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Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Navigators of DUNE. Book 3 of the Schools of Dune / Die Navigatoren des Wüstenplaneten

Das DUNE-Universum: Kampf der Navigatoren

Über Jahrtausende hat sich die Menschheit im All ausgebreitet und Planeten besiedelt. Nun, da der Krieg gegen die Maschinen gewonnen ist und ein neues Imperium gegründet wurde, hängt die Zukunft der Galaxis von den Navigatoren ab – genmanipulierten Menschen, die mithilfe des Gewürzes vom Wüstenplaneten gewaltige Raumschiffe durchs All manövrieren. (Verlagsinfo)

Hinweis: Diese Rezension beruht auf der englischsprachigen Originalausgabe.

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Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Haus Atreides, Das (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 1)

Frank Herberts Sohn Brian hat zusammen mit dem Bestsellerautor Kevin J. Anderson (STAR WARS etc.) eine Trilogie als Vorgeschichte geschrieben, die bei |Heyne| seit Mai 2001 als „Die frühen Chroniken“ erscheint – damals zeitlich passend zur TV-Premiere von „DUNE“.

„Das Haus Atreides“ ist der erste Band, „Das Haus Harkonnen“ der zweite, und „Das Haus Corrino“ bildet den Abschluss. Dieser letzte Band ist im Mai 2002 erstmalig auf Deutsch erschienen, der Termin für die Neuauflage aller drei Bände ist der November 2005.

Für Fans des „Wüstenplanet“-Zyklus (oder auch nur des ersten Bandes) ist diese neue Trilogie natürlich ein absolutes Muss. Doch auch SF-Lesern, die DUNE nicht kennen, bringt die Trilogie das Vergnügen, eine flotte, komplexe und spannende Story zu lesen.

Allerdings – und das ist das große Manko – haben die Autoren, um ihre Story nicht zu überfrachten, auf zahlreiche Hintergrundinformationen verzichtet. Entweder liest man also den [ersten DUNE-Roman]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3453186834/powermetalde-21 in der gelungenen |Heyne|-Ausgabe von 2001, oder man greift zu der Wüstenplanet-Enzyklopädie aus den 80er-Jahren. Dies scheint sogar für ausgefuchste DUNE-Fans wie mich hin und wieder ratsam. Wünschenswert wäre jedenfalls ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen. Tipp: Dies findet sich im ersten Band des Originalzyklus.

_Handlung_

Insgesamt erzählt die Trilogie die Geschichte der Ereignisse, die zu der Katastrophe auf Arrakis führten, als Herzog Leto Atreides ermordet wurde, Arrakeen erst von den Harkonnens erobert und dann vom Imperator besetzt wurde. Dies führte dann zum Aufstand der Fremen unter Letos Sohn Paul und zur Niederlage des Imperator und der Vernichtung des Hauses Harkonnen.

Doch am Anfang von „Haus Atreides“ ist jene Katastrophe nur in Grundzügen zu ahnen, denn die Story spielt binnen zweier Jahre rund zwei Generationen davor. Im Mittelpunkt stehen zwei junge Männer: Leto Atreides, der Erbe des Hauses Atreides, und Shaddam, der Kronprinz des Imperiums. Leto ist gerade mal 16 Jahre alt, als ihn sein charismatischer Vater, Herzog Paulus Atreides, auf den Planeten Ix schickt, wo dessen alter Freund und Kampfgenosse Dominic Vernius ein technologisches Wirtschaftsimperium aufgebaut hat. Leto soll Dominics Familie kennen lernen, aber auch mal andere Luft als die des ländlichen Caladan schnuppern.

Auf der anderen Seite also Shaddam mit seinem Schatten und skrupellosen Ratgeber, dem kriecherischen Hasimir Fenring. Shaddam ist schon über 30 und will endlich regieren. Er hat bereits seinen älteren Bruder beseitigt, nun muss auch sein 150-jähriger Vater Elrood dran glauben. Zwei lange Jahre dauert das Sterben des Imperators, nachdem Fenring ihn vergiftet hat – schließlich soll alles wie eine Krankheit und nicht wie ein Mord aussehen.

Während seines Siechtums sieht Elrood auf Fenrings Drängen hin die Chance, dem verhassten Dominic Vernius eins auszuwischen und zugleich die Abhängigkeit des Imperators vom Spice zu beenden: zwei Fliegen mit einer Klappe!
Elrood – und später Shaddam – stiften die allen Völkern verhassten (und daher unverdächtigen) Bene-Tleilaxu-Genetiker an, synthetisches Spice herzustellen, zu einem astronomischen Preis, versteht sich. Sollte dies gelingen, hätten die Harkonnens, die zur Zeit die Spice-Gewinnung kontrollieren und riesige Gewinne scheffeln, ausgespielt, ebenso die Raumgilde, der größte Konsument von Spice. Da auch alle anderen adligen Häuser Spice in Mengen konsumieren, könnte ein Imperator, der Syntha-Spice kontrolliert, alle anderen unter seine Knute zwingen, denn das alte Spice wäre viel zu teuer, um neben dem neuen bestehen zu können – Marktwirtschaft, sie funktioniert auch noch in 10.000 Jahren!

Doch wo das Syntha-Spice entwickeln? Elrood hat die geniale und extrem zynische Idee, ihnen den Planeten Ix des Hauses Vernius zu überlassen: Die islamischen Fanatiker, die ixianische Computer-Maschinen hassen, dürfen Ix überfallen. Leto Atreides erlebt die verheerende Invasion, auf die das Haus Vernius in keiner Weise vorbereitet ist, hautnah und entkommt in letzter Sekunde mit Freunden.

Dies ist der erste Höhepunkt des Buches, doch der zweite bahnt sich gleich darauf an: Die Harkonnens, seit Jahrhunderten Erzfeinde der Atreides, haben es auf Paulus und Leto abgesehen. In einer perfiden Aktion schieben sie nach Paulus‘ Ermordung dem neuen Herzog Leto einen Angriff auf die Tleilaxu in die Schuhe (um so die Entwicklung des konkurrierenden Syntha-Spice zu sabotieren). Dieser Angriff im Inneren eines neutralen Gilde-Raumschiffes soll und könnte einen Krieg auslösen. Doch Leto ist schlauer: Er lässt sich des Hochverrats und Mordes angeklagen, wobei er die Zukunft seines Hauses aufs Spiel setzt …

Dies sind nur zwei von rund einem halben Dutzend Handlungssträngen. Die Bene Gesserit arbeiten am Übermenschen, dem Kwisatz Haderach, indem sie sich Genmaterial von Baron Vladimir Harkonnen besorgen – zwei (!) sehr amüsante Episoden. – Pardot Kynes, der imperiale Planetologe auf Arrakis, schließt sich den Fremen an und setzt sein Terraformungsprogramm in die Wirklichkeit um – sehr schöne Episoden voll Romantik und Vision. – Der acht Jahre alte Duncan Idaho entkommt dem Harkonnen-Planeten Giedi Prime, flieht nach Caladan und wird in die Dienste der Atreides genommen. Dies ist der Beginn seines langen treuen Kriegsdienstes für die Atreides. – Ein junger Ixianer entwickelt im Untergrund ein geniales Gerät, mit dem Navigatoren der Raumgilde erstmals Ferngespräche übertragen können. – Alles in allem eine Menge vielversprechender Anfänge!

_Mein Eindruck_

Statt in die alten Erzählstrukturen (wie etwa lange innere Monologe) zurückzufallen, die anno 1965 modisch waren, als „Der Wüstenplanet“ erschien, setzen heutige Autoren wie Anderson lieber auf moderne Erzählmittel, hohe Geschwindigkeit in der Handlung und wenig Ballast, was den Hintergrund angeht.

Das hat sicherlich Vor- und Nachteile, kommt aber unterm Strich dem heutigen Leser entgegen. Mir jedenfalls hat die flotte Szenenfolge so gut gefallen, dass ich die letzten gut zweihundert Seiten nicht mehr aus der Hand legen wollte und bis um zwei Uhr morgens durchlas.

Was die Übereinstimmung mit dem ersten Zyklus angeht, so hat Brian Herbert als Erbe des großen Autors sehr auf die Richtigkeit geachtet. Er hat sogar die Stammtafeln des Hauses Corrino korrigiert.

Viel Neues ist hingegen nicht zu entdecken, außer dass dem Haus Vernius nun eine zentrale Rolle in der ersten Hälfte zufällt. Für alte Fans ist dieser Umstand Anlass zu Kritik: zu wenig Tiefgang, sagen sie. Macht nichts, sage ich. Denn die Leserschaft, die neu erschlossen werden soll, kann mit philosophischen Diskursen kaum noch etwas anfangen – dafür sind die kurzen Motti vor jedem Kapitel zuständig. Möge sich mit den in diesen Zitaten geäußerten Geisteshaltungen auseinandersetzen, wer will. Sie hindern zumindest nicht am flüssigen Lesen der spannenden Geschichte.

|Das Prequel zur Vorgeschichte|

Ich erwartete nach dieser Trilogie noch eine weitere Vorgeschichte – und in der Tat kam dann die Trilogie „Die Legende“ hinterher. Denn es sind zahlreiche Verweise auf die Vergangenheit des Imperiums eingeflochten. Während des Butlerschen Dschihads gegen die Computer und ihre Verfechter, Hersteller und Anwender kam es zu mehreren Schlachten, deren größte und entscheidende wohl die von Corrin gewesen sein muss. Und hierbei kam es zum Verrat der Harkonnens und dem getreuen Eintreten von Atreides und Vernius für die Sache des Imperiums. Diese Geschichte musste unbedingt noch erzählt werden – Brian Herbert und Kevin J. Anderson legten wieder selbst Hand an. Der Abschlussband „Die Schlacht von Corrin“ steht ebenfalls ab November 2005 in den Buchläden.

|Originaltitel: DUNE: House Atreides, 1999
Aus dem US-Englischen übertragen von Bernhard Kempen|

Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Haus Corrino, Das (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 3)

„Haus Corrino“ bildet quasi den krönenden Abschluss der Trilogie der „frühen Chroniken“ um den Wüstenplaneten DUNE. Das Finale ist spannend und fesselnd, geformt aus einem halben Dutzend parallel verlaufender Handlungsstränge, die zu mehreren dramatischen Höhepunkten führen. Schließlich steht die Existenz des Imperiums und des Wüstenplaneten selbst auf Messers Schneide.

So muss unterhaltsame Science-Fiction sein, finde ich. (Ich sage nicht, dass dies auch gute Science-Fiction ist. Was „gute SF“ ist, darüber streiten sich die Leser – und die Gelehrten sowieso.)

Ich konnte den dritten Band kaum aus der Hand legen und habe ihn binnen drei Tagen verschlungen. Vielleicht ist das eine Empfehlung. Ansonsten gelten die Empfehlungen, die ich am Beginn meiner „Harkonnen“-Rezension gebe.

_Die Autoren_

Brian Herbert ist der Sohn des Schöpfers der Wüstenplaneten DUNE, Frank Herbert. Brian Herbert hat nicht nur selbst einige Science-Fiction-Romane geschrieben, sondern auch die Biografie seines Vaters. Er fragte Kevin J. Anderson, ob dieser an einer DUNE-Vorgeschichte mitarbeiten wollen. Anderson, selbst Autor von 15 Millionen verkauften Büchern (Akte X, Star Wars u.v.a.), sagte geehrt und begeistert zu. Das Ergebnis der Kooperation war erst einmal die vorliegende Trilogie der „frühen Chroniken“ des Wüstenplaneten, es folgte die Trilogie „Die Legende“, die Vorgeschichte zur Vorgeschichte.

_Vorgeschichte 1: Das Haus Atreides_

In „Haus Atreides“, dem ersten Band der „frühen Chroniken“ vom Wüstenplaneten, standen drei Männer im Mittelpunkt des Interesses: Der neue Imperator Shaddam IV. kam durch Vatermord an die Macht über das Universum und setzte das Projekt in Gang, das Gewürz dereinst synthetisch herzustellen; Baron Harkonnen baute seine korrupte Macht auf Kosten des Hauses Atreides aus und saugte Arrakis bis aufs Blut aus, wobei er den Imperator betrog; und Leto Atreides musste schließlich den Mord an seinem Vater miterleben und weiteren Intrigen der Harkonnens begegnen.

