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Dick, Philip K. – Jahr der Krisen, Das

_Folgenreicher Durchbruch zur Anders-Erde_

Das Jahr 2080: Ein Präsident soll gewählt werden und steht vor unlösbaren Aufgaben: Immer größer wird der Druck der Massen, jene Millionen von Tiefschläfern wieder aufzuwecken, die in einer übervölkerten Welt in den Schlaf geschickt wurden. Aber wohin mit ihnen? Da stößt man auf den Zugang zu einer Parallelwelt, auf der der Pekingmensch zur beherrschenden Menschenrasse geworden ist. Nachdem man etliche Siedler hingeschickt hat, stellt sich heraus, dass etwas schrecklich schiefgegangen sein muss … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er in fast 30 Jahren 40 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung außerhalb der SF zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, die sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1663 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm).

_Handlung_

Jim Briskin ist der erste farbige Kandidat für das Amt des US-Präsidenten. Er hätte eigentlich gute Chancen, den Wahlkampf zu gewinnen, denn die Farbigen stellen im Jahr 2080 die Bevölkerungsmehrheit. Aber angesichts seiner Ziele ist sein Wahlkampfstratege Salisbury Heim skeptisch. Erstens will Briskin den Vergnügungssatelliten |Goldenes Tor|, ein fliegendes Bordell der Gebrüder Walt, schließen lassen, um dessen Pornokanäle zum Verstummen zu bringen. Zweitens will er all die Millionen Tiefgekühlten, die Flakkies (von „Flaschenkind“), wieder aufwecken lassen, weil es zu viele werden. Aber wohin mit diesen Massen?

Deshalb lautet Briskins dritter Vorschlag, den Mars zu bewässern und so zu terraformen, um sodann die Flakkies dorthin als Kolonisten zu schicken. Sal Heim hält diesen alten Vorschlag eines gewissen Bruno Mini für hirnrissig, doch Briskin lässt sich nicht davon abbringen. Als Sal Heim zwecks Entspannung von seinem Frust den Pornosatelliten besucht, setzen ihm die Eigentümer die Pistole auf die Brust: Entweder Briskin nimmt sein Ansinnen, den Satelliten zu schließen zurück, oder sie unterstützen Schwarz, den Gegenkandidaten. Heim reicht seinen Rücktritt ein.

Unterdessen richtet sich die Aufmerksamkeit der Massenblätter und ihrer ungebildeten Leser auf den Skandal, den die Scheidungsklage des Starchirurgen Lurton Sands gegen seine Frau, die Abtreibungstherapeutin Myra Sands, eingereicht hat. Lurton hat sie mit seiner Geliebten Cally Vale betrogen. Doch wo sich Miss Vale im Augenblick befindet, kann Myra Sands niemand auf der Erde sagen, nicht einmal Top-Detektiv Tito Cravelli.

|Ricks neue Welt|

Da macht ein kleiner Mechaniker namens Rick Erickson in Kansas City eine erstaunliche Entdeckung. Er soll den Jiffi-Scoutporter, mit dem Lurton von A nach B fliegt, reparieren, denn er fliegt nicht mehr zum vorgegebenen Ort, sondern sonst irgendwohin. Als er das Gefährt näher untersucht, stößt er auf einen Dimensionsriss im Boden und kriecht hindurch. Hier muss Lurton also sein Gspusi versteckt haben!

Rick landet auf einer idyllischen Welt: menschenleer, grün, bewaldet, mit frischer Luft, mit der gleichen Schwerkraft wie die Erde – göttlich! Aber leider taucht die Lady, die er erblickt, mit einem Lasergewehr in der Hand auf. Der rasche Rückzug, den Rick antritt, kommt zu spät. Ein Loch im Hinterkopf lässt sich auch von einem Starchirurgen nicht mehr beheben. Sein Kollege zieht ihn in die Werkstatt zurück und verständigt die Behörden.

Sofort verständigt Top-Detektiv Cravelli, der nun endlich weiß, wo die gesuchte Miss Vale steckt, zuerst den Präsidentschaftskandidaten Briskin. Denn wäre die von Erickson entdeckte Welt nicht ein idealer Ort, um die Flakkies zu entsorgen? Er verlangt als Gegenleistung nur eine Kleinigkeit: den Posten des Justizministers.

|Das Attentat|

Doch Briskin geht in die Offensive und verkündet Cravellis Information auf allen TV-Sendern. Das hat ein politisches Erdbeben zur Folge. Denn erstens werden alle Verwalter der Flakkie-Lagerhäuser nun arbeitslos, ebenso natürlich auch staatliche Abtreibungsberater wie Myra Sands: Man kann sich nun wieder Kinder leisten. Und drittens wird keiner mehr den Bordellsatelliten mehr besuchen wollen, sobald sich Sex mit gebärfähigen Frauen wieder realisieren lässt.

Das sehen die Gebrüder Walt genauso und geben ein Attentat in Auftrag. Die Rassistenorganisation von Verne Engel freut sich über eine großzügige Spende und setzt einen arbeitslosen Lagerverwalter in Marsch. Davon bekommt Cravelli Wind. Es ist Essig mit seinem Ministerposten, wenn Briskin erledigt wird. In Windeseile ergreift er Gegenmaßnahmen und infiltriert den Satelliten Goldenes-Tor-Momente-der-Freude, wo seine Freundin Francy als Hostess arbeitet. Ob er wohl noch rechtzeitig kommt, damit George Walt den Attentäter zurückpfeifen kann?

_Mein Eindruck_

Die erste Hälfte des Romans wurde 1963 geschrieben und im Juli 1964 unter dem Titel „Cantata 140“ im „Magazine for Fantasy and Science Fiction“ veröffentlicht. Die zweite Hälfte schrieb Dick 1964, so dass der komplette Roman 1966 erscheinen konnte. Der Titel „Cantata 140“ bezieht sich auf die Bach-Kantate Nr. 140, die „Wachet auf“ heißt. Das lässt sich leicht auf die Schläfer in den staatlichen Lagerhäusern beziehen. Sie wurde eingefroren, um das Problem der Überbevölkerung zu lindern.

Sie sollen ja auf die Anders-Erde auswandern und eine Kolonie gründen – darum geht es vordergründig im Roman. Das Problem ist jedoch, dass sich schon bald herausstellt, dass die Parallelwelt die gleiche Welt zur gleichen Zeit ist, aber einen alternativen Geschichtsverlauf eingeschlagen hat, in dem der Pekingmensch (Pithecanthropus sinanthropus) zur dominanten Menschenrasse geworden ist – mit bemerkenswerten Fähigkeiten.

|Es ist Wahlkampf|

Die Wahlkämpfer um den schwarzen Präsidentschaftskandidaten Jim Briskin (eine Figur, die Dick schon seit 1956 auftauchen lässt) freuen sich zunächst, dass Briskin eine Lösung für das Problem der Überbevölkerung gefunden hat, sind aber konsterniert über die Nachricht, die Parallelwelt sei besiedelt. Sal Heim, dem Wahlkampfberater, sind sofort die schrecklichen Konsequenzen klar: Entweder schließt man sofort ein Abkommen mit den Pekingmenschen, oder es wird so enden wie der Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern. Der Pekingmensch würde ein zweites Mal ausgerottet werden.

Aber das Dilemma löst sich von alleine auf: Die Pekingmenschen ergreifen die Initiative, nachdem ihnen George Walt, der Mutant, Bescheid gegeben hat, was eigentlich Sache ist. Daraufhin öffnen sie ihrerseits ein Tor in unsere Welt und starten ihre eigene Invasion. Das ist natürlich sehr ironisch und unterläuft jede Doktrin, die John W. Campbell, der maßgebliche Magazin-Herausgeber der US-amerikanischen SF, jemals ausgegeben hat. Die Aliens sind schlauer als wir. Sie haben überlegene Fähigkeiten, und sie zahlen uns zurück, was wir ihnen antun wollten.

|Der Zwillingsmutant|

George Walt ist sicherlich die interessanteste Erfindung des Autors in diesem außerordentlich durchschnittlichen Dick-Roman. George Walt besteht aus zwei Körpern, die sich aber nur einen Kopf und ein Gehirn teilen. Es sind also George und Walt, die vorgeben, zwei zu sein. Aber wie sich herausstellt, besteht nur eine Hälfte dieses Doppelkörpers aus einem Menschen, die andere Hälfte besteht aus synthetischen Prothesen. Walt (oder George?) war beim frühen Tod seines Partners so traurig, dass er die Trennung nicht aushielt und sich einen künstlichen Partner schuf.

