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Michael Swanwick – Vakuumblumen. Cyberpunk-Roman

Abenteuer in einem seltsamen Sonnensystem

Dies ist die Geschichte von Rebel Elisabeth Mudlark, der geklonten „Tochter“ einer biogenetischen „Zauberkünstlerin“. Sie kommt im Auftrag ihrer „Mutter“ von den Kometenwelten der Oortschen Wolke ins Innere Sonnensystem, wo sich sehr viel verändert hat. „Vakuumblumen“ ist ein farbenprächtiger, tempo- und einfallsreicher Abenteuerroman, der die raumfahrende Menschheit in einem ganz anderen Blickwinkel zeigt als die Hochglanzprospekte der NASA und der Lagrange-Gesellschaft. (Verlagsinfo)

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Dick, Philip K. – galaktische Topfheiler, Der

_Hey Joe: Heb die Kathedrale!_

Joe Fernwright ist einer der talentiertesten Topfheiler der Erde. Doch leider gibt es kaum mehr Keramikware, die man ihm zum Reparieren überlässt. Bis ihn eines Tages der Glimmung, ein sonderbares, gottähnliches Wesen von einem Planeten der Sonne Sirius, mit einem ganz speziellen Auftrag betraut: Zusammen mit einem Team ähnlicher Talente soll er eine Kathedrale vom Meeresgrund holen und restaurieren, das Relikt einer untergangenen Kultur: Heldscalla.

Doch bevor es dazu kommen kann, muss Joe zahlreiche Hindernisse überwinden und es mit Glimmungs Gegenspielern, den Kalenden, aufnehmen. Sie sagen die Zukunft voraus, und die sieht gar nicht gut aus für Joe.

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er fast 30 Jahre lang veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, der sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=197 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm) in unsere Kinos, möglicherweise noch in diesem Jahr.

_Handlung_

Joe Fernwright lebt im Cleveland des Jahres 2046 mehr schlecht als recht. Die Gesellschaft ist durchbürokratisiert und automatisiert, der Staat sorgt für alles: amerikanischer Kommunismus, wie er nicht im Buche steht. Dieser Staat jedoch, fühlt Joe täglich, ist darauf aus, seine Bürger zu demütigen. Einmal geht Joe zu langsam, weil unmotiviert, und wird prompt von einem Polizisten angeschnauzt, gefälligst schneller zu gehen, wie alle anderen auch. Seine Ex-Frau, von der er seit Jahren geschieden, ist ihm auch keine große Hilfe.

Joe hat den Job seines Vaters übernommen: Topfheiler. Doch die Aufträge lassen seit Monaten auf sich warten, dabei lief es nach dem letzten Krieg doch recht gut – Joe konnte viel kaputt gegangenes Porzellan reparieren. Auf die Idee, selbst Töpfe und dergleichen zu produzieren, ist Joe jedoch noch nicht gekommen. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Er führt auf eine andere Welt.

Eines Tages erhält Joe per Rohrpost rätselhafte Anfragen. Jemand möchte ihn als Topfheiler engagieren und wäre bereit, ihm 35.000 Crumbles dafür zu zahlen. Nachdem er sich durch die Bürokratie hat gehörig demütigen lassen, stellt sich heraus, dass 35.000 Crumbles so viel in amerikanischem Geld wären, dass sie das Finanzsystem zusammenbrechen lassen würden. Kein Wunder, dass schon Minuten nach dieser Nachricht die Staatspolizei bei ihm auf der Matte steht! Selbstverständlich werden alle Telefongespräche abgehört. Für seine paar gehorteten Dollars aus alten Zeiten interessiert sich die Polizei weniger.

Allmählich geht es Joe auf, dass Werte ziemlich relativ sein können. Aber wem ist sein Knowhow so viel Geld wert? Es ist ein Wesen namens Glimmung, das auf dem Planeten Plowman im System Sirius lebt. Glimmung ist, wie Joe bald feststellt, ein halb göttliches, halb außerirdisches Wesen, dessen wahre Gestalt und Absicht er erst auf Plowman herausfindet. Glimmung schickt seine Botschaften beispielsweise auf alten Grammophonplatten, in der Toilettenspülung und vielen anderen Kanälen. Zudem wechselt er ständig die Erscheinungsform.

Auf dem erstbesten Raumschiff Richtung Plowman trifft er eine ganze Reihe anderer Handwerker und Spezialisten. Am faszinierendsten ist eine dunkelhaarige junge Frau namens Mali Yojez, die nicht von Terra stammt. Sie ist mit einem kritischen, aber keineswegs demütigenden Verstand ausgestattet und wird noch eine wichtige Rolle in Joes Leben spielen.

Bald ist klar, worin die Mission besteht: Glimmung will eine versunkene antike Kathedrale heben und die entsprechende Religion wieder zum Leben erwecken. Um die Kathedrale zu heben und zu restaurieren, sind Experten wie ein Telekinet, die Taucherin Mali und der Topfheiler Joe nötig. Doch wird Glimmung auch zahlen? Diesem extraterrestrischen „Faust“ traut man nicht. Die Handwerker bilden vorsichtshalber eine Gewerkschaft.

Kaum sind sie am Raumhafen von Plowman eingetroffen, beginnen die Schwierigkeiten. Ein seltsames Buch prophezeit, dass Joe den Glimmung töten werde. Und zu Joes Überraschung gibt es a) zwei Glimmungs und b) auch zwei Kathedralen. Aber welche/r ist jeweils der oder die richtige?

_Mein Eindruck_

Dieses Buch repräsentiert laut Verlag erstmals die ungekürzte und vollständig überarbeitete Fassung des Romans von anno 1969, der früher den biederen Titel „Joe von der Milchstraße“ trug. Der Roman basiert auf dem 1966 geschriebenen Kinderbuch „The Glimmung of Plowman’s Planet“ (deutsch bei Edition Phantasia, Bellheim). Die Vorlage wurde 1968 grundlegend überarbeitet und ausgeweitet, so dass praktisch nur das Konzept des Kollektivwesens, zu dem Glimmung und seine Handwerker werden, übernommen wurde.

Die scheinbar banal erscheinende Handlung hat es dennoch „Faust-Dick“ in sich. Der Ozean, an dessen Grund die Kathedralen im Modder versinken, beherrscht den Planeten Plowman wie eine riesige Kraft, die alles in sich hineinzieht und in Chaos versinken lässt. Der Endzustand ist abzusehen: Entropie, der Ausgleich aller Unterschiede, der Stillstand aller Prozesse. Es ist ziemlich unübersehbar, dass die Wasserwelt Plowman viel Ähnlichkeit mit unserem eigenen Universum besitzt.

Und nun kommt dieser Glimmung daher und will ein antikes Artefakt ans Tageslicht heben. Wird dieser prometheische oder faustische Akt den Niedergang in die Entropie aufhalten können? |“Dort unten“|, erklärt ein ziemlich melancholischer Roboter (nein, er heißt nicht „Marvin“!) dem Topfheiler, |“ist der Verfall die einzige Kraft, die existiert. Aber hier oben – wenn die Kathedrale gehoben ist – wird es Kräfte geben, die nicht der Zerstörung, dem Verfall dienen, sondern entgegengesetzt wirken. Kräfte des Bejahens und des Wiederrichtens, Kräfte des Auftauens und des Schaffens sind, wie in Ihrem Fall, Kräfte des Heilens. Darum werden Sie so sehr gebraucht. Sie und die anderen werden durch Ihre Arbeit, durch Ihre Fähigkeiten dem Prozess der Zerstörung Einhalt gebieten.“|

Doch die Hoffnung, die Joe wie einst König Sisyphos im Angesicht des Verfalls und des unausweichlichen Nichts trotzig hoffen lässt, ist sinnlos, wenn sie alleine steht (im „idios kosmos“). Deshalb liefert die Chance, in das Kollektivwesen des Glimmungs aufgenommen zu werden, eine Chance, eine gemeinsame Erfahrungswelt (koinos kosmos) erschließen zu können, die von mehreren Wesen – nicht nur Menschen – gemeinsam wahrgenommen wird. |“Wir hörten auf, zum Scheitern verurteilte Individuen zu sein.“|

Und doch lehnt Joe diese Existenzform nach vollbrachtem Werk schließlich ab. Er verlässt das Kollektivwesen. Täte er das nicht, verlöre er sein Ich, seine kritische Distanz, die ihn zu dem macht, was er ist und fühlt und denkt. Er existiert in beständigem, angespanntem Konflikt mit dem Universum und in dem Bewusstsein, das daraus resultiert.

Endlich ist Joe auch in der Lage, eigenständig Töpfe zu formen, fachmännisch zu dekorieren und zu brennen – und das Ergebnis mit Kennerblick zu beurteilen: „Der Topf war scheußlich.“ Dies kann nur jemand sagen, der sich des Wertes der eigenen Arbeit mit kritischem Blick bewusst geworden ist. Doch Joe gibt bestimmt nicht auf, er wird weitere Töpfe fertigen und so Erfüllung finden. Denn endlich hat er etwas ganz Wesentliches gefunden: die Liebe zu Mali und eine Zukunft für sich selbst.

In diesem Erfolg und dieser Zuversicht hat Joe Fernwright viele Dinge den anderen gebrochenen Helden von Philip K. Dick voraus, so etwa Jack Bohlen aus „Marsianischer Zeitsturz“ oder Joe Chip aus [„Ubik“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=652 Der Schluss ist versöhnlich und somit ein Hinweis darauf, dass Dick seine zweite Schaffensphase, Mitte/Ende der 1960er, bald abschließen würde.

Es sollte aber noch ein fürchterlicher Roman folgen: [„Irrgarten des Todes“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1428 (1968/70), der ebenfalls in der Heyne’schen Dick-Edition erschienen ist. Darin finden fast alle Protagonisten den Tod – nur um in der nächsten Simulation zu erwachen und zu sterben – und in noch einer und noch einer …

|Meine Leseerfahrung|

Zunächst liest sich der „Topfheiler“ wie ein beschwingte Parodie oder gar Satire auf sämtliche Utopien des sozialistischen Gemeinwesens, doch lässt sich unterschwellig ein gewisses Grauen vor dieser Existenzform nicht verhehlen. Charakteristisch ist beispielsweise das „Spiel“. Dabei tauscht Joe mit seinen Spielpartnern irgendwo auf der Welt absurde Übersetzungen aus, die ein japanischer Computer von englischen Vorlagen angefertigt hat. Aus dem absurden Ergebnis muss man das Original erraten. Niemand kann gewinnen und höchstens in der Platzierung nach Punkten aufsteigen, aber dafür gibt es keinen Blumentopf zu gewinnen. Hier hat Dick eine teils komische, teils traurige Variante von sinnlosen Spielen geschaffen, wie sie bei ihm des Öfteren vorkommen, z. B. in „Solar Lottery“.

Als der Ruf des Glimmung Joe erreicht, kommt ihm daher dieses Spiel reichlich dämlich vor. Endlich kann er wieder hoffen. Und ist das Heben einer Kathedrale nicht ein hehres Unterfangen? Heldscalla heißt sie, welch ein glorreicher Name! Könnte glatt aus dem „Beowulf“ stammen. Doch so heroisch wird’s dann auf Plowman doch nicht. Im Gegenteil: Joe könnte glatt zum Negativhelden werden, wenn er den Gott Glimmung tötet, wie man ihm prophezeit.

Da erweist sich Joes Yankee-Pragmatismus als die bessere Hälfte der Weisheit: Er schaut erst mal nach, was Sache ist. Seine Starrköpfigkeit treibt Mali schier zur Verzweiflung. Sie, die rationale Frau, kann nicht verstehen, dass Joe wider besseres Wissen, gegen jede Wahrscheinlichkeit an diesem offensichtlich sinnlosen Unterfangen festhält. Doch als der falsche, der schwarze Glimmung Malis Raumschiff angreift, kann er sie genau deshalb rechtzeitig warnen. Niemand sonst als Joe hätte wohl auf die seltsamen Flaschenpostbotschaften des „guten“ Glimmung geachtet oder vertraut. Joes Glaube an Glimmung rettet die gesamte Mission.

_Unterm Strich_

Im Vergleich zu den schwierigen Romanen wie „Ubik“ oder „Irrgarten des Todes“ ist „Der galaktische Topfheiler“ ein täuschend leichtfüßiges Garn. Das verwundert aber nicht, wenn man weiß, dass das Buch aus einem Kinderbuch heraus entstanden ist. Dementsprechend leicht ist das Buch zu lesen, doch man wird in der zweiten Hälfte auf recht philosophische Dialoge stoßen, die es durchaus ernst zu nehmen gilt, sonst erscheint der Rest entweder sinnlos oder verspielt. Von der vordergründig heiteren, aber hintergründig ernsten Stimmung her gleicht der Roman Dicks erstem Hardcover-Roman [„Zeit aus den Fugen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=199 (ca. 1958), doch ebenso wenig wie dieser ist Joes Geschichte ein Fliegengewicht.