Der imperiale Planetologe aus Arrakis, Pardot Kynes, stieg zum Propheten der Fremen auf und setzte mit ihrer Hilfe den Plan in die Tat um, den Wüstenplanet in ein grünes Paradies zu verwandeln. Sein Sohn Liet-Kynes soll ihm nachfolgen. Liet und Stilgar führen weiterhin einen Untergrundkrieg gegen die verhassten Harkonnens. Die späteren Atreides-Getreuen Duncan Idaho und Gurney Halleck erleben auf Giedi Primus, der Harkonenn-Hauptwelt, eine schreckliche Jugend, doch vorerst schafft es nur Duncan, in Letos Dienste zu treten.

Ein wirklich neuer Erzählstrang schildert jedoch das Schicksal des Hauses Vernius, das den Industrieplaneten Ix beherrscht. Doch Familienoberhaupt Dominic Vernius, ein verdienter Kämpfer, hat den Fehler begangen, von Shaddam IV. dessen schönste Konkubine als Belohnung zu fordern. Shaddam schlägt unsichtbar zurück, indem er die Bene Tleilax Ix erobern lässt, um dort ein supergeheimes Labor für die Entwicklung des künstlichen Gewürzes einzurichten.

Bei dem Überfall verliert das Haus Vernius alles: Der für tot gehaltene Dominic muss in den Untergrund, seine Frau wird ermordet, und seine beiden Kinder Kailea und Rhombur finden bei Herzog Leto Atreides Unterschlupf.

_Vorgeschichte 2: Das Haus Harkonnen_

Baron Wladimir Harkonnen siecht dahin, und nicht einmal superteure Suk-Ärzte wie Wellington Yueh können den kinderlosen Herrscher heilen. Als Rache für ihre Vergwaltigung hat nämlich die Bene-Gesserit-Mutter Helen Gaius Mohiam (wir kennen sie aus DUNE 1) den Baron mit einer heimtückischen Krankheit infiziert. Obwohl dieser droht, den Schwesterorden der biologischen Kriegsführung anzuklagen, bieten ihm die „Hexen“ Paroli: Sein Neffe Glossu Rabban („die Bestie“) hat versucht, mit einem unsichtbaren Raumschiff den Orden anzugreifen, war aber dabei abgestürzt. Dumm gelaufen: Sollen die „Hexen“ das Geheimnis des Nicht-Schiffs für sich behalten, muss der Baron die Klappe halten.

Der hält sich dadurch schadlos, dass er in den Haushalt der Atreides eine Agentin einschleust. Sie indoktriniert Kailea Vernius, die Konkubine Letos und die Mutter seines Sohnes Victor. Schon bald wird die tüchtige Kailea immer unzufriedener und schließlich sogar eifersüchtig, als die Bene Gesserit eine weitere Konkubine anbieten und überstellen: Schwester Jessica (die später Pauls Mutter wird). Dieser Erzählstrang führt zu einem traurigen Ende, als Kailea Leto töten lassen will. Dabei kommt jedoch keineswegs der Herzog, sondern ihr Sohn Viktor ums Leben. Die untröstliche Kailea tötet erst die Harkonnen-Agentin und stürzt sich dann in den Freitod.

Während Duncan Idaho als Eliteschwertmeister auf Ginaz ausgebildet und in die Kämpfe zwischen den Häusern verwickelt wird, will sich Gurney Halleck an den Harkonnen für das rächen, was sie seiner Schwester Bheth angetan haben. Doch nach Jahren in den Straflagern gelingt ihm die Flucht: zuerst zu Dominic Vernius‘ Schmugglern und Rebellen, später zu den Atreides. Denn Dominic Vernius erfährt vom Schicksal seines Planeten: Die systematische Ausbeutung und Vernichtung seines Volkes durch die Tleilaxu und die imperialen Truppen. Dominic beschließt, eine Atombombe über dem imperialen Palast auf Kaitain zu zünden.

_Handlung von „Haus Corrino“_

Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Liet-Kynes auf Arrakis die Rolle des imperialen Planetologen, kämpft aber nun verstärkt gegen die Harkonnens. Bei einer Audienz bei Shaddam IV. verursacht er einen Eklat: Entweder der Imperator schützt die Fremen vor den Harkonnens oder er hat die Konsequenzen zu tragen. Shaddam denkt gar nicht daran: Der synthetische Ersatz für das Gewürz wird Arrakis und dessen Gewürzmonopol in Vergessenheit geraten lassen. Es kommt zum Großen Gewürzkrieg, denn zunächst will Shaddam alle illegal von den Adelshäusern gehorteten Gewürzlager an sich reißen und notfalls vernichten. Das ist ihm sogar ausreichender Vorwand, um einen letzten Rivalen um den Thron der Corrinos zu beseitigen – bei diesem Überfall sterben auf der Welt Zanovar 14 Millionen Menschen. Der Gewürzkrieg ist blutiger Ernst.

Doch was Shaddam IV. Corrino, der Padishah-Imperator, nicht ahnt: Sein Spice-Ersatz ist bei weitem nicht so gut wie erhofft. Die ersten Riesenraumschiffe der Raumgilde, die von den gewürzabhängigen Navigatoren durch den Faltraum gesteuert werden, stranden im Nichts, weil die Navigatoren unter dem Einfluss des künstlichen Spice die Orientierung verlieren. Während die Raumgilde noch über die Ursache rätselt, holt der Imperator zum entscheidenden Schlag aus: Die Gewürz-Unterschlagungen des Barons Harkonnen dienen ihm als Vorwand, Arrakis und damit die einzige Quelle natürlichen Gewürzes zu vernichten. Es scheint zum Äußersten zu kommen.

Unterdessen bereiten Herzog Leto Atreides und Prinz Rhombur Vernius von Ix die Rückeroberung des von den Tleilaxu besetzten Planeten vor. Die lokale Rebellengruppe hilft ihnen dabei. In der Wüste auf Arrakis machen die Fremen unter Liet-Kynes den Harkonnens das Leben auf Dune schwer. Und auf Kaitain bringt Herzog Letos geliebte Konkubine Jessica einen Knaben zur Welt, der vom Zuchtprogramm ihrer Schwesternschaft nicht eingeplant war: Paul, der spätere Muad’dib. Prompt wird das Neugeborene entführt, und die dem Wahnsinn verfallene Gattin des Imperators, Schwester Anirul, stirbt unter mysteriösen Umständen.

Auf dem Höhepunkt der Geschehnisse ist die weit verzweigte Handlung an Spannung, Drama und Action kaum zu überbieten. Der Science-Fiction-Fan kommt voll auf seine Kosten.

_Mein Eindruck_

|Die Erzählstränge|

Die Trilogie der Vorgeschichte zu DUNE hat zwei Aufgaben zu erfüllen: Erstens muss sie alle Vorgaben aus Frank Herberts Bestsellerroman strikt befolgen, und das ist natürlich ein Handicap, denn da der Kenner bereits weiß, was folgen muss, ist aus der Spannung die Luft raus. Zu diesen Handlungssträngen gehören Leto und Jessica, Rhombur, die Fremen und Harkonnens sowie die Machenschaften der Corrinos und des Frauenordens der Bene Gesserit (das Projekt „Kwisatz Haderach“).

Zweitens muss die Trilogie auch Neues anbieten und dies in das Bekannte geschickt so einflechten, dass das Neue wieder verschwindet, wenn und bevor es mit der späteren DUNE-Geschichte kollidiert. Die zwei neuen Faktoren sind erstens das imperiale Geheimprojekt um die synthetische Gewürzmelange und zweitens, ebenfalls mit Ix verbunden, das Schicksal des Hauses Vernius.

In „Haus Corrino“ gelangt das Amal-Projekt zu seiner Vollendung, mit allen katastrophalen Folgen, die dies für das Imperium haben könnte: Denn wenn alle natürlichen Gewürzquellen vernichtet sind (= Arrakis) und der Gewürzersatz die Erwartungen nicht erfüllt (= gestrandete Raumschiffe), dann kommt der Verkehr zwischen den Welten zum Erliegen und die Raumgilde, die Transport und Kommunikation erledigt, verschwindet. Danach existiert einfach kein Imperium mehr. Shaddam IV. setzt in seiner Dummheit und Aggressivität die Existenz der Welt, wie er sie kennt, aufs Spiel. Ob er verliert oder gewinnt? Bitte selber lesen!

Das Haus Vernius (Rhombur) versucht, seine alte Heimat Ix wieder zurückzugewinnen. Das erscheint auch Leto nur berechtigt, und so hilft er Rhombur, seinem Freund, mit einer großen Militäraktion. Ein Ablenkungsmanöver verhindert ein Eingreifen des Imperators, und Leto selbst begibt sich nach Kaitain, um die Vertretung der Adelshäuser, der Raumgilde und der Handelsorganisation zu informieren, was er gegen die Tleilaxu auf Ix unternimmt. Dabei kann er jedoch nicht sicher sein, ob der Untergrund auf Ix seine Invasion vorbereitet hat, denn Rhombur und Gurney Halleck sind mit einem fehlgeleiteten Raumschiff im Nichts gestrandet … Es ist höchst spannend herauszufinden, ob die Ix-Invasion glückt. Und da Caladan, Letos Planet, völlig schutzlos ist, stürzen sich bereits die Harkonnens darauf. Wird Caladan dies überstehen oder Leto alles verlieren?

Es gibt noch weitere Erzählstränge, aber das würde hier zu weit führen. Immerhin haben sich die Autoren auf die wichtigsten konzentriert, und so ist dieser Band hundert Seiten kürzer geworden als „Haus Harkonnen“. Die Actionszenen – ja, richtiggehende Zweikämpfe mit Schwert, Schild und Dolch – sind hier weitaus stärker vertreten als in den anderen Bänden. Leider sind diese Szenen unvermeidlicherweise auch ziemlich blutig. Auch die Szenen in den Labors der Tleilaxu gehören nicht zu den appetitanregendsten …

|Ausblicke|

Das muss man in Kauf nehmen, wenn man in den Genuss des glänzend herbeigeführten und erzählten Finales gelangen will: Immerhin an die 150 Seiten. Danach folgen noch 50 Seiten Epilog, die zu der Geschichte des ersten DUNE-Romans führen. Allerdings klafft hier eine Lücke von rund 20 Jahren, denn Paul muss ja noch aufwachsen und ausgebildet werden. Diese Geschichte wird entgegen meiner Erwartung nicht in „Haus Corrino“ erzählt. Vielleicht gibt es dazu später noch einen Band. Ich war unvermeidlich, dass es auch zu [„Butlers Djihad“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=827 noch einen Roman geben musste, denn in diesem Kreuzzug gegen die Denkmaschinen entstand das in DUNE geschilderte Imperium.

|Technik|

An vielen Stellen habe ich mich über das Fehlen von Computern und modernen Kommunikationsmitteln gewundert, die unser Zusammenleben so bestimmen und die Erde klein haben werden lassen. Im DUNE-Universum gibt es nur menschliche Computer, die Mentaten. Und Telekommunikation findet zwar statt, aber nicht zwischen Welten – dazu sind Kuriere nötig. Es gibt nur einen einzigen Fall, in dem interstellare Kommunikation stattfindet: mit Hilfe eines kaum erklärten Apparates von C’tair Pilru auf Ix.

|Gesellschaft und Kultur|

Das Fehlen grundlegender Technik scheint der Grund für die altertümlichen Gesellschaftsformen des DUNE-Universums zu sein. Es ist so etwas wie das Britische oder Römische Weltreich. Daran erinnern Namen wie Atreides, Corrinth und Carthag. Die feudal herrschenden Adelsfamilien (Corrinos, Atreides usw.), die Transport- und Handelsverbände sind die primären Machtfaktoren, nicht jedoch eine allmächtige Kirche wie auf unserer Welt. Es gibt zwar Hohepriester auf Kaitain und auch die Tleilaxu sind fanatisch religiös, aber das sind lokal begrenzte Phänomene. Der einzige quasi-religiöse Orden, der auf allen Welten existiert, sind die Schwestern der Bene Gesserit.

Ihr Programm besteht nicht nur darin, Frauen zu Kriegerinnen und Gelehrten auszubilden, sondern auch den Übermenschen „Kwisatz Haderach“ zu züchten. Diese Messiasgestalt wirft ihre Schatten voraus: Die Umstände von Pauls Geburt erinnern in zahlreichen Details (drei Schwestern statt drei Könige, ein Komet über DUNE usw.) an Jesu Geburt. Ganz klar wird hier bereits Paul zum künftigen Messias und Erlöser (zunächst der Fremen, später auch des Rests des Imperiums) stilisiert. Wie man sieht, machen die Autoren einen guten Job, um das Geschehen in DUNE 1 vorzubereiten.

