Schlagwort-Archive: SF

Piers Anthony – Steppe

Ein Uighure im Computerspiel

Längst hat sich die Menschheit über die Galaxis ausgebreitet. Die Menschen können weder lesen noch schreiben, aber sie frönen leidenschaftlich ihrer Lieblingsbeschäftigung: dem Spiel. Sie spielen Geschichte. Mit geringem Einsatz lässt sich ein märchenhaftes Vermögen auf der imaginären galaxisweiten Bühne gewinnen, auf der die Geschichte der alten Erde wiederentsteht.

Sie spielen STEPPE. Die Geschichte der Reitervölker Innerasiens zwischen dem 9. und dem Höhepunkt im 13. Jahrhundert: Dschingis Khan.

Um den Spielecomputer, der als einziger den genauen historischen Ablauf kennt, zu betrügen und illegalen gewinn zu machen, holt sich eine Spielergruppe mit einer Zeitmaschine einen Menschen vom Originalschauplatz aus dem 9. Jahrhundert und schmuggelt ihn ins Spiel: Alp, Sohn eines Uighurenhäuptlings. Alp hat die Informationen, die für den Betrug nötig sind, aber der Primitive ist gerissener als die Galaktiker geahnt haben. Er macht sich seine Erfahrungen zunutze und spielt auf eigene Rechnung.

Denn was könnte ihm vertrauter sein als das unbarmherzige Kriegsspiel der STEPPE, seien es die Weiten Innerasiens oder der Galaxis? (Verlagsinfo)

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Julian May – Kein König von Geburt (Pliozän-Saga 3)

Die Schlacht der Könige

Der Pliozän-Zyklus ist die vierbändige Saga um das Schicksal einer Handvoll Menschen, die im Jahr 2110 freiwillig ins Zeit-Exil des Pliozäns vor ca. sechs Millionen Jahren gehen, um der Verfolgung von Psi-Begabten zu entgehen. Gegen vor Ort herrschende Aliens müssen sie zahlreiche Kämpfe bestehen, entwickeln aber auch ungeahnte Fähigkeiten.

Diesem Band ist eine Zusammenfassung der ersten und zweiten Bände der Saga vorangestellt. Man verpasst also kaum etwas, wenn man diese Bände nicht kennen sollte.

Die Autorin
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Frank Herbert – Hellstrøms Brut

Utopie unter Tage: Menschen wie Termiten

1971 drehte der Regisseur Walon Green den Film „The Hellström Chronicle“ um den erfundenen Insektenforscher Nils Hellström, der die Insekten als die wahren Herrscher der Erde zeigt. Frank Herbert, betroffen und tief beeindruckt von Greens Film, fragte sich, welche Überlebenstechniken der Mensch wohl entwickeln müsse, um seinen Fortbestand über vergleichsweise lange Zeiträume zu sichern, und spielte den Gedanken in diesem 1972/73 veröffentlichten Roman durch. Dies ist wahrscheinlich Frank Herberts künstlerisch gelungenster Roman neben dem „Wüstenplanet“-Zyklus.
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Ian McDonald – Rebellin des Glücks

Gescheiterte Utopie

Am Ende des 21 Jahrhunderts: Dank der allmächtigen Computer ist die Welt perfekt; keine Kriege, keine Krankheiten bedrohen die Menschheit. Jedermann hat glücklich zu sein — oder er macht sich eines Verbrechens gegen die Gesellschaft schuldig. In der Megalopolis Yu lebt die Zeichnerin Courtney Hau ihr verordnetes glückliches Leben, bis einer ihrer Cartoons der allgegenwärtigen Glückspolizei missfällt. Courtney muss fliehen und lernt plötzlich die andere Seite ihrer Schönen Neuen Welt kennen. In einem düsteren Labyrinth unter der Stadt kämpfen die Ver­rückten und Verbannten von Yu ums Überleben — und träumen von einer Rebellion der Freiheit, die plötzlich Wirklichkeit werden kann. (verlagsinfo)

Der Autor
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Ian McDonald – Chaga oder das Ufer der Evolution (Chaga 1)

Faszinierender Job: als Reporterin im Alien-Dschungel

Die ersten Sporen des Chaga fallen im Jahr 2004 auf den Kilimandscharo – und breiten sich von dort mit einer Geschwindigkeit von 50 Metern pro Tag in alle Richtungen aus. Ständig fallen neue Sporenpakete, überall auf der Südhalbkugel. Der Lebensraum wird knapp, und die Verdrängten finden das gar nicht witzig. Eine gigantische UNO-Hilfsmission wird weltweit gestartet, und die Reporterin Gaby McAslan berichtet darüber in Kenia. Sie wird Zeugin eines Verschwindens der Erde, einer Transformation durch das Chaga. Aber können Menschen in dieser außerirdischen Vegetation leben? Und was passiert mit den vom Chaga Infizierten?