Für den Einstieg in Dicks Werk ist „Der galaktische Topfheiler“ nur bedingt geeignet, weil es in seiner heiteren Tonart relativ untypisch ist. Dafür seien schon eher „Zeit aus den Fugen“, „Das Orakel vom Berge“ und „Marsianischer Zeitsturz“ empfohlen. Wer ein paar harte Nüsse knacken will, greife zu „Ubik“, „Der dunkle Schirm“ (Verfilmung mit Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson, Winona Ryder; produziert u.a. von George Clooney und Steven Soderbergh) und vor allem zur VALIS-Trilogie.

|Originaltitel: Galactic pot-healer, 1969
Aus dem US-Englischen übersetzt von Joachim Pente, überarbeitet von Alexander Martin|

|Philip K. Dick bei Buchwurm.info:|
[Blade Runner]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=197
[Die besten Stories von Philip K. Dick]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=203
[Eine andere Welt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198
[Erinnerungsmechanismus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=824
[Irrgarten des Todes]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1428
[Minority Report]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=142
[Nach der Bombe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=868
[Paycheck – Die Abrechnung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=211
[Ubik]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=652
[Der unmögliche Planet]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=209
[Zeit aus den Fugen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=199

Hamilton, Peter F. – Den Bäumen beim Wachsen zusehen

Ein rätselhafter Mord ereignet sich an der ehrwürdigen Universität von Oxford: Im rechten Auge des Studenten Justin Ascham Raleigh steckt ein Messer. Doch weder den Mörder noch seinen Fluchtweg noch das Motiv vermag Chefinspektor Pitchford herauszufinden. Wie es scheint, haben Justins fünf engste Freunde alle ein Alibi bzw. kein Motiv.

Der Familien-Ermittler der Raleighs hofft auf den technischen Fortschritt, um die Beweismittel, wo sie auch sein mögen, herbeizuschaffen, um den wahren Mörder zu finden, zu überführen und seiner gerechten Strafe zuzuführen.

In der Tat dauert es noch 206 Jahre, bis Edward dieses Kunststück gelingt, 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Und im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.

Der Autor

Peter F. Hamilton wurde 1960 in Rutland, GB, geboren. 1988 erschien seine erste Kurzgeschichte in dem Science-Fiction-Magazin „Fear“. Sein erster Roman, der erste Band der „Mindstar“-Trilogie, erschien 1993. Das Hauptwerk Hamiltons bildet bislang der (im Deutschen) sechsbändige |Armageddon|-Zyklus, eine der wichtigeren New Space Operas.

Der Sprecher

Detlef Bierstedt ist ein gefragter Synchronsprecher, der u.a. George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG) seine Stimme leiht und mit Begeisterung Hörbücher interpretiert. Für |Lübbe Audio| hat er die Dick-Francis-Romane gelesen.

Handlung

Wir schreiben das Jahr 1832. Im englischen Oxford klingelt zu nachtschlafender Stunde das Telefon von Edward Bucahanan Raleigh, einem Ermittler der weitverzweigten Familie Raleigh. Am Apparat: Francis Haughton, der Repräsentant bzw. Unterhändler des Klans. Schlechte Nachrichten: Einer der Ihren wurde an der Uni tot aufgefunden – ermordet!

Im Elektroauto – Verbrennungsmotoren sind verboten – fahren die beiden mit dem Affentempo von 25 km/h zur Uni, ans Dunbar College. Seltsam, es sind immer noch Leute unterwegs, die Hälfte davon schwangere Frauen. Chefinspektor G. A. Pitchford empfängt die beiden Herren im Zimmer des getöteten Studenten. Es ist voller Sternkarten, Fotos und einer elektrischen Schreibmaschine. Justin Ascham Raleigh studierte hier Astronomie, nun steckt ihm ein Messer im Hirn.

Er war Mitglied einer Freundesgruppe von weiteren fünf Studenten und Studentinnen, die der Reihe nach von Inspektor Pitchford verhört werden. Peter Samuel Griffith und Carter Osborne Kenyon werden entlastet. Bethany Maria Caesar aus dem Klan der Caesars war Justins Freundin, er wollte sie heiraten und viele Kinder mit ihr haben. Sie studiert Biochemie und steht kurz vor der Entdeckung der DNS. Sie kommt ja wohl kaum als Täterin infrage.

Dann sind da noch die schwangere Christine Jayne Lockett, eine Künstlerin von lockeren Sitten, und der zwielichtige Anthony Caesar Pitt. Er macht seine Aussage nur in der Obhut des Familien-Repräsentanten Neill Heller Caesar. In der Mordnacht will Anthony in einem illegalen Spielklub des Lasters gefrönt haben. Immerhin kann Edward Raleigh Anthonys Zigarrenstummel finden und in einer Plastiktüte verstauen. Es sieht ganz so aus, als habe jeder der fünf Studenten ein gutes Alibi. Wie aber konnte der Mord verübt werden, wie konnte der Mörder entkommen? Niemand hat ihn aus Justins Zimmer kommen sehen. Ist er an der Glyzinie vor dem Fenster hinuntergeklettert?

Edward schwört bei seiner Familienehre, er werde den Mörder bis ans Ende seiner Tage verfolgen und nicht ruhen, bis er ihn – oder sie – dingfest gemacht hat. Einstweilen hinterlegt er seine Beweismittel in der Gefrierkammer des Gerichtsmedizinischen Instituts auf dem Raleigh-Hauptsitz in Southampton. Es wird von der attraktiven Rebecca Raleigh Stothard geleitet, einer klugen Frau, die zwar – wie viele der Langlebigen in den Familien — bereits über hundert Jahre alt ist, aber durch ihre Verjüngungskuren aussieht wie Mitte Zwanzig. Edward findet sie ausnehmend verführerisch. Trotz ihrer 17 Kinder.

Manhattan im Jahre unserer Herrin Maria 1853. Die anhaltende Bevölkerungsexplosion hat auch die Völker, die sich seit 1630 in Nordamerika niedergelassen haben, zu einer platzsparenden Bauweise in die Höhe gezwungen. Es gibt TV, Luft- und Raumfahrt, sogar einen Kanaltunnel. Neill H. Caesar empfängt Edward. Edward bestätigt Anthonys Alibi. Im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.

Der Jupitermond Ganymed im Jahre unserer Herrin Maria 1920. Die „Kuranda“ legt als erstes Raumschiff der Raleighs auf einer der vielen Welten der Familie Caesar an. In der Ganymed-Hauptstadt Neu-Mailand wird Edward von Bürgermeister Ricardo Saville Caesar empfangen. Die Raleighs und Percys fragen sich besorgt, was zum Kuckuck die Caesars mit all ihren Welten vorhaben.

Edward besucht Bethany Maria Caesar auf dem vulkanischen Jupitermond Io in ihrem Forschungsinstitut. Bei ihrem Anblick ist er entsetzt: Sie sieht ALT aus! Zu seiner Bestürzung hat sie Einwände gegen die Langlebigkeit der Familien: Deren Mitglieder würden sich gegen Wandel wehren. KIs nähmen ihnen die Arbeit ab, so dass sie in Trägheit verfielen. Bethany, einst Justins Braut, entwickelt die Nanotechnologie zur Biononik.

1971, das Raleigh Familien-Institut. Bethanys Biononik hat die Menschen quasi zu Göttern gemacht. Tod, Altern, sogar Arbeit gehören der Vergangenheit an. Das Wichtigste ist nun Materie, aus der man per Biononik einfach alles herzustellen vermag. Der Bevölkerungsdruck hat die Menschheit sich auf die gesamte Galaxis ausbreiten lassen, seitdem sie mit ihren Raumschiffen durch Wurmlöcher zu den fernsten Welten gelangen kann. Im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.

Doch der Mord an Justin Raleigh ist ungelöst, ungesühnt, und Edward, nunmehr im Obersten Familienrat der Raleighs, darf nicht ruhen. Er zitiert Christine Jayne Lockett herbei. Anders als die Familien und die meisten Kurzlebigen ist sie ein Hippie und eine Naturanhängerin, die die Langlebigkeit und Rückstellung ablehnt. Gegen ihren Willen lässt er – wie in der Dick-Story „Paycheck“ – ihr Gedächtnis auslesen und nach Erinnerungen aus der Mordnacht durchsuchen. Doch die „Zeitreise“ beweist ihre Unschuld. Wäre Edward nicht bereits so mächtig, würde sie ihn vor den Kadi zitieren.

Wieder führt Edward sein Weg zu Carter Osborne Kenyon, einem der Sechs aus Oxford. Im Jahr 2000 unserer Herrin Maria besucht er ihn in der Erdumlaufbahn. Obwohl das Gehirn des Kernphysikers nach einem schweren Unfall schwer beschädigt ist, lässt er auch dessen Gedächtnis analysieren. Und diesmal findet er auf der erneuten „Zeitreise“ ins Jahr 1832 den ersten handfesten Hinweis auf den Mörder.

Wir schreiben das Jahr unserer Herrin Maria 2038. Region Eta Carinae, eines 10.000 Lichtjahre von der alten Erde entfernten Riesensterns. Edward ist gekommen, um den Täter zu verhaften und einer, wie er behauptet, „gerechten“ Strafe zuzuführen. Doch der Unterschied zwischen Humanität und Barbarei ist manchmal nur eine Frage des Standpunktes…

Mein Eindruck

Der alternative Geschichtsverlauf, den Hamilton in seiner wunderbar spannenden Detektivgeschichte klassischen Zuschnitts zeichnet, blickt auf eine ehrwürdige britische Tradition zurück. Schon in den sechziger Jahren stellte sich der britische Autor Keith Roberts ein England vor, in dem es dem Vatikan gelungen war, die vom katholischen Glauben abgefallene Königin Elizabeth I. ermorden zu lassen, In der Folge konnte die Armada des katholischen Königs Philipp von Spanien England erobern und komplett auf katholische Werte zurückstellen.

Doch anders als bei Roberts stellt sich Hamilton vor, dass diese Wende nicht zu technischem Rückschritt – statt Telefon gibt es noch Signalmasten für die Nachrichtenübermittlung – geführt hätten, sondern wegen der Bevölkerungsexplosion zu beschleunigtem technischem Fortschritt. Eine dünne privilegierte Oberschicht, die Familien der Langlebigen, treibt die wissenschaftlichen Studien voran, während die Kurzlebigen oder „Ephemeren“ niedere Arbeiten à la Morlocks verrichten. Revolutionen hat es schon lange nicht mehr gegeben, in Rom herrschen die Kaiser und der Kongress des Zweiten Imperiums, im Vatikan die Borgias. Diese vertreten die biblische Doktrin von Johannes Paul II.: Keine Verhütung, sondern vermehret euch und bevölkert die Erde – und den gesamten Weltraum am besten gleich dazu!

Das Raffinierte und wirklich Befriedigende an dieser Erfindung Hamiltons ist, dass es genau diese Kluft zwischen Lang- und Kurzlebigen ist, die das Motiv für den Mord an Justin liefert. Edward, der unermüdliche Ermittler, muss erst diesen Balken in seinem Auge finden, bevor er überhaupt dessen Bedeutung begreift. Und so das Motiv erkennt. Seine Strafe ist furchtbar und hat nicht wenig von einem Mord und ewiger Verdammnis an sich. An diesem Punkt ist es dem Hörer überlassen, ein moralisches Urteil zu fällen: Der Mord musste gesühnt werden, in Ordnung – aber wirklich um diesen Preis?

Der Sprecher/Die Inszenierung

Detlef Bierstedt liest ausdrucksvoll, leicht verständlich, nicht zu überhastet. Den verschiedenen Figuren vermag er unterschiedliche Charakteristika zu verleihen, so dass man sie unterscheiden kann. Das einzige Detail, das ein Englischkenner einwenden könnte, ist seine Aussprache des Familiennamens Raleigh. Bierstedt spricht das [rälli] aus, als handle es sich um eine Rallye statt um eine Sippe. Ich würde es [rå:li] aussprechen, so wie die Universitätsstadt in North Carolina – oder wie in „Sir Walter Raleigh“, einem der ersten Entdecker Nordamerikas zu Elizabeths I. Zeiten.

Unterschiede zum Buch

Wieder einmal konnte ich den gesprochenen Text mit dem in Peter Crowthers Anthologie „Unendliche Grenzen“ (Bastei-Lübbe 2003, Nr. 23266) vergleichen. Dabei stellte ich fest, dass etliche Seiten gestrichen worden sind. Dies betrifft zum Beispiel ein Forschungsgebiet, das Justin beackerte. Allerdings ist das nicht weiter schlimm, wie mir scheint, denn der Begriff C-60 taucht später nie wieder auf, ist also ohne Belang. Andere Kürzungen betreffen Ausführungen über die Weiterentwicklung der Menschheit während der erzählten Zeit. Dass Bethany die Biononik (= Nanotechnologie) entwickelt hatte, entging mir zunächst, das wird aber später nochmals separat erwähnt.

Unterm Strich

Schon die erste Zeile der Story verblüfft den Hörer: ein Telefon im Jahre 1832?? Und so geht es bis zum Schluss weiter. Die Geschichte ist eine Entdeckungsreise, die ihren eigenen Reiz ausübt.

Zum anderen ist sie auch eine spannende Detektivgeschichte klassischen Zuschnitts, die eines Sherlock Holmes oder Auguste Dupin (E. A. Poe) würdig wäre. Wenn man alle Möglichkeiten ausgeschlossen hatte, bleibt frei nach Ockham und Holmes nur noch eine logische Lösung übrig, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag. Diese spezielle Lösung jedoch bricht einem schier das Herz. Dass sie an den Kern des Problems dieser Zukunft rührt, macht sie so zwingend und überzeugend. Sie führt uns selbst zur Frage zurück, was passieren würde, wenn jeder es dem Vatikan recht machte. Selbst wenn dort nicht die Borgias herrschen.