_Unterm Strich_

Hat es sich gelohnt, diese drei Schmöker zu lesen? Auf jeden Fall für denjenigen, der sich für das Universum und den Zyklus um DUNE begeistern kann. Diese Trilogie bringt die Vorgeschichte nicht auf akademisch trockene Manier nahe, sondern in lebendigen Szenen. Dabei wird der geistig-philosophische Hintergrund nicht vernachlässigt, noch die Notwendigkeiten für das Drama des Lebens in diesem Universum missachtet.

Natürlich folgen diese Romane dem ältesten Muster der Unterhaltungsliteratur: Das Gute muss gewinnen (auch nach harten Rückschlägen), und das Böse muss vernichtet bzw. bestraft werden. Die Gerechtigkeit scheint wieder hergestellt. Die Motti zu den Kapiteln warnen uns aber: Die Welt ist nicht an sich gerecht. Wir machen sie so. Und das kann ganz schön wehtun.

|Originaltitel: DUNE: House Corrino, 2001
Aus dem US-Englischen übertragen von Bernhard Kempen|

Brian Herbert/Kevin J. Anderson – Mentats of Dune / Die Mentaten des Wüstenplaneten (Die großen Schulen 2)

Das DUNE-Universum: Kampf der Mentaten

85 Jahre nach der Schlacht von Corrin ist das Imperium von Kaiser Salvador mehr denn je in zwei Fraktionen gespalten. Auf der einen baut Josef Venport mit seiner Navigatorengilde seinen Machtbereich aus, auf der anderen führt der Maschinenfeind Manford Torondo seine „Butlerianer“ gegen jede Art von Maschinennutzung. Ein Kulturkonflikt von epischen Ausmaßen ist die Folge, und jede Vereinigung muss wählen, auf welcher Seite sie letzten Endes steht.

Gilbertus Albans hat die Mentatenschule auf Lampadas gegründet. Auf Lampadas befindet sich auch Torondos Hauptquartier. Daher muss Gilbertus sehr vorsichtig agieren, zumal er den Speicherkern des letzten Roboters, Erasmus, wie seinen Augapfel hütet.

Obwohl die letzte Reste der Maschinenverbände und alle Denkmaschinen systematisch vernichtet werden, wagen es die Bene Gesserit, im Verbogenen Computer weiterhin einzusetzen. Ein Jahr zuvor haben sie von kaiserlichen Truppen schwere Verluste hinnehmen müssen, konnten aber ihre Computer und Datenbanken retten und verstecken. Damit planen sie das genetische Schicksal der Menschheit. Weil sich die bislang einzige Ehrwürdige Mutter Raquella unter großem Zeitdruck sieht, betraut sie die einzige andere, neue Ehrwürdige Mutter Valya Harkonnen mit heiklen Aufträgen wie etwa der Wiederbeschaffung der Gendatenbank. Aber Valya Harkonnen verfolgt einen geheimen Racheplan: Sie will Vorian Atreides finden und alle seine Nachkommen eliminieren…

Diese Besprechung basiert auf der Taschenbuchedition der englischsprachigen Originalausgabe.

Die Autoren
Brian Herbert/Kevin J. Anderson – Mentats of Dune / Die Mentaten des Wüstenplaneten (Die großen Schulen 2) weiterlesen

Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Haus Harkonnen, Das (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 2)

Die Vorgeschichte eines zweimal verfilmten Bestsellers der Science-Fiction – lohnt sich das überhaupt zu lesen? Es lohnt sich durchaus, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Man sollte auf jeden Fall die Verfilmung „Der Wüstenplanet“ von 1984 gesehen haben (und wer hat das nicht?).

Nicht schlecht wäre es, wenn man auch die [literarische Vorlage]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1662 dazu kennen und womöglich sogar verstehen würde (das sind immerhin ein paar Millionen Leser weltweit).

Und der Gipfel der guten Voraussetzungen wäre es, wenn man schon den ersten Band der „frühen Chroniken“ gelesen hätte: [„Das Haus Atreides“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1621 Aber man muss nicht alles wissen. Jeder Band der „frühen Chroniken“ bringt so viele Erklärungen und Rückverweise, dass man rasch den Anschluss findet. Es gibt allerdings keine Zusammenfassungen wie zu Tad Williams‘ Otherland-Romanen.

_Handlung_

|Die Vorgeschichte: „Haus Atreides“|

In „Haus Atreides“, dem ersten Band der „frühen Chroniken“ vom Wüstenplaneten, standen drei Männer im Mittelpunkt des Interesses: Der neue Imperator Shaddam IV. kam durch Vatermord an die Macht über das Universum und setzte das Projekt in Gang, das Gewürz dereinst synthetisch herzustellen; Baron Harkonnen baute seine korrupte Macht auf Kosten des Hauses Atreides aus und saugte Arrakis bis aufs Blut aus, wobei er den Imperator betrog; und Leto Atreides musste schließlich den Mord an seinem Vater miterleben und weiteren Intrigen der Harkonnens begegnen.

Der imperiale Planetologe aus Arrakis, Pardot Kynes, stieg zum Propheten der Fremen auf und setzte mit ihrer Hilfe den Plan in die Tat um, den Wüstenplanet in ein grünes Paradies zu verwandeln. Sein Sohn Liet-Kynes soll ihm nachfolgen. Liet und Stilgar führen weiterhin einen Untergrundkrieg gegen die verhassten Harkonnens. Die späteren Atreides-Getreuen Duncan Idaho und Gurney Halleck erleben auf Giedi Primus, der Harkonenn-Hauptwelt, eine schreckliche Jugend, doch vorerst schafft es nur Duncan, in Letos Dienste zu treten.

Ein wirklich neuer Erzählstrang schildert jedoch das Schicksal des Hauses Vernius, das den Industrieplaneten Ix beherrscht. Doch Familienoberhaupt Dominic Vernius, ein verdienter Kämpfer, hat den Fehler begangen, von Shaddam IV. dessen schönste Konkubine als Belohnung zu fordern. Shaddam schlägt unsichtbar zurück, indem er die Bene Tleilax Ix erobern lässt, um dort ein supergeheimes Labor für die Entwicklung des künstlichen Gewürzes einzurichten.

Bei dem Überfall verliert das Haus Vernius alles: Der für tot gehaltene Dominic muss in den Untergrund, seine Frau wird ermordet, und seine beiden Kinder Kailea und Rhombur finden bei Leto Atreides Asyl.

|“Das Haus Harkonnen“|

Baron Wladimir Harkonnen siecht dahin, und nicht einmal superteure Suk-Ärzte wie Wellington Yueh können den kinderlosen Herrscher heilen. Als Rache für ihre Vergwaltigung hat nämlich die Bene-Gesserit-Mutter Helen Gaius Mohiam (wir kennen sie aus DUNE 1) den Baron mit einer heimtückischen Krankheit infiziert. Obwohl dieser droht, den Schwesterorden der biologischen Kriegsführung anzuklagen, bieten ihm die „Hexen“ Paroli: Sein Neffe Glossu Rabban („die Bestie“) hat versucht, mit einem unsichtbaren Raumschiff den Orden anzugreifen, war aber dabei abgestürzt. Dumm gelaufen: Sollen die „Hexen“ das Geheimnis des Nicht-Schiffs für sich behalten, muss der Baron die Klappe halten.

Der hält sich dadurch schadlos, dass er in den Haushalt der Atreides eine Agentin einschleust. Sie indoktriniert Kailea Vernius, die Konkubine Letos und die Mutter seines Sohnes Victor. Schon bald wird die tüchtige Kailea immer unzufriedener und schließlich sogar eifersüchtig, als die Bene Gesserit eine weitere Konkubine anbieten und überstellen: Schwester Jessica (die später Pauls Mutter wird). Dieser Erzählstrang führt zu einem traurigen Ende, als Kailea Leto töten lassen will. Dabei kommt jedoch keineswegs der Herzog, sondern ihr Sohn Viktor ums Leben. Die untröstliche Kailea tötet erst die Harkonnen-Agentin und stürzt sich dann in den Freitod.

Ein relativ unbedeutender, aber doch interessanter Erzählstrang schildert das Schicksal von Baron Harkonnens sanftem und integrem Halbbruder Abulurd. Lankiveil ist das glatte Gegenteil zu Arrakis: eine polare Welt, die Walpelze exportiert und arktische Klöster beherbergt. Doch Glossu Rabban, Abulurds Sohn, vernichtet zuerst die Lebensgrundlage der Walfänger und Fischer, um dann auch einen Bürgermeister umzubringen und das wichtigste der Klöster zu zerstören. Als sich Abulurd und seine Frau Emmi wieder von der Katastrophe erholt und sie einen weiteren Sohn haben, nehmen der Baron und Glossu ihnen auch dieses Kind weg: Feyd Rautha soll als echter Harkonnen aufwachsen.

Während Duncan Idaho als Eliteschwertmeister auf Ginaz ausgebildet und in die Kämpfe zwischen den Häusern verwickelt wird, will sich Gurney Halleck an den Harkonnen für das rächen, was sie seiner Schwester Bheth angetan haben. Doch nach Jahren in den Straflagern gelingt ihm die Flucht: zuerst zu Dominic Vernius‘ Schmugglern und Rebellen, später zu den Atreides. Denn Dominic Vernius erfährt vom Schicksal seines Planeten: Die systematische Ausbeutung und Vernichtung seines Volkes durch die Tleilaxu und die imperialen Truppen. Dominic beschließt, eine Atombombe über dem imperialen Palast auf Kaitain zu zünden.

|Ausblick: „Das Haus Corrino“|

Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Liet-Kynes auf Arrakis die Rolle des imperialen Planetologen, kämpft aber nun verstärkt gegen die Harkonnens. Bei einer Audienz bei Shaddam IV. verursacht er einen Eklat: Entweder der Imperator schützt die Fremen vor den Harkonnens oder er hat die Konsequenzen zu tragen. Shaddam denkt gar nicht daran: Der synthetische Ersatz für das Gewürz wird Arrakis und dessen Gewürzmonopol in Vergessenheit geraten lassen. Was er nicht ahnt: Sein Spice-Ersatz ist bei weitem nicht so gut wie erhofft. Es kommt zum Großen Gewürzkrieg.

_Mein Eindruck_

Die Trilogie der Vorgeschichte zu DUNE hat zwei Aufgaben zu erfüllen: Erstens muss sie alle Vorgaben aus Frank Herberts Bestsellerroman strikt befolgen, und das ist natürlich ein Handicap, denn da der Kenner bereits weiß, was folgen muss, ist aus der Spannung die Luft raus. Zu diesen Handlungssträngen gehören Duncan Idaho, Gurney Halleck, Liet-Kynes, Wellington Yueh, die Liebesgeschichte zwischen Leto und Jessica sowie die Machenschaften der Harkonnens und Bene Gesserit (das Projekt „Kwisatz Haderach“).

Zweitens muss die Trilogie auch Neues anbieten und dies in das Bekannte geschickt so einflechten, dass das Neue wieder verschwindet, wenn und bevor es mit der späteren DUNE-Geschichte kollidiert. Die zwei neuen Faktoren sind erstens das imperiale Geheimprojekt um die synthetische Gewürzmelange und zweitens, ebenfalls mit Ix verbunden, das Schicksal des Hauses Vernius.

Nun sollte man erwarten, dass man aus den Kapiteln, die zu Aufgabe Nr. 1 gehören, nichts mehr Aufregendes erfährt. Die Figuren und ihr Schicksal sind ja dem DUNE-Kenner bekannt. Doch zum Glück stellt sich heraus, dass gerade beim Werdegang Duncan Idahos zum Schwertmeister unvorhergesehene Faktoren ins Spiel kommen, die zu einem actionreichen Höhepunkt auf Ginaz führen. Wir erfahren, wie verhängnisvoll für Gurney Halleck seine Vorliebe für das Baliset und den Gesang ist. Liet-Kynes Schicksalsweg kreuzt sich zunächst mit den Schmugglern um Dominic Vernius und dann mit Gurney, den er auf dem atomar verwüsteten Planeten Salusa Secundus kennen lernt (Liets einziger Ausflug von Arrakis in diesem Band).

Zum Aufgabenbereich Nr. 2 gehören ebenfalls dramatische Entwicklungen. Während sich die Situation auf Caladan im Hause Atreides bis zu Kaileas Verrat zuspitzt, verschlechtern sich die Überlebenschancen der Rebellen, die noch in den Arbeitslagern der Tleilaxu auf Ix ausharren. Doch auf einen großartigen Erfolg mit einem Bombenanschlag folgen noch bedrückendere Verhältnisse. Und eines Tages kommt der Rebell C’tair Pilru dem Geheimnis dessen auf die Spur, was die verhassten Tleilaxu wirklich auf Ix treiben – jetzt weiß er auch, wohin seine Geliebte verschwunden ist, und es dreht ihm Herz und Magen um.