Der Autor
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Julian May – Der goldene Ring (Pliozän-Saga 2)

Mit der Laserlanze in den Freiheitskampf

Die ins Pliozän verschlagenen Menschen haben es gelernt, mit den telepathischen Aliens, die die Erde vor sechs Millionen Jahren beherrschten und die Zeitreisenden aus der Zukunft versklavten, einigermaßen zurechtzukommen.

Manchen von ihnen ist diese Sklaverei ganz und gar nicht unangenehm, denn mit dem Halsring, den die Menschen zu tragen gezwungen sind und der die telepathischen Kräfte verstärkt, werden nicht nur Strafen, sondern auch Belohnungen verteilt, und ein goldener Ring verleiht geradezu göttliche Fähigkeiten. Doch es gibt genug unter ihnen, die das Joch der Fremden abzuschütteln gewillt sind.

Nachdem eine Laserlanze der Aliens in ihre Hände gefallen ist und nachdem sie den tödlichen Schwachpunkt der Beherrscher herausgefunden haben – die toxische Wirkung von Eisen -, wagen sie den Frontalangriff. (Verlagsinfo)

Die „Pliozän-Saga“, die auf deutsch bei Heyne erschien, ist eine der wichtigsten literarischen Leistungen der Science Fantasy während der achtziger Jahre. Der Pliozän-Zyklus ist die vierbändige Saga um das Schicksal einer Handvoll Menschen, die im Jahr 2110 freiwillig ins Zeit-Exil des Pliozäns vor ca. sechs Millionen Jahren gehen, um der Verfolgung von Psi-Begabten zu entgehen. Gegen dort herrschende Aliens müssen sie zahlreiche Kämpfe bestehen, entwickeln aber auch ungeahnte Fähigkeiten.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse des 1. Bandes folgt am Beginn dieses Bandes. Wenn man also den 1. Band nicht besitzt, hat man wenig verpasst.

Die Autorin
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Julian May – Das vielfarbene Land (Pliozän-Saga 1)

Einfallsreich: Durch das Zeit-Tor zu den Aliens

Die „Pliozän-Saga“, die auf deutsch bei Heyne erschien, ist eine der herausragenden literarischen Leistungen der Science Fantasy während der achtziger Jahre. Der Pliozän-Zyklus ist die vierbändige Saga um das Schicksal einer Handvoll Menschen, die im Jahr 2110 freiwillig ins Zeit-Exil des Pliozäns vor ca. sechs Millionen Jahren gehen, um der Verfolgung von Psi-Begabten zu entgehen. Gegen dort herrschende Aliens müssen sie zahlreiche Kämpfe bestehen, entwickeln aber auch ungeahnte Fähigkeiten.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse dieses Bandes folgt am Beginn des 2. Bandes.

Die Autorin
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S.K. Vaughn – Die Astronautin – In der Dunkelheit wird deine Stimme mich retten

Todeskampf an Bord des Totenschiffs

Weihnachten 2067: Auf der Krankenstation eines halb zerstörten Raumschiffs erwacht May Knox aus der Bewusstlosigkeit. Sie scheint die letzte Überlebende einer hoffnungsvollen Mission zu sein und hat doch keine Erinnerungen an einen möglichen Unfall. Bald kämpft sie gegen eine Vielzahl von Gefahren ums Überleben. Ihre einzige Rettung ist die Funkverbindung zur NASA, vor allem zu dem Wissenschaftler Stephen, der Schiff und Auftrag kennt wie kein Zweiter. Doch Stephen ist auch Mays Ex-Mann, dessen Herz sie brach und der ihr und der NASA den Rücken kehrte. Jetzt ist seine Stimme alles, was ihr noch Hoffnung geben könnte in der Schwärze des Alls …. (Verlagsinfo)

Der Autor
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Theodore Sturgeon – To Marry Medusa / Das Milliarden-Gehirn

Galaktisches Bewusstsein, here we come!