Das Hörbuch

Bierstedts Lesung ist ein Vortrag, dem man gerne folgt (selbst wenn man sich nicht wie ich Notizen dabei macht). Man muss schon die Ohren ein wenig spitzen, um alle ironischen Abweichungen von der uns bekannten Geschichtsschreibung zu bemerken. Dennoch: Ein ernsthafter Ermittler vom Zuschnitt eines Edward Raleigh muss auch entsprechenden Ernst auszudrücken vermögen. Es geht ihm um nichts Geringeres, als den Mörder zur Strecke zu bringen, möge es auch über 200 Jahre dauern.

Diesen Ernst glaubwürdig zu vermitteln, gelingt Bierstedt meiner Ansicht nach. Auch wenn ich über die Aussprache von „Raleigh“ ganz anderer Ansicht bin.

_Michael Matzer_ © 2004ff

M. G. Wheaton – Emily Eternal. SF-Roman

Erde 2.0: Kann eine KI die Menschen retten?

Emily ist eine hochentwickelte Künstliche Intelligenz. Sie kann in Lichtgeschwindigkeit mathematische Probleme lösen und die komplexen Geheimnisse des menschlichen Geistes besser analysieren als jeder Psychologe. Doch als die Sonne zu erlöschen droht, hat auch sie kein Programm, um das zu verhindern. Dennoch fasst sie einen Plan, um die Erde zu retten… Soweit die Verlagsinfo.

Nein, die Sonne verlöscht nicht, sondern entwickelt sich zum Roten Riesen – es bleiben nur noch etwa vier Wochen Zeit, bis die Sonnenstürme alle Elektronik auf der Erde ausschalten. Und was das Rettungsprogramm angeht – das kommt zunächst von der US-Regierung. Emily lehnt es ab, sämtliche knapp acht Mrd. Menschen auf der Erde zu digitalisieren, zu speichern und dann als digitale Arche ins Weltall zu schießen. Das ergibt wenig Sinn. Aber sie stößt auf einen Funken Hoffnung…
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C. J. Cherryh – Pells Stern. Ein Alliance-Union-Roman (Pell 01)

Absprung ins Allianz-Union-Universum

Das 24. Jahrhundert: Die Raumstation im Orbit von Downbelow, einem Planeten des Sterns Pell, liegt als bislang neutraler Punkt zwischen den Einflusssphären der Erde und der Union, einer Föderation ehemaliger Kolonien der Erde. Pells Stern ist der Schlüsselpunkt im Konflikt des Einflussbereiches der Erde und ihrer Flotte einerseits und den rebellischen Unions-Kolonien andererseits. Pells Station ist der Schlüssel zum Verteidigungsgürtel der Erde und der Absprungpunkt eines irdischen Angriffs auf die Unions-Kolonien. Pell will in diesem Konflikt auf jeden Fall neutral bleiben, doch der Preis ist hoch.

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John Brunner – Der Schockwellenreiter. SF-Klassiker

Einer der ersten Hacker-Romane

Tüchtige Leute wie die aus der Regierung reduzieren Bürger auf Waren und Stückgut, auf „Menschenmaterial“ und Zahlen. Das ist besser für ihr Kalkül, für das „Risiko-Management“. Brunner zeigt anhand des Superhackers Nick Haflinger, was geschehen kann, wenn dieser elektronische Perfektionismus erreicht ist. Dann bedarf es nur noch einer Regierung, die politisch unter Druck gerät und korrupt und skrupellos genug ist, schrankenlos von diesem Machtmittel Gebrauch zu machen. Doch auch dagegen weiß Hacker Nick ein Mittel: den Super-Wurm, der alle Geheimnisse offenbart – der Tag der Mega-Leaks bricht an…
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Bob Shaw – Die Heißluft-Astronauten (Die Zwillingswelten 1)

Weltenwanderung per Ballon

In einer der Zwillingswelten wird das Land knapp, deshalb beschließt der König die Eroberung der Nachbarwelt. Die Auswanderer können leicht per Heißluft-Ballon die Kluft zwischen den nahe beieinander liegenden Welten überwinden, doch die Expedition steht unter einem Unstern und wird von etlichen Überraschungen begleitet…

Für diesen Roman wurde der Autor 1986 mit dem BSFA Award ausgezeichnet.

Der Autor
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Philip K. Dick – Der unmögliche Planet. SF-Erzählungen

Best-of-Sammlung von Dicks Erzählungen

Philip K. Dick (1928-82) ist in Hollywood angesagt: Der letzte Höhepunkt der Verfilmungen seiner Werke besteht in Steven Spielbergs Actionkrimi „Minority Report“ und nun auch „Paycheck“. Aber die Verfilmungen begannen schon 1980 mit Ridley Scotts „Blade Runner“, und das ist nun ein wahrer Kultfilm geworden. Andere Filme wie „Matrix“, „eXistenZ“, „Vanilla Sky“ und „Die Truman Show“ verdanken Dicks Ideen ebenfalls sehr viel, ohne ihm allerdings dafür nachträglich zu danken.

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Dick, Philip K. – Eine Handvoll Dunkelheit

_Unterschiedliche Qualität, vereinzelte SF-Klassiker_

Der Storyband bietet eine Auswahl von 22 Erzählungen, die zwei Originalsammlungen entstammen: „The Preserving Machine“ (1969) und „A Handful of Darkness“ (1955). Die Qualität ist recht unterschiedlich, aber es sind ein paar Klassiker darunter, so etwa die Story, auf der der Film „Total Recall“ basiert (Nr.12). Leider fehlen die klassischen Stories „Colony“ und Impostor“ in der deutschen Ausgabe.

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er fast 30 Jahre lang veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte einen ungeheuren Kreativitätsschub, der sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der |Edition Phantasia|) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1663 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm) in unsere Kinos, möglicherweise noch in diesem Jahr.

_Die Erzählungen_

1) |Planet für Durchgangsreisende| (Planet for Transients, 1953)

Jahre nach dem Atomkrieg ist die Erde eine radioaktive Hölle geworden. Trent macht sich auf den Weg durch die Wildnis, um Siedlungen von Überlebenden zu suchen. Was er findet, sind lediglich Mutanten wie die Käfer, die Renner, die Tümmler – sie alle können ohne Radioaktivität nicht mehr leben. Als ihm schließlich der Sauerstoff auszugehen droht und verstrahlter Schnee fällt, landet eine Rakete vor seiner Nase. Menschen steigen aus, gehen in den Untergrund der Ruinen, holen wertvolle Dinge wie Bücher oder Gemälde und wollen wieder wegfliegen. Norris erklärt ihm, warum: „Wir Menschen müssen uns eine andere Welt suchen, denn diese hier ist erstens tödlich für uns geworden und zweitens gehört sie jetzt den anderen Spezies, den Mutanten. Wenn wir hier künftig landen wollen, werden wir um Erlaubnis bitten müssen!“

Der Autor dreht das alte Klischee vom heroischen Pionier, der als Eroberer auf eine fremde Welt kommt, völlig um und zeigt so die weiteren schrecklichen Folgen eines Atomkriegs auf. Eine effektive Pointe, aber konventionell erzählt. Der Text wurde später in den Roman „Deus Irae“ aufgenommen, den Dick zusammen mit Roger Zelazny schrieb.

2) |Der berühmte Autor| (Prominent Author, 1954)

Henry Ellis ist ein kleiner Berichteschreiber, der in einer großen Firma im New York der Zukunft arbeitet. Sein Chef Miller hat ihm einen neuartigen Soforttransporter zum Testen gegeben. Mit dieser Technik benötigt er statt zwei Stunden nur noch eine Minute zum Büro. Eines Morgens bemerkt er jedoch am Boden des Dimensionstunnels ein paar winzige Gestalten, die ihm ein winziges Stückchen Papier geben. Dieses lässt er übersetzen: Es sind Fragen. Die Antworten holt er von der Bundesdatenbank ein und lässt diese in die Sprache des Originals übersetzen. Er übergibt sie den kleinen Leuten und geht frohgemut von dannen. Doch am nächsten Tag gibt man ihm neue Fragen, und zwar nicht von den gleichen Leuten. Dieses Spiel geht eine Weile und Ellis fühlt sich immer besser. Zu seinem Vergnügen bemerkt er, dass ihm die kleinen Leute einen Tempel errichtet haben und Brandopfer darbringen. Fantastisch! – Am nächsten Morgen kriegt er einen wütenden Anpfiff vom Boss, der ihm vorwirft, den Test missbraucht zu haben. Und wisse er, Ellis, eigentlich, welche Sprache, die angeblich Centaurianer sprechen, das ist, welche für ihn übersetzt wurde? Althebräisch! …

Die Story beantwortet die alte Frage, woher die Zehn Gebote und die Geschichten des Alten Testaments kommen, auf originelle und sympathische Weise. Zugleich ist sie ein Kommentar auf die Arbeit eines jeden mit Sprache arbeitenden Künstlers, wie Dick einer war.

3) |Der Baumeister| (The Builder, 1954)

Ernest Elwood baut in seinem Hinterhof ein Boot, aber es hat weder Motor noch Segel. Dass dies recht seltsam ist, findet vor allem seine Frau Liz, die immer wütender wird. Denn Ernest kann ihr überhaupt nicht sagen, warum er dieses verflixte Boot baut. Er weiß nur, dass es eilt, doch nur sein jüngerer Sohn Todd hilft ihm, während Bob, der ältere, frotzelt, es sei ein atomgetriebenes U-Boot. Elwood versteht erst, was er da tut, als die ersten dicken schwarzen Regentropfen fallen …

Die Story greift wie „Der berühmte Autor“ auf das Alte Testament zurück: Elwood ist ein moderner Noah. Doch wichtiger als diese Pointe ist die Stimmung des drohenden Dritten Weltkriegs, denn die Jungs müssen für Atomschutzmaßnahmen üben (bekanntes Motto: „Duck and cover!“). Im Büro werden rassistische Äußerungen gemacht, und auch von Kommunistenhatz ist die Rede. Es ist eine allgemeine Stimmung der Angst und Paranoia. Als der drohende Weltuntergang in Form der Sintflut schließlich wirklich eintritt, ist nur Elwood darauf vorbereitet.

4) |Die kleine Bewegung| (The Little Movement, 1952)

Die Spielzeuge proben den Aufstand – ein intelligenter kleiner Spielzeugsoldat lässt sich von einem Straßenhändler an einen Jungen verkaufen und versucht diesen Jungen zu einem gehorsamen Werkzeug seines Willens zu machen. Er und seine Kollegen wollen nämlich die Welt, die von der Rasse der „Erwachsenen“ beherrscht wird, in einem revolutionären Kampf erobern, um selbst die Herrschaft zu übernehmen. Aber „Mein Gebieter“, wie er sich nennen lässt, hat nicht mit dem Widerstand der anderen Spielzeuge gerechnet …

Eine kleine satirische Story über „toy soldiers“, die das Schicksal von Revoluzzern behandelt. Eine kleine Fehlkalkulation, und schon ist es vorbei mit der glorreichen Revolution – besonders wegen der unvermutet auftauchenden Konterrevolutionäre.

5) |Die Konservierungsmaschine| (The Preserving Machine, 1953)

Doc Labyrinth ist ein Genie und Musikliebhaber. Und als solcher ist ihm der Gedanke zuwider, dass in einem Atomkrieg all die kostbaren Partituren der wundervollen Musik Mozarts und Beethovens vernichtet werden könnten. Nach einer genialen Vision lässt er die Konservierungsmaschine konstruieren, die auch einwandfrei funktioniert. Er legt eine Partitur ein und die Maschine produziert ein Lebewesen. Aus Beethoven wird ein bulliger Käfer, aus Mozart ein wunderschöner Vogel, aus Wagner ein elegantes Raubtier. Doc lässt wie weiland Noah (s. o.) alle Tiere im nahen Wald frei. Als er mit seinem Freund, dem Ich-Erzähler, nachsieht, was aus ihnen geworden ist, erlebt er eine böse Überraschung. Die Gesetze der Wildnis haben voll zugeschlagen …

Die Story ist eine einfallsreiche Kontemplation der Beziehung zwischen höchster Kunst (Musik) und der rohen Natur (Wildnis). In einem schlagenden Experiment beweist Dick, dass es keine Brücke gibt. Die von der Wildnis veränderten Musik-Tiere produzieren eine abscheuliche Musik. Fazit: Musik kann nur im Reich des Menschen und des Geistes überleben.

6) |Der unmögliche Planet| (The Impossible Planet, 1953)

Eine alte Lady von 350 Jahren bittet zwei Raumfahrer, Norton und Andrews, um ein Ticket zur Erde. Sie haben von ihrem Großvater davon gehört: eine grüne Welt, mit blauen Meeren. Zuerst lehnen sie verblüfft ab: Diesen Planeten gebe es nicht, er sei nur Legende. Doch ein entsprechend hohes Entgelt überzeugt zumindest Andrews. Und tatsächlich finden sie einen Planeten, der als dritter mit einem Mond in einem Neun-Planeten-System existiert. Aber die Oberfläche ist eine deprimierende Hölle: eine Endzeitvision. Die beiden Betrüger, denen es nur ums Geld geht, versichern der tauben Alten und ihrem Dienstroboter, die sei wirklich die alte Erde – allerdings nach einem verheerenden Krieg gegen die Centaurianer. Während der Roboter die alte Lady im Meer bestattet, findet einer der beiden eine Metallscheibe mit der Aufschrift „E pluribus unum“(*). Er wirft sie in den Müllschlucker und fliegt nach Hause.- Die Story ist einfühlsam geschrieben und weiß durchaus zu beeindrucken, trotz des bitteren Untertons.