Wie man sieht, gibt es einiges, worauf man sich noch freuen darf, so etwa die Rückeroberung von Ix durch Rhombur Vernius; die Befreiung Dunes von den Harkonnens; und natürlich Kindheit und Erziehung von Paul Atreides, dem späteren Muad’dib der Fremen.

|Lässt sich flüssig lesen|

Der schiere Umfang des Buches schreckt erst einmal ab, aber da die Kapitel kurz sind und am Anfang vieles erklärt wird, kommt man schnell voran. Hauptsache, man schafft es, über den toten Punkt in der Mitte des Schmökers hinauszukommen. Denn auf den letzten gut 200 Seiten überwiegen dann die Action und das Drama. Und es ist überhaupt nicht sicher, ob sich Herzog Leto nach dem Attentat und dem Tod seines Erben noch einmal aufraffen wird.

Ich habe entgegen meinen Erwartungen diesen Band ebenso genossen wie den ersten. Und der dritte fängt ja auch schon gut an (siehe „Ausblick“). Natürlich stelle ich kaum literarische Ansprüche an ein derart kommerziell aufgezogenes Werk wie diese Trilogie, die quasi zum Bestseller verpflichtet ist. (Man kauft keinen Starautor wie Anderson ein, um dann sein Millionenhonorar in den Arrakis-Sand zu setzen!)

Aber gegenüber dem ersten Band konnte ich feststellen, dass sich „Haus Harkonnen“ flüssiger und verständlicher liest. Liegen am Anfang diese Handlungsstränge noch weit auseinander, so folgen sie gegen Schluss praktisch in geschlossener Reihenfolge aufeinander. Damit sich das große Bild im Geiste bildet, darf man einfach nicht aufhören weiterzulesen. Gut fand ich auch, dass die Motti, die jedem Kapitel vorangestellt sind, inzwischen sehr kurz geworden sind, oft nur ein Satz. Bei DUNE 1 waren es noch ganze Philosophien, die darin steckten – sie waren dementsprechend umfangreich.

_Unterm Strich_

Im Mittelstück des gewaltigen Gemäldes dieser fernen Zukunft schreitet das breite Gewebe der Handlungsstränge rasch voran. Action, Dramatik und – an einer einzigen Stelle – sympathischer Humor fehlen keineswegs. Die Kapitel lassen sich flüssig und verständlich (sie sind zudem in großer Schrift gedruckt) lesen. Doch wie immer bei so dicken Büchern winkt nur dem Geduldigen der Lohn der Mühe.

Aber wer David Lynchs Verfilmung mehrmals gesehen hat und wie ich stets von Neuem begeistert ist, der wird sich sehr motiviert sehen, auch diesen Schmöker zu bewältigen.

|Originaltitel: DUNE: House Harkonnen, 2000
Aus dem US-Englischen übertragen von Bernhard Kempen|

[NEWS] Kevin J. Anderson – Auf den Schwingen des Drachen

Tief unter der Erde, geschützt von einem mächtigen Gebirge, lauert der Drache, die Verkörperung alles Bösen in dieser Welt. Über ihm liegen das magische Imperium der Drei Königreiche und Ishara, das Reich der Menschen, seit Jahrhunderten miteinander im Krieg. Doch als aus den sengenden Dünen der Wüste ein seit Langem verschollenes Volk auftaucht, müssen sich Ishara und die Drei Königreiche miteinander verbünden, um sich der neuen Bedrohung entgegenzustellen. Unterdessen wird der Drache rastloser und rastloser, und wehe den Menschen und magischen Völkern, wenn er aus den Tiefen der Erde aufsteigt … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 720 Seiten
Heyne

 

Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Sisterhood of Dune (Der Thron des Wüstenplaneten)

Das DUNE-Universum: Alte Rechnungen, neue Pläne

83 Jahre nach der Schlacht um Corrino ändert sich das Schicksal der daran Beteiligten rapide. Der ins Exil gegangene Feldherr Vorian Atreides wird Opfer eines Raubüberfalls von Sklavenjäger, die alle Arbeitsfähigen verschleppen. Auf Poritrin will er sie mit Hilfe des Imperators Corrino befreien. Unterdessen suchen die Harkonnens überall nach ihm, um sich für die nach der Schlacht erlittene Schmach zu rächen: Sein Adjutant Abulurd Harkonnen wurde wegen Feigheit vor dem Feind verbannt.

Obwohl die letzte Reste der Maschinenverbände und alle Denkmaschinen systematisch vernichtet werden, wagen es die Bene Gesserit, im Verbogenen Computer weiterhin einzusetzen. Sie planen das genetische Schicksal der Menschheit. Zugleich sieht sich die einzige Ehrwürdige Mutter Raquella unter großen Zeitdruck: Obwohl sie schon 130 Jahre alt ist, hat sie immer noch keine Nachfolgerin, an die sie ihr Wissen in Form von Erweiterten Erinnerungen weitergegeben. Ist Valya Harkonnen bereit, sich der notwendigen Prüfung zu stellen und das injizierte Gift umzuwandeln?
Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Sisterhood of Dune (Der Thron des Wüstenplaneten) weiterlesen

[NEWS] Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Die Navigatoren des Wüstenplanten (Great Schools of Dune 3)

Die Geschichte der Raum-Navigatoren

Über Jahrtausende hat sich die Menschheit im All ausgebreitet und Planeten besiedelt. Nun, da der Krieg gegen die Maschinen gewonnen ist und ein neues Imperium gegründet wurde, hängt die Zukunft der Galaxis von den Navigatoren ab – genmanipulierten Menschen, die mithilfe des Gewürzes vom Wüstenplaneten gewaltige Raumschiffe durchs All manövrieren. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 640 Seiten
Originaltitel: Navigators of Dune
Heyne

Frank Herbert & Kevin J. Anderson – Die Erlöser des Wüstenplaneten (DUNE 8)

50 Jahre DUNE: der finale Showdown

Die Menschheit steht vor ihrer endgültigen Auslöschung. Die Maschinenarmee des Universalcomputers Omnius rückt an allen Fronten vor, erobert einen Planeten nach dem anderen, löscht die Bevölkerung mit Seuchen aus und überzieht unzählige Welten mit Feuer aus ihren riesigen Schlachtschiffen. Die Streitkräfte der Menschheit sind hoffnungslos unterlegen und unterwandert von den Gestaltwandlern der Maschinen.

Die Vereinigte Schwesternschaft und die Geehrten Matres haben ihre letzte Hoffnung auf den Klon von Paul Atreides gesetzt, doch die Pläne schlagen fehl: Paul ist nicht der erhoffte Kwisatz Haderach, der nach den alten Überlieferungen die Menschheit in die letzte Schlacht führen soll. Doch wer ist der verheißene Erlöser, der den grausamen Krieg zwischen Menschen und Maschinen beenden kann? (Verlagsinfo)

Frank Herbert & Kevin J. Anderson – Die Erlöser des Wüstenplaneten (DUNE 8) weiterlesen

[NEWS] Brian Herbert & Kevin J. Anderson – Die Mentaten des Wüstenplaneten (Great Schools of Dune 2)

Intrigenspiel in ferner Zukunft

In der fernen Zukunft haben die Menschen das Weltall besiedelt, doch das menschliche Denken ist noch immer bestimmt von Machtgier, Korruption und Rachegelüsten: Gilbertus Albans hat eine Schule für Mentaten gegründet, in der Menschen das effiziente Denken der künstlichen Intelligenzen erlernen. Währenddessen will Valya Harkonnen vom Orden der Bene Gesserit Vergeltung für den Ruin ihrer Familie, und die VenHold Spacing Fleet kontrolliert alle Handelswege der Galaxis. Als sich die Interessen der drei Mächte kreuzen, steht das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 720 Seiten
Originaltitel: Mentats of Dune
Heyne

Herbert, Frank & Brian / Anderson, Kevin J. – Road to Dune, The

_Der Wüstenplanet: Steinbruch oder geplündertes Grab?_

„The Road to Dune“ versammelt u. a. aus dem ersten Roman „Der Wüstenplanet“ herausgenommene Kapitel, aber noch vieles mehr: Den Anfang macht ein völlig anderer DUNE-Roman, den Brian Herbert und Kevin Anderson anhand von Frank Herberts Storyline schrieben – nur 230 Seiten, aber sehr interessant. Den Schluss bilden vier ihrer Kurzgeschichten aus dem DUNE-Universum, von denen drei im Legenden-Zyklus spielen (siehe unten).

_Die Autoren_

Frank Herbert (1920-1986) wuchs im Nordwesten der USA auf, arbeitete als Reporter und Wahlkampfhelfer, bevor und während er ab 1952 seine ersten SF-Storys veröffentlichte, denen 1956 der erste Roman „Dragon in the Sea“ folgte. 1963 -1965 wurden seine Storys um den Wüstenplaneten Arrakis in „Astounding“ publiziert, doch um seinen daraus aufgebauten Roman „Der Wüstenplanet“ unterzubringen, musste Herbert erst 20 Ablehnungen kassieren, bevor es ihm 1965 gelang, den Verlag Chilton Book Co. zu gewinnen, der mehr für seine Autoreparaturratgeber bekannt war. Die DUNE-Saga umfasste schließlich sechs Romane aus Frank Herberts Schreibfabrik, von denen die ersten drei verfilmt worden sind. Herbert schrieb neben 20 anderen SF-Romanen auch einen interessanten Non-SF-Roman namens „Soul Catcher“, der noch nicht übersetzt worden ist.

Die DUNE-Saga:

1) Der Wüstenplanet (1965)
2) Der Herr des Wüstenplaneten (1969)
3) Die Kinder des Wüstenplaneten (1976)
4) Der Gottkaiser des Wüstenplaneten (1981)
5) Die Ketzer des Wüstenplaneten (1984)
6) Die Ordensburg des Wüstenplaneten (1985)

Brian Herbert, geboren 1947, ist der einzige Nachkomme Frank Herberts, der das Schriftstellergen geerbt hat. Mit seinem Vater schrieb Brian 1986 den SF-Roman „Mann zweier Welten“. Seine Biografie „Dreamer of DUNE“ (2003) ist sehr lesenswert und nicht nur wegen der Bibliografie seines Vaters. Ergänzt wird sie durch die HUGO-nominierte Biografie von „The Notebooks of Frank Herbert’s Dune“, die er 1988 herausgab. Brian Herbert wird demnächst einen Zyklus veröffentlichen, der mit dem Roman „Timeweb“ beginnt.

Er fragte Kevin J. Anderson, ob dieser an einer DUNE-Vorgeschichte mitarbeiten wollen. Anderson, selbst Autor von 12 Millionen verkauften Büchern (Akte X, Star Wars u.v.a.), sagte geehrt und begeistert zu.

Kevin J. Anderson, geboren 1962, veröffentlichte 1982 seine erste Kurzgeschichte. Bis 1992 hatte er über 100 Beiträge für Magazine geschrieben, denn Anderson kommt aus der Technik. Sein erster Roman „Resurrection Inc.“ erschien 1988 und enthielt Horrorelemente, danach folgte eine Trilogie um „Gamearth“ (1989/90). Danach folgten „Lifeline“ (1990) und „The Trinity Paradox“ (1991), beide zusammen mit Doug Beason. Anderson ist ein äußerst effizient arbeitender Autor. Das zeigt sich auch an seinem Ausstoß an Star-Wars-Romanen für Jugendliche sowie an „Akte-X“-Romanen (15 Mio. Exemplare gibt |Heyne| an). Zuletzt erschien ab 2002 sein neuer Zyklus „Die Saga der sieben Sonnen“, von dem die ersten drei Romane bei |Heyne| erschienen sind. Mehr Infos unter www.wordfire.com.

Das Ergebnis der Kooperation war zunächst die Trilogie der „Frühen Chroniken“ des Wüstenplaneten, die aus folgenden Bänden besteht:

1) Das Haus Atreides
2) Das Haus Harkonnen
3) Das Haus Corrino

Nun ist mittlerweile die zweite Trilogie „Der Wüstenplanet: Die Legende“ abgeschlossen. Sie besteht aus folgenden Bänden:

1) Butlers Djihad (The Butlerian Djihad)
2) Der Kreuzzug (The Machine Crusade)
3) Die Schlacht um Corrin (The Battle of Corrin)

Ein weiterer Band namens „The Road to Dune“ ist 2005 erscheinen und wird hier besprochen. Er bildet ein Zwischenspiel, bevor Herbert & Anderson den zentralen DUNE-Zyklus fortführen, denn …

7) Hunters of DUNE (August 2006)
8) Sandworms of DUNE (2007)

… schließen den ersten DUNE-Zyklus so ab, wie Frank Herbert es vorsah, bevor ein unzeitiger Tod ihn am Weiterschreiben hinderte. 7 und 8 bilden eine Doppelroman, der zusammengehört, aber aus Platzgründen gesplittet werden musste, denn ein Roman von 1300 Seiten ist absolut unverkäuflich (es sei denn, man hieße Tolkien). Weitere Romane sind angekündigt.