Bis vor einer Minute war Dan Gurlick nur ein Individuum der Spezies Homo sapiens, und noch dazu ein unterdurchschnittliches. Doch jetzt hat dieser feige, würtende, kaum des Lesens und Schreibens fähige Trunkenbold eine Spore in sich aufgenommen, die Lichtjahre weit gereist war, bevor sie unseren Planeten traf. Diese Spore hat ihrerseits Gurlick in sich aufgenommen und ihn in den Wirt für Medusa verwandelt. Medusa ist ein Schwarmbewusstsein und so immens groß, dass es die Lebensformen einer Milliarde Planeten in drei Galaxien umfasst. Und diese Schwarmintelligenz hat es nun darauf abgesehen, auch die Erde in sich aufzunehmen. (Verlagsinfo) Ob das so eine gute Idee ist, muss sich erst noch herausstellen.

Diese Besprechung beruht auf der englischsprachigen Originalausgabe.
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Michael Moorcock – Zeitnomaden. Die Abenteuer Captain Oswald Bastables

Der Brite im Tempel des Todes

Dieser Sammelband umfasst die drei OSWALD-BASTABLE-Romane, in denen Moorcock in den Jahren 1971, 1974 und 1981 die Abenteuer des Captain Oswald Bastable auf alternativen Zeitströmen schilderte:

1. Warlord of the Air, Ace Books 1971, OCLC 14007905
Die Herren der Lüfte, König 1973, Übersetzer Walter Ernsting und Rosemarie Ott, ISBN 3-8082-0052-9
2. The Land Leviathan, Doubleday 1974, ISBN 0-385-01473-2
Der Landleviathan, Heyne 1982, Übersetzerin Sylvia Pukallus, ISBN 3-453-30827-1
3. The Steel-Tsar, Mayflower / Granada 1981, ISBN 0-583-13432-7
Der Stahlzar, Heyne 1984, Übersetzerin Sylvia Pukallus, ISBN 3-453-31086-1
The Nomad of Time, Granada 1984, (Sammelausgabe von 1–3)
Zeitnomaden. Heyne 1991, ISBN 3-453-05009-6
The Flight from Singapore (1979, Kurzgeschichte) (Quelle: Wikipedia.de)

In drei Geschichten besucht der Ich-Erzähler Captain Oswald Bastable, ein Viktorianer von altem Schrot und Korn, drei unterschiedliche Welten: Eine Welt, in der bis in die 1970er Jahre die Imperialmächte (lang lebe Kaiserin Victoria!) mit Luftschiffen und Kolonien die Welt beherrschen, zweitens eine durch Kriege zerstörte Welt und schließlich eine des Russischen Bürgerkriegs. Alle drei Romane sind wunderbar illustriert von Themistokles Kanellakis.

Der Autor

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Julian May – Der Sporn des Perseus (Die Rampart-Welten 1)

Detektivthriller, Familiensaga und Abenteuerexpedition

Eine spannende Mischung aus Detektivthriller, Familiensaga und Abenteuerexpedition – so kommt der Startband einer neuen Science Fiction-Trilogie von Altmeisterin Julian May daher. Die Mischung funktioniert, doch überfordert das Buch den jugendlichen Leser in keinster Weise. Wahrscheinlich unterfordert er sogar die meisten erwachsenen Leser.

Die Autorin
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Michael McCollum – Die Lebenssonde

Revival der Space Opera

Mit diesem action- und spannungsgeladenen Abenteuer in einer fernen Galaxis präsentiert sich Michael McCollum als neuer Starautor im populären Feld der Space Opera. (Verlagsinfo) McCollum hat bei Heyne mit gleich drei Romanen debütiert: „Die Lebenssonde“ (1996), „Antares erlischt“ (1996) und „Die Wolken des Saturn“ (1995) (Heyne HSF 06/5381-5383).
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Paul J. McAuley – Ewiges Licht (Alien-Trilogie 3)

Visionäre kosmische Science Fiction

„Ewiges Licht“ ist der letzte Band einer wichtigen Science Fiction-Trilogie, des sogenannten „Alien-Zyklus“. Noch 16 Jahre nach ihrer Veröffentlichung erweist sich die Trilogie als einer der Startpunkte der aktuell blühenden „New Space Opera“, die in erster Linie von britischen Autoren geformt wird: Stephen Baxter, Peter F. Hamilton, Alastair Reynolds, McAuley, Charles Stross, Ken MacLeod – dies sind die englischen Namen, die man sich merken muss. (Natürlich gibt es auch Vertreter auf der anderen Seite des Teiches, wie etwa VernorVinge, G. Benford und D. Brin, um nur die bekanntesten und ältesten Vertreter zu nennen.)