*: Inschrift auf einem Dollarstück, das Nationalmotto der USA: „aus vielen (Einzelteilen) eines (ein Ganzes)“.

7) |Der unermüdliche Frosch| (The Indefatigable Frog, 1953)

Prof. Hardy behauptet, dass gemäß Zenos 2000 Jahre altem Paradox vom Frosch und dem Brunnen der Frosch niemals den Brunnenrand erreichen könne. Der Grund: Mit jedem Sprung des Frosches halbiert sich die Sprungweite. Die Folge: Auch bei seinen letzten Sprüngen ist es dem Frosch unmöglich, den Brunnen vollends zu berühren – er nähert sich ihm asymptotisch. Doch Prof. Grote ist gegenteiliger Ansicht. Um dem Streit der beiden ein Ende zu bereiten, verdonnert der Dekan sie, Zenos Paradox experimentell zu beweisen. Dieses hat erst für den eingesetzten Frosch und dann auch für Prof. Grote erstaunliche Folgen.

Das Phänomen des schrumpfenden Menschen, der schließlich in submolekulare Bereiche vorstößt, war z. B. Asimov bereits 1939 bekannt. Insofern ist die Story nicht sonderlich originell. Die Physik an sich ist sogar ziemlich fantasyhaft. Kein Glanzpunkt der Sammlung.

8) |Das kreisende Rad| (The Turning Wheel, 1954)

Jahrhunderte nach dem Atomkrieg ist die Erdoberfläche noch verwüstet, aber tief unter ihr hat sich eine neue Kultur entwickelt. Sie lebt nach der Lehre des kreisenden Rades, wonach jeder auf einer Stufe der Leiter der Existenz wiedergeboren wird. Barde Sung-wu, ein Angehöriger der obersten Kaste, hat wegen einer Sünde Angst, er werde als Schmeißfliege auf einem Sumpfplaneten wiedergeboren werden – nachdem er an einer Seuche in naher Zukunft gestorben ist. – Da erteilt ihm sein vorgesetzter Barde Chai den Auftrag, auf der Oberfläche nachzusehen, was es mit diesem neuen Kult der Tinkeristen auf sich habe. Es soll sich um haarige und schmutzige Kaukasier handeln und, was noch schlimmer ist, um Technos! Als Sung-wu dort auftaucht, erlebt er mehrere Überraschungen, von denen sich die letzte und größte als recht angenehm erweist.

Diese Story präsentiert zwei ausgeformte religiöse Systeme, die die Post-Holocaust-Zukunft beherrschen: die deterministische des Kreisenden Rades und die vom freien Willen bestimmte Religion der Tinkeristen, der wir Westler heute schon anhängen. Welche davon siegen wird? Selber lesen!

9) |Nachwuchs| (Progeny, 1954)

Ed Doyle ist die 4,3 Lichtjahre von Proxima Centauri, wo er Badezimmer verkauft, zur Erde geeilt. Gerade noch rechtzeitig langt er im Krankenhaus an, um seinen frischgeborenen Sohn Peter bewundern zu können. Janet, die Mutter, ist auch schon wieder wohlauf. Die modernen Methoden helfen doch sehr, die Entbindung komplikations- und schmerzlos hinter sich zu bringen. Der Robotarzt Dr. Bish zeigt Ed seinen Sohn. Doch als Ed ihn auf dem Arm zu nehmen wünscht, löst er mit diesem Ansinnen Entsetzen aus, und Janet ist entrüstet. Nur Roboter dürfen Babys in den Arm nehmen, und nur sie dürfen Kinder aufziehen. Nicht auszudenken, welche Neurosen ihr kleiner Sohn sonst von seinen Eltern übernehmen könnte! – Aber wann er denn dann seinen Sohn sehen könne, will Ed niedergeschlagen wissen. Nun ja, nach neun Jahren sei Peters Geist voll ausgeformt und er käme in die Ausbildung, aber dort würden ihn ebenfalls Roboter in ihre Obhut nehmen. Mit 18 also. Vielleicht. – Ed fliegt wieder nach Proxima, aber nach neun Jahren kehrt er zurück. Er hat sich von Janet getrennt. Von Dr. Bish, der im Gegensatz zu Ed kein bisschen gealtert ist, erhält er die Erlaubnis, seinen Sohn 90 Minuten lang zu sehen. Das Treffen verläuft allerdings anders als geplant …

Die anschaulich und lebhaft erzählte Story ist eine erschreckende Vision von einer Zukunft, in der die Roboter das Kommando darüber übernommen haben, wie die Kinder ihrer einstigen Herren aufwachsen. Und deshalb darf es nicht verwundern, dass die Kinder nicht wie Menschen fühlen, sondern wie Roboter denken. Das Szenario erinnert an Jack Williamsons Klassiker „The Humanoids“ aus dem Jahr 1949.

10) |Die Keks-Dame| (The Cookie Lady, 1953)

Bernard Surle ist ein guter Junge, der brav seine Hausaufgaben macht. Seine Eltern erlauben ihm, Mrs. Drew, die alte Dame in der Nachbarschaft, zu besuchen, die immer so leckere Kekse backt. Heute liest ihr Bernard etwas über Peru vor, nachdem er die erste Ladung Plätzchen verputzt hat. Jedes Mal, wenn sie neben ihm sitzt, fühlt sie sich 30 Jahre jünger, doch wenn er wieder geht, kehrt das Alter zurück. – Als Bernard nach Hause kommt, fühlt er sich erschöpft. Erschrocken verbieten ihm seine Eltern, weiter zu der Keks-Dame zu gehen, das heißt: ein einziges Mal darf er noch. Doch dieses Mal wird sein letztes Mal …

Wow, eine echte Horrorstory vom Meister der Science-Fiction! Und eine richtig gruselige obendrein! Sehr stimmungsvoll, einfühlsam, ein wenig sinnlich und sogar anrührend. Sutins Meinung: Eine Abwandlung des Märchens von Hänsel und Gretel …

11) |Markt-Monopol| (Captive Market, 1955)

Edna Berthelson ist eine Ladenbesitzerin in Walnut Creek im Kalifornien des Jahres 1965. Die ältere Dame hat schon eine ganze Familie aufgezogen, doch die Kinder sind inzwischen fast alle weggezogen. Nur ihre Tochter und deren Sohn Jack leben bei ihr. Sie sind die einzigen, die mitbekommen, dass Edna jeden Samstag an einen unbekannten Ort fährt. Diesmal aber gelingt es Jack, unbemerkt mitzufahren und sich in der Ladung des Lasters zu verstecken. Großmutter lenkt ihren Wagen aber seltsamerweise nicht in die Stadt, sondern in das Gebirge des Mount Diablo und dort löst sich ihr Laster plötzlich in Nichts auf, so dass Jack in den Staub des Straßengrabens fällt. –
Was er nicht weiß: Ednas Ziel ist das Lager von abgerissenen Überlebenden eines Atomkriegs. Sie haben aus einer gestohlenen Atomrakete ein Raumschiff gebaut, mit dem sie zur Venus fliegen wollen. Edna bringt die letzten benötigten Ausrüstungsgegenstände und sie bezahlen sie mit Dollarnoten, die für sie selbst längst allen Wert verloren haben, für Edna jedoch nicht. Sie ist die einzige Händlerin für diese Kunden, und das stinkt ihnen gewaltig, weil sie sich ausgenutzt fühlen.

Nun sagen sie ihr, sie brauchen sie nicht mehr. Ihre Proteste, sie habe weitere Waren bestellt und die müssten bezahlt werden, verhallen nutzlos. Sie geht wütend wieder zurück in ihre eigene Zeit, aber sie wird sich rächen: Sie findet die Zeitlinie, in der das Raumschiff einen Defekt hat und wieder zur Erde fällt. Ihre Kunden sind für immer auf Ednas privatem Markt gefangen. (Daher der doppeldeutige O-Titel „Captive Market“: Markt der Gefangenen.)

Die böse Story wendet das Prinzip des Kapitalismus auf die Überlebenssituation nach dem Atomkrieg an – keine schönen Aussichten. Bemerkenswert ist die Art und Weise der Zeitreise: ein Gleiten von einer Dimension zur nächsten. Edna ist eine Art Präkog: Sie kann zwischen den Ereignisketten der möglichen Zukünfte wählen und findet todsicher die gewünschte heraus – Pech für die Venusfahrer.

12) |Wir erinnern uns für Sie en gros| (We Can Remember It For You Wholesale, 1966)

Die Handlung verläuft ein wenig anders als in der von Paul Verhoeven inszenierten Action-Brutalo-Oper „Total Recall“ mit Arnold Schwarzenegger als Douglas Quail. Quail wünschte sich in der reglementierten Realität der Erde schon immer, einen aufregenden Job zu haben, zum Beispiel auf dem Mars. Seine bodenständige Frau Kirsten spottet ihn aus.

Und so geht Dougie zur REKAL AG. Dort erhebt sich die Frage: Verfügt Douglas Quail über vom Militärgeheimdienst implantierte Erinnerungen, ein Agent auf dem Mars zu sein, oder ist er wirklich einer? In jedem Fall ist die Antwort sowohl interessant als auch verblüffend. Das Ersatzprogramm erweist sich als Desaster …

Die Story ist eine Extrapolation der Gehirnwäsche, die das Militär und dessen Geheimdienst an seinen Mitgliedern vornehmen könnte. Ein Vorbild war sicherlich der Film „The Manchurian Candidate“ von John Frankenheimer. In die gleiche Kerbe schlug übrigens 1968 John Brunner mit seinem SF-Roman „Morgenwelt“ („Stand On Zanzibar“), in dem ein harmloser Wissensarbeiter vom Militär zu einem paranoiden Superkiller umgekrempelt wird.

13) |Über der öden Erde| (Upon the Dull Earth, 1954)

Die Aliens sehen wie weiße Engel aus: geflügelt, majestätisch – und blutgierig. Silvia Everett hat sie mit Blut aus ihrer Dimension auf die Erde gerufen, denn sie will sich ihnen unbedingt anschließen – so wie eine Raupe, die auf der öden Erde umherkriecht, sich in einen frei fliegenden Schmetterling verwandeln will. Silvias Freund Rick ist hingegen skeptisch, denn er will die 19-Jährige eigentlich heiraten und mit ihr eine Familie gründen.

Doch die Aliens schnappen sich Silvia aus dem Keller des elterlichen Hauses und entführen sie in ihre Dimension. Rick erhebt sich aus der Verwüstung, klagt über Silvias verbrannten Körper und beschwert sich bei einer Abordnung der Engelartigen. Wie sich herausstellt, hat eine Fraktion der Fremden übereilt gehandelt: Silvia darf zurückkehren. Allerdings gibt es dabei einen Haken: In welchen Körper soll Silvias Seele nun zurückkehren? Als es wirklich passiert, ist das Ergebnis für Rick ebenfalls deprimierend: Jede Frau auf Erden sieht wie Silvia aus – und bald auch jeder Mann. Jeder …

Die Story beginnt sehr romantisch: mit Engeln und einer begeisterten jungen Frau. Doch ganz allmählich breitet sich zunehmendes Grauen aus, das bis zur letzten Konsequenz ausgespielt wird. Bemerkenswert ist vor allem das philosophische Konzept, dass eine Seele aus dem „Jenseits“ zurückkehren könnte, dabei jedoch mangels Ursprungskörper in ALLE verfügbaren Menschenkörper eindringt und diese verformt: „form follows function“, um einen alten Designgrundsatz zu zitieren. Es handelt sich um eine quasi-göttliche Invasion der besonders gruseligen Art. Sutins Meinung: Dicks Variation des Mythos von Orpheus und Eurydike.

14) |Ausstellungsstück| (Exhibit Piece, 1954)

Miller ist Angestellter der Geschichtsagentur im 22. Jahrhundert und betreut die Ausstellung für das 20. Jahrhundert. Er hat sich allerdings auf seine Epoche viel zu weit eingelassen, findet der Politkomissar Fleming, der Vertreter des Weltdirektorats. Miller raucht sogar Pfeife und trägt eine Lederaktentasche, es ist kaum zu fassen. – Als Miller ein Geräusch aus seiner Ausstellung hört, geht er hinein und stößt dort auf eine Mutter mit zwei Jungen. Sitzen beim Frühstück und erkennen in Muller ihren Vater bzw. Gatten George. – Miller geht zum Psychiater Dr. Grunberg, um herauszufinden, welche der beiden Welten real ist. Antwort: beide! Den Beweis findet Miller, als er zurück zur Grenze in die Welt der Geschichtsagentur geht. Sein Chef droht, die Ausstellung zu zerstören. Miller lacht und zieht es vor, in seiner neuen „Welt“ zu leben. Da erlebt er eine böse Überraschung …

Eine typische Dick-Story über Realitätsverlust, diesmal aber mit einer makaberen Pointe.