Dieses Phänomen verweist darauf , das Philip Dick zeit seines Lebens seine Zwillingsschwester Jane vermisste, die 1929 fünf Wochen nach ihrer Geburt starb – wofür er seine Mutter Dorothy verantwortlich machte. Philip ist neben Jane begraben. (Das Foto von ihrem gemeinsamen Grabstein ist in Lawrence Sutins Biografie „Divine Invasions“ zu finden.) Auch in „Nach der Bombe“ hat Dick dieses Trauma verarbeitet.

George Walt machen ihren Lustsatelliten dicht und begeben sich zu den Pekingmenschen. Wie Cortez bei den Azteken wird er dort aufgrund von Prophezeiungen als Gott angesehen und erteilt einflussreiche Informationen über die Welt des Homo sapiens, der dabei ist, die schöne idyllische Welt des Sinanthropus in Besitz zu nehmen. Bis die Weisen unter seinen Gastgebern seinen Schwindel mit der künstlichen Körperhälfte durchschauen, vergeht eine ganze Menge Zeit. Und Jim Briskin ist es, der die Wende herbeiführt.

|Menschliche Charaktere|

Briskin ist ein „menschlicher“ Charakter, im Gegensatz zu vielen anderen wie etwa Sal Heim oder Tito Cravelli, die lediglich Manipulatoren sind. Ich könnte mir vorstellen, dass Briskin, den Dick schon 1956 erfunden hatte, eine gewisse Ähnlichkeit mit Dicks schwarzem Freund James Pike, einem Bischof der Episkopalischen Kirche, hatte, der 1969 in der israelischen Wüste umkam. Briskin ist der Einzige, der bereit ist, mit dem weisen Anführer der Pekingmenschen und mit George Walt zu verhandeln. Weil er dabei einen kognitiven Durchbruch erzielt – Walts Entlarvung – endet die Invasion der Pekingmenschen.

Aber das löst natürlich nicht das Problem der „Flakkies“, der 100 Millionen auf Eis gelegten Menschen, die ursprünglich in die Parallelwelt entsorgt werden sollten. Aber vielleicht haben ja die Pekingmenschen – unter ihnen v. a. „Bill Smith“ – dazu eine Idee. Das wird dann leider nicht mehr ausgeführt. Was ebenfalls auffällt, ist das völlige Fehlen eines Realitätsverlusts, wie er für Dick fast schon kennzeichnend ist, ganz besonders in dem Jahr, als er „Palmer Eldritch“ schrieb (1964).

|Die Übersetzung|

Martin Eisele hat den Roman ins Deutsche übertragen und Hans Joachim Alpers sein Ergebnis redigiert, wie Alpers im Nachwort schreibt. Eiseles Stil ist manchmal etwas holprig. So schreibt er auf Seite 100 von „glückseligen Bäumen“, auf Seite 157 von „zerrütteten Organismen“ statt von verrotteten, auf Seite 158 von einer „Hochertrags-Energieversorgung“ statt von Hochleistungsenergie.

Und schließlich gibt es noch einen schönen Dreckfuhler – Pardon: Druckfehler zu bestaunen. Auf Seite 186, auf der Zielgeraden, wird aus einem „sehr“ ein „sein“ fabriziert, das den aufmerksam Leser doch ziemlich verwirren dürfte. Ich brauchte eine Weile, bis ich dahinterkam, worin der Fehler bestand und bis der Satz einen Satz ergab.

_Unterm Strich_

„Das Jahr der Krisen“ ist sicherlich kein überragender SF-Roman, schon gar nicht nach Dick-Maßstäben. Lawrence Sutin verleiht ihm nur 2 von 10 möglichen Punkten. Zum Vergleich: Der immerhin ebenso durchschnittlich angelegte Roman „Die rebellischen Roboter“ bekommt von Sutin 6 von 10 Punkten, ganz einfach wegen der herausragenden Behandlung der Beziehung des Helden zu dem obsessiven „dunkelhaarigen Mädchen“ (siehe dazu meine Rezension).

Sutin nennt „The Crack in Space“ (der Titel bezieht sich auf den Dimensionsriss, der die beiden Erden miteinander verbindet) eine „liberale Geschichte mit guten Absichten“, aber ich sehe mehr Meriten. Es ist eine Satire auf den typischen US-Wahlkampf, auf voreilige Patentlösungen des Problems der Überbevölkerung, auf den Dünkel des Homo sapiens und auf die Hoffnung, ein Mutant könnte eine Lösung herbeiführen – ähnlich wie bei Asimovs Mutant „das Maultier“ (Foundation-Trilogie Band 2).

Zu lesen ist das Buch sehr einfach, denn es besteht zu 99 Prozent aus Dialog. Die erste Hälfte (die ursprüngliche Kurzgeschichte „Cantata 140“) ist jedoch stark verdichtet und erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit. Die zweite Hälfte konzentriert sich entgegen meinen Erwartungen nicht auf die Erkundung der Anders-Erde, sondern auf die hiesigen Folgen der Entdeckungen, die dabei gemacht werden. Die Entwicklung der Dinge ist dabei sehr ironisch gestaltet. Aber das wäre bei Dick immer zu erwarten. Ich würde also dem Buch mindestens 5 von 10 Punkten geben.

|Originaltitel: The Crack in Space, 1966
192 Seiten
Aus dem US-Englischen von Martin Eisele|

Dick, Philip K. – rebellischen Roboter, Die

_Abraham Lincoln und das dunkelhaarige Mädchen_

Sie begannen mit elektronischen Heimorgeln und automatischen Klavieren. Dann verbesserten sie ihre Technik und stellten Menschen her: keine Roboter, sondern genau programmierte Nachbildungen berühmter Zeitgenossen. Aber da war ein entscheidender Denkfehler: Denn die genaue Nachbildung eines berühmten Menschen kann keine lenkbare Marionette sein … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er in fast 30 Jahren 40 Romane und über 100 Kurzgeschichten veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung außerhalb der SF zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, die sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1663 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm).

_Handlung_

Louis Rosen, der Ich-Erzähler, und Maury Rock sind Teilhaber in einer kleinen Firma, die sowohl elektronische Stimmungs-Heimorgeln als auch automatische Klaviere (Spinette) herstellt und im Nordwesten der Vereinigten Staaten vertreibt. Weil aber die Heimorgeln, für die Louis zuständig ist, sich nicht verkaufen, erhält Maury die Oberhand in der Firma. Und Maury sagt: Wir bauen Simulacra!

So ein Simulacrum ist nicht bloß eine mechanische Puppe mit ein paar Klamotten dran, nein, darin verbergen sich auch ein Gedächtnis und ein Verhaltensprozessor, der über ein Magnetband Befehle entgegennehmen kann: ein Android wie in „Blade Runner“. Das erste Simulacrum, das Maury auspackt, ist Edwin Stanton, dem Kriegsminister Abraham Lincolns, nachgebildet. Ein paar Knöpfe gedrückt, und schon kann der Stanton drauflos plaudern.

Louis Rosen kommen schwere Zweifel. Nicht, dass er seinem Partner diese Erfindung neiden würde. Es liegt vielmehr an dem Umstand, dass der Android von Maurys geisteskranker junger Tochter Priscilla Frauenzimmer erfunden und entworfen wurden. Wer weiß, wozu dieser Android fähig ist? Pris wurde aus einer staatlichen Heilanstalt auf Bewährung entlassen und ihr Verhalten grenzt ans Monomanische: Sie zerschneidet mit Vorliebe Badezimmerkacheln.

Pris’ Wahnsinn jagt Louis kalte Schauer über den Rücken: Sie ist gefühlskalt, berechnend, ehrgeizig und skrupellos. Auf seine Gefühle oder gar sein Selbstwertgefühl nimmt sie keinerlei Rücksicht, so dass er am liebsten im Boden versinken würde. (Merke: Louis ist nicht sonderlich selbstbewusst.) Sie behandelt ihn, als wäre er ebenfalls ein Automat, so wie ihr Stanton. Als sich Louis deswegen bei Dr. Horstowski psychotherapeutisch behandeln lassen will, kommt ihm der Arzt wie ein Automat vor. Scherzeshalber gibt er vor, selbst ein Automat zu sein. Den Arzt wundert das überhaupt nicht, was Louis ins Grübeln versetzt. Fortan gibt er überall vor, ein Simulacrum zu sein.

Und jetzt auch das noch: Pris will einen Job beim Milliardär Sam Barrows, der selbst im Nordwesten zu den skrupellosesten Immobilienhaien zählt und seinen Einfluss auch auf Mars, Venus und Luna ausweiten konnte. Maury erhält von Barrows einen Brief, in dem Barrows den geschäftlichen Vorschlag, Simulacra für die Neuinszenierung des amerikanischen Bürgerkrieges zu benutzen, für die Idee einer privaten Bürgerinitiative hält. Wie peinlich! Nix war’s mit dem Massenabsatz von Stantons.