„Ewiges Licht“ setzt die Handlung von „Vierhundert Milliarden Sterne“ direkt fort. Der eingeschobene Band „Verborgene Harmonien“ hat mit der Hauptfigur Dorthy Yoshida nichts zu tun und kann als Einzelroman gelesen werden. Wahrscheinlich deshalb wird die Trilogie als locker verbundener „Zyklus“ bezeichnet.

Das amerikanische Gegenstück zu dieser Trilogie wäre wohl Gregory Benfords CONTACT-Zyklus, eine Space Opera, die immerhin sechs Romane umfasst.
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Paul J. McAuley – Vierhundert Milliarden Sterne (Alien-Trilogie 1)

Alien-SF mit Sense of Wonder

„Vierhundert Milliarden Sterne“ ist der erste Band einer wichtigen Science Fiction-Trilogie, des sogenannten „Alien-Zyklus“. Noch 16 Jahre nach ihrer Veröffentlichung erweist sich die Trilogie als ein Startpunkt der aktuell blühenden „New Space Opera“, die in erster Linie von britischen Autoren geformt wird: Stephen Baxter, Alastair Reynolds, McAuley, Charles Stross, Ken MacLeod – dies sind die englischen Namen, die man sich merken muss. (Natürlich gibt es auch Vertreter auf der anderen Seite des Teiches.)

Nach der unten skizzierten Handlung zu urteilen, würde man nicht denken, dass dieser Band eine Vision der Entwicklung von Zivilisationen in unserer Galaxis enthält. Aber genau das ist der Fall. Und das macht diese Space Opera so wichtig. Das amerikanische Gegenstück wäre wohl Gregory Benfords CONTACT-Zyklus, der immerhin sechs Romane umfasst.

Der Autor
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Anne McCaffrey – Die Weyr von Pern (Pern 11)

Die Welt Pern ist in Gefahr

Im neunten Band ihrer langen Serie über die Drachenreiter von Pern (der den Titel »Drachendämmerung« trug) teilte uns Anne McCaffrey mit, dass Pern vor etwa 2500 Jahren von Kolonisten der Erde besiedelt wurde, die in drei Raumschiffen gekommen waren. In »Die Weyr von Pern« , dem elften Band der Serie, spielen nun diese drei Schiffe eine gewichtige Rolle bei der Befreiung Perns von der Bedrohung durch die periodisch wiederkehrenden Fädenschwärme, die ganze Landstriche verwüsten können. Hüte dich vor dem Erscheinen des roten Sterns!

Die Autorin
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Arnold Federbush – Eis!

The Year After Tomorrow: eine neue Eiszeit

Zunächst sind es nur warnende Vorzeichen: Eine Dürrekatastrophe in der Sahelzone, in Indien bleibt der Monsun aus, Staubstürme im Mittelwesten der USA, überdurchschnittlich starke Schneefälle in Grönland.
Das sind lokale Wetterunstimmigkeiten, wie sie alle paar Jahre oder Jahrzehnte auftreten können. Doch sie häufen sich, die Dürreperioden erstrecken sich über Jahre, ganze Landstriche werden zur Wüste, das Vieh stirbt, Hunderttausende von Menschen verhungern. Doch die Meteorologen sind ratlos. Sie finden das grundlegende Muster nicht, das auf eine Klimaveränderung hindeuten würde.

Als man mit verbesserten Wettersatelliten die Erde kontrolliert, wird man gewahr, daß die Verschmutzung der hohen Atmosphäre durch Abgase und Industrieemissionen stärker ist als angenommen. Ein paar Staubstürme, ein paar großflächige Waldbrände und zwei oder drei Vulkanausbrüche, die weitere Millionen Tonnen Staub und Asche in hohe Luftschichten tragen, lassen die Erdatmosphäre »umkippen«. Ein Mechanismus wird in Gang gesetzt, der schon wiederholt zu katastrophalen Klimaveränderungen geführt hat.

Eine Simulation in einem Großcomputer macht die Tragweite des Umschwungs deutlich. Eine neue Eiszeit bricht an.
Sie kommt nicht als Wetterverschlechterung, die sich über Jahrzehnte hinzieht. Sie kommt wie ein verheerender Blizzard. Und sie trifft die menschliche Zivilisation völlig unvorbereitet… (Verlagsinfo)
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Lyon Sprague de Camp – Ein Yankee bei Aristoteles. Klassische SF-Erzählungen

Classic SF: Mit der Flinte im Jurassic Park

Lyon Sprague de Camp war einer der witzigsten und vielseitigsten Autoren der Genres Science Fiction, Fantasy und Phantastik. Dieser Erzählband bietet den ersten Teil seiner besten Stories: „sieben Kostproben seines schnurrigen und bissigen Humors“, wie der Heyne Verlag formuliert. Die anderen Stories finden sich in dem Erzählband „Neu-Arkadien“ (Heyne Buch Nr. 3728).