15) |Kriegsspiel| (War Game, 1959)

Generäle spielen Kriegsspiele, das weiß jeder. Aber in einer von Krieg und Militarismus beherrschten Nation (wie etwa der amerikanischen) spielen auch Kinder Kriegsspiele. Buchstäblich. Und diese muss ja jemand testen. Die Tester von der Importkontrolle erhalten Spielprototypen von einem mysteriösen Hersteller, der auf dem Jupitermond Ganymed herstellen lässt. Und die Ganymedianer sind ja bekanntlich ziemlich hinterlistige Burschen.

Den Testern ist ihnen nicht ganz klar, um wen es sich bei den Ganymedianern genau handelt, aber das Spiel ist interessant, geradezu realistisch – und didaktisch. Die Tester werden trainiert, ohne es zu merken. Aber wenn die Hersteller nun Aliens wären, die die Abwehrbereitschaft der Erde prüfen wollten?

„Kriegsspiel“ ist eine unterhaltsame und augenzwinkernde Satire auf Militär und Geheimdienst, die es in sich hat.

16) |Die Kriecher| (The Crawlers, 1954)

Gretry untersucht im ländlichen Tennessee des Jahres 1954 das Auftauchen der Kriecher. Schon wieder ist einer überfahren worden: ein weicher Körper, maximal einen Meter lang, mit Scheinfüßchen, aber einem Kopf mit erstaunlich menschlichen Augen. Diese Wesen bilden eine Kolonie und bauen in die Tiefe, weiß Gott, wie tief. Und wo kommen sie bloß her? Kann das Strahlenlabor hinter den Hügeln daran schuld sein?

Gretry besucht die Familie Higgins auf ihrer Farm. Die Alte fordert ihn auf, die Wesen möglichst rasch auszurotten, aber ihre 19-jährige Tochter hat eines der Wesen zur Welt gebracht. „Sie fressen nur Blätter und Gras“, sagt sie. Der Nachbar hat sein Kriecherjunges erschossen, aber sie und ihr Mann bringen das nicht übers Herz. Sie geben es Gretry mit, auf dass er es der Kolonie der Kriecher übergebe. Doch er hat andere Pläne: Extermination. Unterdessen wundern sich die Kriecher in der Tiefe, dass manche Mütter Missgeburten hervorbringen: Diese schreien und habe steife Gliedmaßen. Aber man kann sie schnell loswerden und für immer zum Schweigen bringen.

Die Story schildert die mutierende Wirkung radioaktiver Strahlung auf sehr drastische Weise. Unbehaglich ist die Vorstellung, dass Menschenbabys programmiert sein könnten, eine Art Maulwurfs-Kolonie zu binden. Noch unschöner ist jedoch der Gedanke, Frauen könnten Kriecher gebären und sie NICHT töten wollen. (Man sollte bedenken, dass Dick selbst drei Kinder hatte.)

17) |Kriegsveteran| (War Veteran, 1955)

Eine bis zum Schluss sehr spannende und clever konstruierte Story. Man schreibt den 4. August 2169, als ein Mann namens David Unger im Krankenhaus von New York City auftaucht, der behauptet, im Jahr 2154 geboren worden zu sein. Dabei sieht aus wie ein Neunzigjähriger. Hat er eine Zeitreise gemacht? Dr. Vachel Patterson und seine Kollegin Dr. Evelyn Cutter stehen vor einem Rätsel.

Doch was der Kriegsveteran über die Erde der Zukunft zu erzählen hat, ist brisanter Zündstoff. Denn inzwischen bahnt sich durch den von Konzernchef Gannett angeheizten Nationalismus der Erde ein Krieg an. Die Venusier werden bereits als „Schwimmfüße“ beschimpft, weil sie grüne Haut und Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen haben. Die Marsianer disqualifiziert man gleichfalls: als „Krähen“. Auch ihre Kriegsschiffe sind schwarz. Gannett hofft offensichtlich, einen Wirtschaftskrieg mit Mars und Venus gewinnen zu können.

Doch Veteran David Unger erzählt etwas anderes. Er sei der einzige Überlebende der irdischen Schlachtflotte, die unter Commander Nathan West flog und von den Flotten der zwei Kolonialwelten völlig vernichtet worden sei. In der Folge wurden sowohl die Erde durch „C-Raketen“ (Kobaltbomben vermutlich) und auch alle Archen vernichtet.

Doch Patterson entdeckt eine Unstimmigkeit: Die ID-Nummer, die David Unger vorweist, passt auf einen 15-jährigen Rekruten, aber der heißt nicht Unger, sondern Ben Robinson. Folglich kann Unger kein Mensch von der Erde sein. Ist er überhaupt ein Mensch? Aber wer hat ihn gebaut? Wahrscheinlich weiß der Venusier V-Stephens mehr, aber er ist soeben aus seiner Verwahrzelle in der Klinik entkommen …

In dieser komplexen Story vermischt der Autor zahlreiche Zutaten der Science-Fiction zu einem abenteuerlichen Garn mit einem verblüffenden Schluss. Die Story hat Novellenlänge: Sie ist 50 Seiten lang. Und jede dieser Seiten ist gespickt mit einer überraschenden Wendung und / oder mit gewalttätiger Action, bei der vornehmlich „Kältestrahler“ zum Einsatz kommen. Die Story beweist, dass Dick auch die längere Form einwandfrei und sehr unterhaltsam handhaben konnte.

18) Die Nummer eins unter den Stellvertreter-Jobs (Top Stand-By Job, 1963)

Eine feindliche Alien-Flotte greift die Ränder des Sonnensystems an und im Weißen Haus herrscht ein Notstand. Der Vizepräsident Gus Schatz ist gestorben und man holt als Ersatz Maximilian Fischer, ebenfalls einen alten Gewerkschafter. Die Gewerkschaften stellen per Gesetz den Stellvertreter des US-Präsidenten. – Zunächst erwartet Max nur ein ruhiger Job, den er mit einem Hobby ausfüllen kann. Der Vize hat ja keine Entscheidungsbefugnis, im Gegensatz zum Präsidenten. Und der Präsident wird von Unicephalon 40-D, einem leistungsfähigen Problemlösungsroboter, gestellt. Stressig wird es jedoch für Max Fischer, als die Aliens den Unicephalon 40-D durch einen Angriff ausschalten: Max ist jetzt selbst Präsident! Aber in keiner Weise dafür ausgebildet.

Die Story macht ziemlich kiritische Bemerkungen darüber, ob die Gewerkschaften in der Lage wären, das Land im Fall des Falles zu führen. Die Antwort lautet eindeutig nein. Vetternwirtschaft und Skrupellosigkeit in Kombination mit Machthunger gehen eine unheilvolle Verbindung ein.—In dieser Story tritt erstmals Jim Briskin auf, die Hauptfigur in Dicks Roman „Das Jahr der Krisen“ (The Crack in Space, 1966). Er ist in der Story der News-Clown und hat bereits die Ambitionen auf die Präsidentschaft, die sich im Roman erfüllen.

19) |Hätte es Benny Cemoli nicht gegeben| (If There Were No Benny Cemoli, 1953)

Zehn Jahre nach dem Atomkrieg trifft im Jahr 2180 die Menschenflotte von Proxima Centauri ein, um erstens den Wiederaufbau zu beginnen und zweitens die Kriegsverbrecher mit ihrer Polizei aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen. Doch in den Ruinen von New York City, wo die entsprechenden Köpfe ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben, kann man sich an keine Kriegsverbrecher nicht erinnern. Vielleicht weiß die Zeitung mehr? Man setzt das Elektronengehirn Cephalon der „New York Times“ wieder instand und freut sich auf die erste Ausgabe.

Die Verwunderung ist groß, als in der Erstausgabe die Rede von einem gewissen Benny Cemoli ist, der einen Aufstand gegen die Invasoren von Centauri anführe und deren Barrikaden stürme. Nachforschungen ergeben, dass es sich um reine Fiktion handelt. Aber warum und wozu? Wie wie kommt eine selbstlenkende Zeitung dazu, so etwas zu erfinden?

Die Story lässt sich leicht auf die Kriegsverbrecherjagd nach dem Zweiten Weltkrieg anwenden und als recht ironischer Kommentar verstehen. Indem den Centaurianern ein fiktiver, aber gut „dokumentierter“ Sündenbock präsentiert wird, lenkt die Jagd nach ihm ihre Aufmerksamkeit von den echten Verbrechern ab. Diese residieren weiterhin in einer großen Parteizentrale in Oklahoma City …

20) |Rückzugs-Syndrom| (Retreat Syndrome, 1964)

John Cupertino wird auf dem Higway nach Los Angeles wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten – ein schweres Vergehen. Der „Befriedungsoffizier“ Myers ist jedoch ebenso geschockt wie seine Cops, als er sieht, wie Cupertinos Hand im Armaturenbrett des Wagens verschwindet. Gerne entspricht er dessen Wunsch, sofort seinen Psychiater sprechen zu wollen.

Dr. Gottlieb Hagopian frischt Cupertinos Gedächtnis auf. Er lebe seit drei Jahren auf Terra, nachdem er auf dem Jupitermond Ganymed beinahe seine Frau Carol umgebracht hätte. Carol hatte zuvor die Umsturzpläne der Ganymedianer, in die ihr Mann eingeweiht war, an die gleichgeschalteten Medien verraten. Daraufhin hatte Terra Ganymed abgeriegelt, und der geplante Aufstand war gescheitert. John wollte sie erschießen, verfehlte sie aber.

Cupertino ist aber felsenfest überzeugt, sie erschossen zu haben. Er fährt zu der von Hagopian angegebenen Adresse Carols bei Los Angeles. Tatsächlich: Carol lebt. Natürlich ist sie nicht gut auf ihn zu sprechen. Allerdings kann auch hier Johns Hand in das Videofongerät eindringen – dieser Ort ist nicht real. Aber wo befindet sich dann Cupertino wirklich? Und wie schafft man es, ihn in dieser terranischen Illusion gefangen zu halten? Ist er es selbst, durch sein Schuldgefühl?

Wie bei Sartre ist der Protagonist in seiner privaten Hölle gefangen, die er sich bei seinem Rückzug aus der Realität selbst gezimmert hat. Der Autor hat hier den Schritt von der Suche nach der allgemeinen zur persönlichen Wirklichkeit (koinos kosmos vs. idios kosmos) getan.

21) |Der Preis für den Kopierer| (Pay For the Printer, 1956)

Die Erde ist nach dem Atomkrieg wüst und unwirtlich, aber noch schlagen sich ein paar Siedlungen durch. Sie schaffen das, weil die Biltong, Aliens aus dem Centauri-System, für sie ihre Zivilisationsgegenstände kopieren: Objekte, Essen, Kleidung, sogar Autos und Häuser. Aber als Alle Fergesson, Charlotte, Ben Untermeyer und John Dawes zu einem der Biltongs fahren, um kostbare Originale kopieren zu lassen, werden sie bitter enttäuscht: Der Biltong liegt im Sterben. Er kann sich auch nicht fortpflanzen, weil die unnatürliche Trennung von seinen Genossen ihn geschwächt hat.

Aber die Tätigkeit des Kopierers hat die Mitglieder der Siedlung so lange Jahre verwöhnt, dass sie nun frustriert und wütend sind, als es für sie keinen Wohlstand auf Pump, sondern nur noch Not gibt. Sie töten ihn. Fergesson & Co. können dem Mob gerade noch entkommen. Aber es gibt Hoffnung: Dawes lebt schon lange ohne Biltong-Kopierer und hat eine hölzerne Tasse und ein Messer mit eigenen Händen hergestellt – unfassbar, denkt Untermeyer.

Der Autor warnt davor, sich auf Hilfe von außen zu verlassen, wenn der Fall der Fälle eingetreten ist. Das Ende der künstlichen Versorgung bedeutet nicht den Untergang der Menschheit, sondern eine Chance für den Neuanfang – sofern man sie als solche begreift, wie Dawes es tut.

22) |Was die Toten sagen| (What the Dead Men Say, 1964; 60 Seiten)

Diese Erzählung von 1964 bildet eine Vorstufe zu Dicks Roman „UBIK“ (1969).-
Im Kälteschlaf-Institut von Herbert Schönheit von Vogelsang in L.A. können Menschen im Kältepack dennoch für gewisse Zeit – das „Halbleben“ – mit ihrer Umwelt kommunizieren, etwa um Ratschläge zu erteilen und Anteil an bestimmten Entwicklungen zu nehmen. Doch Louis Sarapis, der mächtigste Industriemagnat des Sonnensystems, reagiert nicht auf Versuche, ihn im Halbleben zu reaktivieren. Stattdessen meldet er sich plötzlich aus einer Lichtwoche Entfernung aus dem Weltall, um die Nominierung seines Präsidentschaftskandidaten zu forcieren. Hintergrund dieses Phänomens ist offenbar, dass Sarapis‘ Erbin Kate Egmont Sharp, eine drogensüchtige Psychotikerin, zusammen mit diesem Kandidaten die Stimme aus dem All vorgetäuscht hat. Johnny Barefoot, einer der beiden Protagonisten der Story und Sarapis’ Ex-PR-Berater, bricht am Schluss auf, um die Frau auszuschalten, obwohl er sich in sie verliebt hat.