_Handlung von „Spice Planet – The Alternate Dune Novel“_

Der Imperator Wuda befiehlt den Edelmann Jesse Linkam (= Herzog Leto Atreides) zu sich auf die Zentralwelt Renaissance, auf dass dort über das Anliegen der Adelshäuser entschieden werde, an dem einträglichen Abbau von und Handel mit der Spice Melange teilzuhaben. Darauf nämlich hat das Haus Hoskanner unter seinem Lord Valdemar (= Vladimir Harkonnen) ein vom Kaiser verliehenes Monopol, wofür der Kaiser eine hohe Gebühr erhebt. Lord Valdemar bietet Jesse Linkam einen trügerischen Kompromiss an: Linkam darf für zwei Jahre das Spice abbauen, und wenn es ihm gelingt, binnen zwei Jahren die Spice-Produktion der Hoskanner zu übertreffen, darf er Arrakis behalten. Jesse ahnt zwar den Betrug, doch der Imperator zwingt ihn, sich auf das Angebot einzulassen.

Als Linkam mit seiner Konkubine und Managerin Dorothy Mapes (= Lady Jessica) und seinem achtjährigen Sohn Barri (= Paul Atreides) auf Duneworld (= Arrakis) eintrifft, erweist sich schnell, dass die Hoskanner hier eine Todesfalle aufgebaut haben, in denen der Adlige und seine Leute umkommen sollen. Nicht nur sind die ausbedungenen Spice-Abbaugeräte praktisch schrottreif, es gibt auch eine Reihe Fallen und Saboteure. (Noch ahnt Jesse nicht, dass sich auch ein Verräter in seiner Truppe befindet.) Auch die lebenswichtigen Wettersatelliten fallen aus. Als deswegen Linkams Leute einen Coriolis-Sturm fast übersehen, kommen um ein Haar eine Menge Arbeiter um.

Doch der planetarische Ökologe Dr. Haynes (= Pardot oder Liet Kynes) hilft Linkam ebenso wie der Spice-Ingenieur William English. Mit diesen Vertrauten verbringen Linkam und Barri einen Tag auf einer Forschungsstation am fernen Äquator. Die Sandwürmer stellen eine ständige Gefahr dar. Dorothy, die keine Bene Gesserit ist, aber über eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe verfügt, macht sich Sorgen um ihren Geliebten, aber noch mehr um Barri, ihr einziges Kind.

Nachdem aufgrund von Sabotage der Flieger (ein „Ornijet“) von Linkam in einem Sturm hat notlanden müssen, glaubt man den Edelmann und seine Begleiter in der tiefen Wüste verschollen. Dorothy macht sich Vorwürfe, denn alles scheint nun zu enden. Doch Linkam, Barri und English sind nicht tot, sondern machen sich auf den Weg zum nächsten Forschungsposten – mitten durch alle Gefahren, die Duneworld zu bieten hat …

_Mein Eindruck_

Dieser Roman mutet an wie eines der zweitklassigen Planetenabenteuer, wie sie Jack Vance in großer Fülle produziert hat. Er hat auch erstklassige SF-Romane geschrieben, aber von dieser Klasse ist „Spice Planet“ weit entfernt. Ich dachte zunächst, eine Kurzgeschichte lesen, weil hierbei der Schwerpunkt auf der Aktion liegt und nicht auf dem Hintergrund und dem Schauplatz. In diesem Ton ging es auch weiter. Und weiter. Und weiter. Bis auf einmal ein Roman in zwei Teilen erzählt war, aber so rudimentär, dass es auch eine ausgewalzte Kurzgeschichte sein könnte. Das einzige Element, das „Spice Planet“ von anderen 08/15-Romanen der fünfziger und frühen sechziger Jahre unterscheidet, ist der ungewöhnliche Schauplatz: Duneworld.

Die Story verläuft völlig anders als im wohlbekannten Klassiker, doch es gibt auch Parallelen. Barri beispielsweise hat überhaupt keine Bedeutung (außer als bedrohte Geisel des Imperators), wohingegen Linkams Konkubine Dorothy eine recht zentrale Rolle spielt: Sie führt nicht nur Linkams Geschäfte, sondern spürt auch den Verräter in Linkams Haushalt auf. Mit dem Imperator und Linkams Konkurrenten Hoskanner treten zwei Oberschurken auf, die im zweiten Teil des Romans für einen spannungsreichen Höhepunkt sorgen. Das Schicksal des bekannten Universums hängt – in Gestalt von Duneworld – an einem seidenen Faden. Mehr sei nicht verraten. So wie Paul Atreides dem Imperator Shaddam IV. entgegentritt, so bietet Linkam dem obersten Herrscher Paroli. Wer das Spice kontrolliert, hat einen sehr langen Hebel …

Die wichtigste und offensichtlichste Parallele besteht denn auch in Duneworld selbst. Nicht nur wird dort der wichtigste Rohstoff des Universums abgebaut, sondern es gibt dort auch eine in sich geschlossene und komplex gezeichnete Ökologie, die den Sandwurm und seine verschiedenen Formen ins Zentrum stellt. Unter den anderen Formen ist zunächst die Sandforelle zu verstehen, aber auch – und das ist neu und verblüffend – Spice-Pflanzen, die rasch in die Höhe wachsen, um aus dem unterirdischen Höhlensystem Spice-Sporen an die Oberfläche zu befördern, wo aus Sporen und verdorrten Pflanzenresten die begehrte Melange entsteht. Nun ja, das muss man nicht für wahrscheinlich oder plausibel halten, denn es ist ja fremdweltlerisch. Der planetare Ökologe Dr. Haynes jedenfalls ist gebührend fasziniert, als Jesse Linkam von seinem unfreiwilligen Ausflug in die Unterwelt von Duneworld berichtet.

Wer also keine großen Ansprüche an einen SF-Roman stellt, der wird von „Spice Planet“ gut unterhalten. Mich ärgert nur, dass das Buch größtenteils so schlecht geschrieben wurde. Der negative Eindruck wird ein wenig erträglicher, wenn man berücksichtigt, dass die Autoren keine Eulen nach Athen tragen wollten und auf das panoramamäßige Malen eines eh schon bekannten kulturellen Hintergrundes aus dem DUNE-Universum vollständig verzichtet haben.

Ihre Grundlage war eine Storyline von Frank Herbert selbst, aber auch das mit dem Leser geteilte Wissen um dieses DUNE-Universum. Sie erfanden keine Bene Gesserit, denn diese ergänzt der DUNE-Fan automatisch, um sich selbst zu erklären, woher Dorothy (= Lady Jessica) ihre besonderen Fähigkeiten erhalten hat. Und General Tuek hat so viele Züge des Krieger-Mentaten Thufir Hawat (inklusive Spuren des Sapho-Saftes), dass es nicht schwer ist, die beiden miteinander zu identifizieren.

Das größte Manko liegt also im völligen Fehlen der Rolle eines Messias, wie Paul Atreides es wird. Einen Messias einzubauen, hätte den Roman „Spice Planet“ jedoch komplett auf den Kopf gestellt – und dann wäre „Der Wüstenplanet“ daraus geworden.

_Briefe zu DUNE 1+2_

Der zweite Abschnitt des Buches führt den Leser mit verbindenden Anmerkungen durch die Entstehung des Romans „Dune“. Die erste Phase fand bereits 1957 statt, als Frank Herbert einen Artikel mit dem Titel „They Stopped the Moving Sands“ über seinen Agenten unterbringen wollte. Allerdings hatte Lurton Blassingame eine Menge berechtigter Einwände, so dass von dem Projekt lediglich ein Brief und ein Angebot übrig blieben. Aber dies war für den Autor der Anstoß, sich noch weiter mit der Wüste, dem Islam und der arabischen Kultur zu befassen.

Dann konnte Blassingame eine DUNE-Story nach der anderen beim wichtigsten Herausgeber eines SF-Magazins unterbringen: bei John W. Campbell jr, der selbst Schriftsteller war. Aus drei Erzählungen, die zwischen 1963 und 1965 in „Astounding“ erschienen, erstellte der Autor einen Roman zusammen, der mehr als doppelt so lang war wie das übliche SF-Buch zu jener Zeit: 200.000 Wörter. Es dauerte zwei Jahre, das Buch unterzubringen, bis schließlich ein anderer Schriftsteller, der als Lektor bei Chilton Books arbeitete, zuschlug: Sterling Lanier. Sein SF-Roman „Hieros Reise“ ist ein Klassiker.

Als „Dune“ die zwei wichtigsten SF-Preise einheimste, arbeitete Herbert schon an der Fortsetzung. „Dune Messiah“ („Der Herr des Wüstenplaneten“) wurde von Campbell vehement abgelehnt, weil es einen Antihelden als Hauptfigur hat. Dafür schlug nun „Galaxy“ zu und die Buchausgaben waren bald ebenfalls unter Vertrag. „Children of Dune“ („Die Kinder des Wüstenplaneten“) sollte die Trilogie 1976 abrunden. Etwas ulkig fand ich, dass eine Reihe von Kritikern Herbert mit Edgar Rice Burroughs verglichen, der bei uns weniger für seine Marsromane als vielmehr für seine Figur Tarzan bekannt ist. Es hagelte auch negative Kritik.

Was ich an diesem Abschnitt am interessantesten fand, waren die Zitate, in denen der Autor über seine Inspirationen, seine Arbeitstechnik („Kameraperspektive“) und seine musikalische Kompositionstechnik erzählte. Kurios ist seine Methode, Figuren zu erfinden und sie in Beziehungen zu anderen zu setzen: Er erwähnt eine Jung’sche Mandala, wobei natürlich von Carl Gustav Jung die Rede ist. Und wenn es um Heldenfiguren geht, dürfte Herbert auch an Joseph Campbell klassische Studie „The hero of a thousand faces“ gedacht haben, erwähnt dies aber nicht.

Dieser Abschnitt ist nur für Fans und Literaturhistoriker interessant.

_Aus „DUNE 1+2“ gestrichene Kapitel_

Die aus „Dune 1“ gestrichenen oder nie darin aufgenommenen Kapitel konzentrieren sich in auffälliger Weise auf den Beginn des Romans. Hier führt Paul Atreides eine Reihe von Gesprächen mit der Bene-Gesserit-Oberin Gaius Helen Mohiam. Die Kürzungen sind eine Reaktion auf die in den Briefen von Verlagslektoren gestellte Forderung, den Anfang des Romans nicht zu lange werden zu lassen. Interessant ist besonders ein langes „neues“ Kapitel, das Paul und Lady Jessica in einem Labor des planetaren Ökologen Liet Kynes zeigt. Hier wird nicht nach den Grundlagen der Spice Melange geforscht. Und wie es aussieht, gibt es in Kynes’ Gruppe einen Spion der Harkonnen …

Zwei Hauptpersonen spielen in den gekürzten bzw. gestrichenen Kapiteln zu „Dune 2“ eine Hauptrolle: Alia und ihr Bruder, der Prophet-Imperator Paul Muad’Dib Atreides. Alia, die mit einem Klon des Schwertmeisters Duncan Idaho verheiratet ist, überführt einen Gildennavigator des Verrats: Der Angriff, den er angestiftet hat, schlägt fehl. Sie vergilt ihm dies mit einer üblen Maßnahme: Sie entzieht ihm das Spice-Gas, das er zum Leben braucht. Auch Prinzessin Irulan und Gaius Helen Mohiam kommen nicht gut weg: Die Nachricht vom Tod des Propheten Muad’Dib löst einen Fremen-Aufstand aus, der zum Lynchmord an den drei genannten Herrschaften führt.

Einer der ärgerlichen Fehler von „Dune 2“ ist die fehlende Szene, in der uns der Tod oder wenigstens das Verschwinden des Propheten Paul Muad’Dib Atreides geschildert wird. Endlich können wir diese Szene nachlesen, und zwar als alternativen Schluss zu „Dune Messiah“. Es ist ein sehr stimmungsvolles und schönes Kapitel, das ich gerne im veröffentlichten Roman gesehen hätte.