Hier gibt es beispielsweise die vielfach abgedruckte Story über Saurierjagd, in der ein paar schießwütige Yankees ein Zeitparadox erzeugen, das ihnen zum Verhängnis wird.
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Lyon Sprague de Camp – Das Orakel der Fremden. SF-Roman

Revolution auf der Welt der Bienenköniginnen

Auf der Suche nach einem verschollenen Raumschiff landet eine Wissenschaftlergruppe auf einem erdähnlichen Planeten, auf dem sich humanoide Spezies entwickelt haben, die in kleinen, bienenstaatähnlichen Gemeinschaften leben. Eine Königin herrscht über ihre Untertanen, hauptsächlich ungeschlechtliche Arbeiterinnen und Kriegerinnen. Die männlichen Nachkommen werden meist schon im zarten Säuglingsalter massakriert; nur ein paar Drohnenmännchen werden aufgezogen, damit sie die Königin befruchten.

Die irdischen Wissenschaftler machen sich in einheimischer Begleitung auf, um das geheimnisvolle Orakel zu besuchen, weil sie vermuten, dass dort vielleicht Spuren der verschollenen Expedition zu entdecken seien. Und sie entdecken noch etwas anderes: In Not geraten und von Mordbrennern verfolgt, die es auf die modernen Waffen der Terraner abgesehen haben, ist es einer der einheimischen Arbeiterinnen nicht möglich, ihre strengen Diätvorschriften einzuhalten. Sie ist gezwungen, von der Fleischnahrung der Drohnen zu kosten. Und da geschieht plötzlich etwas, das die soziale Ordnung ihrer primitiven Gesellschaft zerbrechen lässt. (Verlagsinfo)
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Richard Stone – Die Satanskunst

Politischer Cyberthriller

London im Juni 1997. Ein Demagoge namens Edmund Bording schickt sich an, die britische Regierung zu stürzen. Er zettelt einen Volksaufstand an, was einfach ist, denn Energie und Nahrungsmittel sind rationiert. Mithilfe des jungen Staatssekretärs Tom Híllard versorgt er die Massen mit der richtigen, aufpeitschen Propaganda. Doch Hillard war nicht immer so – er wurde zu Bordings willenlosem Werkzeug und glühendem Anhänger gemacht. Hillards Frau Marianne wundert sich über die Wandlung seines gesamten Charakters: Er hat sie und seine Kinder für ein Flittchen verlassen, quasi über Nacht. Sie beginnt nachzuforschen, wie es dazu kommen konnte. Prompt gerät sie in Gefahr.

Derek Sutherland, ebenfalls ein Staatssekretär, trifft sich heimlich mit Chief Detective Inspector Bill Finch von Scotland Yard. Er hegt den Verdacht, dass die Führung von Staatsschutz und Polizei nicht mehr auf Seiten der Regierung steht und mit einem ausländischen Geheimdienst zusammenarbeitet. Aber mit welchem? Als Finch einer Verschwörung in höchsten Kreisen auf die Spur kommt, erfährt er mehr Dinge, als ihm lieb ist: Totale Manipulation und Überwachung sind nicht nur möglich, sondern seit Jahren verbrecherische Praxis…
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Fredric Brown – Das andere Universum

Metafiktion gegen die Klischees der Science Fiction

Der Blitz einer gigantischen Explosion blendet Keith Winton, und unvermittelt findet er sich in einem anderen Universum wieder: einer Parallelwelt, die zwar fast so aussieht wie seine, die aber von Aliens besucht wird und sich im Krieg mit mysteriösen Arcturiern befindet. Man will ihn töten, weil er eine verbotene Halbdollarmünze verkaufen will, und er gerät in die verdunkelten Straßen des nächtlichen New Yorks, wo unsichtbare Kreaturen ihm nach dem Leben trachten. Des Rätsels Lösung muss bei der Raumflotte zu finden sein. Doch wie soll er dorthin gelangen? Als einfallsreicher Chefredakteur fällt ihm auch dazu etwas ein …

Der Autor

Fredric William Brown (1906-1972), ein Journalist aus Cincinnati, Ohio, gehörte laut Heyne SF-Lexikon „zu den wenigen Autoren, die auch lustige und gelegentlich satirische Texte schreiben konnten“. Der vorliegende Roman „What mad universe“, sein Debüt von 1949, nimmt das Genre auf die Hörner. Das Paralleluniversum ist mit SF-Klischees nur so gespickt.