Wenngleich der Autor eine logische Erklärung für die Vorgänge findet, haftet der Geschichte über weite Strecken ein starkes Gefühl der Verfremdung und des Unbehagens an. Motto: Die Welt ist aus den Fugen geraten, doch Dicks Helden geben niemals den Versuch auf, die Rätsel aufzuklären. Dick hat hier das Potenzial verschenkt, die Aspekte des Halblebens im Kältepack auszuloten. Das hat er 1969 in „UBIK“ nachgeholt. Außerdem ist die Novelle über weite Strecken ziemlich langweilig, denn es passiert nichts. Die entscheidende Wende wird erst sehr spät herbeigeführt. Das Phänomen, dass Sarapis’ Sender auf allen elektronisch gesteuerten Funkkanälen (TV, Telefon, Funk, Radio) zu empfangen ist, wird nie erklärt. Das ist ebenfalls ziemlich unbefriedigend.

_Die Übersetzung_

Der Name des Übersetzers wird als Thomas Ziegler angegeben. Dahinter verbirgt sich der Autor und Übersetzer Rainer Zubeil. Seine Arbeit war offenbar schlecht bezahlt, denn er leistete sich ein paar Schnitzer, die er bei sorgfältigerer Arbeit wohl vermieden hätte. In der Story „Kriegsveteran“ ist die besagte Titelfigur mal 98 Jahre alt (Seite 272), dann aber wieder 89 Jahre alt (S. 289). Was ist nun richtig? Der Leser kann es leicht selbst ausrechnen. Das hätte der Übersetzer aber für ihn erledigen können, oder?

„Sein Antlitz verriet eisernes Entsetzen …“, heißt es auf Seite 61. Auch dieser Flüchtigkeitsfehler lässt sich zum Glück enträtseln. Statt „eisern“ muss es „eisig“ heißen. Noch eine Kostprobe gefällig? „… als er sein miniaturenes Abbild davonrennen sah.“ (S. 99) Nun ist „miniaturen“ kein deutsches Wort, passte aber offenbar so schön in die Zeile, dass der Übersetzer es stehen ließ. Richtig sollte es „miniaturisiertes“ oder „en miniature“ heißen. – Lassen wir’s mit den Beispielen dabei bewenden. Der Eindruck ist klar genug.

_Unterm Strich_

Diese Sammlung enthält 22 Storys Philip K. Dicks, die meistens in den fünfziger Jahren geschrieben und veröffentlicht wurden. („The Preserving Machine“ erschien zwar 1969, enthielt aber nur vier Storys aus den Sechzigern, der Rest stammte aus den Fünfzigern.)

Sie veranschaulichen demjenigen, der sich Dicks Werk erschließen möchte, Zugang zu einigen zentralen Themen der frühen Schaffensperiode darin: Immer wird das Thema des Atomkriegs durchgespielt, ganz besonders in seinen Folgen und in seiner Rechtfertigung. Die Folgen können humorvoll dargestellt werden wie in „Das kreisende Rad“, meist aber besteht eine Art Trauma.

Ganz besonders ironisch sind Post-Holocaust-Stories, in denen die Kriegsverbrecher ungeschoren davonkommen. Dagegen sind Erzählungen über Realitätsverlust wie etwa „Ausstellungsstück“ noch selten. Solche Storys sind eher in der zweiten Schaffensphase ab 1962 die Regel.

Im Nachwort umreißt Herausgeber Hans-Joachim Alpers noch einmal die grundlegenden Merkmale und Interessen des Autors, die in seinen Erzählungen und über 40 Romanen zu finden sind. Als Alpers dieses Nachwort schrieb, lebte Philip K. Dick noch. Er starb erst im März 1982.

Alpers hätte besser mal die Tatsache erklären sollen, warum die Sammlung ausgerechnet „Eine Handvoll Dunkelheit“ heißt. Eine Story dieses Titels gibt es nach meinen Informationen nicht, sondern das ist der Titel der Original-Collection. Eine mögliche Erklärung: Wenn man dieses Buch in der Hand hält, schaut man in eine Hand voll Dunkelheit …

Die Übersetzung ist gekennzeichnet von schlechtem Deutsch und von Flüchtigkeitsfehlern, was zu Punktabzug führt. Wenigstens stört das den Lesefluss meist nicht, so dass man den Text in der Regel einwandfrei genießen kann.

|Originaltitel: A handful of darkness, 1955 & The preserving machine, 1969
|Aus dem US-Englischen von Thomas Ziegler und Andreas Brandhorst|

Dick, Philip K. – Nach der Bombe

(Relativ) optimistischer Neuanfang nach dem Weltuntergang

Was geschieht, wenn die Bombe fällt, wenn ein weltweiter Nuklearkrieg unsere Städte dem Erdboden gleichmacht? Bedeutet dies das Ende – oder geht es danach weiter, anders, vielleicht sogar besser? Nur Philip K. Dick weiß es. Und erzählt es in dieser ungekürzten Neuübersetzung.
Dick, Philip K. – Nach der Bombe weiterlesen

Dick, Philip K. – Jahr der Krisen, Das

_Folgenreicher Durchbruch zur Anders-Erde_

Das Jahr 2080: Ein Präsident soll gewählt werden und steht vor unlösbaren Aufgaben: Immer größer wird der Druck der Massen, jene Millionen von Tiefschläfern wieder aufzuwecken, die in einer übervölkerten Welt in den Schlaf geschickt wurden. Aber wohin mit ihnen? Da stößt man auf den Zugang zu einer Parallelwelt, auf der der Pekingmensch zur beherrschenden Menschenrasse geworden ist. Nachdem man etliche Siedler hingeschickt hat, stellt sich heraus, dass etwas schrecklich schiefgegangen sein muss … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er in fast 30 Jahren 40 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung außerhalb der SF zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, die sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1663 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm).

_Handlung_

Jim Briskin ist der erste farbige Kandidat für das Amt des US-Präsidenten. Er hätte eigentlich gute Chancen, den Wahlkampf zu gewinnen, denn die Farbigen stellen im Jahr 2080 die Bevölkerungsmehrheit. Aber angesichts seiner Ziele ist sein Wahlkampfstratege Salisbury Heim skeptisch. Erstens will Briskin den Vergnügungssatelliten |Goldenes Tor|, ein fliegendes Bordell der Gebrüder Walt, schließen lassen, um dessen Pornokanäle zum Verstummen zu bringen. Zweitens will er all die Millionen Tiefgekühlten, die Flakkies (von „Flaschenkind“), wieder aufwecken lassen, weil es zu viele werden. Aber wohin mit diesen Massen?

Deshalb lautet Briskins dritter Vorschlag, den Mars zu bewässern und so zu terraformen, um sodann die Flakkies dorthin als Kolonisten zu schicken. Sal Heim hält diesen alten Vorschlag eines gewissen Bruno Mini für hirnrissig, doch Briskin lässt sich nicht davon abbringen. Als Sal Heim zwecks Entspannung von seinem Frust den Pornosatelliten besucht, setzen ihm die Eigentümer die Pistole auf die Brust: Entweder Briskin nimmt sein Ansinnen, den Satelliten zu schließen zurück, oder sie unterstützen Schwarz, den Gegenkandidaten. Heim reicht seinen Rücktritt ein.

Unterdessen richtet sich die Aufmerksamkeit der Massenblätter und ihrer ungebildeten Leser auf den Skandal, den die Scheidungsklage des Starchirurgen Lurton Sands gegen seine Frau, die Abtreibungstherapeutin Myra Sands, eingereicht hat. Lurton hat sie mit seiner Geliebten Cally Vale betrogen. Doch wo sich Miss Vale im Augenblick befindet, kann Myra Sands niemand auf der Erde sagen, nicht einmal Top-Detektiv Tito Cravelli.

|Ricks neue Welt|

Da macht ein kleiner Mechaniker namens Rick Erickson in Kansas City eine erstaunliche Entdeckung. Er soll den Jiffi-Scoutporter, mit dem Lurton von A nach B fliegt, reparieren, denn er fliegt nicht mehr zum vorgegebenen Ort, sondern sonst irgendwohin. Als er das Gefährt näher untersucht, stößt er auf einen Dimensionsriss im Boden und kriecht hindurch. Hier muss Lurton also sein Gspusi versteckt haben!

Rick landet auf einer idyllischen Welt: menschenleer, grün, bewaldet, mit frischer Luft, mit der gleichen Schwerkraft wie die Erde – göttlich! Aber leider taucht die Lady, die er erblickt, mit einem Lasergewehr in der Hand auf. Der rasche Rückzug, den Rick antritt, kommt zu spät. Ein Loch im Hinterkopf lässt sich auch von einem Starchirurgen nicht mehr beheben. Sein Kollege zieht ihn in die Werkstatt zurück und verständigt die Behörden.

Sofort verständigt Top-Detektiv Cravelli, der nun endlich weiß, wo die gesuchte Miss Vale steckt, zuerst den Präsidentschaftskandidaten Briskin. Denn wäre die von Erickson entdeckte Welt nicht ein idealer Ort, um die Flakkies zu entsorgen? Er verlangt als Gegenleistung nur eine Kleinigkeit: den Posten des Justizministers.

|Das Attentat|

Doch Briskin geht in die Offensive und verkündet Cravellis Information auf allen TV-Sendern. Das hat ein politisches Erdbeben zur Folge. Denn erstens werden alle Verwalter der Flakkie-Lagerhäuser nun arbeitslos, ebenso natürlich auch staatliche Abtreibungsberater wie Myra Sands: Man kann sich nun wieder Kinder leisten. Und drittens wird keiner mehr den Bordellsatelliten mehr besuchen wollen, sobald sich Sex mit gebärfähigen Frauen wieder realisieren lässt.

Das sehen die Gebrüder Walt genauso und geben ein Attentat in Auftrag. Die Rassistenorganisation von Verne Engel freut sich über eine großzügige Spende und setzt einen arbeitslosen Lagerverwalter in Marsch. Davon bekommt Cravelli Wind. Es ist Essig mit seinem Ministerposten, wenn Briskin erledigt wird. In Windeseile ergreift er Gegenmaßnahmen und infiltriert den Satelliten Goldenes-Tor-Momente-der-Freude, wo seine Freundin Francy als Hostess arbeitet. Ob er wohl noch rechtzeitig kommt, damit George Walt den Attentäter zurückpfeifen kann?

_Mein Eindruck_

Die erste Hälfte des Romans wurde 1963 geschrieben und im Juli 1964 unter dem Titel „Cantata 140“ im „Magazine for Fantasy and Science Fiction“ veröffentlicht. Die zweite Hälfte schrieb Dick 1964, so dass der komplette Roman 1966 erscheinen konnte. Der Titel „Cantata 140“ bezieht sich auf die Bach-Kantate Nr. 140, die „Wachet auf“ heißt. Das lässt sich leicht auf die Schläfer in den staatlichen Lagerhäusern beziehen. Sie wurde eingefroren, um das Problem der Überbevölkerung zu lindern.

Sie sollen ja auf die Anders-Erde auswandern und eine Kolonie gründen – darum geht es vordergründig im Roman. Das Problem ist jedoch, dass sich schon bald herausstellt, dass die Parallelwelt die gleiche Welt zur gleichen Zeit ist, aber einen alternativen Geschichtsverlauf eingeschlagen hat, in dem der Pekingmensch (Pithecanthropus sinanthropus) zur dominanten Menschenrasse geworden ist – mit bemerkenswerten Fähigkeiten.

|Es ist Wahlkampf|

Die Wahlkämpfer um den schwarzen Präsidentschaftskandidaten Jim Briskin (eine Figur, die Dick schon seit 1956 auftauchen lässt) freuen sich zunächst, dass Briskin eine Lösung für das Problem der Überbevölkerung gefunden hat, sind aber konsterniert über die Nachricht, die Parallelwelt sei besiedelt. Sal Heim, dem Wahlkampfberater, sind sofort die schrecklichen Konsequenzen klar: Entweder schließt man sofort ein Abkommen mit den Pekingmenschen, oder es wird so enden wie der Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern. Der Pekingmensch würde ein zweites Mal ausgerottet werden.

Aber das Dilemma löst sich von alleine auf: Die Pekingmenschen ergreifen die Initiative, nachdem ihnen George Walt, der Mutant, Bescheid gegeben hat, was eigentlich Sache ist. Daraufhin öffnen sie ihrerseits ein Tor in unsere Welt und starten ihre eigene Invasion. Das ist natürlich sehr ironisch und unterläuft jede Doktrin, die John W. Campbell, der maßgebliche Magazin-Herausgeber der US-amerikanischen SF, jemals ausgegeben hat. Die Aliens sind schlauer als wir. Sie haben überlegene Fähigkeiten, und sie zahlen uns zurück, was wir ihnen antun wollten.

|Der Zwillingsmutant|

George Walt ist sicherlich die interessanteste Erfindung des Autors in diesem außerordentlich durchschnittlichen Dick-Roman. George Walt besteht aus zwei Körpern, die sich aber nur einen Kopf und ein Gehirn teilen. Es sind also George und Walt, die vorgeben, zwei zu sein. Aber wie sich herausstellt, besteht nur eine Hälfte dieses Doppelkörpers aus einem Menschen, die andere Hälfte besteht aus synthetischen Prothesen. Walt (oder George?) war beim frühen Tod seines Partners so traurig, dass er die Trennung nicht aushielt und sich einen künstlichen Partner schuf.