Aber Maury, ein hartnäckiger Yankee, gibt nicht auf. Er will Barrows mit einem Meisterwerk überzeugen: einem Simulacrum von Abraham Lincoln! Auch hier hat Pris ihre Finger im Spiel: Sie hat alles über Lincoln gelesen und den neuen Automaten entsprechend programmieren lassen. Louis schwant dabei nichts Gutes, wie immer, wenn Pris beteiligt ist.

Der große Augenblick kommt einen Tag, bevor Sam Barrows seinen Besuch ankündigt, denn er hat Stanton in Seattle kennen gelernt und ist vom Wert der Simulacra für seine zukünftige Mondkolonie überzeugt. Man legt am Lincoln den Schalter um, und er erwacht zum Leben. Er öffnet die Augen. Er redet rückwärts – upps!

_Mein Eindruck_

Der Autor hat den Roman anlässlich der Hundertjahrfeier des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) geschrieben und das Manuskript 1962 fertig gestellt. Durch verschiedene Umstände wurde es aber erst zehn Jahre später als Roman veröffentlicht. Daher sieht es nun so aus, als wäre der Roman „Simulacra“ von 1966 zuerst geschrieben worden. In Wahrheit hat sich der Autor die Verkäufer der Simulacren, Maury Frauenzimmer und Louis Rosen, aus dem früheren Roman „Die rebellischen Roboter“ ausgeliehen.

Für das Lincoln-Simulacrum gab es bereits ein Vorbild: in Disneyland, Anaheim. Dort war Dick zu Besuch und schwer (ironisch) beeindruckt. Er erkundigte sich offenbar auch nach allen Automaten, die wie Menschen auftreten, zum Beispiel indem sie schreiben oder Klavier spielen. Aber wie so oft, sind bei ihm die Maschinen schlauer und menschlicher als die Menschen selbst. Und so verwundert es nicht, dass der Lincoln-Sim mit Sam Barrows einen Disput darüber führt, was menschlich sei. Dabei ist es nicht der Automat, der leugnet, dass es so etwas wie die Seele gebe, sondern es ist Sam Barrows, der skrupellose Milliardär.

Die zwei Unternehmer Rock und Rosen sehen sich bei Barrows’ Ankunft einer unerwarteten Gefahr ausgesetzt: Barrows will ihr Unternehmen mit Haut und Haar schlucken. Natürlich fallen ihm dann die Patente für die zwei Androiden zu und er kann sie in Massen fertigen lassen. Louis wird übel, als er Barrows’ Plan hört, Simulacra als Abbilder einer irdischen Familie in die neuen Mondkolonien verfrachten zu lassen, nur um mit diesem Bild familiärer Idylle beweisen zu können, dass es auf dem Mond so schön ist, dass auch normale Sterbliche dort wohnen wollen. Ist das nicht Betrug?

Als es Rock und Rosen mit Hilfe von Stanton und Lincoln (dieser war ja schließlich Anwalt) gelingt, ihre Firma vor Barrows zu bewahren, erweist sich Pris als Verräterin. Sie betrachtet ihren Vater und seinen Partner Louis als Nieten, die es nie zu etwas bringen werden. Und es ist ihr nicht gelungen, Louis zu verführen. Kein Wunder, ist sie doch völlig kopfgesteuert und verströmt so viel Wärme wie eine Eisscholle.

An Pris erweist sich Dicks Obsession mit dem „dark-haired girl“ seiner Fantasien. Sie ist zickig, dickköpfig und falsch wie eine Schlange. Aber auch ungemein anziehend in ihrer Kreativität, Lebhaftigkeit und Energie. In Begriffen des Psychoanalytikers C. G. Jung verkörpert sie die Große Mutter. Die Szenen zwischen Louis und Pris sind von einer erstaunlichen Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit – kein Wunder, denn der Autor hat darin seine Konversationen mit seiner damaligen Frau Anne verewigt. Es ist, als würde man einem Ehestreit zuhören, bei dem die Frau bizarre Argumente ins Feld führt, denen die Logik des Mannes kaum etwas entgegenzusetzen hat. Kein Wunder, dass sich Louis Rosen allmählich wie ein Simulacrum vorkommt …

Pris hat anfangs nur eine untergeordnete Rolle inne und die geschäftlichen Beziehungen Rock & Rosens zu Barrows stehen im Vordergrund. Doch als der Streit um die beiden Simulacra losgeht, erweist sich Pris als Joker im Spiel: Ohne sie (und einen Ingenieur) können die beiden Unternehmer keine gleichwertigen Simulacra mehr entwickeln und bauen. Im Konflikt zwischen den beiden „kleinen Protagonisten“ und dem „großen Protagonisten“ Barrows stellt Pris einen Katalysator dar, der für Louis erst zur Obsession wird und ihn dann veranlasst, psychotisch und gewalttätig zu werden: Er will Pris zurückhaben, koste es, was es wolle.

Der Höhepunkt des Romans ist eine ausgezeichnet realisierte Szene in der Bar eines Konzerthauses, wo ein farbiger Bluessänger auftritt. Der Gag bei dieser Auseinandersetzung besteht darin, dass Louis zwar Lincoln auf seiner Seite hat, aber Barrows das Simulacrum von Lincolns Mörder John Wilkes Booth mitbringt! Dieses Patt der Drohungen wird erst durch Pris’ Eingreifen aufgelöst.

Danach schwenkt die Handlung des Romans – wie in mehreren Büchern aus dieser Zeit nach 1962 – um und wendet sich der psychologischen Auseinandersetzung zwischen der – schizophren eingebildeten – Pris und Louis zu, der in eine staatliche Heilanstalt eingewiesen wird. Dort hofft er, von seiner Obsession geheilt zu werden. Doch stattdessen findet er die reale Pris ebenfalls in der Anstalt (sie war schon früher dort). Wieder kommt es zu einem Aufkeimen von Hoffnung, Pris endlich zu gewinnen. Doch so, wie wir sie kennen gelernt haben, ahnen wir bereits, dass sie Louis auch diesmal im Stich lassen wird.

Nach dem zu urteilen, was ich in den diversen Sachbüchern über dieses Buch und den Autor im Jahr 1961/62, als es entstand, gelesen habe, war Dick sehr gut mit den Behandlungsmethoden von Schizophrenie vertraut. Tatsächlich ließ er seine eigene Frau Anne daraufhin untersuchen und sogar behandeln. Dass dies nicht gerade Vertrauen aufbaute, liegt auf der Hand. Aber sie enttäuschte ihn sehr, indem sie eine Abtreibung vornehmen ließ, ohne ihn zu fragen. Im Buch greift er dieses Thema auf, indem er Louis von einer Pris fantasieren lässt, die einem kleinen Jungen namens Charles das Leben geschenkt hat, worüber Louis unendlich glücklich ist. Diese Wunscherfüllung findet in Louis’ Realität allerdings keine Entsprechung, wie ich oben erwähnt habe.

Dass die Handlung nicht mehr zu den faszinierenden Simulacra zurückkehrt, hat mehrere Kritiker, die Kim Stanley Robinson in seinem Buch „Die Romane des Philip K. Dick“ aufführt, verärgert und die Leser enttäuscht. Wenn es einem ebenso ergeht, so sollte man einfach zu demjenigen Roman Dicks greifen, in dem es fast ausschließlich um diese Automaten geht – natürlich zu „Simulacra“, das nur ein Jahr später geschrieben und 1964 veröffentlicht wurde.

_Unterm Strich_

Obwohl der Roman in inhaltlicher wie künstlerischer Hinsicht Schwächen hat, so besitzt er doch eine ganz starke, überzeugende Handlungslinie, die es in kaum einem anderen Dick-Roman gibt: die zum Scheitern verurteilte Liebe Louis Rosens zu Pris Frauenzimmer (die sich nach ihrem Weggang „Pristine Womankind“ nennt). Louis ist 33, während Pris erst 18 und damit nach dem (fiktionalen) Gesetz noch minderjährig ist. Das ist eine also heikle Sache. Aber diese einseitige Liebesbeziehung wird so realistisch und anrührend geschildert, dass sie keinen Leser kalt lässt. Diese emotionale Ehrlichkeit und Stärke habe ich erst wieder in dem Roman „Valis“ wiedergefunden (aber das ist rein subjektiv) und am Ende von „Eine andere Welt“.