Ein weiterer lustiger Roman ist „Martians, Go Home“ (1954 im Magazin, 1955 als Buch; dt. als „Die grünen Teufel vom Mars“). Sie könnten als Vorlage für Tim Burtons Mars-Film gedient haben. Sie treiben die Erdenbürger in den Wahnsinn, indem sie ihnen jedes Privatleben nehmen und auch sonst höchst despektierlich auftreten. Browns „ernsthafte“ Romane sind „The Lights in the Sky are Stars“ von 1953, „Rogue in Space“ (1957) und „The Mind Thing“ (1960). Sie fallen gegenüber den zwei Debüts ein wenig ab. Ich selbst kenne Fredric Brown als meisterhaften Autor von Kurzgeschichten, der selbst noch in zwei kurzen Sätzen Witz, Horror und Staunen hervorzurufen wusste: „Nach dem letzten atomaren Krieg war die Erde ein toter Stern; nichts wuchs mehr, kein Tier hatte überlebt. Der letzte Mensch auf der Erde saß allein in einem Zimmer. Da klopfte es an der Tür …“

In Sammlungen wie „Angels and Spaceships“ (1954), „Honeymoon in Hell“ (1958) sowie „Nightmares and Geezenstacks“ (1961) sind kurze und längere Skizzen zu finden, wobei die dritte auch phantastische und Krimi-Stories enthält. Denn Brown schrieb auch ein gutes Dutzend vorzügliche Kriminalromane sowie mit „The Office“ einen Mainstream-Roman. Seine bekannteste Kurzgeschichte dürfte „Arena“ aus dem Jahr 1944 sein, die mehrfach verfilmt wurde. (Siehe meinen Bericht zu Isaac Asimovs Auswahlband „Science Fiction aus den goldenen Jahren“.)

Handlung

Keith Winton ist der erfolgreiche Chefredakteur des Science-Fiction-Magazins „Erstaunliche Geschichten“. Auf dem feudalen Landsitz seines Verlergers L.A. Borden erholt er sich von den Strapazen des Verlagsgeschäfts, dem er sonst in New York City nachgeht. Hier verbringt auch seine Kollegin, die attraktive Betty Hadley, das Wochenende und spielt eine Partie Tennis mit ihm. Sie gibt das Magazin für romantische Liebesgeschichten heraus. Keith hofft, sie bald wiederzusehen, als sie abreist. Während er sich auf der Terrasse den Leserzuschriften widmet, wartet er auf die für den Nachmittag angekündigte Explosion auf dem Mond. Eine neuartige Rakete soll dort eine gewaltige elektrische Ladung zu Entladung bringen und zur Erde zurückkehren.

Das wissenschaftliche Experiment hat ungeahnte Folgen. Die lunare Entladung verändert Keiths Universum ebenso wie die nachfolgende Explosion der Rakete über L.A. Bordens Lansitz – mit Keith mittendrin. Als er aus seiner Bewusstlosigkeit wieder erwacht, findet er keine Menschenseele um sich herum. Er geht zur Straße und stoppt den erstbesten Wagen: Es ist ein altes klappriges Modell T von Ford, eine „Tin Lizzy“. Der Farmer bringt ihn nach Greenefield, die nächste Kleinstadt.

Die Stadt sieht aus wie sonst auch, bis auf die altmodischen Autos auf den Straßen und die Kleider der Passanten. Der Münzautomat nimmt keine Cents und Dollars an, aber als Keith im Drugstore Wechselgeld haben will, schaut ihn der Verkäufer verschwörerisch an und schaut sich vorsichtig um: Er würde den Vierteldollar von 1935 ja gerne unter der Hand erwerben – wären 1000 Credits in Ordnung? Sammlerpreis, versteht sich. Keith schaut nur erstaunt, so lange, bis er den Verkäufer auf 2000 Credits hochgetrieben hat. Man hat hier keine Dollars mehr, soso. Aber wenigstens kann er jetzt telefonieren. Betty Hadley ist leider nicht im Verlag zu erreichen. Wenigstens gibt es sie noch.