Dieses Phänomen verweist darauf , das Philip Dick zeit seines Lebens seine Zwillingsschwester Jane vermisste, die 1929 fünf Wochen nach ihrer Geburt starb – wofür er seine Mutter Dorothy verantwortlich machte. Philip ist neben Jane begraben. (Das Foto von ihrem gemeinsamen Grabstein ist in Lawrence Sutins Biografie „Divine Invasions“ zu finden.) Auch in „Nach der Bombe“ hat Dick dieses Trauma verarbeitet.

George Walt machen ihren Lustsatelliten dicht und begeben sich zu den Pekingmenschen. Wie Cortez bei den Azteken wird er dort aufgrund von Prophezeiungen als Gott angesehen und erteilt einflussreiche Informationen über die Welt des Homo sapiens, der dabei ist, die schöne idyllische Welt des Sinanthropus in Besitz zu nehmen. Bis die Weisen unter seinen Gastgebern seinen Schwindel mit der künstlichen Körperhälfte durchschauen, vergeht eine ganze Menge Zeit. Und Jim Briskin ist es, der die Wende herbeiführt.

|Menschliche Charaktere|

Briskin ist ein „menschlicher“ Charakter, im Gegensatz zu vielen anderen wie etwa Sal Heim oder Tito Cravelli, die lediglich Manipulatoren sind. Ich könnte mir vorstellen, dass Briskin, den Dick schon 1956 erfunden hatte, eine gewisse Ähnlichkeit mit Dicks schwarzem Freund James Pike, einem Bischof der Episkopalischen Kirche, hatte, der 1969 in der israelischen Wüste umkam. Briskin ist der Einzige, der bereit ist, mit dem weisen Anführer der Pekingmenschen und mit George Walt zu verhandeln. Weil er dabei einen kognitiven Durchbruch erzielt – Walts Entlarvung – endet die Invasion der Pekingmenschen.

Aber das löst natürlich nicht das Problem der „Flakkies“, der 100 Millionen auf Eis gelegten Menschen, die ursprünglich in die Parallelwelt entsorgt werden sollten. Aber vielleicht haben ja die Pekingmenschen – unter ihnen v. a. „Bill Smith“ – dazu eine Idee. Das wird dann leider nicht mehr ausgeführt. Was ebenfalls auffällt, ist das völlige Fehlen eines Realitätsverlusts, wie er für Dick fast schon kennzeichnend ist, ganz besonders in dem Jahr, als er „Palmer Eldritch“ schrieb (1964).

|Die Übersetzung|

Martin Eisele hat den Roman ins Deutsche übertragen und Hans Joachim Alpers sein Ergebnis redigiert, wie Alpers im Nachwort schreibt. Eiseles Stil ist manchmal etwas holprig. So schreibt er auf Seite 100 von „glückseligen Bäumen“, auf Seite 157 von „zerrütteten Organismen“ statt von verrotteten, auf Seite 158 von einer „Hochertrags-Energieversorgung“ statt von Hochleistungsenergie.

Und schließlich gibt es noch einen schönen Dreckfuhler – Pardon: Druckfehler zu bestaunen. Auf Seite 186, auf der Zielgeraden, wird aus einem „sehr“ ein „sein“ fabriziert, das den aufmerksam Leser doch ziemlich verwirren dürfte. Ich brauchte eine Weile, bis ich dahinterkam, worin der Fehler bestand und bis der Satz einen Satz ergab.

_Unterm Strich_

„Das Jahr der Krisen“ ist sicherlich kein überragender SF-Roman, schon gar nicht nach Dick-Maßstäben. Lawrence Sutin verleiht ihm nur 2 von 10 möglichen Punkten. Zum Vergleich: Der immerhin ebenso durchschnittlich angelegte Roman „Die rebellischen Roboter“ bekommt von Sutin 6 von 10 Punkten, ganz einfach wegen der herausragenden Behandlung der Beziehung des Helden zu dem obsessiven „dunkelhaarigen Mädchen“ (siehe dazu meine Rezension).

Sutin nennt „The Crack in Space“ (der Titel bezieht sich auf den Dimensionsriss, der die beiden Erden miteinander verbindet) eine „liberale Geschichte mit guten Absichten“, aber ich sehe mehr Meriten. Es ist eine Satire auf den typischen US-Wahlkampf, auf voreilige Patentlösungen des Problems der Überbevölkerung, auf den Dünkel des Homo sapiens und auf die Hoffnung, ein Mutant könnte eine Lösung herbeiführen – ähnlich wie bei Asimovs Mutant „das Maultier“ (Foundation-Trilogie Band 2).

Zu lesen ist das Buch sehr einfach, denn es besteht zu 99 Prozent aus Dialog. Die erste Hälfte (die ursprüngliche Kurzgeschichte „Cantata 140“) ist jedoch stark verdichtet und erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit. Die zweite Hälfte konzentriert sich entgegen meinen Erwartungen nicht auf die Erkundung der Anders-Erde, sondern auf die hiesigen Folgen der Entdeckungen, die dabei gemacht werden. Die Entwicklung der Dinge ist dabei sehr ironisch gestaltet. Aber das wäre bei Dick immer zu erwarten. Ich würde also dem Buch mindestens 5 von 10 Punkten geben.

|Originaltitel: The Crack in Space, 1966
192 Seiten
Aus dem US-Englischen von Martin Eisele|

Dick, Philip K. – rebellischen Roboter, Die

_Abraham Lincoln und das dunkelhaarige Mädchen_

Sie begannen mit elektronischen Heimorgeln und automatischen Klavieren. Dann verbesserten sie ihre Technik und stellten Menschen her: keine Roboter, sondern genau programmierte Nachbildungen berühmter Zeitgenossen. Aber da war ein entscheidender Denkfehler: Denn die genaue Nachbildung eines berühmten Menschen kann keine lenkbare Marionette sein … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er in fast 30 Jahren 40 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung außerhalb der SF zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, die sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1663 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm).

_Handlung_

Louis Rosen, der Ich-Erzähler, und Maury Rock sind Teilhaber in einer kleinen Firma, die sowohl elektronische Stimmungs-Heimorgeln als auch automatische Klaviere (Spinette) herstellt und im Nordwesten der Vereinigten Staaten vertreibt. Weil aber die Heimorgeln, für die Louis zuständig ist, sich nicht verkaufen, erhält Maury die Oberhand in der Firma. Und Maury sagt: Wir bauen Simulacra!

So ein Simulacrum ist nicht bloß eine mechanische Puppe mit ein paar Klamotten dran, nein, darin verbergen sich auch ein Gedächtnis und ein Verhaltensprozessor, der über ein Magnetband Befehle entgegennehmen kann: ein Android wie in „Blade Runner“. Das erste Simulacrum, das Maury auspackt, ist Edwin Stanton, dem Kriegsminister Abraham Lincolns, nachgebildet. Ein paar Knöpfe gedrückt, und schon kann der Stanton drauflos plaudern.

Louis Rosen kommen schwere Zweifel. Nicht, dass er seinem Partner diese Erfindung neiden würde. Es liegt vielmehr an dem Umstand, dass der Android von Maurys geisteskranker junger Tochter Priscilla Frauenzimmer erfunden und entworfen wurden. Wer weiß, wozu dieser Android fähig ist? Pris wurde aus einer staatlichen Heilanstalt auf Bewährung entlassen und ihr Verhalten grenzt ans Monomanische: Sie zerschneidet mit Vorliebe Badezimmerkacheln.

Pris’ Wahnsinn jagt Louis kalte Schauer über den Rücken: Sie ist gefühlskalt, berechnend, ehrgeizig und skrupellos. Auf seine Gefühle oder gar sein Selbstwertgefühl nimmt sie keinerlei Rücksicht, so dass er am liebsten im Boden versinken würde. (Merke: Louis ist nicht sonderlich selbstbewusst.) Sie behandelt ihn, als wäre er ebenfalls ein Automat, so wie ihr Stanton. Als sich Louis deswegen bei Dr. Horstowski psychotherapeutisch behandeln lassen will, kommt ihm der Arzt wie ein Automat vor. Scherzeshalber gibt er vor, selbst ein Automat zu sein. Den Arzt wundert das überhaupt nicht, was Louis ins Grübeln versetzt. Fortan gibt er überall vor, ein Simulacrum zu sein.

Und jetzt auch das noch: Pris will einen Job beim Milliardär Sam Barrows, der selbst im Nordwesten zu den skrupellosesten Immobilienhaien zählt und seinen Einfluss auch auf Mars, Venus und Luna ausweiten konnte. Maury erhält von Barrows einen Brief, in dem Barrows den geschäftlichen Vorschlag, Simulacra für die Neuinszenierung des amerikanischen Bürgerkrieges zu benutzen, für die Idee einer privaten Bürgerinitiative hält. Wie peinlich! Nix war’s mit dem Massenabsatz von Stantons.

Aber Maury, ein hartnäckiger Yankee, gibt nicht auf. Er will Barrows mit einem Meisterwerk überzeugen: einem Simulacrum von Abraham Lincoln! Auch hier hat Pris ihre Finger im Spiel: Sie hat alles über Lincoln gelesen und den neuen Automaten entsprechend programmieren lassen. Louis schwant dabei nichts Gutes, wie immer, wenn Pris beteiligt ist.

Der große Augenblick kommt einen Tag, bevor Sam Barrows seinen Besuch ankündigt, denn er hat Stanton in Seattle kennen gelernt und ist vom Wert der Simulacra für seine zukünftige Mondkolonie überzeugt. Man legt am Lincoln den Schalter um, und er erwacht zum Leben. Er öffnet die Augen. Er redet rückwärts – upps!

_Mein Eindruck_

Der Autor hat den Roman anlässlich der Hundertjahrfeier des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) geschrieben und das Manuskript 1962 fertig gestellt. Durch verschiedene Umstände wurde es aber erst zehn Jahre später als Roman veröffentlicht. Daher sieht es nun so aus, als wäre der Roman „Simulacra“ von 1966 zuerst geschrieben worden. In Wahrheit hat sich der Autor die Verkäufer der Simulacren, Maury Frauenzimmer und Louis Rosen, aus dem früheren Roman „Die rebellischen Roboter“ ausgeliehen.

Für das Lincoln-Simulacrum gab es bereits ein Vorbild: in Disneyland, Anaheim. Dort war Dick zu Besuch und schwer (ironisch) beeindruckt. Er erkundigte sich offenbar auch nach allen Automaten, die wie Menschen auftreten, zum Beispiel indem sie schreiben oder Klavier spielen. Aber wie so oft, sind bei ihm die Maschinen schlauer und menschlicher als die Menschen selbst. Und so verwundert es nicht, dass der Lincoln-Sim mit Sam Barrows einen Disput darüber führt, was menschlich sei. Dabei ist es nicht der Automat, der leugnet, dass es so etwas wie die Seele gebe, sondern es ist Sam Barrows, der skrupellose Milliardär.

Die zwei Unternehmer Rock und Rosen sehen sich bei Barrows’ Ankunft einer unerwarteten Gefahr ausgesetzt: Barrows will ihr Unternehmen mit Haut und Haar schlucken. Natürlich fallen ihm dann die Patente für die zwei Androiden zu und er kann sie in Massen fertigen lassen. Louis wird übel, als er Barrows’ Plan hört, Simulacra als Abbilder einer irdischen Familie in die neuen Mondkolonien verfrachten zu lassen, nur um mit diesem Bild familiärer Idylle beweisen zu können, dass es auf dem Mond so schön ist, dass auch normale Sterbliche dort wohnen wollen. Ist das nicht Betrug?

Als es Rock und Rosen mit Hilfe von Stanton und Lincoln (dieser war ja schließlich Anwalt) gelingt, ihre Firma vor Barrows zu bewahren, erweist sich Pris als Verräterin. Sie betrachtet ihren Vater und seinen Partner Louis als Nieten, die es nie zu etwas bringen werden. Und es ist ihr nicht gelungen, Louis zu verführen. Kein Wunder, ist sie doch völlig kopfgesteuert und verströmt so viel Wärme wie eine Eisscholle.

An Pris erweist sich Dicks Obsession mit dem „dark-haired girl“ seiner Fantasien. Sie ist zickig, dickköpfig und falsch wie eine Schlange. Aber auch ungemein anziehend in ihrer Kreativität, Lebhaftigkeit und Energie. In Begriffen des Psychoanalytikers C. G. Jung verkörpert sie die Große Mutter. Die Szenen zwischen Louis und Pris sind von einer erstaunlichen Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit – kein Wunder, denn der Autor hat darin seine Konversationen mit seiner damaligen Frau Anne verewigt. Es ist, als würde man einem Ehestreit zuhören, bei dem die Frau bizarre Argumente ins Feld führt, denen die Logik des Mannes kaum etwas entgegenzusetzen hat. Kein Wunder, dass sich Louis Rosen allmählich wie ein Simulacrum vorkommt …

Pris hat anfangs nur eine untergeordnete Rolle inne und die geschäftlichen Beziehungen Rock & Rosens zu Barrows stehen im Vordergrund. Doch als der Streit um die beiden Simulacra losgeht, erweist sich Pris als Joker im Spiel: Ohne sie (und einen Ingenieur) können die beiden Unternehmer keine gleichwertigen Simulacra mehr entwickeln und bauen. Im Konflikt zwischen den beiden „kleinen Protagonisten“ und dem „großen Protagonisten“ Barrows stellt Pris einen Katalysator dar, der für Louis erst zur Obsession wird und ihn dann veranlasst, psychotisch und gewalttätig zu werden: Er will Pris zurückhaben, koste es, was es wolle.