Das SF-Element der künstlichen Menschen, die menschlicher sind als ihre Schöpfer, findet nicht nur hier eine ironische Behandlung, sondern natürlich in vielen weiteren Romanen Dicks, so etwa in „Simulacra“ und in dem allseits bekannten Roman „Blade Runner“.

|Originaltitel: We can build you, 1972
160 Seiten
Aus dem US-Englischen von Tony Westermayr|

Dick, Philip K. – Blade Runner

_Typisch Dick: Humor, Philosophie und Action_

Los Angeles, ca. 2020: Blade Runner, Sondereinheiten der Polizei, jagen in den dunklen Straßenschluchten der Mega-Städte nach entflohenen Androiden. Rick Deckard ist einer dieser speziell ausgebildeten Prämienjäger. Mit allen Mitteln versucht er, die Unterwanderung der Menschheit durch die Androiden zu stoppen. Aber ist Deckard selbst ein Mensch? (Verlagsinfo)

|Der Autor|

Philip Kindred Dick (1928-1982) wurde am 16.12.1928 in Chicago geboren. Im Alter von 12 Jahren schrieb er bereits kleinere Gedichte und Kurzgeschichten, mit 14 seinen ersten Roman „Return to Liliput“. Gerade 18 Jahre alt, verließ er sein Elternhaus und begann 1949 an der Universität Berkeley ein Germanistik- und Philosophiestudium. Doch schon bald wurde er von der Uni zwangsexmatrikuliert: Dick hatte Kontakte zur Kommunistischen Partei und wurde vom FBI beobachtet.

Er beschloss als freier Autor zu arbeiten: 1952 verkaufte er die erste Kurzgeschichte, 1955 erschien sein erster Roman „Solar Lottery“. Dick wurde in der Science-Fiction-Szene schnell bekannt und gewann 1963 mit „The Man in the high castle“ (deutscher Titel: „Das Orakel vom Berge“) den Hugo Gernsback Award. Am 2. März 1982, im Alter von 54 Jahren, starb Dick an Herzversagen. (Verlagsinfo)

|Die Sprecher|

Udo Wachtveitl, geboren 1958, spielte jahrelang an deutschen Theaterbühnen, bevor er 1979 für den Film entdeckt wurde. Seit 1991 ist Wachveitl als Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr Ermittler im BR-„Tatort“. Im Jahr 2000 gab er sein Debüt als Fernsehautor und -regisseur mit „Silberdisteln“ sowie in der Gaunerkomödie „Krieger und Liebhaber“. Sein neuestes Drehbuch „Gute Feen“ wird mit ihm selbst in der Hauptrolle im Sommer 2005 gedreht. Wachveitl spricht die Rolle des Deckard.

Sophie von Kessel, geboren 1968, ist die Androidin Rachael in „Blade Runner“. Die Diplomatentochter kam ganz schön herum, bevor sie von 1988 bis 1992 in Wien zur Schauspielerin ausgebildet wurde. 1997 bis 2002 war sie Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele, in den letzten Jahren hat sie sich vermehrt ihrer Arbeit für Film und Fernsehen gewidmet. Für den |Hörverlag| las sie bereits Zeruya Shalevs Roman „Liebesleben“ und wirkte an der Produktion von Manns „Zauberberg“ sowie Galsworthys „Die Forsyte-Saga“ mit.

|Die Inszenierung|

Das Hörspiel wurde 1999 vom Bayerischen Rundfunk (BR) inszeniert und erschien noch im gleichen Jahr erstmals im |Hörverlag|. Es handelt sich also um eine Wiederveröffentlichung. Die Musik stammt von Thomas Bogenberger, um Ton und Technik kümmerten sich W. Hauer und D. Röder, Regie führte Marina Dietz, die auch die Hörspielfassung erarbeitete.

_Handlung_

Die Handlung verfügt über zwei Stränge, und das kann ein wenig verwirren.

Natürlich ist da zum einen Rick Deckard, der Prämienjäger. Aber da gibt es auch John Isidore, der ihm Film wohl am ehesten der Figur „John Sebastian“, gespielt von William H. Macy, entspricht. Isidore ist ein freundlicher, aber geistig „langsamer“ junger Mann vom „B-Typ“, der als frommer Anhänger der Staatsreligion des Mercerismus ein Herz für alles „biologische Leben“ hat. In diese Kategorie fallen Androiden aber nicht, und so bekommt Isidore ein kleines moralisches Problem, als die Androidin Priss in seinem Haus auftaucht. (Der Mercerismus liefert die rechtliche Begründung für die Verfolgung künstlichen Lebens, also der Androiden.)

Priss gehört zu fünf Androiden der neuesten Generation: Nexus 5. Sie wurde auf dem Mars als Dienerin für die Kolonisten eingesetzt, doch diese Ausbeutung gefiel ihr ebenso wenig wie den vier anderen Androiden (sie werden an keiner Stelle „Replikanten“ genannt). Und so flohen sie, Roy, Polokov und andere auf die Erde, um sich dort zu verstecken.

Da es einen Unfall mit einem Androiden gegeben hat, ist bei der Polizei ein Mann ausgefallen, und deshalb bittet Inspektor Bryant den Prämienjäger Rick Deckard einzuspringen. Deckard und seine Frau Irene sind zu arm, um sich ein lebendiges Schaf auf dem Dach zu leisten. Das wäre ein tolles Statussymbol, denn alle echten Tiere sind wegen Verstrahlung nach dem Atomkrieg „World War Terminus“ ausgestorben und nur elektrische oder gezüchtete Tiere „überleben“ noch. Der Mercerismus schreibt aber die Liebe zum Leben vor. Ein richtiges Schaf wäre das höchste der Gefühle für die Deckards. Das elektrische heißt übrigens „Groucho“.

Um den Unterschied zwischen einem Menschen und einem Androiden vom Typ Nexus 5 feststellen zu können, misst Deckard mit einer Fragenliste die Reaktionsverzögerung. Das Ergebnis ist nicht hundertprozentig sicher, denn auch „langsame“ Menschen wie Isidore weisen die Verzögerung auf, aber alle Fragen involvieren irgendwelche Tiere. Um Deckard zu zeigen, dass er seinen Test wegschmeißen kann, lädt ihn der Androidenhersteller Eldon Rosen zu einem kleinen Test ein: Er soll Rosens „Nichte“ Rachael dem Voight-Test unterziehen. Sie beantwortet alle Fragen richtig und ist als Mensch beinahe schon bestätigt, da trickst Deckard sie mit einer Bemerkung, dass seine Tasche aus Babyhaut sei, aus: Sie reagiert nicht. Und ist überrascht darüber: Sie weiß nicht, dass sie kein Mensch ist, weil Rosen ihr falsche Erinnerungen eingepflanzt hat.

Doch inzwischen haben die Nexus 5 die Behörden unterwandert. Dem „russischen Kollegen“ Shando Kadaly kann Deckard durch einen Zufall entkommen und ihn ausschalten, doch dann wird er von zwei „Polizisten“ abgeholt, von deren Behörde er noch nie gehört hat. Es sind beides Androiden. Sie haben noch nicht einmal vom Voight-Test gehört, sondern haben einen eigenen, von Bonelli. Doch einer der beiden weiß nicht einmal, dass er ein Android ist, weil man ihm ebenfalls falsche Erinnerungen eingepflanzt hat. Auch diesmal springt Deckard dem Teufel noch einmal von der Schippe, aber er wird nun selbst auf Menschlichkeit getestet (eine Knochenmarksprüfung).

Unterdessen ist Isidore ein richtig guter Freund von Priss geworden und will die Ärmste sogar mit einer Waffe beschützen. Ein Großteil der Menschheit ist zu anderen, unverseuchten Welten ausgewandert. Und so stehen riesige Apartmentblöcke leer, und Isidore ist froh über eine Nachbarin, auch wenn sie ein wenig traurig erscheint.

Da trifft Roy als letzter und einziger Überlebender der Nexus 5 ein. Er installiert ein Frühwarnsystem, das ihn vor dem Prämienjäger Deckard schützen soll. Es reagiert nur auf Menschen. Bei Isidore schlägt es sofort an, bei Priss aber nicht, und so erkennt Isidore, mit wem er es zu tun hat. Er will den Nexus 5 trotzdem helfen, denn sie sind, wie er, „Andere“. Roy ist unbarmherzig und erklärt ihm, dass der Mercerismus ein aufgelegter Schwindel sei, den sich ein Werbepsychologe hat einfallen lassen. Isidore prüft diese Angaben nach und erhält von dem Computer Wilbur Mercers eine niederschmetternde Antwort …

Inzwischen hat Deckard die letzten Nexus 5 ausfindig gemacht und soll sie eigentlich eliminieren. Doch er hat sich auf eine erotische Nacht mit der Nexus 5 Rachael eingelassen und statt sie anschließend zu erschießen, wie es seine Pflicht wäre, lässt er sie am „Leben“. Dass er selbst ebenfalls ein Android ist, weiß er noch nicht, sein Auftraggeber aber schon.

Es kommt zum Showdown mit Priss und Roy, der aber ganz anders verläuft als im Film. Dass es überhaupt eine Auseinandersetzung mit Roy gegeben hat, erfahren wir später nur durch einen Nebensatz von Isidore. Das ist eine herbe Enttäuschung.

