlingend, so fein und winzig, dass die Finger zittrig wurden mit der Zeit und die Augen schwach von der Anstrengung des Sehens – und die Fortschritte waren kaum zu merken; wenn er gut vorankam, entstand in einem Tag ein neues Stück seines Teppichs, das vielleicht so groß war wie sein Fingernagel. So hockte er an dem knarrenden Knüpfrahmen, an dem schon sein Vater gesessen war und vor ihm dessen Vater, in der gleichen gebeugten Haltung, die alte, halbblinde Vergrößerungslinse vor den Augen, die Arme auf das abgewetzte Brustbrett gestützt und nur mit den Fingerspitzen die Knotennadel führend.
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