_Die Erzählungen_

|1) „Dune: A Whisper of Caladans Seas“ (1999)|

Man schreibt das 10.191 Jahr der Raumgilde. Der Angriff der Harkonnen auf Arrakeen, die Zitadelle der Atreiden, ist in vollem Gange. Der Verräter Wellington Yueh hat den schützenden Störschild deaktiviert, und die Festung ist dem Angriff der Harkonnen-Truppen, dem Kanonenbeschuss schutzlos preisgegeben. Gurney Halleck, der Schlachtenführer, hat die herzoglichen Soldaten in den Verteidigungskampf geführt.

Doch dabei ist eine kleine Gruppe, die Vorräte schütze und von der Flanke Deckung geben sollte, in einer Felshöhle des Schildwalls durch einen Steinschlag vom Rest der Verteidiger abgeschnitten worden. Nun sitzt hier etwa ein halbes Dutzend Soldaten fest. Mit Hoh Vitt haben sie einen Meistergeschichtenerzähler vom Planeten Jongleur in ihrer Mitte. Mit seinen Geschichten schafft er es immer wieder, dass die Soldaten nicht die Nerven oder den Mut verlieren. Leider trennen drei Meter solider Fels sie von der Außenwelt. Sie sind sicher – aber auch verloren. Und der junge verletzte Elto Vitt, der Neffe des Erzählers, erinnert sich voll Sehnsucht an das Flüstern der Meere von Caladan.

Man munkelt, dass manche der Jongleur-Erzähler auch über magische Kräfte verfügen, und als nun Hoh Vitt in der letzte Stunde, als den Menschen der Sauerstoff ausgeht, von Caladan zu erzählen, erweisen sich die Gerüchte als begründet. Später dringen Fremen-Plünderer in die Höhle ein und wundern sich über den Ausdruck der Freude auf den Gesichtern der Toten. Als sie auch die Lungen öffnen, um ihr Wasser zu nehmen, beschließen sie allerdings, die Höhle sofort wieder zu verschließen …

MEIN EINDRUCK: Der Geschichtenerzähler ist leicht als Frank Herbert selbst zu erkennen, und seine Macht, die in seinem Umgang mit Worten gründet, ist in der Tat groß. Die Pointe ist zugleich erschütternd und überraschend. Dies macht diese Erzählung über einen Nebenschauplatz nicht nur zu einem schön aufgebauten Stück Dichtung, sondern wirft ein Schlaglicht auf die Tatsache, dass alle Soldaten auch Menschen sind, mit einer Zukunft, einer Vergangenheit, einer Seele. Erst der letzte Satz, die Pointe, macht aus der Geschichte, obwohl sie auf einer fremden Welt spielt, schließlich doch ein Stück Phantastik. –

Kein Wunder, dass 1999 die Magazinausgabe, in der diese Story abgedruckt wurde, reißenden Absatz fand und ruckzuck vergriffen war. Denn die Story verweist auch auf die sechs Romane, die noch folgen sollten: die „Frühen Chroniken“ der drei wichtigsten Häuser (Atreides, Harkonnen, Corrino) und die „Legenden“ über Butlers Djihad.

|2) „Dune: Hunting Harkonnens“ (2002)|

Dies ist eine Geschichte, die wenige Jahre vor dem Beginn von „Butlers Djihad“ spielt, so um das Jahr 220 v.G. (vor Gründung der Raumgilde). Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Familie Harkonnen. Xavier Harkonnen spielt im Roman „Butlers Djihad“ eine zentrale Rolle, doch hier ist er noch ein junger Knabe aus Salusa Secundus, der von Pflegeeltern aufgenommen wird. Das ist Nebensache. Im Mittelpunkt steht das Schicksal seiner Eltern Ulf und Katarina sowie das seines Bruders Piers. Xavier glaubt, sie seien alle tot und er der einzige Überlebende seines Hauses. Dies ist nicht ganz zutreffend …

Auf dem Rückflug von seinen Diamantminen auf Hagal wird Ulf Harkonnens Yacht von einer Jägergruppe der Cymeks – menschlichen Gehirnen in mechanischen Körpern – überrascht und angegriffen. Der grausame Titan Agamemnon selbst führt die Gruppe. Die Yacht verteidigt sich, doch sie schafft es nicht zur nahen Wasserwelt Caladan. Piers’ Eltern sterben in einer Explosion, während er selbst in einer Rettungskapsel entkommen kann und in den Bergen Caladans notlandet.

Vier Cymeks, die ihn verfolgen, landen bald danach an der Absturzstelle und verfolgen den flüchtenden und verwundeten Menschen. Doch sie haben nicht mit den Tricks der Bergbewohner gerechnet, Nachkommen der Zensunni-Wanderer, die sich unter dem Gletscher eine kleine Siedlung aufgebaut haben. Hier kommt es zu einem Showdown zwischen Piers und dem General Agamemnon …

MEIN EINDRUCK: Die Zahl der Niederlagen, die Agamemnon, der Führer aller Cymeks, hat einstecken müssen, ist nicht gerade Legion, wenn man den Erzählungen in den drei „Legenden“-Romanen glauben darf. Das macht diese actionreiche Geschichte bemerkenswert. Zum anderen wird es möglicherweise später noch wichtig, dass Xavier seinen Bruder nicht ganz verloren hat. Wenn Piers Nachkommen hat, so könnten diese noch in späteren Romanen auftauchen. Menschlich interessant wird die Story nur durch die Figur des Piers Harkonnen, der ein harter Sklavenhalter werden soll, darin aber völlig versagt, weil er viel lieber ein Geschichtenerzähler wäre – und sich am Ende diesen Traum auch erfüllen kann. Wenn auch auf völlig andere Weise als erwartet.

|3) „Dune: Whipping Mek“ (2003)|

Diese Story schlägt eine Brücke zwischen „Butlers Djihad“ und „Der Kreuzzug“, den Bänden 1 und 2 der „Legenden“-Trilogie. Im Mittelpunkt steht Vergyl Tantor, der 23-jährige Halbbruder von Xavier Harkonnen. Er lebt jetzt auf Giedi Primus, der späteren Heimatwelt der Harkonnens, die jetzt aber noch eine grüne Welt ist. Xavier ist Oberbefehlshaber der Djihad-Kriegsflotte, die gerade von ihrem Einsatz bei Peridot zurückkehrt. Die Schiffe sind zerschunden und beschädigt, denn sie haben eine Schlacht gegen die Denkmaschinen hinter sich, welche Peridot zu einer Synchronisierten Welt machen wollten.

Soldat Vergyl Tantor hört zwar von Xavier, was auf Peridot Schreckliches passiert, doch das schreckt ihn nicht etwa ab, sondern stachelt vielmehr seinen Hass gegen die Denkmaschinen weiter an. Er will unbedingt bald mal in einen richtigen Kampfeinsatz. Einen Vorgeschmack darauf erhält er, als er an Bord von Xaviers Flaggschiff den berühmten Ginaz-Söldner Zon Noret beim Schwerttraining gegen einen echten Kampfroboter erblickt. Er überredet Noret, ihn selbst auch einmal einen Waffengang probieren zu lassen. Doch er erlebt sein blaues Wunder.

MEIN EINDRUCK: Diese Brückenstory hat eigentlich keine richtige Handlung mit Anfang, Mitte und Ende, sondern bildet so etwas wie ein Porträt für eine Nebenfigur in „Der Kreuzzug“. Immerhin kommt es zu etwas Action, als Vergyl sich im Kampf mit dem Trainingsroboter Chirox reichlich verausgabt. Chirox ist eine Figur, die dauernd im Zusammenhang mit den Ginaz-Söldnern auftaucht, einer ihrer wichtigsten Lehrer. Inhaltlich belanglos, weiß die Story doch halbwegs zu unterhalten. Sie ist aber nur für Leser einigermaßen verständlich, die den 1. Band gelesen haben, „Butlers Djihad“.

|4) „Dune: The Faces of a Martyr” (2004)|

Auch diese Erzählung ist ein Brückenstück. Es verbindet Band 2 und 3 der Legenden-Trilogie. Am Anfang von Band 3 „Die Schlacht von Corrin“ fragt sich der Leser erstaunt, woher all die Veränderungen kommen, mit denen er unvorbereitet konfrontiert wird. Diese Fragen werden in der Story beantwortet. Im Grunde geht es nur um zwei Hauptfiguren: Vorian Atreides und Rekur Van.

Man schreibt das Jahr 165 v.G. (vor der Gilde). Vorian Atreides ist nach dem Tod von Xavier Harkonnen der neue Oberbefehlshaber der Djihad-Streitkräfte. Er muss eine seltsame Geschichtsfälschung verkraften. Obwohl er weiß und mehrmals gesagt hat, dass Xavier die Machenschaften des Großen Patriarchen Iblis Ginjo mit den Tlulaxa aufdeckte und diesen Kriegsgewinnler daraufhin in Selbstaufopferung tötete, ist inzwischen der Bösewicht zum Märtyrer (daher der Titel!) gemacht und Xavier zum Schurken gestempelt worden. Ginjos Witwe und ihr Polizeichef, eine sehr gefährlicher Mann, haben Iblis neben Serena und Manion Butler gestellt und eine Dreifaltigkeit von Märtyrern geschaffen. Vorian ist angeekelt, muss aber seine Meinung für sich behalten, will er nicht dem Djihad gegen seine geschworenen Feinde, die Maschinen, ernsten Schaden zufügen.

Serena Butlers Anhänger haben die Genzüchtungsfabriken der Tlulaxa zerstört. Was für eine Verschwendung, denkt der Genhändler Rekur Van verbittert. Die Tlulaxa fliehen in Scharen von ihren zerstörten Planeten und werden abgeschossen. Wohin kann er sich wenden? Indem er sich tot stellt, kann er davonschleichen. Die einzige Partei, die an seinen Errungenschaften interessiert sein könnte, sind die Denkmaschinen.

Der unabhängige Roboter Erasmus stellt laufend grausame Experimente an, um mehr über das Wesen und die Schwächen des Gegners, der Menschen, herauszubekommen. Als Rekur Van ihm die Zellen von Serena Butler im Tausch für sein Leben offeriert, ist Erasmus einverstanden. Er will wieder heiße Debatten mit jener Frau führen, die vor 35 Jahren den Djihad ausgelöst hat. Doch das Ergebnis entspricht nicht ganz Erasmus’ Erwartungen. Rekur muss für seinen Fehler bezahlen … (Und so sehen wir ihn am Anfang von „Die Schlacht von Corrin“ wieder.)

MEIN EINDRUCK: Die ist keine Erzählung, sondern ein herausgeschnittenes Stück aus einem Roman, in den es nicht hineinpasste. Oder weil es entbehrlich war. Insofern teilt es die gleiche Kategorie mit jenen gekürzten Texten aus Dune 1 und 2. Die Vorgänge sind ohne die Lektüre des Romans „Der Kreuzzug“ kaum zu verstehen oder zuzuordnen.

Von den vier Erzählungen wusste mich nur die erste zu beeindrucken, die anderen kann man getrost vergessen. „A Whisper of Caladan Seas“ ist nicht nur erstklassige Short-Story-Kunst, sondern auch ein Loblied auf Frank Herbert und dessen Talent des Geschichtenerzählens. Die Figur eines magischen „Master-Storytellers“ wie Hoh Vitt finde ich faszinierend und vielversprechend. Diese Figur erfüllt eine wichtige und hier tragisch geschilderte Rolle für die menschliche Gesellschaft.

_Unterm Strich_

Das Gesamturteil kann nicht besonders begeistert ausfallen, wenn es sich hauptsächlich um Resteverwertung handelt, was die beiden Autoren hier treiben. Neben einem minderwertigen SF-Abenteuerroman stehen jede Menge Erzählungen, teils gekürzte Szenen, neue Kapitel und wiedergefundene Brückenstücke zwischen Romanen sind. Einzige Ausnahme ist meines Erachtens „A Whisper of Caladan Seas“, das nicht nur eigenständig als Story bestehen kann, sondern auch eine bemerkenswerte Aussage innerhalb des ursprünglichen DUNE-Universums mitbringt. Wertvoll fand ich auch die Briefe zu Dune 1 und 2.

|Für wen sich das Buch eignet|

Sicher können die angeblich „Millionen von DUNE-Fans“ da draußen etwas mit Fund- und Bruchstücken aus den ersten beiden DUNE-Romanen anfangen, aber wollen sie das überhaupt? Ich käme mir wie einer der Leichenfledderer in „A Whisper of Caladan Seas“ vor. Es sei denn, ich wäre ein Literaturwissenschaftler, der danach strebt, das ganze Werk, das Dune 1 und 2 bildet, inklusive aller „Deleted Scenes“ kennen zu lernen. Dann würde ich auch die Briefe zu diesen beiden Romanen sehr interessant finden. Und Herbert verrät uns darin sogar ein paar nette Details über seine Arbeitsmethode.