_Mein Eindruck_

Die Buchvorlage ist sicherlich nicht Dicks bester oder genialster Roman. Der stets in Geldnot steckende Autor hat ja sehr viel veröffentlicht, manchmal sogar aneinandergereihte Kurzgeschichten, und das Buch wurde sicherlich ebenfalls in sehr kurzer Zeit produziert. Aber das Buch, auf das sich das Hörspiel stützt, ist immer noch besser als der Film. Während der Film auf die Actionelemente abhebt und die Philosophie nur an der Oberfläche kratzt (wenn auch sehr stimmungsvoll), schürft der Roman wesentlich tiefer und ist wenigstens humorvoll. Das wird im Hörspiel keineswegs unterschlagen.

Die Handlung kreist um das Wesen des Menschseins. In Deckards Figur sind tiefgründige Zweifel an der einfachen Formel „Künstlichkeit = Unmenschlichkeit und Gefühllosigkeit“ personifiziert. Das von Zerfall geprägte Szenario stellt die Frage nach der Natur der Realität. Düster ist auch die These des Autors, dass wer handelt, unweigerlich auch Schuld auf sich lädt.

|Offene Fragen|

Aber das Hörspiel lässt eine ganze Menge Fragen offen. Nicht nur wundert man sich, dass Roys Tod, der im Film in einer langen Sequenz zu einer Apotheose der Humanität emporstilisiert wird, mit einem Nebensatz abgetan wird („Roy hatte keine Waffe“). Nein, auch die Behauptung Rachaels, dass der Rosen-Konzern die Vernichtung der Nexus 5 verhindern will, um sie zu studieren und somit den Nexus 6 zu erschaffen, ergibt wenig Sinn: Denn sie ist ja selbst ein Nexus 5, kann also ausgiebig zu Experimenten herangezogen werden – zumal da sie ja als Androidin Eigentum des Konzerns ist.

Außerdem kommt ständig eine rätselhafte Eule vor, die für Isidore lebendig ist (aber er kann ja eh nicht zwischen lebendig und künstlich unterscheiden, wie die erste Szene verdeutlicht), doch Deckard bekommt laufend bestätigt, dass Eulen genauso wie alle anderen Tiere komplett ausgestorben sind, weil die Strahlung sie tötete. Die Eule ist ein Dingsymbol für biologisches Leben, für Hoffnung und Freiheit – alles sehr wichtige und erstrebenswerte Werte für Androiden. Und Symbole müssen nicht restlos erklärt werden, im Gegenteil.

|Sexy Rachael|

Warum wird Rachael vom Rosen-Konzern für Sex mit Menschen, Prämienjägern zumal, eingesetzt? Damit diese menschliche Sympathie für Androiden wie sie empfinden (Nexus 5 sind laut Bryant sehr attraktiv) und somit unfähig werden, Androiden zu töten. Nur gibt es dabei einen Haken: Es gibt nicht nur einen Androiden, der so sexy aussieht wie Rachael, sondern mindestens einen weiteren. Und das stört Deckard ganz erheblich.

Und überhaupt, die Frage aller Fragen: Träumen Androiden? Diese Frage liegt auf der gleichen Ebene wie das Problem, dass Deckard Sympathie für Androiden fühlt – er kann also kein Android sein, oder? Aber was ist er dann? Bryant sagt es ihm nicht, aber er und wir wissen, dass Deckard ein Android ist. Was folgt daraus? Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen träumenden Menschen und fühlenden Androiden. Der Nexus 6 ist überflüssig.

|Die Sprecher|

Die Sprecher sind allesamt kompetent, aber ihre Sätze entbehren allzu oft der Kraft, ein Gefühl, eine Stimmung auszudrücken. Mit Ausnahme von Sophie von Kessel scheint dies den Sprecherinnen am besten zu gelingen, am ehesten von „Lena Luft“ (Nexus 5) und „Irene Deckard“ (Menschin?). Sophie von Kessels Vortrag gefällt mir überhaupt nicht: Ihre Stimme ist zu tief, klingt überhaupt nicht erotisch, und als sie Deckard fragt, ob er mit ihr schlafen will, könnte sie genauso gut nach einem Bahnticket fragen. Sehr gut gefielen mir Wachtveitl (Deckard) und Mendl (Bryant). Beide sind gelernte Bühnenschauspieler, wissen mit begrenzten Mitteln das Maximum auszudrücken. Leider wird Mendl im Booklet nicht gesondert hervorgehoben.

|Geräusche und Musik|

Das Tempo der Handlung ist sehr straff – zu straff für meinen Geschmack. Wann wird es endlich mal eine vollständige Lesung des Romans geben?! Der Lautstärkepegel ist leider viel zu leise eingestellt (oder ich habe einen ernsten Hörschaden). Die Geräusche sind völlig in Ordnung und erzeugen eine tragfähige Illusion von Realismus: Polizeisirenen, Hubschrauber (in Stereo), Alarmanlage, Laserschüsse, elektrische Entladungen, Durchsagen, TV-Sendungen, Wettermeldungen – all diese Elemente einer Welt-Kulisse entführen den Zuhörer in einen akustischen Film.

Die Musik von Thomas Bogenberger plätschert sehr dezent im Hintergrund der jeweiligen Szene. Mit ihrem Rhythmus wirkt sie entweder entspannend oder dynamisch und angespannt. Nur einmal dröhnt die Musik aus dem „Radio“, wobei ein rockiger Rhythmus zur Geltung kommt. Das hat eine dramaturgische Funktion, die man selbst hören sollte.

_Unterm Strich_

Obwohl alle Mitwirkenden sich redlich bemüht haben, eine professionelle Produktion auf die Beine zu stellen, so fehlt doch das letzte Quäntchen, um den Zuhörer für die Darstellung zu begeistern. Das liegt sicher zum Teil daran, dass das Hörspiel immer an Buch und Kultfilm gemessen werden wird.

Zum Teil liegt es aber auch an der Dramaturgie und an Sophie von Kessels Stimme – mir gefiel sie nicht und ich fand sie unpassend für die Rolle der Rachael: ein 19-jähriges Mädel, das einen Prämienjäger um den Finger wickelt? Nicht undenkbar, aber etwas stimmt hierfür nicht in Kessels Darstellung. Bei ihr klingt Rachael, als wäre sie schon 35 und hätte Prämienjäger reihenweise flachgelegt.

Höchste Zeit für eine ungekürzte Lesung des Originalromans. Es würde sich nämlich lohnen.

|Originaltitel: Do androids dream of electric sheep?, 1968
Aus dem Amerikanischen von Norbert Wölfl, überarbeit von Jacqueline Dougoud
53 Minuten auf 1 CD|

Dick, Philip K. – galaktische Topfheiler, Der

_Hey Joe: Heb die Kathedrale!_

Joe Fernwright ist einer der talentiertesten Topfheiler der Erde. Doch leider gibt es kaum mehr Keramikware, die man ihm zum Reparieren überlässt. Bis ihn eines Tages der Glimmung, ein sonderbares, gottähnliches Wesen von einem Planeten der Sonne Sirius, mit einem ganz speziellen Auftrag betraut: Zusammen mit einem Team ähnlicher Talente soll er eine Kathedrale vom Meeresgrund holen und restaurieren, das Relikt einer untergangenen Kultur: Heldscalla.

Doch bevor es dazu kommen kann, muss Joe zahlreiche Hindernisse überwinden und es mit Glimmungs Gegenspielern, den Kalenden, aufnehmen. Sie sagen die Zukunft voraus, und die sieht gar nicht gut aus für Joe.

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er fast 30 Jahre lang veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als [„Eine andere Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198 bei |Heyne|) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon.

Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967. Ab 1977 erlebte er einen ungeheuren Kreativitätsschub, der sich in der VALIS-Trilogie (1981, dt. bei |Heyne|) sowie umfangreichen Notizen (deutsch als „Auf der Suche nach VALIS“ in der Edition Phantasia) niederschlug.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu [„Blade Runner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=197 umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat. Ben Affleck spielte in einem Thriller namens „Paycheck“ die Hauptfigur, der auf einer gleichnamigen Dick-Story beruht. Als nächste Verfilmung kommt „A scanner darkly“ (Der dunkle Schirm) in unsere Kinos, möglicherweise noch in diesem Jahr.

_Handlung_

Joe Fernwright lebt im Cleveland des Jahres 2046 mehr schlecht als recht. Die Gesellschaft ist durchbürokratisiert und automatisiert, der Staat sorgt für alles: amerikanischer Kommunismus, wie er nicht im Buche steht. Dieser Staat jedoch, fühlt Joe täglich, ist darauf aus, seine Bürger zu demütigen. Einmal geht Joe zu langsam, weil unmotiviert, und wird prompt von einem Polizisten angeschnauzt, gefälligst schneller zu gehen, wie alle anderen auch. Seine Ex-Frau, von der er seit Jahren geschieden, ist ihm auch keine große Hilfe.