Der Höhepunkt des Romans ist eine ausgezeichnet realisierte Szene in der Bar eines Konzerthauses, wo ein farbiger Bluessänger auftritt. Der Gag bei dieser Auseinandersetzung besteht darin, dass Louis zwar Lincoln auf seiner Seite hat, aber Barrows das Simulacrum von Lincolns Mörder John Wilkes Booth mitbringt! Dieses Patt der Drohungen wird erst durch Pris’ Eingreifen aufgelöst.

Danach schwenkt die Handlung des Romans – wie in mehreren Büchern aus dieser Zeit nach 1962 – um und wendet sich der psychologischen Auseinandersetzung zwischen der – schizophren eingebildeten – Pris und Louis zu, der in eine staatliche Heilanstalt eingewiesen wird. Dort hofft er, von seiner Obsession geheilt zu werden. Doch stattdessen findet er die reale Pris ebenfalls in der Anstalt (sie war schon früher dort). Wieder kommt es zu einem Aufkeimen von Hoffnung, Pris endlich zu gewinnen. Doch so, wie wir sie kennen gelernt haben, ahnen wir bereits, dass sie Louis auch diesmal im Stich lassen wird.

Nach dem zu urteilen, was ich in den diversen Sachbüchern über dieses Buch und den Autor im Jahr 1961/62, als es entstand, gelesen habe, war Dick sehr gut mit den Behandlungsmethoden von Schizophrenie vertraut. Tatsächlich ließ er seine eigene Frau Anne daraufhin untersuchen und sogar behandeln. Dass dies nicht gerade Vertrauen aufbaute, liegt auf der Hand. Aber sie enttäuschte ihn sehr, indem sie eine Abtreibung vornehmen ließ, ohne ihn zu fragen. Im Buch greift er dieses Thema auf, indem er Louis von einer Pris fantasieren lässt, die einem kleinen Jungen namens Charles das Leben geschenkt hat, worüber Louis unendlich glücklich ist. Diese Wunscherfüllung findet in Louis’ Realität allerdings keine Entsprechung, wie ich oben erwähnt habe.

Dass die Handlung nicht mehr zu den faszinierenden Simulacra zurückkehrt, hat mehrere Kritiker, die Kim Stanley Robinson in seinem Buch „Die Romane des Philip K. Dick“ aufführt, verärgert und die Leser enttäuscht. Wenn es einem ebenso ergeht, so sollte man einfach zu demjenigen Roman Dicks greifen, in dem es fast ausschließlich um diese Automaten geht – natürlich zu „Simulacra“, das nur ein Jahr später geschrieben und 1964 veröffentlicht wurde.

_Unterm Strich_

Obwohl der Roman in inhaltlicher wie künstlerischer Hinsicht Schwächen hat, so besitzt er doch eine ganz starke, überzeugende Handlungslinie, die es in kaum einem anderen Dick-Roman gibt: die zum Scheitern verurteilte Liebe Louis Rosens zu Pris Frauenzimmer (die sich nach ihrem Weggang „Pristine Womankind“ nennt). Louis ist 33, während Pris erst 18 und damit nach dem (fiktionalen) Gesetz noch minderjährig ist. Das ist eine also heikle Sache. Aber diese einseitige Liebesbeziehung wird so realistisch und anrührend geschildert, dass sie keinen Leser kalt lässt. Diese emotionale Ehrlichkeit und Stärke habe ich erst wieder in dem Roman „Valis“ wiedergefunden (aber das ist rein subjektiv) und am Ende von „Eine andere Welt“.

Das SF-Element der künstlichen Menschen, die menschlicher sind als ihre Schöpfer, findet nicht nur hier eine ironische Behandlung, sondern natürlich in vielen weiteren Romanen Dicks, so etwa in „Simulacra“ und in dem allseits bekannten Roman „Blade Runner“.

|Originaltitel: We can build you, 1972
160 Seiten
Aus dem US-Englischen von Tony Westermayr|

Fred Hoyle & John Elliot – A wie Andromeda – Geheimbotschaft aus dem All (Edition ’84 – Die positiven Utopien)

Invasion: das Mädchen von den Sternen

Geheimnisvolle Funksignale aus dem Andromedanebel werden als Bauanweisung für einen Supercomputer erkannt. Der Alien-Computer ermöglicht die Erzeugung von Leben aus der Retorte, zunächst einen Prototypen, dann das menschlich aussehende Mädchen Andromeda alias André. Doch André gehorcht zunächst nur dem Alien-Computer, und das macht sie dem Chefwissenschaftler Fleming verdächtig.

Unterdessen versuchen die Militärs und die Regierung Englands, sie und den Computer als Werkzeug ihrer Machtpolitik zu benutzen. Fleming erkennt die Gefahr, die von dem Supercomputer ausgeht, und André bestätigt, dass sie und der Computer die Menschen für minderwertige Intelligenzen halten. Als er gegen das Gespann vorgeht, gerät er in Lebensgefahr. Denn längst hat Andromeda alle Fäden in der Hand, um die Welt auf einen neuen Weg zu führen.

Die Autoren
Fred Hoyle & John Elliot – A wie Andromeda – Geheimbotschaft aus dem All (Edition ’84 – Die positiven Utopien) weiterlesen

Hal Clement – Der Feuerzyklus

Für große Jungs: Planeten- und Astronomie-Abenteuer

Alle 830 Sonnenumläufe (Jahre) sorgt die exzentrische Umlaufbahn von Abyormens Sonne um eine andere Sonne dafür, dass sich Abyormen unglaublich erhitzt: Alles Wasser verdampft und giftige Stickoxide bringenn alle vorhandenen Lebewesen um. Doch etwas überlebt dennoch.

Auf diesen ungewöhnlichen Zyklus und die Voraussetzungen für das Überleben gewisser intelligenter Lebewensformen stößt der junge Pilotenkadett Kruger, als er auf Abyormen strandet und sich mit einem einheimischen Piloten, der ebenfalls gestrandet ist, anfreundet. Zusammen entdecken sie die unglaubliche Wahrheit über den Feuerzyklus – und einen Weg, die Flamme der Intelligenz über den Abgrund der Vernichtung weiterzutragen.
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Piers Anthony – Steppe

Ein Uighure im Computerspiel

Längst hat sich die Menschheit über die Galaxis ausgebreitet. Die Menschen können weder lesen noch schreiben, aber sie frönen leidenschaftlich ihrer Lieblingsbeschäftigung: dem Spiel. Sie spielen Geschichte. Mit geringem Einsatz lässt sich ein märchenhaftes Vermögen auf der imaginären galaxisweiten Bühne gewinnen, auf der die Geschichte der alten Erde wiederentsteht.

Sie spielen STEPPE. Die Geschichte der Reitervölker Innerasiens zwischen dem 9. und dem Höhepunkt im 13. Jahrhundert: Dschingis Khan.

Um den Spielecomputer, der als einziger den genauen historischen Ablauf kennt, zu betrügen und illegalen gewinn zu machen, holt sich eine Spielergruppe mit einer Zeitmaschine einen Menschen vom Originalschauplatz aus dem 9. Jahrhundert und schmuggelt ihn ins Spiel: Alp, Sohn eines Uighurenhäuptlings. Alp hat die Informationen, die für den Betrug nötig sind, aber der Primitive ist gerissener als die Galaktiker geahnt haben. Er macht sich seine Erfahrungen zunutze und spielt auf eigene Rechnung.

Denn was könnte ihm vertrauter sein als das unbarmherzige Kriegsspiel der STEPPE, seien es die Weiten Innerasiens oder der Galaxis? (Verlagsinfo)

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Julian May – Kein König von Geburt (Pliozän-Saga 3)

Die Schlacht der Könige

Der Pliozän-Zyklus ist die vierbändige Saga um das Schicksal einer Handvoll Menschen, die im Jahr 2110 freiwillig ins Zeit-Exil des Pliozäns vor ca. sechs Millionen Jahren gehen, um der Verfolgung von Psi-Begabten zu entgehen. Gegen vor Ort herrschende Aliens müssen sie zahlreiche Kämpfe bestehen, entwickeln aber auch ungeahnte Fähigkeiten.

Diesem Band ist eine Zusammenfassung der ersten und zweiten Bände der Saga vorangestellt. Man verpasst also kaum etwas, wenn man diese Bände nicht kennen sollte.

Die Autorin
Julian May – Kein König von Geburt (Pliozän-Saga 3) weiterlesen

Frank Herbert – Hellstrøms Brut

Utopie unter Tage: Menschen wie Termiten

1971 drehte der Regisseur Walon Green den Film „The Hellström Chronicle“ um den erfundenen Insektenforscher Nils Hellström, der die Insekten als die wahren Herrscher der Erde zeigt. Frank Herbert, betroffen und tief beeindruckt von Greens Film, fragte sich, welche Überlebenstechniken der Mensch wohl entwickeln müsse, um seinen Fortbestand über vergleichsweise lange Zeiträume zu sichern, und spielte den Gedanken in diesem 1972/73 veröffentlichten Roman durch. Dies ist wahrscheinlich Frank Herberts künstlerisch gelungenster Roman neben dem „Wüstenplanet“-Zyklus.
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Ian McDonald – Rebellin des Glücks

Gescheiterte Utopie

Am Ende des 21 Jahrhunderts: Dank der allmächtigen Computer ist die Welt perfekt; keine Kriege, keine Krankheiten bedrohen die Menschheit. Jedermann hat glücklich zu sein — oder er macht sich eines Verbrechens gegen die Gesellschaft schuldig. In der Megalopolis Yu lebt die Zeichnerin Courtney Hau ihr verordnetes glückliches Leben, bis einer ihrer Cartoons der allgegenwärtigen Glückspolizei missfällt. Courtney muss fliehen und lernt plötzlich die andere Seite ihrer Schönen Neuen Welt kennen. In einem düsteren Labyrinth unter der Stadt kämpfen die Ver­rückten und Verbannten von Yu ums Überleben — und träumen von einer Rebellion der Freiheit, die plötzlich Wirklichkeit werden kann. (verlagsinfo)

Der Autor
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Ian McDonald – Chaga oder das Ufer der Evolution (Chaga 1)

Faszinierender Job: als Reporterin im Alien-Dschungel

Die ersten Sporen des Chaga fallen im Jahr 2004 auf den Kilimandscharo – und breiten sich von dort mit einer Geschwindigkeit von 50 Metern pro Tag in alle Richtungen aus. Ständig fallen neue Sporenpakete, überall auf der Südhalbkugel. Der Lebensraum wird knapp, und die Verdrängten finden das gar nicht witzig. Eine gigantische UNO-Hilfsmission wird weltweit gestartet, und die Reporterin Gaby McAslan berichtet darüber in Kenia. Sie wird Zeugin eines Verschwindens der Erde, einer Transformation durch das Chaga. Aber können Menschen in dieser außerirdischen Vegetation leben? Und was passiert mit den vom Chaga Infizierten?

Der Autor
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Julian May – Der goldene Ring (Pliozän-Saga 2)

Mit der Laserlanze in den Freiheitskampf

Die ins Pliozän verschlagenen Menschen haben es gelernt, mit den telepathischen Aliens, die die Erde vor sechs Millionen Jahren beherrschten und die Zeitreisenden aus der Zukunft versklavten, einigermaßen zurechtzukommen.

Manchen von ihnen ist diese Sklaverei ganz und gar nicht unangenehm, denn mit dem Halsring, den die Menschen zu tragen gezwungen sind und der die telepathischen Kräfte verstärkt, werden nicht nur Strafen, sondern auch Belohnungen verteilt, und ein goldener Ring verleiht geradezu göttliche Fähigkeiten. Doch es gibt genug unter ihnen, die das Joch der Fremden abzuschütteln gewillt sind.

Nachdem eine Laserlanze der Aliens in ihre Hände gefallen ist und nachdem sie den tödlichen Schwachpunkt der Beherrscher herausgefunden haben – die toxische Wirkung von Eisen -, wagen sie den Frontalangriff. (Verlagsinfo)

Die „Pliozän-Saga“, die auf deutsch bei Heyne erschien, ist eine der wichtigsten literarischen Leistungen der Science Fantasy während der achtziger Jahre. Der Pliozän-Zyklus ist die vierbändige Saga um das Schicksal einer Handvoll Menschen, die im Jahr 2110 freiwillig ins Zeit-Exil des Pliozäns vor ca. sechs Millionen Jahren gehen, um der Verfolgung von Psi-Begabten zu entgehen. Gegen dort herrschende Aliens müssen sie zahlreiche Kämpfe bestehen, entwickeln aber auch ungeahnte Fähigkeiten.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse des 1. Bandes folgt am Beginn dieses Bandes. Wenn man also den 1. Band nicht besitzt, hat man wenig verpasst.

Die Autorin
Julian May – Der goldene Ring (Pliozän-Saga 2) weiterlesen