Den Löwenanteil an diesem Buch bestreitet ohne Zweifel der Roman „Spice Planet“. Ich habe mein Urteil oben bereits differenziert erläutert. Der Roman steht auf dem Niveau eines B-Movies aus den 1950er Jahren, wäre da nicht das einzigartige Setting des Wüstenplaneten. Aber da wir es schon ausgiebig aus Verfilmungen und den Romanen kennen, hält sich der Neuheitswert stark in Grenzen.

Kurz und gut: Ein paar Texte sind für bestimmte Lesergruppen von Interesse, aber die breite Masse, selbst wenn sie DUNE mögen, braucht das Buch nicht zu kennen. Und um die letzten drei Erzählungen zu verstehen, muss man sowieso bereits die Legenden-Trilogie gelesen haben.

Eins steht für mich fest: Im DUNE-Universum lassen sich mindestens ebenso viele Geschichten ansiedeln wie in „Star Wars“ und „Star Trek“. Will heißen: Anderson und Herbert können noch bis an ihr Lebensende darüber schreiben und Geld damit verdienen.

Brian Herbert / Kevin J. Anderson – Butlers Djihad (Der Wüstenplanet: Die Legende 1)

Space-Opera der alten Frank-Herbert-Schule

Zehntausend Jahre, bevor das Haus Atreides die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten (Dune) und seine wertvollen Spice-Vorräte antritt, ereigneten sich Dinge, die die Geschichte der Menschen veränderten – und die in späteren Legenden als Butlers Dschihad, der Kreuzzug der Maschinen und die Schlacht von Corrin erwähnt werden. Es ist die Zeit, in der die Künstlichen Intelligenzen (KIs) des irdischen Großcomputers Omnius die Synchronisierten Welten beherrschen, wohingegen die Liga der Edlen von Salusa Secundus aus eine Reihe freier Welten beschützt. Unter den Unverbündeten Welten befindet sich ein wüstenhafter Planet am Rande des Siedlungsgebiets: Arrakis.

Im Jahre 200 vor Gründung der Gilde (V.G.) wird dort erstmals Spice für den Export zu den Zentralwelten der Liga abgebaut. Doch es gibt jemanden, der einer göttlichen Vision folgt und gegen den absehbaren Raubbau einschreitet …

Die Autoren

Brian Herbert ist der Sohn des Schöpfers des Wüstenplaneten DUNE, Frank Herbert. Brian Herbert hat nicht nur selbst einige Science-Fiction-Romane geschrieben, sondern auch die Biografie seines Vaters („Dreamer of DUNE“). Er fragte Kevin J. Anderson, ob dieser an einer DUNE-Vorgeschichte mitarbeiten wollen. Anderson, selbst Autor von 12 Millionen verkauften Büchern (Akte X, Star Wars u.v.a.), sagte geehrt und begeistert zu.

Das Ergebnis der Kooperation war zunächst die Trilogie der „Frühen Chroniken“ des Wüstenplaneten, die aus folgenden Bänden besteht:

1)  Das Haus Atreides
2)  Das Haus Harkonnen
3)  Das Haus Corrino

Nun ist mittlerweile die zweite Trilogie „Der Wüstenplanet: Die Legende“ abgeschlossen. Sie besteht aus folgenden Bänden:

1) Butlers Djihad (The Butlerian Djihad)
2) Der Kreuzzug (The Machine Crusade)
3) Die Schlacht von Corrin  (The Battle of Corrin)

Ein weiterer Band namens „The Road to Dune“ ist 2005 erscheinen. Er versammelt u. a. aus dem ersten Roman“Der Wüstenplanet“ herausgenommene Kapitel. Weitere Bände befinden sich offenbar in Vorbereitung.

Vorgeschichte

Rund 1200 Jahre vor Gründung der Gilde (V.G.) übernahmen die „Maschinen“ die Herrschaft über die Menschen. Unter „Maschinen“ sind alle Roboter und KIs zu verstehen, die vom Zentralcomputer Omnius, dem „Allgeist“ gesteuert werden. Omnius hat Kopien seiner Zentraldatenbank auf den eroberten Welten installiert, die folglich als Synchronisierte Welten bezeichnet werden. Regelmäßige Updates halten sie auf dem neuesten Stand. Eine interstellare Telekommunikation gibt es nicht, daher müssen Langstreckenschiffe die Updates verteilen …

Wie konnte es zu diesem Supremat der „Maschinen“ kommen? Schuld waren die Rebellen, die das Alte Imperium stürzten. Das Imperium war alt und behäbig geworden, und ein junger Außenseiter namens Tlaloc (der Name eines antiken Regengottes) sah seine Chance und die Notwendigkeit, etwas Neues zu errichten: die Herrschaft der „Titanen“. (Diese einzelnen Vorgänge werden nicht kompakt, sondern sukzessive im Verlauf des Romans berichtet.)

Zwanzig Rebellen konnte Tlaloc für seine Sache gewinnen: Informatiker, Kämpfer, Bürokraten, Wissenschaftler, Gamer. Diese „Titanen“ hatten selbstverständlich bürgerliche Namen, die sie jedoch alsbald durch Decknamen wie Juno, Dante, Barbarossa oder Xerxes ersetzten. Nach dem Tod von Tlaloc ist inzwischen Agamemnon ihr Anführer. Er ist ein geborener Atreides. 13 Söhne hat er bis zum Jahr 200 V.G. aus seiner Samenbank gezeugt, doch zwölf davon erwiesen sich als Fehlschläge. Vorian Atreides, die Nummer 13, soll nicht nur eine wichtige Rolle im Roman spielen (und in „Der Kreuzzug“), sondern auch Agamemnons größte Enttäuschung werden. Vorian ist ein Update-Lieferant (s.o.).

Unter den Titanen erwies sich Xerxes als ein sinnenfreudiger, aber leider feiger Zeitgenosse. Nachdem die nahen Menschenwelten unterworfen waren, übertrug er immer mehr Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben an die KIs. Diese erkannten ihre Chance und übernahmen ihrerseits die Herrschaft von den Titanen. Der Coup überraschte die Titanen, und Omnius trat seine 1000-jährige Herrschaft an. Doch der Titan Barbarossa hatte die KIs darauf programmiert, aggressiv ihr Territorium auszudehnen. Dies nahmen die weiter entfernt liegenden Welten nicht hin und gründeten die Liga der Edlen mit Hauptsitz auf Salusa Secundus. Giedi Primus, spätere Hauptwelt der Harkonnen, gehört ebenfalls zum lockeren Schutzverband.

Doch die 20 Titanen haben sich unter der Omnius-Herrschaft stark verändert. Wie sonst hätten sie 1000 Jahre überdauern können? Auf den Vorschlag des Philosophen Eklo hin (der in „Butlers Djihad“ auftritt) trennten sie ihr Gehirn vom schwachen, hinfälligen Körper und versetzten es, eingehüllt in Nähr- und Kontaktflüssigkeit in auswechselbare, stabile Metallkörper. Sie sind nun Cymeks (ähnlich Cyborgs). Und natürlich müssen sie Omnius laufend ihre Loyalität unter Beweis stellen. Der Titan Ajax hat zum Beispiel die gesamte menschliche Bevölkerung der Welt Walgis ausgelöscht, um ihren Aufstand niederzuschlagen und ein Exempel zu statuieren.

Und natürlich verlangt die Programmierung von Omnius, weitere Welten zu unterwerfen. Diesmal ist Salusa Secundus an der Reihe. Wieder einmal.

Handlung

Salusa Secundus

Doch die Menschen der Liga haben technische Erfindungen gemacht, die regelmäßig von Tio Holtzman auf der Welt Poritrin geliefert werden. Sein Holtzman-Störschild – wir kennen ihn von der Arrakis-Festung – zerstört die Schaltungen in elektronischen Gehirnen, kann aber biologischen Gehirnen nichts anhaben. Deshalb fühlt sich die Bevölkerung auf Salusa recht gut geschützt, als der Angriff der irdischen Flotte der „Maschinen“ gemeldet wird.

Während die Roboter abstürzen oder abgeschossen werden, dringen jedoch zum Entsetzen der Truppenführung unbeschadet über zwei Dutzend Fluggeräte durch, die auf dem Boden ihre tödliche Fracht ausspeien. Gesteuert werden sie von Neo-Cymeks, also biologischen Gehirnen in mechanischen Robotern. Diese Neo-Cymeks – Agamemnon und Co. bleiben in sicherer Distanz – greifen nicht nur die Truppen und die Wohngebiete an, sondern haben es auf die Generatoren des Störschildes abgesehen.

Als der Tercero (oder Drittrangige) Xavier Harkonnen erkennt, befiehlt er den geordneten Rückzug seiner Truppen zu den Generatoren sowie die Konzentration der Angriffe auf die Neo-Cymeks. Da er mittlerweile durch Ausfall der Vorgesetzten zum Oberbefehlshaber geworden ist, leistet man ihm Folge. Obwohl er durch einen Gasangriff kaum noch atmen kann, führt er den Abwehrschlag erfolgreich an. Die Neo-Cymeks fliehen! Die feindlich Flotte verschwindet. Salusa ist gerettet!

Intermezzo

Xavier verlobt sich mit Serena Butler, der schönen und energischen Tochter des Parlamentspräsidenten Manion Butler. Sie setzt sich für humanitäre Hilfe auf angegriffenen und unverbündeten Welten ein und hat schon so manchen Lorbeer dafür geerntet. Auf eine Jagdpartie wird sie beim Liebesspiel schwanger. Die Empfängnis bemerkt sie angeblich erst, als sie schon im dritten Monat ist. Kein Wunder, denn sie hat viel zu tun: Salusa wiederaufbauen, Pläne gegen die „Maschinen“ schmieden und vieles mehr.

Auf der Welt Rossak ist ein eingeschworener Zirkel von telepathiebegabten Frauen unter Führung der strengen „Zauberin“ Zufa Cenva entstanden. Nur die Frauen des vielerorts giftigen und teratogenen Planeten sind in der Lage, einen Energieblitz mental zu erzeugen und so eine „Maschine“ außer Gefecht zu setzen. Dies ist der Vorläufer des Bene-Gesserit-Ordens. Nach dem erfolgreichen Einsatz wird Rossak Opfer eines Angriffs durch die Titanen …

Cenvas zwergwüchsige Tochter Norma ist eine geniale Mathematikerin, doch ihre Fähigkeiten werden von ihrer Mutter verkannt. Als ihr Vater, Zufas Lebensgefährte Aurelius Venport, ein wohlhabender Drogenhändler, ihr Tio Holtzmans Einladung überbringt, besorgt er ihr ein Ticket nach Poritrin. Norma erfindet auf dieser Sklavenwelt die schwebenden Leuchtgloben und das Suspensorfeld. Ihr gelingt die Anwendung des Holtzman-Schildes für Kriegsschiffe, während Holtzman selbst den Körperschild zur Serienreife bringt. Doch Wissenschaft muss nicht mit sozialem Gewissen gepaart sein. Die Sklaven bereiten den Aufstand gegen ihre Herren vor …

Auf Arrakis, dem Wüstenplaneten, sieht sich der ausgestoßene Zensunni-Wüstenbewohner Selim dem Tod durch Verdursten gegenüber. Oder ein Sandwurm wird ihn verschlingen. Durch Zufall gelingt es ihm, einen Sandwurm zu reiten und tief in der inneren Wüste eine botanische Teststation des Alten Imperiums zu entdecken. Er hat Wasser, Proviant und Informationen. Die Stationen bilden ein Netzwerk. Als er auch noch pure Spice-Melange isst, empfängt er eine göttliche Vision.

Giedi Primus

Der nächste Angriff der Maschinen gilt rund ein halbes Jahr später der rohstoffreichen Welt Giedi Primus. Es ist eine grüne Welt, vor dem Angriff. Giedi City verfügt über einen Störschild, doch Agamemnon hat eine List dagegen entwickelt. Er opfert ein komplettes Roboterschlachtschiff, das in seinem Sturz die Generatoren zerstört und den Planeten für den restlichen Angriff bloßlegt. Die „Maschinen“ installieren ihre Herrschaftsstruktur und beginnen, die Rohstoffe auszubeuten, mit den ehemaligen Bürgern als Sklaven.