Joe hat den Job seines Vaters übernommen: Topfheiler. Doch die Aufträge lassen seit Monaten auf sich warten, dabei lief es nach dem letzten Krieg doch recht gut – Joe konnte viel kaputt gegangenes Porzellan reparieren. Auf die Idee, selbst Töpfe und dergleichen zu produzieren, ist Joe jedoch noch nicht gekommen. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Er führt auf eine andere Welt.

Eines Tages erhält Joe per Rohrpost rätselhafte Anfragen. Jemand möchte ihn als Topfheiler engagieren und wäre bereit, ihm 35.000 Crumbles dafür zu zahlen. Nachdem er sich durch die Bürokratie hat gehörig demütigen lassen, stellt sich heraus, dass 35.000 Crumbles so viel in amerikanischem Geld wären, dass sie das Finanzsystem zusammenbrechen lassen würden. Kein Wunder, dass schon Minuten nach dieser Nachricht die Staatspolizei bei ihm auf der Matte steht! Selbstverständlich werden alle Telefongespräche abgehört. Für seine paar gehorteten Dollars aus alten Zeiten interessiert sich die Polizei weniger.

Allmählich geht es Joe auf, dass Werte ziemlich relativ sein können. Aber wem ist sein Knowhow so viel Geld wert? Es ist ein Wesen namens Glimmung, das auf dem Planeten Plowman im System Sirius lebt. Glimmung ist, wie Joe bald feststellt, ein halb göttliches, halb außerirdisches Wesen, dessen wahre Gestalt und Absicht er erst auf Plowman herausfindet. Glimmung schickt seine Botschaften beispielsweise auf alten Grammophonplatten, in der Toilettenspülung und vielen anderen Kanälen. Zudem wechselt er ständig die Erscheinungsform.

Auf dem erstbesten Raumschiff Richtung Plowman trifft er eine ganze Reihe anderer Handwerker und Spezialisten. Am faszinierendsten ist eine dunkelhaarige junge Frau namens Mali Yojez, die nicht von Terra stammt. Sie ist mit einem kritischen, aber keineswegs demütigenden Verstand ausgestattet und wird noch eine wichtige Rolle in Joes Leben spielen.

Bald ist klar, worin die Mission besteht: Glimmung will eine versunkene antike Kathedrale heben und die entsprechende Religion wieder zum Leben erwecken. Um die Kathedrale zu heben und zu restaurieren, sind Experten wie ein Telekinet, die Taucherin Mali und der Topfheiler Joe nötig. Doch wird Glimmung auch zahlen? Diesem extraterrestrischen „Faust“ traut man nicht. Die Handwerker bilden vorsichtshalber eine Gewerkschaft.

Kaum sind sie am Raumhafen von Plowman eingetroffen, beginnen die Schwierigkeiten. Ein seltsames Buch prophezeit, dass Joe den Glimmung töten werde. Und zu Joes Überraschung gibt es a) zwei Glimmungs und b) auch zwei Kathedralen. Aber welche/r ist jeweils der oder die richtige?

_Mein Eindruck_

Dieses Buch repräsentiert laut Verlag erstmals die ungekürzte und vollständig überarbeitete Fassung des Romans von anno 1969, der früher den biederen Titel „Joe von der Milchstraße“ trug. Der Roman basiert auf dem 1966 geschriebenen Kinderbuch „The Glimmung of Plowman’s Planet“ (deutsch bei Edition Phantasia, Bellheim). Die Vorlage wurde 1968 grundlegend überarbeitet und ausgeweitet, so dass praktisch nur das Konzept des Kollektivwesens, zu dem Glimmung und seine Handwerker werden, übernommen wurde.

Die scheinbar banal erscheinende Handlung hat es dennoch „Faust-Dick“ in sich. Der Ozean, an dessen Grund die Kathedralen im Modder versinken, beherrscht den Planeten Plowman wie eine riesige Kraft, die alles in sich hineinzieht und in Chaos versinken lässt. Der Endzustand ist abzusehen: Entropie, der Ausgleich aller Unterschiede, der Stillstand aller Prozesse. Es ist ziemlich unübersehbar, dass die Wasserwelt Plowman viel Ähnlichkeit mit unserem eigenen Universum besitzt.

Und nun kommt dieser Glimmung daher und will ein antikes Artefakt ans Tageslicht heben. Wird dieser prometheische oder faustische Akt den Niedergang in die Entropie aufhalten können? |“Dort unten“|, erklärt ein ziemlich melancholischer Roboter (nein, er heißt nicht „Marvin“!) dem Topfheiler, |“ist der Verfall die einzige Kraft, die existiert. Aber hier oben – wenn die Kathedrale gehoben ist – wird es Kräfte geben, die nicht der Zerstörung, dem Verfall dienen, sondern entgegengesetzt wirken. Kräfte des Bejahens und des Wiederrichtens, Kräfte des Auftauens und des Schaffens sind, wie in Ihrem Fall, Kräfte des Heilens. Darum werden Sie so sehr gebraucht. Sie und die anderen werden durch Ihre Arbeit, durch Ihre Fähigkeiten dem Prozess der Zerstörung Einhalt gebieten.“|

Doch die Hoffnung, die Joe wie einst König Sisyphos im Angesicht des Verfalls und des unausweichlichen Nichts trotzig hoffen lässt, ist sinnlos, wenn sie alleine steht (im „idios kosmos“). Deshalb liefert die Chance, in das Kollektivwesen des Glimmungs aufgenommen zu werden, eine Chance, eine gemeinsame Erfahrungswelt (koinos kosmos) erschließen zu können, die von mehreren Wesen – nicht nur Menschen – gemeinsam wahrgenommen wird. |“Wir hörten auf, zum Scheitern verurteilte Individuen zu sein.“|

Und doch lehnt Joe diese Existenzform nach vollbrachtem Werk schließlich ab. Er verlässt das Kollektivwesen. Täte er das nicht, verlöre er sein Ich, seine kritische Distanz, die ihn zu dem macht, was er ist und fühlt und denkt. Er existiert in beständigem, angespanntem Konflikt mit dem Universum und in dem Bewusstsein, das daraus resultiert.

Endlich ist Joe auch in der Lage, eigenständig Töpfe zu formen, fachmännisch zu dekorieren und zu brennen – und das Ergebnis mit Kennerblick zu beurteilen: „Der Topf war scheußlich.“ Dies kann nur jemand sagen, der sich des Wertes der eigenen Arbeit mit kritischem Blick bewusst geworden ist. Doch Joe gibt bestimmt nicht auf, er wird weitere Töpfe fertigen und so Erfüllung finden. Denn endlich hat er etwas ganz Wesentliches gefunden: die Liebe zu Mali und eine Zukunft für sich selbst.

In diesem Erfolg und dieser Zuversicht hat Joe Fernwright viele Dinge den anderen gebrochenen Helden von Philip K. Dick voraus, so etwa Jack Bohlen aus „Marsianischer Zeitsturz“ oder Joe Chip aus [„Ubik“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=652 Der Schluss ist versöhnlich und somit ein Hinweis darauf, dass Dick seine zweite Schaffensphase, Mitte/Ende der 1960er, bald abschließen würde.

Es sollte aber noch ein fürchterlicher Roman folgen: [„Irrgarten des Todes“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1428 (1968/70), der ebenfalls in der Heyne’schen Dick-Edition erschienen ist. Darin finden fast alle Protagonisten den Tod – nur um in der nächsten Simulation zu erwachen und zu sterben – und in noch einer und noch einer …

|Meine Leseerfahrung|

Zunächst liest sich der „Topfheiler“ wie ein beschwingte Parodie oder gar Satire auf sämtliche Utopien des sozialistischen Gemeinwesens, doch lässt sich unterschwellig ein gewisses Grauen vor dieser Existenzform nicht verhehlen. Charakteristisch ist beispielsweise das „Spiel“. Dabei tauscht Joe mit seinen Spielpartnern irgendwo auf der Welt absurde Übersetzungen aus, die ein japanischer Computer von englischen Vorlagen angefertigt hat. Aus dem absurden Ergebnis muss man das Original erraten. Niemand kann gewinnen und höchstens in der Platzierung nach Punkten aufsteigen, aber dafür gibt es keinen Blumentopf zu gewinnen. Hier hat Dick eine teils komische, teils traurige Variante von sinnlosen Spielen geschaffen, wie sie bei ihm des Öfteren vorkommen, z. B. in „Solar Lottery“.

Als der Ruf des Glimmung Joe erreicht, kommt ihm daher dieses Spiel reichlich dämlich vor. Endlich kann er wieder hoffen. Und ist das Heben einer Kathedrale nicht ein hehres Unterfangen? Heldscalla heißt sie, welch ein glorreicher Name! Könnte glatt aus dem „Beowulf“ stammen. Doch so heroisch wird’s dann auf Plowman doch nicht. Im Gegenteil: Joe könnte glatt zum Negativhelden werden, wenn er den Gott Glimmung tötet, wie man ihm prophezeit.