Es erweist sich als Fehler, auch noch einen Halbdollar wechseln zu wollen. Diesmal schreit der Verkäufer Zeter und Mordio, er werde von einem arkturischen Spion angegriffen. Ein purpurfarbenes Monster stürzt sich auf Keith, der reaktionsschnell die Kurve kratzt. Ein Schuss verletzt ihn am Oberarm, bevor er untertauchen kann. Wenigstens kommt er am nächsten Tag unbehelligt nach New York City, allerdings an strengen Personenkontrollen vorbei. Erschüttert stellt Keith fest, dass alle Bürger – und Cops sowieso – ungestraft sofort auf einen arkturischen Spion feuern dürfen.

Wenigstens kommt er abends lebendig in New York an, doch der Bahnhof ist voller Liegen, auf denen Bürger schlafen. Warum schlafen sie nicht zu Hause? Als er sagt, er wolle weiter, erklärt man ihn für lebensmüde, hindert ihn aber nicht daran, das Gebäude zu verlassen. Dumm nur, dass es draußen stockdunkel ist und er nicht mal die Hand vor Augen sehen kann. Von den einst so strahlend hell erleuchteten Straßen am Broadway keine Spur. Nicht einmal Mond und Sterne sind zu sehen.

Mit einem entzündeten Streichholz macht er sich auf den Weg, um seine eigene Wohnung im Greenwich Village zu erreichen. Doch er kommt keine fünf Schritte weit, als er bereits von einem Kerl mit einer Keule überfallen wird. Er kann sich des Angriffs erwehren, doch wenig später hört er in der Finsternis, wie ihm jemand nachschleicht …

Mein Eindruck

Wen dieses Szenario, das der Autor anno 1949 (Magazinfassung) entwarf, an den Zweiten Weltkrieg erinnert, liegt völlig richtig. Im Gewand eines SF-Romans, der sich in einem SF-Roman mit doppeltem Boden versteckt, treten dem Leser die Schreckgespenster des Krieges entgegen, den die Amerikaner seinerzeit überwunden zu haben glaubten – nur um dann in den Koreakrieg und anschließend in den Vietnamkrieg einzutreten.

Natürlich erlebten die Amerikaner selbst keinerlei Verdunkelung, wie sie während der Krieges in Europa obligatorisch war. Deshalb kann der Autor diese bizarren Szenen auch als Zukunftsmusik verkaufen. In Wahrheit sind sie jedoch ernste Warnungen vor einer Wiederholung des soeben Überlebten.

Nicht umsonst beginnt die Geschichte mit zwei gigantischen Explosionen. Selbst wenn die Erste nur auf dem fernen Mond stattfindet, so ereignet sich doch die Zweite unweit von New York City – ein Menetekel, das dem Leser den Horror einer Atombombenexplosion nahebringen soll. Der Autor stand offensichtlich – wie sicher nicht wenige seiner Leser – unter dem Eindruck der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Das Atomzeitalter, das er so für unsere Zeit ankündigt, verheißt nichts Gutes. Noch immer spielt der Mensch mit Kräften herum, die er nicht kontrollieren kann.

Wie in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, spielt sich in der Geschichte ein intergalaktischer Krieg ab. Die Arcturier greifen an! E.E. ‚Doc‘ Smith würde jetzt die Lensmen von der Galaktischen Patrouille aussenden, um die schröcklichen Aliens mit den Glubschaugen – die Bug-eyed monsters (BEMs) – in die Schranken zu weisen und die Hegemonie der Erde wiederherzustellen.

Jetzt trifft es sich gut, dass „unser Mann vor Ort“ sich bestens mit Sciencefiction auskennt. Dass allerdings die besagten Monstren friedlich durch New Yorker Straßen laufen, jagt auch ihm erst mal einen Schrecken ein. Das ganze Szenario des Krieges mit Aliens kommt ihm aus den wilden Geschichten seiner Autoren dennoch vertraut vor. Selbst die Jagd nach Spionen ist in Zeiten des Krieges nicht unbekannt. Mit dem Unterschied, dass Keith Winton jetzt der Gejagte ist. Das macht seinen Aufenthalt in der Stadt etwas pikanter.

Die Tatsache, dass er sich nun in einer Parallelwelt befindet, geht ihm erst allmählich auf. Womöglich gibt es ihn auch hier bereits? Und vielleicht sogar die süße Betty Hadley? Beides trifft zu, wie er halb besorgt, halb entzückt herausfindet. Doch wie an die Angebetete herankommen? Am besten als Autor von SF-Geschichten, denkt er sich und liefert seinem Gegenstück ein paar hingeklopfte Storys ab. Ganz schlechte Idee! Sein Gegenstück erkennt nämlich eigene Machwerke darin und verdächtigt nun Keith ebenfalls arkturischer Spion zu sein …

Metafiction

Der Roman über ein angeblich bizarres und verrücktes Universum, ist in Wahrheit auch ein Kommentar über Sciencefiction selbst, also Metafiction. Keith findet heraus, dass seine Parallelwelt von den Gedanken, Wünschen und Vorstellungen eines seiner eigenen Leser geprägt ist, also von einem SF-Fan. Kein Wunder also, dass es hier von Versatzstücken nur so wimmelt: intergalaktischer Krieg, Superwaffen, Psi-Roboter, BEMs – und natürlich Weltraummädchen (spacegirls).