Der Verlust von Giedi ist ein schwerer Schlag für die Liga. Xavier Harkonnen, inzwischen Segundo (Zweitrangiger) und mit künstlichen Lungen versehen, hatte die Verteidigung des Planeten selbst kürzlich inspiziert und macht sich nun schwere Vorwürfe, nicht an diese Schwäche gedacht zu haben. Doch seine Gedanken waren bei seiner Liebsten …

Serena jedoch hat einen Plan zur Befreiung Giedis vorbereitet, im Geheimen bereits einen Blockadebrecher und eine Mannschaft organisiert. Sie schleicht sich nächstens vom Liebeslager fort, um Salusa zu verlassen. Ihr Plan: Sie will den beinahe fertiggestellten Sekundärgenerator am Nordpol von Giedi instandsetzen und einen neuen Störschild errichten. Doch dieser kann natürlich nur effektiv wirken, wenn zugleich auch die Liga-Kampfflotte zu Hilfe eilt, um den Gegenangriff der Maschinen abzuwehren.

Xavier wird von Serenas geheim gehaltenem Plan ebenso überrumpelt wie das Liga-Parlament. Es ist jedoch sonnenklar, dass man Serena, immerhin eine Parlamentarierin und verdiente Bürgerin, nicht im Stich lassen kann. Xaviers Flotte trifft über Giedi ein und vernichtet die „Maschinen“, unterstützt von neuen Holtzman-Erfindungen und einer Rossak-Zauberin, die den Titanen Barbarossa besiegt. (Heoma wird später ein Schrein errichtet.)

Terra

Doch wo ist Serena abgeblieben, Xaviers Ein und Alles? Sie wurden von Robotern gefangen genommen und zur Erde gebracht. Dort soll sie dem unabhängigen Roboter Erasmus zu Anschauungszwecken dienen. Der Mengele-Nachfolger hat mit Omnius eine Wette abgeschlossen: Er will beweisen, dass man keinem Menschen trauen kann. Sollte er seine Wette gewinnen, so müsste Omnius alle Menschen auf der Erde exterminieren.

Doch bis es soweit ist, hat Erasmus noch viel Freude am Experimentieren mit Serena, die nun auf der Erde ihren Sohn zur Welt bringt: Manion Butler, Xaviers einzigen Sohn. Und schon bald registriert Erasmus zu seinem großen Missfallen, wie eine große Veränderung in dieser Menschenfrau vor sich geht …

Mein Eindruck

Zu meinem Missfallen fand ich mich gleich am Anfang mitten in einer Military-Action-Schmonzette wieder, in der sich der Schlagabtausch zwischen Menschen und „Maschinen“ in martialischen Handlungen erschöpft. Ich dachte schon, ich würde das Buch nach fünfzig Seiten in die Ecke feuern müssen, doch zum Glück kam es anders. Es ist nur eine von Kevin Andersons Standarderöffnungen, wie sie in jedem beliebigen seiner Star-Wars-Machwerke zu finden sind – und dort offenbar vom nach Action lechzenden (männlichen) Leser verschlungen werden. Wie George Lucas weiß Anderson, wie man das Publikum für ein Garn interessiert, auch wenn es noch so hanebüchen daherkommt.

Ich wage nicht, die einzelnen Kapitel jeweils einem der beiden Autoren zuzuordnen, aber ich schätze, dass ich mit der Zuweisung der Militäraction zu Anderson richtig liege. Doch was hat dann Brian Herbert geschrieben? Ich neige zu der Einschätzung, dass er sämtliche Szenen lieferte, die auf Arrakis spielen. Der Grund für meine Einschätzung liegt darin, dass diese Szenen erstens anders aufgebaut sind, keinerlei Militäraction beinhalten und – das ist der Hauptgrund – uns das Innenleben einer Figur auf das Intensivste öffnen.

Selim Wurmreiter

Daher gehört Selim Wurmreiter auf Arrakis zu den wenigen Figuren, die dem Leser nach dem Zuschlagen des Buches in Erinnerung bleiben. Obwohl er lange nicht so intim geschildert wird wie später Paul „Muad’dib“ und Herzog Leto Atreides, beginnen wir doch an Selims Schicksal Anteil zu nehmen. Sein buddhislamischer Zensunni-Glauben lässt ihn an die Vorsehung glauben und an einen Gott, der Großes mit ihm vorhat.

Diese Glaube deckt sich mit dem vieler Propheten – alle drei großen Weltreligionen kommen aus der Wüste, und das nicht ohne Grund. Die extremen Umweltbedingungen reduzieren die Wahrnehmung und Interpretation der Welt ringsum auf das Wesentliche. Und was könnte wichtiger sein, als in der lebensfeindlichen Arrakis-Wüste Methoden zum Überleben zu finden? Dazu gehört natürlich, Wasser zu finden, den Wurm zu reiten und letzten Endes die Herrschaft über die Spice-Melange zu erringen. Das ist ein volles Programm, und es dauert Jahre, bis Selim es umgesetzt hat. Ich fand es spannend, dies zu verfolgen. Aber leider geht es wie mit allen Episoden, die das Autorengespann liefert: Die Szenen sind oftmals viel zu kurz.

Erasmus

Der unabhängige Roboter – ein paradoxes Unikum schon von vornherein. Er ist das Paradebeispiel eines bösartigen Wissenschaftlers. Er stellt Experimente mit seinen menschlichen Zuchtsklaven an, um das Geheimnis menschlichen Verhaltens – vorgeblich für Omnius – herauszufinden. Und da gibt es ja bekanntlich so viele Widersprüche. Seine Lieblingsobjekte sind eineiige Zwillinge. Diese Vorliebe teilt er mit Dr. Mengele, dem grausamen Nazi-Arzt in Auschwitz, der dort tausende Opfer forderte.

Sein wichtigstes Experiment aber besteht in der Beobachtung der gefangenen Serena Butler, die in seiner feudalen Villa als Gärtnerin Sklavendienste verrichten muss und auf ihrer Heimatwelt für tot gehalten wird. Doch im Gegensatz zu den unterworfenen und vernachlässigten Sklaven hat er es bei Serena mit einer gebildeten Freien der Herrscherkaste von Salusa Secundus zu tun. Ein äußerst interessantes Objekt.

Seltsamerweise interessiert sich Erasmus (abgeleitet von Erasmus von Rotterdam, einem Humanisten des Mittelalters) nur für ihre Biologie und ihr Verhalten, nicht aber für die politischen Vorteile, die Omnius aus einer Geisel ziehen könnte. Sollen wir dieses Manko als Engstirnigkeit seitens der „Maschinen“ auffassen? Mir kommt es eher als Nachlässigkeit der Autoren vor. Andererseits: Würden die „Maschinen“ den freien Menschen von Seren erzählen, würden diese nur an eine Lüge glauben, halten sie doch Serena für tot, umgekommen auf Giedi Primus.

Vorian Atreides

Der Sohn des Agamemnon durchläuft eine Entwicklung, die ihn als Figur interessant macht, doch sein Umschwung basiert einfach auf neuem Wissen und seiner Liebe zu Serena, nicht mehr. Aus dem treuen Untertanen und Sohn, der sowohl seinen ruhmreichen Vater liebt als auch die Herrschaft der „Maschinen“ voll in Ordnung findet, wird durch diese Begegnung mit der ersten freien Frau seines Lebens ein anderer Mensch.

Eigentlich wollte er sich ja zum Neo-Cymek machen lassen und hat bereits die Langlebigkeitsbehandlung* über sich ergehen lassen, doch nun, nach seiner Konversion zum Glauben an die Freiheit der Menschen hält er wenig von einem Exoskelett. Dennoch empfangen ihn die Leute der Liga zunächst als Verräter – warum auch nicht? Besonders Xavier ist gegen ihn eingestellt. Er muss sich zunächst als Freund bewähren und verrät die militärischen Geheimnisse von Titanen, Omnius und Terra.

* Diese Langlebigkeitsbehandlung erfolgt zwangsweise durch Agamemnon. Sie ist nicht von Vorian erbeten worden. Folglich fühlt sich Vorian quasi durch seinen Vater wie vergewaltigt. Ich darf daran erinnern, dass auch in „Der Wüstenplanet“ Paul, der Sohn des Herzogs Leto Atreides, einer äußerst schmerzhaften Prüfung unter Zwang unterworfen wird (durch eine Bene Gesserit).

Beide Situationen sind nicht aus der Luft gegriffen! Sie haben ein reales Vorbild in Prüfungen, die der Autor Frank Herbert an seinem Sohn Brian vornahm und die für diesen selbstverständlich sehr schmerzhaft und demütigend waren. Frank fand die Prüfung notwendig und nahm sie in seinen DUNE-Roman auf, Brian münzt sie um und verarbeitet sie in „Butlers Djihad“. Siehe dazu besonders Brians Biografie seines Vaters: „Dreamer of Dune“ (bislang unübersetzt).

Der Djihad

Nun habe ich noch mit keinem Wort erklärt, warum dieser Roman den Titel einer Legende aus „Der Wüstenplanet“ trägt. Was ist nun mit dem „heiligen Krieg“ (‚djihad‘ heißt eigentlich „heiliger Weg“)? Und was hat das mit Serena Butler zu tun?

VORSICHT SPOILER

Im Jahre 201 V.G. wird Serenas Sohn Manion von Erasmus ermordet, ein Jahr später erscheint die Liga-Armada über Terra und vernichtet die „Maschinen“, darunter auch den Terra-Omnius (es gibt ja noch die Kopien!). Das ist aber nicht das, was man unter „heiligem Krieg“ versteht.

Um es dazu kommen zu lassen, muss es erst einen Aufstand der Menschen von Terra und anderen Planeten gegen ihre Roboterherren kommen. Die Ermordung Manion Butlers ist der Zündfunke, der das schon seit Jahren vorbereitete Pulverfass des Aufstandes endgültig zur Explosion bringt. Anführer ist auf Terra ein Vorarbeiter mit dem schönen Namen Iblis Ginjo (das arabische Wort „iblis“ bezeichnet eigentlich einen Teufel). Er hat sofort die freie Menschenfrau, die sich als Helferin der Erasmus-Sklaven profiliert hat, als potenzielle Galionsfigur erkannt und für seine Rebellion vereinnahmt. Sie ahnt davon nichts.

Doch der Aufstand gegen eine globale Maschinenkultur ist zum Scheitern verurteilt, wenn die Liga nicht eingreift. Als es endlich dazu kommt, ist dies der zweite Teil des Djihad. Nach erfolgreichem Abschluss müssen die restlichen Synchronisierten Welt befreit werden – der dritte Abschnitt des heiligen Krieges gegen die Maschinen.

Erst die Schlacht um Corrin, wohin Erasmus geflohen ist, entscheidet das Schicksal der „Maschinen“ und führt jene politischen Verhältnisse herbei, die in der Trilogie der drei Häuser und im Dune-Zyklus selbst wir vorzufinden gewohnt sind.

ENDE SPOILER

Unterm Strich

Der SF-Roman folgt wie alle Anderson-Herbert-Kooperationen dem bewährten Kochrezept eines Retorten-Bestsellers. Die Kapitel sind nicht länger als fünf Seiten, und wir bekommen daher gleich 126 Stück davon in mundgerechten Häppchen serviert. Das Glossar bewahrt den Leser vor größerer Verwirrung, selbst dann, wenn er noch nie einen Dune-Roman in der Hand gehalten hat.

Doch die Gefahr der Verwirrung ist denkbar gering: Die meisten Leser dürften DUNE-Junkies sein. Und ob der einfachen Sprache und kurzen Kapitel können schon 13- bis 14-Jährige das Buch verstehen, ohne Angst um ihre grauen Zellen haben zu müssen. (Der Sex ist jugendfrei, doch Blut – meist das Ersatzblut von Robotern – darf bis zur Decke spritzen. Amis haben mit Gewaltdarstellungen offenbar kein Problem)

Innerhalb des DUNE-Zyklus bringt der Roman noch eine weitere Vorgeschichtsebene, eben die legendäre Zeit des Djihad (den Paul und Leto Atreides ja fortsetzen sollten) mit der Schlacht um Corrin. Noch ahnen wir nicht, wie es zur Entstehung der Gilde und der Adelshäuser, zum neuen Imperator und der Blutfehde zwischen Atreides und Harkonnen kommt. Aber das soll noch in den Bänden 2 und 3 der Legenden-Trilogie nachgeliefert werden.

Fazit: durchschnittliche, aber gut gemachte Trivial-Science-Fiction im Space-Opera-Format alter Schule. Muss man nicht kennen, auch nicht als DUNE-Fan.

Originaltitel: DUNE: The Butlerian Djihad, 2002
797 Seiten
Aus dem US-Englischen von Bernhard Kempen
www.heyne.de