Da erweist sich Joes Yankee-Pragmatismus als die bessere Hälfte der Weisheit: Er schaut erst mal nach, was Sache ist. Seine Starrköpfigkeit treibt Mali schier zur Verzweiflung. Sie, die rationale Frau, kann nicht verstehen, dass Joe wider besseres Wissen, gegen jede Wahrscheinlichkeit an diesem offensichtlich sinnlosen Unterfangen festhält. Doch als der falsche, der schwarze Glimmung Malis Raumschiff angreift, kann er sie genau deshalb rechtzeitig warnen. Niemand sonst als Joe hätte wohl auf die seltsamen Flaschenpostbotschaften des „guten“ Glimmung geachtet oder vertraut. Joes Glaube an Glimmung rettet die gesamte Mission.

_Unterm Strich_

Im Vergleich zu den schwierigen Romanen wie „Ubik“ oder „Irrgarten des Todes“ ist „Der galaktische Topfheiler“ ein täuschend leichtfüßiges Garn. Das verwundert aber nicht, wenn man weiß, dass das Buch aus einem Kinderbuch heraus entstanden ist. Dementsprechend leicht ist das Buch zu lesen, doch man wird in der zweiten Hälfte auf recht philosophische Dialoge stoßen, die es durchaus ernst zu nehmen gilt, sonst erscheint der Rest entweder sinnlos oder verspielt. Von der vordergründig heiteren, aber hintergründig ernsten Stimmung her gleicht der Roman Dicks erstem Hardcover-Roman [„Zeit aus den Fugen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=199 (ca. 1958), doch ebenso wenig wie dieser ist Joes Geschichte ein Fliegengewicht.

Für den Einstieg in Dicks Werk ist „Der galaktische Topfheiler“ nur bedingt geeignet, weil es in seiner heiteren Tonart relativ untypisch ist. Dafür seien schon eher „Zeit aus den Fugen“, „Das Orakel vom Berge“ und „Marsianischer Zeitsturz“ empfohlen. Wer ein paar harte Nüsse knacken will, greife zu „Ubik“, „Der dunkle Schirm“ (Verfilmung mit Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson, Winona Ryder; produziert u.a. von George Clooney und Steven Soderbergh) und vor allem zur VALIS-Trilogie.

|Originaltitel: Galactic pot-healer, 1969
Aus dem US-Englischen übersetzt von Joachim Pente, überarbeitet von Alexander Martin|

|Philip K. Dick bei Buchwurm.info:|
[Blade Runner]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=197
[Die besten Stories von Philip K. Dick]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=203
[Eine andere Welt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=198
[Erinnerungsmechanismus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=824
[Irrgarten des Todes]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1428
[Minority Report]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=142
[Nach der Bombe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=868
[Paycheck – Die Abrechnung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=211
[Ubik]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=652
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[Zeit aus den Fugen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=199

Reynolds, Alastair – Unendlichkeit

Endlose Enthüllungen

Vor Millionen von Jahren ereignete sich in den Tiefen des Alls eine Katastrophe, die das Volk der Amarantin auslöschte, kurz bevor es die Fähigkeit zur Raumfahrt entwickelte. War es ein kosmischer Zufall? Oder sollten die Amarantin daran gehindert werden, zu den Sternen aufzubrechen? Bei Ausgrabungen stoßen Wissenschaftler auf die uralten Artefakte dieses außerirdischen Volkes. Nun wollen sie die Wahrheit über den Untergang der Amarantin erfahren – doch sie ahnen nicht, welch übermächtigem Gegner sie sich in den Weg stellen. (Verlagsinfo)

„Unendlichkeit“ – Space-Opera vom Feinsten, dachte ich gleich. Und es geht auch richtig gut und flott los: auf fremden Welten, mit Alien-Artefakten. Aber dann wurde die Welt, in der Handlung spielt, immer komplexer, je mehr Personal hinzukam und je mehr Details ich mir merken musste. Ich dachte, das könne nur besser werden. Aber als schließlich alle Hauptpersonen aufeinander trafen, wurde es richtig schwierig …

Drei Handlungsstränge führen aufeinander zu und bilden einen Knoten. Diese Stränge liegen zunächst jeweils mehrere Jahre auseinander, denn interstellare Reisen erfordern eine Menge Zeit. Bei der Inbezugsetzung der Stränge ist mithin Zeit ein wichtiger Faktor. Glücklicherweise sind alle Kapitel mit Jahreszahlen versehen: Wir schreiben die Mitte des 26. Jahrhunderts.

Handlung

Der Archäologe

Dan Sylveste ist ein besessener Archäologe und stößt auf dem kolonisierten Planeten Resurgam (lateinisch für „ich werde wieder auferstehen“) im System Delta Pavonis auf die Hinterlassenschaft einer außerirdischen Zivilisation: zunächst auf einen beschrifteten Obelisken, Jahre später dann auf eine verschüttete Stadt und die Statue eines geflügelten |Amarantin|. Das ist insofern ungewöhnlich, da die Überreste der Amarantin allesamt flügellos waren.

Sylveste will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und koste es sein Leben oder das anderer. Mit einer Gruppe Kyborgs und leistungsfähigen Waffen macht er sich an die Arbeit, wird allerdings bald von einem politischen Umschwung auf Resurgam gestoppt. Er verbringt rund zehn Jahre im Gefängnis, als eine Art Internierter.

Auch sein Vater Calvin, der ein Dasein als Software und Holoprojektion fristet, kann ihm ein paar Hinweise geben, wer Dan am Weitermachen hindert: entweder eine alte menschliche Intelligenz oder eine außerirdische Macht. Hat diese verborgene Macht die blühende Astronomen-Kultur der Amarantin vor einer Million Jahren vernichtet? Gibt es vielleicht doch noch Amarantin?

Die Assassine

Ana Khouri ist eine Auftragskillerin in Chasm City im System Epsilon Eridani (Planet: Yellowstone). Ihr Agent K. C. Ng verschafft ihr Aufträge, um reiche Bürger aus dieser Stadt am Abgrund zu töten. Die Opfer haben die Morde selbst in Auftrag gegeben; danach werden sie wiederbelebt – es ist eben ein besonderer Kick, ermordet zu werden.

Doch bei ihrem neuesten Auftrag gerät Ana in eine Art Hinterhalt: Eine hochgestellte Persönlichkeit namens ‚Mademoiselle‘ eröffnet Ana, dass sie hierhergelotst worden war, um in Mademoiselles Dienste zu treten. Aber warum sollte Ana das tun? Weil sonst Anas Mann, der sich in Mademoiselles Obhut im Kälteschlaf befindet, ein abruptes Ende fände – sehr überzeugend. Anas nächstes Opfer befindet sich im System Episilon Eridani und weiß nichts von ihrem Auftrag: ein Mann namens Dan Sylveste. Mademoiselle wird als Implantat in Anas Gehirn mitreisen.

Die Ultra-Händlerin

Ilia Volyova ist Mitglied eines Triumvirats von interstellaren Händlern, „Ultras“, die das gigantische Lichtschiff „Sehnsucht nach Unendlichkeit“ kommandieren. Die „Sehnsucht“, die beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichen kann, befindet sich auf dem Flug zum Planeten Yellowstone. Kapitän Brannigan liegt als Opfer einer bioelektronischen Seuche im Tiefkühlschlaf und kann Volyova leider nur wenig Auskunft darüber geben, was an Bord schief läuft. Doch der Name „Sylveste“ fällt.

Ilias Problem: Soeben musste sie ihren Waffenoffizier Boris Nagorny in eine lebensgefährliche Lage bringen, in der er auch prompt umkam. Er war durchgedreht, denn er sah sich von einem kybernetischen Virus namens „Sonnendieb“ verfolgt, der Nagornys Implantate infiziert hatte.

Kann Sylveste ihr verraten, was |Sonnendieb| wirklich ist? Nun braucht Volyova einen neuen Waffenoffizier und der ist, wie sich zeigt, Ana Khouri. Die Frage ist: In wessen Auftrag fliegt das offenbar schwer bewaffnete Lichtschiff nach Resurgam? Und was ist der wirkliche Zweck des Flugs?

Querverbindungen

Aus drei Strängen werden schnell zwei (Khouri + Ultras), und sobald die Ultras Dan Sylveste auf Resurgam geschnappt haben, wird daraus einer.

Um das sich nun daraus entfaltende Drama ein wenig zu verstehen, muss man noch ein paar ‚Querverbindungen‘ beachten. Keine Angst: Ich werde keine genauen Details verraten, wie es weitergeht. Der Autor lässt auf seine kunstvolle Art nur so viele Informationen heraus, dass die Spannung bis zur letzten Seite erhalten bleibt. Doch in der Personalliste zu Beginn des Buchs macht er paar wichtige Andeutungen.