Dem Comic-Leser von damals waren Weltraummädchen durchaus vertraut. Sie hießen seinerzeit „Wonderwoman“ und „Supergirl“, ja, sie wurden sogar verfilmt. Allerdings durften die Ärmsten keine Bikinis tragen wie Betty Hadley, sondern mussten eine Art Ganzkörperkondom drüberziehen, um ihre weiblichen Rundungen zu verbergen. Nach dem Motto: Bitte nur retten, nicht schmusen! Betty hingegen hats gut: Neben dem trägerlosen Bikini braucht sie nur ein heißes Höschen sowie hohe Schaftstiefel zu tragen, fertig ist die Weltraum-Montur.

Der Autor macht sich hier natürlich über die Klischees lustig, die der SF-Leser, der Keiths Parallelwelt entwarf, am liebsten sind. Hier richtet sich sein Roman auf versteckte Weise gegen seinen eigenen Leser. Für den intelligenten Leser – solls ja auch geben – war das natürlich ein ironisch vergnüglicher Leckerbissen.

Wie die Geschichte ausgeht? Gut natürlich! Schließlich hat Keith ja hilfreiches Wissen in seinem Hinterkopf, mit dessen Hilfe sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen: Er vernichtet damit das arkturische Supermegagigaraumschiff – und lässt sich von der Explosion zurück in seine eigene Welt versetzen. Und dort erwartet ihn bereits sehnsüchtig – na, wer wohl?

Unterm Strich

Der temporeiche und spannende, kurze Roman präsentiert zwei Universen, die in sich geschlossen sind. Zunächst ist da die erste Geschichte um Keith Winton, den Chefredakteur eines SF-Magazins. Ihn verschlägt es in ein Paralleluniversum, das sich als Fiktion eines seiner SF-Leser entpuppt. Als er zurückkehrt, wird auch sein eigenes Universum als Fiktion erkennbar. Beide Universen sind Wunscherfüllungsmaschinen.

Was sagt dies über unsere eigene Welt aus? Sie ist nichts anderes. Nur mit dem Unterschied, dass das individuelle Universum des Einzelnen (idios kosmos) sich ständig mit dem Universum der Gemeinschaft (koinos moskos) auseinandersetzen muss und somit reguliert wird. Aber welche Wünsche und Träume und Ziele setzt sich diese Gemeinschaft?

Dies hinterfragen Geschichten wie diese, indem sie Metafiction erzählen und sichtbar machen: Alle unsere Universen sind nicht das, was sie an sich sind, sondern, was wir in ihnen sind. Und somit werden sie sowohl hinterfragbar als auch relativiert. Es ist nicht die SF allein, die Träume spinnt, die „ver-rückt“ wirken.

Als eifriger Leser von SF bin ich mit den Versatzstücken vertraut, die der Autor in dem integrierten Paralleluniversum seinem Helden präsentiert. Doch statt blasiert zu sein, ist Keith erstens verwundert und zweitens amüsiert. Er fühlt sich nicht wie ein Dick’scher Held völlig entfremdet, sondern wie zu Hause. Daher kann er auch im Bezugsrahmen der anderen Welt aktiv werden. Er darf sich seine Ahnungslosigkeit nur nicht anmerken lassen. Das macht die Story doch recht vergnüglich und spannend. Bis zum Schluss bleibt offen, ob er die Erde 2.0 retten kann und ob er zu seiner eigenen Erde 1.0 zurückgelangt.

Daher bleibt das Buch bis zum Schluss spannend. Allerdings sind die Ideen uns heute allzu vertraut und könnten banal wirken. Deshalb fällt die Bewertung nur durchschnittlich aus.

Taschenbuch: 141 Seiten
Originaltitel: What mad universe (1949)
Aus dem US-Englischen von Werner Gronwald
ASIN: B0000BQ97B

http://www.heyne.de

_Fredric Brown bei |Buchwurm.info|:_
[„Die grünen Teufel vom Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3706