Hinter ‚Mademoiselle‘ verbirgt sich die Astronautin Carine Lefevre. Sie ist eine alte Bekannte Dan Sylvestes: Zusammen erkundeten die beiden 200 Jahre zuvor den lebensgefährlichen Lascaille-Schleier, in dem sich eine Alien-Intelligenz (Amarantin, Sonnendieb – wer weiß?) verbirgt, die allgemein als „die Schleierweber“ bekannt ist. Doch Carine kam in den Schleiern um, jedenfalls nach Angaben des von Ultras geretteten Dan.

Mit Hilfe von Ana Khouri versucht ‚Mademoiselle‘ Carine, Dan am Betreten des Hades-Systems im Jahr 2566 zu hindern. Hades, ein dunkler Neutronenstern, ist die erloschene Nachbarsonne von Resurgams Sonne Delta Pavonis. Hades wird umkreist von einem Planeten namens Cerberus, der sich jedoch als hohle Welt mit Eigenschaften einer gigantischen Maschine herausstellt. (Zerberus war der Sage nach der dreiköpfige Hund, der das Tor zum Hades, der Unterwelt, bewachte.) Doch der Computervirus |Sonnendieb|, von den Amarantin-Schleierwebern geschickt, lockt Dan genau dorthin.

Hades und Cerberus sind Orte, die auf dem Obelisken der Amarantin eine besondere Bedeutung haben. In welchem Zusammenhang steht Cerberus mit dem Ereignis, das die Amarantin vor rund einer Million Jahren auslöschte?

Mein Eindruck

Der Originaltitel des Buches lautet „Revelation Space“. Das All ist der Schauplatz, und die „revelation“, die Offenbarung, ist das, was die Handlung vorantreibt – und was das Interesse des Lesers wachhält. Der Autor erzählt seine Geschichte beeindruckend geschickt. In praktisch jedem Abschnitt, in jeder Szene gibt er uns eine weitere Information, die uns die Vergangenheit enthüllt und die Motivationen der einzelnen Handelnden. Aber nie so viel, dass wir uns den Rest zusammenreimen könnten. Diese Offenbarung ist unendlich – das rechtfertigt auch den deutschen Titel.

Abgesehen von der Schwierigkeit, den Überblick über das vielfältige Personal zu behalten, so hat mich doch das Verhalten der Menschen und der Aliens fasziniert. Die meisten Leute verhalten sich recht nachvollziehbar, was ihre Motive und Reaktionen anbelangt. Allerdings werden ständig neue Lügen aufgedeckt, so dass man mit neuen Überraschungen zu rechnen hat.

Doch es gibt auch Zwitterwesen aus Mensch und Maschine, Kyborgs, zu denen vor allem die Ultras an Bord der „Sehnsucht“ zählen. Ob nun diese Kyborgs schneller reagieren oder bessere Entscheidungen treffen, ist gleichgültig, denn offensichtlich mangelt es ihnen an moralischen Grundsätzen: Sie folgen nur ihren wirtschaftlichen Interessen. Beruhigend zu wissen, dass auch diese Über-Menschen nicht allwissend sein können.

Und Maschinen, wie etwa die Raumanzüge, können durchaus menschliche Züge aufweisen; das gibt Anlass zu ironischen Aspekten. (Es fehlen nur noch philosophische Bomben, wie sie John Carpenter in „Dark Star“ zeigte.) Und dann gibt’s natürlich noch Aliens, aber leider bleiben sie die meisten Zeit obskur im Hintergrund, bis dann |Sonnendieb| auftritt. So bleibt bis zum überraschenden Schluss stets ein gewisses Geheimnis, das es zu lüften gilt.

Der Autor & sein Werk

Reynolds wird bereits mit Peter F. Hamilton und Stephen Baxter, Briten allesamt, in eine Reihe gestellt. Die Handlung umspannt Jahrhunderte und Lichtjahre, so weit, so gut. Auch die Technik ist so weit fortgeschritten, dass ein gewisser |sense of wonder| aufkommt. Und manchmal entsteht der Verdacht, dass einiges davon lediglich Gimmicks sind.

Doch leider kann Reynolds ebenso verwirrend wie Baxter in dessen „Manifold“-Romanen sein (siehe diese [Rezension.)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=389
Die letzten 250 Seiten von „Unendlichkeit“ spielen ja nur noch auf der „Sehnsucht“ und auf Cerberus. Da sollte man meinen, es wäre einfach, der Handlung zu folgen. Leider haben sich die Akteure schon wieder in drei Parteien aufgespalten – es bleibt also spannend, denn die Frauen – also Volyova, Khouri und Sylvestes Frau Pascale – wollen verhindern, dass Sylveste, sein Vater-Hologramm Calvin und Volyovas Ex-Kollege Sajaki in den Planeten eindringen.

Je fremdartiger die Innenwelt von Cerberus wurde, desto anstrengender wurde das Lesen. Es kann also nicht so sehr an Reynolds Darstellung gelegen haben, sondern wohl eher an meiner mangelnden Vorstellungskraft. Ich musste mir jedenfalls öfters eine Pause gönnen. Mehr als 50 Seiten am Stück waren schon ziemlich heftig.

Vorstellungskraft alleine reicht nämlich für das Verständnis nicht aus. Reynolds ist ja Astrophysiker und setzt einiges an astronomischem und physikalischem Wissen voraus. Hinzu kommen aber auch noch Kenntnisse in Informatik und Biotechnik, die sich als nützlich erweisen, um die Kyborgwesen zu verstehen, seien sie nun mehr menschlich oder mehr maschinell.

Auch |Sonnendieb| selbst ist ein fremdartiges Wesen, das sich aber mit Hilfe der Metapher des „Virus“ gut verstehen lässt. Dieses Virus greift allerdings über Gehirnimplantate auch das Bewusstsein des infizierten Menschen an. Das müssen unsere realen Computerviren erst noch zustande bekommen – oder lieber doch nicht.

Action

Action findet sich genug, um das Buch als Space-Opera zu qualifizieren. Nicht nur die Profi-Killerin Ana Khouri kann mit Ballermännern umgehen. Das Schiff der Ultras selbst ist bis zum Stehkragen mit Planetenzerstörern vollgestopft. Wenn sich so ein Teil dann unter |Sonnendiebs| Einfluss selbständig macht, ist das zwar erst einmal witzig (siehe „Dark Star“), aber nicht ganz ungefährlich.

Der Humor ist von der trockenen britischen Art. Wer mit den entsprechenden Redewendungen vertraut ist, wird die Idee dahinter mühelos entdecken. besonders Vater und Sohn Sylveste kabbeln sich ständig miteinander, was beispielsweise ihren zweitausend Kilometer langen Abstieg ins Innere von Cerberus kurzweilig macht.

Spannung

Reynolds hat den Bogen in Sachen Dramaturgie raus: Tempo entsteht fast von selbst, sobald sich die Handlungsfäden verknüpfen und der Showdown nähert. Dabei verzichtet Reynolds meist auf überflüssigen Ballast an Astrophysik oder Historie. Zum Glück geht dies nicht auf Kosten der Charakterzeichnung – die Akteure stehen jederzeit im Mittelpunkt, anders als bei so manchem anderen Hardcore-Autor wie etwa Bear, Brin oder Benford (die so genannten „Killer-B’s“).

Iain Banks ist das Stichwort, um den Schotten Reynolds mit seinem Landsmann Banks zu vergleichen: Beide zeigen handelnde Wesen unterschiedlichster Couleur unter den Bedingungen künftiger Raumfahrt. Allerdings tauchen Regierungen kaum bei Reynolds auf, während bei Banks die „Kultur“ eine dominierende Rolle spielt. Aber beide Autoren verleihen ihren Raumschiffen wunderschöne Namen wie etwa „Abschiedsmelancholie“ oder „Sensucht nach Unendlichkeit“.

Unterm Strich

„Unendlichkeit“ ist ein Roman für eingefleischte Science-Fiction-Leser mit Interessen – und weitreichenden Kenntnissen – in Naturwissenschaften und Informatik. Die Story selbst ist ja bereits recht interessant; sie erinnert zunächst an Jack McDevitts Archäologenroman „Gottes Maschinen“. Doch schon bald zeigt sich, dass das Panorama wesentlich größer ist und zunehmend technischere Dimensionen annimmt.

Die Übersetzung von Irene Holicki ist ausgezeichnet, wesentlich flüssiger zu lesen als etwa ihre Übertragung von Iain M. Banks Roman „Die Spur der toten Sonne“ („Excession“).

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Paperback & E-Book: 768 Seiten
Originaltitel: Revelation Space
Aus dem Englischen von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3453187870

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